Beiträge von La Roche

    für mich persönlich ist die Barcarole die schönste Melodie, die je entstanden ist.

    Sie ist zweifellos ein besonders eingängiges Musikstück. Trotzdem war sie zunächst erfolglos. Offenbach hatte diese Barcarole in seiner Operette "Die Rheinnixen" plaziert, wo sie von einem Elfenchor gesungen wird. Da diese Operette völlig erfolglos blieb hat sie Offenbach einfach in Hoffmanns Erzählungen verschoben. Er durfte das.

    Ohne die Benutzung der deutschen Sprache wären viele deutschsprachige Künstler von Weltklasse in Vergessenheit geraten. Wie es nemorino schon über sich sagte, hat auch mir die Oper den Weg in die Klassik gezeigt, seit den 50-er Jahren. Und da haben deutschsprachige Sänger nunmal in deutsch gesungen. Ihre Tondokumente sind und bleiben Dokumente deutscher Gesangeskunst. Nemorino hat etliche Namen in #48 (unvollständig) genannt.

    Ich besitze noch div. Eterna-LP aus der Reihe "Große Sänger der Vergangenheit" oder "Große Oper", die alle an die Qualität der deutschsprachigen Sänger erinnern. Dazu gehören auch die Gesamtaufnahmen des Bajazzo mit Rudolf Schock, Melitta Muszely, Josef Metternich und Marcel Cordes (mit dem gesamten abgedruckten deutschen Libretto) und der Rigoletto mit Helge Rosvaenge, Heinrich Schlusnus, Erna Berger, Josef Greindl und Margarete Klose.

    Leider ist mein Plattenspieler defekt, die Platten sind nur noch nostalgische optische Erinnerungen. Aber allein die Textbeiträge auf der Rückseite der Hülle sind von großem Interesse. Einen neuen Plattenspieler lege ich mir aus Altersgründen nicht wieder zu..

    In der Spielzeit 2010/2011 des Theaters Gera war eine szenische Aufführung des Tristan geplant. Aus finanziellen Gründen war das nicht möglich, dem Publikum wurde dafür eine halbszenische Aufführung im wunderschönen Konzertsaal angeboten, die Ostern 2011 stattfand. Damals war noch Howard Arman GMD in Gera, einer der besten Dirigenten, den wir je hatten. Als Isolde war Dara Hobbs zu erleben, die es inzwischen bis nach Bayreuth geschafft hat.

    Es war ein Wahnsinnserlebnis mit nicht enden wollenden standing ovations. Ich bezweifle, ob eine szenische Aufführung diese Qualität erreicht hätte. Wenn ich mich recht erinnere, war auch Dara Hobbs ergriffen, ich glaube, sie mußte Tränen verdrücken. Übrigens waren alle Hauptrollen mit namhaften Gästen besetzt, ein Luxus, den eine szenische Aufführung mit mehreren Terminen wohl nicht erlaubt hätte.

    Das ist auch ein Gesichtspunkt bei der Betrachtung der Vor- und Nachteile konzertanter Aufführungen.

    Ca. 2005 bis 2012 gastierte Editha Gruberova etwa 6-7x in der Semperoper. Konzertant, Bellini und Donizetti waren hauptsächliche Komponisten. Szenische Aufführungen hätte es in dieser Besetzung in Dresden nie gegeben, die Proben hätten die Preise in unermeßliche Höhen getrieben. Ich bin froh, sie in diesen Aufführungen zu erschwinglichen Preisen um die 80,- Euro erlebt haben. So konnte ich nicht nur diese Top-Sängerin erleben, sondern auch den Kult um einen Weltstar. Im Foyer war es nicht schwer, mit Österreichern, Engländern u.a. Fans ins Gespräch zu kommen, die Frau Gruberova praktisch bei jedem ihrer Auftritte folgten und damit ein besonderes Flair schufen.

    Ich bin glücklich, bei allen Auftritten dabei gewesen zu sein. Und ich bin froh, daß es konzertante Veranstaltungen waren und ich mich nicht über ausgefallene Regieeinfälle ärgern mußte. So war es jedesmal ein Höchstgenuß. Die erste Aufführung war am 22.03.2005 "I Puritani". Die Kritik schrieb darüber von einer Sternstunde des Belcanto. Das stimmt für jede der erlebten Auftritte.

    Der Widerspenstigen Zähmung


    Gestern zufällig auf YT entdeckt. Synchronisiert, mit Elisabeth Taylor, Richard Burton und unter der Regie von Franco Zeffirelli. Man kennt ja die privaten Verhältnisse der beiden Hauptdarsteller und auch die Bedeutung gerade dieser Shakespeare-Komödie in diesem Zusammenhang.

    Sorry, aber das musste mal gesagt werden. Das allgemeine Publikum hat offensichtlich deutlich weniger Probleme mit den neuen Inszenierungen als so mancher Teilnehmer hier im Forum

    Ich habe überhaupt kein Problem mit "neuen" Inszenierungen (wenn wir beide dasselbe meinen). Ich geh da einfach nicht mehr hin. Und warum? Weil ich an einem Theaterbesuch Freude haben möchte und keinen Ärger, wobei sich meine Toleranzgrenze auch schon ein wenig verschoben hat. Und ich zähle mich auch zum "allgemeinen" Publikum.

    Im Prinzip macht der Regisseur seine Inszenierung wohl nur für einen Partner - für das Publikum. Und wenn es diesem nicht gefällt und seinen Unmut darüber durch Mißfallensbekundungen ausdrückt, wer liegt dann falsch?

    Gerade Konwitschny hat in Leipzig Inszenierungen herausgebracht, die solches Mißfallen erzeugt haben. Die Antwort: An der Volkshochschule Leipzig wurden Kurse angeboten, Operninszenierungen verstehen zu lernen. Ist das Sinn einer Opernaufführung, daß man nur nach einer Spezialschulung begreift, was der Regisseur uns sagen will?

    Z.B. "Die Csardasfürstin" im Schützengraben spielen zu lassen, weil die Operette gerade in dieser Zeit entstanden ist (Dresden, Semperoper, Konwitschny)?

    Ich muß nochmals auf den Eröffnungsbeitrag verweisen. Die "Eheoper" Intermezzo besteht ja aus mehreren Teilstücken, die erst im Finale den musikalischen Glanz von Richard Strauss gesanglich auf die Bühne bringt.

    Diese Teilstücke werden durch Zwischenspiele (Intermezzi oder Intermezzos laut Duden) miteinander verbunden. Meines Wissens sind es insgesamt 12 "Intermezzos", in denen Strauss seine überragende Instrumentationskunst so richtig beweisen kann. Im genannten ersten Beitrag dazu ist das bekannteste Zwischenspiel zu hören, die "Träumerei am Kamin".

    erwähnt hatte ich das gleich zu Beginn des Threads:

    Lieber Uli ,

    ich hatte nur in der Zusammenfassung nachgeschaut #43. Da war das Wolferl nicht erwähnt. In Deiner kurzen Notiz auch nicht, vielleicht ist es deshalb auch in #43 durchgerutscht.

    Meine Schuld.

    La Roche

    Callas ist und bleibt ein Phänomen, zumindest für mich. Das betrifft das Privatleben genauso wie meine Affinität zu ihrer Stimme, die bei mir eindeutig vorhanden ist. Es gibt wohl kaum eine Sängerin, die nach 2-3 Takten an ihrer Stimme erkennbar ist. Das macht sie für mich einmalig.

    Leider habe ich sie nie live erleben können. Auch mir ist aufgefallen, daß ihre Stimme in jungen Jahren anders, leichter , freier klang als in den 60-ern, wo doch besonders in der Höhe die Stimme teilweise schrill klang. Deshalb mag ich reine Tonaufnahmen besonders aus den 50-ern besonders.

    Wenn man aber Maria Callas auf der Bühne sowohl sehen als auch hören kann, ist mein Eindruck ein ganz anderer. Besonders in der Londoner Aufführung der Tosca 1964 mit dem ebenfalls darstellerisch und gesanglich überragenden Tito Gobbi ist ihre schauspielerische Leistung für immer in meinem Gedächtnis fest verankert. Ihr "vissi d´arte"´ist stimmlich durchaus nicht als besonders schön zu bezeichnen, aber in der Gesamtheit Gesang/Darstellung unübertroffen und deshalb für mich allererste Wahl. Das trifft auch für den gesamten 2. Akt zu, der für mich der wohl aufregendste und mitreißendste Opernausschnitt ist, der uns erhalten blieb. Danke Maria Callas und Tito Gobbi.

    Ich verstehe immer nicht ganz, wie so bewanderte Opernkenner und Liebhaber lieber gar nicht mehr in die Oper gehen, als sich auf moderne Inszenierungen einzulassen. Das finde ich sehr schade, denn Leute wie du, die gehören doch in die Oper!

    Danke für diese Einschätzung. Meine Zuneigung zum Genre Oper ist mir erhalten geblieben, wenn sich meine Interessen seit Jahren auch dem sinfonischen Schaffen zugeneigt haben, aus den bereits genannten Gründen. Oper ist und bleibt aber meine Nummer 1, von Mozart bis Richard Strauss (Nicht davor und nicht danach)

    Selbst im TV oder auf YT werde ich mitunter arg verärgert über das, was die Regisseure da anstellen. Vor einigen Jahren sah ich eine tolle Aufführung der von mir extrem hochgeschätzten Salome aus Helsinki. Besonders die Sängerin der Hauptrolle hat mich in ihren Bann gezogen (es war eine aus dem Baltikum, der schwierige Name ist mir entfallen), sie war einfach stimmlich überragend. Gestört hat mich aber die gesamte Regiearbeit. Nicht nur, daß praktisch die Handlung in ein schmuckloses Zimmer verlegt wurde. Nein, das musikalisch phantastische Ende wurde extrem abgewertet, der gesungene Text stand im krassen Widerspruch zur Handlung. Zuletzt sind Salome und Jochanaan Hand in Hand als Liebespaar über die Türschwelle in eine leuchtende Zukunft gegangen. Furchtbar für mich.

    Seit Jahren gehe ich nur dann ins Theater, wenn ich derartige Zerstörungen des Originals nicht sehen muß, und da bietet mir das Internet die Möglichkeit, meine Entscheidung pro oder kontra zu treffen. Im o.g. Fall wäre ich um keinen Preis der Welt ins Opernhaus gegangen. Dann sehe ich mir lieber Inszenierungen an wie die Verfilmung mit Teresa Stratas/Bernd Weikl, mit der spielerisch und tänzerisch überragenden Maria Ewing oder mit Catarina Malfitano. Und das auf dem TV-Bildschirm.

    Leider bin ich seit ca. 3 Jahren auch gesundheitlich nicht mehr in der Lage, Oper und Konzert live zu erleben.

    Zwischen sog. 'Werktreue' und "mutwillig verbiegen" liegt eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten und Ansätzen.

    Und wo würdest Du Rigoletto im Affenland, Lohengrin Klassenzimmer, Die Frau ohne Schatten im Waschsalon, fast alles, was man in Bayreuth anbietet und ............. einordnen? Ich sehe nur eine Zerstörung des Originals. Als wenn man die sixtinische Madonna grün übermalen würde.

    Wenn sich "ewig gestrig" darin manifestiert, daß man musikalische Werke der Vergangenheit so sehen und hören möchte, wie Komponist und Librettist es sich gedacht und gewünscht haben, dann zähle ich mich sehr gerne zu dieser Klientel und überlasse das sogenannte "Regietheater" den Leuten, die das toll und modern und, vor allem, dem Zeitgeist entsprechend finden. Dieser "Zeitgeist" ist aber über weite Strecken ein Zeit-Ungeist. Doch jedem das Seine.

    Stimme Dir vollkommen zu, jedem Satz und jedem Wort. Das "Verunstaltungstheater" hat mich dazu gezwungen, mein Theateranrecht in meinem Heimattheater (schon 2014) zu kündigen und mich auch vor Besuchen jedweder Operninszenierung in meinem Einzugsbereich im Internet darüber zu informieren, ob die Inszenierung mich erfreuen oder abstoßen würde. Im letzteren Falle verzichte ich freiwillig darauf, mich im Theater ärgern zu müssen und dafür auch noch Geld auszugeben.

    Im Internet ist das einfacher. Ich brauche nicht zu recherchieren. Wenn ich mir eine Oper ansehe, dann kann ich mich schon nach kurzer Zeit entscheiden, weiterzusehen oder einfach angewidert wegzuklicken.

    Übrigens bin ich dadurch auch zu einem Anhänger konzertanter Aufführungen geworden und hatte gestern viel Vergnügen dabei, mir auf YT über 5 Stunden die Götterdämmerung anzusehen.

    Wem mein Beitrag nicht gefällt, braucht ihn nicht zu lesen.:jubel:

    Herzlichst La Roche

    Corelli vergessen?

    Bei mir nicht. Ich höre fast täglich Opernmusik, und komme dabei an den Sängern des vorigen Jahrhunderts nicht vorbei. Corelli ist immer dabei, aber nicht nur er.

    Allerdings bin ich auch ein Kind des vergangenen Jahrhunderts und mit ihm (und vielen anderen) groß und Opernfan geworden. Später geborene Opernfreunde schwelgen sicher nicht in diesen Erinnerungen und orientieren sich an der Aktualität. Dabei weiß mancher gar nicht, was ihm entgeht. In allen Stimmlagen, ob Männlein oder Weiblein.

    war es als Traum von Miller inszeniert. Da kann natürlich auch schräges Zeug kommen, wie ein ewig langer Cadilac, komische Figuren etc. Also im Traum ist alles möglich.


    ich kenne die Inszenierung glücklicherweise nicht, habe aber sowohl die Verdi-Oper (mehrfach) als auch Kabale und Liebe als Grundlage des Werkes gesehen. Das Schillersche Drama war in meiner Abiturklasse Pflichtliteratur. Von "Träumen" habe ich dabei nichts mitbekommen, wohl aber von revolutionärer Gesellschaftskritik in "Sturm und Drang"-Manier. Den revolutionären Gedanken als Traum abzutun scheint mir sehr abwegig zu sein.

    4. Was gefällt? Möge sich hier bitte jemand melden, der "Andrea Chenier" noch für die Oper aller Opern hält.

    Lieber Dr. Pingel,

    gestatte mir einen Widerspruch. Andre Chenier mag derjenige vielleicht als Operette bezeichnen, der nur Bilder des 1. Aktes in einer "klassischen" Aufführung kennt. Kostümiert in der Kleidung der "höheren" Gesellschaft vor der franz. Revolution mag man an eine Operette denken. Wer aber die Musik dazu hört, die schon im 1.Akt sehr dramatische Tendenzen aufweist, die sich im Verlauf der Oper gewaltig steigert und in einem höchst dramatischen Ende mit fast mahlerschen Dimensionen im Orchester endet, der muß einfach seinen Senf dazu geben. In diesem Falle ich.

    Die Oper aller Opern ist der Andre auch bei mir nicht, diese einseitige Festlegung auf eine absolute Nr. 1 unter den Opern hat bei mir keinen Platz. Aber sie gehört zu meinen Lieblingsopern, auch wenn ich nicht das Privileg habe, eine Aufführung in der Met gesehen zu haben. Um das einschätzen zu können reichen mir meine beiden erlebten Aufführungen in Nordhausen und in Leipzig (allerdings konzertant). Und diese werden ergänzt durch div. TV- und DVD-Erlebnisse.

    Nie wäre mir dabei der Gedanke gekommen, eine Operette zu sehen.


    Herzlichst La Roche


    PS: Übrigens halte ich Janaceks Musik auch nicht für atonal.

    Lucia Popp und Peter Seiffert


    und in zweiter Ehe mit Petra-Maria Schnitzer. Ich hatte das Glück, beide zusammen in Dresden zu sehen, eine konzertante Aufführung des Rienzi.