Beiträge von Peter Schünemann

    Zu Dmytro Popov #2053, 2.055


    Ich erinnere mich, Dmytro Popov ebenfalls als Traviata-Alfredo gehört zu haben. Das war im Februar 2013 am Mariinsky-Theater. In meiner Rezension schrieb ich damals :


    "Ihr (d, h . Maria Bayankina als Violetta) Partner an diesem Abend, der Ukrainer DMYTRO POPOV, ist schon renommierter, ein auch in Deutschland (Berlin, Stuttgart) bekannter Name. Seine Tonproduktion war mir gelegentlich zu gaumig, doch ansonsten konnte man sich an einer stil- und höhensicheren Stimme erfreuen, die eigentlich schon über das lyrische Fach eines Alfredo hinausweist."


    Dies scheint sein einziges Gastspiel am Mariinsky gewesen zu.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Leider ist das Archiv der Bayreuther Festspiele nicht ganz zuverlässig. Meine vor wenigen Jahren verstorbene Mutter wird dort richtig als 2. Parsifal- Bkumenmädchen, 1. Gruppe des Jahres 1958 aufgeführt, nicht jedoch für ihr zweimaliges Einspringen 1951 für Lore Wissmann als 1. Blume, 1. Gruppe. Weil man nicht wusste, welche der Vorstellungen 1951 für Decca mitgeschnitten worden waren, ist auf der LP Lore Wissmann genannt, auf der späteren CD-Pressung jedoch Hildegard Schünemann. Ein korrekterer Umfang mit dem Archiv der Festspiele (ich habe dies in mehreren Schreiben angeregt) hätte also beide Namen aufgeführt. Sicherlich ein nicht so gewichtiger Fehler, der mich jedoch an der Zuverlässigkeit des Archivs zweifeln lässt.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Eine 'Chastushka' ist auch das Lied des Fedot Petrovich, der vergebens um die Hand der schon älteren Kolchosvorsitzenden Varvara wirbt (die sich in den jungen Volodia verliebt, der aber nur Augen für seine Verlobte Natasha hat) und seinen Ärger in Wodka ertränkt. Nicolai Ghiaurov hat diesen 'Ohrurm' als Zugabe in seinem Münchner Galakonzert am 3. 6. 1966 als Zugabe gesungen und seinen Vortrag wirkungsvoll mit Augenrollen und leichtem Schwanken untermauert. Weil dieses Lied (von dem es auch eine deutsche Version mit Peter Lagger beim Südwestfunk Kaiserslautern unter Emmerich Smola gibt) bei der Fernsehübertragung aber nur mit dem Titel 'Canzone del ubriaco' angekündigt wurde, beschwerte sich eine – des Italienischen offensichtlich nicht mächtige – Zuschauerin in einem Leserbrief an die „Hör Zu“, dass es wohl eine Unverschämtheit von Nicolai Ghiaurov gewesen sei, vor dem Publikum betrunken aufzutreten!

    Lieber Carlo!


    Wie immer sind Deine diskographischen Hinweise dankens- und bewundernswert. Vielen Dank!

    Bitte, erlaube mir eine Anfrage. Das "Lied des Betrunkenen" habe ich oft von Nicolai Ghiaurov "dargestellt" gehört, erstmals im von Dir genannten Münchner Konzert aus dem Jahre 1966. Wenn ich mich nicht irre, war jedoch nicht Rodion Shchedrin, sondern Tikhon Khrennikov als Komponist angegeben, und zwar aus seiner Oper "Much Ado about Nothing" = Viel Lärm um Nichts. Was ist richtig?


    Shchedrins Oper "Nicht nur Liebe" kenne ich nicht nur aus der von Dir genannten Litauer Aufnahme, sondern auch aus zwei Live-Mitschnitten des Mariinsky-Teaters, zunächst konzertant aus der Mariinsky-Konzerthalle, dann "semi-staged" aus Moskau. Mir ist DIESES "Lied des Betrunkenen" nicht dabei aufgefallen, doch werde ich dies noch einmal überprüfen.


    Neu und völlig überraschend war für mich auch, dass Shchedrin ein Verhältnis mit Maria Schell hatte, doch ein schnelles Googeln erbrachte 3 Bestätigungen dieser Information.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Danke, lieber Caruso41, Mati Palm meinte Tiit Kuusik.


    Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, 3x als Jurymitglied zu einem Gesangswettbewerb im estnischen Pärnu eingeladen worden zu sein. Der war nach Klaudia Taev benannt, bei der auch Georg Ots studiert hat (wo?).


    Im finnischen Fernsehen sah ich vor Jahren einen estnischen Film, der das Leben von Georg Ots nicht unkritisch beleuchtet hat. Nicht unkritisch deswegen, weil seine Frauengeschichten und sein Alkoholismus nicht unerwähnt geblieben sind.


    In einem Punkt stimme ich meinen Vorrednern zu : Ots besaß eine außergewöhnliche Stimme, der nur wegen des Eisernen Vorhangs eine bedeutende internationale Karriere versagt blieb.


    Übrigens soll in wenigen Wochen ein Georg Ots gewidmeter Gesangswettbewerb in St. Petersburg stattfinden (Otsfest). Mal sehen, was Corona dazu meint.


    Beste Grüße


    Peter

    Vielen Dank für die Erinnerung an den auch in Finnland sehr beliebten Georg Ots, hier einem breiten Publikum vor allem bekannt als Sänger populärer Melodien. Zwei CDs des Fazer-Labels mögen für dieses Genre stellvertretend genannt sein : jeweils 20 Songs unter dem Titel "Saaremaan Valssi" = Saaremaa Walzer bzw. "Ilta Volgalla" = Ein Abend auf der Woilga. In meinem Besitz befinden sich auch Kopien einer 6 CD-Anthologie eines estnischen Labels : Opernarien und -duette (CDs 1 - 3), Operette & Musical (CD 4), Sololieder (CD 5) sowie Popular Songs (CD 6). Mariinsky.FM, also der "Hauskanal" des St. Petersburger Mariinsky-Theaters, sendete vor einiger Zeit einen kompletten "Dämon" mit Ots aus dem Jahre 1957 (Dirigent : Valentin Kalentiev).


    Ich war mit dem estnischen Bass Mati Palm gut bekannt, der hier in Mikkeli im Rahmen der Mariinsky Young Singers Summer Academy einige Jahre Meisterklassen gegeben hatte und den ich beim Rimsky-Korsakov-Gesangswettbewerb in St. Peterburg wiedertraf. Wann immer ich ihn auf Georg Ots ansprach, antwortete er, aber X sei noch besser gewesen. Hier lässt mich meine Erinnerung im Stich, und ich vergaß, welchen estnischen Bariton Palm gemeint haben könnte. Könnte jemand von den Taminos weiterhelfen?


    Beste Grüße aus Finnland

    Peter

    Lieber Caruso41!

    Ich kann Deinen Frust sehr gut nachvollziehen. Als ich nach vielen Jahren der Abstinenz wieder zu Tamino zurück kam, glaubte ich, in Deinem Thread ein sehr interessantes Diskussionsforum gefunden zu haben. Anfangs beteiligte ich mich zu Sängern, zu denen ich aus eigenem Erleben etwas beitragen konnte, stellte auch "eigene" Künstler vor, hatte jedoch bald den Eindruck, dass dies eine Einbahnstraße war, denn (außer von Dir) gab es so gut wie keine Rückmeldungen. So bin auch ich etwas desillusioniert und habe deshalb meine Absicht, auch etwas zu Sängern beizutragen, die von anderen Melomanen vorgestellt wurden, noch nicht umgesetzt. Ich bitte um Verständnis.

    Wie ich schon einmal beklagt habe, gibt es diese Lethargie nicht nur in Deinem Thread. So kommt mir dieses Forum häufig wie eine Ansammlung von Monologen vor anstatt eines fruchtvollen Dialogs.

    Mit besten Grüßen aus Finnland

    Peter

    Lieber Caruso41!


    Trotzdem besten Dank für Deine Antwort. An Hauptpartien hat Tom Krause, soviel ich weiß, an der Städtischen Oper Berlin u. a. Escamillo, Orest und Guglielmo gesungen, und ich erinnere mich, dass er mir einmal ein Foto als Tosca-Schließer gezeigt hat. Da Berlin sein erstes Engagement war (als 25Jähriger!) und er diese Partie später in Hamburg nicht sang, vermutete ich, er könnte in Berlin mit diesen Wurzen betraut gewesen sein. Mal sehen, ob seine Tochter mehr weiß. Wie ich hörte, soll sie sich für dieses Forum registriert haben. Da sie 1961 geboren wurde, wird sie sich nicht selber aktiv an die Berliner Zeit ihres Vaters erinnert haben.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    zu Laurence Kalaidjian (Beitrag #1943f.)


    Mein erster Eindruck nach dem Hören dieser beiden Aufnahmen : Eine junge, lyrische, angenehm timbrierte Stimme, der ich gerne zugehört habe. Sehr schön, wie er zum Tosti seinen eigenen liedhaften Zugang gefunden hat, ohne dass ich Tenöre wie Björling damit missen möchte. Auf jeden Fall eine Stimme, die es lohnt, behutsam innerhalb eines funktionierenden Ensembles aufzubauen. Lieber ein kleineres Haus mit Fachpartien als ein größes Haus mit Rollen vom Typ "Herr Graf, die Pferde sind gesattelt". Vielen Dank für das Vorstellen, Rheingold 1876.

    Lieber Peter Schünemann,


    ist Alexei Markov identisch mit Alexey Markov? Dann wäre er sicher keine Neue Stimme, denn er wird ab und zu hier im Forum erwähnt und sogar ich habe ihn erstmals schon 2009 in Deutschland auf der Bühne gehört/gesehen.


    Orfeo

    Lieber Orfeo!


    Richtig, Alexei Markov ist identisch mit Alexey Markov. Wenn Du ihn bereits 2009 in Deutschland gehört hast - war das in Frankfurt (Tomsky), Dresden (Jago) oder München (Luna)? Verstehe ich richtig, dass als eine "Neue Stimme" nur jemand vorgestellt werden sollte, der nicht vor 11 Jahren in Deutschland auf der Bühne zu hören war bzw. hier im Forum erwähnt wurde ?


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Lieber Caruso41!


    Nach langer Abstinenz vom TAMINO-fORUM hat auch mich die fehlende Resonanz zu dem Beitrag über Mika Kares als auch zu dem über Pelageya Kurennaya gewundert. Umso dankbarer bin ich über Deine Rückmeldungen in beiden Fällen. Viele der jungen Sänger, die hier vorgestellt werden, freuen sich über Beachtung, über Publicity, und nicht immer sorgt eine Agentur dafür. Von den Sängern, über die ich hier geschrieben habe, sind Stikhina, Sivko und Kares mit guten Agenturen "versorgt", die ihnen gute Engagements vermitteln.


    Unabhängig von der Beurteilung der sängerischen Leistung im Falle Pelageya Kurennayas gibt es in meinen Beiträgen zu ihr meines Erachtens so viele Denkanstöße über Gepflogenheiten von Agenturen oder Opernhäusern, dass es eigentlich genügend Stoff für Diskussionen geben könnte. Warum hat es eine junge Sängerin, die von Dir so überaus wohlwollend beurteilt wurde (ich bin ganz Deiner Meinung!), nicht geschafft, von einer (guten) Agentur vertreten zu werden bzw. an ihrem Heimathaus, dem Mariinsky-Theater, außer Hauptrollen in Opern Rodion Shchedrins nur Partien vom Typ "Herr Graf, die Pferde sind gesattelt" zu bekommen?


    In dem Thread über "Neuanfang nach Corona" hatte ich in einem langen Beitrag darüber berichtet, wie das Mariinsky-Theater mit seinem Chef Valery Gergiev offenbar Corona negiert. Meine Hoffnung auf eine lebhafte Diskussion erfüllte sich nicht - keine Resonanz!


    Darf ich Dich, lieber Caruso41, auf den "Tom Krause"-Thread hinweisen? Als Kenner der Berliner Opernszene (Städtische Oper) hoffte ich, von Dir eine Antwort auf meine Frage zu bekommen, welche der von mir aufgeführten Wurzen Krause in seiner Zeit an der Städtischen gesungen hat.


    In diesem, von Dir begonnenen Thread würde ich gerne zwei oder drei Baritone des Mariinsky-Theaters vorstellen, auf die meiner Meinung nach der Titel "Entdeckungen : Neue Stimmen" zutrifft : Vladislav Sulimsky, Alexei Markov & Andrei Bondarenko. Auch bei ihnen gäbe es viel über Selbst- und Fremdeinschätzung, Agenturen, Opernhäuser zu diskutieren - Interesse vorausgesetzt.


    Besten Dank für die Aufmerksamkeit


    Peter

    Auf Tom Krauses Webseite finde ich eine Reihe von kleineren Partien, ja von Wurzen, von denen ich gerne wüsste, wo und wann er sie gesungen hat. Ich denke da an Official Registrar (Butterfly), Angelotti & Schließer (Tosca), Richter (Ballo in maschera, eigentlich eine Tenorpartie), Morales (Carmen), Nikitich (Boris).

    Vielleicht kann Caruso41 helfen, der Krause evtl. in dessen Berliner Zeit gehört hat? In Hamburg hat er diese Partien mit Sicherheit nicht gesungen.

    Außerdem : Hat er den Rodolfo in Leoncavallos La Boheme wirklich komplett gesungen oder nur die Arie?

    Ich las, dass Tom Krauses Tochter Danielle, die in den USA Opernsängerin ist, sich bei diesem Forum registriert hat. Vielleicht kann sie bei der Beantwortung meiner Fragen helfen?

    Beste Grüße aus Finnland

    Peter

    Dazu aus der New York Times (July 29, 1978, Page 14) folgende Passage:


    "The Opera Company of Boston has scheduled the American premiere of Michael Tippet's “The Ice Break” as well as the Boston premieres of Tchaikovsky's “Mazeppa” and de Falla's “La Vida Breve.”

    The company, under the direction of Sarah Caldwell, will also present the company debut of Tom Krause, a baritone who will perform the title role in “Mazeppa.”

    Beverly Sills will appear as Marie and Donald Gramm as Sulpice in the Frenchlanguage version of Donizetti's “The Daughter of the Regiment.” The season will open next February." (Fettdruck von mir.)

    Lieber Orfeo!

    Besten Dank für diese Aufklärung.

    Beste Grüße

    Peter

    Auf der Homepage steht links eine Spalte, ua. sind aufgeführt

    Repertoire - unterteilt in Oper, Oratorium, Lied -

    und Discography, dort gibt es die Verlinkung zu einer 7-seitigen ausführlichen pdf-Datei (List of Recordings)


    Da wird deine obige Frage beantwortet. Ich habe in meiner Repertoire-Aufstellung nur die Opern aufgeführt; wer mehr wissen möchte, kann dort nachschauen.

    Lieber Orfeo,


    vielen Dank für Deinen freundlichen Hinweis. Doch so einfach ist die Sache nicht. Es wäre verfehlt anzunehmen, alles, was nicht in der Diskographie aufgeführt ist, hat Tom Krause auf der Bühne gesungen. Erlaube mir bitte einige Ergänzungen (mit allem Vorbehalt, falls meine Erinnerung mir einen Streich spielt).


    Den Besenbinder Peter sang Tom Krause meines Wissens nicht auf der Bühne, sondern noch in seiner Wiener Studienzeit in einem 1958 unter der Leitung von Miltiadis Caridis aufgenommenen Querschnitt von "Hänsel und Gretel". In dieser Zeit entstand auch ein "Carmen"-Querschnitt mit Sonja Draksler, Ursula Schirrmacher und Waldemar Kmentt. Dirigent des Wiener Volksopernorchesters war diesmal Argeo Quadri.


    Haydns Oper "L'infedelta delusa" wurde unter dem Titel "Untreue lohnt nicht" 1962 in Hannover-Herrenhausen aufgeführt und im Herbst desselben Jahres vom 1. Deutschen Fernsehen gesendet. Unter der Leitung von Walter Martin sangen damals Ruth-Margret Pütz, Birgit Nordin, Dermot Troy und Erwin Wohlfahrt.


    Auch den Alfio in "Cavalleria rusticana" sang Krause (wenn ich mich nicht irre) nicht auf der Bühne, sondern 1963 in einer TV-Produktion u.a. mit Maria Kouba und Herbert Schachtschneider (in deutscher Sprache).


    Rolf Gothonis Kammeroper "Der Hund" dürfte ebenfalls eine TV-Produktion sein, diesmal für das finnische Fernsehen.


    Eine Rolle ist noch in seinem reichhaltigen Repertoire nachzutragen, die nicht auf der Webseite enthalten ist. Im Jahre 1966 sang Tom Krause in Hamburg unter Leitung des Komponisten in Gunter Schullers Oper "The Visitation", mit der die Hamburgische Staatsoper auch in New York gastierte. Name der Rolle : Held.


    Sehr gerne würde ich wissen wollen, wo und wann Krause die Titelrolle in "Mazeppa" gesungen hat.


    Zu Rheingold1876 : Ein nettes Foto aus Tanglewood 1967, aber ich erkenne Krause nicht darauf.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Ic h habe keine Ahnung, wer das Repertoire auf der Website zusammengestellt hat, aber es wäre interessant zu wissen, welche der Partien Tom Krause auf der Bühne und welche er nur auf Aufnahmen gesungen hat. Eine Ergänzung : Das dritte Foto von links auf dieser Website zeigt ihn als Kruschina in Smetanas "Verkaufter Braut", den er meines Wissens in seiner Zeit an der Städtischen Oper Berlin gesungen hat.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Zu Konstantin Shushakov #1.654-1.656, 1.659

    Nach Studium meiner Unterlagen fiel mir auf, dass ich Konstantin Shushakov schon einige Male gehört habe. Das erste Mal war 2008 beim von Valery Gergievs Schwester Larisa Gergieva geleiteten Rimsky-Korsakov-Wettbewerb in St. Petersburg, bei dem der damals 24Jährige es bis ins Finale schaffte. Dass er nicht zu den Preisträgern gehörte, lag vor allem daran, dass die Jury unter dem Vorsitz von Vladimir Atlantov Sänger der (von Gergievs Schwester geleiteten Mariinsky-Akademie) favorisierte. Darunter hatten auch Soprane wie Venera Gimadieva und Nadine Koucher (später Gewinner von BBC Cardiff Singers of the World) zu leiden. Immerhin fiel Shushakov einem Agenten der Londoner Askonas Holt-Agentur auf.


    Ich hörte Shushakov dann 2017 wieder, als er beim Gastspiel des Bolshoi-Theaters in Savonlinna den Robert in "Iolanta" verkörperte, worüber ich schrieb :


    "Der Robert des Abends, KONSTANTIN SHUSHAKOV, mag nicht das Luxus-Material seiner Mariinsky-Kollegen Markov und Sulimsky haben, konnte aber zu Recht großen Jubel für seine brillant vorgetragene Arie einheimsen."


    Shushakov wurde dann für 2018 zu einer Savonlinna-Eigenproduktion von "Pique Dame" eingeladen, wo er als Yeletsky einen glänzenden Eindruck hinterließ. Heute ist er am Opernhaus Zürich im Festengagement.


    Beste Grüße


    Peter

    Zu MIKA KARES (Beiträge # 1.925 f.)

    Aber zum Glück gibt es Aufzeichnungen von kompletten Opern, die im Internet verfügbar sind.

    Der fliegende Holländer, La Favorite und oben genanntes Rossini Stabat Mater als Videomitschnitt

    Lieber Orfeo!

    Danke für Deine Tipps. Ich bin nach längerer Abstinenz noch neu hier, weiß also nicht, ob ein Leser meines Beitrags (falls er denn überhaupt gelesen wird) sich eine komplette Aufnahme anhören würde, um sich ein Bild von Mika Kares' Stimme zu machen. Nach meiner Meinung gelingt das ganz gut mit dem von mir gewählten Audio-Ausschnitt.

    Trotzdem besten Dank für Deinen Hinweis und freundliche Grüße

    Peter

    Liebe Melomanen!


    Caruso41 bat mich freundlicherweise, den finnischen Bassieten MIKA KARES vorzustellen. Diesem Wunsch komme ich gerne nach, obwohl ich Kares erst wenige Male "live" erlebt habe.


    Wenn ich an finnische Bässe denke, so kommen mir sofort Martti Talvela, Matti Salminen und Jaakko Ryhänen in den Sinn - Sänger, mächtig in Stimmvolumen und Statur. Diesem Typus entspricht heute eigentlich nur der 37jährige Timo Riihonen, der nach Anfangsengagements in Düsseldorf und Kiel nun freischaffend tätig ist (u.a. Filippo in Graz).


    MIKA KARES


    ist ein gänzlich anderer Typ, wie Samuel Ramey (man verzeihe mir den Vergleich) schlank in Statur und Stimmführung. Kares ist am 1. November 1978 in einem kleinen Ort Westfinnlands geboren. In dieser Gegend, in Rauma und Pori, begann er seine Gesangsstudien, bevor er an die Sibelius-Akademie nach Helsinki wechselte. Von 2005 bis 2010 war er am Badischen Staatstheater in Karlsruhe engagiert und eignete sich dort ein reiches Repertoire an. Bevor ich zu meinen ersten Höreindrücken komme, hier einige Korrekturen zu Informationen aus dem Internet. Kares hat nicht, wie auf der (englischen) Seite seiner Agentur zu lesen ist, 2005 als Figaro bei Savonlinna Opernfestival debütiert; mag sein, dass er damals erstmals den Figaro sang, doch nicht in Savonlinna. Der (deutschen) Wkipedia-Seite kann man unter "Auszeichnungen" entnehmen : "2008 Künstler des Jahres der Opernfestspiele Savonlinna für die Titelrolle in Mefistofele". Richtig ist, dass Kares 2008 zum Künstler des Jahres erkoren wurde, doch nicht für seinen Mefistofele, stand doch diese Auszeichnung lange Zeit vor Beginn der Festspiele fest.


    Ich bitte um Verzeihung, dass ich nun auf meine in einem Online-Magazin erschienenen Kritiken zurückgreife :


    "Gespannt war ich auf den Mefistofele des 29jährigen Mika Kares, einem jungen Finnen, in seinem Heimatland (noch?) weitgehend unbekannt, in Deutschland in Karlsruhe verpflichtet. Kares, von schlanker Statur und ebensolcher Stimme, besitzt einen angenehm timbrierten Bass, vom Typ mehr vergleichbar einem Siepi oder Ramey als den Bulgaren Ghiaurov oder Christoff. Lag es an einer (nicht angesagten) Indisposition oder an dem Wolkenbruch, der während des Hexensabbats auf das Burgdach prasselte und die Sänger kaum vernehmen ließ? Jedenfalls empfand ich Kares’ Höhe als dünn, fast aufgesetzt, in der Tiefe fehlte es an Resonanz, insgesamt zu schwach im Volumen. Nach diesem Abend zu urteilen, ist Kares zweifellos eine Hoffnung im Bassfach. Es bleibt dahingestellt, ob man ihm einen Gefallen damit tat, ihn – den Savonlinna-Debütanten – gleich zum „Künstler des Jahres“ zu machen" (Mefistofele, Savonlinna 2008)


    "Raimondo war die richtige Rolle, um die Vorzüge des jungen Finnen Mika Kares ins rechte Licht zu rücken; ein gut geführter großvolumiger Bass mit sicherer Linienführung. Nur wenige Töne in den Extremlagen ließen auf ein derzeitiges Defizit schließen." (Lucia, Savonlinna 2009)


    "...konnte noch am meisten MIKA KARES (Raimondo) bestehen, ein stimmschöner basso cantante mit nur wenigen begrenzten Höhen" (Lucia, Savonlinna 2010).


    "Eine herausragende Leistung bot MIKA KARES als Filippo, ein junger Bass, der in Karlsruhe im Festengagement ist. Hatte ich bei seinem Mefistofele in Savonlinna noch bemängelt, dass die Extremlagen gegenüber der klangschönen Mittellage schwächer ausgeprägt waren, so war es jetzt eine große Freude festzustellen, dass sein herrlich timbrierter, schlanker Bass nunmehr in allen Lagen gleich prächtig klingt. Ein guter Regisseur wird sicherlich schauspielerisch noch mehr aus ihm herausholen." (Don Carlo, Finnische Nationaloper, Helsinki 2012).


    Mika Kares hat auf YouTube einen eigenen Kanal, den er fleißig (auf Finnisch) mit Blogbeiträgen füllt, doch finde ich kaum Videoclips, die etwas über seine Stimme aussagen können. Deshalb hier ein Audioclip mit der Bass-Arie aus dem Rossini Stabat mater.



    Wie man dem finnischen Wikipedia en entehmen kann, ist Mika Kares in Rauma und Eurajoki Künstlerischer Leiter von Kammermusikfestivals. Im Rahmen des Eurajoki-Festivals ist für diesen Oktober ein "Parsifal" angekündigt, in einer Kirche (!), mit Orgel statt Orchester (!), in dem Kares den Gurnemanz übernimmt. Außerdem hat einen Kompositionswettbewerb für Kinderlieder ins Leben gerufen, gibt Meisterkurse und fungiert als Mentor für den jungen Bassisten Markus Suihkonen (diesen Namen sollten wir uns merken!!!!). Bei Operabase ist für 2022 sein erster Hagen angekündigt, den er sicher auf seine Art bewältigen wird, obwohl man ihn mit Sängern wie Frick, Greindl oder Salminen besser nicht vergleichen sollte.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Während das St. Petersburger Mariinsky-Theater seit Juli wieder spielt, öffnete das Moskauer Bolshoi-Theater erst jetzt wieder seine Pforten mit 2 Aufführungen von Verdis "Don Carlo". Neben Anna Netrebko und ihrem Ehemann sang ILDAR ABDRAZAKOV den Filippo. Weil er sich nach der 2. Vorstellung unwohl fühlte, ließ er sich testen. Resultat : positiv. Daraufhin wurde die 3. "Carlo" - Aufführung abgesagt.

    Abdrazakovs Erkrankung hat Auswirkungen auf gleich zwei weitere Opernhäuser. An der Wiener Staatsoper sagte er seine Mitwirkung am französischen "Carlos" ab, dto. Anna Netrebko, die am 18. September (ihrem Geburtstag) am Mariinsky-Theater Tatyana singen sollte und absagte, weil sie sich vorsorglich in Quarantäne begeben hat.

    Meine Quellen sagen mir, dass am Mariinsky viele Künstler und Mitarbeiter erkrankt sind, ohne dass davon etwas an die Öffentlichkeit kommt.


    Beste Grüße

    Peter

    Das bringt mich nun endlich zu Pelageya Kurennaya  (Vorgestellt in Beitrag 1885, 1891, 1993, 1895):


    Was den zitierten Agenten auf die Idee gebracht haben könnte, sie als lyrischen Mezzosopran umzuschulen und zu "vermarkten", erschießt sich mir nicht. Da würde ich gern mal hören, welche Anhaltspunkte er dafür hat, dass sie sich in der Lage gut entfalten könnte.

    Lieber Caruso41!


    Bevor ich aus dem "Nähkästchen plaudere" (eines meiner Hobbies), eine Vorbemerkung. Der Fama nach war Plácido Domingo total indisponiert, als er Mitte der 1960er Jahre in New York dem damaligen Hamburger Intendanten Rolf Liebermann in New York vorsang, der aber trotz der stimmlichen Beeinträchtigung seine Qualitäten erkannte und ihm einen Festvertrag für die Hamburgische Staatsoper anbot. Nun, es liegt mir fern, Pelageya Kurennaya mit Plácido Domingo zu vergleichen, aber in meiner idealen Opernwelt würde ich von jemandem, der sich Sänger beruflich anhört, erwarten, dass er / sie dessen Qualitäten wie auch das "Fach" richtig einzuordnen in der Lage ist.


    Dieser sehr rührige finnische Agent, der in Deutschland an kleineren bis mittleren Opernhäusern als Tenor tätig war und nun dort eine Agentur leitet (die übrigens Elena Stikhina im Anfang ihrer Karriere vertrat), hat sich eine sehr gute Geschäftsidee ersonnen, die ihm in der derzeitigen Coronazeit zu Gute kommt : er leitet 1x pro Monat einen Workshop, zu dem er Betriebsdirektoren u.ä. einlädt, denen die jungen Sänger am Ende dieser Arbeitswoche vorsingen können. Gerade in dieser Zeit, in der Agenten ihre normale Einnahmequelle, die Kommissionen, verloren haben, eine sehr gute Möglichkeit, sich über Wasser zu halten.


    An einem dieser Workshops nahm Pelageya Kurennaya teil, die auf der Suche nach einem Engagement außerhalb Russlands war - leider krankheitsbedingt nicht in bester stimmlicher Verfassung. Nun könnte man einwenden, warum sie ihre Teilnahme nicht abgesagt hat. Dazu ist es hilfreich, die finanziellen Verhältnisse einer jungen Sängerin zu kennen, die am Mariinsky-Theater z.B. für die Hauptrolle in der Shchedrin-Oper "Christmas Tale" umgerechnet 500 € als Gage erhält, für kleinere Rollen 250 €. Verständlich, dass sie die Kosten für Reise und Workshop nicht "in den Sand setzen" wollte.


    Was mir beim ersten Hören mit Shchedrins "Tanya-Katya" im November 2015 auffiel, war das (nach meiner Meinung) relativ dunkel timbrierte Zentrum ihrer Stimme, die Mittellage. Indispositonsbedingt muss sich dieser Eindruck für den Agenten verstärkt haben, der mit ihr in diesem Workshop u.a. an Carmen arbeitete, was sie problemlos bewältigte, ohne Mezzosopran zu sein (schließlich sang auch Victoria de los Angeles oder Leontyne Price diese Rolle in Aufnahmen!).


    Für Deine freundliche Einschätzung Pelageya Kurennayas möchte ich mich bei Dir, lieber Caruso41, ausdrücklich bedanken. Wenn man einer Sängerin so stark folgt, kann man leicht betriebsblind werden. Deshalb tun mir die wohlwollenden Worte eines Experten richtig gut. Weshalb, zeigt die nachfolgende Geschichte.


    In Hamburg trifft sich 1x im Monat eine Gruppe von Musikfreunden zum Anhören von (meist historischen) Gesangsaufnahmen. Bei einem meiner Hamburger Verwandtenbesuche wurde auch ich dazu geladen und brachte einige Kurennaya-Videos zur kritischen Begutachtung mit, wenn ich mich nicht irre, waren es das Merikanto-Wiegenlied und Delibes' "Les filles de Cadix". Hier die Reaktionen der "Fachleute".

    Frau 1 : "Warum müssen sich diese Russinnen immer so stark schminken?"

    Frau 2 : "Ich verstehe nicht, warum sie im 2. Teil des Konzerts ein anderes Kleid trägt als im 1."

    Mann 1 : "Das Dekolleté ist aber tief. Da muss sie aufpassen!"

    Mann 2 : "So bewegt sich keine Spanierin" (Kommentar zu "Les fillles de Cadix")

    Mann 3 : "Kein individuelles Timbre. Die Stimme geht in ein Ohr rein und aus dem anderen wieder heraus".


    So, lieber Caruso41, jetzt weißt Du, warum ich mich für Deinen Kommentar herzlichst bedanke. DER hilft mir weiter, zumal ich offenbar nicht ganz so falsch liege.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Lieber Caruso41!


    Es ist nicht einfach, einem Experten wie Dir nicht zuzustimmen, zumal ich Dein Lob über Alex Kims Interpretation des Preislieds durchaus teile.

    Laut Ausschreibung für den wegen Corona auf 2021 verschobenen Meistersinger-Wettbewerb muss der Bewerber 6 Arien vorbereiten, darunter eine von Mozart. Es ist also durchaus möglich, dass Alex Kim sich (zusätzlich zu Stolzing) mit dem Repertoire präsentierte, das er schon 2015 in Pärnu gesungen hatte.


    Ich möchte versuchen zu begründen, weshalb ich bei aller Sympathie für diesen jungen Mann Stolzings Preislied für die falsche Wahl hielt. Für mich ist die Stückauswahl, sei es bei einem Vorsingen, sei es bei einem Gesangswettbewerb, die Visitenkarte eines Sängers, mit der er / sie zeigt : DAS BIN ICH! In meinem Beitrag über Pelageya Kurennaya hatte ich beschrieben, wie ich sie bei der Vorausscheidung zu einem Wettbewerb mit der ersten Lucia-Arie und dem Ballo-Oscar hörte, also Arien für Koloratursopran, was sie meiner Ansicht nach nicht war oder ist. Genauso ist es mit Alex Kim : Nach meiner Meinung ist er (noch?) kein Stolzing. Ich traue ihm zu, dass er mit eben den Mitteln, mit eben dem Geschmack, mit dem er das Preislied interpretierte, auch die Waldweben-Szene aus "Siegfried" bewältigen würde. Oder Tristan? Könnte dessen "Wie sie selig, hehr und milde" (lostgelöst vom Rest der Partie) nicht auch von einem lyrischen Tenor gesungen werden? Wonach sollte ich einen Sänger also bewerten? Ob er diesen, für seine Stimmmittel ausgewählten Ausschnitt bewältigt oder ob das sein "Fach" ist, er also für die gesamte Partie die "richtige" Stimme hätte?


    Entschuldige, bitte, die zuspitzenden Fragen. Frei nach dem Motto "Ûbertreibung macht anschaulich" versuchte ich, meine Position besser zu beschreiben.


    Mit besten Grüßen


    Peter

    Lieber Caruso41,


    sehr gerne würde ich Deiner Anregung nachkommen, im NEUE Stimmen-Thread über Mika Kares zu berichten, finde aber bei YouTube nicht genügend Videomaterial, um meinen Bericht auch visuell zu unterstützen. Es gibt dort jede Menge Videos des "Bloggers" Mika Kares, aber wenig, um ihn stimmlich zu charakterisieren.


    Was hältst Du von Arbeitsteilung? Ich stelle Kares mit meinen Worten vor, und wenn es Deine Zeit erlauben sollte, könntest Du das mit von Dir eingestellten Videos unterstreichen.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Liebe Melomanen!


    Jeder, der in diesem interesanten Thread "seinen" Sänger / "seine" Sängerin vorstellt, erwartet oder erhofft eine Rückmeldung der Leser - ich auch. Da ich aber erst kürzlich nach längerer Abstinenz zujm TAMINO-Forum zurückgefunden habe und mich gerade durch die Beiträge dieses mich besonders ansprechenden Themas hindurch arbeite, bitte ich um Verständnis, dass ich mich erst den Sängern widme, zu denen ich aus persönlichem Erleben etwas zu sagen habe.


    Zu ALEX KIM (vorgestellt in # 778 - 780)


    In meinen Anmerkungen zum weißrussischen Bassbariton Anatoli Sivko hatte ich beschrieben, wie ich ihn beim estnischen Klaudia-Taev-Wettbewerb gehört hatte und ihn zu zwei Solo-Konzerten bei Valery Gergievs Mikkeli Musik-Festival eingeladen hatte. Dadurch wurde ich plötzlich für diesen Wettbewerb interessant, denn der Wettbewerbs- und Promfest-Leiter Erki Pehk, ein Dirigent, lädt neben den prominenten Jury-Vorsitzenden (alles Damen, in "meiner" Zeit Edda Moser, Karen Armstrong und Luana De Vol) als Juroren Personen ein, die "nutzlich" sein könnten, indem sie entweder Sängern oder ihm Engagements verschaffen könnten. Dazu gehörte ich nun und hörte bei meiner 2. Teilnahme im Jahre 2015 einen koreanischen Tenor : Sunghyung Kim, wie sich der 31Jährige damals nannte.


    Kim sang in der 1. Runde "Cosi"-Ferrando und "Freunde, das Leben ist lebenswert", in der 2. Runde Schuberts "Ave Maria" (Pflichtstück für ALLE Teilnehmer) Tostis "L'alba separa luce...", in der 3. Runde eine Szene als Floyds "Susannah" (als Pflichtstück für "Modernes") und die Lensky-Arie, und für ein etwaiges Finale (mit Orchester) wählte er Federicos Lamento aus "L'Arlesiana", zu dem der Jurywunsch "La Traviatas" Alfredo kam.



    In meinen Notizen, die ich noch habe, finden sich folgende Bemerkungen : "Schönes Mozart Timbre, guter Stil, strahlkräftig" (1. Runde), "strahlkräftig" (Tosti), "zuviel Stimme, gute Diktion" (Ave Maria), "schmelzreiches Timbre, schön differenziert, strahlkräftig" (Cilea), "sehr angenehmes Timbre, mediterran, schmelzreich" (Alfredo).


    Für Alex Kim, wie er sich danach nannte, hatte der Wettbewerbserfolg (er gewann den 1. Preis) in dreifacher Hinsicht Folgen : Für den als Juror eingeladenen (damaligen) Nürnberger Intendanten Peter Theiler sprang der Besetzungsdirektor dieses Theaters ein, der ihn nach Nürnberg verpflichtete. Ein finnischer, in Deutschland tätiger Agent wurde auf ihn aufmerksam und nahm ihn unter seine Fittiche, und (wie auch der Fall bei Anatoli Sivko) Kim trat zwei Jahre danach in einer szenischen Produktion auf, "La Traviata", in einer reichlich ungewöhnlichen Inszenierung, wie ein kurzer Ausschnitt zeigt :



    Wenn ich mir auf Operabase Kims Terminkalender ansehe, so ist er in Nürnberg sehr gut im lyrischen Fach eingesetzt worden und ist seit 2019 Ensemblemitglied in Meiningen. Fragezeichen sind schon eher angebracht, wenn er dort als Don José in Bizets "Carmen" angekündigt war / ist. Ob die letzten beiden Akte nicht zu dramatisch für diese für meinen Geschmack lyrische Stimme sind? Deshalb finde ich seinen Stolzing beim Nürnberger Meistersinger-Wettbewerb eine falsche Wahl. Positiv anzumerken ist, dass er sich mit dem Preislied nicht "weh tut"!, aber ist dies schon ein ausreichendes Kriterium fåur eine gute Leistung? Mag sein, dass wie bei Daniel Behle der "Spagat" zwischen lyrischen und jugendlich-dramatischen Partien irgendwann einmal gelingen wird, aber dafür ist es bei Kim noch zu früh. Es wäre sehr schade, wenn ein schönes, angenehm timbriertes Material durch verkehrte Repertoireauswahl frühzeitig verheizt würde. Natürlich weiß ich, dass Kim das Preislied "nur" bei einem Wettbewerb und nicht auf der Bühne gesungen hat, aber das könnte schon reichen, um von Administratoren , für die (auch stimmlich) die Gleichung "Schlank = Schön oder Gut" gillt, verpflichtet zu werden. Es gibt ja genug Stimmen, die man durch andere ersetzen kann. Es wäre von Interesse zu erfahren, ob Kim das Preislied wegen oder trotz seines damaligen Lehrers Siegfried Jerusalem auf das Programm gesetzt hat.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Auf der Suche nach NEUEN STIMMEN, zu denen ich aus eigenem Erleben etwas beitragen kann, stieß ich auf


    ANATOLI SIVKO, vorgestellt in #64, 65, 67, 68 & 69.


    Der damals 22jährige Weißrusse gewann 2009 im estnischen Pärnu den Klaudia-Taev-Gesangswettbewerb. Zu den Besonderheiten dieses Wettbewerbs gehört es, dass der Gewinner nicht nur ein Preisgeld erhält, sondern auch die Möglichkeit, zwei Jahre später im Rahmen des Promfests (= Pärnu International Opera Music Festival) in einer szenischen Produktion einer Oper aufzutreten. So hörte ich per Zufall am 1. Juni 2011 den nunmehr 24jährigen Anatoli Sivko in der Titelrolle von Verdis "Attila" mit so gewichtigen Partnern wie Vladislav Sulimsky (Ezio) und dem estnischen Bass-Veteranen Matti Palm (Papst), der 1975 den Attila in der ersten Aufführung dieses Werks in der Sowjet-Union verkörpert hatte. Ûber Sivkos Leistung war im Online-Merker zu lesen :


    "...es wäre verfehlt, von ihm eine Leistung zu verlangen, die sich z.B. mit der eines Nicolai Ghiaurov oder eines Boris Christoff vergleichen ließe. Aber dieser junge Mann sang mit einer Stimme und in einer Manier, die aufhorchen und in mir den Wunsch aufkommen ließ, mir diesen Namen zu merken und die weitere Karriere mit Interesse zu verfolgen. Sivko besitzt ein außerordentlich homogen geführtes Material, das sofort im Ohr haften blieb und dass ich mit basso cantante umschreiben würde. Erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit er sich innerhalb der Grenzen seines Organs bewegte, ohne diese zu überschreiten und ihm künstlich mehr Volumen zu verleihen. Dem jungen Mann wäre zu wünschen, er möge die Geduld besitzen, sein überdurchschnittliches Material in Ruhe reifen zu lassen. Dann könnte er zu den Großen seines Stimmfaches gehören."


    Hier ein YouTube-Clip von dieser (typisch für Promfest) recht ungewöhnlichen Produktion.



    Damals arbeitete ich für Valery Gergievs Mikkeli Music Festival, dessen Programm selbstverständlich er bestimmte. Doch es war Usus geworden, dass die finnische Administration im Nicht-Mariinsky-Teil relativ frei schalten und walten konnte. So fuhr ich wenige Wochen nach dem Pärnu-"Attila" mit dem finnischen Festival-Direktor nach Tallinn / Estland, wo diese Inszenierung im Rahmen des Birgitta-Festivals (von Eri Klas geleitet) in einer alten Klosterruine wiederholt wurde. Anatoli Sivkos Stimme und Interpretation begeisterte auch meinen Kollegen, und zu unserer Freude willigte der junge Mann ein, an Gergiev Festival 2012 mit einem Recital mitzuwirken.


    Um mehr Publikum anzulocken, fand dies am 4. Juli 2012 am Nachmittag vor einem Gergiev-Konzert statt, wegen der zeitgleich abgehaltenen Probe für das Abendkonzert im knapp 200 Zuhörer fassenden Kammermusiksaal. Für das einstündige, nur von einigen Soli seines Pianisten unterbrochene Konzert hatte sich Sivko ein interessantes Programm ausgewählt, das erstaunlicherweise (wie er sagte, zum Einsingen) mit Mussorgskys Lieder und Tänzen des Todes begann. Außerdem sang er Arien aus Sonnambula, Attila, Faust, Aleko und Iolanta. Sivko bestätigte meinen positiven Eindruck, den ich von ihm in Pärnu und Tallinn gewonnen hatte, allerdings mit einer Einschränkung : Er gab im Rahmen dieses recht kleinen Saals zuviel Stimme, so dass das Zuhören nicht immer ein reines Vergnügen war.


    Auf Grund seines großen Erfolges (und weil er bereit war, für 1000 € plus Reise- und Hotelkosten aufzutreten) wurde Anatoli Sivko auch 2013 zu einem Recital eingeladen. Pikanterweise gab es in diesem Sommer auch eine konzertante Wiedergabe "Attilas" mit Markova, Skorokhodov, Sulimsky und Abdrazakov. Wieder hatte Sivko ein ihn sehr gut repräsentierendes Programm zusammengestellt : Arien aus Barbiere di Siviglia, Ernani, Mefistofele, Fürst Igor, Dämon, dazu Romanzen von Rachmaninoff, also Werke, die ihn nicht als tiefen Bass, sondern als Bassbariton zeigten.


    Nach dem Finalkonzert des 2013-Festivals kam es noch zu einem ungewöhnlichen "Vorsingen". Sivko, der in der Nacht zum Flughafen nach Helsinki gefahren werden sollte, kam noch einmal zur Konzerthalle, um sich zu verabschieden. Weil er nach diesem Konzert noch eine Orchesterversammlung abgehalten hatte, kam Gergiev erst kurz vor Mitternacht zu seinem Dirigentenzimmer, sah auif dem Wege dorthin Sivko und sagte zu ihm : "Anatoli, I want to hear you. Sing something for me!". In einem sehr kleinen Umkleideraum für Soliisten sang der darauf natürlich nicht vorbereitete und nicht eingesungene Sänger, was Gergiev zu überzeugen schien, denn Gergiev wandte sich an mich : "Peter, what could Anatoli sing at the Mariinsky?". Ich antwortete "Masetto, Carlo V", war aber davon überzeugt, dass nichts danach kommen würde. Leider hatte ich Recht. Ein weiteres der reichlich unüblichen Gergiev-Vorsingen.


    Nun, die Karriere Anatoli Sivkos ist vor Corona trotzdem am Laufen gewesen, wobei aus meiner Sicht hilfreich war, dass er 2015 den Gütersloher "Neue Stimmen" gewann und in Askonas Holt eine der einflussreichsten Agenturen gefunden hat. Der Promfest-Leiter meinte übrigens damals, seiner Meinung nach würde Sivko ins Baritonfach gehen, was ich vehement verneinte. Für mich war er ein typischer Bassbariton. Dieser Herr scheint aber Recht behalten zu haben, denn zu meiner Ûberraschung finden sich bei YouTube, eingestellt von Askonas Holt, Posas "O Carlo, ascolta" und Gérards "Nemico della patria".




    In dieser Coronazeit hat der junge Mann Gelegenheit, sich seinem Hobby zu widmen. Kürzlich veröffentlichte er auf seiner Facebook-Seite stolz, er habe zum ersten Mal das 1/4 Iron Man Triathlon absolviert. Man darf gespannt sein, wovon man in Zukunft mehr hören wird, vom Sänger oder vom Triathleten Anatoli Sivko.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Hier ein Gesangsbeispiel, das einen stillerne, differenzierteren Freddie zeigt, der aber dennoch einen eher unnötigen hohen Ton am Schluss einlegt:

    Zu FREDDIE DE TOMMASO (Beiträge #1.877, 1.889, 1.900)


    Lieber greghauser 2002!


    Entschuldige bitte einen kleinen Widerspruch. Der eingelegte hohe Ton mag zwar "eher unnötig" sein, da nicht so geschrieben, wird aber oft so gesungen. Hier ein Beispiel, wie Juroren bei Gesangswettbewerben nicht ganz frei von Vorurteilen sind. Ich habe oft erlebt, dass Tenören, die mit diesem Lamento antraten, unterstellt wurde, sie hätten keine Höhe. Natürlich sollte jeder Sänger sich bei einem Wettbewerb von seiner "Schokoladenseite" zeigen und das verbergen, was nicht seine Stärke ist. Nach meinem ersten (und einzigen) Höreindruck vom spanischen Wettbewerb scheint eine strahlkräftige, mühelose Höhe tatsächlich nicht die Stärke dieses noch jungen Sängers zu sein. Weshalb also legt er diesen Ton ein? Weil er es von Vorbildern übernommen hat? Um mehr Emphase zu zeigen?


    Ich empfinde die Stimme hier als angenehm, aber nicht besonders interessant timbriert, so dass sie in meinem Ohr nicht sofort haften blieb. Ich bevorzuge bei dieser Arie mehr Schmelz, eine "Träne" in der Stimme. Danke, dass hier auf ihn aufmerksam gemacht wurde. Bei einem etwaigen Wiederhören werde ich mich daran erinnern.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

    Lieber Caruso, Freunde,

    fast 2.000 Beiträge umfasst inzwischen der Bereich der "Neuen Stimmen." Er entwickelte sich zu einem unentbehrlichen Schatzkästlein für meist gut ausgewählte junge Stimmen. Deshalb erfüllt er eine der wichtigsten Zielsetzungen des Tamino Klassik Forums, auf Neues hinzuweisen und so uns Nutzer zu bereichern. Danke an den Motor dieses Bereichs Caruso. Es ist sicherlich nicht indiskret und deplatziert, wenn ich daran erinnere, dass Caruso am Anfang und auch zwischendurch Zweifel und Motivationkrisen hatte, ob der Bereich auch tatsächlich angenommen und entsprechend genutzt würde. Das Ergebnis widerlegt diese Befürchtungen mehr als eindrucksvoll. Warum? - weil unser Primus Inter Pares immer wieder Diamanten entdeckt, uns diese präsentiert und meist durch seine Vorstellungstexte richtig strahlen lässt. Danke und Bravo!

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Diesen Worten von Operus möchte ich mich nachdrücklichst anschließen. Ich habe erst kürzlich wieder zu Tamino zurückgefunden und deshalb noch keine Zeit gehabt, mir die hier vorgestellten Sänger anzuhören und sie zu kommentieren. Aber ich verspreche, dies so schnell wie möglich nachzuholen.

    Im Jahre 1992 bin ich "wie die Jungfrau zum Kind" dazu gekommen, von einer Stunde zur anderen bei einem Gesangswettbewerb in Hamburg als Juror einzuspringen, nachdem ich schon vorher einige Wettbewerbe in England und Deutschland als Gast besucht hatte. Bei diesem Hamburger Wettbewerb (es war kein wirklich Bedeutender, aber ich möchte diese Zeit nicht müssen) blieb ich viele Jahre und kam 2013 ebenfalls durch Zufall dazu, zu einem Wettbewerb im estnischen Pärnu als Juror eingeladen zu werden.

    Warum ich dies alles hier ausbreite? Ich danke allen, die hier neue Sänger vorstellen, für ihre Mühe und brenne darauf, mich dazu zu äußern. Ich bitte nur um etwas Geduld.

    Beste Grüße aus Finnland

    Peter

    Lieber Peter Schünemann,


    seit einiger Zeit verfolge ich aus der Ferne die Karriere des jungen finnischen Bassisten Mika Kares (Jahrgang 1978). In einer kürzlich erschienenen Aufnahme des Boris Godunov unter Kent Nagano hat er einen recht jugendlich klingenden, aber wohltönenden Pimen gesungen. Mit dem HR-Symphonieorchester hat er in einer Aufführung von Beethovens IX. in Fulda mitgewirkt. Könnte er unter denen sein, die die von Dir beschriebene finnische Bass-Tradition fortsetzen.?


    VG
    Otello50

    Lieber Otello50!

    In Savonlinna gab es früher eine gute Tradition, einen Künstler, der sich um das finnische Musikleben verdient gemacht hat, zum "Künstler des Jahres" zu ernennen. Als der Dirigent Jari Hämäläinen die Intendanz von dem Tenor Raimo Sirkiä übernahm, machte er einen in Finnland so gut wie unbekannten jungen Mann zum Künstler des Jahres - Mika Kares. Kares war damals im Festengagement in Karlsruhe. Diese Ehrung habe ich für einen großen Fehler gehalten, setzte sie doch Kares einem Erwartungsdruck aus, dem dieser nicht gewachsen war. In seinen ersten beiden Sommern in Savonlinna sang er die Titelpartie in Boitos "Mefistofele", und man hörte eine schlank geführte, angenehm timbrierte junge Bassstimme, die jedoch in den Extremlagen, also Höhe und Tiefe, arg begrenzt war. Dies besserte sich mit seinem Raimondo in "Lucia di Lammermoor".


    Die Finnische Nationaloper ging lange an dem jungen Sänger vorbei, bis zu einem Filippo, der zum besten gehörte, was ich in dieser Partie erlebt habe. Sehr homogen geführt, immer noch schlank, ohne seinem Material künstlich mehr Volumen zu verleihen. Der Dirigent dieser Aufführung war Michael Güttler, unter dem Kares wenig später in der Übernahme der Kupfer-"Meistersinger" aus Zürich seinen ersten Sachs singen sollte, doch sagte er relativ kurzfristig ab. Wahrscheinlich eine gute Entscheidung, doch ich könnte mir vorstellen, dass er über kurz oder lang diese Rolle seinem Repertoire einverleiben wird.


    Zusammen mit dem Bassisten Erik Rousi, einem Verwandten Talvelas, leitet Mika Kares in Eurajoki, einem Ort nahe der finnischen Westküste, ein Festival, bei dem im Oktober "Parsifal" dargeboten wird, in einer Kirche, mit Orgel statt Orchester. Kares wird den Gurnemanz singen und Tuomas Katajala, ein anerkannter Mozarttenor, seinen ersten Parsifal.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter