Beiträge von Rheingold1876

    Ich finde den Requiem-Verweis insofern spannend, als mir dieser Gedanke zuvor gar nicht kam.

    Dieser Verweis verfolgt auch mich. Und zwar aus einer Duplizität heraus, die wohl mehr dem Zufall geschuldet ist. Im selben Jahr wie die 13. Sinfonie - nämlich 1962 - wurde das War Requiem von Britten uraufgeführt. Der sowjetischen Sopranistin Galina Wischnewskaja war die Mitwirkung verweigert worden. Mich erinnert das eine an das andere Werk. In beiden Fällen ist der Text von außerordentlicher Bedeutung. Bei Schostakowitsch, der auf Verse von Jewtuschenko zurückgriff, tuen sich auch Rätsel auf, die es bei Britten so nicht gibt. Ich erinnere mich an ein Gedenkkonzert im vergangenen Jahr für die Oper des Massakers von Babyn Jar, das es so wohl nicht mehr geben wird.


    Wer nachlesen will.

    Liebe Rätselfreunde, nach vierwöchiger Pause will ich eine neue Runde unserer Ratespiels starten. Auf einem Flohmarkt fiel mir neulich diese CD in die Hände. Sie erschien 1990 - also vor dreißig Jahren. Für die Monterverdi-Interpretation ist das ein langer Zeitrau, der mich aber nicht schreckt. Bei mir müssen es nicht immer die neuesten Aufnahmen sein. Geboten werden Auszüge aus dem 8. Madrigalbuch. "Il Combattimento di Tancredi e Clorinda" - eines meiner liebsten Sücke dieses Komponisten, den ich in jüngster Zeit mehr denn je höre - ist dabei. Der willkommene "Beifang" des CD-Erwerbs für einen Euro (!) ist, dass sich gleich noch ein geignets Rätes fand. Die übliche Frage: Wer hat die schöne Dame gemalt, die optisch gut zur Musik passt?


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    Lieber Rheingold,
    Du zitierst hier den Kulturhaushalt für das Jahr 2022. Christian Elsners Aussage ist im Booklet seiner CD zu finden, die im Oktober 2020 herauskam; das war damals eine ganz andere Situation. So ein Kunstliedsänger fällt da ja nicht groß auf, aber da waren schließlich 50 prominente Schauspielerinnen und Schauspieler, die mit ihrer Satire für mächtige Aufregungen sorgten.
    2,29 Milliarden Euro, das liest sich gut und könnte Anlass für Freudensprünge sein, in jüngster Zeit wird ja alles Mögliche mit Euros zugeschneit. Nicht alles lässt sich mit Geld richten, die Lockerheit ist weg; innerhalb von acht Tagen saß ich vier Mal maskiert in Liederabenden, das mag sich nicht jeder antun und bleibt lieber zu Hause; die Kulturschaffenden haben schon gelitten und leiden immer noch - einen Silberstreifen am Horizont? Für mich nicht erkennbar ...
    Die nächste Welle rollt bereits!

    Danke für die Einordnung, lieber hart. Auch ich sehe noch größere Herausforderungen auf die Kultur zurollen. Ich spreche ganz bewusst von Herausforderung, weil mir scheint, dass es keinen mich überzeugenden Plan B gibt. Was geschieht etwa, wenn die Verknappung von Strom und Heizung mit Wucht auf Theater und Konzertsäle trifft? Von Frau Roth habe ich dazu noch nichts gehört. Als Grüne Ministerin wird sie wohl Kabinettsdisziplin walten lassen müssen. Da ist es mit herzlichen Umarmungen nicht mehr getan. Schließlich kehrt auch die Pandemie schon jetzt mit Heftigkeit zurück. Obwohl viermal geimpft, habe ich seit ihrem Ausbruch keine Kulturveranstaltungen mehr besucht. So wird es vorerst auch bleiben. Ich habe mich auf Konserven, an denen kein Mangelk ist, zurückgezogen - oder besuche Deine virtuellen Liederabende.:) Nun aber Schluss damit, denn hier gilts dem Lied.


    Die Vereinnahmung von Musik für propagandistische Zwecke erreichte ihre Perfektion gewiss im 20. Jahrhundert, wobei sich mir zunehmend der Eindruck aufdrängt, dass die Nationalsozialisten primär auf Älteres zurückgriffen (besonders Wagner, Liszt, Beethoven), während die (insbesondere) sowjetischen Kommunisten in erster Linie Neukompositionen in Auftrag gaben und hochrangige Komponisten wie Prokofjew, Schostakowitsch und Chatschaturjan für ihre Zwecke einspannten. Besagte Schostakowitsch-Kantate "Über unserer Heimat strahlt die Sonne", geschrieben anlässlich des 35. Jahrestages der Oktoberrevolution, sei "ein Auftragswerk, das vom künstlerischen Standpunkt aus schnell vergessen werden kann" (Lothar Seehaus, Schostakowitsch, Wilhelmshaven 1986, S. 113). Nun kann man hinterfragen, ob solche Abwertungen nicht auch ideologisch bedingt sind, denn laut demselben Autor gehöre auch die 12. Symphonie, gewidmet dem Jahre 1917, "zu den uninteressanten, schwächeren Werken, geschrieben mit Routine und im starren Blick auf einen großen Revolutionär und Parteiführer" (ebd., S. 83). Mir ist das alles zu sehr im Schwarzweißdenken verhaftet.

    Nach allem, was ich weiß, hätten die Nazis schon gern eine eigenen Musik gehabt. Und es gab ja auch entsprechende Werke, die aber oft auf Ablehnung stießen. In dem Buch "Herorische Weltsicht - Hitler und die Musik" von Sebastian Werr wird geschildert, dass sich Komponisten mit dem Hinweis auf die eigene stramme Gesinnung anboten. "Gut gemeint, aber keine Melodie", befand Goebbels beispielsweise über die Oper Der Freikorporal des heute vergessenen Komponisten Georg Vollerthun. Musik müsse klingen. Wie hat die Vollerthun-Oper - um bei diesem Beispiel zu bleiben - wohl geklungen? Ich würde sie schon einmal hören, um mir ein eigenes Bild machen zu können. Stattdessen wird in Sachen Propagandamusik immer gern auf die Russen zurückgegriffen. Dabei werden nach meiner Beobachtung auch vorschnelle und kurzsichtige Urteile gefällt. Ich bin fest davon überzeugt, dass die meisten derartigen Werke in ehrlicher Absicht entstanden sind. Deshalb verfehlen sie ihr Wirkung bis weit über ihre Zeit hinaus nicht.

    Ein großes Kunstwerk ist nicht eines mit einem großen oder politsch aktuellem Anspruch, sondern eines was die Wirkung in sich trägt, völlig unabhängig vom Anspruch.


    Also (ohne jetzt das Werk zu kennen) ist es nicht ausgeschlossen, dass Schostakowitsch' Kantate "Über unserer Heimat strahlt die Sonne" große Kunst ist, wenn auch die Thematik vielleicht nicht so wirken mag. Das Schöne an der Musik ist nicht zuletzt ihre mögliche Abstraktheit!

    Sehr richtig!

    Zunächst herzlichen Dank für Deinen wie immer spannenden und sachkundigen Erlebnisbericht, lieber hart. Es ist bei Dir immer ein wenig so, als wäre man selbst dabei gewesen - oder hätte es nur zu gern sein wollen. Auch ich halte Elsner für eine starke Künstlerpersönlichkeit, fage mich aber, worauf er mit dieser von Dir ziterten Bemerkung hinaus will?


    »So dankbar ich schon jetzt auf mein Sängerleben zurückblicken kann, so bedrückt schaue ich als Professor nicht nur auf meine Zukunft, sondern vor allem auf all die jungen Menschen, die sich für den Lebensweg als Musikerin oder Musiker entschieden haben, nun, da der Kulturbetrieb im Denken unserer Politik und unserer Gesellschaft kaum eine Rolle zu spielen scheint.«


    Ist das wirklich so? Die Politik sollte die Rahmenbedingen für die Kunst so schaffen, damit sie gedeihen kann. Mehr doch wohl nicht. 2022 steigt der

    Kulturetat in Deutschland auf 2,29 Milliarden Euro, hat der Haushaltsausschuss des Bundestags beschlossen. Dies entspricht einer Steigerung um rund sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

    Man muss sich stets bewusst sein, ein Film, so real er erscheinen mag, wird nie die Wirklichkeit wiedergeben. Er muss Spekulation bleiben.

    Da sind wir uns völlig einig, lieber moderato. Nur sag das mal jenen, die Filme als Wirklichkeit wahrnehmen. Ich erinnere mich an eine Szene im so genannten "Buddenbrookhaus" zu Lübeck. Eine Besucherin outete sich gegenüber der Museumsführein als Thomas-Mann-Kennerin und holte diverse Erkundigungen ein, die durchaus auf eine gewisse Vertrautheit mit dessen Werk schließen ließen. Es ging hin und her. Schließlich wollte die Führein wissen, wie sie, die Besucherin, zu Thomas Mann gefunden habe. An die Antwort erinnerer ich mich ganz genau: "Ich habe im Fernsehen dem Film mit Mueller-Stahl gesehen. Das genügt mir. Da ist doch alles drin."

    Carl Maria von Weber - Gesamtausgabe (WeGA)


    Zitat: "Die WeGA ist eine von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz) geförderte Unternehmung mit dem Ziel, bis zum 200. Todestag Webers im Jahr 2026 seine sämtlichen Kompositionen, Briefe, Tagebücher und Schriften in einer wissenschaftlich-kritischen Gesamtausgabe vorzulegen.


    Mit ihrem am 4. Mai 2011 gestarteten neuen Web-Auftritt hat die Weber-Gesamtausgabe schon während der laufenden Arbeit an der Edition der Briefe, Tagebücher und Schriften Carl Maria von Webers (und während der parallelen Arbeit an den Notenbänden) begonnen, ihre Bestände und ihre bislang gesammelten Informationen für die interessierte Öffentlichkeit und die Fachkollegen zu öffnen."

    Ich war vom Film bei seiner Erstausstrahlung begeistert und bin es heute noch mehr. Mit dem Bild, das von Schubert gezeichnet wurde, war der Widerspruch vorgegeben. Dietrich Fischer Dieskau, der profundeste Kenner Franz Schuberts, fand es unmöglich und konnte sich damit wohl nicht anfreunden. Das berichtet sagitt in Beitrag 20. Da müsste man ihn fragen, womit er nicht einig ging.

    Lieber moderato, den Mehrteiler habe ich seinerzeit auch gesehen und war angetan. Ob das heute auch noch so wäre, kann ich nicht sagen. Grundsätzlich bin in inzwischen solchen Filmem gegenüber skeptischer geworden. Gleich gestern - nachdem ich Deinen Beigtrag gelesen hatte - habe ich mir ein Exemplar online in meiner Bibliothelk bestellt. Es wird dieser Tage geliefert. Ich bin also gespannt.


    Warum wird wohl Fischer-Dieskau keine Freude daran gehabt haben? Ich kann es mir vorstellen. Dieser Mann, der ein Leben lang Schubert-Forschung und -Deutung betrieb, musste wohl befürchten, dass zumindest Teile des Publikums den Film für das nahmen, was er nun wirklich nicht ist - ein bequemer Ersatz für die eigene Auseinandersetzung mit Schubert.

    Verbindlichsten Dank, lieber Fiesco, für die Ergänzung des CD-Programms. Keine Anhnung, wie ich dazu kam. Vielleicht waren ja für den speziellen Download nicht alle TItel angeboten worden. Das kommt vor. Was nun aber die CD selbst anbelangt, gehe ich mit Dir mit. Einzelheiten mögen technisch nicht ganz perfekt sein, die "innere Spannung", von der Du schreibst, zieht einen in diesen sensiblen Vortrag regelrecht hinein. Ganz so, wie ich es liebe. Der Ausdruck muss vor allem stimmen. Ich bin so froh, dass sich viele junge Sänger verstärkt Liedern zuwenden. Den Thread-Titel hatte Gregor so eingeleitet: "Erst Lied, dann Oper ... " Mein Hoffen geht dahin, dass Hasselhorn dem Lied den Stellenwert beibehält wie jetzt. Oper können auch andere singen, Lieder nicht. ;) Auf den Wolfram, diese für mich liedhafteste Opernpartie, wäre ich allerdings gespannt.

    Gleichwohl sind die auch hier im Thread oft angepriesenen Alternativen, eine große Festplatte oder Streamingdienste, keine Alternative, wenn man sich wirklich für Musik und ihre Entstehung interessiert.

    Das ist eine ziemlich kühne Behauptung. Sie suggeriert, dass Menschen, die Musik von Festplatten und Streamingdiensten hören, kein wirkliches Interesse an Musik haben. :no:

    Den von Gregor verlinkten Brug-Beitrag finde ich vom Ansatz her ganz interessant. Darin heißt es: "Im Schatten der Liedbaritone Matthias Goerne, 54, und Chjriustian Gerhaher, 51, wächst ein jüngeres fünfblättriges Kleeblatt deutschsprachiger Vokalisten heran, die mit der natürlichen, am weitesten verbreiteten Männerstimme die glorreiche, keineswegs verkümmernde Geschichte des Liedgesangs weiterschreiben." Für einen der fünf dürfte das so nicht mehr gelten - für Benjamin Appl. Der ist aus dem Wachtumsalter deutlich heraus. Und auch meine Erwartungen hat er nicht so ganz erfüllt. Er scheint stehengeblieben. Stimmlich hat er gewisse Eigenarten nicht abgelegt. Er verschießt sein Pulver zu schnell. Bei Steigerungen gehen ihm die Reserven aus. Live gefällt er mir sehr viel besser als im Studio. Vor Publikum fühlt er ist wohl freier.


    Dass Gregor Konstantin Krimmel noch nicht kennt, ist eigentlich sein Glück. Er hat ihn noch vor sich. :) Mit Fiesco stimme ich überein, dass er wirklich sehr gut ist. In seiner Männlichkeit hoch sensibel, was eine passable Mischung ist. Ich bin gespannt, wie es bei ihm weitergeht.


    Ich beobachte die Liederszene auf dem Musikmarkt auch schon lange. Den von Brug gemutmaßten Schub durch die Pandemie sehe ist so nicht ganz so. Die erfreuliche Entwicklung setzte weit davor ein. Dafür sehe ich zwei Gründe. Einmal ist es einfacher und kostengünstiger, Lied-Aufnahmen zu produziueren, zumal auch öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten mitmischen, was ich sehr erfreulich finde. Zu anderen scheinen mir junge Sänger im Liedgesang ihr Genre gefunden zu haben, weil sie sich auf sehr individuelle Weise darin verwirklichen können. Diese Generation Facebook geht frei damit um, eigenen Gefühle zu zeigen und auszudrücken. Sie spricht ganz offen über Glück, Träume, Trauer, Deporessionen, Ängste - und versucht, diese persönlichen Erfahrungen in ihrer Interpreatation auszudrücken. In den Booklets der CDs gibt es oft entsprehchende Texte, die sie selbst verfasst haben. Es lohnt sich, sie genau zu lesen.

    Lieber Parlando, Du hast uns einen wunderbaren Beitrag beschert. Dafür ist herzlich zu danken. Weiter so. Die Sängerfraktion im Forum braucht dringend Verstärkung und Belebung. Marta Krásová ist mir ein Begriff. Ich habe Aufnahmen mit ihr im Bestand, darunter die JENUFA, die allerdings lange nicht gehört wurden. Durch Dich fühle ich mich angeregt, das nachzuholen. Auch um die Porträt-CD werde ich mich bemühen.

    Wobei ich erfreulicherweise schon mehrfach das Vergnügen hatte, Wladimir Fedossejew mit seinem Orchester (dem ehemaligen des Allunions-Rundfunks der UdSSR, dem er ja seit 1974 ununterbrochen vorsteht) live zu erleben und eigentlich jedes Mal das bestätigt fand, was mir auch neuere Aufnahmen nahelegten, dass zumindest unter den großen alten Maestri der alte russische Orchesterklang durchaus noch existiert.

    Was Deine Beobachtungen anbelangt, bin ich ganz bei Dir, lieber Joseph. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich russische Orchester durch die Ausgrenzung seitens des Westens, die der Ukraine-Krieg mit sich bringt, wieder mehr auf eigene Traditionen besinnen wie sie sich einst hinter dem Eisernen Vorhang so lange hielten. Nach drei Jahrzehnten der Öffnung senkt sich dieser Vorhang wieder. Man darf also gespannt sein, was sich dahinter künstlerisch tut. Abschottung hat ihr eigenes kreatives Potenzial.

    Ich halte Frau Young für eine der führenden Bruckner-Interpretinnen.


    ... „eine der führenden Bruckner-Interpretinnen“ kann man durchaus stehen lassen.

    Es kann aber auch so sein, lieber Christian, dass der Autor dieses Satzes sprachlich auf noch neueren Höhen wandelt, indem er auf Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I von vornherein verzichtet. Folglich könnten mit "Interpretinnen" auch Knappertsbusch, Celibidache oder Thielemann gemeint sein. ^^

    . . . und Jürgen Kesting, dessen dreibändige Ausgabe "Die großen Sänger" bei mir im Schrank steht, die Sängerin nur beiläufig, im Zusammenhang mit zeitgenössischen Kollegen, erwähnt.

    Lieber nemorino, das ist auch in der vierbändigen Ausgabe von 2008 nicht anders. Darin findet sie wenigstens im Zusammenhang mit den Mozart-Produktionen unter Busch in Glyndebourne Erwähnung. Wie schon gesagt, ist mit diesen Aufnahmen ja auch Luise Helletsgruber ein Denkmal gesetzt. Als die Box mit Figaro (Cherubino), Don Giovanni (Elvira) und Cosi (Dorabella) in respektablem Klang bei Warner herauskam, griff ich natürlich sofort zu. Damit haben wir diese liebenswürdige Sängerin kompakt in drei Rolle. Das ist doch was!



    Der von mit sehr geschätzte Kesting geht mitunter seltsame Wege. Das liegt wohl auch an seinen speziellen Quellen. Sänger aus dem Osten haben bei ihm auch einen ziemlich schweren Stand. Theo Adam, um dieses Beispiel zu nennen, muss man nicht mögen. Doch er war in seiner Zeit einer der wichtigsten Wagner-Sänger. Also gehörte er sich auch ausführlicher dokumentiert in so einem Standardwerk.


    Aktuell arbeite ich an einer ebenfalls heute noch wenig bekannten Sängerin und stellte fest, dass deren Lebensdaten bei Wikipedia nicht stimmen.
    Der Wikipedia-Autor hatte sich sehr wahrscheinlich am Großen Sängerlexikon orientiert und die Herren Kutsch/Riemens haben mit großer Wahrscheinlichkeit die Daten aus dem »Universal-Lexikon der Tonkunst (Ausgabe 1849) abgeschrieben.
    Die Urquelle war für mich dann die Information bei Ancestry; die Dame hatte sich um fünf Jahre verjüngt, so selten ist das nun auch wieder nicht ...

    Da bin ich jetzt schon gespannt darauf, lieber hart. Deine Erfahrungen habe ich auch schon gemacht. Fakten zu hinterfragen, ist noch kein verbieterisches Misstrauen. Ich sehe es als schöpferischen Akt. :) Wenn der Wetterbericht Regen meldet, gehe ich aus Erfahrung zum Fenster und überzeuge mich selbst davon. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass heutzutage Fakten schneller geglaubt werden - nur, weil es in der Zeitung steht oder im Netz.

    ... da habe ich mal in meinem GROSSEN SÄNGERLEXIKON nachgeschlagen und immerhin das folgende gefunden:


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    Mir liegt die zweite Auflage des Buches "Unvergängliche Stimmen" (1966) vor, aus dem sich das von hart erwähnte Sängerlexikon, das es inzwischen auf sieben dicke Bände brachte, entwickelte. Damals wurde das Geburtsjahr von Luise Helletsgruber auf Seite 225 noch mit 1898 (?) angegeben. Ich hatte entgegen anfänglicher Absicht das Lexikon deshalb nicht erwähnt, weil mir das in der Vergangenheit oft heftige Angriffe bescherte. Es gab mal ein Forumsmitglied, das nichts von dem Werk hielt und es bei jeder sich bietenden Gelegenheit runtermachte - und den Benutzer mitunter gleich mit. Trotz der vielen Fehler und Ungenauigkeiten schätze ich das Lexiklon und habe auch die neueste Ausgabe. Ich kenne nichts vergleichbares. Dafür, dass dieses Lexikon ohne große Redaktion auskommen musste, steckt eine enorme Rechercheleistung dahinter.

    Die deutsche Ministerin für Kultur und Medien hat auf Einladung ihres ukrainischen Amtskollegen Odessa besucht, denn der russische Aggressor hat mit seiner "Sondermassnahme" kulturelle Institutionen dem Boden gleich gemacht.

    Ich geb's nicht gerne zu, aber die grünen Ministerinnen und Minister dieser Bundesregierung machen mir momentan noch den positivsten Eindruck.

    Aber abgesehen von Generalfeldmarschallin Strack-Zimmermann von der FDP sind es grüne Politiker, die zur Zeit am wenigsten unverständlich und nebulös umhereiern.

    Ich sage es ganz offen: Mich irritiert dieser Thread total. Damit sehe ich das Forum noch weiter geöffnet für politische Nachrichten und Positionen - in diesem Falle eindeutig pro deutsche Grüne.

    Wenn ich in den heutigen Nachrichten lese, dass die Mailänder Scala die nächste Saison mit "Boris Godunov" öffnet, und zwar mit ANNA NETREBKO IN DER HAUPTROLLE, so erinnert mich dieser Lapsus an eine Ankündigung des Mariinsky-Theaters vor vielen Jahren auf seiner englischen Webseite : "Anna Netrebko in the title role of Don Giovanni".

    Abgesehen mal davon, halte uch diese Ankündigung für einen sehr bemerkenswerten und hoffnungsvollen Schritt.

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    Das "Große Rundfunkorchester" ist mir natürlich ein Begriff, auch durch seine Konzertreihe "Zauber der Musik", die ich allerdings nie (?) besucht habe.

    Und ich, lieber Reinhard, machte mich von Berlin auf nach Leipzig, um ausgewählte Konzerte dieser Reihe zu besuchen. Die sind mir unvergesslich geblieben. Die Programmgestaltung war insofern bemerkenswert, weil eine gewisse Balance zwischen populären Titeln und und solchen Werken hergestellt wurde, die seinerzeit ehr selten zu hören waren. Darauf war nach meiner Beobachtung das ganze künstlerische Wirken dieses Orchesters gerichtet. Im Falle der hier gezeigten Programmheft, fällt der Name der Sopranistin Hanne-Lore Kuhse auf, für die ich eine tiefe Verehrung hege. Sie unterthielt enge Beziehungen nach Leipzig, wo sie zeitweise auch am Opernhaus engagiert war. Beide Konzerte wurden damals nicht nur übertragen sondern auch mitgeschnitten. Ich kann das bestätigen, weil ich jene Stücke, die die Kuhse vortrug, für die ausschließlich private Nutzung beim Deutschen Rundfunkarchiv (DRA) erwarb.



    Nachtrag:


    "Radio Philharmonie Leipzig (bisher Großes Rundfunkorchester)

    Chefdirigent GMD Prof. Horst Neumann"

    Die kurzzeitige Umbenennung des Großen Rundfunkorchesters in Radio Philharmonie war auch an mir völlig vorbei gegangen. :( Dank Joseph wissen wir ja nun Bescheid.

    Es ist immer wieder traurig zu erleben, daß einstmals gefeierte, ja sogar berühmte Künstler früher oder später praktisch der Vergessenheit anheimfallen.

    Lieber nemorino, wenn Sänger in Vergessenheit geraten, liegt das nach meiner Erfahrung auch daran, dass sie wenige Tondokumente hinterlassen haben. Denn woran sollte man sich sonst halten? Ehr selten sind die Fälle, in denen ein einziges Dokument für eine ganze Karriere steht. Luise Helletsgruber ist so ein Beispiel. Ihre Dorabella aus Glyndebourne genügt mir schon, um ihr ein herzlichliches Andenken zu bewahren. Dazu muss man aber Mozart lieben und ein wenig Bescheid wissen über das, was Fritz Busch für ihn leistete. Er entwickelte bekanntlich einen ganz neuen musikalischen Aufführungsstil, woran die Sängerin großen Anteil hat. Das ganze Ensemble wird nämlich zum Star. Du zeigst die Aufnahme zurecht so schön groß.


    Meinerseits möchte ich noch ein LP von Preiser aus der Reihe "Lebendige Vergangenheit", in die sich die Helletsgruber mit Adele Kern teilt, anführen:


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    Auf das Programm könnte man noch näher eingehen. Jetzt nur meinen Dank für den Thread. :hello: