Beiträge von Lagenwechsel

    Weil ich selbst Julia Fischer live erlebt habe, kann ich deine Worte sehr gut verstehen ;)
    - außer daß ich ihren Mozart eben auch berückend schön finde. (Allerdings war ich an dem Abend ja nicht dabei.) Wegen Julia Fischer (im Radio) habe ich schon mal eine Sitzung verbaselt :O


    [und bereue es nicht, psssssst]


    Die kann wirklich ihre


    Lagenwechsel

    In der Lokalpresse lese ich:


    "... Morgen Abend, wenn Stadtfeld das 6. Meisterkonzert der Streiber Konzertdirektion im Kieler Schloss solistisch bestreitet, kombiniert er die Partiten Nr. 5 und Nr. 6 (BWV 829 und 830) des Leipziger Thomaskantors denn auch demonstrativ mit einer anderen Welt: der berühmten letzten Klaviersonate B-Dur D 960 von Franz Schubert. Das Hineinhören in die frisch zur Tournee erschienene Schubert-CD (ebenfalls bei Sony) deutet auf ein diskussionswürdiges Recital hin, denn der Pianist, der mit neun Jahren debütierte und schon mit 14 an der Musikhochschule Frankfurt bei Lev Natochenny studierte, zeigt sich wiederum als ebenso eigenwillig wie aufgeklärt klar spielender Nachschöpfer der Partitur. Gleichzeitig aber betont er im telefonischen Vorgespräch die zutiefst mystische Dimension des Werks aus dem Todesjahr des Wiener Komponisten. Aber mehr darüber möchte er lieber in Tönen sagen. "


    :rolleyes:


    Ich habe aber schon eine Karte und werde trotzdem hingehen.

    Bitte mich nicht zu steinigen, aber das Bach-Konzert in a-moll kann ich mit Hilary Hahn kaum ertragen: Vollständig überhetzt und ohne jeden musikalischen Tiefgang, wird es ein Opfer technischer Perfektion. :untertauch:


    Da mir großartige Aufnahmen mit Hilary Hahn durchaus im Ohr sind und ihre geigerische Perfektion wirklich atemberaubend ist, würde ich diesen ketzerischen Beitrag nicht schreiben, wenn... ja wenn ich nicht heute im NDR (ohne die Ansage mitbekommen zu haben) eine Aufnahme des Mendelssohn-Konzertes gehört hätte [schön wär's, natürlich war's nur der 3. Satz - diese Unsitte scheint die wahre Bedeutung des NDR-Wahlspruchs: "Kultur im Norden" zu sein!], die mir aus zwei Gründen auffiel: Erstens wegen des höllischen Tempos, zweitens wegen andauernder Umwandlungen von Punkten (im Notentext) in Langstriche (durch Willkür des Solisten), was den Charakter des Werkes vollständig entstellte. Neugierig, wer so schnell und geschmacklos zu spielen vermag, lauschte ich der Absage: Hilary Hahn. Ach je. :untertauch::untertauch:

    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Ähnlich wie Onslow (obwohl der sich ja Beethoven zum Vorbild nahm, was man von Spohr kaum sagen kann, der Beethoven ab seiner mittleren Periode eher kritisch gegenüberstand) sehe ich ihn aber eher als "vor" Beethoven, auch wenn sie jünger waren und etliche Werke nach Beethovens Tod komponiert haben, so sind sie doch viel stärker dem Klassizismus verpflichtet. Von Onslow habe ich zwei Sinfonien auf CD, vielleicht die beiden schwächeren, sie können m.E. nicht mit seiner Kammermusik mithalten.


    Mich würde interessieren, welche beiden Sinfonien von Onslow du auf CD hast und warum du sie für die beiden schwächeren hältst. Welche sind für dich die stärkeren?


    Ich beschäftige mich gerade mit der 1. Sinfonie von Onslow - und weiß noch nicht recht (tatsächlich völlig neutral gemeint!), was ich davon halten soll.


    Die zweite Sinfonie ist meiner Kenntnis nach als Notenmaterial nirgendwo zu besorgen. (!)


    Was ist die Schwäche der Onslow-Sinfonien? (Ich habe das Gefühl, daß daran irgendetwas "schwach" ist, kann es aber nicht orten.)


    Wer kann mir dazu etwas sagen? Ich würde gern die Sichtweise anderer von hier dazu kennenlernen!

    Zitat


    Severina sagt es oben. Wenn es dir die Stimme verschlägt nach einer seelischen Aufregung, nach einer durchfeierten Nacht,bei einer Erkältung kannst du weiter Geige spielen,singen kannst du nicht.


    Liebe Fairy Queen,


    meine Erfahrungen sowohl mit der Violine als auch mit dem Klavier als auch mit dem Gesang erlauben mir, dir zu versichern, daß du mit dem zitierten Satz einer verbreiteten Fehlvorstellung unterliegst - wobei natürlich im Falle einer (leichteren) Erkältung ein Geiger oder Pianist nicht so unmittelbar außer Gefecht gesetzt ist wie ein Sänger; seine beste Leistung wird er jedoch damit ebenfalls schwerlich bringen.


    severina spricht von einem "entscheidenden Unterschied zwischen einem lebendigen Organismus (Stimmbänder, Resonanzräume etc.) und einem "toten" Instrument, das man sicher leichter beherrschen kann als ersteren" und meint, du habest dies gemeint. Ich hoffe, daß letzteres nicht der Fall ist. Wer wirkliche Erfahrung damit hat, kann eine Geige oder ein Klavier niemals als "totes Instrument" bezeichnen. Es ist beim Instrumentalisten ganz genau wie beim Sänger: Es gibt einfach Tage, an denen man seine Lagenwechsel bzw. seine Terzgänge o.ä. aus unerklärlichen Gründen einfach weniger überzeugend hinlegt als sonst, Tage, an denen man seinem Publikum weniger nahekommt als sonst, zum einen, weil die Hand nicht die gemeinte Sensibilität an die Taste bzw. der vibrierende Finger an die Saite weitergibt. Das muß sich nicht etwa mit Erkältung oder nächtlicher Aktivität erklären lassen. Es mag zum anderen für weniger mit Instrumenten vertraute Musikfreunde absurd klingen: Doch scheint ein Instrument Stimmungen unterworfen zu sein wie ein Mensch, manchmal leicht zu entfachen, machmal störrisch. Das merkt zunächst der Instrumentalist selbst. Und nach einer seelischen Aufregung soll ich ungerührt so spielen wie sonst, im Gegensatz zum Sänger, dem es die Stimme verschlägt? Entschuldigung... das ist nicht so.


    Aber um diese Frage ging es hier eigentlich gar nicht, sondern um die Insuffizienz der Sängerin Anna Netrebko hinsichtlich der Intonation. Sollen wir wirklich annehmen, daß ihre zahllosen Unsauberkeiten stets Erkältungen und durchzechten Nächten zuzuschreiben sind?! Ganz schlicht gesagt: Man möge mir nicht erzählen, daß diese Sängerin Intervalle sauber höre (nur leider andauernd indisponiert sei...). Das ist aber eine elementare conditio sine qua non.


    Gruß, Lagenwechsel

    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Das ist sowieso keine Reinwaschung ,sondern nur ein Erklärungsversuch, warum solche Schwächen eher toleriert werden als bei Instrumentalisten.
    Sänger haben nun mal keine Taste, Klappe oder Saite sondern nur den eigenen Körper mit allen Unwägbarkeiten der jeweiligen Verfassung.


    "Taste, Klappe oder Saite" entspricht beim Sänger nun einmal der Stimme, nicht aber dem "eigenen Körper" - den hat ein Instrumentalist auch, und die Körpersprache ist, zumindest beim Solisten, kein unerheblicher Punkt.


    Wir unterscheiden uns mit Sicherheit darin: Für mich hat, so lange wir Musik meinen, das akustisch Hörbare Priorität vor allem anderen; es kann für mich - auch im Fall der Oper - nicht als nur ein Aspekt neben in gleicher Weise wichtigen anderen gelten. Wer hierin eine andere Position einnimmt, mag in der Tat auch an einer Anna Netrebko Besonderes finden. Daher danke ich für den Erklärungsversuch, der keine Reinwaschung ist.


    Übrigens: Fritz Kreisler spielte herzzerreißend unsauber, hatte aber als Solist im Saal eine solche Ausstrahlung, daß das Publikum begeistert war. Die süße Wärme seines Tons ist unsterblich, noch heute in seinen Aufnahmen unverkennbar. Jeder muß für sich selbst entscheiden, ob die Unsauberkeiten seines Spiels für ihn dann zweitrangig sind.

    Ich habe es heute noch einmal im Guten versucht. Aber Anna Netrebko singt tatsächlich derart unsauber, daß sich mir die Schuhe ausziehen. Wie um alles in der Welt kann eine dermaßen falsch hörende Sängerin dermaßen hoch gehandelt werden? Man muß doch nicht Streicher sein, damit einem das auffällt!


    Ein dermaßen falsch spielender Geiger hätte bei keinem Orchester-Vorspiel eine Chance, möchte ich behaupten.

    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Generell habe ich den Eindruck, daß Violinkonzerte nicht zur Lieblingskost unserer Mitglieder zählen,


    Das kann ich gar nicht fassen :rolleyes: - bei mir hängt da schon sehr viel Herzblut dran:


    Brahms - Beethoven - Tschaikowsky - Mendelssohn (e-moll) - Sibelius - Mozart K.218, K.219, K.216 (und nicht nur, weil heute der 5. Dezember ist) - Prokofieff (Nr. 1) - Berg - Bach (E-dur, Doppelkonzert d-moll)


    stehen bei mir in der allerersten Reihe; mir scheint: Gott der Herr hat sie gezählet, daß ihm auch nicht eines fehlet...


    Bitte, nicht eines von denen da eben möchte ich missen. Ich wäre untröstlich!


    Lagenwechsel

    Ich höre gerade (im Radio, WDR3) Mozarts Violinkonzert A-dur KV 219 mit Hilary Hahn und dem NDR-Orchester. Aber es gefällt mir überhaupt nicht. Im ersten Satz wird zugepackt, als ob es darum ginge, das Konzert einzubetonieren. Dafür sucht die gute Hilary im 2. Satz verzweifelt nach "Bedeutung" und hält in billiger Wichtigtuerei einfach ein paar Töne immer zu lang. Dahinter steckt natürlich gar nichts, aber es klingt so tiefsinnig... Und alles ist selbstverständlich perfekt, geradezu hirnlos perfekt bis zur Unerträglichkeit! Es muß schon ein übler Zustand sein, wenn man alles zu sagen in der Lage ist, aber eben leider kaum etwas mitzuteilen hat! - So, nun hat's ein Ende, man klatscht artig begeistert, denn es war eine öffentliche Aufführung. Als Geiger freue ich mich, daß jetzt im Programm was ganz anderes kommt: Wilhelm Kempff...


    Also Schwamm drüber: Es kann nur besser werden bei diesem


    Lagenwechsel

    Die genannte Aufnahme mit Heifetz muß man als Heifetz-Jünger natürlich haben, auch wenn sie ein wenig nach 1+7 klingt. Aber mich wundert, daß die wunderschöne Aufnahme der Academy of St. Martin-in-the-Fields (ich habe allerdings "nur" eine Schallplatte davon: ZRG 569, Decca-argo) hier noch nicht erwähnt wurde!


    Gruß,


    Lagenwechsel

    Schumanns Streichquartette - Herausforderung pur... Ich spreche da auch aus praktischer Erfahrung, also nicht nur vom Hören her. Das für Schumann so typische Rhythmisch-wider-den-Stachel-Löcken wird hier geradezu auf die Spitze getrieben, noch mehr als bei allen anderen Werken Schumanns, die ich je unter den Fingern haben durfte. Den romantischen Odem aus diesem Gespinst feinster Ösen und Widerhaken heraus zum Klingen, ins Ohr und Herz des sehnsüchtigen Hörers zu bringen, das ist wahrlich keine kleine Aufgabe. Diese Quartette spielen und entfalten sich ganz und gar nicht von selbst.


    Die größte Faszination übt auf mich das 3. Quartett in A-dur aus, vielleicht weil es beim ersten Zugang das widerspenstigste ist. Voller Ideen, voller Überraschungen, voller plötzlicher Stimmungswechsel und kleinster Nuancen, von denen jede wichtig ist. Gemeinplätze, die zu vielen Werken passen? Man höre, lese die Partitur, spiele (sofern Streicher) - und staune. Am konventionellsten wirkt der dritte Satz, ein herrliches Adagio molto. In den Ecksätzen ist man da wohl weniger schnell zu Hause. Im ersten Satz gibt es eine Passage, die m.E. einmalig in der gesamten Literatur der Zeit ist: Ich meine die T. 46 - 75 sowie die ähnliche Stelle T. 154 - 169. Das kantable Thema beginnt sozusagen auf dem linken Fuß (nämlich auf dem "falschen" Taktteil) und wird ellenlang von stecknadelartigen Piano-Achteln im Gegentakt von den drei anderen beunruhigend störend untermalt. Bei mehreren Aufnahmen stimmt es schon rein buchhalterisch an dieser Stelle nicht - scheint mir, sollte ich sagen, denn an so einer Stelle kann selbst der unbestechlichste Beckmesser an sich irre werden; erst recht also jemand, der wie ich doch gar nicht beckmessern möchte! Die Frage, ob die Stelle "wirklich stimmt", ist denn auch weniger wichtig als die Frage, ob sie - stimmt. Was hat sich Schumann nur dabei gedacht?


    Eben habe ich zwei Aufnahmen, die ich davon besitze, verglichen. Beim Auryn-Quartett (Tacet 102, aus dem Jahr 2001) klingen die besagten Stellen ähnlich einem rückwärts laufenden Tonband. Ich habe beim Hören immer wieder das Gefühl, daß dieses Ensemble am ehrlichsten den völlig aus dem Rahmen fallenden Notentext widergibt. Das Ergebnis ist ein Klangeffekt, den ich erst in der Musik ca. 120 Jahre nach Schumann wiedergefunden habe. Wenn es wahr ist, daß Schumann das so wollte - und geschrieben hat er es so! -, dann handelt es sich um einen revolutionären Vorgriff, wie man ihn in anderer Weise bekanntlich den letzten Beethoven-Quartetten zuerkennt. Ich bin daher froh, die Aufnahme des Auryn-Quartetts zu haben, obwohl ich die Gesamt-Interpretation weniger gelungen (und die CD-Qualität weniger gut) finde als die des Hagen-Quartetts (DG 449214, aus dem Jahr 1996). Die besagten Stellen im ersten Satz werden vom Hagen-Quartett in gekonnter Eleganz "entschärft", für mich so, als habe man eine Peinlichkeit zugedeckt; ja, es klingt schon schön - aber wollte Schumann das so? Bei den Auryns höre ich alles, was die Partitur sagt, während ich bei den Hagens das Gefühl nicht los werde, daß geschummelt wurde. Aber ansonsten... Das "Assai agitato" ist so überzeugend assai agitato, daß sich beim Hören rastlose Unruhe einstellt, das "Tempo risoluto" ist wirklich resolut, das "Finale molto vivace" so lebhaft, wie es nur sein kann. Und alles, alles von erlesener Eleganz. Das ist eine bestens zu empfehlende Aufnahme, finde ich.


    Aber es ist schwerer zu sagen, ob eine Interpretation stimmt als ein


    Lagenwechsel

    Sicherlich mangelt es bei mir an pianistischem Einblick. Die Goldberg-Variationen haben sich mir jedenfalls erst durch die großartige CD mit Sitkovetsky-Causse'-Maisky erschlossen (Orfeo C138851A). In der Version kann ich allerdings gar nicht genug davon bekommen. Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung verfertiget!

    Vieles wundert mich am Verlauf dieses Threads. Ich verspüre angesichts der großartigen letzten Symphonien von Haydn und Mozart, auch aus persönlichen Gründen, nicht die Kraft, mich zu gedankenblassem musikwissenschaftlich verbildetem Feinsinn durchzuringen. Ja, solches habe ich an anderer Stelle auch geübt, ich gebe es zu. Ich erlaube es mir, angesichts solchen hinterspitzten Getiftels die Augen zu schließen und höre dann auf der einen Seite geniale Diesseitigkeit, auf der anderen geniale Jenseitigkeit heraus. Besser? Schlechter? Wie käme ich dazu, hier Komparative dieser Art anzubringen?


    Persönlich zieht mich die Jenseitigkeit tiefer an als die Diesseitigkeit. Und auch die Verzweiflung, dass dies nicht verstanden wird, höre ich am eindringlichsten aus KV 550 heraus. Ach, schon lange ist sie für mich die Höchste... Aber ob sie nun die "Beste" ist, die Frage mag ich mir überhaupt nicht stellen.


    Im übrigen bin ich jemand, bei dem Haydn viel häufiger im Regal stehenbleibt als Mozart. Das beobachte ich an mir, ohne daß eine bewußter Entschluß vorläge, den einen besser zu finden als den anderen. Das gilt auch für die späten Symphonien.


    Lagenwechsel

    Mischprogramme halte ich nicht nur für tolerabel, sondern für absolut notwendig. Allerdings darf man nicht mischen wie beim Kartenspielen! Ein Programm muß ein Wurf sein. Persönlich kann ich mir Mozart sehr gut z.B. mit Mahler kombiniert vorstellen. Aber geistige Bänder zwischen Programmteilen können viel Phantasie verraten. Mit Sicherheit habe ich auch schon Konzerte genossen, bei denen mir die Leitidee der Programmation nicht einmal klargeworden ist.

    Lacrimosa aus Mozarts Requiem - allein mal die ersten 8 Takte.


    Arie Nr. 47 aus Bachs Matthäus-Passion (2. Chor): Erbarme dich, mein Gott.


    Die Takte 233-242 (und Parallelstelle Takt 476ff - noch schauerlicher, da eine Quinte tiefer auf der d- und g-Saite liegend...) des 1.Satzes des Violinkonzerts von Brahms, mit der gespenstischen Dezime in der Solo-Violine.


    Contessa perdono...


    2. Satz des Klavierkonzerts A-dur KV 488


    Die "Verschlungenheit" von Violin- und Violoncellostimme im langsamen Satz der 4. Symphonie von Brahms, dann natürlich der langsame Satz seiner 3. Symphonie, das Violin-Solo in seiner 1. Symphonie.


    Wenn ich nachdenke, fällt mir immer mehr ein, wo sich mir eine wahre Gänsehaut einstellt, jedenfalls schon eingestellt hat. Streichquartette (z.B. Quartettsatz c-moll von Schubert, langsamer Satz des 2. Rasumofsky-Quartetts von Beethoven).


    Eine Gänsehaut, vielleicht die erste ganz bewußte, werde ich wohl nie vergessen: Ich muß 15 Jahre alt gewesen sein, als mich mein Geigenlehrer, der sich gerade auf eine Aufführung des D-dur-Violinkonzerts KV 218 vorbereitete, fragte, was ich wohl meine, wie er eine gewisse Stelle spielen solle: Es handelte sich um den allerletzten Einsatz der Solo-Violine (nach der Kadenz) im 2. Satz. "Etwa so?" - Er spielte es mir vor, bis zum letzten Ton. Wunderschön, klar, sauber, sensibel, nach der Fermate herrlich vom mp zum pp abstufend, einfach gut. Das war's aber noch nicht. Er blickte mich noch einmal prüfend an und fragte erneut: "Oder so?" - und spielte es noch einmal, blieb diesmal aber im Gegensatz zum ersten Mal bei der A-dur-Tonleiter nach der Fermate ganz auf der d-Saite, mit einer intimen Intensität im Ton, daß mir der Atem stockte. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Als er hinterher wieder zu mir blickte, merkte er, was er angerichtet hatte. Bis heute habe ich die Gänsehaut aus der damaligen Geigenstunde nicht vergessen. Dieses ganz leicht überdehnte decrescendierende Achtel a, nach oben oktaviert aus der Fermate heraus, als zögernder Eingang zu der ganz und gar unter die Haut gehenden pianissimo-Repetition des A-dur-Auf-und- Abganges, der so klingt, als würde einem jemand sein tiefstes Geheimnis zuflüstern... Beschreiben kann man es nicht. Und mein Geigenlehrer hatte auf einmal so etwas Diabolisch-Komplizenhaftes im Blick. Es muß ihn unglaublich befriedigt haben zu spüren, in welchem Maße ihm diese Initiation in geigerische Dünnhäutigkeit gelungen war. Natürlich wollte er dann auch gar nicht mehr wissen, was ich denn meinte.


    Was wären wir alle ohne


    Lagenwechsel

    Das war bei uns einmal eine der ganz wenigen wirklichen jährlichen "Traditionen": Mozarts Geburtstag feiern! Mit Freunden, die alle aktiv Musik machten, und natürlich mit viel Musikhören. Zugegeben, es wurde auch gegessen und getrunken. Die nächste Nacht war dann kurz, falls vorhanden. Mit Traditionen (z.B. die eigenen sog. "runden Geburtstage" besonders zu begehen) kann man mich sonst jagen, aber mit der nicht... Leider brachten ganz unmozartische Umstände jene Tradition zum Stillstand. Aber klar, ich feiere Mozarts Geburtstag, eigentlich jedenTag (!), und heute erst recht; wahrscheinlich diesmal mit Festredner Wolfgang Schneiderhan. Die CDs dazu liegen schon bereit.


    Und ich bekenne eines ganz ehrlich : Daß ich mich auf diesem Board sehr wohl fühle - auch wenn ich nicht gerade einer der am meisten Beitragenden hier bin - , hat nicht unwesentlich damit zu tun, daß hier so viele Mozartianer sind. Ullis Beitrag oben spricht warmherzige Bände!


    Ohne weiteres Portato entbiete ich, so unhörbar wie möglich, meine


    Lagenwechsel

    Der "recht beliebig spielende Brendel" (der Ausdruck gefällt mir ausgezeichnet, sagitt) hat - wenn ich mich recht erinnere - leider seinerzeit die bei Decca zuvor vorhanden gewesenen Aufnahmen mit der sensiblen Imogen Cooper kurzerhand verdrängt, was natürlich eher an Decca als an Brendel liegt. In einem anderen Thread erwähnte ich bereits den Soundtrack des Amadeus-Films, der mit dem 2. Satz des d-moll-Konzerts zu Ende geht, mit Imogen Cooper. Seit ich sie damit gehört habe, suche ich eine Komplettaufnahme des Konzerts mit ihr. Hat die jemand hier? Man konnte sie ja einst kaufen, nur kam ich zu spät.


    Lagenwechsel

    @ Siegfried


    Nur um Dich neidisch zu machen... Im Oktober saß ich im Teatro della Pergola in Florenz in der Mitte der dritten Reihe, Julia Fischer stand "fast zum Greifen nah" auf der Bühne und spielte das Brahms-Konzert.


    (Zwischen dem ersten und dem zweiten Satz habe ich tatsächlich geatmet.)


    8o


    Lagenwechsel

    Die Beethoven-Streichquartette - je später, desto besser, kann ich cum grano salis sagen - stehen für mich auf einsamer Höhe.


    Ein Lieblings-Streichquartett anzugeben ist mir nicht möglich. Die drei Brahms-Quartette, die drei Schumann-Quartette, Schuberts großes op. post., natürlich sein "Tod und das Mädchen"- und das Rosamunde-Quartett, Mendelssohns A-dur-Quartett - gehören die nicht alle mit auf den Olymp?? Vielleicht ertönt da aber bereits Mozarts Dissonanzen-Quartett...


    Seit fast 40 Jahren spiele und höre ich Streichquartett. Trotz aller Bartok/Debussy/Ravel/Ligeti/Webern/Janacek/Milhaud/Borodin-und weißderHenkerwasnochfür-Versuche und -Erfahrungen: Die vorgenannten "sind's" für mich. Tolle Musik sind auch die anderen.


    Und alle, einfach alle sind voller


    Lagenwechsel


    P.S. Den Streicher möchte ich sehen, dem beim Streichquartett nicht das Herz aufgeht - und wohl auch blutet.

    Brahms 1.KK d-moll
    Mozart KV 488 A-dur
    Beethoven 4.KK G-dur


    Brahms 2.KK B-dur
    Mozart KV 466 d-moll
    Beethoven 5.KK Es-dur


    Mozart KV 491 c-moll
    Mozart KV 595 B-dur
    Mozart KV 467 C-dur


    und nun käme bei mir Beethovens 1. Klavierkonzert. Ich hätte auch eine aufsehenerregendere Liste aufstellen können, wollte aber doch lieber bei der Wahrheit bleiben! (Was hätte ich bloß vor 1756 gemacht? Das habe ich mich schon oft gefragt.)


    Lagenwechsel

    Es ist gar nicht so einfach, mich in ein Kino hineinzubekommen. Aber ich bekenne, daß ich den Film "Amadeus" sechsmal im Kino gesehen habe, so oft wie keinen anderen der wenigen Filme, die ich mir überhaupt jemals angetan habe! Auf den Gedanken, hier werde historisch getreu dargestellt, bin ich dabei allerdings nicht gekommen. Für mich war einfach dauernd der Geist spürbar, daß man dem Genie Mozart nähergebracht werde - und das habe ich jedesmal als ein herrliches Erlebnis empfunden. Die musikalische Auswahl ist exquisit, auch interpretatorisch (nach meinem Geschmack jedenfalls). Alle Schattierungen des Lebens kommen zur Sprache, auch eben die, die mancher für unvereinbar mit der Größe Mozarts hält - und ihm gerade dadurch, ohne es zu wollen, Größe benimmt; so sehe ich es zumindest.


    Der Film endet mit dem 2. Satz des Klavierkonzerts d-moll KV466, gespielt von Imogen Cooper. Diese sensible Aufnahme habe ich in kompletter Form seither vergebens zu kaufen gesucht. Kurz nachdem ich den Film wiederholt besucht hatte und ich diese Interpretation nicht mehr aus dem Sinn bekam, gab es nur noch Alfred Brendels Aufnahme aus demselben Hause zu kaufen. Bei aller Wertschätzung (und aufrichtiger Bewunderung, wenn es um Schubert geht) - seine Mozart-Interpretationen haben nur meine Ratio, nicht aber meine Seele erreicht. Das war bei Imogen Cooper anders... Und deswegen bedaure ich noch heute, die Aufnahme mit ihr nur als Bruchstück zu haben.


    Als ich einmal in London war, sah ich ein Bild von ihr im Eingangs-Korridor der Wigmore Hall hängen. Es paßte zu dem Klang, den ich noch immer in den Ohren hatte... Auch war zu der Zeit ein Konzert mit ihr angekündigt. Doch dieses wurde wegen Erkrankung abgesagt. Schade, manche Dinge scheinen einfach nicht sein zu sollen.


    Nein, auf den Mozart-Film lasse ich nichts kommen.


    Und nun übe ich wieder meine


    Lagenwechsel

    Drei Aufnahmen habe ich, alle nicht neu - und die älteste befällt mir am besten: Sie stammt vom Busch-Quartett und datiert vom 16. 10. 1936! Den Variationssatz habe ich nie so intensiv erlebt wie bei denen.


    Die beiden anderen: Quartetto Italiano (klingt wie "mit vorzüglicher Hochachtung" gespielt!) und Amadeus-Quartett; da bin ich nun vorbelastet, weil ich zu denen gehöre, die mit Herrn Brainin ihre Schwierigkeiten haben.


    Da bin ich lieber ein Buschmann (aber bitte mit c geschrieben).


    Gruß,


    Lagenwechsel