Beiträge von Rheingold1876

    Betrachtet man die Kritiken zum neuen Staatsopern-"Ring", so ergeht sich die Mehrzahl in minutiöser Schilderung des fragwürdigen Konzepts der Inszenierung, um bei den Sängerleistungen dann recht pauschal und oberflächlich zu argumentieren. Dies ist freilich kein Novum und kennzeichnet heutige Opernkritiken zumindest im deutschsprachigem Raum bekanntlich zunehmend. Es nimmt also nicht wunder, dass man relativ wenig Substantielles über die Gesangsleistungen vernimmt. Allzu leicht werden Superlative bemüht, die einer kritischen Überprüfung nicht standhalten.

    Das ist - wie ich finde - von Joseph sehr gut beobachtet. Viele Kritiker sind nicht (mehr) vom Fach, was ihnen nicht vorzuwerfen ist. Die Medienlandschaft hat sich derart verändert, dass diese klassische Spezis ausgestorben scheint. Wer soll es machen? Die meisten arbeiten frei und sind auf Aufträge angewiesen. Mitunter beschleicht mich der Verdacht, die Urteile fallen auch deshalb oft so enthusiastisch aus, weil man es sich mit den Häusern und Sängern nicht verderben will. An die Stelle der genauen, kritischen und wohldurchdachten Bewertung treten Objektivierungen oder das, was dafür galten wird. Plötzlich sollen alle Leser und Hörer die Beigeisterung der Kritiker teilen, was fatal ist. Und wenn das Publkum etwas anderes wahrnimmt als die Berichterstatter, wird es zur Ordnung gerufen. Sieh hier:


    "Beim 'Rheingold' musste Rolando Villazon einen Buhsturm als Loge einstecken, bei der 'Walküre' Robert Watson als Siegmund. Leute, wenn Euch ein Sänger nicht gefällt, und hier singen alle auf höchstem Niveau, dann reicht es, die Hände ruhen zu lassen."

    - Maria Ossowski, BR-Klassik

    Das ist eine Todsünde der Kritik. Soetwas macht man nicht. :no:


    Aber immerhin gibt es außer privaten Mitschnitten zumindest eine offizielle Aufnahme von 1965 mit ihr.

    Aus meinem Bestand wüsste ich noch diese, 1977 als LP bei Intercord erschienen:


    Felix Mendelssohn-Bartholdy
    ERSTE WALPURGISNACHT

    Kantate für Soli, Chor und Orchester

    Marie-Luise Gilles, Mezzosopran

    Horst E. Laubenthal, Tenor

    Wolfgang Schöne, Bariton

    Tadao Yoshie, Bass

    Die Frankfurter Singakademie

    Das Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchester

    Dirigent: Christoph von Dohnányi


    Mitschnitt eines öffentlichen Konzertes im Dezember 1975 in Frankfurt

    Aufgenommen durch den Deutschlandfunk, Köln

    Bei den Damen ist zuvörderst die Brünnhilde von Naděžda Kniplová anzuführen, die stellenweise an die Nilsson gemahnt. Teils wurde ihre Schärfe kritisch beäugt, doch hat sie dafür eine Durchschlagskraft sondergleichen, welche den meisten späteren Rollenvertreterinnen abgeht. Eine furchteinflößende Walküre der alten Schule.

    Außer im Swarowsky-"Ring", auf den sich Josephs Bemerkung bezieht, ist die Kniplová auch in der von Wolfgang Sawallisch geleiteten Rai-Produktion von 1968 anzutreffen. Hatten wir die schon? Sie ist vor Jahren bei Myto erschienen. Hier die komplette Besetzung:


    Richard Wagner

    DER RING DES NIBELUNGEN


    Orchestra della RAI di Roma

    Coro della RAI di Roma

    Dirigent: Wolfgang Sawallisch


    Rom, Livekonzert 1968

    MYTO


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    DAS RHEINGOLD

    Alberich: Zoltán Kélémen

    Donner: Thomas Tipton

    Erda: Oralia Dominguez

    Fafner: Karl Ridderbusch

    Fasolt: Gerd Nienstedt

    Flosshilde: Ilse Gramatzki

    Freia: Leonore Kirschstein

    Fricka: Janis Martin

    Froh: Hermann Winkler

    Loge: Herbert Schachtschneider

    Mime: Erwin Wohlfahrt

    Wellgunde: Ingrit Liljeberg

    Woglinde: Lieselotte Hammes

    Wotan: Theo Adam


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    DIE WALKÜRE

    Brünnhilde: Nadezda Kniplova

    Fricka: Janis Martin

    Gerhilde: Lieselotte Rebmann

    Grimgerde: Cvetka Ahlin

    Helmwige: Daniza Mastilovic

    Hunding: Gerd Nienstedt

    Ortlinde: Elisabeth Schwarzenberg

    Rossweisse: Raili Kostia

    Schwertleite: Aili Puroner

    Sieglinde: Hildegard Hillebrecht

    Siegmund: Eberhard Katz

    Siegrune: Jane Murray Dillard

    Waltraute: Irene Dalis

    Wotan: Theo Adam

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    SIEGFRIED

    Alberich: Zoltán Kélémen

    Brünnhilde: Nadezda Kniplova

    Der Wanderer: Theo Adam

    Erda: Oralia Dominguez

    Fafner: Karl Ridderbusch

    Mime: Erwin Wohlfahrt

    Siegfried: Jean Cox

    Stimme des Waldvogels: Ingrid Paller


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    GÖTTERDÄMMERUNG

    Alberich: Zoltán Kélémen

    Brünnhilde: Nadezda Kniplova

    Floßhilde : Ilse Gramatzki

    Gunther: Thomas Tipton

    Gutrune: Leonore Kirschstein

    Hagen: Gerd Nienstedt

    Norn (1): Ruza Pospinov

    Norn (2): Helga Dernesch

    Norn (3): Elisabeth Schwarzenberg

    Siegfried: Jean Cox

    Wellgunde: Ingrit Liljeberg

    Woglinde: Christa Lehnert

    Von allen Wagner-Gesamtaufnahmen unter Solti darf der "Lohengrin" wohl die zweifelhafte Ehre beanspruchen, die am wenigsten überzeugende zu sein.

    In meiner Sammlung führt sie eine Art Gnadendasein. Ich behalte sie aus Mitleid und als warnendes Beispiel dafür, wie Wagner besser nicht eingespielt werden sollte. Solti war nicht mehr der, der dem Decca-"Ring" an der Seite des Produzenten Culshaw - Joseph II. hat dieses "Traumpaar" jüngst wieder in Erinnerung gerufen - seinen bleibenden Stempel aufgdrückt hat. Er war auf dem Höhepunklt seines Ruhms und raste von Termin zu Termin. Es gab keinen Culshaw mehr. Durch Norman und Domingo - damals die omnipäsenten Stars - sollte die Aufnahme offenkundig zum Selbstläufer werden. Das hat sich auf der ganzen Linie als Irrtum erwiesen.

    Verdi klingt für mich - abgesehen von ein paar Ausnahmen immer ein bisschen nach Zirkusmusik. Ein paar seiner Opern mag ich trotzdem sehr gerne.

    1. Don Carlo (die italienische Fassung) - für mich ein Meisterwerk, zählt zu meinen Lieblingsopern, ein Thriller.


    Stolzing hat mit seiner rustikalen Aussage wieder eine Operndiskussion im Forum angestoßen. Und das gut so. :) Mit fällt eine Stelle im ersten Aufzug der "Meistersinger" ein, wo Sachs den wahren Stolzing mit diesen Worten verteidigt:


    "Des Ritters Lied und Weise,
    sie fand ich neu,
    doch nicht verwirrt ... "


    Der italienische "Carlo" steht bei Solzing an erster Stelle. Eine gute Wahl. Meine eigenen Reihenfolge sieht das Werk dort auch - allerdings in der französichen Fassung, wie sie nicht einmal bei der Uraufführung in Paris auf die Bühne kam. Nur in ihrer perfekten Vollständigkeit bleiben keine dramaturgischen Lücken und Unwahrscheinlichkeiten, die dieser Opern gern angelastet werden. Diese zwei Dokumente eigenen sich für ein genaueres inhaltliches Studium, sängerisch sind sie für mich nicht erste Wahl:


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    Rankings von anderen lese ich sehr gern. Für mich selbst bin ich nicht der größte Freund davon. Im Kopf trägt man sie aber schon mit sich herum. Es sind nach meiner Erfahrung Momentaufnahmen. Eine Reihenfolge entsteht auch danach, was ich wie oft höre. Ich kenne nur ganz wenige ideale Aufnahmern. Meist fehlt oder stört etwas. Dennoch können mir gute Einspielungen am besten das vermitteln, was Wagner vorgeschwebt hat. Theateraufführungen mit ihren vielen Unwägbarkeiten, die nun mal dazugehören- haben es da noch schwerer. Deshalb sah ich mir in den lezten Jahren keinen Wagner in einem Opernhaus an, obwohl es in Berlin, wo ich wohne, reichlich Gelegenheit gbt. Zuletzt sah und hörte ich 2017 den "Tannhäuser" in der Pariser Fassung - also auch in französischer Übersetzung, die auch dezente Veränderungen in der Partitur zur Folge hatte - in Monte-Carlo. Das musste ich einfach erlebt haben.


    Nun mein Versuch, eine aktuelle Reihefolge zu finden. Vielleicht nenne ich später noch konkrete Aufnahmen wie in einigen Beiträgen geschehen.


    Rheingold

    Siegfried

    Meistersinger

    Parsifal

    Tristan und Isolde

    Lohengrin

    Tannhäuser (Wiener Fassung)

    Walküre

    Götterdämmerung

    Holländer

    Feen

    Rienzi

    Liebesverbot

    https://www.tagesschau.de/inland/kulturpass-101.html


    Die grüne deutsche Kultur-Staatsministerin Roth gibt spendabel. Sie will alle jungen Leute an ihrem 18. Geburtstag mit einem Kulturpass im Wert von 200 Euro beschenken, den diese dann selbst verwalten sollen. Damit will sie auch die gebeutelte Kulturbranche zusätzlich durch die Hintertür subventionieren. Für mich liegt es ganz klar auf der Hand, dass mit solchen milden Gaben auch künftige Wähler bestochen werden sollen, die Grünen zu wählen. Bisher habe ich noch nicht herausgefunden, ob das Geld auch für den Kauf von Klebemitteln, Kartoffelbrei und Tomatensaft verwendet werden kann. :pfeif:


    Ich gebe diesem Plan wenig Chancen, weil er eine ganz typische Idee von Politikern ist, die in die Jahre gekommen sind und vom wirklichen Leben und Denken der Jugend keine Ahnung mehr haben. Es ist nunmehr vierzig Jahre her, dass Frau eine Rockband managte. Schon der Begriff Kulturpass dürfte Jugendliche abschrecken. Übrigens hatte die jetzige EU-Kommissionsprädidentin in ihrer zeit als deutsche Familienministerin schon eine ähnliche Idee, die lautlos wieder im Sande verlief, weil niemand Gebrauch davon machte.


    Es ist offenkundig, dass die allgemeine Krise - wie den ÖRR - nun auch die Kultur erfasst hat und nicht mehr loslassen wird. Mit Geschenken und verbilligten Eintrittskarten ist da nichts mehr zu retten. Es wird an die Struktur und damit ans Eingemachte gehen müssen. Je schneller das begriffen wird, umso besser.

    Im zweiten Notenbüchlein sind kleinere Komposition Bachs enthalten, teils für Singstimme oder für Tasteninstrumente. Es ist die Handschrift von Anna Magdalena Bach. Überwiegend sind es Stücke ihres Ehemannes. Einige stammen von anderen Komponisten: Christian Petzold, Carl Philipp Emanuel Bach, Gottfried Heinrich Stölzle, François Couperin, johann Adolph Hasse.

    Aus der Oper "Diomedes" von Gottfried Heinrich Stölzel (auch Stöltzel) ist diese Arie übernommen: "Bist du bei mir". Die erste Bekanntschaft damit hat mir Elisabeth Schwarzkopf, begleitet von Gerald Moore, beschert. Heute wird die Arie anders gesungen als zum Zeitpunkt der Aufnahme 1954. Die Innigkeit und Empathie, deren diese Sängerin fähig ist, dürfte nicht so leicht zu überbieten sein.


    Wenn René Kollo singt, bin ich glücklich.


    Kollo als Lohengrin gefällt auch mir in seiner Glanzzeit ganz ausgezeichnet. Die Stimme mit einem hohen Wiedererkennungswert verbindet die lyrische mit der heldischen Dimension. Er ist immer sehr gut zu verstehen. Ob gewollt oder nicht: Er klingt für mich immer ein wenig naiv. Denn schließlich zeichnen sich Helden nicht unbedingt durch geistige Größe und scharfe Intelligenz aus. Scharf ist ihr Schwert. Das passt doch. Nach meiner Beobachtung ist Kollo live besser und stimmlich freier als im Studio. In meiner Sammlung habe ich den Rundfunkmitschnitt seines Bayreuther Lohengrin unter der Leitung von Silvio Varviso von 1972, der eine ähnliche Pracht im Orchester entfaltet wie Karajan in der von Joseph II. erwähnten Studioeinspielung, die eine sehr problematische Entstehungsgeschichte hat.

    Geben Sie, was Sie denken! Um ein Opernhaus, das seine Karten für ausgewählte Vorstellungen fast verschenken muss, kann es wirtschaftlich nicht gut bestellt sein. Denn bezahlen müssen die Rechung am Ende ja genau diejenigen, die jetzt das vermeintliche Schnäppchen gemacht haben - wir Steuerzahler. Linke Tasche, rechte Tasche! Das geht auf Dauer nicht. Was nichts kostet, kann nichts taugen. Darauf fallen in Deutschand nicht mal mehr arme Leute rein. :no: Ein Opernhaus gibt sich auf Kosten anderer milde und sozial. Und merkt nicht, wie schnell das zu durchschauen ist.

    Vergleiche hinken ja bekanntlich oft, ...

    Wie Recht Du hast, lieber Orfeo. Schon der Vergleich, der dem Titel dieses Threads innewohnt, ist aus meiner Sicht eine totaler Irrtum. Sängerinnen sind doch keine Vögel, die sich von Insekten und Regenwürmern ernähren, Eier legen und in Nestern leben. ;) Was die Sache selbst anbetrifft, kann ich mit derlei Experimenten nichts anfangen. Ich liebe menschliche Stimmen im Zusammenhang mit musikalischen Kunstwerken und den Möglichkeiten, deren Inhalt zu vermitteln - und keine ausgestellten Spizentöne. Was es also alles gibt. Danke, dass Du uns darauf brachtest.


    Mit ist natürlich bekannt, dass der Nachtigallenvergleich tief verwurzelt ist in Musik und Literatur. Es gibt viele schöne Beispiele. Der inflationäre Gerbrauch zu Kennzeichnung von Sängerinnen aber ist mir lästig.

    „Missa Solemnis“ (Ludwig van Beethoven): Trude Eipperle (Sopran), Luise Willer (Alt), Julius Patzak (Tenor), Georg Hann (Bass) / Der Chor der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Richard Rossmayer / Die Wiener Philharmoniker / Dirigent: Clemens Krauss (Wien, Musikverein, 5. 11. 1940). Die „Missa Solemnis“ wurde am 5. und 6. 11. 1940 im Großen Musikvereinssaal aufgeführt; das erste Konzert wurde für den 'Großdeutschen Rundfunk' aufgezeichnet und am 7. 11. 1940 gesendet. Der Mitschnitt erschien 1991 auf je zwei CDs bei 'Melodram' (gekoppelt mit Auszügen einer Aufführung unter Arturo Toscanini von 1935 mit Elisabeth Rethberg, Marion Telva, Giovanni Martinelli und Ezio Pinza) und in der Serie „150 Jahre Wiener Philharmoniker“ der 'Deutschen Grammophon Gesellschaft' mit Stravinskys „Pulcinella-Suite“ und Dukas' „Zauberlehrling“ als Ergänzung.

    Mit sind noch mindestens zwei weitere CD-Ausgaben bekannt:ab67616d0000b273b1c207d11b66d14f4e68de6d


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    Direkt kann diese "Missa Solemnis" auch bei YouTube und Spotify gehört werden. Hier der Verweis auf YouTube:


    getimage.aspx?veid=13353&deid=10&sqnznr=1&width=520&klid=9Hier begnenen sich Anton Bruckner und der Kritiker Eduard Hanslick - ebenfalls auf einem Schereschnitt von Otto Böhler.


    Ich erlaube mir, Wikipedia zu zitietren: Immer wieder wird Hanslick, besonders von den Bruckner-Biographen, als Antagonist Anton Bruckners dargestellt. Zwar trifft zu, dass Bruckner ohne Hanslicks Einfluss wahrscheinlich nicht nach Wien gegangen wäre, denn dieser hat ihn im Juni 1865 bei einem Liederwettstreit in Linz ermutigt, nach Wien zu gehen, mit dem Hinweis, dass er es dort weit bringen werde. Aus dieser Zeit ist eine Photographie Hanslicks erhalten, die er Bruckner mit Widmung zukommen ließ. Auch kann gesagt werden, dass Hanslick sich über den Organisten Bruckner überschwänglich äußerte – und über Bruckners Erfolge bei dessen Orgeltournee in Nancy und Paris schwärmte – und dass Hanslick in seinen Kritiken stets betonte, wie sympathisch der Mensch Bruckner ihm sei, dass er seine Musik aber nicht verstehen könne. Nachdenklich stimmt jedoch die oftmals unsachliche Gehässigkeit gegenüber Bruckner in Hanslicks Kritiken („traumverwirrter Katzenjammerstil“), und es verwundert aus heutiger Sicht auch sehr, dass Hanslick, der doch das geflügelte Wort geprägt hatte, Musik sei nichts anderes als tönend bewegte Form, nicht erkannte, dass gerade Bruckner und seine symphonische Architektur diesem Formbegriff unter all seinen Zeitgenossen am ehesten entsprach. Wie Egon Erwin Kisch berichtet, erzählte man sich in Wien, dass Bruckner bei einer kaiserlichen Audienz nach einem Wunsch gefragt wurde, worauf er tränenüberströmt ausrief: „Majestät, könnten S' nicht beim Herrn Hanslick ein Wörtchen für mich einlegen, dass er mich nicht immer so tadeln tut?"

    Zitat aus dem von michael74 verlinkten Fono-Forum-Beitrag: "Ein großer Teil der befragten Musikschaffenden sieht Streaming grundsätzlich als Chance, ein größeres Publikum zu erreichen. Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung (45 %, Stand 2021) nutzt Musikstreaming."


    Hier zeichnet sich nach meiner Überzeugung Zukunftsfähigkeit ab. Der materialintensive Musikmarkt wird sich weiter dratisch verändern. CD und DVD dürften sukzessive verschwinden. Auch weil es Nutzer und Verbraucher so wollen. Wenn es letztlich auf Dienste und Datenbanken hinausläuft, die alles, was je aufgenommen und produziert wurde und wird, bereithalten, dann ist das doch eine wunderbare Perspektive. Es ist nicht sehr lange - gefühlt aber hundert Jahre - her, dass man noch mit einem portablen CD-Player und CD-Stapeln auf Reisen ging. Ich bin sehr gespannt, was kommt und was nicht.


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    Von Arcangelo Corelli (1653-1713) gibt es mehrere Darstellungen mit Noten. Hier ist eine davon. Das Gemälde stammt von Hugh Howard, einem Zeitgenossen des Komponisten. Es befindet sich in der Nationalgalerie Irland.

    Im dritten Akt des "Vogelhändler" hat der enttäuschte Adam ein Couplet - genau genommen sind es zwei - (Nr. 15 der Musiknummern) zu singen, das bei Aufführungen und Einspielungen gern weggelassen wird. Warum eigentlich? Er will nur noch fort, zurück nach Tirol, um dort die Christel vergessen - die Heimat als der sichere Zufuchtsort:


    Und so beginnen die Verse, die schon wegen der tiroler Mundart, die hier unerlässlich ist, ungemein schwer zu singen sind:
    "Komm' ih iazt wieder ham" und "Herr Pfarrer, mir is's klar"


    Es gibt einen alten Querschnitt durch diese Operette unter Rudolf Moralt mit Julius Patzak als Vogelhändler Adam. Patzak kann das singen, unvergleichlich sogar:


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    Kennt jemand andere Aufnahmen mit dem Couplet?

    Mir ist es letztendlich egal welcher Sänger von wem "gemanaged" und vertreten wird und wer dann gewinnt, wenn die künstlerische Leistung stimmt. Dass manche da jetzt offensichtlich so ein Theater daraus machen passt in unsere Zeit, wo jeder auf jeden den Finger zeigt.


    Was mich vielmehr wundert, ist, das Nicht-Interesse an Nils Wanderer. Dass man hier im Forum immer weniger am Sängernachwuchs interessiert ist, ist eine Sache. Jedoch wurde in der Vergangenheit gerne schon mal moniert, dass kaum deutsche Sänger im Rennen sind und schon gar nicht gewinnen. Nun hat man endlich einen, und dem deutschen Feuilleton ist das nicht mal eine Meldung wert. Aber wie ist das mit dem Propheten im eigenen Land?

    Oder liegt es einfach nur daran, dass Wanderer ein Countertenor ist. Die stoßen ja selbst hier im Forum auf wenig Interesse.

    Lieber Gregor, mir ist es letztlich auch völlig egal, wer wie in Wettbewerbe kommt. Am Ende muss sich zeigen, ob die Ausgewählten tatsächlich bestehen können. Das ist dann der eigentliche Wettbewerb. Niemand kann auf Dauer gepuscht werden. Ich glaube, das ist ehr Ausdruck unserer Zeit als die kritschen Reaktionen, die daraus folgen.


    Nils Wanderer ist auch mir bekannt. Leider habe ich ihn noch nie live erlebt. In seinem Falle scheint mir das aber unerlässlich. Mit seinen Tondokumenten tue ich mich schwer. Bisher habe ich ihn mehr als ein sehr buntes künstlerisches Mischwesen wahrgenommen, das auch zu überraschenden Aktionen neigt, die ihre emotionale Wirkung nicht verfehlen. "St. Petersburg" scheint mir dafür ein treffliches Beispiel:



    Er ist nach meinem Eindruck auch stimmlich einen Wanderer zwischen den Welten, liebt die Performance:



    Er ist wohl nicht festgelegt, was ein Vorteiil sein kann. Ob man damit eine lange Karriere machen kann, muss sich erst zeigen. Sein größter Vorteil - seine Jugend - ist noch momener Art. Seien wir also gespannt und wünschem ihm Erfolg. Gut, dass Du Dich für ihn einsetzt.

    Aus "Von der Schönheit"


    "Das Roß des einen wiehert fröhlich auf

    Und scheut und saust dahin,

    Über Blumen, Gräser, wanken hin die Hufe,

    Sie zerstampfen jäh im Sturm die hingesunk´nen Blüten.

    Hei! Wie flattern im Taumel seine Mähnen,

    Dampfen heiß die Nüstern!"


    Zwei der bedeutendsten Mahler-Interpreten des vergangenen Jahrhunderts - Christa Ludwig und Leonard Bernstein - ringen bei der Probe um das, was mögiich ist.



    Mehr zufällig stieß ich auf diese Probenszene, die mich darauf brachte, wieder in Helmuts feinsinniger Analyse von Mahlers "Lied von der Erde" zu lesen.

    „Der Vogelhändler“ (Carl Zeller): Die Kurfürstin – Trude Eipperle / Adelaide, ihre Hofdame – Maria Wolf / Baron Weps – Fritz Hoppe / Graf Stanislaus, sein Neffe – Hannes Raul / Adam, Vogelhändler – Josef Traxel / Die Post-Christel – Lucia Wehr / Schneck, Bürgermeister – Kurt Großkurth / Süffle und Würmchen, Professoren – Bruno Fritz und Armin Münch / Der Chor des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Josef Kugler / Das Münchner Rundfunkorchester / Dirigent: Werner Schmidt-Boelcke / Funkregie: Ludwig Bender (München, Haus des Sports, 29. 9. 1952).


    Ausserdem war die obengenannte Aufnahme auch die 'Tonunterlage' für den „Vogelhändler“-Spielfilm von Arthur Maria Rabenalt (1953) mit u. a. Ilse Werner (Fürstin Marie-Louise), Wolf Albach-Retty (Fürst Ysenheim-Erbach), Günther Lüders (Hofsekretär Weps), Erni Mangold (Hofdame Ernestine), Gerhard Riedmann (Vogelhändler Adam), Eva Probst (Christel von der Post), Sybil Werden (Jeanine, Tänzerin), Siegfried Breuer (Marquis de Tréville, ihr Ehemann), Hans Hermann Schaufuss (Ein Diener des Fürsten) und Rudolf Reif (Der Oberförster); die Sänger wurden – wie damals üblich – im Vorspann des Films nicht genannt.

    Dieser Film ist bei Filmjuwelen neu aufgelegt worden und noch im Handel:


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    Ein Werbetrailer, dessen Bildqulität nicht so gut ist wie die des Originals, findet sich bei YouTube:


    Lieber moderato, dieses Gemälde hatte ich auch auf dem Schirm. Ich liebe es sehr und habe schon sehr oft davor gestanden, denn es hängt in der Alten Nationalgalerie zu Berlin. Geuldigt wird Beethoven, folglich dürften auch die Noten auf dem Flügel seinrm Werk entstammen.


    Wie ich eben sehe, hast Du Deinen Text noch vervollständigt, was Sinn macht.

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    Franz Liszt im Cocertsaale, umjubelt vom weiblichen Teil des Publikums. Einige Frauen sind der Ohnmacht nahe. Solche Szenen sollen sich tatsächlich abgespielt haben, wenn er auftrat. Gehuldigt wird mehr dem charismatischen Künster, denn der Musik selbst. Wohl auch deshalb bleibt das Nitenblatt auf dem Flügel, dessen er gewiss nicht bedurfte, unbestimmte Dokoration. Die Darstellung stammt von dem Berliner Maler und Illustrator Theodor Hosemann (1807-1876). Nach Hosemann ist im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg eine Straße benannt.

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    Johann Sebastian Bach ist auf dem Gemälde von Elias Gottlob Haussmann mit einem Notenblatt dargestellt, welches er dem Zuschauer so entgegenhält, dass es gelesen werden kann. Es handelt sich um eine Seite aus dem Rätselkanon BWV 1076, mit der die musijkalische Genialität des Komponisten belegen soll. Das originale Bild, von den es mehrere Kopien gibt, kehrte 2014 nach Leipzig ins Bach-Archiv zurück. Es befand sich lange in den USA in Privatbeseitz und hing eine zeitlang auch im Elternhaus von John Eliot Gardiner, der sich in einem Interview daran erinnert.

    Lieber Rüdiger,


    wenn Du meinen Beitrag #2 als Kritik aufgefaßt hast, so hast Du mich gründlich mißverstanden. Ich war ganz im Gegenteil froh, daß jemand diese alte, aber niveauvolle Serie mal wieder in den Fokus gerückt hat. Im Vergleich zu den Krimis, die heutzutage meist geboten werden, sind diese geradezu ideal zum Entspannen.

    Lieber nemorino, Dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Als Kritik, nicht einmal als Hauch von Kritik, habe ich ihn nicht verstanden. Nächstens werde ich noch auf musikalische Aspekte der Serie eingehen. Ich wollte und will sie nicht verklären. Mich interessiert vornehmlich die filmische Substanz. Im Nachhinein stelle ich sogar einige comic-hafte Erscheiniungen fest, die so gewiss nicht beabsichtig waren. Sie ergeben sich aus der großen historischen Distanz. Das finde ich spannend. Neue Kriminalfilme interessieren mich weniger bis überhaupt nicht, stoßen mich in Teilen sogar ab. Die Darstellung von purer Gewalt finde ich erschreckend. Gern greife ich stattdessen auf den von Thomas bereits erwähnten jungen Inspektor Morse (Shaun Evans), der Opern liebt und ständig Schallplatten hört, sowie auf Poirot von David Suchet zurück. Das sind in meiner Wahrnehmung unglaublich gut entwickelte Figuren mit hoher Individualität.