Ich misch mich auch einfach mal ein:
Mein Standpunkt: Dass Klassik in der öffentlichen Wahrnehmung als irgendwie elitär (im negativen Sinne, konnotiert mit Arroganz) gilt, liegt weniger an der Musik selbst. Zu eng ist die Verbindung von grossbürgerlichem Habitus mit dem Bild ihrer Freunde und Produzente. Anzug, Sektempfänge, Tradition, etc. Das hat eben historische Gründe. Früher brauchte man immer Musiker, man brauchte Sääle, etc. pp. Sie ist Teil der typischen Bildung der (Macht-)Elite - das prägt ihr Bild in der Öffentlichkeit.
Ich finde übrigens, dass das was Alfred Schmidt schrieb durchaus ein Dilemma ist: Einers will "man" die breite Masse garnicht im Konzertsaal, andererseits wird der Wegfall von Fördergeldern beklagt, die aber zu einem guten Teil aus den Taschen der Leute stammen, die eben die breite Masse ausmacht.
Ausserdem ist mMn hier in der Diskussion das Problem des Elitebegriffs folgendes: Fast jeder definiert sich den Begriff anders und jeder benutzt das Wort "Elite". Ich empfehle das Lesen verschiedener Elitedefinitionen auf die man dann Bezug nehmen kann (Elite nach dem Brockhause, nach Bourdieu, nach Mills, etc.). Jeder kann den Begriff definieren, solange er seine Definition klar macht.
Wer in Anspruch nimmt, Elite so zu benutzen, wie der Begriff in der Bevölkerung wahrgenommen wird, der möge bitte die entsprechenden Studien konsultieren.
Ist natürlich wunschdenken, aber das hier ist ja auch zum Glück ein Musikforum und kein Soziologenform (sonst wäre ich nämlich nicht hier
)