Ich halte die Fusion aus verschiedenen Gründen für unpraktikablen Blödsinn:
1) Köln und Bonn sind unterschiedlich große Städte (viel mehr als Duisburg und Düsseldorf). Die Häuser sind sehr unterschiedlich, vor allem auch die Bühnenabmessungen. Jedes etwas komplexere Bühnenbild müsste doppelt angefertigt werden. In Köln ist der Raum größer. Beispiel: das brennende Schloss aus "Irrelohe" macht in Bonn von allen Plätzen zumindest ein wenig Eindruck. Vom zweiten Rang der Kölner Oper betrachtet sähe es aus wie eine brennende Streichholzschachtel.
2) Beide Häuser haben sehr unterschiedliches Publikum und sehr unterschiedliches Programm. Das ist auch gut so, denn ein Haus macht ja Theater für "sein" Publikum. (Was meister Meyer in der DOR kaum schafft zur Zeit. die letzten Vorstellungen, die ich sah, waren alle weit entfernt davon, ausverkauft zu sein). Köln und Bonn laufen gut. In Köln waren vor der Premiere 12 Vorstellungen "aida" bereits ausverkauft, auch die Ausweichspielstätten werden angenommen. Auch in Bonn ist es nie leer, wenn ich da bin. Warum also ändern, was funktioniert?
3) Wichtigstens heutzutage: Geld: Sparen will er, der Nimtsch. Gute Idee, findet Köln. Da spielt man im Moment Aida, fünf mal die Woche, mit zwei Alternativbesetzungen, vor ausverkauftem Haus mit 1400 Besuchern. So kriegt man die - inszenatorisch misslungene, musikalisch gewaltige - Produktion wirtschaftlich gestemmt. Das ginge mit Bonn gar nicht, das Haus ist viel zu klein! Bei dieser Fusionsidee ist übrigens von politischer Seite m.E. weder an Wirtschaftlichkeit noch an Qualität gedacht worden. So kriegt man keine Kunst! Und ob das Bonner Publikum ins Kölner Palladium kommt?
Es grüßt
grillparzer
