Beiträge von Thomas Sternberg

    Gerade jetzt im Moment höre ich die Sonate F-Dur op.24.
    Es ist unglaublich, was Leonidas Kavakos für einen präzisen, sauberen und ausdrucksstarken Ton aus der Violine zaubert.
    Dabei nichts Aufdringliches, Überbetontes, Theatralisches.
    Warum finde ich keinerlei Hinweise in diesem Forum auf diesen Künstler?
    Und ich muss feststellen, das die Reihe in 3sat schon seit zwei Wochen läuft!
    Jetzt ist es für mich endgültig Zeit, diesem Forum den Rücken zu kehren.
    Auf nimmer wieder sehen, mich braucht auch niemand mehr anschreiben oder sonst was!

    Werter Glockenton,


    auch mir hat dieses Klavierkonzert ausnehmend gut gefallen. Die Harmonie der Tastaturläufe mit dem Orchesterspiel war herausragend, das COE spielte wieder wie aus einem Guss ohne die Soli zu vernachlässigen.
    Auch ich bete keine Menschen an, für mich zählt nur ihr Schaffen. Aber die Gesellschaft giert nach Göttern, die sie anbeten kann. Religion wird als Sinn stiftende Instanz zurückgedrängt, ein Vakuum entsteht und so sucht man sich neue Götter. Und sei es der Konsum.
    Oder Musiker.
    Martha Argerich und das COE unter der Leitung von Emmanuel Krivine haben mir eine herrliche entspannte drei viertel Stunde bereitet und das zählt, dank an Arte für dieses Programm.


    Grüße Thomas

    Interessant, welche Wege eine Diskussion nehmen kann.
    Klassikhörer werden niemals aussterben. In der Klassik wird ein Höchstmaß an Qualität in der Komposition als auch vom Ausführenden verlangt.
    Und Qualität ist immer noch einer der Leitbegriffe in unserer Konsum- und Leistungsgesellschaft.
    Der Erfolg einer Wirtschaft hängt von Leistungsträgern ab, de sich mit Qualität in allen Bereichen auseinander setzen. Diese Leute müssen heutzutage nicht mal mehr nur in Führungspositionen sitzen.
    Wenn sich eine solche Person sich tiefgründig mit Musik auseinander setzt, kommt sie um Klassik gar nicht herum. Also ist das Potential zum Einstieg in die Klassik immer vorhanden.
    Der heutige Mensch will aber auch unabhängig sein. Er will sich nicht mehr nur vor die Stereoanlage zwingen, um seine Musik zu geniessen, sondern nutzt eine freie Stunde um zwanglos eine Beethoven Klaviersonate auf seinem Smartphone zu genießen. In sehr guter Qualität, von der manche Aufnahme aus den Siebzigern sich eine Scheibe abschneiden könnte.
    Wichtig ist auch eine gewisse Identifikation mit dem Musiker. Wenn das Gefühl entsteht, das es Gemeinsamkeiten zwischen Hörer und Musiker gibt, so wird auch der Zugang zu der Musik erleichtert.
    Klassik muss im Gespräch bleiben und intelligente Menschen überzeugen können.

    Hallo Alfred,


    Blockflöte ginge für mich gar nicht.
    Aber wenn diese Musik eine angenehme Stimmung erzeugt, wen stört es?
    Solange es eigenständige Kompositionen sind, ist es auf gar keinen Fall ein Problem. Zum Grausen finde ich aber zusammengestückeltes Wohlfühlgedudel, so Versatzstücke aus Melodien....
    Im Dressursport ist es z.B. Mode geworden, nach eigens auf den Rhythmus des Pferdes angepasste Musik "vorzuführen". Auch Klassikstücke werden regelrecht vergewaltigt und seitdem schaue ich keine Dressur mehr im Fernsehen an.


    Grüße
    Thomas

    Meine Güte, Norbert, vollste Übereinstimmung!
    Auch ich bin auf das Fünfte gespannt, erstmal aus dem Grund, den Du genannt hast und auch wegen dem "lyrischen" Ansatz, es ist für mich das allgemein gefälligste KK, der dort verlangt wird.
    Es ist schon eine kleine Sensation, das mir so ein Hörerlebnis bereitet wird.
    Ich weiß jetzt nicht mehr genau die Stelle, aber die Klarinette hat ein kleines Solo, das wiederholt wird.
    Man hört, vor dem ganzen Orchester, das der Solist die Wiederholung eine Idee leiser spielt.
    Oder das voluminöse Fundament der Pauke, die aber nie "dazwischen haut".
    Und trotzdem zerfällt das ganze Werk nicht!
    :hail:

    Hallo Norbert,


    herzlichen Dank für die Ergänzungen zu Andsnes.
    Ich war so überwältigt von dieser Musik, das ich erstmal nur rudimentär diese Aufnahmen vorstellen konnte.
    Das Einfühlungsvermögen der Musiker in die Interpretation ist einfach unglaublich. Ich stehe sonst eher kritisch Aufnahmen gegenüber, die vom Klavier aus geführt werden. Aber hier gelingt etwas Einmaliges.
    Es wird ein eigenständiger Weg gewählt, ohne jetzt in unbedingter Konkurrenz zu anderen Aufnahmen zu treten, ohne "künstliche Zusätze".


    Toll, toll, toll. :hail:

    Durch die Sendung "Titel-Thesen-Themperamente" bin ich auf die GA von Leif Ove Andsnes mit dem Mahler Chamber Orchestra gestoßen.
    Es ist ein Zyklus von drei CDs, 1+3, 2+4 und das 5. mit der Chorfantasie, die im September erscheint.
    Als erstes habe ich mir 1+3 zugelegt, im Download von i-Tunes.
    Der Klang der Aufnahme ist ein Hammer, super aufgelöst in allen Instrumenten, sauber eingebettet das Klavier, Orchester und Solist bilden eine harmonische Einheit.
    Die herausragende Technik Andsnes kommt voll zum Tragen, er spielt gerade und Schnörkel los, auch die langsamen Sätze passen in das Gesamtbild, ohne an Ausdruck zu verlieren.
    Man muss aber schon genau hinhören, da solche "Klangopulenten" zum flüchtigen Hören verleiten.
    Herrlich bei Klavier und Orchester ist das "Laut und Leise" Spiel, selten so ein nuanciertes Klangbild gehört. Hier öffnet sich ein neues Hörerlebnis:
    Die Suche nach dem Anderssein der Interpretation, nach Unterscheidungsmerkmalen zu anderen Interpreten wird durch ein "Ausloten" des Klangspektrums ersetzt.
    Musik in bester Form!

    Hallo Alfred,
    du meinst vielleicht ob man den eigentlichen Inhalt und das Wesen von Musik aus vergangenen Zeiten diskutieren kann.
    Und nach meiner Ansicht kann man das nicht.
    Mir ist es doch schnurz-piepe-egal, in welche Ecken oder Komponisten vergangener Zeiten geschoben werden oder welcher Komponist von wem auch immer als "besser" betrachtet wird.
    Es gilt Dinge zu akzeptieren, die man einfach nicht mehr seriös hinterfragen kann. Jede These erzeugt hier eine Antithese, darüber lässt sich natürlich diskutieren, aber ohne Einfluss auf die Musikliteratur.
    In der Gegenwart komponierte Musik ist immer von allgemeinen Einflüssen in der Gesellschaft geprägt. Die Interpreten von heute interpretieren die klassische Musik in der Gegenwart und spielen auch die Musik mit dem Einfluss durch die heutige Gesellschaft.
    Wer hier aber mal darauf wartet, das über die Gründe des Erfolges eine Artemis-Quartettes diskutiert wird und wie der zustande kommt, kann hier lange warten.

    Das ganze Beethoven-Werk an einem Stück?
    Wie kommt man auf solche Ideen?
    Gerade bei Beethoven ist eine vernünftige Dosierung angebracht. Und jawoll, er hat Brot und Butter Musik geschrieben, na und?
    Selber schuld und man sollte immer Herr seines eigenen Tun sein, solange es um Freizeit geht.

    Es ist immer wieder schön zu sehen das man sich unabhängig Musik zulegt und dann im Nachhinein feststellt, das echte Kenner hier diese Musik auch gut finden.
    Für jemanden, der Musik aus dem Bauch heraus beurteilt, ist das wichtig.

    Werter Holger,


    auch wenn dein Einwurf korrekt sein mag, verlagert sich wohl die Spielwiese der Gewichigkeiten in Richtung der Violine.
    Jetzt ist es an dem Hörer, das zu beurteilen. Wenn ich solche Interpretationen von Faust und Kavalkov höre, bin ich dankbar, das die Gewichtung anders liegt.
    was würde dem Hörer eine Dominanz des Klaviers bringen?
    Eine weitere Darstellung der Dominanz dieses Instrumentes im Klangvolumen?
    Ist es nicht von Vorteil, das hier mal ein Instrument dominiert, was sonst nur zur Effekthascherei eingesetzt wird?
    Der Violine wird von Seiten Beethoven`s so viel Freiraum eingeräumt, soll man das wirklich bemängeln?


    Herzliche Grüße Thomas Sternberg

    Wunderbarer Beitrag, Glockenton.
    Ob ich Musik aber immer in einem solchen fast schon globalen Zusammenhang sehen soll, sei für mich dahin gestellt.
    Für mich ist es wichtig, das es Interpretationen gibt, die das technische Vermögen von heute in eine Interpretation von heute einbauen. Ich kann nicht akzeptieren, das eine 0815 Musik herausragend oberflächlich dargestellt wird und so etwas wie eine durchdachte, wohl überlegte Komposition von Beethoven einem Nichts überlassen wird.
    Das zu erkennen, was substanziell für den Fortbestand von zukunftsweisenden Interpretationen notwendig ist, ist wichtig für gute Interpretationen in der Zukunft, unabhängig davon, welcher musikalischer Geschmack vorherrscht.
    Darin bestärkt mich gerade eine Musik wie die von Faust/Melnikov.


    Herzliche Grüße Thomas Sternberg

    Gerade der Klang der GA von Faust/Melnikov macht das subtile Zusammenspiel zwischen den Solisten möglich. Er dient dem Alleinstellungsmerkmal des charakteristischen Klangbildes der Violine ebenso wie dem subtilen Spiel des Klaviers.
    Der Klang ist tragender Teil der Originalität der GA und hebt sie gleichzeitig aus der Masse heraus. Außerdem unterstreicht er noch die Besonderheiten der Sonaten im Schaffen Beethoven`s, dieses Leichte, Luftige, Unbeschwerte, was laut Literatur so gar nicht zum Bilde Beethoven`s passen soll.

    Viele der hier erwähnten Aufnahmen besitze ich (auch die hier oft erwähnte Gesamteinspielung von Ryo Terakado/Boyan Vodenitcharov), und habe viele Aufnahmen dieses Werks oft und viel gehört. Die Gesamteinspielung von Faust/Melnikov eröffnet meiner Meinung nach völlig neue Ansichten auf dieses Werk. Endlich ist Violine & Klavier eine völlig gleichberechtigte Einheit. Die Details die uns Isabelle Faust's stupendes Spiel aufzeigt, hört man staunend, erstmals, einfach atemberaubend (z.B. im Beginn von op.96). Melnikov ist nicht Begleiter, sondern ein gleichwertiger Mitspieler im Duo völlig aufeinander eingestimmter und eingespielter Partner.


    Meiner Meinung nach DIE Referenzaufnahme ...


    Vollste Zustimmung.


    Ich werde mir auf jeden Fall noch die Aufnahmen von Leonidas Kavakos zulegen. Das Können dieses Musikers ist überragend, das Klavier wird zum Mitspieler fast degradiert, es ist aber unglaublich, wie viel Ausdruck Kavakos in sein Spiel legt. Übrigens ersieht man die Dominanz von Kavakos schon auf dem Cover.


    Genau. Wer wollte konnte gestern Lang Langs Wiener-Konzert auf 3SAT sehen. Aus Beethoven macht er eine ach so niedliche Comic-Figur - verzährtelt und verspielt, aufgelöst in eine Folge von Bilderschnipseln. :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

    Werter Holger,


    auch ich habe kurz reingehört und kann mich deiner Beurteilung nur anschließen.


    Schöne Feiertage wünscht Thomas Sternberg

    Ich möchte hier diese Gesamtaufnahme des Trio Wanderer empfehlen. Ich habe selten Musik gehört, in der Zusammenspiel und Einzelkönnen der Musiker so gut zusammen passen wie hier. Das kommt besonders im Op. 1 zu tragen, das Klavier ist das treibende Moment in den schnellen Passagen ohne die beiden anderen Instrumente zu verdrängen. Es wird Schnörkel los gespielt, die Instrumente klingen absolut rein und klar, was aber gleichzeitig einen Nachteil mit sich bringt: Wenig Volumen im Klang, es hört sich immer etwas "trocken" an. Dies fällt besonders in den langsamen Passagen auf.
    Diese direkte Spielweise fördert wiederum das Mysteriöse von Op. 97. Das Erzherzog-Trio wir quasi offengelegt, verbietet aber gleichzeitig den Zugang zu diesem Werk.
    Ob das von Beethoven auch wohl so gedacht war, als ewiges Rätsel?

    Grüße Thomas Sternberg

    Der Sternberg hat ja auch nicht Dich gemeint sondern mich. Ich habe dazu nur folgendes zu sagen: Es zieht sich durch die Menschheitsgeschichte wie ein roter Faden, dass sobald eine Gruppe von Menschen an etwas Freude hat, gallige Misanthropen auftauchen, denen es aufgrund charakterlicher oder intellektueller Defizite nicht gegeben ist, diese Freude nachzuempfinden. Klarerweise muss dann auch den anderen dann die Sache madig gemacht werden. Dabei treiben diese Misanthropen beachtlichen Aufwand, um irgendwelche Denkmodelle zu fingieren, die ihre Galligkeit als Idealismus tarnen sollen. Manchmal lassen sie sich sogar lange Rauschebärte wachsen oder tragen eine schwarz-weiße Kutte und Tonsur.


    Wie kommst du darauf?
    Ich habe versucht zu erklären, das eine reine Rzension über eine Konserve Parametern unterliegt, die weder der Interpret noch der Hörer aktiv beeinflussen können. Mehr nicht.
    Vielleicht habe ich mich ja unklar ausgedrückt, aber interessante Antworten erhalten.
    Und die Freude am nächtlichen Vergleichshören sei euch gegönnt.

    Wenn ich das Stück von einem Interpreten in zwei verschiedenen Fassungen höre, kann ich z. B. hören, ob sich die Auffassung, was die Tempi etc. angeht gewandelt hat.

    Oder hat sich der Klangraum geändert, in dem die Aufnahmen stattgefunden haben, die Mikrofonaufstellung, die Einflussnahme der Produzenten, oder, oder, oder.....



    Hm
    Da es sich hier um ein forum handelt, in dem man sich über Musik austauschen darf, dachte ich eigentlich schon, aber vielleicht irre ich mich

    Natürlich.


    Wer aber seine Aussagen mit angeblichen Fakten belegt, begibt sich auf dünnes Eis.

    Wie sähe denn ein physikalischer Nachweis aus Da bin ich wirklich neugierig


    Das gibt es einfach nicht. Musik wirkt auf den Menschen immer unterschiedlich.


    Was kann ich denn für Rückschlüsse ziehen, wenn ich von dem gleichen Interpreten das gleiche Stück in zwei verschiedenen Aufnahmen vergleichshöre?


    In meinen Ohren hört sich eine Aufnahme besser an. Toll. Und? Ist das ein Wissen, an dem die Allgemeinheit teilhaben sollte? Brendel hat, und auch einige seiner Musikerkollegen, so ein Vergleichshören fast mit Wut kommentiert.
    Oder ist es vielleicht ein Ziel, einfach einer Gruppe anzugehören gehören, die auch die gleichen Unterschiede gehört haben?


    Was ist Realität und was ist Suggestion?

    Da fällt mir auch noch eine kleine Anekdote ein.


    Drei Konzertbesucher durften sich nach einem Konzert mit dem Interpreten unterhalten. Zwei kehrten im Gespräch gleich ihr Fachwissen raus und versuchten, dem Interpreten zu imponieren oder schmeicheln oder einfach ihrer eigenen Eitelkeit zu huldigen.


    Gelangweilt hörte der Musiker den beiden zu, der dritte Hörer blieb still. Ihn frug dann der Interpret, mehr aus Pflichtgefühl, was er denn zu der Musik zu sagen hätte. Da sagte der Dritte schlicht: "Mir hat der Klang der Musik gefallen." Danach waren die beiden Experten abgemeldet und der Interpret unterhielt sich noch lange mit dem "stillen Genießer".

    Ich denke, das Phänomen Vergleichshören ist eine Beschäftigungstherapie für Leute, die sich stundenlang nachts vor die Anlage setzen und die tollsten Stellen oder Fehler heraushören wollen. Damit die massenhaften Einkäufe auch zu etwas gut sind.


    Für mich gäbe es nichts stupideres.


    Vor allen Dingen, wenn ich das als "neutrales, analytisches Ergebnis" verkaufen will. Es gibt niemals genau die gleichen Hörbedingungen in unterschiedlichen Räumen. Hörer, die sich einem Vergleichshören außerhalb der gewohnten Hörumgebung gestellt haben, sind kläglich gescheitert.


    Dem entsprechend schätze ich solche Bewertungen wie "so toll habe ich die Stelle noch nie gehört" ein, da man das einfach physikalisch nicht nachvollziehen kann.


    Mir ist eine dilettantische, einhergehend mit einer beschreibenden Bewertung immer lieber. Ich höre aus Spaß Musik und brauche darüber keine Doktorarbeit zu schreiben, die auch aus den oben angeführten Gründen kläglich scheitern würde.

    Unabhängig ob Fachmann oder Laie kann ich nur mit Kritiken von Personen etwas anfangen, die ich auch ernst nehmen kann.
    Hier scheiden leider schon etliche im Vorfelde aus, weil ich genau weiß das es ihnen an Hörerfahrung mangelt, bzw. mangeln muß anhand der Vergleichsaufnahmen ( die stellenweise leider lachhaft und für mich niemals ernstzunehmend in Betracht kommen, als Vergleichaufnahmen wohl gemerkt ) die herangezogen werden.
    Mag jetzt vielleicht ein wenig borniert arrogant und überheblich klingen, ist aber leider so.

    Woher willst du wissen, was diese Personen schon vorher für Vergleiche gehört haben? Aus den einzelnen Beiträgen, die sie hier verfasst haben? Oder weil sie nicht mit der Stoppuhr vor dem Player sitzen? Oder einfach keine Lust oder Zeit haben, für solche mit vorgefassten Meinungen beladene Personen wie dich zu schreiben und immer wieder die alte Laier von Karajan und Furtwängler spielen?

    Eine kurze organisatorische Anmerkung. Auch wenn es sicher mehr Resonanz auslöst, mit sehr bekannten Sonaten zu beginnen, anstatt stur chronologisch vorzugehen, halte ich es für suboptimal, nun in kurzer Folge die allerbekanntesten Sonaten aufeinander folgen zu lassen.


    Erstens kommen die, die dann wirklich vielleicht ein dutzend oder mehr Einspielungen (die sie eher von der "Waldstein" haben als von op.54) im Vergleich hören wollen, nicht hinterher. Zweitens ist das Pulver schnell verschossen und weniger bekannte Stücke haben einen zusätzlichen Nachteil, wenn dann noch ein dutzend Sonaten "übrig" sind, die keinen so recht zu interessieren scheinen.
    Ich würde das eher ungefähr abwechselnd machen. Also nach der Mondschein z.B. eine eher unbekannte wie op.27/1 oder eine mittelbekannte wie op.28, nach op. 53 z.B. op.54 oder so ähnlich.

    Vollste Zustimmung.

    Diese Sonate gehört auch nicht zu meinen "Lieblingen". Aber wenn schon ein Vergleichshören meines Lieblingskomponisten angesagt ist, muss ich meinen unerheblichen Senf dazu geben.


    Gerhard Oppitz


    Er spielt auch völlig ohne Dämpfer, was dem ersten Satz richtig gut tut, hier kann das Instrument richtig zur Geltung kommen. Der zweite Satz ist nicht schlecht, im letzten Satz kollidieren aber Klangvolumen und Tempo zu deutlich, die Läufe wirken gepresst, ohne "Luft zum atmen", eine der nicht so gelungenen Aufnahmen in der GA.


    Ronald Brautigam


    Er spielt auf einem Hammerklavier und die Sonate ist wirklich ein Hammer. Natürlich kann er gerade im ersten Satz nicht mit dem Klangvolumen eines Flügels mithalten, dafür gibt es eine ganz eigene Atmosphäre. Aber der zweite und besonders dritte Satz sind einfach fantastisch. Wie Brautigam hier das Klangbild des Klavieres ausnutzt und schnell und klar spielt, ist unglaublich.


    Steven Lubin


    Auch er spielt ein Hammerklavier und schafft es, im ersten Satz mehr Ausdruck und Emotion zu bringen als Brautigam. Auch hier fasziniert wieder der Klang des Instrumentes, ich denke, wenn man mal die Musik Beethovens nah an der Entstehungszeit hören möchte, kann in etwa einen Eindruck bekommen, wie sich die Musik für Beethoven angehört haben könnte.


    Im zweiten Satz fällt der doch eher dünne Klang des Instrumentes auf, er wirkt zu gedämpft, die Töne kommen nicht richtig zur Geltung, eine Manko, unter dem auch der dritte Satz leidet, es ist so ähnlich wie bei Oppitz, nur ohne Klangvolumen.


    Fazit: Brautigam zeigt, das man auch mit einem Hammerklavier hervorragende Interpretationen der Sonaten liefern kann, echter Kauftip.



    clck 241

    Damals fand ich die Aufnahmen gut, aber nicht ausreichend komplementär zum Artemis-Quartett, um sie öfters zu hören.

    Hallo Felix,


    genau das "Problem" habe ich auch. Dieser Thread hat mir mal die Möglichkeit gegeben, wieder das ABQ zu hören. Es ist direkt wohltuend, eine andere Interpretation zu hören, aufzunehmen, das es auch anders geht, ohne die Qualitäten anzuzweifeln.


    Aber der Klang der Artemis-Einspielungen hat mich schon geprägt, auch was z.B. die Symphonien und andere Kammermusik angeht.


    Grüße Thomas

    Jetzt sind wir also schon bei der "Verpapstlichung" von Musikern angekommen. ;)


    Man möge doch bitte einem Musiker bei der Beurteilung seines Schaffens eine "besondere" Stellung einräumen.


    Nun, man darf sich dann aber nicht wundern, wenn einem hier Gegenwind ins Gesicht bläst.


    Und zu Recht. Wenn auch hier einmal ein direkter Vergleich einer bestimmten Aufnahme angeregt würde...


    Grüße Thomas