Beiträge von musikwanderer

    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832:

    EGMONT

    Trauerspiel mit Musik in fünf Akten


    Uraufführung am 9.Januar 1789 in Mainz



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Margarete
    von Parma, Tochter Karls V., Regentin der Niederlande

    Graf Egmont, Prinz von Gaure

    Wilhelm von Oranien

    Herzog von Alba

    Ferdinand, sein natürlicher Sohn

    Machiavell, im Dienste der Regentin

    Richard, Egmonts Geheimschreiber

    Silva und Gomez, unter Alba dienend

    Klärchen, Egmonts Geliebte

    Ihre Mutter

    Brackenburg, ein Bürgersohn

    Soest, Krämer |

    Jetter, Schneider | Bürger von

    Zimmermann | Brüssel

    Seifensieder |

    Buyck, Soldat unter Egmont

    Ruysum, Invalide und schwerhörig

    Vansen, ein Schreiber

    Volk, Gefolge, Wachen usw.



    ERSTER AKT


    Die Brüsseler Bürger Jetter und Soest sowie Buyck, ein unter dem Grafen Egmont dienender Soldat, unterhalten sich auf einem Platz im Zentrum Brüssels. Das Gespräch verdeutlicht, dass Graf Egmont bei der Bevölkerung hohes Ansehen genießt, was aber nicht nur an seinen ausgezeichneten Schießkünsten liegt, sondern auch an den brillanten militärischen Leistungen, über die immer mal wieder berichtet wird. Unweigerlich kommt das Gespräch auf den spanischen König Philipp II., und dabei wird klar, dass der Monarch in der Beurteilung der Bürger nicht so gut wegkommt. Da ist zum Beispiel der invalide und schwerhörige Bürger Ruysum, der ein Loblied auf Philipps Vater, Kaiser Karl V., singt: Eine solche Autorität mit hoher Kompetenz wird es nie wieder geben. Es gibt aber auch noch Bürger, die den spanischen Herrscher nicht so negativ sehen, allerdings seine Berater für unfähig halten.


    Auch Margarete von Parma, eine Halbschwester Philipps, die als Regentin über die Niederlande eingesetzt wurde, kommt in der Beurteilung nicht besonders gut weg.
    Während Soest sie in Schutz nimmt, kritisiert Jetter ihre Entscheidung, die Anzahl der Bistümer erweitert zu haben. Dadurch werde die Kirche noch reicher und das gefällt ihm nicht. Auch die strengere Auslegung religiöser Verpflichtungen kritisiert Jetter. Und, einmal in Rage, schimpft er auch über die von Philipp eingerichtete Inquisition und kirchlichen Gerichte. Sie sollen doch nur verhindern, dass sich die Menschen mit den neuen Lehren beschäftigen, die hauptsächlich aus Deutschland überschwappen. Plötzlich fällt ein Name, der offensichtlich auch recht großen Respekt bei den Menschen genießt: Wilhelm von Oranien.


    In einer neuen Szene, die im Palast der Regentin spielt, schickt Margarete einen Diener zu ihrem Berater und Minister Machiavell. Dann hält sie einen Monolog über die
    „schreckliche Ereignisse“, bei denen um die neuen religiösen Bewegungen geht. Margarete weiß, dass sie den Hof in Madrid über das Rumoren informieren muss, wenn ihre Regentschaft nicht abrupt enden soll.


    Als Machiavell eingetreten ist, bittet sie ihn um seinen Rat wegen der religiösen Probleme und er empfiehlt ihr, Toleranz zu üben. Unterdrückung, argumentiert er, führt in Breite zu Widerspruch mit der Gefahr eines Bürgerkriegs, Tolerierung dagegen wirkt beruhigend. Das ist für die Regentin aber keine Option, denn sie weiß, dass
    Philipp reformatorische Gedanken strikt ablehnt. Machiavell hält aus Überzeugung an seinem Rat fest und Margarete wechselt das Thema: Sie spricht ihn auf Graf Egmont an, dessen „Gleichgültigkeit und Leichtsinn“ ihr nicht behagt. Er und der Oranier wollten Unruhen vermeiden, indem sie auf die Einhaltung der Verfassung bestehen. Dazu meint Machiavell süffisant, dass sei wohl wahr und mehr klug als fromm argumentiert. Dass man im Übrigen die Besetzung der wichtigen
    öffentlichen Posten mit Niederländern weiterführe, obwohl Spanier selbst die größte Gier auf diese Stellen hätten, ist seiner Meinung nach lobenswert. Doch suspekt ist ihr auch die Freundschaft der beiden Männer und ihr Urteil über sie ist wenig schmeichelhaft: Oranien „sinnt nichts Gutes“ und Egmont ist ihr zu selbstherrlich im Auftritt. Bei Letzterem kommt noch hinzu, dass seine Verbindungen zum Adel gefährlich für die Krone sind, denn die Adligen könnten einen Aufstand planen – beispielsweise auch gegen sie.


    Machiavell denkt anders: er schätzt Egmont als königstreu ein und bezieht sie natürlich damit ein; deshalb bittet er Margarete, die offen zur Schau getragene
    Leichtlebigkeit nicht überzubewerten. Mit ihrer Antwort trifft die Regentin – ohne es zu wissen – ins Schwarze: sie meint nämlich, dass sein Ego durch seinen niederländischen Adel und das ihm von Philipp verliehene „Goldene Vlies“ gestärkt wird, die hohe Auszeichnung ihn aber auch vor der Willkür des Königs schützt. In
    der Tat fühlt sich Egmont von Philipp persönlich beschützt. Abschließend teilt Margarete Machiavell mit, dass sie den Rat einberufen will und nach Oranien geschickt habe.


    In einem Bürgerhaus, das von Egmonts Geliebter Klärchen und ihrer Mutter bewohnt wird, ist der Bürgersohn Brackenburg anwesend, der ans Fenster geht und die Leibwache der Regentin aufziehen sieht. Während er neugierig hinuntergeht, gesteht Klärchen ihrer Mutter, dass sie keinesfalls an ihm interessiert ist, sondern Graf Egmont liebt. Diese Mitteilung ist der Mutter offensichtlich nicht neu, aber sie hat entschiedene Einwände gegen diese Verbindung und will nicht, dass das bekannt wird. Klärchen weist auf Egmonts – unbestreitbaren – Ruhm hin, der sie für ihn eingenommen hat. In diesem Augenblick kehrt Brackenburg mit der Nachricht zurück, dass
    es in Flandern Tumulte gebe und er sich verschieden muss. Allein auf der Szene bekennt er, Gerüchte über Klärchens Verhältnis zu Egmont gehört zu haben – er greift in seine Rocktasche und holt ein Fläschchen hervor und sieht es lange an, steckt es dann wieder ein: Gift!



    ZWEITER AKT


    Ein paar Stunden später unterhalten sich Jetter und ein (namenloser) Zimmerer auf einem Brüsseler Platz. Zu ihnen stoßen noch Soest, Vansen, ein (ebenfalls namenloser) Seifensieder und mehrere Bürger. Es gibt unter den Anwesenden nur ein Thema: Bilderstürmer haben mehrere Kirchen in Brüssel geschändet. Außerdem geht das Gerücht um, dass die Regentin Margarete von Parma flüchten will. Vansen, der von Mitbürgern aufgrund seiner Trunkenheit geringschätzig behandelt wird, behauptet, dass das Volk früher mit der alten Verfassung mehr Macht gehabt hätte. Das führt zu einem Streit unter den Diskutanten – als aber Graf Egmont auftritt, herrscht augenblicklich Ruhe. Er schimpft und beendet zugleich das Gespräch mit den Worten:

    Steht fest gegen fremde Lehre und glaubt nicht, durch Aufruhr befestige man Privilegien.


    Die nächste Szene spielt in Egmonts Wohnung, wo der Graf von einem Sekretär Briefe erhält, in denen von Schandtaten untergebener Soldaten die Rede ist. Egmont verhängt mehr oder weniger milde Strafen, bemüht sich, aber, Witwen, misshandelte Frauen und ältere Soldaten zu schützen. Nach dem Abgang des Sekretärs kommt Oranien, der auf die angebliche Flucht der Regentin zu sprechen kommt, die der Graf aber nicht glauben will. Und er hat dafür sogar ein verständliches Argument: Margarete von Parma wird ganz sicher nicht ihre hiesige Position für eine unbedeutende Rolle am Hofe von Philipp tauschen wollen. Außerdem muss ein Nachfolger mit vielen Problemen kämpfen und würde schnell verzweifeln. Oranien dagegen hält es für ausgemacht, dass Philipp einen neuen, strengeren Regenten ernennen und damit die spanische Oberhoheit zementieren soll. Außerdem glaubt er felsenfest, dass die Majestät gegen niederländische Fürsten vorgehen und unliebsame Leute ohne Untersuchung hinrichten lassen wird. Egmont wischt das beiseite und hält Philipp für einen verfassungstreuen König. Im Übrigen ist auch das Volk getreu, sowohl gegen die Majestät als auch gegen die eigenen Fürsten.


    Oranien setzt nun Egmont darüber in Kenntnis, dass der Herzog von Alba unterwegs ist, und dass Margarete ihm ihre Stelle übergeben wird. Er weiß – vermutlich durch Spione – dass Alba ein Heer mitbringt. Er schlägt Egmont daher vor, in seine Provinz zu fliehen und rät ihm ab, dem Herzog seine Aufwartung zu machen. Für Egmont ist das ein Hirngespinst und viel zu pessimistische Lage-Beurteilung, woraufhin Oranien von ihm unter Tränen Abschied nimmt. Seine Überzeugung, dass Alba ihn in Haft
    nehmen und hinrichten lassen wird, auch ohne Prozess, nur um ein Exempel zu statuieren, lässt Egmont nicht an sich heran.



    DRITTER AKT


    Der Vorhang öffnet sich für eine Szene im Regenten-Palast und man hört, dass Margarete ungern abdanken will. Machiavell kommt und sie berichtet ihm von einem Brief des Königs, der sie über die Abreise des Herzogs von Alba mit einem Heer in die spanischen Niederlande informiert. Ausgerechnet Alba, sagt sie, den sie so verabscheut, weil er jeden Andersdenkenden für einen Gotteslästerer und Majestätsbeleidiger hält, mit dem er kurzen Prozess machen darf. ins Jenseits befördern darf. Sie wird also abdanken und sich nicht von dem üblen Kerl ablösen lassen.


    Eine Verwandlung führt in Klärchens Wohnung, in der sie mit ihrer Mutter über Brackenburg diskutiert. Die Mutter besteht darauf, dass der junge Mann sie liebt und auch heiraten will, und sagt, dass er sie heiraten will. Klärchen jedoch gesteht der Mutter ihre Liebe zu Egmont, von dem sie sich nicht trennen kann und will. Kurz, nachdem die Mutter gegangen ist, erscheint der Geliebte in spanischer Hoftracht, die Klärchen sehr bewundert. Das gefällt ihm zwar, ist aber nicht seine erste Absicht;
    sie soll den Alba beeindrucken, dem er seine Aufwartung machen will. Außerdem soll es seine Loyalität zur spanischen Krone beweisen. Egmont zeigt Klärchen auch stolz das goldene Vlies und betont dabei, dass diese Auszeichnung dem, der sie trägt, die edelsten Freiheiten gibt, und dass er keinen Richter als den Großmeister des Ordens mit dem versammelten Kapitel der Ritter anerkennt.


    Das Gespräch dreht sich dann um die Regentin, die der Graf für eine gute Regentin hält. Dass sie aber hinter seinem Betragen immer Geheimnisse sucht, obwohl er doch keine hat – dass missfällt ihm. Schließlich gipfelt der Fast-Monolog in der Selbsteinschätzung, dass er nämlich zwei konträre Charakterhälften in sich vereint: da gibt es den „politischen Egmont“, den man für steif und kalt hält, obwohl gerade die Politik genau das verlangt, dass aber im Volk nicht gerne gesehen wird. Und dann gibt es den privaten Egmont, der ruhig, glücklich und geliebt ist, nämlich „dein Egmont!“ Er ist allerdings Klärchen nicht offen genug, da er seine Probleme nicht mit ihr besprechen will.



    VIERTER AKT


    Alba hält inzwischen in Brüssel Hof und will die einheimischen Fürsten loswerden. Der offizielle Auftrag ist einfacher gefasst: er soll prüfen, ob die Ordnung mit eben jenen niederländischen Fürsten geschafft werden kann.


    Auf der Straße treffen sich Jetter und der Zimmermeister und Jetter erfährt von ihm, dass der Alba erste Zeichen einer Schreckensherrschaft gesetzt hat: er hat nämlich befohlen, dass Bürger, die auf der Straße miteinander reden, des Hochverrats beschuldigt und zu verurteilen sind. Außerdem ist bei Todesstrafe verboten, Kritik an der Regierung zu üben. Da tritt Soest hinzu und raunt ihnen zu, dass die Regentin Margarete von Parma und auch Wilhelm von Oranien aus Brüssel abgereist seien. Vansen, der sich ebenfalls eingefunden hat, hält nichts von Schwarzmalerei, kann dem kommenden Regime des Herzogs nur Gutes abgewinnen: er behauptet, dass das Volk nicht leiden werde. Er wird sich auch weiterhin für die Reformation einsetzen. Aber er meint, dass Egmonts Tage gezählt sind, man ihn in einen Hinterhalt locken und er zu Tode kommen wird. Die anderen lassen erkennen, dass sie dem Grafen nicht helfen werden, wenn er in Schwierigkeiten geraten sollte. Stehen hier etwa Gegner des Grafen Egmont oder - angesichts der herausziehenden Schreckensherrschaft - Vorsichtige, vielleicht auch nur Feiglinge zusammen?


    Die Szene wechselt in den Palast des Herzogs von Alba. Seine beiden Diener – Silva und Gomez – unterhalten sich gerade über Weisungen des Herzogs. Sie gestehen
    sich ein, seine Absichten nicht zu kennen, wissen nur, dass er die niederländischen Fürsten geladen hat, um sie zu begrüßen und ihnen ihre Aufgaben zuzuweisen. Ferdinand, ein unehelicher Sohn Albas, tritt hinzu und berichtet, dass sowohl Egmont als auch Oranien in Kürze eintreffen werden. Da erscheint Herzog Alba selbst und
    beordert Gomez – nach floskelhaften Bemerkungen – in die Galerie. Dort soll Silva ihm die Nachricht übergringen, wenn die Zugänge zum Palast mit Wachen zu besetzen sind. Silva aber befiehlt er, Egmonts Geheimschreiber zu verhaften, sobald die Fürsten bei ihm eingetreten sind.


    Alba und Ferdinand sind allein und der Sohn gesteht dem Vater, dass er Egmont bewundert. Doch Alba befiehlt ihm ungerührt, jeden Zugang zum Palast zu besetzen, wenn die Fürsten anwesend sind. Nach des Vaters Abgang gibt Ferdinand zu, dass er nur schweren Herzens gehorcht, er jedoch eine Bewährungsprobe zu bestehen hat. Silva tritt wieder ein und meldet, dass Wilhelm von Oranien nicht kommen werde.


    In einer neuen Szene ist der Herzog von Alba zunächst allein im Raum. Ein Lakai meldet Egmont an und der begrüßt den Herzog nach vollendeter spanischer Hofsitte. Nach der sonst floskelhaften Begrüßung erklärt Alba, dass die allerhöchste Majestät den Rat des Grafen zur Lage hören will. Es wird sehr schnell klar, dass hier zwei
    unterschiedliche Definitionen von „Freiheit“ vorliegen: Alba hält nur die für frei, die dem Herrscher gehorchen und behauptet, dass zu viel Freiheit der Willkür Tür und Tor öffnet, im schlimmsten Fall sogar der Anarchie. Egmont attestiert seinem Volk jedoch den guten Willen und Alba widerspricht sofort mit der Behauptung, dass die
    Niederländer kindisch seien und das man Rebellen grausam bestrafen müsse. Wieder geht Egmont dagegen an mit der Problemlösung: Vergebung! Die Gegensätze liegen offen – und Alba ruft die Wachen und lässt den Grafen verhaften. Dem wird schlagartig bewusst, dass Wilhelm von Oranien ihn vor genau dieser Maßnahme gewarnt hatte.



    FÜNFTER AKT


    Eine Straße in Brüssel, auf der sich Brackenburg, Klärchen und einige Bürger begegnen. Klärchen will natürlich ihren Geliebten aus der Gefangenschaft befreien und ist
    überzeugt, dass die Bürger ihr helfen werden; hat doch Egmont einst zwei Schlachten für sie gewonnen und ist deshalb beliebt. Aber eine Stimme in ihrem Inneren lässt sie erahnen, dass ihr Geliebter dem Tod geweiht ist und er keine Hilfe durch die Brüsseler Bürger erwarten kann. Auch Brackenburg lehnt Hilfe ab, versucht, dagegen
    energisch, Klärchen umzustimmen. Als jedoch Albas Wache um die Ecke kommen, geht sie mit Brackenburg ab, und die Bürger schleichen sich ebenfalls davon.


    Graf Egmont ist mittlerweile eingekerkert worden und liegt schlaflos auf der Pritsche. Im Monolog wird klar, dass er sich nach Freiheit und nach Klärchen sehnt. Aber er ahnt, dass man ihn zum Tode verurteilen wird. Oder hat die andere Stimme in seinem Inneren recht, die auf die Gerechtigkeit von König Philipp setzt? Können Oranien, Margarete, das Volk und Klärchen ihm helfen? Zweifel beherrschen seine Gedanken. Er denkt auch daran, dass sein Tod den Provinzen die Freiheit geben könnte. Schließlich bildet er sich ein, einen Engel in Klärchens Gestalt zu sehen.


    Die wartet verzweifelt auf die Nachricht von Brackenburg, ob Egmont verurteilt worden ist. Und der kommt mit den Nachrichten, dass die großen Straßen der Stadt mit
    Soldaten besetzt sind und dass Egmont tatsächlich verurteilt worden ist. Gleichzeitig gesteht er, dass er Graf Egmont stets beneidet hat und fügt leise hinzu, dass man bereits ein Schafott auf dem Marktplatz aufbaue. Das ist für Klärchen zu viel: sie begeht Selbstmord in dem Wissen, dass sie ihren Egmont im Himmel wiedersehen
    wird.


    Egmont ist schließlich doch eingeschlafen: Ferdinand und Silva treten ein, um ihm sein Urteil zu verkünden. Sie wecken Egmont und er wird zornig über die in der Nacht ohne eine Anhörung erfolgte Verurteilung zum Tode. Silva weist das zurück und verliest das Urteil: wegen Hochverrat am König ist er zum Tode verurteilt worden – ohne Prozess. Silva geht ab, Ferdinand zurück und lässt in Egmont den Verdacht aufkommen, dass Ferdinand für diese Schande verantwortlich ist. Das weist der
    Alba-Sohn zurück. Egmonts Zorn verraucht, weil durch Ferdinands Erklärungen deutlich wird, dass Alba nicht dem Willen des Königs gefolgt, sondern seinen eigenen Weg gegangen ist. In diesem Augenblick werden die beiden Männer noch Freunde; aber Egmont weiß auch, dass er durch Ferdinand nicht gerettet werden kann. Sie nehmen im Bewusstsein ihrer neuen, wenn auch nur kurzen, Freundschaft Abschied.


    Egmont setzt sich nach Ferdinands Abgang wieder aufs Ruhebett, als plötzlich Musik ertönt. Er ist auf einmal müde, schläft ein und träumt dabei von einer Allegorie des
    Sieges und der Freiheit. Als er kurz darauf wieder erwacht schätzt er seinen Tod positiv ein, und hat das Gefühl, für die Freiheit seines Volkes zu sterben.


    Während im Hintergrund militärische Musik immer lauter wird, erscheinen spanische Soldaten, um Egmont zum Schafott zu führten. Jede Furcht ist von ihm gewichen und er geht unter den Klängen einer Siegessinfonie stolz in den Tod.



    © Manfred Rückert für den Tamino-Schauspielführer 2021.

    Der Komponist Siegfried Matthus ist am vergangenen Freitag nach längerer Krankheit im Alter von 87 Jahren in Stolzenhagen (Brandenburg) gestorben. Das teilte am Montag der Freundeskreis der Kammeroper Schloss Rheinsberg im Auftrag der Familie Matthus mit.


    Matthus schuf mehr als 600 Musikwerke aller Gattungen. Er komponierte auch Opern wie "Judith" oder auch "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke". Außerdem ist er Begründer der Kammeroper Schloss Rheinsberg, die er bis 2014 leitete.


    :angel:

    ---------->Responsive image


    Diese Einspielung Gardiners ist gerade an ihr Ende gekommen. Ich gestehe, dass mir gerade dieses Werk nicht richtig zusagt. Keine Aufnahme hat mich bisher so richtig zufriedengestellt, denn die Rezitative sind oft lang und ermüdend. Gardiners Interpreten sind Anne Sofie von Otter - Sylvia McNair - Michael Chance - Bernarda Fink - Catherine Bott u.v.a. Und auch diese

    Platten haben mich für das Werk nicht eingenommen.

    :hello:

    ----------->Bildergebnis für orfeo monteverdi unter gardiner


    Am Nachmittag heute war es Monteverdis ORFEO der mich beschäftigt hat. Vorweg: Ich habe verschiedene Aufnahmen, von denen mir ganz besonders Harnoncourts Aufnahme am Herzen liegt. Gardiners Einspielung - so mein Urteil nach einmaligem Durchhören - steht Harnoncourt in nichts nach. Einige Mitwirkende seien hier genannt:

    Anthony Rolfe Johnson - Julianne Baird - Lynne Dawson - Anne Sofie von Otter - Nancy Argenta - John Tomlinson - Michael Chance u.a.

    :hello:


    Mozarts Klavierkonzerte habe ich – von einzelnen Konzerten abgesehen, die ich früher mal auf Platte besaß – durch die Interpretation Alfred Brendels mit der Academy of St. Martin in the Fields unter Sir Neville Marriner kennengelernt. Für mich hat der Zugriff von Brendel/Marriner auf diese Werke immer etwas endgültiges gehabt – Neues musste ich nicht haben.


    Nun habe ich die Gesamtaufnahme von Malcom Bilson und John Eliot Gardiner gehört (die Pasticcio-Konzerte sind hier nicht vertreten) und musste feststellen, dass ich durchaus neue Erfahrungen machen konnte. Das Neuartige ist in diesem Fall nicht der Originalklang des Orchesterapparates – da habe ich keinen Nachholbedarf –, wohl aber spielt das Soloinstrument, ein Fortepiano oder Hammerklavier, diese Rolle. Ich besitze nämlich keine Aufnahmen mit diesem Instrument, insofern sind diese KK ein Novum unter meinen Cds. Und da hatte ich zunächst Probleme mit der Klang-Balance zwischen Orchester und Soloinstrument, denn ich konnte zunächst den Kritikern folgen, die bemängelten, dass Gardiner sein Orchester bei Fortestellen nicht zurückgenommen hat. Schließlich ist das Soloinstrument ja klangmäßig etwas schmalbrüstig und das Orchester deckt es bei entsprechenden Fortestellen zu. Dann aber – im Laufe der Hörsitzungen – wurde mir das immer unwichtiger. Dagegen geriet das fulminante Zusammenspiel zwischen den Protagonisten zu einem wichtigen Pluspunkt dieser Aufnahmen. Für mich stellt sich unter diesem Gesichtspunkt auch nicht die Frage einer eventuellen musealen Authentizität; hier – und das empfinde ich so – wird lebendig und durchsichtig musiziert.


    Es sind Aufnahmen gelungen, die ich auf die einsame Insel mitnehmen würde...

    :hello:

    Ich muss zugeben, dass mich (wahrscheinlich!) die evtl. vorhandenen Tondokumente nicht interessieren, finde aber solche historischen Textausgrabungen immer interessant zu lesen. Auch der Hinweis auf den fünf Jahre alten Beitrag von Tamino Rheingold1876 ist wichtig, habe ich ihn heute doch mit großem Interesse gelesen. Warum ist mir das nicht schon viel früher aufgefallen? Da kommen einem nicht nur musihistorische Gedanken, sondern auch politische ins Gehirn.

    :hello:

    Meine Vorlieben bezüglich der Aufführungspraxis von - ganz speziell - Bach-Werken haben sich (wie das wahrscheinlich auch normal ist) im Laufe der Zeit gewandelt. Rillings Stil ist für viele jüngere Bach-Enthusiasten durch die Historische Aufführungspraxis überholt. Ich kann mich dem auch nicht entziehen, habe mir im Laufe der Zeit verschiedene Aufnahmen mit dieser "neuen" Interpretationspraxis angeschafft, habe alle geistlichen Werke Bachs inzwischen in HIP. Ich möchte aber die Bach-Kantaten, die Rilling für das Label Hänssler eingespeilt hat, auch heute noch nicht missen. Ich greife nicht mehr oft zu diesen CDs, kann es aber nicht ganz lassen. Wahrscheinlich liegt es an der menschlichen Eingenschaft, dass man mit Dingen, mit denen man groß geworden ist oder die einem ans Herz gewachsen sind, nicht endgültig brechen will...

    :hello:

    Ich habe mir das Mozart-Konzert angesehen (und angehört natürlich) und fand es - superb!


    Den letzten Programmpunkt - Non mi dir aus Doin Giovanni - habe ich allerdings wegen Störungen, die sowohl das Bild als auch den Ton betrafen, nicht mehr sehen können. Schade.


    Es war tatsächlich eine gelungene Sendung. Ich fand es schade, dass Currentzis nicht auch die Es-Dur-Sinfonie - KV 543 - in das Programm aufgenommen hat. So interessant die Solostücke des Konzerts auch sind, für die erste Sinfonie seiner letzten drei sinfonischen Werke hätte ich gerne auf die Solo-Arien und die Maurerische Trauermusik verzichtet...


    :hello:

    Lieber musikwanderer


    Ich habe eine preislich günstigere Aufnahme deiner durch dich vorgestellten Gardiner-Aufnahme beim Werbepartner gefunden.

    Ich muss gestehen, lieber moderato, dass ich bei der oben abgebildeten Gardiner-Aufnahme der h-Moll-Messe etwas gefudelt habe - und zwar insoweit, als dass das Werk in dieser 105-CD-Box von DG und Archiv-Produktion enthalten ist:



    Da ich jene dicke Ausgabe in der letzten Zeit viel gepostet hatte, wollte ich mal ein anderes Bild beisteuern...


    :hello:

    Es sind heute zwei Einspielungen der h-Moll-Messe, die ich ungern missen möchte, die ich möglicherweise auch mit auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde:


    und diese hier ------------->















    Alle weiteren könnte ich eigentlich entsorgen - so z.B. die Karajan-Aufnahme von 1952. Sie ist aber insofern eine Rarität, weil das Philharmonia Orchestra London nur bei den Arien spielt, im übrigen jedoch Chor und Orchester der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien eingesetzt sind. Die Solisten sind bei dieser Aufnahme natürlich Opernsänger (und deshalb für geistliche Werke nach meinem Dafürhalten nicht besonders prädestiniert):

    Schwarzkopf – Höffgen – Gedda – Rehfuss


    Eine weitere Historische Aufnahme wurde beim 35. Deutschen Bachfest im Juli 1958 unter Hans Grischkat aufgenommen; seine Solisten sind

    Friederike Sailer – Margaret Bence – Fritz Wunderlich und Erich Wenk

    der Chor - die Schwäbische Kantorei - scheint ein Laichenchor gewesen zu sein, denn sie singen so. Wegen Wunderlich

    möchte ich sie nicht missen, wenn er auch nur sehr, sehr wenig zu singen hat.


    Wegen der guten Solisten will ich auch Rillings Aufnahme nicht abgeben:

    Sonntag – Lipovsek – Crook – Schmidt

    Rilling hat natürlich seine Gächinger Kantorei und das Stuttgarter Kammerorchester zur Verfügung. allerdings ist sein Stil auch bei mir heute nicht mehr so gefragt.


    :hello:

    -------> Mozart: Die Zauberflöte (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Ludwigsburger Schloßfestspiele 1995)


    Mit dieser ZAUBERFLÖTE enden selbstverständlich die Mozart-Opern-Aufnahmen Gardiners. Und für mich steht fest, dass es eine durchgängig wunderbare Einspielung ist. Es mag in anderen Aufnahmen einzelne Sängerleistungen geben, die besser sind - und ich kann auch an jedem Tempo, das Gardiner anschlägt, herummäkeln, ja, aber es bleibt eine durchaus großartige Gesamtleistung übrig. Ich jedenfalls reihe sie gerne in meine Zauberflöten-Aufnahmen ein. Übrigens: das ist meine subjektive Meinung.

    :hello:

    D'accord, leiber Garaguly! Bei Päckchen oder kleinen Paketen wie CD-Lieferungen habe ich damit bisher keine Probleme (obwohl es mich natürlich ärgert), aber es gibt ja auch andere Gelegenheiten. Da hatte vor einiger Zeit ein Nachbar beim weltweit größten Waren-Anbieter (den Namen kennen alle!) Dielen-Möbel bestellt und musste sie dann, am Briefkasten abgestellt, nach oben hieven. Schöne neue Lieferanten-Welt...

    :hello:

    Also ich kann mich partout nicht über jpc beklagen! Sie liefern seit Jahren schnell und pünktlich. Bei den auch ab und zu mal vorkommenden Problemen wurde immer geholfen - nicht immer schnell, aber zumindest nicht allzu lange an Wartezeiten.

    Mit JPC klappt alles hervorragend und hab keine Beschwerden. Nur halten es wohl einige DHL Fahrer nicht für nötig bei meinen Nachbarn zu klingeln, trotz Hinweis am Briefkasten. Und es liegt auch keine Benachrichtigung im Briefkasten das ich das Paket bei der Post. abholen kann. Meine Nachbarin erzählte mir die Fahrer würden einmal kurz klingeln und dann schnell weitere fahren.

    Das ist auch meine Erfahrung, da ich aber krankheitsbedingt seit anderthalb Jahren meist zu Hause bin, hat sich das Problem erledigt. Doch will ich hinzufügen, dass wir uns bei der Zustellung durch DHL oder private Lieferanten in Zukunft noch an so einiges gewöhnen müssen: Pakete werden immer häufiger an der Haustüre abgelegt und nicht mehr zur Wohnungstüre gebracht. Angeblich Coronabedingt; das wird sich verselbständigen und bleiben - denke ich.

    :hello:

    Bildergebnis für Gardiner Und Mozarts Titus. Größe: 150 x 160. Quelle: www.deccaclassics.com------>DEUTSCHE G John Eliot Gardiner - Sämtliche Aufnahmen Für Archiv And DG (Ltd.Edt.) (CD)

    Mozarts CLEMENZA DI TITO unter Gardiner folgt auf die COSÌ. Und sie hielt das Versprechen, dass die Plattenfirma veröffentlicht hat: Es liegt eine mich rundum zufriedenstellende Aufnahme vor. Neben Böhms Aufnahme (in der Julia Varady auch die Vitellia singt) und Harnoncourts Einspielung kann sie allemal bestehen. Böhm ist bei mir bezüglich dieses Spätwerks (ein merkwürdiger Ausdruck bei dem frühverstorbenen Mozart!) etwas in den Hintergrund getreten, Harnoncourt hat in Langridge einen mir nicht zusagenden Sänger der Titelpartie - Rolfe Johnson bei Gardiner kommt mir da näher entgegen. Für mich steht Mozarts Musik außerhalb jeder Kritik. Dass ihm Metastasios Seria-Libretto nicht zusagte und er den sächsischen Hofdichter Caterino Mazzola einen ihm genehmeren Text verfassen ließ ("zu einer wahren Oper umgearbeitet" schreibt er selber) hat ihn offensichtlich beflügelt. Mein Favorit seit Jahrzehnten ist Vitellias Arie aus dem zweiten Akt "Non piu di fiori" - von Julia Varady auch hier (wie schon bei Böhm) erstklassig geboten. Fragte mich jemand, würde ich diese Aufnahme sehr empfehlen...

    :hello:

    Ich habe mir beide Akte des DON GIOVANNI angetan und muss sagen, dass die Bilderflut, wie angekündigt, gewaltig war, aber nichts mit Mozarts Oper zu tun hatte. Der Gesangsext stimmte oft genug nicht mit dem Geschehen auf der Bühne überein, was aber offensichtlich heutzutage als üblich goutiert wird. Von meiner Seite nicht zu bestreiten ist die überzeugende Leistung des gesamten Ensembles - Gesangssolisten und Orchester. Die haben den Beifall wirklich verdient, was aber den Regisseur angeht, halte ich mich ganz bewusst zurück. Und der Hype um Currentzis ist mir schnuppe.

    :hello:

    Cosi Fan Tutte (Ga)

    Hier habe ich eine wunderbare Ensemble-Leistung verfolgen dürfen: Gardiners Interpretation von Mozarts COSÌ mit dem Monteverdi Choir, den English Baroque Soloists und den Solisten Fiordiligi Amanda Roocroft, Dorabella Rosa Mannion, Guglielmo Rodney Gilfry, Ferrando Rainer Trost, Despina Eirian James sowie Don Alfonso Claudio Nicolai ist ein Hörgenuss gewesen! Diese Aufnahme ist so gut, dass ich sie gleich zweimal gehört habe - und sie wird zu einer meiner liebsten COSÌ-Einspielungen werden.

    :hello:

    Lieber nemorino,


    die Marriner Aufnahme mit der Academy of St. Martin in the Fields besitze ich auch, und zwar erschien sie in der Mozart-Edition von Philips, ergänzt um die Sketche KV 299c, die Erik Smith vervollständigt und orchestriert hat.


    Man sollte allerdings hinzufügen, dass Mozart in seinem Brief an den Vater von 12 eigenen und 6 fremden Kompositionen für das Ballett schrieb. Die Handschrift scheint - nach dem KV - verlorengegangen zu sein, tauchte 1872 in Abschrift wieder auf. Diese Kopie weist 20 Stücke mit Ouvertüre auf, lässt aber nicht eindeutig erkennen, welche Stücke von Mozart sind. Die Aufnahme von Marriner enthält "die besten [Stücke], die aber nicht unbedingt der üblichen Auswahl entsprechen".

    :hello:

    Lieber Rheingold1876, ich danke Dir für die Ergänzung mit Musik zum JEDERMANN - für mich eine Novität. Ich besitze eine Aufnahme (genauer: ich besaß!) von den Salzburger Festspielen, die ich hier als Diskographischen Hinweis einstellen wollte. Doch fand ich im Web kein Cover und zu meinem Erstaunnen ist auch die CD in meinem Regal nicht mehr auffindbar. Ich weiß also nicht mehr, wer die Schauspieler waren, meine mich aber zu erinnern, dass Will Quadflieg die Titelrolle spielte. Ich hoffe, dass der bestens informierte Kollege Carlo hier helfen kann...

    :hello:

    ------->R-1622995-1232820810.jpeg.jpg

    Ich hatte eine etwas unruhige Nacht und habe mir Gardiners Wiener Fassung des DON GIOVANNI angehört. Es war eine durchaus zufriedenstellende, mich aber nicht vom Hocker reißende Version. Was Gardiner bewogen hat, diese Version einzuspielen, kann ich nicht nachvollziehen, nicht mal aus dem Booklet ermitteln. Gerechterweise muss ich hinzufügen, dass die Prager Urfassung durch entsprechende Programmierung des Players auch vorhanden ist. Ich persönlich habe die für Wien komponierten Teile auch in anderen Aufnahmen vorliegen, kenne sie also und habe sie noch nie für gelungen betrachtet. Auch hier wird - wie in den anderen Mozart-Opern-Aufnahmen Gardiners - schön gesungen, doch der Knalleffekt (wie ich es mal etwas salopp formulieren will) hat sich nicht eingestellt. Da ist auf jeden Fall Klemperers Aufnahme oder Furtwänglers Salzburger Produktion für mich effektiver...

    :hello:

    Hugo von Hofmannsthal (1874-1929):


    JEDERMANN

    Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes

    Tragödie in einem Aufzug


    Uraufführung am 1. Dezember 1911 im Berliner Zirkus Schumann unter Max Reinhardt



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Gott, der Herr / Erzengel Michael / Tod / Teufel / Mammon / Werke / Glaube

    Jedermann / Jedermanns Mutter / Jedermanns guter Gesell / Jedermanns Tischgesellen

    Der Hausvogt / Der Koch

    Ein armer Nachbar / Ein Schuldknecht / Sein Weib und Kind

    Buhlschaft / Dicker Vetter / Dünner Vetter / Junge Fräulein / Büttel / Knechte / Spielleute / Buben / Mönch / Engel



    INHALTSANGABE DES EINZIGEN AKTES


    Der Herrgott klagt über die Undankbarkeit der Menschen. Sie kennen nur das Vergnügen, den Erwerb von Reichtum und haben ihn, den Herrscher des Himmels und der Erden, vergessen. Und Gott beschließt, ein Exempel zu statuieren, ruft Gevatter Tod zu sich und gibt ihm den Auftrag, den Jedermann zu ihm zu bringen.


    Und dieser Herr Jedermann kommt gerade aus seiner Villa. Selbstverliebt preist er nicht nur seine Reichtümer, sondern beauftragt seinen Koch, ein opulentes Festmahl für Gäste herzurichten. Dann ruft er einen seiner Knechte zu sich und wünscht, dass er ihm ein gut gefülltes Geldsäckchen holt, denn er will sich mit seinem Freund, dem guten Gesellen, ein vor der Stadt liegendes Grundstück kaufen – er will es in einen Lustgarten verwandeln.


    Doch gerade als er sich mit jenem Freund auf den Weg machen will, tritt ihm sein armer Nachbar in den Weg und bettelt ihn an. Jedermann ist – nach eigener Einschätzung – nicht geizig, und er zückt sofort seine Geldbörse und übergibt seinem Nachbarn eine kleine Münze. Damit ist dem armen Nachbarn allerdings nicht geholfen und er bittet den Reichen um den vollen Geldbeutel. Jedermann reagiert entrüstet: Wie käme er dazu? Er hätte, wenn sich das herumsprechen würde, nur noch bettelnde Leute am Hals. Aber nachtragend ist Jedermann nicht und hält dem armen Kerl die Münze noch einmal hin – der nimmt sie und geht ab.


    Jedermann und sein Geselle wollen weiter gehen, doch kommt ihnen, von zwei Bütteln geführt, der Schuldknecht mit seiner Frau und ihren Kindern entgegen. Der arme Kerl konnte seine Schulden bei Jedermann nicht bezahlen und soll nun in den Schuldturm gebracht werden. Als wäre die Lage für den Schuldner und seine Familie nicht schon schrecklich genug, wird er – und damit natürlich auch seine Frau und die Kinder – von Jedermann und seinem Spießgesellen übel verspottet. Der lässt sich das jedoch nicht gefallen und findet Worte, die Jedermann an sein eigenes „Schuldbuch vor Gott“ erinnern sollen – was jedoch an dem Hartherzigen abprallt: Kann er etwas dafür, dass der Mann nicht mit Geld umgehen kann? Des Schuldners Frau mischt sich ein und warnt Jedermann mit resignierendem Tonfall vor Gottes Strafgericht. Aber auch das lässt den Gescholtenen kalt; er lobt stattdessen den Mammon und behauptet, dass Wohlstand und Glauben nichts miteinander zu tun haben. Doch kommt plötzlich bei Jedermann menschliche Rührung ins Spiel, denn er ordnet an, dass man für die Frau und ihre Kinder eine Unterkunft sucht – für die Kosten will er aufkommen.


    Weil es nun für die Besichtigung des Gartengrundstücks zu spät ist, gibt Jedermann seinem guten Gesellen den Auftrag, für ihn den Kauf abzuwickeln. Selbst stellt er sich den Lustgarten als ein Paradies zur Erholung von den Alltagssorgen vor: Es soll einen von Säulen umrahmten Altar geben, es soll ein Badehaus für Spiele im Wasser gebaut werden und es müssen unbedingt verführerische und süße Blumendüfte den Garten erfüllen. Jedermann ist von seinen Ideen begeistert...


    ...wird aber durch seine Mutter in die Realität zurückgeholt: Sie tritt zu ihm und klagt ihn wegen seiner mangelnden Gottesfurcht an und muss sich im Gegenzug von ihrem Sohn anhören, dass die Kirche doch nur sein Geld will. Die Antwort der Mutter hebt auf die Allmacht des Todes ab, er aber fühlt sich mit 40 Jahren noch viel zu agil und will sich Bußfertigkeit für später vornehmen. Die Mutter aber lässt nicht locker und moniert seine vielen Frauen, erinnert ihn an das Sakrament der Ehe. Und tatsächlich kann sie ihm ein – wenn auch nur halbherziges – Versprechen abringen, dass er sich darüber Gedanken machen will. Als sie, auf irgendeine Weise zufriedengestellt, davongeht, hört sie „Flöten und Schalmeien“, und – merkwürdig – Jedermann hört sie auch. Diese verstörenden Klänge setzen ihm zu, doch wird er in diesem Augenblick von der Buhlschaft, die mit Spielleuten auf ihn zukommt, sofort in eine frohe Stimmung versetzt. Sie macht ihm jedoch Vorwürfe, weil er die Verabredung nicht eingehalten und sie deshalb schon Schlimmes befürchtet hat. Obwohl Jedermann durch die Musik nun erleichtert ist, kann er seine melancholische Stimmung nicht ganz abschütteln. Die Buhlschaft bemerkt das und versucht ihn aufzuheitern. Aber ihre Bemerkung, dass der Tod wie eine schlafende Schlange sei, die auf keine Fall geweckt werden sollte, lässt Jedermann wieder nachdenklich werden. Schließlich sagt er, sich aufbäumend, er wolle nur noch „zwei besondere Schlangen“ spüren, nämlich ihre Arme, die ihn umfassen sollen. Das lässt sich die Buhlschaft nur einmal sagen, küsst ihn und setzt ihm einen Blumenkranz auf.


    Eine neue Szene zeigt einen üppig gedeckten Tisch für eine große Gesellschaft. Jedermann heißt die Gäste willkommen. Aber plötzlich bildet er sich ein, dass alle im Totenhemd an der Tafel sitzen. Er fragt unvermittelt die Buhlschaft, ob sie ihm in den Tod folgen würde. Diese Frage lässt die Gäste aufhorchen und bestürzt reagieren; schließlich beraten sie, wie man den beliebten, großzügigen und geschätzten Gastgeber auf andere Gedanken bringen kann. Ein Vetter des Jedermann will es mit Wein versuchen, andere wollen lustige oder zotige Lieder singen. Der Gastgeber hat derweil ein Glas Wein getrunken und ist dadurch sofort in eine andere Stimmung gekommen. Er bittet seinen Vetter, für die Gesellschaft ein Lied zu singen. Der lässt sich nicht lumpen und stimmt den Gesang vom „kalten Schnee“ an – als Jedermann plötzlich ein dumpfes Glockenläuten wahrnimmt. Er horcht auf und bemerkt, dass die Gäste weiter albern – offensichtlich haben sie den Glockenklang nicht gehört. Aber: kaum ist der Glockenklang verstummt, hört Jedermann von allen Seiten die Rufe seines Namens – schrecklich und mahnend zugleich. Und wieder stellt er fest, dass nur er die Stimmen gehört hat, denn seine Gäste lachen und singen weiter. Jedermann nimmt sich vor, am nächsten Tag seinen Arzt aufzusuchen.


    Dem Arztbesuch kommt allerdings ein ungebetener Gast zuvor: Gevatter Tod tritt zu ihm und ruft ihn zu Gott. Der Besucher und seine Worte schreckt die Gäste auf und sie fliehen entsetzt. Der Todgeweihte fängt sich und fleht den Tod inständig um einen kurzen Aufschub an: Er möchte erst sein Schuldbuch in Ordnung bringen. Mit so einer Bitte – wenn auch flehentlich vorgetragen – kann Jedermann bei Gevatter Tod aber nichts ausrichten. Unerbittlich und ohne Erbarmen lehnt der Tod ab – um sich ebenso plötzlich anders zu besinnen: Er gewährt den Aufschub und gibt Jedermann sogar Zeit, einen Reisegefährten zu finden (wohl wissend, dass kein Mensch freiwillig mitkommen wird).


    Der erste, an den sich Jedermann wendet, ist sein bester Freund, der gute Geselle. Tatsächlich will der ihm überallhin folgen. Als ihm aber klar wird, dass er für immer Frau, Kinder und Freunde, das schöne Leben eben, zurücklassen müsste, weicht er protestierend zurück. Das ist zu viel verlangt. Er rennt davon und lässt in Jedermann die Erkenntnis reifen, dass auch auf die besten Freunde kein Verlass ist.


    Enttäuscht wendet sich Jedermann nun seinen Vettern zu. Die beschwören natürlich zunächst das dicke Band der Blutes – brauchen aber auch nicht lange, hinter ihres Cousins Absicht zu kommen und beenden das Spielchen mit ihrem Abgang. Der eine Vetter ruft ihm dabei noch zu, dass er gerne seine unangenehme Frau mitnehmen könne, während der andere Vetter Jedermann entrüstet für den Versuch, die Verwandten mit in den Tod reißen zu wollen, tadelt. Er weist dann auch noch auf die große Zahl von Leibeigenen hin, die er mitnehmen könnte – ein bestechender Gedanke, der bei Jedermann aber Zweifel aufkommen lässt, dass die vor Gott für ihn sprechen würden.


    Was bleibt ihm nun noch übrig? Die Zeit ist unerbittlich weiter gegangen und als einzige Alternative kommt ihm die große Truhe mit den Reichtümern in den Sinn. Also befiehlt er den Knechten, jene Truhe zu holen und sich auf eine lange Reise vorzubereiten. Doch Jedermanns Zeit ist vorbei und aus dem Hintergrund kommt wieder Gevatter Tod auf ihn zu. Die Knechte rennen entsetzt davon und Jedermann wirft sich auf die Truhe und gelobt, nicht ohne sie zu gehen. In diesem Moment springt die Truhe auf und Mammon erhebt sich, für Jedermann zunächst nicht erkennbar. Als sich Mammon jedoch vorstellt, besteht er darauf, dass er ihn auf die Reise in den Tod begleitet. Der aber lacht höhnisch-böse und macht Jedermann klar, dass er, der Mammon, ihn an der Nase herumgeführt hat: Der Reichtum sei ihm nur geliehen worden, ins Grab werde er so nackt wie ein Neugeborenes gehen! Mammon springt höhnisch lachend wieder in die Truhe und der Deckel fällt herab.


    Jedermann muss sich eingestehen, dass er sich überschätzt hat. Plötzlich ruft eine zerbrechlich klingende Stimme seinen Namen – eine alte und krank aussehende Frau schlurft heran: Es sind, aber das erkennt Jedermann nicht, seine Werke. Er wendet sich also ab – doch die gebrechliche Alte gibt sich als seine Wohltaten zu erkennen und will mit ihm auf die Reise gehen. Jedermann glaubt aber, dass sie ihn bei Gott, dem Richter, nicht angemessen vertreten kann. Doch die Alte gibt nicht auf und behauptet, dass sie ihm immer nahe gestanden habe, er sich jedoch vom Glanz seines Reichtums habe blenden lassen. Jetzt aber ist sie alt und schwach geworden und rät Jedermann, die Schwester „Glaube“ zu konsultieren...


    ...die steht plötzlich vor ihm und schilt, dass er sie in seinem Leben unbeachtet ließ, nun aber ihre Hilfe benötige. Jedermann muss an Glaubensartikel denken, die er als Kind und Jugendlicher zum letzten Mal gesprochen hat, nun jedoch ausspricht. Für Glaube ist das aber zu oberflächlich, sie erinnert ihn an den Dreieinigen Gott, dessen Barmherzigkeit und die Vergebung der Sünden durch den Tod Jesu und ruft ihn auf, jeglichen Zweifel an einen rächenden Gott zu vergessen. Glaube weist Jedermann zu dem hinzugekommenen Mönch, der Buße und Sündenbekenntnis abnehmen und die Absolution erteilen soll.


    Jedermann kniet nieder und betet, während seine Mutter gerade zur Frühmesse geht und mit Freude ihren betenden Sohn sieht. Sie ist überzeugt, dass ihr Sohn den Weg zum Glauben gefunden hat und kann nun, gewiss, dass sie ihn am Jüngsten Tag vor Gottes Thron wiedersehen wird, sterben. Aber auch Jedermanns Werke haben diese Veränderung bemerkt, entledigen sich der Krücken und geben das Versprechen ab, auch den letzten Gang, aus dem es kein zurück mehr geben wird, mitzugehen.


    Doch da ist einer, der nicht mit dieser Wendung einverstanden ist, der schon einige Zeit aufgeregt im Hintergrund hin und her gelaufen ist und jetzt in den Vordergrund tritt: Der Teufel ist gekommen um einen seiner treuesten Gefolgsleute abzuholen – und sofort auf energischen Widerspruch von Glaube und Werke trifft. Auch angedrohte Gewalt bringt dem Teufel keinen Erfolg, denn zu den beiden allegorischen Figuren treten von der Höhe eine Schar Engel, die ihn zum Verzicht auf die so sicher geglaubte Seele Jedermanns zwingen. Die Schimpfkanonade, die er loslässt, ist seiner würdig, bleibt aber auch erfolglos. Glaube erinnert den Teufel an den Opfertod Jesu für die Sünden eines jeden Menschen, auch für Jedermann! Und der so Belehrte hält sich mit verzerrtem Gesicht bei der Nennung von Jesu Namen die Ohren zu und schimpft dann weiter, dass er es nicht verstehen kann und will, dass jemand zu seinen Lebzeiten alle Gesetze Gottes missachten, durch Reue jedoch alles ungeschehen machen kann. Der Glaube antwortet, dass Gott anderen Gesetzen folgt, als es der Höllenfürst sich vorstellt. Wütend und geschlagen geht der Teufel schimpfend ab.


    Jedermann erhält nun die Sterbesakramente und schreitet mit einem Pilgerstab versehen mit Glaube und Werke auf sein Grab zu. Gemeinsam steigen sie dann in die Gruft. Der Glaube spricht ihm Mut zu und als Sterbender bittet er in einem Gebet Gott um die Rettung seiner Seele und bittet, am Jüngsten Tag als Erlöster die Auferstehung zu erleben. Der liebliche Gesang der Engel sind ein Zeichen für die Aufnahme von Jedermanns Seele in den Himmel...



    © Manfred Rückert für den Tamino-Schauspielführer 2021

    Bildergebnis für cover von----------->


    Nach einer mich etwas enttäuschenden ENTFÜHRUNG habe ich am Abend die NOZZE DI FIGARO gehört - und das war für mich ein wirklich beglückendes Hörerlebnis. Zu den Interpreten teile ich hier die Namen mit:

    Il Conte Rodney Gilfry

    La Contessa Hillevi Martinpelto

    Susanna Alison Hagley

    Figaro Bryn Terfel

    Cherubino Pamela Helen Stephen

    Marcellina Susan McCulloch

    Bartolo Carlos Feller

    Basilio und Don Curzio Francis Egerton

    Antonio Julian Clarkson

    Barbarina Constanze Backes

    The Monteverdi Choir

    The English Baroque Soloists

    Da stimmte von den ersten Noten der Ouvertüre bis zum Schlussakkord alles. Da gehe ich nun ganz zufrieden schlafen...

    :hello:

    John Eliot Gardiner - Complete Recordings on Archiv Produktion & Deutsche Grammophon, 104 CDs------------>Bildergebnis für Entführung Unter Gardiner. Größe: 167 x 160. Quelle: www.tamino-klassikforum.at


    Heute also Mozarts ENTFÜHRUNG mit Hans-Peter Minetti als Bassa, Stanford Olsen als Belmonte, Luba Orgonásovà als Konstanze, Cyndia Sieden als Blonde, Uwe Peper als Pedrillo, Cornelius Hauptmann als Osmin; es singt der Monteverdi-Chor und es spielen die English Baroque Soloists.

    Der erste Eindruck: es wurde schön gesungen und gespielt, aber hier war wieder die Beobachtung zu machen, dass ältere Eindrücke, von anderen Aufnahmen, sich festsetzen und das Ergebnis einer neuen Hörerfahrung stark beeinflussen können. Ich will es nicht, aber ich ertappte mich immer wieder, dass ich an Wunderlich als Belmonte und Frick oder auch Böhme als Osmin denken musste - und das ist natürlich Quatsch. Ich werde aber mit diese Aufnahme noch nicht warm- Vielleicht später einmal?

    :hello:

    Bildergebnis für Idomeneo Gardiner. Größe: 183 x 160. Quelle: www.allmusic.com------------->John Eliot Gardiner - Complete Recordings on Archiv Produktion & Deutsche Grammophon, 104 CDs


    Heute habe mir Mozarts IDOMENEO in Gardiners Interpretation angehört. Von Mozarts Meisterwerk, das schon seit meinem ersten Hören vor vielen Jahrzehnten (in der Interpretatiomn von Schmidt-Isserstedt, auf der Bühne gesehen habe ich sie noch nie) meine Lieblingsoper wurde, habe ich einige im Regal stehen, darunter auch die wirklich gute von Harnoncourt aus Zürich. Aber diese hier hat mich vom ersten Takt bis zum Schluss umgehauen. Ich weiß noch, dass ich das bei Harnoncourt auch geschrieben habe, doch mir geht der Satz nicht aus dem Kopf, dass das Gute des Besseren Feind ist. Das einzige was mich zunächst gestört hat, später aber völlig in den Hintergrund gedrängt wurde (soll heißen: ich habe es nicht mehr wahrgenommen) war das "Fortepiano", das Gardiner anstelle des Cembalo bei den Rezitativen eingesetzt hat. Dass hier die Möglichkeit besteht, eine vollständige Fassung zu hören (was mich etwas ratlos lässt, weil ich Arien und Ensemblesätze in anderen Aufnahmen besitzze, die hier fehlen) und durch entsprechende Programmierung des Abspielgerätes auch die Fassung der Münchner Uraufführung, bei der ja gewichtige Teile weggelassen wurden (im Thread über diese Oper, die das ehemalige Mitglied "Uli" eröffnet hat) kann man einiges erfahren, aber das Köchel-Verzeichnis hilft auch dabei (das werden aber nur die Allerwenigsten haben). Übrigens: die Titelpartie singt Anthony Rolfe Johnson, den Idamantes Anne Sofie von Otter, die Ilia Sylvia McNair, die Elettra Hilevo Martinpelto, den Arbace Glenn Winslade und La voce Cornelius Hauptmann.

    :hello:

    Paradies und die Peri


    Gardiners Interpretation von Schumanns Oratorium "Das Paradies und die Peri" ist soeben verklungen. Ich habe hier die ursprüngliche Covergestaltung eingestellt, die Aufnahme selbst besitze ich in der großen Gardiner-Box der "Deutschen Grammophon Gesellschaft".

    Ich kenne Schumanns Werk in einer anderen Einspielung, aber diese könnte zu meiner Lieblingsaufnahme werden. Die höre ich gleich noch einmal. Das "Requiem für Mignon" (nach Goethe) und das "Nachtlied" sind als Füller dem Oratorium vorangestellt und - offen gestanden - haben mich nicht berührt...

    :hello:

    Nach freitäglicher Hausarbeit und Mittagessen darf nun Musik erklingen. Ausgesucht habe ich mir aus der nebenstehenden Box Igor Strawinskys THE RAKES PROGRESS. Solisten sind u.a. Bryn Terfel, Ian Bostridge, Deborah York, Anne Sofie von Otter. Es singt der Monteverdi- Chor und es spielt das London Symphony Orchestra. Für mich ist diese Oper Neuland, habe sie noch nie gehört und - bin einfach nur begeistert!!!

    :hello:

    Zitat

    Natürlich enthält die Oper von der Handlung her einige Elemente die man eher der „opera seria" zuordnen würde: Mord, Vergewaltigung und Höllenfahrt.

    Vergewaltigung? Bist Du sicher?


    Schon Leporello fragt zwar, was Donna Anna wollte - aber sollte das eine Vergewaltigung gewesen sein? Ich vermag dem nicht zu folgen. In dieser Oper kommt - so sehe ich das - keine Vergewaltigung vor.


    Ich bin auch nicht der Auffassung, dass der Titelheld in dieser Oper ein "Held" ist. Man lernt, so jung er auch sein mag, einen vielleicht mal erfolgreichen Verführer kennen, mehr nicht. Jedenfalls sehe ich ihn nicht als einen Casanova. Der Ausdruck Wüstling scheint mir eher angebracht. So wie er die beiden Donnas behandelt, so wäre es Casanova nie passiert. Und, für mich nicht unwichtig: Mir kam die Leporello-Erzählung immer als eine gewaltig übertriebene Märchenerzählung vor.


    :hello:

    Neben Alltäglichem (Hausarbeit, Einkaufen, Therapiesitzungen) stand heute der Sinfoniker Robert Schumann auf dem Hör-Plan aus der umfangreichen Gardiner-Box. Das Orchestre Révolutionnaire et Romantique spielt unter seiner Leitung nicht nur die bekannten vier Sinfonien Schumanns, sondern (für mich eine Novität) auch die Urfassung der vierten Sinfonie aus dem Jahre 1841, dann (ebenfalls eine Neuheit für meine Ohren) die g-Moll-Sinfonie, "Zwickauer" genannt. Hinzu kommt das Opus 52 (Ouvertüre, Scherzo und Finale), die ich gerne als verkappte Sinfonie bezeichne und das virtuose Konzertstück für vier Hörner und Orchester. Fazit: Die Sinfonien hörte ich nicht zum erstenmal, aber mit dem Orchester habe ich einen anderen Klang wahrgenommen, mir kam er wärmer vor, als bei den anderen Aufnahmen, die ich habe.

    :hello:

    Die CD 100 enthält Kompositionen von Lili Boulanger (Psalmen 24, 129, 130 und "Vieille Prière bouddhique"), und Strawinskys Psalmensinfonie. Es spielt das London Symphony Orchestra und es singt der Monteverdi Choir. Für mich Musik, die ich noch nie gehört habe, also auch erstmals Strawinskys Werk. Und es war eine durchaus hörbare Erfahrung...

    :hello:

    Mozart: Thamos, König In Ägypten K.345 (K.336a)


    Der Dienstagmorgen begann mit Gardiners Aufnahme von Mozarts "Thamos"-Schauspielmusik. Diese Aufnahme ist von der Deutschen Grammophon in die 105-CD-Box (aus Versehen?) nicht aufgenommen worden, fehlt auch in dem Verzeichnis des dicken Booklets. Aber man sie nachgeliefert und zwar in der gleichen Optik der anderen CDs. Gardiner hat die "Original-Version von 1776" und als Appendix die "Final-Version von 1779/80" eingespielt. Die Musik ist mir in einer anderen Aufnahme bekannt, dass aber zwei Fassungen existieren sollen, ist mir z.B. neu. Ich will mal mein dickes Köchel-Verzeichnis befragen...

    Übrigens: Eine gute Version, die hier vorliegt.

    :hello: