Beiträge von Oranje

    Klar gibt es diverse Urheber- und Verwertungsrechte. Da wird sicher auch jeder Sänger, Musiker und Bühnenbildner in seinem Arbeitsvertrag irgendwelche Verzichts- und Abtretungsklauseln unterschrieben haben...


    Dazu:

    Das eigentliche Werk, Komponist länger als 70 Jahre tot = urheberrechtsfrei

    Bühnenbild, Orchester, Sänger usw. allesamt staatlich finanziert und überwiegend subventioniert.

    Aufnahme durch öffentlich rechtliche Sender, staatlich finanziert.


    Warum ist es nicht möglich, dem kulturinteressierten Steuerzahler die Möglichkeit zu schaffen, es nachhaltig zu sehen und zu hören (CD/DVD) ?

    Und damit meine ich ja nicht eine kommerzielle Nutzung?

    Vielleicht etwas provokant gefragt, aber im Ernst, wer hat da die Hand drauf?


    Zum Beispiel hat das Münchener Rundfunkorchester Saint-Saëns L'Ancêtre aus der Vergessenheit geholt und im März mehrfach aufgeführt. Auf Nachfrage wird mitgeteilt, dass es keine weiteren Aufführungen geben wird. Eine Veröffentlichung auf CD / DVD ist aus "urheberrechtlichen Gründen" nicht angedacht.

    Das Selbe mit Sigurd von Ernest Reyer an der Oper Erfurt, aufgezeichnet vom MDR.


    Warum werden solche Kulturgüter durch Steuergelder (Staatstheater) finanziert aufgeführt und mitgeschnitten (zwangsfinanziert öffentlich rechtlich) und dann für die Bezahler unter Verschluss gehalten?

    Ich kann Ralf Reck wieder einmal in vielen Punkten nur recht geben, Anja Kampe überstrahlte alle(s). Das Highlight war dann aber doch zum Abschluss Ch'ella Mi Creda in das Marco Berti und das Orchester alles hineinlegten was ihnen zur Verfügung stand. Insgesamt ein schöner Abend in der erschreckend leeren Staatsoper.

    ...auch das muss ich leider bestätigen, ich hatte meine eigene Loge, ganz alleine.

    Eine Aufführung, die ich hier empfehlen würde, wenn sie denn noch liefe. Ich habe den Mitschnitt aus Albuquerque und hatte in Chemnitz nicht allzu viel erwartet. Hans Kühner hatte das Werk in seiner Verdi Biographie (RoRoRo) kurz erwähnt und als "zu recht in der Versenkung verschwunden" bewertet. Zum Glück war die Neugier größer und der Weg gen Osten nicht zun lang.


    Das Opernhaus Chemnitz hat die durchaus vorhandenen Melodien richtig betont und voll zur Stärke gebracht. Ameleto ist bisher mein Opernhöhepunkt 2019.

    Ich fand die Aufführung eher schleppend. Das mag natürlich auch an der Arienarmut des Werkes liegen. Es war wie ein abgespielter, gesungener Film, und dafür passiert mir zu wenig im Bühnenbild. Auf der anderen Seite bin ich dankbar für das Fehlen bemühten Spektakels. Es war unterhaltsam, aber nichts, woran ich mich zukünftig wohlig erinnern werde.

    Uiih, jetzt driftet das Thema aber ganz schön ab. Irgendwie endet alles immer wieder beim RT...


    Ich bin mit meinen Ansprüchen an Opernaufführungen sicherlich sehr eigen und konservativ. Lieber fahre ich nach Italien oder Tschechien als mir in Hannover vor der Haustür eine tolle Oper in gruseliger Aufführung anzusehen.

    ABER: Die Aufführung, um die es hier geht, habe ich selber besucht und kann sagen, dass es etwas arm an Ausstattung war, aber eben nicht aufdringlich "modern" oder bemüht provokant. Die oben erwähnten Umschnallgenitalien waren EIN kleines Accessoire und völlig übersehbar (verzeihbar). Die Aufführung kann mir sowas nicht vermiesen. Manon Lescout habe ich schon bessere gesehen, aber diese war immer noch sehenswert.

    Habe selten, insbesondere im letzten Akt, eine so leere Bühne gesehen. Klar, eine Wüste ist in der Regel gegenstandslos, aber dann war da ein Stuhl zu viel. Und sonst war das nichts, was man Bühnenausstattung nennen könnte.

    Der Geronte hatte sich zu diesem Zeitpunkt offensichtlich längst nach Hause aufgemacht und verzichtete offenbar auf seinen Applaus. (Nein, keine "ist vorzeitig zurück in die Gerontologie"-Witze bitte!).

    Ich bin mit Schallplatten aufgewachsen. Als mein Interesse irgendwann für Klassik und insbesondere Opern geweckt wurde, war ich schon ein Jahrzehnt (und trotzdem spät) auf CD umgestiegen.

    Immer wieder gehe ich auf Flohmärkten und in Trödelhallen an Stapeln alter LP-Boxen mit Opern Gesamtaufnahmen vorbei. Bei Preisen zwischen 3 bis 5 Euro juckt der Daumen so manches Mal.


    In meinem Umfeld sind bereits wieder so einige auf Vinyl umgestiegen, im Metal und Indiebereich scheint sich die Platte wieder durchgesetzt zu haben.


    Kauft hier noch jemand Opern auf Vinyl?


    Werden überhaupt aktuellere Mitschnitte noch/bereits auf Platte veröffentlicht?


    Für Sampler wie "Lotterie der Oper" oder "Klingende Bühne" ist das sicher uninteressant, aber Opern Gesamtaufnahmen vergangener Tage wären vielleicht der Beschäftigung wert. Allerdings wird es bei den Ausgrabungen der letzten Jahre wieder etwas dünner, Franchetti ist da eher rar.

    Im Zusammenhang mit einer üppigen Ausstattung machen mir, entgegen meiner sonstigen Hörgewohnheiten, Barockopern tatsächlich unerwartet großen Spaß. Es ist mehr etwas für´s Auge, aber das Ohr freut sich plötzlich mit. Gerne würde ich hier Hinweise auf entsprechende DVD mit zweifelsfreien Inszenierungen sammeln.



    Die Monteverdi Inszenierungen aus Zürich gehören für mich z.B. dazu.


    Aber auch das Patchworkstück der MET


    Verdi - Alzira


    Zur 200 Jahrfeier der Unabhängigkeit Perus wurde in Lima eine Alzira aufgeführt, die allerdings zu Zeiten der Kolonialzeit spielt. Da es aber derzeit keine wirkliche Alternative zu dieser

    Aufführung zu geben scheint (selbst in der Tutto Verdi Gesamtausgabe ist Alzira lediglich konzertant vertreten), war es mir einen Blick wert.

    Im II. Akt ist der Anblick etwas unangenehm, aber sonst fast erträglich. Der Mitschnitt erfolgte durch den wohl staatlichen Kultursender, der ihn auch offiziell ganz aktuell bei Youtube hochgeladen hat. Suchbegriffe: Alzira + Peru.

    Eine Kathedrale der Musik: Das Archivio Storico Ricordi

    Das Buch ist von 2017, habe es aber schon für 18 Euro im sogenannten "Modernes Antiquariat" bekommen. Ladenpreis war mal 49,95 Euro. Es gibt einen

    eher kurzen Abriss über die Geschichte des Verlagshauses Ricordi, das seinerzeit die Partituren der großen Komponisten verlegt hat. Neben Verdi später auch Wagner (in Italien, nach Aufkauf des Verlags Lucca).

    Es ist ein schönes Bilderbuch, aber könnte gern dreimal so dick sein (hat 220 Seiten).


    Habe mir die aktuelle Scala-Inszenierung nun auch angesehen. Im direkten Vergleich finde ich das Ezio Duet hier einiges beeindruckender und kraftvoller als seinerzeit bei Abdrazakov.

    Nun, die Ausstattung ist wohl prachtvoll und aufwendiger, aber grundsätzlich mag ich es lieber weniger der vorgegebenen Zeit entrückt. Aber es war nicht unerträglich, dass ich hätte das Bild ausdrehen müssen. "Nicht unerträglich" ist heutzutage wahrscheinlich fast eine Kaufempfehlung, falls das mal auf DVD heraus käme.

    Giovanna d'Arco

    Zwei halbwegs neue Inszenierungen von Verdis Jungfrau von Orleans aus 2018.

    Die erste aus der Scala mit Anna Netrebko


    und noch eine aus dem Teatro Farnese im Rahmen des Verdi Festivals 2016 mitgeschnitten.


    Eindrücke bei Youtube lassen auf eine eher sterile, geleerte Bühne schließen. Für mich bisher keine Veranlassung, von der Tutto Verdi DVD mit der 2012er Inszenierung aus Parma abzurücken.

    Respighi: La Campana Sommersa

    Ein spätromantischen Stück mit Waldfee, Elfe und Faun nach einer Geschichte Gerhart Hauptmanns. (Uraufführung 1927 in Hamburg).

    Obwohl sein Schwerpunkt wohl die Instrumentalmusik war, hat er doch ein beachtliches Werk an Opern hinterlassen.



    Lieber Fiesco: Ich schließe nichtitalienische Label natürlich nicht aus! "Vorzug geben" meint nicht andere auszuschließen.

    Und an mir vorbei ist einiges gegangen seit ich das Thema 2013 letztmalig beackert habe. Daher picke ich persönliche Highlights aus der Zwischenzeit heraus.

    Pietro Mascagni: IRIS (Livorno 2017) DVD

    Es geht los mit einer Bongiovanni DVD, ein Mitschnitt aus dem Teatro Goldini (das in Livorno, nicht das in Venedig). Die Aufzeichnung ist von 2017 und in 2018 auf DVD erschienen. Bei Youtube sind kurze Ausschnitte einsehbar. Wirkt auf mich optisch wie eine Madama Butterfly, lustigerweise hat Librettist Luigi Illica an beiden Opern mitgewirkt.


    Livorno ist der Geburtsort von Mascagni.



    Oranjes Freude an der Italienischen Oper 2019


    Nach wirklich längerer Pause nehme ich den Faden wieder auf und werde diesen Beitrag das ganze Jahr 2019 auffüllen mit Hinweisen auf CD/DVD-Neuerscheinungen, Bücher und/oder Festivals, die sich ganz der Italienischen Oper verschrieben haben. Dabei sind auch einige Sachen, die knapp vor 2019 erschienen sind, da ich die letzten Jahre das Thema ausgesetzt hatte und einiges davon echt interessant ist.


    Über jede Beteiligung würde ich mich sehr freuen! Insbesondere, da sicher einiges an mir vorbei gegangen ist.


    Und wie auch die Jahre zuvor: Mein subjektiver Musikgeschmack gibt den Vorzug stets rein italienischen Produktionen (z.B. Dynamic und Bongiovanni), weil ich diese für am authentischsten halte.

    Auch die Aufführungspraxis in Italien ziehe ich weiterhin jedem Experiment oder jeder öffentlich-rechtlichen TV-Studio-Produktion vor. Ich liebe das Arenafeeling mit italienischen Gesang.


    Im Zentrum meines Interesses stehen besonders vernachlässigte und/oder wiederentdeckte Opern, möglichst als Gesamtaufnahme. Aber auch Neuerscheinungen/-einspielungen bestbekannter Werke sind willkommen.


    Es hat sich also nichts geändert.


    Schon ein paar Tage älter, aber angenehm abseits.


    "Dieses nicht nur für Großbritannien wichtige spätromantische Werk ist in einer Studio-Produktion von 2010 bei Dutton erschienen. Unter Richard Corp am Pult des New London Orchestra und der Mitglieder des London Chorus singt eine wirklich beachtliche Equipe englischsprachiger Sänger – Heather Shipp ist die Titelheldin, Joan Rogers ihre Rivalin, Jacques Imbrallo der stimmstark- leidende Tristram und Neal Davies der betrogene Marke." Zitat Opera Lounge

    ...er lebt...!


    Lieber Alfred, das habe ich natürlich wahrgenommen (Userkontrolle am 19.01.).

    Das mit dem Threadtitel ist natürlich leider wahr, umso verzückter bin ich, was hier die letzten 24 Std an Aufmerksamkeit zusammengekommen ist. Danke für die neuen tollen Hinweise!!


    Lieber Fiesco, mein urpersönlicher Fokus liegt auf der italienischen Oper der Romantik und dem Verismo. Siehe hierzu meine beiden "Haupt"-Threads aus 2012 und 2013. Allerdings habe ich stimmungsbedingt eine lange Phase der choralen Kathedralenmusik Englands zu beackern. Das zieht sich bei mir merkwürdigerweise durch alle Stilepochen. Gerne aber auch VOR 1700.


    Ich finde das Unbekannte spannender als die neuesten Formen des Bekannten. In meinen Träumen entstaubt ein alter Mönch in einer Klosterbibliothek in Vorderindien diverse Bücher und findet eine jahrhundertalte Partitur eines bislang unbekannten lithurgischen Meisterwerkes. Und zack, finden wir es auf CD wieder allen zugänglich im Hier und Jetzt. Ähnliche Geschichten passieren ja...