Beiträge von Rheingold1876

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    Eine Frage in die Runde: Kennt jemand diese Ausgabe des "Sommernachtstraum"-Films von Marx Reinhardt? Ist die Bildqualität einigermaßen? Ich bin nämlich auf der Suche nach einer deutschen Synchronisation und komme im Moment nicht weiter. Für die Filmmusik hat Korngold die originale Musik von Mendelssohn angepasst. Bei cpo ist davon vor gut zwanzig Jahren eine Aufnahme erschienen, die noch zu haben und sehr zu empfehlen ist.



    Wie bereits im Frühjahr geplant starten wir mit einiger Verspätuing im Oktober diesen Thread, der durchaus interessant werden kann. Es gibt sicher einige Fragen - meine erste war: wo sortiere ich dieses Werk ein, das weder Oper, noch Instrumentalmusik pur ist, noch irgenwie anders ins System passt.

    Inzwischen habe ich in meinem Bestand eine Abteilung "Schauspielmusik" eingerichtet, in der Mendelssohn den größten Posten stellt. Die ist zwar sehr übersichtlich, aber ich weiß nun, wo ich suchen muss. Schauspielmusiken finde ich sehr spannend und ein Kapitel für sich. Schade, dass man sie fast nur noch von Tonträgern hören kann.

    Unlängst gönnte ich mir das Schauspiel "Preciosa" von Pius Alexander Wolff in der frühen Funkfassung des WDR mit der kompoletten Musik von Carl Maria von Weber. Sie kann bei der Vermarktungs-GmbH des Senders käuflich für den eigenen Gebrauch erworben werden. Für eine öffentliche Vorführung dürfte das Stück heutzutage wohl nicht mehr in Frage kommen.

    Eine kleine Ergänzung, damit man sieht, was außer »Der Pilgrim von St. Just« noch so drauf ist ...

    Danke, lieber hart, dass Du dafür sorgtest, dass "Der Pilger vor St. Just" hier nicht allein steht. In diesem Anbau an den Klosterkomplex verbrachte der von Gicht geplagte Kaiser seine lezten Jahre:


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    Karl V. treffen wir auch als geheimniosvollen Mönch in Verdis Oper "Don Carlos" sowie in der nach ihm benannten Oper von Krenek wieder. Beide Werke haben St. Just (Yuste) als konkrete Ortvorgabe. Aber wem sage uch das? ;)


    Für mich ist Roland Hermann einer der wichtigstens und eindrucksvollsten Interpreten von Balladen Carl Loewes. Auf der oben verlinkten CD nahm er sich auch dem seltenen Repertoire an. Inhaltlich und historisch sind diese Balladen natürlich mit Vorsicht zu genießen. Sie verklären die Wirklichkeit. Kaiser Karl V. hat als "Pilgrim vor St. Just" nicht selbst an die Klosterpfote geklopft, um Einlass zu begehren. Er bewohnte als Rückzugsort keine Mönchszelle, sondern einen sehr stattlichen Palast, den zu besichtigen lohnt. Herrmann stellt die Müdigkeit des Monarchen und seinen Verdruss sehr bewegend dar, so dass man schon Mitleid empfindet. Der Text stammt von August von Platen:



    Nacht ist's, und Stürme sausen für und für,

    Hispanische Mönche, schließt mir auf die Tür!

    Laßt hier mich ruhn, bis Glockenton mich weckt,

    Der zum Gebet euch in die Kirche schreckt!


    Bereitet mir was euer Haus vermag,

    Ein Ordenskleid und einen Sarkophag!

    Gönnt mir die kleine Zelle, weiht mich ein,

    Mehr als die Hälfte dieser Welt war mein.


    Das Haupt, das nun der Schere sich bequemt,

    Mit mancher Krone ward's bediademt.

    Die Schulter, die der Kutte nun sich bückt,

    Hat kaiserlicher Hermelin geschmückt.

    Nun bin ich vor dem Tod den Toten gleich,

    Und fall in Trümmer, wie das alte Reich.

    Nacht ist's, und Stürme sausen für und für,

    Hispanische Mönche, schließt mir auf die Tür!





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    Beim Sichten und Ordnen meiner Bestände fiel mir auch diese CD aus der Preiser-Reihe "Lebendige Vergangengheit" wieder in die Hände. Darauf singt der Tenor Walther Ludwig auch Stücke von Paul Graener. Im einzelnen sind dies zwei Szenen aus der Oper "Friedemann Bach" - "Preis dir und Dank" und "Kein Hälmlein wächst auf Erden" - sowie die Löns-Lieder "Der Kuckuck", "Der König" und "Die Köngin".

    Für den 4. Februar 2022 kündigt Hänssler folgendes Album mit bislang offiziell nicht zugänglichen Mitschnitten - dritter Aufzug "Siegfried" und zweiter Aufzug "Parsifal" von den Bayreuther Festspielen 1955 an:



    Bei jpc heißt es dazu:


    Die vorliegenden Aufnahmen von Martha Mödl aus dem Jahr 1955 dokumentieren nicht nur ihre tadellose Wiedergabe des Deutschen, sondern auch ihren singulären Status als Sängerin. Sie begann als Mezzosopran, wechselte aber 1949 mit ihrer ersten Kundry in den Stimmbereich zwischen Mezzo und dramatischem Sopran, und im März 1952 sang sie ihre erste Brünnhilde In Neubayreuth war sie von Anfang an dabei: Von 1951 bis 1955 sang Mödl in allen Parsifal-Aufführungen die Kundry und wechselte sich erst ab 1956 mit Astrid Varnay ab. Auch im Ring war sie ab 1951 besetzt, zunächst als Gutrune und Dritte Norn, ab 1953 auch als Brünnhilde und 1954 auch als Sieglinde. Auch hier wechselte sie sich mit Varnay ab, die seit 1951 fast pausenlos als Brünnhilde auftrat. In den Jahren 1952 und 1953 sang Mödl die Isolde. Für den Regisseur Wieland Wagner war sie ein "hochdramatischer, pathosfreier Sopran". Er schätzte an ihr, dass "Stimme, Persönlichkeit und Darstellung eine absolut untrennbare Einheit" bildeten.

    1905 – 117. Geburtstag von Karl Friedrich (Sänger)

    Zur Erinnerung an diesen österreichischen Tenor zitiere ich mich der Einfachheit halber selbst aus dem ihn gewidmeten Stimmen-Thread:

    ... Gewiss, Friedrich ist ein ziemlich unorthodoxer Tenor. Man hat den Eindruck, als würden manchmal die Pferde mit ihm durchgehen. Er lässt aber nie einen Zweifel daran, dass mit ihm ein Mensch aus Fleisch und Blut vor uns steht. Seine Stimme ist aus Tausenden herauszuhören. Sie ist unverwechselbar - wenn Friedrich darauf steht, ist auch Friedrich drin. Für Richard Strauss - er singt den Bacchus gemeinsam mit Maria Cebotari als Ariadne und den Apollo in der "Daphne" - bringt er nach meinem Eindruck die allerbesten Voraussetzungen mit. Er humanisiert diese Götter. Wenn ich richtig informiert bin, wollte es Strauss auch so haben. Anrührend, wie er als Apollo fast selbst erschrocken scheint über seinen eigenen Richtspruch der Verwandlung. Er bringt eine große Traurigkeit und Einsamkeit in diese Szene. Und diese Trunkenheit im "Ariadne auf Naxos"-Finale"! Wann und wo hat man das je so gehört? Friedrich sollte nicht gemessen werden am Sitze dieses oder jenes Tones. Er ist ein Sänger von großer Gestaltungskraft. Dabei soll er auf der Bühne nicht der Erfinder der Leidenschaftlichkeit gewesen sein.

    Gibt es beim aktuellen Tamino-Kreis Interesse am Thema "Remastering von Klassik-Aufnahmen"? Wie klingen remasterte Aufnahmen, was wird beim Remastering gemacht, welche Überarbeitungen sind gelungen/welche verhunzen Aufnahmen?

    Lieber Christian, das dürfte von Fall zu Fall verschieden sein. Und ich habe es auch unterschiedlich beschrieben gefunden. Schlimm wird es, wenn sich Laien, die nur glauben, etwas davion zu verstehen, ans Werk machern. Selbst bin ich ein Freud milder und diskreter Anpassung. Ich möchte in einer Aufnahme den Sound der Entstehungszeit wiederfinden. Ein - wie ich finde - sehr gelungenes Remastering zeichnet die neuen Auflagen aus dem SWR-Archiv mit Fritz Wunderlich aus. Den Text dazu habe ich mal aus einem der Booklets gescannt. Es spricht wohl nichts dagegen, wenn er hier im unternen Bereich widergegeben wird.


    Sorry, aber ich musste den Booklet-Text, dem dem ein Remastering-Verfahren genau geschildert wird, entfernen, weil er jetzt im öffentlichen Raum stünde, wodurch Rechte verletzt werden könnten.


    Ich sehe es gelassen. Geld von Mitlesern von Tamino zu verlangen, das wird schlicht und einfach nicht funktionieren. Weil sich keiner oder so gut wie keiner finden wird, fürs Mitlesen zu zahlen. :D

    Das ist eine sehr realistisch Einschätzung, lieber Holger, die ich teile. Und doch muss auch anerkannt werden, dass der Betrieb eines Forums wie diesem - Alfred hatte das ja bei Gelegenheit immer mal wieder durchblicken lassen - sehr viel Aufwand, Nerven und Kosten verursacht. Dieser Teil des Forums wird von den Mitgliedern gern verdrängt und übersehen, weil es einfach so da ist - und in aller Stille administrativ hervorragend funktioniert. Nur gut, dass der Betreiber nicht so sehr auf Anerkennung, Dank und Lob aus ist wie manches Mitglied. Mir ist es völlig egal, ob jemand "draußen" meine Beiträge liest - oder nicht, weiß nicht einmal, wie man das feststellen kann. Ich schreibe in erster Linie für dieses Forum - und auch für mich selbst. Deshalb bin ich seit nunmehr zehn Jahren hier.


    Vielmehr halte ich es für legitim, wenn sich der Forumsbesitzer im Kreis der Mitglieder darüber Gedanken macht, wie es in die Zukunft zu führen ist - inhaltlich wie wirtschaftlich. Der Tag, an dem ein großes Unternehmen mit einem Werbeslogan herausrückte, der in knackigen Worten die Botschaft verkündete, dass von nun an alles fast umsonst sei, soll verflucht sein. Er rief nur jene auf den Plan, die in dem Irrglauben leben, irgendetwas stehe ihnen zu. Da ich keinen eigenen Jahresplan für 2022 habe - ich denke und handele nicht in dieser Kategorie - höre ich umso interessierter zu, was andererseits angedacht und in Vorschlag gebracht wird.



    Vor allem die Bildqualität grenzt an Zumutung. Dennoch lässt dieses Dokument aus dem Bayreuther Abgrund erahnen, was Richter gehört hat. Was für Arme! Als ob die Musik aus ihnen fließt. Leider ist dieser "Tristan" bisher nicht in der Festspieledition von Orfeo, die auf Originalbändern beruht, erschienen. Es gibt ihn - wie den von Fiesco abgebildeten Wiener Mitschnitt - aus dem Premierejahr 1974 nur auf dem grauen Markt in bescheidener Tonqualität.

    Ansätze zur Ehrenrettung der deutschen Romantik in der FAZ.

    Lieber Christian, da bin ich mit dabei. Danke für den Link. Was in den Beitrag unter Hinweis auf die "Zeit" über Novalis zu lesen ist, vermag ich mir nicht vorzustellen. Es erinnert mich fatal an einen Artikel in einem Roman-Lexikon aus der DDR. Darin wurde Hermann Hesse allen Ernstes vorgeworfen, nicht den Anschluss an die Arbeiterklasse gefunden zu haben.

    Lieber Rheingold, danke, das dachte ich mir schon. Ganz großes Kino darf Oper für meinen Geschmack übrigens durchaus sein, aber eher Arthaus als Hollywood-Schinken ;)


    Gefunden habe ich jetzt noch zwei "Don Carlo"-Aufnahmen aus Orange und New York, das scheinen beides Live-Aufnahmen zu sein:

    Grundsätzlich, lieber Bertarido, habe ich auch nichts gegen großes Kino in der Oper. Bei meiner kritischen Bemerkung dachte ich mehr an solche Inszenierungen, die nur auf üppige Ausstattung aus sind, nicht aber auf Inhalte.


    "Carlo" in Orange? Ob das geht? Alle Produktionen, die ich von dort kennen, klingen sehr problematisch und kämpfen mit der Beleuchtung. Ich war nie dort. Wäre es aber gern gewesen.

    Lieber Bertarido, diese "Carmen" dürfte nichts für Dich sein. Ich hatte den Film einst im Bestand, dann aber wieder aussortiert. Er bedient alle Klischees. Die Oper als ganz großes Kino. Das Titebild spricht Bände. Obwohl dem so genannten Regietheater nicht so zugeneigt wie Du - so kann ich Oper auch nicht mehr gut ertragen. Bei dem Film handelt es sich nach meinem Wissen um eine Studioproduktion. Der Mitschnitt der Premiere in Salzburg ist nur akustisch festgehalten:


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    Lieber greghauser, etwas verspätet schließe ich mich dem Dank von Hans an. Immerhin hatte die Lektüre Deines Beitrags bebwirkt, dass ich mir die abgebildete Einspielung wieder anhörte. Reinstes Entzücken. Für mein Empfinden handelt es sich um die schönste Aufahme von Freni und Pavarotti. Damit haben beide schon vor nunmehr fünfzig Jahren einen wichtigen Beitrtag zur Erweckung dieses Meisterwerks getan.

    Im Ggs. zu bspw. Celibidache hat Kleiber immerhin eine Anzahl von Studio-Aufnahmen bzw. offiziellen Videos etc. zu Lebzeiten veröffentlicht. So wenig ist das unterm Strich gar nicht, wobei natürlich posthum noch etwas dazu gekommen ist. Wir reden ja auch nur von knapp 20 Jahren, Anfang der 1970er bis Anfang der 1990er. Klar, er hätte jederzeit weit mehr machen können; ich glaube, dass war bei ihm wirklich eine Mischung aus krankhafter Unsicherheit, Perfektionismus und Faulheit.


    Ich glaube, es war diese Dokumentation, in der versucht wurde, das Wesen von Carlos Kleiber zu ergründen. Dies geschah, wenn ich mich richtig erinnere, ziemlich schonungslos. Die letzten Bilder aus seinem Leben waren verstörend. Wie es endete, ist nach wie vor etwas sagenhaft. Eines aber steht wohl fest, er litt an fürchterlichen Depressionen. Dieser Tage suche ich die DVD hervor und werde sie mir erneut anschauen. Selbst habe ich auch ein gespaltenes Verhältnis zu Kleiber jr. Seine Opernaufnahmen interessieren mich mehr als anderes. Sie haben für mich atemberaubende Momente. Vor allem denke ich an den "Freischütz". Als Ganzes leiden sie aber etwas an stimmlichen Fehlbesetzungen. Von Stimmen verstand er offenbar nicht genug - oder aber, er hatte auf die Auswahl der Sänger keinen Einfluss. Es ist auch möglich, dass er sich nur für seinen Anteil an Produktionen interessierte.

    Guten Morgen, lieber moderato, in den vergangenen Wichen war ich zu sehr anderweitig beschäftigt, als dass ich hätte im Forum aktiver sein können. Nun will ich zur endgültigen Bestätigung zu der CD mit dem gefragten Cover greifen - und finde sie nicht. Bitte noch um etwas Geduld! Ausgesondert habe ich sie ganz bestimmt nicht - schon wegen der Lieder von Weber. Die sind nämlich nicht so häufig anzutreffen auf dem Markt wie ich mir das wünschte.


    Bis bad also!

    Der "Trick", lieber Rheingold, ist, auf der linken Seite "Auch nicht erhältliche Artikel anzeigen" und dann wird man fündig.

    Danke, lieber Norbert, dass Du mir aus der Patsche hast helfen wollen. Durch die Verlinkung der Cover von JPC ist zusätzlich deutlich geworden, dass bestimmte Opernaufnahmen mit Jessye Normen, die ich für überschätzt halte, aktuell nicht einmal mehr im Handel sind. Und das dürfte nicht nur darauf zurückzuführen sein, dass sie so wahnsinnig begehrt sind. ;)

    ... sie schlecht zu finden.

    Darf ich mir einen Einwurf gönnen? Wir sollten uns Mühe geben, in diesem Thread stets zwischen überschätzt und schlecht zu unterscheiden. Beide Kategorien sind schließlich nicht ein und dasselbe. Das Zutat von Uranus habe ich nur verwendet, um einen der beiden Begriffe zu nennen. :hello:

    Ein sehr interessantes Thema, das aber kaum objektiv zu bedienen ist. Der eigene Geschmack und die eigenen Erwartungen ragen da tief hinein. Ich halte die meisten Opernaufnahmen mit Jessye Norman für völlig überschätzt, habe sie seinerzeit auch erworben und inzwischen fast alle aus meinen Beständen entfernt. Namentlich gilt das - nur drei sollen genannt werden - für "Carmen", "Fidelio" und "Lohengrin". Sie hat keiner dieser Rollen - im "Lohengrin" ist es Elsa - interpretatorisch etwas hinzufügen können. Sie hat sie allenfalls monströs aufgeladen. Die Norman war aus meiner Erfahrung ein Live-Ereignis. Platte und CD konnten ihre Wirkung nicht annähernd einfangen. Andere Einspielungen - darunter "Euryanthe" und "Ring" - habe ich nur deshalb behalten, weil mir die Werke und andere Mitwirkende wichtig sind. Bei unserem Werbepartner jpc finde ich aktuell als einzelne Ausgabe nicht eine der oben drei genannten Opern, kann also auch nichts verlinken. :(

    2007 – 15. Todestag von Werner Hollweg (Sänger u.a.)


    Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, die ziemlich umfangreichen Bestände von Tondokumenten des Sängers in meinem Bestand genauer zu ordnen und zu katalogisieren. Er hat alle Genres bedient. Darauf freue ich mich sehr, weil sich dabei auch Gelegenheit bietet, wieder genauer hinzuhören. Bei Hollweg wird man nie enttäuscht, wage ich mal zu behaupten. Ich bin relativ spät auf ihn gekommen. Auslöser waren Balladen von Carl Loewe. Besonders hatte es mir "General Schwerin" angetan. Eine Ballade, die Hollweg mit großer Empathie gestaltet.

    Lieber Hans, von kennen kann nicht die Rede sein. Ich habe die CD einmal gehört. Das reicht natürlich nicht. Andererseits entscheidet die erste Begegnung oft darüber, ob einem etwas zusagt oder nicht. Ich empfand die Interpretation - vor allem bei Weill - etwas zu opernhaft. Auch wenn es wohl nötig ist, neue Akzente zu setzen, die sich von den frühen Sängern absetzen. In diesem Fall aber kehre ich doch reumütig zu den Anfängen zurück. Schließlich hätte Kate Lindsley auch noch etwas an ihrer deutschen Aussprache arbeiten sollen. Du siehst mich verhalten, und ich bin Dir wohl keine rechte Hilfe gewesen. Nichts geht über das eigene Urteil.

    Durch die Beschäftigung mit Weber kam ich neuerlich auf Rübezahl, den Berggeist des Riesengebirges. Weber hat ein entsprechendes Opernfragment hinterlassen, bestehend aus einer Ouvertüre, die später unter dem Titel "Beherrscher der Geister" ein eigenes Dasein führte, und wenigen Szenen. Der Stoff ist insofern faszinierend, weil er den uralten Topos von der Sehnsucht nach Verwandlung und Menschwerdung aufgreift. In den Legenden von Johann Karl August Musäus (1735-1787) ist das besonders tiefsinnig dargestellt. An einigen Stellen finden sich auch Ereignisse, aus denen der Schluss gezogen werden könnte, der Weimarer Gelehrte und Märchensammler der Aufklärung habe vor fast zweihundertfünfzig Jahren antisemitische Klischees bemüht. Herder, der an seinem Grab die Rede gehalten hatte, war neuerdings ebenfalls in diesen Versacht geraten.


    Ich hoffe, dass ich mit der Auflistung seiner Aufnahmen dem Tenor Werner Hollweg ein würdiges Andenken gegeben habe. Weitere Ergänzungen sind herzlich willkommen.

    Lieber Carlo, nach meinem Empfinden ist Dir das sehr gut gelungen, und ich möchte mich bei Dir ausdrücklich bedanken für die Mühe, die Du auch in diese Diskographie investiert hast. Gewiss werden sich Ergänzungen anbieten. Die akustische Hinterlassenschaft des Tenors Werner Hollweg ist enorm. Es kommen immer mal wieder Ausgrabungen hinzu wie neulich die "Schöpfung". Leider komme ich derzeit nicht dazu, meine eigenen Bestände vergleichend durchzugehen. Das werde ich aber zu gegebener Zeit nachholen. Hollweg war eine meiner relativ späten Entdeckungen. Das soll nicht heißen, dass ich ihn nicht kannte und gelegentlich hörte. Man kommt ja an ihm nicht vorbei. Balladen von Carl Loewe waren die Auslöser, in Hollweg einen für meinen Geschmack nahezu idealen Tenor zu finden.

    Mit der Aufführung dieser TOSCA, auf die MSchenk beim Aufräumen (brav! :yes:) gestoßen ist, wird für mich noch eine andere Frage aufgeworfen, die neuerdings häufiger gestellt wird: Wie nachhaltig arbeiten Theater? Ist es noch angemessen, dass auf Bühnen wahre Materialschlachten ausgetragen werden? Angesichts von vielerlei Engpässen und des Drucks, sorgsamer und sparsamer mit Ressourcen umzugehen, werden in Zukunft wohl auch Regisseure und Ausstatter etliche Gänge zurückschalten müssen. Das kann ja der Kreativität nur nützlich sein.


    Diese CD von und mit Freddie De Tommaso hat bei mir nicht den Eindruck erweckt, einen neuen Stern am Opernhimmel aufgehen zu sehen - bzw. zu hören.


    JPC:

    In »Passione« geht es um die Faszination von Italien und die Begeisterung für die heroischen Tenorstimmen der Vergangenheit. Freddie De Tommaso erkundet die musikalische Landschaft der Familie seines Vaters, die aus Casamassima bei Bari in Apulien stammt – einst Teil des Königreichs Neapel. Gemeinsam mit dem London Philharmonic Orchestra, dirigiert von Renato Balsadonna, präsentiert der dreifache Preisträger des Tenor Viñas International Singing Contest verschiedene Werke großer Komponisten wie Vincenzo Bellini und Giacomo Puccini. Zu den Highlights seines Debüt-Albums zählen unter anderem Weltersteinspielungen für Orchester von Puccinis Mentia l’avviso und Sole e amore sowie eine von Salvatore Di Vittorio arrangierte Orchesterversion von Respighis Nebbie, basierend auf dessen originalem Manuskript.

    Die Ouvertüre, die ich dank Orfeo nun wieder hören kann, ist doch nah an Schrekers Kammersinfonie.

    Lieber Hans, Matthew Aucoin ist ja noch jung genug, um noch vieles von ihm erwarten zu können. Dein Hinweis auf die Kammersinfonie ist sehr treffend, ich hingegen fand in seiner Oper manchen gut gemachten Anklang an Bartoks "Blaubart". Überhaupt ist es für mich auffällig bei Aucoin, dass er sich zu Vorbildern zu bekennen scheint. Vielleicht ist es das, was mich zu meinen vielleicht etwas vorschnellem Urteil brachte. Ich nehme ihn aber als demütigen Künstler wahr. Als Suchenden. Gelegentlich wird er sogar als neuer Bernstein gefeiert, was ihm wohl nicht gerecht wird und mehr schaden dürfte als nützen. Oder ist da etwas dran? Die Feuilletons lieben solche Sachen. Sei bedankt für Deine Anregungen - Erin Morley, um die es schließlich hier geht - eingeschlossen.


    Vor knapp zwei Wochen sah und hörte ich sie in der Übertragung von Matthew Aucoins und Sarah Ruhls Oper Euridyce, wo sie die Titelpartie gab. Zwei (leider kurze) Videos stelle ich davon ein.


    Hier gibt es dank Orfeo mehr!


    Sehr schön anzuschauen, die Musik für meinen Geschmack etwas auf der gefälligen Seite. Sie tut nicht weh. ;) Mir ist, als hätte ich das alles schon mal gehört.