Beiträge von Lagenwechsel


    Inzwischen habe ich in dem Buch "The Country Formerly Known as Great Britain" des Journalisten Ian Jack den folgenden Kommentar zu dem ersten Teil des Gedichts von Tennessee Williams gefunden:


    "In 1978, Tennessee Williams heard a recording of Ferrier for the first time and was so moved by her voice that he immediately wrote a mournful and not very good poem about her ('the string of the violins / Are a thousand knives in her breast'). But there is no self-mourning in Ferrier, or none she wants to let on about."


    Demnach handelt es sich bei dem, was hier den Geigensaiten unterstellt wird, um einen (nach Jacks Beurteilung mißglückten) Akt dichterischer Freiheit - und nichts deutet auf eine Anknüpfung an eine Äußerung Kathleen Ferriers hin. Interessant, daß er genau die von mir "angestoßene" Stelle als offenbar "nicht sehr gut" zitiert! Ausgerechnet Geigensaiten werden zu dem todbringenden Leiden Kathleen Ferriers andeutend in Beziehung gesetzt; das ist schon schlimm, wenn es nicht KK selbst in irgendeiner Weise so empfunden haben sollte.


    Den zweiten Teil des kleinen Gedichtes finde ich aber (so weit ich ihn verstehe) eigentlich schön - wenn ich nur wüßte, wer "they" sein soll und ob es nicht doch (mit irgendeiner von mir nicht erkannten Bedeutung) "of" statt meines Korrekturversuchs "if" heißen soll. Kann hier wirklich niemand etwas Kompetentes dazu sagen?

    Zitat

    Rheingold1876: ... ich wünschte mir bei meinem eigenen Heimgang tatsächlich auch eines der "Vier letzten Lieder" - allerdings nicht das letzte "Im Abendrot" nach Eichendorff, das in diesem Zusammenhang gern genannt wird, sondern "Beim Schlafengehen" auf ein Gedicht von Hesse, das nach dem Entstehen dieser Lieder das erste gewesen ist.


    Wenn man das liest, geht einem auch als Geiger das Herz auf...

    Über Rheingolds Antwort hatte ich mich sehr gefreut und mich zu einem längeren Beitrag anregen lassen; dieser ist, wie schon gesagt, wegen irgendeines Timeouts mit Textverlust, verloren. Daher hier nur kurz die Schlußfrage daraus, die allerdings mit dem ganzen Teil, der Rheingold gewidmet war, nichts mehr zu tun hat:


    Die Frage ist rein sprachlich. Ich bin eigentlich fit im Englischen, jedoch möchte ich die folgenden Verse von Tennessee Williams genauer verstehen, die er Kathleen Ferrier gewidmet hat:


    She that comes late to the dance
    More wildy, must dance, than the rest
    Though the strings of the violins
    Are a thousand knives in her breast.


    A while there was the voice to cry,
    A while there was the hand to touch
    And if they did not understand
    It may be that we asked too much.


    Erste Frage: Worauf geht es zurück, daß ausgerechnet die (von mir geliebten) 4 Saiten der Geigen "thousand knives in her breast" waren? Hat sie sich selbst einmal so geäußert? Auch wenn es mir weh täte, würde ich dies gern wissen wollen.


    Zweitens: Wer ist "they" in der vorletzten Zeile? (In meinem Originaltext steht in der Zeile sogar "of" statt "if", was ich aber so wenig verstehe, daß ich es für einen Druckfehler halte.)


    Ist jemand im Englischen so zu Hause, daß er mir dieses Stück Lyrik an den unverstandenen Stellen erklären kann?

    Jetzt habe ich gerade an einer sehr genauen Antwort gefeilt und über die einzelnen Punkte und Formulierungen nachgedacht, mit dem Erfolg, daß nach dem Absenden ich als nicht mehr eingeloggt galt und der ganze Beitrag futsch ist. Tut mir leid, ich kann unmöglich jetzt noch einmal alles so formulieren. Vielleicht ein ander Mal... :(

    Wir haben den Luxus, das "Erbarme dich" aus der Matthäus-Passion in zwei wesentlich verschiedenen Aufnahmen mit Kathleen Ferrier hören zu können. Ich muß ehrlich sagen, daß mir die frühere mit Geigenpartner David McCallum (1946) um Längen besser gefällt als die spätere unter Karajan (1950). Daß McCallum einige Glissandi unterbringt, die heute manche irritieren könnten, stört mich überhaupt nicht; es sei der Zeit geschuldet. Daß er aber tonlich mit Kathleen Ferrier eine solche Einheit bildet, die gleiche schnelle Intensität des Vibratos hat, die gleiche Eindringlichkeit ausstrahlt, das ist einfach ein tiefes Glück.

    Aber es gibt das öfters, dass Leute weniger bekannte Komponisten sofort mit den Größten vergleichen, um dann enttäuscht zu sein.

    Erneut geht dies völlig am Geist meiner kleinen Meldung vorbei. Ich muß sagen, daß ich im tamino-Forum schon nettere Atmosphäre vorgefunden habe; aber vielleicht sollte man nicht von der unsensiblen Indisposition eines Einzelnen auf das Ganze schließen.


    Wie sagte schon Burgmüller? "Ich war auf Menschen nicht vorbereitet, ich glaubte nur an Musik".

    Die Streichquartette op. 4, 7, 9, 14 von Norbert Burgmüller gibt es bei MDG (Detmold), gespielt vom Mannheimer Streichquartett (2003). Ein guter Freund hat mir vor einiger Zeit die Stimmen geschenkt: Verlag Dohr Bd. 23a E.D.21865 (Partitur: E.D.21860) (2002).


    Mir ist noch nicht klar, ob diese Werke - die jedesmal beim Hineinhören große Wirkung erzeugen - letztlich vielleicht doch nur historisch interessant sind, oder ob sie tatsächlich in das Repertoire der Großen gehören sollten?! Mir geht es so, daß die Begeisterung beim Hören eines der Streichquartette eine ganze Zeit anhält, aber nicht bis zum Ende... Bisher lautet mein (vorläufiges?) Fazit: Unbedingt lohnend, sowohl zu hören als zu spielen - aber man darf dabei eben doch keine Streichquartette von Schumann oder Brahms erwarten. Das wäre auch viel verlangt! - Woran das liegt, mag eventuell eine (offenbar noch ausstehende) Analyse der Werke zeigen. Vielleicht liegt's auch nur an mir.


    Gibt's eigentlich Forschungsarbeiten über Norbert Burgmüllers Kammermusikschaffen?


    Rein streicherisch gesehen, übt man auch bei Burgmüller so manchen


    Lagenwechsel

    Den Thread finde ich besonders interessant, weil ich a) hier zahlreiche Symphonien genannt sehe, die ich gar nicht kenne und b) zu meinem Schrecken feststellen muß, daß ich zwar zahlreiche Symphonien jenseits des Mainstreams kenne, darunter aber keine Lieblings-Symphonien habe, wenn ich ganz ehrlich bin.
    "Zum Glück" stimmt das allerdings nicht ganz: Zwei meiner Lieblings-Symphonien sind diejenige von Franck und die von Bizet. (Vielleicht wurden die aber nur in der Liste der "Verbotenen" vergessen ?!) :whistling:

    Manchmal ist einem danach, einfach mal ältere Threads auf sich wirken zu lassen.


    Schade, schade, daß sich "Woriviol" nie registriert hat (?) und daß Cosima nach größter Aktivität wie vom Erdboden verschwunden ist. (Oder mit neuem Namen hier? Ihr letzten Worte hier waren: "Viel mehr brauch’ ich eigentlich nicht… Gruß und bis irgendwann mal wieder, Cosima" - Darf man den ersten Teil auf Heifetz beziehen?). Die beiden gehören zu denen, die ich gern zum Sekt einladen würde...


    "So ein Mensch zwei Ohren und ein empfindsames Innerstes hat, muss er Heifetz einfach lieben."


    Selten so viel Zustimmung gespürt.

    Wie weit darf man denn in der Zeit zurückgehen? Was mich wundert ist, daß niemand hier das Busch-Quartett erwähnt hat. Nach meinem Ohr und Hirn sind deren Aufnahmen der Beethoven-Quartette (und das ist der Test) unerreicht, allenfalls abgesehen vom Alban-Berg-Quartett.
    Die - verbreitete - absolute Bewunderung des Amadeus-Quartetts hat sich bei mir hingegen nie richtig eingestellt. Daß die hervorragend spielen, ist unbenommen. Aber ich finde immer, man hört, daß sie das auch wissen; besonders bei dem stets klanglich übersteigernden Norbert Brainin. Und das stört (mich). In reichlicher Überspitzung (und auf höchstem Niveau meckernd): Ein Weltklasse-Streichtrio mit einem zusätzlichen Geiger, der es einfach noch besser kann... Ich kann mich, so streicherisch souverän und durchdacht das alles auch ist, beim Amadeus-Quartett nicht gegen den Eindruck fehlender Demut gegenüber der Musik wehren.

    Nicht ganz so schwierig wie beim Streichquartett, aber fast. Bei mir stehen oben:
    Brahms, H-dur-Trio
    Beethoven, Erzherzog-Trio
    Schubert, B-dur-Trio
    Mendelsohn, d-moll-Trio [aber das so ganz andere c-moll-Trio nicht weit davon]
    (Das Tschaikowsky-Trio wäre dabei, wenn ich mit der einen Variation (die so manches Ensemble schon weggelassen hat) mehr anfangen könnte.)

    Natürlich kann ich mein Gehirnschmalz zum Einsatz bringen und versuchen, auf solche Fragen etwas Kluges zu sagen. Ach, und wie viel fiele mir ein, und wie ließe es sich trefflich tifteln!


    Ich würde an Äußerlichkeiten laborieren. Ich käme nicht an das heran, was mir Mozart bedeutet. Ich lasse es... Wenigstens bezüglich Mozart soll man mir nicht vorwerfen können: Se tacuisses, philosophus fuisses.

    Zitat

    Original von BigBerlinBear
    Lagenwechsel schrieb:



    ganz einfach: Emanuel Feuermann* 22.11.1902 Kolomea/Galizien (Kolmyja/UA), † 25.5.1942 New York/USA, lebte nicht einmal 41 Jahre, und diese in einer Zeit, wo weniger Aufzeichnungen und Tonträger hersgestellt wurden als heute, also DESHALB (ganz pragmatisch gesehn)
    gibst nur so wenig von ihm....


    Wie ich erst jetzt feststelle, hat hier jemand einen Seufzer für eine Frage gehalten...
    (Aber die Daten stimmen.)

    Davor schützen mich mehrere Komponenten: die nicht leicht zu befriedigende Niveau-Anforderung; die Sorge, mich mit CDs ähnlich unübersichtlich vollzumöhlen wie es mit Büchern schon passiert ist; der sichtbare Platzmangel; Mangel an Zeit, um mich um Neuerscheinungen zu kümmern; Geiz.


    Bin jedenfalls stolz auf das schneckenlangsame Wachstum meiner CD-Sammlung. Heifetz ist natürlich vollständig vorhanden (in großen schwarzen wie in kleinen silbernen Scheiben), aber ansonsten hasse ich "Komplettkäufe". Kann es vielleicht sein, daß jene Werke, die nach über 40 Jahren Musikgenuß mit Herzblut immer noch Lücken in der Sammlung darstellen, doch eher für die anderen sind? Es ist so pubertär-provinziell unfrei, einfach alles haben zu müssen, scheint mir.


    Schön ist es, wenn man bei näherem Hinsehen erstaunlich viel lückenlos hat, ohne etwa darauf geachtet zu haben: lauter individuell ausgesuchte Aufnahmen; ein gutes Gefühl.

    Über vieles in der Musik traue ich mir zu, durchaus meine Intention treffende Worte zu finden, über mein Mozartbild jedoch nicht. Was immer ich über sein Werk und was es für mich bedeutet in Worte fassen sollte - es würde zu kurz greifen. Denn wenn ich einen nennen sollte, der mich mit seiner Musik in wirklich jeder Weise und in jeder Lebenslage und -stimmung erreicht, so wäre es Mozart (allenfalls auch noch Bach, aber ganz anders und auch nicht in der Universalität). Und ich kenne keine Phase meines Lebens seit der des Aufbruchs ins Denken, in der das nicht so war - nur ist gerade dieses Verhältnis im Laufe vieler Jahre immer enger und subtiler geworden, natürlich auch durch das immer neue eigene Spiel von Mozarts Musik.


    Obwohl das Klavier nicht mein Hauptinstrument ist, fällt es mir leicht, den Klavierkonzerten Mozarts den allerhöchsten Rang für mich zuzuerkennen. Nicht weit davon steht bei mir das Requiem, die c-moll-Messe, natürlich Don Giovanni - und schon möchte ich abbrechen, denn "Listen" dieser Art sind für das, was mir Mozart bedeutet, einfach unwürdig, platt, unangemessen.


    Selbst die in früher Phase geschriebenen Violinkonzerte KV 216, 218, 219 können auf mich Wirkung haben, die jenseits der Kraft der Worte steht, wenn sie von Wolfgang Schneiderhan gespielt werden, oder aber - so ganz und gar anders - von Jascha Heifetz. Das sind in meinen Augen unerreichte "alte" Aufnahmen. Von den neuen aber steht bei mir Julia Fischer ganz vorn.


    Mozart: Nr. 1. (Pause)

    Bin doch froh, daß eine mich doch recht befremdende Arroganz gegenüber sowohl dem Urteil Beethovens über die Qualität seiner frühen Kompositionen als auch gegenüber seinen Streichtrios durch einige Beiträge zurechtgerückt wurde. Ich gebe gern zu, daß wir uns erst den Streichtrios zugewandt haben, als mitunter mal die 2. Geige fehlte. Auf diese Weise drangen wir u.a. - fast unfreiwillig - in die Trios op. 9 ein. Resultat: Es wurden eigenständige Probenphasen nur für die Trio-Besetzung, also nicht etwa "aus Verlegenheit" angesetzt. Und das nach Jahrzehnten Arbeit mit den Streichquartetten: So extrem lohnend war uns das Arbeiten an den Trios. Zwei Konzerte, beide mit je einem Trio aus op. 9 (sowie Mozarts Divertimento, Schubert-Streichtrio bzw. Francaix-Trio) hat es dann im Laufe der Zeit gegeben.


    Musik für Erwachsene.


    Sehr interessant, daß sich Heifetz mit den Trios op. 9 ausführlich beschäftigt hat. Mit den Paganini-Konzerten hat er das nie getan; wahrscheinlich fiel ihm ein anspruchsloser früher Beethoven technisch leichter? :baeh01:

    Wenn im Variationssatz von Schuberts "Tod und das Mädchen" nach dem weit angelegten Decrescendo (der "Cello-Variation") mit Erreichen des Pianissimo die 1. Geige von den Sechzehnteln in Triolen übergeht - es ist 28 Takte vor dem Schluß, bei Peters Buchstabe S - ist das an innerer Bewegung noch zu übertreffen?


    Ja! Der fünfte Takt danach scheint genauso anzuheben - und entführt doch in den nachfolgenden vier Takten in eine noch ganz andere Welt... Zögerlich wagt sich der vorangehende Triolenaufgang d-e-fis-g-a hin zu der Pianissimo-Eins 24 Takte vor Satzende, und diese kann man nur noch hörend in sich hineinlassen, nicht beschreiben. Da gibt es keine diesseitige Eitelkeit mehr, keine Maske: Da geht es ums Ganze.


    Nicht etwa alle Aufnahmen spiegeln solch tiefes Erleben wieder. Aber manche. Zu ihnen gehört das Busch-Quartett.


    Ein Memento mori, das einem Schauer über den Rücken laufen läßt: zugleich Trost und Trauer. Wie kann ein Mensch nur solche Noten schreiben?


    Danke! Ich glaube, die kaufe ich tatsächlich.


    PS. Soeben bestellt.

    Vor kurzem habe ich im Radio Vengerovs Aufnahme der F-dur-Romanze (op. 50) gehört. Den schätze ich ja eigentlich sehr. Aber tut mir leid: In der ersten Hälfte des Werkes hält er schlicht die (typischen!) punktierten Viertel deutlich zu kurz, spielt einfach zu früh weiter. Das ist eigentlich ein bekannter Anfängerfehler... Natürlich bringt die routinierte Orchester-Begleitung es immer blitzschnell in Ordnung (aber geärgert haben die sich bestimmt, daß er immer vorzeitig schon auf der "Eins" war). In der zweiten Hälfte habe ich den Defekt nicht mehr (jedenfalls nicht mehr so auffällig) feststellen können.

    Die Beethoven-Quartette mit den Opus-Zahlen 127 und höher sind für mich der Test. Und da lande ich eben immer wieder beim - Busch-Quartett. Kratzt und rauscht, hat aber unglaublichen Tiefgang. Was müssen die alles in ihrem Kopf bewegt haben!!


    Wie sie wohl die op. 59 - Quartette gespielt haben? (Habe keine Aufnahme von ihnen dazu. Gibt's eine?) Am meisten kann ich hierbei mit dem Alban Berg - Quartett anfangen. Der langsame Satz des op. 59/2 entführt einen da schon in eine andere Welt. Der Cellist... Welch Glück.


    Übrigens liegt das Busch-Quartett bei mir auch bei Schuberts "Tod und das Mädchen" vorn.

    Höre in diesem Moment BayernIV mit einer fantastischen Sendung (Raritäten!!) über Gerhard Taschner.


    Eben eine atemberaubende Interpretation des Sibelius-Konzertes (Live-Aufnahme), jetzt Khatchaturian-Konzert.


    (Es weckt mich aus düsterer Stimmung auf. Plötzlich pocht wieder das Blut...)

    Das Violinkonzert liegt konkurrenzlos vorn.


    (Als Aufnahme unerreicht ist für mich Ginette Neveu mit dem NDR-Orchester, 1948 )


    [Jetzt kommt ein weiter Abstand.]


    Über die anderen drei läßt sich dann diskutieren - oder auch nicht: Mir persönlich liegt dann manchmal das 1. Klavierkonzert näher, manchmal aber das Doppelkonzert, seltener das 2. Klavierkonzert. Eine feste Reihenfolge könnte ich da nicht angeben (allenfalls die eben angedeutete). Alle drei gehören zum Großartigsten überhaupt.