Beiträge von Rheingold1876

    War den Zeitgenossen die Kritik Goyas an der Inquisition bewusst oder hatten sie zur Zeit der Entstehung die Gemälde zu diesem Thema als Darstellung der Fakten angesehen? 1834 wurde die Inquisition in Spanien abgeschafft.


    LG moderato

    Lieber moderato, darüber müsste ich auch erst nachlesen. Aus dem Gedächtnis kann ich dazu nicht viel sagen.


    Dafür wage ich mich aber nach einiger Wartezeit an Dein neues Rätsel. Wenn mich nicht alles täuscht, hast Du uns nach Potsdam geführt und dort vor das Fortunaportal. Seinen Namen bezieht es von der Göttin, die auf der Kuppel schwebt. Das Tor bildet den Haupteingang zum Stadtschloss am Alten Markt. Mit seinem Wiederaufbau begann die etwas vereinfachte Rekonstruktion des Potsdamer Stadtschlosses, das heute den Landtag beherbergt.


    Vor der Zerstörung:


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    Und so sieht der Platz jetzt aus:


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    "Der Dresdner Freischütz": So titelte Hänssler eine CD-Produktion, die noch immer zu haben - und meinerseits auch zu empfehlen ist. Gerade im Jubiläumsjahr hätte sie neue Aufmerksamkeit verdient. Sie gelangte 2012 vollständig auf den Markt, nachdem es bereits Veröffentlichungen ohne die Dialoge gab. Die Dialoge aber gehören in dieser oder jener Form für mich dazu. Man kann sie belächeln oder kritisieren, sie bleiben immanenter Bestandteil dieser Oper und sollten respektiert werden. Ich habe mal in meinen Unterlagen digital geblättert und einen Text gefunden, den ich nicht für TAMINO verfasste. Dresdner Freischütz also! Die Verortung im Titel mag ungewöhnlich sein und auch etwas anmaßend anmuten, gerechtfertigt ist sie allemal. Die Produktion von 1951, einem Weber-Jahr (125. Todestag), dürfte zumindest im Osten Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Neubeginn in der Auseinandersetzung mit der berühmten Oper gewesen sein.


    Dresden gilt als eine der wichtigsten Weber-Städte. Obwohl es bereits 1949 Nachkriegs-Aufführungen gab, wurde schon zwei Jahre später eine Neuproduktion auf die Bühne gebracht. Während der "Fidelio" zur Eröffnung des Großen Hauses 1948 (die erhaltenen Fragmente sind ebenfalls bei Hänssler erschienen) live im Rundfunk übertragen und dabei aufgezeichnet wurde, wurde, gingen die Produzenten diesmal ganz neue Wege. Das Ensemble zog ins Aufnahmestudio des Mitteldeutschen Rundfunks, zu dem der Steinsaal des Dresdener Hygienemuseum umfunktioniert worden war. Dort war es technisch auch möglich, ein gewisses Pseudo-Stereo zu erzielen. Aufnahmeleiter war übrigens HANS HENDRYK WEHDING, der auch komponierte und mit seinem Zwischenspiel aus "Der goldene Pavillon" Berühmtheit erlangte. Die Agathe wurde von ELFRIDE TRÖSCHEL gesungen, das Ännchen von IRMA BEILKE. Max war BERND ALDENHOFF, Kaspar KURT BÖHME. Eine der größten Bassbaritonhoffnungen der Nachkriegszeit, WERNER FAULHABER, sang den Kuno. Er sollte bereits 1953 mit 26 Jahren tödlich verunglücken. Am Pult der Staatskapelle stand RUDOLF KEMPE. Hänssler konnte erstmals auf die originalen Bänder bei einer sehr behutsamen Restaurierung zurückgegriffen. Für die Hörer von heute zahlt sich das aus. Über die Jahre geisterte dieser "Freischütz" nämlich immer wieder mal auf dem grauen Markt umher, gelegentlich sogar als Konzertmitschnitt ausgewiesen, was Unsinn ist. Selbst der gewöhnlich sehr zuverlässigen Führer durch Operngesamtaufnahmen von Karsten Steiger geht von einem gekürzten Live-Mitschnitt aus dem Jahre 1950 aus. Die Edition setzt nicht nur die in anderen Veröffentlichungen immer gestrichenen Dialoge wieder ein, die hörspielartig angelegt sind, sie stellt auch die Fakten wieder her. Wie oft bei Hänssler gleicht das Booklet auch diesmal einem kleinen Bildband. Es finden sich viele spannende Texte, historisches Bildmaterial und Fotos aus der Aufführung. Als Bonus gibt es einen Ausschnitt aus einem Interview mit dem Bühnenbildner KARL VON APPEN, der später am Berliner Ensemble eng mit Bertolt Brecht zusammenarbeitete, sowie Ausschnitte aus der Dresdener Freischütz-Aufnahme von 1944. Bereits damals war Böhme der Kaspar, die Trötschel hingegen noch das Ännchen. Auch diese Produktion hält der Markt noch bereit:


    Ich werde mal versuchen herauszufinden, wer da noch so aller bei Da Capo interviewt wurde.

    Lieber Gregor, nichts leichter als das. Es gibt einen entsprechenden Thread im Forum:


    "Da capo" - Der Fragebogen des August Everding


    Außerdem sind mindesten zwei Bücher mit den Listen und teilweise verschriftlichten Interviews erschienen. Ja, die Ludwig ist auch nach meiner Erinnerung wirklich ausgesprochen taff aufgetreten. :) Der gelegentlich - wie ich finde - selbstverliebte Everding klebte mir mitunter zu sehr an seinem Fragenkatalog. Dadurch ging vieles verloren, was die Gesprächspartner selbst gern noch ausgeführt hätten. Warum zieht in den Gespräch Christa Ludwig Karajan Bernstein vor? Das dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass beide, eingebettet in einen begnadeten Kollegenkreis und bedeutende Ensembles unglaublich intensiv, wirkungsmächtig und folgenreich zusammengearbeitet haben. Bei Bernstein war es Liebe und Leidenschaft, bei Karajan galt's - wenn ich das mal so sagen darf - mehr der hohen Kunst. Und war es nicht die Ludwig, die einem bei einer Probe mit den Sängern unzufriedenen Karajan tapfer entgegenhielt: "Sie finden keine besseren." Dass sie das sagte, sagen konnte, spricht das nicht auch für die Qualität einer künstlerischen Partnerschaft?

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    So will das Konzerthaus in Berlin am authentischen Ort der Uraufführung das Jubilläum begehen: Mit einer neuen Deutung des - wie es heißt - weltweit für ihre avantgardistischen Operninszenierungen gefeierte katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus. Auf der Seite des Hauses beschreibt Regisseur Carlus Padrissa die Inszenierung als "Reise zu den Wurzeln der Oper", wo Mythos, Geschichte und aktuelle Realität des Waldes aufeinander träfen: "Leider liegen die Wälder und ihre gesamten Ökosysteme im Sterben. Klimawandel und menschliches Dazutun löschen sie aus, durch Hitze, Dürren, Feuersbrünste, Termitenplagen und Pilzbefall. Deutschland ist zu einem Drittel von Wald bedeckt, das sind 11,4 Millionen Hektar. Seit Jahrhunderten haben sich die Deutschen mit ihren Wäldern identifiziert – in mythologischer und sogar in spiritueller Hinsicht. Die Wälder sterben und mit ihnen ein Teil der deutschen Seele. In unserer neuen Produktion des Freischütz graben wir uns tief in dieses beunruhigende ökologisch-soziale Thema hinein. Dabei wird der Große Saal zu einer mythenerfüllten Installation."


    Eine Koproduktion von RBB und Accentus Music in Zusammenarbeit mit ARTE.

    Livestream am 18. Juni 2021 um 19.00 Uhr auf ARTE Concert und konzerthaus.de

    Der Termin der TV-Ausstrahlung bei ARTE wird noch bekannt gegeben.


    Hier die genaue Besetzung.

    Die DDR-Erstausstrahlung war 1972. Warum gibt es immer wieder Hinweise auf die 60er-Jahre?

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    Auf der dem DDR-Fernsehen gewidmeten Seite wird die erste Ausstrahlung am 31. März 1972 bestätigt. Der Funk- und Fernsehzeitung "FF Dabei" war die Produktion einen Titel wert. Die LP-Box mit der Tonspur wurde 1977 bei Acanta veröffentlicht:


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    Alle diese Daten hat auch greghauser genannt. Ich liefere nur Illustrationen. Das Aufnahmedatum dürfte nach meinen Informationen in den ganz späten 1960er Jahren zu verorten sein. Denn es hat bestimmt einige Zeit gedauert, bis auch der Film im Kasten war.

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    Zweihundert Jahre "Freischütz": Die Oper von Carl Maria von Weber wurde am 18. Juni 1821 im Königlichen Schauspielhaus zu Berlin uraufgeführt. Nach zeitgenössischen Berichten war der Erfolg beispiellos. Ouvertüre und Jungfernkranz mussten wiederholt werden. Alsbald wurde das Werk zu Recht als erste deutsche Nationaloper bezeichnet. Der Pulverdampf der Befreiungskriege war noch nicht ganz verflogen. Die Märzrevolution, die allerdings erst 1848 einsetzen sollte, lag in der Luft. Vor diesem historischen Hintergrund erklärt sich die Bedeutung des Werkes. Es ist davon auszugehen, dass einer neuerliche Beschäftigung mit dem "Freischütz" auf Opernbühnen durch die Pandemie Grenzen gesetzt wurden. Dennoch gibt es Projekte.


    Dresden, wo Weber von 1817 an künstlerisch wirkte, fühlt sich seinem Werk stark verpflichtet. Aus der Semperoper verlautet folgender Text: Das Historische Archiv der Sächsischen Staatstheater lädt ab dem 18. Mai 2021 unter dem Titel "Freischütz im Visier" zum virtuellen Streifzug durch 200 Jahre Rezeptionsgeschichte von Carl Maria von Webers Oper ein. Am Jubiläumstag der Uraufführung, dem 18. Juni 2021, ergänzt die Semperoper Dresden die Spurensuche mit dem Stream ihres Repertoirestücks in der aktuellen Inszenierung. ... Vor zweihundert Jahren, am 18. Juni 1821, kam in Berlin die Oper "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber – seit 1817 Kapellmeister und Direktor der deutschen Oper am Dresdner Hoftheater - zur Uraufführung. Wenige Monate später, am 26. Januar 1822, hob sich im Königlich Sächsischen Hoftheater der Vorhang für die Dresdner Premiere unter der Musikalischen Leitung des Komponisten. Als bemerkenswertes Ereignis in der Historie der Sächsischen Staatsoper hat "Der Freischütz" mit seither annähernd 1.500 Vorstellungen einen festen Platz im Semperoper-Repertoire und ist zugleich Dresdens meistgespielte Oper. Anlässlich des 200. Jubiläums der Uraufführung spürt das Historische Archiv der Sächsischen Staatstheater auf einem virtuellen Streifzug der Rezeptionsgeschichte von Webers Oper an authentischen Orten nach. In Anlehnung an die sieben magischen Kugeln des Jägerburschen Max lässt sich ab Dienstag, dem 18. Mai 2021, in sieben Video-Etappen mit Gesprächen, Exponaten, Tonbeispielen und ergänzenden Textbeiträgen die Spur des Werks mit Bezug zur Semperoper nachverfolgen.


    Mehr Informationen, wenn man diesem Link folgt.

    "Finden sich in Beethovens „Ruinen von Athen“ mehr als nur orientalische Exotismen?"


    Auf so eine Bemerkungen, lieber Joseph, die Du hier als Zitat weitergegeben hast, habe ich nur gewartet. Danke. Wenn man die literarische Vorlage von Kotzebue und den Anlass der ersten Aufführung des Werkes in Beethovens musikalischer Umrahmung ganz bewusst aus dem historischen Kontext löst, findet sich noch immer ein Haar in der Suppe. Ich war froh, dass diesem Werk gelegentlich des 250. Geburtstages von Beethoven wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil wurde. Mehr noch als die Ignoranz erschreckt mich die Umbildung, mit der Kunstwerke neuerdings verteufelt werden.

    Lieber moderato, Du hast das Rätsel im Handumdrehen gelöst. Wie Verdi in seiner Oper "Don Carlos" ist Goya mit diesem Bild eine Darstellung des Inquisitors als Typ in seiner Gefährlichkeit und Bedrohlichkeit gelungen, wie sie eindrücklicher nicht sein kann. Leider habe ich das Bild bei einem Besuch in Madrid verpasst. :(


    Nun ist es an Dir, ein neues Rätsel zu finden. Ich bin gespannt. Auch wenn einem die Lösung nicht zufliegt, ist auch die stille Beteiligung für mich stets eine sehr erbauliche Beschäftigung.

    879352-1-l-0.jpgDieser klassische Opernquerschnitt durch Verdis "Don Carlos" in deutscher Sprache ist im Laufe der Jahre in sehr unterschiedlicher Aufmachung auf den Markt gelangt - kurzzeitig auch mit dieser Illustration. Erstmals erschien er 1965 noch als LP bei der Plattenfirma Eterna. Gottlob Frick, der in etlichen Aufnahmen, die in der DDR produziert wurden, mitwirkte, singt den König, Martin Ritzmann die Titelrolle, die von mir sehr geschätze Hanne-Lore Kuhse die Elisabeth und Sigrid Kehl die Eboli. Als Carlos ist der Rumäne Dan Jordachesu (auch Iordachescu) zu hören. Heute werden solche Aufnahmen nicht mehr hergestellt, da gesamte Opern in Originalsprache (in diesem Falle Französisch bzw. Italienisch) bevorzugt werden. Als die Kataloge aber noch sehr übersichtlich und Platten relativ teuer waren, lernten Menschen viele Opern zunächst in dieser verkürzten Form kennen. Insofern spielten diese Querschnitte eine wichtige Roll bei der Verbreitung von Musik.


    Doch nun zur eigentlichen Sache: Wer ist der Maler des Bildes auf dem Cover, was stellt es vor?

    Lieber hart, ganz gerührt lese ich Deinen schönen Beitrag. Der Zufall wollte es, dass ich vor einigen Wochen selbst am Grab von Nicolai gestanden habe und ähnliche Eindrücke gewann wie Du. Mir ist er ein ganz wichtiger Komponist. Danke. Gleich "um die Ecke" im benachbarten Französischen Friedhof I liegt Theodor Fontane an der Seite seiner Frau. Das dürfte Dir nicht entgangen sein.

    Lieber moderato, ja, ich bin es - die Figur stellt auch selbigen dar wie auf dem alten Avatar. Es ist der Antinous (Antinoos). Der Kopf gehört zu einer nur teilweise erhaltenen lebensgroßen Statue aus Marmor, die in Delphi in der Nähe des Apollo-Tempels, der das legendäre Orakel beherbergt haben soll, ausgegraben wurde. Der lange Aufenthalt unter tiefen Erdschichten hat ihr diesen einzigartigen honigfarbenen Glanz verliehen. Das Foto stammt von mir. Es ist bei einem Besuch vor ein paar Jahren am originalen Schauplatz entstanden, den ich als magisch wie kaum einen anderen in Erinnerung habe.


    Ich habe mich zum Avatar-Wechsel entschlossen, weil es nach kritischen Äußerungen meinerseits an einem Konzert im Zoo ironische Reaktionen gab, die auch berechtigt waren. Also habe ich den Kater, dem es gut geht und der in diesem Moment unter meinem Stuhl liegt, entfernt.


    Nach einem neuen Rätsel suche ich schon heftig. Ich hoffe, bald eines zu finden.

    Lieber Caruso, ja, Tierschutz hat mich schon seit Kindertagen bewegt. Im Gegensatz zu Altersgenossen liebte ich Zoos überhaupt nicht und verweigerte - so das möglich war - den Aufenthalt. Besuchern werden nur die Schokoladenseiten vorgeführt. Abgesehen von begründeten Bemühungen, Arten zu erhalten, sind Zoos für mich auch Relikte des Kolonialismus. Nicht zufällig fanden die so genannten Völkerschauen im 19. und 20. Jahrhundert vornehmlich oder gar ausschließlich in Zoos statt. Auch die Nazis ware in die sehr dunklen Seiten der Zoologischen Gärten verstrickt. Sie hatten ein sehr gutes Tierschutzgesetz, das aber unter bestimmten Voraussetzungen Tierwohl über Menschenwohl stellte. Im Berliner Tierpark - die Stadt leistet sich gleich zwei derartige Einrichtungen, was auch mit ihrer Teilungsgeschichte zusammenhängt - sind noch Bronzen aus Görings Carin Hall zu sehen. Mit Tieren wird Geld gemacht. Man denke nur an den Eisenbären Knut, der bis zu seinem Ende - schamlos vermarktet wurde dem Berliner zig Millionen einbrachte. Nun wird das mit Pandabären versucht die definitiv nicht nach Deutschland gehören. Daran sollen nun offenbar auch Konzerte anschließen. Wer sich als Kommune Zoos leistet, muss auch für das Futter und die Pflege sorgen.


    Was nun die Katze in meinem bisherigen Avatar anbetrifft, so handelt es sich um den Kater Max (14), der mit seinem Bruder seit zehn Jahren bei mir wohnt. Der Sockel der Büste aus der Berliner Gipfsformerei, die den Antinoos darstellt, ist einer der Lieblingsplätze des Haustieres, in Schweden ganz offiziell Gesellschaftstiere genannt. Zuvor hatte ich schon zwei Kater für lange Zeit in Obhut und Pflege. Ich holte sie alle aus Tierheimen zu mir. Mein gesamte zeitliche Planung - einschließlich Reisen - ist auf die Tiere abgestimmt. Anders geht es nicht. Katzen sind durch ihre Domestizierung ohne Menschen nicht überlebensfähig. Du hast mich tatsächlich auf die Idee gebracht, das Bild zu entfernen und bei Gelegenheit durch ein anderes Motiv zu ersetzen. Dafür danke ich Dir. Denen irgendwie ist diese Foto ja auch eine Ausstellung bzw. Vorführung.

    Ich möchte hier nichts gegen das Orchester sagen - aber diesen Ort für ein Konzert finde ich total falsch gewählt. Wieder werden Tiere zur Staffage degradiert. Der Zoo handelt gewissenlos und nicht im Sinne des Tierwohls, wenn er seine Bewohner derart vermarktet. :no:

    Bin gespannt was der Intendantin und dem ja sehr umtriebigen und ideenreichen Schellenberger noch so alles einfällt!

    Diese Spannung, lieber Caruso, kann ich nicht mit Dir teilen.

    Und Christoph Eschenbach sowie Marek Janowski gingen - beiden um die achtzig - neue Verträge für Chefposten ein. Bei Dirigenten sehe ich keinen klassischen Eintritt ins Rentenalter wie für andere Arbeitnehmer.


    Für mich deutet alles darauf hin, dass man Thielemann loswerden will. So und nicht anders interpretiere ich die etwas sehr sachliche Mitteilung der Ministerin. Künstler wie er, die auch polarisieren können und sich nicht scheuen, anzuecken, passen offensichtlich nicht mehr in die nette Kulturlandschaft. Wie äußerte sich doch die Ministerin viel- und nichtssagend? »Wir sehen dabei das, was heute gut ist, und denken trotzdem an das Übermorgen der Oper. Und eine Oper in zehn Jahren wird eine andere als die Oper von heute sein: Sie wird teilweise neue Wege zwischen tradierten Opern- und Konzertaufführungen und zeitgemäßer Interpretation von Musiktheater und konzertanter Kunst gehen müssen.« Es gehe darum, die Anziehungskraft für das vielfältige Publikum zwischen gewachsenen Stammgästen und neuen Zielgruppen zu behalten oder zu steigern. Das gelte auch für das Verhältnis zwischen dem gewohnten Besuch im Opernhaus und der Nutzung digitaler Angebote. Da hätte der konservative Thielemnn so nie gesagt.

    Den Gesang Estrongo Nachamas habe ich als jugendlicher Radiohörer im RIAS, der die freitägliche Schabbatfeier übertrug, kennengelernt. Es ist der erste Sänger, dessen Stimme und Name sich mir fest eingeprägt hat. Regelmäßig habe ich mit dem kleinen Taschenempfänger, der mir damals zur Verfügung stand, die Übertragung gehört. Daß es sich um geistliche Musik handelte, war mir bewußt. Daß der Oberkantor die Feier leitete, die im Radio gesendet wurde, gab mir eine Ahnung von seiner Autorität und Bedeutung.

    Lieber Hans, Deine Eindrücke, verbunden mit dieser schönen persönlichen Geschichte, teile ich voll und ganz. Diese Stimme! Einmal gehört, vergisst man sie nie wieder. Als jemenad, der sich Nachama verbunden fühlt, wird Dir auch nicht entgangen sein, dass er sogar in einem seinerzeit sehr berühmten Spielfilm augetreten ist - nur ganz kurz, doch immerhin: CABARET von Bob Fosse (1972). Als Kantor traut er den Gigolo Fritz Wendel und seine Freundin Natalia Landauer.


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    Ist das von Dir beschriebene "Studio, wo Künstler und Produzenten darum ringen, musikalische Werke so einzufangen, wie es zum jeweiligen Zeitpunkt perfekter nicht sein kann", doch nur eine Hoffnung, eine Utopie oder ein Traum?

    Für mich nicht, lieber Caruso. Andere mögen das ganz anders empfinden. Da es hier um Christa Ludwig geht, möchte ich sie mit dem zitieren, was sie über den britischen Musikproduzenten Walter Legge sagte: "Er lehrte mich, wie man das Wotrt Sonne zum Scheinen und das Wort Blume zum Blühen bringt." Diese Äußerung bezog sich auf die Interpretation von Brahms-Lieder, die sie auch schon in jüngeren Jahren für die EMI eingespielt hat. Diese Aufnahmen halte ich für exemplarisch, nicht nur, was Diktion und musikalische Genauigkeit angeht sondern auch hinsichtlich der Stimmung, der Farbgebung und des Ausdrucks, wie sie nach meinem ganz persönlichen Eindruck nur ihr gelingen. Ich habe jedes einzelne Lied immer und immer wieder auch aus dsem Text heraus gehört, auch um herauszufinden, was sie meint. Für die Brahms-Interpretation finde ich in diesen Aufnahmen Maßstäbe gesetzt, die sich so im Konzert mit seinen auch sehr spannenden Unwägbarkeiten kaum verwirklichen lassen. Diese Box, die ich bereits an anderer Stelle kurz vorstellte, versammelt Einspielungen aus dem Studio, denen ich ganz bewusst meine Ewigkeitswerte zuspreche. Sie liegt bei mir immer griffbereit, damit ich nicht etwa vergesse, wozu die menschliche Stimme unter günstigsten Umständen fähig ist.


    Erich Kienbacher taucht auch auf der Seite des Orchestervereins Visp auf:


    DIE SCHÖPFUNG von J.Haydn

    15.03.64


    Hedy Graf, Sopran

    Erich Kienbacher, Tenor

    Eduard Stocker, Bass

    OV Visp, Männerchor,

    St. Martinschor


    Im Veranstaltungskalender ist Wiener Symphoniker ist er ebenfalls vermerkt - auch mit konkreten Auftritten und Darbietungen. Zunächst wird er mit seinem richtigen Namen Erich vermerkt, geht man in die Details, heißt er zwischenzeitlich auch mal Kienbacher, H., im weiterführenden Link dann wieder Erich. Wer nachlesen will, hier bitte. Kienbacher hat auch mit den Wiener Philharmonikern im Mozart-"Requiem" gesungen. Und Carlo nannte ihn in seiner Valeri-Bak-Diskographie.

    Lieber moderato, Du wirst doch sicher jemanden kennen, der wenigstens noch ein externes Laufwerk anschließen kann. In der Regel lassen sich die Texte dann auch von der CD-ROM kopieren und als Textdokument abspeichern. Deine Erfahrungen sind auch mir wohlbekannt. Deshalb habe ich immer streng darauf geachtet, dass meine Laptops noch einen USB-Anschuss haben. Wie sonst sollte ich meine vielen externen Festplatten anschließen? Ich wünsche Dir viel Erfolg!

    Es würde mir sehr helfen, wenn Du Beispiele von Opern-Studioproduktionen aus den jüngsten Jahrzehnten nennen könntest, in denen diese "zweite Möglichkeit" gelungen ist und damit bewiesen hat , dass sie nicht nur eine "grandiose und revolutionäre technische ... Errungenschaft" ist sondern auch eine künstlerische.

    Da kann ich Dir nicht helfen, lieber Caruso, denn ich weiß schlicht keine. Die außerordentlich hohen Ansprüche, die einst im Studio angestrebt und auch verwirklicht wurde, gingen schon vor dreißig Jahren und noch früher immer mehr verloren. Wir reden hier ja auch um Christa Ludwig. Das hängt auch damit zusammen, dass die Firmen den hohen Aufwand und die Kosten scheuen. Es gibt auch nicht mehr die klassischen Produzenten von großem Format, die ihre ästhetischen Maßstäbe durchzusetzen wussten und wirkliche Kenner waren. Sänger nehmen sich auch nicht mehr die Zeit für die aufwändige Arbeit vor Mikrophonen. Aufnahmen von Opern im Studio sind eine Seltenheit geworden. Die meisten Firmen haben sie ganz eingestellt. Auf den Markt gelangen meist Mitschnitte als Momentaufnahmen, die nicht mehr sein wollen als sie sind und fast nie mehr neu aufgelegt werden. Oder abgefilmte Inszenierungen. Erst neulich hörte ich eine ganz aktuelle Liedaufnahme sogar aus dem Studio mit einem derzeit sehr prominenten Sänger und war entsetzt, was man dem so alles durchgehen ließ. Offenbar hört da niemand mehr zu bei der Aufnahme. :(

    Die Oper ist und bleibt der wirkmächtigste Ort für die Emotionskultur, das Studio kann nur Surrogate bieten.

    Entschuldige bitte das ich das so absolut formuliere und nicht höflich als meine Sichtweise oder Meinung einbringe. Aber: Hier stehe ich, ich kann nicht anders!


    Diese Differenz muss uns nicht entzweien. Ich weiß jetzt woran ich bin und werde damit umgehen können. Wie viel Austausch dann mit Dir dann möglich ist, wird sich erweisen.

    Lieber Caruso, ich möchte und kann Dir nicht widersprechen, weil ich Deine Ausführungen zur "Emotionskultur" teile. Nur gibt es für mich noch einen anderen Schauplatz, das Studio, wo seit mehr als 120 Jahren mit mehr und weniger Erfolg versucht wird, Musik mustergültig auf Tonträgern festzuhalten und abzubilden. Und zwar nicht als Gegenentwurf zum Theater sondern als ganz eigenständige, bestenfalls ergänzende Möglichkeit. Diese zweite Möglichkeit, die ich nicht als Ersatz empfinde, sondern auch als grandiose und revolutionäre künstlerische und technische Errungenschaft, interessiert mich ganz persönlich ohne jede Neigung, andere missionieren zu wollen, am meisten.

    Lieber Rheingold!


    Deine Reaktion auf meinen Beitrag hat mich erschreckt. Sie klingt beleidigt und trotzig.- als fühltest du dich angegriffen oder in eine Ecke gestellt. Das war überhaupt nicht meine Absicht. Ich wollte lediglich darauf aufmerksam machen, dass man wohl von Liedsängerinnen eher einen adäquaten Eindruck durch das Hören ihre Aufnahmen erhält als von Opernsängerinnen. Ich zumindest habe die Wahrnehmung, dass mir eine Liedaufnahme von Christa Ludwig ziemlich vollständig das vermittelt, was ich ich gehört und in meiner Erinnerung bewahrt habe. Genau das aber kann ich von keiner Opernpartie Christa Ludwigs sagen. Wenn ich Aufnahmen oder Mitschnitte höre, ist das eigentlich immer eine etwas traurige Erfahrung. Es fehlt zu viel. Vor allem: es fehlt Wesentliches, das im Opernhaus vorhanden war und ich erleben konnte. Dass meine Erlebnisberichte davon nichts mitteilen können, ist mir sehr wohl bewusst.

    Hallo in die Runde, Caruso irrt, wenn er glaubt, ich könnte beleidigt oder trotzig sein. Wie kommt er nur darauf? Beide Verhaltensweisen sind mir völlig fremd, wofür ich dem lieben Gott dankbar bin. :) Ich ärgere mich allenfalls manchmal oder gehe Menschen aus dem Wege, mit denen mich nichts verbindet. Was mich von einigen Mitdiskutanten unterscheidet, ist der Ansatz, mir Musik anzueignen. Ich bin überzeugt, dass es manche Sänger oder andere ausübende Musiker zweimal gibt: auf der Bühne oder auf dem Konzertpodium und im Studio. Mich interessiert inzwischen das Studio mehr als die Bühne, weil mich Inzenierungen nicht mehr so erreichen wie in meinen Jugendtagen und weil ich nicht mehr gern unter vielen Menschen bin. Studio also, wo Künstler und Produzenten darum ringen, musikalische Werke so einzufangen, wie es zum jeweiligen Zeitpunkt perfekter nicht sein kann. Und dabei auch an Grenzen stoßen. Solche Produktionen - Christa Ludwig dürften einige gelungen sein - wirken auf mich immer wie eine Begegnung mit der Ewigkeit. ;) Ich halte sie für einen gewichtigen eigenständigen ästhetischen Ansatz, Musik zum Klingen zu bringen und zu vermitteln. Sie sind nach meinen ganz persönlichen Wertungen und Erfahrungen kein Surrogat, wie das Caruso empfindet. Sonst wären doch gewisse Einspielungen nicht seit Jahrzehnten so erfolgreich am Markt. In sinfonischen Themen des Forum wird leidenschaftlich und aiuf sehr hohem Niveau darüber disukutiert. Dabei geht es nach meiner Beobachtung immer um Musik und nicht um Surrogate. Ich habe allerdings zu respektieren, dass Caruso Aufnahmen für Surrgate hält und habe damit kein Problem.

    Ich werde mich in Zukunft jedenfalls nicht mehr darüber äußern, dass das Hören von Aufnahmen doch nicht mehr als ein Surrogat sein kann und werde auch mit eigenen Berichten über Live-Erlebnisse nicht mehr daran erinnern.

    Insofern kann ich mit Tondukumente wesentlich mehr anfangen als mit Berichten anderer über Opernaufführungen, die teils etliche Jahrzehnte zurückliegen. Das wollte ich zum Ausdruck bringen. Nichts anderes.


    Aus gegebenem Anlass habe ich mir diese wunderbare Box aus dem Regal geholt. Daraus lege ich die "Zigeunerlieder" von Johannes Brahms auf. Christa Ludwig singt sie begleitet von Leonard Bernstein. Beide gehen bis an Grenzen. Sie heizen die Lieder derart mit Leidenschaft auf, dass einem hören und sehen vergeht. Was für eine künstlerische Partnerschaft! :)

    Nichts gegen die Liedsängerin Christa Ludwig! Wirklich nicht! Ich habe jeden ihrer Liederabende in Berlin gehört und war immer sehr angetan.


    Aber: in der Oper war's doch irgendwie noch begeisternder, berührender, aufwühlender, erschütternder!

    Ich kann mir Deine Aussage nur so erklären, dass Du Christa Ludwig nie auf der Bühne live erlebt hast! Das war ein Urerlebnis, von dem keine Aufnahme eine Vorstellung vermitteln kann. Keine!!!! KEINE !!!!

    Lieber Caruso, was nützt es mir, wenn Du die Ludwig so oft, so erschütternd und so aufwühlend auf der Bühne erlebt hast? Ich könnte mich natürlich mit eigenen Äußerungen und Wertungen zurückhalten. Ungewollt sprichst Du aber ein Problem an. Woran sollen sich die Jüngeren halten und diejenigen, die aus vielerlei Gründen eben nicht in den Opernhäusern von Wien, Paris, Rom, New York, London ein und aus gehen konnten? So gern ich auch Deine Erlebnisberichte lesen. Sie haben ein prinzipielles Manko - sie klingen nicht. Sie lassen sich in keinen Player schieben. ;) Egal, was Aufnahmen vermitteln oder auch nicht - ich habe nur sie! Und bin sehr zufrieden damit. :)

    Das, lieber Moderato, ist auch aus meines Sicht ein ganz bemerkenswerter Liederabend. Es gab bei RCA/BMG auch eine Übernahme auf CD, die bei unserem Werbepartner aber nicht mehr verfügbar ist. Bei anderen Anbietern schon. Deshalb will ich kein Cover verlinken. Die Ludwig hatte damals die sechzig deutlich überschritten. Was sie dennoch zu leisten vermochte, zeugt von eiserner Disziplin, gut gelernter Technik und einem hohen Maß an Gesangkultur und ständiger Beschäftigung mit dem Liedgesang. Es hatte sich gelohnt, den kurzen Ausflug ins hochdramatische Fach schnell wieder zu beenden. Und dennoch ist das, was wir hören nur noch ein Teil dessen, was sie einst zu bieten vermochte. Deshalb habe ich die CD auch wieder aus meinem Bestand entfernt. Sie selbst hatte sich derart hohe Maßstäbe gesetzt, die sie auch in der Praxis umsetzte, dass es schwierig ist, als Hörer darunter zu gehen. Es ist für mich immer auch noch ein Unterschied, ob ich so ein Konzert live erlebe oder es als Konserve auf mich wirken lassen. Hätte im im Saale gesessen, wäre ich ganz bgewiss begeistert gewesen. Ihre vielen Liedaufnahmen aus der frühen und aus der Glanzzeit sind für mich einzigartig, ja magisch. Diesen Eindruck möchte ich mir von dieser wunderbaren Sängerin erhalten. Ich bin ihr sehr dankbar. Wer ihre genau zuhört, bekommt eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was eine menschliche Stimme zu leisten imstande ist. Als Liedsängerin schätze ich sie immer noch viel mehr als in der Oper.

    Alfred zitiert aus dem Wlkipedia-Artkel, der dem bisherigen Dirgenten der Berliner Symphoniker, Lior Shambadal, gewidmet ist. Darin äußert er, Shambadal, ein Siegfried-Wagner-Konzert nicht für möglich zu halten. So ein Konzert hatte der damalige Intendant des Orchesters, Peter P. Pachl - der ein ausgewiesener Kenner des Lebens und Werkes des Sohnes von Richard Wagner ist - zu dessen 150. Geburstag angekündigt. Als Termin nennt der Berliner "Tagesspiegel" den 2. Juni 2019. Das Programm ist hier nachzulesen. Noch im selben Jahr beendeten der Dirigent und der Intendant ihre Arbeit für das Orchester. Bei seinem Amtsantritt erst ein Jahr zuvor hatte Pachl ein - wie ich finde - sehr spannendes Programm angekündigt, wie ebenfalls im "Tagesspiegel" nachzulesen ist. Daraus wurde nicht sehr viel. Warum, darüber möchte ich nicht spekulieren. Ich erlaube mir aber, skeptisch zu bleiben, was schon wieder neue Pläne anbetrifft.

    Urlicht

    O Röschen rot,
    Der Mensch liegt in grösster Not,
    Der Mensch liegt in grösster Pein,
    Je lieber möcht ich im Himmel sein.
    Da kam ich auf einen breiten Weg,
    Da kam ein Engellein und wollt mich abweisen, Ach nein ich liess mich nicht abweisen.
    Ich bin von Gott und will wieder zu Gott,
    Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben, Wird leuchten mir bis an das ewig selig Leben.


    Ich denke voll Dankbarkeit und Demut an sie.

    Lieber Caruso, Du überschätz mich. Deshab muss ich mich auch nicht für meine Uninformiertheit über die personelle Zusammensetzung von Orchestern rechtfertigen. Mich interessieren andere Dinge.

    Die Beschränktheit und Borniertheit, die ich in einigen Beiträgen wahrnehme, hat mich so sehr aufgeregt, sodass ich mich mehr für die Berliner Symphoniker und ihre Dirigenten in die Bresche geworfen habe, als ich selbst für möglich gehalten hätte.


    Obwohl diese Bemerkung auch auf mich zielt - ich werde sie zu ertragen wissen. :) Selbst halte allerdings absolut nichts davon, andere Forumsmitglieder als beschränkt und borniert zu beschimpfen, nur, weil sie in die Werbung für ein mittelmäßiges Orchester nicht kritiklos einstimmen. :no: