Beiträge von SebastianM

    Kann jemand Sinfonien (auch anderer Komponisten), die einen ähnlichen Charakter wie die 11. von Schostakowitsch aufweisen, empfehlen? Ich mag diese einerseits depressive, bedrohliche Stimmung und andererseits die Brutalität und Motorik dieser Sinfonie. Die 7. und 12. Sinfonie von DSCH sind für mich da am ehesten vergleichbar, vermisse aber dort eben die klanglichen Flächen, die vor allem im ersten Satz der 11. vorkommen.

    Hallo Julius,
    vielen Dank für deine Tipps, die werde ich gerne mal berücksichtigen. Ich bin sonst auch ein Fan von früher elektronischer Musik, die man meist dem Progressive Rock oder Krautrock zurechnet. Daher höre ich auch gerne Tangerine Dream, Schulze, Heldon oder Cluster und natürlich auch Aphex Twin, die sicherlich nicht so engstirnig wie die "großen" Komponisten der elektronischen Neuen Musik an die Sache rangehen, sondern sich auch mal einfach in Klangfluten schwelgen lassen ohne direkt größeres Vorhaben damit zu erreichen. :-)
    Depeche Mode kann ich mir auch ganz gut anhören, was gar nicht geht ist Techno, Schranz und dieser gruselige moderne "Electro", den jeder Spasti mit einem normalen PC erstellen kann. Aber man muss ja im Trend sein....


    Hier ein paar meiner Tipps:



    Tangerine Dream - Rubycon



    Tangerine Dream - Phaedra



    Klaus Schulze - Mirage



    Heldon - Agneta Nillson



    Cluster - 71


    Aber das ist alles keine Musik die man zum "E" Bereich zählen würde. (Auch wenn Cluster sehr nach Stockhausen klingt) Daher ein wenig Off Topic....

    back to topic: :rolleyes:


    Vielen Dank für die hilfreichen Hinweise. Das hilft mir auch weiter. Werde das auch so wie geschildert berücksichtigen.



    Handelt es sich bei dieser Ausgabe um die gleiche Einspielung wie bei der Brilliant Edition? Wenn ja, wäre die schonmal mein Favourit.


    Ist das nicht eine Scheindiskussion?


    Meint Ihr, Bartok hätte dem ungarischen oder rumänischen Bauern, der ihm ein Volkslied im 5/8 oder 7/8 Takt vorgesungen hat, diese Frage gestellt?


    Hat sich Dave Brubeck diese Frage gestellt? Nein, er hat sie beantwortet - und wie!


    Wieso Scheindiskussion? Ich versuche damit beide Lager gegenüberzustellen. Wie immer gibt es Befürworter und Gegner solcher Mittel. Ich persönlich Stimme dir zu und finde solche Mittel, wenn man sie denn geschickt einsetzt, auch hervorragend. Leider wird halt dazu geneigt krumme Takte zu verwenden um es absichtlich kompliziert zu machen. Wenn es homogen wird, wie eben das Paradebeispiel von Brubeck, find ich es hervorragend. :thumbsup:

    Hallo liebe Taminos,
    man möge mir verzeihen, wenn es bereits so einen Thread geben sollte. Doch mit dieser umständlichen Suchfunktion des Forums findet sich sowas nicht so leicht. Man möge mich bitte darauf hinweisen, sollten etwaige Threads schon vorhanden sein.


    Ich suche eine brauchbare Schostakowitsch Gesamtausgabe, damit ich nicht kreuz und quer durch die angebotenen Tonträger suchen muss.


    Mir ist diese bekannt, u.a. mit Rudolf Barshai und dem WDR Sinfonieorchester.


    Mir gefällt diese auch gut, doch 170 Euro sind schon sehr viel. Leider gibt es anscheinend keine gängige Gesamtausgabe. Kann mir einer was empfehlen?

    kurzstueckmeister : Hm denn kennt wohl wieder mal keiner. :D Ok ich gebs zu, es ist wohl etwas naiv von meinem Unwissen auf andere zu schließen. :D


    Aber abgesehen von der Diskussion, ob krumme Taktarten jetzt kompositorisch sinnvoll sind, stellt sich auch die Frage warum es eingesetzt wird. Manchmal ergibt sich ein Thema/Motiv etc. ungerade oder wird sowas manchmal "absichtlich" eingesetzt um Werke bewusst komplex zu gestalten. Ich meine, dass sich die Frage für den klassischen Bereich schon erübrigt, da in diesem Thread ja bereits festgestellt wurde, dass wirklich komplexe Taktvarianten in der Regel nicht auftauchen. Anders als im Jazz/Prog Rock/Math Rock etc. wo diese teilweise mathematischen Taktgebilde ja zum guten Ton gehören, möchte man ein anspruchsvoller Künstler sein.

    Zitat

    Leider bislang nur als Namen.


    (Ebenso geht es mir bei Gilbert Amy und Francois-Bernard Mâche.)


    Klingt aber sehr interessant ...


    Die sagen mir wiederum auch nichts.... :whistling:

    Ein sehr schöner Thread - einer von vielen zu Stockhausen in diesem Forum. Es gefällt mir, dass auch Zappa in so eine Diskussion mit eingebunden wird.
    Zu Stockhausen und der 9/11 Thematik. Sicherlich sind solche Aussagen von Stockhausen "gewöhnungsbedürftig" und nicht wirklich nachvollziehbar. Aber in diesem Fall wird das wieder aus dem falschen Zusammenhang geschildert. Selbstverständlich hat er die Anschläge abgelehnt, nur sein Statement dazu war, dass er es bewundert, wie Menschen jahrelang oder sogar ihr Leben lang auf einen kurzen Moment (Die Aufführung) hin proben und für das "Kunstwerk" ihr Leben geben. Dass die Opfer nicht gefragt wurden, an diesem "Kunstwerk" teilzuhaben ist nach Stockhausens Meinung das Verbrechen.
    Selbstverständlich immer noch eine seltsame Einstellung, die man nicht wirklich nachvollziehen kann, aber so klingt es schon anders, als wenn man nur behauptet "Stockhausen empfindet 9/11 als eines der größten Kunstwerke, die Menschen je geschaffen haben." Seine Gegner nutzen solche Statements, ebenso wie den verwirrenden Sirus-Kommentar, natürlich gekonnt aus um ihn zu diffamieren.


    Des weiteren finde ich die "Oktophonie" (1991) von ihm ein sehr zugängliches Werk, mit dem ich am ehesten einem Nicht-Kenner was von Stockhausen vorspielen würde.
    Das Werk ist auch eine Formelkomposition aus dem Dienstag aus Licht und bildet deren elektronische Hintergrundmusik. Die Idee selbst dahinter ist nicht die 8-kanalige Aufführung wie sonst "üblich", sondern die Musik wird in Kubusform wiedergegeben und stellt damit einen weiteren Schritt der von Stockhausen von faszinierenden Idee der Raum-Musik dar, mit der er bei "Gruppen" begann. "Oktophonie" kann daher auch seperat ohne den Dienstag aufgeführt werden, wenn eine spezielle Anlage dafür vorhanden ist. Im Musikwissenschaftlichen Institut der Uni Köln steht so eine Anlage, die mit ihm selbst feierlich eröffnet wurde.
    Die "StereoVersion" vermittelt einen Eindruck des Stückes, kann aber natürlich die dahinter verborgene Intention nicht wiederspiegeln.


    Jean-Claude Èloy, hier in der Mitte des Fotos, gehört leider immer noch zu den "Geheimtipps" in der Neuen Musik. Geboren 1938 in Frankreich, lernte er als Schüler bei Pierre Boulez, Darius Milhaud und Karlheinz Stockhausen und komponiert sowohl Werke für Orchester und Chor, als auch elektroakustische Musik.
    Kern seiner Schaffens ist die Fusion von traditionellem indisch- sowie japanischem Musikgut in Verbindung mit europäischer Musik, ohne jedoch Klischees zu übernehmen. Des weiteren lässt er fernöstliche Philosophien als Kompositionsgrundlage in seine Werke mit einfließen. Ein Beispiel dieses Schaffens ist das Durchbrechen der Diskontinuität der Zeit in klassischen Werken.
    Für mehr Infos verweise ich auf den Wikipedia Artikel, den ich verfasst habe in Zusammenarbeit mit einem Kommilitonen: *husthust* :DWikipedia Artikel Jean-Claude Èloy


    Kurze Anmerkungen zum Teil des Werkes:


    „Equivalences“ 1963 für 18 Instrumente (9 Min.)
    Für die Neue Musik „klassisch“ seriell gesehen, ergeben sich die für die Musiker komponierten Blöcke von sechs Tönen, die durch Möglichkeitsskalen beeinflusst durch das japanische Gagaku funktional durchexerziert werden.
    youtube Link


    „Kámakalà“ (The Energy Triangle) 1971 für drei Orchestergruppen, fünf Chöre und Dirigenten (ca. 32 Min.)
    Dieses Werk ist ein durchgehendes Crescendo. Es wurde für drei große Orchestergruppen geschrieben, die mit einem Chor von jeweils 12 Teilnehmern kombiniert wird. Diese drei Gruppen werden in einem Dreieck gegenübergestellt, so dass die Dirigenten aufeinander Einfluss nehmen können. Das Werk startet mit einem einfachem Mantra, aber anstatt das „OM“ zu verwenden, startet es mit dem Gegensatz des „MAAA“, als „repetive sound“. Als nächstes kommt Percussion in das Mantra hinzu, bevor die „Pitch section“ beginnt. Nun beginnt das Sound Triangle zu wachsen: Vom Ton c# aus bewegt sich das Fresco zum d, zum c zum Eb, zum b, zum e, zum Bb, zum f, zu, a usw. So wächst es jedesmal, bis alle möglichen Freuqzenzbereiche erreicht sind. Das Ganze basiert auf der hinduistischen Shiva und Shakti Lehre. Später im Werk gehen alle drei Orchestergruppen soweit autark, so dass drei Schichten ohne Überlagerung entstehen.


    "Shanti" (Frieden) 1972-73 für elektronische und konkrete Klänge (1 Std. 45 Min.)
    Entstanden beim WDR in Köln. „Shanti“ ist sanskrit für „Frieden“ und das Werk handelt vom Verhältnis des Friedens in allen seinen Eigenschaften, wie ein Yogi es praktizieren würde – also von psychischer Ausgeglichenheit, politischer Gleichheit und der physikalischen Dialektik von Technik und Natur. Es gilt der Frieden der herklitischen Übereinkunft in Kombination mit einer „meditation music“. Stockhausen meinte dazu (sinngemäß übersetzt): „Für diese Musik muss man total entspannt sein ohne gestört zu werden. Dafür brauch es einen bestimmten Raum. Es braucht einen Ort, an dem man seine Sinne komplette auf das Gehör fixiert. Man braucht sein Sehvermögen nicht. Am besten man sitzt bequem, hört, und schließt seine Augen.“
    youtube Link


    „Gaku No Michi“ (The Ways Of Music) 1977-1978 Ein Film ohne Bilder für elektronische und konkrete Klänge (3 Std. 50 Min.)
    Enstanden im NHK Studio, Toyko Japan
    Ebenso ein elektroakustisches Fresco wie „Shanti“ weiß dieses Werk die Kontiuität der Zeit noch mehr zu überdauern wie die vorherige Arbeit. Diese Komposition ist vor allem japanisch ausgerichtet. Es beruht auf der Dialektik von konkreten Alltagsklängen und deren Transformation in Abstraktion. Die Grundlage bringen Klänge aus dem täglichen Leben der Stadt Tokyo und deren Umgebung. Doch diese Verarbeitung bringt oft die Intention der „meditation music“ zum reinen Gebrauch als Yogamusik oder ähnlichem. Doch es bewirkt das Gegenteil – Diese Musik soll durch ihre Neutralität einen doch recht einfachen Hintergrund zum persönlichen mediativen Prozess liefern. Diese Musik bringt ihre eigene Dimensionalität mit sich, sowie ihre eigene Klassifikation der Zeit und ihrem damit verbundenen mediativ-reflexionierten Prozess des Hörers. Genau das soll durch die Energie der Klänge auf den Hörer übertragen werden. Für den Komponisten ist des wichtig um diese Musik zu erfahren ohne vom Einfluss des Zeitlichen gebrauch zu machen.


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    Dies ist nun eine Beschreibung von den „Schlüsselwerken“ (Ja es könnte sich zu einem Lieblingsbegriff von mir entwickeln) des Komponisten. Die Beschreibungen der Werke stammen auch von mir und sind nicht kopiert. Weitere Informationen zu mehr Kompositionen gebe ich gerne oder es gibt sie auf der Website von Eloy.


    Ich bin mal gespannt, wem denn Eloy hier sonst noch bekannt sein könnte. Über einen Interessenaustausch würde ich mich doch sehr freuen.

    Danke für eure Antworten! "Leider" fühle ich mich bestätigt. Die Verwendung krummer Takte ist wirklich nicht so häufig. Da könnte vielleicht der ein oder andere Komponist noch einen unentdeckten Zweig der klassischen Musik öffnen.


    Wolfram :
    Der 9/8 Takt ist in seiner Verwendung als Dreier-Takt ("zum Schunkeln") auch gar nicht so abwegig. Interessant und eher jazzig wird dieser Takt, wenn man ihn wie einen 4/4 Viertel behandelt und 1 Achtelnote hinten dranhängt. Das gibt dem Ganzen ein total anderes Grundmuster.
    Aber krass ist, dass die Pathetique von Tschaikowsky ja im zweiten Satz den 5/4 aufweißt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich bisher "nur" mit dem Hauptsatz beschäftigt habe. Einen Fehler, den ich unbedingt korrigieren muss.


    William B.A. :
    Und hast du mittlerweile die Taktarten rausgefunden?


    zweiterbass :
    Für Polyrhythmen braucht man ja nicht unbedingt krumme Takte, ich finde es passt aber wunderbar dazu!


    Weiteres Beispiel zu krummen Takten von mir:
    Die Klavierstücke von Stockhausen: 21/4, 34/8, 42/8, 87/8-Takte.
    Wirkt auch komplizierter alles es ist. 21/4 = 20/4 + 1/4 = 5 x 4/4 + 1/4 Takt. Und schon sieht es wieder wesentlich geläufiger aus. Wer es kennt - Frank Zappa "Keep It Greasy" im 21/16 Takt. Möglicherweise hatte Zappa, der ja großer Bewunderer zeitgenössischer Komponisten war, seine Ideen daher... ?(
    Beachtet mal diesen Artikel: http://en.wikipedia.org/wiki/L…n_unusual_time_signatures
    Was es nicht alles gibt..... :D

    Liebe Mitglieder,
    oft frage ich mich, warum die Verwendung seltenerer Taktarten in den klassischen Gattungen der Musik nicht wirklich verwendet und warum es meist bei den herkömmlichen 4/4 und 3/4 Takten und deren Variation bleibt. Wieso gibt es keine Verwendung vom 5/4, 7/4, 9/8, weitere Arten und deren Kombination? Heutzutage im Jazz und in manchen Rock und Pop Spielarten durchaus gang und gebe, sowie natürlich in extremer Form in der Neuen Musik.
    Ich meine natürlich nicht als eintaktiges Anhängsel, sondern als durchgehende Form eines Satzes oder eines Themas etc. Der 9/8 ist durchaus nicht unüblich (Debussy), aber die Verwendung als "erweiteter 6/8" und nicht als 4/4 mit 1/8 Überhang. Es stellt sich die Frage - Wird es nicht gemacht? - Wird es gemacht, aber nicht bewusst offensichtlich dargestellt? - Oder wird es gemacht und es sticht nicht deutlich heraus? - Kenne ich die Werke nur nicht? Natürlich sitzt man meistens nicht mit der Partitur beim Hören neben der Anlage, aber trotzdem müsste es direkt auffallen und es wäre durchaus ein interessantes Stilmittel.
    Was ist eure Meinung dazu?

    Leider ist für mich die Musik von Henry und Schaeffer meistens das was der Titel Etude schon sagt, eine Übung oder ein Ausprobieren. Oft stellt sich kein wirklicher musikalischer Genuss ein oder ein "künsterlisches Würdigen". Das von dir benannte Werk klingt aber interessant, das werde ich mir mal zu Gemüte führen.

    Oha, Death Metal - das wird für das Tamino Forum aber sehr ungewöhnlich sein. :D Wenn du es komplett haben willst, nimm noch "In Court Of The Crimson King" von King Crimson dazu. Dann hast du von jedem "der großen Vier" aus den 70er Jahren ein Album. Wobei es bei Genesis eigentlich was mit Peter Gabriel sein sollte, aber auf der Seconds Out sind sie noch ganz verspielt ohne irgendwelche Popanleihen.....

    Close To The Edge von Yes ist sicherlich ein Klassiker. Falls du daran jetzt natürlich keinen Gefallen dran findest, möchte ich nicht für das "rausgeschmissene Geld" verantwortlich sein. ;)


    Ansonsten gibts noch die:



    Emerson, Lake & Palmer - Brain Salad Surgery


    recht günstig bei JPC. (Das dreisätzige "Karn Evil 9" mit seinem avantgardistischen Schlussteil)


    oder preiswert auch die



    Genesis - Seconds out


    mit "Supper`s Ready", dem Magnum Opus von Genesis mit Peter Gabriel, hier wohl schon mit Phil Collins am Mikrophon.


    oder machs dir leicht und schau bei youtube rein. ?(

    Zitat

    Bei Berio und Henry sind vielleicht spätere Werke in die engere Auswahl zu ziehen, Henry müsste ich (ebenso wie Ferrari) noch besser kennenlernen!


    Von Henry ist mir hauptsächlich "Variations pour une porte et un soupir" bekannt, welches sich mir bisher nicht wirklich sinnvoll erschlossen hat. In dieser Musikrichtung gibts wirklich viel was als Klangerzeuger verwendet wird, aber bei einer herkömmlichen Tür hört doch irgendwann das Verständnis dafür auf. :D


    Übrigens wird das besagte Henry-Stück mit Schaeffers "Etude aux objets" sehr gekonnt als Transformationsgrundlage und Hommage an die musique concrete in AvatArsSon von Dhomont verwendet und auch mit Zitaten von bspw. dem "Gesang der Jünglinge" und "Heterozygote" von Ferrari und vielen anderen Werken verarbeitet. Sehr interessant, wenn einem bestimmte Passagen im neuen Kontext in einer Komposition begegnen.

    Also die Progressivität darf natürlich lediglich im geschichtlichen Kontext der Rockmusik eingeordnet werden. Gegenüber der traditionellen klassischen Musik wird das ja in erster Linie nicht eingeordnet. Sgt. Peppers und Dark Side Of The Moon sind sicherlich auch keine typischen Werke des Progressive Rocks. Das Beatles Album schonmal gar nicht.
    kurzstueckmeister : Vielleicht hast du Lust dir mal die genannten Werke von Genesis, Yes und ELP anzuhören? Sicherlich werden sich für dich keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse ergeben, aber eventuell ein besserer Eindruck vom typischen ProgRock. Wobei sich deine Meinung grundsätzlich wohl nicht ändern wird. :D

    Der Progressive Rock, der seine Blütezeit in den 1970er Jahren erlebte, könnte wohl am ehesten neben dem Jazz als die Musik für den Hörer klassischer Musik gelten, um mit "rockigeren" Tönen zu begeistern. Angefangen bei ersten Einflüssen der Beatles und frühen Zappa Werken, beginnt mit Genesis und Yes die Phase in der Kompositionen groß im sinfonischen Stil angelegt werden. So werden neben Einteilungen in satzähnlichen Formen Elemente wie Motivik, Thematik, Reprise etc. verwendet, die am ehesten an sinfonische Vorstellungen erinnern lassen. (bspw. Genesis "Supper's Ready", Pink Floyd "Atom Heart Mother" oder Yes "Close To The Edge") Des weiteren gingen Emerson, Lake & Palmer soweit Komponisten wie Mussorgski oder Tschaikowsky zu adaptieren (bspw. "Pictures Of An Exhibition"). Anderseits finden auch avantgardistische Anklänge durch Dissonanzen oder Kompositionstechniken von Komponisten der neueren Musikgeschichte Einfluss in diesem Genre (bspw. King Crimson "In Court Of The Crimson King" oder allg. Frank Zappa)
    Hört bei dieser Musik die Grenze der U- zur E-Musik schon auf oder ist diese schon überschritten? Kann diese Gattung teilweise schon zur ernsten Musik gezählt werden? Oder ganz einfach, vermag diese Musik auch den engstirnigsten Klassikfan an die Rockmusik heranführen?
    Wie ist eure Meinung dazu? Wer kann sich hier für den Progressive Rock begeistern?

    Meistens beschäftige ich mich gerne eine längere Zeit mit bestimmten Werken und ziehe beim Hören Informationen dazu heran. Zur Zeit läuft daher bei mir öfter im Moment:



    Mahler - Sinfonie Nr. 2 in c-moll "Die Auferstehung" (Otto Klemperer, Philharmonia Orchestra & Chor)



    Beethoven - Sinfonie Nr. 9 in d-moll, Op. 125 (Günter Wand, NDR Sinfonieorchester)



    Schostakowitsch - Streichquartett Nr. 15 in Eb-moll, Op. 144 (Rubio Quartett)



    Bruckner - Sinfonie Nr. 7 in E-Dur, WAB 102 (Eugen Jochum, Staatskapelle Dresden)



    Francis Dhomont - Cycle du son (bevorzugt "Novars" und "AvatArsSon" )

    Beim Gesang der Jünglinge sind sich wohl alle einig, dass das Werk sicherlich zu den "Schlüsselwerken" gehört. Obwohl mir persönlich das Stück nicht so zusagt.
    Bei Berio, Koenig und Evangelisti kenne ich mich persönlich überhaupt nicht aus. Vielleicht kannst du mir da ein paar Empfehlungen geben.
    Ansonsten ist die von dir gepostete Liste deiner CD Sammlung zur Tonbandmusik wirklich bemerkenswert. Das muss sicherlich sehr aufwändig gewesen sein das aufzutreiben oder?

    Selbstverständlich lässt bei solch einer Auflistung immer über die Objektivität diskutieren. Ich habe ja auch bewusst den Begriff "Schlüsselwerke" in Anführungsstriche gesetzt. Das Schaeffer eher als Einfluss anstatt als Klassiker zu zählen ist, stimmt ebenso wie Nono definitv auch aufgelistet werden sollte.
    Dieser Thread ist vielleicht als Anregung für Interessenten dieser Musik gedacht und selbstverständlich auch als Diskussionsgrundlage. Stell doch deine - für dich unverzichtbaren - Schlüsselwerke vor, so entsteht doch ein reger Austausch.
    Ich hatte eigentlich vor bestimmte Werke kurz zu kommentieren, weil ich mir vorstellen kann, dass Jean Claude Eloy oder Ludger Brümmer wohl sehr unbekannt sind. Aus zeitlichen Gründen habe ich es dann wieder verworfen. Ich denke, es lohnt sich aber auch für manche Komponisten einen eigenen Thread aufzumachen.

    Hallo kurzstueckmeister,
    ja soweit ich über die Aufführungspraxis informiert bin, hast du Recht. Jedoch steht in der Pariser Tradition quadro- oder oktophone Klangwiedergabe nicht unbedingt an erster Stelle. Bayle, als frz. Schlüsselfigur, bildet da natürlich wieder eine Ausnahme und eine Konzertveranstaltung findet eben genau in dem Rahmen statt, wie du es beschrieben hast. Habe ihn hier in Köln selbst erlebt. Manche seiner Kompositionen finde ich schwierig, anderes wiederum sehr gut.
    Ja der erste Teil der Liste gehört sicherlich zu den "Klassikern", da sie diese Musik begründet haben. Der zweite Teil unterliegt natürlich eher meiner subjektiven Betrachtungsweise. Aber alle angegebenen Werke sind bei youtube zu finden, was für Elektroakustische Musik keine Selbstverständlichkeit ist. Das erleichtert hoffentlich für Interessierte, den Zugang zu dieser Musik.

    Natürlich ist dieser Bereich der Neuen Musik im Musikverständnis schwierig aufzufassen. Geprägt aus dem Serialismus ist der Gedanke, die volle Kontrolle über das komponierte Geschehen zu bekommen, sicherlich interessant. Daher die Hinwendung zum elektronischen Arbeiten der Komponisten ab den 1950er Jahren um nicht auf Ausführungen von Interpreten angewiesen zu sein, wobei sich dabei eine von nun an fest definierte Aufführungspraxis ergibt. Als lokale Schwerpunkte dieser Szene sind die Städte Köln und Paris maßgebend zu nennen, wobei beide Richtungen sich anders und aus unterschiedlicher Herkunft entwickelten. Während die französische Richtung (musique concrete) dem Streben nach neuem Klangmaterial folgte und damit die Musik in konkrete und abstrakte Klänge zurückgreift, setzt sich in Köln der Ansatz nach der Musik im Raum durch, wobei sich im Laufe der Zeit die Quadro- und Oktophonie entwickelte. Dazu entwickelt sich der Gedanke der Neuen Musik, die Abkehr von herkömmlicher Melodie- und Motivthematik, selbstverständlich der traditionellen Dur/Moll Tonalität, hin zur Entstehung, Modulation, Transformation vom Klang in all seinen Parametern.


    Doch was macht diese Musik so sperrig und komplex und daher so minimal rezeptiv? So gibt es doch Künstler aus der Popularmusik wie die Beatles, Björk, Pink Floyd oder Frank Zappa, die konkret auf diese Einflüsse hinweisen, die sich nicht nur auf Elektroakustische Musik beschränken.



    Eine Übersicht bekannter Werke, die den Terminus "Schlüsselwerke" verdienen:


    Pierre Schaeffer (Paris, musique concrete) - Cinq etudes de bruits (1948 )


    Vladimir Ussachevski (New York, Tape music) - Fantasy in Space / Low Speed (1952)


    Karlheinz Stockhausen (Köln, Studio für elektronische Musik) - Studie I + II (1953/54 )


    Luc Ferrari (Paris, musique concrete) - Heterozygote (1963/64 )


    Iannis Xenakis - Diamorphoses (1957/58 ) / Hibiki Hana Ma (1969/70 )


    Karlheinz Stockhausen (Köln, WDR) - Gesang der Jünglinge (1955/56) / Hymnen (1966/67) / Telemusik (1966)


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    Jean Claude Risset - Passages (1982)


    Francois Bayle - Theatre d'Ombres (1988 )


    Stockhausen - Oktophonie (1991)


    Bernard Parmegiani - Entre Temps (1990/92 )


    Luder Brümmer - The Gates Of H. (1993 )


    Francis Dhomont - Novars (1989 ) / AvatArsSon (1998 )


    Jean Claude Risset - Sud (1985 )


    Jean Claude Eloy - Shánti (1972-1973 )