Vor 2 Jahren sind wir nach Amsterdam gereist, um die Aufführung von St-François d'Assise zu besuchen. Ich kannte die Oper von der CD-Aufnahme von Salzburg mit van Dam. Die Darstellung des Riesenwerks war umwerfend, Orchester auf der Bühne, Chor unsichtbar hinter der Bühne, 3 Ondes Martenot im Raum verteilt. Unter Leitung von Ingo Metzmacher wurde sehr schön gesungen (Saint François: Rod Gilfry), überwältigend der Auftritt des Engels in strahlend regenbogenartigem Kostüm, nach langem Männerstimmen-Gesang tönt die Frauenstimme besonders anrührend (Camilla Tilling). - Leider ist das Werk dermassen anspruchsvoll, Messian auch nicht gerade populär, so dass man Jahre warten muss, bis sich wieder ein Opernhaus daran wagt (laut Operbase in 2010 keine einzige Aufführung).
Beiträge von Waldvogel
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Leider ist unser Schubert-Bild immer noch durch Vorurteile, die schon die Zeitgenossen prägten (vgl. auch dummen Ausspruch von F. Lachner) getrübt, die die Rezeption des Ausnahmewerks beeinflussen und erschweren. Man sollte eigentlich die Urteile der Zeitgenossen nur noch als historische Fakten (und/oder Legenden) zur Kentnnis nehmen und sich zB. aus, soweit möglich, "neutraler" Sicht die Umstände, Bedeutung, kompositorischen Leistungen im Liedschaffen klar zu machen versuchen. Hierzu die hoch empfehlenswerte Referenz: Artikel 'Die Lieder' von Marie-Agnes Dittrich im Schubert Handbuch, Bärenreiter 1997 (offenbar leider vergriffen). Neben Grundsätzlichem, zB. Strophenlied vs. durchkomponierte Gesänge, "Mitsprache des Gefühls", Klavier als "Person", Form, Rhythmus, Melodik, Harmonik, Satztechnik, Textwahl ua. werden auch zahlreiche einzelne Werke kurz besprochen. - Bemerkenswert bleibt, dass Franz Schubert die ganze aktive Lebenszeit Lieder komponiert hat, sich demnach immer sicher war und keine sog. "Krisen" in dieser Gattung je erlebt hat (im Gegensatz zur Sinfonie, zB.)
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Als total neuer Tamino-Teilnehmer gestatte ich mir, die Frage des Kanons nochmals zur eingehenderen Überlegung zu bringen.
1. Im Kanon ist sicher die Qualität ein ganz wichtiges Kriterium, nur ist es, wie immer in der Kunst nicht so offensichtlich, wer denn über die Qualität urteilt.
2. Sollte ein "kanonisches" Werk eine (musik-)historische Bedeutng und zB. bei Kritik und/oder Kollegen ein Echo ausgelöst haben.
3. Spielt auch die Aufführungspraxis (wie oft und durch wen wird das Werk gespielt) eine gewisse Rolle. In diesem Sinne sind zB. die späten Quartette von Beethoven durchaus im Kanon angekommen, sie werden auch entsprechend häufig im Konzertsaal angeboten.
Es wäre von gewissem Interesse, die einzelnen Meldungen zu sammeln und schliesslich einen "Gemeinsamkanon" zusammenzustellen. Auch scheinbar "Abgelegenes" (zB. Bruckner: Quintett; Elgar: Klavierquintett; Sibelius: "Voces intimae"; Dutilleux: "Ainsi la nuit") könnten den Kenntnisstand erweitern.
War das ein annehmbarer Einstand?
