Beiträge von harry

    Tschaikowsky 2 habe ich auch als sehr schön in Erinnerung, allerdings nur schwach, da schon lange nicht mehr gehört. Leider kann ich das spontan auch nicht nachholen, da ich das Werk nur auf LP besitze und aufgrund einiger Umbaumaßnahmen mein Plattenspieler derzeit nicht verfügbar ist. Deshalb steht es auch nicht in meiner Liste. Und da - mein Gott, die Beschränkung auf 5 ist wirklich gemein. Aber ich versuche es:

    1. Beethoven Nr. 4 (An dieser Nr. 1 wird sich auch so bald nichts ändern; in der Reihenfolge meiner anderen vielleicht schon)

    2. Mozart KV 488 A-Dur

    3. Schumann

    4. Dvorak (wurde glaube ich noch gar nicht genannt; finde ich ganz toll und allgemein unterbewertet)

    5. Busoni

    Sehr gerne höre ich auch Grieg, Brahms 2 und Saint-Saens 5, aber die kommen leider nicht mehr in die Wertung.

    Wie Madize im Post Nr. 14 sagte: Morgen könnte es schon wieder anders aussehen - das betrifft auch meine Nr. 2 - Nr. 5; kommt ganz auf meine momentane Stimmung an.


    Allen Taminos einen guten Rutsch und alles Gute für 2020

    harry

    Dann füge ich als nächstes Glied der Rollen-Kette hinzu:
    "Erika" in Samuel Barbers Oper Vanessa.
    Ihre Rolle mit ein paar Worten zu beschreiben, ist unmöglich; sie bildet jedenfalls den Dreh- und Angelpunkt in der hochdramatischen Handlung dieser Oper. Die tief beeindruckende Inszenierung (Katharina Thoma) und hervorragende Ausstattung (Übernahme von der Oper Malmö) bei der Vorstellung in der Oper Frankfurt (2012) bleibt in Erinnerung, nicht zuletzt auch aufgrund der sängerischen wie darstellerischen Leistung von Jenny Carlstedt in der Rolle der Erika.


    Grüße aus dem Odenwald
    harry

    Bitte um Entschuldigung, wenn ich den Fortgang des Threads unterbreche und auf frühere Beiträge zurückkomme - aber es muss sein!
    In Post 7 sprach Friese von einem Cellisten namens Christian Poltera, und in Post 10 sprach ich von einem Cellisten, dessen Namen ich nicht mehr wusste. Beim Aufräumen meines Arbeitszimmers fand ich jetzt das Programmheft des bewussten Konzerts in Darmstadt wieder, und traute meinen Augen nicht: Der Solist war genau derjenige, den Friese in seinem Beitrag genannt hatte, nämlich Christian Poltera.
    Vielleicht noch ein kleiner Nachtrag zu diesem Konzert: Poltera gab als Zugabe einen Satz aus der 1. Cello-Suite von J.S.Bach; er spielte das einfach himmlisch und es gab standing ovations, verdient.
    Im Übrigen möchte ich mich für die etlichen Hinweise auf mir bisher unbekannte Cellisten bedanken; da das Cello zu meinen Lieblingsinstrumenten zählt, wird in nächster Zeit wohl die eine oder andere CD auf meinem Bestellzettel landen.


    Viele Grüße und ein gesegnetes Osterfest euch allen
    harry

    Vielen herzlichen Dank, lieber Woka, für Deine Liste. Ich hätte mich mit Sicherheit auch schon an dieser Komponistenkette beteiligt, aber selbst zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Thread überhaupt bewusst wahrgenommen habe - und das ist schon einige Zeit her - , war es mir zu mühsam herauszufinden, wer denn nun schon alles genannt wurde. Ich habe auch schon zumindest eine "Lücke" entdeckt und warte jetzt nur auf den passenden Buchstaben.


    Viele Grüße, und vorsorglich schon jetzt an Dich und alle Taminianer die besten Wünsche für ein gesegnetes und frohes Osterfest
    harry

    Also das Walton-Konzert ist schon ein Hammer! Ich habe es vor einiger Zeit im Staatstheater Darmstadt gehört, mit einem hervorragenden jungen Solisten, dessen Name ich leider nicht mehr weiß, und einem wunderbar (kongenial) begleitenden Orchester. Falls Du, lieber Friese, das Konzert erst durch das anvisierte Album kennenlernen solltest, kann ich Dir versprechen: Du wirst Deine helle Freude daran haben, wobei ich davon ausgehe, dass Christian Poltera, den ich leider noch nicht kenne, genauso gut spielt wie derjenige in Darmstadt.
    Das Cello-Konzert von Hindemith kenne ich leider noch nicht, wohl aber die Kammermusik Nr. 3 op. 36/2 für obligates Cello und 10 Soloinstrumente, live gehört mit dem Nationaltheater-Orchester Mannheim unter Ingo Metzmacher und dem hervorragenden Solisten Benedict Kloeckner. Er ist 1989 geboren, studierte u.a. bei M. Ostertag und konzertiert weltweit als Solist u.a. in der Berliner Philharmonie, der Carnegie Hall, dem Concertgebouw Amsterdam. Er nahm bisher 6 CDs auf, von denen ich mir anlässlich dieses Threads gerade eine mit größtem Genuss zu Gemüte führe (Werke von R. Strauss, Poulenc und Rihm), und die auch für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert wurden.
    Leider weiß ich im Augenblick nicht, wie man die Cover von Amazon bzw. jpc einfügen kann (soweit ich mich erinnere, gab es da eine Änderung gegenüber früher); aber wer den folgenden Link anklickt, landet direkt bei der genannten CD:


    https://www.amazon.de/gp/offer…6941&sr=1-1&startIndex=10


    Vielleicht ist es jemandem möglich, das für mich noch zu erledigen?


    Auf der Homepage des Labels Genuin findet man auch noch einige Pressestimmen zu den Aufnahmen Benedict Klöckners:


    http://www.genuin.de/de/04_d.php?k=300


    Ich bin übrigens mächtig stolz darauf, diese CD mit einem Original-Autogramm des Künstlers, vor meinen Augen angefertigt, in meinem Besitz zu haben.


    Viele Grüße aus dem schönen Odenwald
    harry

    an Joh. Seb. Bach:
    Wurde die berühmte und allseits bekannte und beliebte "Toccata und Fuge d - moll BWV 565" tatsächlich von Ihnen komponiert?


    O ja, das würde mich auch brennend interessieren! Gibt es da zwischenzeitlich schon neue Erkenntnisse?


    Gruß, harry

    Meine drei Fragen - wobei ich bewusst Bearbeitungen gewählt habe, die im Allgemeinen und/bzw. den entsprechenden Fachkreisen akzeptiert und goutiert sind:


    1. An Bach: Können Sie sich mit den Bearbeitungen Ihrer Werke durch das Jacques-Loussier-Trio ("Play Bach") anfreunden?
    2. An Mussorgski: Wie stehen Sie zu der Rock-Version Ihrer "Bilder einer Ausstellung" von Emerson, Lake und Palmer?
    3. An Johann Strauß: Gefallen Ihnen die Bearbeitungen Ihrer Walzer von Schönberg und Berg?


    Gerade zum Thema "Bearbeitungen" gäbe es natürlich zu fast allen Komponisten noch viele weitere Fragen, z.B. Bach: "Switched-On-Bach", Ravel: Daphnis und Chloe mit Tomita, die unsäglichen "Liebesträume" von Liszt usw. usw. Ein unerschöpfliches Thema - aber ich finde den Thread sehr interessant!


    Grüße aus dem Odenwald
    harry

    ...ich habe auch öfter gelesen, dass die Flöten von damals, je mehr Vorzeichen eine Tonart hatte, "unreiner" klangen...


    Ist jetzt ein wenig OT, aber trotzdem: Das betrifft nicht nur die Flöte, sondern eigentlich alle Instrumente, besonders die Tasteninstrumente. Erst die "Erfindung" der ("Wohl"-)temperierten Stimmung ermöglichte es, alle Tonarten gleich "gut" zu spielen. Dabei nahm man in Kauf, dass es eigentlich nur noch ein einziges wirklich "rein" gestimmtes Intervall gab, nämlich die Oktav. Das Geniale dieser Erfindung ist die Tatsache, dass das menschliche Ohr diese "Verstimmungen" i.d.R. nicht wahrnimmt und sich deshalb auch nicht beleidigt fühlt (Es gibt natürlich Ausnahmen, aber das sind ausgesprochene Gehörs-Spezialisten). Bach hat sich diese Erfindung zu eigen gemacht; exemplarisch dafür natürlich die 2 Bände des "Wohltemperierten K(C)laviers" und auch einige Orgelwerke in entlegenen Tonarten.


    Grüße, harry

    LP-Hüllen sind häufig informativer als CD-Booklets. Es handelt sich um "12 Fantaisies à Travers sans Basse", veröffentlicht um 1732. Der hochinteressante und kenntnisreiche Einführungstext von Hans-Martin Linde beschreibt die Stücke als 2 - 4sätzig, dann quasi kleine Sonaten.
    Spannend auch, was er zu den Flöten schreibt: Das Instrument von Jacob Denner (1715) habe eine Tendenz zur mitteltönigen Stimmung, während das Instrument von Carl August Grenser eher zur pythagoreischen Stimmung drängt. Zu berücksichtigen sei bei der Interpretation (Intonation) außerdem ein bei Quantz beschriebener "Naturfehler" der Flöte: Einige mit Kreuzen bezeichnete Töne seien ein wenig zu tief, einige ein wenig zu hoch.
    So könnte man bei der Zahl 12 auch auf die Idee kommen, dass die Tonarten des Quintenzirkels abgeschritten werden. Dem ist aber nicht so; einige auf der Traversflöte besonders heikel zu spielende Tonarten werden ausgelassen.
    Für Freunde der Solo-Kammermusik findet sich im Hüllentext übrigens noch der Hinweis auf Solofantasien für die Violine und die Viola da Gamba (1735).


    Viele Grüße
    harry

    Nicht zu vergessen: die 12 wunderbaren Fantasien für Querflöte solo von Georg Philipp Telemann in einer fantastischen Interpretation von Hans-Martin Linde, eingespielt auf Original-Instrumenten des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Ich besitze die LP von EMI-Electrola aus dem Jahr 1975; ob diese höchst interessanten Werke jemals auch auf CD erschienen sind, weiß ich leider nicht. Für Flötenfreunde und OPI-Spezialisten eine absolute Delikatesse; die Travers-Flöten (ist korrekter als "Quer"-Flöten) stammen aus 1715 bzw. 1775 und stehen in der Stimmung a' = ca. (!) 410 Hz.


    Grüße aus dem Odenwald
    harry

    Alle, die sich näher mit der Person Herbert Blomstedt befassen wollen, möchte ich auf die Sendung "Zur Person" am kommenden Sonntag auf SWR2 hinweisen. Zur Vorinformation ist der folgende Link sehr zu empfehlen:


    https://www.swr.de/swr2/progra…660494/1m0d6w4/index.html


    Leider werde ich die Sendung nicht hören können, weil ich mich zu dieser Zeit außerhalb des Empfangsbereichs des Senders befinde. Aber vermutlich wird die Sendung noch für einige Zeit zum Nachhören zur Verfügung stehen.


    Viele Grüße
    harry

    Nur eine "technische" Frage (zu den Spielregeln des Threads):

    Jedoch sollte jetzt die Liste auf 100 bedeutende, derzeit aktive Pianisten ergänzt werden, wobei jeder Mitspieler maximal ZWEI zusätzliche nominieren darf.


    und:

    Natürlich fehlen Pianisten, 60 sind eben nur eine begrenzte Zahl. Ich darf auf den Grund diese Thread hinweisen, der zwar in Beitrag 1 erklärt ist, was aber verrmutlich sowieso niemand liest.


    Was jetzt - 60 oder 100?
    Ich habe "zusätzlich", wie in Zitat 1 angegeben, Hamelin benannt; Lisitsa ist, wie in meinem Beitrag erwähnt, sowieso schon dabei. Allerdings weiß ich ich im Augenblick nicht, ob zwischenzeitlich auch die 100er-Marke bereits überschritten wurde. Dann hätte Hamelin Pech gehabt - was sehr schade wäre.


    Viele Grüße
    harry

    Valentina Lisitsa wurde von mir bereits genannt - eine einfach phantastische Pianistin mit ungewöhnlich breit gefächertem Repertoire.


    Für mich erstaunlich, dass - soweit ich das sehe - bisher Marc-André Hamelin nicht erwähnt wurde. Er gehört ganz zweifelsfrei zu den momentan führenden aktiven Pianisten


    Grüße aus dem Odenwald
    harry

    Der englische Pianist Clifford Curzon nannte die Studioaufnahmen "Rendevouz mit der Zukunft" und sie stimmten ihn traurig.

    Ist es erstaunlich - verwunderlich - normal, welche extrem unterschiedliche Einstellungen Interpreten zu Studioaufnahmen haben? Glenn Gould z.B. zog sich komplett vom Konzertbetrieb zurück und arbeitete fortan nur noch im Studio (wo z.B. seine legendären Goldberg-Variationen entstanden; ob diese Qualität live jemals erreichbar gewesen wäre - in einer Sternstunde vielleicht). Demgegenüber Sergiu Celebidache, der nach meiner Erinnerung jede Aufführung eines Stücks als ein einmaliges und nicht wiederholbares Ereignis betrachtete und deshalb jede Art von "Konserve" ablehnte. Sicher ist er da näher bei Curzon, den vielleicht auch genau dieser Gedanke "traurig stimmte".
    Ein "Fenster in die Vergangenheit" ist die Schallplatte insofern, als...


    alles was nicht niet- und nagelfest war

    aufgenommen wurde; allerdings waren auch wahre Schätze darunter - Aufnahmen mit Referenzcharakter und auch philologisch-musikhistorische Projekte wie z.B. die 10 Kassetten mit je 3 LPs umfassende Dokumentation des Deutschen Musikrats "Zeitgenössische Musik in der Bundesrepublik Deutschland", die meines Wissens nie auf CD umgeschnitten wurde - eine Fundgrube für entsprechend Interessierte und nur unter größten Mühen heute in dieser Umfänglichkeit zusammen zu tragen, wenn überhaupt.
    Der Knackpunkt ist natürlich das liebe Geld - im Unterschied zu allem, was in den 50/60ern an "nicht Niet- und Nagelfestem" aufgenommen wurde, richtet sich die Ausgabenpolitik der Labels spätestens seit Youtube und Spotify nur noch nach der Verkäuflichkeit; die Namen von Zugpferden (wie z.B. Netrebko, Garret, Dudamel u.v.a.m.) sind wichtiger als die Komponisten und ihre Werke (was man häufig auch auf den CD-Covers unschwer nachvollziehen kann). Allerdings gibt es mittlerweile doch einige löbliche Ausnahmen, die den Mut besitzen, auch ausgesprochenes Nischenrepertoire zu veröffentlichen, und - Gottseidank werden sie immer mehr!


    Grüße aus dem schönen Odenwald
    harry

    Anscheinend hat die leidige Barenboim-Diskussion dem für mich durchaus interessanten Thread - insofern ich auch die Einschätzungen anderer Forenmitglieder zur Kenntnis nehmen konnte und dabei auch auf so manchen Dirigenten wieder aufmerksam gemacht wurde - den Todesstoß versetzt. Also unternehme ich jetzt einmal den Versuch, ihn wieder zum Leben zu erwecken. Vielleicht finden sich ja doch noch einige bereit, sich daran zu beteiligen.
    Vor meiner Liste aber doch noch ein Wort zu Barenboim - nein, nicht zu seiner Ehrenrettung, sondern nur so. Als ich vor einiger Zeit zum Einkaufen fuhr, ertönte aus dem Autoradio eines meiner Lieblingswerke, der "Sacre" von Strawinsky. Auf dem Parkplatz angekommen, konnte ich es mir nicht erparen, die letzten 10 min des Stücks noch ohne laufenden Motor und die Fahrgeräusche anzuhören - so rhythmisch präzise und prägnant hatte ich dieses Stück selten gehört (vielleicht einmal live unter Boulèz). Und dann kam die Überraschung: Der Dirigent dieser Aufnahme war Daniel Barenboim. Nicht zuletzt deshalb, und weil, wie in einem Post schon früher erwähnt, auch das Lebenswerk eines Dirigenten nicht unberücksichtigt bleiben sollte, steht Barenboim selbstverständlich auf meiner Liste. Bitte jetzt aber um Himmels Willen nicht wieder eine Diskussion darüber! Das ist meine ganz persönliche Meinung, die man akzeptieren kann oder auch nicht.
    Meine folgende Liste stellt durchaus etwas wie eine persönliche Rangfolge dar, die ich durch eine gewisse Struktur verdeutliche. Ich bedaure ein wenig, dass ich keinen der etwas älteren russischen Dirigenten in der Liste habe, aber ich kenne von ihnen zu wenig, und es kann nicht Sinn der Liste sein, einen Dirigenten nur deshalb aufzuführen, weil man seinen Namen einmal gehört hat. Hier also meine Liste:


    Claudio Abbado
    Leonard Bernstein
    Simon Rattle
    Pierre Boulez


    Riccardo Chailly
    Riccardo Muti
    Herbert Blomstedt
    Philippe Herreweghe
    Michael Gielen
    Mariss Jansons
    Daniel Barenboim
    Nikolaus Harnoncourt
    Sergiu Celebidache
    Günter Wand
    Bernard Haitink
    Valery Gergiev
    Roger Norrington


    Carlos Kleiber
    Georg Solti
    Carlo Maria Giulini
    Colin Davis
    Kurt Masur
    Lorin Maazel
    Rafael Kubelik
    Seiji Ozawa
    Kent Nagano
    James Levine
    Gustavo Dudamel
    Vladimir Ashkenazy
    Zubin Mehta
    Wolfgang Sawallisch
    Neville Marriner
    Simone Young (damit wenigstens eine Dame vertreten ist)


    Vaclav Neumann
    Arturo Toscanini
    Bruno Walter
    Otto Klemperer
    Herbert von Karajan
    Karl Böhm
    Ferenc Fricsay
    Leopold Stokowski
    Ernest Ansermet
    Frans Brüggen
    Rudolf Bars(c)hai
    Gary Bertini
    Eliahu Inbal
    Rafael Frühbeck de Burgos
    Ferdinand Leitner
    Eugen Jochum
    Horst Stein


    1. Kein Thielemann? Kein Furtwängler? 2. Kein...? Kein...?
    zu 1.) Dafür gibt es persönliche Gründe; aber ich möchte nicht wieder eine fruchtlose und letzten Endes ärgerliche Diskussion entfachen.
    zu 2.) 50 sind einfach zu wenig.


    Viele Grüße und ein frohes Pfingstfest
    harry

    Ich muss nun doch noch einmal etwas dazu schreiben.
    Zunächst zu Alfreds Post Nr. 2: Ich bin mir nicht sicher, ob ich Deinen Satz "Man hört sich eben ab" so verstanden habe, wie er gemeint ist. Jedenfalls habe ich, um beim konkreten Beispiel zu bleiben, Holsts "Planeten" nicht rauf und runter gespielt, bis ich sie nicht mehr ertragen konnte. Im Gegenteil: Sie liefen - wie vieles Andere - eher sporadisch, was aber nichts daran ändert, dass sie mir anfänglich sehr gut gefielen, mir heute aber nichts mehr sagen. Das bedeutet: Die Musik "als solche" ist für mich belanglos geworden, wobei weder der Name des Komponisten noch der Titel des Stücks eine Rolle spielt.
    Dies führt zu teletons Post Nr. 4:
    "Ganz anders wenn es um bestimmte Werke geht, zu denen man (wie in Deinem Beispiel) einfach zunächst keinen Zugang gefunden hat. Da kann durchaus Jahre später eine 3. und 4. Versuch zu neuen Erkenntnissen führen, weil man für diese Werke mt den Jahren offener geworden ist."
    Genau das meinte ich in meinem Beitrag! [Nebenbei: Das war, glaube ich, nicht Alfreds, sondern mein Beispiel!]...
    ... und zu Hüb's Post Nr. 7:
    "Manche Dinge benötigen ihre Zeit, den richtigen Zeitpunkt oder die Gewöhnung. Meiner Erfahrung nach kann nicht auf Anhieb Gefallendes durchaus (sehr) ans Herz wachsen..."
    Bis ich z.B. mit den Sinfonien von Schostakowitsch warm wurde, brauchte es etliche Jahre an Hörerfahrung. Heute zählen sie (nicht alle) zu meinen Lieblingswerken.
    Und schließlich zu KSMs Post Nr. 6:
    "Ich gebe allem, was ich auf CD erwerbe, mehrere Chancen..."
    Genau so mache ich das auch; d.h. wenn mir ein Stück auf Anhieb nicht gefällt (oder mich nicht fasziniert oder fesselt), sage ich nicht "Höre ich mir nie wieder an", sondern im Gegenteil: "Muss ich mir nochmal anhören; vielleicht habe ich es beim ersten Hören einfach nicht kapiert". Um auch hier beim konkreten Beispiel zu bleiben: Auch nach wiederholtem Hören kann ich Rachmaninovs Sinfonien nichts abgewinnen. Aber es gibt ja so viel andere schöne Musik..


    Grüße aus dem schönen Odenwald
    harry


    PS. Kann mir bitte jemand sagen, wo ich die "Zitierfunktionen" und das Einbinden von CD-Covers nachlesen kann? Ich konnte das mal, habe es aber durch meine längere Abstinenz vom Forum leider total vergessen.

    Keine noch so gute Anlage kann das Live-Erlebnis im Konzertsaal (oder Opernhaus) ersetzen. Ich habe das selbst erlebt mit zwei Werken, die ich sehr gut kenne und schätze: Schostakowitschs 10. Sinfonie und Strawinskys Sacre. Als ich diese beiden Werke im Konzertsaal erlebte (den "Sacre" unter Boulèz), war das eine völlig andere Welt. Von der Oper möchte ich gar nicht sprechen; sie ist für mich ein Problemfall (ja!!) und ertrage sie nur live im Opernhaus (oder der Arena von Verona) und kann mich dann sogar hoffnungslos begeistern (wenn gut gesungen wird).
    Ich gäbe einiges darum, einmal die Chance zu erhalten, diesen Koloss von Klavierkonzert von Busoni live und natürlich m i t dem Männerchor zu erleben. Das ist eines der faszinierendsten und wohl auch schwierigsten Stücke der gesamten Klavier-Literatur.
    Ich besitze die in Post Nr. 1 vorgestellte Aufnahme von Ohlsson mit dem Cleveland Orchestra unter Dohnányi und bin damit sehr zufrieden.


    Grüße aus dem schönen Odenwald
    harry

    Also da gibt es eine ganze Reihe von Werken, mit denen ich erst nach wiederholtem Hören und im Laufe der Zeit - mit zunehmendem Alter und wohl auch Reife - einen Zugang gefunden habe. Ganz aktuelles Beispiel: Heute im Radio gehört das "Dissonanzen-Quartett" von Mozart. Da das Streichquartett ganz allgemein nicht zu meinen bevorzugten musikalischen Gattungen gehört, musste ich mich über meine Faszination an diesem Werk, besonders dem 1. Satz, selbst wundern. Also da würde ich sagen: die 2. Chance voll genutzt! Ähnlich erging es mir mit den sinfonischen Dichtungen von Franz Liszt, die mir aus unerklärlichen Gründen lange Zeit ziemlich unverdaulich waren. Ein echtes Problem sind für mich die Sinfonien von Rachmaninov; die haben zumindest die 2. Chance schon längst verspielt, und ob ich ihnen eine 3. oder gar 4. Chance gebe, steht in den Sternen (und ist von meinen Zeitressourcen abhängig).
    Es gibt allerdings auch den umgekehrten Fall: dass nämlich ein Werk, das man geschätzt oder sogar geliebt hat, im Laufe der Zeit uninteressant und belanglos wird. Mir erging (bzw. ergeht) es so mit Holsts "Planeten", die vor Jahren zu meinen Lieblingsstücken gehörten, die aber, nachdem sie ihre 3. oder sogar 4. Chance erhalten hatten, bei mir durchgefallen sind. Sorry - es ist halt so; und wenn man mich nach den konkreten Gründen dafür fragen würde, wüsste ich keine Antwort.


    Grüße aus dem schönen Odenwald
    harry

    "Fünf" ist gemein!!


    Ohne Rangfolge:


    Beethoven 9


    Mahler 9


    Schostakowitsch 10


    Franck (da gibt's glaube ich nur eine)


    Brahms 4


    (... und Schubert 7 bzw. 8, Bruckner 4, Mendelssohn 4, Mozart g-Moll, Hindemith "Mathis", und...und.. - ach herrjeh!)


    LG, harry

    Einige kleine Ergänzungen zu tomcom (Post 87) zu Hans Gal:
    1. Auch wenn ich nicht anzweifle, dass ein Großteil seiner Werke noch nicht erschienen ist, möchte ich doch darauf hinweisen, dass eine ganze Reihe davon beim Schott-Musikverlag erschienen bzw. über diesen erhältlich sind, z.B. die Streichquartette oder auch die genannte Huyton-Suite.
    2. Auch auf dem Gebiet der Vokal-Musik gibt es von Hans Gal Einiges zu entdecken, so z.B. die "Vier britischen Volkslieder" für Chor a cappella (bei Schott) oder die Kantate "De profundis" op. 50 für Chor und Orchester (bei Breitkopf & Härtel). Es sollte mich nicht wundern, wenn gerade an Chormusik noch so manches ans Tageslicht käme, was mich als Chormusik-Fan sehr interessieren würde.
    3. Gerade höre ich, durch diesen Thread angeregt, Gals Cellokonzert, leider nur den 1. Satz:
    https://www.youtube.com/watch?v=Kxw3vn5ISwc
    Das ist eine ganz wunderbare Musik (die ich bis vor einer halben Stunde noch nicht kannte).



    Als ich gestern Hans Gáls Cellokonzert hörte, war mir wieder einmal völlig unklar, warum seine Kompositionen so überhaupt keine Rolle in der öffentlichen Rezeption spielen

    Auch wenn das Zitat ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen ist: unterschreibe ich sofort!


    Grüße,
    harry

    Franz Mazura ist einer der künstlerisch vielseitigsten Sänger im deutschsprachigen Raum


    Um diese Vielseitigkeit noch etwas deutlicher zu machen, möchte ich auf diese Youtube-Aufnahme aufmerksam machen:



    Ich habe mir schon etliche Aufnahmen dieses Werks angehört, aber es war keine darunter, die den Text des "Narrators" in so eindringlicher Weise wiedergeben konnte. Das geht wirklich unter die Haut.
    Leider scheint es diese Aufnahme nicht (mehr) auf CD zu geben; jedenfalls habe ich sie bei Amazon und jpc nicht gefunden.


    Grüße,
    harry

    ...zumal ich das Spiel auf den historischen Instrumenten dem Klang eines modernen Flügels vorziehe.


    Das ist nun ein wunder Punkt in meiner Rezeption; aber vielleicht bin ich da einfach zu festgelegt in meinen Hörgewohnheiten. Also mit Haydn-Sonaten auf Clavichord oder Hammerflügel habe ich meine Probleme; auf einem "richtigen" Cembalo könnte ich mir das noch eher vorstellen, so kurios das auch klingen mag. Es liegt ganz einfach an dem Klang der genannten Instrumente, mit dem mich ich trotz allem Bemühens nicht anfreunden kann. Ich besaß einmal eine Aufnahme des WTC, auf einem Clavichord gespielt, von der ich mich sehr schnell wieder getrennt habe, weil mir dieser "fiepsige" Klang auf Dauer auf die Nerven ging. Also das ist nichts für mich.
    Aber nun zurück zum eigentlichen Thema: Ich bin der Meinung, dass Händels Cembalo-Suiten ganz allgemein viel zu sehr vernachlässigt werden. Händel legt man so im Allgemeinen fest auf den Komponisten der Wasser-/Feuerwerksmusik, des "Messias'", zwei drei Opern, vielleicht noch ein oder zwei Orgelkonzerten. Dass er darüber hinaus auch bedeutende Cembalo-Werke geschrieben hat, ist im allgemeinen Bewusstsein nicht vorhanden, zumal ihn in dieser Hinsicht der "Schatten Bach" schlicht der Wahrnehmung entzieht. Ich habe die Doppel-LP mit den Suiten Nr. 1 - 9 in der Interpretation von Edgar Krapp in meinem Besitz, zum Glück noch in einem sehr guten technischen Zustand, denn diese Aufnahme ist anscheinend auf CD nicht mehr zu haben. Ich liebe diese Aufnahme sehr, weil sie völlig ohne irgendwelche Mätzchen oder Maniriertheiten auskommt und die Musik "pur" bietet; sie hat mir den Reichtum dieser Musik eröffnet. Ich habe jetzt leider aus zeitlichen und technischen Gründen nicht die Gelegenheit, auf Einzelheiten einzugehen, möchte aber trotzdem jedem Interessierten empfehlen, sich mit diesen Suiten auseinanderzusetzen, allerdings ohne den "wertenden" Seitenblick auf Bach, denn beide befanden sich, obwohl zeitgleich, in völlig unterschiedlichen und nicht vergleichbaren Arbeits- und Lebensverhältnissen, was sich notwendigerweise auch auf ihre jeweiligen und unterschiedlichen Kompositionsweisen auswirkte. Von dem Einen oder Anderen als dem besseren oder schlechteren Komponisten zu sprechen, ist deshalb meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Warum nun einer von beiden für die weitere Entwicklung der Musikgeschichte bedeutsamer wurde, ist wieder eine andere Frage.
    Viele Grüße und allen ein gesegnetes Osterfest,
    harry

    Vielen Dank für den Hinweis auf die Antoinette-Vischer-CD, aber er kommt leider zu spät. Die Aufnahme ist schon seit längerer Zeit nicht mehr im Wergo-Katalog vorhanden; ich dachte schon, als ich das Cover sah, sie sei neu aufgelegt worden, aber da habe ich mich zu früh gefreut. Leider habe ich den Zeitpunkt verpasst, zu dem die CD noch greifbar war. Ich finde die Streichung aus dem Katalog sehr bedauerlich, weil verschiedene Werke wahrscheinlich in kaum einer anderen Aufnahme erhältlich sind (wie leider auch verschiedene maßstabsetzende Interpretationen, wie z.B. Bartoks Sonate für 2 Klaviere und Schlagzeug mit den Kontarskys). Beide genannten Aufnahmen sind bei mir erste Kandidaten für eine gewünschte Neuauflage, aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben - leider.
    Viele Grüße,
    harry

    das Orchester „erschlägt“ das Cembalo z. T.


    Trägt daran aber nicht vielleicht die Aufnahmetechnik schuld?
    Es gibt bei youtube eine hochinteressante Aufnahme von Bachs Konzert für 4 Cembali, hier aber interpretiert von 2 Cembali und 2 Fortepianos (die von den Labeque-Schwestern bedient werden), bei der die Cembali auch arg in den Hintergrund gedrückt werden, ganz zweifellos von einer miesen Aufnahmetechnik.


    Nun aber zum Thread-Thema: Ich habe hier vor mir liegen eine LP des Labels Wergo, betitelt mit "Das moderne Cembalo der Antoinette Vischer". Ich würde mir so sehr wünschen, diese LP als Umschnitt auf eine CD erhalten zu können; leider scheint es aber einen solchen nicht zu geben. Die LP enthält Stücke für Cembalo, teilweise mit anderen Instrumenten (z.B. Klavier und Kontrabass von Martial Solal) oder auch mit Stimme ("Rounds with voice" mit Cathy Berberian von Luciano Berio), von Hans Ulrich Engelmann, Earle Brown, Bohuslav Martinu, Alexander Tscherepnin, Boris Blacher, Rolf Liebermann und - kaum zu glauben - Duke Ellington ("A Single Petal of a Rose" von 1965). Die Stücke sind ausnahmslos Auftragswerke von Antoinette Vischer und werden von ihr mit einer frappierenden Technik und gleichzeitig großem musikalischen Einfühlungsvermögen interpretiert, besonders eindrucksvoll in dem Ellington-Stück. Gibt es vielleicht doch irgendwo eine CD davon? Würde mich sehr freuen.


    Viele Grüße,
    harry

    Schade, dass ich die LP nicht mehr habe, sodass ich weder das Label, noch das beteiligte Orchester (ich meine, es sei ein belgisches gewesen) erinnern kann. Aber leider war der technische Zustand der LP so erbärmlich, dass sie entsorgt wurde. Wie immer in solchen Fällen ärgert man sich im Nachhineien; einen "dokumentarischen" Wert hätte sie allemal besessen. Also es handelte sich um eine Aufnahme von Händels Wassermusik und Feuerwerksmusik unter der Leitung von Pierre Boulez. Leider kann ich mir auch über die Interpretation kein Urteil erlauben; es ist einfach schon zu lange her. Ob Boulez, der ja nun wirklich auf ein ganz bestimmtes Repertoire festgelegt ist, jemals sonst Interpretationen von Musik aus Barock/Klassik auf Tonträger festgehalten hat, weiß ich nicht.


    Viele Grüße,
    harry


    PS. Mir fällt gerade ein, dass es einmal eine Art Schallplatten-Club namens "Concert Hall" gab. Könnte sein, dass die fragliche LP dort erschienen ist.

    Bach mit Fellner - wahrlich mehr als nur eine Alternative zu Stadtfeld: virtuos, aber nicht oberflächlich, die Stimmenverläufe in den Fugen glasklar herausgearbeitet; sie wirken wie selbstverständlich, ohne jeden Druck oder Krampf; die ruhigen Sätze ohne jedes sentimentale Rubato und dabei trotzdem anrührend; eine absolut präzise Rhythmik ohne aufgesetzte ritardandi: Das gefällt mir ausnehmend gut!
    Dazu spielte er ebenso klar und überzeugend je eine Sonate von Mozart und Haydn, schließlich als krönenden Abschluss die Symphonischen Etüden op. 13 von Schumann, einfach grandios!
    Heute Abend auf SWR2 als Konzertmitschnitt im Radio gehört, und ich bin begeistert.
    Ich bin mir nach diesem Hörerlebnis nicht sicher, ob der Thread-Titel stimmig ist; sensibel ist sein Spiel zweifellos, aber "Schöngeist"? Für mich hat dieser Begriff einen leicht negativen Beigeschmack, etwa in dem Sinne von "auf schön getrimmt, um des Effektes Willen"; aber vielleicht täusche ich mich ja auch und Alfred hat es ganz anders gemeint. Jedenfalls ist Till Fellner, von dem ich noch nicht so viel kannte, eine Entdeckung und allemal eine Empfehlumg wert.


    Viele Grüße aus dem schönen Odenwald,
    harry

    Als einer meiner Chöre im Jahr 1999 einen Vereinsausflug nach Österreich unternahm, stellte ich bei der Suche nach dem Ausflugsziel fest, dass es nicht allzu weit entfernt von Mittersill lag. Da klingelte es in meinen Ohren, und es stand sofort für mich fest: Da muss ich hin! Da ich mich während meines Studiums sehr intensiv mit Anton Webern beschäftigt hatte und auch meine wissenschaftliche Arbeit über eines seiner Werke (Drei Gesänge op. 23) schrieb, kannte ich natürlich sein trauriges Schicksal, und wusste außerdem aus irgend einer Quelle, dass er auf dem Friedhof von Mittersill beigesetzt ist. Als ich mich dann ein wenig über Mittersill kundig machte, ergab sich ein weiterer Grund, den Ort zu besuchen. Die dortige Pfarrkirche, um die herum der Friedhof angelegt ist, hat nämlich als Patron den Hl. Leonhard, und das ist der Vorname meines Vaters.




    Wie beschämend gering die Wertschätzung dieses so bedeutenden Komponisten selbst in seinem Sterbe- und Bestattungsort ist (oder damals war), zeigen folgende Erlebnisse: Als wir (meine Frau und ich) die Pfarrkirche besuchten, probte da gerade eine Art Gospel-Chor wohl für einen Gottesdienst, und die sangen gar nicht schlecht! Ich konnte es mir nicht verkneifen und fragte den Chorleiter, ob er denn wisse, dass hier eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Musik des 20. Jh. begraben liege, worauf er sinngemäß sagte, ja, er habe davon schon einmal irgendwas gehört, aber Genaueres wisse er nicht. – Als wir bei der Touristen-Information nachfragten, ob es denn irgendwo so etwas wie eine Gedenkstätte für Webern gäbe, sagte man uns, dass daran gedacht würde, aus seiner letzten Wohnstätte eine Art Museum zu machen. Ob daraus etwas geworden ist, weiß ich leider nicht.



    Viele Grüße,
    harry