Beiträge von Antalwin

    Vielen Dank !


    Nein, ich habe keinerlei Schwierigkeiten damit, daß Völker kein baritonaler Heldentenor war. Ich finde seine Stimme wunderschön und höre sie selbst gerne ! Ich bin nur dagegen, daß Kesting ihn, neben Urlus, Schubert und Melchior, auf einen Podest stellt ! In einem Fach, was nicht gut für seine Stimme war, auch bei Richard Schubert nicht. Lyrische Tenöre haben ihr eigenes Betätigungsfeld, sie zu überreden, ihn einem schweren Fach zu singen, wirkt sich meist für die Stimme ruinös aus. Nicht jeder soll Heldentenor werden. Ich bin ein großer Wunderlich-Fan, der sich in Bayreuth nie für Wurzen engagieren lassen wollte, weil er in einigen Jahren "eine richtige Partie aus Richards großem Werk" singen wollte. Lohengrin, Stolzing, Parsifal ? Ich wünsche mir jedenfalls genauso einen Hoffmann, Herzog von Mantua, Don Carlos oder Werther von Wunderlich auf Platte, wie einen Lohengrin ! Leider hat es nicht sollen sein ! Übrigens, auch Björling überlegte, den Stolzing zu singen, er nahm aus Vorsicht Abstand davon. Ich bin mal so frei, Klaus Florian Vogt den stimmlichen Ruin vorherzusagen, wenn er weiter so viel in diesem Fach singt.


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    eines zu Beginn: Auch mir steht nicht an, die Stimmtechnik und Stimmschönheit von Völker zu kritisieren, die ihm sicher in außerordentlichem Maße zur Verfügung standen. Wenn ich jetzt auch gegen meinen Lokalpatriotismus als Hesse argumentieren muß, Franz Völkers Geburtsstadt liegt nur 80 km von meiner Heimat entfernt, so bin ich doch froh, daß hier einmal kritische Stimmen laut werden. Fakt ist offensichtlich: Völker hat sich stimmlich überanstrengt und abgenutzt, was auch ich bei der Lohengrin-Aufnahme vom Beginn der 40iger deutlich hörte. Das ist verwunderlich bei jemand, dem Stimm-Großinquisitor Kesting als einem von dreien, neben Urlus und Melchior, das Prädikat Wagnertenor zuerkannte. Ich habe es mit der Zuteilung dieser Einordnung immer so gehalten, daß ein genuiner Wagnertenor für mich nur ist, wer neben den "leichteren" Partien Erik, Lohengrin, Stolzing, Loge, Siegmund und Parsifal, mindestens eine der "schweren Hämmer" also Siegfried, Tannhäuser, Tristan, ständig im Repertoire hat. Alle anderen sind für mich "Tenöre, die auch Wagner singen". Genau hier liegt, meines Erachtens, das Problem von Völker: In den Quellen, die ich zur Verfügung hatte, kann nur sicher belegt werden, daß er Erik, Lohengrin, Stolzing, Siegmund und Parsifal gesungen hat ! Völker als Siegfried, Tannhäuser und Tristan fand ich nicht. Welche Quellen haben andere Forianer ? Ich lasse mich gerne aufklären ! War Franz Völker am Ende "nur" ein jugendlich-dramatischer Tenor, der in den "leichteren" Wagnerpartien für eine Zeit besonders reüssieren konnte und einige besonders gelungene Aufnahmen hinterließ ?


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    meinen ausdrücklichen Dank an Joseph II. ! Ich habe mir den Otello unter Toscanini und den Tristan unter Karajan besorgt und bin für den "Baritontenortragöden" Ramon Vinay Feuer und Flamme ! Weitere Gesamtaufnahmen werden folgen.


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    meiner Meinung nach der beste Hunding ist Gottlob Frick ! Seine tiefschwarze Farbe, sein Volumen, auch seine sprachliche Nuancierung, verbunden auch mit der Konservierungsfähigkeit der Stimme, er klingt unter Solti nach genauso frisch, wie unter Furtwängler. Es gibt nur einen, der in seine Nähe kommt: Martti Talvela.


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    nur der Vollständigkeit halber, weil es gefragt wurde: Wunderlich/Prey haben das Duett aus den Perlenfischern in deutscher Sprache aufgenommen. Ja, auch der Nadir wäre eine Partie für den großen Fritz Wunderlich gewesen !


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    gibt es diese Aufnahme, oder handelt es sich um einen Fehler des Autors Karsten Steiger ?


    Tannhäuser: Max Lorenz


    Elisabeth: Renata Tebaldi


    Wolfram von Eschenbach: Carlo Tagliabue


    Landgraf Hermann von Thüringen: Boris Chrstoff


    Coro e Orchestra del Teatro dell´Opera di Roma


    Stabführung: Karl Böhm


    In italienischer Sprache ! (1949)


    Company: HRE


    Wer weiß etwas ?


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    Meiner Meinung nach: Melchior, Hopf und Vinay sind die besten Tannhäuser auf Platte. Bei den hier oft genannten Windgassen, Kollo und Domingo ist immer das Fegefeuer der stimmphysischen Überforderung zu hören, in der musikalischen Achterbahn, die diese Partie dem Tenor abfordert. Man möge mich steinigen für diese Ansicht: Zwar bin ich der Meinung, daß Peter Hofmann den Tannhäuser nicht auf der Bühne bewältigt hätte, aber seine Romerzählung im Wagner-Recital von 1983 ist mehr als ehrenwert !


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    natürlich bekommt man nur das komplette Bild des Schaffens eines Künstlers, wenn man ihn bei der Bühnengestaltung erlebt. Ich war beim Tode Windgassens 6 Jahre alt, also viel zu jung. Ich glaube auch, daß Windgassen mit seiner Gestaltungsfähigkeit vieles wettmachen konnte, was stimmphysisch für ihn nicht leistbar war. So bleibt nur der Eindruck, den man von Tonträgern gewinnen kann und da ist meiner: Die Stimme war zu klein für die großen Tenorpartien von Wagner ! Das Problem bei Windgassen ist auch, daß er sehr eng mit Wieland Wagner verbunden war, der spielfähige Sänger suchte. Solches ist an sich nicht kritikwürdig, der Sachverhalt dabei war nur, daß Wieland Wagner, meiner Meinung, nach das Werk seines Großvaters seit 1951"entwagnerisieren" wollte. Ein Bestandteil, der dieser Neuerung zum Opfer fiel, war der schwere Heldentenor alter Prägung. Solche Stimmen sangen in den 50igern und 60igern zwar noch in Bayreuth, aber sehr viel seltener. Bald wuchsen im Tenorfach auch keine solchen Stimmen mehr nach und mußten mit denen ersetzt werden, die vorhanden waren. Auch dieses war vielleicht zwangsläufig, aber ich als Wagnerianer finde es problematisch, daß von allen Wagnertenören Windgassen die meistdokumentierte Stimme ist. Von keinem gibt es mehr Wagnergesamtaufnahmen, als von ihm. Er wird als pars pro toto wahrgenommen. Ich war 12 Jahre, als ich Wagnerfan wurde und lernte erst durch einen befreundeten Kritiker, daß es neben Windgassen, Kollo, Jerusalem und Hofmann auch solche Leute wie Melchior, Ralf, Lorenz, Suthaus, Hopf und Kozub gab. Tenorgesang von Wagner kann lyrisch ausgeführt werden, es ist aber dann nur eine Variante und ich weiß nicht, ob Richard Wagner sie selbst hätte ausschließlich hören wollen.


    Gruß,


    Antalwin


    Antalwin

    Hallo,


    ich bin auch der Meinung, daß die Stimmfächer fließend sind und mehr dazu dienen, damit SängerInnen sich selbst schützen und innerhalb dieser Fachgrenzen ihr Repertoire abstecken können. Durchwandert man beispielsweise die Aufnahmen- und Aufführungsgeschichte von Don Giovanni, so stellt man fest, daß Mozarts genialer Wüstling von ganz unterschiedlichen Stimmfächern gesungen wurde: Von lyrischen Baritonen deutscher Zunge, von dramatischen Baritonen des italienischen und französischen Faches, von deutschen Heldenbaritonen, von italienischen Basso cantanda und Basso profondo. Man berichtige mich, wenn ich falsch liege. Wären wir alle hier unserer Obsession Operngesang so verfallen, wenn es jene "Grauzonen" und Übergänge der Stimmfächer nicht gäbe, die Operngeschichte interessant machen ?


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    ich muß zugeben, daß ich bei diesem Thema subjektiv sein muß, weil ich baritonale Heldentenöre sehr mag. Die Stimme von Windgassen war ein klanglich konzentrierter, technisch sehr gut geführter, Zwischenfach-Tenor. Man muß Windgassen für die beispiellose stimmliche Ökonomie und Disponierungskunst bewundern, die es ihm erlaubte, sich über Jahrzehnte in einem zu schweren Fach zu behaupten. Für mich war er einfach kein Wagnertenor ! Die Stimme war zu kleinvolumig, zu wenig metallisch schallkräftig und hatte kein Timbre mit Wiedererkennungswert. Die einzigen Wagnerpartien, die für ihn geeignet waren, sind, meiner Meinung nach, Erik, Lohengrin, Stolzing und Loge. Windgassen-Aufnahmen sind ideal für Wagner-Anfänger, die den Text verstehen wollen und müssen, aber für Siegmund, Siegfried, Tannhäuser, Tristan und Parsifal war, meines Erachtens, ungeeignet ! Ich habe mir Wagner-Gesamtaufnahmen mit Windgassen immer trotz ihm gekauft, nie wegen ihm ! Beim Solti-Ring wünsche ich mir immer Hopf oder Kozub an seine Stelle, wie ursprünglich geplant war. Es kommt nicht von ungefähr, daß bei einem angelsächsischen Kritiker über den Tristan unter Böhm einmal vom "Spinnenpaar" die Rede ist, vom schwachen Männchen (Windgassen) und alles verzehrenden Weibchen (Nilsson).


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    zur Einschränkung möchte ich zunächst sagen, daß ich kein ausgesprochener Mozartianer bin. Mir fällt jedoch seit längerer Zeit auf, daß Mozarts Idomeneo in einem immer größeren Teil der Gesamtaufnahmen, zumindest der bekannteren Labels, von dramatischen Tenören gesungen wird. Rudolf Schock sang Idomeneo zwar schon 1951, dann aber in Salzburg nochmal 1956, wobei ja Schock von angelsächsischen Kritikern als Lyrico-Spinto-Tenor bezeichnet wurde. Er nahm eben 1956 den Stolzing auf. Nicolai Gedda hatte, als er die Partie unter Hans Schmidt Isserstedt aufnahm, auch schon Spinto-Partien hinter sich, genau wie Pavarotti, der vor 1983 schon Rodolfo, Pinkerton, Cavaradossi, Manrico, Radames, Turridu, Canio und Andrea Chenier war, zumindest auf Platte. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, aber beispielsweise Domingo hat regelrecht verlangt, daß er als Idomeneo besetzt wird und die Partie auch aufnehmen kann. Soviel ich weiß, haben auch Siegfried Jerusalem und Peter Hofmann Idomeneo auf der Bühne gesungen. Und "Heldentenor" Klaus Florian Vogt verkündet, daß er Idomeneo vorbereite. Wird da nicht die Titelpartie einer Rokoko-Oper, die ganz zu Beginn sogar für einen Kastraten geplant war, in eine nicht fachgemäße dramatische Ecke gestellt ?


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    es jemand, der vom Crossover, der Mischung der Sparten kommt und Opernfan wurde, verfolge ich die Diskussion. Ich mag Paul Potts stimme nicht und mag nicht, was er singt ! Nichtsdestotrotz muß auch der Operngesangs-Purist akzeptieren, daß es heute neben Oper, Operette, Lied und Musical für ausgebildete SängerInnen noch ein fünftes Feld gibt, den Crossover. Relativ traditionell ist da noch Volker Bengl, der Schüler Schocks, der auch schon Operndienst getan hat und Opernarien aufgenommen. Auch Johannes Kalpers singt neben Klassikpop Konventionelles, läßt sich an Opernhäusern öfter für Tenorwurzen engagieren, hat bei einer Gesamtaufnahme von Händels Saul mitgewirkt und eine CD mit Schubert-Liedern aufgenommen. Also gemach, denn es geht noch viel schlimmer: So machte der Popsänger Michael Bolton vor Jahren eine CD, weil er Pavarotti verehrte, auf der er versuchte, italienische und französische Tenorarien zu singen, nicht als Scherz, nicht parodistisch, sondern ernsthaft ! Etwa zeitgleich kam die italienische Popsängerin Philippa Giordano auf den Markt und sang italienische Belcanto-Sopranarien als Schlager. Auch die britische Teenie-Sopranistin Charlotte Church, die sich an Musik versuchte, die für sie um Nummern zu schwer war, ist mir in unguter Erinnerung ! Kann man es ändern ? Nein ! Also, den Crossover-SängerInnen Gerechtigkeit widerfahren lassen und nicht aufregen ! Sind Euch die genannten Beispiele alle bekannt ?


    Gruß,


    Antalwin

    Hallo,


    kennt hier jemand das Gerücht, daß Karajan in den 80iger Jahren bei den Salzburger Festspielen Domingo mal Don Giovanni singen lassen wollte ? Angeblich weil Domingo auf einem Recital einmal gut den Part des Giovanni übernommen hat, im berühmten Duett "Reich mir die Hand, mein Leben". (Ich bitte um Verzeihung, daß ich es nicht im italienischen Original zitiere.)


    Wer weiß etwas ?


    LG,


    Antalwin

    Hallo,


    mit großer Freude lese ich hier, wie beliebt die Gesamtaufnahmen von Rudolf Schock als Lohengrin und als Stolzing in den Meistersingern von Nürnberg sind. Diese Gesamtaufnahmen unter Stabführung von Schüchter und Kempe gehören zu meinen Lieblingsaufnahmen, wenn ich auch sonst als traditioneller Wagnerianer für die Haupt-Tenorpartien baritonale Heldentenöre bevorzuge. An dieser Stelle möchte ich aber mal eine Lanze für Schocks Interpretation des Erik in der Gesamtaufnahme unter Franz Konwitschny brechen. Schock schlägt sich in diesem Ensemble aus Wagner-Spezialisten, Frick als Daland, Schech als Senta, Wagner als Mary und Stars, Fischer-Dieskau als Holländer und Wunderlich als Steuermann, meiner Meinung nach hervorragend. Die Partie des Erik führt ein Schattendasein. Er wird meist von jungen Tenören gesungen, die auf dem Sprung zu den großen Wagner-Partien sind, oder von Wagner-Tenören, die das Fach wieder verlassen wollen oder müssen. Der Erik wird oft heruntergespult. Nicht so hier. Schock trifft, nach meinem Dafürhalten, genau die richtige Mischung zwischen Gefühl und Dramatik, singt genau und wortdeutlich, sowie sehr engagiert. In der Szene "Auf hohem Felsen lag ich träumend", stellt er meines Erachtens eine Dramatik her, die ich so von keinem anderen Tenor hörte, jedenfalls können sich Windgassen, Liebl, Kozub, Kollo und Hofmann als Erik nicht mit ihm messen. Allerdings habe ich Esser, Heppner, Seiffert und Domingo noch nicht gehört. Erstaunt las ich von Dieter, daß Schock den Erik an der Wiener Staatsoper gesungen hat. Mir war bis jetzt nur bekannt, daß er den Steuermann an der Wiener Volksoper interpretiert hat, den Erik allerdings nie auf der Bühne gesungen ? Wer kann mir etwas darüber berichten ?


    LG,


    Antalwin

    Vielen Dank für die Antwort Bernward !


    Genau dieses wollte ich mit meinem Beitrag ausdrücken. Der Rock war nicht das Problem, eher Verschleiß durch Überforderung. Übrigens, seine Zauberflöte, wo Hofmann den Tamino sang, suche ich seit Jahren, auch wegen der übrigen Besetzung: Gruberova, te Kanawa, Moll, van Dam. Ich glaube, unter der Stabführung von Alain Lombard ?


    LG,
    Antalwin

    Hallo Mit-Forianer,


    anläßlich des Todes von Peter Hofmann möchte ich, der als Teenager-Fan von ihm zum Wagnerianer und allgemeinen Opernfan wurde, meine Meinung kundtun: Wenn man sich fragt, warum Hofmann trotz offenkundiger stimmlicher Schwächen, meiner Meinung nach enggeführte Stimme, mangelhafte Legatokultur, Registerbrüche, eine relativ große Karriere machte, so komme ich zu folgenden Erkenntnissen: Der Vorwurf, Hofmann habe nur wegen seiner Erscheinung im Wagnerfach Erfolge gefeiert, greift zu kurz. Als er 1974 anfing, Wagner zu singen, wurde in der Presse immer wieder seine dunkle, baritonale Stimmfarbe gelobt. Damals feierten ihn meines Erachtens die konservativen Wagnerianer, weil sie in ihm einen Nachfolger von Lorenz, Suthaus, Hopf und Kozub sahen, nicht wegen seines germanischen Habitus ! Doch Hofmann hatte, meiner Meinung nach, nur eine baritonale Stimmfarbe, nicht den erforderlichen, hochdramatischen Stimmkern. Weil er, meines Erachtens, außerdem ungenügend stimmtechnisch ausgebildet war, ruinierte er sich an den Wagnerpartien. Dennoch, sein Parsifal unter Levine aus Bayreuth gilt als Glanzleistung und noch 1988 schrieb die FAZ über sein Debut als Stolzing in Bayreuth:


    "Peter Hofmann stand die strapaziöse Partie des Stolzing mit Anstand durch, legte beim Preislied noch einmal ordentlich zu. Als glanzvoll kann man seine vibratoverwackelte, manchmal etwas gaumige Stimme kaum bezeichnen, aber sie doch Kraft und Mark".


    Ja, seine Stimme, ich sage es aus eigener Erfahrung, wirkte kraftvoll und metallisch-markig !


    Angesichts der Stimmchen, die wir Wagnerianer heute bei Tenören akzeptieren müssen, kann ich nur sagen:


    Peter Hofmann: R.I.P.


    Antalwin :(