Beiträge von Rheingold1876

    Mit diesem Thema tue ich mich auch schwer. Für mich gibt es nur bedeutende und weniger bedeutende Musiker bzw. Solisten. Sonst nichts. Die Hautfarbe ist mir völlig egal. Und sie sollte es inzwischen auch sein. Die Frage des Threads kommt mir historisch zu spät. So ist es 35 Jahre her, dass sich in Bayreuth noch über einen schwarzen Holländer gewundert wurde. Das in aller Kürze. Das gut gemeinte Thema ist natürlich viel, viel umfänglicher. Und es hat in dieser Verknappung und Aufzählung von Beispielen auch seine Tücken und Fallstricke. Ich bin zwar nicht für löschen wie Siegfried, denn löschen ist nur eine allerletzte Möglichkeit. Ich bin aber gespannt, wie unser umsichtiger Reinhard den Thread aufräumen wird.

    Das lese ich gern. Selbst habe ich noch nie einen Betrag in diesem Thread gesendet, weil ich immer davon ausging, dass es niemand interessiert, was ich gerade höre. Warum auch? Für mich ist es immer eine fast schon intime Angelegenheit, Musik zu hören. Dabei brauche ich eigentlich keine Aufmerksamkeit von außen. Ich ziehe sogar die Vorhänge zu. Irre ich mich? Nun bringt mich der Beitrag des Forumsbesitzers auf die Idee, meine Initiativen künftig vielleicht vornehmlich in diesen Thread zu verlagern. Ich liebe den Zank nicht, vermisse liebe Freunde sehr, deren Beiträge mich bewegten, ich versage mir, über mein wichtigstes Thema, die Oper zu zu schreiben, weil meine persönlichen Sichten im Forum nicht willkommen sind. Immer nur Cover-Rätsel lösen ist auch kein Ausweg, zumal ich kaum noch einen Vorrat habe. Oder sollte ich mich zum Witzerzähler mausern, der ich nie war? Ich hasse Witze! Wie heißt es von Loge im "Rheingold"?


    Bedenken will ich's:

    Wer weiß, was ich tu'!


    Danke jedenfalls für die Anregungen zu neuen Idee und Initiativen im Forum :)

    Richard Wagner: "Tristan und Isolde", EMI 1952


    Für eine maßstäbliche Plattenproduktion, deren künstlerische Wirkung bis in die Gegenwart reicht, halte ich diesen "Tristan", im Juni 1952 in London unter der musikalischen Leitung von Wilhelm Furtwängler aufgenommen. In dem von Alfred mehrfach erwähnten Buch "Ausgespielt - Aufstieg und Fall der Klassikindustrie" von Norman Lebrecht wird sie in der Liste der hundert Einspielungen geführt, die "Meilensteine eines Jahrhunderts" darstellen. Ich hätte sie auch ohne die Kenntnis dieser Liste genannt, die ich übrigens nicht in allen Nominierungen teile. Es war die erste Studioaufnahme des Werkes. Heute, angesichts der Fülle anderer Einspielungen, die auch technisch besser klingen, können wir uns nicht mehr vorstellen, dass es bis dahin keinen kompletten Platten-"Tristan" gab. Wir leben in guten Zeiten. In dieser Aufnahme vollziehen sich Abschied und Aufbruch zugleich. Mit Furtwängler und der siebenundfünfzigjährigen Kirsten Flagstad als Isolde würden bald zwei Künstler abtreten, die die Wagner-Interpretation in ihrer Zeit entscheidend geprägt hatten. Ludwig Suthaus, für meine Begriffe etwas zu schwer und matt als Tristan, war dem Vernehmen nach der Ersatz für den ursprünglich ins Auge gefassten Lauritz Melchior, der seinen Zenit aber deutlich überschritten hatte. Hingegen verkörperten Dietrich Fischer-Dieskau als Kurwenal, die von der Flagstad geförderte Blanche Tebom als Brangäne und Rudolf Schock als Seemann und Hirt Zukunft. Diese Einspielung gibt nach meinem Empfinden einen überwältigenden Eindruck davon wieder, was Musik an magischer Wirkung hervorbringen kann, wenn denn die richtigen Akteure am Werk sind. Produzent war Walter Legge, dessen spätere Ehefrau Elisabeth Schwarzkopf ihrer Kollegin Flagstad bei den hohen Tönen zu Beginn des Liebesduett aushalf, was auch Lebrecht bestätigt.


    Auch diese Aufnahme behauptet sich bis jetzt am heiß umkämpften Markt. Es gab sie in vielen prächtig aufgemachten Vinyl-Ausgaben. Mit Einführung der CD wurde sie umgehend neu angeboten. Auch der graue Markt bemächtigte sich ihrer und schmiss sie billig und schäbig gewandet auf die Wühltische, wo sie aber nicht hingehört. :( Aus Sängerkreisen höre ich immer wieder, dass sich immer noch an der Produktion orientiert wird. Hoffentlich! Manchmal hört man das Werk nämlich so belanglos, dass man sich das nicht vorstellen kann.

    Es gab immer wieder einmal Versuche, das „Italienische Liederbuch“ in einer Art Dialog-Form im Sinne eines novellistischen Konzepts aufzuführen, was natürlich zu einer Abweichung von der von Wolf vorgegebenen Reihenfolge der Lieder führt. Ich persönlich halte nicht viel davon. Es verführt die Interpreten dazu, die einzelnen Lieder zu stark auf die Charaktersierung der Frau und des Mannes abzustellen und dabei die dialogischen Effekte über Gebühr zu akzentuieren.

    Lieber Helmut, ich glaube nicht, dass Dir mein Beitrag gefallen wird. Er soll aber zumindest Zeugnis ablegen für mein Interesse an dem Thema. Das "Italienische Liederbuch" eröffnete mir vor vielen Jahren den Zugang zu Wolf, meinen Zugang. Prägend ist dabei bis heute die Einspielung mit Schwarzkopf und Fischer-Dieskau unter Moore geblieben, die Du für Deine Betrachtungen auch heranziehst. Nun erinnere ich mich an ein Konzert vor zwei Jahren in Berlin, in dem ich das Liederbuch zuletzt live erlebt hatte - mit Diana Damrau und Jonas Kaufmann. Wer sich mit verhaltenem Interesse, gar Zweifeln auf den Weg in das Konzert gemacht hatte, sah sich auf widerlegt. Innerlich war ich auf einen Event zweiter Weltstars eingestellt und verließ der großen Saal der Berliner Philharmonie mit der Gewissheit, einen großen Abend erlebt zu haben, bei dem die Kunst triumphierte und nicht allein der Ruhm der beteiligten Protagonisten, die von Helmut Deutsch, dem nicht weniger berühmten Mann am Flügel begleitet wurden. Oft ist es umgekehrt. Beide Solisten waren perfekt studiert. Sie brachten kein Notenblatt in Reichweite, nicht einmal einen Spickzettel mit der Reihenfolge der sechsundvierzig Lieder. Mit stoischer Gelassenheit blätterte Deutsch selbst um. Wahrscheinlich hätte auch er gar keine Noten gebraucht. Diese enorme Sicherheit auf dem Podium im Umgang mit einem nur vordergründig leicht wirkenden Werk eröffnete der Interpretation große Spielräume.

    Inzwischen ist das Liederbuch, das die Künstler an mehreren Orten vorgetragen hatten, bei Erato auf CD erschienen. Dafür wurde ein Mitschnitt des Konzerts im Alfrid Krupp Saal der Philharmonie Essen gewählt. Auch für dieses Konzert war die Abfolge der Lieder umgestellt, drastisch umgestellt worden. Obwohl das Liederbuch mit fünf Jahren Unterbrechung zwischen beiden Teilen entstand, sind keine Brüche hörbar, die durch die veränderte Zusammenstellung hätten ausgeglichen werden müssen. Damrau und Kaufmann sind nicht die ersten Sänger, die die originale Reihung verlassen haben. Daran ist nach meiner Auffassung nichts auszusetzen, zumal ihr Konzept darauf abzielte, eine gewisse inhaltliche Perspektive zu eröffnen. Das Liederbuch als eine Art Singspiel. Nur das berühmte Eröffnungslied "Auch kleine Dinge können uns entzücken" und das Finale mit "Ich hab‘ in Penna einen Liebsten wohnen" blieben an ihren angestammten Plätzen. Alle anderen Nummern wurden kühn durcheinander gewürfelt. Hörer, die an eine bestimmte Ordnung gewöhnt sind, diverse Einspielungen kennen und das Werk in Gedanken mitsingen können, dürften sich gewundert haben. Im Booklet wird mit keinem Wort darauf eingegangen. Ein Singspiel also. Beide Protagonisten unterlagen im Konzert aber nicht der Versuchung, mit Gesten und Mimik mehr als nötig draufzusatteln, was auf der CD ohnehin weggefallen wäre. Die Deutung ergibt sich allein aus den Liedern, die textlich weitgehend sehr gut zu verstehen sind. Weniger ist oft mehr. Das heißt aber nicht, dass auf dem Podium herumgestanden wurde. Leidenschaft, Liebeskummer, Streit, Angst, Melancholie, Prahlerei, religiöse Inbrunst – und was noch die menschliche Seele hervorzubringen vermag – gingen durch Andeutungen oder schüchterne Annäherungen in die Darstellung ein. Diskret und oft auch mit Witz. Im Fortschreiten des Werkes - auch das offenkundig gewollt – wurden die Aktionen etwas deutlicher und stärker. Das hört man jetzt auch. Diana Damrau und Jonas Kaufmann konnten das Spiel durch Erscheinung und schauspielerisches Talent glaubhaft machen. Man schaut diesen beiden gut aussehenden Menschen einfach gern zu. Die CD nimmt diese Aussicht weg. Es wäre viel besser gewesen, einen Mitschnitt auf DVD herauszugeben zu haben. Jetzt wirkt das Dokument wie die abgetrennte Tonspur eines Films. Die ursprüngliche Einzigartigkeit des ganzen Projekts ging verloren. Das ist sehr schade. Im Booklet gibt es schöne Fotos, die das Liederbuch zeitgemäß illustrierten sollen. Sie sind aber kein Ersatz für das, was sich auf dem Podium ereignete.

    Richard Strauss: "Die Frau ohne Schatten", Decca 1955

    R-7809330-1534010852-7578.jpeg.jpg


    Bei dieser Produktion handelt es sich um die erste Einspielung dieser großen Festspieloper, die heute auch auf den Spielplänen kleinerer Häuser steht, wo sie eigentlich nicht hingehört. Karl Böhm glaubte an den Siegeszug des oft als unspielbar verkannten Werkes. In seiner prophetischen Weitsicht sollte er Recht behalten. Ohne Böhms Enthusimus, den auch die Aufnahme prägt, hätte "Die Frau ohne Schatten" nie ihre verdienten Anerkennung gefunden. Das ist meine feste Überzeugung. Es zeigte sich - und deshalb nominiere ich die Aufnahme - dass Schallplattenproduktionen einst eine ernorme kulturelle Wirkung entfalteten konnten, die ich mir heute so nicht mehr vorstellen kann. Die Aufnahmebedingungen im Musikvereinssaal waren insofern günstig, weil das Werk zu jenen gehörte, die zur Eröffnung der wiederaufgebauten Staatsoper in neuer Inzsnierung gezeigt wurden. Nur Paul Schöffler musste aus rechtlichen Gründen Ludwig Weber ersetzen, der auf der Bühne mitwirkte. Der Mitschnitt der Staatsopern-Premiere vom 9. November 1955 ist 2005 bei Orfeo herausgekommen (unten rechts). Dem Vernehmen nach verzichteten alle Mitwirkenden für die Einspielung unter Studiobedingunen auf ein Honorar. Obwohl Mono, geht von der Aufnahme für mich bis heute eine Stimmung aus, die ich so nie wieder erreicht fand. Vom ersten Moment an kommt eine Atmosphäre auf, in der sich das geheimnisvolle Geschehen entfalten kann. Die sängerischen Leistungen muten aus der Distanz heraus zwar historisch an, können sich aber gegen heutige Produktionen sehr wohl behaupten. Die Aufnahme, bei der sich Böhm für dezente Striche entschied, ist seit ihrem ersten Erscheinen nie vom Markt verschwunden. Auch das spricht für sie.


    Der Däne Vilhelm Hammershoi ist der Maler der Stille. Seine Gemälde zeigen meist das gleiche Sujet: Eine Frau, immer von hinten, in Innenräumen, mit genauer Beobachtung der Lichtverhältnisse.

    In der Tat ist so so, lieber moderato. Es gibt aber ganz wenige Ausnahmen, dass sich eine Frau auch mal von vorn oder im Profil dargestellt findet.


    https://www.daxermarschall.com…ds/2017/10/Hammershoi.jpgHammershoi.jpg

    Es hat den Anschein, als würde immer die selbe große Wohnung den Rahmen bilden. Der Raum ist entscheidend, nicht die Figuren. Obwohl ich die Bilder nicht eigentlich depressiv finde, will es mir doch scheinen, als gäbe es kein Entrinnen aus diesen Wänden. Auf dem hier verlinkten Gemälde ist sogar eine Tür mit einem Schrank verstellt.


    Das habe ich gefunden, geschätzte Rätselfreunde. Wenngleich sich die Vorräte bei mir sehr in Grenzen halten. Wenn mir die Suchmaschine richtige Auskunft gab, hatten wir dieses Cover noch nicht, wohl aber den Maler mit einem ähnlichen Bild. Wie heißt er? Wes Landes? Der Titel des Bildes ergibt sich aus dem Dargestellten. Die CD selbst ist mehr als eine Empfelung wert. :)

    Lieber Operus, möchtest Du wohl hier nochmal nachlesen? WoKa hatte das Konzert sogar besucht und im Thread des Forum über "Enoch Arden" berichtet. :) Ein Mitschnitt war auch schon auf DLF Kultur gesendet worden. Die Fassbadender hatte auch eine CD-Einspielung vorlegte. Hör Dir ihre Interpretation doch auf SWR 2 an und erzähle uns von Deinen Eindrücken. Das wäre schön.


    Die Studioeinspielung von "La damnation de Faust" aus Boston unter Charles Munch findet sich in dieser prächtigen Box. Den Faust singt David Poleri, die Marguerite Suzanne Danco, den Méphistophélès Martial Singher und den Brander Donald Gramm.


    Ein Mitschnitt aus Tanglewood von 1960 hat sich in dieser Besetzung erhalten. Auch hier wirkt Singher mit:


    charles-munch-vol-xvii-damnation-de-faust-steber-singher-mccollum-2-st-laurent-studio-ysl-t-458-17.jpg

    ZunÄchst möchte ich Dir, lieber musikwander, von Herzen Dank sagen für diesen profunden Führer durch das Werk, das ich ebenfalls für nicht geeignet halte für eine Darstellung auf der Opernbühne. Hervorragende Einspielungen sind geannnt. Die jüngste unter Nelson bei Erato kann nach meinem Eindruck locker an die besten Vorgängerinnen anschließen, auch wegen Spyres und natürlich wegen des Dirgenten, der zurecht als Berlioz-Spzialist gelten darf. Dennoch ist für mich die von Markevitch vorgelegte Einspielung nach wie vor unübertroffen. Nicht unerwähnt darf Charles Munch bleiben, der unnachgiebig für Berlioz eingestanden ist. Unter seine Leitung gibt es mindesten zwei Versionen des "Faust". Obwohl Übersetzungen ins Deutsche hier im Forum ganz allgemein keinen guten Ruf genießen, möchte ich eine solche vorstellen. Es handelt sich um einen Konuzertmitschnitt vom Lucern-Festival 1950, der von Wilhelm Furtwängler geleitet wird. Die Solisten sind Elisabeth Schwarzkoipf, Frans Vroons, Hans Hotter und Alois Pernerstorfer:



    In deutscher Übersetzung kann der Text des Werkes hier mitgelesen werden.

    81GljntTxOL._SL300_.jpg


    Zwei Aufnahmen in der Diskographie vin Sigrid Kehl verdienen besondere Erwähnung: Mitschnitte von "Salome" und "Tannhäuser" aus dem La Fenice. Sie sind in der Reihe von Mondo Musica herausgekommen, deren Erlös in den Wiederaufbau des abgebrannten Opernhauses der Lagunenstadt geflossen ist. Der Klang ist nicht berauschend. Die Kehl ist als Herodias und als Venus zu hören, Rollen, die sie auch an ihrem Stammhaus in Leipzig gesungen hat. Beide Dokumenten sind aber auch aus anderen Gründen interessant. Ernst Kozub gibt den Tannhäuser, während René Kollo, der sich die Partie ebenfalls erarbeiten sollte, den Walther singt. Da die so genannte Dresdener Fassung gespielt wird, bleibt Walthers schönes Solo im Sängerkrieg erhalten.

    ... auch mir ist die Sängerin Sigrid Kehl nur durch Rüdigers im Beitrag Nr. 5 genanntes Recital von 1970 und den Querschnitten aus „Die Macht des Schicksals“ (mit Hanne-Lore Kuhse, Martin Ritzmann, Dan Jordachescu, Günther Leib und Theo Adam unter George Singer) und aus dem von 'La Roche' oben gezeigten „Don Carlos“ bekannt; beide Querschnitte erschienen in der BRD seinerzeit auf 'Philips'-LPs.

    R-8958816-1472781677-7805.jpeg.jpgR-10972442-1507471135-4660.jpeg.jpg


    Diese LP ist bisher nicht auf CD herausgekommen. Sigrid Kehl singt die Preziosilla. Mir ist allerdings rätselhaft, warum auf der westdeutschen Pressung wie ich sie rechts abgebildet habe - es gibt noch mindestens eine andere Ausgabe - die so genannte Einkleidungsszene der Leonore "Die Himmelsjungfrau gnadenvoll den Mantel um mich breite", fehlt.

    Soeben fand ich bei OK - Russland eine Dokumentation von 1965 aus Wien (Sofiensäle)


    Diese Dokumentation ist seit Jahren auf dem Markt und wird noch immer offiziell von Decca angeboten. Ich halte sie für eine der interssantesten ihrer Art. Leider fand nur die "Götterdämmerung" Berücksichtigung. Gewiss wären solche Filmaufnahmen auch von den anderen "Ring"-Teilen interessant gewesen. Der Produzent des gewaltigen Unterfangens, John Culshaw, hat ein Buch darüber geschrieben. Er war der Spiritus Rector und nicht Georg Solti, wie man der Aufmachung entnehmen könnte.


    Sigrid Kehl hat in ihrer langen und überaus erfolgreichen Karriere realaiv wenige Tondokumente hinterlassen, die nicht einmal alle auf CD gelangt sind. Ihre etwas herbe, schnörkellose Stimme ist auf einer LP aus der Reihe "Opernabend mit ..." des DDR-Labels Eterna umfassend eingefangen. Nach meinen Informationen sind die Aufnahmen 1970 gemacht worden. Paul Schmitz, der Dirigent, wirkte damals als Generalmusikdirektor am am Opernhaus Leipzig.


    R-9718821-1485279118-2669.jpeg.jpg


    Höhepunkt des Programms ist der Schlussgesang der Brünnhilde aus Wagners "Götterdämmerung". Diese Szene war der Vorgriff auf die Gestaltung der Parie in der "Ring"-Inszenierung durch Joachim Herz in Leipzig, die in vielen Punkten die spektakuläre Deutung von Patrice Chéreau 1976 in Bayreuth vorwegnahm. Mit der "Götterdämmerung" fand der Leipziger "Ring" am 28. März 1976 seinen krönenden Abschluss. Die Kehl drückte gemeinsam mit Fritz Hübner als eiskaltem Hagen der Aufführung ihren Stempel auf. Es dirigierte Gert Bahner, der vor gut einem Monat - nämlich am 9. Dezember 2019 - gestorben ist. Die Wirkung auf der Bühne ist mit der Platte nicht zu vergeichen. Man musste die Kehl auch sehen. Sie war eine hoheitsvolle Erscheinung. Ihre Brünnhilde war kontrolliert und kühl. Sie ließ sich niemals gehen, auch stimmlich nicht. Der Schlussgesang ist für diese Box der Platte, die bisher nicht komplett auf CD vorgelegt wurde, entnommen worden:



    Inzwischen auch in dürftigem Sound bei YouTube zu hören:



    Was ist noch zu hören? Zwei Szenen aus der "Frau ohne Schatten" von Richard Strauss. Die Kehl hatte die Amme in Leipzig gesungen und wurde in dieser Rolle auch in der Neuinzsnierung des Werkes durch Harry Kupfer an der Ost-Berliner Staatsoper gefeiert. Ich halte die Amme für ihre beste Leistung, weil sich die ursprüngliche Altistin auf dem Weg zur Hochdramatischen damit überaus wirungsvoll entfalten konnte. Schließlich singt sie noch die Arie der Lady "Nun sinkt der Abend" aus "Macbeth" sowie die Szene der Azucena "Die Hände in schweren Ketten" aus dem "Troubadour" und die große Szene der Küsterin aus "Jenufa" von Janacek in deutscher Textfassung.

    Er singt - wie ich finde - etwas unorthodox, manchmal nicht ganz genau. Aber das ist es ja, was ihn so faszinierend für mich macht. Bei Kullmann (wie immer man ihn jetzt schreibt) treffen sich die einzelnen Stimmfächer. Er fürchtet sich nicht von heldischen Partien und badet förmlich in der Operette. War es das, was Bruno Walter veranlasste, mit ihm "Das Lied von der Erde" aufzunehmen? "Dunkel ist das Leben, ist der Tod." Wie die Stimme auf "Tod" regelrecht erstirbt. Hat man das je ergreifender gehört?


    In der Tat, lieber moderato, eine sehr bewegende Aufführung zu einem für mich nach wie vor schwierigen Gedenktag, der inhaltlich viele Wandlungen erfuhr so oft er begangen wurde. Gleichzeitig wurde mir - unabhängig vom Anlass - wieder einmal deutlich, was für ein Meisterwerk dieses Sinfonie ist.

    Hallo Cavarodossi, ganz so hingerissen von Hertha Töpper wie Du bin ich zwar nicht, schätze aber ihre enorme Stilsicherheit und Musikalität. Besonders gern höre ich die deshalb in Oratorien und Opernpartien, die oratorienhafte Züge tragen. Eben habe ich wieder den Mitschnitt von Brangänes Wachgesang vom 12. Oktober 1950 aus Granz angehört, bei dem es sich nach meinen Informationen um das erste von ihr überlieferte Tondokument handeln soll. Es offenbart ihr Stärken auf beglückende Weise. Wer das seinerzeit live erlebte, dem muss klar gewesen sein, dass sich hier ein sehr großes Talent ankündigte.

    Das letzte, live erlebte Da capo, liegt nun auch schon eine Weile zurück. Bei einer konzertanten Aufführung des "Trovatore" 2012 in Berlin mit Anja Harteros, Dolora Zajick und Dalibor Jenis wiederholte der Tenor Stuart Neill, der sich anfangs sehr schwer tat und den ich ziemlich quallig fand, die mit einem endlos gehaltenen C garnierte Stretta, obwohl der Beifall nach meiner Erinneurng nicht enthusiastischer war als beispielsweise bei der ersten Leonora-Arie. Dabei spielte er sich derartig ordinär in den Vordergrund, dass es für die anderen Solisten schon peinlich war.

    AKG95181.jpg


    Ist es dieses Bild? Es heißt "Stilleben mit Früchtekorb, Jagdbeute und Gemüse". Geschaffen hat es der flämische Maler Frans Snyders (1579-1651). Synders war ein bedeutender Meister des Genres. Das Gemälde soll nach Informationen im Netz zum Bestand der Gemäldegalerie Berlin gehören. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, es je dort gesehen zu haben. Grundsätzlich an Stilleben interessiert und im Besitz einer Jahreskarte für die Berliner Museen, hätte es mir auffallen müssen. Nach meinem Eindruck werden in Berlin nicht genug derartige Gemälde gezeigt. Dieses da finde ich grandios. Ich könnte stundenlang davor verbringen. In den Büchern über die Galerie, die sich in meinem Bestand befinden, habe ich auch keinen Hinwei auf das hier gesuchte Bild gefiunden. :( Demnächst werde ich an Ort und Stelle danach forschen. Ich muss es im Original sehen!