Beiträge von Rheingold1876

    In Kiel konnte man erleben, dass der "Tell" ein packendes Ereignis werden kann, wenn der Regisseur (Fabio Ceresa) und der Dirigent (Daniel Carlberg) an das Werk glauben und eine überzeugende Deutung anbieten. Da mit Anton Rositskiy und Agnieszka Hauzer zudem Solisten zur Verfügung standen, die auch Leipzig und jeder anderen Bühne in Deutschland zur Ehre gereicht hätten, war das ein großartiger Opernabend. Sicher hat er den Etat nicht mehr strapaziert, als das ein Holländer oder ein Macbeth getan hätte.

    Das, lieber Caruso, lese ich sehr gern. Offenbar war ich - was den "Tell" anbelangt - von falschen Erwartungen ausgegangen. Ich habe das Werk noch nie auf der Bühne gesehen, kenne aber diverse Dokumente ziemlich gut. Die nun gaben mir immer die Vorstellung, dass das Werk sehr schwer zu besetzen ist und nach einem großen Raum, verlangt. Man denke nur an den Arnold und die Mathilde. Und dann der gradiose schwebende und sich gewaltig steigernde Schluss. Ich kenne keinen wirkungsvolleren. Gab es in Kiel auch Ballett? Davon gehe ich aus. So ist es wohl wieder einmal so, dass einem Tonaufnahmen Erwartungen suggerieren, die in der Praxis nicht zu erfüllen sind. Oder eben doch, wie Dein kurzer Bericht über Kiel zeigt.

    Sehr gut finde ich es, wenn die Opernhäuser die Zukunft planen und sich damit auch Mut machen. Jeder braucht Ziele. Was davon erreicht wird, muss sich erst zeigen. Niemand kann voraussagen, wie sich die Pandemie entwicklt und ob Menschen bereit sind, sich in absehbarer Zeit gemeinsam mit vielen anderen in einen Saal zu setzen, jemanden vorn, hinten und neben sich. Es wird dauern, bis klar ist, dass die Pandemie, wenn sie denn abgeflaut ist, nicht unter solchen Bedingungen zurückkehrt. Veranstaltungen mit viel Publkum dürften es zunächst sehr schwer haben. Auch die Künstler, die hin und her reisen müssen, weil das ihr Job ist, müssen geschützt werden. Gerade auf Opernbühnen ist der "Flüssigkeitsaustausch" extrem. Ich bin gespannt, wie mit dieser enormen Verantwortung umgegangen wird. Karten für die neue Saison würde ich also (noch) nicht kaufen. Eine Rückkehr zur Normalität kann ich mir nicht so bald vorstellen. Angesicht der schwindelerregenden Summen, die jetzt aufgebracht werden müssen, um die Folgen der Pandemie abzumildern, wird sich zeigen müssen, was davon für die Kunst abfällt. Ob es für eine so aufwändige Produktion wie Rossinis "Tell" reicht, bleibt abzuwarten. Gerade bei dieser großen Oper, auf die ich mich auch gefreut hatte, darf nicht gepart werden. Sonst lieber keinen "Tell".

    Aber ein Archiv mit allen Abendbesetzungen einer Produktion beziehungsweise einer Spielzeit, wie es die Metropolitan Opera, die Wiener Staatsoper oder die Scala Milano haben, ist doch etwas völlig anderes. Dass es so etwas bei keinem Opernhaus in Deutschland gibt, finde ich ärmlich.

    Dein Vergleich greift sehr hoch, lieber Caruso. Ohne Stimmenliebhabers Datenbanken klein reden zu wollen - ich schätze sie sogar sehr und mache oft Gebrauch davon - gibt es gewisse Unterscheiden zwischen Dresden und den genannten Adressen. Mit Beginn des Kalten Krieges und also noch vor dem Mauerbau 1961 gingen Dresden die großen Namen verloren, die sich gleichzeitig aber in den Annalen von Wiener Staatsoper, Scala oder Met finden, wo man sie auch in Mitschnitten, die auf den Markt gelangt sind, hören kann. Dresdens internationaler Ruhm als Opernstadt ist in den 40 Jahren DDR nicht unbedingt gemehrt worden. Trotz Schreier, Adam oder Suitner. Die meisten Namen, die in den Besetzungslisten auftauchen, kennt heute kein Mensch mehr. Nicht einmal mehr Dresdener Freunde, mit denen ich über Operngeschichte im Gespräch bin. Man muss die Kirche auch im Dorf lassen. Die Stadt lebte sehr von ihrer Vergangenheit. Das kann ich angesichts der Verluste, die sie auf den letzten Metern des Krieges erlitt, gut nachvollziehen. Dem trägt auch die Edition Rechnung, die ich kurz vorgestellt hatte. Zu dieser Sammlung kommt ja auch noch eine große CD-Reihe über die Staatskapelle Dresden beim selben Label, die bis in die Gegenwart reicht. Eine interessante Quelle Dresdener Opernlebens sind auch von Stimmenliebhaber bereits erwähnten Jahrbücher "Gestaltung und Gestalten". Sie sind immer nicht antiquarisch im Umlauf, so beispielsweise bei Booklooker. In meiner Bibliothek bilden sie eine staatliche Reihe.

    Die Dokumentation der Besetzungen eines Opernhauses, das selbst keine Anstrengungen macht, seine Geschichte zu dokumentieren, ist doch eine wichtige und wertvolle Arbeit.

    Lieber Caruso, da gibst Du Dich jetzt aber nicht sonderlich gut informiert, was mich wundert. Bereits über Jahre trägt die Dredener Semperoper ganz offiziell eine einzigaritige CD-Edition bei Hänssler (Baden-Württemberg) über ihre Geschichte mit. So etwas kenne ich von keinem anderen Opernhaus in Deutschland. Im Impressum der Edition stehen hochrangige Persönlichkeiten, die jeder von uns kennt - darunter der kürzlich gestorbene Peter Schreier. Die Booklets suchen ihresgleichen an Umfang und Gestaltung. Sie ähneln ehr Büchern denn CD-Beigaben. Zu den jeweigen Serienteilen finden sich unzählige überwiegend ganz seltene Fotos, zeitgnössische Berichte und Kritiken, Besetzungslisten, andere Dokumentationen. All das hat durchaus wissenschaftliches Niveau. Die klanglich gut aufbereiteten musikalischen Angebote, durch Quellenforschung akribisch in ihren Provinienz belegt, geben einen üppigen Einblick in den Enthusiasmus, der nach dem Krieg in Dresden geherrscht haben muss. Der gesamtdeutsche Gedanken war noch ungebrochen. Alle Sertenteile sind noch im Handel. Wie Du zu dem Schluss gelangen konntest, dass das Opernhaus selbst keinen Anstrenungen macht, seine Geschichte zu dokumentierten, ist mir schleierhaft.


    Brünnhild und Siegfried auf dem Felsen sind mir doch das liebste Liebespaar bei Wagner. Da bleibe ich immer neugierig. Es grüßt Hans

    Diese Neugierde ist mit das Schönste, was wir Musikliebhaber besitzen, lieber Hans. Dieser "Siegfried" macht aber auch deutlich, wie schwierig es ist, dieser Szene vor dem Mikrophon Leben einzuhauchen. Auf der Bühnen mag die Wirkung ja viel größer sein, wie ich Carusos jüngster Wortmeldung entnehme.

    Lieber Hans, wenn ich etwas dazu sagen darf: Beide sind nach meiner Einschätzung eine große Enttäuschung in dieser Aufnahme des "Siegfried"-Finales. Sie wackeln stimmlich um die Wette, Frau Lindstrom noch mehr als ihr Siegfried. So unstet darf Wagner nicht gesungen werden. Da reißt auch der Dirigent, auf den ich in Bayreuth sehr gespannt war, nichts raus. So toll finde ich nicht, was er zu "sagen" hat. Das hat man alles schon packender gehört. Ich hatte mich zum Kauf der CD verleiten lassen und habe sie längst wieder weggegeben. :no:

    Lieber Rheingold,


    manche Formulierung in der deutschen Sprache macht es uns nicht leicht. Das Wort "erstmal" soll nicht bedeuten "zum ersten Mal", wie Du es verstehst, sondern es möchte als "zunächst einmal" verstanden werden. Das ist dann wieder richtig, weil erst im Jahr danach der neue Ring angeboten werden wird.

    Lieber Portator, ich gebe zu, dass ich diesen Satz zunächst so wahrgenommen hatte wie Du vermutest. Ich gehe davon aus, dass Du meinen Beitrag vor der eigenen Richtigstellung gelesen hast. Das Wort "erstmal" hätte ich so nicht gebraucht, weil es das Missverständnis in sich trägt. Nun hätte aber auch ich noch genauer formulieren müssen. Ich wollte mit meiner inzwischen korrigierten Bemerkung lediglich festgestellt haben, dass es in der Geschichte Bayreuth mehrfach vorgekommen ist, dass es keinen "Ring" auf dem Spielplan gab.


    Alles klar jetzt? Danke für Deine Aufmerksamkeit.

    In der Mitteilung von BR Klassik steht auch dieser Satz:


    "Im kommenden Jahr wird es also erstmal keinen ,Ring' geben."


    Wenn ich richtig rechne, dann gab es seit Wiedereröffnung der Festspiel nach dem Zweiten Weltkrieg mindesten zwei Jahrgänge ohne "Ring"-Vorstellungen. Das ist also nicht das Problem. Gar keine Festspiele - das gab es in diesem Zeitraum noch nie.


    Seitens der Festspielleiterin finde ich es sehr angemessen, zu diesem Zeitpunkt keine falschen Hoffnungen zu wecken und bei der weiteren Planung realistisch zu bleiben. Das Virus wird alle Festspiele noch auf sehr harte Proben stellen. Der kommende Sommer wird also diesbezüglich sehr ereignislos ausfallen. Meine Gedanken sind vor allem bei jenen Künstlern und Mitarbeitern hinter den Kulissen, die auf die Einnahmen dringend angewiesen sind.

    Mit dem aus Island stammenden jungen Tenor Benedikt Kristjánsson, der im Forum bereits oft genannt wurde - meist bei den neuen Stimmen - sind gleich drei Aufnahmen auf den Markt gekommen - eine Johannespassion (2. Version von 1725) von Bach



    Eine weitere "Johannespassion für Tenor allein", die ich in Berlin live erlebt habe und höchst ambitioniert fand.


    Sowie der "Messiah" mit der Gaechinger Kantorei.


    Ich brauche als Thread-Starter keine Reaktionen, die artig und fair sind, Mir ist entschieden mehr an Bemerkungen und Ausführungen gelegen, die ehrlich sind.

    Lieber Caruso, wenn jemand ein neues Thema startet, dann könnte es zunächst ja etwas ergebnisoffen sein. So war das gemeint. Und so ist es offenbar gründlich missverstanden worden. Macht nichts.

    Die unterschiedliche Schreibweise des Namens - oft auch in Kyrillisch - erschwert die Suche nach Tondokumenten. Einige, die technisch durchaus anhörenswert sind, finden sich schon noch:



    Das Ergebnis war niederschmetternd. Ich habe den Eindruck, dass die Digitalisierungen der Aufnahmen für die Reihe "Russian Vocal School" gründlich schief gegangen sind.... Kann man nicht einfach die alten LPs auf YouTube hochladen?

    Noch hege ich die Hoffnung, dass vielleicht jemand doch noch klanglich befriedigende Aufnahmen findet.


    Es ist zu befürchten, lieber Caruso, dass man sich schnell die Finger verbrennen kann, wenn man LPs hochlädt. Ich würde es nicht tun. Wer für die Bijeschu Interesse entwickelt oder seine Sammlung ergänzen will, der findet vieles auf Discogs. Nicht alles ist umsonst zu haben. ;)


    Hier klingt die Stimme frisch, jugendlich und interessant timbriert, ohne die Beimischung von slawischer Schärfe oder ausgeprägtem 'wobble', die uns im Westen den Genuss an den osteuropäischen Sopranstimmen manchmal verleidet.

    Du nimmst aber kein Blatt vor den Mund, lieber Carlo. Um dieses deutliche Urteil hatte ich mich etwas herumgemogelt. Denn es ist - wie ich es sehe - nicht ganz fair, einem Threadstarter, der für eine Stimme auch einnehmen lassen will, gleich mit den Kanonen zu kommen. Nicht nur im Westen wurde die "slawische Schärfe" als gewöhnungsbedürftig empfunden. Wie kommst Du darauf, dass das nur im Westen so wahrgenommen wurde?

    Siegfried Vogel überrascht mich jetzt, weil es in dieser Opr ja nur eine Bassrolle gibt, den Tommaso, und den singt Adam. Auf der Rückseite vom Cover steht als Rollenangabe "Voice of a farmer". Weiß jemand mehr? Ich vermute, der hat maximal drei Worte zu sprechen. (In Bühnenaufführungen und auf entsprechenden Besetzungszetteln ist mir diese Rolle noch nie über den Weg gelaufen, vermutlich ist das in der Regel eine geringfügige und nicht einmal bezahlte Zusatzaufgabe für einen Choristen.)

    Laut Libretto der von musikwanderer vorgestellten Aufnahme des "Tiefland" ist Siegfried Vogel unverkennbar "Eine Stimme von außen", die kurz nach Beginn der 11. Szene des 1. Aktes, nachdem Pedro verkündet hat, dass das Fest vorbei sei, ruft:


    "Macht zu das Tor und riegelt euch ein!

    Schlaft gut!"

    Obwohl ich kein Pessimiust oder Schwarzseher bin, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Opernhäuser genau dort werden weitermachen können, wo sie zu Beginn der Pandemie aufhören mussten. Schon aus finanziellen Gründen nicht. Da wird wohl manche aufwändige und teure neue Inzsnierung gestrichen bzw. verschoben werden.

    Ich denke schon, dass all diese Verschiebungen der Veröffentlichungstermine einen Coronahintergrund haben. Denn auch die von mir hier eingestellte SONY-CD war seit Dezember für den 26. März angekündigt. Vor zwei Wochen dann tauchte plötzlich der 5. Juni auf. Natürlich ohne Erläuterung eines Grundes. Aber es scheint schon naheliegend zu sein, dass für all diese Aussetzer die derzeitige Krise verantwortlich ist.

    Schade. Auf diese CD hier hatte ich mich wirklich gefreut.

    Und bei Amazon wird sogar noch der 21. Februar als Erscheinungstermin genannt. In Teilen steht der Reicha als Download bereit, auch bei Spotify sind ein paar Sätze zu hören. Diese Krise sollte nach meiner Meinung die Stunde der Downloads sein - und werden. Es brauchte keine Presskapazitäten, keine gedruckten Booklet, keine Hüllen und keine traditionellen Vertriebswege. Ich kann mir vorstellen, dass die Zukunft entsrechehende Veränderungen bringt, die ich begrüßen würde.

    Mir liegt dieses Buch auch vor, systematisch gelesen habe ich es noch nicht. Es eignet sich aber auch sehr gut, um einfach darin zu blättern und sich hier und da festzulesen. Sehr ergiebig und hilfreich sind die Plattenlisten. Die Übernahmen auf CD sind nicht immer - wie ich finde - geglückt. Da wurde manches weggelassen, was ich nicht weggelassen hätte. Wenn ich nur an die Meta Seinemeyr gewidmete aus fünf LPs bestehende Serie denke, die eine der Großtaten das Leben gewesen ist.


    Solche Persönlichkeiten wie Jürgen E. Schmidt sterben leider aus. Ich kannte ihn nicht persönlich, war aber durch meinen Freund Einhard Luther, der wiederum mit ihm befreundet war, immer auf dem Laufenden, was er plante und was ihn umtrieb. Ich bin überzeugt, dass ich noch viel Freunde an diesem Buch haben werde. Ohne, dass ich durch bin, würde ich es schon jetzt wärmstens weiterempfehlen - wohl wissend, dass auch der Kreis jener Enthusiasten nicht größer wird, den es erreichen kann.

    Lieber Caruso, ich habe lange überlegt, ob ich mich hier zu Wort melden soll. Denn ich habe die Bijeschu - diese Schreibweise ist mir geläufig - nie auf der Bühne erlebt. Und es ist nun mal so, dass zwischen live und Konserve ein Unterschied besteht, auf den Du zu Recht Wert legst. Insofern hätte ich eigentlich nichts beizutragen. Ich habe sie mit der Platten-"Butterfly" kennengelernt und kenne auch andere Aufnahme. Ich unterschreibe im Grundsatz alles, was Du geschrieben hast. Bei der "Norma" kann ich Dir nicht ganz folgen. Und die späte "Aida" - ist sie nicht sehr spät? - mag ich überhaupt nicht. Die hier eingestellten Tonbeispiele - vor allen das Duett mit Atlantov - klirrt in meinem Ohren so, dass ich es wieder abstellen musste. Da hat es einer zu gut gemeint mit dem Remastering und bei der Bearbeitung den Ton über einen Blecheimer gelenkt. Vielleicht sind ja meine Lautsprecher zu gut. ;) Ich bin inzwischen sehr vorsichtig geworden im Umgang mit YouTube. Vieles klingt schrecklich, und ich will mir meinen Geschmack nicht verderben. Im Gegensatz zu Dir habe ich am Grunde dieser auf ihrem Höhepunkt wundersamen Stimme immer das im Ansatz vernommen, was ich dann doch mehr ironisch als "Russian Vocal School" bezeichnen würde.


    Ich danke Dir, dass Du uns diese Sängerin wieder ins Bewusstsein gerufen hast. Kennst und besitzt Du eigentlich auch Mitschnitte, die bei Auftritten im Westen entstanden sind? An der Scala zum Beispiel.

    Eine Inschrift auf einer Statue vor dem Gebäude des Staatsarchivs in Washington lautet:

    „Alles Vergangene ist nur ein Vorspiel.“


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    Das Zitat stammt aus Skakespeares "Der Sturm", die Future-Statue von Robert Aitken (1935). Wer selbst einmal davor gestanden ist, kann sich der Imposanz dieser Figur und mit ihr des ganzen Gebäudes kaum entziehen. Schön ist sie nicht, wie ich finde.

    Die Sopranistin Hanne-Lore Kuhse würde heute 95 Jahre alt werden.

    Vor einiger Zeit führte mich der Weg in die Schonensche Straße auf der Grenze der Berliner Ortsteile Pankow und Prenzlauer Berg, die seit 2001 gemeinsam mit Weißensee den Berliner Verwaltungsbezirk Pankow bilden. Am Ende dieser Straße wohnte Hanne-Lore Kuhse. Das villenartige Gebäude fand ich hinter einer dichten Hecke. Es war kaum wiederzukennen. Im Garten spielten Kinder. Was suchte ich dort? Ich wollte meinen Erinnerungen an die Besuche in diesem sehr erlesen ausgestatten Haus auffrischen. Sie war eine hinreißende Gastgeberin, elegant gekleidet und irgendwie sehr mütterlich und unprätentiös. Sie borgte mir auch Tonbänder, Fotos und Programmhefte aus. So lernte ich noch lange vor der Veröffentlichung ihre bewegende Mita im "Friedensengel" von Siegfried Wagner kennen, die sie konzertant in London gesungen hatte. Die Kuhse war mit Siegfrieds Tochter Friedelind eng befreundetet, die dieses Aufführung organisierte und deren Bekanntschaft ich auch machen durfte. Von ihrer Änlichkeit mit dem Großvater bin ich noch heute tief beeindruckt.



    Schon mit vierzehn war ich in die Stimme regelrecht verliebt. Ich höre sie oft in Opernkonzerten im Radio. Sie war an vielen Rundfunkproduktionen beteiligt und vermittelte mir in diesem Alter Oper am nachhaltigsten. Diese Dokumente habe ich inzwischen alle beisammen, weil das Deutsche Rundfunkarchiv in Babelsberg ja noch eigene Aufnahmen gegen Gebühr herausgibt. Manchmal erfährt mein privates Kuhse-Archiv noch erfreulichen Zuwachs. Zuletzt kam das "Tristan"-Finale als Film aus Paris hinzu. Das Konzert unter der Leitung von Georges Sébastian war aufgezeichnet worden und wird im INA bewahrt.

    „Daphne“ (Strauss): Peneios – Dezsö Ernster / Gaea – Henny Ekström / Daphne – Ingrid Bjoner / Leukippos – Kurt Wehofschitz / Apollo – Josef Traxel / Zwei Mägde – Ingrid Paller und Elisabeth Schwarzenberg / Vier Schäfer – Hugh Beresford, Hans Rietjens, Camillo Meghor und Lajos Kendy / Der Chor der Deutschen Oper am Rhein / Chorltg.: Rudolf Staude / Die Düsseldorfer Symphoniker / Dirigent: Arnold Quennet (Düsseldorf, Opernhaus, 20. 2. 1961).

    Da ich eine Schwäche für dieses Oper habe und Traxel ohnehin zugeneigt bin, will er mir als kein idealer Apollo erscheinen. Es fehlt mir der göttliche Ganz in der Stimme. Dennoch singt er die Rolle auf seine Weise sehr bewegend. Ich höre den Mitschnitt also ganz gern. Mein Mitschnitt, der mir aus privater Quelle zugegangen war, hatte noch einen akustischen Zusatz. Junge Frauen saßen beisammen, eine, nach meiner Erinnerung die Tochter des Dirigenten Arnold Quennet, las einen Briefn vor, in dem sich Traxel bei der Intendanz sehr kleineilig darüber beschwerte, dass er keinen Parkplatz am Opernhaus finde. Allgemeines Gelächter. Auch Glötter und Tenöre haben so ihre Alltagssorgen. ;)

    Über die Sängerin - zwar eine Berühmtheit ihrer Zeit - ist wenig bekannt, ausser daß sie 1880 geboren wurde und daß sie in den Jahren 1907-1912 Aufnbahmen gemacht hat.

    Auf der Seite http://www.Isoldes-Liebestod.net, die ich für sehr zuverlässig halte, hat Marguerite Mérentié sie einen recht ausführlichen Eintrag mit einigen Fotos. Dort wird sie unter den Sängerinnen geführt, die die Isolde zwar gesungen, aber keine Aufnahme des Liebestodes hinterlassen haben. Ein Sterbedatum wie aber auch nicht genannt.


    Keine herausragenden Vokalsolisten aber doch hörenswert

    Wer von den bei JPC Genannten singt denn in der Messe?

    • Künstler: Christiane Boesiger, Catherine Gayer, Cornelia Kallisch, Waltraud Meier, Margit Neubauer, Thomas Moser, Claude Helffer, Chor des Bayerischen Rundfunks, EuropaChorAkademie, SWR Vokalensemble Stuttgart, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Michael Gielen

    Ihr spottet mein, man hat mich warnen wollen,

    Diana Damrau gibt dieser Stelle fast schon veristische Züge, was mir schon bei dem Livevortrag des "Italienischen Liederbuches", den ich in Berlin erlebt habe, aufgefallen ist. Dort wurde es noch durch eine Geste unterstrichen. Damit hadere ich, obwohl mir die Interpretation insgesamt sehr gefiel. Das Lied, um das es hier geht, empfinde ich im Vergleich mit andere Nummern etwas schwerer zugänglich. Ich sehe und höre darin eine Art Monolog ohne jede Theatralik. Was an IHN gerichtet ist, macht SIE sich für sich klar. Ganz allein. Dieses hinreißende "Doch ach" sagt es mir. Richtet sie es nicht ehr an sich selbst? Wie einen tiefen Seufzer. Bei der Schwarzkopf, die ich bei dem Zyklus bevorzuge, ist dieses Lied mit einer - wie ich es empfinde - tiefen Melancholie versehen. Sie ist traurig, zweifelt. Und ist gar nicht kokett.


    Lieber Helmut, seitdem Du Dich hier diesem Zyklus widmest, ist er bei mir wieder stärker als sonst präsent. Ich nähere mich allerdings immer betont gefühlsmäßig an, weil mir die Kenntnisse fehlen, eine dem Notenbild verpflichtete Analyse herzustellen wie Du das tust. Dabei irre ich natürlich ständig und ziehe falsche Schlüsse. Aber es sind meine Schlüsse. Das Gefühl ist nun mal trügerisch. Wahrscheinlich irre ich auch diesmal mit meiner monologischen Vorstellung von diesem Lied. Das ändert aber nichts an meiner Liebe zu diesen Liedern, die ich für eine der größten - mir bekannten - Erfindungen halte.

    Zur abgebildeten Ausgabe der fünf Sinfonien von Heinz Winbeck gibt es einen prägnanten Beitrag unseres Tamino-Mitglieds Edwin Baumgartner in der "Wiener Zeitung", den ich hier verlinken möchte. Darin findet sich auch ein Foto des charismatischen Winbeck.

    Vor dem Haus des sterbenden Haydns legte man Stroh aus um den Straßenlärm zu dämpfen. Musik würde mich wahrscheinlich stören.

    Das war damals üblich und wird auch am Beginn der "Buddenbrooks" von Thomas Mann beschrieben. Wer schon am Lager von Sterbenden saß, wird bestätigen können, dass da keine Platten aufgelegt werden. Ich habe den Thread immer so verstanden, dass es um Musik geht, die dem Ende des Lebens Ausdruck zu verleihen sucht und Hinterbliebenen Trost gibt. Alles andere ist Projektion, die aber ihre Berechtigung hat.

    Richard Strauss hat sie mehr geschätzt als jede andere Sopranistin:
    die am 26. März 1894 geborene Viorica Ursuleac.

    Nachvollziehen kann ich diese Begeisterung für die Stimme und auch für ihren Gesang nicht. Aber in allen Diskussionen über Soprane in Strauss-Partien sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass Strauss sie für die ideale Interpretin seiner Opernpartien und Lieder hielt.

    Da dürften auch sehr praktische Erwägungen eine Rolle gespielt haben. Immerhin war sie die Ehefrau von Krauss. Strauss war sehr großzügig mit seinen Komplimenten. Auch ich kann keiner ihrer Aufnahmen etwas abgewinnen. Sie singt nach meinem Dafürhalten meist so stumpf und trutschig. Vielleicht musste man sie ja live erleben. Wobei die sehr emphatische "Cäcilie" noch das Beste von ihr ist, was ich kenne.

    Ich persönlich lese übrigens lieber Berichte über Live-Eindrücke, da mich CDs nicht weiter interessieren.

    Bei mir ist es ehr umgekehrt, weil ich aus vielerlei Gründen nicht mehr gern in Opernaufführungen gehe. Meine wenigen Termine suche ich mir also ganz genau aus. Bestimmte Sängerkarrieren verfolge ich aber dennoch sehr intensiv. Es gibt ja genug Quellen. Und aus diesem virtuellen Erleben kann auch mal das Bedürfnis nach dem Besuch einer Vorstellung mit den jeweiligen Künstler erwachsen. So hat Freund Caruso hier mal einen Sänger aus Island, den er live erlebt hat, vorgestellt. Den fand ich so gut, dass ich mir keinen seiner Auftritte in der näheren Umgebung entgehen ließ. Wenn Berichte über Live-Erlebnisse so geschrieben sind, dass ich raushören kann was ich nicht gesehen habe, dann lese ich sie sehr gern. :) Ansonsten sind sie in meiner Wahrnehmen ein bisschen wie erzähltes Mittagessen. Ich halte mich auch deshalb an CDs, weil ich meine Hörerfahrung vertiefen kann. Wenn man also über etwas diskutieren will und soll, was man nur vom Hörensagen kennt, dann fiele mir nicht sehr viel ein. Deshalb habe ich mich hier nur mit wenige Beiträgen einbringen können.