Beiträge von Gerhard Wischniewski

    Anmerkungen:

    Das Werk wurde bereits 1822 nach dem Libretto von Merelli im Teatro Argentina in Rom aufgeführt und war der erste größere Erfolg Donizettis. Die Neufassung von Ferretti wurde 1824 am selben Theater aufgeführt. Die vorstehende Inhaltsangabe wurde nach der Neufassung von Ferretti erstellt.

    Die Rolle des Abenamet (lt. Libretto Tenor) wurde zwischenzeitlich auch für Altstimme umgeschrieben.

    Auf CD gibt es folgende Aufnahme:

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    Auf youtube kann man sich diese Aufnahme in Einzelteilen anhören.

    Gaetano Donizetti ( 1797 - 1848 )

    Zoraida di Granata

    (Zoraide von Granada)


    Melodramma eroico in zwei Akten

    Libretto: Bartolomeo Merelli, Neufassung von Jacopo Ferretti

    Originalsprache: Italienisch


    Uraufführung: Rom (1822) 1824


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Almuzir, Gewaltherrscher von Granada, Tenor

    Abenamet, General der Abencerragen 1), Tenor

    Zoraida, Abenamets Geliebte, Sopran

    Ines, ihre Vertraute, Mezzosopran

    Alj, ein Zegri 2), Faktotum Almuzirs, Bass

    Almanzor, Freund Abenamets, Bass

    Maurische Adlige, Offiziere, Soldaten, Wachen, Sklaven, Volk


    Ort und Zeit der Handlung: Granada, um 1480


    VORGESCHICHTE

    In Andalusien herrschen die Mauren. Almuzir hat den früheren König gestürzt und die Macht an sich gerissen. Nun begehrt er dessen Tochter Zoraida, die aber den General der Abencerragen, Abenamet, liebt und von diesem geliebt wird. Deshalb droht Almuzirden vom Volk hochverehrten Helden ins Gefängnis zu stecken und auf diese Weise von Zoraida zu trennen.


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    1. Bild: Großer Platz in Granada

    Das Volk ist verzweifelt, weil die Spanier die Stadt belagern und ihr geliebter Held Abenamet nicht die Verteidigung übernehmen darf.

    Almuzir tritt mit Wachen auf und schilt die Verzweifelten Feiglinge: Granada sei durch Gräben und Mauern gut gesichert. Abenamet verdiene es nicht, die Truppen zu führen, denn er habe es gewagt, gegen den Willen seines Herrschers Zoraida zu seiner Geliebten zu machen, die er selbst begehre. Das Volk ist empört über diese Schändlichkeit. Murrend zerstreut es sich.

    Alj, der Vertraute Almuzirs, kommt und berichtet von seinem Auftrag, Zoraida die Werbung des Herrschers zu überbringen. Sie lehne das Ansinnen vehement ab. Ihr Herz gehöre einzig Abenamet und Almuzir werde wohl keine Aussicht auf ihre Zuneigung haben, solange Abenamet lebe. Er werde nicht mehr lange leben, sagt Almuzir. Eine einzige Chance will er ihm geben, die darin bestünde, dass er, Abenamet, freiwillig auf Zoraida verzichte und sich aus Granada fortbegebe. Almuzir schickt Alj, Abenamet herbeizuholen. Er selbst begibt sich in den Palast.


    2. Bild: Ein Raum in der Alhambra

    Ein Sklavenchor besingt die Schönheit Zoraidas. Diese tritt mit ihrer Vertrauten Ines ein. Zoraida beklagt ihre derzeitige Situation. Sie bekennt, dass sie nur Abenamet liebe, den sie schon früh kennenlernte und der ihren Vater aus spanischer Gefangenschaft befreit habe, indem er sich selbst im Austausch anbot. Nun hat dieser grausame Almuzir den Thron beansprucht und ihren Vater ins Grab gebracht. Als sie Almuzir nahen sieht, will sie fliehen.

    Aber Almuzir hält sie auf. Ines gibt er ein Zeichen, fortzugehen. Er versucht, Zoraida von seiner Liebe zu überzeugen und betont, dass er immerhin der König von Granada sei. Doch sie wolle keine Königin sein, sie hasse Almuzir und liebe nur Abenamet. So überlegt Almuzir fieberhaft, wie er Abenamet beseitigen und Zoroidas Liebe gewinnen könne.


    3. Bild: Garten neben Abenamets Haus.

    Soldaten suchen ihren Feldherrn. Sie verehrten ihren Helden Abenamet und bedauern ihn. Er kommt und beklagt sich darüber, dass der Tyrann Almuzir ihm die Geliebte nehmen will. Aber er bittet die Soldaten, zu gehen und ihn nicht zu bedauern.

    Abenamets Freund Almanzor kommt und will ihn warnen: Almuzir sei sehr zornig, weil Zoraida seine Werbung ausgeschlagen habe. Abenamet ist zwar erfreut, doch Almanzor warnt ihn: Er sei jetzt in höchster Gefahr. Alj sei bereits unterwegs, ihn zur Alhambra zu führen. Er möge fliehen. Aber er weigert sich. Was bedeutet ihm das Leben, wenn er Zoraida verliert? Dann sieht er Alj kommen.

    Da er das Anliegen Aljs bereits kennt, sagt er ihm sofort zu, dass er ihm zu Almuzir folgen werde. Almanzor beruhigt er: Er möge sich keine Sorgen um ihn machen. Almanzor nimmt sich vor, auf Abenamet aufzupassen. Und wenn er sterben sollte, will er dessen Schicksal mit ihm teilen.


    4. Bild Ein Raum in der Alhambra

    Almuzir will Abenamet vom Hofe entfernen und hofft, dass Zoraida dann ihren Sinn ändern wird. Da meldet Alj, dass Abenamet sein Kommen zugesagt habe. Als dieser erscheint, schickt Almuzir Alj fort. Er bietet Abenamet an, sein Minister zu werden, wenn er ein Papier unterschreibt, in dem er sein Einverständnis erklärt, auf Zoraida zu verzichten. Abenamet zerreißt das Papier. Nun ruft Almuzir die Wachen und will Abenamet inhaftieren lassen.

    Zoraida eilt herbei. Sie gebietet Almuzir Einhalt und deckt Abenamet mit ihrem Körper. Von draußen hört man die Stimmen der Soldaten, die ohne Abenamet nicht kämpfen wollen.

    Alj stürzt herein und verkündet, dass die Spanier mit dem Angriff begonnen haben, aber die maurischen Soldaten in Aufruhr gerieten, wenn ihnen Abenamet als Führer genommen würde. Nun bleibt Almuzir nichts anderes übrig, als Abenamet das Kommando zu übergeben. Er lässt durch Alj das Banner holen, unter dem Abenamet kämpfen soll und übergibt es ihm. Doch Almuzir und Alj planen heimlich ein Komplott. Almuzir, Abenamet und Alj gehen mit den Wachen, Zoraida nach der anderen Seite ab.

    Ines tritt auf. Sie macht sich Gedanken, wie die Schlacht wohl ausgehen werde und was aus Zoraida wird, falls Abenamet fällt. Da kommt Almanzor und verkündet den Sieg der Mauren. Er möchte Zoraida sehen und ihr die freudige Botschaft überbringen.


    5. Bild: Im Löwenhof der Alhambra

    Der Chor der Soldaten preist die Heldentaten Abenamets. Zoraida, die den Sieg noch nicht fassen kann, wartet sehnsüchtig auf seine Rückkehr

    Von einer Seite kommen nun Abenamet mit Sklaven und Ines, von der anderen Almuzir mit Wachen in den Hof. Zoraida und Abenamet glauben sich am Ziel ihrer Wünsche. Scheinheilig umarmt Almuzir Abenamet als Retter seines Thrones. Heimlich denkt er aber daran, auf welche Weise er ihn von Zoraida trennen kann. Dann fragt er nach dem Verbleib des Banners, das er vermisse.

    Alj eilt herbei und berichtet, dass das Banner im Kampf verloren gegangen und vom Feind erobert worden sei. Zwar erkennen alle, dass hier eine Intrige gesponnen wurde. Aber weder die Bitten Zoraidas, Ines' und Almanzors können Almuzir erweichen. Er verurteilt Abenamet wegen Landesverrats zur Todesstrafe und lässt ihn gefangen nehmen. Zoraida reißt er aus den Armen Abenamets und zerrt sie mit sich fort.


    ZWEITER AKT

    1. Bild: Im Inneren der Alhambra

    Almanzor und der Trupp der Abencerragen sprechen über die Schönheit von Zoraida. Wer könne ihr widerstehen?

    Da kommt Alj und erklärt zynisch, dass Zoraida Almuzirs Forderungen nachgegeben habe und seine Braut werde. Alj verabscheut die Abencerragen. Er freut sich, dass ihr Anführer Anenamet dem Tode geweiht sei und damit das verhasste Geschlecht untergehen werde. Almanzor ist entsetzt darüber, dass Zoraida ihren Geliebten Abenamet offensichtlich verraten hat.

    Ines tritt auf und berichtet, dass Zoraida sich verzweifelt dem Willen Almuzirs gebeugt habe, um Abenamet zu retten. Almuzir habe ihr als Gegenleistung schwören müssen, Abenamet freizugeben. Almanzor meint, der Tod wäre für den Freund besser gewesen.


    2. Bild: Unterirdischer, schwach beleuchteter Kerker

    Abenamet ist mit Ketten an einen Felsen gefesselt. Er beklagt sein Schicksal und das von Zoraida. Da betritt Almuzir den Kerker. Abenamet bittet, ihn endlich zu töten. Aber Almuzir verkündet ihm, dass er komme, um ihn zu befreien. Als Geschenk Almuzirs will Abenamet aber seine Freiheit nicht annehmen. Doch Almuzir erklärt ihm, dass dies ein Geschenk Zoraidas sei, die nun seine Braut und damit Herrscherin sei. Er solle – das seien die Worte Zoraidas – möglichst noch in dieser Nacht Granada verlassen. Abenamet will das nicht glauben, auch nicht, als ihm Almuzir Zoraidas Ehering zeigt. Doch schließlich kann Almuzir ihn überzeugen, dass Zoraida ihm im Gegenzug für die Freiheit Abenamets die Treue geschworen habe. Abenamet entschließt sich, zu gehen, plant aber heimlich, Zoraida noch einmal zu sehen und sich zu ihren Füßen zu töten. Almuzir verlangt zum Abschied heuchlerisch eine Umarmung, die ihm Abenamet widerwillig gewährt.


    3. Bild: Orangen- und Olivenhain: Mondnacht

    Zoraida bittet ihre Vertraute Ines, sie allein zu lassen, da Abenamet sie erwarte. In einer Arie erinnert sie sich voll Wehmut an diesen Olivenhain, wo sie sich einst Treue schworen.

    Abenamet schleicht, als Sklave verkleidet, vorsichtig herbei. Alj ist ihm heimlich gefolgt und beobachtet die Szene. Nachdem er einen Teil des Gesprächs zwischen Zoraida und Abenamet erlauscht hat, verschwindet er wieder. Abenamet wirft Zoraida Untreue vor, doch sie kann ihn überzeugen, dass sie den Pakt nur geschlossen habe, um ihn zu retten und ihn immer noch liebe. Er versucht, sie zu überreden, mit ihm zu fliehen, was sie aber ablehnt. Daraufhin will er sich selbst töten. Sie fleht ihn an, um ihretwillen sein Leben nicht wegzuwerfen.

    Inzwischen hat sich Almuzir sachte genähert. Plötzlich will er sich mit dem Schwert auf Abenamet stürzen. Zoraida schreit auf und entreißt Abenamet den Dolch, den er im Gürtel trug. Sie fordert ihn erneut auf, zu fliehen. Während Abenamet entkommt, zerrt Almuzir Zoraida mit sich.

    Ines erscheint aus der Tiefe des Hains. Sie bedauert ihre Freundin Zoraida.


    4.Bild: Im Inneren der Alhambra

    Selbstherrlich preist Alj seine Schläue. Er will es schaffen, das Regiment künftig noch stärker an sich zu binden, um so mehr Einfluss am Hofe Almuzirs zu gewinnen. Seine Genossen, die Zegris, fordern den Tod der untreuen Frau (Zoraida). Dann zerrt Almuzir Zoraida herein. Er macht ihr Vorwürfe, eine Verschwörung gegen ihn angezettelt zu haben und droht ihr mit dem Tode. Doch sie fürchtet sich nicht. Sie habe den Geliebten gerettet und dafür gehe sie gerne in den Tod. Almuzir überantwortet Zoraida dem Ankläger Alj, der mit ihr und den Wachen abgeht. Almuzir selbst schwankt zwischen Rachegefühlen und seiner Liebe zu Zoraida.


    5. Bild: Großer Platz in Granada. Im Hintergrund ein Scheiterhaufen.

    Almuzir sitzt auf demThron. Alj hält das Urteil in der Hand. Das Volk bedauert den frühen Tod der Schönen. Dann kommt Zoraida, gestützt von Ines und Almanzor. Alj verliest die Anklage und das Todesurteil. Zoraida weist noch einmal auf ihre Unschuld hin. Weil aber Abenamet gerettet sei, fürchte sie den Tod nicht mehr. Man will ihr noch eine letzte Chance geben, wenn jemand für sie kämpfen würde. Da tritt ein Ritter mit heruntergelassenem Visier vor und fordert Alj zum Zweikampf. Nach kurzem Gefecht hat der Ritter gesiegt und Alj schwer verwundet. Angesichts seines Todes bekennt Alj, dass Abenamet unschuldig sei. Er selbst habe das Banner im Auftrag Almuzirs in das feindliche Lager geschmuggelt. Alj wird fortgetragen. Das Volk dringt auf den Thron Almuzirs ein und fordert seinen Tod. Doch der Ritter gebietet Halt. Almuzir sei der König und er werde ihn verteidigen. Dann öffnet er das Visier und man erkennt Abenamet. Er wünscht keine Rache, sondern Vergebung. Er umarmt Almuzir, der vom Thron herabgestiegen ist. Der König vereint daraufhin die Hände Zoraidas mit denen Abenamets.

    Mit einem Freudenchor endet die Oper.


    1) Abencerragen = maurisches Geschlecht

    2) Zegris = maurisches Geschlecht, das mit den Abencerragen in Zwist lag

    Da war von Hörgewohnheiten die Rede. Ich habe mich früher schon einmal dazu geäußert. Ich höre klassische Musik so gut wir nie neben einer anderen Beschäftigung, es sei denn, die Beschäftigung erfordert wenig Konzentration. So habe ich früher einmal Handarbeiten gemacht (Stickereien, Teppichknüpfen). Da konnte ich, wenn sonst alles im Hause ruhig war, mich auf bestimmte klassische Werke einigermaßen konzentrieren. Ansonsten muss ich für klassische Werke Muße haben, um zuzuhören. Selbst beim Lesen bleiben ja nur Fetzen klassischer Musik hängen. Da habe ich es lieber ruhig.

    Im Hören klassischer Musik bin ich breit gefächert - vom Barock bis in die Moderne (ausgenommen Zwölftonmusik, atonale Musik und sonstige Experimente moderner Komponisten). Ich bin immer wieder begierig, Neues kennenzulernen und so habe ich in meiner CD-Sammlung manches Werk der moderneren Zeit, wenn ich es günstig erstehen konnte, versuchsweise mitgenommen. Ich habe dann vor dem Hören versucht, aus Begleitheften oder Konzertführern, von denen ich mehrere besitze, mehr über das Werk zu erfahren. Manchmal gefiel es mir auch erst beim zweiten konzentrierten Hören.

    Begleitmusik bei Arbeiten oder Unterhaltungen gibt es bei uns nur selten. Lediglich am Sonntagmorgen beim Frühstück wird im Südwestfunk 4 das Sonntagskonzert eingeschaltet, dem ich aber nur solange zuhöre, bis das Frühstück zuende ist. Ansonsten kommt höchstens mal Unterhaltungsmusik (Operette usw.) als Hintergrundmusik infrage. Auch bei Autofahrten

    schalten wir selten das Radio ein oder legen eine CD auf, was sich dann aber auch auf Unterhaltungsmusik beschränkt.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Ja, aber man geht aus dem Haus - auch wenn ich den Gewitterregen "mitgenommen" habe - und sitzt im Saal, und trinkt mit der Begleiterin ein Glas (mäßigen) Wein in der zu kurzen Pause. Fast so schön, wie Oper. :-)

    Lieber Hans,


    da hast du Recht. Bisher waren die Kinobesuche für mich auch immer ein besonderes Erlebnis und ich habe (allerdings erst in der nächsten Saison) schon wieder einige davon gebucht. Man hat in dem besonderen Foyer, das unser Kino nur für diese Veranstaltungen öffnet (der Saal hat sonst einen anderen Zugang) vor der Vorstellung bei einem vom Veranstalter kostenlos angebotenen Glas Sekt oder Orangensaft und in den Pausen bei der Möglichkeit kleine Schnittchen und Getränke zu erhalten nette Gespräche mit anderen Opernfreunden. Auch im Saal herrscht hier wunderbare Stille ohne Geschwätz, Papierknistern oder Husten, man sieht - anders als ich es vom Opernhaus kenne - wegen der Anordnung der Sitzreihen (je zwei Stufen höher) über alle Köpfe hinweg. Bei guter Kameraführung ist für mich und meine Begleiterinnen (wir nehmen eine verwitwete Freundin mit) das Erlebnis noch unmittelbarer und intensiver als im Opernhaus. Hinzu kommt, dass diese Vorstellungen aus einigen der besten Opernhäuser der Welt meist mit den besten Sängern besetzt sind. Und das zu einem Preis, für den ich hier im Theater nur Plätze in den hintersten Reihen bekomme. Ich entbehre das Opernhaus überhaupt nicht mehr, seitdem es diese Möglichkeit hier ganz in der Nähe gibt.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Anmerkungen.

    Der Inhaltsangabe liegt das Libretto aus dem Band "Tutti i libretti di Gaetano Donizetti" zugrunde.

    Der bekannte Textdichter Felice Romani hatte die Eigenschaft, selten pünktlich zu liefern. So verzögerte sich das Libretto zu "Chiara und Serafina" auch so stark, dass Donizetti die Oper in 12 Tagen und Nächten komponieren musste. Die Uraufführung wurde in Mailand vom Publikum kalt aufgenommen. Das Werk erlebte dann noch 12 Vorstellungen. Acht Jahre später aber soll es in Mailand bei seiner Wiederaufnahme ein Erfolg gewesen sein. Danach scheint es weitgehend vergessen. Aufführungen aus neuerer Zeit sind nicht bekannt.

    Einen Ausschnitt gibt es auf youtube (2. Akt, 10. Szene, Trio der drei Frauen allein in der Zisterne, während Picaro oben die Falltür aufzuschlagen versucht)

    Gaetano Donizetti ( 1797 – 1848 )

    Chiara e Serafina, ossia Il pirata

    (Klara und Serafina oder Der Pirat)


    Melodramma semiseria in 2 Akten

    Libretto: Felice Romano

    Originalsprache: Italienisch


    Uraufführung: Mailand 1822


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Chiara, Tochter von Don Alvaro, Sopran

    Serafina, ihre jüngere Schwester, Mezzosopran

    Don Alvaro, Schiffskapitän, ihr Vater, Sprechrolle

    Don Ramiro, ein junger Ritter, Tenor

    Don Fernando, reicher Adliger und heimlicher Feind von Don Alvaro, Tenor

    Picaro, Pirat, ehemals Diener bei Don Fernando, Bariton

    Agnese, Aufseherin im Schloss von Belmonte, Mezzosopran

    Lisetta, ihre Tochter, Alt

    Don Meschino, wohlhabender Bürger, Sprechrolle

    Gennaro, Piratenhauptmann, Sprechrolle

    Spalatro, Piratenhauptmann, Sprechrolle

    Fischer, Dorfbewohner, Piraten, Wachen


    Ort und Zeit der Handlung: Mallorca, 17. Jahrhundert


    VORGESCHICHTE

    Don Alvaro, ein Schiffskapitän, wurde im Krieg Spaniens gegen Algier auf der Rückreise von Cadiz nach Mallorca überfallen und geriet mit seiner Tochter Chiara in Gefangenschaft. Inzwischen hatte sein Intimfeind Don Fernando die Abwesenheit des Kapitäns ausgenutzt, um die Herrschaft über dessen Besitz an sich zu reißen. Dem verschollenen Don Alvaro hatte er gerichtlich Hochverrat unterstellen lassen und ein Todesurteil gegen ihn erwirkt. Die Vormundschaft über die jüngere Tochter Don Alvaros, Serafina, die als Kind zurückgeblieben war, wurde Don Fernando übertragen. Serafina ist inzwischen im heiratsfähigen Alter und hat sich in Don Ramiro, einen jungen Ritter, verliebt. Don Alvaro und Chiara sind nach langen Jahren der Gefangenschaft auf der Heimreise nach Mallorca.


    ERSTER AKT

    1. Bild: Am Meeresstrand von Mallorca mit maurischen Ruinen im Hintergrund

    Fischer bereiten sich vor, Fische für die Hochzeitsfeier Serafinas mit Don Ramiro zu fangen.

    Agnese, die Aufseherin im Schloss Belmonte, verrät ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit, dass Don Fernando die Hochzeit hintertreiben und Serafina selbst ehelichen wolle, um an ihr reiches Erbe zu gelangen. Da hört man die Schreie von Agneses Tochter Lisetta, die von Don Meschino, einem reichen, aber dümmlichen Bürger bedrängt wird. Die Fischer verharren noch einen Augenblick, um sich an dem lustigen Schauspiel zu ergötzen.

    Lisetta wird von dem lächerlich als Fischer gekleideten Don Meschino verfolgt. Er sagt, er habe extra für sie seine Kleidung gegen diese getauscht. Er appelliert an ihre Mutter Agnese, sie möge einschreiten und ihm helfen. Doch Lisetta lehnt seinen Antrag entschieden ab und macht sich lustig über ihn. Die Fischer amüsieren sich. Dann kommt ein Sturm auf. Das Meer beginnt zu tosen und alle verschwinden.

    Das Unwetter schwillt an. Man sieht im Hintergrund Schiffe in Seenot. Eines davon wird gegen einen Felsen geschleudert und versinkt. Als der Sturm sich langsam legt, steigen Chiara – in Seemannskleidung – und Alvaro vom Felsen herab. Da ihr Vater erschöpft ist, will Chiara nach einem Unterschlupf suchen.

    In diesem Augenblick kommt Don Meschino zurück. Als er die beiden sieht, schreit er verängstigt auf, weil er glaubt, es seien Piraten. Selbst als Chiara erklärt, dass sie Schiffsbrüchige seien, kann er sich nicht beruhigen. Darauf erscheinen auch Agnese und Lisetta. Don Meschino zeigt seine Eifersucht auf den hübschen jungen Mann (die verkleidete Chiara), in welchen er einen Nebenbuhler um die Gunst Lisettas sieht. Als Chiara und Alvaro um Unterkunft für einen Tag bitten, lädt Agnese sie auf das Schloss Belmonte ein. Chiara und Alvaro vernehmen von Lisetta, dass Don Fernando beabsichtigt, Serafina zu heiraten.

    Daraufhin bittet Chiara ihren Vater, er möge sich auszuruhen. Er solle sich zunächst noch nicht zu erkennen zu geben. Sie wolle auf eigene Faust Nachforschungen über die gegenwärtigen Verhältnisse in der Heimat anstellen. Alle gehen.

    Piraten schleichen heran, darunter Picaro mit einem Kästchen, das er am Ufer gefunden hat. Alle – außer Picaro – dringen in ein geheimes Versteck ein. Picaro denkt über das Piratenleben nach, das ihm nicht mehr gefällt. Er überlegt, wie er auf einfachere und ungefährlichere Weise reich werden könne.

    Da trifft er auf Don Fernando, der in ihm seinen ehemaligen Diener erkennt. Don Fernando bietet ihm ein Geschäft an. Er solle sich Serafina als ihr wieder aufgetauchter Vater, Don Alvaro, vorstellen. Über die näheren Einzelheiten seines Planes werde er Picaro später noch informieren. Fernando bietet dem ehemaligen Diener einen hohen Lohn dafür, wenn es diesem gelingt, die Rolle des zurückgekehrten Vaters glaubhaft zu spielen. Picaro ist über das Geschäft erfreut und folgt Don Fernando auf das Schloss.


    2. Bild: Eine Hütte in den Gärten des Schlosses von Don Fernando

    Serafina und Don Ramiro singen ein Liebesduett und malen sich ihre Zukunft aus.

    Don Fernando kommt aufgeregt hinzu. Er verkündet Serafina, dass sie nicht mehr Waise sei. Dann stellt er ihr Picaro – in der Kleidung eines Schiffskapitäns – als ihren heimgekehrten Vater, Don Alvaro, vor. Serafina lässt sich täuschen und fällt ihrem vermeintlichen Vater in die Arme, der hocherfreut tut, seine „Tochter“ wiederzusehen. Auch Don Ramiro begrüßt seinen künftigen „Schwiegervater“. Don Fernando staunt, wie gut die List gelungen ist.

    Man hört Gitarrenklänge. Chiara hat heimlich gelauscht und erkannt, dass hier ein falsches Spiel getrieben wird. Sie tritt in der Kleidung eines Straßenmusikanten und Betteljungen auf. Sie reicht einen Zettel herum, in dem sie sich als Waisenkind ausgibt, das die Sprache verloren hat. Man sammelt für sie, und Serafina überreicht ihr das Geld. Chiara küsst ihr die Hand und deutet dabei an, dass es ihr schlecht ginge. Als sie gefragt wird, ob sie eine Unterkunft habe, macht sie eine verneinende Geste. Da will Serafina ihr Unterkunft gewähren. Picaro weigert sich zunächst, doch Don Fernando deutet ihm an, er solle darauf eingehen, das könne ihrem Plan helfen. Picaro tut, als sei er müde und verabschiedet seinen „Schwiegersohn“. Doch Chiara, kann Don Ramiro im Fortgehen noch zuflüstern, man wolle ihn täuschen. Er möge schnell wiederkommen. Don Fernando nimmt den vermeintlichen Bettler (Chiara) mit sich.

    Picaro, nun mit Serafina allein, erklärt ihr, dass er sie wieder verlassen müsse, weil gegen ihn noch das Todesurteil bestehe. Sie aber will ihren vermeintlichen Vater nicht verlassen und verspricht, mit ihm zu fliehen. Ihr Bräutigam werde inzwischen dafür sorgen, dass das Todesurteil aufgehoben werde. Sie gehen.

    Chiara kehrt zurück. Sie will herausfinden, was man mit Serafina vorhat. Als sich Don Fernando und Picaro nähern, versteckt sie sich und kann mithören, wie Picaro Don Fernando berichtet, dass Serafina auf die Täuschung eingegangen ist. Don Fernando bezahlt ihn und stellt ihm ein Schiff zur Verfügung, in dem Picaro mit Serafina vorläufig verschwinden kann. Auch gibt er ihm einen Brief mit und händigt ihm einen Plan aus, in dem die Beschreibung zu finden ist, wo er notfalls ein Versteck finde. Auf diese Weise soll Serafina von Don Ramiro getrennt und später mit Don Fernando verheiratet werden. Sie brechen sofort auf. Chiara – jetzt über die Verschwörung informiert – verlässt ihr Versteck.


    3. Bild: Ein Raum im verlassenen Schloss Belmonte. Auf einem Sockel eine Kriegerstatue.

    Der Sockel öffnet sich und die Piraten dringen unter der Führung von Spalatro in den Raum ein, der ihnen als Versteck dienen soll. Als sie Schritte hören, verstecken sie sich.

    Durch eine Seitentür schleicht Don Meschino mit einer Fackel herein und sucht nach Lisetta. Er beschwert sich, dass sie sich immer versteckt und trällert ein dümmliches Liedchen von einem Wildfang, das ihn seine Großmutter gelehrt hat. Er vernimmt Geräusche und glaubt, dass es Lisetta sei. Die Piraten nähern sich und löschen seine Fackel aus. Da schreit er um Hilfe. Die Piraten fliehen durch den geheimen Gang im Sockel der Statue.

    Auf das Geschrei von Don Meschino eilen Agnese, Lisetta, Don Alvaro und Dorfbewohner mit Fackeln herbei. Don Meschino faselt etwas von Piraten, denen er einen Faustkampf geliefert habe. Nun seien sie alle tot. Er habe Angst gehabt, dass sie seine Lisetta entführen wollten. Alle lachen ihn aus und schicken den Dummkopf fort.

    Dann kommt man auf Don Alvaro zu sprechen, der Belmonte von den Barbaren befreit habe und den die Dorfbewohner noch immer verehren. Ihm zu Ehren habe man die Statue errichtet. Don Alvaro – noch inkognito – zeigt besonderes Interesse an seinem Standbild. Als man ihn befragt, ob er den Genannten kenne, erklärt er, er sei jeden Tag an dessen Seite gewesen. Lisetta schildert nun in einem Lied die Heldentaten Don Alvaros. Don Meschino kommt zurück und spricht von einem Brief, den ein Fremder gebracht habe.

    Picaro tritt mit der dicht verschleierten Serafina ein. Er übergibt den Brief. Don Meschino liest ihn gemeinsam mit Agnese und verkündet eine Order von Don Fernando, den beiden Fremden Obdach und Nahrung zu gewähren und ihre Anwesenheit geheim zu halten. Picaro kann verhindern, dass Lisetta und Don Meschino versuchen, den Schleier Serafinas zu lüften. Er bittet Agnese, die Leute wegzuschicken und etwas zu essen zu bringen. Alle verabschieden sich. Agnese führt Picaro und Serafina in einen Nebenraum und Don Alvaro zieht sich in eine dunkle Ecke zurück.

    Inzwischen ist es finstere Nacht geworden. Chiara tritt auf. Sie hofft, den Verräter zu entlarven und die Schwester und den Vater zu retten. Dann begibt sie sich in die Richtung, in die auch Don Alvaro zuvor gegangen ist.

    Picaro kommt mit einer Lampe aus dem Nebenraum. Er sucht den in Don Fernandos Plan verzeichneten Geheimgang bei der Statue. Chiara versucht den besorgten Don Alvaro zu beruhigen. Außer Don Ramiro wisse niemand, wer er sei. Und der werde bald hier sein. Als sie Picaro sehen, schreien sie auf.

    Doch der hat inzwischen seinen Sinn geändert. Er bittet sie, zu schweigen und verrät ihnen, dass das Todesurteil gegen Don Alvaro bereits aufgehoben sei. Dieses Dokument verwahre Don Fernando, aber er, Picaro, wisse, wo es sich befinde. Er sei von Don Fernando verführt worden, was er jetzt bereue. Er sei sogar bereit, Don Fernando zu töten. Don Alvaro eilt hinaus.

    Picaro lädt Chiara in ein Nebenzimmer ein. Sobald diese eingetreten ist, schlägt er die Tür zu und verriegelt sie. Chiara schreit um Hilfe. Von draußen hört man Stimmen, die den Hochstapler (Picaro) suchen. Picaro holt die verängstigte Serafina aus dem anderen Zimmer, öffnet die Falltür zu dem geheimen Gang und verschwindet mit ihr darin.

    In diesem Augenblick eilen Don Alvaro, Don Ramiro, Don Meschino, Agnese und Lisetta und Dorfbewohner herbei. Chiara wird von Don Alvaro befreit.

    Sie muss den Anwesenden jedoch berichten, dass sie betrogen wurden und Picaro mit Serafina entflohen sei. Don Meschino erklärt sich sofort zum Kampfe bereit und alle anderen schwören, jeden Winkel zu durchsuchen, um Serafina zu retten und den Verräter zu bestrafen.


    ZWEITER AKT

    1. Bild: Im Inneren einer alten Zisterne unterhalb des Schlosses Belmonte. Rundum Ruinen. Es ist Nacht.

    Die Piraten schlafen. Da kommt der Piratenhauptmann Spalatro aufgeregt herein. Sie seien verraten, wahrscheinlich von Picaro, der seit dem Morgen verschwunden ist. Die Piraten beschließen, ihr Versteck zu verteidigen und verteilen sich in den Ruinen.

    Ein Schuss fällt. Dann stürzt Don Meschino, um Hilfe schreiend, herein. Bei der Befragung durch den Piratenhauptmann Gennaro gibt er an, dass er zu den Leuten gehöre, die nach dem Entführer eines Mädchens suchen und die er in den verworrenen unterirdischen Gängen verloren habe. Inzwischen ist auch Chiara durch den Raum gelaufen und in einem der Gänge verschwunden.

    Den Piraten ist es zu gefährlich geworden. Sie ziehen ab; nur Don Meschino bleibt zurück.

    Er wähnt sich verloren, da er wohl nie wieder hier heraus findet. Da hört man die Stimme Chiaras, die nach einem Ausgang sucht. Als sie sich nach Verschwinden der Piraten wieder hereinwagt, trifft sie auf Don Meschino. Sie fordert ihn auf, mit ihr weiter nach ihrer Schwester und deren Entführer zu suchen. Als der Feigling zögert, will sie alleine gehen. In diesem Fall wäre er hilflos und so entschließt er sich endlich, mit ihr zu gehen. Sie verschwinden in einem Gang.

    Picaro steigt mit Serafina eine Treppe in die Zisterne herunter. Er erkennt, dass er das Versteck der Piraten entdeckt hat. Nun muss er den Ausgang finden. Er lässt Serafina allein zurück. Serafina beklagt in einer Arie, dass sie nun, nachdem sie ihren „Vater“ gefunden habe, ein so schreckliches Schicksal mit ihm erleiden muss. Sie denkt auch an ihren Geliebten, Don Ramiro, und fragt sich, ob sie ihn jemals wiedersehen wird. Da hört man von außen Stimmen. Nun fürchtet sie, das man ihren „Vater“ entdeckt habe.

    Die Piraten haben Chiara, Don Meschino und Lisetta gefangen genommen. Als Serafina sie sieht, ruft sie nach ihrem „Vater“. Chiara erkennt ihre Schwester und enthüllt ihr, dass Picaro nicht ihr Vater sei. Da tritt Picaro selbst in den Kreis. Er bietet den Piraten die Geldbörse an, die er von Don Fernando erhalten hat. Picaro deutet ihnen auch an, das man Serafina als Geisel nehmen könnte, um noch an weiteres Gold zu kommen. Die Piraten trennen Serafina und Lisetta von Chiara und Don Meschino und sperren sie ein. Picaro kann Serafina noch zuflüstern, dass er sie retten werde.

    Die Piraten nehmen Picaro wieder in ihre Gemeinschaft auf und geben ihm das Kästchen, das er gefunden hatte (siehe 1. Akt,1. Bild). Er öffnet es und findet darin einen Brief, der die Unschuld Don Alvaros beweist. Dann übergibt er es an Chiara. Die Piraten haben Bedenken, ertappt zu werden. Sie lassen Picaro zurück, der für Chiara und Don Meschino verantwortlich sein soll.

    Während Chiara und Don Meschino sich Gedanken machen, ob sie überhaupt noch einmal hier herauskommen werden, horcht Picaro, bis die Schritte der abziehenden Piraten verhallt sind. Dann befreit er Serafina und Lisetta.

    Picaro überlegt, wie sie sich retten könnten. Er beordert Don Meschino, den Zugang von der Seeseite zu bewachen und ihn bei einem Geräusch sofort zu rufen. Er selbst steigt die Treppe zum Schloss hinauf.

    Die drei Frauen ängstigen sich, dass sie hier nicht mehr hinauskommen. Da hört man von oben, wie Picaro versucht, die Falltür aufzubrechen. Nun schwanken sie zwischen Hoffnung und Misstrauen.

    Picaro kommt die Treppe herunter, in Begleitung von Don Ramiro und Schlosswachen. Serafina und Don Ramiro fallen sich in die Arme. Auch Don Meschino kehrt von seinem Wachtposten zurück und freut sich mit den anderen. Picaro bittet um Vergebung für sein Vergehen und alle verzeihen ihm. Chiara, Serafina, Lisetta und Don Meschino steigen schnell die Treppe hinauf in die Freiheit.

    Die zurückbleibenden Picaro, Don Ramiro und die Wachen wollen die Piraten erwarten und sie bekämpfen. Die Szene wandelt sich zum


    2. Bild: Am Meeresstrand wie Akt 1, Bild 1

    Von den Felsen und Ruinen hört man Schüsse. Fischer und Dorfbewohner laufen mit Gewehren vorbei. Dann erschallt ein Jubellied. Die Piraten sind besiegt. Endlich ist die Insel sicher.

    Don Ramiro, Don Meschino und die Wachen, später Serafina, Lisetta und Don Alvaro kommen herbei. Nur Chiara wird schmerzlich vermisst.

    Doch dann taucht sie mit Picaro zwischen den Ruinen auf. Sie berichtet, dass ihr Vater, der echte Don Alvaro, vom Vorwurf des Hochverrats freigesprochen und rehabilitiert wurde. Der wahre Verräter Don Fernando wurde gefangen genommen und wird seine Strafe erhalten. Picaro wird in die Gemeinschaft aufgenommen und schwört Treue. Alle freuen sich über den glücklichen Ausgang.

    Anmerkungen:

    Igor Strawinsky wurde von der Tänzerin und Choreographin Ida Rubinstein beauftragt, ein Ballett zum 35. Todestag Tschaikowskis († 6.November 1993) zu schreiben. Er verfasste dazu ein Libretto nach Hans Christian Andersons Märchen „Die Eisjungfrau“. Strawinsky benutzte für die Partitur auch Musik aus unbekannteren Klavierwerken Tschaikowskis und dessen Lied „Nur wer die Sehnsucht kennt“(als die Fee im Brautschleier erscheint), sowie im 2. Bild für den Bauerntanz Volksmusik aus der Schweiz.

    Das Ballett ist – nach Ansicht von Fachleuten – schwierig zu verwirklichen. Es wechselt häufig zwischen Szenen mit Handlung und sogenannten „weißen“ Szenen (Schautänzen). Eine gute Lösung fand Kenneth MacMillan mit der Scottish Ballet Company, die ich als Mitschnitt auf DVD besitze. Danach entstand auch die Inhaltangabe. Einen kurzen Querschnitt und eine Pas de deux gibt es auf youtube. Eine Aufzeichnung auf DVD habe ich leider nicht gefunden.

    Igor Strawinsky ( 1882-1971 )

    Der Kuss der Fee


    Ballett in einem Akt und vier Bildern

    Libretto: Igor Strawinsky


    Uraufführung: Paris 1928


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Eine Mutter mit Säugling

    Die Fee

    Ein junger Mann

    Seine Braut

    Elfen und Geister, Dorfbewohner, Freundinnen der Braut, Musikanten


    Ort und Zeit der Handlung: Ein Dorf in der Schweiz, Märchenzeit


    INHALTSANGABE

    1. Bild: Einsame Gegend im Winter

    Eine Mutter mit Säugling hat sich verirrt und wird von Elfen und Geistern verfolgt. Die Fee tritt auf. Fee und Geister verängstigen die Mutter immer mehr, bis sie schließlich erschöpft zusammenbricht. Dorfbewohner finden die tote Mutter und tragen sie fort. Eine Frau nimmt sich des Säuglings an. Dann küsst die Fee den Säugling auf die Stirn. Damit gewinnt sie Einfluss auf das Leben des Kindes. Als die Elfen und Geister wieder auftauchen, fliehen die Dorfbewohner mit dem Knaben.


    2.Bild: Ein Dorffest, zwanzig Jahre später

    Inzwischen ist der Knabe zum jungen Mann herangewachsen. Die Dorfbewohner und auch der Jüngling mit seiner Braut tanzen. Eine Zigeunerin mischt sich unter die Tanzenden, nähert sich dem jungen Mann und prophezeit ihm Glück. Als sich nach dem Tanz alle zurückgezogen haben, bleibt nur der junge Mann zurück. Die Zigeunerin tritt wieder auf und entpuppt sich als die Fee. Sie gewinnt immer mehr Macht über den Jüngling.


    3. Bild: Platz vor der Mühle, in der die Braut wohnt

    Die Braut und ihre Freundinnen tanzen fröhlich. Der junge Mann kommt und tanzt mit. Dann verlässt die Braut mit ihren Freundinnen vorübergehend den Ort, um das Hochzeitskleid anzulegen. Plötzlich erscheint die Fee verschleiert im Brautkleid. Er hält sie für seine Braut, aber sobald die Fee den Schleier abnimmt, wendet er sich ab. Er kann jedoch ihrer Gewalt nicht mehr widerstehen und sie entführt ihn in die Gefilde der Seeligen. Die Braut sucht vergebens nach ihrem Geliebten.


    4. Bild: Gefilde der Seeligen

    Die Elfen und Geister huldigen mit Tänzen dem liebenden Paar.

    Unser Kino bietet schon seit gestern Aufzeichnungen aus der Metropolitan Opera an. Wenn man bucht, wird neben den gebuchten Plätzen rechts und links sofort ein Platz blockiert. Es besteht Maskenpflicht bis hin zu Platz. Da die Reihen weit genug auseinander (jeweis zwei Stufen höher, sodass man den Vordermann nicht sieht, sehe ich die Gefahr gering. Allerdings wird wohl der Aufenthalt vor Beginn und in den Pausen im Foyer nicht möglich sein. Ich habe zwar für den Sommer nicht gebucht, aber einige von den Veranstaltungen der neuen Saison, die am 7.11. beginnt. Da die MET mit live-Übertragungen erst ab Januar beginnt, ist die Veranstaltung im November auch eine Aufzeichnung. Nun werde ich darauf achten, wieweit Übertragungen aus dem Royal Opera House stattfinden, bei dem ich vor allem die Ballettaufführungen (etwa die Hälfte der Übertragungen sind Ballette) schätze. Ein Spielplan liegt zur Zeit noch nicht vor.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Zitat

    von Operus im Ballettführer zu Drigos Ballett "Die Zauberflöte


    danke für die Vorstellung der "Zauberflöte" als Ballett. Ich wusste nicht, dass es dieses Werk gibt.

    Lieber Hans,


    ich habe einen kanadischen Ballettfilm von 2006 zu Mozarts Zauberflöte als modernes Tanztheater nach einer Choreographie von Marc Godden. Titel: "The tale of the magic flute". Er wurde vom damaligen ZDF-Theaterkanal gesendet. Das Ballett wird in modernen Kulissen und mit modernen Kostümen getanzt. Wobei weitere moderne Mittel eingesetzt werden. Das Ballett beginnt damit, dass Tamino vor einem großen Fernseher einsam bei einem Bier sitzt. Dann erscheinen auf dem Bildschirm die drei Damen. Sie werfen Schlingen nach ihm. die aus dem Fernseher herauskommen (3D-Fernseher). Schließlich entsteigen die Damen selbst dem Fernseher und bedrängen Tamino. Einen Monitor hat auch Sarastro, in dem er das Geschehen in seinem Reich beobachtet. Auch Fernbedienung, Smartphone usw. sind schon mit dabei.

    Zu den Tänzen werden die entsprechenden Melodien von Mozart gesungen. Die Flöte ist geblieben. Papageno erhält aber statt des Glockenspiels ein Grammphone.

    Ich wollte diesen Hinweis nicht hinter deinen Beitrag zu Drigos Zauberflöte, die ja einen ganz anderen Inhalt hat, stellen, weil ich ihn dort nicht für passend hielt. Ich weiß auch nicht, ob dieses Ballett jemals auf die Bühne kam. Der Film soll laut WorldCut auch als DVD existieren. Ich konnte diese jedoch nicht im Internet im Angebot finden.

    Zur Inhaltangabe kann ich nur die englischen Zwischentexte zu den einzelnen Tanzszenen (ins Deutsche übersetzt) anfügen, die ich aber aus den genannten Gründen nicht in den Ballettführer einstellen will:


    Sarastro, der Sonnenkönig und seine von ihm entfremdete Gattin, die Königin der Nacht, sind in Kampf miteinander. Verloren in dem geteilten Königreich wird der noble Tamino von den drei Damen der Nacht gepeinigt.

    Inzwischen geht Papageno mit seiner Geliebten Papagena shoppen.

    Die Königin der Nacht beschwört Tamino, ihr zu Hilfe zu kommen.

    Sie zaubert Sarastro, Monostatos und Pamina herbei.

    Papageno wird von Maulkorb und Keuschheitsgürtel befreit.

    Drei Geister erscheinen mit der Zauberflöte.

    Tamino und Papageno wandern los, um der Königin zu helfen.

    Sarastro beobachtet, wie Pamina Monostatos widersteht.

    Inzwischen sucht Tamino - verloren in den Wäldern - nach Pamina.

    Pamina und Papageno setzen ihre Suche nach Tamino fort.

    Sarastro entscheidet sich, einzugreifen.

    Sarastro schließt Frieden mit seiner Tochter Pamina.

    Die Königin befiehlt Pamina, Sarastro zu töten.

    Drei Geister greifen zu Paminas Gunsten ein.

    Unterdessen sucht Papageno Papagena.

    Die Königin und Monostatos planen, Sarastro zu stürzen.


    Hier enden die Zwischentexte des Films, doch das Ballett endet wie folgt: Sarastro hat auf seinem Monitor die Verschwörung beobachtet. Er ist bei der Ankunft der Königin und Monostatos' mit einen Dolch gerüstet. Aber er legt ihn weg und es kommt zur Versöhnung der Eheleute.


    Liebe Grüße

    Gerhard



    Eine hübsche Inszenierung des New York City Balletts gibt es auf youtube (beginnt nach einer englischen Einführung ab etwa min 4.45)

    Eine weitere Inszenierung auf youtube von Nationalballet de Cuba ist nicht empfehlenswert. Es scheint eine Amateuraufnahme aus dem Zuschauerraum zu sei, wobei die Musik durch ständiges Husten unterbrochen wird.

    Riccardo Drigo ( 1846 – 1930 )

    Die Zauberflöte


    Ballett in einem Akt


    Libretto: Lew Ivanow

    Uraufführung: St.Petersburg 1893


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Ein Gutsbesitzer

    Seine Frau

    Lisa, ihre Tochter

    Luca, ein junger Bauer

    Der Marquis

    Ein Lakai des Marquis

    Der Bettler (der verkleidete Elfenkönig Oberon)

    Der Sheriff

    Der Richter

    Ein Gerichtsdiener

    Dorfbewohner, Polizisten


    Ort und Zeit der Handlung: Russland 18.Jahrhundert


    INHALTSANGABE


    Ein Dorfplatz

    Der Gutsbesitzer kommt mit anderen Dorfbewohnern von der Feldarbeit. Er begrüßt Frau und Tochter Lisa. Der Feierabend wird mit fröhlichen Tänzen begangen.

    Unter den Dorfbewohnern ist der junge Bauer Luca. Er liebt Lisa, die immer wieder zu ihm hin strebt. Aber die Eltern trennen die beiden jedes Mal. Sie haben sich für ihre Tochter etwas Besseres vorgestellt als diesen armen Schlucker. Lisa wird schließlich ins Haus geschickt und Luca verjagt.

    Da kündigt der Lakai den Marquis an, der sich unter den Dorfschönen eine Braut aussuchen will. Dieser kommt und mustert die Mädchen des Dorfes. Als aber die Gutsbesitzer ihre Tochter vorführen, ist er hingerissen von deren Schönheit und umwirbt sie. Lisa weist die mehrfache Werbung des ungeliebten Mannes vehement zurück und widersetzt sich ihren Eltern. Der Gutsbesitzer scheucht seine Tochter ins Haus und lädt den Marquis zu sich ein.

    Als alle sich zurückgezogen haben, kehrt Luca noch einmal traurig auf den Platz zurück. Ein Bettler tritt auf. Er klopft zuerst an die Tür des Gutsbesitzers, wird aber verjagt. Luca nimmt sich des Bettlers an und gibt ihm sein letztes Geld. Dann klagt er dem Bettler sein Leid. Da schenkt ihm der Bettler eine Flöte, die – wird sie geblasen – alle Leute gegen ihren Willen zum Tanzen zwingt.

    Er probiert die Flöte und schon kommt Lisa tanzend aus dem Haus. Nach einiger Zeit wird das Paar entdeckt und Lisa wieder ins Haus verbannt, während die Leute, die herbeigeströmt sind – einschließlich Gutsbesitzer, seine Frau und der Marquis – auf Luca eindringen. Da bläst dieser seine Flöte und alle tanzen wild bis zur Erschöpfung.

    Der Marquis lässt die Polizei rufen. Aber die muss auch erst einmal tanzen. Dann gelingt es, Luca die Flöte zu entwenden. Der Richter wird gerufen und der Marquis klagt Luca der Zauberei an. Der Richter lässt sich das Zauberinstrument vorführen und muss erst einmal mittanzen. Dann lässt er Luca festnehmen und verurteilt ihn zum Tode.

    In diesem Augenblick erscheint erneut der Bettler und entpuppt sich als Oberon, der König der Elfen. Er zwingt die Eltern, der Heirat zuzustimmen und vereinigt Lisa und Luca.

    Es folgen noch einige fröhliche Tänze des Paares und des Ensembles.

    Anmerkungen:

    Obwohl, wie Donizetti selbst schreibt, das Stück von einen unerfahren Sänger teilweise ruiniert wurde, scheint es insgesamt gut aufgenommen worden zu sein und erlebte noch 20 Aufführungen. Über die weitere Aufführungsgeschichte ist wenig bekannt. Zumindest aber gibt es eine historische Live - Aufnahme von 1972 aus Neapel auf CD.

    La Lettera Anonima - Gaetano Donizetti, Franco Caracciolo: Amazon ...

    Ich könnte mir denken, dass die Oper wegen des neapolitanischen Dialekts, den der Graf ausschließlich spricht und der einen weiten Raum im Text einnimmt, an anderen Stellen kaum aufgeführt wird.

    Einzelne Teile der Oper kann man sich auf youtube anhören.

    Gaetano Donizetti ( 1797 – 1848 )

    La lettera anonima

    (Der anonyme Brief)


    Farce in einem Akt

    Libretto: Giulio Genoino nach Pierre Corneille

    Originalsprache: Italienisch


    Uraufführung: Neapel 1822


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Filinto, Marinekapitän, Tenor

    Gräfin Rosina, seine Verlobte, Sopran

    Melita, junge Witwe, Mieterin bei Don Macario und heimliche Liebhaberin Filintos,Mezzosopran

    Graf Don Macario, Rosinas Onkel, Bariton

    Lauretta,Kammermädchen der Gräfin, Sopran

    Giliberto, Haushofmeister des Don Macario, Bass

    Flageolet, Tanzlehrer. Bariton

    Diener, Kellner, ein Geiger


    Ort und Zeit der Handlung: Neapel, 17. Jahrhundert


    INHALTSANGABE


    Elegantes Zimmer im Haus des Grafen Don Macario

    Der Haushofmeister Giliberto und die Diener erinnern den Grafen Don Macario an den heutigen Tag, nämlich die Hochzeit seiner Nichte. Er glaubt, dass sie Geld von ihm haben wollen und protestiert. Sie möchten ihn jedoch nur darauf hinweisen, dass er als Edelmann bei einer solchen Gelegenheit wohl fürstliche Geschenke machen müsse. Er tut so, als ginge ihn das nichts an. Die Diener wollen enttäuscht wieder an ihre Arbeit gehen.

    Die Nichte des Grafen, Rosina, kommt, elegant gekleidet, hinzu. Sie verteilt Geld an jeden, wofür sie die Diener und der Onkel loben. Dann bittet sie die Diener, alles für die Hochzeit vorzubereiten. Sie wünscht außerdem, dass Giliberto ihr ihre Kammerdienerin Lauretta schicke.

    Mit dem Onkel allein, lobt sie ihre neue Kammerdienerin, die es verstehe, eine Braut erlesen zu kleiden und elegant zu frisieren. Das weitere Gespräch dreht sich um ihr Aussehen, wobei der Onkel sie ein wenig damit hänselt. Als Lauretta nicht schnell genug eintrifft, erklärt Don Macario sich bereit, sie zu holen.

    In der Zwischenzeit denkt Rosina über ihre Freundin Melita nach, die Anzeichen von Eifersucht zeige.

    Lauretta kommt. Die ungeduldige Rosina tadelt sie, dass sie schneller sein müsse. Dann geht es wieder um Rosinas Äußeres, mit dem sie noch nicht ganz zufrieden ist. Als man Schritte hört, schickt Rosina Lauretta fort.

    Filinto tritt ein. In dem folgenden Liebesduett klingt bei der eifersüchtigen Rosina schon ein kleiner Zweifel an seiner Treue an, den Filinto aber zerstreuen kann. Als dann Filinto ihr elegantes Aussehen anspricht, erklärt Rosina ihm, dass es das Werk Laurettas sei, die er ihr empfohlen habe. Wir erfahren, dass Lauretta unglücklich sei, weil ihr Vater, ein Amtsschreiber – wie Filinto meint, unschuldig – im Gefängnis sitze. Er habe an eine Madame Seville um Hilfe geschrieben, aber keine Antwort erhalten.

    Rosina gibt ihrer Kammerdienerin Geld für den Vater. Aber Filinto soll sie in Gefängnis begleiten. Es könnte ja sein, dass Melita hier auftaucht, und mit ihr will sie Filinto nicht allein lassen. Sie gehen.

    Der Graf und Giliberto kommen herein. Giliberto bringt einen Brief, der an Don Macario gerichtet ist. Der Graf will ihn jedoch nicht lesen, weil es bei ihnen der Brauch sei, dass Rosina seine Briefe lese. Er fragt Giliberto, ob alles für die Hochzeit gerichtet sei, was dieser bejaht. Als sie bemerken, dass sich jemand nähert, brechen sie das Gespräch ab.

    Melita kommt hinzu. Sie weiß etwas von einem Brief und ist nun neugierig, dessen Wirkung zu erkunden. Da der Brief noch nicht gelesen wurde, erfährt sie nicht, was sie wissen möchte. Die beiden Männer verspotten sie lediglich wegen ihres gezierten Verhaltens. Der Graf wirft ihr außerdem vor, ständig neugierig am Fenster zu stehen.

    Rosina kehrt zurück und wird von Melita überschwänglich begrüßt. Rosinas Kleid tut Melita aber als unschicklich ab. Flageolet, der Tanzlehrer, kommt mit einem Geiger, dem er jedoch erst einmal zeigen muss, wie man eine Geige stimmt. Dann beginnt Rosinas Tanzstunde. Nachdem Rosina einige Tanzschritte vorgeführt hat, meint der Tanzlehrer, es sei schon recht gut, es fehle nur noch der Tanzpartner. Diesen Tanzpartner hat der Graf auf Wunsch von Rosina bestellt und nun ist er der Ansicht, der Brief, den er erhalten habe, sei dessen Antwort. So gelangt der Brief in die Hände von Rosina, die zunächst feststellt, dass er nicht unterschrieben ist. Sie liest ihn vor und erblasst. Der Schreiber teilt dem Grafen mit, dass er die Ehre seiner Nichte retten wolle. Filinto sei bereits mit einer jungen Frau aus Triest verheiratet. Rosina entlässt Tanzlehrer und Geiger. Sie fühlt sich betrogen, und Melita versucht scheinheilig, sie zu trösten.

    Als Filinto hereinkommt, weist ihn Rosina sofort hinaus. Sie und auch Melitta bezeichnen ihn als Betrüger. Don Macario überreicht dem Ahnungslosen den Brief. Filinto liest ihn und wird über die Verleumdung zornig. Die Anderen – außer Melita, die an dieser Stelle erstmals (für sich) ihre Schuld erkennt – halten die Zornesausbrüche Filintos für ein Eingeständnis seiner Schuld. Rosina verlässt – auf Melita gestützt – den Raum.

    Filinto möchte ihnen folgen, doch der Graf hält ihn auf. Dann weist er ihn zur Tür hinaus und folgt ihm.

    Lauretta sucht ihre Herrin und begegnet Giliberto. Dieser klärt sie über die Lage und den Inhalt des anonymen Briefes auf. Sie hält zwar nichts von solchen Briefen, aber es tut ihr leid um ihre Herrin und sie würde – wenn es wahr wäre – einen solchen Mann auch nicht haben wollen.

    Flageolet kommt mit Filinto. Der Tanzleherer hat ihn um einen Gefallen (vermutlich den Tanzpartner für Rosina zu spielen) gebeten. Doch Filinto weigert sich und wird zornig. Er will diese Frau, die ihn so ehrenrührig beleidigt hat, nie wiedersehen. Alle Versuche der Anderen, ihn zu beruhigen, scheitern. Er schwört Rache und verlässt den Raum.

    Giliberto und Flageolet sehen die Hochzeit schwinden. Lauretta schlägt vor, anhand des Briefes festzustellen, wer der Schreiber sein könnte. Aber der Brief befindet sich im Besitz Filintos.

    Der Graf erscheint und erkundigt sich, ob Flageolet seinen Auftrag, erfüllen konnte, Filinto zurückzuhalten. Da das nicht gelungen ist, muss nun die Hochzeit ausgesetzt werden. Aber wer soll die vielen Absagen schreiben? Der Graf ist im Schreiben nicht mehr geübt. Giliberto ist zwar bereit, bittet aber um Mithilfe. Lauretta erklärt, dass sie des Schreibens unkundig sei. Da erklärt sich schließlich Flageolet bereit, Giliberto zu helfen. Alle gehen ab.

    Rosina beklagt sich bei Melita, dass Filinto verschwunden ist. Sie will immer noch nicht glauben, dass er schuldig ist. Doch Melita bestärkt sie darin, diesen „Unwürdigen“ zu vergessen.

    Lauretta bittet, eintreten zu dürfen. Sie bedauert ihre Herrin, aber sie glaubt, dass die Angelegenheit wohl bald geklärt sein wird. Dann fragt Rosina, ob sie Filinto gesehen habe. Lauretta sagt, dass sie ihn getroffen habe. Er habe seine Unschuld beteuert und wolle nicht eher ruhen, bis er den Schreiber des Briefes gefunden habe. Melita gerät immer mehr in Verlegenheit. Rosina möchte Filinto gerne selbst befragen und will ihm einen Brief schreiben. Lauretta erklärt sich bereit, ihm den Brief zu überbringen, doch die Rosina will, dass Giliberto ihn Filinto übergeben solle. Melita vermutet, dass Rosina auf Lauretta eifersüchtig sei. Dann gehen alle drei ab.

    Don Macario kommt mit Giliberto und Dienern. Der Graf hat viele Briefe in der Hand. Er beauftragt nun jeden einzelnen Diener, wer welchem eingeladenen Gast die Absagen überbringen solle. Giliberto schaltet sich ein: Man möge keine Zeit verlieren und den Boten die Briefe übergeben. Sie könnten doch selbst die Adressen lesen.

    Ehe die Diener aber forteilen können, halten Flageolet und Filinto sie auf. Es gebe gute Nachrichten. Filinto bittet, Rosina zu rufen, die auch sofort mit Melita erscheint. Dann gibt er bekannt, dass er den Verfasser des verleumderischen Briefes gefunden habe. Es sei eine boshafte Frau. Melita beginnt zu zittern. Als Filinto aber den Namen nennt, erstaunen alle: Lauretta. Flageolet hat das herausgefunden, indem er den anonymen Brief mit dem von Laurettas Vater an Madame Seville verglichen habe. Dieser habe also den Brief für Lauretta geschrieben. Rosina lässt Lauretta rufen.

    Lauretta ist verwirrt über die Vorwürfe, die man ihr macht. Sie weiß nichts von einer Schuld, aber ihre Verwirrung wird von den Anderen als Schuldeingeständnis gewertet. Schließlich übergibt Filinto ihr den Brief und sie erkennt die Schrift ihres Vaters. Um diesen nicht zu gefährden, schweigt sie. Da will Filinto zu ihrem Vater gehen, um die Angelegenheit mit ihm selbst zu klären. Nun kann Melita ihr schlechtes Gewissen nicht mehr länger ertragen. Da ohnehin mit der Befragung von Laurettas Vater alles ans Licht kommen würde, bekennt sie endlich, dass sie Laurettas Vater den Brief aus blinder Liebe diktiert habe. Laurettas Vater aber sei unschuldig. Als Filinto sein Schwert ziehen will, fällt ihm Rosina in den Arm. Sie vergibt Melita und fragt Filinto, ob er sie trotz des Unrechts, das sie ihm angetan hat, noch liebe. Er versichert ihr leidenschaftlich seine Liebe. Nun kann – nach einem festlichen Abschlusschor – die Hochzeit stattfinden.

    ich habe da wohl Mut mit Leichtsinn verwechselt.

    Lieber Chrissy,


    sei froh, dass der Leichtsinn nichts gekostet hat. Stell dir vor, du hättest dort eine Karte gekauft und dafür auch noch bezahlt. Ich habe es ähnlich wie LaRoche gemacht und mir Ausschnitte angesehen. Schon als ich das Bett und den Rollstuhl und dann das Gehampele beim Eingangschor gesehen habe, fand ich keine zutreffenden Worte mehr. Fällt euch noch eine Steigerung von "hirnverbranntem Blödsinn" ein?

    Lieber udohasso, du forderst etwas Selbstverständliches. Alle, die hier schreiben, schreiben ihre eigene Meinung; ein ständiger "Disclaimer" ist überflüssig.

    Das ist auch in der Regel so, und wenn Udohasso so etwas nicht lesen mag, hier wird - wie Chrissy richtig sagt - niemand zum Lesen gezwungen. In einigen Fällen, wenn die Handlung des Librettos entstellt oder ins Gegenteil verdreht wird, ist es aber auch eine Feststellung von Tatsachen.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Anmerkungen

    Eine weitere Oper, die das Thema „Zar und Zimmermann“ beinhaltet, vgl. etwa Lortzing (Zar und ZImmermann), Meyerbeer (Der Nordstern), Gretry (Pierre le Grand) und Donizetti selbst (In seiner späteren Oper „Il Borgomastro di Saardam). Hier ist allerdings nicht der Zar ein Zimmermann, sondern er sucht und findet in dem Zimmermann Carlo seinen verschollenen Schwager. Der Dorfrichter Ser Cuccucis in dieser Oper entspricht dem Bürgermeister Van Bett in Lortzings Oper. Er gibt sich ähnlich aufgeblasen und erhofft sich vom Zar sogar eine Beförderung wegen seiner so großen „Wichtigkeit“, wird aber von diesem degradiert.

    Die Oper erlebte bis 1827 einige Aufführungen. Dann geriet sie in Vergessenheit bis sie 2003 in der St. Petersburger Kammeroper wieder aufgenommen wurde. 2004 wurde sie beim Festival della Valle d'Itria aufgeführt. Diese Aufnahme wurde auch auf CD mitgeschnitten.

    Auch auf youtube kann man in diese Oper hineinhören.

    Eine Video-Aufzeichnung habe ich nicht gefunden.

    Gaetano Donizetti ( 1797 – 1848 )

    Il falegname di Livonia, ossia Pietro il grande

    (Der Zimmermann von Livland oder Peter der Große)


    Melodramma burlesco in zwei Akten

    Libretto: Gherardo Bevilacqua-Aldobrandini nach Alexandre Duval

    Originalsprache: Italienisch


    Uraufführung: Venedig 1819


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Peter der Große, Zar von Russland, Bariton

    Katharina, seine Gemahlin, Mezzosopran

    Madame Fritz, Gastwirtin, Sopran

    Carlo Scavronski, Zimmermann, Tenor

    Annetta Mazeppa, Freundin der Wirtin und verwaiste Tochter des Rebellen Mazeppa 1), Sopran

    Ser Cuccupis, Richter, Bariton

    Firman Trombest, Geldverleiher, Bariton

    Hondediski, Moskauer Hauptmann, Tenor

    Dorfbewohner, Anwälte, Boten, Gefolge des Zaren, Soldaten


    Ort und Zeit der Handlung: Ein großes Dorf in Livland (jetzt Litauen), frühes 18. Jahrhundert


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    1.Bild: Dorfansicht mit Magistratspalast, Dorfgasthaus und Zimmermannswerkstatt. Morgengrauen

    Auf einer Seite Bauern mit Pfeil und Bogen, die zur Jagd aufbrechen wollen. Auf der anderen Seite der Hauptmann Hondediski mit Soldaten, die an Trinken und Liebe denken.Der Zimmermann Carlo arbeitet an seiner Werkbank. Annetta, seine Geliebte, sitzt neben ihm. Sie reden über ihre Liebe zueinander. Die Bauern rücken zur Jagd aus, die Soldaten begeben sich in die Gaststätte.

    Unterdessen hat sich der Geldverleiher Firman Trombest genähert. Annetta hat bei ihm eine Halskette verpfändet. Nun bietet er ihr zum Tausch dafür seine Liebe an. Doch sie weist ihn kühl ab. Firman erkennt, dass sie Carlo liebt, und geht. Aber sie möchte gerne ihre Kette wiederhaben und läuft ihm nach. Da nähert sich ihr der Hauptmann Hondediski, der sie ebenfalls begehrt. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen Carlo, Firman und dem Hauptmann.

    Auf die Hilferufe Annettas und Firmans, den Carlo am Hals gepackt hat, tritt Madame Fritz aus der Gaststätte. Sie ruft die Männer energisch zur Ordnung. Der Hauptmann verabschiedet sich, droht jedoch Carlo: „Wir werden uns wiedersehen!“

    Carlo wirft nun dem Geldverleiher vor, Annetta die Kette rauben zu wollen. Als dieser anbietet, die Kette zu einem höheren Preis, als der Schuldschein ausweist, zurückgeben zu wollen, beschimpft Carlo Firman als Wucherer. Dann entfernt sich der Zimmermann.

    Man hört Peitschen knallen. Zar Peter und seine Ehefrau Katharina treffen mit Kurieren und weiterem Gefolge im Dorfe ein. Der Hauptmann folgt ihnen mit seinen Soldaten. Das Gefolge verlangt nach Zimmern im Gasthaus und Essen für sich und den Zaren. Der Zar möchte zunächst unerkannt bleiben, da er und Katharina nach dem verschollenen Bruder der Zarin suchen. Der Hauptmann möchte ihn auf seinen Streit mit dem Zimmermann Carlo ansprechen, aber der Zar schickt ihn fort. Die Wirtin meldet, dass das Quartier bereit sei. Der Zar möchte sie, bevor er sich zurückzieht, über einen jungen Zimmermann befragen, doch er erhält weder von der Wirtin noch von dem hinzukommenden Geldverleiher Firman die gewünschte Antwort.

    Da kommt Carlo selbst in das Gasthaus. Da er nicht weiß, wer der Fremde ist, widersetzt er sich seinen Fragen. Als der Zar betont, dass er mit einem Edelmann spreche, erklärt Carlo, dass er das auch sei. Und der Fremde mit seiner vorgegebenen „bizarren Autorität“ werde von ihm nichts erfahren. Da wird der Zar wütend und ruft den Hauptmann, der Carlo festnehmen soll.

    Madame Fritz versucht Carlo zum Schweigen zu bewegen. Carlo tut es um Annetta leid. Er übergibt der Wirtin ein Papier, das sie gut aufbewahren und der Geliebten übergeben soll, falls er von ihr getrennt werden sollte. Dann lässt er sich von den Soldaten abführen.


    2. Bild: Raum im Erdgeschoss des Gasthauses

    Bürger schwatzen über die zu erwartenden Geschehnisse. Dann kommen Madame Fritz, Annetta und der Richter Ser Cuccupis. Der recht aufgeblasene Richter fragt, wer es wage, ihn von seiner Arbeit abzuhalten. Die Gastwirtin und Annetta erklären ihm, dass ein unbekannter Fremder Anklage gegen Carlo erheben wolle. Der Richter denkt, das sei wohl ein fataler Irrtum, aber er werde nach Recht und Ordnung entscheiden. Madame Fritz meint, dass nicht Carlo, sondern der Fremde im Unrecht sei. Was wäre, wenn jeder beliebige Fremde daher käme und jemanden anklagen wolle. Auch der Richter meint, dass hier Tatsachen verdreht werden.

    Als der Zar kommt, bittet der Richter, man möge ihn mit dem Fremden allein lassen. Der Richter stellt sich vor und kehrt seine Autorität heraus. Auch sei er ein Freund des Zaren, was den Zaren heimlich amüsiert. Als Ser Cuccupis dann wissen will, wer der Fremde sei, will dieser sich nicht zu erkennen geben. Daraufhin will der Richter ihn ins Gefängnis werfen lassen. Der Zar hält es nun für angebracht, sich einen Namen zu geben. Er stellt sich vor als Menschikow, hoher Offizier des Zaren, und fordert, Name und Herkunft von Carlo herauszufinden. Jetzt erweist ihm der völlig verwirrte Richter Respekt und sagt Menschikow Unterstützung zu. Beide verlassen den Saal.

    Der Hauptmann, Annetta und Katharina kommen herein. Hondediski meint sarkastisch, dass man Carlo wohl nach Sibirien verbannen werde. Als Annetta dies vernimmt, bittet sie Katharina, für ihren Geliebten Carlo einzutreten. Der Hauptmann versucht, Carlo als üblen Burschen von unbekannter Herkunft hinzustellen. Annetta hingegen verteidigt Carlo als edlen Menschen. Da die Zarin bereits mit dieser Vermutung hierher kam, nähren die Aussagen Annettas um so mehr ihre Hoffnung, dass es sich bei Carlo um ihren verschollenen Bruder handeln könnte. Sie verlässt den Raum.

    Hondediski versucht noch einmal, Annetta für sich zu gewinnen. Als sie ihn erneut abweist, geht auch er, nicht ohne zu betonen, dass er weiterhin um sie werben werde. Allein zurückgeblieben, erklärt Annetta nachdrücklich, dass sie den Hauptmann auch künftig abweisen werde, selbst, wenn das Schicksal es schlecht mit ihr meine und sie ihren Geliebten verlieren würde.


    3. Bild:Gerichtssaal

    Der Richter und einige andere Größen des Ortes treten in affektierter Pose auf. Der Richter hält eine Ansprache, in der er sich selbst verherrlicht. Die Anderen betonen, dass sie alles prüfen und ein einmütiges Urteil abgeben wollen. Dann kommen Zar und Zarin, der Hauptmann und Carlo herein. Es beginnt eine bizarre Verhandlung. Der Richter diktiert dem Notar umständlich das Eröffnungsprotokoll. Der Zar (alias Menschikow) beschuldigt Carlo des Widerstands gegen einen Offiziellen des Zaren. Carlo wehrt sich und gibt nach Name, Alter und Beruf auf die Frage nach seiner Herkunft die Straßen Livlands an. Da er den Vorwurf des Widerstands auf den Streit mit dem Hauptmann (1. Bild) bezieht, weist er alles mit dem Argument zurück, dass er nur die Ehre einer Jungfrau verteidigen wollte. Verwandte? Er habe nie welche gekannt. Mit fortschreitendem Verhör gelangen Zar und Zarin immer mehr zu der Vermutung, dass Carlo der verschollene Bruder der Zarin sein könnte. Sie befragen ihn noch einmal nach seiner Familie. Er antwortet, dass diese ihm schon als Kleinkind genommen worden sei.

    Schließlich kommen Annetta, voller Angst um den Geliebten, und hinter ihr Madame Fritz mit einem Bündel von Papieren herein.

    Während der Richter Carlo mit der Absicht eines eindeutigeren Geständnisses foltern lassen will, gebietet Madame Einhalt. Sie übergibt dem Richter das Papierbündel, doch der Zar nimmt es ihm aus der Hand und liest es vor.

    Daraus geht hervor, dass Carlos Vater ein Adliger war, welcher einst im Kampf gegen die Schweden gefallen ist . Weiterhin wird bekannt, dass Carlo eine Schwester hatte, von der er durch die Kriegswirren getrennt wurde. Katharina lässt sich in einen Stuhl fallen. Allgemeine Verwirrung.


    ZWEITER AKT

    Bild 1: Im Magistratspalast

    Der Richter Ser Cuccupis hat sich mit den Bürgermeistern des Ortes getroffen. Er ist ratlos, was er mit Carlo machen soll. Die Bürgermeister raten, ihn einzusperren. Nachdem sie gegangen sind, singt der Richter eine Lobeshymne auf sein großes Talent.

    Madame Fritz lugt durch die Tür. Er will sie abweisen, denn er habe wichtige Geschäfte zu erledigen. Aber sie lässt sich nicht beirren und tritt ein. Sie will ihn mit ihren weiblichen Künsten dazu bringen, Carlo freizugeben. Wer wolle in dieser verworrenen Sache (Ein Unbekannter klagt einen Ehrenmann des Ortes an) entscheiden? Ser Cuccupis in seiner Überheblichkeit traut sich das zu. Madame Fritz appelliert an sein Herz. Doch er schiebt seine Amtspflichten vor. Sie treibt das Spiel weiter und er wird allmählich weich. Da bringt der Hausmeister ein Schreiben, aus dem hervorgeht, dass Carlo bereits auf Anordnung des Fürsten freigelassen wurde. Nun verspottet Madame Fritz den überlisteten Richter.


    Bild 2: Ein Raum im Gasthaus

    In einer großen Arie drückt der Zar seine Freude darüber aus, den Schwager gefunden zu haben. Dann begibt er sich auf sein Zimmer. Carlo kommt herein, edel gekleidet. Noch zweifelt er, ob sich der Fremde vor dem verrückten Richter mit ihm nur einen Spaß hat erlauben wollen, und fühlt sich ein wenig unbehaglich in dieser Kleidung. Von zwei Dienern des Zaren wird der Geldverleiher Firman hereingeführt. Er wundert sich über das vornehme Aussehen des armen Zimmermanns.

    Er bietet ihm dann die von Annetta verpfändete Kette für einen noch höheren Wucherpreis an, was Carlo nicht akzeptiert. Firman verspottet Carlo: „Prunkvoll gekleidet, aber kein Geld“. Da packt ihn Carlo, und Firman schreit um Hilfe.

    Der Richter erscheint. Firman will Carlo anklagen, aber der Richter, der inzwischen weiß, dass Carlo unter höherem Schutz steht, weist den Geldverleiher zurecht. Carlo, der immer noch nicht weiß, wie ihm geschieht, fragt für wen man ihn halte. Der Richter weiß es selbst nicht, aber er werde das ganze Dorf aufhängen lassen, wenn jemand Carlo beleidige. Firman hält den Richter für verrückt. Da erklärt der Richter Firman die Sachlage. Der Fremde sei ein hoher Beamter des Zaren und von diesem wisse er, dass Carlo ein Edelmann sei. Carlo versteht immer noch nicht und hält den Richter nun ebenfalls für verrückt. Doch Firman bietet ihm jetzt die Kette unentgeltlich an. Beide Herren verbeugen sich ehrfurchtsvoll vor Carlo und gehen.

    Der Zar tritt mit Katharina und Gefolge ein. Er stellt Carlo Katharina als seine Schwester vor. Carlo glaubt immer noch, man wolle ein Spiel mit ihm treiben. Aber Katharina nimmt ihn in den Arm. Nun begreift er endlich sein Glück.

    Madame Fritz teilt Annetta mit, dass Carlo freigelassen wurde und dass ihr Geliebter, der vermeintlich einfache Zimmermann, in Wahrheit ein hoher Adliger sei. Sie gibt zu bedenken, dass er nun kein Mann für Annetta sein könne. Aber Annetta zweifelt nicht an seiner Treue und Madame Fritz wünscht ihr Glück. Dann eilen sie, Carlo zu begrüßen.

    Carlo stellt Annetta seiner Schwester vor. Sie ist Katharina sympathisch. Der Zar drängt zur Abreise nach St. Petersburg. Er fordert Carlo auf, mit ihm und seinem Gefolge in die Hauptstadt zu fahren. Da dieser immer noch nicht weiß, dass der angebliche Menschikow der Zar selbst ist, weigert er sich. Er will seine Braut keinesfalls zurücklassen, und der Zar dürfe nie erfahren, dass sie die Tochter des Vaterlandsverräters Mazeppa ist. Als der Zar das hört, wird er zornig. Auch der hinzugekommene Richter Ser Cuccupis möchte Annetta nach Sibirien verbannen. Madame Fritz und Katharina bitten für sie um Vergebung und Carlo schwört ihr seine Treue. Von Annetta erfährt der Zar nun, dass Mazeppa tot ist. Da nimmt er das für die Verbrechen ihres Vaters nicht verantwortliche Mädchen bei der Hand und vergibt ihr. Carlo darf seine Braut mit nach St.Petersburg nehmen.

    Der Hauptmann kommt und Katharina gibt ihm den Befehl, alles für die Abreise vorzubereiten.

    Hondediski hat seine Soldaten inzwischen instruiert und trifft auf den Richter. Er verrät dem Verwunderten nun, dass Menschikow der Zar selbst ist und mahnt ihn zur Verschwiegenheit. Daraufhin zieht sich der Richter ins Magistratsgebäude zurück.

    Madame Fritz und Carlo nehmen traurig Abschied voneinander. Carlo betont, dass er sie und alles, was sie für ihn getan hat, nie vergessen werde. Und sie wünscht ihm von Herzen Glück für die Zukunft. Der Chor der Soldaten freut sich auf den Marsch nach St. Petersburg.

    Der Richter kommt noch einmal heraus und verrät nun allen Anwesenden, dass der Fremde der Zar ist.

    Auch der Zar und sein Gefolge sind inzwischen herausgetreten. Der Richter wirft sich vor ihm nieder und bettelt um eine Stellung am Hofe. Doch der Zar entscheidet, dass er hier im Dorf bleiben solle und verurteilt ihn zu einer Strafe von tausend Rubel für all den Unsinn, den er durch seine Unfähigkeit angestellt hat. Die Oper endet mit einem Jubelchor auf Zar Peter den Großen.


    1) Mazeppa war Hauptmann ukrainischer Kosaken. Er stand zunächst auf der Seite des russischen Zaren Peter, wechselte aber nach dem Kosakenaufstand gegen die russische Regierung zum Schwedenkönig Karl XII, der in die Ukraine einrückte. Nach einer vernichtenden Niederlage mussten Karl XII und Mazeppa fliehen. Auf der Flucht starb Mazeppa. Die Geschichte Mazeppas ist mehrfach in die Literatur (u.a. Puschkin, Lord Byron, Rilke, Brecht) und in die Musik (Tschaikowski, Liszt) eingegangen.

    Anmerkungen:

    Das bronzene Standbild Peters des Großen, der die Stadt an der Mündung der Newa gründete, wurde 1782 auf dem Senatsplatz von St. Petersburg auf einem schweren Stein errichtet. Es ist eines der Wahrzeichen der Stadt. 1824 gab es eine große Sturmflut in der Mündung der Newa, von der die Insel Wassiljewski besonders betroffen war, auf der es viele Tote gab. Diese Ereignisse verarbeitete Alexander Puschkin in einem Gedicht, auf dem dieses Ballett beruht.

    Eine Suite daraus findet man auf verschiedenen CDs. Eine DVD mit dem Ballett habe ich nicht entdeckt. Allerdings gibt es eine Gesamtaufnahme aus dem Mariinsky-Theater auf youtube.

    Reinhold Glière ( 1875 - 1956 )

    Der bronzene Reiter


    Ballett in drei Akten mit Prolog und Epilog

    Libretto: Pjotr Abolimow nach Alexander Puschkin

    Uraufführung: St.Petersburg 1949


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Jewgeni, ein junger Mann

    Parascha, seine Geliebte

    Zar Peter der Große

    Ibrahim, sein Patensohn

    Eine Ballkönigin

    Menschikow, Zeremonienmeister des

    Zaren

    Ein Possenreißer

    Colombine

    Harlekin

    Paraschas Mutter

    Volk, Höflinge, Gespielinnen von Parascha, Soldaten


    Ort und Zeit der Handlung: St. Petersburg, 1824


    INHALTSANGABE


    PROLOG:

    Am kahlen Ufer der Newa

    Zar Peter der Große träumt von einer Stadt, die er dort gründen möchte.


    ERSTER AKT

    1. Bild: Senatsplatz in St. Petersburg mit Reiterstandbild Peters des Großen, 1824

    Das Volk feiert mit allerlei Tänzen ein Fest. Harlekin, Colombine und ein Possenreißer treten auf. Eine Militärparade folgt. Dann wird es langsam dunkel und das Volk zerstreut sich. Die beiden Liebenden Jewgeni und Parascha treffen sich und tanzen einen langen Pas de deux. Während Jewgeni Parascha vom Zaren Peter erzählt, geht die Szenerie über in das


    2. Bild: Hafen von St. Peterburg

    Zar Peter überwacht die Abschlussarbeiten an einem großen Schiff. Dann kappt er das Seil und das Schiff gleitet in die Newa. Der Erfolg wird mit ausgelassenen Tänzen gefeiert.


    3. Bild: Im Palast des Zaren

    Der Zar stellt seinem aus Frankreich zurückgekehrten Patensohn Ibrahim eine hübsche Dame vor, die zur Ballkönigin gewählt wird. Es folgen Hoftänze. Zwischendurch öffnet der Zar einen großen Globus, in dem ein Schiffsmodell enthalten ist. Der Zeremonienmeister Menschikow organisiert ein Tanzspiel, bei dem jeder eine Dame erobern muss. Wer übrig bleibt, muss einen großen Becher leeren. Die Gäste verabschieden sich spät nach Mitternacht.

    Der zurückbleibende Zar sieht in einer Vision die Stadt, die er an der Newa gegründet hat.


    ZWEITER AKT

    1. Bild: Auf der Wassiljewski-Insel

    Hier wohnen Parascha und ihre Mutter. Junge Mädchen – unter ihnen Parascha – tanzen vergnügt am Ufer der Newa. Auch die Mutter führt einen Tanz vor. Dann legen sie Karten. Dabei erhält Parascha Pik As, was als Zeichen von künftigem Unglück gedeutet wird. Jewgeni kommt und tanzt mit Parascha. Doch sie kann den Gedanken an die gezogene Karte und ihre Bedeutung nicht loswerden. Die Mädchen bekränzen Jewgeni und Parascha mit Girlanden aus Herbstlaub.

    Plötzlich kündigt sich ein Unwetter an. Jewgeni muss sich von Parascha verabschieden, um noch nach Hause zu kommen, bevor das Unwetter seinen Weg ungangbar machen könnte. Die zurückbleibende Parascha fürchtet kommendes Unheil.


    2. Bild: Jewgenis Zimmer

    Jewgeni kommt nicht zur Ruhe. Er muss ständig an Parascha denken. Draußen wütet das Unwetter immer stärker und die Newa steigt. Schließlich eilt er fort, um zu seiner Geliebten zu kommen.


    DRITTER AKT

    1. Bild: Am Ufer der Newa in St. Petersburg

    Verängstigte Bürger beobachten das schnelle Ansteigen des Wassers. Jewgeni kommt, aber der Weg zur Insel ist ihm abgeschnitten. Von einem Steinlöwen aus sieht er voller Unruhe auf die immer wilder werdenden Fluten. Schließlich springt er in die Fluten, um schwimmend zu seiner Geliebten zu gelangen.


    2. Bild: Auf der Wassiljewski-Insel

    Jewgeni ist an Land gespült worden. Aber das Haus von Parascha und ihrer Mutter ist verschwunden. In seiner Verzweiflung erlebt er verschiedene Visionen: Er sieht seine Geliebte und ihre Gespielinnen. Er sieht das Reiterstandbild, dessen Reiter (Peter der Große) er als Ursache für sein Unglück ansieht. Er erlebt, dass er von Kindern für sein verzweifeltes Gebaren ausgelacht wird. Er gerät schließlich in einen Kampf mit dem Reiter. Schon bald ist er so erschöpft, dass er nicht weiterkämpfen kann. Er stirbt.


    EPILOG

    Der Senatsplatz in St.Petersburg mit dem Reiterstandbild Peters des Großen

    Hier hat sich inzwischen einiges verändert. Am Standbild werden immer wieder Blumen abgelegt. Das Leben aber geht weiterhin seinen gewohnten Gang und neue Liebespaare treffen sich am bronzenen Reiter.

    Lieber Crissy,


    außer den von dir genannten Opern kenne ich noch "Jakobín" von Antonin Dvorak, die dich auch interessieren könnte. Eine Inhaltsangabe findest du in unserem Opernführer. Auf youtube findest du Ausschnitte und auch eine Gesamtaufnahme aus Prag von 1971. Die übrigen Stücke kenne ich auch nicht.

    Übrigens bietet das Kino im Juli (ab 12.) und August Opern aus der MET an (u.a. dein Lieblingsstück: La Bohème). Allerdings handelt es sich um Aufzeichnungen aus den letzten Jahren, von denen ich ein Teil gesehen habe.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Anmerkungen:

    Der Brunnen, der auch Tränenbrunnen genannt wird, steht im Khanpalast von Bachtschissarai, einer Stadt im Süden der Krim. Khan Girej ließ ihn um 1764 für seine verstorbene Frau errichten. Auch heute noch fallen die Tropfen aus mehreren Schalen rhythmisch auf darunter liegende Rosen. Verschiedene Maler und Dichter wurden von ihm inspiriert. Alexander Puschkin besuchte den Palast 1820 und schrieb in den Jahren darauf sein Poem. Dieses wiederum inspirierte Musiker, wie etwa Anton Arenski, zu einer Kantate (1899) und Boris Assafjew zu diesem Ballett.

    Ton- oder Videoaufnahmen von diesem Ballett konnte ich nicht finden. Allerdings gibt es eine prächtige Gesamtaufnahme aus dem Mariinski-Theater St. Petersburg auf youtube.

    Boris Assafjew ( 1884 – 1949 )

    Der Brunnen von Bachtschissarai


    Ballett in vier Akten

    Uraufführung: St. Peterburg, 1934

    Libretto: Nicolai Volkov nach einem Gedicht von Puschkin


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Potocki, polnischer Fürst

    Maria, seine Tochter

    Waclaw, ihr Geliebter

    Girej, Khan der Tartaren

    Sarema, Favoritin im Harem des Khans

    Nurali, ein tartarischer Kommandant

    Polnische Landleute, Haremsdamen, Haremswächter, Sklaven, Soldaten


    Ort und Zeit der Handlung: Polen und Bachtschissarai (Krim), 18. Jahrhundert


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    Schloss des Fürsten Potocki

    Die Tochter Potockis, Maria, liebt Waclaw. Heute feiert sie ihren Geburtstag. Gleichzeitig soll ihre Verlobung stattfinden. Potocki lässt alles für die Feier herrichten. Dann kommen die Gäste. Dies gibt Gelegenheit zu einer Reihe von Schautänzen der Gäste und des Paares.

    Plötzlich überfallen die Tartaren auf ihrem Feldzug nach Europa das Schloss. Dabei kommt es zu Kämpfen, bei denen viele der Polen getötet werden. Auch Potocki und schließlich Waclaw werden vom Khan der Tartaren, Girej, erstochen. Girej verliebt sich in Maria und entführt sie nach Bachtschissarai.


    ZWEITER AKT

    Harem im Palast des Khans in Bachtschissarai

    Im Harem herrscht in Abwesenheit des Khans reges Treiben. Die bisherige Favoritin des Khans, Sarema, wird von allen besonders hofiert. Dann kehrt der Khan zurück. In seiner Begleitung befindet sich Maria. Maria wird in den Harem eingeführt. Der Khan wirbt um sie, doch sie wendet sich von ihm ab. Sarema sieht in der neuen Sklavin eine Rivalin, die ihr den Rang als Favoritin Girejs streitig machen will. Alle Vorführungen der Sklavinnen und Saremas können den Khan nicht aufheitern, dessen Gedanken nur noch bei Maria sind. In einem Solotanz versucht Sarema, seine Gunst zurückzugewinnen. Aber er weist sie ab.


    DRITTER AKT

    Marias Gemach im Palast des Khan

    Maria trauert um ihren ermordeten Verlobten Waclaw und spielt auf ihrer Harfe eine melancholische Melodie. Girej tritt ins Gemach und bemüht sich erneut um ihre Gunst. Doch sie weist ihn ab und legt sich schlafen. Sarema schleicht herein und weckt sie. Sie fordert die vermeintliche Rivalin Maria auf, vom Khan abzulassen. Girej kommt noch einmal in das Gemach. Da gerät Sarema in wütende Eifersucht und ersticht Maria. Der Khan zieht seinen Dolch. Aber als sie vor ihm niederkniet, bringt er es nicht fertig, Sarema eigenhändig zu töten.


    VIERTER AKT

    Ein Platz in Bachtschissarai

    Der Kommandant Nurali eilt herbei. Er führt dem Khan die siegreichen Truppen vor. Auch eine Reihe hübscher Sklavinnen haben die Tartaren von ihren Kriegszügen mitgebracht. Dann wird Sarema hereingeführt und von den Mauern des Palastes gestürzt. Die Kämpfer führen wilde Tänze auf. Aber alle Mühe, die sich Nurali gibt, können Girejs Gemütslage nicht verbessern. Er starrt auf den Brunnen, den er für die getötete Maria errichten ließ, der Einzigen, für die er je Liebe empfand. Im Brunnen, aus dem das Wasser tränenartig tropft, erscheint ihm ihr Bild.

    Anmerkungen:
    Enrico di Borgogna war die dritte Oper Donizettis, aber die erste, die aufgeführt wurde. Seine erste Oper „Il Pigmalione“, die 1816 entstand, wurde erst 1960 in Bergamo uraufgeführt. Die Partitur zu seiner zweiten Oper „Olimpiade“, die wohl nie aufgeführt wurde, ist verschollen. Einen Mitschnitt der Aufführung vom Donizetti-Festival in Bergamo 2018 gibt es auf DVD und Blueray, die ich (den Ausschnitten auf youtube nach) aber eher als Verhöhnung dieser Oper empfinde.

    Gaetano Donizetti ( 1797 – 1848 )

    Enrico di Borgogna

    (Heinrich von Burgund)


    Melodramma per musica

    Libretto: Bartolomeo Merelli

    Originalsprache: Italienisch


    Uraufführung: Venedig 1818


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Enrico, Graf von Burgund, Contraalt

    Elisa von Hallivi, seine Geliebte, Mezzosopran

    Geltrude, ihre Vertraute, Sopran

    Guido, Gewaltherrscher in der Grafschaft Burgund, Tenor

    Gilberto, Hofnarr bei Guido, Bass

    Pietro, Bewohner einer Hütte am Fuß der Alpen, ehemals Leibwächter beim Grafen von Burgund, Tenor

    Brunone, Leibwächter von Guido, heimlicher Freund von Pietro, Bariton

    Nicola, Nachbar und Freund von Pietro, Bass

    Hirten, Pagen und Höflinge, Bürger, Wachen, Hofdamen


    Ort und Zeit der Handlung: Am Fuß der Alpen und in Arles, Mittelalter


    VORGESCHICHTE:

    Der alte Graf von Burgund, Enricos Vater, ist von seinem Bruder ermordet worden. Dieser hat die Herrschaft an sich gerissen. Der Leibwächter Pietro konnte mit Hilfe des Höflings Brunone mit dem Enrico, der zu dieser Zeit noch ein Knabe war,fliehen. Auf der Flucht ist Pietros Frau getötet worden. Pietro hat Enrico im Laufe der Jahre wie einen eigenen Sohn großgezogen. Enrico ist inzwischen herangewachsen.Der Mörder ist inzwischen gestorben und hat die Herrschaft seinem Sohn Guido übertragen. Brunone ist es gelungen, als Leibwächer eine Vertrauensstellung bei Guido, dem neuen tyrannischen Herrscher des Burgunderreiches, zu erlangen.


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    1. Bild: Hütte am Fuß der Alpen mit Obstgarten. Daneben ein Grab.

    Nicola, der Nachbar von Pietro, und Hirten steigen von den Bergen herab und begrüßen den Morgen. Pietro kommt aus der Hütte, geht zu dem Grab und beweint den Tod seiner geliebten Frau. Nicola und die Hirten versuchen vergeblich, ihn zu trösten. Dann verlassen die Hirten – außer Nicola – den Ort, um sich an ihre Arbeit zu begeben.

    Nicola versucht noch einmal, Pietro ein wenig aufzuheitern.Unvermittelt kommt Pietro auf Enrico zu sprechen. Als sein Nachbar Näheres wissen möchte, verfällt er jedoch wieder in seine Trauer. Dann zieht er sich in seine Hütte zurück.Nicola befürchtet, dass sich Pietros Gram mit der Zeit noch verschlimmern wird.

    Nachdem auch Nicola gegangen ist, kommt Enrico vom Angeln zurück. In einer Arie klagt er über den Verlust seiner Geliebten Elisa, die er hier beim Ausflug einer Jagdgesellschaft kennen und lieben gelernt hat.

    Pietro kommt wieder heraus und begrüßt Enrico als seinen Sohn. Enrico hat die Ruhe und das einfache Leben in den Bergen satt. Er sehnt sich nach Abenteuern. Im Vergleich mit den Kirschen im Obstgarten, die noch nicht reif sind, mahnt ihn Pietro, abzuwarten, bis die Zeit für Abenteuer reif ist. Enrico geht.

    Da tritt der Höfling Brunone auf. Er redet Pietro mit seinem ursprünglichen Namen Cavaliere di Bonsteten an. Die Freunde erkennen und umarmen sich. Dann berichtet Brunone, dass der Mörder des Grafen inzwischen gestorben sei und die Herrschaft seinem Sohn Guido übertragen habe. Das unterdrückte Volk hoffe, dass Enrico wiederkehre und rechtmäßiger Herrscher werde. Er, Brunone, sei Mitglied einer Verschwörung gegen den neuen Tyrannen. Pietro ruft Enrico.

    Enrico sieht erstaunt den Fremden. Da klärt Pietro Enrico über seine wahre Herkunft auf. Er selbst sei nicht sein Vater. Enricos Vater sei der Graf von Burgund gewesen und von dessen eigenem Bruder ermordet worden. Pietro und Brunone müssten sich nun vor ihm als Thronfolger verneigen. Jetzt sei es an der Zeit, seinen Vater zu rächen und den Unwürdigen zu vertreiben. Enrico ist sofort zur Tat bereit und Pietro übergibt ihm das Schwert seines Vaters, des alten Grafen. Enrico, Pietro und Brunone stimmen einen Freudengesang auf den glücklichen Tag an und bejubeln schon den kommenden Sieg.


    2. Bild: Großer Saal im Schloss der Grafen von Burgund in Arles

    Der Hofnarr Guidos, Gilberto, schwärmt in einer großen Arie von seinem Beruf, der kein Studium erfordert und trotzdem gut bezahlt wird.

    Guido tritt ein. Er befragt den Hofnarren, wie das Volk über seine Herrschaft denkt. Gilberto schmeichelt ihm zunächst, aber Guido erkennt, dass er ihm nicht die Wahrheit sagt. Er schickt den Hofnarren fort, mit dem Auftrag, herauszufinden, wer ihm wohl feindlich gesinnt sei.

    Als Gilberto gegangen ist, wird Guido klar, dass er wohl viele Feinde hat. Er denkt auch über die Heirat mit Elisa von Hallivi, die er begehrt, nach.


    3. Bild: Zimmer der Elisa im Schloss

    Der Chor der Adligen versucht Elisa aufzuheitern, aber sie bleibt traurig. Als Geltrude, ihre Vertraute, kommt, gibt Elisa dem Chor ein Zeichen, zu gehen. Geltrude versucht den Grund von Elisas Trauer herauszufinden. Sie glaubt ihn im Tod von Elisas kürzlich gestorbenem Vater zu sehen. Doch Elisa gesteht, dass der Grund tiefer liegt. Sie habe auf einem Ausflug mit ihrem Vater in den Alpen einen Hirten kennen gelernt. Dabei habe sie sich in den Hirten und der sich in sie verliebt.

    Nun habe jedoch Guido um sie geworben. Aber die Aussicht auf eine Heirat mit dem Tyrannen sei ihr verhasst.

    Sie will gehen, aber der eintretende Guido hält sie auf. Er eröffnet Elisa, dass er sie noch heute heiraten werde. Sie weigert sich und erklärt ihm, dass er ihr ein Gräuel sei, aber er setzt sie unter Druck: Bei der Pracht, die der Thron verspricht, werde sie ihren Sinn schon noch ändern. Doch sie beteuert, dass aller Prunk ihre Gefühle für ihn nicht wandeln könne

    Elisa und Guido gehen ab. Die zurückbleibende Geltrude bedauert die Freundin um ihr Schicksal.


    4. Bild: Großer Platz in Arles mit Kirche

    Mädchen schmücken die Straße mit Girlanden. Die Höflinge sowie Gilberto und Brunone gehen Guido und Elisa voraus. Elisa, von Geltrude gestützt, zeigt ihre Abscheu und Verzweiflung. Der Chor singt ein Loblied auf Liebe und Heirat.

    Als Elisa die Treppe zur Kirche hinaufsteigt, entdeckt sie Enrico und Pietro in der Menge und fällt Geltrude zur Bestürzung aller ohnmächtig in die Arme. Guido wendet sich an Enrico: Er möge aufdecken, was er hier wolle. Pietro und Brunone versuchen Enrico davon zurückzuhalten, sich jetzt schon zu offenbaren. Als aber Guido Elisa auffordert, nun endlich mit ihm die Trauung zu vollziehen, kann Enrico seinen Zorn nicht mehr zurückhalten. Guido, der bereits einen Verdacht hegt, fordert ihn und Pietro auf, die Stadt sofort zu verlassen. Da zieht ein Gewitter auf und die Hochzeit muss verschoben werden.


    ZWEITER AKT

    1. Bild: Vom Schloss entfernter Ort. Nacht

    Brunone trifft sich mit den Verschwörern und verkündet ihnen, dass Enrico angekommen ist. Die Freude ist groß.

    Dann kommt auch Pietro hinzu. Brunone stellt ihn als Cavaliere di Bonsteten vor, Pietro erzählt, dass er den jungen Grafen einst retten konnte. Jetzt werde die Rache folgen. Pietro würde gern sein Leben dafür geben, könnte er den Triumph Enricos auch nur für einen kurzen Augenblick genießen.


    2. Bild: Großer Saal wie 1. Akt, Bild 2

    Enrico schleicht sich in Rüstung in den Saal. Er glaubt, dass Elisa ihm untreu geworden ist, will sie aber noch einmal sehen und dann sterben. Er wird vom Hofnarren Gilberto entdeckt. Enrico zieht den Dolch und droht dem Narren mit dem Tode, falls dieser ihn verrate. Er erklärt ihm, dass er Elisa aufsuchen will und Gilberto muss ihm zusichern, dass er ihm das Zimmer der Geliebten zeigen werde. Der Hofnarr hat Angst vor Guido, dass dieser ihn töten werde, wenn man Enrico hier entdeckt. Enrico verspricht, ihn zu verteidigen. Als man Geräusche hört, schiebt Gilberto Enrico durch eine Tür in ein angrenzendes Zimmer.

    Dann tritt Guido auf. Er befiehlt dem Hofnarren, Elisa herbeizurufen. Gilberto geht, zitternd vor Angst, dass Enrico entdeckt werden könne.

    Guido überlegt: Wenn Liebe nicht helfe, müsse es Zwang sein. Als Elisa kommt, fordert er von ihr, sie möge noch einmal ihre Haltung überdenken, aber sie erklärt ihm schroff, dass sie ihn hasse. Wütend bedroht er sie nun mit dem Tode. Aber den fürchtet sie weniger als ein Leben mit ihm. Sie werde nicht klagen, aber ihm würde es nicht zum Ruhm gereichen, eine schwache Frau getötet zu haben.

    Nach ihrem Fortgang meint Guido, dass sie ihm wohl kaum Widerstand leisten könne. Er befiehlt Gilberto, mit Brunone das Fest für den morgigen Tag auszurichten. Dann geht auch er.

    Gilberto versteht das ganze Durcheinander nicht: Guido will sie heiraten, aber Elisa will die ihr angebotene Hand nicht nehmen. Dann zeigt er Enrico den Weg zum Zimmer der Elisa. In einer Arie sinniert er über das Wesen der Frauen, die nur Unordnung schaffen.


    3. Bild: Zimmer der Elisa wie Akt 1, Bild 3

    Elisa ist allein und beklagt ihr Schicksal. Da tritt Enrico ein. Als man Schritte hört, will sie ihn sicherheitshalber fortschicken, doch er bleibt, schließt aber sein Visier.

    Zunächst kommt der Hofnarr, der Enrico auffordert, schnell zu verschwinden. Als aber unmittelbar danach Guido eintritt, muss Gilberto so tun, als habe er ihn erwischt und wolle ihn nun aufhalten. Guido herrscht sofort Elisa an:“Hab' ich dich endlich erwischt“. Auf seine Frage an Enrico, wer er sei, antwortet dieser nur: „Dein Feind.“ Elisa will die alleinige Schuld auf sich nehmen.

    In diesem Augenblick erscheint Brunone mit den Höflingen und Wachen, zwischen ihnen verborgen auch Pietro. Guido will Enrico und Elisa verhaften und töten lassen. Da gebietet Pietro Halt. Enrico hebt das Visier und gibt sich zu erkennen. Guido muss einsehen, dass seine Herrschaft in Gefahr ist, und er befiehlt den Wachen, die Fremden (Enrico und Pietro) hinrichten zu lassen.

    Der Hofnarr wundert sich über den Verlauf der Dinge. Pietro und Enrico gehen, begleitet von den Höflingen und Wachen, Guido mit Gilberto und Brunone.

    Elisa ist verzweifelt. Da meldet Geltrude, dass die beiden Fremden gerettet wurden und Guido vergebens versucht habe, sie einzuholen.

    Nachdem Elisa gegangen ist, stürzt Guido mit Wachen wutschnaubend herein. Er macht den Wachen Vorwürfe, dass sie die Fremden haben laufen lassen. Er erkennt nun, dass er das Spiel verloren hat. Als man Lärm hört, berichten die Wachen, dass das Volk Enrico zujubele und dessen Getreue das Schloss stürmten.

    Nach ihrem Weggang hört man noch einmal die Vivatrufe des Volkes. Geltrude kommt allein und schildert ihre Eindrücke vom Klange der Waffen und den Freudenrufen.


    4. Bild: Platz in Arles wie Akt 1, Bild 4

    Bürger und Soldaten begrüßen den Sieg Enricos und fordern Rache an dem Tyrannen. Enrico wird in feierlichem Zug vom Adel und der Armee hereingeführt. Er begrüßt das Volk, drückt seine Freude aus und hofft auf eine friedliche gemeinsame Zukunft. Gleichzeitig verkündet er Waffenstillstand zwischen sich und den ehemaligen Feinden. Dann kommen auch Elisa und Geltrude, geleitet von Pietro, Brunone und Gilberto. Die Liebenden sind glücklich, wieder miteinander vereint zu sein. Die Oper endet mit einem gemeinsamen Chor aller:


    „Talor per nebbia impura

    La fronte al sol s'oscura

    Ma di più luce adorna,

    Ritorna a scintillar“ 1)


    1) Manchmal verdüstert unreiner Nebel das Antlitz der Sonne.

    Doch bald schmückt sie sich mit Licht und kehrt zum Strahlen zurück

    Wie Crissy, der wenigstens eine Ausweichmöglichkeit in Liberec hat, La Roche und Joseph II, bin ich seit den Erfahrungen der letzten Jahre schon länger nicht mehr bereit, hierzulande ein Opernhaus zu besuchen und auch nur einen Cent für eine Inszenierung auszugeben, in der der Regisseur wieder einmal die Handlung verhunzt hat. Und das sind außer mir viele Opernfreunde, mit denen ich Kontakt habe.

    Ich hoffe aber, dass im Herbst wieder die Übertragungen aus der MET und dem Royal Opera House im Kino beginnen, aus denen ich mir dann die Vorstellungen, bei denen ich nach eingehenden Recherchen sicher bin, dass sie der Handlung des vom Komponisten und Librettisten geschaffenen Werkes entsprechen. Da sind die 25 bzw. 30 €, die die besseren Plätze kosten, geradezu gegenüber den hier genannten Preisen geradezu moderat. In unserem hiesigen Allzweck-Theatersaal habe ich habe ich schon vor Jahren für die billigsten Plätze mindestens 30 € zahlen müssen. Und die Kinovorstellungen finde ich und viele andere mit mir bei guter Kameraführung oft packender als die Vorstellung auf der Bühne aus einiger Entfernung. Die heutigen Lautsprecheranlagen sind in den Kinos schon so gut, dass man den Live-Ton kaum mehr vermisst. Und dahin sind ja inzwischen sehr viele Opernfreunde abgewandert.

    Auch kann ich mir für die Ausgaben, die ich für 2 Personen habe - auch für die jetzt leider ausgefallenen Kinovorstellungen - eine Reihe DVDs zulegen. Im Gegensatz zu Joseph kaufe ich allerdings dasselbe Werk nicht mehrfach, sondern war und bin weiterhin an Werken, die mir noch unbekannt sind, interessiert. So habe ich inzwischen eine DVD-Sammlung von weit über 200 Opern und Balletten, von denen man viele kaum noch im Opernhaus zu sehen bekommt. Über einen Beamer, eine große Leinwand und eine gute Stereoanlage, kann ich diese auch zu Hause genießen und vermisse daher auch in dieser Krise kaum etwas. Wenn vieles in Zukunft aus finanziellen oder sonstigen Gründen nicht mehr stattfinden kann, tut es mir lediglich für die Sänger, die am meisten darunter leiden müssen, leid.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Ich kann nur darüber lachen, wenn hier einige von "Geschmack" reden, die nicht zwischen wahren und verunstaltetem Werk unterscheiden. Als ob jeder willkürlich ein fertiges Kunstwerk nach seinen abwegigen Ideen, die nichts mehr damit zu tun haben, einrichten und als das Werk eines Fremden herausgeben dürfte! Das alles hat wahrlich nichts mehr mit "Geschmack" zu tun. :hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha:

    Was hier oft als persönliche Meinung abgetan wird und als solche gefordert wird, ist nur die Feststellung von Tatsachen: Ein aus Unkenntnis oder Unvermögen, den Inhalt darstellen zu können, verändertes Werk ist und bleibt (nicht nur in meinen Augen) eine Verunstaltung, da können noch so viele theoretische Reden geschwungen und Belehrungsversuche gemacht werden. Unbelehrbar sind also nicht die, die die Wirklichkeit sehen, sondern die, die die Augen davor bewusst verschließen und dann die Anderen bekehren wollen.

    Im Gegensatz zu Rodolfo sehe ich, dass Herr Professor Lehmann die Tatsachen der Verunstaltung von Werken hier sehr deutlich am Beispiel dargestellt hat.


    Gerhard

    Das Klassik Open Air des NDR ist ein Lichtblick innerhalb der trüben Soße, die uns in der Regel an Opern im Fernsehen geboten wird. Ich habe die Sendung gestern nicht gesehen, weil ich Besuch von Enkelin mit Urenkel hatte, nehme aber an, dass es eine Wiederholung der Sendung aus 2019 war, die ich kenne. Denn in diesem Jahr wird ja wohl auch die Freilichtaufführung wohl nicht stattfinden können. Cavalleria Rusticana habe ich mir vor wenigen Tagen in einer prächtigen Aufführung aus Wien mit Elina Garanca angesehen.

    Am kommenden Samstag wird um 20.15 Uhr auf 3sat Händels "Ariodante" von 2017 übertragen, die ich bisher noch nicht als Bühnenaufführung gesehen habe. Ich hoffe, dass die Vorstellung kein entstellendes Regisseurstheater ist.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Anmerkungen:

    Das Ballett hatte 1889 nur geringen Erfolg. 1895 wurde es von Marius Petipa in St.Petersburg wiederbelebt. Für weitere Aufführungen in St.Peterburg in der Choreographie von Petipa überarbeitete Drigo noch einmal die gesamte Partitur.

    Das Ballett wurde 1908 unter dem Namen „Le porte-bonheur“ an der Scala aufgeführt. 1997 wurde es mit dem Arena-Ballett Verona inszeniert und auch am Teatro Verdi in Padua aufgeführt.

    Pjotr Gusev stellte 1955 aus verschiedenen Melodien des Balletts und auch einer Melodie aus Pugnis „Die Tochter des Pharao“ den „Talisman-Pas de deux“ zusammen, der von verschiedenen Ensembles in der Welt getanzt wird.

    Eine Gesamtaufnahme des Balletts nach der Choreographie von Petipa, getanzt vom Buryat Ballet Ulan Ude und Aufnahmen des Pas de deux kann man auf youtube ansehen

    http://www.youtube.com/watch?v=mx7Vv8Bts2o