Beiträge von hart

    Es ist wohl nichts besonderes, wenn eine Sängerin oder ein Sänger 100 Jahre nach ihrem Tod vergessen ist, aber im Falle der Patti stimmt das doch nachdenklich, da sie zu Lebzeiten unangefochten die berühmteste Sängerin ihrer Zeit war.

    Also imTamino-Klassikforum war Adelina Patti nie vergessen; im Thread »Der Musiker Gräber« wurde sie - anlässlich ihres Geburtstages - auf Seite 18 im Beitrag Nr. 517 ausgiebig gewürdigt.

    Anmerkung:
    Wenn man sich bezüglich der Daten nach dem Gregorianischen Kalender richtet, wird der Todestag dort erst am 16. November angezeigt.

    Lieber Willi,

    also nach irgendetwas muss man sich ja richten, aber weil ich natürlich um die unterschiedlichen Darstellungen wusste, hatte ich diese Anmerkung unter meinen Beitrag gesetzt. Letztendlich waren wir ja weder bei der Geburt noch beim Tod zugegen und sind auf Überlieferungen angewiesen. Da heißt es dann zum Beispiel:

    Heinrich Schütz wurde nach dem gregorianischen Kalender am 18. Oktober 1585 (am 8. Oktober 1585 nach dem damals in dieser Region noch verwendeten julianischen Kalender) in Köstritz im Heiligen Römischen Reich (heute Deutschland) geboren und verstarb mit 87 Jahren am 16. November 1672 (gregorianischer Kalender, am 6. November 1672 nach julianischem Kalender) in Dresden.

    Soweit mir bekannt, galt von 1583 bis 1700 in Sachsen weiterhin der julianische Kalender, man hat ja bei der Beschreibung historischer Vorgänge immer mit der Schreibweise zu »kämpfen«,. so auch bei der Beschreibung von Schütz´ Jugendzeit - war er nun in Cassel oder Kassel?

    Viel wichtiger scheint mir jedoch, dass man solche Künstler »lebendig« erhält ...

    SeionHeinrich Schütz *8. Oktober 1585 Köstritz - † 6. November 1672 Dresden


    DAS GRAB VON HEINRICH SCHÜTZ - Heute ist sein Todestag

    Übersehen kann man es nicht, denn schon weithin sichtbar erhebt sich die Dresdner Frauenkirche mit über 90 Meter Höhe. Aber der mächtige Bau war erst 2005 wieder aus der Ruine entstanden. Als ich beim ersten Rundgang in der Kirche das im Boden eingelassene polierte Bronzeband sah, dachte ich, dass dies das Grab des Komponisten Heinrich Schütz sei, also ähnlich dem Grab von Johann Sebastian Bach, das sich seit 1950 im Chorraum der Thomaskirche zu Leipzig befindet. In Dresden ist das aber heute eine gänzlich andere Situation, so dass sich heute nur feststellen lässt, dass sich das Grab von Heinrich Schütz irgendwo in der Nähe befand, aber eigentlich schon seit 1727 nicht mehr existiert.


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    Das Band ist (Länge in der Mitte gemessen) 3,13 m mit einer Bandbreite von 0,13 Meter und kann hier nur in der Zerstückelung gezeigt werden, weil beim Fotografieren kein größerer Abstand möglich war.



    Heinrich Schütz galt seinen Zeitgenossen als »Vater der Musik« und wird heute als der erste deutsche Komponist von Weltrang, oder vielleicht besser gesagt, von europäischer Bedeutung bezeichnet. Er war ein evangelisch-lutherischer Komponist und Organist, der hauptsächlich in Dresden wirkte, aber sich auch über längere Zeiträume sowohl in Italien als auch Dänemark musikalisch betätigte, wobei sein erster Aufenthalt in Venedig primär eine Fortbildungsreise war, hingegen Schütz dann in Kopenhagen schon den Status eines gestandenen und allseits geachteten Musikers hatte. Eine Blitzkarriere war es nicht; als Berufsmusiker trat er relativ spät in Erscheinung, vielleicht ahne er, dass er noch viel Zeit in seinem Leben haben würde, denn er erreichte das für seine Zeit ungewöhnliche Alter von 87 Jahren. In der Trauerrede hieß es damals, dass Heinrich Schütz verschieden sei, »Nachdem er in die 57 Jahr Churfürstlicher Sächsischer Capell=Meister gewesen und sein Alter gebracht hat auff 87 Jahr und 29 Tage«.


    Als Heinrich Schütz starb, wurde er nicht auf dem Friedhof bei seiner früh verstorbenen Frau bestattet, sondern - auf besonderen Wunsch des Kurfürsten - in einer Gruft der alten, noch im gotischen Stil erbauten Frauenkirche beigesetzt. Es ist überliefert, dass sich das Grab in der Vorhalle der Kirche befand und mit einer schwarzen Marmorplatte verschlossen war. In unmittelbarer Nähe wurde damals ein Messing-Epitaph angebracht.
    Diese gotische Frauenkirche verfiel immer mehr, war baufällig geworden und musste 1727 abgerissen werden.


    Das lange und schwere Leben des Komponisten Heinrich Schütz

    Heinrich hatte noch sieben Geschwister und kam als zweites Kind seiner Eltern in der »Oberen Schenke« zur Welt; es war der spätere Gasthof »Zum Goldenen Kranich«, der seinem Vater gehörte. Als der Junge fünf Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach dem etwa fünfzig Kilometer entfernten Weißenfels, wo sein Vater, Christoph Schütz, den Gasthof »Zum goldenen Ring«, nahe der Saalebrücke, übernahm und Heinrich heranwuchs; der Vater nennt den Gasthof später Gasthof »Zum Schützen« und wird ein wohlhabender Mann.


    Landgraf Moritz von Hessen-Cassel war kein besonderes politisches Genie, aber man gab ihm den Beinahmen »der Gelehrte«, weil er sich mit Naturwissenschaften befasste und mehrerer Sprachen mächtig war. So beschäftigte er sich auch mit Musik und komponierte. 1598 kam nun auf der Durchreise dieser gräfliche Besuch ins Gasthaus und hatte den Knaben »so lieblich singen gehöret«, dass Ihre Fürstlichen Gnaden bewogen, den Knaben dem Hofstaat einzuverleiben, was bei den Eltern jedoch keine Begeisterung auslöste. Aber auf fürstliches Drängen war es dann am 20. August 1599 dann doch soweit, dass Heinrich Schütz sein Elternhaus verließ und von seinem Vater ins weit entfernte Kassel gebracht wurde. Den Eltern war ihre Entscheidung den Knaben ziehen zu lassen dadurch erleichtert, dass im nahen Leipzig gerade die Pest ausgebrochen war, da war es ein Aspekt, den Sohn weit weg zu wissen.


    Dort wird Schütz Schüler am Mauritianum und gleichzeitig Kapellknabe in der Hofkapelle. Bei Hofkapellmeister Georg Otto erhält er die Grundlagen für seinen späteren Beruf als Musiker; dass er ein solcher werden wird, stand jedoch längst nicht fest. Für den jungen Mann war das alles eine neue Welt; immerhin aber ein kulturelles Umfeld, das sich sehen lassen konnte, denn Kassel verfügte über den ersten feststehenden Theaterbau in Deutschland. Musik wurde in Kassel in vielfältiger Weise gebraucht; da waren: Kirche, Theater, Hoftafel, Turniere; die Musiker bei Hofe mussten entsprechend vielfältig und flexibel sein. Die Notenbibliothek der Hofkapelle war entsprechend reichhaltig bestückt. Um einen Vergleich zu den späteren miesen, kriegsbedingten Umständen in Sachsen zu haben, sei darauf hingewiesen, dass in Kassel damals dreizehn Sänger tätig waren und es die Hofkapelle in Spitzenzeiten auf bis zu zwanzig Mann brachte.

    Das Kasseler Mauritianum war vom Landesherren1595 als Ausbildungsstätte für die Kinder des Adels gegründet worden, aber auch begabte bürgerliche Stipendiaten hatten Zugang. Da kam keine Langeweile auf. Jeder Tag, der Sonntag eingeschlossen, begann morgens um fünf Uhr mit Gebeten. Musikunterricht gab es an drei Tagen der Woche, darüber hinaus von Sonntag bis Freitag je eine Stunde Übungen in Vokal- und Instrumentalmusik. Hinzu kamen noch griechische Dialektik, Rhetorik und Grammatik, Lateinunterricht und Arithmetik. Auch Leibesübungen und Reiten waren zur Ertüchtigung mit einbezogen.


    Die Hofkapelle des Landgrafen soll über ein beachtliches Repertoire verfügt haben, was heute noch erhaltene Noten belegen. 1608 lässt sich Schütz, zusammen mit zwei Mitschülern, an der Marburger Universität einschreiben und studiert zunächst Jura. Aber schon ein Jahr später lenkt Landgraf Moritz das Leben des Studenten wieder einmal in andere Bahnen und schickt ihn zu Giovanni Gabrieli nach Venedig, welcher damals ein weithin bekannter Komponist war und eine Menge Schüler aus ganz Europa an den Markusdom zog. Der 24-jährige Schütz entwickelte sogar eine Freundschaft zu Gabrieli und nutzte seine Zeit in Venedig bestens, wobei auch der intimere Stil der Madrigale gepflegt wurde. 1611 erscheint das erste Buch der Madrigale, das Schütz als sein erstes ernstzunehmendes Werk betrachtet. Von seinem großen Lehrmeister in Italien, Giovanni Gabrieli, brachte er einen neuen Klang mit, der vor allem auch durch die geschickte Aufstellung der Chorsänger entstand.


    Im August 1612 stirbt Gabrieli. 1613 taucht Schütz wieder in Kassel auf und avanciert zum 2. Hoforganisten und Prinzenerzieher, aber noch war die Entscheidung nicht eindeutig gefallen, dass er tatsächlich den Beruf eines Musikers ergreifen wird. Über viele Jahre hinweg hatte sich Schütz zwar mit Musik befasst, aber eigentlich nicht daran gedacht Berufsmusiker zu werden, der Status eines »Wunderkindes« war bei Schütz nicht vorhanden.

    Man weiß es nicht so genau - 1613 oder 1614 befindet sich Schütz im Tross seines Landgrafen am kurfürstlich-sächsischen Hof in Dresden. Bei dieser Gelegenheit müssen wohl die musikalischen Fähigkeiten von Schütz ins Rampenlicht gekommen sein, denn der sächsische Kurfürst fragt bei dem Kasseler Potentaten nach, ob die Möglichkeit besteht, diesen Schütz für die Ausgestaltung einer Kindstaufe am Hofe auszuleihen. Diese Ausleihzeiten an den sächsischen Hof wiederholen sich in den folgenden Jahren; ein letztes Bemühen den Musikus Schütz zurückzuerhalten, ist vom Grafen Moritz im Jahr 1619 notiert; wenn man die vielen Details kennt, kommt man zu dem Schluss, dass das ein jahrelanges Gezerre war, bei welchem letztendlich der höherrangige Kurfürst obsiegte. Also tritt Schütz offiziell als kurfürstlich-sächsischer Kapellmeister am Dresdner Hof Johann Georgs I. in Erscheinung; es ist sein fester Arbeitsplatz, der im Prinzip bis zum Ende seines langen Lebens währen sollte. Schützens neuer Dienstherr war gleichen Alters, also auch 1585 geboren, wird als leutseliger und trinkfester Kunstmäzen und Kraftprotz beschrieben. Im Februar 1617 wird Heinrich Schütz bei Hofe fest angestellt, zu diesem Zeitpunkt ist die Kurfürstliche Schatulle noch für Lustbarkeiten vielerlei Art gut gefüllt, woraus resultiert, dass einige groß besetzte Werke aufgeführt werden. 1619 gab man die »Psalmen Davids« heraus.


    Zu diesem Zeitpunkt - es war der 1. Juni 1619 - tritt Schütz auch in den Stand der Ehe und heiratet die 18-jährige Magdalena Wildeck. Für ihn begann ein neuer Lebensabschnitt, welcher für die junge Familie wegen des beginnenden Dreißigjährigen Krieges unter keinem guten Stern stand; seine verheerenden Folgen waren grausam und die Bevölkerung litt zudem noch unter Pestepidemien. Dem Paar wurden zwei Töchter geboren, aber das Familienglück währte nicht sehr lange, schon zwei Jahre nach der Geburt der zweiten Tochter starb die Ehefrau und Mutter am 6. September 1625; Heinrich Schütz wurde Witwer und blieb es bis zu seinem Lebensende; die Kinder sind Halbwaisen und werden von der Großmutter Wildeck aufgezogen, weil der Vater oft auf Reisen ist.

    Aber zunächst können die Neuvermählten ihre Hochzeit genießen, sie werden mit Geschenken überhäuft, sogar ein Fass Rheinwein ist dabei. Und Schütz reist in diesem Jahr auch nach Bayreuth, nicht ahnend, das dort mal eine ganz andere Musik zelebriert werden wird. Diese Schütz-Reise dient dem Zweck in Bayreuth eine neue Orgel probezuspielen. Wie so vieles, was Schütz geschaffen oder benutzt hatte, blieb auch diese Orgel nicht erhalten, sondern brannte schon zwei Jahre nach ihrer Einweihung ab.


    Allerlei politische Ränkespiele lassen unruhige Zeiten entstehen, die kriegerischen Auseinandersetzungen verschlingen eine Menge Geld, des Fürsten Kassen werden klamm. Aus dieser Situation heraus hatte Schütz nach verschiedenen Seiten sondiert, ob irgendwo ein tüchtiger Musiker gebraucht wird.

    Als des Kurfürsten fünfzehnjährige Tochter verheiratet werden soll, benötigt der Brautvater eine Hochzeitsmusik, aber der Hofkomponist sieht sich außerstande, diese Dienstleistung zu vollbringen, zu tief ist die Trauer um die verstorbene Ehefrau. So kam es dazu, dass Schütz die erste deutsche Oper schuf; seine Ballett-Oper »Dafne« war das Hochzeitsgeschenk des Vaters an seine Tochter. Das Werk wurde im Obergeschoss von Schloss Hartenfels in Torgau am 13.04.1627 uraufgeführt, worauf heute noch ein Schild hinweist, das die Schreibweise »DAPHNE« bevorzugt, aber die Noten dazu sind heute nicht mehr bekannt, was praktisch auf die gesamte weltliche Musik zutrifft, die Schütz zweifelsohne auch komponierte


    Am Todestag seiner Frau, es war der 6. September 1627, veröffentlicht Schütz ein für die damalige Zeit bedeutendes Werk, es sind Liedtexte von Cornelius Becker, die als »Becker-Psalter« für den gottesdienstlichen Gebrauch geschaffen wurden; die 159 Schütz-Vertonungen sollen im 17. Jahrhundert sein erfolgreichstes Werk gewesen sein.


    1628 reist Schütz abermals nach Italien, denn der Krieg dauert nun bereits elf Jahre, was Schütz auch an stockenden Gehaltszahlungen bemerkt. Zu großen Festmusiken besteht in der Heimat kein Bedarf. Dass er in Italien mit Monteverdi zusammentraf, wird vermutet und wird manchmal blumig dargestellt, ist jedoch nicht gesichert; hier tut sich ein ähnliches Problem auf, wie bei dem Rembrandt-Bild »Bildnis eines Musikers«. Schütz hatte in Italien auch Musikinstrumente bestellt und schrieb im Juni 1629 nach Hause, dass er alles erledigt hätte und zurück käme; die »Symphoniae Sacrae« hat er auch im Gepäck, eine Hommage an seinen verstorbenen Lehrer Giovanni Gabrieli.


    1633 sieht man Schütz abermals auf Reisen, diesmal gegen Norden, nach Kopenhagen. Dieser Reise war vorausgegangen, dass sich der dänische Prinz Christian im Frühjahr 1631 zur Brautschau nach Sachsen begeben hatte und sowohl von Prinzessin Magdalena Sybilla als auch der Musik Schütz´ angetan war. Auf diese Weise wurde Schütz dann auch 1633 zum königlich dänischen Hofkapellmeister ernannt und mit den Vorbereitungen und der Durchführungen der Hochzeitsfeierlichkeiten betraut; er übernahm die Leitung der Hofkapelle. Heinrich Schütz hatte die musikalische Gesamtleitung bei der Hochzeit des dänischen Kronprinzen Christian und der sächsischen Prinzessin Magdalena Sibylla in Kopenhagen. In Sachsen geht es etwas turbulent zu, die Hofkapelle ist stark geschrumpft, der Kurfürst hat andere Sorgen und lässt seinen Musikus ziehen; wieder einmal ist Schütz ausgeliehen. Erst 1635 ist Schütz wieder am Dresdner Hof, wo sich die Situation eher verschlechtert als verbessert hat.

    Also reist Heinrich Schütz 1637 abermals nach Kopenhagen. Inzwischen ist er im Besitz eines kaiserlichen Druckprivilegs, was bedeutete, dass er nun bessere Konditionen am Verkauf seiner Noten hatte. Das erste kurfürstliche Druckprivileg hatte Schütz schon 1618 erworben und im Laufe der Jahre immer mal wieder erneuert, aber das kaiserliche Privileg war höherwertig. Da er gute Verbindungen zu Druckern hatte, verfügte er auch über exklusives Notenpapier mit seinem Wappen (gespannter Bogen mit Pfeil = Sagittarius) und den Initialen HSC für: Heinrich Schütz, Capellmeister.


    Im Sommer 1638 stirbt seine Tochter Anna Justina im Alter von nur sechzehn Jahren. Ab Herbst 1639 tritt Schütz in den Dienst des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg, Georg von Calenberg, wo er mit der Neuorganisation der Hofkapelle betraut wird. Als der Herzog im Frühjahr 1641 starb, musste Schütz wieder zurück nach Dresden, wo er die Kapelle ein weiteres Mal dezimiert findet - die Aussichten sind für alle Beteiligten trüb und Schütz zieht sich für ein Jahr nach Weißenfels zurück. Es entsteht der Plan die Kapelle zu verkleinern, denn was einmal war, ist nicht mehr. Nun ist in Dresden die Geburt einer Prinzessin musikalisch zu begleiten und Schütz kann das nur leisten, weil er sich aus Leipzig einige Thomaner ausleiht.

    Danach reist Schütz zum vierten Mal nach Kopenhagen und nimmt diesmal noch einige seiner Schüler mit. Während es in Sachsen für Musiker kriegsbedingt nichts zu tun gibt, steht in Kopenhagen eine Doppelhochzeit von Zwillingstöchtern ins Haus. In der Zeit als die Schweden Sachsen verwüsten - wobei sie auch in Weißenfels alles kurz und klein machen - hat Schütz im fernen Dänemark die notwendige Muße, um an seiner »Symphoniae Sacrae« II. zu arbeiten. Als Schütz im Frühjahr 1644 seinen dänischen Dienst verlässt, überreicht er dem Kronprinzen Christian die Reinschrift der »Symphoniae Sacrae« II.

    Auf seiner Rückreise hatte es Schütz nicht besonders eilig und schaute bei seinem Freund Delphin Strungk vorbei, der ein berühmter Organist im Braunschweiger Raum war. 1645 ist Schütz dann mit dem Aufbau der neuen Hofkapelle in Wolfenbüttel beschäftigt und denkt nun als Sechzigjähriger an seinen Ruhestand. Also schreibt er an seinen Dienstherrn in Dresden ein Pensionsgesuch. Dieses - wie auch ein zweites Schreiben - blieb unbeantwortet.

    Das Jahr 1648 bietet zwei erfreuliche Daten, zum Jahresanfang heiratet die Schütz-Tochter Euphrosyne, und am 24. Oktober wird in Münster der Westfälische Frieden eingeläutet, nachdem die Bevölkerung durch den Krieg so reduziert wurde, dass nur noch ein Drittel lebt - natürlich waren auch viele Musiker tot. Als sich das Leben wieder zu normalisieren beginnt, gilt Heinrich Schütz als bester deutscher Komponist.


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    Auch 1651 bittet Schütz erneut erfolglos um seine Pensionierung, bereitet sich jedoch schon einmal auf seinen Ruhestand vor und kauft sich in der Nicolaistraße in Weißenfels ein Haus.


    Untätig bleibt der alte Meister aber nicht, 1653 beginnt er mit der Lucas-Passion, einem geistlichen Chorwerk, das den ersten Teil der Choral-Trilogie bildet; Johannes-Passion und Matthäus-Passion folgen nach. Der siebzigjährige Schütz wird nun 1655 auch noch zum Hofkapellmeister in Wolfenbüttel ernannt, was mehr als Ehrung des alten Meisters zu sehen ist und keine Arbeitsbelastung bedeutet. Und wieder einmal ist Trauer angesagt, Euphrosyne, seine Tochter, stirbt im Alter von nur 32 Jahren.

    Als der Kurfürst Johann Georg I. dann 1656 stirbt, kann sich Heinrich Schütz endlich als Pensionär sehen und ist von Dienstverpflichtungen weitgehend befreit. 1657 verkauft Schütz sein Haus in Dresden und bezieht eine kleine Wohnung; in diesem Jahr vollendet er auch seine Komposition »Zwölf geistliche Gesänge«. Der fast achtzig Jahre alte Schütz macht sich auch noch an die »Weihnachtshistorie« (SWV 435), zu der ihn Johann Georg II. anregte, was Schütz ausdrücklich dokumentiert. 1661 veröffentlicht Schütz sein Opus 14, den »Beckerschen Psalter«, die revidierte Fassung eine Liedersammlung, welche über Jahrhunderte in den Gottesdiensten der evangelischen Kirche benutzt wurde.


    Obwohl Schütz sich allerlei Hochzeitsmusiken gewidmet hatte, weil die Höfe dies einforderten, war er ein tiefreligiöser und ernster Mensch, der sich in erster Linie als Kirchenmusiker sah und natürlich auch heute noch so gesehen wird; da findet man auch oft der Begriff »streng«. Schütz kam vom Wort her, und das waren in der Regel christliche Worte, welche er ohne galante Schnörkel vertonte. Auch Heinrich Schütz hatte unter den furchbaren Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges zu leiden, denen er nur teilweise durch seine ausgedehnten Aufenthalte in Dänemark entgehen konnte. Europa war gespalten, Katholiken, Lutheraner und Calvinisten bekriegten sich so heftig, dass nicht nur die Bevölkerung, sondern auch das Hofleben erheblich darunter litt, der Tod war allgegenwärtig, der Tod wurde zu einem Leitmotiv seines musikalischen Werkes; er sprach einmal von seiner »nahezu qualvollen Existenz«. Während seiner letzten 15 Dresdner Jahre lebt Schütz im Kreis von Verwandten.


    Sein letztes Werk »Schwanengesang« komponierte Schütz 1671 im Alter von 85 Jahren. Von 1657 bis zu seinem Tod wohnte er in seinem Haus in Weißenfels, wo er in seiner Komponierstube unterm Dach seine letzten Werke schuf; das Haus istheute ein Museum.

    Ein literarisches Denkmal setzte dem Komponisten Schütz der Schriftsteller Günter Grass mit seinem 1979 erschienenen Roman »Das Treffen in Telgte«.


    Anmerkung:
    Wenn man sich bezüglich der Daten nach dem Gregorianischen Kalender richtet, wird der Todestag dort erst am 16. November angezeigt.


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    An der Heinrich Schütz Residenz am Dresdner Neumarkt ist unterm Erker eine Gedenktafel angebracht.


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    Fotografische Ergänzung zum Beitrag Nr. 503 »Hochkultur in dörflicher Idylle«


    In der Hoffnung, dass mir in der Darstellung keine Fehler unterlaufen - weil nicht alle Namen im Programmheft abgedruckt sind - stelle ich hier Fotos der Solisten vom Konzert in der Erlentalhalle zu Ötisheim ein, welches anlässlich des 24. Künstlertreffs am 12. Oktober 2019 stattfand.


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    Josipa Bainac


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    Alexander Edelmann


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    Florian Kontschak


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    Dirigent Alois Seidlmeier


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    Paul Armin Edelmann


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    Peter Edelmann


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    Paul Armin Edelmann und Peter Edelmann


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    Kammersängerin Brigitte Fassbaender im Gespräch mit Thomas Voigt in einer Matinee am 13. Oktober.


    Alle Fotos von Elisabeth für die Gottlob-Frick-Gesellschaft

    Mein lieber WoKa,

    Du wirst doch nicht völlig auf die Menge der so reichlich vorhandenen wunderschönen Frühlingslieder verzichten wollen ...



    Im Frühling D 882
    Franz Schubert (1797-1828)

    Still sitz' ich an des Hügels Hang,
    Der Himmel ist so klar,
    Das Lüftchen spielt im grünen Tal.
    Wo ich beim ersten Frühlingsstrahl
    Einst, ach so glücklich war.

    Wo ich an ihrer Seite ging
    So traulich und so nah,
    Und tief im dunklen Felsenquell
    Den schönen Himmel blau und hell
    Und sie im Himmel sah.

    Sieh, wie der bunte Frühling schon
    Aus Knosp' und Blüte blickt!
    Nicht alle Blüten sind mir gleich,
    Am liebsten pflückt ich von dem Zweig,
    Von welchem sie gepflückt!

    Denn alles ist wie damals noch,
    Die Blumen, das Gefild;
    Die Sonne scheint nicht minder hell,
    Nicht minder freundlich schwimmt im Quell
    Das blaue Himmelsbild.

    Es wandeln nur sich Will und Wahn,
    Es wechseln Lust und Streit,
    Vorüber flieht der Liebe Glück,
    Und nur die Liebe bleibt zurück,
    Die Lieb und ach, das Leid.

    O wär ich doch ein Vöglein nur
    Dort an dem Wiesenhang
    Dann blieb ich auf den Zweigen hier,
    Und säng ein süßes Lied von ihr,
    Den ganzen Sommer lang.


    Text: Ernst Schulze (1789-1817)





    Also Schuberts »Der Winterabend« müsste eigentlich schon dabei sein und würde sich auch gut für den Anfang machen, weil Liederabende unterschiedlicher Komponisten in der Regel so gestaltet sind, dass die älteren Kompositionen vor den jüngeren stehen.


    Der Winterabend

    Franz Schubert (1797-1828)


    Es ist so still, so heimlich um mich.

    Die Sonn ist unten, der Tag entwich.

    Wie schnell nun heran der Abend graut.

    Mir ist es recht, sonst ist mir's zu laut.

    Jetzt aber ist's ruhig, es hämmert ein Schmied,

    Kein Klempner, das Volk verlief, und ist müd.

    Und selbst, daß nicht rassle der Wagen Lauf,

    Zog Decken der Schnee durch die Gassen auf.


    Wie tut mir so wohl der selige Frieden!

    Da sitz ich im Dunkel, ganz abgeschieden.

    So ganz für mich; nur der Mondenschein

    Kommt leise zu mir ins Gemach.

    Er kennt mich schon und läßt mich schweigen.

    Nimmt nur seine Arbeit, die Spindel, das Gold,

    Und spinnet stille, webt, und lächelt hold,

    Und hängt dann sein schimmerndes Schleiertuch

    Ringsum an Gerät und Wänden aus.

    Ist gar ein stiller, ein lieber Besuch,

    Macht mir gar keine Unruh im Haus.

    Will er bleiben, so hat er Ort,

    Freut's ihn nimmer, so geht er fort.


    Ich sitze dann stumm in Fenster gern,

    Und schaue hinauf in Gewölk und Stern.

    Denke zurück, ach weit, gar weit,

    In eine schöne, verschwund´ne Zeit.

    Denk´ an sie, an das Glück der Minne,

    Seufze still und sinne, und sinne.


    Text: Karl Gottfried Ritter von Leitner (1800-1890)


    Dieses Lied ist bei YouTube sehr vielfältig vertreten; nach langem Herumhören habe ich mich ganz bewusst für diese Aufnahme entschieden, weil es die »modernere« ist. Natürlich kann man nicht sagen »besser als Fischer-Dieskau«, aber der Vergleich mit Bostridge ist da schon recht gewaltig ...


    Begründung: Ich find's schöner!


    Schönes Lied, das ich bislang nicht kannte.

    Da kann ich mich meinen Vorrednern anschließen, aber gerade bei einem unbekannten Lied - also dem Hörenden unbekannt - ist es immer hilfreich den Text parat zu haben. Mit Textbegleitung war das eine wesentliche Bereicherung des Feiertags.


    Winterlied

    Mein Sohn, wo willst du hin so spät?

    Geh’ nicht zum Wald hinaus,

    Die Schwester find’st du nimmermehr,

    O bleib’ bei mir im Haus!

    Da draussen ist’s so kalt, so rauh,

    Und heftig weht der Wind;

    Bist ganz allein im weiten Wald,

    O bleib’ bei mir, mein Kind!


    O Mutter, Mutter lass mich zieh’n,

    Trockne die Trän’ im Blick,

    Die Schwester find’ ich ganz gewiss

    Und bring’ sie uns zurück.

    Bis ich sie find’, ist doch kein’ Rast,

    Ist doch kein’ Ruhe hier;

    Den Schnee und Wind bin ich gewohnt,

    Bald kehr’ ich heim zu dir.


    Die Mutter sah ihm lange nach,

    Er ging zum Wald hinaus;

    Der Wind ward still, die Nacht verging,

    Doch er kehrt’ nicht zum Haus.

    Und der Schnee zerschmolz,

    Der Wind verweht’,

    Kam wieder Sonnenschein

    Und Blüth’ und Blätter überall:

    Die Mutter blieb allein.


    Schwedisches Volkslied

    Nach den aufregenden Threadereignissen der letzten Tage und Stunden kommt man endlich mal wieder dazu, sich mit musikalischen Dingen zu befassen ...

    Seit gestern habe ich mir nun beide zur Verfügung gestellten Versionen mehrmals angehört und bin näher bei der Interpretation von Wolfgang Holzmair, weil ich zu hören glaube, dass er der geeignetere Lied-Spezialist ist - was ich natürlich auch konkret weiß -,während sich die amerikanische Sopranistin Korliss Uecker doch eher auf der Opernbühne wohlfühlt.

    Warum man auf die eine Stimme mehr anspricht als auf die andere, ist rational kaum zu erklären; stets kommen dann Begriffe wie »Geschmack« und »Gefühl« mit ins Spiel; man kann ja schließlich niemand den Vorwurf machen, falsch gesungen zu haben ...

    Einen persönlichen Gewinn zog ich übrigens aus diesem Beitrag, weil ich Hermann Rollett kennenlernte, den musste ich mir erst ergoogeln ...

    Nachklapp

    Die Macht des Schicksals wollte es so, dass gerade beim Einstellen des obigen Beitrags der Strom in der Stadt ausfiel. Wer sich ein akustisches Bild von Ginette Neveu und ihem Bruder machen möchte, wird hier fündig.

    Ginette Neveu - *11. August 1919 Paris - † 28. Oktober 1949 Saint Miguel (Azoren)


    DIE MACHT DES SCHICKSALS - ES GESCHAH VOR 70 JAHREN

    Ihr relativ kurzes Leben und auch ihr Sterben, waren von Verwechslungen der besonderen Art geprägt. Trotz hervorragender Anlagen, stand ihr künstlerisches Wirken kriegsbedingt unter keinem guten Stern und ihr freier künstlerischer Weg in die Welt war zu Ende, als er gerade beginnen sollte.


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    Als Ginette fünf Jahre alt war, erteilte die Mutter ihrer Tochter Violinunterricht; mit siebeneinhalb Jahren hatte Ginette ihren ersten öffentlichen Auftritt im Salle Gaveau, wo sie mit dem Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruchs debütierte. Es war Ginette möglich, bereits 1930 in die Violinklasse von Jules Boucherit am Pariser Konservatorium einzutreten. Kaum war sie da, verließ sie diese Institution auch schon wieder mit dem Abschlussdiplom und einem ersten Preis; dazu hatte sie gerade mal acht Monate benötigt. 1928 machte die junge Geigerin in Berlin Furore.


    In den Jahren 1925 bis 1936, als Carl Flesch - ein Pionier des systematisierten Violinspiels - in Baden-Baden wohnte, wurde während der Sommermonate seine Villa zum Treffpunkt der Elite des internationalen Geigennachwuchses; von 1931 bis 1935 studierte auch Ginette Neveu bei dem renommierten Pädagogen, welcher als Spezialist für Tonleiterstudien galt und seine Schüler ganz schön forderte. Aber von Flesch ist auch die Aussage überliefert: »Mein Kind, dir hat der Himmel eine Gabe verliehen, und ich habe nicht die Absicht, daran zu rühren«. Bei einem Wettbewerb in Wien konnte die damals zwölfjährige Ginette zwar »nur« den vierten Platz erringen, aber Carl Flesch, der in der Jury saß, war von dem Spiel des Mädchens so angetan, dass er der Mutter anbot, die Tochter zu unterrichten. Die intensive Arbeit trug sichtbare Früchte, denn Ginettes Ausbildungsstand war so hoch, dass sie1935 in Warschau den »Henryk-Wieniawski-Wettbewerb« vor dem um elf Jahre älteren David Oistrach gewann, was ihr zu internationalem Ansehen verhalf. Aber die sich anbahnenden politischen Entwicklungen und der schreckliche Zweite Weltkrieg standen einer Weltkarriere im Wege. Die erste Schallplattenaufnahme von Ginette Neveu mit dem Pianisten Bruno Seidler-Winkler, welcher ein Pionier der Aufnahmetechnik war, stammt aus dem Jahre1938.


    Von Walter Legge ist ein Bericht überliefert, welcher die Umstände bei der Aufnahme des Violinkonzerts von Sibelius schildert und uns die Künstlerin damit näher bringt:

    »Die ersten Aufnahmen, die wir zusammen mit der Künstlerin im November 1945 herstellten, galten dem Violinkonzert von Sibelius. London war in einen derart dicken Nebel gehüllt, dass wir selbst innerhalb des Gebäudes nicht vom Aufnahmeraum aus auf das Podium im großen Saal des Studios Abbey Road sehen konnten. Es war der einzige Tag, den Ginette während einer anstrengenden Tournee freimachen konnte. Ich hatte wenig Hoffnung, das Werk in zwei Sitzungen bewältigen zu können. Das neu geschaffene Philharmonia Orchestra war zum ersten Mal zu einer größeren Aufgabe versammelt. Walter Süßkind dirigierte erstmals für das internationale Repertoire, und für uns alle war es das erste Experiment mit Ginette Neveu. Die Götter und die fantastische Konzentrationsfähigkeit der Solistin waren mit uns. Zwischen zwei und fünf Uhr hatten wir den ersten Satz beisammen. Die anderthalbstündige Pause bis zur Fortsetzung wäre von jeder Künstlerin zum Ausruhen benützt worden. Nicht so Ginette Neveu. Während der ganzen Zeit im Studio hin- und hergehend, übte sie. Um acht Uhr war die Halslinie, die Kennmarke der Geiger, eine scharlachrote Wunde und die Kinnseite dem Bluten nahe. Aber dies berührte sie nicht. Sie richtete an das Orchester die Bitte, eine halbe Überstunde zu leisten, um das Werk beenden zu können, was vor zehn Uhr der Fall war. Wir alle machten einen erschöpften Eindruck - ausgenommen Ginette Neveu. Sie kam in mein Büro und ließ sich Waltons Konzert vorspielen, das sie gerade einstudierte. Als ich sie wenige Minuten vor Mitternacht zum Piccadilly Hotel brachte, kannte sie nur ein Bedauern: dass kein Restaurant mehr offen war, wo wir uns niederlassen und weiterplaudern konnten«.


    Ginette Neveu hatte ja eine besondere Beziehung zu Baden-Baden und spielte dort bereits am 25. April 1948 mit dem ORTF Orchester ein Radio-Konzert ein. Zwei weitere Konzerte absolvierte sie dann ein gutes Jahr später, vier Wochen vor ihrem tragischen Tod. Am Sonntag, 25. September 1949 spielte Ginette Neveu mit dem neu gegründeten Sinfonieorchester des Südwestfunks unter Hans Rosbaud, wobei Beethovens D-Dur-Konzert im Mittelpunkt stand. Am folgenden Abend gab sie zusammen mit ihrem Bruder Jean dann noch ein Kammerkonzert.

    Im Publikum befand sich damals auch die noch nicht ganz sieben Jahre alte Jenny Abel und staunte, über das was sie da sah und hörte - sie hatte damals gerade mal knapp zwei Jahre Violinunterricht gehabt - und war völlig außer sich. Später noch, als erwachsene Frau und erfahrene Musikerin, erinnerte sie sich, dass sie vordem stets nur Geiger in diesem Metier erlebt hatte:

    »Ginette war für mich die erste Geige spielende Frau, die ich erlebte. Schon das allein hat auf mich einen großen Eindruck gemacht. Während des D-Dur-Konzerts stand sie wie eine Statue, wie ein Monument, da oben auf dem Podium. Sie war nicht schön im üblichen Sinne, aber sie strahlte eine Kraft aus, die sie fast wie ein Mann wirken ließ, so absolut sicher und selbstbewusst; auf jeden Fall nicht so, wie man sich unter einer Geigerin etwas Zartes, Frauliches vorstellt!«


    In einigen wenigen Publikationen wird erwähnt, dass Ginette Neveu schon 1937 in den USA und Kanada gewesen sei, aber die eigentlich in vieler Weise spektakuläre Amerikareise war für Oktober 1949 geplant. In einer dreimonatigen Tournee durch die USA und Kanada sollte Ginette Neveu in 17 Konzerten mit neun Orchestern auftreten. Einige Tage vor ihrem Auftritt in New York wollte man das Programm in Boston ausprobieren; der Auftritt in der Carnegie Hall, zusammen mit ihrem Bruder Jean, sollte am 28. November 1949 stattfinden.


    Fliegen hatte damals einen ganz anderen Status als heute, insbesondere, wenn man mit einem Flugzeug der Luxusklasse reiste, wie das bei der Lockheed 749 A Constellation der Air-France der Fall war, die als Flugzeug der Stars galt, obwohl hier nicht nur Stars an Bord gingen. Aber auch bei diesem Flugzeugtyp war damals, bei Transatlantikflügen von Paris aus, ein Zwischenstopp auf den Azoren obligatorisch. Um 20:05 Uhr hob Air-France-Flug 009 von der Piste des Flughafens Paris-Orly ab. An Bord waren 37 Passagiere und 11 Besatzungsmitglieder. Die Maschine war etwa zwei Jahre alt und wurde von dem erfahrenen Flugkapitän De la Noue geflogen. Um 01:41 Uhr meldeten sich die Piloten und teilten mit, dass sie nun 150 nautische Meilen vom Flughafen entfernt sind und die Ankunft für 02:45 Uhr geplant sei, was später auf 02:55 Uhr korrigiert wurde. Als sich die Maschine auf einer Höhe von knapp tausend Metern (3.000 Fuß) befand, setzte die Crew den Funkspruch ab: »Having accomplished first part of flight normally, ready to land in five minutes at Santa Maria. Weather clear«.


    Gleich nach diesem letzten Funkspruch, sah ein Lastwagenfahrer auf der Insel São Miguel, etwa neunzig Meilen nördlich des geplanten Zwischenziels, einen Lichtblitz an einem Hang des Monte Redondo. Eine aus der Luft eingeleitete Suchaktion konnte die Absturzstelle acht Stunden später orten. Die Maschine war völlig ausgebrannt und alle Insassen waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Man nimmt an, dass der Pilot die Inseln São Miguel und Santa Maria verwechselt hatte. Seine Ansage, die Landebahn sehen zu können, deutet darauf hin, denn auch São Miguel, als Hauptinsel der Azoren, verfügte über eine Landebahn.

    Wenn man von der Gemeinde Algarvia aus, an der Nordostküste von São Miguel gelegen, den 1.103 Meter hohen Pico da Vara besteigt, führt der Wanderweg an einem Gedenkkreuz vorbei, in dessen Sockel diese Inschrift in portugiesischer Sprache auf das Unglück hinweist, wobei hier mit dem 27. Oktober die Ortszeit genannt wird.


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    Ginette Neveu war mit ihrem Bruder ums Leben gekommen, aber das Schicksal hielt noch eine Überraschung bereit, von der die meisten Friedhofsbesucher wohl nichts ahnen. Und noch eine andere französische Musikerin war von dem Unglück betroffen, das war Edith Piaf. Die letzte große Liebe ihres Lebens, der französische Boxweltmeister Marcel Cerdan, saß ebenfalls in der Unglücksmaschine, und sie musste sich an seinem Tode schuldig fühlen. Eigentlich wollte Cerdan den Atlantik per Schiff überqueren, aber die in New York weilende Sängerin hatte ihn telefonisch bedrängt, das nächstmögliche Flugzeug zu nehmen, um zu ihr zu kommen. Das war jedoch zunächst so kurzfristig nicht möglich, weil die Maschine ausgebucht war. Aber der Boxweltmeister hatte scheinbares Glück, denn - vermutlich durch seinen prominenten Status bedingt - trat ein Paar, das gerade seine Hochzeitsreise antreten wollte, zu seinen Gunsten zurück. Ihre »Hymne á´lamour«, wird mit diesem Tod am Berg in Verbindung gebracht. Man soll Marcel Cerdan anhand seiner goldenen Armbanduhr identifiziert haben, es war ein Geschenk von Edith Piaf.


    Die Zeitung »Grenz-Echo«, Die führende Tageszeitung der belgischen Ostgebiete, berichtete unter dem Datum des 16. November 1949:

    »Beisetzung der Violinkünstlerin Ginette Neveu aufgeschoben. Der Sarg enthielt den Leichnam einer unbekannten Fremden«


    »Auf Antrag der Familie wurde der Sarg, der die sterblichen Reste der berühmten Violinistin Ginette Neveu bergen sollte, die bei dem Flugunfall auf den Azoren ums Leben kam, im Pariser gerichtsmedizinischen Institut nochmals geöffnet. Die Familienangehörigen der Künstlerin stellten dabei fest, dass die in dem Sarge liegende Tote ihnen unbekannt und auf keinen Fall Ginette Neveu war. Sie trug Schmuck und Kleidung, die niemals im Besitze der Geigerin waren und hatte lange zugespitzte Fingernägel, während eine Violinistin bekanntlich kurz geschnittene Nägel haben muss. Die für Donnerstag vorgesehene Beisetzung wurde aufgeschoben und die Familie hat eine weitere Untersuchung beantragt«.


    Die Tote hatte eine Kette mit einem ägyptischen Medaillon. Unter den Passagieren von Flug 009 befand sich auch die 27-jährige Amélie Ringler, aus dem elsässischen Bantzenheim, Département Haut-Rhin. Wie eine französische Zeitung berichtete, soll das Reiseziel von Amélie Ringler Detroit gewesen sein, wo sie eine Patentante hatte, die dort eine auf Nylon spezialisierte Textilfabrik besaß. Nun musste der Vater der Toten - der kein Wort französisch sprach - zum Forensischen Institut nach Paris, um dort seine Tochter zu identifizieren. Heute kann man wohl davon ausgehen, dass man am chemin Méhul tatsächlich vor dem Grab von Ginette Neveu und ihrem Bruder Jean steht.


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    Praktischer Hinweis:

    Das Grabmal von Ginette Neveu und ihrem Bruder Jean befindet sich auf dem Pariser Cimetière du Père-Lachaise (Division 11), das Gräberfeld liegt zwischen chemin Denon und chemin Méhul, etwa 300 Meter vom Haupteingang entfernt. Man geht immer geradeaus bis zur querlaufenden Avenue de la Chapelle, wo man sich nach rechts wendet. Weil Edith Piaf hier erwähnt wurde, sei darauf hingewiesen, dass sich ihr Grab auf dem gleichen Friedhof (vom Haupteingang aus gesehen) ganz hinten rechts in Division 97 befindet.

    Das ist doch bei neueren Opernaufnahmen kein Problem mehr

    Von diesen hatte ich ja auch nichts geschrieben, mein lieber Bertarido.


    Da denke ich zum Beispiel an eine 1952 in Hamburg aufgenommene »Die Macht des Schicksals« mit Schock / Mödl / Metternich / Martinis / Frick / Neidlinger / Roth unter Hans Schmidt-Isserstedt, wo mich diese Nebengeräusche doch sehr stören.

    Also da kommt es ja sehr darauf an, welche Art von Musik man hört. Ein Husten bei einem Liederabend ist für mich durchaus erträglich, wenn ich gleichzeitig die Atmosphäre des Abends spüren kann; die Anordnung der Mikrophone ist da in der Regel auch optimal.

    Aber da gibt es Opernaufführungen, in denen neben der Musik allerhand an Gepolter und Gerumpel zu hören ist, und die Singstimmen nicht gut vom Mikrophon eingefangen werden können - in diesem Falle ist mir dann eine Studioaufnahme lieber.

    Könnte der Grund dafür darin liegen, dass sie in diesem spezifischen Charakter dem Ideal des Kunstliedes, wie es Robert Schumann vertrat, nicht ganz entsprach? Und dass er eben deshalb das Geschenk dieses Mal so kommentarlos entgegennahm?

    Also ich habe diese Clara-Schumann-Lieder in der Interpretation von Gabriele Fontana (Sopran) und Konstanze Eickhorst (Piano) und schaute mal ins Booklet von cpo. Auch da wird darauf hingewiesen, dass Robert Schumann sich zu seinem Geschenk zum 33. Geburtstag nicht enthusiastisch geäußert hat, aber hier vermutet man, dass sich seine Begeisterung in Grenzen hielt, weil er zu dieser Zeit durch die Komposition seines ersten großen Werkes, das Oratorium »Das Paradies und die Peri« zu sehr beschäftigt war.

    Es soll natürlich jetzt nicht darum gehen welche Vermutung richtig ist ...


    Interessant wäre es auch zu wissen ob Clara Schumann Friedrich Silchers Vertonung kannte, der ja mit seiner Komposition ein paar Jahre früher dran war. Wenn man heute Claras Vertonung hört, entsteht ein simultaner Kontrast, weil man natürlich Silchers Vertonung im Kopf hat, vielleicht auch die von Franz Liszt.

    Zum 170. Todestag


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    Frédéric Chopin - *1. März 1810 Zelazowa Wola - † 17. Oktober 1849 Paris

    Zwar ist der Geburtstag nicht eindeutig geklärt und es wird auch noch der 22. Februar genannt, was der offiziellen Eintragung im Geburtsregister entspricht, aber in der Familie wurde stets Fryderyks Geburtstag am 1. März gefeiert und Fryderyk gab auch immer dieses Datum als seinen Geburtstag an. Offensichtlich hatte sich Vater Mikolaj, der selbst die Formalitäten in der Gemeinde erledigte, mit dem Datum verheddert; er soll sich sogar in seinem eigenen Geburtsdatum geirrt haben. Dies alles rückt den Vater scheinbar in kein gutes Licht, aber er war kein Hallodri, wie man vermuten könnte, sondern immerhin Hauslehrer der besseren Gesellschaft und fand später eine Anstellung als Professor an einem Warschauer Lyzeum, das in der Stadt den besten Ruf hatte.

    Auch mit dem Taufpaten des kleinen Fryderyk gab es Schwierigkeiten, weil dieser zum Zeitpunkt der Taufe, die erst am 23. April stattfand, als Student in Paris weilte und sich bei der Zeremonie vertreten lassen musste. Vom Geburtsort ist bekannt, dass das kleine Dörfchen im damaligen Herzogtum Warschau lag. Der Vater war Franzose und Justyna, seine Frau, war Polin.


    Nur wenige Monate nach Fryderyks Geburt zog die Familie nach Warschau. Fryderyk war kein Einzelkind; schon drei Jahre vor ihm war eine Schwester geboren und 1811 kam noch eine Schwester hinzu, und 1812 eine weitere Tochter, die Chopins waren nun zu sechst. In Warschau lebte die Familie in einem Palais unter gehobenen Verhältnissen und in unmittelbarer Nachbarschaft von Universitätsprofessoren und Wissenschaftlern.

    Die Kinder lernten im Rahmen des Unterrichts zwar die französische und deutsche Sprache - des Vaters Wurzeln reichten ja nach Lothringen - aber im täglichen Umgang sprach man in der Familie Polnisch.

    In der Familie wurde Hausmusik gepflegt, wobei Justyna am Klavier saß und auch mal ihren Sopran erklingen ließ, Vater Mikolaj nahm Geige und Flöte zur Hand; das Repertoire bestand aus populären Tänzen, Liedern und leichten klassischen Stücken.

    Natürlich wurden auch die Kleinen von den Eltern an die Musik herangeführt. Zunächst weinte der kleine Junge zwar, wenn seine Mutter Klavier spielte, aber recht bald erwachte sein Interesse an den Tasten so stark, dass er kaum von dem Instrument wegzubringen war. Als »Frycek« sechs Jahre alt war, hatte er alle seine Geschwister an Fingerfertigkeit und dem Nachspielen gehörter Melodien überflügelt. Diese Entwicklung blieb den Eltern nicht verborgen und sie engagierten einen sechzigjährigen Musiklehrer, der in die Häuser kam und Privatunterricht erteilte. Der Siebenjährige bewältigte den Unterricht mühelos und ging oft über die ihm gestellten Aufgaben weit hinaus. Bald zeigte sich auch seine ungewöhnliche Begabung zum Komponieren. Dennoch reiften bei den Eltern keinerlei Ambitionen aus dem Knaben ein Wunderkind zu machen. Der erste öffentliche Auftritt des Jungen resultierte aus einem Vorschlag der Gräfin Zofia Zamoyska, dass der Junge bei einem Konzert zugunsten der Armen in Warschau sein Talent zeigen sollte, wo der nun Achtjährige neben anderen Instrumentalisten und Sängern in einem bunten Programm auftrat. Dieses erste öffentliche Auftreten fand am 24. Februar 1818 auf der Theaterbühne des Razewill-Palastes in Warschau statt. »Chopinek«, wie man ihn nun zu nennen begann, fand in den besten Gesellschaftskreisen Beachtung und wurde von der aristokratischen Elite als schmückendes Beiwerk ihrer Salons benötigt. Vor seinem Elternhaus fuhren elegante Wagen vor, um den Jungstar in die Paläste zu bringen. Sein Bekanntheitsgrad in der Hauptstadt stieg enorm und man verglich ihn bald mit Mozart. Wenn wichtige Personen in die Stadt kamen, wurde »Chopinek« ihnen vorgestellt, er war zu einer Attraktion der Stadt geworden. Das alles geschah in einer finanziell und kulturell gut ausgestatteten Blütezeit, in welcher Warschau auf mehr als 100.000 Einwohner gewachsen war. Auch der junge Chopin war gewachsen und überragte seinen alten Lehrer Zywny nun auch musikalisch, sodass dieser ab 1822 zu der Ansicht gelangte, dass er seinen Schüler nicht noch weiter voranbringen konnte; er stellte den Unterricht ein und blieb dem Hause Chopin freundschaftlich verbunden.


    Im Hause der Chopins verkehrten eine Menge Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst, darunter auch erstklassige Musiker, wie zum Beispiel Wilhelm Würfel, der den interessierten Jungen deutlich weiter brachte, auch indem er ihn mit dem zeitgenössischen Klavierrepertoire vertraut machte, das er unter seinem ersten Lehrer nicht kennenlernen konnte; der »Style brillant« hatte das Interesse des jungen Chopin geweckt. In diesem Stile stellte er ein Konzertprogramm zusammen und beeindruckte zum Beispiel Anfang 1822 mit einem Klavierkonzert von Ferdinand Ries, wobei zu erwähnen ist, dass er nicht zum Gelderwerb auftrat, auch hier war es eine Konzertreihe für wohltätige Zwecke.


    Den Sommer 1823 verbrachte der nunmehr Dreizehnjährige mit seinen Eltern in Zelazowa Wola, wo er geboren wurde, danach stand der Besuch des Lyzeums an, nachdem er bisher im häuslichen Umfeld unterrichtet wurde. Dennoch war das kein großer Schritt ins Unbekannte, denn er wohnte nur wenige Schritte von der Schule entfernt und die dort unterrichtenden Lehrer waren ihm seit Jahren wohlbekannt; neu war lediglich, dass er in der vorgeschriebenen blauen Uniform zu erscheinen hatte. Bei seinen Mitschülern war Fryderyk anerkannt, schon weil er öfter in der Zeitung stand, aber auch weil er parodistische Fähigkeit hatte und zudem durch zeichnerisches Talent Karikaturen zeichnen konnte. Neben all diesen schulischen Aktivitäten kam die Musik keineswegs zu kurz, üben im üblichen Sinne brauchte er nicht und widmete sich immerzu dem »Style brillant« und seinen Variationen.


    Aber schon zu dieser Zeit sind gesundheitliche Probleme bekannt; als er 1824 seine Sommerferien 150 Kilometer von Warschau entfernt mit einem Schulfreund auf dem Land verbrachte, war das mit der Auflage verbunden eine strenge Diät einzuhalten; er durfte nicht von dem im Dorf üblicherweise gebackenen Brot essen, ihm wurden im wahrsten Sinne des Wortes eigene Brötchen gebacken. und er musste Tabletten zu sich nehmen, um an Gewicht zuzulegen. Die Krankheit lag wohl in der Familie, denn Chopins hochbegabte Schwester Emilia starb mit vierzehn Jahren an Tuberkulose.

    Als er im Juli 1826 das Lyzeum beendet hatte, was nicht ganz den Vorschriften entsprach, denn eigentlich hätte er noch ein Jahr dranhängen müssen, um zu einem ordentlichen Abschluss zu kommen, begann er sein Hochschulstudium bei Józef Elsner, der eine zentrale Figur in Warschaus Musikleben war, ihn schon länger betreute und unbedingt in seiner Klasse haben wollte. Im Herbst 1826 schrieb sich Chopin in die Klasse für »Musiktheorie, Generalbass und Komposition, betrachtet in grammatischer, rhetorischer und ästhetischer Hinsicht« ein; in die Klavierklasse trat er erst gar nicht ein, weil er wusste, dass er der beste Pianist in der Stadt war. Neben seinem Musikstudium besuchte Fryderyk aber auch noch Vorlesungen in Geschichte und Literatur, wobei literarische und künstlerische Strömungen zur Sprache kamen, die man Romantik nannte.


    Inzwischen war Fryderyk achtzehn Jahre alt geworden und hatte bisher noch nichts von der großen Welt gesehen. Eine geplante Reise nach Wien, die mit dem Vater angesacht war, kam nicht zustande, aber plötzlich tat sich eine Möglichkeit auf mit einem Warschauer Professor nach Berlin zu reisen. Nach fünftägiger Reise mit einer Hochgeschwindigkeits-Kutsche (Diligence) erreichten sie Berlin. Dort hatte der Professor so viel mit seinem Fachgebiet zu tun, dass sich für den in Berlin völlig unbekannten Chopin keine Möglichkeit bot mit namhaften Musikern vor Ort in Kontakt zu kommen.


    Als Szopen Fryderyk - sein Lehrer Elsner verwendete diese polonisierte Namensform in seinem Bericht an das Ministerium - neunzehnjährig sein Hochschulstudium abschloss, bezeichnete ihn Józef Elsner - weit vorausblickend - in seinem Abschlusszeugnis bereits als Genie. Es war nun allen wichtigen Personen um ihn herum klar, dass der junge Mann sich nun im Ausland umsehen musste. Fryderyks Vater stellte beim Ministerium den Antrag, die Mittel für eine dreijährige Studienreise, die nach Deutschland, Frankreich und Italien führen sollte, zu gewähren. Nach einigen Diskussionen höheren Orts, wurde der von Mikolaj untertänigst unterzeichnete Antrag abgelehnt. Justyna und Mikolaj Chopin waren der Ansicht, dass ihr fleißiger und begabter Sohn dennoch eine Belohnung verdient habe. Mikolaj Chopin steckte seinem Sohn etwas Reisegeld zu und schickte ihn mit einem halben Dutzend Leuten aus dem Bekanntenkreis nach Wien. Seine Entourage war von dem Gedanken beseelt, dass Fryderyk in Wien unbedingt ein Konzert geben sollte, was jedoch keineswegs im Sinne Chopins war. Aber es kam zu einer Begegnung mit Tobias Haslinger in dessen Notensalon, wo ihm Fryderyk vorspielte. Haslinger war der Ansicht, dass der Notendruck nur Sinn mache, wenn sich der hier unbekannte Künstler in einem Konzert präsentiere; ein solches kam dann auch zustande und war ein beachtlicher Erfolg, was noch in Presseberichten nachzulesen ist.


    Eine weitere, länger währende und weiterreichende Abreise aus Warschau war geplant; wurde aber immer und immer wieder aus den unterschiedlichsten Gründen hinausgezögert. Dann kam der große Abschied von Warschau, es war der 2. November1830, ein Dienstag; die Presse berichtete groß davon. Fryderyk reiste zusammen mit seinem Freund Tytus Woyciechowski über Breslau, wo Chopin ungeplant konzertierte, und Dresden nach Wien, wo sie schließlich am 23. November eintrafen. In Erinnerung an sein letztes Wiener Konzert, hatte sich Chopin ausgemalt, dass man ihn hier sehnsüchtig erwarten würde - aber dem war nicht so, also sahen sich die beiden Freunde mal um, was andere Künstler so zu bieten hatten. In den ersten Dezembertagen erreichte sie die beunruhigende Nachricht, dass in Warschau eine Revolution ausgebrochen war und die beiden Freunde berieten sich, ob sie nicht nach Warschau zurückreisen sollten, aber Tytus reiste alleine zurück und Fryderyk blieb - seine Musikerkarriere im Blick - in Wien. Aber die Tatsache, dass er Pole war und dies eher herauskehrte als verbarg, erhöhten seine Chancen in Wien nicht und er sann darüber nach, dass er wohl in Paris bessere Karten hätte. Eine ins Auge gefasste Weiterreise nach Italien war auch bald kein Thema mehr, weil im Februar in Norditalien blutige Unruhen ausgebrochen waren. In Wien selbst wartete Chopin ganze sieben Monate bis endlich nach vielen Terminverschiebungen aus den verschiedensten Gründen sein Auftritt am 11. Juni im Rahmen eines Wohltätigkeitskonzertes erfolgte, also spielte er ohne Honorar, nur damit er mal wieder in Wien öffentlich gespielt hatte. Ein Honorar wäre nicht schlecht gewesen, denn die von den Eltern gefüllte Reisekasse war besorgniserregend geschrumpft. Die Abreise Chopins aus Wien gestaltete sich wegen der notwendigen Reisepapiere recht schwierig, aber schließlich konnte er mit einer Ausreisegenehmigung nach Bayern endlich losfahren. In München kam frisches Geld vom Vater und ein Konzert brachte gute Kritiken und auch etwas Geld in Chopins Reisekasse. Parallel zu dieser Reise verfolgte der stets begeisterte Pole die Ereignisse in seiner Heimat und war in Stuttgart am Boden zerstört, als er von der Niederlage erfuhr.


    Als Chopin im Herbst 1831 in Paris eintraf, war Heinrich Heine schon seit Mai des gleichen Jahres in der Stadt. Paris war gerade in dieser Zeit ein Anziehungspunkt für viele ausländische Künstler, aber die musikalische Romantik tat sich doch etwas schwer. Paris besaß drei Opernhäuser auf hohem Niveau und Rossini, Cherubini, Boieldieu, Auber, Halévy und andere gaben den Ton an. Symphonien und Kammermusik spielten keine große Rolle, aber virtuose Klaviermusik im »style brillant« fand Beachtung. Der Neuankömmling war von der Pariser Opernwelt sehr beeindruckt, ja geradezu entzückt, bezeichnete aber renommierte Musiker wie Cherubini und Reicha schon mal als »ausgetrocknete Hintern«. Mordsmäßig beeindruckt war Chopin von den pianistischen Fähigkeiten des Friedrich Kalkbrenner; da begann er sogar an der Qualität seines eigenen Klavierspiels zu zweifeln. Aber Kalkbrenner setzte seine ganze Autorität ein, um diesem jungen Polen den Weg zu ebnen. Kalkbrenner hatte sofort erkannt, dass dieser junge Mann all seine bisherigen Schüler übertraf und erwartete etwas Ruhm und Glanz für sich, wenn er Chopin als seine Entdeckung und seinen Schüler der staunenden Öffentlichkeit präsentieren konnte.

    Diese Entwicklung betrachtete sein alter Lehrer Elsner aus der Ferne mit größtem Misstrauen und drängte Fryderyk zum komponieren; zum komponieren von Opern, um sich dadurch »unsterblich« zu machen, da der Virtuosen-Ruhm irgendwann verflogen sei. Chopin sah sich schon immer primär als Komponist, aber obwohl er das Genre Oper gut kannte, galt seine Lieber der Komposition von Klavierwerken.

    Ende 1831 kam auch Mendelssohn Bartholdy nach Paris und blieb den ganzen Winter dort; zwischen Mendelssohn und Chopin entstand eine Freundschaft und eine noch engere Verbindung hatte Chopin zu dem Frankfurter Ferdinand Hiller; und wenn schon von Freundschaften die Rede ist, muss natürlich auch Franz Liszt genannt werden, der sich bereits 1825 in Paris niedergelassen hatte. Liszt und Chopin bewunderten sich gegenseitig über das was sie nicht besaßen, denn sie waren in ihrer Wesensart völlig verschieden. Chopin hatte eine Vielzahl von Kontakten in die Musikszene geknüpft; endlich sollte - im Konzertsaal des Klavierbauers Pleyel - Chopin im Kreis von vielen prominenten Musikern der Pariser Öffentlichkeit präsentiert werden, was, wie seinerzeit in Wien, zum dritten angesetzten Termin gelang, das war dann der 26. Februar1832. Sein Auftritt konnte gefallen, aber der Rahmen war zu klein, um von einem großen Durchbruch sprechen zu können. Seine zunehmende Berühmtheit resultierte eher aus den privaten Konzerten in den Salons, wo sein sensibles Spiel weit besser zur Geltung kam, als im ganz großen Rahmen. Da er keinen spartanischen Lebensstil pflegen mochte, erteilte er den Töchtern der Pariser Gesellschaft Klavierunterricht, denn das Geld von zuhause war aufgebraucht und er musste fortan sein Leben selbst finanzieren. Es kam ihm hier zugute, dass er sich schon als Knabe in Warschau in Kreisen der Aristokratie bewegt hatte, denn er unterrichtete nicht armer Leute Kinder und war ein gesuchter Pädagoge.


    Französisch war bei Chopin nur der Familienname; bedingt durch sein elterliches Umfeld, war er durch und durch Pole. Obwohl er fast fließend französisch sprach, konnte und wollte er nie verbergen, dass er kein Franzose war. Und listig war Chopin auch; er hatte - bevor er Berühmtheit erlangte - einen Vertrag mit einem kleinen unbedeutenden Verlag und wollte nun aus dieser Bindung heraus. Da mimte Chopin solange den Schlamper, bis die andere Seite den Vertag kündigte. Nun war der Weg frei - Chopin heuerte bei dem bekannten Verleger Schlesinger an, der sich wiederum mit dem Leipziger Verlagsleiter Kistner absprach, welcher den Musikverlag Probst leitete. Chopin hatte damit sein gestecktes Ziel erreicht, nun wurde seine Musik im weiten Kreis verbreitet, auch Robert Schumann war begeistert. Diese Begeisterung mochte der Kritiker Ludwig Rellstab - dessen Texte von Schubert genial vertont wurden - überhaupt nicht teilen und wurde zum erbitterten Gegner von Chopins Kompositionen, was sich aber einige Jahre später ändern sollte.

    Und die Pariser Presse? Da war zunächst nur Schweigen. Erst als Schlesinger 1834 seine eigene Zeitschrift »Gazette Musicale« herausbrachte, wurden Chopins Kompositionen auch in Paris zum Thema.


    Auch mit Berlioz, der im November 1832 wieder in die Stadt gekommen war, verstand sich Chopin ganz gut und wurde durch diesen in literarische Kreise eingeführt. Fryderyk Chopin hatte innerhalb von drei Jahren in Paris eine Position erreicht, die ihm eigentlich immer als Ideal vorschwebte; seine Werke wurden von den besten Verlagen Europas herausgegeben und er war als Pianist und Komponist ein Mann aus der ersten Reihe. In Paris hatte er keine Star-Auftritte wie zum Beispiel Franz Liszt oder Sigismund Thalberg; wenn er außerhalb der Salons öffentlich auftrat, dann spielte Chopin im Kreis seiner Freunde, wenn diese ein Konzert veranstalteten.


    Im privaten Bereich tat sich im Sommer 1835 einiges; Fryderyk konnte in Karlsbad seine Eltern überraschen, die dort zur Kur weilten und er richtete es ein, fast einen Monat mit ihnen zu verbringen. Seine Rückreise erfolgte über Dresden, wo er auf die ihm seit vielen Jahren vertraute Familie Wodzinska traf, deren Tochter Maria er noch im kindlichen Alter in Erinnerung hatte, aber nun im heiratsfähigen Alter von 16 Jahren vor ihm stand. Chopin war bis über beide Ohren verliebt und Marias Mutter stand einer Verbindung recht positiv gegenüber, war jedoch in Sorge wegen Fryderyks labiler Gesundheit und gab - ein Jahr später, nach einem erneuten Treffen - auch brieflich weise Ratschläge, wie diese durch soliden Lebenswandel zu verbessern sei. Marias Mutter war zugetragen worden, dass Fryderyks Lebenswandel sich keineswegs an ihren gutgemeinten Vorschlägen orientierte und dass der Schwiegersohn in spe wieder einmal krank war. Während sich Chopin schon Gedanken über einen Hochzeitstermin machte, kam von den Wodzinskas Post, die so interpretiert werden musste, dass aus der Sache nichts wird. Ein noch ernüchternder Brief wurde ihm nach London nachgesandt - Fryderik wickelte Marias Briefe in ein Stück Papier, machte ein blaues Bändchen drum und schrieb drauf: »Moja bieda« (Mein Elend).


    In dieser Zeit seiner Verliebtheit hatte Chopin als Durchreisender auch Kontakte zu bedeutenden deutschen Musikern. So traf er 1835 zum Beispiel in Leipzig erstmals auf Robert Schumann; Mendelssohn hatte ihn zur Wohnung von Friedrich Wieck gebracht; die Herren unterhielten sich, bis nach einer Stunde Wieck mit seiner sechzehnjährigen Tochter Clara erschien, die dem Gast zwei seiner »Etüden«, Schumanns »Sonate fis-moll« und eine eigene Komposition vorspielte. Clara Wieck hatte bereits als Dreizehnjährige Chopins »Variationen« bei ihren Konzerten im Programm. Schumann, der damals Redakteur der »Neuen Zeitschrift für Musik« war, nahm bezüglich dieses Besuchs eine kleine Notiz in sein Blatt auf, die lautete:

    »Chopin war hier, aber nur wenige Stunden, die er in engeren Zirkeln zubrachte. Er spielt genau so, wie er komponiert, das heißt: einzig«. Erst nach langem Drängen hatte er sich überreden lassen und im Hause Wieck seine »Nocturne Es-Dur« gespielt.


    Im Sommer 1837 realisierte Chopin eine seit sechs Jahren geplante Reise nach England, die nicht als Konzertreise geplant war; er suchte eher etwas Abstand von seinen zerronnenen Heiratsplänen. Am 7. Juli erreichte er zusammen mit Camille Pleyel, der hier geschäftlich zu tun hatte, London. Chopin reiste inkognito als »Monsieur Fritz«, weil er in der Musikszene kein Aufsehen erregen mochte. Diese Maskerade hielt nicht lange, als sich »Monsieur Fritz« beim Klavierbauer Broadwood ans Klavier setzte fiel der Schwindel auf. Schon Ende des Monats kehrte Chopin wieder nach Paris zurück.


    Chopin lernte George Sand erstmals bei einem Empfang kennen; das war im Jahr 1836. Die Dame wirkte nicht als solche, sie stellte sich gerne in Herrenkleidung zur Schau, rauchte Zigarren und war 32 Jahre alt. Durch ihre schriftstellerische Tätigkeit hatte sie einen großen Bekanntheitsgrad erreicht. Für Chopin war das ein echtes Kontrastprogramm zu seiner verflossenen Maria; entsprechend war seine erste Reaktion: »Was für eine abstoßende Frau, die Sand! Ist sie wirklich eine Frau? Ich neige dazu daran zu zweifeln«.

    George Sand hatte irgendwie an dem zerbrechlich wirkenden Chopin Interesse gefunden und versuchte ihn nach ihrem Landsitz Nohan, etwa 300 Kilometer von Paris entfernt, zu locken, was ihr schließlich nach einigen mühevollen Versuchen auch gelang. 1838 hatte sich das Paar zusammengefunden, denn die um sechs Jahre ältere George konnte auch sehr mütterlich und fürsorglich sein und dieser Wärme bedurfte Chopin gerade nach der Ablehnung der Familie Wodzinska; er verspürte das Bedürfnis mit George zu leben.

    Wegen ihres rheumakranken Sohnes, aber auch aus anderen Gründen, plante George Sand eine Reise in den Süden, wobei zunächst an Italien gedacht war, aber dann schilderte man ihr Mallorca in den schönsten Farben und sie landete mit ihren Kindern und Chopin schließlich in dem seit zwei Jahren von den Mönchen verlassenen Kartäuserkloster Valldemossa. wo man für wenig Geld unmöblierte Zimmer mieten konnte. Um kein Aufsehen zu erregen, waren sie getrennt zur spanischen Grenze gereist; erst die Seereise wurde gemeinsam angetreten. Alle genossen zunächst das milde Klima und die herrliche Landschaft; sie waren am 8. November 1838 in Palma angekommen. Aber dann schlug das Wetter um und es wurde kühl und ungemütlich, auch in der unbeheizten Villa, welche sie bis zum Umzug ins Kloster angemietet hatten. Chopin erkrankte und die Diagnose Tuberkulose machte die Runde, der Vermieter wurde nervös, verwies sie des Hauses und ließ seine Villa generalrenovieren. Zum 15. Dezember zogen sie im Kloster ein. Das wichtigste Möbelstück fehlte immer noch - das aus Paris verschickte Klavier erreichte erst kurz vor Weihnachten Palma, musste aber noch unter unsäglichen Mühen rauf zum Kloster geschafft werden. Erst Anfang Januar 1839 konnte Chopin wieder auf einem ordentlichen Klavier spielen und komponieren - und er hatte dazu wesentlich mehr Zeit als in Paris. Mit den Einheimischen kamen die neuen Klosterbewohner überhaupt nicht zurecht; eine rauchende Frau mit einem Mann, der ständig Klavier spielt ... und dass das Paar ohne Trauschein zusammen wohnt, stieß auch auf Ablehnung.

    Chopin wollte die Insel so schnell als möglich verlassen. Es wurde eine äußerst strapaziöse Rückreise des schwer Erkrankten; am 13. Februar verließen sie mit einem Frachtschiff, das Schweine transportierte, die Insel. Nach einem einwöchigen Aufenthalt in Barcelona reisten sie per Schiff nach Marseille, wo sie am 24. Februar wieder französischen Boden betraten. Die sofort konsultierten Ärzte diagnostizierten eine starke Lungenreizung und stellten keine Tuberkulose fest. Als Trost für die erlittenen Strapazen konnte festgestellt werden, dass der Mallorca-Aufenthalt eine ganz beachtliche kompositorische Ausbeute gebracht hat. Bis Mai blieb Chopin in Marseille, wo er sich sichtlich erholte.


    Dann, am 1. Juni 1839, kam Chopin erstmals zu Georges Landhaus in Nohant; er sollte dort noch einen Großteil seiner Werke schaffen. Bei seiner Ankunft fand er als Überraschung ein nagelneues Pleyel-Klavier vor, das George aus Paris hatte kommen lassen. Nach diesem ersprießlichen Sommer ging es dann im Herbst wieder zurück nach Paris, seit etwa einem Jahr hatte Chopin dort keinen Klavierunterricht mehr gegeben. Erst zwei Jahre später ging es im Sommer wieder nach Nohant.


    Als Chopin im Herbst 1843 Nohant in Richtung Paris verließ, war die Reise bequemer geworden, denn nun gab es eine Eisenbahnverbindung bis Orléans. 1844 war Chopin mal wieder ernsthaft krank und im Mai des Jahres traf ihn die Nachricht, dass sein Vater gestorben ist.

    Im Sommer 1845 hatte Chopin in Nohant keine besonderen gesundheitlichen Probleme, aber Georges inzwischen erwachsen gewordener Sohn Maurice - er war jetzt 22 - bereitete welche, er mochte nicht, dass sich hier so vieles nach dem Gast Chopin richtet und gab Chopin deutlich zu verstehen, dass er nicht zur Familie gehört. George Sand liebte Maurice gerade abgöttisch; das Problem, der Riss, war da.

    Als Fryderyk Chopin im November 1846 Nohant verließ, sollte er nie wieder dorthin zurückkehren; er reiste alleine nach Paris zurück, George Sand und ihre Kinder blieben noch für drei Monate auf dem Land. Obwohl ein Bruch nach außen nicht öffentlich gemacht wurde, hatte Franz Liszt im fernen Moskau davon Wind bekommen. Nach diversen massiven Streitigkeiten innerhalb der Familie von George Sand, war die endgültige Trennung besiegelt.


    Zu Beginn des Jahres 1848 konnte man Chopin zu einem Konzert überreden; seit sechs Jahren hatte es so etwas nicht mehr gegeben. Es fand im Salle Pleyel statt und versetzte das ganze musikalisch interessierte Paris in Aufregung, es fand am 16. Februar statt und war natürlich ein überwältigender Erfolg vor ausgesuchtem Publikum. Man wollte am 10. März noch ein Konzert folgen lassen - es fand nicht mehr statt, sechs Tage nach diesem Konzert brach die Revolution aus.

    Aufgrund dieser Ereignisse verließ Chopin am 19. April Paris in Richtung London und ließ offen, wann er wieder kommt. Anders als vor elf Jahren, wurde seine Ankunft mit viel Getöse propagiert, wofür Chopins Schülerin Jane Stirling, eine Schottin, die er seit acht Jahren unterrichtete, verantwortlich zeichnete. Also hatte Chopin eine Menge Termine und anschließend hetzte ihn Jane noch durch Schottland, wo er sich mit ihren Verwandten maßlos langweilte und nicht zum Komponieren kam, wie er gehofft hatte. Dennoch genoss er Janes Betreuung, die noch von ihrer Schwester unterstützt wurde. Als ihm übermittelt wurde, dass in Paris Gerüchte bezüglich einer Heirat mit Jane kursieren, schrieb Chopin retour: »... also erläutere ich Dir, daß ich dem Sarg näher bin als dem ehelichen Lager«.

    Am 21. November reiste Chopin wieder zurück nach Paris. Den Winter über verließ er kaum noch das Haus und litt unter den üblichen Beschwerden, welche in diesem Winter sehr hartnäckig waren. Die vielen Reisen und das Klima in England und Schottland hatten stark an seiner Gesundheit gezehrt. In diesem Zustand konnte er nur noch wenige Stunden geben, so dass es ihm bald an Geld fehlte. Auch die schottischen Schwestern waren wieder nach Paris gekommen und Jane Stirling versuchte ihren Meister finanziell so zu unterstützen, dass er dessen nicht Gewahr wurde. Im ausgehenden Frühjahr 1849 rieten ihm seine Ärzte mal wieder zu Sommerferien auf dem Land. Eine weite Reise wollte er nicht auf sich nehmen, also ging es nur soweit aus der Stadt weg, dass man die markanten Gebäude von Paris noch sehen konnte. Man gaukelte ihm für seinen Sommersitz eine geringere Miete vor und eine Gräfin übernahm heimlich den Rest. Chopins weiter Freundeskreis kümmerte sich auch dort draußen um ihn, sogar Jenny Lind schaute mal vorbei. Am 22. Juni alarmierte die Pflegerin das betreuende Umfeld und Fürstin Sapieha schickten sofort nach dem berühmten Arzt Jean Cruveilhier, der eine Tuberkulose im Endstadium diagnostizierte. Chopins geliebte Schwester Ludwika kam nach Paris und betreute ihren Bruder. Noch einmal zog Chopin innerhalb von Paris um; die Ärzte hatten zu einer wärmeren Wohnung mit Südfenstern geraten, die Wahl fiel auf Place Vendôme 12. Mit einigem Eifer suchte er Tapeten und Gardinen aus. Ende September war er in sein neues Zuhause gezogen und er war inzwischen so schwach, dass er seine neue Wohnung nicht mehr verlassen konnte. Am 15. Oktober sang Delfina Potocka - eine langjährige Freundin und Klavierschülerin Chopins, der er seinen »Minutenwalzer« und das »Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll« gewidmet hatte - in unmittelbarer Nähe des Krankenlagers Werke italienischer Komponisten und ein Cello spielte die »Sonate g-moll« von Chopin.


    Chopins Zustand verschlechterte sich zusehends, als ihm Solange, die Tochter von George Sand, in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober Wasser reichen wollte, bemerkte sie, dass Chopin tot war, es war zwei Uhr. Auf seinem Totenbett hatte er noch den Wunsch geäußert, dass man zu seiner Beerdigung Mozarts »Requiem« spielen möge. Ein weiterer Wunsch war, dass sein Herz nach Polen gebracht werden solle. So geschah es dann auch, aber eigentlich war sein Herz schon immer in Polen ... - seit 1850 ruht es in einer Säule der Heiligkreuz-Kirche in Warschau.

    Die feierliche Enthüllung des Grabmals fand am 17. Oktober 1850, am ersten Todestag Chopins statt. Entworfen und ausgeführt hat es der Bildhauer Auguste Clésinger.


    Praktischer Hinweis:

    Das Grabmal von Frederic Chopin befindet sich auf dem Pariser Friedhof Cimetière du Père-Lachaise / Division 11. Man geht vom Haupteingang auf der Avenue Principale eine Strecke von etwa gut 100 Metern geradeaus, bis zur Avenue du Puits, wo man sich nach rechts wendet, aber schon nach ca. 25 Metern wieder nach links abbiegt. Dieser breiteren Straße, die am Rand der Grabfeldern Division 9 und 10 vorbeiführt, folgt man etwa 120 Meter bis rechts ein Weg mit der Bezeichnung chemin Denon kommt, welcher Division 11 begrenzt. Man folgt diesem schmaleren Weg knappe hundert Meter und ist am Ziel.


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    Das ist dann eine Fehlinformation! Im Prager Interimstheater spielte man (in Abgrenzung zum deutschen Theater in Prag) grundsätzlich alles auf Tschechisch!


    Das ist wohl richtig, und wenn man die politischen Verhältnisse von damals kennt, auch logisch.

    Gerade habe ich dazu noch beim Künstlertreffen erfahren, dass die Uraufführung der "Verkauften Braut"in Deutsch gesungen wurde. Was spricht noch für die Originalsprache?

    Da lauern allerdings Fallstricke -

    Das Theater Erfurt informierte 2016 unter der Rubrik Fakten so:


    Oper in drei Akten von Bedřich Smetana
    Text von Karel Sabina
    Uraufführung Prag 1866
    In deutscher Sprache
    Stückdauer: 02:45 h | Eine Pause


    Musikalische Leitung Zoi Tsokanou
    Inszenierung Markus Weckesser
    Ausstattung Mila van Daag


    Wenn man nicht ganz genau hinschaut, lässt sich nun zweierlei herauslesen:
    a) Die Uraufführung in Prag fand 1866 in deutscher Sprache statt.
    b) Die Uraufführung in Prag fand 1866 statt, in Erfurt wird das Werk in deutscher Sprache gesungen.


    Übrigens gibt es einige ernstzunehmende Sprachkundige, welche die deutsche Übersetzunmg für die bessere Version halten und dies auch entsprechend begründen, aber solches muss man nicht in diesem Thread diskutieren ...

    Hochkultur in dörflicher Idylle


    Wie schon in vielen Jahren vorher, hatte sich auch an dem wunderschönen herbstlichen Wochenende des 12./13. Oktober 2019 eine erkleckliche Zahl Musikfreunde, vor allem Freunde des Gesangs, beziehungsweise Berufssängerinnen und - Sänger in Ölbronn-Dürrn - eingefunden, wo Gottlob Frick 1906 im damals noch selbständigen Dorf Ölbronn geboren wurde. Dieses Treffen der Gesangsenthusiasten wird im nächsten Jahr sein 25. Jähriges Jubiläum feiern. Es ist schon erstaunlich, was sich da in zweieinhalb Jahrzehnten alles getan hat und wie das Andenken an Gottlob Frick immer noch wachgehalten wird, während viele andere Sänger früherer Zeit heute längst vergessen sind, weil sich niemand drum kümmert, deren Andenken hoch zu halten.


    Operus, alias Hans A. Hey, der übrigens keinerlei Ähnlichkeit mit Richard Wagner hat, organisiert mit seiner Frau Ingrid und vielen, vielen Helfern auf absolut professionellem Niveau den Künstlertreff in Ölbronn. Dieses Riesenengagement ist wohl auch die Grundvoraussetzung, dass sich da auch immer und immer wieder erstrangige Persönlichkeiten nach Ölbronn (grob gesagt, etwa zwischen Karlsruhe und Stuttgart gelegen) bemühen. Natürlich kann eine solche Veranstaltung nicht taminofrei sein ...

    Ein Dutzend dürften es schätzungsweise gewesen sein, man muss das schätzen, weil einige während dieser Veranstaltung organisatorisch beschäftigt waren und deshalb für Small Talk nicht zur Verfügung standen. Aber so ein halbes Dutzend Taminos saß hautnah und absolut friedfertig beisammen; wenn man sich Auge in Auge gegenübersitzt ist das doch eine ganz andere Gesprächsqualität, weil sprachliche Entgleisungen außen vor bleiben, die in schriftlichen Äußerungen schon mal rasch in die Tasten gehauen werden und dann für Verstimmungen sorgen.


    Dem Konzertereignis war der Festakt der Gottlob-Frick-Gesellschaft vorangestellt, in dessen Verlauf verdiente Persönlichkeiten mit der Gottlob-Frick-Medaille ausgezeichnet werden. Auch hier schon, im Programmheft nicht ausgedruckt, erklang Gesang; Musikstudent Alexander, der Sohn von Peter Edelmann, durfte sich vor großem Publikum präsentieren. Ebenso der junge Bassbariton Florian Kontschak mit »O sancta justitia«.

    Nachdem der Ehrenpräsident Hans A. Hey in seiner Festrede die Schwierigkeiten des Sängerberufs bezüglich des wirtschaftlichen Erfolges nicht in den rosigsten Farben malen konnte, kam er dann zum erfreulicheren Teil seiner Rede und hatte etwas Positives aus Wien mitgebracht. Die Wiener Sängerfamilie Edelmann war zu Ehren des berühmten Bassbaritons Otto Edelmann tätig geworden und gründete die »International Otto Edelmann Singing Competition«. Peter Edelmann, der ältere Sohn von Otto Edelmann, hatte mit seiner Frau Silvia-Saavedra diese Institution ins Leben gerufen, um junge Sängerinnen und Sänger praktisch allumfassend zu beraten und zu unterstützen, also nicht nur gesangstechnisch. Es ist eine privat finanzierte Stiftung, die in diesem Jahr mit der Gottlob-Frick-Medaille ausgezeichnet wurde. In seiner Dankesrede führte Peter Edelmann aus, dass es bei den Problemen des Künstlernachwuchses mitunter auch mal um die Finanzierung eines entsprechenden Abendkleides für einen wichtigen Auftritt geht.


    Die Gottlob-Frick-Gesellschaft begnügt sich ja nicht damit nur ständig ihren Ölbronner Meistersinger hochleben zu lassen, sondern bemüht sich über all die vielen Jahre, jungen Künstlern bei ihren ersten Schritten ins professionelle künstlerische Dasein behilflich zu sein.

    Aber muss man der kroatischen Sopranistin Josipa Bainac noch behilflich sein? Wohl kaum.

    Ganz vorzüglich sang sie an diesem Konzertmittag die Arie der Marie aus dem 3. Akt »Die verkaufte Braut«: Och, jaký žal!, natürlich in der Originalsprache, welch ein Genuss ihr zuzuhören, auch wenn man kein Wort Tschechisch versteht. Aus der Sicht des Schreibers war das der sängerische Höhepunkt des Nachmittags, beim mitternächtlichen Bier konnte ich meine Einschätzung im Gespräch mit einer betagten ehemaligen Sängerin der Münchner Oper fachlich absichern.


    Dies soll jedoch die anderen Darbietungen des Nachmittags in keiner Weise als zweitrangig erscheinen lassen, schließlich waren auch die beiden Brüder Paul Armin und Peter Edelmann - also die Söhne des verstorbenen Bassbaritons Otto Edelmann - aus Wien angereist und brannten in der Erlentalhalle zu Ötisheim ein Feuerwerk schöner Opernstücke ab, die, wenn es das jeweilige Stück hergab, auch optisch äußerst amüsant dargeboten wurden, wie zum Beispiel »Lá ci darem la mano«.


    Man hörte einiges aus »Le nozze die Figaro«, die Canzonetta des Don Giovanni, das Lied an den Abendstern aus »Tannhäuser«, das Lied des Zaren aus »Zar und Zimmermann«, das berühmte Duett Fluth-Falstaff aus »Die lustigen Weiber von Windsor«, die populäre Arie des Escamillo, die Arie des Germont aus »La Traviata«, das heute kaum noch angebotene »Heiterkeit und Fröhlichkeit« aus dem »Wildschütz« und das von den Edelmann-Brüdern so heiter inszenierte Duett Malatesta-Pasquale aus dem dritten Akt der Oper »Don Pasquale«.

    Mitleser, die bei der Veranstaltung zugegen waren, werden bis hierher bemängeln, dass ein Stück aus Erich Wolfgang Korngolds Oper »Die tote Stadt« keine Erwähnung fand. Es sollte besonders herausgestellt werden, dass hier Paul Armin Edelmann mit seiner Arie des Pierrot »Mein Sehnen, mein Wähnen« etwas Besonderes bot, was auch durch die lebhaften Beifallsbekundungen aus dem Parkett, wo auch viele Gesangsprofis saßen, bestätigt wurde.


    Das alles hatte der künstlerische Leiter, Dirigent Alois Seidlmeier, mit seinem Heilbronner Sinfonieorchester fest im Griff. Außerhalb der Vokaldarbietungen war das Orchester mit der Ouvertüre zu »La nozze di Figaro« und »La forza del destino« zu hören. »Mit Schwung, Eleganz und charismatischer Ausstrahlung« war es im Programmheft angekündigt und das entsprach dann auch voll und ganz den gehört und gesehenen Tatsachen.


    Als man sich zur sonntäglichen Matinee wieder in Ölbronn traf, gab es keine live-Musik mehr, sondern nur noch Musikbeispiele von Tonträgern. Kammersängerin Brigitte Fassbaender, die Stargast dieser Matinee war, rümpfte deshalb etwas kritisch die Nase, weil solche Widergaben natürlich nicht die Qualität liefern können, welche sie einst, auf der Bühne stehend, live produzieren konnte. Der Musikjournalist Thomas Voigt sprach mit Brigitte Fassbaender über den Verlauf ihrer musikalischen Karriere und verschiedene Aspekte der heutigen Musikszene. Im Verlaufe des Gesprächs wurden dann auf einem Bildschirm entsprechende Szenen passend zum Gesprächsverlauf gezeigt oder Musikstücke eingespielt.

    Frau Fassbaender gab auch Privates Preis, zum Beispiel, dass sie keine Zeitung mehr liest und lieferte auch gleich die Begründung dazu: Sie hat dafür keine Zeit und man macht sich die Finger schmutzig, wobei hier wohl eindeutig der rein physikalische Vorgang gemeint war.

    Unter den eingespielten Szenen war auch ein Beitrag, in welchem Brigitte Fassbaender mit Plácido Domingo sang - man kann den Namen des Tenors ja heute nicht mehr nur beiläufig als Duett-Partner nennen. Auch hier machte Frau Fassbaender eine gute Figur, indem sie klar, eindeutig und Souverän dazu ausgewogen Stellung bezog. Zum guten Schluss kam das sündhafte Verhalten der Frau Kammersängerin zur Sprache. Thomas Voigt gab zum Abschluss der Veranstaltung das Zeichen zur Einspielung eines Gesangsstücks in welchen Brigitte Fassbaender - neben Stimmgewalt, die an Mario del Monaco erinnerte - auch eindeutige und unüberhörbare Stilelemente von Maria Callas eingebaut hatte. »Eine Jugendsünde«, meinte Frau Fassbaender entschuldigend, aber man konnte auch vermuten, dass da doch auch ein ganz kleines bisschen Stolz mit dabei war ... den erstaunten Zuhörern wurde da nochmal vorgeführt, welche überwältigenden Möglichkeiten diese Stimme besaß. Brigitte Fassbaender hatte zum rechten Zeitpunkt ihre Gesangskariere beendet. Aber es ging weiter mit Regie, Theaterleitung und pädagogischer Arbeit in Meisterkursen - schön, dass sie bei all dem auch den Weg nach Ölbronn gefunden hat.


    Wer sich für die genaue Programmfolge des Konzertes »Strahlende Opernsterne« interessiert, kann dies im Operus-Beitrag Nr. 496 nachlesen

    Nur ein kleiner Hinweis zu diesem wunderbaren Lied:

    Wer Josef Traxel als Liedsänger hören möchte, ist mit der im Bild eingestellten CD gut beraten; da sind neben Schubert, Brahms und Strauss auch sechs Beethoven-Lieder drauf:

    Mailied / Zärtliche Liebe / Resignation / Adelaide / Andenken /Abendlied unter dem gestirnten Himmel.


    traxel-cd35jcs.jpg

    Liebe Vera,

    schön, dass auch andere Friedhofsbesucher hier mal Fotos einstellen und diesen Thread mit am Leben halten. Da ich die meisten Pariser Friedhöfe recht gut kenne, ist es mir ein Bedürfnis, zu den eingestellten Bildern noch einige nützliche Details hinzuzufügen, die vielleicht allgemein interessieren könnten.


    Fangen wir mal bei Alphonsine Plessis an, die 1824 in einem Dorf der Normandie in Armut geboren wurde. Als 15-Jährige kam sie nach Paris, wo sie sich zunächst als Wäscherin und Putzmacherin durchschlug und ein gänzlich anders Umfeld kennenlernte, ein Kontrastprogramm zu dem ärmlichen kleinen Dorf in der Normandie.

    Ein wohlhabender Pariser Kaufmann fand das Mädchen begehrenswert und richtete ihr eine kleine Wohnung ein; erstmals schnupperte sie am Luxus. Aber sie tat auch etwas für ihre Bildung und lernte nicht nur Männer kennen, sondern auch Lesen und Schreiben. Zudem lernte sie auch Klavierspielen. Nun änderte sie noch ihren Namen und war fortan Marie Duplassis; sie war in der Pariser Gesellschaft angekommen.

    Als Franz Liszt 1845 nach Paris kam, lernte er auch Madame Duplassis kennen. Als Liszt die Dame kennenlernte, war sie zwar schon schwer an Tuberkulose erkrankt, aber der Pianist, damals Mittdreißiger, beschrieb seine neue Geliebte als die vollkommenste Verkörperung der Frau, die es jemals gegeben habe. Ihre Zeitgenossen rühmten ihr ovales, blasses Gesicht, ihre schwarzen Haare und überroten Lippen; ihre ganze Erscheinung sei zart wie chinesisches Porzellan gewesen. Über einige Monate sollen die beiden unzertrennlich gewesen sein. Gerne hätte sie Liszt noch auf einer langen Konzerttournee begleitet, was dieser jedoch ablehnte.


    Als Marguerite Gautier hat sie ihren großen Auftritt im Roman »Die Kameliendame« (La dame aux camélias) von Alexandre Dumas dem Jüngeren. Im realen Leben von Alexandre Dumas war sie vor Franz Liszt für etwa ein Jahr dessen Geliebte gewesen. Der Roman erschien 1848, da war Dumas 24 Jahre alt. 1852 wurde die Geschichte in ein Bühnenstück umgearbeitet und hatte ebenso großen Erfolg. Schließlich interessierte sich auch noch Giuseppe Verdi für den Stoff, denn er hatte die Uraufführung des Stückes bei seinem Aufenthalt in Paris erlebt. Nicht so erfolgreich war dann die Uraufführung von »La traviata« im März 1853 in Venedig, denn dass eine Kurtisane, die an Tuberkulose leidet, zur Hauptfigur einer Oper wird, war der damaligen Gesellschaft nur schwer zu vermitteln. Dass diese Oper bis heute immer wieder erfolgreich aufgeführt wird, braucht man hier eigentlich nicht zu betonen.


    Wer das Grab von Alphonsine Plessis besuchen möchte, benutzt am Cimetiére Montmartre am günstigsten den Eingang Avenue Rachel. Man wendet sich gleich am Eingang (WC) nach links, wobei man sowohl den Weg Chemin Saint-Eloy als auch die Avenue Saint-Charles benutzen kann. Beide Wege führen zunächst am Gräberfeld (Division) 16 entlang, dann kommt man zum Gräberfeld 15 und findet dort das Grab von Alphonsine Plessis. Auch Alexandre Dumas ist auf diesem Friedhof bestattet, aber ein ganzes Stück weg, in Division 21, am Weg Avenue de Montmorency.


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    Adolphe Sax, der eigentlich Antoine-Joseph Sax hieß, wurde in Dinant, einem kleinen Städtchen mit imposantem Felsen, im wallonischen Belgien, am Ufer der Maas, 1814 geboren. Er war eines von 11 Kindern. Der Vater war Kunsttischler; 1835 zog die Familie nach Brüssel, etwa hundert Kilometer von seinem Geburtsort entfernt. Dort eröffnete der Vater eine Instrumentenbau-Werkstatt. Der Filius studierte am Brüsseler Konservatorium. In der väterlichen Werkstatt widmete sich der Sohn vorrangig der Weiterentwicklung vom Klarinette und Bassklarinette. Eine finanzielle Goldgrube war die Werkstatt nicht, denn das Experimentieren mit neuen Instrumenten kostete Geld. Also machte sich Sax Junior 1842 auf nach Paris, nahm ein neues, von ihm entwickeltes Sopransaxophon mit und erregte damit bei bekannten Musikerpersönlichkeiten wie Halévy, Auber und Berlioz einiges Aufsehen. Durch diese Herren bestärkt, baute Sax nun Saxophone in acht verschiedenen Größen, wobei er auch auf Erfahrungen seines Vaters zugreifen konnte. Es entstanden Trompeten, Hörner, Tuben ...

    Das alles war auch Giuseppe Verdi zu Ohren gekommen; so entstand speziell für Verdis neue Oper die »Aida-Trompete«, ein etwa 1,5 Meter langes Instrument mit durchdringendem Ton, wie Opernbesucher wissen.


    1846 erhielt Sax in Frankreich für seine Instrumente ein Patent und machte Furore als sein Instrument in die französische Militärmusik eingeführt wurde. Das alles sieht nach einer Erfolgsgeschichte aus; seine Werkstatt soll an die hundert Mitarbeiter gehabt haben, die 20.000 Instrumente fertigten. Ein dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg war ihm jedoch nicht beschieden.

    1857 wurde Sax Saxophon-Lehrer am Pariser Konservatorium und ab 1858 wurde er Direktor des Bühnenorchesters der Pariser Oper.


    So erfolgreich das Saxophon auch in der Militärmusik war - König Louis Philippe hatte einen Wettstreit zwischen einer herkömmlichen und einer mit Sax-Instrumenten ausgestatteten Militärkapelle ausgerufen, bei dem sich Sax-Instrumente durchsetzten - durch den Niedergang des französischen Militärs ging die Nachfrage nach Saxophonen ab 1870 erheblich zurück. Die Sax-Instrumente hatten sich auch unter militärischen Gegebenheiten besser bewährt, denn sie waren robuster gegen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Dieser Erfolg rief eine Menge Neider auf den Plan, sodass Sax in viele Prozesse gegen die neidische Konkurrenz verwickelt wurde, die er zwar immer gewann, aber auch finanziell geschwächt aus diesen hervor ging. Die Aktivitäten seiner Gegner gingen sogar so weit, dass sie seinen Diener umbrachten, der das Pech hatte, seinem Herrn ähnlich zu sehen. All dies beeinträchtigte seine Gesundheit. Schon viele Jahre vor seinem Lebensende, es war 1867, schrieb er:

    »Ich beklage, dass ich nur einige Stunden des Friedens in einem von Sorge verschlungenen Leben erreichen konnte«.


    In der breiten Gesellschaft stieß das Instrument lange dergestalt auf Ablehnung, dass die Töne als Gewinsel, Geschnarre und Gequäke empfunden und mit etwas anrüchigen Milieus assoziiert wurden. In Deutschland war zum Beispiel während der Nazizeit die Situation so, dass einerseits der »Deutsche Frauenbund gegen die Entartung des Volkslebens« ein Verbot des Instruments forderte, aber andererseits das Musikkorps der stolzen Luftwaffe das Saxophon mit höchster Billigung zum Klingen brachte. Den eigentlichen Durchbruch erzielte das Instrument mit der Entwicklung der Jazz-Szene in den 1930er Jahren vor allem in Amerika.


    Dieser durchschlagende und anhaltende Erfolg seines Instrumentes kam für Adolphe Sax zu spät; er starb am 7. Februar 1894 verarmt in Paris.


    Wer das Grab von Adolphe Sax auf dem Cimetiére Montmartre besuchen möchte, findet dies in Division 5, das ist praktisch diagonal gegenüberliegend von Division 15 am äußersten Ende des Friedhofs. Vom Eingang an der Avenue Rachel geht man auf den Kreisel zu und wendet sich nach links zur Avenue de la Croix, dann weiter geradeaus zur Avenue Travot. Von dort aus wendet man sich nach rechts und geht die Avenue du Tunnel bis fast zur Friedhofsgrenze. Aus gegebenem Anlass verzichte ich auf Entfernungsangaben.



    Zum Grab von Hector Berlioz findet man Angaben im Thread-Beitrag Nr. 604

    Lieber Helmut, lieber hart, mich dünkt, ihr geht etwas zu streng ins Gericht

    Mein lieber Rheingold,

    also ich bin da mit niemanden streng ins Gericht gegangen, sondern hatte Emanuel Geibel als belesenen Menschen hochleben lassen.

    Ich erlaubte mir doch lediglich den Hinweis, dass Geibel noch nicht der überragende gebildete Mann gewesen sein kann als er das fragliche Gedicht verfasste.

    Diesen Hinweis finde ich hilfreich, denn natürlich hatte ich bei meinem Einwand, dass Geibel beiden Schumanns in puncto Belesenheit überlegen war, den »fertigen« Geibel im Kopf; ich hatte dieser Relation nicht die notwendige Beachtung geschenkt.

    Eine Lied-Matinee zu Ehren von Gundula Janowitz im Opernhaus, Staatstheater Stuttgart


    In einer Matinee in der Staatsoper Stuttgart wurde am Sonntag, 6. Oktober 2019, zum 8. Male die Hugo-Wolf-Medaille für herausragende Verdienste um das Kunstlied verliehen.

    Zur Gestaltung des musikalischen Rahmens hatte man die Sopranistin Juliane Banse und den Bariton Benjamin Appl eingeladen, die von dem altbewährten Pianisten Wolfram Rieger begleitet wurden. Die Laudatio hatte man dem Musikwissenschaftler und Journalisten Dr. Wilhelm Sinkovicz anvertraut.


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    Ein würdiger Rahmen für die Hommage an Gundula Janowitz


    Zur Hommage für Gundula Janowitz traten zwei Interpreten auf, die ich von Heidelberg her kannte, Juliane Banse leider nur in der stummen Rolle einer Jurorin beim diesjährigen Lied-Wettbewerb »Das Lied« in Heidelberg. Juliane Banse stammt aus dem »Ländle«, ist aber als Künstlerin geografisch weit darüber hinaus gekommen. Ihre Kindheit verbrachte sie in Zürich und hatte schon früh Kontakte zum Opernhaus Zürich, wo sie Ballettunterricht nahm. Schon mit 15 wurde sie in Gesang unterrichtet, was für die junge Frau dann die Basis zum Studium bei den Mezzosopranistinnen Brigitte Fassbaender und Daphne Evangelatos in München war. Bereits mit zwanzig Jahren debütierte sie als Pamina in der »Zauberflöte« an der Komischen Oper Berlin und sang danach an bedeutenden Veranstaltungsorten in Europa. Ihr USA-Debüt gab sie 1995 mit Mahlers zweiter Sinfonie. Neben ihren zahlreichen Opernrollen pflegt sie auch den Liedgesang und ist seit dem Wintersemester 2016/17 als Gesangsprofessorin an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf tätig.


    Benjamin Appls Stimme hörte ich erstmals 2012 anlässlich eines Meisterkurses von Thomas Hampson, wo er einer der acht Stipendiatinnen und Stipendiaten war. Man hörte sofort, dass hier eine gute Stimme am Werden ist, bei den Damen war es damals Diana Haller, die im gleichen Kurs aufhorchen ließ.

    Erste sängerische Gehversuche machte der junge Benjamin bei den Regensburger Domspatzen, denn Regensburg ist seine Geburtsstadt. Nach seinem Stimmbruch nahm Benjamin Appl Gesangsunterricht und wirkte in Oratorien mit; war aber etwas im Zweifel, ob seine Fähigkeiten ausreichen, um an einer Musikhochschule aufgenommen zu werden. Also sicherte er sich zunächst ab und absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, welches er abschloss.

    Danach studierte er an der Hochschule für Musik und Theater in München; und an der Bayerischen Theaterakademie war Edith Wiens seine Lehrerin. Aber kaum war er da, folgte er Frau Wiens an die Julliard School nach New York. Der erstklassige Gesangslehrer Rudolf Piernay (ein Berliner), der an der Guildhall Schoolof Music in London lehrte, war der Grund für die Übersiedlung Appls nach London, wo er derzeit seinen Lebensmittelpunkt sieht. In Dietrich Fischer-Dieskau hatte er einen weiteren großen Förderer, der ihm viele Türen öffnete und ihn oft in seinen Meisterkursen als eine Art Überraschungsgast präsentierte. Benjamin Appl kann von sich sagen, dass er der letzte Schüler dieses großen Liedsängers war. Verbrieft ist dies durch Julia Varady, die zugegen war, wenn der junge Mann den Meister in Berg am Starnberger See besuchte. In New York sang Benjamin Appl vor wenigen Monaten alle drei Lieder-Zyklen Schuberts, man durfte gespannt sein was er aus Brahms und Hugo Wolf macht, kleine Kostproben gab er bereits auf seiner CD »Heimat« und ist auch sonst sowohl im Konzertsaal als auch auf Tonträgern sehr präsent.


    Wolfram Rieger stammt aus Waldsassen in der Oberpfalz und hat nicht nur im Elternhaus Klavierunterricht erhalten, sondern ist zur weiteren pianistischen Ausbildung ins 130 Kilometer entfernte Regensburg gefahren. Heute konzertiert er fast auf der ganzen Welt und wurde vor zwei Jahren selbst mit der Hugo-Wolf-Medaille zusammen mit Thomas Hampson ausgezeichnet. Er hat schon eine Menge berühmter Interpreten begleitet und wirkt nun schon seit vielen Jahren bei den Meisterkursen und Liederabenden des »Heidelberger Frühling« maßgebend mit. Er kennt die Konzertsäle der Welt. Bei den Feierlichkeiten 2017 saß er schon in der Stuttgarter Oper am Klavier und nun begleitete er Juliane Banse und Benjamin Appl. Neben seiner Konzerttätigkeit hat Wolfram Rieger bereits seit 1998 eine Professur für Liedgestaltung an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.


    Das Programm der Lied-Matinee

    Zunächst geschah gar nichts und es herrschte eine fast gespenstisch anmutende, irgendwie unnatürliche Ruhe, wie sie ein altgedienter Konzertbesucher so nicht in Erinnerung hat ... aber dann öffnete sich doch das Seitentürchen und Juliane Banse erschien.

    Im Programm erklangen Kompositionen von Johannes Brahms, Robert Schumann und Hugo Wolf. Zunächst sang Juliane Banse drei Brahms-Lieder, denen noch ein Duett hinzugefügt wurde. Danach übernahm Benjamin Appl die Solistenrolle und brachte drei Lieder von Robert Schumann zu Gehör. Der Schumann-Block wurde dann ebenfalls mit einem Duett abgeschlossen.


    Johannes Brahms (1833-1897)

    Ständchen op. 106/1

    Die Mainacht op. 43/2

    Unbewegte laue Luft op. 57/8

    Vergebliches Ständchen op. 84/4 (Duett)


    Robert Schumann (1810-1856)

    Frühlingsfahrt op. 45/2

    Meine Rose op. 90/2

    Belsatzar op. 57

    Unterm Fenster op. 34/3 (Duett)


    Nach diesen acht Vorträgen war den Künstlern eine Pause gegönnt und der Vorsitzende der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie, Prof. Dr. Hansjörg Bäzner, begrüßte Gäste und Ehrengäste. Danach folgte die hörenswerte Laudatio von Dr. Wilhelm Sinkovicz, der es fertig brachte tiefschürfende Sachkunde humorvoll und unprätentiös zu vermitteln, es war ein Genuss ihm zuzuhören und am Beifall konnte der Referent deutlich hören, dass er gefallen hatte.


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    Gundula Janowitz mit dem Laudator Dr.Wilhelm Sinkovicz


    Danach folgte der Akt der Ehrung. Wie oft mag die zweifache Kammersängerin schon geehrt worden sein? Ihre Lebensleistung hier darzustellen wäre müßig, man kann das Staunenswerte ihrer mehr als drei Jahrzehnte währenden Bühnentätigkeit in vielen Publikationen nachlesen. Dinge, die normalerweise nicht im Musiklexikon stehen, findet man in einem Gespräch, das im Programmheft abgedruckt ist:

    Beide Eltern unterstützten Gundula in ihrem Bestreben Sängerin zu werden. Der Vater starb drei Wochen nach ihrem Probesingen am Konservatorium und der sie weiter unterstützenden Mutter war es nicht vergönnt ihre 22-jährige Tochter noch in ihren Anfängen an der Wiener Staatsoper zu erleben.

    Schließlich trat die Geehrte mit einem wohlvorbereiteten Manuskript ans Rednerpult und bekannte, dass auswendig Singen für sie kein Problem sei, aber dass sie ihre Dankesworte lieber lesend abstatten wollte; am Schluss zitierte sie den bekannten Liedtext: »Du holde Kunst, ich danke dir dafür«. Das Publikum feierte Gundula Janowitz mit Standing Ovations.


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    Die Sängerin mit der Auszeichnung


    Zum musikalischen Abschluss mussten natürlich noch Lieder von Hugo Wolf gesungen werden, eigentlich eine Selbstverständlichkeit in diesem Rahmen. So wurde das musikalische Programm in der Weise fortgesetzt, dass sich die beiden Vortragenden die ausgewählten 16 Lieder teilten und im Wechsel sangen. Benjamin Appl begann mit »Ein Ständchen zu bringen« und Juliane Banse endete mit »Ich hab in Penna einen Liebsten wohnen«.


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    Die drei ausführenden Künstler


    Hugo Wolf (1860-1903)

    aus: »Italienisches Liederbuch«

    Ein Ständchen zu bringen

    Mein Liebster singt am Haus im Mondenscheine

    Heut Nacht erhob ich mich

    O wär dein Haus durchsichtig wie Glas

    Gesegnet sei, durch den die Welt entstund

    Gesegnet sei das Grün und wer es trägt

    Ihr seid die Allerschönste weit und breit

    Du denkst mit einem Fädchen mich zu fangen

    Geselle, woll´n wir uns in Kutten hüllen

    Verschling´ der Abgrund meines Liebsten Hütte

    Hoffärtig seid Ihr, schönes Kind

    Du sagst mir, dass ich keine Fürstin sei

    Sterb´ ich, so hüllt in Blumen meine Glieder

    Nun lass uns Frieden schließen

    Wir haben beide lange Zeit geschwiegen

    Ich hab in Penna einen Liebsten wohnen


    Gesamteindruck der musikalischen Darbietungen

    Juliane Banse musste ja einen guten Auftritt haben, denn die von ihr gesungenen drei Brahmslieder sind beim Publikum wohlbekannt. Nach der unbewegten lauen Luft kam Bewegung in die Szene, als der Bariton von der gegenüberliegenden Bühnenseite überraschend heranstürmte und man das erste Duett zu hören bekam.

    Danach war Benjamin Appl an der Reihe, um sich als Solist vorzustellen; er wählte drei Schumann-Stücke aus, darunter als fulminanten Schlusspunkt die Ballade »Belsatzar«, was ihm wohlverdienten Beifall einbrachte. Nach diesem Liedblock gab es das Duett »Unterm Fenster«

    War es Absicht, Hugo Wolf in eine gewisse Distanz zu Johannes Brahms zu bringen? Die beiden konnten ja nicht so gut miteinander. Also kamen die schlichten, kleinen Lieder, welche im Ursprung aus Volksliedern hervorgingen, als letzte musikalische Darbietung dran. Wolfs »Italienisches Liederbuch« hat den Umfang von 46 Gedichten, die vom Lobpreis der Verliebtheit und Schönheit bis zu Spott- und Streitgesängen sowie bitteren Klagen reichen. Es ist der längste Lied-Zyklus überhaupt, der, führt man ihn ganz auf, etwa eineinhalb Stunden in Anspruch nimmt und deshalb relativ selten zur Aufführung kommt. An Studioaufnahmen gibt es dagegen ein zahlreiches Angebot. Für die Stuttgarter Matinee hatte man aus dem Zyklus 16 passende Lieder ausgewählt, wobei die Texte im Programmheft mitgelesen werden konnten. Im letzten Lied »Ich hab in Penna einen Liebsten wohnen«, schlüpfte Juliane Banse in die Rolle eines weiblichen Don Giovanni, denn wie aus dem Text hervorgeht, war es nämlich nicht nur einer in Penna ...

    Zum Ende der Liedvorträge wurde artig applaudiert und als man meinte es sei Schluss, tat sich noch einmal das Seitentürchen auf - Wolfram Rieger suchte in den Notenblättern, dann hörte man nochmals »Unterm Fenster«. Hier waren erfahrene Liedinterpreten zugange; Benjamin Appl kann man inzwischen hinzuzählen. Allerdings war ich überrascht - im Vergleich zu 2012 - einer, zumindest an diesem Morgen, relativ dunkel gefärbten Bariton-Stimme zu begegnen.


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    Von links nach rechts sind zu sehen:

    Prof.Dr. Hansjörg Bäzner, Wolfram Rieger, Juliane Banse, Gundula Janowitz, Benjamin Appl, Dr. Wilhelm Sinkovicz, Dr. Cornelia Weidner.


    Alle Fotos: Reiner Pfisterer

























    Er hat sich in die Musikgeschichte eingeschrieben

    Nicht nur das, lieber nemorono ...

    Sein Sängerleben ist in vielen Medien reichhaltig dokumentiert, aber die Schilderung seiner Kinder- und Jugendzeit, diese eigentlich unvorstellbare Armut liest sich geradezu atemberaubend!

    Robert Schumann hätte – so darf man vermuten - einen solchen lyrischen Text zwecks Liedkomposition nicht angefasst.

    Einmal abgesehen davon, dass Clara zwar nicht so belesen wie Robert Schumann war

    Lieber Helmut Hofmann,

    also wenn es um den Grad der Belesenheit geht, vermute ich - soweit ich die Entwicklung des Emanuel Geibel kenne -

    dass der Herr Geibel den beiden Schumanns eher überlegen war ... Robert hatte ja schließlich noch einiges zu komponieren.
    Irgendwie wollte ich das nicht grad so überlesen ...







    Wenn man mit Friedhofseingang den linken am Brechthaus meint

    Mein lieber Stimmenlibhaber,

    um ganz deutlich zu machen, welcher Friedhofseingang gemeint ist, hatte ich keine Mühen gescheut und von diesem ein Foto gemacht und diesem Beitrag beigefügt.


    Die "knapp fünfzig Meter" scheinen mir aber stark übertrieben, ich würde behaupten, dass es nicht mal 30 Meter sind, eher 20 als 30.

    Sag´ mal - soll das Satire sein?

    Wenn Du vermutest, dass der Regierende Bürgermeister überhaupt nicht weiß, wer Wagner-Régeny war bzw. überhaupt schon mal eine Note Musik von ihm gehört hat, dann darf ich vermuten, dass Du auf zu großem Fuße lebst ...

    Célestine Galli-Marie - *15. März 1837 Paris - †22. September 1905 Vence


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    Zum heutigen Todestag der »Ur-Carmen« Célestine Galli-Marié


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    Mit den exakten Lebensdaten von Célestine Galli-Marie tut man sich schwer, denn dazu liegen die unterschiedlichsten Verlautbarungen vor. Das Sängerlexikon Kutsch/Riemens nennt als Geburtsdatum der Sängerin zum Beispiel: »November 1840« und viele Publikationen schreiben das da ab; entsprechend weit ist das dann auch verbreitet.

    Nach Durchsicht vieler französischer Quellen muss man jedoch zu der Ansicht gelangen, dass der 15. März 1837 stimmend sein könnte. In der Hauptsache geht es aber schließlich um die Bedeutung dieser Person in der Musikgeschichte und hier kann man sich darauf verlassen, dass die Überlieferungen stimmen und sich nur in Nuancen unterscheiden.


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    Die »Ur-Carmen« in einem Bild von Henri-Lucien Doucet aus dem Jahr 1884


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    Célestine Galli-Marié privat


    Célestine war die Tochter des Sängers Félix Mécène Marié de l´Isle; eine Urkunde gibt den Hinweis, dass die Mutter aus Frankfurt am Main stammte und dass die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt ihrer Tochter Célestine noch nicht verheiratet waren. Félix Mécène Marié de l´Isle, welcher sich in Paris sowohl an der Opéra-comique als auch an der Grand Opéra als Tenor einen Namen gemacht hatte und später als Bariton seine erfolgreiche Karriere fortsetzte, bildete seine Tochter Célestine selbst aus. Auch Célestines Schwestern waren Sängerinnen in unterschiedlichen Genres geworden; Schwester Paola war ebenfalls eine bekannte Opernsängerin und Irma war Operettensängerin.


    Unter dem Namen Célestine Marié debütierte die Sängerin 1859 in Straßburg, heiratete aber bald darauf den Bildhauer Galli und führte dann den Bühnennamen Célestine Galli-Marié. Die Ehe hatte nur relativ kurze Zeit Bestand, der Gatte verstarb zwei Jahre nach der Eheschließung.


    Am Opernhaus in Rouen sang sie 1860 die Rolle der Léonor de Gusmann in Donizettis »La favorite« und war aber auch am Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon zu hören, wo sie in den Jahren 1860/61 tragende Rollen in Werken von Donizetti, Flotow, Pacini, Rossini und Verdi in italienischer Sprache sang.

    Danach war Célestine Galli-Marié wieder an der Opéra de Rouen zu hören, wo sie unter dem Dirigat des damals zwanzigjährigen Jules Massenet in der französischen Erstaufführung von »La Bohémienne« die Rolle der Zigeunerkönigin sang - im Original trägt diese Oper des irischen Komponisten Michael William Balfe den Titel »The Bohemien Girl«. Dass sie einmal eine ganz berühmte Zigeunerin-Darstellerin werden wird, konnte damals noch niemand ahnen.


    Èmile Perrin - eigentlich Maler von Beruf und in Rouen geboren - war für einige Zeit Direktor der Opéra-comique und hatte die Sängerin in seiner Heimatstadt entdeckt und an seine Oper nach Paris engagiert. Als Serpina in »La Serva padrona« von Pergolesi konnte sie ein glänzendes Debüt feiern und stieg rasch zur Primadonna des Hauses auf. In diesem Status wirkte sie 1864 in der Uraufführung der Oper »Le Capitaine Henriot« von Francois-Auguste Gevaert und einigen anderen Opern mit, die heute kaum noch bekannt sind.


    Einen bedeutenden künstlerischen Schritt tat Marié-Galli in der Rolle der Kindfrau Mignon in der gleichnamigen Oper von Ambroise Thomas; es war die 17. und erfolgreichste Oper des Komponisten und Galli-Marié konnte diesen überwältigenden Erfolg mit genießen, was natürlich auch ihren Bekanntheitsgrad förderte. Die Uraufführung von »Mignon« fand am 17. November 1866 an der Opèra-comique statt.

    Ihren musikgeschichtlich bedeutendsten Beitrag leistete sie als erste Darstellerin der Carmen in Georges Bizets gleichnamiger Oper, die 1875 in Paris zur Uraufführung kam. Eigentlich war vorgesehen, dass die Titelrolle von der renommierten Sängerin Marie Roze gesungen wird, aber diese nahm von der Rolle drei Monate vor der Uraufführung Abstand; so wie die Sache zunächst lief, darf man vermuten, dass die Dame um ihren guten Ruf fürchtete, denn Bizet brachte etwas völlig Neues auf die Bühne; siebzehn Jahre später sang Madame Roze - nachdem die Oper enorm erfolgreich war - die Rolle der Carmen an der Kroll-Oper in Berlin.


    Im Vorfeld der Aufführung war Operndirektor Camille du Locle alles andere als begeistert und fragte: »Mérimées Carmen? Wird sie nicht von ihrem Liebhaber umgebracht? - Ein Tod auf der Bühne der Pariser Opéra comique. So etwas hat es noch nie zuvor gegeben. Nie!«

    Die Oper basierte auf einer Novelle von Prosper Mérimée.


    Bizet hatte im Frühjahr 1874 die Komposition der »Carmen« abgeschlossen. Am 2. Oktober hält er die erste Verständigungsprobe mit der nach vielem Zureden neu gewonnenen Hauptdarstellerin Célestine Galli-Marie, welche durch ihre Titelrolle in Ambroise Thomas »Mignon« ein gewisses Renommee mitbrachte, ab. Als José war der prominente Tenor Lhérie vorgesehen. Man ging also nicht leichtfertig an diese neue Oper heran, sondern versuchte beste Qualität abzuliefern. So wird von Hunderten von Proben berichtet, davon 81 mit den Sängern. Es war so Usus, dass die an der Opéra-comique aufgeführten Werke etwas schlichterer Art waren als die an der Grand Opéra, weshalb es zu Protesten von Chor und Orchester kam, die sich überfordert fühlten, also sah sich der Komponist genötigt, einige Chorpassagen zu streichen.

    Georges Bizet war 36 Jahre alt und hatte neue Ideen eingebracht, hatte echte Menschen auf die Bühne gestellt, die Publikum und Kritikern nur schwer zu vermitteln waren. Der überwiegende Teil der Kritiker - und auch das Publikum - monierte, dass die Carmen-Darstellerin ihre Rolle viel zu realistisch verkörpert, was man nicht schicklich fand und viele empfanden auch die Musik zu schwierig und intellektuell.

    Aber gerade diese Art der Darstellung forderte Bizet von seinen Protagonisten: »mehr Realismus, zu einem Mittelweg kann ich mich nicht verstehen«, meinte er. Bizet war nicht gewillt, Details an seiner Oper oder der Inszenierung zu ändern, um dem Publikum zu gefallen. Der Oper »Carmen« war bei der Uraufführung kein großer Erfolg beschieden, die anfängliche Begeisterung nahm von Akt zu Akt rapide ab, was für die beifallsgewohnte Marié-Galli sicher auch eine unangenehme Situation war. »Carmen« war zwar nicht durchgefallen, aber das neue Werk wurde mit einer reservierten Kühle aufgenommen. Dessen ungeachtet folgen noch vor der Sommerpause - bei steigenden Besucherzahlen - 37 weitere Aufführungen. Am Tag der 33. Aufführung, es war sein Hochzeitstag, der 3. Juni 1885, stirbt Georges Bizet. Es wurde erzählt, dass die Carmen-Darstellerin während der 33. Aufführung nach der Kartenszene die Bühne verließ und ohnmächtig wurde.


    Der eigentlich große Erfolg der Oper begann dann am 23. Oktober 1875 in Wien, nachdem der Verlag eine neue Fassung mit Ballett und Rezitativen von Ernest Guiraud erstellen ließ. An diesem Tag lief es in Wien gerade umgekehrt als bei der Pariser Uraufführung, denn die Begeisterung steigerte sich von Akt zu Akt. Aber die Rezitativfassung dürfte nicht der ausschlaggebende Grund der enthusiastischen Aufnahme in Wien gewesen sein, und die moderne Forschung meint sogar, die Rezitativfassung sei nicht vor 1880 eingeführt worden. Wie dem auch sei, das Stück eroberte die Welt und ist populär bis in unsere Zeit.


    Die Rolle der Carmen wurde bald zur Traumrolle aller weiblichen Stimmlagen, blieb also nicht nur den Mezzosopranistinnen vorbehalten, wie ursprünglich vorgesehen. Während nun »Carmen« außerhalb Frankreichs immer mehr gespielt wurde, war in Paris nach fünfzig Vorstellungen zunächst einmal Schluss. Erst acht Jahre später erschien »Carmen« dann wieder auf der Bühne der Opéra-comique mit der Koloratursopranistin Adele Isaac, was eine Fehlbesetzung war, die es nur auf siebzehn Aufführungen brachte.

    In der Zwischenzeit war Célestine Galli-Marié in Europa als gefeierte Sängerin unterwegs gewesen. Als sie dann am 27. Oktober 1883 wieder die Bühne der Opéra-comique betrat, feierte man schon 1885 die hundertste »Carmen«-Aufführung an der Opéra-comique; es war eine Gala-Aufführung. In diesem Jahr beendete sie eigentlich ihre große Karriere an diesem Haus; kehrte jedoch fünf Jahre später noch ein letztes Mal zurück, um George Bizet zu ehren.


    Am 11. Dezember 1890 stand die Crème de la Crème auf der Bühne; neben Célestine Galli-Marié als Carmen, sang Nellie Melba die Micaela, Jean de Reszke gab den Josè und Jean Lassalle war in die Rolle des Escamillo geschlüpft. Die Künstler hatten sich zusammengefunden, um einen Beitrag zur Errichtung eines Denkmals für Georges Bizet zu leisten.

    Das Sängerlexikon Kutsch/Riemens schreibt zu Célestine Galli-Marié:


    »Sie galt als eine der größten Darstellerinnen unter den Opernsängerinnen ihrer Zeit. Ihre Gestaltung der Carmen hat Maßstäbe gesetzt, die bis in die Gegenwart gültig geblieben sind« - allerdings wurde das vor ein paar Jahren so formuliert ...


    In den diversen Kurzbiografien - eine ausführliche gibt es nicht - steht in aller Regel, dass sie sich nach Vence bei Nizza zurückzog. Einmal heißt es: »Sie starb an einer Herzkrankheit in ihrer Villa in Vence«.

    Da gibt es aber eine französische Zeitschrift vom 19. März 2017, die in fetter Überschrift auf das Schicksal der einst so Gefeierten in ihren letzten Jahren hinweist. Zunächst wird in dem Artikel das wohl richtige Sterbedatum, nämlich der 22. September 1905, genannt. Weiterhin ergab die Recherche, dass die Sängerin dort für alle unbekannt im »l`hospice des Dominicaines à Vence« starb. Sie lebte unter dem Namen Madame Delaur und war die letzten Jahre mittellos.

    Als sie bemerkte, dass ihre stimmlichen Kräfte schwanden, zog sie sich in den Süden zurück, um dort nach all dem Trubel ihrer spektakulären Auftritte ihren Ruhestand zu genießen. Sie hatte zum zweiten Male geheiratet und führte den Namen Delaur; niemand in ihrer Umgebung wusste, dass das einmal eine berühmte Sängerin war. Monsieur Delaur frönte dem Glücksspiel, war ruiniert und starb 1901.

    Anscheinend hatte man ihre Familie gefunden, die sie nach Paris brachte, in die Stadt ihrer großen Triumphe, wo sie auf dem Cimetiére Pére Lachaise bestattet wurde, in unmittelbarer Nachbarschaft von Bizet. Aber das war nicht ihre letzte Ruhestätte, sondern nur die vorletzte. In den 1990er Jahren hatte man ihre Grabstätte aus Versehen aufgelassen und die sterblichen Überreste in ein Ossuaire (Beinhaus) verbracht. Man steht hier also nicht vor dem Grab der »Ur-Carmen«; die Inschrift bezeichnet ein Kenotaph, also ein Scheingrab. Hier erinnert man sich an Psalm 103, 15-16.


    Praktischer Hinweis:

    Der Gedenkstein für Célestine Galli-Marié befindet sich im vorderen Teil des Pariser Friedhofs Cimetière du Père-Lachaise / Division 57. Man geht vom Haupteingang aus auf der breiten Avenue Principale eine Strecke von etwa gut 100 Metern geradeaus, und wendet sich dann etwa 30 Schritte nach links, um gleich wieder rechts in die Avenue latérale Nord, die zunächst am Gräberfeld (Division) 58 entlang führt und dann am Feld 57 bis zur quer laufenden Avenue Neigre kommt, wo man sich nach links wendet und nach wenigen Schritten vor dem Kenotaph in der zweiten Reihe steht. Die Gesamtstrecke vom Haupteingang aus beträgt etwa 300 Meter.


    Ergänzende Informationen:

    Einhundert Meter Luftlinie vom Grab Georges Bizets entfernt, hatte man 1905 seine erste Carmen bestattet. Auch das Grab von Bizet, welches sich gegenüber dem Feld 57 in Division 68 befindet, ist nicht mehr das, was es einmal war. Dort, wo nun Blumendekor zu sehen ist, war bis 2006 eine Büste, die gestohlen wurde.


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    So sah das Grabdenkmal bis 2006 aus.

    Da Du in Wien vor Ort bist, wird sich die Sache doch sicher leicht klären lassen.

    Schön wär´s, lieber nemorino! Von meinem Wohnort aus sind es exakt 800 Straßenkilometer bis zur Wiener Staatsoper...


    Aber nun möchte ich versuchen, einige Fragen zu klären:


    man weiß ja wie das ist, wenn man mehr als ein Buch im Regal stehen hat und sicher zu wissen glaubt, eine bestimmte Sache wo gelesen zu haben, so eine Suche kann Zeit kosten ...


    Da ist also offensichtlich im Jahr 1956 auf Initiative von Joseph Marx und anderen eine Internationale Hugo-Wolf-Gesellschaft in Wien gegründet worden, die sich primär um die Herausgabe von Schriftgut verdient macht, dass hier in neuerer Zeit Medaillen vergeben wurden ist mir nicht bekannt - man kann ja nicht alles wissen -, aber es gibt eine ansehnliche Liste von Medaillenträgern, die Deine Angaben bestätigen!

    Die Internationale Hugo-Wolf-Gesellschaft Wien hat eine vom Bildhauer und Bühnenbildner Felix Smetana geschaffene Medaille für besondere Verdienste um Hugo Wolf gestiftet, die bisher an folgende Personen und Institutionen verliehen wurde:


    1968: an Kammersänger Hans Duhan, Prof. Viktor Graef, Frau Irmina Köchert, Dr. Otto Werner, Japanische Hugo-Wolf-Gesellschaft.

    1969: an Generaldirektor Dr. Josef Neubauer, Deutsche Grammophon-Gesellschaft, LaSalle-Quartett.

    1971: an Kammersänger Dietrich Fischer-Dieskau, die Kammersängerinnen Elisabeth Schwarzkopf und Irmgard Seefried, Präsident Dr. Erich Marckhl.

    1973: an Dr. Hans Jancik, Walter Legge, Gerald Moore und Dr. Erik Werba.


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    Stuttgart hat ja eine lange Hugo Wolf-Tradition, weil der Rechtsanwalt Hugo Feißt, ein Freund und Förderer von Hugo Wolf, bereits 1894 einen Liebhaberkreis um Hugo Wolf geschaffen hatte, der schließlich 1898 in die Gründung eines Hugo-Wolf-Vereins mündete. Dieser Verein entwickelte sich stetig weiter und erweiterte sein Profil, was zur heutigen Internationalen Hugo-Wolf-Akademie führte, welche seit 2008 die unten im Bild gezeigte Medaille verleiht.
    Für mich überraschend, dass Dietrich Fischer-Dieskau schon einmal eine Hugo-Wolf-Medaille erhalten hatte - Wie diese wohl aussah? Die aktuelle Medaille, welche nun an Gundula Janowitz verliehen wird, ist eine Nachbildung der Gedenktafel, die 1925 an Wolfs Wohnhaus in Wien-Wieden, Schwinggasse 3, wo der Komponist 1896-1897 wohnte, angebracht wurde.


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    Wegen seiner Verdienste um Wolfs Lebenswerk bekam auch Legge seinerzeit die Hugo-Wolf-Medaille verliehen.

    Lieber nemorino,

    Die Internationale Hugo-Wolf-Akademie verleiht nach meinem Wissensstand - ich bin da meist vor Ort dabei - die Hugo-Wolf-Medaille seit dem Jahr 2008. Da Walter Legge bereits 1979 starb, kann er eigentlich mit dieser Medaille nicht ausgezeichnet worden sein. Die Reihe der Preisträger stellt sich so dar:


    Dietrich Fischer-Dieskau (2008), Christa Ludwig (2010), Peter Schreier (2011), Brigitte Fasbaender (2013), Graham Johnson (2014), Elly Ameling (2015), Thomas Hampson & Wolfram Rieger (2017) und nun Gundula Janowitz.