Beiträge von Rheingold1876

    Es ist schwierig, einen Liederabend als "wichtiges Ereignis" wahrzunehmen, den man nicht selbst besucht hat. Gut, in diesem Zeiten stellt wohl allein dieTatsache seines Stattfindens einen Wert für sich dar. Schade, dass es offenbar keine Radioübertragung gab, die uns hier im Forum die Gelegenheit gegeben hätte, einen eigenen Eindruck zu gewinnen. Frau Pfabigan gerät nämlich derart ins Schwärmen, dass sie darüber vergisst, die sängerischen Leistungen von Günther Groissböck im Detail zu bewerten. Wer sich genauer mit diesem Sänger beschäftigt hat, würde schon gern mehr wissen wollen als den Verweis auf Körpergröße und Erscheinung. Es reicht mir nicht, den Inhalt der Gesänge über viele Zeilen auf den Punkt gebracht zu lesen. Ich würde beispielsweise gern wissern, wie er mit nun in "Odins Meeresritt" mit der Angst des rüstigen Schmieds von Helgoland umgegangen ist. Darum geht es. Dass "der Gott auf seinem Rappen über Land und Meer, begleitet von 12 Adlern, von Helgoland nach Norwegen zu einer Schlacht reitet", wissen wir oder können es im Netz nachlesen. Und warum sollte dazu ein Orchester spielen? Es gibt solche Aufnahmen, die aber allesamt den Kern und das Wesen der Komposition von Loewe verkennen. Diese Rezension lässt mich - vornehm ausgedrückt - völlig ratlos zurück.

    In Wagners PARSIFAL kommt ein Vogel zu Tode. Das war kein Unfall. Parsifal höchstselbst, der schoss den Schwan - bei 54:39! Und zu Recht bekam er es deshalb mit Gurnemanz zu tun.


    GURNEMANZ:
    Unerhörtes Werk!
    Du konntest morden, hier im heil'gen Walde,
    des' Stiller Friede dich umfing?
    Des Haines Tiere nahten dir nicht zahm,
    Grüssten dich freundlich und fromm?
    Aus den Zweigen, was sangen die Vöglein dir?
    Was tat dir der treue Schwan?
    Sein Weibchen zu suchen, flog er auf,
    mit ihm zu kreisen über dem See,
    den so er herrlich weihte zum Bad.
    Dem stauntest du nicht? Dich lockt' es nur
    zu wild kindischem Bogengeschoss?
    Er war uns hold: was ist er nun dir?
    Hier, schau her! hier trafst du ihn:
    da starrt noch das Blut, matt hängen die Fluegel;
    das Schneegefieder dunkel befleckt,
    gebrochen das Aug', siehst du den Blick?

    Ich möchte die Sprache auf Peter Warlock (1894 - 1930) bringen. Er starb jung, und es ist wohl nicht endgültig geklärt, ob durch Unfall oder Selbstmord. Sein kompositorischen Schaffen besteht weitestgehend aus Liedern. Sein Stil ist teils sehr eingängig, versehen mit einem Schuss Musical und Filmsound. In hiesigen Liederabenden bin ich aber noch nie auf seinen Namen gestoßen. Auf Tonträgern schon ehr. Der junge österreichische Bariton Rafael Fingerlos, der auch in Carusos Neue-Stimmen-Thread vorgestellt wurde, hat jetzt zwei Lieder von Warlock in seine neue CD "Fremde Heimat" aufgenommen: "Rest sweet nymphs" und "Jillian on Berry".



    Eines meiner liebsten Werke von Beethoven ist die Musik zu "Leonore Prohaska". Im Forum gibt es eine ausführliche Darstellung, die bereits vor zwölf Jahren veröffentlicht wurde. Der Autor ist längst über alle Berge. Ich kann mir also nähere Ausführungen zu den Hintergründen sparen. Wenn ich mich nicht total irre, war Claudio Abbado der erste Dirigent, der diese Schauspielmusik komplett eingespielt hat. Ich finde sie unerreicht, weil so empfindsam. Als Melodram ist die Abschiedsszene der Leonore angelegt, begleitet von einer Glasharmonika. Dadurch wirkt diese Szene überirdisch und regelrecht entmaterialisiert. Die neue Einspielung bei Naxos im Beethovenjahr 2020 kommt da nicht ganz heran, auch, weil auf den Einsatz einer Glasharmonika verzichtet wird.

    Lieber Udo, an die von Dir allgemein genannte Gruppe dachte ich nicht. Ich hatte mehr die oberste Liga im Sinn. Deren Einkünfte gehören zu den letzten Tabus in dieser offenen Gesellschaft. :stumm: Versuche, seriöser Zeitungen, etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen, waren alle zum Scheitern verurteilt. Dazu kann man im Netz dies und das nachlesen. Aus eigener beruflichen Erfahrung könnte ich auch einiges beitragen, verzichte aber darauf, weil man schnell in den Verdacht gerät, eine Neiddebatte anzetteln zu wollen. Das liegt mir fern.

    Entweder schweigen viele Opernbesucher, weil ihnen diese alberne Regietheater-Debatte schon seit Jahren auf den Senkel geht.

    Was mich anbetrifft, halte ich mich bei bei solchen Themen weitgehend zurück. Das hat mich die Mitgliedschaft in diesem Forum, das ich grundsätzlich gern habe, gelehrt. Inzwischen empfinde ich es nicht einmal mehr als schade, dass zur Oper und ihrer vielfältigen Darstellung und Interpretation auf dem Theater, keine Diskussion mehr möglich. Es ist nun einmal so. :(

    Lieber Rheingold,

    Christian Thielemann schreibt zu dieser Aufnahme:

    »Erhalten hat sich ein Mitschnitt vom August 1930 (Naxos), allerdings mit Karl Elmendorff am Pult, dem Ring-Dirigenten der Saison, der hier offenbar einsprang. Toscaninis fanatische Genauigkeit im Umgang mit dem Notentext mag im Orchester spürbar sein, trotzdem ist Elmendorff aus anderem Holz geschnitzt.«

    Lieber hart, ich habe mir dieses Buch von Thielemann, das ich bisher nur dem Titel nach kannte, kommen lassen. Heute traf es ein, und ich suchte mir sofort diese Stelle heraus. Schade, dass nicht näher auf die Frage einegangen wird, ob ein Dirigent in der Lage ist, binnen kürzester Zeit aus einem Orchester die Interpretation eines anderen maßgeblich wieder herauzszunehmen und durch ein eigenes Konzept zu ersetzen. Der Hinweis von Thielemann, dass Elmendorff aus anderem Holz geschnitzt sei, bleibt vage und für mich auch unverständlich.


    ... lass uns mal ins Tagebuch von Gertrud Strobel schauen ... Es war die Frau des Musikwissenschaftlers Dr. Otto Strobel, sie war als Altistin im Festspielchor engagiert:

    Eine Frage noch: Wo findet sich denn das Tagebuch von Gertrud Strobel? Ihr Mann Otto Strobel war ja bis zu seinem Tod 1953 Leiter des Archivs in Bayreuth. Seine Witwe übernahme das Amt nahtlos. Ich könnte mir vorstellen, dass sie Toscanini nicht sonderlich gewogen gewesen ist.

    Opernkarten sind mitunter ja bereits jetzt sehr teuer. An der Wiener Staatsoper ist man leicht mit 150 bis 200 EUR dabei.

    Nicht nur in Wien. Auch in Berlin, wo ich wohne, werden einem die Karten nicht hinterher geworfen. Suventioniert mit den erwähnte Zuschüssen pro Karte, werden also auch die so genannten Besserverdienenden, die sich sich höhere Eintrittspreise würden leisten könnten - und müssten. Und die Künster mit den exorbitanten Gagen, von denen ich in der Krise wenig gehört habe, werden auch kräftig suventioniert. Ich habe prinzipiell nichts dagegend, nur sollte es ausgesprochen und debattiert werden. Es muss viel deutlicher werden, woher das Geld kommt. Dann würde auch sparsamer damit umgegangen. Nicht selten wurde in den letzten Jahren das Geld, das ja erarbeitet werden muss, auch von denen erarbeitet werden muss, die nichts davon haben, zum Fenster hinausgeworfern. Aufwändige Inszenierungen verschwanden nach wenigen Vostellungen sang- und klanglos. Und niemand hat sich daran gestört. Verrschwendung in der gehobenen Kunst ist wie ein Tabu. Jede Kassiererin im Supermarkt wird zur Rechenschaft gezogen, wenn sie ein altbacknes Brötschen verzehrt, das ohnehin weggeworden würde. Verbraten aber Theater Steuermittel in großem Stil, dann wird das unter Kunst verbucht. Eine neue Sparsamkeit tut Not nach der Krise und wird auch kommen. Ich bin dafür, bestimmte Inszenierungen zu pflegen und frisch zu halten, ohne dass sie zum Denkmal erstarren. Denkbar wären für mich auch mehr Kooperationen der Häuser und Wanderproduktionen. Warum muss sich jedes Stadttheater aus purer Eitelkeit an Wagner vergreifen?

    Angeblich war das eines von Beethovens Lieblingsbüchern! Ich habe es vor Jahren mal begonnen, aber leider nicht fertig gelesen.

    Mir ist es zunächst auch so ergangen bis ich jetzt, nach vielen Jahren, einen neue Anfang wagte und es nicht bereue. Um bei der Musik zu bleiben. Der Sänger und Komponist Rio Reiser, der mit bürgerlichem Namen Ralph Christian Möbius hieß, soll sein Pseudonym nach der Titelgestalt des Romans von Moritz gewählt haben. Eine gute Wahl!

    Merkwürdig, aber die Aufnahme von Jaap van Zweden wurde bisher noch nicht einmal erwähnt.

    Dabei hat gramophone im letzten Jahr das Orchester gerade für seine Interpretation des RING durchaus verdientermaßen als bestes Orchester aus gezeichnet!

    Was soll man schreiben, lieber Caruso? Ich hatte von dieser Auszeichnung auch gehört. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich dabei einen gewissen Zusammenhang mit den aktuellen Vorgängen in dieser Stadt gemutmaßt. Hongkong war ja wochenlang an der Spitze der Nachrichten. Die Ereignisse wirken dann fast schon wie eine Werbung für die Aufnahme und das Orchester. So ist das nun mal im digitalen Zeitalter. Ob das Orchester nun wirklich so ist, wie es die Ehrung erwarten lässt, kann ich nicht genau beurteilen. So aufregend fand ich es nicht. Ich habe alle "Ring"-Teile gehört. Es wird mir nicht gut genug gesungen. Nicht einer der Solisten hat mich überzeugt. Wenn ich also "Walküre" hören will, greife ich dann doch lieber zu anderen Aufnahmen.

    Lieber chrissy, lieber La Roche, ein kurzer Nachtrag meinerseits scheint nötig. Zwei Drittel meines Beitrages bezogen sich auf eine Dissertation über Händel in der DDR. In diesem Buch wurde vor allem Bezug genommen auf die Händel-Festspiele in Halle, der Geburtsstadt des Komponisten. Ich habe dieses Buch durchaus kritrisch bewertet. Aber ich habe mich immerhin tapfer durchgearbeitet. Was nun die Berliner Staatsoper angeht, sprach ich in einem Satz ganz allgemein von "Vorgängen" an diesem Haus, zu denen ich mich vor langer Zeit im Forum mal geäßert hatte, nicht aber von Inszenierungen. Ich erwähnte auch keine Regisseure. Und keine Sänger. Diese Vorgänge, die administrative Entscheidungen betrafen, habe ich aus gutem Grund nicht noch einmal konkretisiert, weil ihre Erwähnung mir schon damals verübelt wurde. Für mich hat sich damit dieses Thema erledigt.

    Lieber Caruso, danke für die Buchempfehlung. Ich halte viel davon, wenn Thema von außen wissenschaftlich betrachtet werden. Da ist der Blick gewöhnlich freier und auf Wesentliches gerichtet. Diese Erfahrung habe ich erst kürzlich mit den Biographien von Friedrich II. des britischen Historikers Tim Blanning und von Leonardo da Vinci des Amerikaners Walter Isaacson gemacht. Um bei der Musik zu bleiben. Das von Orfeo erwähnte Buch über "Händel im Fadenkreuz der SED", bei dem es sich um eine Dissertation handelt, hatte ich mir aus Bibliotheksbestand vorgenommen. Coronabedingt konnte ich es für ein paar Wochen behalten. Für die Beschäftigung mit dieser Arbeit braucht man gute Nerven, zumal dann, wenn man den behandelten historischen Zeitraum miterlebt hat. Man muss nämlich bereit sein, positive Erfahrungen, die Opernaufführungen auch in der DDR nun mal so mit sich brachten, aufzugeben, das, was man in guter Erinnerung hat, was einen musikalisch prägte, im Nachhinein als politisches Kalkül einer Diktatur zu erkennen. Das ist sehr viel verlangt und braucht viel Selbstbewusstsein. Ich bin dafür, dass solche Fragen aufgeworfen werden. Dieses Buch konnte mir aber nicht vermitteln, wie denn nun sozialistischer Händel geklungen hat. Die politische Einflussnahme auf einen bestimmten Inszenierungsstil ist für mich auch nach fünfzig oder sechszig Jahren nicht mehr hörbar. Auch in den Plattenaufnahmen aus Halle nicht, die stilistisch auf derselben Linie liegen wie jene im Westen zu dieser Zeit.


    Du siehst mich etwas vorbelastet. Deshalb ziele ich vorerst darauf, dass Du uns von Deiner Lektüre berichtest, wohl wissen, dass dieses Buch von Elaine Kelly einen ganz anderer Ansatz hat als jenes über Händel. Gleich ist nur der historische Hintergrund. Im Thema kenne ich mich etwas aus. Deshalb hatte ich mich auch im Forum gelegentlich zu Vorgängen an der Berliner Staatsoper - um nur dieses Beispiel zu nennen - geäußert, was mir keinen Zuspruch einbrachte. Im Moment sehe ich vielmehr Tendenzen zur Verklärung.


    Im Moment lese ich aber etwas ganz anderes - nämlich "Anton Reiser" von Moritz und bin überwältigt, wie genial und modern dieses Buch ist. Kein Wunder, dass es mal - wenn meine Erinnerung mich nicht trügt - in einen FAZ-Kanon der 100 besten Roman aufgenommen wurde. Zumal git es mit dem Kanon eine Verbiegung zu Deinem Buch. :)


    Lieber hart, sei ganz herzlich bedankt für diese gerechte Würdigung von Siegfried Wagner, der als Komponist noch immer ziemlich unbekannt ist. Solche Texte lese ich immer wieder sehr gern. Bin in ich in Bayreuth gewesen, versäumte ich nie, das Gab zu besuchen. Ich bin gespannt, wie er in der neu konzipierten Wahnfried-Gedenkstätte, die ich noch nicht aus eigener Anschauung kenne, bedacht ist. Für mich stellt das oben abgebildete CD-Album die beste Würdigung des Festspielleiters Siegfried Wagner dar. Es ist auch sein Vermächtnis. Immerhin wurde ja 1930 in Bayreuth die so genannte Pariser Fassung, die eigentlich eine Wiener Fassung ist, geboten. Das ist für sich genommen schon einmal eine kühne Tat. Die Aufnahme großer Szenen in für damalige Verhältnisse sehr gutem Klang, gibt uns davon eine rasante akustische Vorstellung. An neuartigen szenischen Lösungen soll es ja auch nicht gemangelt haben. Für Toscanini, der rechtlich anderweitig gebunden war, steht Karl Elmendorff bei der Plattenproduktion am Pult. Was wir hören, ist aber nach meiner tiefsten Überzeugung Toscanini. Wenn der nicht gar doch selbst dirigiert hat. Zumindest dürfte er aber hinter Elmendorff oder neben Elmendorff gestanden haben. Es ist für mich schier unvorstellbar, dass das Orchester, mit dem Toscanini die nicht sehr verbreitete Fassung intensiv geprobt hatte, für die Aufnahmesitzungen plötzlich auf Elmendorff hätte umschalten können.

    Lieber Bertarido, seit ich Schlingensiefs "Parsifal" in Bayreuth gesehen habe, schreckt mich nichts mehr. ;) Dagegen finde ich die Stuttgarter Produktion etwas läppisch. Schlingensief vermochte auf seine Weise noch Magie, Tiefe und Spannung herzustellen. All das vermisse ich in der von Dir verlinkten Darbietung. Wenn nur wenigstens etwas besser gesungen würde. Selten habe ich Wagner so oberflächlich und uninspiriert vernommen. :(


    Der Leipziger Universitätsverlag kündigt dieses Buch über Angelo Neumann mit der folgenden Beschreibung an: "Als Angelo Neumann im Jahr 1910 in Prag zu Grabe getragen wurde, beklagte die große Gemeinde der Trauernden den Tod eines Giganten des Musiktheaters des 19. Jahrhunderts. In einem Umfang wie nur wenige Akteure hatte der ebenso umtriebige wie einfallsreiche Allrounder in der Theaterzunft innovativ gewirkt und dabei unter anderem, dies als zweifellos herausragendste Leistung, das Fundament für den letztendlich überwältigenden Durchbruch Richard Wagners in der Welt der Musik geschaffen. Die Zeitläufe des 20. Jahrhunderts brachten mit sich, dass das Bewusstsein für seine kaum zu überschätzende Lebensleistung allzu rasch verschüttet wurde und selbst sein Name für Jahrzehnte in Vergessenheit geriet. Erst eine ebenso initiativreich wie umsichtig betriebene Spurensuche Heinz Irrgehers vermag, in der Vereinigung der ganz wenigen verbliebenen Erinnerungen mit den Ergebnissen seiner Spurensuche nun wieder ein lebensnahes Bild jenes Mannes zu zeichnen, dem auch Leipzig eine Glanzzeit seines Theaters, in Sonderheit seiner Oper und nicht zuletzt des Gewandhauses, verdankt.


    Vor dem Auge des Lesers entrollt der vorgelegte Band das Porträt eines Impresarios, der einen ganzen Kontinent in eine neue Epoche der Musikgeschichte geführt hat und dessen Mut, dessen Ideen und dessen Tatkraft zum Teil bis heute inspirieren. Eingebettet in den prächtigen Hintergrund einer lebendigen Kunstszene, die sich anschickte, in die Moderne aufzubrechen, nimmt uns der Autor mit auf eine Entdeckungsreise zu einer Legende."


    Man darf also sehr gespannt sein.

    Guten Morgen, lieber moderato und liebe Rätselfreunde, wenn ich nicht total daneben liege, dann soll es sich bei diesem Herren um Dieterich Buxtehude höchstselbst handeln, was wohl nicht ganz geklärt ist. Wir sehen auf dem Cover einen Ausschnitt aus dem Gemälde "Häusliche Musikszene" von 1676 des Niederländers Johannes Voorhout. Mir war das Bild voin einer alten LP ganz dunkel in Erinnerung. Von daher leitete sich die Spur ab, die mich schließlich auf diesen Maler brachte.


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    Johannespassion für Tenor allein, Cembalo, Orgel und Schlagwerk: Ostern 2020 konnten wir uns im TV bei einer Produktion in der Leipziger Thomaskirche davon hörend und sehen ein Bild machen. Die besondere Fassung vor vom Podium Esslingen erarbeitet und erlebte vor Leipzig bereits etliche erfolgreiche Aufführungen. Auf der Seite des Podiums heißt er dazu: "Der isländische Tenor Benedikt Kristjánsson erzählt ausgehend vom Evangelisten die komplette Passion und nimmt verschiedene Rolle ein, singt dabei auch die Alt- und Sopranarien. Die Cembalistin und Organistin Elina Albach und der Schlagzeuger Philipp Lamprecht zeichnen mit ihrer farbenreichen Bearbeitung das Orchester nach." Es entstehe eine neue, zeitgenössische, und doch dem Original gegenüber sehr respektvolle Version, die die ganze Dramatik der Passion auf einen kammermusikalischen Punkt bringe. Das Publikum singe dabei, wie es in der originalen Aufführungspraxis zu Bachs Zeiten üblich war, die Choräle. Wie ich selbst bei einer Auffohrung in Berlin erlebnt habe, übernahme dabei der Tenor auch noch die Aufgabne des Vorsängers. Unglaiblich, wie er die gigantische Herausforderung durchgestanden hat. Hier nun der Leipziger Mitschnitt. Ausdrücklich möchte ich noch herausstellen, dass wir im Forum die Bekanntschaft mit Benedikt Kristjánsson Caruso und seinem Neue-Stimmen-Thread zu verdanken haben. :)



    Ein wichtiges Kapitel in der künstlerischen Biographie von Elisabeth Schwarzkopf war ihre enge Partnerschaft mit dem zehn Jahre jüngeren Dietrich Fischer Dieskau. Sie war von gegenseitiger Achtung und gegenseitigem Respekt getragen. Sie einte dias Streben und die Überzeugung, vor allem bei der Interpretation von Liedern durch harte Arbeit einem Ideal nahe zu kommen. Einem Idel, wie es ihnen vorschwebte und wofür beide durch ihre Begabung Voraussetzungen mitbrachten. Sie sind sich mehrfach im Aufnahmestudio begegnet. Die Ausbeute soll hier gebündelt sichtbar werden. Besonders die Liederbücher von Hugo Wolf und die Volkslieder von Johannes Brahms, bei denen Gerald Moore am Flügel waltete, sind von beispielloser Delikatesse. Sie sind ein ganz wichtiger Beitrag zur Wolf-Pflege gewesen und als solcher bis heute allgemein anerkannt. Seit ihrem Entstehen in den 1960er Jahren sind sie nie vom Markt verschwunden gewesen. Am 20. Februar 1967 haben sich die Schwarzkopf und Fischer-Dieskau mit Victoria de los Angeles in London zusammengetan, um ihren Pianisten Gerald Moore zu feiern. Mit Mozart sind sie alle drei gemeinsam zu hören. Wie nicht anders zu erwarten, singt die Schwarzkopf Lieder von Wolf wie bei fast allen ihren Liederabenden. Das denkwürdige Konzert wurde mitgeschnitte und später in einem prächtigen Album, welches das originale Programmheft enthielt, veröffentlicht. Zwischenzeitlich gab es einen CD-Umschnitt, bei dem lediglich die Liedgruppen berücksichtigt wurden - und die auch nicht komplett. Erst in der großen Schwarzkopf-Edition von Warner findet sich endlich wieder das komplette Anebot mit der Ansprache von Moore.



    Von gegenseitiger Achtung und gegenseitigem Respekt getragen war das bereits erwähnte enge künstlerische Zusammenwirken von Dietrich Fischer-Dieskau mit seiner Kollegin Elisabeth Schwarzkopf - und umgekehrt. Beide sind sich mehrfach im Aufnahmestudio begegnet. Die Ausbeute ist von außerordentlich hohem Niveau. Sie soll hier sichtbar werden. Besonders die Liederbücher von Hugo Wolf und die Volkslieder von Johannes Brahms, bei denen Gerald Moore am Flügel waltete, sind von beispielloser Delikatesse. Sie sind ein ganz wichtiger Beitrag zur Wolf-Pflege gewesen und als solcher bis heute allgemein anerkannt. Seit ihrem Entstehen in den 1960er Jahren sind sie nie vom Markt verschwunden gewesen. Am 20. Februar 1967 haben sich die Schwarzkopf und Fischer-Dieskau mit Victoria de los Angeles in London zusammengetan, um ihren Pianisten Gerald Moore zu feiern. Fischer-Dieskau trug u.a. Lieder von Schubert vor. Sie sind auch mit Mozart gemeinsam zu hören. Das denkwürdige Konzert wurde mitgeschnitte und später in einem prächtigen Album, welches das originale Programmheft enthielt, veröffentlicht. Zwischenzeitlich gab es einen CD-Umschnitt, bei dem lediglich die Liedgruppen berücksichtigt wurden - und die auch nicht komplett. Erst in der großen Schwarzkopf-Edition von Warner findet sich endlich wieder das komplette Anebot mit der Ansprache von Moore.


    Was macht denn Elisabeth Schwarzkopf hier im Revier des Dietrich Fischer-Dieskau, und warum löst die Dame derartigen Wirbel aus?

    Guten Morgen an diesem Pfingstsonntag, das ist leicht zu beantworten. Fischer-Dieskau und die Schwarzkopf pflegten über einen längeren Zeitraum eine intensive künstlerische Partnerschaft, die viele Spuren hinterlassen hat in Form von wichtigen Platteneinspielungen. Beide waren vom Glauben ergriffen, dass man im Studio - im Gegensatz zu nicht so unberechenbaren Konzert- oder Bühnenaufführungen - Vollkommenheit erzielen kann. Eine Vollkommenheit, wie sie beiden Künstlern, die das 20. Jahrhundert in seiner zweiten Hälfte musikalisch entscheiden geprägt haben, vorschwebte. Dieses Konzept wirkt heutzutage altmodisch und offenbar nur schwer nachvollziehbar. Es ist auch - das räume ich gern ein - durch und durch bürgerlich, luxuriös und elitär. Wer also über Fischer-Dieskau nachdenkt, der kommt früher oder später auch zwangsläufig auf die Schwarzkopf. Sie lässt sich nicht ausklammern. Dafür gibt es viele andere Beispiele in der Musik. Also muss sie auch in diesem Thread ihre Rolle spielen.


    Und warum löst die Dame - wie Du sie nennst, und die sie in der Tat gewesen ist - derartigen Wirbel aus? Das ist eine lange Geschichte - auch hier im Forum. Du wirst immer mal wieder darauf stoßen. Ihr wird schwer verübelt, dass sie sich als junges Ding, das nur eines wollte - singen - auf die Nazis einließ. Wenn ich manche Stellungnahmen lese, hätte sie in die Emigration gehen müssen, wenigsten aber in den Widerstand. Darüber kann ich nicht richten. Ich bin unter geborgenen, behüteten und klaren Verhältnissen aufgewachsen, die eine solche schwere Entscheidung nicht abverlangten. Die andere kritische Flanke ist die Art ihres Singens. Im schlimmsten Fall wird beides - zumindest unausgesprochen - miteinander vermischt. Für einige Musikenthusiasten gehört es offensichtlich zum guten Ton, gegen die Schwarzkopf zu sein. Sie ist da kein Einzelfall.

    Sehr hübsch und zutreffend schreibt das allseits bekannte online-Lexikon zum Begriff "maniriert": "Haltung oder Sprechweise, die als gekünstelt, geziert, pathetisch oder schwüstig empfunden wird" - Unterstreichung von mir. Es liegt im Auge des Betrachters, hier wohl richtiger "im Ohr des Hörers"...

    Manierismus und das sich daraus ableitende "mariniert" hat durch die Jahrhunderte eine starke Veränderung der Begrifflichkeit erfahren. Heute würde ich - bezogen auf den Gesang - von einer Art Kampfbegriff sprechen, der gern zugespitzt angewendet wird, um missliebige Sänger zu diskreditieren. Dabei ist doch schon der Gesang an sich die künstlichste, gezierteste und pathetischste Sache, die man sich vorstellen kann. Kein Mensch singt von Natur aus, um sich mitzuteilen. ;)


    Es gibt vieles, was sich im Detail an Fischer-Dieskau und Schwarzkopf kritisieren lässt. Manches klingt wirklich schräg und ist nur schwer verdaulich. Beide sind für mich keine Götter, neben denen man keine anderen Götter haben darf. Ihre unnachahmliche Entschlossenheit aber, Kunst in Vollendung machen zu wollen und der Kunst bis hin zur Erbarmungslosigkeit zu dienen, die steht für mich außerhalb jeder Kritik. Ich bin ihnen sehr, sehr dankbar. Sie haben meine Maßstäbe gesetzt. Fischer-Dieskau in jüngster Zeit wieder mehr (das geht auch auf Helmut Hofmann und seine Liedanalysen zurück) als es die Schwarzkopf seit jeher tat.

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    Mein liebstes Werk von Anton(in) ist die dramatische Kantate "Lenore" nach der gleichnamigen Ballade von August Bürger, die in ihrer Zeit großes Aufsehen erregt hatte wegen ihres blasphemischen Inhalts. Interessant und bewegend zugleich ist, wie Reicha damit umgeht. Er entwickelt musikalisch großes Verständnis und tiefe Anteilnahme für die arme Lenore, die mit Gott hadert, weil der zugelassen hat, dass ihr Verlobter Wilhelm nach dem Ende des siebenjährigen Krieges fern blieb. Als Toter kehrt er schließlich zurück, um mit Lenore durch eine gespenstische Nacht zum gemeinsamen Brautbett auf dem Friedhof reiten. Reicha bettet sie mit einer Musik, die einem Requiem gleicht. Das ist so kühn wie wunderbar. Schließlich wird eine Sünderin beweint. Ich kann das Werk nur wärmstes empfehlen. Es hat große dramntische Momente. Vielleicht entdecket jemand dadurch ja seine Liebe zu Reicha. Ich habe nur von einer aktuellen Aufführung des Werkes Kenntnis - nämlich am 7. Februar 2020 in Brno mit Philhamonischem Chor und Orchester er Stadt unter der Leitung von Dennis Russell Davies. Die Lenore sang Martina Janková. Das Konzert wurde im Rundfunk übertragen. Leider hapert es an der deutschen Sprache. Man kann fast nichts verstehen.


    Greifbar im Handel sind zwei Einspielungen, die allerdings nicht neu sind:



    Ich habe den Betrag gekürzt aus einem anderen Thread hierher kopiert.

    Es wird dich nicht überraschen, dass ich deine Meinung nicht teile, dass man Fischer-Dieskau und Schwarzkopf so sehr in einen Topf schmeißen kann, wie du es hier tust. Fischer-Dieskau singt zum beispiel in der Regel immer die vorgeschriebenen Vokale, was - jenseits von allen fragen der Konsonantenbehandlung - sehr zu seiner allgemein anerkannten Textverständlichkeit beitrrägt. Es gibt also schon Unterschiede zwischen beiden.

    Es genügt natürlich nicht, sich drei Schnipsel bei YouTube anzuhören, um daraus endgültige Schlüsse ziehen zu wollen. Die Beschäftigung mit der Schwarzkopf und ihrer Kunst braucht schon etwas mehr Zeit und vor allem bessere Quellen. Und gewiss gibt es deutliche Unterschiede zwischen der Sängerin und Fischer-Dieskau. Sie war eine Frau, er ein Mann. ;)

    "Manierismus"? "Verkünstelte Interpretation"?

    Ein Vorwurf, der dem Liedinterpreten Fischer-Dieskau anhaftet wie eine Klette. Er ist problematisch, weil dabei, wird er in allgemein-plakativer Weise erhoben, zu wenig bedacht wird, dass es sich bei der Melodik des Kunstliedes nicht um ein volksliedhaftes kompositorisches Produkt handelt, sondern um ein artifzielles, eines, das die prosodischen Gegebenheiten des lyrischen Textes, seine spezifische Semantik und den Gehalt seiner Metaphorik reflektiert.

    So ein Vorwurf, lieber Helmut, wird ja bekanntlich nicht nur gegen Fischer-Dieskau gebetmühlenartig erhoben. Er zeugt von der Unfälhigkeit, das Wesen dieses Sängers, ja das Wesen interpretierender Kunst überhaupt zu erfassen. Auch Elisabeth Schwarzkopf, mit der Fischer-Dieskau oft und ideal zusammenarbeitete, sah sich ein Leben lang davon verfolgt. Diese Zusammenarbeit war auch deshalb künstlerisch so ertragreich, weil sich beide Künstler in der Art und Weise, Lieder zu gestalten, so ähnlich waren. Was beide unter die Finger bekamen, erhoben sie zur Kunst. Da spricht ja nicht gegen andere Sänger, die auch andere Wege gingen und dabei sehr erfolgreich waren und sind. Indem man die Schwarzkopf - ich bleibe mal bei ihr - ständig des Manierismus bezichtigte, erwartete man von ihr nichts anderes als die Preisgabe der Unverwechselbarkeit ihres Stils. Das st so etwa das Schlimmste, was man einem Künstler antun kann. Darauf angesprochen, entgegnete sie mit der ihr eigenen Schlagfertigkeit: "Ach wissen sie, das schreibt einer vom anderen ab." Wie Recht sie doch hatte.

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    Ohne ihn in einer bestimmten Reihe zu verorten, möchte ich Anton(in) Reicha erwähnen. Er stammte aus Prag, wo er am 26. Februar 1770 geboren wurde. Gestorben ist er am 28. Mai 1836 in Paris, wo er auf dem Friedhof Père Lachaise unter einem prächtigen Stein ruht. Er war nicht nur der selbe Jahrgang wie Beethoven, beide spielten gemeinsam im Bonner Hoforchester und waren befreundet. Während Beethoven gelegentlich seines 250. Geburtstages rauf und runter gefeiert wird, wird für seinen Freund nicht einmal eine Messe gelesen. In Paris genoss Reicha einst hohes Ansehen, auch als Lehrer. Zu seinen Schülern gehörten Berlioz, Liszt, Gounod, Flotow und Franck.


    Mein liebstes Werk von ihm ist die dramatische Kantate "Lenore" nach der gleichnamigen Ballade von August Bürger, die in ihrer Zeit großes Aufsehen erregt hatte wegen ihres blasphemischen Inhalts. Interessant und bewegend zugleich ist, wie Reiha damit umgeht. Er entwickelt musikalisch großes Verständnis und tiefe Anteilnahme für die arme Lenore, die mit Gott hadert, weil der zugelassen hat, dass ihr Verlobter Wilhelm im Kriege blieb. Als Toter kehrt er schließlich zurück, um mit Lenore durch die Nacht zum gemeinsamen Brautbett auf dem Friedhof reiten. Reiche bettet sie mit einer Musik, die einem Requiem gleicht. Das ist so kühn wie wunderbar. Ich kann das Werk nur wärmstes empfehlen. Vielleicht entdecket jemand ja seine Liebe zu Reicha. Ich habe nur von einer aktuellen Aufführung des Werkes Kenntnis - nämlich am 7. Februar 2020 in Brno mit Philhamonischem Chor und Orchester er Stadt unter der Leitung von Dennis Russell Davies. Die Lenore sang Martina Janková. Das Konzert wurde im Rundfunk übertragen. Greifbar im Handel sind zwei Einspielungen:



    Es ist doch wohl Alfreds Entscheidung, seinen Landsmann Eisler nicht mögen zu wollen. Das kommt immer wieder vor. Und ich kann nachvollziehen, wenn beispielsweise dieses Lied, das von der österreischischen Schauspielerin Helene Weigel - wie ich finde - sehr gut dargeboten wird, in unserem Nachbarland nicht so gut ankommt wie seinerzeit bei den Oberen in der DDR. Mich als Deutschen kann man auch mit meinen Landsleuten Matthus, Meyer oder Kochan jagen.


    Und diese Komposition Eislers drfte nicht einmal in der späteren DDR gesungen werden: