Beiträge von Rheingold1876

    Lieber Helmut, Frau Weissweiler hielt ich bislang für eine sriöse Autrorin und Wissenschaftlerin. Deine Einwände nehme ich gern entgegen. Ob ich allerdings dazu komme, nochmal in die Lebensgeschichten von Clara und Robert Schumann einzusteigen, lässt sich nicht absehen.

    Im Juni hatten wir das Thema schon mal ganz kurz im Neue-Stimmen-Thread. Anlass war eine TV-Sendung auf 3Sat. Sie ist noch immer in der Mediathek anzuschauen:


    Oper - das knallharte Geschäft


    Darum kam sinngemäß zum Ausdruck, dass sich die Ausbildungsergebnisse an deutschen Hochschulen auch deshalb in Grenzen halten, weil zu viele Sänger in der Lehre tätig sind, die ihr eigenen Defizite an den Nachwuchs weitergeben würden.

    In seinem Garmischer Haus hat Richard Strauss die meisten seiner Werke komponiert; quasi nach Stundenplan; drei Stunden vormittags und drei Stunden am Nachmittag. die Villa ist jedoch für die interessierte Öffentlichkeit nicht zugänglich, das bleibt ausgesuchten Journalisten und Prominenten vorbehalten.


    In den neunziger Jahren wollte es ein glücklicher Zufall, dass ich an einem schönen Vormittag mit meiner Familie zu einer Besichtigung eingelassen wurde. Wir hatten wohl einen vertrauenswürdigen Eindruck gemacht, denn die Villa wird nach wie vor von der Familie genutzt. Obwohl mein vordergründiges Interesse dem einstigen Hausherrn galt, der in diesem Haus seine bedeutendsten Werke erdacht und in Noten gesetzt hatte und am 8. September 1949 hier auch sein Leben beschloss, führte kein Schritt an Frau Pauline vorbei, die das Schaffen des Komponisten durch ihre ordnenden und fürsorglichen Hände erst ermöglicht haben dürfte. Alles oder fast alles stand noch an seinem Platz. Nicht, dass es wie in einem Museum nicht verrückt werden durfte, um so auch äußerlich dem Meister zu huldigen. Möbel, Bilder und zeitlose Accessoires hatten deshalb ihre unverrückbare, ja ewige Position, weil sie wo anders gar nicht hingepasst hätten oder zur Geltung gekommen wären. So sicher und zugleich selbstverständlich waren sie platziert. Es hätte keines Porträts von Pauline an einer Wand bedurft. Die auffällig behagliche Behausung war ihr Abbild.


    Wir wurden in Absprache mit der Familie von der Hausdame herumgeführt, die als junges Mädchen Strauss noch selbst gekannt hatte, und konnten auch einen Blick in das im oberen Bereich gelegene Sterbezimmer werfen, das im Gegensatz zu den anderen Räumen sehr einfach und übersichtlich möbliert ist.

    Karlrobert Kreiten, deutsch-holländischer Pianist. Er wurde wegen kritischer Äußerungen zum nationalsozialistischen Regime denunziert und hingerichtet, * 26. 6. 1916 - + 7. 9. 1943 --- 76. Todestag

    Willi hat in Erinnerung an diesen Pianisten das passende Buch gezeigt: Darin wird der Fall Werner Höfer aufgerollt. Der in der alten Bundesrepublik sehr angesehenen und hochdekorierte TV-Moderator und Fernsehdirektor des WDR hatte als Journalist im Nationalsozialismus die Hinrichtung Kreitens gutgeheißen:


    "Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen. Das Volk fordert vielmehr, daß gerade der Künstler mit seiner verfeinerten Sensibilität und seiner weithin wirkenden Autorität so ehrlich und tapfer seine Pflicht tut, wie jeder seiner unbekannten Kameraden aus anderen Gebieten der Arbeit. Denn gerade Prominenz verpflichtet!" (Zitat nach Wikipedia).


    Nach der Aufdeckung dieses Vorgangs 1987 durch den "Spiegel" - eine bereits 1962 erfolgte Berichterstattung in der DDR wurde im Westen als Propaganda eingestuft - musste Höfer zwar seine TV-Karriere beenden, lieb aber weiterhin journalistisch aktiv.


    Es gibt auch Aufnahmen mit Kreiten, dem auch eine Website gewidmet ist. In Hilden, Bonn und Köln sind Straßen nach ihm benannt worden.


    Ihr scheint alle zu wissen, was richtig ist. Ich weiß es nicht.

    Auch ich weiß es nicht. :no: Hobbyjuristen neigen dazu, ihrer eigenen Sicht auf die Dinge als einzig mögliche Wahrheit darzustellen. Sie sind nicht neutral und ergreifen ganz offen Partei. Wenn sie an ihre Grenzen kommen, dann sehen sie - einer Drohung gleich - den Rechtsstaat in Gefahr und denunzieren jene, die ihnen nicht zu folgen bereit sind als Populisten. Das hat sich in der Gegenwart leider als Methode eingebürgert, die gegenerische Seite mundtot machen zu wollen.

    Ort: Rom, Zeit 1532 unter Papst Clemens VI, am Fastnachtsmontag, Dienstag und Aschermittwoch

    Die Oper spielt in Rom unter Papst Clemens VII. Der tritt sogar höchst persönlich auf.

    Kardinal Salviati

    In der mit Zensur belegten Urfassung, die dem Tamino-Opernführer zugrunde liegt, wird der Auftritt des Papstes durch Salviati, der auch eine historisch verbürgte wichtige zeitgenössische Erscheinung ist, ersetzt. In neuer Zeit ist das längst nicht mehr üblich. Die Autorin dürfte sich an einer ziemlich alten Quelle bedient haben.


    Die CD-Empfehlungen bedürften auch dringend einer Ergänzung. Als die entscheidende Produktion, die auch ein Berlioz-Renaissance einleitete, gilt nach wie vor die erste Einspielung von Colin Davis bei Philips:



    Fast alle Musik, die Berlioz für seine Oper komponierte, sind in dieser Ausgabe, die vom derzeit berufendsten Berlioz-Dirigenten John Nelson, betreut wurde, enthalten.



    Im Booklet gibt es ein sehr gute Erklärung über die unterschiedlichen Fassungen durch den Berlioz-Forscher Hugh MacDonald. Die einzige mir bekannte Aufnahme in deutscher Sprache, die der Bearbeitung von Liszt für Weimar folgt, ist das oben vorgestellte Album von Walhall. Er verdient unbedingt Erwähnung.

    Wo der Liedgesang hingeht? Von Seiten der Interpreten mache ich mir da überhaupt keine Sorgen, weil es weltweit eine ganz hohe Qualität gibt, wunderbare Stimmen und Liedbegleiter - Sorgen mache ich mir da weit mehr um das Publikum; für Bayreuth gilt das natürlich nicht, die Leute werden die Darbietung ohne Regie genossen haben ...

    Auch ich bin auch kein Prophet, und weiss nicht, in welche Richtung sich der Liedgesang entwickelt. Gemessen an der Zahl der CD-Veröffentlichungen muss man sich wohl keine Sorgen machen. Es drängen immer mehr Neuerscheinungen auf den Markt. Nicht alle sind gelungen. Aber immerhin. Nie sind so viele Titel auf den Markt geworfen worden. Dieser Tage sind mindesten drei "Winterreisen" mit zeitgenössischen Sängern herausgekommen. Junge Interpreten entwickeln eine bemerkenswertes Interesse an Liedern. Sie versuchen sich auch an interessanten Projekten wie Samuel Hasselhorn (29), der die "Dichterliebe" zweifach eingespielte. Einmal in der berühmtesten Komposition durch Schumann, dann in Vertonung der Gedichte durch andere Komponisten. Benedikt Kristjánsson (32), ein Tenor aus Island, kam mit einer CD auf den Markt, in der sich klassische deutsche Lieder mit Gesängen aus seiner Heimat verbinden. Man könnte noch viele andere Beispiele nennen. Ob sich nun diese Tendenz ausschließlich mit der Wertschätzung von Liedern begründen lässt oder ob nicht auch kommerzielle Erwägungen im Spiele sind, kann ich nicht genau beurteilen. Es ist aber nun mal so, dass die Produktion von Lied-CDs vergleichsweise preiswert ist.

    Gesangvereine lösen sich auf, da waren vor fünfzig Jahren wirklich noch breite Bevölkerungsschichten am Singen, wussten, dass »Die Loreley« ein Gedicht von Heinrich Heine ist.

    Ist es nicht so, dass Menschen, junge Menschen heute andere Dinge wissen, die wir nicht wissen? Muss man unbedingt hersagen können, wer die "Loreley" gedichtet hat? Und wer sie vertont hat? Da kommt einiges zusammen neben Silcher.

    Mit seinem tiefen Baß leistete er sich aber viele musikalische Ungenauigkeiten, und er war leider auch bekannt für seine schlechte Artikulation. Dennoch wählte ihn SIR THOMAS BEECHAM damals für seine Aufnahme der "Zauberflöte" als Sarastro aus, obwohl KIPNIS und TAUBER auch zur Verfügung gestanden hätten.

    Lieber wok, interessant, was Du uns mitteilst. Danke. Ich ging immer davon aus, dass Kipnis und Tauber geplant waren. Sie hielten sich aber im November 1937 und im Februar 1938 als diese "Zauberflöte" in Berlin eingespielt wurde, bereits in Österreich auf. Als Juden fühlten sich beide dort sicherer vor dem Zugriff der Nationalsozialisten. Zudem stand der so genannte Anschluss Österreichs kurz bevor, der beide Sänger schließlich in die Emigration zwang. Eine Mitwirkung an der "Zauberflöte" war ihnen nun wirklich nicht zuzumuten, was auch Walter Legge, der Produzent, einräumte. Strienz, der übrigens ein strammer Nazi gewesen ist, war höchstens zweite Wahl. Es fand sich kein anderer, der gepasst hätte. Dies alles und noch viel mehr ist nachzulesen in der umgänglichen Dokumentation der Ausgabe bei Nimbus:



    Aber wie es heutzutage so ist. Es wird immer auch anderslautende Schilderungen und Darlegungen geben. Die Informationslage mag inzwischen viel umfangreicher sein als bei Erscheinen der oben gezeigten Box. Ich beharre also nicht auf der Richtigkeit meiner Angaben und ziehe Deine Angaben nicht in Zweifel. Das wäre auch unfair, da Du Dir so viel Mühe machst mit Deinen ergänzenden Erinnerungen. Ich wollte ehr eine Randnotiz anbringen. :hello:

    PS.: ich gehe jetzt erst mal für eine paar Tage auf Tour, um einige Opernaufführungen zu genießen. Deshalb werde ich im Forum erst mal niemanden mehr mit meinem Rotz belästigen!

    Lieber Caruso, ich wünsche Dir sehr erbauliche Eindrücke. Gestern war ich in einer halbszenischen Aufführung des "Benvenuto Cellini" unter Gardiner. Sie war vor allem dadurch spannend, weil er mit altem originalen Blech spielen ließ. Spyres war ein idealer Cellini. Eigentlich wollte ich dazu etwas mehr schreiben. Nachdem ich mich aber in diesen unseligen Thread verirrt hatte, ist mir das total verleitet worden. Allein dieser sprachliche Tiefstand und diese rüden Umgangsformen sind mir zuwider. :no:

    Schade, dass ich weiter oben bekundete hatte, mich inhaltlich nicht mehr zu äußern, aber das Frauen- bzw. Geschlechterbild, das in Beitrag 403 geschoben wird, lässt mich kopfschüttelnd zurück. :no::no::no: Ja, die Frauen sind es, die girrenden Frauen. Die Männer sind das Oper, nicht sie. Nichts anderes soll uns hier weisgemacht werden. :!:

    Ansonsten habe ich eine tolle Aufführung erlebt, wenngleich ich mit Alban Bergs Lulu-Suite nicht viel anfangen kann.

    Die Kopplung der Neunten mit Bergs Lulu-Suite (gab es eigentlich auch den Todesschrei bei der Aufführung?) schien mir gedanklich die eigentliche Botschaft dieses Antrittskonzertes, das ich aber dann nur in der gekürzten Reprise im TV am Brandenburger Tor anhörte, gewesen zu sein. Dem Freilicht-Eventpublikum dürfte diese radikale Zusammenstellung aber nur schwer zu vermitteln gewesen sein. :( Schade, dass sich Petrenko da offenbar nicht durchgesetzt hat. Das hätte ich von ihm erwartet. So war es ein ganz normales Konzert. Durch die Kritiken vom Vorabend war ich darauf gefasst, dass sich mein Leben würde verändern, zumindest aber durcheinander geschüttelt werden. Das ist - Gott sei dank - nicht geschehen. Stattdessen hörte ich einen unerwartet unspektakulären Beethoven. Sehr versöhnlich und milde, ohne auffahrende Wildheit und Brüche. Ich hatte es mir anders vorgestellt. Wie, das kann ich gar nicht sagen. Anders halt. Und da in dem Werk auch gesungen wird, war ich auf diesen Teil besonders gespannt - und schließlich arg enttäuscht. So uninspiriert habe ich das selten gehört. Was ich so mitbekomme, flippen etliche Kritiker und AnsagerInnen (;)) völlig aus. Sie benehmen sich fast schon so wie das Publikum auf der Straße des 17. Juni. Die "Welt" vermutet gar, mit Pentrenko würde alles anders. Gehts auch eine Nummer kleiner? Diese Gottesverehrung lässt mich erschauern, macht mir Angst. Sie dient nicht dem Dirigenten und nicht der Musik. Sie ist nur noch peinlich und Ausdruck der Eitelkeit der Kritiker. Wenn früher auch nichts besser war, die Musikkritik war es.

    Bereits 1945 hatten die Beiden an der NEW YORKER MET debütiert.

    Lieber wok, Deine ergänzenden Beiträge lese ich immer sehr gern. Die Angabe im Zitat beziffernd, möchte ich nachfragen. Für Pierrette Alarie ist 1945 im Met-Archiv als Debüt in der Rolle des Oscar verzeichnet. Dieser Quelle nach soll Simoneau aber erst 1963 als Don Ottavio an diesem Haus debütiert haben. Worauf beziehst Du Dich?

    Überhaupt war die Türkin (die übrigens sehr gebildet war und fünf Sprachenbeherrschte), nachdem sie sich etabliert hatte, eine echte Diva im herkömmlichen Sinn, selbstbewusst und skandalfrei, mit Temperament und Stil und kleinen Allüren.

    Davon, lieber Carlo, kann man sich in dieser Dokumentation, die ich sehr, sehr schätze, ein eigenes Bild machen:


    Da sehr auführlich auf meinen Beitrag zum Thema eingegangen wurde, fühle ich mich auch genötigt, etwas zu erwidern. Mein Irrtum, die Autorenschaft eines Zitats betreffend, dürfte sich geklärt haben. Inhaltlich aber habe ich über das hinaus, was von mir zu hören war, nichts mehr zu sagen. Es ist mir auch völlig egal, was Stimmenliebhaber dazu anzumerken hat.

    Hallo Greghauser, nachdem Nemorino das "Österreichische Musiklexikon" zitiert hat, möchte ich mich mit dem entsprechehenden Eintrag im "Großen Sängerlexikon" von Kutsch/Riemens anschließen. Weil es so bequem ist, benutze ich die digitale Ausgabe:


    Hauser, Sebastian, Tenor, * 22.12.1908 Kirchbichl (Tirol), † 9.7.1986 Wien; er studierte an der Wiener Musikakademie und war in Berlin Schüler von Marcella Röseler. In der Spielzeit 1940-41 debütierte er am Staatstheater von Braunschweig. 1941-43 sang er am Stadttheater von Duisburg, 1943-44 am Deutschen Theater Prag (wohin man das Duisburger Ensemble evakuiert hatte). 1945-47 war er am Landestheater Salzburg engagiert, 1947-49 am Opernhaus von Graz, 1949-50 am Stadttheater von Heidelberg. 1950 wurde er als erster lyrischer Tenor an die Städtische Oper Berlin verpflichtet, der er bis 1956 angehörte. Danach gab er noch Gastspiele und trat dabei vor allem an der Wiener Staatsoper als Gast auf. Sein Bühnenrepertoire gipfelte in Partien wie dem Tamino in der »Zauberflöte«, dem Erik im »Fliegenden Holländer«, dem Narraboth in »Salome« von R. Strauss, dem Bacchus in dessen »Ariadne auf Naxos«, dem Ernesto im »Don Pasquale«, dem Alfredo in »La Traviata«, dem Radames in »Aida«, dem Turiddu in »Cavalleria rusticana«, dem Pinkerton in »Madame Butterfly«, dem Kalaf in Puccinis »Turandot«, dem Faust von Gounod, den Titelhelden in »Fra Diavolo« von Auber und in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach, dem Vasco in Meyerbeers »Africaine«, dem Hans in der »Verkauften Braut« von Smetana, dem Dimitrij im »Boris Godunow«, dem Alfred in der »Fledermaus« und dem Barinkay im »Zigeunerbaron« von Johann Strauß. Auch als Konzertsolist angesehen.

    Schallplatten: Telefunken, Odeon (Solo-Aufnahmen), Urania-BASF (vollständige Aufnahmen »Verkaufte Braut« und »Zigeunerbaron«).

    [Nachtrag] Hauser, Sebastian; Schallplatten: BASF (»Wiener Blut« von J. Strauß).

    [Lexikon: Hauser, Sebastian. Großes Sängerlexikon, S. 10360


    Darin ist auch auf die Gastpiele an der Wiener Staatsoper verwiesen. Aus der Chronik des Hauses (Adreas und Oliver Láng/Löcker) geht hervor, dass Hauser in drei Vorstellungen gesungen hat: Aida/Radames 20.3.1948, Cavalleria/Turiddu 7.4.1955 und Rigoletto/Herzog 27.6.1949.


    Mehr Aufnahmen als die genannten sind mir auch nicht bekannt.

    In dieser Diskussion haben sich - wenn ich nichts übersehen habe - nur Männer gemeldet. Das liegt wohl auch daran, dass weibliche Mitglieder im Forum leider eine Minderheit geworden sind, was ich beklage. :( Der uns als lesenswert empfohlene große Zeitungsbeitrag, der den Wind aus dem Vorgang um Domingo nehmen soll, ist von einem Mann geschrieben worden. Gibt es auch weibliche Vereidigungsreden in den Medien? Domingo hat seine internationale Karriere vor mehr als fünfzig Jahren gestartet. In diesem halben Jahrhundert haben sich die Umgangsformen und -regeln zwischen den Geschlechtern stark geändert. Der flotte Hecht stirbt aus. Und das ist gut so. Es gibt also auch ein positives Artensterbens. ;) Mir scheint, Domingo ist da etwas aus der Zeit gefallen. Er ist eine Marke geworden, ein Konzern. Wo solche Fülle ist, da kreisen auch die Geier. Er wäre gut beraten, sich am Ende seines erfolgreichen künstlerischen Lebens zurückzuziehen und Gutes im Stillen zu tun. Die Unschuldsvermutung wird ihn nicht retten, denn die greift in diesem Fall nicht so wie bei einem juristischen Verfahren, das es ja nicht gibt. Was immer alles dran oder nicht dran ist an den Vorwürfen, er wird sie nie mehr los. Wo immer er sich zeigt, wird man zuerst daran denken, zustimmend oder ihn in Schutz nehmend. Am Ende läuft es aufs Gleiche hinaus.

    Lieber Helmut, ich bin froh, dass Du nochmals auf die "Waldseligkeit" in beiden Vertonungen eingegangen bist. An anderer Stelle wollte ich auch mich ebenfalls dazu äußern, natürlich ganz anders als Du, mehr emotional und weniger musiktheoretisch, wofür mir auch die Kenntnisse fehlen, habe den Gedanken aber verworfen, weil ich mich - Elisabeth Schwarzkopf betreffend - plötzlich Reaktionen augesetzt sah, die mich irritierten. Ich hatte einfach unterschätzt, dass sie so ein rotes Tuch ist. Unter solchen Voraussetzungen lässt sie schwerlich diskutieren.

    In Berlin wollte ein Mädchen in den Domchor aufgenommen werden, der sich ausschließlich aus Knaben zusammensetzt. Diese Tradition reichen bis ins Jahr 1465 zurück. Die Chorleitung lehnte die Bewerbung nach eingehender Prüfung aus künstlerischen Gründen ab und berief sich auf den ganz einmaligen Klang, der nur durch männliche Stimmen hervorzubringen sei. Die Mutter des Kindes zog vor Gericht und berief sich in Namen ihrer Tochter auf die im deutschen Grundgesetzt verankerte Gleichberechtigung (Art. 3). Also gerieten zwei Verfassungswerte in Konflikt, die Kunstfreiheit und die Gleichberechtigung. Das Berliner Verwaltungsgericht entschied nun für die Kunstfreiheit und lehnte das Begehren der Klägerin ab. Es ließ aber Berufung zu. Darauf man gespannt sein. Sollten in höherer Instanz anders entschieden werden, könnte dies das Ende der Knabenchöre, die auch in unserem Forum thematisiert wurden, bedeuten.


    Eine knappe Zusammenfassung des Vorgangs findet sich hier. Das Thema schaffte es gestern sogar in die wichtigsten deutschen Nachrichtgenmagazine.