Beiträge von musikwanderer

    Max Rudolf Frisch (1911-1991):


    BIEDERMANN


    UND DIE BRANDSTIFTER

    Ein Lehrstück ohne Lehre in sechs Szenen und einem Nachspiel


    Uraufführung am 29. März 1958 im Schauspielhaus Zürich,

    deutsche Erstaufführung mit dem „Nachspiel“ am 28. September 1958 in Frankfurt/Main



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Gottlieb Biedermann, Haarwasser-Fabrikant

    Babette Biedermann, seine Frau

    Josef Schmitz, Ringer und Brandstifter

    Wilhelm Maria Eisenring, Kellner und Brandstifter

    Dr. phil., Akademiker und Brandstifter

    Dienstmädchen Anna

    Knechtling

    Polizist

    Witwe Knechtling

    Der Chor, Feuerwehrmänner


    Ort und Zeit des Geschehens: Irgendwo, Gegenwart.



    INHALTSANGABE



    ERSTE SZENE

    In Biedermanns guter Stube sieht man den Hausherrn Zigarre rauchend und Zeitung lesend. Als er eine Meldung über einen Brand liest, bricht es aus ihm heraus, dass die Brandstifter alle „aufgehängt“ gehören. Außerdem ist er überzeugt, dass es die „Hausierer“ sind, die sich ins Haus auf die Dachböden schleichen und ihr zerstörerisches Werk beginnen. Anna, sein Dienstmädchen, stört ihn mit der Ansage, dass ein Hausierer vor der Tür steht und sich nicht abwimmeln lässt. Gerade als Biedermann erwidert, dass er ja kein Unmensch ist, drängt sich der Mann schon ungebeten ins Zimmer und stellt sich als Josef Schmitz vor. Biedermann erlaubt sich nach einem Blick auf den Mann keinen Widerspruch gegen dessen Eindringen, denn der ist von seiner Statur her angsteinflößend, ein Schwerathlet-Typ.


    Und Schmitz fühlt sich sofort wie zu Hause: er schmeichelt dem Hausherrn, was Biedermann peinlich ist und abwehrend kommentiert. Er gibt aber auch unverschämter Weise sofort Anna genaueste Anweisungen für seine Mahlzeiten. Biedermann gerät durch dieses Benehmen aus Unverschämtheit einerseits und Unterwürfigkeit andererseits völlig aus dem Takt. Schmitz jedoch versteht es, Biedermann in ein Gespräch über die Brandstiftungen in der Gegend zu verstricken, erwähnt wie nebenbei den Brand bei einem Zirkusdirektor, seinem letzten Arbeitgeber; dann kommt er auf seine armselige Jugend als Sohn eines Köhlers zu sprechen, schwärmt sodann von Biedermanns Positivismus und lässt, wie unbeabsichtigt, Bemerkungen über seine Kraft als Ringer fallen. Gottlieb Biedermann fühlt sich sichtbar unwohl.


    In diesem Moment kommt ein ehemaliger Angestellter von Biedermann namens Knechtling, und fordert seinen Anteil an einer Erfindung, die er für die Firma gemacht hat. Doch der Fabrikant denkt nicht daran, er weist seinen ehemaligen Untergebenen auf seinen „Anwalt“ hin und empfiehlt ihm sogar den „Gashahn“. Schmitz sieht seine Chance, zumal Biedermann die Szene peinlich ist, und nutzt das aus, indem er für sich „Asyl“ reklamiert. Was soll Biedermann tun? Ist es die Unruhe, die seine Frau Babette erfasst hat oder ist es sein schlechtes Gewissen, das Schmitz ihm bestätigen muss, kein Brandstifter zu sein. Später beruhigt er Babette, die vom „Boden“ gehört hat, mit dem Versprechen, jeden Abend persönlich dort noch einmal nach Brandstiftern Ausschau zu halten. Der Chor bestätigt zwar, dass Frau Biedermann ruhelos ist, aber ein Anruf bei der Feuerwehr wurde nicht registriert.


    ZWEITE SZENE

    Biedermann ist wegen des Asyls für Schmitz in der Bredouille, denn er macht seiner Babette lautstark klar, dass man ein bisschen Vertrauen schon aufbringen muss. Was quasi nach einer Entschuldigung klingt, ist aber wohl eher Ausdruck seiner Angst. Er muss zudem gegenüber seiner Frau zu Knechtlings Entlassung Stellung nehmen, und da fallen dann Worte wie „zu gutmütig“, aber auch, dass er „diesem Knechtling“ die „Kehle schon umdrehn“ werde. Am nächsten Morgen, beim Frühstück, gibt es zwischen den Eheleuten Zoff, der so weit eskaliert, dass Babette ihren Gottlieb vor die Tür setzen will. Das wiederum kommt Schmitz gelegen, der sich mit Biedermann gegen Babette verbündet, um seine Stellung im Hause zu festigen. Schmitz verliert aber keinesfalls Frau Biedermann aus den Augen: er appelliert an ihr Mitleid mit der bereits bei ihrem Mann erfolgreich verlaufenden Arme-Jugend-Geschichte. Die Masche verfängt auch bei ihr und sie nennt ihn gerührt Sepp, drängt ihn sogar zum Bleiben, weil sie das Gefühl hat, ihn beleidigt zu haben. Den zu Tage tretenden Sinneswandel von Frau Biedermann nutzt Schmitz sofort für die Ankündigung, dass sein Kumpel Willi Eisenring, der im ausgebrannten „Metropol“ als Kellner gearbeitet hat, hier einziehen wird. Der Chor meldet die aufregende Neuigkeit, dass am Hause zwei alte Fahrräder abgestellt wurden, ansonsten aber alles ruhig ist.


    DRITTE SZENE

    Schmitz und Eisenring rollen Benzinfässer über den Dachboden, wobei letzterer Schmitz‘ Befürchtung, Biedermann könnte die Polizei rufen, ins Reich der Fabel weist. Dann kommt jedoch der Hausherr tatsächlich zum Dachboden und sieht die beiden Männer bei einer sehr merkwürdigen Tätigkeit. Was geschieht hier? Ein Wutausbruch von Biedermann ist die Folge, und die ist für Schmitz eine neue Erfahrung, kennt er ihn ja so überhaupt nicht. Als Gottlieb Biedermann eine Erklärung zu den Fässern verlangt, haben Eisenring und Schmitz erhebliche Mühe, eine zu finden. Eine Täuschung über den wahren Inhalt der Fässer beruhigt den Hausherrn schließlich.


    Plötzlich taucht auf dem Dachboden ein Polizist auf - Schmitz und Eisenring rutscht für einen Moment das Herz in die Hose. Tatsächlich ist der Ordnungshüter aber zu einer Befragung zum Suizid von Knechtling gekommen. Im Verlaufe dieses Gesprächs stellt der Polizist aber auch Fragen zu den Fässern und Biedermann verbündet sich mit den beiden Männern, indem er sie kurzerhand zu seinen Angestellten erklärt und den Inhalt der Fässer mit Haarwasser. Als er den Polizisten wieder hinunterbegleitet, zieht Josef Schmitz eine Zündschnur aus seiner Hosentasche.


    Es ist der Moment des Chores, der bisher alles ruhig sieht, gleichzeitig aber dem Menschen, der die Zeichen des Unheils nicht erkennt, Vorwürfe macht. Biedermann lässt sich von dieser Warnung nicht beeindrucken. Er nimmt für sich in Anspruch, ein freier Bürger eines freien Landes zu sein, der nur Ruhe und Frieden haben will. Deshalb besucht er beispielsweise auch seinen Stammtisch nicht mehr, denn da geht es auch nur über das Thema Brandstiftungen. Er gibt aber auch zu, neuerdings immer auf Geräusche im Hause zu achten, was offensichtlich ein Zeichen seiner Angst ist.


    VIERTE SZENE

    Wieder auf dem Dachboden sieht man Eisenring, wie er mit seinen befeuchteten Fingern die Windrichtung prüft und dann eine Zündschnur von der Spule abwickelt. Dagegen informiert im Wohnzimmer unten Biedermann seine Frau über seinen Plan, Schmitz und Eisenring zum Gänsebraten einzuladen. Als Argument führt er an, dass es besser ist, die beiden Männer nicht als Feinde im Hause zu haben. Als er auf den Dachboden geht um den Männern die Einladung zu überbringen, sieht er nur Eisenring und erfährt, dass Schmitz gerade gegangen ist, um Holzwolle zu kaufen. Das hält Biedermann für einen Scherz, doch Eisenring sagt mit geheimnisvoller Stimme, dass die Wahrheit die beste Tarnung ist. Biedermann überlegt, was diese Aussage zu bedeuten hat, aber Eisenring unterbricht seine Gedanken mit der Annahme der Einladung zu Essen, auch im Namen von Schmitz. Er setzt hinzu, dass es ihnen gerade heute genehm ist, denn am nächsten Tag sind sie nicht mehr da. Als Biedermann wieder nach unten geht, trifft er auf den Doktor phil. und ist wenig begeistert, zumal der kein Wort sagt. Unterdessen wurde die Witwe Knechtling von Dienstmädchen Anna ins Haus eingelassen, obwohl sie ihr keine Hoffnung machen kann, dass Biedermann mit ihr sprechen will.


    Der Chor äußert sich ahnungsvoll zum bevorstehenden Unglück, Frau Babette Biedermann ist dagegen völlig ahnungslos über das Schicksal, das über ihr und dem Anwesen schwebt. Sie glaubt jedoch eine Ahnung zu haben, was ihr Mann über die Geschehnisse denkt, denn die hat er schon einmal geäußert, nämlich als er der „Partei“ beitrat. Der Chor nimmt abwertend von der Existenz des Doktor phil. in diesem Geschehen Kenntnis.


    FÜNFTE SZENE

    Unterdessen steht die Witwe Knechtling im Eingangsbereich des Hauses herum, wie bestellt und nicht abgeholt. Biedermann kommt vom Dachboden und beachtet sie nicht, sondern beginnt mit seiner Frau die Vorbereitungen zum Abendessen mit Schmitz und Eisenring zu treffen. Sie räumen zunächst alles in die Schränke, was sie je angeschafft haben, weil es ihnen gefiel, von den „Gästen“ aber als zu protzig empfunden werden könnte. Das Publikum registriert die Angst, die Herrn und Frau Biedermann zu diesem Schritt veranlasst hat. Frau Knechtling ist inzwischen gegangen und es kommt zu einer haarsträubenden Szene: Ein Floristikbetrieb liefert einen Kranz für die Beisetzung von Knechtling, auf der Schleife jedoch steht - welch grauenhaftes Omen Gottlieb Biedermann. Dass dem tatsächlich Unwohl ist, wird deutlich, als er aus dem Keller Nachschub für den Tischwein holt und dabei seine Angst klar zum Ausdruck bringt.


    LETZTE SZENE

    Das Essen ist in vollem Gange und Biedermann muss über die hingeworfene Bemerkung von Schmitz und Eisenring, dass man statt Holzwolle nur Putzfäden bekommen hätte, laut lachen. Ein gelungener Witz, findet er - ganz im Gegensatz zu seiner Frau, die den Ernst der Lage begriffen hat. Dass die „Gäste“ mit der bescheiden geschmückten Tafel unzufrieden sind und Herr und Frau Biedermann daraufhin die beiseite geräumten Gegenstände aus den Schränken holen, entspricht dem Bild, dass sich das Publikum von Schmitz und Eisenring gemacht hat. Verwunderlich dagegen ist, dass sie sich ganz offenherzig als Brandstifter bezeichnen, und Biedermann noch immer an Scherze glaubt. Babette und Dienstmädchen Anna jedoch zittern aus Angst um die Wette. Um die Lage aufzuheitern, spielt Schmitz, der nach eigenen Worten am Theater beschäftigt war, ehe ein Feuer es vernichtete, mit einer übergeworfenen weißen Tischdecke Knechtlings Geist, was an Hofmannsthals „Jedermann“ erinnert - zumal es die „Jedermann“-Rufe gibt, die sich aber zu „Biedermann“ verändern.


    Schmitz und Eisenring erklären den Biedermanns nun offen ihre „Arbeitsweise“: Sie legen erst in den Außenbezirken der Stadt das Feuer, damit die Feuerwehr abgelenkt ist, und sie an Ort und Stelle mehr Zeit haben. Biedermann erschrickt und sein Gesichtsausdruck zeigt an, dass ihm wohl ein Licht aufgegangen ist. Weshalb aber gibt er den beiden Männern nun seine Streichhölzer? Babette Biedermann versteht das nicht, aber er erklärt ihr geradezu einfältig und entwaffnend, dass richtige Brandstifter doch wohl selbst Streichhölzer haben.


    Als Schmitz und Eisenring gehen, kommt jener Dr. phil. und erklärt ungebeten, dass er nicht mehr mit seinen beiden Kumpanen zusammenarbeiten will; er musste einsehen, dass er einen schweren Irrtum begangen hat, weil Schmitz und Eisenring nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus purer Lust am Feuer legen gehandelt haben. Seine Worte werden vom Geheul der Sirenen übertönt, während Dr. phil. Biedermann ein Schriftstück mit der entsprechenden Erklärung übergibt. Der Schlusschor zitiert Frischs Worte aus dem Untertitel dieses Dramas, dass hier ein „Lehrstück ohne Lehre“ gezeigt wurde, und dass Biedermann keine Änderung zuließ und es auch in Zukunft nicht zulassen wird.


    NACHSPIEL

    Vorbemerkung: Das Nachspiel wird schon seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts weggelassen; es erscheint nur in der Gesamtausgabe der Werke von Max Frisch.


    Die Biedermanns glauben im Himmel zu sein; weil sie die zehn Gebote immer befolgt haben, gehören sie nach ihrer Meinung auch dahin. Als dann aber nach und nach alle handelnden Personen des Dramas auftauchen, erkennen sie, dass sie in der Hölle sind. Man sieht Schmitz und Eisenring als Beelzebub und Teufel. Weil der Brand bei Biedermann auf die ganze Stadt übergegriffen und sie in Schutt und Asche gelegt hat, fühlt sich der Haarwasser-Fabrikant berufen, seine Unschuld zu beteuern. Er will sogar eine Entschädigung haben. Teufel Eisenring aber berichtet von einem Streit zwischen Himmel und Hölle: es geht um die Behandlung der Prominenten, die eine Amnestie erhalten sollen. In die Hölle kommen alle Biedermänner, Kleinkriminelle, Kriegsdienstverweigerer und Intellektuelle. Das aber will die Hölle nicht akzeptieren und man tritt nicht nur in einen Streik, sondern schickt sogar das Personal auf die Erde. Gottfried und Babette Biedermann jedoch knien nieder und erwarten ihre seelische Rettung.



    © Manfred Rückert für den Tamino-Schauspielführer 2021


    Folgende Aufnahmen sind im Handel erhältlich


    M03895841242-source.jpg   Biedermann und die Brandstifter, 1 DVD


    Das Schweizer Radio DRS-Hörbuch - Herr Biedermann und die Brandstifter

    Ich habe ja bereits bei meiner Vorstellung vor elf Jahren geschrieben, dass unser alter Volksempfänger (der hatte den Krieg überlebt, wurde aber bald gegen ein Grundig-Radio ausgetauscht) meine musikalischen Interessen transportiert hat - was aber ohne meine Eltern nicht möglich gewesen wäre: Mein Vater liebte Klassik, meine schwerhörige Mutter auch, allerdings die leichte (und oft doch so schwere) Richtung, die ihr durch den Kopfhörer ins Ohr kam. Und die Eltern erlaubten mir schon sehr früh (mit sechs) das Hören der Sinfoniekonzerte oder an Wochenenden auch Opernaufführungen.


    Da war (noch heute sehe ich die Spalten der HÖRZU vor mir) jeden Montag das Sinfoniekonzert (in Frakturschrift) einmal aus Hamburg (Laeiszhalle), eine Woche später aus dem Gürzenich in Köln. Dort mit Hans Schmidt-Isserstedt, hier mit Günter Wand. Und ich habe an der Musik zwar nicht immer Gefallen gefunden, aber zumindest das erste Stück, das mir als Bub gefiel, war eine Zugabe: der erste Satz von KV 525. Es war folgerichtig auch die erste Platte, die mir mit dem ersten Plattenspieler (einem Grundig-Koffer) geschenkt wurde - eine 17cm-Telefunken-Platte mit verlängerter Spielzeit, da im Rheinschen Verfahren hergestellt. Ist es diese Musik, die mich bis heute an den Komponisten fesselte? Ich weiß es nicht genau, fest steht, dass mein Vater dem Klassiker aus Salzburg genauso zugetan war. Also doch eher die Gene?


    Letztlich ist es mir egal. Das Radio war damals wichtig, wichtig wie Essen, Trinken, Schlafen. Es brachte Leben und Träume in das armselige Wohnen der Nachkriegszeit. Wir, Eltern und zwei Kinder, konnten vergessen, was um uns geschah. Vater und Sohn Sinfonisches, Oper, Oratorium, Passionen, Mutter und Tochter die leichte Muse. Unvergesslich übrigens die erste Matthäus-Passion von Bach in einer ungeheizten Kirche, die den Knaben langweilte, weil sie viel zu lang war und die Kirche zu kalt, die aber ein Faksimilie von Bachs Handschrift als Titel zeigte, in der die Christus-Worte mit roter Tinte geschrieben waren, was im Druck auch so wiedergegeben war.


    Nostalgisches, aber mir ist das Radio immer wichtig gewesen - bis zu dem Zeitpunkt, als die Schallplatten bzw. CDs das eigenständige Programm ermöglichten...


    :hello:

    Dirigent und Oboist Helmut Winschermann ist tot


    Gerade las ich in einer hiesigen Zeitung, dass am 4.März Helmut Winschermann im Alter von 100 Jahren in Bonn gestorben ist.

    Er wurde am 22. März 1920 in Mülheim an der Ruhr geboren. Nach seinem Studium in Essen und Paris wurde er 1939 Oboist im Städtischen Orchester Oberhausen. Nach dem Krieg wechselte er als Solo-Oboist zum Radio Sinfonieorchester Frankfurt, wo er bis 1951 wirkte. Ab 1948 unterrichtete Winschermann an der Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold, ab 1956 als Professur für Oboe. Zu seinen Schülern zählen u.a. Hansjörg Schellenberger, Günther Passin und Ingo Goritzki. Gemeinsam mit Kurt Redel und Irmgard Lechner gründete er die Kammermusikvereinigung Collegium Pro Arte und leitete dieses später als Collegium Instrumentale Detmold auch selbst. Im Jahr 1960 gründete er die Deutschen Bachsolisten, für die er erst als Oboist und später als Dirigent tätig war. Winschermann wurde unter anderem mit dem Edison-Preis, dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und dem Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg ausgezeichnet. Er war Ehrenmitglied der Royal Academy of London. (nach Klassik Com)


    R.I.P

    Empfehlenswert und unerreicht bis heute ist die Gründgens-Inszenierung, die von Peter Gorski abgefilmt wurde, und die es bei den verschiedensten Händler in verschiedensten Ausführungen gibt:


    Faust (plus Bonus: ZDF-Interview mit Gustaf Gründgens) - Filmjuwelen (DVD)


    Eine modernere Sicht des Dramas bietet diese DVD (Regie Dieter Dorn) mit Helmut Griem, Romuald Pekny, Sunnyi Melles, Cornelia Froboess u.v.a.:


    Faust



    Zu erwähnen und zu empfehlen ist auch ein Doppel-Audio-Album aus der Reihe DG-Literatur, dass die Gründgens-Inszenierung des Düsseldorfer Schauspielhauses von 1954 beinhaltet. Die Mitwirkenden waren


    Faust: Paul Hartman

    Mephistopheles (Mephisto): Gustaf Gründgens

    Margarete, genannt Gretchen: Käthe Gold

    Marthe Schwerdtlein: Elisabeth Flickenschildt

    Wagner: Rudolf Therkatz

    Raphael / Valentin: Max Eckard

    Hexe: Maria Alex

    Schüler: Karl Viebach

    Frosch: Kurt Weitkamp

    Brander: H. Müller-Westernhagen

    Siebel: Gerhard Geisler

    Altmayer: Siegfried Siegert

    Lieschen / Meerkater: Ursula Dinggräfe

    Gabriel: Hansgeorg Laubenthal

    Michael: Ulrich Haupt

    Gott der Herr: Peter Esser

    Erdgeist: Gerhard Geisler

    Meerkatze: Piet Clausen

    Alter Bauer: Paul Maletzki

    Böser Geist: Sybille Binder

    Stimme von oben: Walter Czaschke

    Musik: Mark Lothar


    Und auch diese Aufnahme von den Filmfestspielen in Venedig ist sehenswert - wenn man modernen Inszenierungen aufgeschlossen gegenübersteht:


    Faust


    Und auch Peter Stein hat sich des Goetheschen Dramas angenommen:


    Goethe: Faust - Die Theater Edition [4 DVDs]

    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832):


    FAUST

    DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL


    Einzelne Szenen wurden in Privataufführungen am

    18. Februar 1816, 24. Mai 1819 und 7.Juni 1820 auf Schloss Monbijou, Berlin, gegeben,

    die erste öffentliche Aufführung fand am 19. Januar 1829 im Nationaltheater Braunschweig statt



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter

    Mephistopheles (Mephisto), Teufel

    Margarete, genannt Gretchen, junges Mädchen

    Marthe Schwerdtlein, Gretchens Nachbarin

    Wagner, Fausts Famulus

    Valentin, Gretchens Bruder

    Hexe

    Schüler

    Frosch - Brander - Siebel - Altmayer, lustige Gesellen in Auerbachs Keller

    Lieschen, Bekannte von Gretchen

    Theaterdirektor

    Dichter

    Lustige Person

    Raphael - Gabriel - Michael, Erzengel

    Gott der Herr

    Geist

    Erdgeist

    Chor der Engel - Chor der Weiber - Chor der Jünger

    Spaziergänger aller Art

    Bauern - Geister - Hexentiere

    Böser Geist

    Walpurgisnacht-Figuren

    Stimme von oben

    Ein Pudel

    Meerkatzen der Hexe


    Die Handlung geht an wechselnden Orten im 16. Jahrhundert vor sich.



    INHALTSANGABE



    Vorbemerkung: Anders als bei Dramen üblich, ist dieses Stück nicht in Aufzüge/Akte und Auftritte/Szenen unterteilt,

    sondern in einzelne Szenenbilder mit Überschriften.


    ZUEIGNUNG

    Die Personen des Dramas werden in einem Gedicht, in dem sich der Dichter zum Thema selbst äußert, vorgestellt. Es ist gleichzeitig eine Reflektion über die Entstehungsgeschichte des Dramas und die eigene Jugendzeit, an die der Poet sich mit Wehmut erinnert.


    VORSPIEL AUF DEM THEATER

    Drei Personen - Theaterdirektor, Dichter und Lustige Person - diskutieren über die Situation an den Theatern und beklagen den Niedergang alles Kulturellen. Der Theaterdirektor schaut natürlich auf die Kasse und befindet, dass ein gutes Theaterstück nicht nur dem Publikum gefallen muss, es muss auch die Kassen füllen, und dazu ist ersteres unabdingbar. Der Dichter meint, dass des Poeten Bestreben sein muss, große Kunst zu erschaffen. Für den Komiker, die „Lustige Person“ ist es wichtig, dass ein Bühnenstück in der Lage ist, das Publikum zu fesseln und zu unterhalten. Gemeinsam glauben sie, dass das folgende, neue Stück ein gelungener Kompromiss ist.


    PROLOG IM HIMMEL

    Während die Erzengel - Raphael, Gabriel und Michael - den Herrn für die Schönheit und Vollkommenheit der Schöpfung loben, kommt von Mephistopheles, kurz Mephisto, der Teufel, Hohn und Widerspruch zugleich. Die Menschen sind doch oft unglücklich, müssen sich so plagen, dass es sogar ihn, den Teufel, jammert. Ein Vorwurf, den Gott, der Herr, nicht hinnehmen will. Er fragt Mephisto, ob er den Doktor Faust kenne - er nennt ihn „meinen Knecht“ - und bekommt zur Antwort, dass er ihn kenne, denn „er dient euch auf besondere Weise“. Genau den darf Mephisto „solang er auf der Erde lebt“ verführen, denn „es irrt der Mensch, solang er lebt“. Mephisto gesteht, nachdem Gott in einer Wolke verschunden ist

    Von Zeit zu Zeit seh’ ich den Alten gern, / Und hüte mich mit ihm zu brechen.

    Es ist gar hübsch von einem großen Herrn / So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.



    DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL



    NACHT

    Faust beklagt in einem Monolog seine allgemeine Unzufriedenheit. Er hat im Streben nach Weisheit und Erkenntnis alle möglichen Wissenschaften studiert, aber keine hat ihn dem anvisierten Ziel nähergebracht:

    Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.

    Nun will er sich mit dem Zauberbuch des Nostradamus der Magie zuwenden. Er beschwört den Erdgeist, der auch tatsächlich erscheint, ihn aber verhöhnt und an seine Sterblichkeit erinnert. Das ist für Faust niederschmetternd. Zu allem Übel kommt nun sein Famulus Wagner mit Lobeshymnen über seine umfassende Bildung. Doch Faust will ihn wieder loswerden, weil er ihn bei seinen Studien stört; er komplimentiert Wagner hinaus und setzt den Monolog fort. Völlig desillusioniert durch den Erdgeist will er seinem Leben ein Ende setzen, doch die plötzlich ertönenden Kirchenglocken und ein jubelnder Chorgesang, die auf das Osterfest hinweisen, lassen ihn innehalten.


    VOR DEM TOR

    Das Volk ist zu Hauf in der erwachenden Natur vor dem Stadttor unterwegs. Auch Faust und Wagner unternehmen den Oster- und Frühlingsspaziergang. Faust wird von den Menschen ehrfürchtig begrüßt, von Wagner aber genau deswegen beneidet. Während sie durch die Felder spazieren, läuft ihnen plötzlich ein schwarzer Hund zu, der sich nicht abwimmeln lässt und ihnen ständig auf den Fersen bleibt.


    STUDIERZIMMER (I)

    Der Spaziergang durch die frühlingshafte Natur hat Faust neu belebt und motiviert. Er hat den Hund, der ihm und Wagner ständig folgte, mit in sein Haus genommen. Faust will das Neue Testament in die deutsche Sprache übersetzen und mit dem Johannes-Evangelium beginnen. Doch schon der erste Vers lässt ihn stocken und mehrmals zu einem Versuch ansetzen. Dabei stört ihn der Hund durch ständiges Heulen und Bellen. Er versucht, allerdings erfolglos, das Gejaule durch die Beschwörung des in dem Hund verborgenen Geistes abzustellen. Plötzlich aber verwandelt sich der Hund in einen Studenten in etwas altertümlicher Tracht. Und der Student gibt sich als Teufel zu erkennen und Faust staunt:

    Das also war des Pudels Kern! / Ein fahrender Skolast? Der Kasus macht mich lachen.

    Mephisto arbeitet sich langsam an den Doktor heran; er will (und wird) ihn dazu bringen, mit Blut die Unterschrift unter den Pakt mit dem Satan zu setzen. Vorerst hat Faust jedoch viele Fragen, die ihm Mephisto auch gerne beantworten will, allerdings erst später. Für jetzt bittet er sich verabschieden zu dürfen, doch gibt es für ihn das Problem, dass ein Drudenfuß (ein Bannzeichen gegen das Böse) auf der Türschwelle genau das verhindert. Fast schelmisch fragt Faust, warum er nicht einfach durchs Fenster verschwinde, worauf Mephisto bekennt, dass selbst er sich an strenge Gesetzen halten muss:

    ’s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster / Wie sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus.

    Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.

    Weil aber Faust Mephistos Problem nicht lösen kann, sorgt Mephisto selbst dafür: er ruft Geister herbei, die Faust mit Gesang einschläfern. Dann zitiert er eine Ratte herbei, die das Zeichen an einer Ecke benagt und damit dem „Herrn der Ratten und der Mäuse“ den Abgang ermöglicht. Als Faust erwacht ist er sich sicher, geträumt zu haben.


    STDIERZIMMER (II)

    Mephisto kehrt tatsächlich zu Faust zurück, jetzt in der Verkleidung eines edlen Junkers. Er will Faust bestens unterhalten, ihm alles zeigen, ihn wunschlos glücklich machen. Faust ist es recht, allerdings wendet er ein, dass der Satan nichts ohne Gegenleistung macht, also fragt er, was Mephisto von ihm erwartet. Die Antwort ist ein Wettangebot, das Faust überrascht: Wenn der Herr Doktor mit den gebotenen Leistungen zufrieden ist, dann soll seine Seele nach dem Tod ihm, Mephisto, gehören. Faust stimmt zu, und der „Junker“ zieht den schon fertigen Pakt aus seinem Wams und verlangt die Unterschrift mit Blut, dem „besonderen Saft“. Faust sticht sich kurzerhand mit dem Federkiel in die Vene und unterschreibt den Pakt. Als Mephisto einen Schüler Fausts kommen sieht, wehrt der Doktor sofort ab, ihn zu sehen. Mephisto dagegen findet es nicht gut, wenn ein lernbegieriger Scholast nicht empfangen wird, verkleidet sich deshalb als Faust und lässt den Schüler eintreten. Das Gespräch zwischen den beiden ist gekennzeichnet von Lehrhaftem und, als es Mephisto schließlich zu viel wird, von boshaft-sarkastischen Belehrungen. Als der Scholast ihm ein Stammbuch hinhält, schreibt er

    Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum.

    (Ihr werdet sein wie Gott, wissend, was Gut und Böse ist)

    hinein und schickt ihn ziemlich unsanft fort.


    AUERBACHS KELLER IN LEIPZIG

    Mephisto hat es mit Faust in Auerbachs Keller gezogen. Dort sind vier schon angeheiterte Studenten (Frosch, Siebel, Brander und Altmayer) in entsprechender Stimmung, fühlen sich von den beiden fremden Männern jedoch zu sehr gemustert. Mephisto versteht es, schnell für Anschluss bei den Studiosi zu sorgen. Er bietet ihnen zunächst Unterhaltung mit dem Lied von der Ratte, bekommt auch viel Beifall dafür, beklagt dann aber die schlechten Weine hier vor Ort. Er fragt die vier nach ihrem bevorzugten Wein und spendiert ihnen genau den, indem er den Rebensaft durch Löcher im Tisch fließen lässt. Als sich zum Boden fallende Tropfen plötzlich in Feuer verwandeln, wollen die Studenten mit Messern auf Mephisto losgehen. Der verwirrt die Studenten mit Zauberei so, dass sie ihre Nasen für Weintrauben halten, die sie sich partout gegenseitig abschneiden wollen. Mephisto und Faust, der sich beobachtend zurückgehalten hat, gelingt es zu verschwinden.


    HEXENKÜCHE

    Nun sind Mephisto und Faust in einer Hexenküche gelandet. Man sieht auf dem Herd einen großen Kessel, aus dem sich durch aufsteigenden Dampf die verschiedensten merkwürdigen Wesen zeigen. Vor dem Kessel sitzt eine Meerkatze und rührt in der Suppe, damit sie nicht überläuft. An den Wänden sieht man Hexenhausrat, an der Decke Hexensymbole. Als die Hexe kommt und sich äußerst giftig gegenüber den Eindringlingen verhällt, macht Mephisto ihr unmissverständlich klar, wer da vor ihr steht. Die Hexe reagiert kleinlaut-unterwürfig und Mephisto befiehlt ihr, für Faust einen Trank zu brauen, der ihn zu einem Jüngling macht. Die Hexe macht sich mit allerlei Zaubersprüchen ans Werk, während Faust einen Spiegel findet, in dem er eine wunderschöne Frau sieht, für die er sofort entflammt ist.


    STRASSE (I) - BEGEGNUNG MIT MARGARETE

    Auf einer Straße begegnet Faust einem jungen Mädchen, die sich als Margarete vorstellt, die sich ihm gegenüber jedoch sehr reserviert verhällt: sie ist weder schön noch benötigt sie ein Geleit nach Haus. Gerade dieses Sträuben stachelt Faust an und er verlangt von Mephisto, dass er sie ihm sofort gefügig macht. Genau das ist der Plan Mephistos und er kommt dem Verlangen sehr gerne nach. Er stachelt Fausts Begierde noch mehr an mit der Bemerkung, dass er Geduld und Ausdauer aufbringen muss.


    ABEND

    Gretchen ist in ihrem Zimmer allein und gesteht sich (in einem Monolog) ein, dass die Begegnung mit Faust nicht spurlos an ihr vorübergegangen ist; hört man ihren Aussagen zu, lässt sich sogar „tief beeindruckt“ festhalten. Als sie kurzzeitig das Zimmer verlässt, können Faust und Mephisto hineinzuschlüpfen, und Mephisto legt ein Schmuckkästchen in den Schrank. Faust inspiziert das Zimmer genau und lässt dabei seine Fantasie spielen. Mephisto merkt natürlich rechtzeitig Gretchens Rückkehr und dringt in Faust, schnell zu Verschwinden. Sie beobachten, dass sich Margarete entkleidet und dabei das Lied vom König in Thule singt. Dann entdeckt sie plötzlich das von Mephisto hinterlegte Schmuckkästchen - und reagiert sowohl erstaunt wie auch erschrocken. Letztlich ist sie aber so neugierig und legt sich einige der Kleinodien an; dabei äußert sie sich traurig über ihre Armut.


    SPAZIERGANG

    Mephisto musste verärgert registrieren, dass Margaretes Mutter das Schmuckkästchen gefunden und es sofort dem „Pfaff“ übergeben hat. Der nahm es selbstverständlich auch an, denn die Kirche „hat einen guten Magen“. Fausts Antwort an Mephisto ist sarkastisch, denn er weiß doch, dass ein solches Verhalten nichts Besonderes ist, weil ja „Jud‘ und König“ es ebenso halten. Dann verlangt er von Mephisto ein neues Schmuckkästchen herbeizuschaffen. Mephisto höhnt, dass Faust im Fordern ganz groß ist.


    DER NACHBARIN HAUS

    Bei Frau Marthe berichtet Margarete ganz aufgeregt, dass in ihrem Schrank schon wieder ein Schmuckkästchen liegt und sie versteht das nicht. Frau Marthe empfiehlt, den Fund geheim zu halten, auch nicht ihrer Mutter davon zu berichten. Außerdem solle sie den Schmuck auch nur heimlich anlegen. Als Gretchen gegangen ist tritt Mephisto zu Frau Marthe und behauptet mit gespielter Niedergeschlagenheit, die traurige Nachricht vom Ableben ihres Mannes in Padua auftragsgemäß erledigen zu müssen. Ohne eine Nachfrage von Frau Marthe fügt er ergänzend hinzu, dass es auch leider nichts zu erben gebe, ihr Mann hat nämlich vollkommen mittellos das Zeitliche gesegnet. Er rät der erstaunten und erschrockenen Witwe, dass sie sich nach der angemessenen Trauerzeit nach einem neuen Mann umsehen sollte. Offensichtlich sind Frau Marthe an Mephistos Erklärungen doch Zweifel gekommen, so dass er sich bemüßigt fühlt, am Abend mit einem Zeugen wiederzukommen, der das Sterben ihres Mannes mitbekommen hat. So nebenbei vergewissert er sich, dass dann auch Gretchen anwesend ist.


    STRASSE

    Mephisto muss nun Faust dazu bringen, dass er am Abend bei Frau Marthe den Tod ihres Mannes bezeugt. Das stellt sich gar nicht als leicht heraus, denn der Doktor weigert sich zunächst, eine Falschaussage zu machen, kennt er doch weder Frau Marthes Mann, noch war er in Padua als Zeuge dabei. Was soll er also bezeugen? Nein, das kann er nicht. Mephisto aber weiß genau, wie er Faust herumkriegen kann - dass Gretchen am Abend auch anwesend sein wird, überzeugt Faust und er wird den Zeugen spielen.


    GARTEN

    In Frau Marthes Garten gehen Faust mit Gretchen, und Mephisto mit Frau Marthe spazieren. Während Mephisto jede Mühe aufwenden muss, Frau Marthes Heiratsanträge abzuwehren, überschüttet Faust sein Gretchen mit Komplimenten, die sie sich ungläubig anhört. Ihr fehlt die Vorstellungskraft, dass sich ein Doktor, ein Mann überhaupt, für sie interessieren könnte, es sei denn aus reiner Höflichkeit. Dann aber bekommt sie zufällig eine Blume in die Hände und zählt spielerisch an den Blütenblättern ab, ob Faust sie liebt oder nicht. Dieses Spielchen empfindet Faust so anregend, dass er ihr seine Liebe gesteht. Mephisto hat die beiden trotz seines Flanierens mit Frau Marthe genau beobachtet und er weist seine Begleiterin schließlich in dem Augenblick darauf hin, als sich das Paar zurückzieht. Frau Marthe geht weiter und Mephisto folgt ihr.


    EIN GARTENHÄUSCHEN

    Während sich Faust und Gretchen gegenseitig Liebesschwüre schenken, und dann küssen, stört sie Mephisto plötzlich mit dem energischen Ruf, aufbrechen zu müssen. Nachdem Faust trotz ihres Flehens zu bleiben, verschwunden ist, fragt sich Margarete, was ein so gebildeter Mann wie Faust an ihr wohl reizvoll findet, ist sie doch weder schön noch reich, sondern nur ein „arm unwissend Kind“.


    WALD UND HÖHLE

    Faust findet sich in einer Waldhöhle wieder und dankt dem Erdgeist für die Erfüllung aller seiner Wünsche. Er ärgert sich allerdings über die Abhängigkeit von Mephisto, der ihm zwar schon viel geboten hat, sich aber an seinem Zynismus reibt. Der Gedanke an Mephisto war ausreichend, ihn sofort erscheinen zulassen: er tritt auf die Szene und erinnert Faust an sein Gretchen, die sehnsüchtig auf ihren Geliebten wartet. Er verspottet Faust wegen seiner Natur-Schwärmerei und fordert ihn auf, ihm nach Gretchen zu folgen.


    GRETCHENS STUBE

    Gretchen sitzt am Spinnrad und beklagt den Verlust ihres seelischen Gleichgewichts durch die Begegnung mit Faust:

    Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, / ich finde sie nimmer und nimmermehr.

    Wo ich ihn nicht hab’ / Ist mir das Grab, / Die ganze Welt / Ist mir vergällt. […]

    Mein Busen drängt / Sich nach ihm hin, / Ach dürft’ ich fassen / Und halten ihn!

    Und küssen ihn / So wie ich wollt’, / An seinen Küssen / Vergehen sollt’!


    MARTHENS GARTEN

    Margarete und Faust spazieren durch Frau Marthes Garten und sie stellt ihm die sogenannte „Gretchenfrage“, nämlich wie er es mit der Religion halte. Seine Antwort ist ausweichend, ein offensichtlich unangenehmes Thema für Faust. Seine Erklärungen befriedigen sie nicht und sie wirft ihm vor, ohne Christentum zu sein. Abrupt kommt sie auf seinen ständigen Begleiter zu sprechen, den sie nicht leiden kann, der ihr sogar Grauen einflößt. Dementsprechend macht sie Mephisto für Fausts Religionsverachtung verantwortlich. Er versucht sie zu beruhigen und lenkt dann das Gespräch auf ein für ihn wichtiges Thema: er beklagt, nie mit ihr allein sein zu können, ständig auf die Mutter achtgeben zu müssen. Um das zu ändern hat er ein harmloses Schlafmittel besorgt, das sie am Abend in den Tee geben soll, dann kann endlich mit ihr unbemerkt und ungestört turteln.


    AM BRUNNEN

    Gretchen trifft ihre Freundin Lieschen und erfährt von ihr, die Schadenfreue ist dabei nicht zu überhören, dass Bärbelchen, eine gemeinsame Bekannte aus dem Dorf, ab sofort „zwei füttert, wenn sie isst und trinkt“, also schwanger geworden ist. Außerdem hat Bärbelchens Liebhaber sie sitzen gelassen und ist auf und davon. Während Lieschen über das Paar herzieht, macht die Nachricht Margarete sichtlich betroffen. Sie muss unwillkürlich an ihre „sündhafte“ Liebe zu Faust denken. Und das Publikum kann daraus schließen, dass Margarete mit Faust intim geworden ist.


    ZWINGER

    Gretchen hat sich betend vor dem Andachtsbild der Mater dolorosa niedergekniet und spricht:

    Ach neige, / Du Schmerzenreiche, / Dein Antlitz gnädig meiner Not! […]

    Hilf! rette mich von Schmach und Tod!

    Ach neige, / Du Schmerzenreiche, / Dein Antlitz gnädig meiner Not!


    NACHT

    Valentin, Bruder von Gretchen und Soldat, beklagt sich über die Gerüchte über seine geliebte Schwester Er, der immer stolz auf den guten Ruf Margaretes war, hört in der letzten Zeit viel über ihren lockeren Lebenswandel. Er will dem nachgehen und für Klarheit sorgen. Mephisto und Faust treten auf und planen einen Kircheneinbruch, weil sie unter den dort vorhandenen Wertgegenständen ein Kleinod für Gretchen vermuten. Mephisto singt unter Margaretes Fenster ein Lied, und das ist für Valentin das Signal, auf den „Junker“ loszugehen und ein Duell zu provozieren. Faust hält sich zwar zurück, beobachtet aber genau, ob er eingreifen muss. Anscheinend weiß er nicht, dass Mephisto mit Valentin sein Spielchen treibt. Plötzlich aber springt er hinzu, greift unter Mephistos Arm hindurch und ersticht Valentin. Während Faust und Mephisto flüchten, kommen Gretchen, Marthe und weitere Nachbarn herbei und finden den tödlich Verwundeten auf der Straße. Bevor er seinen letzten Atemzug macht, beschimpft er seine Schwester als Hure und Frau Marthe als Kupplerin.


    DOM

    Gretchen will im Dom beten, doch es erscheint ihr zunächst ein böser Geist, der sie nicht nur auf ihre Sünden anspricht, sondern ihr auch die Schuld am Tod der Mutter und des Bruders gibt. Als er sie dann noch auf ihre Schwangerschaft aufmerksam macht, fällt sie, erschüttert, in eine Ohnmacht. Während dieses Geschehens singt der Chor einen Teil der Sequenz aus dem „Requiem“, das „Dies irae“.


    WALPURGISNACHT - HARZGEBIRG

    Mephisto zieht es mit Faust zum Harz, um auf dem Brocken die Walpurgisnacht zu genießen. An ihnen jagen die Windsbraut und jede Menge Hexen mit ungestümem Gesang vorbei und Faust wird von dem „Strudel“ mitgezogen. Eine schöne Frau, die Mephisto Lilith, Adams erste Frau, nennt, zieht ihn in seinen Bann, doch warnt ihn Mephisto vor ihr, denn einmal gefangen wird sie ihn nicht mehr loslassen. Nach einem wirbelnden Tanz mit einer Schönen sieht Faust plötzlich eine Erscheinung, die ihn stark an sein Gretchen erinnert: ein „blasses, schönes Kind“, das eine rote Schnur um den Hals trägt - eine Vorausdeutung auf ihren Tod.


    WALPURGISNACHTSTRAUM

    Der Walpurgisnachtstraum ist ein auf dem Blocksberg aufgeführtes Theaterstück um die Goldhochzeit des Elfenkönigspaares Oberon und Titania, also ein Stück im Stück. Es enthält zahlreiche Anspielungen auf zeitgenössische Personen und konfus kombinierte Wechselspiele zwischen den am Theaterstück beteiligten Personen, aber keine eigentliche Handlung und schon gar keinen Sinnzusammenhang mit dem Faust-Stoff, Goethe selbst nennt es Intermezzo. Es ist umstritten, warum er die Szene in den „Faust“ aufgenommen hat (nach Wikipedia).


    TRÜBER TAG - FELD

    Margarete ist als eine Verbrecherin ins Gefängnis gekommen. Als Faust davon erfährt, macht er seinem Kumpan Mephisto Vorwürfe, weil ihm das verheimlicht wurde, und er durch die Teilnahme an der Walpurgisnacht sogar abgelenkt war. Er will, dass Mephisto sein Gretchen rettet, doch der erwidert ungerührt, dass das seine, Fausts, Angelegenheit ist. Außerdem warnt er ihn, an den Ort des Mordes - an Valentin - zurückzukehren, da er eine Blutschuld auf sich geladen hat. Faust will nun unbedingt Gretchen aus dem Kerker befreien, und Mephisto gibt seinem Drängen schließlich nach; er wird den Wächter ablenken und die Pferde zur Flucht bereithalten.


    NACHT, OFFEN FELD

    Wie durch einen Zauber stehen plötzlich schwarze Pferde da, auf die sich beide schwingen und durch die Nacht dahinreiten. Als sie jedoch an der Hinrichtungsstätte „Rabenstein“ vorbeikommen, sehen sie eine Gruppe von Hexen, die sich an diesem Ort offensichtlich sehr wohlfühlen und sie mit Hexenbrimborium für eine bevorstehende Hinrichtung vorbereiten.


    KERKER - SCHLUSSSZENE

    Vom Strafgericht wurde Margarete für die Ermordung ihres Kindes und ihrer Mutter zum Tode verurteilt. Im Kerker an schwere Ketten gefesselt erwartet sie ihre Hinrichtung. In ihren Äußerungen wird geistige Verwirrtheit deutlich. Als Faust vor der Kerkertür steht, hört er aus der Zelle anklagende Worte und erschrickt:

    Meine Mutter, die Hur / Die mich umgebracht hat!

    Mein Vater, der Schelm / Der mich gessen hat!

    Mein Schwesterlein klein / Hub auf die Bein / An einem kühlen Ort;

    Da ward ich ein schönes Waldvögelein; / Fliege fort, fliege fort!

    Als Faust eintritt glaubt sie, dass der Henker sie holen will und reagiert panisch; dass ihr Heinrich vor ihr steht, nimmt sie nicht wahr. Selbst Fausts eindringliche, immer dringlicher vorgetragene Mahnung (während er die Ketten aufschließt) mit ihm zu fliehen, bringen keine Änderung. Erst als er lachend mit „Gretchen! Gretchen“ ruft, erkennt sie ihn an der Stimme. Diese plötzliche Erinnerung lässt sie an die frühere Verliebtheit denken und Faust vorhalten. Aber sie wirft ihm auch Mitschuld am Tod ihres gemeinsamen Kindes vor. Seine flehentliche Bitte, ihm zu folgen, kommt zunächst bei ihr nicht an, sie will von ihm geküsst werden. Als Mephisto erscheint, der auch zur Eile zu drängt, erschrickt Gretchen vor ihm, sieht vor ihrem geistigen Auge die Hölle sich auftun und erkennt in ihm den Teufel, der ihre Seele zu besitzen glaubt. Mephisto stellt triumphierend fest, dass Margarete gerichtet ist, aber aus der Höhe widerspricht eine unsichtbare Stimme

    Ist gerettet!

    Mephisto reißt Faust zu sich heran und ist im Nu verschwunden, während von innen eine Stimme verhallend

    Heinrich! Heinrich!

    ruft…



    © Manfred Rückert für den Tamino-Schauspielführer 2021.

    Friedrich Schiller (1759-1805):


    WALLENSTEINS TOD

    Ein dramatisches Gedicht

    Dritter Teil der Wallenstein-Trilogie


    Uraufführung am 20. April 1799 im Hoftheater Weimar



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Wallenstein, Herzog von Friedland, kaiserlicher Oberbefehlshaber

    Octavio Piccolomini | Vertraute von

    Max Piccolomini | Wallenstein

    Graf Terzky, Wallensteins Schwager

    Feldmarschall Illo

    General Isolani, kroatischer Anführer

    Oberst Buttler

    Rittmeister Neumann

    Ein Adjutant

    Oberst Wrangel, schwedischer Verhandlungsführer

    Gordon, Kommandant von Eger

    Major Geraldin

    Deveroux und Macdonald, Hauptleute in Wallensteins Armee

    Schwedischer Hauptmann

    Eine Gesandtschaft von Kürassieren

    Bürgermeister von Eger

    Seni, Wallensteins Astrologe

    Herzogin von Friedland

    Gräfin Terzky, Wallensteins Schwägerin

    Thekla, Wallensteins Tochter

    u. a.


    Die Handlung spielt in den ersten beiden Akten 1633/34 in Pilsen, im dritten Akt in Eger.



    INHALTSANGABE



    ERSTER AKT


    Wallenstein und sein Astrologe Seni haben die Nacht mit Planetenbeobachtungen zugebracht und folgern daraus, dass die Konstellationen des Generalissimus Absichten begünstigen. Graf Terzky, Wallensteins Schwager, stört mit der brisanten Nachricht, dass der Unterhändler mit den Schweden, Sesin, gefangen genommen wurde und sich schon in Wien befindet. Dass ihm daraus ein Strick gedreht werden könnte, hält Wallenstein für unwahrscheinlich, weil er nichts unterschrieben hat. Der nächste Besucher, Feldmarschall Illo, hat auch von Sesins Verhaftung gehört; er dringt mit Terzky auf den Feldherrn ein, endlich zu handeln. Die beiden sind sich außerdem sicher, dass man Sesin zu belastenden Aussagen zwingen wird.


    Wieder allein geht Wallenstein zunächst in einem Monolog in sich. Vor- und Nachteile seines Handelns muss er abwägen, und er muss Oberst Wrangel*, den schwedischen Unterhändler, empfangen. Der trifft auf einen nachdenklichen Wallenstein, doch er weiß ihn zu nehmen: erst schmeichelt er ihm, kommt dann aber zu dem für Wallenstein heiklen Problem: die Schweden verlangen einen Bruch mit dem Kaiser. Dagegen stellen die übrigen Paragrafen des Vertrages keine Probleme dar.

    (*aus künstlerischer Freiheit erdachte Person)


    Wallenstein schwankt, will sich nicht von den Schweden abhängig machen, aber die Gräfin Terzky, die trotz Wallensteins Protest anwesend ist, hat eine klare Position und fordert seinen entschiedenen Mut heraus, appelliert an seine Ehre, erwähnt viele ihm zugefügte Kränkungen, hebt aber auch, schmeichelnd, seine großen Talente hervor. Außerdem versucht sie ihm zu verdeutlichen, dass der Bruch mit dem Kaiser kein Verrat, sondern notwendig und rechtmäßig ist. Zuletzt spielt sie noch auf seine Astrologie-Hörigkeit an, trifft damit einen wunden Punkt, worauf der Feldherr seinen Widerstand aufgibt.


    Zwischen dem ersten und zweiten Akt ist der Vertragsabschluss zwischen Wallenstein und Wrangel vollzogen worden.


    ZWEITER AKT


    Wallenstein erhält die Nachricht, dass sich Altringer in Linz auf das Krankenlager gelegt hat, während andere Quellen melden, dass er sich dem abtrünnigen General Gallas angeschlossen hat. Der Generalissimus reagiert zornig und beordert Octavio Piccolomini in das Lager, um beide Militärs zu verhaften. Dass Octavio in kaiserlichem Auftrag Wallenstein ausspionieren soll, weiß der Feldherr nicht.


    Max Piccolomini* erscheint, um sich über die aktuelle Lage informieren, denn er hört nur von Gerüchten und das reicht ihm nicht. Er vermutet, dass von ihm vor Ort Parteinahme für oder gegen Wallenstein erwartet wird; dabei hat er auch immer seine Liebe zu Thekla, der Tochter des Feldherrn, im Sinn. Er kann sich zwar vorstellen, sich ihm anzuschließen, die Kumpanei mit den Schweden heißt er jedoch nicht gut. Deshalb warnt er Wallenstein vor den Folgen des vom Kaiser als Verrat angesehenen Paktes mit Oxenstierna, bietet sich aber gleichzeitig auch als Vermittler an, indem er nach Wien zum Kaiser reisen will, um dort für ihn einzutreten. Bei Erfolglosigkeit seiner Mission will er den Herzog von Friedland in den Ruhestand begleiten - natürlich mit Thekla an seiner Seite. Doch Wallenstein lehnt das ab, zumal schon Boten nach Prag und Eger mit dem Befehl unterwegs sind, den Schweden die Tore zu öffnen. Max bleibt nur ein enttäuschender Abschied.

    (*aus künstlerischer Freiheit erdachte Person)


    Terzky und Illo äußern vor Wallenstein ihre Bedenken gegen Octavio Piccolomini, weil er sich in ihren Augen verdächtig benimmt. Die vorgebrachten Gründe sind für den Feldherrn aber nicht substantiell genug, er wiegelt also ab und lässt keinen Zweifel an der Ergebenheit Octavios ihm gegenüber zu, denn sonst würden die Sterne lügen - und das ist unmöglich.


    Octavio Piccolomini hat auf Grund einer kaiserlichen Order einen Trupp zusammengestellt, der den Heerführern nicht nur „auf den Zahn fühlen“, sondern auch jeden Widerstand gegen den Kaiser brechen und etwaige Rebellen verhaften soll. Der erste, den die kaiserliche Order zum Umdenken bringt, ist Isolani, der heimlich mit seinen Soldaten das Lager verlässt. Das Gespräch mit dem gebürtigen Iren Buttler ist zunächst für Octavio enttäuschend, denn der hält fest zu Wallenstein. Erst als Octavio ihm belastende (aber gefälschte) Dokumente zeigt, fällt er um und bittet um Entschuldigung, dass er dem Kaiser die Treue brechen wollte. Buttler will zum Schein bei Wallenstein bleiben, hält seine Pläne gegenüber Octavio zurück.


    Octavio befiehlt seinem hinzukommenden Sohn, mit ihm das Lager und Wallenstein zu verlassen. Der widersetzt sich der Order und hält stattdessen dem Vater die Intrigen gegen Wallenstein mit sämtlichen Lügen vor. Er liebt außerdem des Feldherrn Tochter, Thekla, und will hier vor Ort klären, ob es für sie beide eine gemeinsame Zukunft gibt. Er gibt seinem Vater aber das Versprechen, die ihm untergebenen Soldaten aus Pilsen zu führen und, wenn es nötig ist, bis zum Umfallen zu kämpfen. Obwohl beider Konflikt zu Tage getreten ist, umarmen sie sich zum Abschied, ahnen aber nicht, dass sie sich nicht wiedersehen werden.


    Max überlegt, ob er sich Terzky und Illo anschließen soll, obwohl ihn die Hinterhältigkeit mit der weggelassenen Klausel im Treueeid, die bestimmt ohne Wallensteins Wissen erfolgt ist, angewidert hat.



    DRITTER AKT


    Die Gräfin Terzky will Thekla dazu zu bringen, dass sie Max überredet, ein Gefolgsmann des Feldherrn zu werden. Dazu muss er jedoch die Liebe zu ihr höher stellen als den Soldateneid, und er muss sich an der Rebellion gegen den Kaiser beteiligen. Thekla erkennt sofort, dass die Vorschläge der Gräfin nicht nur ihre Liebe zu Max gefährden werden, da er mit Sicherheit die Rebellion nicht mitmachen wird, sondern dass auch ihre noch ahnungslose Mutter Probleme bekommen wird.


    Nach einem Gespräch zwischen Wallenstein und Illo, bei dem es zunächst um die Rebellion gegen den Kaiser und deren Folgen geht, kündigt Illo Oberst Buttler an, der dem Feldherrn seine Ergebenheit versichern will. Wallenstein gibt zu, dass er bisher keine gute Meinung von Buttler hatte, dass er sich aber freut, offensichtlich umdenken zu müssen. Während Illo sich verabschiedet, geht Wallenstein zu seiner Familie. Er bittet Thekla, zur Unterhaltung auf der Zither zu spielen, doch seine Tochter ist nicht in Stimmung und läuft davon. Die Gräfin Terzky erzählt ihm von der Liebe zwischen Theklas und Max. Während die Herzogin sich freut, ist Wallenstein zunächst erstaunt, reagiert dann zornig und sagt, dass Thekla nur einem König die Hand reichen werde.


    Graf Terzky meldet den Abzug Isolanis mit seiner kroatischen Truppe und Illo weiß von fünf weiteren Generälen, die mit ihren Soldaten abgezogen sind. Er hat außerdem die Information bekommen, dass Octavio die Armee hinter sich gebracht hat. Buttler bringt nun auch noch die schlechte Nachricht, dass Prag verloren ist.


    Obwohl Wallenstein alles wegbricht, wirkt er keinesfalls niedergeschlagen, sondern eher zu allem entschlossen. Da tritt eine Abordnung der Pappenheimer Kürassiere auf, die zwar von Wallenstein immer bevorzugt wurden, momentan jedoch zweifeln, ob sie ihm weiter dienen sollen. Der Generalissimus, der sich ihrer sicher zu sein glaubt, rechtfertigt sich redegewandt vor ihnen mit dem Argument, dass der Vertrag mit den Schweden nur ein Scheinvertrag ist. Das überzeugt die Kürassiere und Wallenstein lässt sich mit dem „daran erkenn ich meine Pappenheimer“ vernehmen. Als aber Buttler hinzutritt und berichtet, dass Graf Terzky die kaiserlichen Adler von den Standarten entfernen und die des Herzogs von Friedland aufziehen ließ, reagieren sie entsetzt und gehen demonstrativ davon. Wallenstein erkennt, dass er seine Soldaten verloren hat.


    Der nächste Besucher ist Max, der dem Feldherrn seine Liebe zu Thekla beichtet. Zunächst will Wallenstein ihn verhaften lassen, besinnt sich dann aber, und bittet ihn um Unterstützung im Kampf. Max ist jedoch von seinem Oberbefehlshaber enttäuscht; umlaufende Gerüchte, aber auch eigenes Wissen lassen ihn an Verrat denken. Doch da tritt Rittmeister Neumann mit der Nachricht auf, dass die Pappenheimer ihren Kommandeur befreien wollen, der sich noch im Schloss befinden soll. Soll Max nun mit den Soldaten gegen Wallenstein antreten? Und was ist mit Thekla? Max ist entschlossen, seinem Eid treu zu bleiben und die Pappenheimer Kürassiere zum Heer des Kaisers zurückführen.


    Dann legt er in einem Monolog seine seelischen Kämpfe offen. Die Gräfin Terzky kommt mit Thekla hinzu und unternimmt noch einmal den Versuch, ihn für Wallenstein zu gewinnen. Er bittet Thekla, für ihn zu entscheiden. Die ist aber so klug, sich nicht in diese Rolle drängen zu lassen; sie gibt Max den Rat, seine Pflicht zu erfüllen. In diesem Moment kommt Wallenstein von einer Rede zu den Soldaten zurück; er konstatiert, dass die Ansprache erfolglos war. Sein Entschluss ist gefasst: er wird Pilsen verlassen und nach Eger gehen. Die Kürassiere sind nach und nach dazu gekommen um ihren Kommandeur zu holen. Bevor Max mit ihnen davongeht, wendet er sich noch einmal an Wallenstein und Buttler, den Feldherrn wehmütig ansprechend, Buttler dagegen ernsthaft warnend.



    VIERTER AKT


    Im Haus des Bürgermeisters von Eger, Pachhälbel, äußert sich Buttler in einem Monolog zum Schicksal Wallensteins, und versucht, vor sich selbst seine Handlungsweise zu rechtfertigen. Zu ihm tritt Gordon, der Kommandant von Eger, der eine kaiserlichen Order erhalten hat mit dem Befehl, Buttlers Anweisungen in Allem zu befolgen. Buttler weiht Gordon, der von den Vorgängen in Pilsen nichts weiß, in die Machenschaften Wallensteins ein - eine persönlich gefärbte Darstellung.


    Inzwischen ist bekannt geworden, dass die Schweden näherkommen, die Vereinigung mit den Truppen Wallensteins aber unbedingt verhindert werden muss. Dazu muss der Generalissimus verhaftet, und möglicherweise auch die kaiserliche Acht über ihn verhängt werden. Während Gordon zögert, bei der Intrige mitzuspielen, kommt Wallenstein mit dem Bürgermeister auf die Szene, den er nach den Verhältnissen in der Stadt befragt. Bei Gordon erkundigt er sich über militärische Probleme. Er befiehlt Buttler, die den Schweden entgegenstehenden Posten zurückzuziehen, während Graf Terzky mit der Nachricht erscheint, dass ein schwedisches Korps über die Kaiserlichen gesiegt hat. Illo kann noch berichten, dass Max mit allen seinen Soldaten im Kampf gefallen ist. Das will Wallenstein vom Boten selber hören; als er abgehen will, stürzt die Kammerfrau Theklas, Neubrunn, laut um Hilfe rufend, ins Zimmer, worauf sich Wallenstein sofort zu seiner Tochter begibt.


    Oberst Buttler und Gordon sind allein. Buttler erklärt, dass die Schweden Wallenstein leicht in ihre Hand bringen könnten, deshalb will er ihn ermorden. Gordon bringt das Geständnis aus dem Gleichgewicht; er dringt auf Buttler ein, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen. Buttler lässt sich jedoch nicht umstimmen und Gordon lässt ihn, da ihm die Folgen nicht klar sind, gewähren. Für Wallenstein gute Nachrichten haben Terzky und Illo; sie teilen mit, dass die Schweden am nächsten Tag einziehen werden. Nach ihrem Abgang ist Gordon mit Buttler erneut allein und versucht noch einmal, den Oberst von seinem Mordplan abzubringen, doch der lehnt unmissverständlich ab.


    Das Geschehen verlagert sich in die Familie des Herzogs: Thekla hat vom Tod ihres geliebten Max erfahren und will von dem schwedischen Kurier Näheres hören. Der hat aber auch die Information, dass die schwedischen Soldaten siegreich waren, weiß aber auch von Verlusten, die Wallenstein bevorstehen. Der Stallmeister Theklas, von Rosenberg, geht auf ihre Bitte ein, den Ort des Todes ihres Geliebten aufzusuchen. Als sie von ihrer Mutter Abschied nimmt, ahnen sie, dass es kein Wiedersehen geben wird.



    FÜNFTER AKT


    Buttler trifft sich mit seinen beiden Hauptleuten Deveroux und Macdonald, mit denen er die Ermordung Wallensteins und seiner Getreuen Terzky und Illo besprechen will. Er hat den Plan, dass seine Leute bei einem Festgelage Terzky und Illo töten, Wallenstein aber, da er stets ohne Wachen schläft, in seinem Zimmer umzubringen. Deveroux und Macdonald sind als Anhänger Wallensteins entsetzt. Als Buttler aber behauptet, der Generalissimus sei jetzt der wahre Feind, schwenken sie sofort ohne Bedenken um und argumentieren, dass zu ihren Aufgaben nicht das Denken, sondern nur die Befehlsausführung gehört.


    Die Szene wechselt in ein Zimmer Wallensteins: Er unterhält sich mit der Gräfin Terzky. Sie berichtet ihm von Albträumen, in denen er auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Deshalb will sie Wache halten, doch Wallenstein lehnt das ab. Außerdem, fügt er hinzu, kann ihm der Kaiser nichts anhaben. Es gibt ja nichts Unterschriebenes von ihm. Er spricht dann noch den Verlust von Max an: der junge Piccolomini mit seiner Agilität fehlt ihm.


    Nach der Gräfin Terzky tritt Gordon in das Vorzimmer zum Schlafgemach. Während ihrer Unterhaltung entkleidet der Kammerdiener Wallenstein für das Nachtlager. Dabei geht eine ihm vom Kaiser geschenkte Kette entzwei und er sagt mit Bedauern in der Stimme, sie sei für ihn eine Art Talisman gewesen, die das Glück an ihn binden sollte. Er macht Gordon den Vorwurf, immer zu ängstlich gewesen zu sein, weshalb er nicht aufgestiegen sei und es auch nicht mehr werde. Gordons Antwort, dass Sicherheit viel wert sei, da schnelles Glück auch schnell entschwinden kann, ist im Grunde eine Bestätigung von Wallensteins Sichtweise.


    Der Astrologe Seni kommt in den Raum gestürzt und erzählt, dass er für den Herrn schweres Unglück vorhersagen muss. Er empfiehlt, nicht auf die Schweden zu warten, sondern sofort zu fliehen. Wallenstein weigert sich mit dem Argument, er, Seni, sehe aus Glaubensgründen schwarz, weil das Bündnis mit den protestantischen Schweden ihm missfällt. Auch Gordon ist gegen den Pakt mit den Schweden und rät dem Feldherrn, nicht mit ihnen, sondern gegen sie zu kämpfen, dann könne er die Gnade des Kaisers wiedererlangen. Für Wallenstein ist das ein verlorenes Argument, da es für diesen Weg inzwischen zu spät ist. Der Kammerdiener fällt mit flehentlichen Bitten Wallenstein zu Füßen, doch der weiß um dessen Besitz in Kärnten, also auf kaiserlichem Gebiet gelegen, und wirft ihm deshalb ängstliches Gehabe um sein Eigentum vor. Er bietet ihm an, zum Kaiser zurückzukehren, wenn er ihm, Wallenstein, nicht mehr dienen wolle. Ohne eine Antwort zu erwarten, verlässt der Generalissimus den Raum, um sich zur Ruhe zu begeben; Gordon und der Kammerdiener folgen ihm schweigend.


    Jetzt kommt die Stunde Buttlers; er trifft auf Gordon, der den Oberst bittet, noch eine Weile mit dem Attentat zu warten, doch Buttler antwortet nicht, schiebt den Kommandanten einfach zur Seite. Er berichtet ihm jedoch, dass Illo und Terzky tot sind. In diesem Moment, da in der Ferne Trompetengeschmetter zu hören ist, kommen Deveroux und Macdonald hinzu und äußern die Vermutung, dass die Schweden im Anmarsch auf Eger sind. Dass jetzt zufällig der Kammerdiener erscheint, ist sein Todesurteil, denn Deveroux fackelt nicht lange und tötet ihn. Mitwisser müssen nicht sein, insofern war der Kammerdiener nur zu falscher Zeit am falschen Ort. Buttler geht mit den beiden Hauptleuten in Wallensteins Schlafzimmer.


    Die letzten Szenen des Dramas zeigen die Auswirkungen der Katastrophe: die Gräfin Terzky hat nicht nur bemerkt, dass Thekla und ihre Kammerfrau von Neubrunn verschwunden sind, sie ist auch durch Lärm aus Wallensteins Schlafzimmer aufgeschreckt worden. Als Buttler genau aus diesem Zimmer kommt, ahnt sie, was geschehen ist. Gordon berichtet dem Oberst, dass Octavio Piccolomini mit kaiserlichen Truppen eingetroffen sei. Buttlers Reaktion ist ein mehr oder weniger lapidares „zu spät“.


    Ein lauter Ruf des Entsetzens kommt von Seni, der den ermordeten Wallenstein gefunden hat. Die Gräfin reagiert entsetzt und flieht, während Octavio mit seinem Gefolge gerade in dem Moment das Zimmer betritt, als Wallensteins Leiche vorbeigetragen wird. Octavio ist entsetzt und geht Buttler verbal an, doch der antwortet ungerührt, nur den Wunsch des Kaisers erfüllt zu haben.


    Als die Gräfin Terzky wieder den Raum betritt, verspricht ihr Octavio die Gnade des Kaisers für ihre Familie. Doch sie antwortet, dass sie des Kaisers Gnade nicht mehr benötige, weil sie Gift genommen hat. Dann verlässt sie den Raum. In die sprachlose Stille hinein übergibt ein kaiserlicher Kurier ein Schreiben von allerhöchster Stelle an Kommandant Gordon und der liest mit Überraschung in der Stimme die Anschrift „An Fürst Octavio Piccolomini“. Octavio erschrickt - und sieht zum Himmel auf…



    Zu den bereits in Wakllenstein I und II vorgestellten filmischen Darstellungen auf DVD (links nach Schiller, rechts nach Golo Manns Biographie), darunter eine ältere Fassung mit Ernst-Fritz Fürbringer, Wilhelm Borchert, Alexander Golling, Wolfgang Kieling, Karl-Michael Vogler u.a.


    Wallenstein DVDWallenstein DVD-Box - Wirth,Franz


    Wallenstein (Grosse Geschichten 74) [2 DVDs]


    gibt es bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft das Hörbuch „Wallensteins Tod“ in der Serie „eloquence“ nach einer Aufführung des Düsseldorfer Schauspielhauses von 1968 in der Regie von Karl Heinz Stroux.


    Wallensteins Tod


    Als Mitwirkende sind zu hören


    Wallenstein: O.E. Hasse

    Octavio Piccolomini: Waldemar Schütz

    Max Piccolomini: Wolfgang Arps

    Graf Terzky: Alf Pankarter

    Feldmarschall Illo: Hans Wyprächtiger

    General Isolani: Heinrich Ortmayr

    Oberst Buttler: Arthur Mentz

    Seni: Siegfried Siegert

    Ein Adjutant: Alfred Holl

    Kammerdiener Wallensteins: Arthur Jaschke

    Oberst Wrangel: Karl-Heinz Martell

    Schwedischer Hauptmann: Manfred Paethe

    Major Geraldin: Kurt Schmitz

    Deveroux: Gert Kunath

    Macdonald: Wolfgang Haubner

    Gordon: Hermann Weisse

    Herzogin von Friedland: Ingeborg Weyrich

    Gräfin Terzky: Rena Liebenow

    Thekla: Veronika Bayer

    Erster Kürassier: Wolfgang Haubner

    Zweiter Kürassier: Manfred Paethe



    © Manfred Rückert für den Tamino-Schauspielführer 2021

    Ich oute mich gerne als einen der Bewunderer dieses Ensembles. Einige ihrer Veröffentlichungen habe ich mir im Laufe der Zeit angeschafft:


      


      


      


    Una Serata Venexiana


    Die Musiker dieser Truppe, die immer wieder in anderen Zusammensetzungen auftritt, je nachdem um welches Projekt es geht (wobei Katharina Bäuml als treibende Kraft immer dabei ist), verstehen es, die alte Musik lebendig vorzutragen. Der Hörer wird sofort gepackt und fühlt sich in die Zeit der Entstehung der Musik versetzt. Als Liebhaber alter Musik kommt man auch an diesem Ensemble nicht mehr vorbei, meint zumindest

    Meinen Sie Helmuth Hucke (1927 - 2003), Oboe?

    An den habe ich auch gedacht (allerdings schreibt der seinen Vornamen ohne "h"); Hucke war jedenfalls als Oboist bei Barock-Musik nicht wegzudenken. Und das nicht nur in der Capella Coloniensis, auch im Collegium St. Emaram, wo er oft mit Hanns-Martin Schneidt konzertierte, beim Collegium aureum, der Schola cantorum Basiliensis- und, und, und...


    :hello:

    Friedrich Schiller (1759-1805):


    DIE PICCOLOMINI

    Ein dramatisches Gedicht

    Zweiter Teil der Wallenstein-Trilogie


    Uraufgeführt am 30. Januar 1799 im Hoftheater Weimar



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Wallenstein, Herzog zu Friedland, kaiserlicher General

    Octavio Piccolomini, Generalleutnant

    Max Piccolomini*, sein Sohn, Oberst bei einem Kürassierregiment

    Graf Terzky, Wallensteins Schwager

    Illo, Feldmarschall, Wallensteins Vertrauter

    Isolani, General der Kroaten

    Butler, Kommandeur eines Dragonerregiments

    Rittmeister Neumann, Terzkys Adjutant

    Kriegsrat von Questenberg

    Baptista Seni, Astrologe

    Herzogin von Friedland, Wallensteins Gemahlin

    Thekla, Prinzessin von Friedland, ihre Tochter

    Gräfin Terzky, der Herzogin Schwester

    Generäle Wallensteins:

    Tiefenbach, Don Maradas, Götz, Colalto

    Ein Kornett

    Kellermeister des Grafen Terzky

    Friedländische Pagen und Bediente

    Terzkysche Bediente und Oboisten

    Mehrere Obersten und Generale

    (*erfundene Figur aus künstlerischer Freiheit)


    Ort und Zeit der Handlung: Pilsen, 1634.



    INHALTSANGABE



    ERSTER AKT


    Wallenstein hält sich mit einem Teil seiner Armee in Pilsen auf. Im Rathaus der Stadt trifft sich Feldmarschall Illo, Vertrauter Wallensteins, mit dem kroatischen General Isolani und dem Kommandeur eines Dragonerregiments, Buttler. Zu Beginn richtet Illo die zum geflügelten Wort gewordenen Begrüßungsworte an General Isolani:

    „Spät kommt Ihr – Doch Ihr kommt!“

    Illo berichtet von dreißig Regimentern, die sich im Lager versammelt haben. Außerdem weiß er, dass der Regimentsoberst Max Piccolomini die Gemahlin Wallensteins und die Tochter ins Lager bringen wird. Isolanis Augen leuchten auf, erinnert er sich doch an die gemeinsamen Kämpfe mit Max und lobt ihn als Helden. Buttler hat die interessante Information, dass der Wallenstein unterstellte Regimentsführer Gallas ihn gegen den Feldherrn aufbringen wollte.


    Als Illo und Isolani Buttler zu einer gerade verfügten Beförderung gratulieren wollen, zögert der überraschenderweise mit Dankesworten, weil die Bestätigung von Kaiser Ferdinand II. noch fehlt. Für Illo und Isolani ist das kein Thema, weil Wallensteins Wort reichen werde, die Bestätigung also bestimmt noch kommen werde. Feldmarschall Illo lobt den Generalissimus als einen Freund der Soldaten und die übrigen stimmen dem zu, bekunden aber ihre Besorgnis über die bekannt gewordene Forderung des Kaisers, Truppenteile an spanische Verbündete abzutreten. Sie hoffen inständig, dass Wallenstein dem nicht folgen werde.


    Der nächste Besucher ist Generalleutnant Octavio Piccolomini, Vater von Max. In seiner Begleitung ist der Kriegsrat von Questenberg, der die Meinung des Kaisers wiedergibt, dass die Armee zu aufgebläht ist und in ihrer jetzigen Stärke nicht mehr gebraucht wird. Die Äußerungen von Questenbergs haben die gute Stimmung gedrückt. Illo, Isolani und Buttler reagieren kühl und erinnern den Herrn Kriegsrat an seine Äußerungen beim letzten Besuch, als er Wallenstein flehentlich bat, die Führung der Armee zu übernehmen. Und nun soll er abgesetzt werden? Nein, nur Wallenstein hat bis heute die Kontrolle, denn er allein hat alle Landsleute in der Truppe vereint und ihr den Respekt verschafft, den sie auch verdient. Die offenen Worte führen zu großem Ärger zwischen den Militärs und von Questenberg. Octavio greift beruhigend ein und bittet den Kriegsrat, die rüde Sprache nicht zu überbewerten, denn es ist der in der Armee übliche Ton.


    Der heftige Disput wird von einer Wache mit der Meldung unterbrochen, dass die Herzogin mit ihrer Tochter Thekla eingetroffen ist. Sofort einen Illo, Isolani und Buttler den beiden entgegen. Octavio und von Questenberg sind allein und der Kriegsrat zeigt sich sehr besorgt über die hier zu Tage getretene Gesinnung, die er kaiserfeindlich nennt. Octavio meint, dass die ganze Armee so denkt, er sich aber vorstellen kann, dass zumindest der Buttler noch kaisertreu ist. An einer Stelle wird klar, dass Octavio im Auftrag des Kaisers Wallenstein ausspionieren soll: Er sagt nämlich zu von Questenberg, dass er seinen Sohn nicht in seinen Auftrag eingeweiht hat, da er Wallenstein zu nahestehe. Zur aktuellen Situation spricht er die Vermutung aus, dass der Generalissimus Frau und Tochter ins Lager geholt hat, um dem Kaiser bei einem Konflikt ein Druckmittel zu nehmen.


    Als Max hinzukommt, wird deutlich, dass er von Questenberg feindselig begegnet, denn er bekräftigt, dass der Kaiser keinen Grund habe, Wallensteins Eigensinn zu beklagen, genau das spreche nämlich für ihn. Dem widerspricht sein Vater Octavio mit dem Hinweis, dass nur die Einhaltung von Regeln den Frieden möglich macht. Max ist im Angriffsmodus und betont, sich auch Frieden zu wünschen, aber die Schuld für die momentane Lage hat der Kaiser - er jedenfalls steht zu Wallenstein, würde sogar für ihn sterben. Verärgert geht er ab und Octavio äußert sich besorgt: Er glaubt an eine Falle Wallensteins, der absichtlich seinen Sohn mit dem Auftrag, die Herzogin und Thekla ins Lager zu holen, betraut hat. Er sagt aber nicht, worin er die Falle bestehen soll.



    ZWEITER AKT


    Wallenstein tritt mit seiner Frau ins Zimmer. Er hat die Herzogin und Tochter ins Lager holen lassen, weil Thekla hier ihren Zukünftigen kennenlernen soll. Die Herzogin berichtet gerade von der Stimmung am kaiserlichen Hof, die sich gegen ihn wendet. Bisherige Fürsprecher sind von ihm abgefallen; sie wollen erfahren haben, dass er mehrmals kaiserliche Befehle missachtet hat. Sie bittet ihren Gemahl inständig, dem Kaiser zu gehorchen, doch Wallenstein sagt nach kurzem, grüblerischem Überlegen, dass er dem Kaiser nicht mehr vertrauen kann.


    Thekla kommt in Begleitung von Wallensteins Schwägerin, der Gräfin Terzky, hinzu. Er ist von der zur hübschen, jungen Frau erblühten Tochter entzückt und freut sich, dass er sie nach über acht Jahren Krieg endlich wiedersehen kann. Sodann kommt er auf Nachfolgerschaft zu sprechen; die hat ihm Kopfzerbrechen bereitet, weil er keinen männlichen Erben hat, weshalb er Thekla ihm nachfolgen soll. Der nächste Gast ist Max Piccolomini, der nach nur wenigen Begrüßungsworten der Herzogin verspricht, ihrem Mann immer treu zu dienen. Wallenstein ist berührt und bekennt, dass Max zu sehen immer eine Freude sei.


    Graf Terzky, der Mann der Schwester seiner Frau, aber auch Kommandeur mehrerer Regimenter in der Armee Wallensteins, kommt mit einigen Schreiben ins Zimmer, die der Generalissimus sofort liest. Dabei wird seine Miene immer nachdenklicher und er schickt Frau, Tochter und auch Max hinaus. Mit Terzky allein kommt Wallenstein auf den Brief von Gallas zu sprechen, der sein Ausscheiden aus der Armee ankündigt. Graf Terzky drängt zu schnellem Handeln, da er befürchtet, dass Gallas‘ Beispiel Schule machen könnte.


    Aus dem weiteren Gespräch ergibt sich, dass Wallenstein heimlich Verhandlungen mit den Schweden aufgenommen hat, die allerdings bisher zu keinem Ergebnis geführt haben. Die schwedischen Unterhändler werden verständlicherweise langsam ungeduldig. Terzky holt Wallenstein aus seinen Gedanken in die Realität zurück und wirft ihm nicht nur Spielchen gegenüber Feinden und Freunden vor, sondern stellt sogar die Forderung auf, den Krieg zu beenden, ohne das Reich von den Schweden zu befreien. Das lehnt Wallenstein jedoch ab: Die Schweden müssen aus dem Reich vertrieben werden, entweder durch Verhandlungen oder in Schlachten. Er will als Retter des Reiches gefeiert werden.


    Als weiterer Militär kommt nun Illo hinzu. Er hat die neuesten kaiserlichen Befehle unter den Soldaten bekanntgemacht und damit eine kaiserfeindliche Stimmung erzeugt. Für ihn steht fest, dass alle Soldaten auf Wallensteins Seite stehen, dass es aber vorteilhaft sein könnte, wenn auch die Piccolominis dazu kämen. Er fügt hinzu, Octavio Piccolomini zu misstrauen, aber Wallenstein spricht sofort Octavio sein Vertrauen aus. Illo erzählt, dass er Questenberg nachspioniert habe, aber der sei mit keinem anderen außer Octavio in Kontakt gekommen. Er wird deutlich: Wallenstein soll gegen den Kaiser antreten, doch der will noch warten, denn die Sterne stehen für ihn nicht günstig. Aber er besteht darauf, dass Illo und Terzky ihm eine Erklärung an Eides statt aller Truppenführer besorgen, in der sie ihm bedingungslose Treue schwören, auch für den Fall, dass er gegen den Kaiser handelt.


    Nach dieser Unterredung kommen die Generäle mit Wallenstein zusammen, um sich von Questenberg die kaiserlichen Befehle vortragen zu lassen. Darin heißt es, dass Wallenstein sofort Regensburg befreien soll, was die Generalität jedoch entschieden ablehnt, weil diese Vorgehensweise jetzt im Winter Schaden der Armee zufügen werde. Und da ist auch wieder von jenem Befehl die Rede, dass acht Regimenter zu den spanischen Verbündeten stoßen sollen. Wallenstein bleibt stur und argumentiert, dass die Majestät in Wien die Vereinbarung umgehen will, alle Truppen nur Wallenstein zu unterstellen. Wenn nun ein Teil der Soldaten den Spaniern unterstellt wird, ist seine Stellung geschwächt und soll wohl seine Absetzung einleiten. Ihm bleibt unter diesen Umständen nur der Rücktritt vom Kommando über die kaiserliche Armee. Unter den Generälen herrscht Ratlosigkeit, nur Max Piccolomini bittet den Generalissimus, seine Entscheidung solange zurückzustellen, bis sich alle Generäle beraten haben. Am Ende der Unterredung schwören einige der Kommandeure Wallenstein die Treue.



    DRITTER AKT


    Die Kommandeure Terzky und Illo haben sich entschlossen, den von Wallenstein verlangten Treueschwur den Soldaten vor einer Feier zu verlesen. Dabei wollen sie hinzusetzen, dass er nur gelten soll, wenn sie gegenüber dem Kaiser keine Pflichten verletzen. Nach der Feier soll allen Abschrift des Schwurs vorgelegt werden, die diese einschränkende Klausel jedoch nicht enthalten wird. Terzky und Illo sind überzeugt, dass die Soldaten den Trick im angetrunkenen Zustand nicht bemerken werden. Beide gehen im Übrigen davon aus, dass Wallenstein keine Probleme haben werden, wenn er die Truppenführer hinter sich weiß.


    In einer neuen Szene treffen sich die Eheleute Terzky; in dem Gespräch geht es einerseits um Max Piccolomini, zum andern aber auch um Wallensteins Tochter Thekla: Terzky möchte, dass seine Gattin mit Max redet, weil er dessen Unterschrift unter dem Treueeid für wichtig erachtet. Nach des Grafen Abgang kommt es zu dem Gespräch zwischen der Gräfin und Max. Dabei verspricht sie ihm zwar, ein Treffen mit Thekla zu arrangieren, verpflichtet ihn jedoch zu absolutem Stillschweigen, auch gegenüber Wallenstein. Aber auch Max hat eine wichtige Neuigkeit: Thekla und er haben sich auf der Fahrt ins Lager ihre Liebe gestanden.


    Als sei ein Stichwort gefallen kommt Thekla hinzu und berichtet von ihrer verzweifelten Mutter, die nicht verstehen kann, dass ihr Mann sich dem Kaiser nicht beugen will. In der weiteren Unterredung spricht man noch mit Ironie über die Astrologie-Hörigkeit und damit Senis Einfluss auf den Generalissimus. Dann zieht sich Gräfin Terzky zurück und lässt Thekla mit Max allein, warnt ihn jedoch, niemandem zu trauen, denn das könnte lebensgefährlich sein. Außerdem rät sie Max ab, seine Liebe zu Thekla öffentlich zu machen, vor allen Dingen nicht Wallenstein oder die Herzogin zu informieren.


    Nach Abgang der Gräfin sind Max und Thekla nur kurz allein, da kommt sie wieder zurück, um Max zu einem Fest mit den Truppenführern zu bitten. Nach seinem Abgang unterhält sie sich mit Thekla und warnt sie vor der Liebe zu Max, da er für ihren Vater niemals akzeptabel sei, weil er schließlich Angehöriger eines niederen Standes ist. Thekla aber ist entschlossen, ihre Liebe auch gegen den Willen ihres Vaters durchsetzen. Dabei ist der offiziell niedrigere Stand von Max für sie kein Hindernis, denn sein Wesen und seine Art heben ihn hinauf.



    VIERTER AKT


    Als Max auf dem Fest der führenden Kommandeure eintrifft, ist die Stimmung heiter und beschwingt. Zunächst stellt er fest, dass Wallenstein nicht dabei ist, dann zeigen ihm Illo und Isolani den Treueschwur mit dem einschränkenden Passus, dass die Treue zum Kaiser den Vorrang habe. Nachdem Max die Erklärung gelesen hat, bringt Terzkys Adjutant Neumann eine Abschrift ohne die einschränkende Klausel. Während Illo berichtet, dass bis auf Octavio Piccolomini alle das Papier freiwillig unterschrieben hätten, wird das Original heimlich draußen verbrannt. Buttler tritt auf bekundet gegenüber Terzky und Illo, dass er den Trick mit der Zweitschrift bemerkt hat, aber trotzdem unterschrieben habe, weil er ohnehin Wallenstein als den einzigen Heerführer akzeptiere. Außerdem gedenkt er den Generalissimus als seinen Erben einzusetzen, da ihm keine Nachkommen beschieden seien.


    Mittlerweile ist die Stimmung sehr ausgelassen und für Wallenstein werden Treueschwüre abgegeben, für den Kaiser und die Kirche fallen dagegen wenig schmeichelhafte Worte. Das Gerede wird von zwei Dienern im Auftrag eines Paters belauscht. Der Kellermeister kritisiert das Verhalten der Betrunkenen. Ihm wird befohlen, den Kelch zu bringen, den man eigens zur Krönung des Kaisers angefertigt hat. Am Ende sind nicht nur alle Kommandeure betrunken, sondern haben auch alle den Treueeid unterschrieben. Nur zwei fehlen noch, nämlich die Piccolominis; Octavio unterschreibt, nachdem er den Text gelesen hat und sein Sohn Max macht einen abwesenden Eindruck, nimmt seine Umgebung überhaupt nicht wahr.


    Terzky hält die Liste in der Hand und bemerkt, dass Max noch nicht unterschrieben hat. Als er ihn anspricht, lehnt es Max ab, zu unterschreieben, weil er sich nicht in der Stimmung für Geschäfte befindet. Illo ist zwar völlig betrunken und will mit Octavio Bruderschaft trinken, aber er ist doch so wach, dass er die fehlende Unterschrift von Max bemerkt. Als er ihn zum Unterschreiben bewegen will, kommt ihm die heimlich entfernte Klausel über die Lippen. Es stellt sich heraus, dass doch etliche den Betrug bemerkt haben, es ihnen aber, wie sie sagen, egal ist. Illo wird jedoch wütend, als er Max nicht zur Unterschrift bewegen kann und nennt ihn nicht nur einen Judas, sondern bedroht ihn auch mit seinem Dolch. Das geht anderen Gästen zu weit und sie entwaffnen ihn. Max verlässt ohne aufgehalten zu werden das Gelage.



    FÜNFTER AKT


    Octavio will bei einem Treffen mit Max diesem den geheimen Auftrag des Kaisers erläutern. Er kennt seinen Sohn zur Genüge, hat also gemerkt, dass ihm etwas verheimlicht wird; aber er weiß natürlich was. Wir als Zuschauer wissen, dass es die Liebe zu Thekla ist. Octavio zeigt Max das Schreiben des Kaisers, in dem Wallenstein als geächtet erklärt und der Oberbefehl über die Armee an ihn, Octavio Piccolomini, übertragen wird. Doch beabsichtigt er, diese Vollmacht erst zu nutzen, wenn sich Wallenstein offen gegen den Kaiser stellt. Im Moment weiß er durch eine Aussage von Wallenstein selbst nur zu sagen, dass der Generalissimus sich mit den Schweden gegen Ferdinand II. zu verbünden gedenkt.


    Das alles kann Max nicht glauben. Er ist sich auch sicher, dass Wallenstein von dem Betrug mit der kaisertreuen Klausel im Treueeid nichts wusste. Da unterbricht ein Bote das Gespräch mit der Nachricht, dass ein geheimer Unterhändler des Generalissimus auf dem Weg zu den Schweden von einer kaiserlichen Wache gefasst worden ist. In seinem Diplomatengepäck hat man Briefe an die Schweden gefunden, allerdings nicht Wallenstein, sondern sein Schwager Terzky unterschrieben hat. Der Unterhändler werde nun nach in verhört und womöglich kommen dabei umstürzlerische Pläne Wallensteins ans Tageslicht.



    Max ist, auch mit dem Gedanken an Thekla, in einem Zwiespalt. Er sagte zu seinem Vater, dass er bei keiner Intrige gegen Wallenstein dabei ist, weshalb er sofort zu dem Feldherrn gehen will, um aus seinem Mund die wahren Absichten zu erfahren. In seiner Erregung sagt er seinem Vater auf den Kopf zu, Wallenstein den geheimen Auftrag Octavios zu verraten und sich gegen ihn zu stellen, sollte Wallenstein im Recht sein.



    © Manfred Rückert für den Tamino-Schauspielführer 2021



    Folgende Fernseh-Produktionen sind sehenswert:


    Wallenstein DVD-Box - Wirth,Franz


    Diese DVD beruht auf der Wallenstein-Biografie von Golo Mann.


    Wallenstein DVD


    Thomas Holtzmann spielt in diesem Mehrteiler den Wallenstein. Mit von der Partie sind Rolf Becker, Friedrich von Thun, Heinz Weiss und Christian Berkel neben einer großen Schar weiterer Schauspieler.


    wallenstein.jpg


    Auch in dieser Produktion von 1962 sind Spitzenkräfte des Sprechtheaters eingesetzt, u.a. Ernst Wilhelm Borchert, Alexander Golling, Ernst Fritz Fürbringer.

    Grosses Berliner Theater, Vol. 2 - Wallenstein-Trilogie DVD


    Diese DDR-Produktion soll nicht unerwähnt bleiben

    Friedrich Schiller (1759-1805):


    WALLENSTEINS LAGER

    Ein dramatisches Gedicht

    Erster Teil der Wallenstein-Trilogie in einem Akt mit Prolog


    Uraufgeführt am 12. Oktober 1798 im Hoftheater Weimar



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Wachtmeister | eines Terzkischen

    Trompeter | Karabinieri-Regiments

    Konstabler

    Scharfschützen

    Zwei Holkische reitende Jäger

    Buttlerische Dragoner

    Arkebusiere vom Regiment Tiefenbach

    Kürassier von einem wallonischen Regiment

    Kürassier von einem lombardischen Regiment

    Kroaten

    Ulanen

    Rekrut

    Bürger

    Bauer

    Bauernknabe

    Kapuziner

    Soldatenschulmeister

    Marketenderin

    Eine Aufwärterin

    Soldatenjungen

    Oboisten

    Ort und Zeit der Handlung: Vor der Stadt Pilsen in Böhmen, 1634.




    PROLOG (gesprochen zur Widereröffnung der Schaubühne zu Weimar im Oktober 1798)


    Ein Schauspieler spricht den Prolog (fünffüßige ungereimte Jamben) zumeist vor dem Bühnenvorhang. In der ersten Strophe geht es um die festliche Stimmung, die im wieder eröffneten Theater die Zuschauer erfreuten; in der zweiten Strophe wird die Bühne als eine Bildungsstätte beschrieben und der „edle Meister“ Iffland gepriesen, der in Weimar gastiert hatte (was Schiller nicht miterlebt, durch Goethe aber erfahren hatte). In den Strophen drei und vier hebt der Dichter hervor, dass die Schauspielkunst der Ermunterung durch den Beifall des Publikums bedarf. Die Strophe fünf unterstreicht, dass die Lebensbühne der damaligen Zeit ein Schauplatz war, auf dem es um große Güter ging, und in der sechsten Strophe wird des westfälischen Friedens gedacht, der dem Reich Ruhe und den übrigen Staaten feste Schranken gab, die jedoch wieder zusammenbrachen. In der Strophe sieben versetzt der Dichter das Publikum in die Zeit des dreißigjährigen Krieges und die achte Strophe berichtet von den furchtbarsten Gräueln und der allgemeinen Verwilderung dieser Kriegszeit. In den Strophen acht und neun weist der Dichter auf den Helden seines Stückes hin, dessen Charakter er absichtlich idealisiert hat, wenngleich nur die Macht, auf die er sich stützt, vorgeführt wird. In der Strophe zehn zerlegt er seinen Gegenstand wie ein Gemälde und bittet das Publikum dafür um Verzeihung: in Strophe elf fühlt er sich bemüßigt, das Publikum wegen der angewandten Reimverse, wie sie bei Hans Sachs und Jakob Ayrer üblich waren, um Entschuldigung zu bitten. Erst dann hebt sich der Vorhang und das Drama kann beginnen.



    INHALTSANGABE DES EINZIGEN AKTES


    Ein Bauer kommt mit seinem Sohn in Wallensteins Lager und kritisiert die Soldateska für die Plünderungen und Überfälle, mit denen man das einfache Volk traktiert. Es fällt den Bauern auch immer schwerer, die Kriegsparteien auseinanderzuhalten, denn alle verüben Gräueltaten. Er ist heute mit seinem Sohn in das Lager gekommen, weil er den Soldaten beim Würfelspiel etwas abzugewinnen gedenkt - das die Würfel gezinkt sind, verrät er nicht.


    Unterdessen spotten zwei Soldaten, der Wachtmeister und der Trompeter des Terzkischen Regiments, über den soeben angekommenen kaiserlichen Gesandten. Sie glauben zu wissen, dass dem Kaiser in Wien sein Heerführer Wallenstein zu mächtig geworden ist und zu eigenständig agiert. Der Gesandte hat bestimmt die Absetzung des Herzogs zu Friedland im Diplomatengepäck. Aber die beiden sind sich einig, dass sie ihrem Heerführer treu bleiben wollen, egal was geschehen wird. Wallenstein ist nämlich wegen seines Einsatzes für die Soldaten allseits beliebt.


    Ein Soldat trifft zufällig auf eine Marketenderin, die ihm bekannt vorkommt. Sie antwortet, dass das durchaus möglich ist, denn sie hat in so manchem Heer gearbeitet. Sie jedenfalls kann sich nicht an ihn erinnern. Bereitwillig erzählt sie dem Soldaten, dass sie inzwischen einen Sohn geboren hat, der bereits in die Feldschule geht. Andere Soldaten reden über die vielen Landsmannschaften, die in Wallensteins Herr dienen; einige wissen, dass viele dieser Söldner häufig den Herrn gewechselt haben. Aber es spricht für Wallenstein, dass es ihm gelungen ist, die verschiedenen Volksgruppen zu einer Armee zu formen. Außerdem loben sie ihn für seine Haltung, nicht auf den Glauben der Soldaten zu achten, sondern nur auf ihren Gehorsam gegenüber den Befehlshabern. Darin unterscheidet sich Wallenstein gegenüber den anderen Heerführern, denen die richtige Religion wichtiger ist.


    Ein interessantes Gespräch führen der Jäger und ein Wachtmeister: Sie meinen nämlich, die Erfolge Wallensteins in den Schlachten können nur auf übernatürliche Kräfte zurückzuführen sind. Es kommt aber auch des Friedländers Hang zur Sterndeuterei zur Sprache und der damit einhergehende enorme Einfluss von Astrologe Seni.


    In diesem Augenblick trifft ein neuer Rekrut mit seinem Vater im Lager ein. Der Vater bittet seinen Sohn eindringlich, nicht zum Heer zu gehen, sondern nach Hause zu kommen und das Geschäft weiterzuführen. Außerdem habe er seine Braut zurückgelassen und das sei schofelig. Die um Vater und Sohn stehenden Soldaten machen sich über die Einwände lustig und der Wachtmeister weist auf den Befehlshaber eines Regiments, Buttler, hin, der trotz niedriger Herkunft ein angesehener Kommandeur geworden ist. Einige Soldaten tanzen derweil mit einer Marketenderin.


    Während der ausgelassenen Tanzerei tritt ein Kapuzinermönch auf, zetert über das gottlose Treiben der Soldateska und beschuldigt sie, Land und Volk ins Elend zu stoßen. Außerdem weist er auf die Geräuschempfindlichkeit Wallensteins hin. Das Mönchlein bleibt mehr oder weniger unbeachtet; erst als er dazu übergeht, den allseits beliebten Wallenstein zu kritisieren und als Teufelsbeschwörer zu bezeichnen, reagieren die Soldaten zornig, werden jedoch von Kroaten zurückgehalten. In dem Tohuwabohu gelingt dem Kapuzinermönch die Flucht.


    Der eingangs aufgetretene Bauer wurde derweil von Mitspielern als Betrüger entlarvt, die ihn dafür hängen wollen. Einer setzt sich jedoch für ihn ein, und argumentiert, dass gerade das Landvolk unter den Kriegsbedingungen leidet. Den meisten Soldaten ist das jedoch völlig egal und sie verhöhnen den Bauern. Da mischen sich zwei Kürassiere in den Streit ein und sorgen dafür, dass der Bauer fliehen kann. Das gefällt einigen Soldaten, und sie zollen den Kürassieren Respekt.


    Das Gespräch kommt nun auf den Tod des Regimentsführers Pappenheim zu sprechen: Haben doch etliche Soldaten eigenmächtig Max Piccolomini als dessen Nachfolger gewählt, was sie nicht gedurft hätten. Einer glaubt zu wissen, dass der Wallenstein gerade das Regiment des Pappenheim besonders schätzte.


    Da kommt unter den Kürassieren durch die Nachricht, der Kaiser wolle einen Teil der Truppe zur Unterstützung der spanischen Verbündeten abziehen, Wut auf. Sie dienen gern unter dem Feldherrn Wallenstein und wollen auch bei ihm bleiben; überhaupt sind sie nur in des Kaisers Diensten, weil sie unter Wallenstein kämpfen können. Der Wachtmeister spricht seinen Gedanken aus: der Kaiser will mit seiner Entscheidung die Truppe spalten, um Geld zu sparen und dem stimmen alle zu. Es zeigt sich zwar, dass unter den Soldaten Einigkeit herrscht, sich gegen den kaiserlichen Befehl zu wehren - wenn Wallenstein auch zustimmt. Nach kurzer Diskussion beschließen sie, Max Piccolomini einzuschalten, der den Feldherrn dazu bringen soll, den kaiserlichen Befehl abzulehnen. Dabei beweisen ihre Äußerungen einen gewissen Eigennutz: schließlich können sie im Krieg ein aufregenderes Leben führen, als in Zeiten des Friedens. Einige wenden zaghaft ein, dass Volk und Land leiden, doch dringt diese Mahnung nicht durch.


    Als man über den Kaiser in Wien spricht, werden unterschiedliche Meinungen deutlich, doch in einem sind sie dann wieder einig: sie wollen Wallenstein dienen und nur dadurch dem Kaiser. Ein die Freiheit und das Soldatenleben lobender Chorgesang beendet den ersten Teil der Wallenstein-Trilogie.



    © Manfred Rückert für den Tamino-Schauspielführer 2021


    Wallenstein DVD


    Eine sehenswerte Produktion, wenn auch fernsehgerecht gekürzt, aber das Drama in voller Wucht ins Bild gesetzt, mit dem Schauspieler Thomas Holtzmann in der Titelrolle, ferner Friedrich von Thun, Heint Weiss, Rolf Becker und Christain Berkel. Die Regie führte Franz Peter Wirth.


    Wallenstein DVD-Box - Wirth,Franz


    Diese Fernsehproduktion, ebenfalls von Franz Peter Wirth inszeniert, allerdings auf der Biografie von Golo Mann beruhend, ist ebenfalls hervorragend besetzt: Rolf Boysen in der Titelrolle, Werner Kreindl, Ernst Fritz Fürbringer.

    (In dem obigen Rollenverzeichnis fehlt allerdings 'Der Soldat', den Kurt Beck sowohl in der Uraufführung und in der Schallplattenaufnahme der 'Deutschen Grammophon Gesellschaft' von 1962 als auch in der Fernsehinszenierung von 1964 spielte.)

    Vielen Dank für den Hinweis auf die Rolle des Soldaten, lieber Carlo. Ich habe die Partie noch eingefügt; sie ist in dem Schauspieler-Verzeichnis der CD-Ausgabe nicht enthalten, des halb konnte ich sie nicht nennen.

    :hello:

    Max Rudolf Frisch (1911-1991):


    ANDORRA
    Drama in zwölf Bildern

    Uraufführung am 2. November 1961 im Schauspielhaus Zürich



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Andri
    Barblin
    Der Lehrer
    Die Mutter
    Die Señora
    Der Pater
    Der Wirt
    Der Tischler
    Der Doktor
    Der Geselle
    Der Jemand

    Der Soldat

    Ein Idiot

    Ort und Zeit der Handlung: Gegenwart



    INHALTSANGABE


    BILD 1
    Für den anstehenden „Sankt-Georgs-Tag“ streicht Barblin, die neunzehnjährige Tochter des Lehrers das Haus ihres Vaters in hellem Weiß. Dabei sieht ihr ein andorranischer Soldat zu und wirft ihr nicht nur gierige Blicke zu, sondern macht auch anzügliche Bemerkungen. Als sie das bemerkt, sagt sie, in der Hoffnung, dass er Ruhe gibt, sie sei „verlobt“.


    Unterdessen kommt Andri auf die Szene, der dem ebenfalls vorbeikommenden Tischler einen Dienst erweist dafür Trinkgeld bekommt. Als weiterer Passant erscheint der Pater und hat für Barblin und ihren Hausanstrich lobende Worte übrig. Ihre besorgt klingende Frage nach dem Überfall der „Schwarzen“ auf die Heimat nimmt der Pater nicht weiter ernst, er beruhigt sie mit floskelhaften Bemerkungen. Aber er äußert ernsthafte Sorgen um Barblins Vater, der ein Alkoholproblem hat.


    Der Lehrer sitzt zur gleichen Zeit mit dem Tischler vor dem Wirtshaus und spricht mit ihm über die Ausbildungsgebühr für Andri, den er seinen Pflegesohn nennt. Der Lehrherr hat Zweifel an der Eignung des Jungen für den Tischler-Beruf, nennt aber trotzdem seine finanzielle Vorstellung der Ausbildungsgebühr. Der Lehrer versucht zwar, diese Gebühr zu drücken, doch der Tischler bleibt standhaft bei seiner Forderung. Mitten im Gespräch sieht der Lehrer einen Pfahl mit Strick, den der Tischler jedoch nicht wahrnimmt.


    Eine Lösung für das finanzielle Problem des Lehrers hat der Wirt, der ihm ein Stück Land abkaufen möchte. Zu einer Einigung kommt es aber nicht, weil Barblin hinzutritt und ihrem Vater Vorwürfe wegen seines Alkoholkonsums macht. Auch Andri mischt sich ein und sagt zu Barblin stolz, dass er Tischler werden will und den Traum hat, sie zu heiraten. Plötzlich hört man aus dem Wirtshaus lärmenden Streit, der Wirt eilt hinein und kommt mit einem betrunkenen Soldaten am Wickel wieder heraus. Andri hält ihm ein Bein hin und der Soldat schlägt lang hin. Er erhebt sich schwerfällig, sieht Barblin an und gibt einen Kommentar ab, dem ein Wortgefecht mit Andri folgt, der den Soldaten schließlich auffordert, sie in Ruhe zu lassen.


    BILD 2

    Andri und Barblin sitzen vor ihrer Kammer und sie möchte von ihm geküsst werden, doch er ist mit seinen Gedanken bei Vorurteilen, die er vielfach erfährt. Andri fragt Barblin, was an ihm so anders ist, und sie rät ihm, sich nicht damit zu beschäftigen, sondern lieber ans Küssen zu denken. Andri fällt da gerade Barblins Vater ein, dem er dankbar ist und als seinen Retter bezeichnet. Er möchte ihm auch erzählen, dass er mit Barblin verlobt ist, traut sich aber nicht. Barblin unterbricht ihn in seinen Gedanken mit einem Kuss und gesteht ihm ihre Liebe. Als ihr dann plötzlich der Soldat einfällt, warnt Andri sie vor dem Mann.


    BILD 3

    In der Tischlerei unterhalten sich Andri und der Geselle Fedri über das Fußballspiel. Fedri ist Kapitän der Fußballmannschaft und er lädt Andri ein, mitzuspielen. Allerdings muss er sich Fußballschuhe und das passende Trikot selbst kaufen. Andri freut sich, aufgenommen zu werden, und meint, dass er sowohl als Rechts- als auch Linksaußen spielen kann. Fedri sieht sich nun den von Andris gebauten Stuhl an und versucht dabei, ein Stuhlbein herauszuziehen, was aber misslingt. Daraufhin erklärt ihm Andri, dass er das Stuhlbein nicht verleimt, sondern verzapft hat.


    Als der Lehrherr eintritt und Andris Stuhl prüfen will, greift er zu dem von Fedri gefertigten Stuhl und reißt sofort das Stuhlbein heraus. Er fühlt sich dadurch in seiner Meinung bestätigt, dass Andri ungeeignet für dieses Handwerk ist. Der protestiert und weist auf den von ihm angefertigten Stuhl hin. Der Tischler greift sich nun diesen und lobt die Arbeit, die Andri als die seine bezeichnet. Als der Lehrherr daraufhin Fedri fragt, gibt der sich unwissend. Andri beschwert sich mit dem Vorwurf an den Tischler, die Wahrheit nicht hören zu wollen. Mit der Behauptung, dass er im Verkauf besser aufgehoben sei, wird Andri von dem Lehrherrn in den Verkaufsraum geschickt.


    BILD 4

    In der Wohnung des Lehrers gibt es bei einer ärztlichen Untersuchung von Andri Probleme durch abwertende Äußerungen des Arztes über Juden. Auf Andris Nachfrage gibt der Arzt an, grundsätzlich nichts gegen Juden zu haben, aber ihn stört, dass sie alle Lehrstühle besetzen, Einheimische dagegen nicht zum Zuge kämen. Empört lehnt Andri daraufhin die vom Arzt verordneten Medikamente ab und geht. Die Mutter beichtet dem Doktor, dass Andri nicht ihr eigenes Kind ist, sondern ein jüdischer Pflegesohn Als der Lehrer hinzutritt, erklärt der Arzt gerade, einen Spaß mit Andri gemacht zu haben, obwohl er weiß, dass Juden keinen Spaß verstehen, was gerade wieder bewiesen wurde. Daraufhin wirft der Lehrer den Doktor hinaus und bittet Andri, der soeben wieder ins Zimmer kommt, das dumme Geschwätz nicht zu beachten. Er wünscht sich im Gegenteil, dass sie als Familie zusammenhalten.


    Andri glaubt sich vom Stiefvater verstanden und traut sich beim anschließenden Essen, ihn um Barblins Hand zu bitten. Doch der Lehrer lehnt das überraschenderweise ohne weitere Erklärung ab, worauf Barblin in Tränen ausbricht und droht, sich dem Soldaten hinzugeben oder Suizid zu begehen. Sie läuft hinaus, während die Mutter äußert, das Problem nicht zu verstehen, denn Andri und Barblin würden ein ideales Paar abgeben. Andri jedoch fühlt, dass er als Jude abgewiesen wurde.


    BILD 5

    In dem Wirtshaus sitzt der Lehrer vor einer Schnapsflasche und macht sich Vorwürfe, weil er vor Jahren gelogen hat, als er Andri als Judenkind ausgegeben und gerettet hat. Er erkennt, dass die Lüge die Konsequenz hat, dass Andri inzwischen an seine jüdische Herkunft glaubt. Es lässt ihm aber keine Ruhe, dass auch er Andris angebliches Judentum verinnerlicht hat und deshalb Andri nicht als Schwiegersohn möchte.


    BILD 6

    Andri ist auf der Schwelle zu Barblins Kammer eingeschlafen. Er bemerkt nicht, dass der Soldat erscheint und über den Schlafenden hinweg in Barblins Zimmer geht. Drinnen hält der Soldat Barblin den Mund zu, aller merkt, dass sie um Hilfe rufen will. In diesem Moment wacht Andri auf, ist aber zunächst orientierungslos und merkt nicht, was geschehen ist. Dafür spricht er zu Barblin durch die geschlossene Tür und redet sich seinen Hass auf Andorra und seine Bewohner von der Seele. Er beschwört Barblin, mit ihm das Land zu verlassen und zählt dann die verdienten und gesparten Geldbeträge. Da fällt ihm auf, dass er gerade dem Vorurteil genügt, dass Juden ständig Geld zählen.


    Der Lehrer kommt, vom Abend immer noch angeheitert, hinzu um seinem Adoptivsohn die Wahrheit über seine Abstammung zu beichten. Doch Andri will davon nichts wissen und beschimpft ihn sogar als typischen Andorraner. Erbost schickt er ihn unter dem Vorwand, früh aufstehen zu müssen, davon. Nach dem Weggang des Lehrers entschuldigt er sich bei Barblin, dass er ihrem Vater gegenüber so abweisend war. Weil er aus der Kammer nichts hört, will er hineingehen, doch kommt in diesem Moment der Soldat mit offener Hose und nacktem Oberkörper heraus.


    BILD 7

    Der Pater hat Andri zu sich bestellt, weil die Mutter ihn aus Sorge um diese Hilfe bat. Andri zeigt an dem Gespräch erst kein Interesse, fragt aber dann, ob er wirklich so anders sei. Des Paters Antwort ist eine Beschwichtigung: alle lieben ihn so, wie er ist. Andri widerspricht und berichtet über die Geschehnisse in der Tischlerei, die doch klar beweisen, dass der Pater nur beruhigen will. Die Widersprüche, die sich aus dem, wie man sich ihm gegenüber verhält, und dem, was der Pater ihm erzählt, ergeben, bringen ihn dazu, sich selbst nicht zu mögen. Aber er bekräftigt, unbedingt den Beruf des Tischlers erlenen zu wollen. Der Pater bleibt aber bei seiner positiven Beurteilung. Als er nun die Sorge der Mutter anspricht, wird Andri zornig und wirft vor allem seinem Stiefvater vor, ihm Barblin nicht zur Frau geben zu wollen, weil er Jude ist. Doch das ist für den Pater ein typisches Merkmal der Juden, die alles Negative, dass sie im Leben trifft, auf das Judensein beziehen. Diese Bemerkung trifft Andri ins Mark und er schluchzt, denn dann wird Barblin ihn auch nicht lieben. Die Antwort des Paters ist die an Andri gerichtete Mahnung, er solle sein Judentum akzeptieren.


    BILD 8

    Im Wirtshaus gibt es unter den Gästen nur ein Thema, nämlich die Bedrohung durch die „Schwarzen“. Die Reden zeigen eine patriotische Grundstimmung, die Überlegenheit zum Ausdruck bringt. Übrigens ist auch der Doktor dabei und erzählt, dass er trotz der Möglichkeit, in anderen Ländern zu lehren, gerne nach Andorra zurückgekommen sei. Anders der Wirt: er muss sich rechtfertigen, weil er einer fremden Señora eines der Zimmer vermietet hat. Als Träger das Gepäck jener Fremden in die Stube bringen, wird der Zorn gegen den Wirt noch größer. Der Doktor greift mit der Warnung ein, man sollte den „Schwarzen“ keinen Grund für einen Angriff liefern, wenn man das Gepäck der Reisenden beschädige.


    Als kurz darauf die Señora hereinkommt, verlassen alle anderen Gäste fluchtartig das Lokal. Nur der Soldat bleibt, um die Dame genau zu beobachten. Als Andri ins Lokal kommt, gerät er mit dem Soldaten aneinander. Der erhält Unterstützung von seinen Kumpanen; die halten Andri fest, während der Kontrahent feste zuschlägt. Der Geselle Fedri ist auch dabei, doch als die Dame sich einmischt, lassen alle von Andri ab. Die Señora kümmert sich sehr um den verletzten Andri und bittet, seinem Vater vorgestellt zu werden.


    BILD 9

    Andri und die Señora sind zum Lehrer gegangen, warten in der Stube auf ihn und unterhalten sich derweil über dieses und jenes, Die Señora sagt ihm jedoch nicht, dass sie seine leibliche Mutter ist. Als sie wegen der Unruhen in der Stadt zum Wirtshaus zurückgehen will, kommt der Lehrer hinzu und bestimmt Andri, die Dame zu begleiten. Nach ihrem Weggang sagt er zu seiner Frau, da er das Vertrauen von Andri verloren habe, soll der Pater den jungen Mann zu seiner Herkunft aufklären. Seine Frau wirft ihrem Mann Verrat an ihr und Andri vor.


    Der Pater tritt ins Zimmer und der Lehrer fordert ihn auf, Andri zu überzeugen, Andorraner zu sein. Er unterstreicht, dass es ihm ja auch gelungen sei, Andri von seinem Judentum zu überzeugen. Währenddessen kommt Andri zurück und zeigt den Anwesenden einen Ring, den ihm Señora geschenkt hat. Der Lehrer will nun unbedingt die Señora aufsuchen und sie auf dem weiteren Weg begleiten. Er lässt den Pater und Andri allein. Der Geistliche versucht, Andri klar zu machen, dass er ein Andorraner ist. Andri aber besteht darauf, Jude zu sein, und das sollen auch alle anderen akzeptieren. Der Pater deutet ihm an, dass jene Señora seine Mutter ist, doch das überzeugt Andri nicht. In diesem Moment kommt der Lehrer zurück und berichtet erschüttert, dass die Señora von einem Stein getroffen wurde und verstorben ist. Als der Vorwurf gegen Andri erhoben wird, den Stein geworfen zu haben, mischt sich der Lehrer und sagt, Andri sei mit dem Pater im Hause gewesen.


    BILD 10

    Andri sitz auf einer Bank im Zentrum der Stadt und hört eine Stimme, die ihn flüsternd anklagt. Er antwortet, dass er es nicht war und dass er sich nicht verstecken wird, Bewaffnet kommt der Lehrer hinzu und warnt Andri, dass die „Schwarzen“ angegriffen haben und er sich unbedingt verstecken muss. Er hat überall erzählt, dass Andri sein Sohn ist. Er gesteht ihm, dass er ein Feigling war, als er vor langer Zeit die Lüge verbreitet hat, Andri sei Jude. Damals war das für ihn leichter und sogar schmeichelhaft. Andri will sich nicht überzeugen lassen und ist bereit, zu sterben.


    Plötzlich wird durch Lautsprecher bekanntgegeben, dass Andorra kapituliert hat. Andri erkennt, dass er als Sündenbock für den Tod der Señora büßen muss, obwohl er unschuldig ist. Kurz darauf kommt ein Trupp Soldaten, darunter auch der, der in jener Nacht in Barblins Zimmer war. Der Auftritt der Soldateska ist das Signal an den Lehrer, seine Waffe zur Verteidigung einzusetzen, doch gelingt es den Soldaten, ihn zu entwaffnen. Unterdessen konnte Andri sich unbemerkt davonschleichen.


    BILD 11

    Andri ist über Barblin enttäuscht; er trifft sich mit ihr, weil er geklärt wissen will, wie oft sie dem Soldaten zu Willen war. Offenbar ist es für ihn unvorstellbar, dass sie von dem Soldaten gezwungen wurde. Barblin weint und sagt schluchzend, dass es alles ganz anders war. Sie kommt jedoch nicht dazu, die Situation zu erklären, denn ein Trommelwirbel schreckt beide auf. Der Blick aus dem Fenster zeigt ihnen, dass das Haus von Soldaten umstellt ist. Barblin will Andri verstecken, er will jedoch jetzt, auf der Stelle, mit ihr ins Bett und fällt über sie her. Sie macht sich von ihm frei und besteht darauf, dass er sich verstecken muss. Erst als versucht wird, die Tür gewaltsam zu öffnen, versteckt er sich und rät ihr, zu fliehen, denn als Geliebte eines Juden würde man ihr die Haare scheren. Als die Tür zerschmettert ist, kommt der Soldat mit Kameraden und fragt nach dem Juden Andri. Barblin antwortet aufgeregt, dass es keinen Juden gebe, nur ihren Bruder Andri. Der Soldat entgegnet kühl, die „Judenschau“ werde ja zeigen, ob es sich tatsächlich um ihren Bruder oder um einen Juden handle.


    BILD 12
    Auf dem großen Platz im Zentrum von Andorra stehen die „Schwarzen“ in Reih und Glied. Die Andorraner erwarten die Judenschau, flüstern aber nur untereinander. Auch der Doktor ist anwesend und sagt, dass nach der Judenschau bestimmt wieder alles normal wird. Dann aber bestätigen der Tischler und der Wirt, dass Andri den Stein auf die Señora geworfen hat. Es werden schwarze Tücher verteilt und für die Judenschau wird angeordnet, dass die Aspiranten ihre Schuhe ausziehen müssen. Denn der kurz darauf auftretende Judenschauer aus dem Volk der „Schwarzen“ könne am Gang erkennen, ob da ein Jude gehe.

    Während die Zuschauer aufgefordert werden, das schwarze Tuch über den Kopf zu ziehen, geht Barblin herum und fordert die Leute auf, nicht über den Platz zu gehen. Unterdessen weigert sich der Wirt zunächst, das Tuch überzustülpen, gibt aber nach Drohungen nach. Anders der Lehrer: Er bleibt unvermummt und beschwört, dass Andri sein Sohn ist und äußert den Verdacht, dass der Wirt die Señora getötet habe.


    Der Soldat, der Barblin überfallen und missbraucht hat, ist zu den „Schwarzen“ übergelaufen. Während die protestierende Barblin abgeführt wird, ruft der Judenbeschauer den Jemand aus der Menge zu sich. Auf Hinweis des Soldaten, dass der Mann nicht der Jude sei, wird der Jemand in die Menge zurückgeschickt. Dafür greift sich der Judenbeschauer Andri aus der Menge. Tatsächlich erfüllt Andri alle Bedingungen: er hat in seine Taschen Bargeld und besitzt einen wertvollen Ring - er muss also Jude sein. Andri protestiert gegen die Wegnahme des Rings und wird sofort verhaftet.


    Am nächsten Tag sieht man in aller Frühe Barblin, der man die Haare geschoren hat, den Platz im Zentrum weiß streichen. Sie macht den Eindruck, den Verstand verloren zu haben. Der Pater kommt hinzu und versucht Barblin vor den Andorranern, die sie höhnisch traktieren, in Schutz zu nehmen. Als sie Andris Schuhe findet, hockt sie sich auf den Boden neben sie und besteht darauf, sie zu bewachen, bis Andri zurückkommt. Unterdessen wird bekannt, dass der Lehrer Suizid begangen hat - eine Nachricht, die Barblin nicht wahrzunehmen scheint…

    Zwischen den Bildern treten einige der handelnden Personen in den Bühnenvordergrund und äußern sich an einer Schranke, Zeugen vor Gericht gleich, über das Geschehen, rechtfertigen dabei ihre Taten oder weisen eine Mitschuld an Andris Tod weit von sich.


    Andorra. 2 CDs

    In dieser Produktion aus dem Schauspielhaus Zürich wirken folgende Schauspieler mit:


    Andri: Peter Brogle

    Barblin: Kathrin Schmid

    Der Lehrer: Ernst Schröder

    Die Mutter: Angelica Arndts

    Die Señora: Heidemarie Hatheyer

    Der Pater: Rolf Henniger

    Der Wirt: Carl Kuhlmann

    Der Tischler: Peter Ehrlich

    Der Doktor: Willy Birgel

    Der Geselle: Otto Mächtlinger

    Der Jemand: Gert Westphal

    Der Soldat: Kurt Beck

    Ein Idiot: Elmar Schulte

    Soldaten in schwarzer Uniform, der Judenschauer, Volk

    Regie: Kurt Hirschfeld



    © Manfred Rückert für den Tamino Schauspielführer 2021

    Bertolt Brecht (1898-1956):


    LEBEN DES GALILEI
    Episches Stück in 15 Szenen


    Uraufführung am 9. September 1943 in Zürich, Schauspielhaus


    DIE PERSONEN DER HANDLUNG

    Galileo Galilei
    Andrea Sarti, Galileis Schüler
    Frau Sarti, Mutter von Andrea und Haushälterin von Galilei
    Virginia, Tochter von Galilei, Verlobte von Ludovico
    Ludovico Marsili, Schüler Galileis und Verlobter Virginias
    Sagredo, Freund von Galilei
    Federzoni, Linsenschleifer, Helfer Galileis
    Der kleine Mönch (Fulganzio)
    Barberini, Kardinal und Mathematiker
    Bellarmin, Kardinal und Freund von Barberini
    Inquisitor
    Herr Priuli, Kurator der Universität in Padua
    Clavius, höchster Astronom des Vatikans
    Cosmo de Medici, Großherzog der Toskana
    Vanni, Eisengießer

    Das Geschehen ereignet sich zwischen 1609 und 1642 in Padua, Florenz und Rom.



    INHALTSANGABE



    Galilei und sein Schüler Andrea Sarti führen ein Gespräch über das Weltbild des Kopernikus. Der Domherr aus Thorn hatte nach intensiven Forschungen die Erde ins Zentrum des Alls gestellt und sich damit vom allgemeingültigen Weltbild des Ptolemäus abgewandt. Galilei legt seinem Schüler nahe, viel zu forschen, aber auch vieles zu hinterfragen. Ein weiterer Schüler, Ludovico Marsili, führt dem Gelehrten eine neue holländische Erfindung vor, ein Fernrohr. Allerdings kennt Galilei es schon, hat es sogar verbessert, und „seine Erfindung“ einem seiner Finanziers vorgeführt, ohne ihm jedoch zu gestehen, dass es nicht seine Erfindung ist, sondern er das Fernrohr nur weiterentwickelt hat. Jener Finanzier, ein venezianischer Kurator, war begeistert und hat die Dotation für Galilei sofort erhöht.

    Galilei und sein Freund Sagredo arbeiten schon seit längerer Zeit zusammen und es gelingt ihnen tatsächlich, durch Beobachtung der Jupitermonde die Forschungen des Kopernikus zu bestätigen. Den beiden wird nun die Nachricht überbracht, dass ein Schiff aus Holland mit einer Ladung Fernrohren eingelaufen ist. Die Folgen sind für Galilei unangenehm, denn nun fliegt nicht nur sein Schwindel auf, sondern der Kurator entzieht ihm aus Verärgerung seine Gunst. Trotzdem denkt Galilei nicht weiter darüber nach, sondern kündigt an, nach Florenz ziehen zu wollen um die Mönche dort über seine Forschungsergebnisse zu informieren - und zu überzeugen. Sagredo hält von diesem Plan nichts, er rät mit Verve von der Reise ab.

    Im Gelehrtenzimmer Galileis diskutierten Andrea und Cosmo (de Medici) über die beiden Weltbilder des Ptolemäus und des Kopernikus. Dabei zerstören die beiden versehentlich das Modell des Ptolemäus. Entsetzt, aber auch ängstlich verkriechen sie sich in eine Ecke, als Gelehrte ins Zimmer treten. Die beachten das zerstörte Modell aber nicht, sondern diskutieren heftig über Galileis Fernrohr. Trotz mehrfacher Aufforderung Galileis lehnen sie es strikt ab, hindurch zu blicken, und gehen schließlich wieder hinaus.


    Als die Pest ausbricht, viele Menschen erkranken und sterben, und wer es kann, aus der Stadt flieht, bleibt Galilei mit anderen Wissenschaftlern vor Ort und treibt seine Forschungen weiter voran. Auch Frau Sarti hat sich infiziert und stirbt; Galilei sorgt dafür, dass Andrea Sarti und seine Tochter Virginia aus der Stadt gebracht werden. Andrea gelingt es jedoch, unterwegs der Kutsche zu entkommen und zu Galilei zurückzukehren. Der nimmt ihn notgedrungen wieder auf und Andrea hilft ihm, Argumente für die Richtigkeit des heliozentrischen Weltbildes zusammenzutragen. Er kündigt Andrea an, nach Rom zu reisen, um den Klerus zu überzeugen und seine Erkenntnisse dort zu verbreiten.


    Tatsächlich wird Galilei in Rom im Vatikan empfangen, darf auch die Forschungsergebnisse zum kopernikanischen Weltbild der hohen und höchsten Geistlichen vortragen. Das Ergebnis ist ein allgemeines Hohngelächter der Purpurträger, das erst erstirbt, als Clavius, Astronom des Heiligen Stuhls, Galileis Theorie bestätigt. Es sieht so aus, als habe Galilei einen Triumph errungen, denn er nennt das Ergebnis seines Vortrags einen Sieg der Vernunft.


    Abseits der Vorstellung im Vatikan gibt es auch andere Gelegenheiten für Galilei, Gespräche mit hochrangigen Personen zu führen, z.B. mit den Kardinälen Bellarmin und Barberini. Die führen eine Diskussion um das weite Gebiet der Astronomie. Dass Galilei die Ideen zum kopernikanischen Weltbild auch öffentlich vorstellen kann, erfüllt sich jedoch nicht, da der Domherr aus Thorn von der Inquisition als Ketzer gilt. Das hat die Folge, dass jeder, der dessen Thesen öffentlich verbreitet, mit rechtlichen Schritten und Folter bedroht ist. Virginia und ihr Verlobter Ludovico tanzen währenddessen vergnüglich und unbeschwert auf einem der vielen Bälle.

    Galilei diskutiert mit dem „kleinen Mönch“ über die Konflikte zwischen der Kirche und der Wissenschaft. Dabei erweist sich die Diskrepanz zwischen dem ptolemäischen und dem kopernikanischen Weltbild als Hauptproblem. Der kleine Mönch jedenfalls stellt für sich fest, dass er erhebliche Zweifel an seinem bisherigen Wissenstand bekommen hat. Und Galilei spricht ihm gegenüber offen über die Gefahren, in die er geraten könnte, wenn er seine Forschungen öffentlich verbreitet. Er spürt durchaus, dass die Inquisition dem Individuum die Freiheit der Meinung und der Forschung nehmen will.


    Eine neue Szene spielt etwa acht Jahre später. Galilei hat sich inzwischen aus der Forschung über das kopernikanische Weltbild zurückgezogen und konzentriert sich auf gänzlich andere Gebiete. Beispielsweise ist er gerade mit seinem Schüler Andrea, dem kleinen Mönch und dem Linsenschleifer Federzoni mit Eisstückchen beschäftigt. Unterdessen bereiten Virginia und Ludovico ihre Hochzeit vor. Während das verliebte Paar verständlicherweise in einer Hochstimmung ist, macht Galilei einen eher lustlosen Eindruck bei den Wasserforschungen; die können ihn offensichtlich nicht befriedigen. Was die drei aber aufschreckt, ist die plötzlich eingehende Nachricht, dass der Papst im Sterben liegt und Kardinal Barberini als einer der Nachfolger im Gespräch ist. Dass Kardinal Barberini Papst werden könnte, löst bei Galilei ein Freudegefühl aus. Denn er glaubt, in dem Kardinal einen Wesensverwandten gefunden zu haben; jedenfalls ist Barberini an der Astronomie interessiert. Sofort gibt sich Galilei wieder den astronomischen Forschungen hin. Dabei entdeckt er die Sonnenflecken und setzt sich mit den Theorien über diese Erscheinungen auseinander.


    Während der florentinischen Fastnacht spielt Galilei insofern eine wichtige Rolle, als dass die Menschen den Gelehrten bereits als Berühmtheit wahrnehmen und sich als Galilei verkleiden. Es werden Gedichte auf ihn geschrieben und vorgetragen, und Lieder auf ihn und seine Theorien verfasst und allgemein verbreitet.


    Die nächste Szene spielt viele Jahre später und zeigt einen gealterten und erblindeten Galilei. Auf dem Weg zum Großherzog, bei dem er um eine Audienz nachgesucht hat, soll ihn seine Tochter Virginia begleiten. Grund für den Besuch bei Cosmo de Medici, dem ehemaligen Schüler, ist die Präsentation seines Buches über das heliozentrische Weltbild des Kopernikus. Zuvor rät ihm der Eisengießer Vanni eindringlich nicht nur vom Besuch beim Großherzog ab, sondern legt ihm nahe, Florenz zu verlassen, da er in der Stadt nicht mehr sicher ist. Er glaubt sagen zu können, dass Galilei in einer der anderen Provinzen Italiens seinen Forschungen wesentlich ruhiger nachgehen kann, als hier. Doch Galilei will nicht aus Florenz fort, er kann Vannis Rat nichts abgewinnen. Er begibt sich also mit Virginia zum Großherzog und erhält dort die Order der Inquisition, nach Rom zu kommen.


    Dort kommt es zu einer Verhandlung mit dem zum Papst Urban VIII. gewählten Kardinal Barberini und dem Inquisitor. Letzterer hält dabei einen Vortrag, der Galilei schwer belastet und der in der Forderung gipfelt, die Forschungsergebnisse zu verbieten. Der Papst zweifelt die Forderungen des Inquisitors an, denn er ist von Galileis Erkenntnissen durchaus angetan. Der Inquisitor aber findet, dass die Kirche in seinen Schriften in ein schlechtes Licht gerückt wird und deshalb das Verbot nötig sei. Papst Urban gerät zwar in einen Gewissenskonflikt, sieht sich jedoch letztlich gezwungen, dem Inquisitor nachzugeben und die Schriften Galileis zu verbieten.


    Galilei folgt gehorsam dem Verdikt und zieht alle Veröffentlichungen zum heliozentrischen Weltbild des Kopernikus zurück. Doch nicht nur das, er bezeichnet die Aussagen sogar als falsch und verflucht sie. Das nutzt Galilei aber nichts, da er trotzdem zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt wird. Aber er kommt am 23. Tag wieder frei. Während er wieder in Freiheit ist, verkündet die Kirche das ptolemäische Weltbild als das wahre und einzig gültige. Galilei ist zwar gerettet, aber seine Schüler und Anhänger sind enttäuscht. Sie hatten erwartet, dass er auf seiner Meinung besteht und sie unter Lebensgefahr verteidigt. Doch Galilei ist ein Mensch mit Ängsten und kein Heros.


    Galilei erhält Besuch von Andrea und der erfährt dabei von seinem ehemaligen Lehrherrn, dass er in der letzten Zeit trotz Überwachung durch die Inquisition eine Abschrift seiner Forschungsschriften herstellen konnte. Die Originale hat die Inquisition nämlich eingezogen. Diese Kopien möchte Galilei ins Ausland geschmuggelt wissen, er selbst fühlt sich allerdings dazu nicht mehr in der Lage. Andrea, der zum Forschen in die Niederlande gehen will, bietet sich an, die Schriften dorthin mitzunehmen. Tatsächlich gelingt Andrea der Schmuggel, denn seine Kutsche wird nur sehr oberflächlich kontrolliert.


    Die letzte Szene zeigt Andrea in einem Dialog mit einem Jungen, in dem Galileis ehemaliger Schüler erklärt, dass es wichtig ist, immer aufmerksam zu sein und ständig mehr wissen zu wollen, da die Menschheit noch längst nicht am Ende ihrer Entdeckungen ist. Nur so kommt man Geheimnissen auf die Spur…


    Gehört wurde diese gekürzte Aufnahme der Deutschen Grammophon Gesellschaft


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    Regie: Manfred Wekwerth und Joachim Tenschert
    Musik: Hanns Eisler
    Aufnahme im Frühjahr 1979 im Berliner Ensemble
    Weitere Angaben fehlen

    Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781):


    EMILIA GALOTTI

    Bürgerliches Trauerspiel in fünf Akten

    die literarische Vorlage „Legende um Verginia“ stammt von Titus Livius


    Uraufführung am 13. März 1772 im Herzoglichen Opernhaus in Braunschweig,

    anlässlich des Geburtstages der Herzogin Philippine Charlotte



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Emilia Galotti

    Odoardo und Claudia Galotti, Eltern der Emilia

    Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla

    Marchese Marinelli, Kammerherr des Prinzen

    Camillo Rota, einer von des Prinzen Räten

    Conti, Maler

    Graf Appiani

    Gräfin Orsina

    Angelo, Krimineller

    Bedienstete



    ERSTER AKT


    Der Prinz von Guastalla liest gerade Anträge, Eingaben und Beschwerden als ihm plötzlich ein Brief mit dem Namen „Emilia“ in die Hände kommt. Sofort fällt ihm jene Emilia ein, in die er seit langem verliebt ist: Emilia Galotti. Er kann sich jetzt nicht mehr konzentrieren und lässt seinen Kammerdiener Marchese Marinelli kommen, um mit ihm eine Kutschfahrt ins Grüne zu machen, die ihn von trüben Gedanken abbringen soll. Jener Marinelli übergibt ihm jedoch ein Schreiben der Gräfin Orsina, das er aber ungelesen in den Papierkorb wirft. Das Interesse an der Gräfin hat er nämlich schon lange verloren, obwohl die Hochzeit bereits geplant war. Und dann bringt Marinelli noch die Nachricht, dass der Maler Conti draußen wartet.


    Die beiden unterhalten sich über Contis Arbeit und Entlohnung. Er hat vor längerer Zeit den Auftrag bekommen, ein Bild der Gräfin Orsina anzufertigen, Er muss leider sagen, dass die Gräfin sich nicht viel Zeit für ihn und die notwendigen Sitzungen genommen hat. Das hat dazu geführt, dass das Bild der Orsina leider nicht besonders gut geworden ist. Er hat aber noch ein anderes Bild mitgebracht, das er für sehr gelungen hält und das der Prinz sehen sollte - der stimmt, neugierig geworden, zu.


    Während Conti hinaus geht, um das Bild zu holen, monologisiert der Prinz über seine Zeit mit der Gräfin, die Liebe und wie sie langsam aber stetig erkaltete. Vielleicht kann er ja auf dem Bild etwas sehen, was ihn einst in die Gräfin verliebt machte? Heute spürt er jedenfalls nichts mehr davon. Er fragt sich, ob er noch einmal den Versuch einer Annährung wagen sollte - und gesteht sich im gleichen Moment ein, dass dieser Schritt keinen Erfolg haben würde.


    Conti kommt mit den zwei Bildern wieder ins Zimmer; er zeigt dem Prinzen zunächst jenes Bild der Gräfin und der konstatiert, dass jedes Gefühl für diese Person entschwunden ist, dass ihm aber auch das Gemälde nicht zusagt. Damit verärgert er zwar den Maler, der lässt sich aber nichts anmerken und deckt das zweite Bild auf - und der Prinz ist hellauf begeistert, zeigt es doch „seine“ Emilia. Er beschließt sofort, Conti beide Bilder abzukaufen und sagt, das Bild der Gräfin werde in der Galerie aufgehängt, das andere jedoch in seinem Schlafgemach. Er schickt den Maler zum Schatzmeister mit der Anweisung, Conti jeden gewünschten Betrag auszuzahlen.


    Abermals monologisierend betrachtet der Prinz Emilias Bild und kommt sehr schnell zu der Überzeugung, dass es zwar gut geworden ist, ihm aber das lebende Original lieber ist. Als er plötzlich Stimmen hört, fällt ihm ein, Marinelli für eine Ausfahrt gerufen zu haben; er bereut es jetzt, und stellt das Bild verdeckt an die Wand. Der Marchese soll die gemalte Peron nicht sehen.


    Der Kammerherr hat eine Neuigkeit aus der Gesellschaft, die den Prinzen elektrisiert: Graf Appiani und Emilia Galotti werden heiraten. Der Prinz gesteht offen, aber aufgeregt, in jene Emilia schon lange verliebt zu sein, und beauftragt Marinelli, die Heirat zu hintertreiben. Die weitere Nachricht, dass die Gräfin Orsina wieder in der Stadt sei, lässt ihn kalt. Dafür erfährt Marinelli, dass er in Kürze aus politischen Gründen die Prinzessin von Massa heiraten wird und deshalb die Orsina nicht wiedersehen kann. Marinelli meint erstaunt, dass er sich neben einer Ehefrau doch eine Mätresse halten könnte, aber die Antwort ist, dass er keine Gefühle mehr für die Gräfin hat. Der Kammerherr verspricht jedenfalls, sich um den Fall Appiani zu kümmern und rät der Hoheit zur Fahrt nach Dosalo, dem Lustschloss des Prinzen.


    Nach Marinellis Abgang sieht sich der Prinz erneut das Bild Emilias an, gesteht sich aber ein, dass es ihn quält, wenn er an die Hochzeit mit Graf Appiani denkt. Er beschließt, wegen Emilia selbst tätig werden, denn dem Kammerherrn traut er nicht so recht. Hilfreich ist dabei sein Wissen um Emilias Gewohnheit, um diese Zeit immer die Messe zu besuchen. Das ist die Gelegenheit, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Gerade, als er sich auf den Weg machen will, wird ihm die Ankunft von Rat Camillo Rota angekündigt. Der Prinz lässt ihn zwar eintreten, ist aber mit seinen Gedanken schon auf dem Weg zur Kirche.


    Kaum im Zimmer, kommt Rota auf die Bittschriften zu sprechen, und als der Prinz das zu unterschreibende Dokument sehen will - ein Todesurteil über das dringend zu entscheiden ist - entgegnet Rota, es leider vergessen zu haben. Eine Ausrede, die Rota in den Sinn kam, weil er die Geistesabwesenheit der Hoheit bemerkt hat. Er fügt hinzu, dass die Angelegenheit noch bis zum nächsten Tag Zeit hat. Sofort verabschiedet sich der Prinz und eilt davon, Rota bleibt verwundert zurück und räsoniert über des Prinzen Verhalten



    ZWEITER AKT


    Die Galottis besitzen neben einem Landgut auch ein Haus in Guastalla, in dem sie sich momentan aufhalten. Claudia Galotti sieht ihren Mann auf das Haus zukommen und wundert sich, da sie jetzt mit ihm noch nicht gerechnet hat und geht im entgegen.


    Odoardo fragt nach Tochter Emilia und erhält von seiner Frau die Antwort, dass sie am Tag ihrer Hochzeit unbedingt noch in die Morgenmesse wollte. Sie habe von einem dringenden Bedürfnis nach Gottes Gnade gesprochen. Diese Information beunruhigt Odoardo; er meint, Emilia hätte nicht alleine zur Messe gehen sollen, und kann von seiner Frau kaum beruhigt werden. Er weist den Diener Pirro an, heute keinen Besuch mehr ins Haus zu lassen.


    Nachdem das Ehepaar das Zimmer verlassen hat und Pirro allein ist, kommt der für vogelfrei erklärte Mörder Angelo zu ihm. Er will den am letzten Überfall beteiligten Pirro entlohnen, der ist jedoch über den Besuch nicht erfreut und auch an dem Geld nicht interessiert, lässt sich aber durch Drängen Angelos letztlich doch überreden, es anzunehmen. Als er schon an der Tür steht um sich zu verabschieden, bringt er das Gespräch auf die Hochzeit von Emilia und Graf Appiani zu sprechen. Er erfährt so von Pirro den Tag und den Ort der Trauung, und wer die Hochzeitsgesellschaft bildet. In Pirro kommt der Verdacht auf, dass Angelo ein Überfall planen könnte, doch es ist eben nur ein Verdacht.


    Die Galottis warten auf die Rückkehr ihrer Tochter. Odoardo gibt seiner Frau gegenüber zu, dass er für seinen zukünftigen Schwiegersohn viel Sympathie hegt. Ganz anders ergeht es seiner Frau: Claudia ist sich bewusst, dass sie ihre Tochter durch die Heirat an den Ehemann verlieren wird. Genau diese Traurigkeit fällt ihm an seiner Gattin auf, weshalb er versucht, ihr die Heirat schmackhaft zu machen. Beispielsweise hält er es für einen Vorzug, wenn das Paar in der Stadt, statt auf dem Landsitz wohnt. In diesem Moment erinnert sich Claudia an die Begegnung Emilias mit dem Prinzen und teilt es ihrem Gatten mit. Der reagiert ärgerlich, wobei unklar bleibt, ob es die Nachricht selbst oder die verspätete Unterrichtung durch seine Frau ist.


    Odoardo ist ausgeritten, seine Frau Claudia ist alleine in der Wohnung; sie monologisiert mit Unverständnis über die Sorgen ihres Mannes und seiner Einstellung dem Prinzen gegenüber. Die Abneigung Odoardos dem Prinzen gegenüber ist ihr ja nicht neu, versteht sie aber nicht, denn sie hält das Verhalten der Hoheit für normal. Allerdings fragt sie sich jetzt doch, wo ihre Tochter bleibt.


    Die kommt plötzlich aufgeregt ins Zimmer gestürzt und ist völlig durcheinander. Es sprudelt aus ihr heraus, dass sie in der Kirche von einem Mann angesprochen wurde, der ihr eine Liebeserklärung gemacht habe. Dann habe sie den Mann erkannt: es sei der Prinz gewesen. Sie ist sofort wie kopflos aus der Kirche gerannt, und die Hoheit hinter ihr her. Claudia gibt ihr den Rat, weder dem Vater noch dem Bräutigam von der Begebenheit zu erzählen. Aber Emilia will ihrem Zukünftigen die Begegnung beichten, da sie sich sonst schuldig fühlt. Das kann Claudia nicht nachvollziehen und nur mit Mühe gelingt es ihr, die Tochter von dem Vorhaben abzubringen. Da meldet sich Graf Appiani an.


    Der Graf berichtet Mutter und Braut von seinem Treffen mit Odoardo und ergänzt, dass er die Familie Galotti schätzt und sich freut, bald auch dazu zählen zu dürfen. Ihm fällt aber auf, dass Emilia bedrückt wirkt, was er sich nicht erklären kann. Er will gerade nachfragen, als sich Emilia verabschiedet, um Schmuck anzulegen. Allein mit Mutter Claudia hebt er die natürliche Schönheit hervor und ergänzt, dass ihm kostbare Kleider und Schmuck völlig unwichtig sind. Als Claudia erwähnt, dass auch ihr Schwiegersohn auf sie den Eindruck macht, betrübt zu sein, gibt er Probleme zu. Und die haben mit seinen Freunden zu tun, die ihm nahegelegt haben, den Prinzen über die Heiratspläne zu informieren. Er ist jedoch der Meinung, dass er das nicht muss, weil er freiwillig in den Dienst der Hoheit getreten ist. Aber die Freunde haben immer weiter insistiert und nun hat er sich entschlossen, seine Hoheit doch aufzusuchen und zu informieren.


    Pirro stört die Unterhaltung der beiden mit der Nachricht, dass der Kammerherr Marinelli mit einer Nachricht für Graf Appiani gekommen ist. Der Graf fragt erstaunt zurück, ob wirklich er gemeint sei, statt einer Antwort öffnet Pirro die Tür und lässt Marinelli herein. Der Marchese bittet Claudia um Entschuldigung für die Störung, doch müsse er einen Auftrag seines Herrn erfüllen und mit dem Grafen sprechen. Daraufhin verlässt Claudia den Raum.


    Allein mit Appiani eröffnet Marinelli ihm, dass der Prinz den Herrn Grafen in den prinzlichen Dienst aufzunehmen gedenke und ihn noch heute nach Massa zu seiner künftigen Gemahlin, einer Prinzessin, senden will. Appiani sagt, dass er sich zwar geehrt fühlt, aber wegen der eigenen Hochzeit mit Emilia Galotti die Berufung ablehnen müsse. Marinelli antwortet kalt, dass man solche Feste verschieben kann, doch bleibt der Graf bei der Ablehnung und gibt als Erklärung noch den Hinweis, dass er nicht zum Gehorsam gezwungen werden kann, da er freiwillig in des Prinzen Dienst getreten ist. Die anschließende erregte Diskussion zeigt, dass die beiden Männer keine Freunde sind und es auch nicht mehr werden.


    Nach dem brummigen Abgang Marinellis ist Appiani aufgeregt, spielt aber der eintretenden Claudia gegenüber die Begegnung herunter. Sie hakt jedoch nach, weil die Lautstärke auf einen Streit schließen ließ, doch Appiani gibt ihr keine Information dazu, nur den Hinweis, dass er den Prinzen über die anstehende Hochzeit nicht mehr informieren muss, weil das Marinelli erledigen wird. Dadurch kann nun die Hochzeitsgesellschaft früher als geplant aufbrechen. In gewisser Weise beruhigt geht Claudia daraufhin ab.



    DRITTER AKT


    Marinelli ist zum Prinzen zurückgekehrt und berichtet, dass sein Versuch, die Heirat von Graf Appiani und Emilia Galotti zu verhindern, nicht erfolgreich war. Der Prinz nennt Marinelli daraufhin einen Versager. Marinelli fügt der Nachricht noch hinzu, dass sogar der Versuch, Appiani zu einem Duell anzustacheln, nichts gefruchtet hat. Der Gedanke, dass „seine“ Emilia vor der Hochzeit mit einem anderen Mann steht, ist für den Prinzen unvorstellbar. Marinelli macht den Vorschlag einer Entführung Emilias, was allerdings zu Kollateralschänden führen könnte. Nachfragen bestätigen des Prinzen Verdacht, das damit Todesopfer gemeint sind, hält aber die Methode für aussichtsreich.


    Als sei die Entführung bereits ausgeführt, hört man plötzlich mehrere Schüsse aus der Ferne. Marinelli spielt etwas zynisch den Unwissenden, während der Prinz verwirrt reagiert und fragt, was da geschehen sei. Der Kammerherr gibt unumwunden zu, dass sein Vorschlag einer Entführung soeben ausgeführt worden ist. So langsam kommt der Ablauf ans Tageslicht: Der Überfall auf die Kutsche des Grafen Appiani hat in der Nähe des Tiergartens stattgefunden, wobei es geplant war, dass eine Gruppe von Banditen die Begleitung in Schach halten sollte, während die andere Emilia ergreifen und ins Schloss bringen sollte - angeblich zu ihrer Sicherheit. Am Fenster stehend erkennt Marinelli einen der Banditen, der auf das Schloss zuläuft, und er fordert den Prinzen auf, nach nebenan zu gehen, damit er von dem Banditen nicht gesehen wird.


    Der Bandit ist Angelo und der erzählt Marinelli, dass der Überfall auf die Kutsche erfolgreich war, Graf Appiani jedoch ums Leben gekommen ist. Leider sei aber auch einer der Räuber, Nicolo, getötet worden. Marinelli entlohnt Angelo mit der doppelten vereinbarten Summe. Der sagt, er wolle mit dem Geld über die Grenze, um sich den Nachforschungen der Polizei entziehen. Der Kammerherr beschließt, den Prinzen noch nicht über den Tod Appianis zu unterrichten.


    Als Angelo gegangen ist kommt der Prinz zurück und beide sehen in diesem Augenblick Emilia auf das Schloss zu gerannt kommen. Augenscheinlich ist sie ängstlich, hofft auf Hilfe. Der Prinz überlegt, wie lange er Emilia zum Bleiben bewegen kann, und wie lange es wohl dauern wird, bis ihre Eltern erscheinen. Wird er es schaffen, sie in dieser Zeit für sich gewinnen zu können? In der Kirche ist ihm ja schon der erste Anlauf misslungen. Marinelli meint, dass er Geduld aufbringen und seiner Liebe mit viel Gefühl entgegenkommen muss. Der Prinz befiehlt dem Kammerherrn, Emilia zu empfangen, während er nebenan dem Gespräch lauschen will.


    Während Emilia wartet, kommt Battista, ein Bedienter von Marinelli, hinzu und sagt ihr, dass er sich erkundigen soll, was geschehen ist. Marinelli hält sich ungesehen abseits auf und hört von Emilias großer Sorge um ihre Eltern, ihren Bräutigam und der Hochzeitsgesellschaft. Da tritt Marinelli hervor und beruhigt sie mit der Bemerkung, dass man sich um alles kümmern wird. Er erklärt ihr außerdem, dass sie sich auf dem Schloss des Prinzen befindet, der sich sehr für sie und ihre Familie einsetzen will. Emilia reagiert überrascht.


    Nun kommt der Prinz hinzu und versucht ebenfalls die aufgeregte Emilia, die immer wieder nach ihrer Mutter fragt, zu beruhigen. Er behauptet, dass die Mutter ganz in der Nähe ist. Dem Prinzen unterstellt sie, mehr zu wissen, aber er geht nicht darauf ein, sondern entschuldigt sich für seine Aufdringlichkeit am Morgen in der Kirche. Er bittet Emilia, mit ihm zu kommen und sie folgt ihm eher widerwillig. Marinelli bleibt zurück, damit die beiden Gelegenheit für ein ungestörtes Gespräch haben. Vor allen Dingen soll Claudia Galotti ihre Tochter nicht sehen, die er gerade auf das Schloss zu gerannt kommen sieht.


    Marinelli überlegt, ob er die Galotti ins Schloss lassen soll. Er entscheidet sich für den Empfang und will ihr dabei den Prinzen als zukünftigen Schwiegersohn nahebringen. Da in diesem Augenblick die lauten Rufe der Galotti nach ihrer Tochter und dazu auch noch fremde Stimmen zu hören sind, ruft er Battista und befiehlt ihm, die Begleitung der Mutter Emilias aus dem Schloss zu weisen.


    Als Claudia Galotti beim Eintritt in das Schloss Battista gegenübersteht, erkennt sie ihn als Teilnehmer bei dem Überfall wieder. Darüber ist der Diener beleidigt, und stellt es als eine Rettungsmaßnahme für Emilia dar. Claudia entschuldigt sich bei ihm, möchte aber sofort ihre Tochter sehen. Battista versichert ihr daraufhin, dass sie im prinzlichen Schloss sicher und vor allem gut aufgehoben ist. Während Marinelli jetzt Claudia zu ihrer Tochter führen will, bemüht sich Battista, Claudias Begleitpersonen aus dem Schloss zu drängen.


    In der letzten Szene dieses Aktes ist Claudia mit Marinelli alleine und erkennt in ihm jenen Mann, der mit dem Grafen Appiani in ihrem Zimmer gestritten und ihn mit dem Namen „Marinelli“ angesprochen hat. Das spielt der Kammerherr herunter und nennt den Grafen sogar einen Freund. Nun will er sie zu Emilia führen, sagt so nebenbei, der Prinz sei bei ihr. Das lässt die Galotti den Plan durchschauen und bezichtigt ihn sehr laut, fast schreiend, Graf Appiani ermordet zu haben. Emilia hat das laute Gespräch gehört und ruft nach ihr. Claudia stürzt einfach in das Zimmer, aus dem sie die Stimme vermutet.



    VIERTER AKT


    Der Prinz hat von Marinelli, mit dem er in diesem Augenblick allein im Raum ist, vom Tod des Grafen Appiani erfahren und ist entsetzt. Eine mögliche Schuld will er für sich nicht sehen, genauso wenig wie Marinelli, der ein Unglück zu erkennen glaubt, das nicht vorhersehbar und schon gar nicht eingeplant war. Seine Hoheit ist verunsichert, und Marinelli verstärkt diese sichtbare Unsicherheit mit den Argumenten, dass die Vorkommnisse in der Kirche am Morgen auf die Hoheit einen Verdacht lenken, und wenn herauskommt, dass er in Emilia verliebt ist, auch ein Indiz für seine Schuld an dem Überfall sehen werden.


    Plötzlich kommt Battista hinzu und bringt die Nachricht, dass Gräfin Orsina eingetroffen sei. Der Prinz beauftragt ihn, die Gräfin sofort wieder wegzuschicken. Marinelli fragt er, was die Gräfin hier will, vor allem, woher sie weiß, dass er sich hier aufhält? Doch die Hoheit weiß es nicht und Marinelli weist daraufhin, dass sich die Gräfin wohl kaum von Battista fortschicken lasse. Als Kammerherr wäre er bereit, wenn der Prinz zustimmt, die Orsina zu empfangen, während der Prinz aus dem Kabinett nebenan zuhören kann.


    Dem stimmt der Prinz zu und zieht sich zurück, währenddessen Marinelli die Gräfin Orsina hereinbittet und sie anhört. Die Antwort überrascht nicht: Sie ist auf der Suche nach dem Prinzen, den sie in einem Schreiben um das Treffen auf diesem Lustschloss gebeten hat. Marinelli sagt, dass der Prinz den Brief zwar erhalten, aber nicht gelesen habe. Gräfin Orsina antwortet mit eindeutiger Eifersucht, dass der Prinz wohl eine andere Frau gefunden hat und sie ablegt, wie ein Kleidungsstück. Das will sie jedoch nicht hinnehmen und besteht deshalb darauf, den Prinzen sofort sehen zu wollen; sie ist überzeugt, dass er im Schloss ist.


    Der Prinz hat alles mitgehört und kommt aus dem Kabinett, weil er seinen Kammerherrn aus seiner misslichen Lage befreien will. Als die Orsina ihn sieht, wird sie erkennbar unsicher und weiß plötzlich nicht, wie sie sich verhalten soll. Und der Prinz benimmt sich so, als wäre sie überhaupt nicht da, denn er geht mit der Bemerkung, keine Zeit für sie zu haben, weil er Besuch habe, an ihr vorbei. Indem er sich zur Tür begibt, sagt er zur Gräfin, dass sie ein anderes Mal wiederkommen soll und fordert Marinelli auf, sie hinauszubegleiten.


    Die Worte haben die Gräfin verletzt und Marinelli erzählt ihr von dem Überfall auf eine Hochzeitsgesellschaft; dabei erwähnt er, dass die Braut mit ihrer Mutter beim Prinzen sei. Der Prinz will beide Frauen trösten. Als er hinzufügt, dass die Braut und ihre Mutter der Familie Galotti angehören, wird ihr klar, was da passiert ist. Sie vermutet, dass Helfershelfer des Prinzen jenen Graf Appiani umgebracht haben und nennt den Prinzen einen Mörder. Sie lässt erkennen, dass sie von Spionen weiß, dass der Prinz am Morgen jene Emilia in der Kirche getroffen hat, was Marinelli, sich unwissend gebend, erstaunt zur Kenntnis nimmt. Die Gräfin Orsina gibt sich entschlossen, die Geschichte in der Stadt bekannt zu machen.


    Überraschend kommt Odoardo Galotti zu den beiden hinzu und erklärt aufgeregt, dass er von dem Überfall gehört hat und jetzt Tochter und Gattin sucht, die sich hier im Schloss aufhalten sollen. Als er angibt, von einer schweren Verletzung des Grafen Appiani gehört zu haben, ist klar, dass er längst nicht alles weiß. Marinelli beruhigt ihn mit der Nachricht, dass beiden Frauen weiter nichts geschehen ist und sie sich beim Prinzen aufhalten. Er will aber Galotti bei der Hoheit anmelden und fragen, ob er ihn zu empfangen bereit ist, denn das Verhältnis zwischen den beiden ist, wie Marinelli angibt, gespannt. Odoardo stimmt natürlich zu und als der Kammerherr abgeht, warnt er Odoardo leise vor der Gräfin, die etwas wirr im Kopf sei. Er fügt hinzu, dass er nicht alles, was die Gräfin von sich gebe, glauben soll.


    Kaum ist Marinelli gegangen, erzählt die Orsina Odoardo, dass Graf Appiani leider tot und nicht nur verwundet sei. Außerdem wisse sie zuverlässig, dass der Prinz am Morgen Emilia in der Kirche getroffen und sie umgarnt hat. Galotti ist über diese Informationen schockiert. Als die Gräfin ihm den Verdacht mitteilt, dass der Tod des Grafen kein Zufall, sondern ein Mord war, gerät er vollends außer Fassung. Die Orsina übergibt ihm einen Dolch und erwartet offensichtlich, dass Galotti die Rache übt, die sie nicht ausführen will. Da agiert eindeutig ein eifersüchtiger Racheengel.


    In diesem Moment kommt Claudia hinzu und stellt mit Erleichterung fest, dass ihr Gatte sie endlich gefunden hat. Sie beteuert ihm auch sofort, dass sowohl sie als auch Emilia nichts Unschickliches getan haben. Odoardo nimmt das ohne weiteren Kommentar zur Kenntnis, stellt dagegen die Frage, ob Appiani wirklich tot ist und Emilia den Prinzen am Morgen in der Kirche getroffen hat. Seine Frau bestätigt beides, fügt aber sogleich hinzu, dass die Tochter den Prinzen auf Abstand hält. Galotti wendet sich an die Gräfin Orsina mit der Frage, ob sie seine Frau in die Stadt mitnehmen würde und als die das zusagt, noch ergänzt, er käme mit Emilia nach, wenn er das Gespräch mit dem Prinzen geführt habe.



    FÜNFTER AKT


    Marinelli und der Prinz haben gelauscht und auf diese Weise mitbekommen, dass Galotti die Hoheit zu sprechen wünscht. Der Kammerherr meint, dass er sich für den Schutz der beiden Frauen durch den Prinzen bedanken will. Der Prinz ist ganz anderer Meinung; instinktiv spürt er, dass es zu einem erregten Gespräch kommen und Galotti seine Tochter ihm für immer entziehen wird, zum Beispiel, dass er sie in ein Kloster steckt. Marinelli entgegnet, die Hoheit solle doch einfach Galottis Reaktion abwarten.


    Odoardo Galotti monologisiert, nicht zu wissen, wie er das Geschehene einordnen und sich dem Prinzen gegenüber verhalten soll. Er glaubt zwar, dass der Prinz in irgendeiner Form in das bittere Geschehen involviert ist, ist aber im Zweifel, ob ihm das Recht auf Rache zusteht. Ein Gedanke setzte sich in ihm fest, dass nämlich eine höhere Macht für eine ausgleichende Gerechtigkeit sorgen könnte, wenn nicht heute, dann irgendwann. Odoardo erkennt in dieser Denkweise eine Art Schutzmechanismus vor einem fehlerhaften Verhalten. Über allem steht zunächst für ihn als Vater die Pflicht, Emilias Tugend zu bewahren.


    Marinelli geht auf Odoardo zu und reißt ihn aus seinen Gedanken. Galotti gibt an, dass seine Frau mit der Gräfin Orsina das Schloss bereits in Richtung Guastalla verlassen hat und dass er seine Tochter zwar mitnehmen, aber nicht mehr dorthin zurückkehren will. Auf Nachfrage Marinellis nennt Galotti den Tod von Emilias Bräutigam, Graf Appiani, als Grund für seine Entscheidung. Diese Aussage verwundert den Kammerherrn, der nämlich der Ansicht ist, dass nur der Prinz über den Aufenthaltsort Emilias zu bestimmen habe; und die Hoheit hat beschlossen, dass Emilia mit ihrem Vater nach Guastalla zurückkehren soll. Galotti erhebt Widerspruch, doch Marinelli geht nicht darauf ein, sondern sagt, er werde den Prinzen holen.


    Erneut allein äußert Galotti sein Entsetzen über Marinellis Antwort. Er soll sich von Prinzen vorschreiben lassen, was mit seiner Tochter geschieht? Er bereut es, nicht ausführlicher mit Marinelli gesprochen zu haben, um mehr über des Prinzen Absichten zu erfahren. Insofern kann er ja jetzt nur noch auf die Begegnung mit der Hoheit abwarten.


    Der Prinz tritt ins Zimmer und kommt sofort zur Sache: Seinerseits ist gewünscht, dass Emilia weiter im Schloss bleibt, bis das Trauma des Überfalls überwunden ist. Galotti widerspricht der Hoheit und sagt, dass seine Tochter in ein Kloster gehen wird. Marinelli erhebt Einspruch, weil Emilia zunächst als Zeugin des Überfalls von der Polizei befragt werden muss, zumal es ja ein gezielter Angriff auf Graf Appiani gewesen sein soll. Galotti muss dem wohl oder übel zustimmen. Der Kammerherr will allerdings die Familie bis zum Ende der Befragung trennen und Emilia im Haus des Hofkanzlers unterbringen. Auch dem stimmt Galotti notgedrungen zu, will aber doch erst noch mit seiner Tochter sprechen.


    Nach dem Weggang des Prinzen und Marinellis fragt sich Galotti erneut in einem Monolog, ob er den Prinzen umbringen soll. Oder kann es sein, dass Emilia wirklich bei dem Prinzen zu bleiben gedenkt? Und ist sie es wert, dass man auf ihre Tugend achtet? Ein Gedanke will sich nicht mehr aus seinem Kopf verabschieden und der besagt, aus dem Schloss zu flüchten und Emilia zurückzulassen. Da er jedoch in diesem Moment Emilia auf sich zukommen sieht, muss er den Plan einer Flucht vergessen.


    Emilia möchte von ihrem Vater wissen, was mit ihrem Bräutigam ist und der muss gestehen, dass Graf Appiani gestorben ist. Er setzt noch hinzu, dass die Mutter das Schloss bereits verlassen hat. Das ist für Emilia ein Signal, ebenfalls sofort gehen zu wollen, doch Odoardo sagt ihr, dass der Prinz Einwände hat und sie im Schloss halten will. Emilia äußert Angst vor dem Prinzen, der sowohl ihre Tugend als auch ihre Unschuld bedroht; sie ist sich nicht sicher, der Hoheit auf Dauer widerstehen zu können. Sie bittet ihren Vater, sie hier und sofort zu töten. Die Vorstellung, sein Kind umbringen zu müssen, entsetzt Odoardo, doch er sticht sie tatsächlich nieder.


    In diesem Moment betreten Marinelli und der Prinz den Raum und erleben, dass Emilia stirbt. Der Prinz reagiert mit Entsetzen und ist verzweifelt. Galotti will sich als Mörder seiner Tochter der Polizei stellen, aber der Prinz verweigert das Ansinnen. Er will nicht, dass auch Galotti zu Tode kommt, der nach seiner Meinung Emilia nur schützen wollte. Er wendet sich dem Kammerherrn zu und verbannt ihn zornig des Hofes und des Landes.




    Das Trauerspiel wurde in dieser gekürzten Hörspielfassung gehört (erschienen bei argon in Zusammenarbeit mit dem MDR und SWR): Für die Inhaltsangabe isind die Schuspielführer von Reclam, Harenberg und Knaur sowie Wikipedia hinzugezogen weorden


    Hörbuch-Cover


    Die Mitwirkenden dieser Hörspielfassung:

    Emilia Galotti: Fritzi Haberlandt

    Prinz von Guastalla: Max von Pufendorf

    Marinelli, Kammerherr des Prinzen: Thomas Dannemann

    Odoardo Galotti: Hans-Michael Rehberg

    Claudia, seine Frau: Hille Darjes

    Gräfin Orsina: Dörte Lyssewski

    Conti, Maler: Michael Tregor

    Graf Appiani: Lucas Gregorowicz

    Angelo: Jonas Fürstenau

    Pirro, Diener: Bernhard Conrad

    Battista: Sebastian Schwab

    Kammerdiener: Martin Leutgeb

    Vielen Dank, lieber Carlo, für die Ergänzungen. Ich möchte noch erwähnen, dass ich vor Jahrzehnten ein aus dem Fernsehen aufezeichnetes Video-Band des "Nathan" von den Salzburger Festspielen (welches Jahr weiß ich nicht mehr) besaß, von deren Mitwirkenden mir allerdings nur ein Name noch in der Erinnerung geblieben ist: Rosemarie Fendel als Daja. Den Tempelherr spielte ein Heinz Fritsche der Frische. Unvergesslich wegen seiner famosen Darstellung ist mir auch der Klosterbruder erinnerlich, leider auch er heute namenlos...


    :(

    Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781):


    NATHAN DER WEISE

    Ein dramatisches Gedicht in fünf Akten


    Uraufführung am 14. April 1783 in Berlin, Döbbelinsches Theater



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Sultan Saladin

    Sittah, dessen Schwester

    Nathan, ein reicher Jude in Jerusalem

    Recha, dessen angenommene Tochter

    Daja, eine Christin, aber in dem Hause des Juden, als Gesellschafterin der Recha

    Ein junger Tempelherr

    Ein Derwisch

    Der Patriarch von Jerusalem

    Ein Klosterbruder

    Ein Emir

    nebst verschiedenen Mamelucken des Saladin


    Das Geschehen ereignet sich in Jerusalem zu Zeit des dritten Kreuzzuges.



    INHALTSANGABE



    ERSTER AKT


    Als der jüdische Schuldeneintreiber Nathan von einer Reise nach Babylon ins heimatliche Jerusalem zurückkehrt, erfährt er von seiner christlichen Haushälterin und Gesellschafterin seiner Tochter Recha, dass es in seinem Haus gebrannt hat. Dabei ist Recha nur durch die Hilfe eines Tempelherrn, den Sultan Saladin begnadigt hatte, knapp dem Tode entronnen. Für diese Tat habe der Retter keinen Dank haben wollen und sei verschwunden. Seitdem halte Recha den Mann für einen Engel Gottes. Nathan ist über den Ausgang des Geschehens natürlich hocherfreut und beschließt, den Tempelherren selbst zu suchen, um ihm zu danken. In diesem Moment sieht Nathan einen Mann auf sein Haus zukommen und die Haushälterin Daja erkennt den Derwisch Al-Hafi, der mit Nathan hin und wieder Schach spielt. Nathan bittet seinen Freund ins Haus.


    Al-Hafi trägt ein prächtiges Gewand, das ihn als Schatzmeister des Sultans ausweist. Er sagt, dass er heute nicht Schachspielen will, sondern seinen Freund um eine Geldspritze für den Sultan bitten möchte. Nathan lehnt sofort Al-Hafis Bitte ab. Der Derwisch ist enttäuscht, und informiert Nathan, dass er sein Amt aufgeben werde, weil er befürchtet, in seinem Amt das Menschsein zu vergessen. Er will am Ganges mit den Lehrern seines Glaubens leben und sich damit einen Traum erfüllen. Ehe Nathan das Gespräch auf den Tempelherrn bringen kann, ist Al-Hafi verschwunden.


    Daja kommt und berichtet, dass Recha den Tempelherrn aus dem Fenster gesehen hat. Nathan will Daja zu ihm schicken um ihn in seinem Namen ins Haus zu bitten, doch sie sagt, dass die Tempelherren niemals das Haus eines Juden betreten. Daraufhin beschließt er, selbst die Einladung aussprechen. Erst aber muss er die Reisekleidung wechseln, darum soll Daja die Straße beobachten.


    Dem Tempelherrn, der unter den Palmen spazieren geht, folgt mit Abstand ein Klosterbruder, der stehen bleibt, wenn er innehält, der aber weitergeht, wenn er weitergeht. Der Tempelherr geht auf ihn zu und fragt, was er von ihm will. Der Klosterbruder stottert, dass der Patriarch ihn beauftragt habe, über ihn, den Tempelherren, etwas in Erfahrung zu bringen und dann ihm, dem Patriarchen, zu berichten. Der Tempelherr schweigt zunächst, sagt dann aber, dass der Sultan ihn aus einem ihm unbekannten Grund frei ließ. Das möge er, der Mönch, an den Patriarchen weitergeben und damit wisse der genug.


    Der Klosterbruder lässt nicht locker, weiß vom Patriarchen, dass er, der Tempelherr, von Gott für besondere Taten auserwählt sein muss. Und er, der Kosterbruder, soll den Tempelherrn im Auftrag des Patriarchen für verschiedene Aufträge, bis hin zum Sultansmord, der sogar von Gott gewünscht sei, wie der Patriarch behauptet, gewinnen. Doch der Tempelherr will weder Spion noch Mörder sein und lehnt ab. Der Klosterbruder erklärt ihm, dass der Patriarch weiß, warum der Sultan ihn in Freiheit ließ: weil er, der Tempelherr, seinem verstorbenen Bruder ähnelt. Abschließend sagt der Klosterbruder, dass er nur den Befehl des Patriarchen gehorcht hat.


    Daja hat das Gespräch beobachtet und tritt auf den übel gelaunten Tempelherrn zu, um ihn im Namen ihres Brotherrn ins Haus einzuladen. Sie stellt Nathans Weisheit heraus und ergänzt, dass sie als Christin auch deshalb bei ihm bleibe und seine Tochter Recha erziehe. Doch ihre Worte nerven den Tempelherrn und er sagt, dass er in Zukunft niemanden mehr aus Flammen retten werde, da man ihn nicht in Ruhe lasse. Er geht ab, Daja aber folgt ihm mit Abstand.



    ZWEITER AKT


    Sultan Saladin liebt das Schachspiel, ist aber heute beim Spiel mit seiner Schwester Sittah nicht bei der Sache, weil ihn der durch die Tempelritter gebrochene Waffenstillstand nervt. Sein Plan, Sittah mit Richard I. zu verheiraten und seinen Bruder Melek mit der Schwester Richards, ist obsolet geworden. Sittah ist von diesen Heiratsplänen ohnehin nicht begeistert, denn die Christen sind ihr zu hochnäsig, haben sie doch tatsächlich verlangt, dass sie vor der Hochzeit konvertieren muss. Saladin ist oft mit seiner Schwester einer Meinung, aber hier stimmt er ihr nicht zu, denn er geht davon aus, dass der Waffenstillstand gebrochen wurde, weil die Christen die Stadt Acca nicht aufgeben wollen. Damit aber kann Richards Schwester Acca nicht als Brautschatz in die Ehe einbringen, wie es eigentlich vereinbart war. Saladin lässt Al-Hafi zu sich rufen, damit Sittah ihren Spielgewinn bekommt.


    Den Sultan beunruhigt noch, dass seinem Vater das Geld für die Soldaten knapp wird und die Feldzüge nicht weitergeführt werden können. In diesem Moment kommt Al-Hafi mit der Nachricht, dass Gelder aus Ägypten erwartet werden. Saladin nimmt das zur Kenntnis, antwortet aber darauf nicht, sondern weist Al-Hafi an, seiner Schwester tausend Dinar auszuzahlen. Al-Hafi hat unterdessen das Schachbrett gesehen und sagt zu Saladin, dass er das Spiel noch nicht verloren hat. Saladin reagiert kühl und wirft das Spiel sogar um. Sittah aber stellt klar, dass sie alle bisherigen Gewinne beiseitegelegt hat, da sie von den leeren Kassen weiß. Al-Hafi ergänzt, dass sie sogar die Aufwendungen des Hofes der letzten Zeit übernommen hat. Saladin ist überrascht und dankbar zugleich. Er sieht jedoch keine weiteren Einsparmöglichkeiten, doch Al-Hafi könnte bei den Reichen der Stadt Geld eintreiben. Sittah kommt mit dem Vorschlag, dass er Schatzmeister bei seinem jüdischen Freund Nathan Geld borgen könnte; das lehnt Al-Hafi in Kenntnis von Nathans Ablehnung jedoch ab. Er macht Nathan sogar absichtlich schlecht, um ihn zu verhindern, dass er finanziell in den Ruin getrieben wird. Er erwähnt einen reichen Mohren, den er aufsuchen wird - und eilt davon.


    Sittah versteht die Welt nicht mehr: Hat Al-Hafi nicht immer seinen Freund Nathan gelobt, dessen Weisheit, Güte und Vorurteilslosigkeit in den Himmel gehoben? Sie fragt sich, was der Grund dafür ist und nimmt sich vor, Nathan selbst zu kontaktieren. Nützlich wäre es, dabei seine Schwachpunkte herauszufinden. Zu ihrem Bruder sagt sie, er soll mitgehen und sich zunächst ihre neue Sängerin anhören.


    Nathan wartet derweil mit Recha auf Daja, die herausfinden sollte, wo sich der Tempelherr aufhält. Sie kann jedoch nichts Neues berichten - der Mann hat sie erneut abgewiesen. Nathan will es nun selbst in die Hand nehmen. Er schickt Daja mit Recha ins Haus, damit der Tempelherr nicht sofort wieder umdreht, wenn er sie sieht. Als er dann kommt, bringt Nathan sofort Sympathie für ihn auf. Allerdings ist der Tempelherr auch ihm gegenüber reserviert und sagt, dass man ihm nicht Danken muss, da er nur seine Pflicht getan habe. Nathan fragt, ob er etwas für ihn tun kann. Tatsächlich hat der Tempelherr einen Wunsch: er möchte gerne den lädierten Mantel geflickt haben oder sich auch Stoff für einen neuen kaufen, doch müsste ihm Nathan das Geld dafür borgen. Nathans Antwort bringt den Tempelherrn aus dem Gleichgewicht: Er wünscht den Brandfleck des Mantels zu küssen und will, dass auch seine Tochter das tut.


    Das folgende Gespräch überzeugt Nathan, in dem Tempelherrn eine Freund gefunden zu haben: der entschuldigt sich nämlich für seine geäußerten Vorurteile und Nathan antwortet, dass er, der Tempelherr, der Beweis dafür sei, dass es überall auf der Welt gute Menschen mit guten Gedanken gebe. Der Tempelherr ist nicht so optimistisch, er sieht Unterschiede: dass Juden beispielsweise an ihrem Anspruch festhalten, den wahren Gott anzubeten, was andere Religionen herabsetzt. Das hat dazu geführt, dass nun Christen und Muslime den gleichen Anspruch erheben und sogar Kriege deswegen führen, was ihn abstößt. Deshalb ist er ein Gegner der Kreuzzüge. Erstaunt sagt Nathan, dass er soeben aus fremdem Mund seine eigene Meinung vernommen habe. Daraufhin drückt der Tempelherr Nathans Hand - und Daja bringt die Nachricht, der Sultan wünsche Nathan zu sprechen.


    Dem will Nathan natürlich nachkommen, sagt aber dem Tempelherrn noch, dass der Sultan sie verbindet, denn wenn Saladin ihn nicht freigelassen hätte, dann wäre Recha gestorben. Er will deshalb Saladin aus Dankbarkeit dienen - was auch immer er verlangen wird. Mit dem Abschiedsgruß stellt sich der Tempelherr mit seinem richtigen Namen vor: Curd von Stauffen. Der Name elektrisiert Nathan, hat er doch mal einen Mann mit Namen „Wolf“ und „Filnek“ gekannt, doch fällt ihm Näheres nicht mehr ein - zunächst muss er zum Sultan.


    Doch hält ihn jetzt Al-Hafi auf und erklärt, heute nicht im Auftrag des Sultans zu kommen, sondern um sich zu verabschieden. Er wird sich seinen indischen Traum erfüllen. Er erzählt, dass er ihn bei Saladin und Sittah herabgesetzt hat, damit Nathan nicht finanziell ins Trudeln kommt. Um Saladins Sorglosigkeit in Gelddingen zu unterstreichen, berichtet er von dem absichtlich verlorenen Schachspiel mit Sittah, dass er durchaus hätte gewinnen können, aber offensichtlich nicht wollte, was ihn dann tausend Dinar kostete. Für Nathan eine wichtige Information. Bevor Al-Hafi geht, verspricht Nathan seinem Freund, dass er seine Schulden bezahlen werde.



    DRITTER AKT


    Der Tempelherr hat seinen Besuch im Hause Nathans angekündigt und Recha wartet mit Daja auf ihn. Als er dann kommt, wirft sich Recha zu seinen Füßen nieder und erklärt diese Geste damit, dass er ja keinen anderen Dank annehmen will. Es ist nur ein kurzes Gespräch, das die drei führen, denn der Tempelherr hat erfahren, dass Nathan beim Sultan ist und er ihn dort abholen will. Recha staunt nach seinem Abschied über ihre Ruhe bei seinem Besuch, obwohl sie doch vorher so aufgeregt war. Daja ist sich sicher, dass sie das Gefühl bald wieder erleben wird.


    Im Palast warten Saladin und Sittah auf Nathan; sie wollen dem reichen Juden eine Falle stellen. Sittah weist ihren Bruder darauf hin, dass diese Falle nur zuschnappen kann, wenn Nathan sich als geizig und furchtsam erweisen sollte. Saladin schickt seine Schwester mit der Bitte, nicht zu lauschen, aus dem Saal. Den eintretenden Nathan begrüßt er betont freundlich und geht direkt auf dessen Ruf als weiser Mann ein. Er fragt ihn, welcher Glaube ihn am meisten überzeugt, denn er hängt bestimmt nicht zufällig seinem Glauben an, sondern es muss dafür Gründe geben. Und die möchte er kennenlernen, um selbst darüber reflektieren zu können. Er gewährt Nathan noch Bedenkzeit, während er hinausgeht um zu prüfen, ob Sittah gelauscht hat.


    Nathan überlegt nach dem Abgang des Sultans, was er wirklich von ihm will. Die Frage nach dem Glauben empfindet er als eine Falle und in die will er nicht tappen. Er entschließt sich, die Antwort nicht direkt, sondern in der Form einer Parabel zu geben. Wenn er nämlich das Judentum als die einzig wahre Religion benennt, beleidigt er Saladin (was er nicht will), wenn er einen anderen Glauben überzeugender findet, müsste er entsprechend konvertieren. Dem zurückkehrenden Sultan eröffnet Nathan seine Gedanken dann mit folgender Parabel:


    Ein irgendwo im Osten lebender Mann besaß einen wertvollen Ring, der die Eigenschaft besaß, seinen Träger vor Gott und den Menschen angenehm erscheinen zu lassen, wenn er denn in diesem Glauben getragen wurde. Dieser Ring sollte immer vom Vater an den liebsten Sohn vererbt werden und dieser würde dann das Familienoberhaupt sein. Dann kam der Ring eines Tages an einen Vater, der seine drei Söhne liebte, weshalb er den Ring allen dreien versprach. Da er sein gegebenes Wort einhalten wollte, ließ er vor seinem Tod zwei Duplikate herstellen, die gut gelungen waren, dass er den echten Ring auch nicht mehr erkennen konnte. Er gab also jedem Sohn einen Ring und erteilte auch jedem seinen Segen. Nach seinem Tod kam es demzufolge auch zum Streit unter den Söhnen und trotz aller Bemühungen war der echte Ring nicht herauszufinden.


    Hier unterbricht sich Nathan und erläutert Saladin, dass die drei Ringe für die drei Religionen stehen, die man jedoch nicht unterscheiden kann. Saladins Einwand, dass Unterscheidungen sehr wohl möglich sind, beispielsweise in der Kleidung und den Speiseregeln, widerspricht Nathan mit der Begründung, dass alle Religionen auf Überlieferungen basieren, an die auch alle glauben, die damit aufwuchsen. Dann fährt er fort:


    Es kam die Sache vor Gericht und jeder behauptete, den echten Ring vom Vater bekommen zu haben. Der Richter meint, die Wunderkraft des Ringes bringe die die Entscheidung und fragt die Söhne, wen zwei der Söhne am meisten lieben. Als die Antwort ausbleibt entscheidet der Richter, dass der echte Ring schon dem Vater verloren gegangen sein muss, sodass er drei Duplikate anfertigen ließ. Der Richter fügt hinzu, dass jeder versuchen soll, die Macht seines Rings hervorzulocken, dann wird sich im Laufe der Zeit zeigen, welcher der echte Ring ist.


    Der Sultan ist beeindruckt und bietet Nathan im Überschwang der Gefühle seine Freundschaft an. Nathan fragt ob er eine Bitte vortragen dürfe und erklärt nach Saladins Zustimmung, dass er auf seinen Reisen viel Geld verdient hat, nun aber nicht weiß, wo er es sicher aufbewahren kann. Deshalb hat sich überlegt, ihm das Vermögen anvertrauen. Saladin staunt und Nathan erklärt, dass er zunächst einen Tempelherrn bezahlen muss, den Rest dann aber an Saladin schicken werde. Dem neugierig nachfragenden Sultan erklärt er, dass der Tempelherr seine Tochter aus dem Feuer gerettet habe. Saladin wirft ein, dass ihn diese Tat an seinen verstorbenen Bruder erinnert, der auch so gehandelt hätte. Er bittet Nathan, neugierig geworden, den Tempelherrn in den Palast zu bringen; auch Sittah soll ihn kennlernen.


    Die Szene wechselt in die Nähe eines Klosters: Der Tempelherr wartet auf Nathan und ärgert sich, dass er Nathans Haus zu schnell verlassen hat, denn er hat sich in Recha verliebt und nun immer ihr Bild vor Augen. Monologisierend stellt er fest, dass nicht mehr ohne Recha leben kann. Ein anderer Gedanke kommt ihm in den Sinn: sein Orden ist ihm fremd geworden, was auch daran liegt, dass er für tot gehalten wird. Ein anderer Gedanke sagt ihm, dass er ein anderes Verhältnis zu seinem Dasein gewonnen hat und das bedeutet Vorurteile abgelegt zu haben. Jetzt kann er seinen Vater auch besser verstehen - den Gedanken führt er allerdings nicht weiter aus, weil Nathan kommt und ihm klar wird, wie sehr er Rechas Vater schätzt. Mit Nathan im Gespräch legt er sich fest, sein Haus erst wieder zu betreten, wenn er Recha heiraten darf. Nathan reagiert darauf eher kühl, teilt ihm aber Saladins Befehl mit, in den Palast zu kommen.


    Bevor sie erneut zum Sultan gehen, will Nathan vom Tempelherrn näheres über seinen Vater wissen, weil er einst einen Conrad von Stauffen kannte. Es stellt sich heraus, dass der Tempelherr dessen unehelicher Sohn ist. Nathan sagt, dass er sich bisher nicht zu Stauffens Heiratsplan geäußert habe, liege am Klärungsbedarf in einigen Dingen. Aber er wird die Klärung nicht auf die lange Bank schieben. Dann geht er ins Haus und Daja tritt hinter einem Baum hervor; sie spricht den Tempelherrn an und benennt ihm zwei Geheimnisse: erstens ist Recha eine getaufte Christin ist und zweitens Nathan nur ihr Ziehvater. Das weiß Recha aber nicht, weil es Nathan ihr auch bisher nicht sagen wollte. Der Tempelherr reagiert erstaunt, bittet Daja dann, zu gehen, denn er muss nachdenken. Daja äußert noch die Bitte, dass er sich nichts anmerken lassen soll und sie doch nach einer Heirat nach Europa mitnehmen soll.



    VIERTER AKT


    Während der Klosterbruder in Kreuzgängen wandelt und mit den Befehlen des Patriarchen hadert, kommt ihm der Tempelherr entgegen. Sofort sind Befürchtungen in ihm wach, dass es sich der Tempelherr anders überlegt haben könnte und dem Patriarchen doch helfen will. Der zerstreut diese Befürchtung jedoch mit dem Hinweis, dass er den Patriarchen um eine Rat als Christ, nicht aber als kirchliche Amtsperson bitten will. Beruhigt weist der Klosterbruder ihm den Weg zum Patriarchen.


    Der kommt ihm schon in prunkvollem Gewand und mit großem Gefolge entgegen, und ist dem Tempelherrn sofort unsympathisch. Er bleibt jedoch höflich und bittet um den Rat in einem pikanten Fall, worauf der Patriarch das Gefolge wegschickt. Dann schildert er den Fall von Nathan und Recha, ohne jedoch ihre Namen zu nennen. Mit Entsetzen im Gesicht stellt der Patriarch die Gegenfrage, ob es sich eine theoretische Frage handelt oder ob es um einen realen Fall geht. Als der Tempelherr erstaunt sagt, dass das doch völlig egal sei, entgegnet der Patriarch, dass es durchaus nicht egal sei, denn bei einer realen Begebenheit müsse man den Juden als Verbrecher dem Flammentod übergeben. Außerdem müsse bedauert werden, dass jenes Kind nicht gestorben, durch den Juden aber ewiger Verdammnis ausgesetzt ist. Der Tempelherr will sich, entsetzt über das Gehörte, zurückziehen, doch der Patriarch dringt in ihn, die Namen der betreffenden Personen zu nennen, aber der Tempelherr schweigt. Dann muss er zum Sultan gehen, sagt der Patriarch, denn der hat vertraglich zugesagt, die Kirche zu schützen. Das trifft sich gut, antwortet der Tempelherr, denn er selbst wurde auch zu Saladin gerufen, und kann ihn, den Patriarchen, gern beim Sultan anmelden. Der Patriarchen stimmt zu, beschließt aber, den Klosterbruder auf den Fall anzusetzen.


    Der Sultan hat Nathans Geldschatz bekommen und Saladin hat einen Teil davon an Sittah gezahlt und den Rest in Verwahrung genommen. Sittah hat ein Bild des verstorbenen Bruders gefunden und zeigt es Saladin, der sich schmerzlich an den Verstorbenen erinnert. Aber das Bild will Sittah auch als Vergleichsmöglichkeit mit dem Aussehen des Tempelherrn nutzen. Als der in den Saal geführt wird, setzt sie sich schnell den Gesichtsschleier auf, um nicht erkannt zu werden, wohl aber genau beobachten zu können.


    Der Tempelherr betont, dass er sein Leben in den Dienst des Sultans stellen will, was der mit Freuden zur Kenntnis nimmt. Er bittet ihn, bei ihm zu bleiben und lobt ihn für die Rettung Rechas. Weil die Reaktion des Tempelherrn kühl ausfällt, hakt er nach und erfährt, dass sein Gegenüber von Nathan enttäuscht ist, weil er ihm erst seine Tochter angepriesen hat, dann aber auf sein Werben um Recha nicht eingegangen sei. Saladin fragt, ob Nathan von ihm den Übertritt zum Judentum verlangt hätte, was der Tempelherr verneint. Dann platzt er mit der Nachricht heraus, dass Recha in Wirklichkeit eine getaufte Christin ist und Nathan lediglich der Ziehvater - was doch wohl Nathans Scheinheiligkeit beweise.


    Saladin betont, dass Nathan den Tempelherrn bestimmt nicht täuschen wollte. Es muss einen anderen Grund für seine als kühl empfundene Reaktion geben. Er empfiehlt ihm, sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Als der Sultan dann jedoch hinzufügt, dass er die Rache des Patriarchen befürchtet, wenn der Vorfall bekannt wird, ruft diese Äußerung den Tempelherrn in die Realität zurück. Nur zu gut erinnert er sich an die fürchterlichen Worte des Patriarchen. Die Befürchtung, dass der Sultan ihm nicht mehr gewogen ist, weist Saladin zurück. Außerdem hält er es nicht für ausgemacht, dass die Heirat mit Recha endgültig abgesagt ist.


    Nach dem Abgang des Tempelherrn sprechen Sittah und Saladin miteinander. Sie findet es schade, dass er den Tempelherrn nicht nach seinen Eltern gefragt hat. Das muss Saladin leider zugeben, spricht aber die Vermutung aus, dass der Tempelherr wegen der großen Ähnlichkeit ein Sohn seines Bruders Assad sein könnte - zumal der früher auch bei Christenfrauen sehr beliebt war. Sittah hat sich inzwischen entschlossen, Recha zu sich zu nehmen, um sie dem Einfluss Nathans zu entziehen. Saladin hat dagegen keine Einwände, bittet aber, darauf zu achten, dass es nicht so aussieht, als solle sie Nathan gewaltsam genommen werden.


    In der Zwischenzeit hat sich Daja die Stoffe, die Nathan von seiner Reise mitgebracht hat, angesehen und einen ausgewählt, der sich für Rechas Brautkleid eignen würde. Sie dringt in Nathan, die Hochzeit Rechas mit dem Tempelherrn zu genehmigen. Der sagt, dass er vorher noch einiges klären muss, grundsätzlich aber zustimmt. Weil gerade der Klosterbruder auf das Haus zukommt schickt er Daja hinaus und ist gespannt, was der Kuttenträger von ihm will. Er wird nicht enttäuscht, denn er hört Interessantes aus früheren Zeiten, z.B., dass der Klosterbruder früher als Einsiedler bei Jerichos lebte. Als seine Klause zerstört wurde, ist er nach Jerusalem zum Patriarchen geflohen. Der versprach ihm, später dorthin zurückkehren zu dürfen, aber bisher ließ der Patriarch ihn nicht gehen. Im Gegenteil, ihm werden ständig neue Aufgaben gegeben, die er gar nicht erfüllen will. Beispielsweise soll er jetzt einen Juden finden, der ein Christenkind aufzieht.


    Nathan wird unruhig, wird jedoch durch eine andere Mitteilung überrascht: Der Klosterbruder war Reitknecht eines Wolf von Filnek und der hat ihm vor achtzehn Jahren ein Mädchen, nur wenige Wochen alt, überlassen, weil er in den Krieg ziehen musste und die Mutter, leider, schon verstorben war. Übrigens hat jener Wolf von Filnek sein Kind nie wiedergesehen, denn er starb in der Schlacht bei Askalon. Nathan sagt erstaunt, dass er nicht nur ein Freund dieses Wolf von Filnek war, sondern auch mit ihm gekämpft hat. Weil ihm der Klosterbruder sympathisch ist, geht Nathan aus sich heraus und erzählt seinem Gegenüber, dass er Frau und Kinder durch die Christen verloren hat, die sein Haus angezündet haben, weil sie alle Juden tot sehen wollten. Drei Tage hat er Jehova gezürnt, dann sei er, der Klosterbruder, mit jenem Kind zu ihm gekommen, dass er dankbar annahm und aufzog.


    Im Folgenden stellt sich heraus, dass der Klosterbruder von dem im Krieg gefallenen Conrad von Stauffen ein Buch besitzt, in dem in arabischer Schrift alle Verwandten Rechas erwähnt sind. Aufgeregt schickt Nathan ihn den los, um das Buch zu holen; er hofft, dass damit alle offenen Fragen geklärt werden können. Daja tritt ins Zimmer und meldet, dass Sittah Boten geschickt hat, um Recha zu holen. Nathan befürchtet eine Falle des Patriarchen, weshalb er selbst mit den Boten sprechen will. Daja glaubt, dass Saladin an Recha Gefallen gefunden hat und sie seinem Harem einverleiben will. Sie beschließt, Recha über ihren wahren Glauben zu informieren und das kann sie am besten auf dem Weg zum Palast.



    FÜNFTER AKT


    Saladin ärgert sich über Al-Hafis Unauffindbarkeit. Es tritt ein Mameluck auf, der mit der lang erwarteten Geldkarawane aus Ägypten eingetroffen ist. Saladin steckt ihm dankbar Gold zu, doch der Mameluck nimmt nur einen kleinen Teil und geht. Es kommt ein zweiter Mameluck, der ebenfalls die Karawane ankündigt und Saladin gibt ihm auch Gold. Dieser Mameluck möchte jedoch etwas mehr haben, da er mit dem dritten Mamelucken, der gestürzt ist, teilen will. Saladin freut sich über seine guten Mamelucken. Überraschenderweise tritt noch ein Mameluck auf und kündigt den Führer der Karawane, Emir Mansor, an. Saladin begrüßt den Emir und beauftragt ihn, den größten Teil der Gelder gut bewacht in den Libanon zu seinem Vater zu bringen. Er nimmt die Karawane vor ihrem Aufbruch in Augenschein und begibt sich dann zu Sittah.


    In einer neuen Szene sieht man den Tempelherrn vor Nathans Haus in Gedanken versunken auf- und abgehen. Er fragt sich, warum er auf Nathan so erzürnt ist, zumal er ihm Recha nicht verweigert hat. Als er Nathan mit dem Klosterbruder aus dem Haus treten sieht, ist sein erster Gedanke, dass der Patriarch mit der Hilfe des Klosterbruders herausgefunden hat, wer der Jude in dem geschilderten Fall war. Nun fühlt er sich schuldig des Verrats. Er wartet beiseite stehend, bis der Klosterbruder gegangen ist.


    Jenes Buch in arabischer Schrift hat der Klosterbruder Nathan gerne überlassen, zumal es Rechas Erbe ist, und er bittet ihn, seine Güte gegenüber dem Mädchen nie zu bereuen. Nathan versichert, dass dies nie der Fall sein wird. Die Frage, ob es wirklich der Tempelherr war, der den Patriarchen auf ihn aufmerksam gemacht hat, bejaht der Klosterbruder. Nathan bedankt sich und sagt, dass er froh ist, dass Buch zu besitzen. Schließlich hat er jetzt nichts mehr zu verbergen und kann sich frei und gelöst fühlen.


    Nach dem Weggang des Klosterbruders geht der Tempelherr auf Nathan zu, um mit ihm zum Sultan zu gehen. Auf dem Weg erkundigt er sich bei Nathan, ob der Klosterbruder etwas über ihn gesagt hat und Nathan erwidert, dass er von ihm, dem Tempelherrn, vor dem Patriarchen angeklagt wurde. Erschrocken weist der Tempelherr darauf hin, dass er zwar dort war, die Namen aber nicht preisgegeben habe. Heute muss er eingestehen, dass er falsch gehandelt hat und bittet Nathan um Vergebung. Sein Wunsch, Recha zu heiraten, besteht aber weiter, denn dadurch wird sie vor dem Kloster bewahrt, in das sie der Patriarch bestimmt stecken würde. Und es ist ihm will egal, welcher Religion sie angehört, wichtig ist allein, dass er sie heiraten kann.


    Nathan enthüllt dem Tempelherrn, dass Recha einen Bruder hat, bei dem er nun um ihre Hand anhalten muss. Der Tempelherr reagiert erschrocken und denkt daran, dass jener Bruder einen anderen Ehemann aussuchen wird. Er möchte deshalb mit ihr sprechen und sie auffordern, die zu Familie zu vergessen und ihn zu heiraten. Nathan bereitet dem Tempelherrn einen zweiten Schock mit der Nachricht, dass Recha bei Sittah ist, dass er aber jenen Bruder auf jeden Fall in Kürze kennlernen wird.


    Sittah und Recha unterhalten sich, wobei die Prinzessin sich bemüht, Rechas Vertrauen zu gewinnen. Die Unterhaltung gipfelt in Sittahs Angebot, als Schwester Rechas betrachtet zu werden. Als Recha zu weinen beginnt, sich der Prinzessin zu Füßen wirft und klagt, dass sie ihren Vater Nathan verlieren soll, versichert ihr Sittah, dass das nicht geschehen werde. Als sich Recha beruhigt hat, berichtet sie Sittah, dass sie von Daja auf dem Weg in den Palast erfahren hat, eine getaufte Christin zu sein und Nathan nur der Ziehvater ist. Das war ein Schock für sie, doch schlimmer war, dass Daja, ihr Mutterersatz, der sie viel zu verdanken hat, verlangte, den einzigen Weg des Heils als Christin zu gehen.


    Als Saladin hinzukommt, will sie sein Versprechen, dass sie Nathan als Vater nicht verlieren wird. Saladin versichert ihr genau das, bietet ihr sogar an, die Vaterrolle zu übernehmen, falls sich andere um sie streiten sollten. Saladin wird ernst und meint, dass Väter sterben können, und es deshalb wichtig sei, sich einen Mann auszusuchen. Recha stellt es so dar, als kenne sie noch keinen Mann, doch Saladin merkt die Lüge und sagt, er habe einen Mann herbestellt. In diesem Moment kündigt ein Diener Nathan und den Tempelherrn an.


    Tatsächlich kommen die beiden dazu und Saladin heißt sie herzlich willkommen. Er wendet sich zuerst an Nathan mit der Bemerkung, dass aus Ägypten eine Karawane mit Geld eingetroffen ist, Nathan also sein Vermögen zurückhaben kann. Anscheinend sind das für Nathan im Moment jedoch Peanuts, denn er geht sofort auf Recha zu, nennt sie während einer innigen Umarmung ‚meine Tochter‘ und sie ihn ‚mein Vater‘. Der Sultan stört die beiden und führt Recha zum Tempelherrn und bittet sie, der Wahrheit die Ehre zu geben und ihm ihre Liebe zu gestehen - von Sittah unterstützt. Doch Nathan verhindert ein Liebesgeständnis, weil Rechas Bruder noch ein Wörtchen mitzureden hat. Er erklärt, dass des Tempelherrn Name nicht Curd von Stauffen ist, sondern Leu von Filnek. Als kleines Kind wurde er von seinem Onkel Konrad von Stauffen wie ein Sohn aufgezogen. Sein Vater war allerdings ein Mann, der sich Wolf von Filnek nannte und mit einer Deutschen aus dem Geschlecht der Stauffen verheiratet war - folglich ist er Rechas Bruder, denn die ist mit dem richtigen Namen Blanda von Filnek zur Welt gekommen. Der Tempelherr fällt aus allen Wolken, doch überwiegt dann schnell die Freude über die wiedergefundene Schwester, und nimmt sie innig in die Arme.


    Nathan möchte auch des Tempelherrn Vater, was der annimmt und sich mit einem herzlichen Händedruck bei Nathan bedankt. Danach umarmen sich die drei. Saladin und Sittah haben dem Geschehen erstaunt und gerührt zugesehen, doch Saladin nimmt Nathan dann beiseite (während Sittah sich zu den Geschwistern stellt) und fragt ihn, wie er alles herausgefunden hat. Nathan zeigt dem Sultan nun das Büchlein des Klosterbruders, der sofort die Handschrift seines verstorbenen Bruders Assad erkennt und anhand der Aufzeichnungen feststellt, dass Wolf von Filnek der Alias-Name Assads war und Leu und Blanda seine Kinder sind*. Damit erklärt sich auch die Ähnlichkeit zum Tempelherrn, aber es betrübt Saladin schon, dass er und auch Sittah ihren Neffe und ihre Nichte nicht sofort erkannt heben. Es kommt zu einer allgemeinen Umarmung und der Vorhang fällt.

    *Assad ist nicht gestorben, sondern zum Christentum konvertiert und nennt sich nun Wolf von Filnek. Außerdem verliebt er sich in die Schwester von Conrad von Stauffen und heiratet sie. Sie leben in Deutschland und bekommen einen Sohn namens Leu. Allerdings fühlen sie sich in Deutschland nicht wohl und ziehen zurück nach Palästina. Den kleinen Leu lassen sie beim Bruder der Mutter zurück, damit dieser ihn erzieht. In Palästina bekommen sie ein zweites Kind, eine Tochter namens Blanda. Die Mutter stirbt bei der Geburt des Mädchens und Blanda wird wenig später vom Reitknecht des Vaters zu Wolfs Freund und Waffenbruder Nathan gebracht, da Wolf/Assad in den Krieg ziehen muss. Er stirbt kurz darauf in einer Schlacht bei Askalon.


    Die folgende gekürzte Aufnahme, entstanden 1956 in Berlin, wurde gehört:


    Nathan der Weise: Drama mit Ernest Deutsch, Veronika Werl (Eloquence Hörbuch)


    Sultan Saladin: Franz Schafheitlin

    Sittah, dessen Schwester: Verena Wiet

    Nathan, ein reicher Jude in Jerusalem: Ernst Deutsch

    Recha, dessen angenommene Tochter Luitgard Im

    Daja, Christin: Käthe Haack

    Ein junger Tempelherr: Siegmar Schneider

    Ein Derwisch: Manfred Inger

    Der Patriarch von Jerusalem: Ernst Sattler

    Ein Klosterbruder: Hans Hessling

    Regie: Karl-Heinz Stroux


    © Manfred Rückert für den Tamino-Schauspielführer 2021

    Bei mir lief heute jpc einige Stunden nicht:

    Wieso? Geht doch!

    Ja, jetzt geht ein Zugriff wieder. Deshalb kann ich auch die Box mit Opernquerschnitten in deutscher Sprache wieder einstllen. Ich hörte Rigoletto mit Gisela Vivarelli, Marina Türke, Hildegard Rutgers, Walter Rausch, Ernst Kozub, Robert Lauhofer, Dietrich Fischer-Dieskau, Walter Stoll, Hanns Pick, Berliner Philharmoniker, Horst Stein
    und

    Nabucco mit Thomas Stewart, Sandor Konya, Martti Talvela, Liane Synek, Evelyn Lear, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Horst Stein

    und
    La Traviata mit Hilde Gueden, Claudia Hellmann, Friedrich Lenz, Fritz Wunderlich, Dietrich Fischer-Dieskau, Günter Missenhardt, Hans Bruno Ernst, Karl Christian Kohn, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Bruno Bartoletti


    :hello:

    Figaros Hochzeit [Querschnitt in deutscher Sprache]


    Im Moment ist bei jpc eine Störung, das Einstellen der Bestellnummer also nicht möglich. Ich möchte aber posten, dass ich heute schon in aller Frühe den o.g. Querschnitt des Mozartschen "Figaro" gehört habe. Ich weiß nicht ob es diese Oper in dieser Besetzung auch als Gesmtaufnahme gibt, würde sie mir zulegen, denn sie gefällt mir (von Fi-Di mal abgesehen).

    In der Sammlung dieser Box befindet sich auch eine Oper, die ich bisher noch nie gehört habe, weder als Querschnitt noch als Gesamtaufnahme, nämlich Thomas' "Mignon". Und die liegt gerade im Player. Ich stelle fest, dass es eine melodienreiche Oper ist und die in diesem Querschnitt in deutscher Sprache mit den Solisten Irmgard Seefried (Mignon), Catherine Gayer (Philine), Ernst Haefliger (Wilhelm Meister) und Kiteh Engen (Lothario) einzigartige Protagonisten aufgeboten hat. Die Aufnahme entstand 1963 in Paris (Maison de la Mutualité) unter der Leitung von Jean Fournet, es spielten und sangen das Orchestre des Concerts Lamoureux und der Chor Raymond Saint-Paul.


    :hello:

    Unvergesslich waren seine Auftritte als Sarastro, als Eremit im Freischütz, als Großinquisitor im Don Carlos, später auch als Philipp II, als Fiesco im Simon Boccanegra (Vielleicht die großartigste Produktion in der Aera Maazel: Janowitz, Tagliavini, Wixell, van Dam und Talvela waren eine Traumbestzung!), als Boris in der Schostakovitsch-Bearbeitung von Boris Godunow (unter Maazel), als Gremin, als Marke und schließlich in allen Basspartien von Wagner.

    Die Fettung habe ich eingefügt, weil ich gerade Talvela in der Rolle des Gremin aus Eugen Onegin gehört habe. Es ist ein Querschnitt in deutscher Sprache aus der DG-Box mit Opern in deutscher Sprache.


    Cover für die Musiksammlung


    Martti Talvela war für mich immer einer der ganz großen Sänger. Erstaunlich, was ich da von Caruso41 über den Fidelio unter Böhm in Berlin lesen musste. In der Tat muss man froh sein, dass, wie Caruso schrieb, der Sänger nicht auf den Kritiker gehört hat.


    :hello:

    Gerade ging es mit Bajazzo und Cavalleria zu Ende. Es sangen Gloria Davy die Santuzza, Sandor Konya den Turiddu, Walter Berry den Alfio. Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin unter Janos Kulka. Der Ungar leitete auch den Bajazzo mit Anny Schlemm als Nedda, Sandor Konya als Canio, Walter Berry als Tonio, Donald Grobe als Beppo. Auch hier der Chor der DOB, allerdings ein anderes Orchester, nämlich das Radio-Symphonie-Orchester Berlin. Ich habe bei den bisher gehörten Querschnitten festgestllt, dass mit großer Textverständlichkeit gesungen wird, von den Sopranstimmen bis zu den Bässen. Übrigens scheint Konya eine Allzweckwaffe der Deutschen Grammophon gewesen zu sein...

    :hello:

    Ich stimme Alfreds Meinung im Posting 7 zu Edgar Wallace zu. Ich habe etliche Romane im typischen roten Design des Goldmann-Verlages gelesen und fand die Romane immer besser, als die Filme. Damals allerdings habe ich alle Filme gesehen, was allerdings damit zu tun hatte, dass mein Chef auch ein Kino besaß, zu dem alle Firmenmitglieder durch einen entsprechenden Ausweis ständig kostenlosen Zutritt hatten. Ich erinnere mich, dass die Rialto-Filme damals durchaus wie Magnete wirkten, denn der riesige Saal war immer gut gefüllt.


    Mir kamen die schauspielerischen Leistungen eines Joachim Fuchsberger oder Heinz Drache in den Hauptrollen der Kommissare allerdings mmer provinziell vor und die Späße eines Eddie Arendt fand ich für einen Krimi deplaziert. Wenn mich nicht alles täuscht, waren seine Rollen durch den Bearbeiter des Romans für den Film "hinzuerfunden" und das nicht zum Vorteil. Manchmal allerdings waren auch "richtige" Schauspieler dabei, die zumindest versucht haben, das Niveau der Filme etwas zu heben. Ich denke an Elisabeth Flickenschildt, Gerrt Fröbe, Dieter Borsche oder Fritz Rasp. Insgesamt gesehen fand ich, dass im Laufe der Jahre die Wallace-Filme immer niveauloser wurden.


    :hello:

    Ich konnte nicht wiederstehen, eine Nostalgie-Reise mit dem Inhalt dieser Box zu unternehmen. War es doch früher üblich, dass die Opern in deutscher Sprache aufgeführt und in der Regel als Querschnitte aufgenommen wurden. Hier sind die Vertreter jener Zeit zu Hauf versammelt. Heute morgen war zunächst die "Carmen" im Player. Die Partien waren mit Ernst Kozub als Don Jose, mit Franz Crass als Escamillo, mit Gisela Litz in der Titelrolle, Rosl Schwaiger als Micaela, Angela Kotthoff, als Frasquita und Maria Graf als Mercedes besetzt. Mit von der Partie der Badische Staatsopernchor und die Badische Staatskapelle. Marcel Couraud hatte die Leitung des Ganzen, 1962 in Karlsruhe produziert.


    :hello: