Beiträge von Avenellus

    Herzlichen Dank für diese ausführlichen und instruktiven Besprechungen. Ich mußte mich aus beruflichen Gründen leider auf die Mittagsmusik beschränken. Umso schmerzlicher und schöner zugleich, zu lesen, was mir alles entgangen ist.

    Zitat von Anna

    Abgesehen davon werden auch die heute irgendwo produziert - die Firma verweigere jede Aussage dazu, also wohl in Korea oder China. (Bechstein gehört heute ja einer koreanischen Firma.)


    Daß Bechstein einer koreanischen Firma gehört, stimmt meines Wissens nicht (mehr). Völlig richtig und ein ärgerlicher Aspekt des Umgangs von Bechstein mit seinen Kunden ist, daß die Herkunft der Komponenten bewußt verschleiert wird. Das unterscheidet B. von anderen Herstellern, z.B. W. Steinberg, die auf ihrer Internetseite und in ihrem gedruckten Material die Herkunft aller Komponenten nachweisen (kurioserweise insistiert W.St. auch bei seinen Klavieren der 2. Reihe dennoch auf dem "Made in Germany").


    Avenellus

    Ich habe die letzte Aufführung am 8.Mai.2010 gesehen. Im allgemeinen tut man ja gut daran, nicht
    mit überzogenen Erwartungen in die Augsburger Oper, ein von Finanznöten schwer gebeuteltes Haus,
    zu gehen; aber dieses Mal sind wirklich alle Beteiligten über sich hinausgewachsen, und was
    D. Kaftan aus dem Orchester herausholen kann, ist wirklich mehr als erstaunlich.


    Ebenfalls "über sich hinausgewachsen" war übrigens das Programmheft, das eine Zusammenfassung
    des Schreker-Buches von Ulrike Kienzle bot (U. Kienzle, Das Trauma hinter dem Traum.
    Franz Schrekers Oper Der ferne Klang und die Wiener Moderne
    ( 1998 )
    ).
    Kienzle beschreibt Schreker als einen Komponisten der Wiener
    Moderne um 1900, der musikalisch zwar Erbe Wagners [natürlich nicht nur], aber
    dramatisch über ihn hinausgeschritten ist wegen der Abkehr
    vom Mythos und der Hinwendung zum Naturalismus, und zwar zu der
    Variante, die unter dem Einfluß der `neuen Psychologie' des
    Literaturkritikers und -theoretikers Hermann Bahr weniger an sozialen als an psychologischen
    Themen interessiert war: das Thema der gescheiterten
    Künstlerkarriere und der gescheiterten Beziehung gehören
    demnach ebenso hierher wie die damals wirklich noch
    `provozierende' Darstellung von Alkoholismus und
    Prostitution. Die beiden Protagonisten seien als
    psychoanalytischen Fallstudien angelegt: Fritz sei der
    Prototyp des Künstlers des Fin de siècle, der seinen
    Hallzinationen ausgeliefert ist; Grete das Modell einer
    hysterischen Persönlichkeitsspaltung, deren `Heilung' im
    Nachtstück des 3. Akts im freundschen Sinne durch
    Konfrontation mit der verdrängten Vergangenheit erfolge.


    Der ferne Klang war also seinerzeit nicht nur musikalisch eine sehr moderne Oper.

    Alternativen zu Steinway - warum muß diese Frage überhaupt so gestellt werden? Die Antwort hat nicht nur etwas mit der fraglos hohen Qualität von Steinway zu tun, sondern auch mit der Nachkriegsgeschichte. Viele europ. Hersteller haben unter den Kriegsfolgen gelitten und sich nur langsam erholt. Bechstein etwa, bis zum zweiten Weltkrieg ebenbürtiger Rivale von Steinway, büßte sein komplettes Holzlager ein. Steinway hatte seine Ressourcen in Amerika und hat die Zeit klug genutzt, um sein Imperium über die Konzertsäle auszubauen. Und heute ist es eben so, daß viele Pianisten in einem Konzertsaal einen Steinway und nichts anderes erwarten - es verkürzt die Eingewöhnungszeit.


    Dennoch bin ich auch der Meinung, daß viele Hersteller sich nicht vor S. verstecken müssen. Ich möchte gerne einen in Erinnerung rufen, der einmal ein Großunternehmen war und heute als mittelständischer Handwerksbetrieb, aber immer noch mit weltweit gutem Ruf, existiert: Feurich. Nach dem Verlust des Betriebs in Leipzig durch Kriegsschäden bzw. Enteignung durch die DDR und einer Existenzkrise infolge der Übernahme der Firmengemeinschaft Euterpe/Feurich durch Bechstein Anfang der 90er Jahre produziert F. heute als kleiner, aber unabhängiger Hersteller tolle Instrumente mit dem traditionellen romantischen Feurich-Klang (ich könnte meines jeden Tag herzen).
    Aufnahmen mit Feurich-Flügeln findet man auf der Feurich-Webseite
    (http://www.feurich.com/german-site/zubehoer.html).


    Beste Grüße


    Avenellus