Beiträge von musikwanderer

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    Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch
    Das ist: Die Beschreibung deß Lebens eines seltzamen Vaganten
    genant Melchior Sternfels von Fuchshaim
    wo und welcher gestalt Er nemlich in diese Welt kommen
    was er darinn gesehen, gelernet, erfahren und außgestanden
    auch warumb er solche wieder freywillig quittirt.
    Überauß lustig
    und männiglich nutzlich zu lesen. (1668)


    Vorweg dieses: Im Deutschunterricht auf unserem Brettergymnasium hat kein Lehrer mit dem Reclam-Heft gefuchtelt und wir Schüler mussten auch keine Referate über Schauspiel- oder Romaninhalte zum Besten geben. Es genügte dem Deutschlehrer, wenn wir die Buchstaben kannten und wussten, welche Wörter sich ergaben, wenn diese Buchstaben in einer ganz bestimmten Kombination zueinanderstanden. Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum mich als Schüler ein untypischer, weil das bei meinen Mitschülern wenig ausgeprägt war, Lesewille gepackt hat. Eines Tages kam mir das Buch von Grimmelshausen in die Hände und es hat mich wirklich gepackt. Es ist bis heute eines meiner Lieblingsbücher geblieben und es liegt immer mal wieder zum Lesen auf dem Tisch. In medias res also:

    Zu Lebzeiten des Autors waren die Lebensumstände wahrlich nicht angenehm: Kriege mit und ohne Religionshintergrund, Pest und gewaltige Umbrüche durch Entdeckungen. Dass sich der zeitgenössische Leser mit der Figur identifizieren konnte - weil er vieles auch selbst erlebt hat - wundert nicht und erklärt den großen Erfolg des Romans. Dass dieser Erfolg auch heute noch hält (zumindest bei den interessierten Büchernarren) hätte Herr von Grimmelshausen sich bestimmt nicht gedacht - falls er denn überhaupt an Nachruhm gedacht haben sollte.

    Was erfährt der Leser? Der Titelheld ist einfältig und naiv zu nennen. Er kennt zunächst nicht einmal seinen Namen und die Naivität ist für ihn auch ein gewisser Schutzschild in einer sehr schwierigen Zeit. Und die ändert das Leben des Titelhelden, als er zehn Jahre als ist: Soldaten überfallen sein Dorf, doch er kann sich mit sehr viel Glück zu einem Eremiten in den nahen Wald retten. Der gibt dem Knaben den Namen Simplicius, der Einfältige. Allerdings stirbt der fromme Mann zwei Jahre später, Simplicius ist wieder allein und muss sehen, wie er überlebt: Erst wird er Page beim schwedischen Kommandanten in Hanau, wo man ihn auf Grund seiner Naivität zum Narren erklärt und in ein Tierfell steckt. Doch ist auch hier nicht seines Bleibens, denn fremde Soldateska zwingt ihn zum Mitziehen und der Einfältige landet bei den Kaiserlichen in Magdeburg; er kommt beim dortigen Hofmeister unter, muss sich hier aber auch als Narr bezeichnen lassen und das Tierfell“ tragen. Lichtblick ist für ihn der Sohn jenes Hofmeisters, Ulrich Herzbruder, der ihm ein Freund wird.

    Aus Magdeburg gelingt Simplicius mit der Hilfe dieses Freundes die Flucht und er landet als Diener eines Dragoners im Kloster „Paradeiß“ bei Soest. Hier macht er nicht nur einen großen Wissenssprung, indem er sich durch die Klosterbibliothek das Lesen beibringt, sondern erlernt auch das Fechten, in der er sogar ein Meister wird. Und das macht unseren Helden berühmt (man nennt ihn schnell den „Jäger von Soest“) und reich. Er wird Dragoner, eines Tages aber von den Schwedischen gefangengenommen und in Lippstadt eingesperrt. Die Freiheit erlangt er durch eine Heirat, verliert aber sein Vermögen durch einen Gauner. Simplicius begibt sich nach Paris und erlebt dort als Schauspieler und Lautenist erotische Abenteuer.

    Zurück, auf dem Weg in die Heimat, befallen ich die Pocken, die er in einem Selbstversuch besiegt. Sein Leben als Wunderheiler zu fristen gelingt ihm jedoch nicht, denn in Philipsburg wird er wieder in den Soldatendienst gezogen. Und wieder „haut“ ihn Freund Ulrich heraus; beide ziehen als Pilger nach Maria Einsiedeln in die Schweiz - der Pilgerzug wird jedoch nach Wien umgeleitet, wo Simplicius kurzzeitig als Hauptmann agiert. Sein Helfer und Freund in der Not, Ulrich, erkrankt aber schwer und sie reisen in den Schwarzwald. Simplicius ist erneut allein. Da seine erste Frau gestorben ist (weshalb sie in dieser Kurzfassung nicht weiter erwähnt wird), heiratet er erneut, doch ist die Neue ein Missgriff, denn sie entpuppt sich sehr schnell als Alkoholikerin.

    Hier will ich den Faden nicht weiterspinnen, schließlich geht es darum, den Schelmenroman allen denen schmackhaft zu machen, die ihn noch nicht kennen. Soviel sei aber angedeutet, der Titelheld verlässt den europäischen Kriegsschauplatz und kommt weit herum. Gleichzeitig gebe ich aber zu, dass es für den Leser schwer sein kann, des Autors barocke Sprache zu verstehen, denn die ist bunt, auch roh und derb. Auf jeden Fall verschachtelt Grimmelshausen Haupt- und Nebensätze, bildet also Bandwurmsätze, doch wenn man sich erst einmal eingelesen hat, nimmt der sprachgewaltige Ton des Autors jeden Leser gefangen.


    :hello:

    Für das dem Film zugrunde liegende Theaterstück von Peter Shaffer wirden viele Fakten und Quellen herangezogen, die man zuvor im Zuge der Ikonografie peinlichst unterdrückt hatte. Insofern steckt viel mehr Wahrheit über die Persänlichkeit Mozarts im Theaterstück und ein wenig auch noch im Film, auch wenn die ganze Salieri-Mörder-Story natürlich reine Fiktion ist.

    Die "Salieri-Mörder-Story" habe ich gemeint, wenn ich von "Fiktion" schrieb. Dass im Übrigen Shaffer viele Quellen benutzt hat, wiill ich gerne glauben; dass diese Quellen auch immer glaubhaft sind, entzieht sich meiner Kenntnis, kann ich mir aber nicht vorstellen. Für das Theaterstück hat er die Quellen jedenfalls kräftig unterhaltend gemischt. Und das kommt auch im Film recht gut 'rüber.

    Heinrich Marschner (1795-1861)


    DER HOLZDIEB

    Komische Oper in einem Akt


    Uraufführung am 13. Februar 1825 im Hoftheater Dresden



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Lorenz, Dorfschmied (Bass)

    Barbara, seine Frau (Alt)

    Suschen, ihr Mündel (Sopran)

    Felix, Jäger (Tenor)

    Barthel, ein reicher Bauer (Tenor)

    Chor: Jäger, Bauernburschen, Dorfbewohner


    Die Handlung spielt im 18. Jahrhundert in einem deutschen Dorf.



    INHALTSANGABE DES EINZIGEN AKTES


    Das Mündel des Dorfschmieds Lorenz und gleichzeitig deren Cousin, Suschen, begeistert sich singend am Frühling und den zwitschernden Vögeln. Der Jäger Felix, momentan nicht sicht- aber doch hörbar, stimmt aus der Ferne in den Gesang ein. Das zum kurzen Duett gewordene Lied hört auch der Dorfschmied Lorenz und ist darüber verstimmt, denn für ihn ist der junge Mann ein Tunichtgut, den er am liebsten nur von hinten sieht. Suschen aber mag Felix und sie lenkt ihren Vormund ab, versucht ihn zu überreden, in das Wirtshaus zu gehen, damit sie mit Felix poussieren kann.


    Dem Zuschauer wird der Hintergrund für Lorenz‘ Abneigung gegenüber Felix schnell klar: Er hat, erstens, Suschen die Heirat mit dem reichen Bauern Barthel vorgeschlagen und sieht im Förstergesellen Felix einen seine Pläne durchkreuzenden Störenfried. Zweitens aber ist diese Heirat die Folge einer Erpressung durch den reichen Bauern: Dem gehört nämlich die Schmiede, die Lorenz kaufen möchte, Barthel jedoch nur verkaufen will, wenn er Suschen heiraten kann. Die aber denkt nicht daran, hat sogar den Eindruck, dass sie nur ein Vehikel für Lorenz‘ Vorteil ist.


    Gerade nähert sich Felix der Schmiede und Lorenz fordert Suschen auf, den Kerl doch mal auf Herz und Nieren zu prüfen, indem sie sich ihm gegenüber spröde gibt, aber auszuhorchen versucht. Um Felix auszuweichen, geht Lorenz ins Haus, Suschen bleibt etwas ratlos zurück. Als sie Felix gegenübersteht geht sie tatsächlich auf eine hörbar verbale Distanz - aber der Ton ändert sich, als Suschen die Rede auf Bauer Barthel bringt. Plötzlich besteht zwischen beiden Einigkeit darüber, dem Kerl eins auszuwischen, um selbst heiraten zu können.


    Was soll man aber tun? Felix, der die Bestallung zum Förster gerade bekommen hat, überlegt und schlägt dann vor, Barthel zu einer Straftat zu bewegen, sozusagen aus Liebe. Und weiter: man könnte ihn beispielsweise anstiften, naturgeschützte Blumen zu brechen oder unter den Tieren des Waldes zu wildern. Suschen wiegt ihren Kopf hin und her und signalisiert damit, dass ihr die Vorschläge nicht gefallen. Felix versucht sie schließlich damit beruhigen, dass ja alles nur Schein wäre und Bauer Barthel es außerdem verdient habe. Ein Liebesduett beendet die Szene.


    Suschen und Felix wissen nicht, dass Lorenz sie belauscht hat; als er aus dem Haus tritt, springt Felix behände in einen Busch. Suschen aber beteuert ihm, das Gespräch mit Felix nur in seinem Sinne geführt zu haben. Lorenz ist mit der Antwort sichtbar nicht zufrieden, aber Frau Barbara kommt polternd auf die Szene und verlangt ultimativ, dass Suschen aus dem Haus muss. Deshalb soll Lorenz sofort zu Bauer Barthel gehen und die Heirat vorantreiben. Lorenz versucht, Aufschub zu erlangen und Suschen sagt trotzig, dass sie mit dem richtigen Mann schon längst weg wäre. Schlagartig wird Lorenz und Barbara klar, dass Barthel nicht Suschens Herzensmann ist. Und dieser Eindruck wird bestätigt, als Felix aus dem Versteck kommt und die beiden jungen Leute ihre Liebe zueinander gestehen. Barbara fängt sich sehr schnell und gibt ihre Zustimmung, während Lorenz ablehnt und ankündigt, zunächst in der Schenke bei einem Bier die Vor- und Nachteile abzuwägen.


    Wer meint, dass nur Blut dicker ist als Wasser, wird nun eines Besseren belehrt, denn Barbara und Suschen lassen allen Streit hinter sich. Während die jungen Leute versprechen, beim Kauf der Schmiede behilflich zu sein, geht Barbara „in die große Wäsche“. Plötzlich sehen Suschen und Felix Bauer Barthel kommen, und verabreden eine Szene, worin Suschen Felix abblitzen lässt. Tatsächlich glaubt Barthel die Szene, kommt nach Felix‘ bedröppeltem Abgang hinzu und erzählt stolz von seinen guten Abschlüssen auf dem Markt. Freudestrahlend gibt er an, einem Leierkastenmann ein Liedchen abgekauft zu haben, dass er nun vorträgt. Suschen ist davon wenig beeindruckt, nimmt von Barthel aber gern eine Schachtel mit einem Strohhut an, die er auf dem Markt gekauft hat.


    Barthel hat sich aber zu früh gefreut, denn Suschen behauptet jetzt, dass Barbara gegen die Heirat mit Barthel sei und lieber ihren Paten Felix als Schwiegersohn sehen würde. Sie macht einen Vorschlag, der auf einem Pfingstspiel beruht: Da schmücken Junggesellen nächtens die Haustüre ihrer Braut mit einer jungen Birke, der Pfingstmaien, auf deren Spitze ein Strohhut steckt. Suschen animiert also Barthel, im naheliegenden Wald heimlich eine Birke zu fällen und nach dem alten Brauch zu verfahren. Der Bauer ist begeistert und macht sich gleich mit einer Axt und dem Hut auf die Suche nach einer geeigneten Birke.


    Suschen freut sich über den gelungenen Coup und wird von Barbara, die im Versteck die Szene beobachtet hat, dafür gelobt. Lorenz kommt ziemlich angeheitert aus der Schenke und ist gedanklich mit dem Kauf der Schenke beschäftigt; von seiner Frau und Suschen auf Felix angesprochen hat er plötzlich keine Einwände mehr vorzubringen. In diesem Augenblick kommt Barthel mit dem Strohhut auf dem Kopf und der geschlagenen Birke auf den Schultern herbeigeeilt. Kurz darauf erscheint Felix mit mehreren Förstern und die verlangen unisono, den Holzdieb strengstens zu bestrafen. Nach einer längeren Diskussion abereinigt man sich, auf die Strafe zu verzichten, wenn Barthel die Schmiede an Lorenz verkauft. Der kann unter diesen Umständen nicht ablehnen und alle gehen nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages ins Wirtshaus; dort wird die Verlobung zwischen Suschen und Felix ausgiebig gefeiert.



    INFORMATIONEN ZUM WERK


    Marschner hat das hier vorgestellte Werk 1825 als Musikdirektor der Hofoper Dresden dort zur Uraufführung gebracht. Der Einakter ist in musikalischer Hinsicht ein typisches deutsches Lustspiel, wie es wenige Jahre später Albert Lortzing zur vollen Blüte gebracht hat. Die Musik zum „Holzdieb“ ist im besten Sinne volkstümlich gehalten, mit Arien, die man eher als Lieder durchgehen lassen könnte, wenigen Ensembles, aber einem Quartett, das sich zu einem Quintett ausweitet.


    Der schon erwähnte volkstümliche Ton in Marschners Musik wird in der einzigen Aufnahme, die es von diesem etwa einstündigen Werk gibt (und die für diese Inhaltsangabe herangezogen wurde), gut getroffen. Hans Gierster, Schüler von Clemens Krauss, lange Zeit und durchaus erfolgreich als GMD in Freiburg i. Br. und Nürnberg tätig, leitet ein kleines Orchester des Südwestfunks und Chormitglieder der Städtischen Bühnen in Freiburg. Von den Solisten (Sanders Schier, Erika Ahsbahs, Antonia Fahberg, Johannes Hoefflin und Wolfgang Frey) sind wahrscheinlich Antonia Fahberg und Johannes Hoefflin die Bekanntesten. Ohrenfällig ist, dass diese Solisten die Dialogtexte selbst sprachen und keine Probleme mit dem Wechsel von Sprechtexten und Gesang hatten. Es sei daran erinnert, dass es damals noch üblich war, Dialogtexte von Schauspielern sprechen zu lassen.



    © Manfred Rückert für den Tamino-Opernführer 2021

    Nicht zu vergessen diverse Filme, von denen ich mit Miloš Formans "Amadeus" nur den besten nennen will :).

    Wenn man bedenkt, dass in diesem Film mit Klischees und Emotionen ganz routiniert jongliert wird, muss ich auch sagen, dass dieser Streifen gute Unterhaltung bietet. Mehr ist er aber nicht; wenn auch die Handelnden alle einmal gelebt haben, so ist der Plot keinesfalls biografisch aufzufassen, sondern Fiktion!


    :hello:

    Ich habe diese Box auch schon sehr lange, denn zu einer bestimmten Zeit interessierte mich Liszt Arbeit. Aber irgendwie bin ich seit ebensolanger Zeit wieder davon abgerückt. Es ist nun nicht so, dass ich den Klavierklang nicht mag, aber manches aus dem originalen Orchesterklang geht verloren, kann das auf dem Klavier nicht abbilden. Dennoch bin ich der Letzte, der Idil Birets Leistung bei diesen Bearbeitungen schmälern möchte, dafür ist sie wirklich zu gut mit ihren Fingern unterwegs. Übrigens kann ich keine Vergleiche anstellen, da ich keine weiteren Aufnahmen habe - obwohl mich Cyprien Katsaris Einspielung auch mal interessiert hat. Aber Naxos mit Idil Biret war seinerzeit preiswerter. Im Übrigen will ich auch keineswegs Liszts große Kunst in Abrede stellen. Ich sollte die Box nach langer Zeit mal wieder aus dem Regal nehmen...

    :hello:

    Ich habe heute Abend einfach mit dieser Box, Opern-Querschnitte in deutscher Sprache aus dem Hause DG, weitergemacht: Cavalleria Rusticana mit Gloria Davy, Sándor Kónya, Walter Berry, Yonnako Nagano und dem Chor und dem Orchester der Deutschen Oper Berlin unter János Kulka.

    Der Bajazzo mit Anny Schlemm, Sándor Kónya, Walter Berry, Donald Grobe, Helmut Winkenstern; Chor, Orchester und Dirigent sind die gleichen, wie vor.

    Zar und Zimmermann mit Ingeborg Hallstein, Claudia Hellmann, Fi-Di, Karl Christian Kohn, Friedrich Lenz, Fritz Wunderlich;

    Chor des BR und die Bamberger Symphoniker unter Hans Gierster.

    Figaros Hochzeit mit Maria Stader, Hanny Steffek, Rita Streich, Fi-Di und Walter Berry; Ferdinand Leitner dirigiert die Berliner Philharmoniker.

    :hello:

    Nach einem interessanten Nachrichten-Nachmittag am gestrigen Mittwoch geht es bei mir heute weiter mit CDs aus dieser Box. Und da stand zunächst die "Carmen" auf dem Programm, mit u.a. Gisela Litz, Ernst Kozub, Franz Crass, Rosl Schwaiger, dem Badischen Staatsopernchor, der Badischen Staatskapelle unter Marcel Couroud.

    Danach war es "Tiefland" von Euigen d'Albert mit u.a. Inge Borkh, Hans Hipf, Thomas Stewart, dem Chor der DOB und den Bamberger Symphonikern unter Hans Löwlein.

    :hello:

    Bach: Concerto in D minor, 1. Allegro, BWV 1052 - Gustav Leonhardt


    Leider habe ich kein adäquates Cover gefunden: Hier spielt das Leonhardt-Consort d-Moll-Konzerte für Cembalo, Violinen, Viola und Basso continuo von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach - Vater und zweitältester Sohn musikalisch gegenübergestellt. Eine spannende Auswahl, die einen gewaltigen Kompositionsunterschied verdeutlicht - auf der einen Seite der Vater Bach (dessen Musk Musikkritiker Scheibe als "unnatürlich, gekünstelt und stilverwirrend" bezeichnet hat), auf der anderen der Zweitälteste (und damals in Deutschland der berühmteste der Bach-Söhne und bereits frühklassisch komponierend). Und das solistisch in Gustav Leonhardts Fingern von überragender Qualität vorgetragen.

    :hello:

    Alexis-Emmanuel Chabrier (1841-1894):


    L'ÉTOILE (Der Stern)

    Opéra bouffe in drei Akten - Libretto von Eugène Leterrier und Albert Guillaume Florent Vanloo


    Uraufführung am 28. November 1877 im Théâtre des Bouffes Parisiens, Paris



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG:


    König Ouf I. (Tenor)

    Lazuli, ein Hausierer (Sopran oder Tenor)

    Prinzessin Laoula (Sopran)

    Siroco, Hofastrologe (Bass)

    Hofdamen: Oasis, Asphodels, Youca, Adza (Soprane)

    Zinnia, Koukouli (Alte)

    Patacha (Tenor)

    Zalzal (Bariton)

    Abgesandte des Nachbarkönigreichs:

    Fürst Hérisson de Porc-Epic, Botschafter (Tenor)

    Aloés, seine Frau (Mezzosopran)

    Tapioca, Sekretär des Königs (Tenor)

    Chor: Höflinge, Volk


    Ort der Handlung ist die Hauptstadt des Königreichs der 36 Königreiche zur Märchenzeit.



    INHALTSANGABE



    ERSTER AKT


    Nach der Ouvertüre, die Melodien aus der Operette potpourriartig verarbeitet, die aber auch verdeutlicht, dass Chabrier ein Wagnerianer war, führt der erste Akt in die Hauptstadt des Königreiches der 36 Königreiche. Wir erfahren, dass sich hier König Ouf I. aus Anlass seines bevorstehenden Geburtstages inkognito unter das Volk begeben hat, um einen Untertan zu finden, der schlecht über ihn spricht. Der soll dann am Geburtstag der Majestät öffentlich gefoltert und dann hingerichtet werden. Eine zwar barbarische Art der Volksbelustigung, die aber immer noch Zustimmung findet - wenngleich es durchaus einige Bürger gibt, die von der „Zeremonie“ nichts halten und andere vor solchen unbedachten Äußerungen warnen - was ein Chorsatz verschwörerisch-komisch ausdrückt.


    Ouf ist nach dem Stadtrundgang enttäuscht, weil er keinen Menschen gefunden hat, der sich herabsetzend über ihn geäußert hätte. Er nimmt sich also jetzt eines für ihn wichtigen Themas an, nämlich der geplanten Heirat mit Prinzessin Laoula aus dem Nachbarkönigreich. Ouf hat mit seinem Kollegen dort diese Heirat vereinbart, um die Spannungen zwischen ihren Staaten zu beseitigen. Er ruft den Hofastrologen Siroco zu sich, der ihm erklären muss, was die Sterne zu der beabsichtigten Verbindung sagen. Um sicher zu sein, dass ihm auch die Wahrheit verkündet wird, erklärt der König dem Astrologen, er habe testamentarisch verfügt, dass eine Viertelstunde nach seinem Tod Siroco ebenfalls sterben muss.


    Was man an Oufs Hof nicht weiß: Seine Braut befindet sich, mit dem Fürsten Hérisson de Porc-Epic (Herr von Stachelschwein), seiner Frau Aloès und dem Sekretär Tapioca (der mit ihr ein Techtelmechtel pflegt) im Gefolge, bereits inkognito im Lande. Sie geben sich als einfache Handlungsreisende aus. Die Prinzessin kennt aber nicht den Grund für den Besuch im Nachbarkönigreich.


    Als sie vor der Botschaft ihres Landes ankommen, finden sie dort einen schlafenden Mann vor, den sie wecken, der sich als Lazuli vorstellt und behauptet, von ihr, der Prinzessin geträumt zu haben. Und siehe da, Prinzessin und Hausierer verlieben sich in einander. Das schafft natürlich Probleme, die sich noch verstärken, als der hinzukommende König Ouf mit Lazuli in einen Streit gerät, bei dem Lazuli Seine Majestät zweimal ohrfeigt. Das hätte in jedem Königreich schlimme Folgen für einen Untertanen, doch hier wird es ganz besonders schlimm, denn Ouf hat endlich das Opfer für die Folterung mit anschließender Hinrichtung gefunden.


    Der Geburtstag des Königs bricht an und in aller Frühe versammeln sich die Untertanen in großer Zahl und erwarten das Spektakel der Folterung und Hinrichtung. Ouf enttäuscht sein Volk nicht, denn er hat festgelegt, dass der Delinquent gepfählt werden soll. Als er auf dem Stuhl sitzt, jubeln zwar die Massen, doch wird es mucksmäuschenstill als der Hofastrologe Siroco aufgeregt hinzutritt und den König auffordert, die Hinrichtung abzubrechen: Aus den Sternen habe er gelesen, dass Ouf vierundzwanzig Stunden nach Lazulis Tod auch sterben müsse. Erschrocken lässt Seine Majestät die „Zeremonie“ sofort abbrechen und bestimmt, dass Lazuli in den Palast ziehen muss, denn dort kann man sein Leben besser überwachen, und damit ist er auch seines eigenen Lebens sicherer. Sirocos natürlich auch…



    ZWEITER AKT


    Nach Aufgehen des Vorhangs sieht man einen zufriedenen Lazuli. Der Aufenthalt bei Hofe wird ihm nämlich von den Haremsdamen des Königs versüßt. Es gefällt ihm, wie ein Prinz behandelt zu werden - aber er kommt sich vor, als sei er in einem Gefängnis. Das Trinklied, das er anstimmt, täuscht darüber hinweg, dass er immer an Flucht denken muss. Die Lösung dieses Problems hat er jedoch bisher noch nicht gefunden.


    Derweil bereitet König Ouf seine Hochzeit mit Laoula vor. Er ist überzeugt, dass Lazuli ein Verhältnis mit Aloès, der Frau des Hérisson hat und Laoula, die er noch nie gesehen hat, wähnt er mit eben jenem Hérisson de Porc-Epic verheiratet. Die Prinzessin aber erfährt beiläufig, dass sie mit König Ouf verheiratet werden soll und fällt über diese Neuigkeit in Ohnmacht. Der Wiederbelebungsversuch, den Tapioca und Aloués vornehmen, geht daneben, aber Lazuli gelingt es mit einem Kuss. Die erfolgreiche Therapie Lazulis muss natürlich wiederholt werden, damit eine bessere Wirkung erzielt wird (die Musik dazu ist übrigens von einer bezaubernden Wirkung).


    Gegenüber Lazuli verrät Laoula, wer sie wirklich ist und es kommt zu einer Liebesszene. Da stürzt Ouf herein und fordert Lazuli auf, die Prinzessin sofort zu entführen, damit sie nicht dem eifersüchtigen Ehemann - Hérrison de Porc-Epic - in die Fänge gerät. Darauf lassen sich die beiden sofort dankbar ein, und Laoula erfüllt Oufs Wunsch in einer lebhaften Arie. Die muntere Entführungsszene zeigt, dass Ouf nicht ahnt, dass er verspottet wird.


    Es geht weiter turbulent zu: Das Pärchen rudert über einen nahegelegenen See davon, Hérisson kommt und klärt Ouf über das Geschehen auf, der daraufhin in Wut gerät, aber auch ängstlich, als er erfährt, dass sich Gefolgsleute auf die Fersen der Flüchtenden geheftet haben. Für ihn steht fest, dass sein und Sirocos Ende naht, wenn man die Flüchtlinge findet und sie dabei umkommen. Als die Gefolgsleute mit der Prinzessin Laoula zurückkommen und klar wird, dass Lazuli ums Leben gekommen ist, steht König und Astrologe die Angst auf ihr Ende ins Gesicht geschrieben.


    Das Aktfinale gehört dem Chor (der übrigens nur ganz selten zu Gehör kommt). Ouf und Siroco sind verzweifelt. Man kondoliert der Prinzessin zunächst zum Tode ihres Geliebten, verfällt dann aber in einen fröhlichen Galopp (der an den Can-Can aus Offenbachs „Orpheus“ erinnert), in dem man Ouf klarmacht, dass man seinem Schicksal gleichgültig gegenübersteht.



    DRITTER AKT


    Wie ist die Lage? Ein Polizist erklärt, dass Lazulis Hut auf dem Wasser treibend gesichtet wurde, er jedoch verschwunden ist, wahrscheinlich auf dem Grunde des Sees liegt. Hérisson tritt zwar mit Laoula auf, doch hält es sie nicht bei Hofe; sie enteilt schnell, um nach Lazuli zu suchen. Plötzlich tritt der angeblich Tote vor sie und verspricht ihr eine neue, bessere Entführung; dann verschwindet er wieder, um sich vor der Hofgesellschaft und dem König zu verstecken.


    Mit der Situation ist Ouf völlig überfordert; verzweifelt greift er zur Flasche und versucht, Laoula zur Hochzeit mit ihm zu bewegen. Wegen Lazulis Tod würde diese Ehe ja nur kurz sein, denn damit sei ja auch sein Lebensende schon vorprogrammiert. Als in diesem Moment die Glocke ertönt, sieht Ouf sein Ende gekommen, als die aber ebenso plötzlich wieder verstummt und er immer noch lebt, meint er, dass Sirocos Horoskop falsch war. Ihm fallen eine Menge Felsbrocken vom Herzen; in seiner Freude verzeiht er Siroco seinen Wahrsagefehler und nimmt den gerade aufgegriffenen Lazuli nicht nur in Gnaden auf, sondern verheiratet ihn auch mit Prinzessin Laoula.



    INFORMATIONEN ZUM WERK


    Alexis-Emmanuel Chabrier (geboren am 18. Januar 1841 in Ambert, Département Puy-de-Dôm, gestorben am 13. September 1894 in Paris) war der Sohn des Rechtsanwalts Jean Chabrier. Er erhielt bereits mit sechs Jahren Klavierunterricht und komponierte achtjährig einige Tänze. 1852 zog die Familie nach Clermont-Ferrand, 1856 dann nach Paris, wo er Klavierschüler von Edward Wolff wurde, Komposition bei T. E. Semet und Aristide Hignard und Violine bei Richard Hammer studierte. Trotzdem begann er im Jahre 1858 auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium und wurde 1861 im Innenministerium angestellt, komponierte aber nebenbei Klavierwerke und Operetten weiter.


    1873 heiratete er Marie Alice Dejean, schrieb erste Orchesterwerke und hatte erste Erfolge mit seinen heiteren Opern „L’étoile“ (1877) und „Une éducation manquée“ (1879). 1880 gab er seinen Posten im Ministerium auf, um sich ganz der Musik zu widmen. Für Klavier schrieb er 1881 die zehn „Pièces pittoresques“, eines seiner bedeutendsten Werke. Daneben begann er als Sekretär des Dirigenten Charles Lamoureux zu arbeiten und fingierte als Korrepetitor und Chorleiter. Lamoureux war ein aktiver Unterstützer Richard Wagners, und Chabrier dadurch zum Wagnerianer.


    1882 entstand „España“, sein bis heute populärstes Stück, nach einem Spanien-Aufenthalt, der in dem Orchesterstück nachwirkte. 1879 entstand die Oper „Gwendoline“, die 1886 in der Brüsseler „La Monnaie“ uraufgeführt wurde, weil sich die Pariser Opéra einer Aufführung verweigerte. Ab 1883 arbeitete Chabrier vorwiegend in La Membrolle-sur-Choisille in der Touraine, wo u. a. die „Trois Valses romantiques“ für Klavier entstanden. Hier entstand auch Chabriers nächstes Bühnenwerk „Le roi malgré lui“ eine komische Oper nach der Art der Operetten Jacques Offenbachs, die jedoch nur drei Aufführungen erlebte, weil das Opernhaus abbrannte. Daneben orchestrierte Chabrier einige seiner Klavierstücke und schrieb 1890 die „Six mélodies“ sowie die „Ode à la musique“ für Sopran und Frauenchor.


    Chabriers letzte Jahre waren von Krankheit, finanziellen Problemen und Enttäuschung über den bescheidenen Erfolg seiner Bühnenwerke gekennzeichnet. Seine letzte Oper „Briséïs“ blieb unvollendet, dann unterband eine Lähmung das Komponieren gänzlich. 1894 starb der Komponist nach langem Leiden. Erst die nachfolgende Musikergeneration erkannte seine Bedeutung, vor allem als Klavierkomponist.


    Die Premiere von „L’etoile“ am 28. November 1877 im Pariser Théâtre des Bouffes-Parisiens leitete Jean-Léon Roques, Regie führte Charles Comte. Obwohl Chabrier als Wagnerianer und damit als Komponist „langweiliger Musik“ galt, amüsierte sich das Publikum, nicht nur in der Premiere, sondern auch in den Reprisen. Allerdings - und das ungeachtet der wohlwollenden Kritiken - wurde die Opéra bouffe nach der 48. Vorstellung wegen „Erkrankung eines Darstellers“ abgesetzt.


    Der Broadway nahm sich 1890 der Opéra bouffe an und brachte sie - mit Änderungen für das einheimische Publikum - unter dem Titel „The Merry Monarch“ auf die Bühne. 1899 wurde das Werk im Londoner Savoy-Theater mit dem Titel“ The Lucky Star“ aufgeführt und kam auf immerhin 149 Vorstellungen. Interessant ist, dass in den Londoner Aufführungen der Name Chabrier nicht genannt wurde, sondern der Name des Bearbeiters Ivan Caryll (dazu weiß Wikipedia mehr). In Brüssel wurde „L’étoile“ erstmals im Jahre 1909 aufgeführt. 1941 hat die Pariser Opéra-Comique „L’étoile“ während der deutschen Besetzung herausgebracht.


    Zum 90. Todestag des Komponisten fand im Jahre 1984 in der Pariser Opéra-Comique eine Vorstellung statt. Weitere Aufführungen zeigte die Opéra de Lyon in den 1980er Jahren. Im November 2006 präsentierte das Opernhaus Zürich „L’étoile“ in der Originalfassung in französischer Sprache mit deutscher Untertitelung. 2010 wurde das Stück an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin in französischer Sprache aufgeführt. Parallel dazu fand das Projekt „STERNZEIT-F:A:S – Kinderoper in Lichtenberg“ als Kooperation mit der Caritas statt, in dem über 120 Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren Chabriers Werk sowohl in der Staatsoper, als auch an anderen Berliner Spielstätten präsentierten. 2011 wurde das Stück an der Oper in Frankfurt in französischer Sprache aufgeführt, 2012 am Theater Augsburg und 2014 an der Oper Amsterdam.



    © Manfred Rückert für den Tamino-Operettenführer 2021

    unter Hinzuziehung der Informationen bei Wikipedia und der Aufnahme aus Lyon


    Die hier bislang verlinkten Countertenöre machen ihre Sache schon sehr gut. :) Weil sie, wie ich finde, ziemlich schräg herüberkommen. Sie fallen quasi aus der Rolle und bringen zustande, was gestandenen Kammersängerinnnen nicht gelingt. Die singen zwar oft viel schöner, sind mir nicht verderbt, schrill und lasziv genug. Man nimmt ihnen die Rolle nicht ab.

    Muss das nicht der jeweilige Regisseur aus den Interpretinnen herauskitzeln? :(

    Interessant, was ich da über Komzak lese, ich wusste es nicht. Was ist dann aber mit Millöcker und "sein Sohn"? Ich meine, da stand der Zusatz auch. Nur bei Suppé fehlte er. Ist aber nicht weiter wichtig, Fehler passieren...


    :hello:

    Ich kann mir nicht vorstellen, daß R. Schock irgendjemandem eine Flasche an den Kopf wirft....(?)

    Ich eigentlich auch nicht, wenn ich ihn aber in der Rolle des Pedro aus "Tiefland" höre, dann möchte ich nicht Sebastiano sein...


    udohassos Bemerkung über Mahlers Einsatz für die Fledermaus in Hamburgs Opernhaus möchte ich noch hinzufügen, dass die Operette eigentlich, nämlich als Sprechstück "Réveillon", weder in Wien, auch nicht zu Sylvester oder im Fasching spielt, sondern (wie in der "Bohème") zu Weihnachten in Paris. Erst Haffner und Genée verlegten die Handlung in einen "Badeort bei einer großen Stadt" und machten aus dem Weihnachtsrummel den Ball beim Prinzen Orlofsky.


    :hello:

    Ich hätte da noch etwas anzumerken: Das hat damit zutun, dass ich am Neujahrstag das Neujahrskonzert meist nur gehört, aber nicht immer gesehen habe. Heute, bei der Wiederholung auf 3sat, habe ich den ganzen Abend auch das Bild gesehen und dabei ist mir aufgefallen, dass die Komponistennamen jedesmal den Zusatz "Sohn" bekamen, z.B. Karl Komzak Sohn, Josef Strauß Sohn, usw.


    Interessant, dass auch die Komponisten außerhalb der Familie Strauß komponierende Söhne hatten...


    :untertauch:

    Und wenn schon C. Kleiber: Der setzte auch mal Iwan Rebroff ein.


    Majestät verzeihen mir hoffentlich (andere Taminos und Paminas bitte auch), wenn mir gerade diese Aufnahme eben wegen Rebroff nicht zusagt. Dem Bassisten hat man nämlich Falsett-Gesang zugemutet (Alfred hat's weiter vorn schon erwähnt) und das hört sich für mich unmöglich an. Kleibers Spaß an dieser "Vergewaltigung" der Stimme, wie ich es empfinde, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Sieht man Rebroff als Orlofsky auf DVD (falls es eine gibt) nimmt man ihm die Eunuchen-Stimme nicht ab, höre ich ihn auf CD, ist das Zuhören für mich eine Qual gewesen. Dass er das durchgehalten hat, will ich ihm gern als Leistung durchgehen lassen, und das Übrige ist natürlich durchaus mehr als angenehm zu hören.


    :hello:

    Ich habe mich heute mit dieser DVD beschäftigt. Sie ist am 1. Dezember 1991 im Nationaltheater Prag, dem Uraufführungsort der Oper, damals aber noch Ständetheater geheißen, aufgenommen worden. Unter der Leitung des rennomierten Charles Mackerras sangen und spielten ausschließlich Künstler des Landes, die mir vollkommen unbekannt sind.


    Mozart: Don Giovanni -- Prague/Mackerras [DVD]


    Das Bühnenbild und die Kostüme sind - nach Angaben auf der Hülle - denen der Mozart-Zeit nachempfunden. Eine durchaus sehenswerte Live-Aufführung, sogar unter den Augen des damaligen Präsidenten Vaclav Havel, die mich allerdings hinsichtlich rasanten Tempi, die Mackerras angeschlagen hat (und beispielsweise in der "Champagner-Arie" den Sänger ziemlich aus dem Takt brachte) etwas ratlos zurückließen. Dennoch: Man kann hier vielleicht nachempfinden, wie man die Uraufführung unter Mozarts Leitung gesehen hat...

    :hello:

    Ich muss Joseph II. für seine geschilderten Eindrücke beipflichten. Für mich war dieses Neujahrskonzert aus Wien zwar speziell, und doch habe ich die Musik - wie immer, weil sie mir auch grundsätzlich gefällt - genossen. Ich höre schon in meiner Vorstellung die Stimmen, die da sagen

    uns schreibt man die Abstände vor und die Musiker sitzen dort dicht an dicht und noch dazu ohne Masken. Zumindest hätten, die Bläser mal ausgenommen, alle anderen sie tragen sollen.

    Genau daran habe ich, muss ich zugeben, auch gedacht, und ich weiß nicht, welches Konzept die WP ausgearbeitet haben (falls es denn eines gab), doch nehme ich dankbar zur Kenntnis, dass man dieses wunderbare Jahresanfangs-Ereignis nicht hat ausfallen lassen.


    :hello:

    Siegfried Reda (1916 in Bochum - 1968 in Mülheim an der Ruhr) war Komponsit und Organist. Er hat bei Ernst Pepping und Hugo Distler studiert, war Organist in Bochum Gelsenkirchen und Berlin, wurde 194 Leiter des Instituts für Evangelische Kirchenmusik an der Folkwang-Hochschule in Essen, zugleich auch Professor für Orgel und Komposition. 1953 wurde er Kirchenmusikdirektor an der evangelischen St.-Petri-Kirche in Mülheim an der Ruhr. 1996 wurde dort der Platz unterhalb der auf einem Hügel liegenden Kirche nach ihm benannt.


    Gustav Leonhardt - The Edition


    "Werk ohne Autor" hat mich tatsächlich gefesselt, obwohl die "Meuterei am Schlangenfluss" den Western-Fan auch interessiert hat. Das mir Unbekannte hat mich dann doch mehr angezogen, als das schon Bekannte. Heute dann beim Frühstück habe ich mir (meinem Ehegesponst kam es langweilig vor) aus dieser Gustav-Leonhardt-Box Telemanns Pariser Quartette 1 bis 6 (Hamburg, 1730) angehört und es richtig genossen. Musik und Frühstück, meine ich...


    :hello:

    Nach der Mahlzeit nochmals Gustav Leonhardt; jetzt mit drei Bachkataten, die zwar nicht ganz zur kirchlichen Jahreszeit passen, die ich aber dennoch mit Genuss gehört habe.


    Gustav Leonhardt - The Edition


    BWV 27: Wer weiß, wie nahe mir mein Ende; BWV 34: O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe; BWV 41: Jesu, nun sei gepreiset.

    Mitwirkende sind Markus Schäfer (Tenor), Harry van der Kamp (Bass); Tölzer Knabenchor (Dir. Schmidt-Gaden); Baroque Orchestra unter der Leitung von Gustav Leonhardt.

    Vor dem Mittagessen gabe es aus der Box die CD mit Musik aus Versailles zu hören; mit Gustav Leonhardt musizierten Sigiswald Kuijken, Violine, und Wieland Kuijken, Viola da gamba.


    Gustav Leonhardt - The Edition


    Zu hören waren Werke von Marin Marais ("La sonnerie de Sainte Geneviève du Mont à Paris" und "Tambeau de Mr. de Sainte-Colombe"), Jean Henri d'Anglebert (Prelude in d-Moll) und Antoine Forqueray (Suite in c-Moll).


    :hello:

    Johann Sebastian Bach - Große Geschichten (DDR TV-Archiv) - Neuauflage [2 DVDs]


    Eine wahrlich gute DVD-Produktion, die in vier Teilen über das Leben (und den großen Ärger mit den Vorgesetzten) des Thomaskantors berichtet. Ulrich Thein ist ein guter Schauspieler in der Rolle Bachs und wenn ich richtig informiert bin, auch als Theaterschauispieler ein Könner war, denn er ist leider schon 1995 verstorben. Aber auch die anderen Protagonisten in dieser Co-Produktion des DDR-Fernsehens mit dem ungarischen TV sind Klasse. Eine lohnende visuelle Darstellung!


    :hello: