Beiträge von musikwanderer

    Jacques Offenbach (1819-1880):


    LA CHANSON DE FORTUNIO

    (Das Lied Fortunios)

    Opéra-bouffe in einem Akt

    Libretto von Hector Crémieux und Ludovic Halévy nach Alfred de Mussets „Le Candleier“


    Uraufführung am 5. Januar 1861 in Les Bouffes-Parisiens, Salle Choiseul



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Fortunio, Rechtsanwalt (Bariton)

    Laurette, seine Frau (Sopran)

    Landry

    Guillaume | Angestellte bei

    Saturnin | Fortunio

    Sylvain | Soprane

    Valentin |

    Babet, Koch bei Fortunio, Mezzo

    Friquet, Auszubildender bei Fortunio (Tenor)


    Das Geschehen ereignet sich in Paris zur Zeit von König Ludwig XVI.



    INHALTSANGABE DES EINZIGES AKTES

    Garten mit Pavillon eines noblen Wohnhauses in Paris; man sieht den Balkon des Hauses.


    Der in die Jahre gekommene Rechtsanwalt Fortunio erinnert sich gerne an frühere Zeiten, als er in jugendlichem Draufgängertum ein Frauenherz nach anderen brach. Und noch heute muss er dabei auch an jenes Lied denken, das ihm half, die Herzen der Frauen zu brechen. Es ist ihm aber bis heute nicht klar, worin die Faszination des Liedes für die Damenwelt bestand.


    Inzwischen ist Fortunio auch verheiratet und das auch noch mit einer wesentliche jüngeren, und zudem noch bildhübschen Frau. Das ist für Fortunio ein Problem: An ihm nagt manchmal die Eifersucht was seine Frau Laurette angeht. Und die folgende Geschichte hat auch mit eben dieser Eifersucht zu tun:


    Eines Tages stoßen Fortunios Gehilfen Valentin und Paul in der Kanzlei auf der Suche nach einer bestimmten Akte zufällig auf die Noten jenes legendären Liebesliedes, von dem ihnen der Chef schon so oft geschwärmt hat. Sofort reift in ihnen der Gedanke, das Lied einzuüben und auch die Wirkung auszuprobieren. Für Valentin, dessen Herz schon lange für die schöne Laurette schlägt, ist die Probandin damit bereits ausgesucht.


    Unter einem Vorwand schaffen es die beiden, ihren Chef außer Haus zu expedieren, und der verliebte Valentin trägt Laurette, als sie auf dem Balkon erscheint, das Lied schmachtend vor. Tatsächlich gelingt der Gesang ganz gut, aber Valenten hat nach dem Ständchen nicht den Eindruck, dass das Lied eine besondere Wirkung auf Laurette entfaltet hat. Übrigens ergeht es Paul ebenso, die Köchin Babet ist mehr oder weniger teilnahmslos geblieben


    Unterdessen ist Fortunio zurückgekehrt und hat die beiden Sängerknaben beobachtet. Er gerät in Rage über die seiner Meinung nach merkwürdige Berufsauffassung seiner beiden Gehilfen und zieht Laurette ziemlich grob vom Balkon ins Haus. Doch bevor sie den Balkon verlässt, lässt sie noch schnell eine Rose nach unten fallen und beweist dem Troubadour damit, dass „Fortunios Lied“ immer noch eine Wirkung entfalten kann…



    INFORMATIONEN ZUM WERK


    Offenbach komponiert das Werk innerhalb einer Woche, eine weitere Woche wurde für die Vorbereitung der Produktion aufgewendet. Insgesamt gesehen war die Opéra-bouffe aber nie ein Teil des sogenannten Standardrepertoires, allerdings in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wegen des Titelsongs äußerst beliebt.


    Die erste öffentliche Aufführung war am 5. Januar 1861, die Erstaufführung in Wien schon am 25. April. 1862 wurde „Fortunios Lied“ in Bad Ems aufgeführt und fand sehr schnell den Weg durch ganz Europa: Brüssel und Berlin 1861, Budapest, Prag, Graz und Stockholm 1862, St. Petersburg 1864 (und 1905), New York und Basel 1867, Mailand 1868 und London 1871 (und 1907).


    Im Jahre 1979 kam es in englischer Übersetzung (von Michael Geliot) an der Welsh Opera heraus; weitere Produktionen wurden in Aberystwyth, der Sir Thomas Picton School in Haverfordwest, dem Teatr Gwynedd in Bangor und dem Sherman Theatre in Cardiff inszeniert. Das Haymarket Theatre in Leicester, das Astra Theatre in Llandudno und das Playhouse Theatre in Cheltenham folgten.


    „La Chanson de Fortunio“ war wegen der kurzen Aufführungsdauer von 50 Minuten immer nur ein Programmpunkt, die andere Hälfte bestand in den meisten Fällen aus der Opéra-bouffe „Monsieur Choufleuri restera chez lui le. . . (oder, wie auf Englisch angekündigt, „Monsieur Colli-flahr's at Home“ und auf Deutsch „Salon Pitzelberger“).


    1981 brachte das schwedische Fernsehen eine Produktion mit Gunnar Björnstrand als Maitre Fortunio. Die State Opera of South Australia präsentierte das Werk 2015 zusammen mit Mozarts „Bastien und Bastienne“.


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    Tchaikovsky: Symphonies Nos. 4-6 <-----> Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Der Freitag und Samstag war bei mir völlig ohne Musik. Ein Termin folgte dem anderen. Heute aber endlich mal wieder Musik genossen und dazu noch in einer ausgewogenen und für meinen Geschmack guten Aufnahme von Tchaikovskys Vierter. Die Platte enthält auch noch das Capriccio italien..


    :hello:

    <-----> Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Auch Francis Poulenc ist ein Komponist der bisher in meiner Musiksammlung fehlt. Also höre ich erstmals Kompositionen von ihm.

    Die beiden geistlichen Werke, die hier eingespielt sind, sollen zu seinen bekanntesten Werken gehören. Ich empfinde sie keinesfalls als liturgisch, folglich wohl eher für den Konzertsaal bestimmt. Trotz einiger marsch- oder sogar tänzerischer Stellen, also durchaus eigenwillig vertont, sind für mich beide Werke Ausdruck persönlichen Empfindens. Auch die Sopranistin (Kathleen Bettle) und der Tanglewood Festival Chorus singen makellos und das Orchester folgt Ozawa professionell spitzenmäßig. Eine rundum interressante Bekanntschaft.


    :hello:

    Liszts Klavierkonzerte habe ich in der Interpretation mit Nelson Freire und der Dresdner Philharmonie unter Michel Plasson kenngelernt - und ich war damit zufrieden. Jetzt ist aus der Ozawa Box eine weitere Aufnahme dazugekommen, und zwar spielt Krystian Zimerman den Solo-Part und die Bostoner spielen unter Ozawas Leitung. Ich finde, dass es eine Klasse-Interpretation ist. Zimerman geht die Werke mit sehr viel mehr Verve an und anders als Freire, der mir vornehmer, zurückhaltender vorkommt. Es steht für mich außer Frage, dass Freire sein Instrument beherrscht, aber im Vergleich beider Einspielungen gebe ich doch dem auftrumpfenden Duo Zimerman/Ozawa den Vorzug. Weil: Es kommt mir so vor, als sei dieser Interpretationsstil bei Liszt angebrachter.


    Klavierkonzerte Nos 1 & 2 · Totentanz · Piano Concertos · Concertos Pour Piano (CD, Reissue) Plattencover <-----> Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    :hello:

    RE: William Russo

    Lieber musikwanderer,

    [...]

    Seine weiteren Werke, für die ich mich dann auch interessieren wollte, ergab sich dann leider ein sehr übermoderner Stil, um es noch gemässigt auszudrücken und nicht gleich von ungenießbar zu reden.

    Danke für den Hinweis, dann muss ich ja nicht weiter recherchieren. Wenn Du schon gemäßigt von "übermodernem Stil" schreibt, dann kann ich mir denken wie es sich anhört...


    :hello:

    <---> Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Eine dem Komponisten Gabriel Fauré gewidmete Platte und für mich eine Neuentdeckung, denn das ist die bisher einzige CD mit Musik des Franzosen. Eine Erstbegegnung also und eine merkwürdige Erfahrung, die einerseits Neues festhält und andererseits konstatiert, dass die Musik mich nicht vom Hocker reißt. Ratlos bleibe ich zurück...


    :hello:

    <-----> Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Prokofjevs Ballettmusik kannte ich nicht, insofern hatte ich ein Aha-Erlebnis. Prokofjev ist in meiner CD-Sammlung bisher nicht vertreten. So sind die Aufnahmen aus der Ozawa-Box die ersten mit Musik des russischen Meisters. Auf der ersten CD hat Ozawa Ausschnitte der Ballettmusik op. 64a mit dem San Francisco Symphony Orchestra präsentiert, auf den CDs 37 bis 40 dirigiert er die sieben Sinfonien, allerdings nicht mit dem Boston Symphony Orchestra sondern mit den Berliner Philharmonikern.


    :hello:

    <------> Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Ich hab's mir angehört, ganz angehört, und ich war froh, als Bergs Konzert zu Ende war. Für den Musikfreud (das Wort ist purer Euphemismus) der Modernes mag, ist Bergs Komposition vielleicht Maß aller Dinge eines modernen Violinkonzerts. Man könnte genausogut mit Sarkasmus (und in Anlehnung an ein Johannes-Brahms-Zitat) die Schönheit der verstorbenen jungen Dame anzweifeln. Anders dagegen Stravinskys Konzert - es hat überwiegend Momente des Hörbaren, Melodischen und Perlman weiß gerade diese Stellen "herauszustreichen". Also eine für mich zwiespältige CD, Berg ist out, Stravinsky hat mich angenehm überrascht.


    :hello:

    Der Schwanensee (Vinyl, LP) Plattencover-----> Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Tschaikovskys Ballettmusik ist soeben verklungen. Ich mag kein Ballett auf der Bühne sehen, aber ich mag die Muisk gerne hören und ich finde, dass Ozawa sein Orchester an den entsprechenden Stellen etwas zu sehr auftrumpfen lässt, sehr martialisch sozusagen, aber mir gefällt das. Insofern abermals eine gelungene Hörsitzung.


    :hello:

    Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Es war ein vertracktes Wochenende, Musik war out. Heute konnte ich mich Jacques Offenbach wieder aufrichten: Es war seine Interpretation des "Hoffman", die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Schon die ersten Takte des kurzen Vorspiels machten mir klar, dass Ozawa bei Chor und Orchester hier mit sehr viel Verve herangeht. Solistisch habe ich auch nichts zu beanstanden, insofern eine gelungene Einspielung. Diese Abbildung zeigt wohl die Original-Ausgabe:


    HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN (GA)


    :hello:

    Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Zwei Scheiben aus der Ozawa-Box waren meine Abendunterhaltung. Werke von Ottorino Respighi, und zwar seine aus meiner Sicht bekanntesten, hat Ozawa mit den Bostonern hier eingespielt:

    Pini di Roma, Feste Romane, Fontane di Roma auf einer CD, auf der anderen die drei Suiten "Antiche danze ed arie per liuto".

    Eine ansprechende und sorgsam einstudierte Musik, die mich begeistert hat.


    :hello:

    Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Mit der nächsten CD aus der obigen Box geht Ozawa in die Wiener Klassik: Harold Wright ist der Solist im Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622 und Sherman Walt spielt den Solopart in dem Fagottkonzert KV 191 von Mozart. Wieder spielt das Boston Symphony Orchestra. Eine Aufnahme, die ihre Meriten von den beiden Solisten bezieht, während Ozawa sein Orchester sehr zurückhaltend dirigiert.


    Aber da sind auch noch "Quatrain" und "A Flock Descends iento the Pentagonal Garden", zwei Stücke des Japaners Toru Takemitsu. Ich habe mich überwunden und beide Stücke (die beide etwa 30 Minuten beanspruchen) gehört. Ich weiß aber nicht, was ich damit anfangen soll - Musik ist das für mich nicht, nur Klangerzeugung...


    :hello:

    Jacques Offenbach (1819-1880):


    L’ÎLE DE TULIPATAN

    (Die Insel Tulipatan)

    Operette in einem Akt - Libretto von Henri Charles Chivot und Alfred Duru


    Uraufführung am 30. September 1868 im Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Cacatois XXII, Herzog von Tulipatan (Tenorbuffo oder Bassbuffo)

    Alexis, Sohn des Herzogs, Erbprinz von Tulipatan (Koloratursopran)

    Romboidal, Großseneschall (Tenorbuffo)

    Théodorine, seine Ehefrau (Mezzosopran oder Alt)

    Hermosa, beider Tochter (Hoher Koloraturtenor)

    Chor, Statisterie: Offiziere, Diener, Hofbeamte, Volk


    Ort und Zeit der Handlung: Auf der (fiktiven) Insel Tulipatan um 1860.



    INHALTSANGABE DES EINZIGEN AKTES


    Um die Handlung zu verstehen, muss man die Vorgeschichte kennen: Herzog Cacatois XXII. wünscht sich einen Thronerben, denn bisher wurde ihm „nur“ zwei Töchter geboren. Als nun seine Frau das dritte Mal schwanger ist und die Geburt bevorsteht, hält sich der Herr Gemahl gerade im Ausland auf. Aber auch das dritte Kind ist, ach du Schreck!, ein Mädchen. Um dem Herzog eine Enttäuschung zu ersparen entschließt man sich zu verlautbaren, das Neugeborene sei ein Junge.


    Auch Théodorine, die Gattin des Großseneschalls Romboidal, der momentan im Krieg ist, hat inzwischen ein Kind zur Welt gebracht, einen Knaben. Bekanntgegeben wird allerdings auf der Mutter Betreiben, dass ein Mädchen geboren wurde, die auf den Namen Hermosa getauft werden soll. Der Hintergrund für den (un)heimlichen Geschlechterwechsel: Théodorine will verhindern, dass das Kind später zum Militär eingezogen wird.



    In der Haupthandlung muss sich Théodorine die Klagen ihres Ehemannes über das schlechte Verhalten von Hermosa anhören. Nicht anders ergeht es dem Herzog, denn auch der ist mit seinem Sohn Alexis nicht glücklich; irgendwie gibt sich das Kind für seinen Geschmack viel zu weiblich.


    Die Nähe der Väter zueinander führt dazu, dass die Kinder oft miteinander spielen. Jahrelang geht der Geschlechtertausch gut - niemandem fällt etwas auf. Aber die Kinder werden größer, und dann, eines Tages, als sie wieder einmal alleine sind, reden sie über das Thema Liebe und - Überraschung! - Alexis macht Hermosa einen Heiratsantrag. Als Romboidal und seine Frau davon erfahren, fallen sie natürlich aus allen Wolken. Das muss unbedingt verhindert werden! Also erklärt Théodorine ihrer Hermosa, dass sie in Wirklichkeit ein Junge ist und nur deshalb als Mädchen ausgegeben wurde, damit er nicht Militärdienst leisten muss. Und Romboidal verrät seiner Frau, dass der Erbprinz Alexis in Wahrheit ein Mädchen ist, und nur deshalb als Junge ausgegeben und erzogen wurde, weil der Herzog nicht enttäuscht werden sollte. Dieses Gespräch hat zufällig und unbemerkt Alexis belauscht - er kleidet sich als Mädchen an und geht zu Hermosa, die als Offizier angezogen erscheint.


    Der Herzog kündigt sich bei dem Großseneschall an; er will bei den Eheleuten für seinen Sohn Alexis um die Hand Hermosas bitten. Das Ehepaar gerät in Schwulitäten - da erscheinen plötzlich die beiden jungen Leute und präsentieren sich in der richtigen Geschlechterkleidung. Der Herzog und Romboidal reagieren überrascht, beide stimmen allerdings nach der unausweichlichen Schrecksekunde einer Heirat zu.



    INFORMATIONEN ZUM WERK


    Hans-Dieter Roser schreibt in seinem Buch „Chacun à son goût: Cross-Dressing in der Wiener Operette 1860–1936“:

    Das Jahrhundert der Aufklärung war […] die am stärksten feminisierte Epoche vor unserer Gegenwart, was sich unter anderem in einem Hang zum Transvestismus äußerte […] Ein gewaltiger Schritt, wenn man bedenkt, dass im Mittelalter die Veränderung des sozialen Geschlechts noch als Sünde und Verbrechen bezeichnet wurde. Bei den adeligen Maskeraden im Wien des 18. Jahrhunderts traten die Herren dagegen gern in Damenkleidung auf, die Damen in Hosen […]. Der Kleidertausch war Klamotte. Und diese wurde auch gern in der Operette verwendet.


    „Die Insel Tulipatan“ war der Beginn des damals ausgebrochenen Offenbach-Taumels in Wien, da bei der Aufführung am 5. Mai 1869 die schauspielerische Crème de la Crème des Carl-Theaters unter der Leitung Offenbachs aufgeboten“ wurde, heißt es bei Roser. Und weiter:

    Schon am nächsten Tag konnte man in der Presse […] lesen: Tulipatan ist vielleicht nicht die musikalisch gelungenste, aber unstreitig die lustigste Operette, die Offenbach komponierte, und besitzt zugleich das amüsanteste Libretto, das dem launigen (Übersetzer Julius) Hopp gelungen ist […].

    Es war in einer Zeit, in der die Damen vom Kopf bis zu den Zehen „eingepackt“ waren, von besonderem Reiz, hübsche Darstellerinnen in Hosenrollen auf die Bühne zu bringen und damit quasi ein androgynes Geschlecht zu erschaffen. Das war für Offenbach die Gelegenheit, reizvolle oder komische Kompositionen, beispielsweise Duette mit den „echten“ Damen auf der Bühne, zu liefern. Und das hat er weidlich ausgenutzt und gekonnt getan…



    © Manfred Rückert für den Tamino-Operettenführer 2020

    unter Hinzuziehung der folgenden Aufnahme


    Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Heute abend eine erste Begegnung mit der Dramatischen Sinfonie "Roméo et Juliette" von Berlioz aus der obigen Ozawa-Box.

    Erste Begegnung sagt aus, dass ich bisher das Werk nicht gehört habe und auch keine anderen Aufnahme besitze. Dadurch ist es mir nicht möglich, eine vergleichende Bewertung abzugeben...


    :hello:

    Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Die 14. CD aus dieser Box - mit Gershwins "An American in Paris"- brachte für mich wieder ein Aha-Erlebnis, und das hatte nichts mit der Gershwin-Komposition zu tun - die kennt man, die kenne ich. Das andere Stück - "Street Music, a Blues Concerto" von William Russo (1928-2003) - hat mich wieder (wie schon die kürzlich aus dieser Box gehörten "Three Pieces for Blues Band and Orchestra") vom Hocker gehauen: Der Komponist war mir bis dato vollkommen unbekannt (mein Komponisten-Lexikon kennt ihn allerdings). Sein Werk in vier Sätzen, die keine Satzbezeichnungen haben, sondern nur einfach "Movement" benannt werden, ist für Orchester mit zwei Solo-Instrumenten komponiert, nämlich Mundharmonika und Klavier. Der Solist ist Corky Siegel, der hier die Mundharmonika und das Klavier spielt (weil beide nie zusammenspielen ist das möglich). Und was Siegel auf der Munharmonika zaubert, zaubern muss, weils so in den Noten steht, das ist wahrlich superb - mir fehlen adäquate Worte, die das Spiel beschreiben könnten; es ist einfach nur Klasse! Und dann der Blues-Rhythmus, der einem in die Glieder fährt! Ein zweites Russo-Stück, das mir sehr gefallen hat!


    Gershwins "An American in Paris" ist zu bekannt, als man Worte darüber verlieren müsste. Und deshalb, und weil die San-Franzisko-Sinfoniker unter Ozawa Profis genug sind, das Stück adäquat umzusetzen, sei es mit der Nennung auch getan.


    :hello:

    Seiji Ozawa - Complete Recordings on Deutsche Grammophon, 50 Audio-CDs (Limited Edition)


    Am heutigen Abend Werke aus dieser Box von Komponisten, die bisher bei mir noch nie zu hören gewiesen sind, beispielsweise

    1. Bartok, Der wunderbare Mandarin; Ives: 4. Sinfonie und "Central Park in the Dark"

    2. Ravel: Boléro; Une baroque sur l'ocean; Menuet antique; Alborada del gracioso; Pavane pour une infante dé funte; La Valse

    3. Ravel: Le Tombeau de Couperin; Ma mére l'Oye; Rhapsodie espagnole.

    Wenn ich ehrlich bin, lässt mich keine Komposition vom Sessel aufspringen; weder der Franzose, der Ungar oder der Amerikaner haben Musik geschrieben, die mich anspricht. Wie zu erwarten war, ist es nur der Boléro, der mir gefällt.


    :hello:

    Jacques Offenbach (1819-1880) / Ernest L’Epine (1826-1893):


    TRAFALGAR SUR UN VOLCAN

    Comédie à ariettes in einem Akt - Libretto von Joseph Méry


    Uraufführung am 29. Dezember 1855 in den Bouffes-Parisiens

    Erstaufführung der von Jean-Christophe Heck rekonstruierten Fassung am 12. März 2005 im Théâtre Mogador, Paris




    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Pierre, genannt Trafalgar (Bariton)

    St. Elme, Leutnant zur See (Tenor)

    Miss Katrina, Schauspielerin am Königlichen Theater Dublin (Sopran)


    Ort und Zeit der Handlung: Dublin 1806



    INHALTSANGABE DES EINZIGEN AKTES


    Napoleon und seine Truppen sind zwar von den Briten geschlagen worden, allerdings halten zwei französische Marineoffiziere Dublin in ihrer Gewalt: Der junge St. Elme und sein väterlicher Freund Trafalgar behaupten, ein großes Pulverfass zu besitzen, dass sie hochgehen lassen wollen, wenn sich in der Stadt Widerstand gegen sie regt. Die Explosion des Pulvers, so meinen sie, werde den im Untergrund schlummernden Vulkan ausbrechen lassen und alles in Schutt und Asche legen. Die Bürger Dublins glauben den beiden Franzosen, jedenfalls zum überwiegenden Teil…


    Nun kommt noch eine dritte Person ins Spiel, nämlich die Schauspielerin Katrina; die ist es leid, Abend für Abend auf der Bühne den Theatertod zu sterben und hat sich in das Haus der beiden Franzosen geflüchtet. Trafalgar hat sich dabei in sie verliebt, will sie heiraten und mit ihr zur See fahren (es sieht nicht so aus, als würde der Gedanke an die Seefahrt Katrina vom Hocker reißen). Das sind allerdings Zukunftsträume, denn zunächst muss sich Katrina, will sie nicht kompromittiert werden, verstecken, weil St. Elme aus der Stadt zurückkommt.


    Der hat sich, wie der Zuschauer erfährt, auch verliebt, und zwar in eine bereits verheiratete Nachbarin. Das ist für St. Elme kein Hinderungsgrund; er macht dem Ehemann mit Hinweis auf die explosive Kriegshinterlassenschaft klar, dass er nach altem angelsächsischen Recht seine Frau kaufen kann. Aus St. Elmes Sicht rechtzeitig wird er darauf hingewiesen, dass mit dem Kauf der Frau auch die acht Kinder zu erwerben sind - und das gefällt ihm nicht (bei einem Mehrakter könnte dieser Teil der Geschichte noch genüsslich ausgewalzt werden, so aber müssen die Autoren zum Ende kommen): St. Elme droht mit dem Pulverfass - und Katrina kommt rechtzeitig hinzu, um die Situation zu entschärfen. Sie gesteht, St. Elme schon lange zu lieben, und sie ist bereit, alle Einkünfte aus ihren Theateraufführungen als Mitgift in eine Ehe einzubringen. Damit kann der Franzosen leben, aber Trafalgar muss zurückstecken, denn er sieht ein, dass der Altersunterschied zwischen ihm und Katrina doch zu groß ist…



    INFORMATIONEN ZUM WERK


    Das hier vorgestellte Stück dürfte kaum einem Operettenfreund bekannt sein, vielleicht noch nicht einmal dem eingefleischtesten Offenbach-Fan. Die Musik stammt von einem Dilettanten namens Ernest l’Epine (1826-1893), dem Sekretär des damaligen Innenministers. Offenbach hatte die Komödie für seine Bouffes-Parisiens angenommen, die Instrumentierung geschaffen und eine Ouvertüre hinzugefügt. Das Autograph galt lange als verschollen und tauchte vor einigen Jahren, allerdings unvollständig, wieder auf. In detektivischer Kleinstarbeit suchte der Herausgeber, Jean-Christophe Keck, die fehlenden Teile, und der Bericht darüber im Vorwort der Edition (im Booklet der CD-Ausgabe in Auszügen wiedergegeben) ist spannender als das Stück selbst. Das Libretto stammt von dem renommierten Joseph Méry, Co-Autor des originalen Don Carlos. Die folgende cpo-Aufnahme diente als Vorlage für diese Inhaltsangabe:


    Ja, auch die Bernstein-Sinfonischen Tänze aus WSS sind mit Ozawa erste Klasse und stehen Bernsteins eigenen Aufnahmen in nichts nach.

    Dass Ozawa den Bernstein-Aufnahmen, die ich mit dem New York Philharmoinic Orchestra habe, in nichts nachsteht, finde ich auch!


    Zitat

    Die Ozawa-GA von Prokofieffs Romo und Julia (DG) hatte ich mal.

    Die war für sich alleine gesehen sicher auch recht ordentlich. Aber da ich Solti, Maazel und Ashkenazy (alle Decca) habe und vorziehe, habe ich mich von Ozawas nicht immer ganz so überzeugender und weniger energiegeladener Int der GA wieder getrennt.

    Schade! Jetzt gehe ich mit einem Vorurteil in die Hörsitzung...


    :hello:

    Seiji Ozawa: Complete Recordings on Deutsche Grammophon (Ltd.Edt.)


    Ein Geschenk hat mich - neben der NRW-Gemeindewahlen - am heutigen Sonntag beschäftigt. Ich weiß nicht genau zu sagen, ob Seji Ozawa in meinem Opern-Programm vertreten ist, ich weiß aber genau, dass er als Dirigent von Orchesterkompositionen bei mir fehlt. Bisher ist sein Konzertsaal-Programm für mich nicht so nteressant gewesen, als dass ich mir CDs hätte kaufen sollen/müssen.


    Nun habe ich also die ersten drei CDs aus dieser Box gehört:


    1. "Romeo und Julia" in Kompositionen von Tschaikowsky, Prokofjev und Berlioz (Liebesszene aus dem 3. Teil von op.17)

    2. William Russo: Drei Stücke für Blues Band und Orchester; Leonard Bernstein: Symphonic Dances aus "West Side Story"

    Diese beiden CDs bestreiten das San Francisco Symphony Orchestra, während in der folgenden CD die Bostoner zu hören sind

    3. Hector Berlioz: Symphonie fantastique


    Ich halte fest, dass ich neugierig auf den "Russo" war, denn Werke von ihm habe ich noch nie gehört. Und ich muss sagen, ich war - entgegen meiner Erwartung - nicht enttäuscht. Das etwa 25minütige Werk ist gefällig für meine Ohren und es wird von den Profis erwartungsgemäß bestens präsentiert. Die übrigen Kompositionen kenne ich in anderen Interpretationen, müsste sie mal wieder hören - Ozawa macht seine Sache jedenfalls - Profi halt - gut; Opus 14 von Berlioz jedenfalls war sogar sehr gut und die Tänze von Bernstein liegen ihm offensichtlich, da ist Wumm drin...


    :hello:

    Jacques Offenbach (1819-1880):


    LE MARIAGE AUX LATERNES

    (DIE VERLOBUNG UNTER DER LATERNE)

    Operette-bouffe in einem Akt nach einem Libretto von Michel Carré und Léon Battu


    Uraufführung am 10. Oktober 1857 in den Bouffes-Parisiens



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG

    (in der deutschen Fassung)


    Liese (Mezzosopran)

    Ihr Vetter Peter, ein Pächter (Tenor)

    Annemarie und Catherine, verwitwete Bäuerinnen (Sopran und Mezzosopran)

    Ein Nachtwächter (Sprechrolle)

    Chor: Bauernvolk


    Ort und Zeit der Handlung: In einem französischen Dorf um 1850.



    INHALTSANGABE DES EINZIGEN AKTES


    Der (in diesem Werk namenlos bleibende und nicht auftretende) Onkel des jungen Bauern Peter hat ihn zum Vormund über seine verwaiste Cousine Liese bestimmt. Falls damit eine ganz bestimmte Absicht verbunden war, hat sie ihre Wirkung verfehlt, denn Peter ist über diese Entscheidung nicht glücklich. Er hat sich nämlich in die junge und schöne Cousine verliebt, aber bisher nicht zu einem Liebes-Geständnis durchringen können und wagt es jetzt als Vormund auch nicht. Liese wiederum empfindet für ihren Vormund auch mehr als nur Sympathie, doch auch sie getraut sich nicht, ihm dies zu zeigen.


    Die Vermutung, dass der Onkel den Neffen nur deshalb zum Vormund bestimmt hat, weil er gemerkt hat, dass die beiden jungen Leute sich lieben, ist durchaus nahe an der Wirklichkeit. Aber des Onkels Hoffnung, dass sich die beiden Liebenden durch das geänderte Verhältnis noch näherkommen würden, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Der barsche Ton, den Peter der Liese gegenüber anschlägt, gefällt Liese nicht und macht dem Onkel Sorge. Dabei zeigt es nur Peters Unsicherheit dem Mündel gegenüber. Der Onkel beschließt also, einen Schritt weiter zu gehen.


    Peter erhält Tage später den Brief eines Unbekannten. Darin steht, dass er einen großen Schatz finden wird, wenn er sich am Abend beim Glockenläuten an der großen Dorfeiche einfindet. Merkwürdigerweise verbreitet sich im Dorf schnell das Gerücht, Peter habe eine große Erbschaft gemacht (und der Zuschauer hat eine Vermutung, wer die Strippe gezogen hat). Die Aussicht, reich zu werden, ruft zwei junge Bauern-Witwen, Annemarie und Catherine, auf den Plan. Beide versuchen, Peter für sich zu gewinnen; doch der entzieht sich, wenn auch nur mit Mühe, den beiden Frauen.


    Als die Glocken läuten, begibt sich Peter zur Dorfeiche - und findet zu seinem Erstaunen auch Liese dort. Es stellt sich heraus, dass auch sie einen Brief mit dem Hinweis auf einen Schatz an der Eiche bekommen hat. Jetzt wird den beiden jungen Leuten klar, dass da jemand Schicksal gespielt hat. Als der Nachtwächter vorbeikommt, wird er Zeuge eines innigen Verlobungskusses im Lichte der Laterne…



    INFORMATIONEN ZUM WERK


    Die sehr abwechslungsreiche Musik changiert zwischen robuster Volkstümlichkeit einerseits und zarter Verspieltheit andererseits. Die zeitgenössische Kritik bescheinigt - ein großes Kompliment - Offenbachs neuem Stück eine große Nähe zu Mozart. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Stück zu den beliebtesten Werken Offenbachs in Deutschland - heute ist es wiederzuentdecken - zum Beispiel mit der folgenden Aufnahme, die für diese Inhaltsangabe benutzt wurde:


    Jacques Offenbach (1819-1880):


    PEPITO

    (DAS MÄDCHEN VON ELIZONDO)

    Opéra-comique in einem Akt - Libretto by Léon Battu and Jules Moinaux


    Uraufführung am 28. Oktober 1853 im Pariser Théâtre des Variétés



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Vertigo, Gastwirt (Bassbuffo)

    Miguel, ein junger Baske (Tenor)

    Manuelita, eine junge Waise (Sopran)


    Ort und Zeit: Platz in einem baskischen Dorf.



    INHALTSANGABE DES EINZIGEN AKTES


    Man kann den in die Jahre gekommenen Gastwirt Vertigo als einem Bruder Figaros bezeichnen, denn er hat - nach eigener Aussage - unzählige Fähigkeiten und Tugenden. Mit denen will er bei der schönen Manuelita Eindruck schinden. Die aber wartet, treu wie Orfeos Penelope, auf ihren Verlobten Pepito. Der wiederum ist vor Jahren zum Militär eingezogen worden und hat seit geraumer Zeit nichts mehr von sich hören lassen.


    Wer von sich hören lässt ist Miguel, ein Jugendfreund Manuelitas, der nach Madrid gezogen ist, und sich jetzt wieder einmal sehen lässt. Vertigo, als er von dem Besuch hört, hat die Idee, dass der junge Mann in der Hauptstadt einiges über den Umgang mit Damen gelernt hat und ihm beibringen könnte. Den Gedanken muss er allerdings sehr schnell begraben, als er sieht, dass Miguel sich bei der Begrüßung recht ungeschickt, ja geradezu ungalant, an Manuelita heranschmeißt. Empört weist sie ihn zurück und Miguel macht ihr zerknirscht das Angebot, Pepito beim Militär auszulösen.


    Doch es kommt ganz anders: Vertigo hat nämlich in seiner Tasche einen Brief von Pepito, aus dem hervorgeht, dass er inzwischen eine andere Frau geheiratet hat. Manuelita glaubt sich verhört zu haben, als sie aber realisiert, was da soeben vorgelesen wurde, wirft sie sich enttäuscht und schluchzend in Miguels Arme. Kann es sein, fragt sich nicht nur der Zuschauer, dass Manuelita und Miguel vom Schicksal füreinander bestimmt sind? Zumindest kann der junge Mann hoffen - aber der in die Jahre gekommene Vertigo hat auf jeden Fall das Nachsehen…



    INFORMATIONEN ZUM WERK


    Mitte September 1853 verkündet die Presse, dass am Théâtre des Variétés eine einaktige Opéra comique von Offenbach geprobt wird: Pépito. Der Komponist war damals noch der musikalische Leiter der Comédie-française, erst zwei Jahre später eröffnete er seine eigene Bühne, die Bouffes-Parisiens. Und als Theaterdirektor war Offenbach gezwungen, das Beste aus dem zu machen, was ihm zur Verfügung stand - oder ihm seitens der Behörden erlaubt wurde. Mit der 1855 übernommenen Salle Lacaze gestattete man Offenbach, Werke mit drei Darstellern aufzuführen. Als er im Winter desselben Jahres mit seinem Ensemble in die Salle Choiseul zog, die nicht nur beheizbar, sondern auch wesentlich geräumiger war, enthielt der Konzessionsbescheid die Genehmigung, vier Darsteller auf die Bühne zu lassen. Von März 1858 erlaubte die Behörde mehraktige Werke zu spielen. Damit wurde für Offenbach eine Situation vorweggenommen, die sich mit dem Wegfall aller Beschränkungen in ganz Paris erst im Jahr 1864 ergab.



    © Manfred Rückert für den Tamino-Operettenführer 2020

    unter Hinzuziehung folgender Aufnahme sowie Opernführern von Wagner und Fath (Reclam)