Beiträge von Rheingold1876

    Nach meinem Eindruck wurden und werden diese Konzerte völlig überbewertet - auch mit dem Ziel, sowohl di Stefano als auch der Callas eins auszuwischen. Da redeten Leute mit, die nur am Skandal interessiert waren und nicht an der Kunst. Wie so oft. Von denen sollte man sich fern halten. Wie sagte doch einst eine sehr berühmte Sängerin hinter vorgehaltener Hand? Sie sei sich mehr als bewusst, das leere Leben ihrer Fans zu füllen. Gewisse Zirkel an den Bühnenausgängen fand ich immer suspekt. Inzwischen habe ich alle entsprechenden Mitschnitte aus meiner Sammlung entfernt. Und mich dünkt, ein gutes und respektvolles Werk getan zu haben. Warum sollte ich den von Tragik umwehten Niedergang dokumentieren, wo es so glänzende Aufnahmen aus beider großen Zeit gibt, die alles vergessen machen, was später geschah. Ist es nicht das, was zählt? Deshalb habe ich mir gleich gestern wieder die frühe "Tosca" angehört:



    Welch ein Ganz, welche ein Glühen, welch eine Dramatik! Da ringen zwei Sänger unter höchster Anspannung und unter der Fuchtel eines begnadeten Dirigenten um das, was ich ohne Zögern Vollendung nennen möchte. Das ist Dienst an der Kunst! So will ich diese Oper hören, die ich sonst kaum höre, weil es für mich nichts besseres gibt. :) Ich bin di Stefano und Callas unendlich dankbar dafür. Sie haben aber auch im guten Sinne die Maßstäbe verdorben. :( Was in anderen Besetzungen folgte, ist aus meiner Sicht nur ein Abglanz.

    Der Höhepunkt der russischen Platte ist für mich nach wie vor die Sobinin-Arie aus dem "Leben für den Zaren". Die habe ich in einer alternativen Einspielung auch unter Igor Markevitch. Stammt diese aus der Gesamtaufnahme der Oper, die dieser Dirigent bei der EMI geleitet hatte?

    Inzwischen habe ich selbst herausgefunden, dass die alternative Aufnahme der Arie des Sobinin aus der Gesamtaufnahme von Glinkas "Ein Leben für den Zaren" unter Markevitch stammt. Obwohl in strengem Mono, ist diese Produktion sehr zu empfehlen, weil sie so stimmungsvoll ist und mit Boris Christoff als Sussanin einen weiteren großartigen Solisten verewigt hat.


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    Und es passt zur Heuchelei der polnischen Nationaloismus/Katholizismus der Katschinskys....

    Wie wahr, lieber Holger. Die Versuche, die Biographie von Chopin zu glätten, gar zu verfälschen, dürften in Polen ein etwas längere Tradition haben, die weit vor den Kaczynskis, die hier als Symbol gelten sollen, begann. Insofern ist der Vergleich mit Tschaikowski sehr treffend gewählt. Der darf nach dem Willen vieler seiner Landsleute auch nicht homosexuell sein. Beide werden also noch lange nach ihrem Tod eines ganz wichtigen Teils ihres Lebens und ihrer Identität beraubt. Ich möchte mich auch bei Joseph bedanken, dass er uns auf diesen bewegenden Beitrag aufmerksam machte.

    Lieber Fieso, ganz herzlich danke ich Dir für Deine Auskünfte und die Mühe, die Du Dir gemacht hast. Das ist nicht selbstverständlich. Nun weiß ich Bescheid. Es bleibt also merkwürdig, dass beide Platten nicht Eins zu eins in eine Edition übernommen wurden. Schließlich sind es aus meiner Sicht keine x-beliebigen Produktionen. Ich weiß es zu schätzen, wenn sie in sich geschlossen bleiben, weil ja bei der Aufnahme eine bestimmte Konzeption beabsichtigt ist. Diese Verzettelungen liebe ich gar nicht! Und die "Müllerin" in einer solchen Sammlung zu verstecken, ist auch keine glückliche Wahl. Sie sollte auch gesondert neu aufgelegt werden. Mit dem EMI-Plattenerbe von Elisabeth Schwarzkopf ist Warner schließlich sehr sorgsam und vorbildlich umgegangen. Das hatte ich so nicht erwartet. Dir einen schönen Abend!

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    Eine Frage in die Runde: Ist eigentlich diese LP, die bereits schon Caruso abgebildet hatte, geschlossen auf CD gelangt? Die gleiche Frage betrifft die Electrola-LP mit den deutschen Arien unter Heinrich Bender, auf die Alfred hier verwies. Ich habe zwar auch etliche Gedda-Boxen zur Hand. Darin sind immer nur einzelne Titel aus beiden Platten enthalten. Der Höhepunkt der russischen Platte ist für mich nach wie vor die Sobinin-Arie aus dem "Leben für den Zaren". Die habe ich in einer alternativen Einspielung auch unter Igor Markevitch. Stammt diese aus der Gesamtaufnahme der Oper, die dieser Dirigent bei der EMI geleitet hatte? Eigentlich ist die Arie in der Oper ja etwas umstritten, und sie wurde vom Komponisten ja wohl wieder gestrichen, weil sie stilistisch nicht passte. Aber da soll jetzt nicht das Thema sein.

    Sonntagskonzert“: Wilma Lipp, Waldemar Kmentt und Kurt Böhme / (Opernmelodien von Carl Maria von Weber, Otto Nicolai, Giuseppe Verdi, Charles Gounod, Bedrich Smetana u. a.) / Dirigent: Hans Gierster / 13. 11. 1966 (Wiederholungssendung am 7. 5. 1967)

    Am 25. April 2010, einen Tag vor dem dem 85. Geburtstag der 2019 verstorbenen Sopranistin Wilma Lipp hat BR Klassik im Rahmen seiner Sendereihe "Konzertabend" dieses Sonntagskonzert mit der originalen Ansage von Emmy Anders abermals wiederholt. Im Vorspann wurde allerdings der 22. November 1966 als Tag Erstsendung angegeben, was offenkundig ein Irrtum gewesen ist. Ein Mitschnitt liegt mir vor. Hier nun das vollständige Programm:


    Weber DER FREISCHÜTZ Ouvertüre

    "Schweige, damit dich niemand warnt", Arie des Kaspar (Kurt Böhme)

    "Nein, länger trag' ich nicht die Qualen / Durch die Wälder", Rezitativ und Arie des Max (Waldemar Kmentt)


    Mendelssohn Bartholdy EIN SOMMERNACHTSTRAUM Scherzo


    Nicolai DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR "Nun eilt herbei", Arie der Frau Fluth (Wilma Lipp)


    Smetana DIE VERKAUFTE BRAUT, "Wie gut, dass ich die finde", Duett Marie und Hans (Wilma Lipp / Waldemar Kmentt)

    "Komm, mein Söhnchen, auf ein Wort", Duett Kezal und Hans (Kurt Böhme / Waldemar Kmentt)


    Mascagni GUGLIELMO RATCLIFF (hier nur RATCLIFF), Intermezzo


    Leoncavallo DER BAJAZZO "Qual fiamma aveva mel guardo", Vogellied der Nedda (Wilma Lipp)


    Verdi DIE SIZILIANISCHE VESPER "O mein Palermo", Arie des Procida (Kurt Böhme)


    Gounod FAUST (hier MARGARETHE) "Je voudrais bien savoir / Ah! je ris de me voir si belle", Lied vom König in Thule und Juwelenarie der Marguerite (Wilma Lipp)


    Giordano ANDREA CHENIER "Come un bel di di maggio", Arie des Chenier (Waldemar Kmentt)


    Verdi DON CARLOS "Sie hat mich nie geliebt", Arie des Philipp (Kurt Böhme)


    Gounod FAUST (MARGARETHE) "Il se fait tard", Duett Marguerite und Faust (Wilma Lipp / Waldemar Kmennt)

    Carl Loewe im Deutschen Rundfunkarchiv - Teil 3 /Schluss


    01 3 Balladen, op. 1

    Edward

    Der Wirtin Töchterlein

    Erlkönig

    für Singstimme und Klavier

    Alois Binar, Bar

    Erhard Michel, Kl

    1949 / DRA Berlin H 2870 A/C


    02 Edward

    Manfred Huebner, Bar

    Karl-Heinz Zettel, Kl

    1959 / DRA Berlin ZMK 5323


    03 Edward

    Siegfried Vogel, B

    Klaus Kierbach, Kl

    1968 / DRA Berlin StMK 595


    04 Der Wirtin Töchterlein

    Wolfgang Hellmich, Bar

    Estradenorchester des DS Berlin

    Adolf Fritz Guhl

    1964 / DRA Berlin ZMU 15037


    05 Erlkönig

    Günter Wewel, B

    Großes RO Berlin

    Robert Haneil

    1983 / DRA Berlin StMU 10022


    06 Mädchen sind wie der Wind

    bearbeitet für Singstimme und Orchester

    Ernst Gutstein, Bar

    Großes RO Berlin

    Adolf Fritz Guhl

    1960 / DRA Berlin ZMU 11002 1 '


    07 Mädchen sind wie der Wind

    Siegfried Hausmann, Bar

    Großes RO Berlin

    Volker Münch

    1976 / DRA Berlin StMU 5553


    08 Die verliebte Schäferin Scapine

    Sonja Schöner, S

    Gerd Bahner, Kl

    1961 / DRA Berlin ZMK 6427


    09 Niemand hat's gesehn (X,4)

    Sigrid Weiße, S

    Erhard Michel, Kl

    1955 / DRA Berlin MZ 8003


    10 Niemand hat's gesehn (X,4)

    bearbeitet für Singstimme und Orchester

    Maria Croonen, S

    Dresdner Philharmoniker

    Gerhard Rolf Bauer

    1964 / DRA Berlin ZMU 15141


    11 Hochzeitslied

    Siegfried Hausmann, Bar

    Großes RO Berlin

    Robert Hanell

    1976 / DRA Berlin StMU 5828


    12 Der Zauberlehrling

    Siegfried Vogel, B

    Klaus Kierbach, Kl

    1968 / DRA Berlin StMK 596


    13 Der Zauberlehrling

    bearbeitet für Singstimme und Orchester

    Siegfried Hausmann, Bar

    Großes RO Berlin

    Werner Stolze

    1978 / DRA Berlin StMU 6979

    Ich hätte gedacht, dass die Österreicher Oksana Lyniv kennen. Sie hat viel in Wien dirigiert und war Generalmusikdirektorin in Graz. Trotzdem kommt in drei Wochen nicht ein einziger Beitrag, der einen Austausch über die vielversprechende Litauerin fördern könnte.

    Aber es passt ins Bild: Im Forum herrscht das Gefühl der Retrophilie. Da fehlt jede Zukunftsorientierung. Es herrscht die Sehnsucht nach einem Ideal, das man in der Vergangenheit sucht. Eine neu auftauchende Dirigentin wird da einfach ignoriert. Sich mit Neuem und Neuen zu beschäftigen lohnt nicht.
    Die Musik und die Aufführungen von Musik versinken in ihren eigenen Archiven!

    Lieber Caruso, muss man sich jetzt noch dafür rechtfertigen, was man gern hört, gut findet und sammelt? Deinen Vorwurf, es fehle im Forum an jeder Zukunftsorientierung, verbuche ich jetzt mal unter Frust, weil sich bisher niemand für die ukrainische Dirigentin interessiert hat, geschweige denn sie kennt. Dass sie Graz so rasch wieder verlassen hat, weil sich andere und gewiss wohl auch höher dotierte Aufgaben anboten, macht sie mir nicht sympathischer. Das sage ich ganz offen. Natürlich kannst Du die verbreitete Sehnsucht nach Idealen beklagen. Würde heutzutage so genau, so unverwechselbar werkbezogen und so hoch individuell gesungen wie das einst vielen, doch nicht allen Sägern gelang, der Blick zurück erübrigte sich vielleicht ganz von selbst. Und vielen jungen Sängern würde es nicht schaden, nähmen sich sich mal eine historische Aufnahme ihres Fachs vor. Mich erreichst Du mit Deinen Vorwürfen jedenfalls nicht. Ich fühle mich nicht angesprochen. Und was in meinem Archiv versinkt oder nicht, ist immer noch meine Sache. Als eine der großen Stärken dieses Forum habe ich es in den Jahren meiner Zugehörigkeit stets empfunden, dass hier jeder nach seiner Facon selig werden kann.

    Der Plenzdorf ist halt genau so ein Versuch, ein altes Werk zu modernisieren und geschmeidig zu machen.

    War es denn wirklich so? Immerhin griff Plenzdorf in seinem "Werther" ja auch auf andere Romane der Weltliteratur zurück. Also nicht nur auf Goethe. Ich halte sein Stück und seinen Roman nicht für eine Modernisierung des großen Klassikers. Sollte nicht vielmehr die Frage aufgeworfen werden, was der alte "Werther" jungen Leuten in der Gegenwart bedeuten kann? Ob sie darin etwas für sich erkennen können. Und Gegenwart ist auch relativ. Plenzdorfs Werke sind inzwischen auch um die fünfzig Jahre alt, und sie sind in der DDR verortet, was sie für westliche Leser nicht immer verständlich macht - und für jene, die jetzt um die achtzehn sind, auch nicht. Egal, ob Ost oder West.


    Erst dieser Tage habe ich im TV "Transit" gesehen. Das war auch der Versuch, einen Roman, der während des Zweiten Weltkrieges hauptsächlich in Marseille, einem der zentralen Schauplätze für Flucht und Vertreibung, spielt, mit Gegenwartsbezug neun zu erzählen. Das schien mir ganz gut gelungen, wenngleich mir nichts über den Roman selbst geht, der keinerlei neue Bearbeitung nötig hat. Anna Seghers hat ihn geschrieben. Ich halte ihn für einen der besten deutschen Romane von einer großen sprachlichen Gewalt und muss ihn von Zeit zu Zeit immer wieder lesen.


    Eine recht neue Aufzeichnung vom Lednicko|valtický hudební festival 2019

    Mozart - Exsultate, jubilate

    Lieber Orfeo, was für Koloraturen baut sie denn da kurz vor dem Schluss bei 11:45 noch ein? Sind die frei gestaltbar? Ich kenne das Stück so nicht, bin aber auch kein ausgesprochener Mozart-Kenner. Für Aufklärung wäre ich sehr dankbar.

    ... ein "Geisterkonzert" zu einem Ereignis zu machen.

    Geht denn das überhaupt? Ich habe einige Anläufe genommen, mir solche Konzerte anzutun und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich fürderhin darauf verzichte. Konzerte ohne Publikum? Das eine schließt doch das andere aus. Dann lieber gleich eine Aufnahme aus dem Studio. Alle diese Veranstaltungen empfand ich als kalt und gespenstisch. Als ob Teller und Gläser leer bleiben an der gedeckten Tafel. :no: Diese Konzerte mögen ja gut gemeint sein, und ich kann auch verstehen, dass Musiker wie die Fußballer im Training bleiben wollen und müssen. Mit Kunst haben sie nicht viel zu tun. :(

    Wenn Du mal wieder eine Box der Berliner Philharmoniker im Breitformat loswerden möchtest, wende Dich gerne an mich ;) .


    Schade, dass ich das erst jetzt erfahre!

    Mich hätten die Aufnahmen schon sehr interessiert.

    Liebe Freunde, jetzt bin ich doch sehr überrascht - und auch irgendwie erfreut. Das hätte ich nicht erwartet. Beim nächsten Mal denke ich an euch. :hello:

    Sie wollen wohl exklusiv sein und besonders auffallen, lieber Holger. So waren sie schon immer. Nur geht das inzwischen etwas am Markt vorbei. Da wir gerade an anderer Stelle oder CD-Sammlungen sprechen. Ich mache die Erfahrung, dass sich Annahmen der Berliner Philharmoniker, vornehmlich unter Karajan, nicht mehr weiterverlaufen lassen. Und wenn, dann zu einem mehr als symbolischen Preis. Erst unlängst wurde mir 15 Cent für seine letzte GA der Beethoven-Sinfonien geboten. Ich schlug ein, weil es mir auch ein kleiner Triumph war. Indem er ihn überschwemmte, hat Karajan den Markt verdorben. Das rächt sich. Drei nagelneue Operneinspielungen wurde ich selbst für diese paar Cent nicht los. :( Verrückte Welt! Uns gehts zu gut.

    In Beitrag #3 wird zum Film Katerina Izmailova geschrieben, dass Galina Vishnevskaya in der Hauptrolle ihre Stimme einer Schauspielerin lieh. Das stimmt nicht, sie ist die einzige, die singt und spielt.

    In Beitrag 3 ist aber doch von dem Film mit dem Titel der ursprünglichen Fassung "Lady Macbeth von Mtsensk" die Rede (nur war der Name der Stadt dort falsch wiedergegeben). Diesem Streifen liegt nach meinen Informationen aus dem Gedächtnis die folgende Einspielung zugrunde. Die Vishnevskaya singt also nicht selbst! Da die Verlinkung zu JPC nicht (mehr) funktioniert (habe ich da was verpasst?), stelle ich wenigstens die folgenden Informationen ein:


    Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
    Lady Macbeth von Mtsensk
    Galina Vishnevskaya, Nicolai Gedda, Dimiter Petkov, Werner Krenn, Robert Tear, Taru Valjakka, Birgit Finnilä, Aage Haugland, Martyn Hill, Leonard Mroz, Alexander Malta, Ambrosian Opera Chorus und weitere
    2 CDs

    • Künstler: Galina Vishnevskaya, Nicolai Gedda, Dimiter Petkov, Werner Krenn, Robert Tear, Taru Valjakka, Birgit Finnilä, Aage Haugland, Martyn Hill, Leonard Mroz, Alexander Malta, Ambrosian Opera Chorus, London Philharmonic Orchestra, Mstislav Rostropovich
    • Label: Warner, ADD, 1978
    • Bestellnummer: 2547175
    • Erscheinungstermin: 10.6.2016
    • Serie: The Home of Opera

    Den Film müsste ich haben, finde ihn nur momentan nicht. Er wurde im TV gesendet, und ich schnitt ihn mit. Optisch gefiel er mir sehr gut. Es hab aber eine nach meinem Dafürhalten heftige Diskrepanz zwischen der Erscheinung der Akteure und den bereits etwas in die Jahre gekommenen Stimmen von Vishnevskaya und Gedda.

    Abgesehen vom Inhalt finde ich diese hochpreisigen Boxen im Breitformat total unpraktisch. Man muss sie ja auch irgendwo lagern. Sie passen in keine CD-Regal. So habe ich eine ähnlich ausgestattete Edition aller Sibelius-Sinfoinien der Berliner Philharmoniker unter Rattle jahrelang hin und her geräumt. Nicht mal auf einer der üblichen Plattformen wurde ich sie los - auch deshalb nichts, weil meine Ausgabe über kleinen Barcode verfügte. Nun habe ich sie endlich verschenken können. Ich glaube, die Zeiten sind vorbei, wo Neuerscheinungen mit diesem Orchester großes Aufsehen erregten. Zumal mit diesem Repertoire.

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    Im Oktober 1975 wurde in der Berliner Christuskirche, die auch für Plattenproduktionen genutzt wurde, eine Aufnahme von Vittorio Negri dirigiert. Er leitete das Berliner Kammerorchester. Das Violinsolo übernahm sein Landsmann Felix Ayo mit einer Gennaro Gagliano von 1768 aus Neapel. Am Cembalo saß kein Geringerer als Jeffrey Tate. Der Italiener Negri lebte von 1923 bis 1998. Die LP erschien damals unter dem DDR-Label Eterna. Wenn ich nichts übersehen habe, gelangte sie bisher nicht auf CD. Auch im Westen dürfte sie keine Verbreitung gefunden haben. Warum? Darüber kann ich nur spekulieren. Der Interpretationsansatz ist ehr traditionell, groß und dramatisch. Schon möglich, dass er sich nicht vertrug mit neuen, historisch informierten Herangehensweisen, die viel schlanker klingen. Das ist mir insofern egal, weil ich nicht unter musikwissenschaftlichen Gesichtspunkten höre. Ich höre, wie es mir gefällt. :) Und Negri gefällt mir noch immer hervorragend. So hervorragend, dass ich die Platte bereits mehrfach austauschen musste, weil sie angesichts häufigen Hörens nicht besser wurde - und auch schon mal einen Kratzer einfing. Unnachahmlich finde ich das vierte Konzert, den Winter., in seiner eisigen Kälte. Es klingt, als ob Eisschollen würden zerbersten wollen.

    Lieber greghauser, zunächst wurde ich wirklich mehr als hellhörig angesichts des Titels dieses von Dir gestarteten Themas. Archive von Opernhäusern? Dies ließ mich zuerst an Mitschnitte denken. Viel präzisier wäre es, von Besetzungsarchiven zu sprechen, wie das Stimmenliebhaber sehr richtig für seine beiden großen Dokumentationen aus Berlin (Staatsoper) und Dresden (Semperoper) getan hat. Die Schallarchive sind für mich natürlich die mit Abstand interessanter Abteilung der Archive von Opernhäusern. Sie machen nach meiner Beobachtung gern ein großes Geheimnis daraus. Manches ist dann doch über Umwege an die Öffentlichkeit gelangt. Solche Dokumente, die sich in meiner Sammlung befinden, empfand ich mitunter als enttäuschend, weil es sich um Aufnahmen der Generalproben handelt. Da kann es passieren, dass einige Sänger nicht aussingen. :(

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    Für die Freunde der Münchner Sonntagskozerte habe ich noch eine Empfehlung. In diesem sehr üppigen Buch von Bärenreiter sind sie ebenfalls gelistet, nicht so stringent wie bei Carlo sondern verteilt über die jeweiligen Jahre. Greghauser hatte auch mit Link schon darauf verweisen. Wer nicht das Geld ausgeben möchte, das bei unserem ehemaligen Werbepartner verlangt, dem rate ich zu Booklooker. Dort ist dieser reich bebilderte Band mit seinen 284 Seiten schon ab unter sieben Euro zu haben. :)

    Ein sehr schönes Album mit äusserst ausgefallenen Weltersteinspielungen.

    Jaroussky Stimme ist unverändert schön und Nuancenreich!

    Ja, lieber Fiesco, an diesem Album habe auch ich große Freude. Ich höre es wiederholt. Das Programm, das in dieser Darbietung unter die Haut geht - finde ich ebenfalls sehr erlesen, wie immer bei Jaroussky. Was der schon alles ausgegraben hat. Er st ein Vermittler und Anstifter, sich den gebotenen Stücken näher zuzuwenden. Das schätze ich von je an ihm, es macht einen Großteil seiner Bedeutung aus. Leider ist er derzeit nicht live zu erleben. :( Sang er in Berlin - und das tat er sehr oft - versäumte ich keines seiner Konzerte, die immer in tosendem Beifall endeten. Er bat auch zum Gespräche und ging charmant und neugierig auf sein Gegenüber ein. Die Stimme hat nach meinem Eindruck etwas an Geläufigkeit eingebüßt, was in seinem Fach ganz normal ist. Er geht aber mit Grandezza damit um. Der Ton aber ist nach wie vor betörend. Ich wüsste nicht, ob ich einen Titel herausstellen könnte. Wenn ich dazu aufgefordert würde, entschiede ich mich vielleicht für den Bononcini. Im Ausdruck lässt er tiefe Einblicke zu. Er weiß immer, was er singt, geht den Arien auf den Grund. Er ist in meinen Augen und Ohren durch und durch ein Künstler von großem Format.

    cpo hat hier 5 CDs produziert und sie dann nach einiger Zeit in einer Box zusammengefasst. Ich fand keinen Hinweis darauf, daß es sich um eine "Gesamtausgabe handelt, bei Wikipedia konnte man auch nichts genaues erfahren ...

    Man kann wohl getrost von einer Gesamtausgabe sprechern, was cpo vorlegt. Das war nach meinem Dafürhalten ein ganz hervorragandes Projekt. Die Pfitznergesellschaft hatte mal in einer Übersicht die Tonaufnahmen den einzelnen Werken zugeordnet und umgekehrt. Im Laufe der Zeit dürfte also das komplette Werk von Pfitzner auf Tonträgern zugänglich gemacht worden sein. Der Pfitzner-Freund ist mehr als zufrieden. :)



    Peter Cornelius (1824-1874)

    Treue


    Dein Gedenken lebt in Liedern fort;

    Lieder, die der tiefsten Brust entwallen,

    Sagen mir: du lebst in ihnen allen,

    Und gewiß, die Lieder halten Wort.

    Dein Gedenken blüht in Tränen fort;

    Tränen aus des Herzens Heiligtume

    Nähren tauend der Erinnrung Blume,

    In dem Tau blüht dein Gedenken fort.

    Dein Gedenken lebt in Träumen fort;

    Träume, die dein Bild verklärt mir zeigen,

    Sagen: daß du ewig bist mein eigen.


    Der Text stammt vom Komponisten, der sich auch als Dichter verstand. Gesunden wir das Lied voin Margaret Price.


    Peter Cornelius 1824-1874)

    Wiegenlied, op. 1 Nr. 3


    Vöglein fliegt dem Nestchen zu,

    hat sich müd geflogen;

    Schifflein sucht im Hafen Ruh,

    vor den wankenden Wogen.

    Sonne denkt nun auch, sie hätt'

    lang genug geschienen,

    legt sich in ihr Himmelbett

    mit den roten Gardinen.

    Vöglein sitzt im warmen Nest,

    Schifflein liegt im Hafen,

    Sonne schläft schon tief und fest,

    auch mein Kind will schlafen.


    Der Text stammt vom Komponisten, der sich auch als Dichter verstand.


    Bei BR Klassik ist dieser Tage eine CD mit dem letzten Konzert von Mariss Jansons erschienen. Bei JPC heißt es dazu:


    Das klingende Vermächtnis eines großen Dirigenten

    Am 8. November 2019, wenige Wochen vor seinem unerwarteten Tod, dirigierte Mariss Jansons während einer Gastspielreise mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Carnegie Hall, New York (USA) sein letztes Konzert. Auf dem Programm standen die vier sinfonischen Zwischenspiele aus Richard Strauss’ Oper »Intermezzo« sowie die vierte Symphonie von Johannes Brahms; als Zugabe erklang dessen berühmter Ungarischer Tanz Nr. 5. Die in der Carnegie Hall mitgeschnittene Live-Aufnahme, hier erstmals von BR-KLASSIK auf CD veröffentlicht, ist das klingende Vermächtnis des großen Dirigenten.