Beiträge von Gerhard Wischniewski

    Hallo Knusperhexe,


    ich fasse es als Loblied auf. Denn das Wort "Opa" hat wird nur von unerzogenen Leuten abfällig gebraucht. Schau auch mal unter Opernfilme nach. Dort erfährst du ebenfalls etwas über "Opas Theater" als Antwort zu einem Beitrag von mir.


    Liebe Grüße und frohe Ostern allen Forumsmitgliedern
    Gerhard :jubel:

    Ich habe nirgendwo gesagt, dass ich mir Opern ausschließlich auf CD anhöre, sondern schon in einem anderen Beitrag erläutert, dass ich mein Abonnement gekündigt habe, nachdem ich einige dieser unsäglichen Aufführungen habe ansehen müssen bzw. sie dann wegen des guten Gesangs mit geschlossenen Augen angehört habe und dass ich heute nur noch dahin gehe, wenn ich einigermaßen sichersicher bin, dass ich nicht - wie ein Forenteilnehmer so schön sagte - Augenkrebs bekomme. Auch sehe ich mir die Fernsehübertragungen eine Weile an und kann dann aber wenigstens abschalten. In Theater hätte ich unsinnig Geld ausgegeben.
    Wenn ich hier sagte, dass ich mir z.B.Leute in Jeans auch ansehen könnte, wenn ich einfach einen portablen CD-Spieler mitnehme und mir zu der Musik von Mozart meine Umwelt, z.B. in der Straßenbahn anschauen würde, so war das ein fiktiver Gedanke zu dieser Art Theater.
    Zurück zum Thema. Dass die Gegner des "Verunstaltungstheaters" nichts Faszinierendes daran finden können, ist wohl klar. Aber auch die Befürworter haben bisher die Frage "Was ist so faszinierend an Regietheater?" nicht beantworten können und sich stattdessen auf Polemik gegen das konventionelle Theater beschränkt. Herr Amfortas hat bisher auch nicht ein Beispiel für Faszinierendes genannt. Er hat an anderer Stelle gemahnt beim Thema zu bleiben. Richtig! Die Frage lautet "Was ist das Faszinierende am Regietheater?". Damit brauchen wir hier keine Angriffe auf das konventionelle Theater vorzunehmen und schon gar keine persönlichen Angriffe

    Nur noch eine Richtigstellung zu Amfortas' letztem Absatz. Ich habe nie von "Regietheater" gesprochen, sondern habe schon in meinem ersten Beitrag in diesem Forum gesagt, dass ich das, was man heute unter "Regiertheater" versteht, viel einfacher "Verunstaltungstheater" nennen möchte. Ich habe daher in Bezug auf diese Art von Theater bisher nichts hinzugelernt, was mich ihm auch nur einen Schritt näher bringen könnte. Mit meinem Beitrag wollte ich aber sagen, dass man im Forum doch sachlich bleiben und sich nicht in persönlichen Angriffen ergießen sollte, was der Sache höchstens schadet. Und da hat Amfortas einen entscheidenden Beitrag geleistet, sich selbst zu schaden.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alfred hat recht. Meinen Alltag sehe ich täglich um mich herum. Dazu brauche ich nicht ins Theater. Wenn ich mir jetzt noch mit einem portablen CD-Spieler die Oper dazuspiele, habe ich das, was das sogenannte "Regietheater" auch bietet, und brauche kein teures Eintrittsgeld mehr zu zahlen.
    Wenn also von Dillettantentum geredet wird, trifft das genau auf das "Regietheater" zu.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    In einem - aber nur in diesem - muß ich Amfortas recht geben. Die letzten Beiträge weichen doch sehr von Thema ab und gehen doch sehr ins Persönliche über. Dazu hat er aber selbst den größten Anteil beigetragen.
    Kommen wir zurück zu dem vor einiger Zeit geforderten Verein. Auch ich glaube, dass ein solcher nicht viel bewirken kann. Das sogenannte "Regietheater muß sich von selbst totlaufen.
    Das könnte es, wenn die unzufriedenen Zuschauer es in ähnlicher Weise boykottieren würden, wie z.B. die Verbraucher in Deutschland das E 10 boykottiert haben, indem sie es nicht kauften.
    (Buh-Rufe allein genügen da nicht, zudem treffen sie - wie hier schon mehrfach festgestellt - oft die Falschen).
    Leider habe ich Abonnenten erlebt, die zwar ein Abonnement buchen, aber sich nur die "Rosinen" herauspicken. In den übrigen Fällen sind die Plätze frei oder an Andere verschenkt, der Veranstalter aber hat seine Einnahmen.
    Viele gehen auch in die Oper, ohne vorher informiert zu sein, dass ihnen hier mit freundlichen oder nichtssagenden Beschreibungen (z.B. "vielbeachtete Inszenierung") eine Mogelpackung angeboten wurde (eben die von Alfred angesprochene Sachertorte, in die Salzheringe eingebacken wurden).
    Was wir leider nur in sehr beschränkten Umfange machen können, ist unsere Freunde aufzuklären und zu warnen. Das werden wir aber kaum mit persönlichem Gezänke erreichen.

    Zitat

    Es fehlt nur noch, das in der "Walküre" Sieglinde und Siegmund kopulieren.


    Ich schilderte in meinem ersten Beitrag, wie ich "Die Krönung der Poppea erlebte. Hier habe ich auf dem kleinen Podium über dem Orchestergraben genau das zwischen Nero und Poppea erlebt

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    ganz zu schweigen von Weberns Sparversion von Schönbergs 1. Kammersinfonie, der Kammerfassung von Bruckners 7. Sinfonie durch den Schönberg-Schülerkreis und Webern hat sein op. 6 zweimal (!) neu instrumentiert, Bernstein das Beethovensche Cis-moll-Quartett und Busoni und Liszt wagten es Orgelwerke von Bach fürs Klavier zu transponieren etc .... ts ts ts ts...


    Wenn ich z.B. Transskriptionen Bachscher oder auch Beethovenscher Werke oder auch Opernreminiszenzen von Liszt höre, ist mir von vornherein bekannt, dass ich hier Bearbietungen von Liszt höre, was man für die anderen genannten Bearbeitungen ebenso sagen kann. Ich weiß also, worauf ich mich einlasse.
    Wenn ich in die Oper gehe, wird diese als Werk von Wagner, Verdi, Puccini usw. deklariert. Ich höre auch deren Musik. Wenn ich aber das Bild weder der Handlung noch dem gesungenen Text zuordnen kann, bleibt das für mich eine Verunstaltung.

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    Und er meine eine Inszenierung müsste auch so vertändlich sein, das man sich als Opernbesucher vorher nicht stundenlang vorbereiten muss.


    Ich bereite mich vor dem Gang in die Oper zu Hause vor und lese nicht nur Inhalt und ggf. Text, sonder möglichst auch noch Literatur über das Werk. Da brauche ich kein Programmheft mehr. Und häufig läßt sich aus dem Programmheft auch nicht das wirre Geschehen vorausahnen, das ich dann zu sehen bekomme.

    Hallo Knusperhexe,


    du suchtest im Jahr 2007 den Film "Rheingold" in der inszenierung von Karajan. Hast du ihn inzwischen gefunden? Falls nicht, ich habe eine Aufnahme, die im Fernsehen gesendet wurde und würde sie dir dann gerne zusenden. Wenn du sie noch suchst, würde ich Alfred die Genehmigung geben, dir meine Adresse, Rufnummer oder e-mail-Adresse zu geben, damit wir miteinander in Kontakt treten können.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Es sind schon viele Szenen genannt worden, die auch ich packend finde. Ich möchte noch drei für mich packende Szenen hinzufügen:
    I Pagliacci: Die Arie des Canio vor der Vorstellung
    Rigoletto: Die Szene mit des Rigoletto vor den Höflingen nach dem Raub seiner Tochter
    Marius und Fanny: Die Schlußszene des ersten Aktes, wenn der alte César seine Räume anbietet, weil er noch nicht weiß, dass Marius bereits auf See ist.

    Ich entschuldige mich bei Wolfram, wenn ich mich in meinem ersten Satz von gestern für ihn missverständlich ausgedrückt habe. Ich wollte ihm keineswegs unterstellen, dass er zu denen gehört, die vorgeben, Entgleisungen zu mögen, um fortschrittlich zu erscheinen. Der Klammerhinweis bezog sich nur auf das Akzeptieren. Und das sehe ich nach den Schilderungen über die Aufführung der Meistersinger auch jetzt nicht anders. Die Prügelszene kann m.E. von Wagner nicht so gemeint sein, wie sie dort interpretiert wird und die überdimensionalen Grashalme und Blumen sowie die Biene Maja und andere Comicfiguren finde ich genauso lächerlich wie in der Baden-Badener Aufführung des "Freischütz" Max als lebender Strauch, Agathe als überdimensionale Blume und Kilian mit dem Schild "Bauer" (das Publikum wurde wohl für zu dumm gehalten, zu erkennen, das das der Bauer ist!) herumliefen.
    Auch setze ich nicht Regietheather = schlecht und konventionelles Theater = gut. Deshalb habe ich an anderer Stelle in diesem Forum gesagt, dass ich diesen nicht treffenden Ausdruck lieber als "Verunstaltungstheater", über das wir sprechen, bezeichnen würde (leider hat sich diese Bezeichnung so eingebürgert)
    Der Hinweis, dass die Aussage, nur mein Bekanntenkreis möge das "Regietheater" nicht, ist ja durch andere Aussagen in diesem Block und durch die vielen Zuschriften im diesem Forum sowie auch in anderen Foren (wie ich gelesen habe, gibt ein solches auch in facebook, in dem ich mich aber nicht registrieren will) widerlegt.
    Dies sollte nur eine Antwort auf Wolframs Zuschrift in diesem Block sein. Weiter möchte ich mich hier nicht äußern, da damit nicht die hier gestellten Fragen beantwortet würden, die ich weiter oben nach meinem empfinden zu beantworten versucht habe.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Sicherlich gibt es einige Zuschauer, die diese Verunstaltungen akzeptieren (siehe Wolfram) oder vorgeben, sie zu mögen, um fortschrittlich zu erscheinen. Die Forderung, dass eine Mehrheit der Zuschauer sie ablehnt, nachprüfbar zu belegen, ist jedoch absurd. Sie ließe sich vielleicht dann erfüllen, wenn alle, die mit diesen Inszenierungen nicht einverstanden sind, die enttäuscht oder gar angewidert die Oper verlassen und sich stillschweigend von der Oper zurückziehen, sich in Foren wie diesem äußern würden. Aber da steht die menschliche Bequemlichkeit oder auch das Unvermögen, ihre Abneigung zu formulieren, entgegen. Ich jedenfalls kenne eine Reihe Opernfreunde - aber keinen, der sich für das Regietheater begeistern könnte. Vielleicht könnten auch die Verkaufsergebnisse bei DVD eine Auskunft darüber geben, welche Inszenierungen am beliebtesten sind. Aber die dürften schwer zu erhalten sein.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Hallo und schönen Sonntag


    Die Fragen von Alfred nach den Motiven erschienen mir sehr interessant und ich versuche einmal, meine Ansicht dazu zu formulieren:

    Zitat

    Sind sie finanzieller Natur ?


    Ein wenig mag das auch mitspielen. Wenn ich aber bedenke, dass die Honorare der Sänger, des Dirigenten, des Orchesters, des Regisseurs der Beleuchter und sonstigen Bühnenpersonals wohl den finanziellen Hauptanteil einer Inszenierung ausmachen und auf jeden Fall entstehen, dann dürften die übrigen Kosten eher eine marginale Rolle spielen. Man kann oft auch mit einfacheren Mitteln eine sinngerechte Kulisse erstellen. Es ist schon recht abartig, wenn Siegfried statt auf einem - wenn auch nur angedeuteten - Amboß sein Schwert schmiedet, auf einer Waschmaschine herumhaut, wenn diese auch vielleicht auf dem Schrottplatz billig erworbeb wurde. Und auch die zeit- und stoffgerechten Kostüme machen sicherlich nicht den Löwenanteil an der Inszenierung aus. Auf keinen Fall aber kann es finanziell bedingt sein, wenn man die Handlung vollkommen verdreht und entstellt.



    Zitat

    Eine bewusste Zerstörung des konservativ-bürgerlichen Opernbetriebs ?


    Das könnte bei einigen Regisseuren durchaus zutreffen. So wie manche jungen Leute sich bewusst hässlich machen, um sich gegen die nach ihrer Meinung konservativen Eltern oder die Gesellschaftschaft zu stellen, so mögen auch einige Regisseure sich gegen das nach ihrer Meinung "starre" und - in ihren Sinne - nicht "moderne" Publikum wenden. Sie dürfen sich aber nicht über das erlahmende Interesse an der Oper beschweren, wenn sie das Publikum, das sein Interesse vielleicht auch noch an folgende Generationen weitergeben könnte, systematisch vertreiben.



    Zitat

    Ein sich "Lustig machen über das Publikum" ?


    Den Eindruck habe ich manchmal auch. Aber vielleicht will man das Publikum locken, das sich heutzutage geistig weitgehend von Blödelshows im Fernsehen ernährt. Als Beispiel kommt hier die von mir schon an anderer Stelle erwähnte Komische Oper Berlin in Betracht.



    Zitat

    Unfähigkeit ?


    Das ist es wohl eher. Wenn man inszeniert, muss etwas "Neues" herauskommen, wenn man in den Pressekritiken nicht Schiffsbruch erleiden will ("altbacken", "sehr bieder"usw.). Um eine Oper mit konventionellen
    Mitteln neu zu schaffen, ohne dass sie als Plagiat verschrieen wird, haben wohl manche, die sich Regisseure nennen, nicht mehr genug Einfälle und Kreativität. Und da wird dann einfach alles umgestrickt und dem Stoff (und damit seinem Schöpfer) entfremdet.
    Das auch heute noch bei konventionellen Inszenierungen Sehenswertes herauskommt, beweist für mich z.B. die Inszenierung der "Anna Bolena" in Wien.



    Zitat

    Schlechter Geschmack ?


    Mag sein. Aber das möchte ich nicht allen Regisseuren diese Genres unterstellen. Weil heutzutage Fäkalien leider schon teilweise gesellschaftsüblich (ob gesellschaftfähig ist eine Frage des guten Geschmacks) sind, glaubt vielleicht mancheiner, jedem beliebigen Publikum auch widerliche Dinge vorsetzen zu dürfen.



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    Haß auf die Oper ?


    Das glaube ich weniger. Oder sollte es tatsächlich Regisseure geben, die sich für die Regie einer Oper hergeben, die sie hassen?



    Zitat

    Ein gestörtes Verhältnis zu Werten wie "Tradition"


    Das dürfte auch zutreffen und ergänzt die Aussagen zu Zitat 2


    :hello:

    Da muss ich Joseph II vollkommen recht geben und das war auch der Grund meiner Entscheidung. Wie gesagt, von Karajan kenne ich die anderen Teile nicht und weiß nicht, ob sie besser gewesen wären, aber ich hätte diese Inszenierungen zum Vergleich gerne einmal gesehen. Und ich finde es schon ein wenig weit hergeholt, wenn man beanstandet, dass Schenk auch nicht alle Regieanweisungen Wagners erfüllt hat, also Siglinde nicht mit einem Schrei an Sigmunds Brust sinkt, sondern die Liebe etwas Zarter dargestellt ist. Man kann da natürlich auch päpstlicher sein als der Papst, der den Frauen ja auch nicht das Kopftuch anbefiehlt, obwohl das im 1. Römerbrief gefordert ist.
    Alles andere, was es heute an Inszenierungen des "Rings" zu erwerben gibt, ist nach meinen Begriffen nicht im Sinne des Komponisten, des Stoffs und des textlichen Inhalts (siehe dazu auch die Zuschrift von Milletre: Boxer gibt mit seine Künsten als Torero an, der Spielort ist Havanna, aber man singt von Sevilla und ähnliche Widersprüche). Und gerade bei den Verhunzungen des Wagnerschen Rings ließen sich solche Widersprüche zu Hauf finden.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Vielleicht noch ein Hinweis zu youtube. Dort gibt es zwar viel Unsinn zu sehen, aber ich nutze es immer dann, wenn ich mir eine DVD kaufe oder im Fernsehen eine Inszenierung aufnehmen will, die schon ein bis zwei Jahre alt ist. Meist findet man, wenn man unter Komponist und Werk nachschaut einige Ausschnitte, an denen man erkennen kann, wes Geistes Art die Inszenierung ist. So stieß ich eben auch bei der Suche nach einer Inszenierung des Ring auf die schon genannte wirklich schwachsinnige Szene aus der Hamburger Aufführung. Gekauft habe ich die einzige mir zusagende DVD-Kassette mit dem New Yorker Ring in der Inszenierung von Otto Schenk. Von Karajan gibt es leider nur "Rheingold".


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Wenn ich von „Verunstaltungstheater“ gesprochen habe, meine ich damit nicht jede Modernisierung. Ich habe schon gute Modernisierungen gesehen, bei denen sich der Stoff nicht auf eine bestimmte Zeit, auf einen Mythos oder ein bestimmtes Märchen bezog. Nixen sind aber nun einmal Nixen und den Wassermann in „Russalka“ habe ich als freundlichen Vater in Erinnerung und nicht als Sexualverbrecher. Wenn von Göttern gesprochen wird, sollten auch Götter zu sehen sein, wenn Sagenhelden auftreten und im Text von sagenhaften Ereignissen die Rede ist, dann sind die in Strassenanzüge auftretenden Protagonisten in modernen Häusern völlig fehl am Platz. Und Wallhalla stelle ich mir immer noch als eine mythische Götterburg und nicht von der Decke hängende Akrobaten vor. O Gott, wie ist der Ring des Nibelungen schon verschandelt worden bis hin zu der Video- Akrobatik- und Maschinenkomödie aus Valencia, die zwar hübsch bunt aussah, aber total dem Stoff entfremdet.
    Seht euch nur einmal die Hamburger Inszenierung des „Siegfried“ auf youtube an :hello: (Eingabe: Wagner Siegfried Hamburg). Dort schmiedet Siegfried in einem kahlen Raum, der mit allerhand gebrauchten Haushaltsgegenständen bestückt ist, in halblangen Pluderhosen und T-Shirt sein Schwert Nothung auf einer alten Waschmaschine. Ein Bild zum Weglaufen!


    Liebe Grüße
    Gerhard :hello:

    Vielleicht ist es ganz interessant, mal zu erzählen, wie „Opernfreunde“ entstehen
    .
    Ich war früh verwaist (1947mit 10 Jahren), hatte zwar dennoch ein gutes Elternhaus bei lieben Großeltern, die mit vier Geschwistern meines gefallen Vaters geflüchtet waren und wo wir dann mit meinen beiden Geschwistern neun Leute waren, die teilweise auf engem Raum zusammenleben mussten. Wir waren einfache Leute und ich konnte in meinem sonst liebevollen „Ersatzelternhaus“ kaum auf Verständnis für klassische Musik hoffen.


    Es gab in meinem Leben sehr viele Zufälle, so auch dass ich aufs Gymnasium kam, weil ich dem Schulrat (im Fach Mathematik) aufgefallen war. Meine Großeltern förderten das und so landete ich 1950 auf dem Gynasium in Bernkastel Kues, damals einem älteren Backsteinbau mit zwei Baracken, von denen eine als Musiksaal diente. Zur Verfügung stand nur ein älterer Flügel. Und hier kam das Schlüsselerlebnis. Unser sehr engagierter Musiklehrer besprach mit uns den „Freischütz“. Dabei spielte er uns auf dem Flügel die Ouvertüre vor und erklärte uns die einzelnen Teile. Zur nächsten Musikstunde hatte er noch einen Amateurtenor aus Bernkastel-Kues eingeladen (er selbst sang Bass); und so schmetterten die beiden uns nicht nur die Arien und Duette des Max und Kaspar vor, die der Musiklehrer auf dem Flügel begleitete, sondern auch die der Agathe und des Ännchen.
    Ich hatte einen Schulfreund, mit dem ich auch heute noch – wir wohnen etwa 200 km voneinander entfernt – ständig Kontakt habe. Wir versorgen uns immer noch mit Opernaufnahmen, die er für mich oder ich für ihn gemacht habe. Er hatte ein vornehmeres Elternhaus, wo er Anregungen für klassische Musik erhielt und hat für seine e-mail-Adresse das Wort „Opernfreund“ gewählt. Und auch von ihm habe ich einiges an Erkenntnissen zu verdanken.


    Später erhielt das Gymnasium von der Stadt ein Radio( noch nicht stereo), einen Plattenspieler und zwei Langspielplatten geschenkt. An einem Sonntagmorgen startete eine große Einweihungsfeier mit den Lehrern und den Honoratioren der Stadt, an der auch Schüler teilnehmen durften. Im Anschluß an verschiedene hochtrabende Reden fand dann ein Konzert von Schallplatte statt. Einzige Teilnehmer waren mein Freund und ich. Auch dies war eine Art Schlüsselerlebnis für mich.


    Zu Hause fand sich ein altes „Dampfradio“, das ich mit ins Schlafzimmer der männlichen Familienmitglieder nehmen durfte, wo ich im Sommer auch meine Hausaufgaben erledigte. Obwohl auf Mittelwelle viel Störgeräusche waren (UKW kannten wir damals noch nicht) lauschte ich mit heißen Ohren den Übertragungen aus Salzburg und Bayreuth. Neben Mozart war damals vor allem Wagner mein Favorit (ausgenommen „Tristan und Isolde“, zu der ich damals noch keinen Zugang fand). Als ich nach dem Abitur in die Berufsausbildung ging (an Studium war nicht zu denken), war dann auch die erste Oper auf einer Bühne, die ich mir von meinem damals noch kleinen Gehalt leistete, der „Tannhäuser“. Zu Opern von Verdi, z.B. der „Aida“ oder Puccini, die heute zu meinen meist gehörten Opern gehören, hatte ich damals ebenfalls noch keine rechte Beziehung, bis ich – mehr durch Zufall – die „Madame Butterfly“ auf einer kleinen Bühne erlebte.


    Bei einem Lehrgang in München lernte ich eine Reihe musikbegeisterter Kollegen kennen, die während des Lehrgangs häufig die Oper besuchten. Ich konnte mir nur einmal einen Opernbesuch leisten, und das war „Lucia di Lammermoor“ im Prinzregententheater. Ich wurde von den Kollegen ein wenig belächelt, weil diese Oper damals noch wenig bekannt und in keinem der mir bekannten Opernführer zu finden war. Aber mein Sinn stand und steht heute noch danach, möglichst viel Neues, mir Unbekanntes zu erobern. Es war eine wundervolle Aufführung mit damals bekannten Sängern wie Erika Köth und Josef Metternich. Als ich den Kollegen dann begeistert berichtete, wurden Sie neidisch.


    Mein Musikgeschmack hat sich seit der Zeit sehr stark erweitert. Heute reicht das von mir geliebte Musikrepertoire von Monteverdi bis weit in die Moderne, wobei ich nur ganz selten zu einer Oper keinen Zugang finde. Und ich versuche immer wieder, meinen Horizont mit Neuem, selten Gespieltem, mir noch Unbekanntem zu erweitern.


    Da ich selber – abgesehen vom Musikunterricht am Gymnaasium – keine musikalische Ausbildung erhalten konnte, vermag ich kaum die musikalische Interpretation oder die Qualität der Stimmen zu analysieren. Ich kann nur sagen, die Sängerin oder der Sänger hat mir gefallen oder war etwas schwach – mehr nicht. Für mich ist das Wesentliche der Gefallen an der Musik, und da gibt es inzwischen nur Weniges in der Klassik, was nicht irgendeine Saite in mir zum Klingen bringt.


    Dennoch habe ich einige Favoriten, die ich häufiger höre. Dazu gehört in allererster Linie die „Carmen“, deren Melodien ich einfach überwältigend finde (Ich besitze auf CD auch andere Variationen der Carmen, wie die Carmen-Phantasie von Sarasate, das Carmen-Ballett von Schtschedrin und das Carmen-Konzert von Breiner.
    Zu dem weiteren Favoriten gehören (ohne Rangfolge):
    Puccini: La Bohème, Turandot
    Verdi: La Traviata, Rigoletto, Aida
    Donizetti: Lucia di Lammermoor
    Bellini: Norma
    Mascagni: Cavalleria rusticana
    Leoncavallo: Der Bajazzo
    Der Freischütz, der in der geschilderten Einfachheit meine erste Berührung mit der Oper war ist zwar heute in meinen Hörgewohnheiten etwas in den Hintergrund getreten, aber er existiert weiterhin als freundliche Erinnerung und als ein Erlebnis, von den ich häufig erzähle.


    Liebe Grüße
    Gerhard Wischniewski

    Ich möchte zunächst als neues Mitglied die Mitglieder des Forums grüßen, das ich erst kürzlich zufällig entdeckte und das mich sofort fesselte.


    Da hatte ich natürlich noch nicht die Zeit, alle Themen, die mich interessieren vollständig zu studieren, auch dieses Thema nicht, das auch mir „unter den Nägeln brennt“. Ich habe in diesem Thema auf den letzten Seiten angefangen, weil mich zunächst einmal interessierte, was kürzlich so gelaufen ist. Es kann also sein, dass ich hier Einiges wiederhole, was vielleicht schon früher gesagt worden ist (man verzeihe mir das).


    Ich bin seit etwa 60 Jahren Opernfreund und habe Ende der 1950er Jahre Opernhäuser in Trier, München und Berlin besucht. Seitdem ich hier in Leverkusen wohne, hatte ich mit meiner Ehefrau jährlich ein Opern- und Ballettabonnement. Hier werden Tourneebühnen eingeladen; diese kamen aus Deutschland aber auch aus osteuropäischen Ländern, lieferten recht akzeptable Inszenierungen und hatten z.T. auch gute Sänger. Daneben sind wir aber auch in die Opernhäuser von Köln und Wuppertal gegangen und haben Festspiele besucht (Bregenz mehrfach in den 1970er Jahren, Verona vor etwa 20 Jahren). Nun habe ich hier mein Abonnement seit drei Jahren gekündigt. Denn mit einer neuen Leitung unseres Kulturbüros kam auch ein „modernerer“ Geist. Heute buche ich vielleicht noch ein oder zwei Vorstellungen im Jahr, bei denen ich aus den Vorankündigungen vermuten kann, dass sie noch annehmbar sind. Nachdem ich die Rheintöchter in „Rheingold“ mit hochgehaltenen Röcken nach Kneippscher Art in einer auf die Bühne gestellten Wasserrinne planschen, das Waldvögeleinim „Siegfried“ in kurzem Röckchen mit Bierflasche in der Hand singend über die Bühne stolzieren sehen musste und als „Krönung“ (im wörtlichen Sinne) eine „Krönung der Poppea“ erlebte, bei der die Bühne leer blieb und im Laufe der Vorstellung mit grau angemalten Pappkartons zugestellt wurde, habe ich Schluss gemacht. Das Geschehen der „Poppea“ spielte sich auf einem über den Orchestergraben gelegten Podium ab, auf dem eine Kiste stand, aus der kurz nach Beginn ein etwas schwammiger Sänger nur in kurzen Unterhosen herauskroch. Alles weitere brauche ich nicht zu schildern, es war widerlich. Wir wollten in der Pause nach Hause gehen. Weil aber gut gesungen wurde, haben wir uns entschlossen, die zweite Hälfte mit geschlossenen Augen anzuhören, damit der Eintrittspreis wenigstens nicht ganz umsonst ausgegeben war.


    Heute beschränke ich mit weitgehend auf Fernsehen, wo ich abschalten oder garnicht erst einschalten, und DVD, wo ich mir meine Inszenierungen aussuchen kann. Garnicht erst eingeschaltet wird, wenn z.B. eine Übertragung aus der Komischen Oper Berlin angekündigt ist. Nachdem ich drei Inszenierungen für eine Zeitlang eingeschaltet und dieses „Affentheater“ (entschuldigen Sie den Ausdruck!) gesehen habe, ist mein Bedarf gedeckt. Ich frage mich allerdings, welches Publikum dort noch hingeht. Aber vielleicht ist es dasjenige, das auch die Einschaltquoten bei den Blödelshows im Fernsehen hoch hält. Und in vielen Fällen möchte ich glauben, dass der Saal mit geladenen Gästen gefüllt wird, die nur gesehen werden wollen. Man betrachte einmal den Aufmarsch der Prominenz in Bayreuth oder Salzburg. Ob die wohl alle etwas davon verstehen, was sie da sehen?


    Ich möchte das fälschlich so benannte „Regietheater“ (Regie wird eigentlich überall geführt) eher als „Verunstaltungstheater“ bezeichnen. Toben sich hier die Regisseure aus? Wollen sie in erster Linie eine Selbstdarstellung veranstalten? Oder glauben sie, das Publikum sei heute nicht mehr mündig genug, den Sinn hinter einem Werk zu erkennen und bedarf einer Erläuterung nach den z.T. irren Phantasien des Regisseurs? Glauben sie etwa, der Zuschauer gibt seinen Verstand generell an der Garderobe ab? Manchmal hätte ich es es allerdings gern getan, damit ich mich nicht über einen verpatzten Abend und verschwendetes Eintrittsgeld ärgern musste.


    Ein große Schuld trägt aber auch die Presse, die solche Aufführungen geradezu provoziert. Als vor einiger Zeit in der Bayrischen Staatsoper „Rusalka“ als Inzestdrama (der Wassermann sperrt seine Töchter in ein Verlies und missbraucht sie) inszeniert wurde, erging sich die Presse in hochtrabenden Tönen (nicht nur über die Sänger, die ja wirklich gut gewesen sein mögen, sondern auch über das Regiekonzept). Nun wurde vor kurzen „Rusalka“ in Bonn inszeniert, und zwar als das, was sie auch ist, ein Märchen. Und die Presse? Leider habe ich die Zeitung nicht aufbewahrt, so dass ich nur sinngemäß zitieren kann: „Die Aufführung war sehr bieder. obwohl kaum Kinder im Zuschauerraum sind“. Die Vokabeln „bieder“ „altbacken“ „nicht sehr zeitgemäß“ lese ich häufig im Kulturteil der Zeitungen, wenn autoren und stoffgerechte Inszenierungen besprochen werden. Und Leserbriefe zu solchen Kritiken werden generell ignoriert. Wenigstens gibt es ja noch Foren wie dieses, in denen man seine Meinung sagen darf.


    Gerhard Wischniewski