Beiträge von Rheingold1876

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    Es gibt ja etliche Illustrationen zur "Winterreise". Diese kann ich leider nicht zuordnen. Das Instrument ist hier eindeutig dargestellt. Auch Ludwig Richter hat die Verse von Müller illustrierst. Sie sind auch als Buch (Diogenes) erschienenen, das ich haben sollte, im Moment aber nicht finden kann. Müller und Richter waren Zeitgenossen. Weiß jemand, wie Richter den Leiermann dargestellt hat?

    Nicky Spence bringt für diesen äußerst schwierigen Liederzyklus eigentlich alles mit, was hier gefordert ist. Eine Stimme, der weich-samtige, ungemein zärtliche Farben genau so zu Gebote stehen wie hell strahlend-metallische Töne. Selbst des heikle hohe C am Ende vermag in einem großartig gespannten Bogen aufblühen zu lassen.

    Das lese ich sehr gern, lieber Caruso, nachdem ich Spence als Mime im Hallé-"Rheingold" unter Elder als etwas grellen und unsteten Charaktertenor wahrgenommen hatte. Ich werde versuchen, die Aufnahme zu hören. Danke für den Tipp.

    Hallo,
    ich habe aus Amerika eine sehr schöne Schwarz-Weiß-
    DVD der Arabella von 1960 bekommen. Keilberth dirigiert die Münchner Symphoniker. Die Besetzung mit Lisa Della Casa, Anneliese Rothenberger und Dietrich Fischer-Dieskau ist sängerisch wie optisch hervorragend, die Bildqualiät des Mitschnitts weniger.

    Noch ist der Film aus dem Prinzregententheater in München auf YouTube zu sehen. Als Jahr ist aber 1963 angegeben:


    Eigentlich wollte ich mich hier nicht mehr zu Wort melden, denn am partout Recht-behalten-Wollen liegt mir überhaupt nichts.

    Weil mir aber an Rheingold als Gesprächspartner sehr viel liegt ...

    Lieber Helmut, mir kam die Verschiebung von Beiträgen, die im Gefolge einer TV-Übertragung des "Trovatore" entstanden, in diesen allgemein gehaltenen Thread gerade recht. Ich hätte mich auf diesem Platz ohne konkreten Anlass gar nicht geäußert. Also hatte ich einen willkommenen Grund, meinen Beitrag zu löschen. So lange die Software dies möglich macht und die Regeln es nicht ausdrücklich verbieten, kann man ja auch mal Gebrauch davon machen. An einer allgemeinen Debatte im Forum über Regie auf Opernbühnen habe ich eigentlich kein Interesse mehr. Nur manchmal juckt es noch in den Fingern. Ein alter Reflex. Danke, dass Du Dich nochmals gemeldet hast. Das weiß ich sehr zu schätzen.

    Danke, lieber Carlo, ich wusste, dass Du Dich nicht verschrieben haben kannst. Doch nicht Du. :) Mein alter Freund Einhard Luther hat ein Buch über Max Lorenz geschrieben. Er zitiert schriftliche Erinnerungen. Darin verkündet Lorenz, dass er eigentlich "Sülzenfuss" heiße, mit doppeltem S und nicht mit ß.



    In seinem musikalischen Selbstporträt bei NDR geht Lorenz zwar auf den Namenswechsel ein, nennt aber nicht seinen Geburtsnamen

    In der Ballade "Erlkönigs Tochter" von Herder, die von Carl Loewe und Hans Pfitzner vertont wurde, will diese Tochter Oluf mit einem Hemd beschenken, welches ihre Mutter mit Mondenschein gebleicht hat. Ein wunderbares Bild!


    Herr Oluf reitet spät und weit,

    Zu bieten auf seine Hochzeitsleut;

    Da tanzen die Elfen auf grünem Land,

    Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.

    »Willkommen, Herr Oluf! Was eilst von hier?

    Tritt her in den Reihen und tanz mit mir.«

    »Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,

    Frühmorgen ist mein Hochzeittag.«

    »Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,

    Zwei güldne Sporne schenk ich dir.

    Ein Hemd von Seide so weiß und fein,

    Meine Mutter bleicht's mit Mondenschein

    »Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,

    Frühmorgen ist mein Hochzeitstag.«

    »Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,

    Einen Haufen Goldes schenk ich dir.«

    »Einen Haufen Goldes nähm ich wohl;

    Doch tanzen ich nicht darf noch soll.«

    »Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,

    Soll Seuch und Krankheit folgen dir.«

    Sie tät einen Schalg ihm auf sein Herz,

    Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz.

    Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd.

    »Reit heim nun zu deine'm Fräulein wert.«

    Und als er kam vor Hauses Tür,

    Seine Mutter zitternd stand dafür.

    »Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich,

    Wie ist dein' Farbe blaß und bleich?«

    »Und sollt sie nicht sein blaß und bleich,

    Ich traf in Erlenkönigs Reich.«

    »Hör an, mein Sohn, so lieb und traut,

    Was soll ich nun sagen deiner Braut?«

    »Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund,

    Zu proben da mein Pferd und Hund.«

    Frühmorgen und als es Tag kaum war,

    Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.

    »Sie schenkten Met, sie schenkten Wein;

    Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?«

    »Herr Oluf, er ritt in Wald zur Stund,

    Er probt allda sein Pferd und Hund.«

    Die Braut hob auf den Scharlach rot,

    Da lag Herr Oluf, und er war tot.


    Hier beide Kompositionen - gesungen von Dietrich Fischer-Dieskau:


    Ich habe auch tolles Bildmaterial erhalten und als besonderes Zuckerl Operetten-Aufnahmen aus den 40er-Jahren, die Beirer selbst auf Kassette gehortet hat.

    Hallo Greghauser, in meinen Beständen finden sich diese Operettenaufnahmen mit Hans Beirer, die ich allerdings nicht zuordnen kann und die zudem ungenau beschriftet sind. Kannst Du helfen? Sind es die, über die Du auch verfügst?


    1        Komm, Zygan (Grafin Mariza, Kalman)

    2        Melodien von Robert Stolz mit Hella Steinbrecher (Das ist der Frühling in Wien / Sag du zu mir / Komm in den Park von Sancoussi / Salome / Zwei Herzen im Dreivierteltakt / Hallo, du süße Klingelfee)

    3        Dank sei der Liebe Macht (Wenn die Liebe erwacht, Künneke, Hella Steingruber)

    4        Glückliche Reise (Künneke) Querschnitt, 24. 9. 1945 mit Hella Steingruber, Oda Troll, Evelin Künneke, Adi Apelt – Leitung: Eduard Künneke

    5        Nun will die Zukunft sich um uns gestalten mit Hella Steingruber

    6        Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt mit Traute Rose

    7        Immerzu singt mein Herz deinem Herzen zu mit Traute Rose

    8        Dein ist mein ganzer Herz

    Wenn es nur einen Mitleser gibt, den ich für Samuel Hasselhorn interessieren konnte, dann hat es schon Sinn gemacht, ihn hier vorzustellen.

    Hast Du, lieber Gregor. Ich empfinde diesen Sänger auch als eine sehr große Begabung und habe mich mal näher mit seinen zwei "Dichterlieben" beschälftigt, die ich für ein spannendes Projekt halte. Vielleicht mache ich dazu noch ein eigenes Thema auf.


    Derzeit nimmt Hasselhorn sein drittes Studioalbum auf, welches Anfang 2020 erscheinen soll.

    Weißt Du, was darauf zu hören sein wird?

    Fischer führt die Tänze mit Orchesterbearbeitungen wieder mehr an die Zigeunermusik heran. Mit Cimbalom und Gypsy-Violine. Gespielt mit ungarischem Feuer, rasanten Tempowechseln, dann wieder melancholischem Tonfall. Eine wie ich finde überaus reizvolle Ergänzung zu den großen Bekannten wie Reiner, Karajan und Abbado.

    Das ist schon sehr gut getroffen, und ich verstehe, was Joseph II. ergänzend zum Ausdruck bringen will. Von einer Ergänzung zu den "großen Bekannten" durch Fischer würde ich allerdings nicht sprechen. Ehr würde ich sagen, dass jene Fischer ergänzen. Abbado - um ein Beispiel zu nennen - ist mir auch zu intellektuell und zu sinfonisch. Er macht mir zuviel Kunst. ;) Bei ihm halte ich alle Tänze nicht durch, bei Fischer schon. Ich habe es nämlich ausprobiert. :)

    Eine der letzten - wenn nicht die letzte - Rollen, die Hans Beirer an der Deuschen Oper in Berlin sang, war der este Geharnischte in der "Zauberflöte". Ein ehemaliger Techniker berichtet mir, dass es stets mit großem Aufwand verbunden gewesen ist, den bereits gehbehinderten Sänger auf die Bühne zu führen. Interessant ist, dass sich mit dieser nicht unwichtigen Rolle in seiner Kariere ein Kreis schloss. Er hatte den Geharnischten nämlich schon 1951 in der Salzburger Felsenreitschule unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler gesungen - dokumentiert auf diesem Mitschnitt vom 6. August:


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    So sieht das zuerst von Manfred erwähnte LP-Doppelalbum aus. Obwohl ich auch schon darauf eingegangen bin, möchte ich doch noch die Liste der darauf versammelten Szenen nachliefern:


    Ludwig van Beethoven FIDELIO

    Gott, welch Dunkel hier

    Giuseppe Verdi OTELLO

    Datemi ancor / Dio!

    Niun mi tema

    Camille Saint-Saens SAMSON ET DALILA

    Vois ma misere, helas!

    Wolfgang Amadeus Mozart DIE ZAUBERFLÖTE

    Der, welcher wandert diese Straße

    Richard Wagner DIE WALKÜRE

    Ein Schwert verhieß mir der Vater

    Siegmund heiß ich

    SIEGFRIED

    Nothung! Nothung!

    Heiß ward mir

    GÖTTERDÄMMERUNG

    Helle Wehr, heilige Waffe Brünnhilde: Birgit Nilsson

    Hoiho! Mime hieß ein mürrischer Zwerg

    Brünnhilde, heilige Braut

    TANNHÄUSER

    Hör an, Wolfram, hör an! / Inbrunst im Herzen

    DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

    Senta, o Senta!

    DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG

    Fanget an!

    Morgenlich leuchtend

    TRISTAN UND ISOLDE

    O König, das kann ich ich dir nicht sagen

    PARSIFAL

    Wehe! Wehe!

    Nur eine Waffe taugt


    Das Album enthält keinerlei Angaben über Quellen und Aufführungsorte

    Hermann Prey singt "Die nächtliche Heereschau", op 23

    von Carl Loewe

    Karl Engel, Klavier


    In dieser Ballade beleuchtet der Mond eine gespenstische Szene. Loewe, der laut Zeitzeugen selbst ein vorzüglicher Interpret seiner eigenen Werke gewesen ist, hat diese Ballade, deren Text von Joseph Christian Freiherr von Zedlitz (1796 - 1869) stammt, sehr oft mit großem Erfolg vorgetragen


    Nachts um die zwölfte Stunde

    Verläßt der Tambour sein Grab,

    Macht mit der Trommel die Runde,

    Geht wirbelnd auf und ab.

    Mit seinen entfleischten Armen

    Rührt er die Schlägel zugleich;

    Schlägt manchen guten Wirbel,

    Reveill' und Zapfenstreich.

    Die Trommel klinget seltsam,

    Hat gar einen starken Ton,

    Die alten toten Soldaten

    Erwachen im Grabe davon;

    Und die im tiefen Norden

    Erstarrt in Schnee und Eis,

    Und die in Welschland liegen,

    Wo ihnen die Erde zu heiß;

    Und die der Nilschlamm decket

    Und der arabische Sand,

    Sie steigen aus den Gräbern

    Und nehmen's Gewehr zur Hand.

    Da kommen auf luftigen Pferden
    Die toten Reiter herbei,

    Die blutigen alten Schwadronen,

    In Waffen mancherlei.

    Und um die zwölfte Stunde

    Verläßt der Feldherr sein Grab,

    Kommt langsam hergeritten,

    Umgeben von seinem Stab;

    Er trägt ein kleines Hütchen,

    Er trägt ein einfach Kleid,

    Und einen kleinen Degen

    Trägt er an seiner Seit'!

    Der Mond mit gelbem Lichte

    Erhellt den weiten Plan,

    Der Mann im kleinen Hütchen

    Sieht sich die Truppen an.

    Die Reihen präsentieren

    Und schultern das Gewehr,

    Dann zieht mit klingendem Spiele

    Vorbei das ganze Heer.

    Die Marschäll' und Generale

    Schliessen um ihn den Kreis,

    Der Feldherr sagt dem Nächsten

    Ins Ohr ein Wörtchen leis';

    Das Wort geht in die Runde,

    Klingt wieder fern und nah':

    "Frankreich" heißt die Parole,

    Die Losung: "Sanct Helena".

    Das ist die große Parade

    Im Elyseischen Feld,

    Die um die zwölfte Stunde

    Der tote Cäsar hält.

    Ich bleibe bei Richard Strauss und verweile beim nächtlichen Beginn seiner Oper "Die Frau ohne Schatten", in der der Mond eine ganz entscheidende Rolle spielt, weil er mythische Zeitenläufe markiert:


    AMME kauernd im Dunkel
    Licht überm See –
    ein fliessender Glanz –
    schnell wie ein Vogel! –
    Die Wipfel der Nacht
    von oben erhellt –
    eine Feuerhand
    will fassen nach mir –
    bist du es, Herr?
    Siehe, ich wache
    bei deinem Kinde,
    nächtlich in Sorge und Pein!

    BOTE tritt aus der Finsternis hervor, geharnischt, von blauem Licht umflossen
    Nicht der Gebieter,
    Keikobad nicht,
    aber sein Bote!
    Ihrer elf
    haben dich heimgesucht,
    ein neuer mit jedem schwindenden Mond.
    Der zwölfte Mond ist hinab:
    der zwölfte Bote steht vor dir.

    AMME beklommen
    Dich hab' ich nie gesehn.

    BOTE streng
    Genug: ich kam
    und frage dich:
    wirft sie einen Schatten?
    Dann wehe dir!
    Weh uns allen!

    AMME triumphierend, aber gedämpft
    Keinen! Bei den gewalt'gen Namen!
    Keinen! Keinen!
    Durch ihren Leib
    wandelt das Licht,
    als wäre sie gläsern.

    BOTE finster
    Einsamkeit um dich,
    das Kind zu schützen.
    Vom schwarzen Wasser
    die Insel umflossen,
    Mondberge sieben
    gelagert um den See –
    und du liessest, du Hündin,
    das Kleinod dir stehlen!



    Diese erste ungemein stimmungsvolle Studioproduktion unter der Leitung von Karl Böhm, die entscheiden dazu beigetragen hat dieses Werk in den Spielplänen zu platzieren, ist mir letztlich immer die liebste geblieben.

    Woran liegt das? Die Liedmusik der „Brautlieder“ unterscheidet sich in ihrem liedkompositorischen Grundcharakter nicht wesenhaft von der der „Rheinischen Lieder“, aber sie scheint sogar die Verleger damals nicht sonderlich angesprochen zu haben, denn es fand sich keiner, der sie publizieren wollte, so dass sie erst vier Jahre nach Cornelius´ Tod erschienen, im November 1878 im Verlag E. W. Fritsch in Leipzig.

    Ist es die Thematik der Lieder, ihr poetisch-musikalischer Gehalt, der sie zu den – neben den „Weihnachtsliedern“ – bekannteren Liedkompositionen von Cornelius hat werden lassen?
    Das könnte durchaus so sein. Dem musikalischen Jubel über den Rhein und die rheinische Lebenswelt wohnt möglicherweise keine große zeitübergreifende und in die Gegenwart reichende liedmusikalische Aussage-Relevanz inne.

    Lieber Helmut, Du hast interessante Sachen angesprochen. Das Internet, zumal YouTube, ist eine sehr erratische Sache. Findet man etwas nicht, sagt das noch nichts. Das Netz ist ja noch jung. Die Flut von Informationen steigt nicht kontinuierlich oder nach einer bestimmten Ordnung. Sie bricht über uns herein. Ich fürchte, das meiste ist Spreu, das wenigste Weizen. Manches ist schwer zu finden, weil es jene, die es einstellen, nicht mit griffigen, zielführenden Stichworten versehen, die die Suche erleichern. So gibt es auch Cornelius-Lieder (Drei Sonette "Der Entfernten", "Liebe ohne Heimat" und "Verlust") mit der Hallenser Altistin Käthe Röschke, die ich als ganz junges Ding in Bachschen Passionen hörte. Die sind nicht leicht zu finden. Es gibt noch andere Plattformen, wo die Lieder von Cornelius in der Naxos-Produktion zu hören sind, Spotify zum Beispiel. Wer kostenlos teilhaben will, muss Werbung hinnehmen. Nicht alles ist also frei.


    Was nun die Rheinlieder angeht, fürchte auch ich, dass schon bei der Erwähnung gern Scheuklappen angelegt werden. Nicht von mir. Ich habe zum Rhein kein verquastes Verhältnis, bin aber auch keine rheinische Frohnatur. Mich fasziniert der Rhein als Geschichts- und Sehnsuchtsort. Meine Schwester wohnte lange in Boppard. Bei vielen Besuchen habe ich den Rhein in diesem Abschnitt gut kennengelernt. Von morgens bis abends - immer der Blick auf den Rhein. Ich hatte damals immer Heine dabei. Kennst Du den Roman "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers? Gleich auf den ersten Seiten schaut jemand in die Rheinlandschaft hinaus und aus diesem Bilde entwickelte die Autorin ein geniales Panorama, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeieinder teffen: "Jetzt sind wir hier. Was jetzt geschieht, geschieht uns." Der flüchtige Georg Heisler, der aus einem KZ entkommen ist, gelangt am Ende über den Rhein in die Freiheit. Der jüdischen Autorin aus großbürgelichem Haus, die schon in der Weimarer Republik Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen ist, war das ganz wichtig. Der Rhein als Fluchtpunkt. Henze hat in seiner 9. Sinfonie Motive aus dem Roman, der in der Emigration entstand und zuerst in New York herauskam, verarbeitet. Vielleicht wurde der Rhein viel zu oft jenen überlassen, die ihn für ganz andere Absichten in Anspruch nahmen.

    Lieber "Rheingold1876",


    du hattest ja in Willis Erinnerungsrubrik auf dieses Thema hingewiesen und auch die Autobiografie von Galina Wischnewskaja verlinkt, die du also offensichtlich gelesen hat. Mich würde wirklich interessieren, was du auf dieser Grundlage zu diesem Thema zu sagen hast. Vielleicht hattest du inhaltlich auch schon etwas in Willis Rubrik dazu geschrieben, dann aber wieder gelöscht, wohl, weil es nicht in die dortige Rubrik gehörte. Hier ist eher der geeignete Platz dafür. :hello:

    Lieber Stimmenliebhaber, nun hat ja Carlo bereits den Inhalt der der Obraszowa-Passagen aus dem Erinnerungen der Wischnewskaja wiedergegeben. Selbst wolle ich mich nicht nochmals äußern zum Thema, zumal ich meinen Beitrag in Willis Erinnerungsthread wieder gelöscht hatte, um unnötigen Streit zu vermeiden. Ich bin nicht gegen das Gedenken an Frau Obraszowa. Mir war nur daran gelegen, dass ihre Rolle bei der unsäglichen Behandlung von Kollegen in der einstigen UdSSR um der Wahrheit willen nicht unterschlagen wird. Im übrigen gehört sie nicht zu meinen Lieblingssängerinnen.

    Bitte an die Moderatoren:


    Inzwischen gibt es einen eigenen Thread für den Trovatore aus Verona. Zwei Threads zum gleichen Theam sind nicht erforderlich.

    Lieber La Roche, ich habe ganz bewusst in diesem Thread geschrieben, weil ich die Vorführung in Verona als absurd empfand und der Richtung, die Gerhard im Eröffnungsbeitrag seines Threads eingeschlagen hat, nicht folgen kann. Sollte mein Beitrag hier stören, dann bitte ich Dich herzlich, die Moderation aufzufordern, ihn zu löschen - nicht aber zu verschieben! Ich hänge nicht daran. Gegebenenfalls lösche ich ihn selbst.

    Über Oper kann man sich nicht ernsthaft unterhalten, wenn man sich nicht mit Ästhetik und den verschiedenen Konzeptionen von Theater beschäftigen will. Ich halte auch Zeffirelli nicht für "absurd und lächerlich". Was man sich hier vielmehr fragen kann und muss, ist, finde ich, ob eine solche Ästhetik der Gattung Oper als Kunstform gerecht wird. Diese Ästhetik geht in Richtung Musical: Da bekommt man einfach eine opulente Bühnen-Show geboten. Was ich da vermisse ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk sowohl von Seiten der Regie als auch des Publikums. Die bleibt einfach aus. Es geht nur noch im wesentlichen um den Show-Effekt. Dann ist Oper ist letztlich anspruchslose Unterhaltung und mehr nicht.

    Dieser Gedanke von Holger fiel mir wieder ein, als ich - auch ziemlich verspätet wie andere - in diesen "Trovatore" hineingeriet. Ich konnte nur noch rasch den Aufnahmeknopf drücke. Zwei Drittel blieben mir, den Rest habe ich zurückholen können. In einer Stunde war ich aber durch, weil ich mich über weite Strecken des Schnelldurchlaufs bediente. Warum? Die Aufführung fand ich inhaltsleer, langweilig und vollgepumpt mit Klischees. Sie kam mit höchsten drei unterschiedlichen Gesten für jeden Akteur, einschließlich Chor und Statisten, aus. Die Azucena ließ - man möge mir das verzeihen - an ein zerrupftes Sofakissen denken. So darf man Frauen nicht auf eine Bühne schicken. Die Story, die uns Gerhard an anderer Stelle als so einfach, klar und übersichtlich dargelegt hatte, blieb in diesem Bühnenwirrwar stecken. Sie wurde erst gar nicht erzählt. Mit dieser Aufführung wurde die Oper vom Bereich Kunst in die Abteilung Reiseveranstaltung verschoben. Nun achte ich aber auch den Geschmack anderer Leute. Ich bin kein Maßstab. Wenn es so gefällt und die Kasse stimmt, soll es so sein. Mit Oper hat das aber wenig zu tun. Ich wüsste also nicht, was ich noch schreiben könnte. Und ich finde auch, dass die Diskussion über die TV-Übertragung in diesem Thread ganz gut aufgehoben ist. :)