Beiträge von Cartman

    Zitat

    Ist es nicht toll, wie unterschiedlich Fugen sein können? m-mueller


    Da hast Du völlig recht, lieber m-mueller! Und da ich nicht sooo viel Barockmusik höre, stelle ich hier mal eine Fuge vor, die mir geradezu tadellos zu sein scheint:


    Einen schönen Nikolaus-Samstag und volle Stiefel wünscht euch
    der Cartman
    :D


    Eine Einspielung der Orchestrierung des "Musikalischen Opfers" von Igor Markevitch unter der Leitung von Christopher Lyndon-Gee. Zu der Qualität der Bearbeitung kann ich leider nichts sagen, da ich die Originalversion Bachs nicht gehört habe.



    In dieser hochpreisigen Sammlung ist eine Aufnahme des "Musikalischen Opfers" unter der Leitung Markevitchs enthalten (Orchestre National de la Radiodiffusion Francaise). Dies ist wohl die einzige Studioaufnahme, in denen er eines seiner Werke dirigiert. Markevitch hatte sich sonst geweigert, seine Kompositionen oder Bearbeitungen selbst einzuspielen. Das hat er lieber Kollegen überlassen, die sich für sein Werk eingesetzt haben, da er hier zu sehr von Selbstzweifeln wegen der Qualität seiner Werke geplagt war.


    Eine zwar technisch sehr gut gespielte Aufnahme (natürlich - bei diesen Künstlern), die aber sehr ruhig daherkommt. Klingt eher nach Schubert als nach Beethoven. Das kann man problemlos beim Nachmittagskaffee hören. Für Hörer, denen Beethoven sonst vielleicht zu ruppig oder "titanenhaft" daherkommt. Kann man so spielen - muss man aber nicht.


    Auf dieser hochinteressanten CD mit für Toscanini ungewöhnlichem Repertoire ist neben der bereits erwähnten Passacaglia und Fuge in der wuchtig-strengen Respighi-Bearbeitung auch die berühmte Toccata und Fuge (BWV 565) in einer Bearbeitung von Wood(?) enthalten. Diese klingt jedoch so. als ob jemand durch die bereits ausufernde Stokowski-Version noch einen fröhlich aufspielenden Spielmannszug geschickt hätte. Das ist eindeutig zu viel des Guten und ein absolutes Kuriosum in Toscaninis Diskographie. (Leider ist auch diese insgesamt doch recht spannend zu hörende CD momentan nicht im Handel erhältlich.)


    In diesem hörenswerten Doppelalbum gibt es nicht nur einige "klassische" Stokowski-Bearbeitungen, sondern auch Bach-Versionen von Eugene Ormandy. Das Philadelphia Orchestra hat die Werke mit den jeweiligen Bearbeitern am Pult eingespielt. Ob man die pompös-feierlichen Transkriptionen in der romantischen Tradition mag oder nicht (ich mag sie), man hat es auf jeden Fall mit wertvollen Tondokumenten zu tun. (Die Aufnahme ist momentan leider nicht lieferbar.)



    Toscanini hat hier eine Bearbeitung der Passacaglia und Fuge in C seines Landsmanns Ottorino Respighi eingespielt. Tontechnisch nicht ganz auf der Höhe, aber das Werk lohnt die Bekanntschaft.




    Red Hot + Bach ist eine Sammlung zeitgenössischer, oft jazzig angehauchter Bearbeitungen zugunsten der AIDS-Hilfe Red Hot. (Der populärste Vertreter auf dieser CD ist sicherlich das Kronos Quartet.) Die Bearbeitungen sind natürlich Geschmackssache, aber zum Teil wirklich äußerst originell. Mein Favorit ist Jardim Do Amor von Mia Doi Todd, bei dem das Preludium in C (BWV 999) mit einem in Spanisch gesungenen Text unterlegt wird.


    Dieses kleine Bild gibt nur einen sehr unzureichenden Eindruck des überwältigenden Schlusstableaux dieser Produktion wieder (Inszenierung: Horst Zankl; Bühne: Erich Wonder; musikal. Leitung: Nikolaus Harnoncourt). Auf den Bühnenhintergrund hatte man das Bild einer Kirchenkuppel (ich glaube mich zu erinnern, dass hier eine Vorlage von der Basilika in Weingarten benutzt wurde) projiziert, das durch gemalte Versatzstücke bis in den Zuschauerraum verlängert wurde. In phantasievollen Kostümen schritten die Sternkreiszeichen auf und vor der Bühne im Kreis und ein kleines regenbogenfarbenes Prisma wurde in das Bühnenbild eingeblendet. Barocke Pracht im Überfluss! Der Rest der Bühnenbilder und Kostüme war eher trist bis unauffällig und nicht im barocken Zeitalter angesiedelt - aber dieses Schlussbild war einfach nur überwältigend.


    Ebenfalls in bester Erinnerung ist mir ein Bühnenbild von "Hänsel und Gretel" (Humperdinck); ebenfalls aus der Frankfurter Oper. Die Produktion muss aus den 70er Jahren gewesen sein und ich finde leider keine Bilder dazu. Hier hatte es man geschafft, das Hexenhaus - ohne ersichtlichen Umbau - plötzlich in der Waldszene auf der Bühne erscheinen zu lassen. Märchenhaft - dieser Effekt hat mich damals als Kind schon umgehauen und vermag das auch jetzt noch, wenn ich mich daran zurückerinnere.


    Chor der Wiener Staatsoper, Wiener Philharmoniker, Dir.: Arturo Toscanini - 3


    live-Mitschnitt vom 30.07.1937 (Salzburg)


    Tamino - Helge Rosvaenge - 4
    Königin der Nacht - Julie Osvath - 2
    Pamina - Jarmila Novotna - 4
    Sarastro - Alexander Kipnis - 4
    Papageno - Willi Domgraf-Fassbaender - 4
    Rest - 2-3


    Tonqualität - 2


    Toscanini, der kein großer Mozart-Verehrer war, geht das Werk sehr zügig an und rennt mit seinen Tempi mitunter an den Sängern vorbei. Die Koordination zwischen Orchestergraben und Bühne ist zeitweise katastrophal. Auch habe ich bisher noch keine Aufnahme gehört, bei der die Königin der Nacht ihre Koloraturen bei der Arie "O zittre nicht, mein lieber Sohn" so vergeigt. Die stimmlichen Leistungen lassen sich wegen der schlechten Tonqualität oftmals nur erahnen, weswegen diese Aufnahme ausdrücklich nur für Hörer interessant ist, die sich einen groben Eindruck von Toscaninis Salzburger "Zauberflöte" verschaffen möchten. Wer da historisch nicht so interessiert ist, kann sich diesen Mitschnitt sparen, da man eben nur eine ungefähre akustische Information dieser Produktion erhält.


    Unter diesem Link gibt es dir "Götterdämmerung" als CD oder Download: http://operadepot.com/products…h-mazura-neidlinger-stein
    Die Aufnahme ist von Bayreuth aus dem Jahr 1971. Horst Stein dirigiert aussergewöhnlich gut und leitet ein erstklassiges Ensemble, das meiner Meinung nach konkurrenzlos ist: Catarina Ligendza (Brünhilde), Jean Cox (Siegfried), Karl Ridderbusch (Hagen). Nie zuvor oder danach habe ich Siegfried und Brünhilde mit derart jugendlich klingenden Stimmen gehört. Auch die Klangqualität des Mitschnitts ist hervorragend. Für mich eine alternativlose Aufnahme von Wagners Abschluss der "Rings", die allerdings nicht zu meinen Lieblingsopern zählt.


    1956: Hans Hotter ist wohl der menschlichste Sachs, den ich je gehört habe. Hervorragend. Allen, die Hotter vornehmlich als Wotan gehört haben, sei diese Aufnahme ans Herz gelegt, auch wenn sie klängliche Mängel hat. Cluytens dirigiert mit angenehmen Schwung ein namhaftes Ensemble (Brouwenstein, Greindl, Fischer-Dieskau) und präsentiert bei diesem Livemitschnitt eine vor Lebenslust überbordende Festwiese.



    1960: Diese Aufnahme ist zwar nicht rundum befriedigend, zeigt aber Josef Greindl in Höchstform. Den langen Atem für diese Partie unter Knappertsbusch extrem schleppenden Tempi, hätte wohl kaum ein zweiter Sänger aufgebracht. (Bei einem Mitschnitt unter Böhm kann er da nicht so stark punkten.) Neben Greindls derben Schusterpoeten fällt die restliche Besetzung leider ab. Windgassen ist (immer noch) kein Stolzing, Grümmer für die Eva zu damenhaft und Schmitt-Walter hat seine besten Tage bereits hinter sich. Trotzdem - mit Einschränkungen - eine hörenswerte Aufnahme.



    1974: Wieder ein überragender Sachs: Karl Ridderbusch. Neben ihm ein gutes Ensemble ohne Ausfälle. Varvisos Dirigat ist solide - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Klangqualität ist hervorragend.

    Da möchte ich Gregor in zwei Punkten widersprechen, was die gestrige MET-Carmen betrifft: Anita Hartig und Ildar Abdrazakov fand ich beide absolut rollendeckend und überzeugend besetzt. Und von fehlender Tiefe bei Escamillo zu sprechen ist für mich nicht nachvollziehbar. (Dem Rest der Kritik stimme ich aber bedenkenlos zu ;-))
    Kurz noch ein paar Worte zu Bühne Inszenierung: Die Handlung war ins Spanien der 20er/30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts verlegt. Das hat für die Oper nicht viel gebracht und war sicher nicht zwingend nötig. Die Bühne bestand fast ausschließlich aus aufwendigen hellen Backsteinbauten und/oder Trümmern, was zwar beeindruckend umgesetzt war, dem Stück meiner Meinung nach aber einiges von seiner sinnlichen Atmosphäre nahm. Zu Beginn und vor dem dritten Akt gab es jeweils eine überflüssige Tanzeinlage (die Regie hätte sich ruhig auf die Musik verlassen können, ohne die Vorspiele zwangsweise mit diesen Einlagen, die nichts erzählten, zu bebildern). Die Inszenierung selbst fand ich ansprechend, bis auf die Tatsache, dass Carmen und Don Jose doch sehr oft in angedeutete "Rammelpositionen" gehen mussten. Es störte mich nicht, weil ich prüde bin (bin ich nicht), aber auch hier drücken Musik und Text sehr deutlich aus, worum es bei den Charakteren geht; da bedarf es nicht unbedingt einer Bebilderung.
    Fazit: Insgesamt eine sehr hörenswerte und - mit kleinen Abstrichen - auch sehenswerte Produktion.


    Habe diese Aufnahme günstig erstanden und war neugierig, wie hier die Tradition der Improvisation wieder belebt werden soll. Corea und McFerrin gehen die Sache recht respektvoll an und Coreas Kadenzen lassen durchaus aufhorchen; ob McFerrins kurze Gesangseinlagen nötig sind, ist sicherlich Geschmackssache.

    Oops, da haben wir wohl gleichzeitig geantwortet, lieber Stimmenliebhaber.


    Na gut, dann korrigiere ich von Ingvar Wixell auf René Pape.


    Verflixt - geht das hier schnell, hami1799. Ich gebs auf. War trotzdem lustig.

    RSO Stuttgart
    Camilla Nylund, Iris Vermillion, Jonas Kaufmann, Franz-Josef Selig
    Gächinger Kantorei Stuttgart
    Roger Norrington



    Hier empfiehlt es sich, dass man unbedingt die beigefügte hoch informative CD mit den Werkeinführungen Norringtons anhört. Er bringt Beethovens Notation und Kompositionsstil immer wieder nachvollziehbar z.B. mit zeitgenössischer Tanzmusik in Verbindung und präsentiert die Sinfonien somit regelrecht beschwingt und mit flotten - aber nicht zu hastigen - Tempi. Hier seien David Zinmans und John Eliot Gardiners Beethoven-Zyklen als Negativbeispiele genannt, die sich immer wieder selbst zu überholen scheinen. Norringtons Aufnahmen hingegen sind für mich mustergültig und fern jeglicher Extravaganz oder aufgesetzter Interpretationen.


    PS: Leider hat Igor Markevitch keinen kompletten Beethoven-Zyklus eingespielt. Seine Aufnehmen der Sinfonien 1, 3, 5 und 8 sind grandois. Überragend ist ihm die Pastorale mit dem Orchestre Lamoureux gelungen, während die Nr. 9 leider entgegen den anderen Aufnahmen abfällt. Aber das nur am Rande.

    Royal Concertgebouw Orchestra
    Margarete Price, Marjana Lipovsek, Peter Seiffert, Jan-Hendrik Rootering
    Chor : Städtischer Musikverein zu Düsseldorf
    Wolfgang Sawallisch



    Eine auf den ersten Blick unspektakuläre aber sehr detailgetreue Einspielung, die auch ab und an wohlwollend im Forum erwähnt wird, ohne zu den "ganz Großen" zu gehören. Ich mag sie sehr, da sie meiner Meinung nach schnörkellose Aufnahmen ohne aufgesetzten Pomp und falsches Pathos präsentiert, die für Beethoven-Neulinge, wie auch für "alte Hasen" viel zu bieten hat.
    Und preiswert ist sie auch noch...


    Bei Moritz Matthies´ Erdmännchen-Krimis habe ich mich schlapp gelacht. Die absurde Idee, Erdmännchen aus dem Berliner Zoo detektivisch tätig werden zu lassen, funktioniert erstaunlich gut. Erdmännchen Ray erzählt in den bisher erschienenen drei Bänden, wie er mit seinem menschlichen Partner Phil diverse Fälle aufklärt und schlägt sich gleichzeitig mit seinem Clan und seiner unerfüllten Liebe zu Chinchilla-Dame Elsa herum. Der beste Band der Trilogie ist für mich Teil 2 "Voll Speed", in dem Ray und sein Clan in der Kanalisation unter ihrem Bau ein Modell-Motorboot finden und damit durch die Abwasserkanäle cruisen.


    Sehr empfehlenswert sind an dieser Stelle auch die (gekürzten) Hörbuchfassungen, in denen Christoph Maria Herbst sich beim Vorlesen selbst übertrifft.


    Chor der Wiener Staatsoper, Wiener Philharmoniker, Dir.: Karl Böhm - 4 (hier verstehe ich, warum Böhm seinerzeit zu den bedeutendsten Mozart-Dirigenten gerechnet wurde - nur manchmal schleppt er ein wenig)


    ohne Sprechtexte!


    Tamino - Leopold Simoneau - 4
    Königin der Nacht - Wilma Lipp - 5
    Pamina - Hilde Güden - 4
    Sarastro - Kurt Böhme - 3+
    Papageno - Walter Berry - 4
    Rest - 4


    Eine schöne historische Zauberflöte (1954) in guter Klangqualität.


    Joseph Keilberth: 5


    Hans Sachs (Otto Wiener): 3 (unspektakulär, irgendwie bietet mir dieser Hans Sachs zu wenig und bleibt mitunter konturlos)
    Sixtus Beckmesser (Benno Kusche): 3+ (Kusche mal wieder als der Mann fürs Grobe; kann man so machen)
    Walther von Stolzing (Jess Thomas): 4
    David (Siegfried Lenz): 3
    Eva (Claire Watson): 5


    Restbesetzung: 3


    Eine solide Aufnahme mit einem hervorragenden Dirigenten. Wer die Meistersinger noch nicht kennt und einen ersten Eindruck gewinnen möchte, ist hier gut bedient.


    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Bernard Haitink : 3,5


    James Morris (Wotan) : 4
    Theo Adam (Alberich) : 3 (Adam hier einmal als die "Nachtseite" Wotans - interessant aber nicht wirklich gelungen)
    Peter Haage (Mime) : 4
    Heinz Zednik (Loge) : 4
    Marja Lipovsek (Fricka) : 4
    Hans Tschammer, Kurt Rydl (Fasolt & Fafner) : 4


    Damals noch in kleineren Rollen zu hören: Andreas Schmidt (Donner) und Peter Seiffert (Froh)


    Insgesamt eine seltsam "unentschiedene" Aufnahme, der durch Haitink auch kein rechtes Profil gegeben wird. Er hat zwar im Gegensatz zu seiner "Don Giovanni"-Einspielung seinen Takstock nicht in Watte eingehüllt, liefert aber meiner Meinung nach kein sonderlich eindruckvolles Dirigat ab. Bei der Abmischung ist das Verhältnis zwischen Sängern und Orchester auch nicht immer optimal geraten und fällt oft zu Ungunsten der Sänger aus.


    Otto Klemperer - 2 (zum Einschlafen; so kann man das eigentlich nicht mehr dirigieren)
    Philharmonia Orchestra - 5


    Leonore - Christa Ludwig - 5
    Florestan - Jon Vickers - 4,5 (er hat den beeindruckend langen Atem für Klempereres Tempi und Florestans Arie habe ich selten so beeindruckend gehört)
    Don Pizarro - Walter Berry - 4 (Klemperers Tempi bremsen ihn als Schurken regelrecht aus)
    Rocco - Gottlob Frick - 4-
    Marzelline - Ingeborg Hallstein - 3+
    Jacquino - Gerhard Unger - 4

    Da fallen mir spontan drei Beispiele ein:


    Arturo Toscanini war ein Dirigent, der bei sämtlichen mir bekannten Aufnahmen sein hohes Niveau halten konnte. Da schien das Alter keine große Rolle zu spielen, da sich trotz interpretatorischer Unterschiede für mich keine negativen Veränderungen feststellen lassen.


    Leopold Stokowski neigte bei seinen späteren Einspielungen, die er in England aufnahm, zu extrem schleppenden und damit leider auch spannungsarmen Aufnahmen. Hier lässt sich also definitiv eine Verschlechterung der Interpretationen feststellen. (Allerdings muss der Tatsache Respekt gezollt werden, dass Stokowski bei den Aufnahmen schon sehr alt war und trotzdem noch die Kraft und den Willen zum Dirigieren aufbringen konnte.) Zu diesen späten Aufnahmen zählen z. B. die Messiah-Highlights mit dem LSO und dieses Wagner-Album:


    Bei Nikolaus Harnoncourts Aufnahmen der letzten Jahre fällt mir auf, dass seine "Markenzeichen" wie z.B. lange gehaltene Generalpausen und Tempoverrückungen immer extremer werden. Mitunter klingt er für mich hier leider wie eine Karikatur seiner selbst. Besonders aufgefallen ist mir das bei dieser Zauberflöte (2007) aus Zürich, die noch dazu in einer unsäglichen Inszenierung daher kommt:

    Zur meiner Beerdigung würde mir Pachelbels Kanon gefallen.


    Übrigens: Der schweizer Schauspieler Albert Freuler antwortete mir einmal auf die Frage, welche Musik er sich zu seiner Beisetzung wünschen würde: "Spiel mir das Lied vom Tod". Ich war verblüfft und hielt das für einen seiner üblichen Späße. Aber er meinte das ruhige Thema des Morricone-Soundtracks ("L´America di Jill") - und das ist in der Tat keine schlechte Wahl.

    Kunterbunt - Welcher Komponist wäre besser Maler geworden?
    Farbenspiel – Wäre Mahler besser Maler geworden?
    Nomen est omen – Hätte Mozart anders komponiert, wenn er Mohart gehießen hätte?
    Das RT ist tot! – Alfred setzt sich (und TAMINO) zur Ruhe


    und aktuell zum Richard-Strauss-Jahr:
    Ich sehe Schwarz – Wer war der beste „kleine Neger“ im Rosenkavalier?

    Letztes Jahr überraschte den Musikliebhaber folgende sensationelle Schlagzeile: Gotthard Gschäftli (*1948) vertont Johanna Spyri! Niemals war zu erwarten gewesen, dass der „große Intellektuelle“ der alternativen eidgenössischen Musikszene sich auf die Bearbeitung eines solch trivialen Stoffes einlassen würde. Und doch hatte er sich im Wagnerjahr 2013 auf diese Herausforderung eingelassen und ein ironisch-patriotisches Mammutwerk geschaffen.

    Die kleine Sennerin

    Große Oper in einem Akt


    In Kürze gibt es für den neugierigen Opernliebhaber einen Mitschnitt des letztjährigen Thuner-See-Festivals von der Uraufführung von Gschäftlis Opernerstling „Die kleine Sennerin“ (einer freien Bearbeitung des „Heidi“-Stoffes nach einem Libretto der Schwester des Komponisten) zu erwerben. Unter der Leitung des renommierten Orchesterleiters A. Wedelstedt konnte ein leider (noch) relativ unbekanntes Gesangsensemble das gut 5 1/2stündige Werk in einem Open-Air-Konzert am 07.12.2013 der Öffentlichkeit präsentieren. Neben dem glasklaren Klang des Berner Kantonsorchesters (verstärkt durch zahlreiche Alphornbläser) wussten vor allem die junge Altistin Ursula Schlumpf in der Titelrolle und der Tenor Josef Heiser als ihr Großvater zu überzeugen.
    Endlich wird dieses Meisterwerk auf dem Label LAMER mit einem höchst informativen Booklet erscheinen. (Eine Veröffentlichung auf DVD ist ebenfalls noch in diesem Jahr geplant.)

    Don Quixote
    Libretto: Don Taylor, Thomas Durley
    Musik: Purcell, Eccles, Courtville etc.

    Ein grandioses Konglomerat aus diversen Don-Quijote-Vertonungen, zusammengesetzt zu einem spaßigen neuen Werk mit alter Musik.



    Die Heimkehr aus der Fremde
    Felix Mendelssohn Bartholdy

    Ein heiter-melancholisches Werk mit wunderschöner Musik des jungen Felix Mendelssohn.

    Wie erste ein paar Tage später bekannt wurde, ist am 08.04. dieses Jahres der Schriftsteller und bedeutende Religions- und Kirchenkritiker Karlheinz Deschner verstorben. Diese Nachricht blieb erstaunlicheweise weitgehend unkommentiert. Es gab ein paar wenige pauschale Nachrufe (meist recht kurz) in der Presse - und das wars.
    Deschner wuchs in einem katholischen Elternhaus in Franken auf (die Mutter war konvertiert) und wurde, als er eine geschiedene Frau heiratete, 1951 exkommuniziert. Dieses Ereignis liess ihn nach und nach zum radikalen und unversöhnlichen Kirchenkritiker werden, dessen andere Werke immer im Schatten seiner religionskritischen Schriften stehen werden. Man mag ihm eine gewisse Einseitigkeit und Verbohrtheit vorwerfen, aber letztendlich sind seine Darlegungen fundiert und sollten jedem kritik- und bedingungslos Gläubigen sehr zu denken geben.
    Laut einer aktuellen Umfrage spielt der religiöse Glaube für einen Großteil der Menschen durchaus noch eine Rolle - nach einer Deschner-Lektüre kann sich das aber durchaus ändern...


    Zum Einstieg/als Lesetipp eignet sich hier "Der gefälschte Glaube" und "Der Anti-Katechismus". Ich kann diese lesenswerten Sachbücher nur empfehlen und betonen, dass sie mein Leben durchaus positiv beeinflusst haben.