Beiträge von Daniel

    Aber der Umkehrschluß, daß jede ausgeterzte Melodielinie aus einem politischen Diktat entstanden sei, funktioniert meineserachtens dennoch nicht. :) Es kann sich hierbei auch zeitweise Komponisten- und Propagandawille überschneiden. Nicht alles, was zwar in ein solches Korsett passen würde, ist auch aus dem Sichducken entstanden. Außerdem finde ich. daß dieses Violinkonzert keineswegs dieser Doktrin in allen Teilen entstpricht. Wahrscheinlich muß man manche Werke manchmal auch aus einem zeitlichen Kontext reißen: Man macht sich frei von vielen belastenden Faktoren, die man unweigerlich mithört. Das bedeutet nicht, daß der geschichtliche Kontext unwichtig sei, aber ich persönlich ziehe es oft vor, Werke als absolute Werke zu betrachten, die auch außerhalb einer Zeit exisitieren können.

    Kann man die Frage nicht auch von einer anderen Seite betrachten? Welch psychische Leistung, Trost oder Rettungsanker mag die Arbeit an so einem Werk gewesen sein (daß keineswegs unbeschwert ist!), in Angesicht der Aktionen in der Welt "draußen"? Ich halte es für bedenklich, jede melodische Geste oder "schöne Einfachheit" auf künstlerische Unfreiheit zurückzuführen.

    Also ich finde Mjaskowskij's Violinkonzert nicht nur nett, sondern es gehört zu den Lieblingskonzerten. Es ist eines der wohl melodischsten Werken des 20. Jahrhunderts, und insbesondere wenn man sich das Entstehungsjahr und die politische Lage in Russland vergegenwärtigt: 1938. Packend, virtuos, und eben melodienseelig, es stimmt einfach alles. Uraufgeführt wurde dieses Werk übrigens von David Oistrach.

    Bei allen erwähnten Komponisten handelt es sich ja um vorwiegend verstorbene und sonst auch nur um die "klassische Moderne". Wäre spannend, diese Frage auch auf wirklich zeitgenössische auszuweiten...

    Vor nicht allzu langer Zeit habe ich die Flötensonate bei einem Konzert gehört. Erfrischend melodiös und von einer Klarheit, die einfach zu Herzen geht.

    Also ich denke, daß Beethoven sich der Wirkung seiner Spätwerke auch in klanglicher Hinsicht sehr wohl bewußt war.


    Als hervorragender Absoluthörer stellen die Harmonien und Stimmverläufe vielleicht eine Herausforderung dar, aber keine zu große Schwierigkeit.


    Aus instrumentatorischer und klanglicher Hinsicht hat Beethoven genug Erfahrungen sammeln können, um genug Imaginationskraft zu besitzen.


    Außer Frage steht jedoch, daß manches instrumentatorische Detail vielleicht geändert worden wäre, wenn Beethoven seine Musik noch voll hätte hören können... Denn bei allen großen Komponistinnen und Komponisten, auch mit exzellentem Gehör, werden ja oft nach den ersten Proben noch Überarbeitungen angestellt, weil das innerlich Gehörte eventuell nicht voll umgesetzt werden konnte, oder manches nicht funktioniert, oder im aktiven Hören noch ganz andere Anregungen eingegeben werden.


    Daniel

    Hallo!


    Also ich finde diese Symphonie bemerkenswert und sehr lohnenswert. Übrigens finde ich die Themen doch sehr eingängig! Zum Beispiel im 1. Satz. Das Hauptthema geht doch so leicht ins Ohr. :) Moeran hat meineserachtens einen sehr ausgeprägten Sinn für Steigerung und dramatische Entwicklung und Konzeption. Auch die Orchestrierung ist überaus originell und eben in vielen Details nicht direkt mit Sibelius oder Vaughan-Williams zu vergleichen. Eine meiner Lieblingsstellen: Wie er am Schluß des letzten Satzes mit mehreren Tuttischlägen suchend umhertappt, und wie dann der Schlußakkord auf die Tonika kippt.


    Viele Grüße,
    Daniel

    Zur Tritonus Auflösung hilft der Merkspruch: Rein - vermindert - ungehindert. Vermindert - rein - das laß sein...
    Insofern ist das Mozart-Beispiel von Ulli schon bezeichnend.


    Draugur's Beispiel zeigt genau die reine Quintparallele f-c zu e-h. F ist die tiefalterierte Quinte im verkürzten H-Dur-Septnonakkord.

    Hallo zusammen,


    Der Verweis auf andere Musikkulturen ist sehr wichtig. Dann sieht man, daß unsere Dur-Moll-tonale abendländische Musiktradition nur ein Weg, eine Sprache gewesen ist, die aber keinen Anspruch auf eine höhere "Richtigkeit" an sich hat.
    Und doch wage ich zu behaupten, daß sie besonders ist (auch wenn andere in ihrer Weise besonders sind...).


    Musikkultur weist für mich zwei Merkmale auf: stabilisierende Kräfte und vorantreibende Kräfte. Stabilisierende kümmern sich um das Festigen gewisser Schulen und epochaler Merkmalen. Oft sind es die scheinbar unscheinbare Komponistinnen und Komponisten, die immens wichtig sind für die Identifikation und Klassifikation von Epochen und ähnlichem. Vorantreibende Kräfte sind tätig in der Avantgarde, stellen entscheidene Innovationen vor und setzen diese durch. Das ist aber auch ein gefahrvoller Weg.


    Die Musik ab dem 20. Jahrhundert hat teilweise einen Weg des Abtrennens von einer Musiktradition beschritten, der ihr nicht mehr adäquat erschien, da er angeblich unhinterfragt übernommen worden sei, und die Herausforderung und Fragestellung der Zeit nicht mehr imstande gewesen sei zu beantworten; soweit eine Ansicht.


    Meine persönliche Ansicht: Musik soll erfreuen, den Menschen helfen und sie voranbringen, sie im Innersten berühren. Auf welche Weise dies geschehen kann, ist vielseitig und individuell unterschiedlich. Tonalität oder tonale Gedanken sind in keinster Weise aufgebraucht. Jede Komponistin und jeder Komponist stand in gewisser Weise immer wieder vor der gleichen Fragestellung.


    Viele Grüße,
    Daniel

    Hallo zusammen!


    In der Debatte zum Thema "Strömungen in und unserer heutige Zeit" verhalte ich mich in gewisser Weise ähnlich wie schon erwähnt. Man muß sich mit diesen nicht identifizieren, ja es ist sogar von großer Wichtigkeit, sich auch bewußt von manchem Geschehen zu distanzieren.


    Gerade die Moderne Kunst sieht sich heute mit dauernden Selbstrechtfertigungsversuchen konfrontiert, und das mit Recht. Es ist häufig eine Kunst, die sich jenseits einer empfindsamen Fasslichkeit bewegt, die unsere Welt so dringend benötigt.


    Debatten wie die obige mögen intellektuell bedeutsam sein, doch entfernen sie sich zunehmend von dem eigentlichen Gegenstand.


    Musik soll tätig sein. Musik soll aufrütteln. Zeitliche Strömungen sollen eben bewußt angegangen werden - Stichwort "Reflexion" weiter oben. Aber Musik soll vorallem eines, lieber Kwanny: Musik soll Herzen rühren und bewegen - die Menschen erfüllen. Das ist Fortschritt.


    Liebe Grüße,
    Daniel

    Hallo,


    Ein wirklich bewegendes Werk, das gerade in seiner geringen Besetzung viel eindringlicher ist.


    Für den Komponisten war dieses Werk wie eine Befreiung von all den seelischen Bekümmernissen, die er durchmachen mußte, und bei denen er lange Zeit kein Mittel gefunden hatte, diesen musikalisch Ausdruck zu verleihen.


    Ein so plastischer Abdruck einer direkt Schau auf sein Seelenleben ist kein anderes Werk von ihm...


    Liebe Grüße,
    Daniel

    Hallo zusammen,


    Nach einiger Zeit komme ich auch endlich wieder dazu, selber hier zu schreiben.


    Es geht um eure Musikerlebnisse! Erlebnisse, die er nie vergessen werdet. Seien es Erlebnisse mit einzelnen, bestimmten Musikwerken daheim, an bestimmten Orten oder in Aufführungen.
    Seien es Erlebnisse beim Selbermusizieren.
    Oder seien es Erlebnisse beim Selberkomponieren.


    Und so fort und so fort. Es sollen Erlebnisse, die euch ganz besonders berührt oder nachdenklich gemacht haben.


    Ich denke, ihr wißt, auf was ich hinauswill.


    Damit viele Grüße!
    Daniel

    Hallo,


    Da wogt die Diskussion ja hin und her, man muß sich ranhalten mit lesen...:D


    Persönlich kann ich überhaupt nichts damit anfangen Werke gegeneinander abzuwägen, das ist unmöglich, zu sehr spielen persönliche Vorlieben eine Rolle. Handwerklich aber kann man schon Qualitätsurteile abgeben, solange sie um Objektivität bemüht sind, auch wenn man immer nur subjektiv schreiben kann.


    Deshalb habe ich oben geschrieben, daß alle Dvorak-Konzerte handwerklich ausgereift und überzeugend gearbeitet sind. Ich maße mir da nichts an. Wie es einen anspricht, und vorallem ein breiteres Publikum, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben, sagt aber rein gar nichts über die konkrete Qualität eines Werkes aus.


    Grüße,
    Daniel

    Hallo,


    Zitat

    Original von BigBerlinBear
    Das seh ich auch so, aber wenn man den "Hintergrund" sprich: Text NICHT kennt, bleibt einem eine Menge verborgen.


    Und selbst mit Text! Und deshalb meinte ich ja, daß man immer seinen musikalischen Verständnishorizont erweitern kann und wird.


    Zitat

    Original von musicophil
    Im Prinzip hast Du recht. Nur übersehst Du eine Sache.


    Leider, ich wiederhole, leider, ist es so, daß je mehr man weiß über eine Komposition, je mehr man die Unbefangenheit um zu genießen verliert. LEIDER!!


    Ich glaube, daß man eine gewisse Spontaneität nur beim ersten Hören hat. Aber ich genieße Werke ebenso, wenn ich mich mit ihnen eingehend beschäftigt habe, ja, das steigert sogar noch meinen Genuß! Denn man findet automatisch noch mehr Bereicherung, die man vorher überhaupt nicht wahrgenommen hat. Man lernt nie aus und wird immer neue Schätze entdecken.


    Grüße,
    Daniel

    Hallo,


    Aber als Beispiel eine Schumann Symphonie, wenn dort ein Ecksatz langsam genommen wird, und der gewohnte Schwung fehlt, dann hat man sehr wohl ein Empfinden, wie es sich schneller anhören könnte. Man hört ja den Grundpuls, und wenn in einem Werk "Allegro con brio" steht, dann finde ich, kann man schon aufgrund von Hörerfahrung sagen, ob die Aufführung einen eher schnellern oder langsamerer Puls - "Allegro non troppo" etc. - bevorzugt.


    Grüße,
    Daniel

    Zitat

    Original von BigBerlinBear
    Es ging in meiner Antwort um den angefochtenen Begriff "musikalisches Verstehen" und nicht um eine Besonderheit, die nur bei Bach vorkommt.


    Hallo,


    Da hast du natürlich recht, daß sich in den Chorälen eben oft nur ein Verständnis durch den Textbezug herstellen läßt. Oft ist es mal gerade das Ausbrechen aus der Konvention, eine wirklich überraschende harmonische und stimmtechnische Wendung, die eben nicht den "gewohnten" Choralsatzregeln entspricht, dies alles müßte einem unverständlich bleiben, wüßte man nicht um die entsprechende Textstelle.


    Nochmal generell zum Thema Musikverständnis: Ich glaube, man muß Musik nicht analytisch verstehen können, um sie schön zu finden. Aber je mehr ich strukturell und inhaltlich über sie erfahre, umso größer wird mein Staunen und auch das Verstehen. D.h. für mich ist auch das Musikverständnis ein Prozess, der nach oben hin "offen" ist, zum Glück.


    Grüße,
    Daniel

    Zitat

    Original von BigBerlinBear
    Bach-Choral erläutern soll, genügen die rein musikalischen Parameter, um, ich nenne es mal, eine "Einheit von Wollen, Können UND Erwartung herzustellen" nicht. Ich muss "an den Inhalt des Textes , die Registrierungsmöglichkeiten der Orgel und die Deutungsvarianten innerhalb der
    vorgegebenen Form heran um eine "Annäherung" zu erreichen.


    Was hier geschieht, unterscheidet sich deutlich von der Wiedergabe etwa einer Beethoven-Sonate und so betrachet macht "musikalisches Verstehen" für mich durchaus Sinn.


    Hallo,


    Das gilt aber generell für textausdeutende Musik und ist deshalb keine Besonderheit, die nur bei Bach vorkäme...


    Grüße.
    Daniel

    Hallo,


    Bisher wurden eigentlich immer nur Überlegungen angestellt, ob denn ein Komponist hier sein nahendes Ende ahnen konnte, wenn irgendwelche Symptome vorlagen etc., aber meines Erachtens darf man auch Ahnungen, die sich dieser rationalen Begründbarkeit entziehen, nicht vernachlässigen. Und eben dafür vermögen wir aber keine solchen Beweise zu bringen, die Diskussion könnte ins Leere führen. Es ist klar, daß man Legenden, die sich so nicht zugetragen haben, möglichst durch Argumente und Beweise aufklären sollte, aber ich halte beim Thema über irdisches Ableben und Wissen darum bei den Personen selbst für Themen, die einfach weitergehen und eben nicht einfach wissenschaftlich begründbar sind.


    Der Begriff "Spätwerk" als Einschnitt, wird wohl eher selten vorzufinden sein, da das gesamte kompositorische Werk ein Fluß und beständiger Prozess ist.


    Meines Erachtens aber kann man bei Brahms' Klavierstücken schon einen stilistischen Unterschied zu Vorgängerwerken feststellen. Die Tonsprache ist vielmehr geprägt von zarter Lyrik und auffallend vielen Septklängen wie in seinen Intermezzi, die schon fast transzendent anmuten.


    Viele Grüße,
    Daniel

    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Historische Aufnahmen, Funkaufnahmen Live-Mitschnitte usw. (es dürfte alelin mit Wand dei 8 ca. 4mal "offiziell" geben) Und in Japan ist ziemlich viel erhältlich...


    viele Grüße


    JR (dem mehr als 10-12 Aufnahmen von irgendwas schon verdammt viel vorkommen)


    Hallo,


    Ja, aber sind die denn auch alle immoment hier erhältlich?


    Grüße,
    Daniel


    Hallo,


    Wow, sind überhaupt soviele Einzelausgabe heute noch erhältlich, oder warten viele mittlerweile darauf, neu aufgelegt zu werden?


    Grüße,
    Daniel


    Hallo Ulli,


    Damit wollte ich jetzt nicht auf Mozart und die Verwendung des Kontrapunkt eingehen, als viel mehr darauf hínweisen, daß Mozart & Co. sich generell mit Kontrapunkt beschäftigt haben, und nicht nur mit Herrn Bach's Werken.


    Grüße von dem schon lange nicht mehr "grünen" Daniel