Beiträge von Rheingold1876

    ... im Gegensatz zu dir, bin ich kein expliziter Stimmenliebhaber.

    Ich sehe mich auch nicht als Stimmenliebhaber. Vielmehr interessiere ich mich für menschliche Stimmen und deren unterschiedlich entwickelte Fähigkeiten, Gefühle, Situationen und Vorgänge im Detail oder sehr komplex darzustellen. So darzustellen, dass sie mich erreichen, mir nahe gehen und überzeugen. Dazu muss ich sie nicht lieben. Zuneigung würde es vielleicht besser treffen. Es bilden sich Vorlieben aus, die auch Veränderungen unterliegen. Ja, ich pflege und pflegte etliche andauernde Neigungen zu einzelnen Sängern. Manchen bin ich auch begegnet, wenigen sehr oft. Solche Beziehungen sind aber aus meiner Erfahrung oft kompliziert, wenn nicht gar langweilig. Die wenigsten Sänger erwarten Kritik, was ich verstehen kann. Wer sie umgibt, wird fast schon automatisch Teil eines Fanclubs bzw. zum Publikum. Man trifft dann auf Leute, denen man eigentlich nicht begegnen will. Von der Österreicherin Leonie Rysanek (1926-1998) ist überliefert, dass sie sich durchaus im Klaren darüber sein, mit ihrem Gesang das leere Leben ihre Fans zu füllen. Wert lege ich mehr noch auf das Timbre, die Stimmfarbe und deren Wiedererkennungswert statt auf die Technik. Meist sind das Begabungen. Die Callas ist zumindest für mich an jeden Ton auszumachen. Im Ensemble kann das auch stören. Sie hat für die Kunst Grenzen überschritten, was auf Dauer nicht gut gehen konnte.

    Sie ist unter den bedeutendsten - keine Frage. Aber unter den schönsten nicht unbedingt und das spielt für mich auch keine kleine Rolle. Natürlich sind Figuren wie Norma oder Elvira (I puritani) vor allem durch ihren Einsatz auf die Opernbühnen der Welt zurückgekehrt. Das hat der Film - ohne es konkret zu benennen - schön herausgearbeitet!

    Und wer wären aus Deiner Sicht denn den anderen bedeutedsten Stimmen? Schöne halte ich für eine sehr ungenaue Kategorie bei der Bewertung von Kunst bzw. menschlichen Stimmen. Mann hört ja sehr oft von "schönen Stimmen". Vorstellen kann ich mir darunter leztlich nicht sehr viel. Ja, ja der Film, mit dem die Callas durch Frau Jolie quasi wieder auferstehen soll. Ist es nicht so? Persönlich halte ich nichts von Filmen, die das Leben von Künstlern und deren Schaffen nachstellen. Ich kenne keinen, in dem das überzeugend gelang. Ich halte mich ans Original.

    Ich kenne ihre Violetta und Tosca und erkenne ihre Fähigkeiten an. Aber das Timbre ist überhaupt nicht mein Fall und das überstrahlt- für mich - leider den Rest

    Die Callas - und daran besteht für mich nicht der geringste Zweifel - hat das Timbre zum Ausdruck erhoben. Von Beginn ihrer Karriere an war das etwas völlig Neues. Kein Wunder, dass sie nur wenige Jahre im Vollbesitz ihrer Kunst war. Es ist wohl kein Zufall, dass sie weder einen Vorgängerin noch eine Nachfolgerin hatte. Sie machte es ihrem Publikum, das genau hinhören konnte, nicht leicht. Bis heute. Inzwischen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es wohl kein Unglück ist, sie nicht auf der Bühne gesehen zu haben. Über ihre bewegten Bilder ist die Zeit stark hinweggegangen. Ich sehe mir das nie mehr an. Stimmlich aber schuf sie Gestalten mit Ewigkeitswert. Man denke nur an die Norma oder an die Violetta. Das bestärkt mich darin, dass Oper zuerst und vor allem Musik ist und über jede Regie triumphiert. Ich scheue mich nicht, Maria Callas die bedeutendste Sängerin unter denen zu nennen, die mit Tonaufnahmen dokumentiert sind. Mit dieser Einschätzung bin ich gewiss nicht allein.

    Diskographie Hanne-Lore Kuhse: Die Opernquerschnitte (4)

    Richard Wagner: Lohengrin


    Heinrich der Vogler Theo Adam

    Lohengrin Martin Ritzmann

    Elsa von Brabant Hanne-Lore Kuhse

    Friedrich von Telramund Karl-Heinz Stryczek

    Ortrud, seine Gemahlin Ludmila Dvorakova


    Chor der Deutschen Staatsoper Berlin

    Staatskapelle Berlin

    Dirigent Otmar Suitner


    aufgenommen 1974


    Hier das Programm:


    1. Vorspiel

    2. Einsam in trüben Tagen (Elsas Traum)

    3. Nun sei bedankt, mein lieber Schwan (Lohengrins Ankunft)

    4. Mein Herr und Gott (Gebet des Königs)

    5. Treulich geführt / Das süsse Lied verhallt (Brautchor und Brautgemachszene Lohengrin, Elsa)

    6. Erhebe dich, Genossin meiner Schmach (Szene Telramund, Ortrud)

    7. In fernem Land (Lohengrins Gralserzählung)

    Auf der CD Mondnacht begleitet Helmut Pfeuffer die Altistin Annelies Burmeister bei drei Liedern von Johannes Brahms, die Aufnahmen sind mit 1971 datiert:

    (Fettung von mir)



    Lieber hart, jene drei Lieder stammen von einer Langspielplatte, die bei der DDR-Firma ETERNA produziuert und in zwei veraschiedenen Aufnachungen auf den Markt gebracht wurde. Gekoppelt mit der Alt-Rhapsodie fand sie auch den Weg auf CD. Die Burmeister singt einen stilistisch ganz vorzüglichen Brahms.

    Valery Afanassiev



    Der jüngst verstorben Jose Van Dam ist auch als Liedersänger hervorgetreten. Seine diesbezüglichen Aufnahmen haben vielleicht nicht die Verbreitung gefunden, die sie verdient hätten. Der Bariton aus Belgien galt nach meiner Beobachtung auf diesem Gebiet mehr als Geheimtipp. In seiner aktiven Zeit hatte er eine starke Konkurrenz um sich, wodurch sich seine Möglichkeiten auch einschränkten. Herausheben möchte ich Schuberts "Winterreise", bei der er von Valery Afanassiev begleitet wird.


    Wer war nun Valery Afanassiev, der 1947 in Moskau zur Welt kam, wo er auch von Emil Giles unterrichtet wurde? Im Jahre 1968 gewann er als erster Preisträger den Bach-Wettbewerb in Leipzig. 1974 verließ der Pianist die Sowjetunion und ließ sich in Belgien nieder, er lebte in Versailles bei Paris und seit 2016 wieder in Belgien. Daraus erklärt sich auch seine Verbindung zu Van Dam. Neben seiner musikalischen Tätigkeit ist Afanassiev auch Autor von Romanen und Texten aus seinem musikalischen Metier bekannt geworden. Beim Werbepartner jpc sind zahlreiche solostische Einspielungen mit ihm zu finden, darunter Werke von Schubert, Brahms und Beethoven.



    full_02_afanassiev.jpg

    Toscanini ist für ich ein treffliches Beispiel für diesen Thread. Ich höre seine Aufnahmen - die von Joseph vorgestellte CD mal ausgenommen – fast nie. Ich störe mich an der Tonqualität, die in meiner Wahrnehmung einen grellen Widerspruch zu seinem Perfektionsbestreben bildet – doch als gegeben hingenommen werden muss. Live dürfte er überwältigend gewesen sein. Was mich nach wie vor staunen lässt, ist diese ins Unheimliche gehende Präzision. ER brennt – und ES brennt. Verdis „Falstaff“ und den dritten „Rigoletto“-Akt kann ich mir letztlich nicht aufregender vorstellen. Dabei ist mir völlig klar, dass es so nie mehr klingen kann und wird. Man spürt, wie er seine Sänger und Musiker vor sich her trieb. Sein Sound hat in meinen Ohren durchaus etwas Erbarmungsloses, was mich letzten Endes irritiert. Toscanini beschert mir keinen Genuss. Er wird oft als sehr charmant beschrieben, half Menschen in Not und soll sehr zuverlässig gewesen sein. Die legendären Aussetzer hatte er dann, wenn er sich unverstanden fühlte und nicht die höchste Leistungsbereitschaft bei Sängern und Musikern fand, die er selbst einforderte. Es ging ihm wohl immer um die Musik. Und man sollte sich auch daran erinnern, dass er kleinen gesellschaftlichen Verhältnissen entstammte. Was er wurde, war hart erkämpft. Durch seine Gegnerschaft zu Nazis und Faschisten wurde Toscanini für mich zur Lichtgestalt. Auch diesbezüglich kannte er wohl kein Erbarmen.


    Rilling hatte Glück und Pech gleichzeitig, stets mit Bach in Verbindung gebracht zu werden, wobei er ja 2 mächtige Konkurrenten hatte - Harnoncourt und Richter.

    Obwohl vor fünf Jahren geschrieben, gilt das immer noch. Auch jetzt nach seinem Tod. Wenn wir gütig und gerecht zugleich sein wollen, lege man die Betonung auf "Glück". Der Zufall wollte es, dass mir zu Beginn des Jahres wieder die alte Plattenbox "Geistliche Musik der Bach-Familie" in die Hände fiel, die ich allerdings mit spitzen Fingern entsorgen musste. Einlegeblätter aus weichem Kunststoff hatten sich von selbst zersetzt und flogen als widerlicher Staub umher. Ersatzweise wurde ich in der Bibliothek fündig, wo die bei jpc in CD-Form zu habende Ausgabe vorrätig war. Mein erste Gedanke: Ein Bach reicht dem Rilling nicht. Es musste gleich der musikalische Stammbaum sein. Kein Wunder, dass man bei Rilling immer zuerst an Bach denkt. Das kann ja auch nicht verkehrt sein. Die genannte Edition aus der Mitte der achziger Jahre empfand ich immer als eine große Sache. Sie hat inzwischen Nachfolger gefunden, die es mit der Stimmung, die Rilling aufbringen konnte, für mich nicht aufnehmen können.


    Die Freude am Buch "Ausgespielt" von Lebrecht teile auch ich. Die Empfehlung kam wohl einst hier aus dem Forum – wenn nicht sogar von Alfred. Es war ein guter Rat. Ich habe es in einem Ritt gelesen und greife noch immer darauf zurück. Wer mit den Fakten und dem historischen Geschehen etwas vertraut ist, wird mehr Honig aus den teils sehr frechen Schilderungen ziehen als derjenige, der durch Lebrecht zum ersten Mal davon hört. Der Eingeweihte ist also klar im Vorteil. Lebrecht greift zudem zu einem mich überzeugenden Trick, um die eigene Glaubwürdigkeit zu demonstrieren. Er analysiert die Vorzüge von hundert Aufnahmen und konfrontiert sie mit zwanzig Produktionen, die „nie hätten gemacht werden sollen“. Ein Buch wie dieses wird wohl nie mehr geschrieben werden können angesichts der weit verbreiteten Neigungen zu politisch korrektem Verhalten. Außerdem geben es die Fakten nicht mehr her. Insofern haben wir es mit einer durch und durch historischen Publikation zu tun.

    DECCA hatte übrigens im Klassikbereich seine Glanzzeit zwischen 1955 und ca. 1995. Zum einen war DECCA ein Pionier bei der Einführung von STEREO, schon 1955 stellte man die Produktion komplett auf die neue Technik um, und nachdem man zu gleicher Zeit die Wiener Sofiensäle mit ihrer sagenhaften Akustik zum Aufnahmestudio erkor, galt DECCA klangtechnisch lange Zeit als führend in der Branche.


    Und noch etwas. Decca setzte gelegentlich auch inhaltliche Maßstäbe und brachte die erste Gesamtaufnahme der "Elektra" von Strauss ohne Strich gegen Ende der der großen Szene zwischen Mutter und Tochter auf den Markt. Das war seinerzeit wirklich eine Sensation. Den wenigsten war dieser Strich nämlich bewusst, obwohl in der weit verbreiteten Textausgabe von Fürstner das gesamte Libretto wiedergegeben ist. Man kann an den Interpreten dies und das auszusetzen haben, der Gesamteindruck ist für mich aber unschlagbar und hat die Zeiten glänzend überdauert.


    3795778735.jpg

    Otto Schulhoff (?)


    So steht der Name des Pianisten zumindest auf der Schallplattenhülle und auch auf der Platte selbst nochmal. Wenn man jedoch nach näheren Angaben sucht, bemerkt man, dass ein ›f‹ fehlt und vermutlich eine Verwechslung mit dem Pianisten und Komponisten Julius Schulhoff (1894-1942) vorliegt.

    NC5qcGVn.jpeg


    Lieber hart, in meinem Bestand findet sich eine von mir selbst überspielte Masterseal-Platte, auf der Paul Schöffler bei zwei Balladen Loewes von – wie es dort richtig heißt - Otto Schulhof am Klavier begleitet wird. Bei der Vinyl-Handelsplattform Discogs, die übrigens auch die von Dir abgebildete LP im Angebot hat, wurde aus „Schulhoff“ stillschweigend Schulhof. Sein Foto entstammmt der Discogs-Seite.


    https://www.discogs.com/releas…berg-Paul-Sch%C3%B6ffler-

    Vor allem ist es Betrug am Publikum, dem optisch etwas präsentiert wird, was es nicht sehen möchte, aber dafür zahlen muss. Hier stellen sich Regisseure mit völlig unsinnigen Interpretationen, die Meisterwerke ins Lächerliche ziehen, in den Mittelpunkt und agieren gegen alle anderen Beteiligten und auch gegen die Authentizität des Werks. Soviel Oper, wie für ein volles Haus notwendig, aber so viel Regietheater, wie ohne wirtschaftliche Einbußen gerade noch machbar ist, scheint das Leitbild zu sein. Dann verzichtet man in Zukunft eben auf Musikdirektoren, die mit allfälliger Missbilligung der Szene den Alltagsbetrieb stören könnten.

    Guten Morgen, handelt es sich bei diesen Ausführungen um ein originales Zitat von Jordan? Mich würde sehr interessieren, bei welcher Gelegeneheit und an welcher Stelle er sich dahingehend geäußert hat.

    Eigentlich wird Aksel Schiøtz auf dieser CD in der Hauptsache von Gerald Moore begleitet, aber man findet im Booklet auch den Namen Folmer Jensen*,
    der das dänisch gesungene Lied ›I Love Thee‹ begleitet

    * Fettung im Zitat von mir.


    Dieser Pianist scheint einer der bevorzugten Begleiter von Aksel Schiøtz (1906-1975) gewesen sein, den ich für einen der besten Liedinterpreten halte. Mit Gerald Moore am Klavier kann er es schon rein rechnerisch nicht aufnehmen. Die dänische Firmas Danacord hat Schiøtz eine immer noch erhältliche große CD-Edition gewidmet, in der Jensen u. a. bei Schumanns "Dichterliebe" am Klavier sitzt.



    schiotz.jpg

    Es bedurfte jahrelanger Suche, bis die drei Schallplatten mit Balladen von Carl Loewe mit dem Heldenbariton Rudolf Holtenau in meine Hände gelangten. Begleitet wurde er von seinem österreichischen Landsmann Josef Scharinger. Die einzigartige Sammlung mit teils sehr seltenen Titeln wurde von Preiser produziert und herausgegeben, ist aber nie auf CD übernommen worden, was ich als sehr schade empfinde. Für jemanden, der sich mit Loewe und seinen Interpreten beschäftigt, sind diese Aufnahmen unerlässlich.


    OS0xODgzLmpwZWc.jpeg


    Balladen von Carl Loewe


    Rudolf Holtenau, Bariton

    Josef Scharinger, Klavier


    Vol. 1


    1. Odins Meeresritt op. 118

    2. Das Erkennen op. 65. Nr. 2

    3. Heinrich der Vogler op. 56 Nr. 1

    4. Archibald Douglas op. 128

    5. Landgraf Philipp der Großmütige op. 125 Nr. 1

    6. Die Uhr op. 123 Nr. 3

    7. Die Heinzelmännchen op. 83

    8. Der alte Goethe op. 8 Heft IX Nr. 2

    9. Hinkende Jamben op. 62 Heft 1 Nr. 5

    10. Prinz Eugen op. 92


    Preiser Records LP (0120 528)


    Vol. 2


    1. Goldschmiedes Töchterlein, Op. 8 Nr. 1

    2. Der Junggesell (ohne Opuszahl)

    3. Der heilige Franziskus Op. 75 Nr. 3

    4. Der Wirtin Töchterlein Op. 1 Nr. 2

    5. Thomas der Reimer Op. 135

    6. Der alte Dessauer Op. 141

    7. Spirito santo Op. 143

    8. Kaiser Ottos Weihnachtsfeier Op. 121 Nr. 1


    Preiser Records LP (0120 487)


    Vol. 3


    1. Das Wiegenfest zu Gent op. 99 Nr. 1

    2. Kaiser Karl V. in Wittenberg op. 99 Nr. 2

    3. Der Pilgrim von St. Just op. 99 Nr. 3

    4. Die Leiche zu St. Just op. 99 Nr. 4

    5. Die verfallene Mühle op. 109

    6. Erlkönig op. 1 Nr. 3

    7. Der gefangene Admiral op. 115


    Preiser Records LP (0120 528)

    ... die Loewe-CDs sind natürlich mengenmäßig ein Glücksfall

    Dem ist zuzustimmen. In Deutschen Rundfunkarchiv DRA (Babelsberg) werden zahrleiche eigenen Produktionen des DDR-Rundfunks von Liedern und Balladen Carl Loewes bewahrt, bei denen als Begleiter Pianisten zum Einsatz kamen, die sonst nicht so sehr im Mittelpunkt des kulturellen Geschehens oder erst am Beginn ihrer Karriere standen. 1961 wurden die Lieder "Die Blume der Ergebung", "Frühling" und "Die verliebte Schäferin Scapine"" mit der damals populären Sopranistin Sonja Schöner aufgenomen. Am Klavier waltete Gert Bahner, der spätere Generalmusikdirektor des Opernhauses Leipzig, der seinerzeit als Solorepetitor an der Komischen Oper arbeitete. Um diese Zeit war auch die Schöner an diesem Haus engagiert.


    Das Interesse am Melodram "Enoch Arden" von Richard Strauss scheint ungebrochen. Bei Genuim ist eine neue Aufnahme erschienen, die auf allen Streaming- und Download-Plattformen zugänglich ist. Der Schauspieler und Sänger Paul Pattloch trägt die Geschichte so vor als geschehe sie gerade jetzt. Das sagt mir sehr zu.

    ... leider weiß ich nicht, wer das Gemälde gemalt hat. Ich habe bloß einmal probiert, ob ich imstande bin, eins einzustellen.

    Das ist Dir doch mal gut gelungen, liebe Ursula. Ich weiß jetzt nicht auf Anhieb, ob wir dieses Bild, welches das Original im Aisschnitt zeigt, schon als Rätsel hatten. Es ist aber ein sehr gute Aufgabe, und ich hätte sie am Ende vielleicht sogar lösen können. Schau doch mal bei Tiziano Vecellio nach. :pfeif:

    https://www.diepresse.com/2040…hliesst-mehrere-standorte


    Bei meinen zahlreichen Aufenthalten in Wien habe ich oft das Haus Kettenbrückengasse 6 besucht, in dem Schubert gestorben ist. Besagte Wohnung seines Bruders fand ich hinsichtlich ihrer Lage sehr authentisch. Man bekommt eine Vorstellung, wie im Wien des 19. Jahrhunderts gewohnt wurde. In der Literatur finden sich zudem viele anschauliche Beschreibungen und Zeitzeugenberichte. Die Stufen, über die Schuberts sterbliche Hülle nach unten getragen wurde, dürften noch dieselben sein. Immer war ich auf Neue sehr bewegt. Zu unterschiedlichsten Jahreszeiten fand ich das Museum selbst nicht überfüllt. Und nicht immer gaben sich die Besucher nach meiner Beobachtung als „Schubert-Verehrer:innen“ – wie sich die Initiatorin der Petition gegen die Schließung auszudrücken pflegt – zu erkennen. In der "Presse" finde ich den oben verlinkten Beitrag über Hintergründe. Selbst habe ich schon manche Schließung von prominenten Wohnstätten erlebt. Das ging so weit, dass mir vor langer Zeit hier in meiner Heimatstadt Berlin der Schreibtisch des Dichters der DDR-Nationalhymne Johannes R. Becher aus seinem Pankower Haus angeboten wurde. Auf Dauer sind solche Orte wohl nirgends sicher, was ich sogar nachvollziehen kann. Es sei denn, sie sagen viel aus, was über die einstigen Bewohner und deren Lebensgewohnheiten hinaus geht – wie das Goethe-Haus in Weimar, das durch Thomas Mann seinerseits sogar zur Kunst geworden ist. Die Gefahr, zum Heimatmuseum zu mutieren, lauert allerorten.

    Der Gambist Jordi Savall bekommt den Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2026 für sein Lebenswerk und seine Verdienste für die Alte Musik verliehen.

    Eine der jüngsten großen Taten von Savall war für mich der auf vier CDs angelegt und mit einem Buch ausgestattete Versuch, die gesamte "Sommernachtsrtraum"-Musik von Mendelsson Barthody aufzunehmen. Bisher ist das in dieser Konsequenz und Genauigkeit nie gelungen, auch in Deutschland nicht, wo das Werk entstand und zunächst im kleinen Theater des Neuen Palais von Sanssouci uraufgeführt wurde, bis es nach Berlin kam und seine weltweite Wirkungt entfalten konnte.


    Diese CD halte ich nicht zwingend für auszeichnungswürdig. :no: INO, das titelgebende Telemann-Werk, ist sprachlich ungenau dargeboten. Es hätte andere Aufnahmen für den Preis mit seinen unzähligen Kategorien gegeben. Für mich ist und bleibt cpo eines der interessantesten Unternehmen auf dem Musikmarkt. Niemand sonst hat so viele Ausgrabungen und Entdeckungen im Programm, die auch im Forum regelmäßig gewürdigt werden.

    ... mir gefällt der Gesang der Vishnevskaya nicht sehr gut.

    Besonders 'schlimm' ist das in Prokofjews Krieg und Frieden. Sie singt schrill, intoniert ungenau ...

    Die Vishnevskaya war viel zu alt für die Natascha, hatte ihren Zenit längst überschritten. Während der Aufnahme dürfte sie mindestens sechzig gewesen sein. Timbre, Kraft und Technik reichten nicht aus, eine sehr junge Frau zu simulieren. Wer sich ein wenig auskennt in der russischen Literatur, dem sind auch die intensiven weiblichen Gestalten, aus denen Opernfiguren wurden, gut bekannt. Es ist nicht einfach, sie überzeugend darzustellen. In frühen Jahren hatte Galina Vishnevskaya das Zeug dazu. Es gab mal eine Schallplatte der sowjetischen Melodia, von der ich momentan nicht weiß, ob sie je auf CD gelangte. Die ist wunderbar und eröffnet eine Welt, für die es im Westen Europas nichts vergleichbares gibt. Eigentlich schön fand ich die Stimme nie, aber ich kenne kaum eine andere mit mehr Seele. Das klingt zwar jetzt etwas nach Klischee. Aber manchmal ist das Klischee auch sehr bei der Wahrheit. Als die Sängerin mit ihrem Mann in den Westen kam, war es für eine Karriere unter neuen Bedingungen zu spät. Das war auch irgendwie tragisch für sie.


    OTgtODY2OS5qcGVn.jpeg

    Um herauszufinden, warum manche Werke so selten gespielt werden, kann es nicht verkehrt sein, einen Blick zurück in die Vergangenheit zu werfen. Besonders im Falle von "Simon Boccanegra", für mich eine der bedeutendsten musikdramatischen Schöpfungen. Dunkel und geheimnisvoll! Es dauerte allerdings lange, bis ich das herausfand. Die später selbst erlebten Inszenierungen halfen mir dabei aber nicht nachhaltig. Ich erschloss mir die Oper hörend. In Berlin, wo ich lebe, gab es die erste Aufführung, die womöglich die erste deutsche überhaupt gewesen sein könnte, im Jahre 1930 an der Charlottenburger Oper, an deren Stelle jetzt die Deutsche Oper steht. Wenn ich nichts übersehen habe, folge die zweite Berliner Inszenierung 2009 an der Staatsoper unter Barenboim. Demnach gab es während der Nazizeit und der deutschen Teilung in Berlin gar keine Aufführungen. In der DDR war auch keine Platteneinspielung zugänglich, vielleicht nicht einmal eine einzige Szene, die man auf so genannten Sängerporträts ohnehin mit der Lupe suchen muss. Mir ist auch kein Opernquerschnitt von „Boccanegra“ bekannt. Man mag sich heute von derartigen Zusammenstellungen meist in deutscher Übersetzung distanzieren – bei der Verbreitung von Opern haben sie aber nach meiner Überzeugung unschätzbare Dienste geleistet. Mit dem Bayerischen Rundfunk hat mindestens ein öffentlich-rechtlicher Sender in der alten Bundesrepublik eine Aufnahme mit dem bedeutenden Verdi-Interpreten Hans Reinmar, der allerdings seinen Zenit bereits überschritten hatte, produziert. Mich wundert es also nicht, dass dieses Verdi-Opus immer noch nicht die Rolle spielt, die ihm eigentlich zukommt. Außerhalb Italiens fand das Werk frühzeitig in New York die ihm gebührende Aufmerksamkeit. Für mich ist Claudio Abbado der Dirigent, der sich mit dem größten Engagement bis zum Ende seines Lebens für „Simon Boccanegra“ einsetzte und der in der Berliner Philharmonie auch eine konzertante Aufführung bewerkstelligte.


    P-S. Ein sehr aufmerksamer und kenntnireicher Beobacher der Szene machte mich inzwischen darauf aufmersam, "mindestens die DOB-Neuinszenierung von Fioroni 2006 übersehen" zu haben, die "schnell wieder verschwand".

    Hans Heinrich Schmitz (1959—1966)
    Günter Blumhagen (1967—1981)

    Meine ersten bewusst erlebten Dirigenten waren die oben genannten, die ich mit einiger Rührung in der großen Tamino-Datenbank von Joseph II. über die Orchester der Welt, die nach Ländern aufgebaut ist, wiedergefunden habe. Sie leiteten das Sinfonieorchester aus dem später eine Philharmonie wurde in der thüringischen Universitätsstadt Jena, wo ich einen Teil meiner frühen Jahre verbrachte. Dort besuchte ich die ersten Konzerte meines Lebens, an deren Programme ich mich noch gut erinnere, so sehr war ich gepackt und aufgewühlt. In den Ohren klingt mir immer noch die „Egmont“-Ouvertüre von Beethoven. Wann immer ich sie höre, stellt sich diese Verknüpfung ganz automatisch her. Ich meinte zu erkennen, dass die Männer auf dem Pult einen großen Einfluss darauf hatten, dass mir Musik zusagte. Also bin ich besagten Dirigenten bis jetzt überaus dankbar, denke gern an sie und bin überhaupt nicht neidisch, dass andere – wie in etlichen Beitragen nachzulesen ist – gleich mit den ganz großen Pultstart in ihr musikalisches Leben starten konnten.