Beiträge von Antalwin

    Hallo,

    ich will mich da auch mal einklinken. Zuerst muß ich sagen, daß die Walküre für mich der Einstieg in das Werk Wagners überhaupt war und damit auch in die Tetralogie. Für mich ist die Walküre immer der dramatischste Teil des Rings gewesen ! Doch welche Aufnahme hat Vorbildcharakter ? Die Traditionalisten werden wohl sagen, daß es der Live-Mitschnitt aus der New Yorker Met vom Dezember 1941 ist, u.a. mit Melchior, Varnay und Schorr, aber diese Generation war so einzigartig, daß sie über jedem Vergleich rangiert ! Geht man in die Nachkriegszeit, so ist meine Rangfolge:

    1.) Furtwängler 1954: Suthaus, Rysanek, Franz, Mödl, Frick.

    2.) Solti 1965: King, Cespin, Hotter, Frick, Nilsson

    3.) Janowski 1981: Jerusalem, Norman, Moll, Altmeyer,Adam

    4.) Bayreuth 1980: Boulez mit Hofmann, Altmeyer, Salminen, Jones, McIntyre.( Was die Leute über Hofmann auch sagen, ich sah diese Aufführung im TV und fortan hatte Wagner einen glühenden Anhänger mehr !)

    Ich habe gerade gelesen, daß Theo Adam im Alter von 92 Jahren nach langer Krankheit verstorben ist ! Auch ich besitze seine Aufnahmen unter Böhm, Klemperer, Karajan und Janowski. Sicher gibt es an seiner Stimme oder Interpretation das Eine oder Andere zu kritisieren. Kulturhistorisch wichtiger für den Wagnergesang ist jedoch, daß, meines Erachtens, mit dem Verstummen von Adams Stimme, die Tradition des deutschsprachigen Heldenbaritons erlosch, die so großartige Vertreter wie Friedrich Schorr, Jaro Prohaska, Ferdinand Franz, Hans Hotter, Gustav Neidlinger oder eben Theo Adam hervorbrachte. Heute müssen Partien wie Holländer, Sachs, Wotan oder Amfortas von Baritonen oder Bässen "durchgekämpft" werden, denen es dann wechselseitig an Kraft, Volumen, Stamina oder der schmerzlich-balsamischen Stimmfarbe des genuinen Heldenbaritons gebricht !

    Theo Adam R.I.P.

    Hallo,


    wegen eines persönlichen Schicksalsschlages, habe ich lange nicht geschrieben. Jetzt möchte ich, am Beispiel Placido Domingos, einen Gedanken thematisieren, den ich schon lange habe. Heute wird es immer als etwas Besonderes gefeiert, wenn SängerInnen mit lyrischen Stimmen dramatische Partien singen. Das größere technische Können, die lyrische Klangschönheit, die bessere Bindungsfähigkeit wird dann gelobt. Meines Erachtens ist es eine der Gründe von Domingos Fabelkarriere, daß er seinen voluminösen, stimmgewaltigen Baritenore immer wieder in lyrischen Partien besonders der französischen Oper einsetzte, wie Gounods Faust und Romeo, Meyerbeers Vasco da Gama oder Massenets Cid. Da ihm diese Wiederaufnahmen große Erfolge einbrachten, entriß die dramatische Stimme Domingos diese lyrischen Opern dem Vergessen. Ich würde mir deshalb wünschen, daß deutschsprachige SängerInnen, die meist Wagner interpretieren, auch mal Partien von Lortzing. Humperdinck, Cornelius und des frühen Weber anfassen, um die Partien aus dem Vergessen zu holen ! Ich erbitte Meinungen.


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    leider konnte ich aus Zeitgründen nur den 1. Aufzug im TV sehen. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, sängerisch auf sehr hohem Niveau ! Michael Volle ist ein ausgezeichneter Sachs, Klaus Florian Vogt kann die Besonderheit seiner Stimme als Stolzing effektvoll einsetzen. Daniel Behle ist ein technisch sehr genauer David, allerdings erscheint mir seine Stimme für die Partie schon etwas zu voluminös zu sein, was man besonders in den Duetten mit Klaus Florian Vogt deutlich merkt. Es ist vielleicht unpassend, jemand der schon Erik auf der Bühne gesungen hat und nach Bayreuth wieder singen wird, als David zu besetzen ? Günther Groissböck sang die Arie "Das schöne Fest-Johannistag" bravourös. Aber er sollte aufpassen, daß er seinen "hohen Baß mit Zug ins Heldenbaritonale", wie er im Interview sagte, nicht zu früh im falschen Repertoire erprobt. Er verkündete, daß Wotan auf dem Plan stünde. Wie dem auch sei: Ich habe schon sehr viel weniger achtbare 1. Aufzüge aus Bayreuth erlebt !


    Antalwin

    Liebe Rheingold1876,


    ich habe mir erst eine Lied-CD und dann das neue Arien-Recital von Schmitt gekauft und die Stimme gefällt mir sehr gut! Um einer eventuellen Falschinterpretationen vorzubeugen: Ich bin nicht der Meinung, daß Maximilian Schmitt den Cola Rienzi auf der Bühne singen kann, oder es tun wird. Er ist, zumindest jetzt noch, ein Lyrischer Tenor! Ich habe nur die Meinung vertreten, daß er Rienzis Gebet, eine Arie aus dieser Oper, fast perfekt singt! Aber Du hast damit ein grundsätzliches Problem angesprochen: Den Vergleich von Aufnahmen. Die Studio-Aufnahme einer Partie in einer Oper, oder einzelner Arien daraus, wird in der sängerischen Qualität immer besser sein, als ein vergleichbarer Höreindruck von SängerInnen, die die Partie live auf der Bühne singen. Das Studio schafft eine eigene Realität! Das berühmteste Beispiel hierfür ist Richard Tauber. Der sehr lyrische Tenor Richard hat als einzige Wagner-Partie Froh auf der Bühne gesungen, nahm aber die Gralserzählung, "Am stillen Herd", Stolzings Preislied und "Winterstürme wichen dem Wonnemond" auf Platte auf. Papst Jürgen Kesting bespricht die Aufnahmen euphorisch und rühmt sie für alle Wagnertenöre als exemplarisch. Tauber gelingen die Arien ohne Zweifel hervorragend, aber Kestings Verabsolutierung ist unfaire Beleidigung aller Tenöre, die Lohengrin, Stolzing und Siegmund je auf der Bühne sangen! Ich fand den Vergleich von Studioaufnahmen von Rienzis Gebet, nur des Gebetes, reizvoll und ein Lyrischer Tenor der jüngeren Generation, Maximilian Schmitt, hat mich stark beeindruckt. Aber würde ich Gesamtaufnahmen der Oper vergleichen, hätten alle diejenigen Tenöre einen Stein im Brett, von denen ich wüßte, daß sie den Rienzi auf der Bühne gesungen haben. Vielen Dank für die Frage und dafür, daß ich sie beantworten durfte!


    Gruß,


    Antalwin

    Vielen Dank, Operus!


    Es verwundert mich, daß keine Kommentare dazu kamen, weil ich den Lyriker Maximilian Schmitt in meiner Aufzählung an die zweite Stelle setzte? Hat jemand hier Schmitts Recital schon gehört? Übrigens, die italienische Gesamtaufnahme mit di Stefano als Rienzi konnte ich erwerben!


    Gruß,


    Antalwin

    Auf ein Neues ! Ich werde jetzt meine Liste der Interpreten von Rienzis Gebet noch vervollständigen:


    1.) Franz Völker


    2.) Maximilian Schmitt


    3.) Lauritz Melchior


    4.) Max Lorenz


    5.) Jonas Kaufmann


    6.) August Seider


    7.) Wolfgang Windgassen


    8.) Siegfied Jerusalem


    9.) Peter Seiffert


    10.) Rene Kollo


    11.) Torsten Kerl


    12.) Rudolf Schock


    13.) Klaus Florian Vogt


    14.) Peter Hofmann


    15.) Placido Domingo


    Ziemlich hoch eingeordnet, Star Jonas Kaufmann. Der sonst sehr expressive Verismo-Tenor, singt das Gebet mit seiner baritonalen Stimme sehr beherrscht. Ungewohnt, aber hervorragend ausgeführt. Deswegen in der Gruppe Dramatischer Tenöre. Wolfgang Windgassen fehlt es auch hier an dramatischer Vibranz, Kraft und Volumen, aber in Rienzis Gebet kann er die Stärken seiner Stimme ausspielen: Schönklang, klangliche Konzentriertheit und hohe Wortverständlichkeit. Deshalb ausdrücklich im obersten Bereich! Die relativ hintere Platzierung von Torsten Kerl soll nicht als deutliche Rückstufung verstanden werden. Ich freue mich über jeden deutschzüngigen Tenor, der ins Heldenfach vordringt und sich dort hält, aber meines Erachtens hat Kerls Stimme keinen hohen Wiedererkennungswert! Ein Kuriosum am Rande: Sowohl Klaus Florian Vogt, als auch Torsten Kerl sind auf Live-Mitschnitten von Rienzi in der Tenor-Nebenpartie des Baroncelli zu hören. Kerl hat den Sprung zur Interpretation der Titelpartie schon getan, fehlt nur noch Klaus-Florian Vogt als Rienzi!


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    vielen Dank für die Antworten! Bezüglich der Gesamteinordnung von Rienzi finde ich es gerade gut, daß das Werk noch den Geist der Grand Opera vor Wagner atmet! Es zeigt, daß Wagner sehr wohl von Kollegen beeinflußt wurde. Für mich war Rienzi schon immer die erste, "echte" Wagner-Oper! Übrigens, vielleicht sollten wir einfach nur der Dinge harren, die da kommen. Katharina Wagner hat verkündet, Rienzi vielleicht in den Werk-Kanon der Bayreuther Festspiele aufzunehmen!


    Gruß,


    Antalwin

    Liebe Rheingold1876,


    die Zuschreibungen für Domingo waren tatsächlich leicht ironisch gemeint!



    Lieber m.jojo,


    ich habe in meinem Beitrag darauf hingewiesen, daß ich nur die Aufnahmen kommentiere, die ich selbst besitze, die Gesamtaufnahme mit Windgassen besitze ich nicht. Es wird Dich vielleicht verwundern, aber ich bin der Meinung, daß Wolfgang Windgassen ein guter Interpret des Cola Rienzi ist, weil die Partie gut für seine Stimme liegt!


    Eine Frage in die Runde: Es gibt angeblich einen Mitschnitt von Rienzi in italienischer Sprache aus der Scala von 1964 mit Giuseppe di Stefano. Hat diese hier jemand schon gehört?



    Danke und Gruß,


    Antalwin

    Dem Verfasser steht nicht an, zu beurteilen, ob es sich bei Rienzi um ein Frühwerk oder Meisterwerk handelt. Allerdings ist Rienzis Gebet schon immer eine meiner Lieblingsarien gewesen! Ich habe mir deshalb einmal alle Aufnahnen in meinem Besitz angehört und führe hier eine Abfolge von Qualität und Vorliebe auf:


    1.) Franz Völker


    2.) Maximilian Schmitt


    3.) Lauritz Melchior


    4.) Max Lorenz


    5.) August Seider


    6.) Siegfried Jerusalem


    7.) Peter Seiffert


    8.) Rene Kollo


    9.) Rudolf Schock


    10.) Klaus-Florian Vogt


    11.) Peter Hofmann


    12.) Placido Domingo


    Die Krone gehört dem Gralsboten Franz Völker. Seine technische Meisterschaft und sein lyrischer Wohlklang sind unerreicht, wobei hier Maximilian Schmitt, für mich der beste Lyrische Tenor Deutschlands der Gegenwart, meiner Meinung nach, neben ihm bestehen kann. Schmitt singt mit Schmelz und lyrischem Feuer, dabei technisch perfekt! Dann folgen die 3 großen, baritonalen Heldentenöre. Besonders Melchior ist gigantisch, die wirklich größte Stimme in diesem Fach, die bei dieser Arie auch noch die Lyrismen gewaltig klingen läßt. Von ähnlichem Kaliber sind Max Lorenz und August Seider, stimmgewaltiger und expressiver Wagner-Gesang, technisch vielleicht nicht perfekt, aber ich wünsche mir jedes Mal, wenn ich sie höre, daß wir heute noch solche Tenöre hätten. Dann folgt ein Trio der "Heutigen". Jerusalem, Kollo und Seiffert sind praktisch gleichwertig und sorgen so dafür, daß man für eine gute Rienzi-Gesamtaufnahme endlich einmal nicht weit in die Vergangenheit zurück muß, wie so oft bei Wagner, lyrischer Wohlklang, technisch gut ausgeführt. So unterschiedlich Rudolf Schock, Klaus Florian Vogt und Peter Hofmann auch sein mögen: Ihre Interpretation Rienzi-Gebetes eint die hörbare Ehrfurcht vor dieser Musik, ob nun Ehrfurcht vor der Qualität dieser Musik, oder vor deren technischer Schwierigkeit. Sie gehen vorsichtig zu Werke, Schock punktet mit seiner lyrischen Innerlichkeit, Hofmann mit dem Bemühen, seine baritonale, markige Stimme eben in diese lichten Höhen zu führen. Übrigens, in Hofmanns Aufnahme vermochte ich bei Weitem nicht so viele Intonationsfehler zu erkennen, wie der arrogante, von Hybris befallene Papst Kesting! Klaus-Florian Vogt sorgt auch hier für Verwunderung mit seiner überirdisch-esoterischen Stimme, aber man muß dann seinen "Knabensopran mit Turbolader" mögen. Oh Wunder! Der größte Opernsänger aller Zeiten, der Gott der Tenöre, als Letzter! Domingo punktet zwar auch hier mit seinem dunkel-balsamischen Bariton-Tenor, kämpft aber hörbar mit Musik und Sprache. In einem Buch über seine Partien verneinte Domingo, daß das Werk Rienzi sich an italienischen Opern orientieren würde. Hätte ihm die Partie des Rienzi gefallen, hätte Domingo bestimmt eine Gesamtaufnahme der Oper hinterlassen, wie er es immer tat! Mehr Aufnahmen von Rienzis Gebet habe ich nicht. Ich erbitte Meinungen!



    Gruß,


    Antalwin

    Auch ich bin sehr überrascht über den plötzlichen Tod von Endrik Wottrich. Ich besitze den Freischütz mit ihm und die Walküre-Aufnahme von 2008 aus Bayreuth. Es gab sicher bessere Heldentenöre als ihn, er hat sich meiner Meinung nach mit Wagner überfordet, aber er wurde auch schlechter gemacht, als er war ! Außerdem trug er die Hypothek, von Jürgen Kesting gehaßt zu werden ! Merkwürdigerweise, ich sage das jetzt ganz ohne Spott oder Ironie, hat Rene Kollo das Glück, fast alle seine Fachnachfolger auf dem Grünen Hügel zu überleben. Der Beruf des Opernsängers scheint sehr ungesund fürs Herz zu sein !


    R.I.P. Endrik Wottrich


    Antalwin

    Ich bedanke mich für die kenntnisreichen Antworten ! Zunächst: Ich wollte nicht in Abrede stellen, daß es Interesse an dieser Musik, zmindest an Händel und Gluck, schon seit 60 Jahren wieder gibt. Die Aufnahmen von Alcina, Julius Caesar und Xerxes mit Wunderlich besitze ich. Es verwundert einem sehr, wenn man hört, daß selbst Mario del Monaco seine Spinto-Dramatico-Stimme in Händels Ariodante erprobte. Nur Wenige wissen außerdem, daß Peter Hofmann 1982 nach Bayreuth nach Dortmund ins Studio ging, um den Gluck´schen Orfeo aufzunehmen, als er, ich besitze die Aufnahme, seine Parsifal-Stimme in Kastraten-Höhen führte. Es ist das wiedererwachte Interesse an einer versunkenen musikalischen Welt, daß zum Nachwachsen von Countertenören, Altisten und Sopranisten geführt hat, die dann übrigens ein riesenhaftes Repertoire vorgefunden haben. Wir werden nie erfahren, wie Kastraten wirklich geklungen haben, aber, halten zu Gnaden, nachdem ich Radu Marian gehört habe, trotz unbestreitbarer Virtuosität, möchte ich es auch nicht erfahren ! An anderer Stelle sollte der Einsatz dieses Stimmtypus auch nicht zu sehr Raum greifen: Muß es denn sein, daß, nach Beispiel Jochen Kowalski, der Orlowsky in der Fledermaus immer öfter von einem Countertenor statt einer Mezzosopranistin gesungen wird ? Wie dem auch sei: Der Stimmtypus trieb und treibt die Komponisten um. Nicht nur Mozart und Rossini komponierten noch für Kastraten, auch Wagner plante ursprünglich, den Klingsor im Parsifal für eine Kastratenstimme. Jochen Kowalski verkündete schon vor Jahren, daß extra für ihn Musik komponiert werde !


    Antalwin

    Hallo,


    als Historiker weiß ich, daß mein Thema für das Thema dieser Rubrik zu spät liegt, aber da Barock und Rokoko landläufig künstlerisch derselben Epoche zugeordnet werden, subsummiere ich einfach mal. In den letzten 25 Jahren treten die "Sonder-Stimmlagen" der Altisten, Countertenöre und Sopranisten vermehrt im Klassikbetrieb vermehrt in Erscheinung, nehmen Tonträger mit der Musik von Komponisten des späten 17. und 18. Jhs. auf oder singen ursprünglich für Kastraten komponierte Opernpartien auf der Bühne. Künstler wie Jochen Kowalski, Max Emanuel Cencic, Andreas Scholl, Axel Köhler, Philipp Jaroussky oder Bezun Mehta wurden plötzlich zu Stars. Zwar haben OpersängerInnen schon immer einzelne Stücke oder Partien beispielsweise von Gluck oder Händel aufgenommen, aber plötzlich macht man sich eine ganze Gattung zu eigen: Andreas Scholl nahm eine Platte auf mit Arien des Kastraten Senesino und Cecilia Bartoli führte ihren hohen Mezzo auch sehr erfolgreich in der Welt der Kastraten spazieren. Früher nahmen sich nur virtuose Spezialisten, wie Alfredo Kraus, der "Antiken Arien" an. Heute wird eine ganze Epoche wiederentdeckt, interpretiert und vermarktet. Nun sind die Fragen:


    1.) Erlebt diese Musik eine Wiedergeburt, weil es heute wieder Instrumente, Ensembles und Künstler gibt, um sie angemessen zu interpretieren ?


    2.) Ist beim Publikum meist künstlerisch-musikalisches Interesse vorhanden, oder empfindet man irgendwie wohligen Grusel bei der Bewußtmachung des grausamen Sachverhaltes der Kastraten, wenn deren Musik gehört wird ?


    3.) Oder ist dem heutigen hedonistischen Wohlstandsmenschen die Welt der adligen Festefeierer des 18. Jhs. mittlerweile näher, als Verdis, Wagners und der Veristen Vertonungen von Kampf, Liebe und Pathos ?


    Ich freue mich auf Meinungen !


    Antalwin

    Hallo,


    ich bewundere die Karriere von Jonas Kaufmann und sein riesenhaftes Repertoire, aber seine "Allein-Aufnahme" des Liedes von der Erde ist Effekthascherei und unnötig ! Da macht jemand auf Placido Domingo und will alles singen und aufnehmen ! Außerdem widerspricht es der künstlerischen Grundaussage des Werkes.


    Antalwin

    Hallo,


    laut der Zeitung "Die Presse" in Wien, hat Cura den Tannhäuser in Monte Carlo hervorragend gesungen! War jemand von hier dort, oder hat noch andere Kritiken gelesen? Es würde mich sehr interessieren!


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    Gedda war die letzte Inkarnation der Tatsache, daß es SängerInnen möglich ist, bei guter Stimmausbildung, pfleglichem Umgang mit der Stimme, sowie dauerndem Training mit der Stimme, über Jahrzehnte hervorragende Leistungen zu vollbringen! Dieses sei allen heutigen "Stars", die nach 5-10 Jahren Opernkarriere Pop-CDs aufnehmen müssen, weil die Stimme kaputt ist, ins Stammbuch geschrieben!


    Antalwin

    Hallo,


    jetzt wissen wir es endlich genau: Cura wird am 19., 25. und 28. Februar an der Oper Monte Carlo den Tannhäuser in französischer Sprache singen, Pariser Fassung. Man wird sehen! Bei der Diskussion stellt sich die alte Frage: Wann ist jemand kaputt gesungen, ab wann lebt er vom Ruhm des Ruhmes?


    Antalwin

    Hallo,


    mit Erschrecken habe auch ich die Nachricht vom Tode Johan Bothas vernommen! Er wird, aufgrund seiner technischen Meisterschaft unersetzlich sein. Hier ist zwar eine gewisse Gleichförmigkeit seiner Interpretationen kritisiert worden, aber man frage sich selbst: Wer konnte oder kann als Sou Chong, Rodolfo, Cavaradossi, Calaf, Canio, Andrea Chenier, Radames, Othello, Bacchus, Kaiser, Lohengrin, Tannhäuser, Stolzing, Siegmund und Parsifal brillieren? Einer der ganz Großen des Tenorfachs hat uns verlassen. Gott sei Dank wird seine Stimme auf Tonträgern weiterleben!


    Johan Botha: R.I.P.


    Antalwin

    Hallo,


    wenn man meine beiden Argumentationen verbindet, so versteht man, glaube ich, das Geschehen besser, welches sich, ganz aktuell, um zukünftige Bayreuther Besetzungen des Lohengrin abspielt. Pjotr Beczala hat Auftritte in Bayreuth als Schwanenritter kategorisch ausgeschlossen; Anna Netrebko sagt, sie sei mit Bayreuth in Verhandlungen, schränkt aber gleichzeitig ein, daß sie aus Textgründen wenig Wagner singen werde; Roberto Alagna betont bei jeder Gelegenheit, er lerne den Lohengrin und werde ihn auch in Bayreuth singen: Wir haben also einen, dessen Status so hoch ist, daß er Bayreuth nicht braucht; eine, die noch überlegt, ob sie ihren Star-Status noch mit Bayreuth schmücken will; sowie einen, der dieses unbedingt will.


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    ich habe kürzlich ein Interview mit Bryn Terfel gelesen, in dem er begründete, weshalb er nicht in Bayreuth singe. Er sagte, daß er in dieser Zeit mit seinen Kindern Ferien mache. Die Festspiele liegen zeitlich ungünstig Ich habe mich hier schon geäußert, daß Bayreuth schon immer Probleme gehabt hat, wirkliche Spitzen-SängerInnen anzuziehen. Während der Festspiele muß man in zu kurzer Zeit zu viel Topleistung bringen, für eine Gage, die Stars zu gering ist. Nach Bayreuth kommt man nur, um sich weltweit bekannt zu machen, zu etablieren. Als Star kommt man nur dorthin, um sich zusätzlich mit dem Ruhm zu schmücken, dort gesungen zu haben.


    Antalwin

    Hallo,


    ich habe mich hier sehr kritisch zu Hofmanns Gesang, seiner fehlenden Technik und seiner Partienwahl geäußert, obwohl ich am Beginn meines Daseins als Opernfan durch ihn geprägt worden bin, deshalb finde ich den ewigen, gegen Hofmann erhobenen, Habitus-Vorwurf anmaßend, billig und unfair! Zumal, wenn man in Betracht zieht, daß Jürgen Kesting ihn formulierte. Ich habe stets betont, daß ich aus Kestings Sänger-Büchern viel lerne, was aber an meiner grundsätzlichen Meinung über Kesting nichts ändert: Er ist ein von Hybris beherrschter, fanatischer Mensch, der, einem heute vollkommen unrealistischen, "Hofopernsänger-Ideal" nachjagt. Er träumt von SängerInnen, die 24 Stunden an der Vervollkommnung ihrer Stimme arbeiten und mit jeder Aufführung und Aufnahme eine epochale Leistung abrufen, welche dann von einem Auditorium, welches nur aus KennerInnen bestehen darf, gefeiert wird. Außerdem bestraft Kesting offensichtlich SängerInnen, von denen er weiß, daß sie aus einfachen Verhältnissen kommen mit Verachtung. Meine Meinung wurde mir übrigens von Operus in persönlichem Gespräch bestätigt. Carreras wurde übrigens wegen seiner Leukämie immer in Schutz genommen. Woher wissen wir, ab wann Hofmanns Parkinson-Krankheit sich negativ auf seinen Gesang auswirkte?


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    ich arbeite einfach mal, ohne Ausschreiben der Arie, Uranus Liste ab:


    1.) Caruso, Martinelli, Domingo


    2.) Bergonzi, Wunderlich, Pavarotti


    3.) Alva, Pavarotti


    4.) Caruso, Martinelli, del Monaco


    5.) Caruso, Martinelli, Domingo


    6.) Corelli, Domingo


    7.) Martinelli, Vinay, del Monaco, Domingo


    8.) Bergonzi, Kraus, Pavarotti


    9.) Caruso, Schock, Wunderlich


    10.) Caruso, Bergonzi, Kraus, Pavarotti


    11.) Joseph Schmidt


    12.) del Monaco, Corelli, Domingo


    13.) Gedda, Kraus


    Ich muß fast schon um Verzeihung bitten, daß das As Jussi Bjoerling nicht in der Liste auftaucht. Man liegt auf den Knien wegen seiner Technik, aber seine Stimme geht mir nicht in den Bauch und nicht in die Seele !


    Antalwin