Beiträge von Gerhard Wischniewski

    Anmerkungen:

    Das Ballett hatte 1889 nur geringen Erfolg. 1895 wurde es von Marius Petipa in St.Petersburg wiederbelebt. Für weitere Aufführungen in St.Peterburg in der Choreographie von Petipa überarbeitete Drigo noch einmal die gesamte Partitur.

    Das Ballett wurde 1908 unter dem Namen „Le porte-bonheur“ an der Scala aufgeführt. 1997 wurde es mit dem Arena-Ballett Verona inszeniert und auch am Teatro Verdi in Padua aufgeführt.

    Pjotr Gusev stellte 1955 aus verschiedenen Melodien des Balletts und auch einer Melodie aus Pugnis „Die Tochter des Pharao“ den „Talisman-Pas de deux“ zusammen, der von verschiedenen Ensembles in der Welt getanzt wird.

    Eine Gesamtaufnahme des Balletts nach der Choreographie von Petipa, getanzt vom Buryat Ballet Ulan Ude und Aufnahmen des Pas de deux kann man auf youtube ansehen

    http://www.youtube.com/watch?v=mx7Vv8Bts2o

    Riccardo Drigo ( 1846 - 1930 )

    Der Talisman


    Ballett in einem Prolog und drei Akten

    Libretto: Konstantin Augustovich Tarnovsky und Marius Petipa


    Uraufführung: St. Petersburg 1889


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Amravati, Königin des Himmels

    Niriti, ihre Tochter

    Vayou, Windgott

    Noureddin, Maharadscha

    Kadoor, ein Weber

    Nal, sein Sohn

    Nirilya, Nals Verlobte

    König Akdar

    Prinzessin Damayanti, seine Tochter

    Himmlische und irdische Geister, Gefolge Noureddins und Akdars, Volk


    Ort und Zeit der Handlung: Indien, Märchenzeit


    PROLOG

    In den Wolken

    Himmlische Geister huldigen der Königin des Himmels, Amravati. Amravati ist traurig, denn ihre Tochter, Niriti, muss auf die Erde hinabsteigen, um ihr Herz gegen die Versuchungen der irdischen Liebe zu prüfen. Amravati befürchtet, dass sie der Versuchung erliegt und niemals zurückkehrt.

    Niriti kommt und umarmt die Mutter. Amravati eröffnet ihr, dass es jetzt an der Zeit ist, die Erde zu besuchen. Damit sie nicht allein ist, will sie ihr Vayou, den Gott des Windes, als Begleiter mitgeben. Dieser kommt im Sturm herbei. Amrasvita übergibt ihm einen goldenen Streitkolben und Niriti einen Talisman, der sie beschützen soll. Verliert sie den Talisman und findet ihn ein Sterblicher, kann sie nur dann in den Himmel zurückkehren, wenn dieser ihn freiwillig zurückgibt.

    Amrisvati verabschiedet sich und Vayou und Niriti steigen auf die Erde hinab.


    ERSTER AKT

    Im Hause des Webers Kadoor

    Der Sohn des Webers, Nal, arbeitet am Webstuhl. Als er – von einem Sonnenstrahl geblendet – das Fenster abdecken will, kommt ihm seine Geliebte, Nirilya entgegen. Nach der Begrüßung will er seine Arbeit wieder aufnehmen. Nirilya tritt hinter ihn und hält ihm die Augen zu. In dem Augenblick kommt Nals Vater, Kadoor, mit Freunden hinzu. Den verlegenen Liebenden bedeutet er, dass sie sich nicht zu schämen brauchen, denn morgen soll die Hochzeit sein. Die jungen Leute beginnen zu tanzen.

    Da erscheint der Maharadscha Nourreddin. Er hat sich verirrt und bittet um ein Nachtquartier, was ihm der Weber gerne gewährt. Die jungen Leute führen zur Freude des Maharadschas weitere Tänze vor. Der Maharadscha schenkt Nirilya eine Kette und Nal einen Beutel mit Gold. Dann bittet der müde Gast, in sein Zimmer geführt zu werden. Alle verlassen den Raum.

    Unter Donner und Blitz treten Niriti und Vayou auf. Vayou bittet sie, zu bleiben, während er nachforschen will, wo sie sich befinden. Niriti ist müde und legt sich hin.

    Noureddin kommt aus seinem Zimmer, erblickt die Schlafende und ist von ihrer Schönheit überwältigt. Er will sie küssen, doch sie wehrt sich und flieht vor ihm. Im rechten Augenblick kommt Vayou, schwingt den Streitkolben und verschwindet mit Niriti. Dabei verliert sie den Talisman. Noureddin findet den Talisman und nimmt ihn an sich. Er ist verliebt und will das schöne Mädchen wiederfinden.

    Da kommen König Akdar und seine Tochter Damayanti, die mit Noureddin verlobt ist, mit ihrem Gefolge. Sie haben nach dem verschwundenen Maharadscha gesucht. Der König bittet Noureddin, sich ihm und seinem Gefolge wieder anzuschließen.

    Niriti und Vayou tauchen noch einmal auf und suchen vergeblich nach dem Talisman.


    ZWEITER AKT

    In den Gärten von König Akdars Palast in Delhi

    Das Hochzeitsfest der Prinzessin Damayanti mit Noureddin wird vorbereitet. König Akdar, seine Tochter und auch Noureddin mit seinen Wachen erscheinen. Es folgen verschiedene Tänze der Gäste und Noureddins mit der Prinzessin. Dann verkündet ein Diener, dass die Halle für das Fest gerichtet sei. Alle begeben sich dorthin, nur Noureddin bleibt zurück. Er kann das schöne Mädchen nicht vergessen, dass er im Hause Kadoors gesehen hat.

    Es wird Nacht. Da erscheinen Niriti und und irdische Geister in der Gestalt von Blumen. Sie führen eine Reihe Tänze auf, um Noureddin zu bewegen, den Talisman zurückzugeben. Aber er weigert sich. Die Erscheinungen verschwinden schließlich.

    König Akbar kommt mit seiner Tochter und Gefolge und fordert Noureddin auf, nun endlich zu der Hochzeitszeremonie zu erscheinen. Doch dieser erklärt, dass er eine Andere liebe und daher die Prinzessin nicht heiraten könne. Der König zieht sein Schwert und es entsteht ein Kampf zwischen seinem Gefolge und Noureddins Wachen.

    Vayou vertreibt die Kämpfenden, indem er Blitz und Donner heraufbeschwört, um Noureddin, der immer noch den Talisman besitzt, zu retten. Niriti, deren Herz inzwischen von Liebe erfüllt ist, wirft dem fliehenden Noureddin einen Kuss zu.


    DRITTER AKT

    1. Bild: Ein Basar am Ufer des Ganges

    Hier herrscht reges Treiben; verschiedene Tänze werden aufgeführt. Noureddin kommt auf dem Weg von Delhi mit seinem Gefolge vorbei. Er gebietet Halt und will sich eine Ruhepause gönnen. Auch Vayou und Niriti – diese verkleidet als Sklavin – kommen an. Sie wollen Noureddin den Talisman stehlen. Noureddin erkennt Niriti und verfolgt sie, die sich in der Menge zu verstecken versucht. Vayou hält ihn auf. Noureddin bietet ihm nun allerhand Reichtümer, wenn er ihm seine Sklavin verkaufe. Doch Vayou will die vermeintliche Sklavin nur dann verkaufen, wenn Noureddin ihm den Talisman gibt, den er auf der Brust trägt. Noureddin verweigert dies, weil er vermutet, dass damit ein Geheimnis verbunden ist. Er kredenzt Vayou Wein, an dem dieser Gefallen findet. Als Vayou immer mehr davon verlangt und der Wein zunehmend seine berauschende Wirkung entfaltet, wird er gesprächiger. So erfährt Noureddin, dass Niriti die Tochter der Göttin Amravati ist und sie solange auf der Erde bleiben muss, bis sie wieder in den Besitz des Talisman gelangt. Das bekräftigt Vayou, indem er seinen goldenen Streitkolben auf den Tisch schlägt, der dabei zerbricht. Er tanzt weiter, bis er zu Boden fällt.

    Noureddin lässt Niriti von seinen Leibwächtern entführen. Der berauschte Vayou kann ihr nicht helfen und wird verschleppt.


    2. Bild: Antike Ruinen bei Nacht.

    Die Leibwächter bringen Niriti zu Noureddin. Niriti bittet Noureddin, ihr zu helfen, damit sie wieder in den Himmel zu ihrer Mutter zurückkehren kann. Deshalb fleht sie ihn an, ihr den Talisman zurückzugeben. Aber er weigert sich weiterhin, denn er liebt sie zu sehr. Auf den Knien fleht er nun seinerseits Nirit an, seine Frau zu werden. In ihrer Verzweiflung reißt sie ihm den Dolch aus dem Gürtel und droht, sich zu töten. Er kann ihr aber die Waffe entreißen. In dem Glauben, dass ihr der Himmel wichtiger als seine Liebe sei, gibt er ihr schließlich den Talisman zurück. Es blitzt und donnert und das Bild verwandelt sich zum


    3. Bild: Oben der Himmel, unten die Ruinen

    Amravati wartet in den Wolken auf die Rückkehr ihrer Tochter. Doch als Niriti die Traurigkeit Noureddins sieht, zu dem nun auch ihre Liebe erwacht ist, wirft sie den Talisman von sich und bekundet damit, dass sie auf der Erde (und bei Noureddin) bleiben wolle.

    Lieber Timmiju,


    den "Krause" konnte ich auch antiquarisch erstehen. Hier findet man manches, was man in anderen Opernführern nicht findet, u.a. auch, wie du schon berichtetest, den "Schwanda". Auch in Bezug auf weitere Angabe zur Oper hat jeder Opernführer andere Schwerpunkte. Ich finde in dem Handbuch von Krause auch die sich an die Inhaltsangabe anschließenden Angaben zu Werk und Wiedergabe (Hintergrund, Text, Musik, Werkgeschichte, Bühnenpraxis) recht aufschlussreich.

    "Schwanda" findet man natürlich auch im Handbuch der Oper von Heinz Wagner, aber dieses enthält nur reine Angaben zu Personen und Inhalt, und die Inhaltsangaben entsprechen oft nicht dem szenischen Verlauf der Oper und sind manchmal recht dürftig (was bei dem Umfang - ich besitze eine Ausgabe mit etwas 2500 Operninhalten, und die ist recht voluminös inzwischen gibt es wohl noch Ergänzungsbände - kaum anders zu erwarten ist). Dar "Wagner" kann also nur ein grober Anhalt sein.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Auch von mir haben viele Institutionen meine Daten. Auch ich kaufe meine Eintrittskarten inzwischen online. Und neuerdings muss ich meine Daten auch in Gaststätten angeben, wenn ich unterwegs auf unseren täglichen Wanderungen eine Tasse Kaffee trinken oder eine Kleinigkeit essen will. Was solls? Ich habe nichts zu verbergen.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Um zu Deiner Frage noch etwas zu sagen. Ein offener Austausch über Musiktheater sollte an konkreten Beispielen geführt werden, nicht an abstrakten theoretischen Fragen. Letzters sollten die Fachleute unter sich ausmachen. Wir hatten schon konkrete Diskussionen über Opern, die Anhänger beider Lager über das TV gesehen hatten, die aber ständig in Unsachlichkeit und Mißachtung anderer Meinungen endeten (beiderseits!!).

    Lieber LaRoche,


    das haben die Gegner der von Regisseuren verunstalteten Werke doch schon dutzende Male versucht, wobei die Theoretiker immer wieder mit einer Ausrede einer konkreten Antwort, diese Entstellungen zu deuten, ausgewichen sind.

    Ich möchte einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Parteien herausstellen:

    Ich habe des öfteren schon von den Befürwortern dieser modischen Entstellungen der Meisterwerke die Aussage gelesen, wir seien unbelehrbar. Das zeigt doch jedem gescheiten Leser, dass sie uns unbedingt belehren, uns ihre Religion aufzwingen möchten und sich darüber schwarz ärgern, dass wir uns nicht zu ihrer Meinung bekehren lassen. Da werden sie sogar häufig persönlich bis hin zu Beleidigungen. Udohasso hat sicherlich als Neuling manches noch nicht mitbekommen, was hier im Laufe der Jahre (ich bin jetzt 9 Jahre dabei) gelaufen ist und teilweise von den Moderatoren gelöscht werden musste.

    Von Seiten der Gegner des Regisseurstheaters habe ich aber noch nirgendwo den Satz gelesen, dass die Befürworter unbelehrbar seien. Wir wollen sie garnicht belehren, wir wollen lediglich unsere Meinung - die die Meinung vieler Zuschauer ist - sagen, dass wir Werke mit verdrehter und künstlich "bereicherter" Handlung nicht mehr als die echten Werke ansehen und diese daher nicht mehr unter dem Namen der echten Werke laufen dürften bzw als "frei nach" gekennzeichnet sein müssten. Der Anhängern der anderen Religion aber lassen wir gerne ihren Glauben, dass dies die echten Werke seien. Wie schon häufiger gesagt: Hier wird niemand gezwungen, unsere Meinung anzunehmen, ja überhaupt unsere Beiträge zu lesen.

    Deswegen, lieber Udohasso, nicht aufgeben! Hier - denke ich - hat jeder das Recht, seine Meinung zu sagen.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Lieber Udohasso,


    das sollte kein Angriff auf dich sein, denn deine Beiträge betrafen ja durchaus Thema. Zwar hatte Alfred vor einiger Zeit die Regel aufgestellt, dass hier nur Hinweise auf verunstaltete Inszenierungen mit Name der Opernhauses und Regisseur genannt werden sollten, aber das konntest du nicht wissen, wenn du nicht das ganze Thema gelesen hast, das durch viele Abweichungen, die nichts mehr mit der eigentlichen Überschrift zu tun haben, völlig aus den Fugen geraten ist und nun wieder einen Umfang angenommen hat, bei dem jeder Überblick verloren geht. Der Hinweis ging also nicht an dich, sondern an diejenigen, die immer wieder versuchen, dieses Thema mit Beiträgen, die nicht zum Thema gehören, zu verwässern. Lass dich deshalb nicht aus dem Forum vertreiben.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Hier wird leider wieder einmal das Thema zerschossen, weil wieder über dinge geredet wird, die nicht zum Thema gehören und Alfreds Regeln - nachdem er das Thema mühsam bereinigt hatte - dass hier nur die absurden und lächerlichen Inszenierungen mit Nennung des Opernhauses und des Regisseurs ohne weiteren Kommentar aufgezeigt werden sollten, wieder einmal nicht beachtet werden.


    Gerhard

    Lieber MDM,


    Da gebe ich eine klare Antwort, die eigentlich hier schon in Beiträgen vieler Mitglieder zum Ausdruck kam:

    "Werkgerecht" und damit "authentisch" ist für mich die Einhaltung der Handlung in Ort, Zeit und Ablauf entsprechend dem Libretto.

    "Klassisch" sind die Werke, deren Autoren nicht mehr leben und die Werke nach den Wünsche der Regisseure oder wer es sonst ist, selbst umgestalten können und sich gegen die Entstellungen, die heute "gängig" sind, nicht mehr wehren können.

    "Traditionell" "herkömmlich" und "althergebracht" sagen mir in Bezug auf die Inszenierung nichts. Für mich heißt es nicht, dass die Inszenierungen immer noch wie vor hundert oder mehr Jahen aussehen müssen, also ein reiner Abklatsch einer einmaligen Inszenierung sein müssen. Ich habe von manchen Opern mehrere Inszenierungen gesehen, die jedesmal anders, aber jedesmal authentisch entsprechend dem Libretto waren. Wie gesagt, viele frühere Regisseure verstanden es, aber nur wenige verstehen es noch, die Werke umzusetzen, ohne in die Handlung einzugreifen bzw. Ort und Zeit zu verändern. Die meisten folgen heute einem modischen Trend, der für mich und für viele nicht zu dem Werk passt.

    Deswegen wird es auch hier keine Einigung zwischen denen geben, die unter dem Decknamen eines klassischen Werkes angekündigte Werke auch authentisch erleben wollen, und denen, denen es egal ist, was in der Mogelpackung drin ist, die den falsche Inhalt vielleicht sogar noch verteidigen und andere belehren wollen, dass sie diesen Inhalt gefälligst zu akzeptieren hätten.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Natürlich halte ich mit meinem Eindruck nicht hinter dem Berg. Sage, dass es mich geärgert, begeistert, gelangweilt oder was immer hat. Das szenische Konzept spielt dabei eine wichtige Rolle. Aber ich käme nie auf die Idee, dezitiert von einem Besuch abzuraten.

    :)

    Lieber Udohasso,


    wer hat hier jemals dezidiert von einem Besuch abgeraten? Hier wurden nur Meinungen geäußert, wenn auch manchmal in drastischer Form. Jeder, der das liest, kann sich nun herausnehmen, ob er so etwas sehen möchte oder nicht. Es gab hier auch einige wenige, die sogar sagten: Das will ich sehen!

    Einzelne haben versucht, den anderen die Meinung zu untersagen, manchmal sogar unter persönlichen Beleidigungen des mitdiskutierenden Mitglieds. Andere wieder ergingen sich in ellenlangen Belehrungen, was der Diskutant - bitteschön - zu denken hätte. Ich werde mich weiterhin nicht scheuen, das zu sagen, was ich denke, auch wenn ich schon in den nächsten Minuten damit rechnen kann, dass drei oder vier mir bekannte Leute wieder einmal den Aufstand proben werden und persönliche Angriffe starten werden. Mögen sie, ich warte schon regelrecht darauf.

    Was du zu authentisch sagst: Authentisch ist für mich das, was im Libretto, auf das der Komponist das Werk geschrieben hat, steht. Wenn nun z.B. in einem "Freischütz" Max seine Agathe erschießt und dann selbst erschossen wird, ist das für mich einfach nicht mehr das auf den Plakaten und in Theaterzettel angegebene Werk. Aida spielt nun mal im alten Ägypten und nicht mit vier Protagonisten auf einer roten Couch zwischen drei weißen Wänden. Und wenn ich bei Fidelio (Salzburger Festspiele) im Hintergrund hell erleuchtete Wände sehe und Florestan singt: "Gott, welch dunkel hier", dann wirst du auch wohl nicht sagen, dass das passt und authentisch ist. Das sind nur drei von hunderten Beispielen, die wir hier schon beanstandet haben.

    Dass ich nach der jetzigen Krise die Theater unterstützen soll, wenn weiterhin keine vernünftigen Inszenierungen stattfinden, sehe ich nicht ein. Für die echten Künstler (die Sänger) wird davon wohl wenig abfallen. Es verdienen doch wohl in erster Linie die "hochberühmten" Regisseure, die diese Verunstaltungen erzeugen und die Intendanten, die das zulassen, daran. Sie werden genau so wenig auf einen Teil ihrer Tantiemen verzichten wollen wie viele Manager in der Industrie wohl auf Teile ihrer hohen Gehälter zugunsten der Angestellten, die unter der Krise gelitten haben. Da geben wir lieber, wie wir es jetzt schon mehrmals getan haben, denjenigen, die monatelang ihre Läden schließen mussten, einen Zuschlag beim Einkauf oder der Dienstleistung.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Lieber Udohasso,


    zu 1) Das habe ich auch schon mehrfach betont, denn Regie wird überall geführt. Und es gab in der Vergangenheit und in geringem Maße auch noch heute gute Regisseure, die es verstanden bzw. verstehen, das Werk authentisch umzusetzen. Deshalb gebrauche ich hier auch den - für mich treffenderen - Begriff "Regisseurstheater", ein Begriff, den ich nicht selbst geprägt habe und den auch viele andere Opernfreunde für richtiger halten. Damit meinen wir Inszenierungen absurder oder lächerlicher Inszenierungsideen in der Mogelpackung eines bekannten Werkes, das man aber darin nicht wiedererkennt. Wenn ich ein Produkt kaufe, erwarte ich, dass es in der Packung (hier die Ankündigung mit dem Namen des Werkes) auch drin ist. Was leider heute in der überwiegenden Anzahl der Fälle nicht mehr der Fall ist. Ich bin kein Krösus, dass ich mein Geld für Unsinn verschleudern kann.

    zu 2) Für viele Zuschauer und mich ist das eindeutig: Sobald die Handlung geändert, gar ins Gegenteil verdreht wird, und aus der historischen Zeit und vom eigentlichen Spielort verlegt wird, ist es nicht mehr das Werk und damit die Inszenierung missraten.

    zu 3) Leider gibt es für den Freund der authentischen Werke nur wenige Möglichkeiten, seinen Protest zu zeigen. Das ist die demonstrativ ablehnende Haltung, soweit man noch in ein Opernhaus geht, das Wort in solchen Foren wie diesem oder die Abstimmung mit den Füßen, indem man das Opernhaus meidet, in dem solche Verunstaltungen gezeigt werden. Die letzte Möglichkeit haben viele - wie ich - schon vollzogen. Und mein Wort nehme ich hier wahr.

    Im übrigen dürfte jeder Freund der authentischen Werke - wie ich auch - dankbar für jeden Hinweis (im Internet, z.B. youtube und hier im Forum, Zeitungskritiken usw.) sein, der ihm den Hinweis gibt, dass die Inszenierung nicht das proklamierte Werk beinhaltet.

    Selbst bei der Ausweichmöglichkeit im Kino buche ich erst eine Übertragung, nachdem ich mich vorher überzeugt habe, dass es in etwa eine werkgerechte Inszenierung ist. Neuinszenierungen meide ich, solange es davon keine für mich eindeutigen Kritiken und Vorschauen gibt. Ebenso versäume ich keine kostbare Zeit mehr für Aufzeichnungen im Fernsehen, solange ich nicht eindeutig weiß, dass man sich diese Sendung auch anschauen kann. Die meisten sind es leider nicht mehr.

    Daher halte ich dieses Thema für äußerst hilfreich.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Anmerkungen:

    Diese Geschichte wurde bereits 1812 nach dem Libretto des Claude Godard d'Aucourt de Saint-Just von François Adrien Boieldieu vertont (vgl. Boieldieu: Jean de Paris). Felice Romani schuf nach dem Text ein Libretto für die Oper von Francesco Morlacchi, die 1818 in Mailand aufgeführt wurde. Donizetti überarbeitete den Text von Romani und vertonte ihn neu. Die Oper wurde 1839 ebenfalls im Mailand uraufgeführt. Weitere Aufführungen fanden 1845 in Turin und 1846 in Neapel statt. Danach wurde sie erst 1985 in New York (jedoch in einem gekürzten Arrangement für Klavier, Flöte, Klarinette und Fagott) wiederbelebt. Wiederaufführungen des Werks gab es 1988 und 1991 in Bergamo, 2010 in Martina Franca und 2011 beim Wexford-Festival.

    Die Aufzeichnung aus Martina Franca gibt es auf DVD

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    Daneben gibt es verschiedene Aufnahmen auf CD.

    Auf youtube kann man einige Ausschnitte und eine Gesamtaufnahme als Mitschnitt einer Aufführung 1988 in Bergamo – allerdings in sehr schlechter Bildqualität – sehen.

    Gaetano Donizetti ( 1797 – 1848 )

    Gianni di Parigi

    (Johann von Paris)


    Melodrama in zwei Akten

    Libretto: Felice Romani nach Claude Godard d'Aucourt de Saint-Just

    Originalsprache: Italienisch


    Uraufführung: Mailand 1839


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Die Prinzessin von Navarra, Sopran

    Ihr Haushofmeister, Bass

    Prinz Gianni di Parigi, Tenor

    Oliviero, Giannis Page, Alt

    Pedrigo, Gastwirt, Bass

    Lorezza, seine Tochter, Mezzosopran

    Angestellte des Gasthauses, Gefolge des Prinzen und der Prinzessin, Landleute


    Ort und Zeit der Handlung: Gasthaus zur Post in einen Dorf in Navarra, 17. Jahrhundert


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    1. Bild: Ein Saal im Gasthaus

    Die Tochter des Wirts, Lorezza, und die Angestellten des Gasthauses bereiten den Saal für die Ankunft der Prinzessin von Navarra vor, die das Haus für einen Aufenthalt gemietet hat. Man weiß aber noch nicht, wann sie eintreffen wird.

    Der Wirt Pedrigo kommt wütend herein, hinter ihm Oliviero, der Page Giannis. Oliviero möchte Zimmer für seinen Herrn, den er als Bürger von Paris vorstellt, mieten. Doch Pedrigo lehnt vehement ab und will ihn fortschicken: Alle Zimmer seien vergeben. Auch Lorezza bittet den Vater, den jungen Mann wenigstens hier bis zur Ankunft seines Herrn warten zu lassen. Aber Pedrigo schickt sie und die Angestellten in die Küche.

    Oliviero, der noch bleibt, und damit den Wirt noch wütender macht, beruft sich darauf, dass das Gasthaus für jedermann offen sei. Da meldet ein Diener, dass ein Reitertrupp sich nähere. Auch Lorezza ist wieder hereingekommen. Der Wirt ist erstaunt über den prunkvollen Zug, in dem er die Prinzessin vermutet. Es stellt sich aber dann heraus, dass es sich um den „Bürger von Paris“ handelt. Oliviero fordert den Wirt auf, mit seinem Herren selbst zu sprechen.

    Gianni tritt mit Gefolge ein. Er lobt die schöne Herberge. Doch Pedrigo klärt ihn auf, dass das ganze Haus bereits an die Prinzessin von Navarra vergeben sei. Als Gianni nach dem von ihr gezahlten Preis fragt, bietet er das Doppelte, was die Entschlusskraft des Wirtes wanken lässt.

    Gianni fordert ihn auf, ein Essen für ihn und sein Gefolge richten zu lassen, und Pedrigo geht mit Lorezza ab, um es vorzubereiten.

    Gianni und Oliviero unterhalten sich unterdessen über das Vorhaben Giannis, der seiner Verlobten, der Prinzessin von Navarra, die er noch nicht kennt, entgegen gereist ist. Er möchte sie zunächst anonym kennenlernen. Oliviero geht, um das Abenteuer vorzubereiten.

    Der Wirt kommt wieder aufgeregt herein. Es sei ein Hindernis aufgetreten. Der Haushofmeister der Prinzessin nähere sich und Gianni müsse mit seinem Gefolge sofort verschwinden. Doch dieser entgegnet, dass er hier sehr gemütlich sitze.

    Der Haushofmeister der Prinzessin tritt auf. Er beginnt sofort, seine Anordnungen zu treffen, was den Wirt in arge Bedrängnis bringt. Vor lauter Verlegenheit bittet der Wirt den Haushofmeister, mit Gianni selbst zu sprechen. Der Haushofmeister verhält sich ablehnend: Was will dieser Mensch? Wer ist er überhaupt? Gianni stellt sich ihm als Bürger von Paris vor. Der Wirt gibt an, dass der Fremde das Gasthaus besetzt habe. Der Haushofmeister fordert Gianni auf, sofort zu verschwinden. Gianni erklärt, er werde mit seinem Gefolge zuerst essen. Der Haushofmeister ist wütend. Darf er sich so etwas in seinem Rang bieten lassen? Der Wirt steht schockiert da, und Gianni amüsiert sich.

    Man hört das Geräusch von Rädern. Der Haushofmeister wird immer nervöser, doch Gianni erklärt ruhig, er werde zum Essen bleiben. Der Wirt versucht noch einmal, Gianni zum Fortgehen zu drängen, doch dieser bleibt hart. Pedrigo entschuldigt sich bei dem Haushofmeister, er sei überrumpelt worden.


    2. Bild: Hof im Gasthaus

    Die Prinzessin ist angekommen und wird von ihrem Gefolge und den Angestellten Pedrigos freudig begrüßt. Sie schwärmt von den Annehmlichkeiten ihrer Reise, vor allem aber auch, weil sie sich auf das noch vor ihr liegende Ziel, ihren Verlobten endlich kennenzulernen, freut. Dann fragt sie den Haushofmeister, ob alles für ihren Aufenthalt eingerichtet ist.

    Dieser ist sehr empört, denn ein gewöhnlicher Bürger habe das Lokal in Anspruch genommen, was die Prinzessin originell findet.

    Nun erscheint Oliviero. Der Haushofmeister ist wütend: Wie kann ein solch gewöhnlicher Mensch wie der Diener eines gemeinen Bürgers es überhaupt wagen, sich vor der Prinzessin blicken zu lassen?Oliviero verkündet, dass sein Herr der Prinzessin das beste Appartement anbiete. Die Prinzessin nimmt das Angebot an und schickt ihren völlig verstörten Haushofmeister, dem fremden Herrn ihren Dank zu sagen.


    3. Bild: wie Bild 1

    Pedrigo äußert Lorezza gegenüber, dass der Haushofmeister ihn mit dem Tode bedroht habe. Doch diese tröstet ihn: Es sei ein großer Unterschied zwischen Wort und Tat. Er schwört jedenfalls, nie wieder Hoheiten zu beherbergen.

    Der Haushofmeister kommt mit der Prinzessin. Er ist mit dem Kompromiss nicht einverstanden und befürchtet den Verlust ihrer Ehre. Doch sie ist anderer Ansicht: die Ehre verschwinde nicht so schnell. Da macht er sie auf einen erneuten Missstand aufmerksam: sie werde nichts zu essen bekommen. Auch das regt die Prinzessin nicht auf: Dann reisen wir eben ohne zu essen weiter. Der Haushofmeister will sich mit dieser Ungerechtigkeit nicht abfinden.

    Oliviero tritt ein und trägt die Bitte seines Herrn vor, die Prinzessin kennenzulernen. Gegen den ausdrücklichen Einspruch des Haushofmeisters gewährt die Prinzessin die Bitte. Der Haushofmeister ist entsetzt, dass sie sich mit einem „solch niederen Menschen" einlassen will. Sie solle ihn fortjagen.

    Gianni, der die Worte des Haushofmeister beim Eintreten mitgehört hat, amüsiert sich darüber. Die Prinzessin, Gianni, der Haushofmeister und Pedrigo äußern je für sich ihre Gedanken: Die Prinzessin hat an Giannis Verhalten sofort erkannt, dass er ihr Verlobter ist, aber sie will erst das Versteckspiel genießen. Gianni, der ja durch den Wirt weiß, dass es die Prinzessin ist, bewundert ihre Schönheit und ihren Edelmut. Der Haushofmeister erwägt, die Verletzung der Ehre der Prinzessin werde der bürgerliche Schlingel bezahlen müssen. Pedrigo hingegen befürchtet, dass das Geschehen in einem Fiasko enden werde. Unterdessen macht sich Oliviero an die schöne Wirtstochter heran.

    Gianni lädt nun die Prinzessin zum Essen ein. Der Haushofmeister will sie davon abhalten, aber die Prinzessin gibt ihre Zustimmung, ohne durchblicken zu lassen, dass sie Gianni durchschaut hat. Der Haushofmeister ist außer sich über die Frechheit dieses „Bürgers“: „Wache oder träume ich?“ Alle außer ihm aber freuen sich auf das bevorstehende Mahl.


    ZWEITER AKT

    1. Bild: Speisekammer neben der Hotelküche

    Der Haushofmeister beschwert sich bei Oliviero und Lorezza, dass das Essen noch nicht fertig ist. Oliviero vertröstet ihn: Das dauere höchstens noch eine Stunde. Er geht mit Lorezza ab.

    So lange will der Haushofmeister nicht warten. Er ruft nach dem Wirt und erklärt ihm, nachdem er seinen Rang betont hat, er wolle mit einem vulgären Bürger nicht essen. Er bittet Pedrigo, ihm das Essen hier in der Speisekammer zu servieren. Der Wirt bedauert: In diesem Fall könne er ihm lediglich ein bescheidenes Essen bieten. Es sei nur noch etwas Käse und Brot in der Speisekammer. Alles andere habe der Koch des „Bürgers“ verwertet. Auch damit will sich der Haushofmeister zufrieden geben, um „seine Ehre zu wahren“. Doch der Wirt schürt seinen Appetit: Er versäume ein fürstliches Essen. Dabei zählt er ihm all die feinen Sachen auf, die Gianni hat anrichten lassen. Der Haushofmeister wird immer unschlüssiger. Schließlich will er dann doch mit den anderen speisen, unter der Bedingung, dass er selbst die Prinzessin bediene. Seine Gegenwart wäre eine hohe Ehre für diesen Bürger.


    2. Bild: Garten am Gasthaus, festlich geschmückt.

    Das Gefolge der Prinzessin und Giannis preist den schönen Tag und die Prinzessin als „Göttin des Tages“.

    Gianni tritt auf und singt von seinem Glück: Mit dieser Prinzessin wolle er leben und sterben. Dann kommt auch die Prinzessin mit dem Haushofmeister. Beide sind erstaunt über die Üppigkeit des Mahls.

    Der Wirt fordert die Gäste auf, Platz zu nehmen, wobei er Gianni an die rechte und den Haushofmeister an die linke Seite der Prinzessin setzt. Vor dem Festmahl will Gianni den Gästen noch etwas Musikalisches bieten.

    Der Haushofmeister ist anderer Meinung: Musik könne man nicht essen. Darum beginnt er bereits mit dem Mahl. Gianni fordert Oliviero auf, ein provenzalisches Lied zu singen. Währenddessen beginnen anwesende Bauernmädchen zu tanzen. Nach dem Tanz lobt die Prinzessin den „Bürger“ für das festliche Arrangement. (Sie gibt noch nicht zu erkennen, dass sie weiß, wer er ist). Dann fragt sie den Haushofmeister, wie es ihm gefalle, und er muss zugeben, dass sich seine Meinung langsam ändere. Vor allem aber lobt er den Koch des „Bürgers“.

    Gianni bringt einen Trinkspruch auf die Prinzessin aus und alle rufen „Evviva“. Alle – auch der Haushofmeister – singen einen Lobgesang nicht nur auf ihre Schönheit sondern vor allem auf ihr nobles Verhalten. Gianni und die Prinzessin aber schwärmen jeder für sich von der geliebten Person des Anderen.


    3. Bild: Zwischen den Appartements

    Gianni und die Prinzessin haben sich heimlich aus ihren Zimmern geschlichen. Gianni denkt darüber nach, sein Spiel aufzugeben. Doch die Prinzessin tut weiterhin so, als ob sie seine Identität nicht kenne. Im Verlauf des Gesprächs erzählt sie ihm, dass sie plane, sich zu verheiraten. Seine Gestaltung des Mahles habe ihr so gut gefallen; sie wünsche nun, dass er auch ihr Hochzeitsfest ausrichte. Er hält dies zwar für ehrenvoll, aber als sie von dem ihm unbekannten Prinzen spricht, den sie in ihren Gedanken hege, erschrickt er. Auf die Frage, warum dieser Prinz nicht bei ihr sei, antwortet sie, er sei ganz in ihrer Nähe. Da erkennt er endlich, dass sie ihn durchschaut hat. Er fällt ihr zu Füßen und sie hebt ihn liebevoll zu sich empor.


    4. Bild: Garten wie Bild 2

    Das Gefolge Giannis und der Prinzessin singt ein Lied auf die Freuden der Liebe. Oliviero meldet, dass alles zur Abreise vorbereitet sei. Auch der Wirt meldet der Prinzessin, dass die Kutsche für ihre Weiterfahrt bereitstehe. Nun verkündet Gianni allen, dass er der Bräutigam der Prinzessin sei. Der Haushofmeister ist verwirrt. Die Prinzessin bestätigt, dass dieser liebenswerte Franzose ihr Bräutigam sei, was den Haushofmeister noch mehr aus der Fassung bringt. Da gibt sie bekannt, dass Gianni der Kronprinz Frankreichs sei. Der Haushofmeister entschuldigt sich, und die Prinzessin fragt ihn, ob er ihr Verhalten jetzt billige.

    Dann schildert sie ihre Freude über ihr zukünftiges Leben mit Gianni. Die Oper endet mit einem Glückwunsch aller an das Paar.

    Anmerkungen:

    Die Uraufführung war zwar ein großer Erfolg; dennoch konnte sich die Oper nicht lange auf dem Spielplan halten, möglicherweise auch bedingt durch die anspruchsvolle Rolle der Sancia. Sie geriet in Vergessenheit. Erst 1984 wurde sie in Bergamo wieder aufgenommen. Danach erlebte sie 1992 in Madrid eine Aufführung mit Montserrat Caballé.

    Von der Inszenierung aus Bergamo gibt es eine Aufzeichnung auf DVD

    Die librettogerechte Inszenierung aus Bergamo ist auch auf youtube zu sehen:

    youtube

    Die Aufnahme aus Madrid kann man sich auf youtube anhören.

    Gaetano Donizetti (1797 - 1848)

    Sancia di Castiglia

    (Sancha von Kastilien)


    Lyrische Tragödie in zwei Akten

    Libretto: Pietro Salatino

    Originalsprache: Italienisch


    Uraufführung: Neapel 1832


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Sancia, Königin von Kastilien, Sopran

    Garzia, ihr Sohn, Alt

    Ircano, ein Sarazenenfürst, Bass

    Rodrigo, Minister von Sancia, Tenor

    Elvira, Vertraute der Königin, Sopran

    Kastilische Adlige, Hofdamen, kastilische Krieger, Sarazenen


    Ort und Zeit der Handlung: Am Königshof in Toledo, Mittelalter


    VORGESCHICHTE: Königin Sancia ist Witwe. Der Sarazenenfürst Ircano hat ihr im Krieg gegen die Gallier beigestanden. Der Sohn Sancias, der mitgekämpft hat, wurde verwundet. Aber sein weiteres Schicksal ist unbekannt.


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    1. Bild: Prächtiger Saal im Königspalast

    In Gedanken verloren, begegnet Ircano seinen Sarazenen. Sie fragen nach dem Grund seiner Grübelei. Er, der den Ehrgeiz hat, die Königin zu heiraten und damit den Thron Kastiliens zu besteigen, schildert seine Zweifel: In dem Kampf, den er gegen die Gallier geführt habe, sei der Sohn der Königin, Garzia, zwar verwundet worden, aber man habe seine Leiche nicht gefunden. Doch die Sarazenen beruhigen ihn: Garzia sei in einen Fluss gefallen und in einem Strudel ertrunken.

    Da kommt Rodrigo, der Minister der Königin, den Ircano als seinen ärgsten Feind betrachtet. Rodrigo verkündet Ircano, dass die Königen, die ihren Schmerz noch nicht überwunden habe, die geplante Heirat vorerst aussetze. Ircano erklärt sich damit nicht einverstanden, er werde sich den Weg zum Thron notfalls mit dem Schwert erkämpfen. Die Verschiebung sei nicht der Wille der Königin, sondern der des Hofstaates. Die Sarazenen stellen sich auf seine Seite. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden, in der jeder von ihnen erklärt, dass er den anderen nicht fürchte.


    2. Bild: In den Gemächern der Königin

    Die Hofdamen versuchen, Sancia zu trösten, die um ihren verschollenen Sohn trauert. Andererseits ist sie aber bereit, Ircano zu heiraten, den sie liebt. Auch Elvira, ihre Vertraute, mahnt sie daran, dass sie Ircano die Heirat versprochen hat. Sancia weiß aber, dass der Hofstaat dagegen ist und so zögert sie noch. Als Rodrigo eintritt, bittet sie Elvira und die Hofdamen, sie mit dem Minister allein zu lassen.

    Rodrigo versucht, ihr die Hochzeit mit Ircano auszureden. Doch Sancia ist entschlossen, die Ehe einzugehen, damit Frieden im Land herrsche. Nun erinnert Rodrigo sie daran, dass Ircano gejubelt habe, als sie ihren Schmerz über ihren tot geglaubten Sohn Garzia (den echten Thronfolger) geäußert habe. Aber Rodrigo vermag sie nicht zu überzeugen. Er sagt ihr voraus, dass das Volk von ihr abfallen werde, wenn sie diesen „Ungläubigen“ heirate.


    3. Bild. Ratssaal

    Rodrigo beklagt sich, dass die Königin, die die Sarazenen zu Hilfe gerufen hat, nun Ircano heiraten will. Er fleht zu Gott, dass er das Volk von den Ungläubigen befreien möge. Die kastilischen Adligen versammeln sich. Sie wollen lieber sterben, als sich den Sarazenen unterzuordnen. Rodrigo rät, erst einmal abzuwarten.

    Sancia, Ircano und die Hofdamen kommen herein. Sancia erinnert daran, dass Ircano für sie gegen die Gallier gekämpft habe. Der verwaiste Thron erfordere einen König. Rodrigo widerspricht: Den Sarazenen ginge es doch in erster Linie um die Kriegsbeute. Das kastilische Volk wolle nicht in die Hand räuberischer Araber fallen. Die Königin will sich dem Wunsch nicht beugen. Sie besteht darauf, dem Land einen neuen König zu geben. Ihr Wille müsse genügen! Auch Ircano mischt sich ein und macht geltend, dass er doch für die Kastilier gekämpft und gesiegt habe.

    In diesem Augenblick taucht unerwartet Garzia, der tot geglaubte Sohn Sancias auf und bekräftigt seinen Anspruch auf den Thron. Sancia sieht ihre Sache verloren. Ircano aber glaubt noch nicht daran, dass er verlieren wird. Rodrigo informiert Garzia darüber, dass seine Mutter Ircano heiraten und zum König machen wollte, weil sie ihn für tot hielt. Garzia schildert, dass er verwundet in den Fluss fiel, aber noch Kraft genug hatte, sich zu retten. Rodrigo und die Adligen atmen auf. Garzia fordert Ircano auf, Toledo bis zum Morgengrauen zu verlassen. Ircano sinnt auf Rache. Sancia ist unglücklich und die Hofdamen bedauern sie.


    ZWEITER AKT

    1. Bild: In den Gemächern der Königin

    Sancia schickt Elvira zu Ircano, den sie vor seiner Abreise noch einmal sprechen möchte.

    Allein geblieben klagt sie, dass ihr Sohn ihr den Geliebten nehme und sie damit töte. Garzia kommt und wundert sich, dass seine Mutter traurig ist. In einer Stunde werde er seinen Eid ablegen und König sein. Seine Freude solle jedoch nicht durch den Kummer seiner Mutter getrübt werden. Den Grund ihrer Trauer aber gibt Sancia nicht preis. Sie will ihren Schmerz allein tragen und geht.

    Rodrigo tritt ein. Garzia hat erkannt, dass seine Mutter Ircano liebt. Er hat Mitleid mit ihr und mit dem Sarazenenfürsten. Von draußen hört man die Sarazenen, die ihre Abreise vorbereiten. Rodrigo erinnert Garzia an seine Schuldigkeit gegenüber dem Königreich.

    Nachdem Garzia und Rodrigo die Gemächer verlassen haben, treten Ircano und nach ihm Sancia auf.

    Ircano beschwört noch einmal ihre Liebe. Die verzweifelte Königin sieht jedoch für sich keinen anderen Ausweg als den Tod. Da präsentiert der Sarazene ihr als letzten Ausweg, um Garzia loszuwerden und selbst doch noch an die Krone zu gelangen, einen teuflischen Plan: Garzia müsse sterben, indem man ihm während der Zeremonie einen mit Gift versetzten Krönungswein verabreiche. Es gelingt Ircano, die vor einer solchen Mordtat zurückschreckende Sancia immer mehr in Verlegenheit zu bringen. Wie wird sie sich entscheiden?


    2. Bild: Prächtiger Saal im Königspalast

    Garzia, Rodrigo und Wachen sind anwesend. Später kommen die Adligen hinzu. Garzia schickt eine Wache, um Ircano aufzusuchen. Er will dulden, dass Ircano noch bleiben darf. Rodrigo widerspricht ihm, doch Garzia will den Thron nicht besteigen, solange seine Mutter leidet. Die Adligen begrüßen ihn als neuen König. Er verspricht, es zu sein, wenn er seine Mutter glücklich sehe.

    Nachdem sich der Saal geleert hat, sucht Elvira die Königin. Sie berichtet, dass diese irgendwo verzweifelt umher irrt.


    3. Bild: Thronsaal

    Auf einem Tisch steht ein goldener Kelch mit dem Krönungswein. Sancia kommt durch eine Geheimtür herein. Sie ringt mit ihrem Gewissen, ob sie den Sohn für ihre Liebe opfern soll. Als sie den Saal verlassen will, sieht sie das Bild ihres früheren Gatten und seine Ähnlichkeit mit dem geliebten Sohn. Da will sie die Ampulle mit dem Gift von sich werfen.

    Doch Ircano ist ihr heimlich gefolgt und stellt sie zur Rede. Von außen hört man einen Chor, der Garzia als zukünftigen König begrüßt. Ircano fordert Sancia erneut auf, das Gift in den Kelch zu schütten. Als sie schwankt, zerrt er sie an den Tisch und gibt es selbst in den Kelch.

    Sancia will sich schnell entfernen, doch sie wird von ihrem Sohn aufgehalten, der mit dem gesamten Hofstaat auftritt. Er verspricht, als Herrscher dem Volk ein Vater zu sein. Daher gebe er seine Zustimmung, dass Sancia Ircano heiraten dürfe. Dann ergreift er den Kelch mit dem Krönungswein. Da reißt ihm Sancia den Kelch aus der Hand und trinkt den Inhalt selbst. Sie verkündet, dass der Kelch Gift enthalten habe und Ircano, den sie noch immer liebt, sie dazu verführt habe.

    Ihr Tod sei die gerechte Strafe und bedeute zugleich die Rettung ihres Sohnes. Alle sind erschüttert über den Verrat. Ircano ruft der Sterbenden noch zu, dass das Motiv seiner Handlung nicht Liebe zu ihr, sondern nur sein Streben nach Macht war. Dann begibt er sich zu den Wachen, die ihn entwaffnen. Sancia bittet ihren Sohn um Vergebung und stirbt in seinen Armen.

    In unserer unmittelbaren Nähe gibt es einen Skupturenpark, genannt "Sinneswald", z.Zt. noch gesperrt, aber am 4. Mai wird er wiedereröffnet. Einen virtuellen Rundgang kann man aber schon jetzt auf

    sehen. Das aktuellste Ausstellungsstück findet ihr in Min 12.18. Es wird sicherlich streng bewacht werden müssen.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Lieber Reinhard,


    "krankhaft" ist meine Meinung zu dem, was in den letzten Jahren in Bayreuth auf die Beine gestellt wurde, und bezieht sich nur darauf. Katharina Wagner als Person wünsche auch ich gute Besserung.

    Aber von mir aus kannst du das gerne löschen, auch wenn Rodolfo wohl nicht darüber zu bestimmen hat.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Weil sie erkrankt ist und die Festspielleitung niedergelegt hat.

    Wie fast alles krankhaft war, was in den letzten Jahren in Bayreuth auf die Bühne gestellt wurde, vom Rattengrin über den Biogashäuser, den Ölring bis zum letztjährigen Tuntenhäuser. Vielleicht wird die neue Festspielleitung endlich mal etwas Gescheites aus dem Haus machen.

    Lieber Wilfried,


    ja leider ist vieles unbrauchbar. Es scheinen mir oft auch Amateuraufnahmen aus dem Zuschauerraum zu sein, Zitterpartien, die dir die Oper verleiden würden, wenn du sie dir über längere Zeit anschauen müsstest. Dazu kommt oft dann auch schlechte Tonqualität. Auf youtube ist es ähnlich. Ich frage mich manchmal, warum Leute so etwas Miserables überhaupt ins Internet setzen.

    Bei Opera on video wird auch meist auf youtube und andere Webseiten verwiesen. Bei älteren kommerziellen Videoaufnahmen muss man natürlich bei der Qualität ein paar Abstriche machen. Die neueren HD Aufnahmen dagegen sind hervorragend. Leider aber auch vielfach modisches Regisseurstheater.

    Jedenfalls hast du mit Opera on video eine umfassende Übersicht, was es so alles auf dem Markt gibt und kannst deine Entscheidung treffen, ob du dir die Inszenierung zulegen willst. Ich selbst bin Videofilmer und habe ein entsprechendes Programm, mit dem ich mir einige der Videos, die ich dann auf youtube finde, optisch verbessern kann (Helligkeit, Farbverbesserung, Kontrast und Schärfe) und da hole ich noch einiges heraus. Dieser Tage fand ich über die Hinweise in Opera on video auf youtube Inszenierungen von Mascagnis "L'amico Fritz", wovon zwei unbrauchbar waren (eine über 5stündige, die zum größten Teil aus Einführungen bestand und eine, die die Untertitel fast in die Mitte des Bildes legte. Die dritte, eine sehr ansprechende Inszenierung aus Livorno, enthielt italienische Untertitel. Zwar kann ich den Text bei Mascagni - im Gegensatz zu älteren italienischen Komponisten - bei dem schnellen Durchlauf noch gut mitlesen, aber sie störten mich doch und bei dieser Oper verfüge ich glücklicherweise über einen deutschen Text. Also habe ich kurzerhand mit meinem Programm aus dem 4:3-Film für meine privaten Zwecke einen Ausschnitt 16:9 gefertigt, der in der Breite das vollständige Bild zeigt und nur oben bzw. unten etwas wegnimmt. Und selbst dieser Ausschnitt kommt auf meinem 32-Zoll-Fernseher noch in hervorragender Qualität.

    In vielen Fällen nehme ich auch eine etwas schlechtere Bildqualität in Kauf, um die Oper kennenzulernen. So habe ich jetzt für unseren Opernführer nach dem italienischen Text (einen deutschen fand ich leider nicht und Übersetzungen mit einem Programm sind meist noch schlechter zu entziffern als der oft poetisch gekürzte oder verdrehte Originaltext) von Donizetti "Sancia di Castiglia" beschrieben, die ich in den nächsten Tagen in den Opernführer setzten werde. Die Aufnahme aus Bergamo (du kannst sie jetzt schon im Thema Korrekturhinweise zum Opernführer sehen, wo ich sie zunächst meinen beiden Lektoren zur Kenntnis gebe) fand ich auf youtube. Sie ist etwas verwaschen, aber durchaus noch anzuschauen. Die werde ich mir heute Abend auf dem Fernseher ansehen, bevor die korrigierte Fassung in den Opernführer kommt.

    Man kann aber auch in die Oper hineinhören, wenn sie nur bildlich in schlechter Qualität ist, indem man den Monitor abschaltet.

    In Opera on video schaue ich täglich mindestens einmal hinein, um zu sehen, welche 12 neuen Vorschläge die Webseite zeigt. Bei einigen sehe ich sofort, dass sie mich nicht interessieren, in andere schaue ich mal über kürzere oder längere Dauer hinein. Das hilft auch bei der Entscheidung, welche davon ich mir eventuell anschaffe bzw. im Fernsehen anschaue oder auf DVD für ein nachmaliges Anschauen speichere.

    Die gestern vorgestellte Aufnahme von Wagners "Lohengrin" aus Prag 2018 ist übrigens sowohl von der Inszenierung als auch von der Bildqualität sehr gut.

    Danke für den Hinweis auf die Inszenierung des Royal Opera Houses, die ich mir ansehen werde. Vom Royal Opera House kommen ja überwiegend noch vernünftige Inszenierungen, die ich mir teilweise auch im Kino angesehen habe und ansehen werde, wenn das wieder geht.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Über Opera on Video wird täglich auf neue Aufzeichnungen von Opern hingewiesen. Darunter findet man teilweise Inszenierungen, die man sich noch mit gutem Gewissen ansehen kann. So fand ich heute eine Aufzeichnung von Wagners "Lohengrin"aus 2018 in Prag, die Katharina Wagner nach einer Inszenierung von Wolfgang Wagner dort auf die Bühne gebracht hat, und die ich durchaus nicht, wie die meisten heutigen Inszenierungen der Regisseurstheaters, als Verunstaltung betrachten kann. Ich sehe die Inszenierungen von Wieland und Wolfgang Wagner im Vergleich mit den heutigen irren Entstellungen durchaus als dem Werk angemessen und nicht, wie immer wieder behauptet wird, als Ursprung des Regisseurstheaters.

    Warum bringt Katharina Wagner so etwas nicht auch in Deutschland fertig?


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Anmerkungen:

    Die Oper war ursprünglich vom Theater der Stadt Baden-Baden in Auftrag gegeben und wurde dort 1860 in einer einaktigen Fassung aufgeführt. Die hier beschriebene – auf 2 Akte erweiterte – Fassung wurde 1866 in Paris uraufgeführt. Es folgten Aufführungen in Brüssel (1867), Stockholm (1868), London (1870), Prag (1873), Bologna (1912), – jeweils in der Landessprache – und 1924 in Monte Carlo (wobei die gesprochenen Dialoge durch von Francis Poulenc komponierte Rezitative ersetzt wurden).

    Auch im 21. Jahrhundert gab verschiedentlich Aufführungen dieser Oper, von denen es Ausschnitte und Gesamtaufnahmen auch auf youtube gibt.

    Die reizende Musik kann man auf folgender CD erleben:

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    Auch auf DVD gibt es eine Aufzeichnung aus Compiegne

    Charles Gounod - La Colombe - Theatre Imperial de Compiegne [DVD] by Pierre Jourdan


    Ob diese allerdings auch deutsche Untertitel enthält, weiß ich nicht. Mir ist auch nicht bekannt, ob es eine deutsche Übersetzung gibt, in der man den Inhalt der Gesänge und die spritzigen Dialoge nachlesen könnte.

    Auf youtube findet man ebenfalls Gesamtaufnahmen und Ausschnitte dieser Oper.

    Charles François Gounod ( 1818 - 1893 )

    La Colombe

    (Die Taube)


    Komische Oper in zwei Akten

    Libretto: Jules Barbier und Michel Carré

    Originalsprache: Französisch


    Uraufführung: 1866 Paris


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Sylvie, eine reiche Comtesse, Sopran

    Horace, ein verarmter junger Mann, Tenor

    Mazet, Kammerdiener von Horace, Sopran

    Maître Jean, Haushofmeister bei Sylvie, Bass


    Ort und Zeit der Handlung: Umgebung von Florenz, 19 Jahrhundert


    VORGESCHICHTE

    Horace, ein junger Mann aus Florenz, hat – wie wir später im Gespräch zwischen Mazet, seinem Kammerdiener, und Maître Jean, dem Haushofmeister der reichen Comtesse Sylvie erfahren – sein Vermögen verloren und wohnt nun in einer ärmlichen Hütte. Er ist immer noch verliebt in die schöne Sylvie.


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    Ein rustikales Zimmer mit Blick auf einen Garten

    Mazet, der Kammerdiener von Horace, bringt die Taube seines Herrn in einem Käfig herein und singt ihr ein Lied. Dann trägt er sie in den Garten.

    Indessen tritt Maître Jean, der Haushofmeister Sylvies, ein und beschwert sich erst einmal, dass niemand ihn empfängt. Als Mazet aus dem Garten zurückkehrt, kommt es zu einer heiteren Auseinandersetzung über einige Bezeichnungen, die Jean über Horace und dessen Anwesen äußert. Dann kommt Maître Jean auf den eigentlichen Zweck seines Besuchs zu sprechen: Horace besitze eine Taube, die er nach Sylvie benannt habe und die einige besondere Eigenschaften haben soll. Überschwänglich preist Mazet die besonderen Eigenschaften der Taube. Jean gibt vor, sie für einen gewissen Herrn Lélio kaufen zu wollen, der eine hohe Summe dafür biete. Mazet glaubt, dass sein Herr sie wohl nicht verkaufen werde, aber Jean vermutet, dass Horace in seiner derzeitigen Lage seinem Angebot wohl nicht widerstehen könne.

    Als Horace sich nähert, versteckt Mazet Jean hinter einer Tür. Horace beschwert sich, dass Mazet ihn nicht geweckt habe. Sie kommen darauf zu sprechen, dass kein Geld mehr für ein ordentliches Frühstück vorhanden sei. Da verkündet Mazet, dass er eine gute Fee wisse, die ihre Lage mit einem Schlag verändern könne und präsentiert ihm Jean. In einem großen Terzett weist Horace jedoch jedes Angebot zurück, weil seine Taube ihn an seine Geliebte erinnere. Jean ist erstaunt, dass Horace sein großzügiges Angebot nicht annehmen will und Mazet mokiert sich ein wenig über diese „verfluchte Liebe“ seines Herrn. Alles Zureden hilft nicht. Horace begibt sich zu seiner Taube in den Garten. Mazet bedauert, dass das für Horace gute Geschäft nicht zustande kommt. Dann ruft ihn sein Herr.

    Jean hat erkannt, dass Horace Sylvie immer noch liebt und singt ein Couplet auf die Liebenden. Dann will er gehen, um seine Herrin über den Misserfolg seiner Mission zu unterrichten. Im selben Augenblick erscheint Sylvie selbst. Jean wundert sich, dass die Comtesse diese „elende“ Hütte betritt, wo es für sie nicht einmal einen Sessel gibt. Dann berichtet er, dass sein Kaufangebot bei Horace erfolglos war. Er schlägt ihr vor, es einmal selbst zu versuchen. Sie will die Taube unbedingt besitzen, um eine Rivalin, Amynte, in der Gesellschaft auszustechen, deren Papagei sprechen und singen kann. Damit begeistert Amynte regelmäßig die ganze Gesellschaft. Sylvie ist nicht mehr der Mittelpunkt und ihre Rivalin schnappt ihr alle Männer weg. Deshalb geht sie nach einigem Zögern auf den Vorschlag Jeans ein. Sie vereinbaren, dass sie eine Freundin des angeblichen Herrn Lélio sei, die zufällig vorbeigekommen sei und Jean hier getroffen habe. Er solle seine Rolle vorläufig weiterspielen und nicht zu erkennen geben, dass sie seine Auftraggeberin sei. Er geht, um Mazet zu benachrichtigen, dass eine Dame auf ihn warte.

    Dass die Taube ihren Namen trägt, lässt Sylvie vermuten, dass Horace sie immer noch liebt. Doch sie will erst einmal bei Mazet ausforschen, ob ihre Vermutung stimmt. Dann will sie über die Liebe versuchen, Macht über Horace zu gewinnen.

    Mazet kommt und fragt brüsk, was die Unbekannte von ihm wolle. Er habe wenig Zeit. Sylvie verlangt zunächst nur etwas zu trinken und er bringt ihr ein großes Glas Brunnenwasser. Doch da ist ihr Durst bereits vorbei und er trinkt das Glas selbst leer. Dann erklärt er ihr, dass sie hier keine Damen empfangen würden und er beauftragt sei, solche „Vögel“ zu verscheuchen. Er singt ein Spottlied auf die Damen. Nach seinem Herrn befragt, gibt er vor, dass dieser alle Frauen verabscheue seit jener Geschichte mit einer gewissen Comtesse Sylvie, die alle Männer verrückt mache und sicherlich nicht so schön sei, wie sie selbst glaube. Wenn die Comtesse sich hier sehen ließe, würde Horace sie wohl beleidigen und mit seinen eigenen Händen schlagen (In Wirklichkeit befürchtet Mazet, dass Horace sich wieder in sie verlieben könne). Und er sei dazu da, zu verhindern, dass sein Herr in diese Verlegenheit käme. Da gibt sich Sylvie zu erkennen. Als ihn Horace ruft, will Mazet Sylvie schnell verstecken.

    Aber es ist bereits zu spät. Horace tritt ein und ist sofort hocherfreut, Sylvie in seiner bescheidenen Hütte zu sehen. Sie erkennt, dass er sie immer noch liebt und die Aussagen Mazets nur vorgespiegelt waren. Sylvie lädt sich dann selbst zum Mittagessen ein. Da wird noch Zeit genug sein, über ihr Anliegen zu reden.

    Dann kommt auch noch Maître Jean hinzu. Sylvie tut so, als ob es ein Zufall sei, ihn hier zu treffen und stellt ihn als Haushofmeister des fiktiven Herrn Lélio vor. Indessen regt sich in Horace sofort die Eifersucht. Sylvie nennt Jean einen Meister der Kochkunst, der Mazet helfen könne, ein gutes Mahl zu bereiten.

    Es folgt ein Ensemble: Horace freut sich, seine geliebte Comtesse hier zu sehen. Sylvie glaubt, Horace nun in der Hand zu haben. Mazet fürchtet, dass sein Herr ihr jetzt ausgeliefert sei. Jean wundert sich, dass seine Herrin sich auf diese Weise kompromittieren will. Dann bietet Horace Sylvie seinen Arm und sie gehen ab.

    Jean fordert Mazet auf, mit ihm die Vorräte des Hauses zusammenzutragen, um das Mahl zu bereiten. Mazet singt noch ein Spottlied auf die Männer, die sich so schnell umstimmen lassen. Dann nimmt er einen Korb, um einkaufen zu gehen. Der Vorhang fällt.


    ZWEITER AKT

    dasselbe Bild

    Maître Jean hat Vorbereitungen für ein opulentes Mahl getroffen und wartet nun auf Mazet, der die Zutaten bringen soll. Inzwischen singt er ein Lied auf die Kochkunst.

    Da kommt der Kammerdiener mit leerem Korb zurück, weil die Händler Horace keinen Kredit mehr geben wollten. Dem enttäuschten Jean schlägt er Saubohnen als Mahlzeit vor, für die dieser ein Rezept mit allerhand Zutaten entwickelt. Es entspinnt sich eine Diskussion über die Zubereitung von Speisen, für die die Zutaten fehlen.

    Mazet schlägt (aus Mangel an diesen Zutaten) vor, die Saubohnen nur in Wasser mit etwas Salz zu kochen. Jean zieht sich zurück, weil er dafür nicht verantwortlich sein will.

    Horace hat sich für einen Augenblick von Sylvie lösen können, die im Garten die Blumen betrachtet und kommt nun, um sich zu erkundigen, wieweit die Vorbereitungen gediehen sind. Da noch nichts geschehen ist, beschließen Horace und Mazet, zuerst den Tisch zu decken. In einem heiteren Duett ergibt sich, dass

    - der Tisch wackelt,

    - nur eine halb zerrissene Decke aufzufinden ist, deren Beschädigung Mazet aber gut verdeckt,

    - gerade zwei Teller vorhanden sind,

    - es auch nur zwei unterschiedlich große Gläser gibt, wobei das kleinere wohl für die Comtesse besser zu handhaben sei,

    - die beiden Bestecke nur aus Zinn statt aus Silber bestehen.

    Aber was soll man als Braten servieren? Auch der Hühnerstall ist inzwischen leer. Bleibt nur die Taube. Horace ist schließlich auch bereit, die Taube für seine Geliebte zu opfern, und gibt die Zustimmung zur Schlachtung. Sie entfernen sich.

    Sylvie kommt herein. Sie macht sich Vorwürfe, Horace in dieses Elend gebracht zu haben, erinnert sich in einer Romanze an sein zärtliches Werben und bereut, dass sie ihm die „kalte Schulter“ gezeigt hat. Dann kommt Maître Jean und beschwert sich, dass man Sylvie lediglich in Salzwasser gekochte Saubohnen servieren will. Doch sie entgegnet, dass sie auch das hinnehmen wolle, um die Taube zu erlangen.

    Horace bringt seine letzte Flasche Wein, die er auf Wunsch Sylvies Jean zum Einschenken übergibt. Sylvie hat im Garten einen Blumenstrauß gepflückt und sagt, dass sie seit Horaces Weggang aus Florenz ihr nie jemand Blumen geschenkt habe. Er singt daraufhin ein Couplet, in dem er meint, dass doch alle ihr zu Füßen fallen müssten. Sie aber berichtet, dass Amynte jetzt die Göttin der Gesellschaft sei. Dazwischen hört man im Hintergrund den Schmerzensschrei eines Vogels. Horace erschrickt. Schließlich fragt er Sylvie nach ihrem Anliegen. Das will sie ihm aber erst nach dem Essen sagen.

    Mazet kommt mit einem gebratenen Vogel herein und Maître Jean wundert sich, woher er den wohl hat. Sylvie und Horace setzen sich zum Essen. Die beiden anderen entfernen sich.

    Horace legt Sylvie einen Flügel des Vogels vor, er selbst möchte - verständlicherweise - nichts von seiner geliebten Taube essen. Sylvie stellt fest, dass der Vogel einen seltsamen Geschmack hat, isst jedoch tapfer davon. Im Verlauf des Tischgesprächs kommt Sylvie dann auf die Taube zu sprechen. Nun muss Horace bekennen, dass es die Taube nicht mehr gibt. Sylvie erkennt, dass er mit diesem Opfer keinen größeren Beweis seiner Liebe hätte erbringen können und offenbart auch ihm ihre Liebe.

    In diesem Augenblick tritt Mazet mit der lebenden Taube auf der Hand ein. Auch Maitre Jean kommt hinzu und berichtet, dass der Papagei Amyntes entflogen sei und dreißig Diener nach ihm suchten. Bei näherem Betrachten stellt man fest, dass die Comtesse den vermissten Papagei verspeist hat. Als Horace sie nun fragt, ob sie die Taube weiterhin benötige, bejaht sie: Sie solle ihn für immer an seine Liebe erinnern. Die Oper endet in einem fröhlichen Ensemble über den Sieg der Liebe.

    Lieber Gerhard, ich glaube nicht, dass man sich im Kampf gegen das - wie Du es nennst - "Regisseurstheater" auf die Silja berufen kann und darf. Das machte sie klein und provinziell. Schließlich war sie sehr intensiv mit einem maßgeblichen und radikalen Erneuerer des Operntheaters nach dem Zweiten Weltkrieg liiert, der sie bis heute prägte.

    Lieber Rheingold,


    das sehe ich anders. Zwar haben Wolfgang und Wieland Wagner die Bühne von überflüssigem Tand entrümpelt, aber sie haben nicht, wie die heutigen Regisseure in die Handlung eingegriffen und sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt, wie es heute in Bayreuth geschieht. Auch blieb in den abstrahierten Bühnenbildern für mich noch die Illusion von Ort und Zeit erhalten. Es scheint aber die Meinung einiger Leute zu sein, dass das die Grundsteinlegung für die heutigen verkrampften Modernisierungsversuche und Verunstaltungen der Werke gewesen sei.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Lieber Carlo,


    Frau Silja hat immer klar und ohne Umschreibung ihre Meinung zum Regisseurstheater gesagt, die ich vollkommen teile. Ich erinnere mich, dass sie in einer Matinee in Ölbronn (sinngemäß) sagte: "Ich suche mir die Regisseure rechtzeitig aus. Ich will doch nicht von der Decke hängen und im Mülleimer landen."


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Auch wir möchten Anja Silja, die wir bei unseren Besuchen des Künstlertreffens der Gottlob-Frick- Gesellschaft persönlich als sehr freundliche und lebhafte Dame kennen und schätzen gelernt haben und die wir mit ihren klaren und treffenden Aussagen auch in zwei Matineen erlebt haben, nachträglich zu ihrem gestrigen 80 Geburtstag gratulieren. Wir wünschen ihr weiterhin viel Gesundheit und freuen uns schon, sie - hoffentlich - in diesem Jahr dort wiederzusehen.


    Liebe Grüße

    Erika und Gerhard Wischniewski

    Anmerkungen:

    Halévy arbeitete in seinen letzten Lebensjahren an dieser Oper, die aber zum Zeitpunkt der vorgesehenen Uraufführung in Paris nicht fertig wurde. Das Werk blieb unvollendet. Sein Schüler und Schwiegersohn Georges Bizet vollendete das Werk und schlug auch alternativ den Namen „Le Déluge (Die Sintflut)“ dafür vor, fand aber dann kein Theater, das es aufführen wollte. So wurde es erst 1885 (10 Jahre nach Bizets Tod) in Karlsruhe uraufgeführt.

    Wieweit Bizet an der Komposition beteiligt ist, steht nicht genau fest. Zumindest im Bacchanale des dritten Aktes hat er eigene Melodien (aus Djamileh, La Coccinelle) verwendet. Vermutlich hat Bizet auch die Skizzen von Halevy instrumentiert.

    Die Oper wurde 2004 in Compiegne wieder aufgeführt. Davon gibt es eine Aufzeichnung auf DVD

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    Wer die wundervolle Musik dieser Oper kennenlernen möchte kann sie in der Inszenierung aus Compiegne auch auf youtube (mit russischen Untertiteln) ansehen. Die Inszenierung selbst ist ein Mischmasch aus historisierenden Tableaux und dem verkrampften Versuch modischer Einschübe (biblische Geschichte mit Maschinengewehren(!)):

    Jacques Fromental Halèvy ( 1799 – 1862 ), Georges Bizet ( 1838 – 1875 )

    Noé


    Oper in drei Akten

    Libretto: Jules-Henri Vernoy de Saint-Georges

    Originalsprache: Französisch


    Uraufführung: Karlsruhe 1885


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Noé, biblischer Patriarch, Bass

    Cham, ältester Sohn Noés, Bariton

    Saraï, seine Ehefrau, Sopran

    Sem, zweiter Sohn Noés, Tenor

    Japhet, jüngster Sohn Noés, Sopran

    Eliacin, Häuptling eines reichen Hirtenstammes, Bariton

    Ebba, seine Tochter, Sopran

    Ituriel, Erzengel, Tenor

    Hirten, Jäger, Volk, unsichtbare Chöre der Cherubim und Seraphim, Erzengel und Engel, Ituriels Hofstaat, ein Diener


    Ort und Zeit der Handlung: Bei und in Henoch 1), biblische Zeit


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    Im Zelt Noés

    Noé und sein Stamm sprechen ein Morgengebet. Noé freut sich darauf, dass sein Sohn Sem ihm heute seine Braut vorstellen wird. Die Anwesenden – außer Noé und Japhet – eilen hinaus, dem Brautpaar entgegen.

    Japhet, seinem jüngsten Sohn gegenüber, äußert Noé ,dass er sich Sorgen um Saraï mache. Saraï lebe in ständiger Angst um ihren Ehemann Cham, dem ältesten Sohn Noés, der den Stamm verlassen habe. Als Saraï kommt, verlässt Japhet den Vater.

    Noé hofft, nun von Saraï zu erfahren, ob sich hinter ihrem Verhalten Kummer oder ein Schuldgefühl verberge. Saraï gesteht Noé nach einigem Zögern, dass ihr Kummer viel tiefer gründe. Nicht nur, dass Cham sie verlassen habe, sondern dass ein lichtes Wesen sie im Traum zu verlocken versuche. Dieser Traum verfolge sie auch am Tage in ihren Gedanken. Noé versucht, sie zu trösten: Ein Sohn der Hölle sei es, der sie zu verführen versuche; sie möge ihm entfliehen.

    Japhet kündigt die Hochzeitsgesellschaft an. Die Rückwand des Zeltes öffnet sich und man sieht eine freundliche Landschaft mit einem Altar. Eliacin, Sem und Ebba kommen heran, und der Hintergrund füllt sich mit Hirten und anderem Volk. Die drei Genannten fallen vor Noé auf die Knie und bitten um seinen Segen. Noé heißt sie willkommen und schreitet zum Altar. Da verfinstert sich plötzlich der Himmel.

    Die Flamme auf dem Altar erlischt just in dem Augenblick, als Cham, der vermisste älteste Sohn Noés, erscheint. Cham erklärt vor der gesamten Gesellschaft, dass er Saraï nicht mehr liebt und sich von ihr trennen will. Das Geheimnis, warum er zu diesem Entschluss gekommen ist, will er jedoch nicht preisgeben. Saraï beklagt, dass sie oft seinen wilden Mut besänftigen musste und treu ausgeharrt habe, wenn er häufiger zu Hause wegblieb. Jetzt aber werde sie den Stamm Noés verlassen. Sie sagt Lebewohl und geht. Während Noé zornig seinen Sohn schilt und alle Anderen beten, sieht man sie in der Ferne verschwinden.


    ZWEITER AKT

    Eine Oase in der Wüste

    Saraï schläft auf einer Moosbank. Der Erzengel Ituriel tritt hinzu und singt von seiner Liebe zu ihr. Er ist bereit, die ewige Seligkeit für einen einzigen Tag mit Saraï hinzugeben. Unsichtbare Chöre der Cherubim und Seraphim, später der Erzengel und Engel, mahnen ihn. Er verspricht, zurückzukehren. Plötzlich klagt Saraï im Traum, dass Cham ihr untreu geworden ist. Ituriel fällt ihr zu Füßen. Trotz der mahnenden Stimmen der himmlischen Chöre weist er jetzt die Freuden des Himmels zurück. Da zuckt ein Blitz und Ituriels Flügel fallen ab. Über dem Lärm erwacht Saraï und fragt sich, warum Gott sie nicht hat sterben lassen. Ituriel versucht, sie zu trösten. Er erklärt ihr, dass er ein Engel war. Aus Liebe zu ihr sei er nun ein Mensch geworden. Dieses Angebot weist sie zurück und fleht ihn an, sie zu verlassen, da sie Cham immer noch liebt. Da hört man Lärm und Ituriel erklärt Saraï dessen Ursache: Cham habe seinem Bruder Sem die Braut geraubt und komme nun, um sich hier zu verstecken. Da ergibt sich Saraï verzweifelt dem Werben Ituriels; beide ziehen sich rasch zurück.

    Die Anhänger Chams tauchen auf. Danach schleppen einige Ebba herbei, die sich heftig wehrt. Ebba fragt, wer ihr Entführer sei; da erscheint Cham und gibt sich zu erkennen. Er macht seinen Anhängern ein Zeichen, sich zurückzuziehen.

    Ebba fleht Cham an, mit ihr zu Noé zurückzukehren, aber er weigert sich.

    Da eilt Sem herbei und Ebba wirft sich in seine Arme. Sem fleht den Bruder liebevoll an, zur Vernunft zu kommen. Aber Cham verhöhnt in seiner Leidenschaft sogar Gott. Sem fordert ihn zum Zweikampf, doch Ebba wirft sich zwischen die Brüder.

    Als Sem mit Ebba fliehen will, trennt Cham sie. Er ruft seine Anhänger herbei, die die verzweifelte Ebba fortführen. Einige von ihnen umringen Sem und bedrohen ihn mit ihren Waffen.


    DRITTER AKT

    1. Bild: Im Palast Ituriels in Henoch

    Ituriel, Saraï und der Hofstaat sind zum Fest versammelt. Der Chor ruft zum Tanz.

    Ituriel schwört Saraï noch einmal, dass er sie leidenschaftlich liebt. Schließlich fügt sich Saraï widerwillig in ihr Schicksal: „Ich will versuchen zu vergessen.“

    Es folgt ein Bacchanale mit folgenden Sätzen:

    - Marche des esclaves

    - Ghazel

    - Entrée des Bayadères

    - Le Scarabée

    - Danse des almées

    - Ballabile.

    Danach zerstreut sich die Gesellschaft. Nur Saraï bleibt zurück.

    Der immer noch zögernden Saraï meldet ein Diener einen erschöpften Fremden, der die vermeintliche Königin um Hilfe bittet. Cham tritt ein. Als Saraï ihn erkennt, verhüllt sie sich. Er klagt, dass man ihm die Braut entführt habe, was Saraï als Lüge bezeichnet. Dann gibt sie sich ihm zu erkennen.

    Er wirft ihr vor, Königin der Gottlosen zu sein. Sie leugnet dies und erklärt, ihm die Treue nicht gebrochen zu haben. Sie erinnert ihn an vergangene Zeiten, doch er will nichts davon wissen; er liebe nur noch Ebba. Daraufhin verflucht ihn Saraï. Cham entflieht und Saraï fällt in Ohnmacht.

    Da ertönt liebliche Musik. Japhet kommt und bittet Saraï, mit ihm zu Noé zurückzukehren. Dann zeigt er auf Ebba, die sich – verschleiert – schüchtern nähert. Er bittet Saraï, Ebba nicht zu verstoßen. Saraï tröstet sie. Saraï, Ebba und Japhet bitten Gott um Hilfe.

    Nun wollen sie entfliehen, aber die Türen des Palastes sind verschlossen. Da kommt auch schon Ituriels Hofstaat, darunter Tänzerinnen, die ein Jubellied über den Wein singen. Schließlich treten auch Ituriel und Cham auf, der sich ihm angeschlossen hat. Cham stimmt in das Lob des süßen Lebens mit ein. Während Saraï, Ebba und Japhet zu Gott um Gnade für Cham beten, wird ein Götzenbild errichtet.

    Ituriel fordert Cham auf, seinen Gott zu verleugnen und das neue Götzenbild anzubeten. Ehe Cham das tun kann, wirft sich Saraï ihm zu Füßen, um die Gotteslästerung zu verhindern. Durch deren heftige Bewegung verliert Ebba ihren Schleier. Als Cham sie erblickt, stürzt er zu ihr hin und will mit ihr fliehen. Sie versucht, sich von ihm loszureißen und schickt ein Stoßgebet zum Himmel. In diesem Augenblick erscheint Noé inmitten der Menge. Er nimmt Ebba in seinen Schutz, hebt die Hand und das Götzenbild zerbirst. Dann kündigt er die beginnende Sintflut an. Der Himmel verfinstert sich. Wolken erheben sich von allen Seiten über die Verdammten.


    2. Bild: Spitze des Ararat.

    Die Wasser verlaufen sich langsam. Noé, Saraï, Sem, Ebba, Japhet, Eliacin und ein unsichtbarer Chor preisen Gott und erbitten seine Gnade für die künftige Menschheit. Ein Regenbogen erscheint.


    1) Eine biblische Stadt, die von Kain gegründet worden sein soll und die er nach seinem Sohn Henoch benannte. Hier mit Sodom und Gomorra zu vergleichen.

    Das Thema "Francesca da Rimini" lässt mich nicht mehr los. Ich habe mir eine CD gekauft (Olivero/Del Monaco) und die Musik aufgesaugt. Auf YouTube habe ich eine schöne Fernsehaufnahme entdeckt (Pobbe/Campora).

    Lieber Greghauser,


    von dieser Aufnahme habe ich schon seit Jahren eine prachtvolle Inszenierung. Du findest die DVD für nur 5 € unter folgendem Link

    https://www.zweitausendeins.de…ins-edition-musik-14.html

    Die Interpreten sind Daniela Dessi, Fabio Armiliato, Giacinta Nicotra, Alberto Mastromarino usw. Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt aus der Arena Sferistero Macarata von 2004, musikalische Leitung Maurizio Barbacini.

    Das Bildformat ist da noch 4:3.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    ANMERKUNGEN:

    Die Inhaltsangabe entstand nach dem Libretto von 1830. In einer Neufassung für die Aufführung in Genua 1834 änderte Donizetti zu Beginn des 2. Aktes den Soloauftritt Cadmos in einen Soloauftritt Adas, in dem sie sich auf den voraussichtlichen Erfolg ihrer Hinterlist freut.

    Die Oper war weder in Neapel noch in Genua ein größerer Erfolg und war daher lange vergessen. Erst 1985 wurde sie in Genua wieder aufgeführt. 2005 erlebte sie Aufführungen in London, 2010 in St. Gallen.

    Sowohl von der Aufführung in Genua als auch von der in London gibt es Tonaufnahmen:

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    Die Gesamtaufnahme aus Genua gibt es – allerdings in einer sehr schlechten Bildqualität auch auf youtube zu sehen. Daneben gibt es auf youtube einige Ausschnitte der Audioaufnahmen.

    Gaetano Donizetti ( 1797 – 1841 )

    Il diluvio universale

    (Die Sintflut)


    Azione tragico-sacra in drei Akten

    Libretto: Domenico Gilardoni nach Lord Byron und Francesco Ringhieri

    Originalsprache: Italienisch


    Uraufführung: Neapel 1830


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Noè, Bass

    Jafet, Noès Sohn, Bariton

    Sem, Noès Sohn, Tenor

    Cam, Noès Sohn, Bass

    Tesbite, Jafets Frau, Sopran

    Asfene, Sems Frau, Sopran

    Abra, Cams Frau, Mezzosopran

    Cadmo, Anführer der Satrapen 1) von Sennáár2), Tenor

    Sela, seine Frau, Sopran

    Azael, ihr Sohn, stumme Rolle

    Ada, Vertraute Selas, Mezzosopran

    Artoo, satrapischer Hauptmann, Tenor

    Gefolgsleute von Cadmo, Satrapen und ihre Familien, Priester verschiedener Religionen, Volk


    Ort und Zeit der Handlung: Sennáár, biblische Zeit


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    1. Bild: Weite Ebene mit der Stadt Sennáár im Hintergrund und Teilen der Arche

    Noè, seine Söhne und Schwiegertöchter beten vor der Arche. Gott möge dem verblendeten Volk vergeben und die Welt nicht im Meer untergehen lassen.

    Weinend kommt Sela, die Ehefrau Cadmos, des Anführers der Satrapen. Sie beklagt sich über ihren Gatten, der sie, die dem Glauben Noès zuneigt, verhöhnt und ihr das Kind weggenommen habe. Cadmo werde diesen Gott herausfordern. Hier bei Noè aber finde sie Ruhe.

    Da hört man Lärm. Eine Abteilung Satrapen unter Führung von Artoo kommt, um die Arche zu zerstören. Auf die Frage Selas, wer das befohlen habe, erfährt sie, dass das ein Befehl ihres Gatten sei. Als die Satrapen die Arche anzünden wollen, treten ihnen Noè und seine Angehörigen entgegen und fordern sie auf, Gott, der den Menschen geschaffen hat, zu respektieren. Doch sie verhöhnen ihn: Niemand werde ihm glauben. Da bittet Sela für Noè und die Satrapen ziehen sich zurück, indem sie äußern, dass diese Bitte für sie tödlich sein werde. Sela geht, um bei ihrem Gatten zu vermitteln. Im Fortgehen ruft Noè ihr nach, sie möge wiederkommen.


    2. Bild: Hübscher Platz neben der Wohnung des Cadmo

    Ada, die Vertraute Selas, offenbart in einem Solo ihre Liebe zu Cadmo und begehrt, die Macht über sein Herz zu haben.

    Artoo und die Satrapen kommen zurück und fragen nach Cadmo. Dann erzählen sie Ada, dass Sela den „verlogenen Propheten“ (Noè) verteidigt habe. Da sieht Ada eine Chance für sich und bittet die Satrapen, es ihr zu überlassen, Cadmo die Nachricht zu überbringen. Die Satrapen gehen.

    Cadmo tritt auf. Als er nach Sela fragt, erzählt Ada ihm, dass Sela seinen Befehl, die Arche zu verbrennen, verhindert habe. Dann unterstellt sie Sela, dass es ihr nicht um Noè und seine Religion ginge, sondern um den Sohn Noès, Jafet. Cadmo ist wütend.

    Da tritt Sela ein. Cadmo erklärt, dass er alles wisse, und droht mit harten Strafen, falls Noè nicht umgehend verschwinde. Er verbietet ihr, noch einmal zu Noè zu gehen.

    Mit Ada allein gelassen, bittet Sela ihre vermeintliche Freundin um Rat. Ada rät ihr heuchlerisch, sie möge Noè die Botschaft heimlich überbringen. Als Sela gegangen ist, verständigt Ada die Satrapen.


    3. Bild: wie 1. Bild

    Die Satrapen kommen, um Sela zu beobachten und verstecken sich hinter Felsen und Bäumen.

    Sela erscheint und berichtet Noé von den neuen Anordnungen Cadmos. Sie habe sich fortgeschlichen und Ada habe versprochen, auf Cadmo aufzupassen. Da verkündet Noè, dass beim nächsten Morgengrauen die Welt untergehen werde. Er bietet Sela an, mit ihrem Sohn zu ihm auf die Arche zu kommen. Doch sie will sich nicht von ihrem Gatten trennen.

    Jafet stürzt atemlos herein und erzählt, er habe die Satrapen Cadmos in der Umgebung gesehen.

    Da erscheint Cadmo mit Artoo im Hintergrund der Szene. Ada folgt mit den Satrapen.

    Sela erschrickt und wendet sich an Ada, die Cadmo erklären soll, dass sie (Sela) unschuldig sei und Ada verspricht es ihr scheinheilig.

    Artoo meldet seinem Anführer, dass er die restliche Familie Noès gefangen genommen habe. Sela versucht für Noè und seine Familie Gnade zu erwirken und Noè erfleht Gottes Hilfe. Aber Cadmo verkündet, dass Noè und seine Familie bei Sonnenaufgang geopfert werden solle und damit sein Gott verschwinden werde. Doch Noè fürchtet sich nicht. Ada freut sich heimlich, ihre Rivalin loszuwerden und die Übrigen begrüßen, dass nun der Gott Noès für ewig verschwinden werde.


    ZWEITER AKT

    1. Bild: wie 1. Akt, 2. Bild

    Cadmo begrüßt Adas Verrat und fragt sich, warum er Sela nicht sofort erstochen hat.

    Ada kommt und will Cadmo überreden, Sela zu empfangen. Doch er sträubt sich und dankt ihr, dass sie ihn über Selas vermeintliche Schuld aufgeklärt habe. Dafür habe sie nun seine Liebe verdient. Sie tut so, als ob sie das nicht wolle, solange Sela lebt, aber Cadmo sagt, Sela werde sterben. Da es aber Adas Wille sei, lässt er sich schließlich überreden, sie zu empfangen.

    Ada führt Sela herein und lässt sie mit Cadmo allein. Cadmo wirft Sela vor, es sei ihre Schuld, dass aus Liebe Hass geworden sei. Doch sie sagt, sie käme nicht, um Verzeihung zu bitten, weil sie unschuldig sei. Sie bitte nur darum, ihren Sohn Azael noch einmal sehen zu dürfen. Cadmo verweigert das und verkündet ihr, dass er sie nicht mehr als seine Frau betrachte. Dies sei jetzt Ada. Jetzt erkennt Sela die Falschheit ihrer angeblichen Freundin.


    2. Bild: wie 1. Akt, 1. Bild

    Eingeschlossen von den feindlichen Truppen wundert sich Noès Familie, dass Noè ruhig bleibt und sogar schlafen konnte. Er spricht ihnen Mut zu.

    Von Satrapen begleitet, kommt Sela und berichtet vom Verrat Adas.

    Dann treten Cadmo und Artoo mit Satrapen, Priestern verschiedener Gottheiten und viel Volk auf. Cadmo erklärt Noè, das Volk sei seiner verrückten Prophezeiungen müde. Er selbst, Cadmo, werde ihm nun den Weg zum Himmel öffnen, indem er seine Familie und auch Sela in die Arche einsperren und verbrennen werde. Noè verkündet daraufhin die kurz bevorstehende Sintflut, die alles auf der Erde vernichten werde. Doch Cadmo und sein Gefolge nehmen ihn nicht ernst und entfernen sich. Noè begibt sich mit seiner Familie in die Arche.


    DRITTER AKT

    1. Bild: Ein Festsaal

    Die Satrapen, Priester, Artoo, Cadmo und Ada feiern die Hochzeit Cadmos mit Ada.

    Da taucht Sela auf. Sie hat darauf verzichtet, sich mit Noè in der Arche zu retten, weil sie ihren Sohn Azael nicht verlassen will. Cadmo zeigt ihr Azael und verspricht, ihn ihr zurückzugeben und sie wieder in sein Haus aufzunehmen, wenn sie dem falschen Gott Noès abschwöre. Alle Anwesenden fordern sie auf, diesen Gott zu verleugnen. Mit ersterbender Stimme spricht sie den Schwur aus, dann stirbt sie.

    In diesem Augenblick blitzt und donnert es. Alle erkennen, dass die Weissagung Noès eingetreten ist und fliehen in großer Verwirrung auseinander.


    2. Bild: Berge und Täler

    Vom Himmel, aus der Erde und aus den Bergen fließt Wasser. Auf den Wassern sieht man die Arche.


    1) Statthalter in Provinzen (Satrapien)

    2) Gegend zwischen Euphrat und Tigris