Beiträge von La Roche

    Verehrter La Roche, dass ist jetzt überhaupt nicht böse gemeint und schon garnicht als persönlicher Angriff, aber das hört sich für mich einfach so an, als würde Dir eine gewisses Maß an Neugier fehlen!?

    Verehrter MSchenk,


    das ist jetzt überhaupt nicht böse gemeint, aber es sieht so aus, als daß Du nur Beiträge liest, welche Dir offensichtlich die Chance bieten, etwas zu behaupten, was gar nicht stimmt. Sonst wäre Dir sicher aufgefallen, daß meine Neugier mich dahin führt, Stücke kennenzulernen, die mir (und auch vielen anderen im Forum) bis zum Besuch weniger oder gar nicht bekannt waren.


    Ich hatte hier berichtet über Besuche von Oedipe in Gera, Hamlet in Chemnitz, der Rebell des Königs in Leipzig. Darüber hinaus war ich in den letzten Jahren Gast weiterer mir bis dato unbekannter Opern (über die ich hier nicht berichtete): In Gera Scharlatan von Pavel Haas, Ulenspiegel von Walter Braunfels, auch "I Capuleti e i Montecchi" zähle ich dazu, auch die Karmeliterinnen sowie in Chemnitz "Die schweigsame Frau" und.....


    Dazu kommen div. Opern, die ich über TV, DVD und youtube in den letzten 12 Monaten erstmals sah, z.B. "Intermezzo", "Louise", "Marius und Fanny", "Mefistofele", "Die Zaubergeige", "Macbeth" (kannte ich bis vor Kurzem nicht komplett als Oper), auch "Roberto Devereux", "Die Favoritin" und.......


    Zu behaupten, daß mir ein gewisses Maß an Neugier fehlt, das ist eine fast böswillige Unterstellung. Und Hänsel und Gretel habe ich sicher live mehr als 10 x gesehen, da brauchte ich diese Erfurter Verschandelung bei besten Willen nicht.


    Gar nicht gesprochen haben wir über befriedigte Neugier im Konzertsektor, da würde die Liste ellenlang. Also bitte ein wenig vorsichtiger mit Unterstellungen sein.


    La Roche

    wie haben sich denn die Zuschauer und die "Thüringer Allgemeine" seinerzeit geäußert? Hast Du mit Besuchern gesprochen?

    Lieber MDM, natürlich habe ich den del Monaco nicht besucht, aber einige Jahre später die märchenhafte Märcheninszenierung im grünen Wald.

    Die Premiere war 2004, im Internet habe ich nichts mehr dazu gefunden. Im Opernglas Heft 3/2005 steht auf Seite 46 im Report eine Notiz dazu. Nur ein kurzer Auszug daraus:


    "Hänsel und Gretel spiele im ersten Akt der Oper vor dem morschen Bauwagen ihrer Eltern im Plastikmüll, saufen und kiffen. Die Mutter ist eine heroiabhängige Hure, der Vater durchsetzungsschwacher Alkoholiker...."


    Trotz des guten Willens, Aufklärung besonders zum Kindesmißbrauch betreiben zu wollen wurde die Inszenierung vom Publikum nicht honoriert.


    Herzlichst La Roche

    Bei den Inszenierungsstilen müßte man eigentlich mal einen "unabhängigen Test" durchführen, was derzeit besser laufen würde.

    Lieber mdm, das gab es schon. In Erfurt brachte man 2 Inszenierungen gleichzeitig auf die Bühne, von "Hänsel und Gretel". Einmal nur für Erwachsene, im Hurenmilieu. Und die andere Inszenierung so, wie man es kennt, als Märchen. Die Hurenoper (übrigens inszeniert von Giancarlo del Monaco!) wurde nach 3 oder 4 Aufführungen abgesetzt, das Märchen stand über 10 Jahre auf dem Spielplan.


    Herzlichst La Roche

    Aber ich gehe nicht in eine Oper, um zu schweben oder um Gänsehaut zu bekommen, sondern die Gefühlsregung stellt sich manchmal ein und manchmal nicht - und das liegt nie an der Inszenierung, sondern immer am Gesang. Mich berühren schöne Stimmen sogar in einer schlechten Inszenierung.

    Lieber Souffleur,


    das ist bei mir nicht anders!! Um den Zustand der "Schwerelosigkeit" zu bekommen, dazu gehe ich nicht in die Oper oder auch ins Konzert. Da muß schon viel mehr zusammenkommen. Da ist der erste Faktor die Musik, und die braucht durchaus nicht voller Schmelz (oder Schmalz?) zu sein. Das kann z.B. die Schlußszene der Salome sein, wenn sie singt "Ich habe Deinen Mund geküßt, Jochaanaan, ich habe ihn geküüüßt, deinen Mund", oder Jochanaan selbst, wenn er Salome verflucht. Dann gehört aber eine Stimme dazu, die diese Gefühle so rüber bringt, daß sie mich erreichen! Auch Elektra bei Ihrem Triumph kann das bewirken, und da denke ich an Gabriele Schnaut in der Berghaus-Inszenierung in Dresden, die mich erst "schweben" lies, und dann in den Sitz drückte, daß ich kaum aufzustehen vermochte. In 100 Opernbesuchen passiert mir das höchstens 2-3 mal, denn diese Gefühlsregung ist sowohl an den gesamten musikalischen Eindruck gebunden, der nicht nur expressive Musik sein kann, sondern auch innige Gefühle ausdrücken kann. Passen muß bei mir auf alle Fälle die Inszenierung. Jetzt könnte Dich stören, daß ich gerade in der Berghaus- Elektra die Bodenhaftung verloren habe. Diese Sprungturm-Kulisse hatte mich da nicht gestört, da es meine erste Elektra war. Nochmal war ich allerdings nicht drin.


    Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass man eine Vorstellung von Les Troyens, Salome, Moses und Aron, Wozzeck oder Alcina besucht, um zu relaxen.

    Auch wenn es Dich enttäuschen sollte, ich gehe in Salome, Elektra, die Frau ohne Schatten genau wie in die Tosca oder in den Wildschütz, um Musik, Stimmen, Orchester und Inszenierung zu genießen. Sonst hätte ich mir die Salome nicht schon ca. 10 x in versch. Inszenierungen angesehen. Und manchmal bin ich dabei wütend geworden, weil mich die Inszenierung abgestoßen hat. Ich habe bisher 3x eine Oper in der Pause verlassen, und gerade die Boheme gehört dazu, in Weimar zu den Anfangszeiten des RT, als ein schlechter Tenor seine Hauptarie verpatzte und im 2. Bild kein französisches Flair zu erleben war, sondern ein Sportplatz mit Elementen von american Football. Ich konnte die Pause kaum noch erwarten. Solche Erlebnisse brauche ich nicht. Ich bin dann mit meiner Frau fein ein Steak essen gegangen.


    Also bitte sei vorsichtig mit Deiner Einschätzung, daß man nicht auch in eine Mordoper gehen kann, um Vergnügen zu haben. Relaxen ist dabei das falsche Wort.


    Herzlichst La Roche

    Schönberg oder Stockhausen deshalb nur Geräusch ist.

    Widerspruch bei Schönberg!! Die Gurrelieder oder die verklärte Nacht gehören zu meinen durchaus gern gehörten Stücken, selbst dem Pelleas bin ich nicht abgeneigt. Aber spätestens mit dem 2. Streichquartett mache ich um ihn und um alles von Stockhausen einen Riesenbogen. Bin ich deshalb weniger wert als ein "Intellektueller?"

    Ja, ich möchte gelegentlich gern im puren Wohlklang schwelgen, hollywoodreife Ausstattung erleben und die Lebensrealität für ein paar Stunden vollständig verdrängen.

    Aus diesem Grunde gehe auch ich in die Oper. Ich will genießen, ich kann in der Oper die Bodenhaftung verlieren und schweben, ich kann Gänsehaut bekommen, gerührt oder amüsiert sein. Ich kann mich auch langweilen, ärgern, wütend werden. Es ist schon ein seltsames Erlebnis, eine Oper. Man zahlt Geld dafür, bei einen Mord zuzusehen, bei welchem gesungen wird, und anschließend klatscht man auch noch. Paradox, es macht sogar Spaß. Sterben als Lustfaktor, eigentlich müßte man das verbieten. Kommt bestimmt noch. Aber bis dahin will ich das genießen, aber nur das, was mir gefällt! Es muß anderen nicht gefallen.


    Herzlichst La Roche

    Er ist ohne Frage ein stattlicher Typ mit tollem Material, aber sobald es weiter rauf geht, kommt da nicht viel.

    Ich hab ihn live noch nicht erlebt. Die TV-Übertragung läßt mich voller Wehmut an Namen wie Bastiannini, Panerai, Gobbi oder auch Metternich, Schlusnus u.a. denken. Im Baritonfach werden wir wohl noch etwas warten müssen, bevor die Luna-Arie "Il balen" Gänsehaut erzeugt.

    Ist euch auch aufgefallen, wie Herr Salsi gegen Ende der Oper mit stimmlichen Problemen zu kämpfen hatte?


    Herzlichst La Roche

    Carmen in der Psychiatrie und die Biogasanlage bei Wagner sind auch nicht "werktreu" bzw. librettotreu


    Warum das aber nicht akzeptiert wird, ist auch klar: Solche Bühnenausstattung konfrontiert den Operngänger mit der Wirklichkeit seines tatsächlichen Lebens, an die er schlicht nicht erinnert werden will

    Wenn ich eine Biogasanlage sehe will, dann wäre für mich ein Besuch in einem Betrieb zur Herstellung von Biogas die einzig mögliche und technisch auch interssierende Darstellung, aber nicht der Besuch einer Oper. Auch der Besuch einer Psychiatrie (der sicher nur als Parodie a la Pension Schöller Spaß bereitet) gehört nicht zu meinen Wunschobjekten. Ich bezweifle auch, daß ein psychisch kranker Mensch Interesse daran haben wird, seinen Leidensweg gerade in einer Carmen-Inszenierung auf der Bühne erleben zu müssen und damit an einem Ort, in welchem er sicher alles andere erwartet als die Behandlung von Psychosen. Das haut nicht hin.

    Die RT-Gegner sollten ihre rosarote Wunschbrille absetzen, wenn sie meinen, was eine "traditionelle" Operninszenierung ist und zumindest ehrlich sein und zugeben, dass es ihnen nicht anders als dem Publikum vor 50, 100 oder 150 Jahren auch letztlich nur um die ganz egoistische Wunscherfüllung geht, das serviert zu bekommen, wie sie gerne eine Oper sehen möchten.

    Und was ist daran verwerflich, Wünsche erfüllt zu bekommen, Wünsche, die nicht zum Nulltarif zu bekommen sind?? Macht das nicht jeder, der einen Wunsch hat? Ist nicht jeder enttäuscht, wenn er bestimmte Vorstellungen in Verbindung mit einem Wunsch nicht erfüllt bekommt? Das muß ja nicht immer eine Oper sein, es kann um Gebrauchsgegenstände, eine Reise, ein Buch usw. gehen. Ein nicht oder nicht wunschgerecht erfüllter Wunsch wird immer zunächst Enttäuschung hervorrufen. Dazu braucht er keine rosarote Brille abzusetzen, um angebotene grün-gelb gemusterte Schuhe entsprechend seinen Wunschvorstellungen als schwarz zu sehen.

    Dabei schließe ich mich Dir in einem Punkt an: Wer sich einen Rigoletto unter Affen wünscht und das dann bekommt, der wird nicht enttäuscht sein. Für diese Interessenten gewinnt der Besuch der Dörrie-Inszenierung eine ganz andere Wertschätzung als für den, der sich einen Schenk-Rigoletto wünscht. In diesem Sinne fühle ich mich wie ein Opernbesucher vor 50, 100 oder 150 Jahren. Ich gehe in die Oper mit gezielten Vorstellungen. Egoistisch, wie das Publikum vor 50, 100 oder 150 Jahren. Überraschungseffekte sind gerne willkommen, aber keine Affen im Rigoletto oder ein physisch kranker Lohengrin in Mailand (was sicher angesichts gesundheitlicher Probleme mancher Prominenter heute nicht gut ankommen dürfte). Nichts anderes tun übrigens die Zuschauer auch, die am Biogastannhäuser Gefallen finden. Es wird immer Gegner und Anhänger bestimmter Inszenierungen geben. Leider wird eine Gruppe auch bei Übertragungen im TV benachteiligt.

    Angesichts des Trovatore, um den es hier im Thread geht, möchte ich keinefalls behaupten, daß es das gelbe vom Ei gewesen sei. Es war eine Show für die Bedingungen in Verona. Die Show hat die Erwartungshaltung des wohl größten Teils des Publikums erfüllt.


    Herzlichst La Roche

    Eigentlich begebe ich mich jetzt in Dr. Pingels Ressort. Trotzdem erwähne ich Janaceks Oper "Die Ausflüge des Herrn Broucek", die ich in einer zauberhaften Aufführung vor ....zig Jahren in Gera erleben durfte. Das Thema der Reise auf den Mond scheint von Jules Verne über Offenbach bis Lincke sehr beliebt zu sein!

    Hier ein Ausschnitt mit Fritz Wunderlich:

    Herzlichst La Roche

    Was ich wirklich nicht verstehe, ist diese offensichtliche Inkongruenz in der Bewertung, was als absurd und lächerlich empfunden wird: Niemand stört sich an der Lächerlichkeit, dass in der Oper die Geschichten singend und nicht redend erzählt werden, dass Menschenmassen in Form von Chören ebenfalls singend über die Bühne manövriert werden, dass zum Teil mehr oder weniger motivierte Balletteinlagen zum Besten gegeben werden.

    Das alles stärkt mich in meiner Meinung, daß der Unterhaltungswert einer Oper höher einzuschätzen wäre als der Erziehungswert. Das ganze Projekt "Oper" ist, wie Du sagst inkongruent. Ihr deshalb belehrende Funktionen zuzuordnen, das halte ich für keinen guten Weg. Weil z.B. es unnormal ist, beim Sterben zu singen ist es für den User La Roche kein guter Weg, die Neudeutung einer Opernhandlung zu nutzen, der Menschheit neue Wege zur Lösung gesellschftlicher Probleme zu zeigen.

    Was hat es uns neues gegeben, daß in Salzburg Scarpia im 2. Akt wieder aufsteht, um im 3. Akt bewaffnet auf der Engelsburg zu erscheinen? Ein sichtbar ratloses und verärgertes Publikum, trotz phantastischer musikalischer Leistungen!


    La Roche

    Ich weiß nicht welche davon du gesehen/gehört hast.

    Ich meine den "Konzertfilm" mit den Berliner Philharmonikern von 1971. Das straff militärisch organisierte Musizieren, die Sitzordnung wie mit dem Lineal gezogen, die Nahaufnahmen des Dirigenten immer von der "guten" Seite usw waren nicht mein Fall. Ich hatte das aufgenommen auf externe Festplatte, beim Wechsel des TV-Gerätes hatte ich sie nicht gesichert und weg war sie.


    Herzlichst La Roche

    schau dir mal auf NDR Kultur den Bajazxo und die Cavalleria Rusticana aus Hannover an. Es ist zwar nur eine halbszenische Auffûhrung, aber dort findet mehr Personenregie statt als im Trovatore.

    Ich hab mir das für schlechtere Tage aufgezeichnet. An halbszenische Aufführungen aus Hannover habe ich nur positive Erinnerungen (z.B. Rigoletto).


    Herzlichst La Roche

    Nach fast 5 Stunden Oper (ich habe mir auch die musikalisch großartige Tosca aus Salzburg angeschaut) bin ich nun etwas matt geworden.

    Zum Trovatore habe ich eine besondere Bindung. Es war 1956 meine allererste Oper (Manrico war Siegfried Nordmann), und gleich im Folgejahr habe ich dieselbe Inszenierung in Gera mit Helge Rosvaenge gesehen (er war damals 60 Jahre). Weiter zwei Troubadours habe ich in den 70-er Jahren in Gera gesehen (Manrico war damals Georg Czekalla) und 1988 in Perm. Jede dieser Inszenierungen hat darauf verzichtet, Neudeutungen dieser schon verworrenen Handlung zu geben. So habe ich darauf verzichtet, eine Inszenierung in den 90-ern zu besuchen, die im soldatischen Niveau mit Stahlhelmen und Kalaschnikows spielte.

    Zu Verona. Ich war in der Arena, kenne die gewaltigen Dimensionen, habe aber keine Oper besuchen können, ich war immer im September am Gardasee, da mir Juli und August zu heiß sind. Ich glaube, daß diese Aussage stimmt:

    Ich weiß auch gar nicht, wie man eine Arena-Inszenierung anhang einer Fernsehübertragung beurteilen will?

    Dann sollte Deiner Meinung nach sein Urteil nur der geben dürfen, der live dabei war? Dann lies bitte nicht, was ich jetzt schreiben werde. Dir würden aber auch die Diskussionspartner fehlen.


    Ich fand erst einmal, daß Aussagen zu interpretieren wären, wonach man ob des Betriebes auf der Bühne gar nicht weiß wer singt. Stimmt so nicht. Wer von den 4 Hauptpersonen gerade solo unterwegs war, das war schon deutlich. Was Zeffirelli auf die Bühne gebracht hat, war eine Inszenierung für Verona. Kein Opernhaus wäre in der Lage, so etwas aufzuführen. Die verschiebbaren oder sich öffnenden Kulissen ergaben für mich einen Showeffekt, der durch sinnvolle Beleuchtung verstärkt wurde. Sie waren zweckmäßig und hätten auch andere Formen angenommen haben können. Gestört hat die Kulisse nicht. Im Gegensatz zur vorangegangenen Tosca wurden die Massen wenigstens nicht inheutige Kleidung gesteckt, diese Handlung heutzutag wäre schon durch die Verwendung des Begriffes "Zigeuner" anrüchig geworden. Warum eigentlich?

    Klar sind einige Effekte der Riesenbühne geschuldet. Dazu zähle ich

    - das Rumstehen mit den Schwertern in der Hand, ohne sie zu benutzen. Das täuscht Action vor.

    - das betrifft auch das von Souffleur angegeben Ausbreiten der Arme der Damen (ich wollte nicht dämlichen Arme sagen), als rein statische Geste ohne Bedeutung.

    - ich hatte Angst, daß Manrico vom Pferde fällt, das hätte man lassen können.

    Was sehen wir in den Szenen? Viele, viele Menschen in bunten Kostümen, die die Bühne füllen. Im Vordergrund tanzen die Damen des Corps de Ballet in mittelalterlichen, oder eher folkloristischen Kostümen. Danach treten Männer in Rüstungen auf und schwingen am vorderen Bühnenrand ihre Schwerter. Weniger wäre mehr gewesen

    Stimmt. Aber die vielen Darsteller auf der Bühne haben die Handlung nicht in Unordnung gebracht und auch nicht in Konflikt mit dem Opernführer.

    Opulentes Theater war es auf jeden Fall, aber es war Verona. Da wird das erwartet. Ich habe in Aida und in Turandot in Verona auf dem Bildschirm wesentlich opulenters gesehen. Der Troubdour hielt sich in Sachen Opulenz im Rahmen. Kulissen aus Beton habe ich nicht vermißt, das gesehene hat mich befriedigt, aber im Hinblick auf meine erwähnten Erfahrungen mit dieser Oper nicht unbedingt begeistet. Da war dias Rosvaenge Erlebnis ein anderer Brocken.

    Gesanglich hat sich Netrbko nach anfänglichen zögerlichen Leistungen gewaltig gesteigert, während der Graf Luna deutlich nachgelassen hat (ein Bastiannini oder Gobbi oder Metternich ist er eh nicht). Azucena war für mich die Überraschung, aber so hatte ich die alte Zigeunerin eigentlich erwartet. Ich werde mir den Namen von Herrn Netrebko wohl merken müsse. Seine Stimme ist sofort erkennbar, die Legatobögen kommen schmeichelnd, im Solo vor der Stretta und im Miserere gefiel er mir am besten. Die Oper beginnt eigentlich ohne Höhepunkte und steigert sich zum Finale in jedem Akt. Es war eine schöne Aufführung, die ich sicher in 5 Jahren wieder vergessen habe, also keine überaus begeisternde.

    Da war die vorherige Tosca eindeutig besser, bis zum Mord an Scarpia war sie trotz unpassender Kostümierung richtig gut und vor allem bei der Besetzung Tosca/Scarpia und im Dirigat überragend. Nur das Ende des 2. Aktes und der komplette 3. Akt haben meine Meinung total revidiert und hätten mich statt zum Beifall für den Regisseur in die Riege der Buhrufer delegiert. Die Wucht der Aufführung war enorm. die emotionale Wirkung der Regie total dämpfend. Die Regie des Trovatore hat dagegen nicht gestört, aber gesanglich konte sie der Tosca nicht das Wasser reichen.

    Daß ich Nahaufnahmen von Sängern sah, die ein Livebesiúcher nicht sehen konnte war für mich nicht nachteilig. Ein schönes Nachmittag und Abend, mehr aber nicht, trotz Zeffirelli.


    Herzlichst La Roche

    Meiner Meinung nach sollte man bei Karajan seinen Hang zur Selbstdarstellung und die Qualität seiner Aufnahmen nicht in einen Topf werfen.

    Wenn ich mir die fürs TV produzierte Eroica ansehen muß, mit all ihrer militärischen und geometrischen Korrektheit, dann lehne ich diese Aufnahme auch musikalisch ab. Zu sehr fallen narzistische Egoismen Karajans ins Auge, neben den genannten an RT grenzenden Eigenschaften.


    Höre ich diese Aufnahme ohne Bilder, dann ist diese Eroica für mich fesselnd, kraftvoll, ja aufwühlend.


    Herzlichst La Roche

    Richte Dich bitte in Deiner Rückwärtsgewandtheit und in Deinem Weltschmerz nicht ein!

    Nee, lieber Caruso, das tue ich nicht. Dazu bin ich ein viel zu fröhlicher Mensch. Ich bin grundsätzlich Optimist, bei mir ist das Glas immer halb voll. Und positive Erinnerungen an vergangene Zeiten sind doch keine Rückwärtsgewandtheit! Ich neige als Optimist sogar dazu, unangenehme Erfahrungen zu verdrängen! Was habe ich als Student unsere Pflichteinsätze in Mecklenburg bei der Ernte verdammt (jedes Jahr in den ersten 3 Studienjahren begann mit dieser Pflichtveranstaltung über 3-4 Wochen). Jetzt sehe ich sogar das Kartoffelsammeln als positiv, obwohl mir das nachfolgende Beisammensein der Seminargruppe incl. Assisstenten wesentlich angenehmer war!!

    Weltschmerz ist auch ein falsches Wort, und dabei tangiere ich schon das untenstehende Zitat. Ich habe die DDR nie als Unrechtsstaat empfunden, das ist eine Frage der Erziehung. Ich durfte kostenfrei studieren, es gab keine Arbeitslosen, wir hatten nie Hunger (auch direkt nach dem Krieg nicht. Vielleicht war ich mit Jahrgang 42 auch noch zu klein, um das Gefühl in Erinnerung zu behalten). Für uns waren die Russen die Freunde und die Amis und Engländer die Gegner (und das haben mir auch meine Eltern und Schwiegereltern immer wieder bestätigt. Besonders meine Schwiegereltern haben in Dresden am 13.2.1945 alles, aber auch alles verloren, und für uns gab es keinen Marshall-Plan. Ich weiß wohl über das Unrecht der Nazizeit zu urteilen und wehre mich, mein Leben in der DDR mit dem gleichen Substantiv zu bewerten wie die schreckliche Hitlerdiktatur.). Diese Erziehung über mehr als 40 Jahre hat mich geprägt, dazu zählen auch über 30 Jahre Opernerfahrung mit Inszenierungen, bei denen man sich vorher ohne Irritation im Opernführer informieren konnte.

    Dass Du Dich aber als bekennender "Ossi" outest, macht mich ratlos. Was bitte ist ein bekennender "Ossi"?

    Wozu bekennt sich der?

    Für mich, lieber Caruso, war die DDR kein Unrechtsstaat. Es war mein Vaterland, meine Heimat. Und es empört mich (und darin stehe ich nicht allein!!), das alles als Unrecht empfinden zu müssen, weil die, die nach 1945 eine andere Erziehung und Ausrichtung erhalten haben uns das diktieren. Aber wir kommen schon zu weit von den Regeln des Forums ab. Ich hoffe aber wenigstens, gerade von Dir ein wenig besser verstanden zu werden. Nicht alles in der DDR war schlecht, aber nicht alles in der BRD ist gut.


    Herzlichst La Roche


    PS - vielleicht sollte man solch eine Diskussion in den internen Bereich verschieben.

    das hört sich aber gar nicht gut an. Ich sehe auch im Alter von 72 Jahren noch allerhand Perspektiven für die Zukunft.

    Lieber Souffleur,


    da habe ich noch 5 Jahre Vorsprung, bei mir stehen 2 x die 7 in der Altersangabe. Perspektiven für die Zukunft? Politisch möchte ich mich nicht äußern, da bin ich sehr pessimistisch. Man hofft auf ein paar gesunde Jahre zusammen mit meiner Frau (wir haben dieses Jahr die Goldene), schön essen gehen (bei mir gehört immer Fleisch auf den Teller), Theaterbesuche (die immer weniger werden, da ich neue Deutungen ablehne, deshalb jetzt häufiger ins Konzert), Treffen mit Freunden, Studienkollegen, ehemaligen Mitarbeitern, Skatspielen usw. und die Erinnerung an die Vergangenheit. Ich habe Chemie studiert, Diplom 1967, Zusatzstudium als Ingenieur für Qualitätskontrolle (das gab es in der DDR), war Fachmann für Katalysatoren, dann Betriebsdirektor eines Großtanklagers bei Minol (das war der Monoplobetrieb für Tanken in der DDR) und war 3 Jahre in Perm/Ural auf einer Baustelle von weit über 10 000 Mann beim Bau der Erdgastrasse, die nicht nur die DDR, auch die BRD mit Erdgas versorgte. Da war ich oberster Chef von Minol. Kurz nach meiner Rückkehr gab es Minol nicht mehr. Ich mußte mich neu einrichten, und habe als Selbständiger einen Sprung gewagt, habe einen Großhandel für Öl,- Kraftsoff,- Luft- und Hydraulikfilter aufgebaut, völliges Neuland organisatorisch, fachlich und auch finanziell. Meine Altersvorsorge brach zusammen, als u.a. Zinszahlungen der Banken ausblieben, das Gesparte angegriffen werden mußte, da die Rente für meinen Jahrgang, meinen Studienabschluß incl. der nicht anrechnungsfähigen 5 Jahre Direktstudium sehr mager ausfällt. Bei mir gehen über 50 % der Rente für die Miete drauf, ich plane einen Umzug, um meinen letzten Weg nicht über Sozialhilfe gehen zu müssen. Meine Perspektive bietet wenig Anlaß zum Jauchzen und Frohlocken. Das ändert aber nichts an meiner Frohnatur. Das war nur für Dich gedacht, denn irgendwo in meinem Vorstellungsbeitrag hatte ich das schon geschrieben, auch die Tatsache, daß ich bekennender "Ossi" bin und bleiben werde.


    Herzlichst La Roche

    Einer Zeit, die lange vorbei ist. Zum Glück, füge ich aus meiner ganz persönlichen Perspektive hinzu, sowohl musikalisch wie auch gesellschaftlich.

    Ich erinnere mich sehr gern an meine Jugend in der DDR, mit Karajan im Radio, mit wunderbaren Opern und auch Schauspielen im Theater. Ich hänge an der Vergangenheit, sie hatte mehr Perspektiven als die Gegenwart. Aber bitte, das ist kein Grund zum Streit, lieber Bertarido!!! Das ist meine Meinung, meine Erfahrung. Und Politik halten wir hier raus, aber das letzte Wort Deines Zitates ist eindeutig politischer Natur.


    Herzlichst La Roche

    Da fand ich doch wahrhaftig noch ein Beispiel für ganz übles Regietheater in Verona 2019:

    Das ist doch wohl der Auslöser gewesen. Soll man da still halten? Ich glaube, keiner derjenigen, die hier geschrieben haben zu diesem Trovatore hat ihn gesehen.

    Vorschlag von mir: wir schauen uns das Spektakel im TV an, der Souffleur genauso wie Siegfried oder MSchenk, La Roche genauso wie Gerhard Wischnewski, und dann tauschen wir unsere Eindrücke und Meinungen hier aus.


    Ich bin morgen in Verona (am TV).


    Herzlichst La Roche

    Wenn ich jetzt allen Ernstes behaupte, dass diese Inszenierung für mich schlimmer ist als ein Trovatore im grauen Betonbunker mit Hospitalbetten, sind einige entrüstet

    Ich werds mir am Sonnabend anschauen. Und mir wird es gefallen, auch wenn es nicht in Betonbunkern handelt.

    Ansonsten gebe ich Mme. Corteses recht, daß gerade Zeffirelli oft übertrieben hat, was die Ausstattung betrifft. Aber in jedem Fall besser als die Boheme im Hochhaus, die morgen auch übertragen wird.


    Ich gönne Dir, daß Du von mancher Inszenierung begeistert bist, die mich abstoßen würde. Gönne mir bitte auch meinen Geschmack.


    Herzlichst La Roche

    Wie schon zum 100. Todestag plant man in Leipzig 10 Jahre später ein erneutes Mahlerfest. Wieder sind die besten europäischen Orchester unter ihren berühmten Dirigenten zu Gast und bringen (fast) alles in das Gewandhaus, was Mahler geschrieben hat.


    Hier die wichtigsten Termine:


    13. und 14. Mai 2021 jeweils 20.00 Uhr - 2. Sinfonie, Gewandhausorchester, Andris Nelsons (MDR-Rundfunkchor)

    15. Mai 2021 20.00 Uhr - Kindertotenlieder, 5. Sinfonie, Royal Concertgebouw Orchestra, Fabio Luisi

    16. Mai 2021 11.00 Uhr - 6. Sinfonie, London Symphony Orchestra, Sir Simon Rattle

    16. Mai 2021 20.00 Uhr - 9. Sinfonie, Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko

    17. Mai 2021 20 Uhr - 3. Sinfonie. Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks, Mariss Jansons (Damen des Chores des Bayrischen Rundfunks, Augsburger Domsingknaben)

    18. Mai 2021 20.00 Uhr - 10. Sinfonie mit Vervollständigung von Deryvk Cooke, Gustav Mahler Jugendorchester, Daniele Gatti

    19. Mai 2021 20.00 Uhr - Das Lied von der Erde, 4. Sinfonie, Münchner Philharmoniker, Valera Gergiev

    20. Mai 2021 20.00 Uhr - Rückert Lieder, 1. Sinfonie, Wiener Philharmoniker, Daniel Harding, Thomas Hampson

    21. 23. und 24. Mai 2021 jeweils 20.00 Uhr - 8. Sinfonie, Gewandhausorchester, Andris Nelsons (MDR-Rundfunkchor, Gewandhauschor, Gewandhaus Kinderchor), u.a. Adrian Eröd, Pavel Cernoch u.a.

    22. Mai 2021 20.00 Uhr - 7. Sinfonie, Sächsische Staatskapelle, Sir Antonio Pappano (nicht Thielemann!!)

    23. Mai 2021 11.00 Uhr - Todtenfeier, Lieder eines fahrenden Gesellen, das klagende Lied - MDR-Sinfonieorchester, Markus Stenz


    Dazu kommen Stadtführungen, Meisterklasse mit Hampson, Liedmatineen, ein neuer Mahler-Fim, Kammermusik mit dem Gewandhausquartett u.a.


    Die Kartenpreise beginnen bei 20,00 Euro und enden bei 160,00 Euro bzw. 180,00 Euro (letzteres bei den Berlinern, den Wienern und den 3 Aufführungen der 8.)


    Es gibt Sonderpreise mit 20 % Rabatt beim Besuch aller Sinfonien, 15% bei Besuch von 6 Konzerten und 10% bei Besuch von 3 Konzerten.


    Mein Leipzig lob ich mir!!


    Herzlichst La Roche