Beiträge von Peter Schünemann

    Von den diesjährigen Teilnehmern des Operalia-Wettbewerbs sind mir zwei bekannt. Die Sopranistin Ekaterina Sannikova kam über das Atkins Young Artists Program vor gut 2 Jahren an das Mariinsky-Theater und übernahm dort seitdem eine Vielzahl an Aufgaben : im russischen Fach u.a. Iolanta, Kupava, Johanna von Orléans (!), aber auch Fiordililgi, Nedda und Mimi. Der Tenor Valery Makarov ist kürzlich gerade einmal 20 Jahre alt geworden und sang bereits am Bolshoi-Theater Tamino. Morgen, am 18. August, wird er beim Rossini-Festival in Pesaro den Belfiore in "Viaggio a Reims" übernehmen, während er in der ersten Vorstellung am 15. schon in der kleinen Rollen des Luigino zu hören war.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    Lieber Caruso41!


    Bitte, erlaube mir zwei Ergänzungen zu Deiner interessanten Aufzählung finnischer Dirigenten :


    Olli Mustonen ist ab 2021 Künstlerischer Leiter des Turku Philharmonic Orchestra.

    Santtu-Matias Rouvali übernimmt ab der Saison 2021/22 als Nachfolger Esa-Pekka Salonens das Philharmonia Orchestra London. Diesen jungen Mann werde ich am 7. Juni bei Valery Gergievs Mikkeli Musik-Festival am Pult dessen Mariinsky-Orchesters erleben. Es war geplant gewesen, dass Rouvali dasselbe Programm (Grieg, Dvorak) vor wenigen Tagen schon in St. Petersburg geprobt und aufgeführt hätte, aber sein Visum war zu spät eingetroffen, so dass er das Dirigat Gergievs Neffen Zaourbek Gugkaev überlassen musste.


    Beste Grüße aus Finnland

    Peter Schünemann

    21. Juni 2021


    1997 – 24. Todestag von Karl Ridderbusch (Sänger)

    Was ich 2012 im Karl Ridderbusch gewidmeten Thread geschrieben hatte, entspricht auch heute noch meiner Einschätzung. Ich bitte daher um Verständnis, wenn ich dies aus Anlass von dessen 24. Todestag wiederhole.


    "Durch eine damalige Freundin, die Anfang der 60er Jahre in Münster lebte und mir von ihrer Entdeckung Karl Ridderbusch vorschwärmte, hörte ich erstmals von diesem Sänger. Persönlich erlebte ich ihn 1967 als Daland in der Wiener B-Premiere vom "Fliegenden Holländer", bei der er die A-Besetzung Oskar Czerwenka weitaus überragte. Darauf folgten viele Aufführungen in Bayreuth (Fasolt, Hunding, Hagen, König Heinrich, Titurel, Pogner, Sachs, Daland), später auch Hamburg (vor allem Ochs) und Kiel (Sachs 1982).


    Für mich war Ridderbusch Besitzer einer der schönsten Baß-Stimmen nicht nur dieser Zeit, ein herrlich sattes Baßtimbre mit großer Höhenexpansion. Auch als Hagen fand ich ihn stimmlich hervorragend, obwohl mir vom Stimmtyp ein Gottlob Frick lieber war. Meine Einschränkungen gegenüber Ridderbusch beziehen sich vor allem auf seine Künstlerpersönlichkeit als Darsteller. Ich weiß, viele der Taminos werden anderer Meinung sein, aber als Sachs habe ich Theo Adam bei weitem vorgezogen, obwohl dieser nicht über Ridderbuschs balsamisches Stimm-Material verfügte. Aber Ridderbusch war mir in dieser Partie immer zu eindimensional, zu sehr lediglich Schuster als vielmehr Schuster und Poet, doch das ist letzten Endes eine Frage des eigenen Geschmacks. Auch als Ochs, den er zudem (welch' Frevel damals) mit Bart spielte, war er mir zu polternd, zu wenig delikat. Hier zog ich Hans Sotin und Kurt Moll bei weitem vor, obwohl die Mühelosigkeit, mit der er diese Partie bewältigte, staunen machte.


    Ich habe damals (1976) in Bayreuth miterlebt, wie Ridderbusch sich negativ über Chéreau ausließ, was seinerzeit meinen Beifall fand, weil auch ich nicht gerade zu den Fans dieser Inszenierung zählte. Heute sehe ich dies viel differenzierter. Einerseits Hut ab vor einem Sänger, der einmal öffentlich äußerte, was viele seiner Kollegen ansonsten nur in der Kantine verlauten lassen (auch ein Theo Adam sagte einmal in Hamburg seine Mitwirkung als Sachs ab, weil Herbert Wernickes Sicht auf das Stück und vor allem die Hauptfigur des Werkes nicht mit der seinen in Einklang zu bringen waren). Auf der anderen Seite war Ridderbusch offenbar nicht aufgegangen, wie Chérau, der ja für seine einfühlsame Personenregie gelobt worden war, Ridderbuschs Persönlichkeit in die Figur des Hagen eingehen ließ. Ridderbuschs Verzicht auf Bayreuth (oder sein Rausschmiß) waren jedenfalls ein großer Verlust für die Bayreuther Festspiele.


    Was Ridderbusch in seiner Freizeit tat, was er sammelte, habe ich nicht in mein Fazit einfließen lassen, ihn für einen großen Sänger zu halten, an dessen beste Partien ich gerne zurückdenke."










    Beste Grüße aus Finnland

    Peter Schünemann

    19. Juni 2021


    1973 – 48. Geburtstag von Sasha Mäkilä (Dirigent)

    Sasha Mäkilä begann als Cellist, studierte dann aber Dirigieren am St. Petersburger Rimsky-Korsakov-Konservatorium bei Leonid Korchmar und an der Sibelius-Akademie in Helsinki bei Leif Segerstam. Von 2007 bis 2010 war er Assistent von Kurt Masur beim Orchestre de Paris und von 2010 bis 2012 Assistent von Franz Welser-Möst beim Cleveland Orchestra. Von 2012 bis 2016 leitete er die St. Michel Strings, das Kammerorchester im finnischen Mikkeli, mit dem er Tourneen bis hin nach Süd-Korea unternahm und einige Male bei Valery Gergievs Mikkeli Musik-Festival gastierte.


    Dort kam es zu einer denkwürdigen Begegnung. Als Gast-Künstler war er zu Gergievs Lieblingsevent eingeladen, der traditionellen finnischen Rauch-Sauna. In der Dunkelheit der Sauna kamen beide miteinander ins Gespräch (Mäkilä spricht sehr gut Russisch), und als Gergiev erfuhr, dass Mäkilä bei Leonid Korchmar studiert hatte, der "grauen Eminenz" des Mariinsky-Theaters, war das Interesse des russischen Pult-Stars geweckt, und er lud den jungen Finnen ein, das Mariinsky-Orchester in St. Petersburg mit einem finnischen Programm zu dirigieren. Dies erste Konzert fiel so zufriedenstellend aus, dass Mäkilä noch zwei weitere Male an die Neva eingeladen wurde. Bei Gergievs Mikkeli-Festival stand 2019 Sibelius' 2. Sinfonie auf dem Programm des Eröffnungskonzerts, und als Gergiev wieder einmal recht "zeitnah" vor Konzertbeginn eintraf, bat er Mäkilä, die Probe zu leiten. Er selber übernahm dann das Konzert.


    Sasha Mäkilä gründete 2017 das Helsinki Metropolitan Orchestra und ist seit diesem Jahr ständiger Gastdirigent beim Krasnoyarsk Symphony Orchestra. Daneben leitet(e) er gut besuchte Meisterklassen in Mikkeli und im estnischen Pärnu. Mäkilä promovierte über die Sinfonien des finnischen Komponisten Leevi Madetoja.









    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    16. Juni 2021


    1952 – 69. Geburtstag von Jerry Hadley (Sänger)


    1988 – 33. Todestag von Annelies Burmeister (Sängerin)

    Heute möchte ich an zwei Sänger erinnern, die beide recht früh verstorben sind, an den amerikanischen Tenor JERRY HADLEY, der heute seinen 69. Geburtstag gefeiert hätte, und die deutsche Mezzosopranistin ANNELIES BURMEISTER, die heute vor 33 Jahren starb, erst 59 Jahre alt. Beide Künstler hörte ich nicht oft, aber an diese Aufführungen mit ihnen erinnere ich mich sehr gerne. Hadley hörte ich in den 80er Jahren an der Hamburgischen Staatsoper als Rodolfo und Nemorino sowie unter Leonard Bernstein im Mozart-Requiem in einer Kirche in Lüneburg, und Annelies Burmeister war bei meinen seltenen Besuchen an der Berliner Staatsoper in den 60er Jahre eine unvergessliche Dorabella und Brangäne.


    Hadleys Karriere, die ihn schnell an die großen Bühnen im Fach des Belcanto- und Mozart-Tenors führte, hatte Ende der 70er Jahre begonnen. Er war mit der Pianistin Cherrill Drake verheiratet, von der er sich 2002 scheiden ließ, ein Ereignis, dass dazu führte, dass er sich 2 Jahre lang vom Singen und von der Bühne zurückzog ("A wounded bird canot sing"). Im Jahre 2004 setzte er seine Karriere fort. Zum letzten Mal stand er im Mai 2007 im australischen Brisbane als Pinkerton auf der Bühne. Hadley litt an Depressionen und schoss sich am 10. Juli 2007 mit einem Gewehr in den Kopf. Am 18. Juli erlag er seinen Verletzungen, erst 55 Jahre alt.





    Bevor Annelies Burmeister 1962 an die Staatsoper Berlin wechselte, sang sie in Erfurt, Weimar und ab 1959 an der Staatsoper Dresden. Für Ursula Boese, die 1965 bei den Bayreuther Festspielen als Fricka einen ungünstigen Eindruck hinterlassen hatte, übernahm sie diese Partien dort 1966 und 1967, gastierte auch an anderen westlichen Bühnen. Ich denke, dass der Stimmenliebhaber mehr aus eigenem Erleben über diese wunderbare Mezzosopranistin / Altistin berichten kann.






    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    11. Juni 2021


    1956 – 65. Geburtstag von Wladimir Galusin / Vladimir Galouzin (Sänger)

    Wenn der russische Tenor VLADIMIR GALOUZINE sich in seiner nunmehr 40 Jahre andauernden Karriere auf nur 2 oder 3 Partien konzentriert hätte, hätte dies ausgereicht, ihn unter den großen (russischen) Sängern einzureihen. Ich meine Hermann in "Pique Dame" und Alexey in Prokofievs "Der Spieler". In diesen beiden Rollen konnte Galouzine sich ausleben, alle Facetten seiner Kunst zeigen : vokal einen dramatischen Tenor, baritonal timbriert, doch mit großer Strahlkraft in den Höhen, und auf der Szene ein (machmal) überbordendes Spieltemperament, wie geschaffen für derart zerrissene Charaktere wie diese beiden Figuren. Ich möchte diesen Partien noch eine dritte hinzufügen, Grishka in Rimsky-Korsakovs "Kitezh". Ein mitreissender Sängerdarsteller von großem stimmlichen und darstellerischen Format.


    Die westliche Welt kennt ihn vor allem aber als hervorragenden Otello. In dieser Partie hörte ich ihn 1992 erstmals. Galouzine hatte 1981 am Opernhaus von Novosibirsk debütiert und war 1990 von Valery Gergiev, der gerade dabei war, das Ensemble der Kirov-Oper zu erneuern, nach Leningrad verpflichtet worden. Dort war Otello die erste Hauptrolle Galouzines, und Gergiev nahm ihn 1992 mit zum Schleswig-Holstein Musik Festival. In einer Halle, die sonst Pferdeauktionen diente, wurde "Otello" in einer konzertanten Version gegeben, nicht sehr idiomatisch und demonstrierend, dass die Russen doch mehr im Landesrepertoire zu Hause waren. Wenn Galouzine unter derart schlechten akustischen Verhältnissen und großer Hitze mehrfach einzubrechen drohte, so begeisterte er doch durch den dramatischen Impetus, den er seiner Rolle verlieh.


    Es ging danach sehr schnell mit seiner Karriere, und Galouzine sang fortan an den großen Bühnen. Er war ein Vielsänger, musste seinem Engagement am Mariinsky-Theater häufig dadurch Tribut zollen, dass er zwischen Auftritten in den USA für eine Aufführung an der Neva nach St. Petersburg fliegen musste. Dies blieb nicht ganz ohne Auswirkungen auf seine Leistungen, abzulesen daran, wenn seine Tonproduktion begann, gaumig zu werden und die Stimme im Hals stecken blieb. In den letzten Jahren sang Galouzine deutlich weniger, was sich sofort auf seine Leistungen positiv auswirkte, und als ich ihn zuletzt zu seinem 60. Geburtstag als Alexey hörte, schien er in einen Jungbrunnen gefallen zu sein, so strahlend und rein klang seine Stimme. Davor ob seiner vokalen Unpässlichkeiten vom Mariinsky einige Jahre vernachlässigt, wird Galouzine heute häufig in seinen Standardrollen Hermann, Alexey, Otello, Canio und Calaf eingesetzt.







    Der Sänger bevorzugt die französische Umschreibung seines Namens. Galusin ausgesprochen, aber da er in erster Ehe mit einer Belgierin verheiratet war und in Belgien und Frankreich lebte = Galouzine. Heute ist er seit 2009 mit der Sopranistin Natalia Tymchenko verheiratet, einer ehmaligen Absolventin der Mariinsky-Akademie für Junge Sänger.



    Beste Grüße aus Finnland

    Peter Schünemann

    11. Juni 2021


    1975 – 46. Geburtstag von Denis Matsuev (Pianist)

    Der russische Pianist DENIS MATSUEV, der heute seinen 46. Geburtstag feiert, gehört seit Jahren zum engen Freudeskreis Valery Gergievs, und so ist es nicht verwunderlich, dass er bei dessen Festival im finnischen Mikkeli regelmäßig auftritt und ich ihn hier seit 2010 oft erleben konnte, aber auch in St. Petersburg und Helsinki.

    Hier spielte er Klavierkonzerte von Tchaikovsky (Nr. 2), Shchedrin (Nr. 2 & 5), Rachmaninoff (Nr. 3), Prokofiev (Nr. 2), Brahms (Nr. 1) sowie mit Strauss' Burleske und Liszts Totentanz.


    Es gäbe sehr viel Stoff, um alle Facetten Matsuevs zu beleuchten : den klassischen Pianisten, den Jazz-Pianisten, den Improvisationskünstler, den Gründer zahlreicher Festivals, den Berater Putins in Sachen Kultur, den leidenschaftlichen Fußballfan sowie - eine sehr wesentliche Tätigkeit - die Förderung junger russicher Instrumentalkünstler, vorwiegend natürlich von Pianisten. Dazu fehlt mir die Zeit. Man möge mir also nachsehen, wenn ich statt eigener Lobeshymnen ihn gut kennzeichnende YouTube-Videos einstelle.


    Seine ganze Virtuosität zeigt sich in Ginsburg's und seiner eigenen Bearbeitung von Rossinis Largo al factotum.



    Nach dieser Improvisation zu Valery Gergievs Geburtstag gab es Ovationen des Mikkeli - Publikums.



    Jazz-Improvisationen



    Denis Matsuev, der Förderer junger Talente.




    Hier kommentiert Matsuev das traditionelle Fußballspiel Mariinsky - Mikkeli, bei dem Ildar Abdrazakov mitspielt.



    Beste Grüße aus Mikkeli

    Peter Schünemann

    8. Juni 2021


    1925 – 96. Geburtstag von Peter Roth-Ehrang (Sänger und Schauspieler)

    Ich habe Peter Roth-Ehrang bis zu seinem frühen Tode oft in Hamburg und Bayreuth (Fafner von 1960 bis 1964) erlebt. Mich hat gewundert, dass er, der doch in der 2. Hälfte der 50er Jahre in Berlin (damalige Städtische Oper) mit dem Procida in der "Sizilianischen Vesper" immerhin eine erste Fachrolle sang (nicht zu vergessen seine Bayreuthpräsenz) ian der Hamburgischen Staatsoper eigentlich immer nur das "2. Fach" zu singen bekam, während das "1. Fach" seinen Kollegen Ernst Wiemann und Arnold van Mill vorbehalten war.


    Roth-Ehrangs Rollen waren hier u.a. Ferrando, Melitone, Oberpriester des Baal, Lodovico, Sparafucile, Samuel (alles von Verdi), Varlaam, Köchin in den Prokofiew-Orangen, Herr Reich in den "Lustigen Weibern", Crespel, Mesner, Betto von Signa, Timur, Hans Schwarz und vieles mehr an Kleinpartien, in denen er durch seinen dunkel timbrierten, etwas grobkörnigen Baß auffiel.


    Übrigens vergisst der aus Trier stammende Franz Grundheber in Interviews nie zu erwähnen, dass ein gewisser Peter Roth aus Ehrang (einem Mosel-Ort) es war, der ihn zum Singen gebracht hatte. Wenn ich mich recht erinnere, hörte Grundheber den stimmgewaltigen Roth-Ehrang bei einem Gastspiel in Trier als Sarastro und beschloss danach, Sänger zu werden.








    Beste Grüße aus Finnland

    Peter Schünemann

    Die Finnische Nationaloper kann sich glücklich schätzen, einen solchen Künstler wie Kurt Kopecky als Haus-Kapellmeister zu haben. An diesem Haus hörte ich ihn zumindest, als er Mikko Franck die "Tote Stadt" nachdirigierte und sich von dessen Dirigat durch größere Sängerfreundlichkeit positiv abhob. In Mikkeli hörte ich ihn als Leiter eines Sinfoniekonzert, u. a. mit Sibelius' Violinkonzert, bei dem seine Frau Réka Solvay leider nicht die Solistin war, sondern nur im Auditorium saß.


    Beste Grüße aus Finnland

    Peter Schünemann

    Was ich auch nicht weiss, ob das Cover eine bewusste Irreführung ist, denn der russische Dirigent pflegt mit einem Zahnstocher zu dirigieren...


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    Lieber moderato!

    Diese Aussage möchte ich so nicht unterstreichen. Mich stört daran das Wörtchen "pflegt". Ich behaupte dagegen, dass Gergiev heutzutage mit Orchestern, die mit seiner "Dirigiertechnik", den flirrenden Fingern, langjährig vertraut sind, meistens ganz ohne Taktstock bzw. mit "Zahnstocher" dirigiert, aber ich habe ihn oft genug mit normal langem Taktstock dirigieren sehen, ohne dass ich darin eine Regel erkennen konnte.


    Dazu zwei Geschichten von seinem Festival im finnischen Mikkeli (wo ich lebe). 1997 hatten die finnischen Adminstratoren die Idee, ich sollte mich nicht nur um Justus Frantz, den deutschen Gast, kümmern, sondern auch als eine Art "Backstage Manager" fungieren, d.h. Gergiev aus der Garderobe abholen, ihm die Tür zum Saal öffnen usw. Bei dieser "anspruchsvollen" Aufgabe bekam ich mit, wie der Mariinsky-Orchesterwart Gergiev vor Betreten der Bühne einige Taktstöcke präsentierte, dieser einige ausprobierte - und sich entschied, ohne zu dirigieren.


    Einige Jahre später wurden mit Lang Lang in Mikkeli einige Werke von Rachmaninoff aufgenommen und in 2 Konzerten gespielt. In einem dieser Konzerte sollte es nach der Pause Rachmaninoffs Zweite Sinfonie geben, und Gergiev wandte sich zu mir, wegen der CD-Aufnahme mit Lang Lang habe er diese Sinfonie nicht proben können. Er könne also nicht den "Auto-Piloten anstellen", sondern müsste "arbeiten". Dies hieß für ihn offenbar, sich eines Taktstocks zu bedienen, um seine Intentionen zu verdeutlichen. Beim schwungvollen Auftakt zum 1. Satz jedoch touchierte er eines der Pulte der rechts von ihm sitzenden Musiker (Viola), der Taktstock fiel zu Boden und blieb dort bis zum Schluss der Sinfonie.


    Wie schon gesagt, ich möchte keine Regel aufstellen, wann Gergiev ohne oder mit Taktstock dirigiert und mit welcher Größe. Regel Nr. 1 : Es gibt keine Regel für Gergiev.


    Beste Grüße aus Mikkeli

    Peter Schünemann

    Anstelle von Prosa möchte ich an die obigen "Jubilare" mit Fotos aus meinem Archiv und ausgewählten Aufnahmen erinnern. Ich bitte um Verständnis.


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    Nicolai Ghiaurov, Filippo, Hamburg 1987 (Foto : Peter Schünemann)




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    Josef Metternich mit seinem Schüler Michael Volle, Gütersloh 1991 (Foto : Peter Schünemann)




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    Neil Shicoff, Faust, Hamburg 1985 (Foto : Peter Schünemann)




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    Pilar Lorengar, Berlin 1966 (Foto : Peter Schüemann)




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    Inga Nielsen, Konstanze, Salzburg 1987 (Foto : Peter Schünemann)




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    Giuseppe Taddei, Dulcamara, Wien 1990 (Foto : Peter Schünemann)





    Beste Grüße aus Finnland

    Peter Schünemann

    30. Mai 2021


    1952 – 69. Geburtstag von Aleksandre Toradse (Pianist)

    Das Musik-Festival in der finnischen Kleinstadt Mikkeli, in der ich seit fast 20 Jahren lebe, könnte auch den Beinamen "Valery Gergiev und seine Freunde" haben. Der künstlerische Leiter liebt es, seine Freizeit in finnischer Natur mit seiner Familie und seinen engen Freunden zu verbringen, und für diesen berühmt-berüchtigten Workaholic scheint es schon Freizeit zu sein, wenn er nur ein einziges Konzert pro Tag zu leiten hat. Zu diesem langjährigen Freundeskreis gehört neben Yuri Bashmet, Denis Matsuev und anderen auch der georgische Pianist Alexander Toradze, der heute seinen 69. Geburtstag feiert.


    Der in Tiflis geborene Alexander Toradze ist der Sohn berühmter Eltern, Vater Komponist, Mutter Filmschauspielerin. Er studierte am Moskauer Tchaikovsky-Konservatorium, wo er später auch eine Professur innehatte und gewann 1977 den 2. Preis beim Van Cliburn Klavier-Wettbewerb in Fort Worth. Während einer Spanien-Tournee mit dem Bolshoi Sinfonieorchester 1983 setzte er sich ab und suchte in der US-Botschaft in Madrid um Asyl. Seither lebt er in den USA und wurde 1991 Professor an der Indiana University South Bend.


    Vor seiner Flucht aus der Sowjet-Union freundete Toradze sich mit Valery Gergiev an, und dieser war es, der nach der Flucht, wann immer es ging, telefonischen Kontakt mit seinem georgischen Freund aufrecht erhielt. Es war also nicht verwunderlich, dass Gergiev sofort nach dem Zusammenbruch der UdSSR Toradze zu seinen Konzerten im Westen einlud. So kam ich in den Genuss, Toradze schon 1992 in Hamburg und seit 1995 regelmäßig in Mikkeli zu hören, abgesehen von Besuchen in St. Petersburg, Helsinki, Rotterdam usw.


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    Alexander Toradze & Valery Gergiev, Mikkeli 2001 (Foto : Peter Schünemann)


    Jeder von Toradzes Konzertauftritten hinterließ bei mir unauslöschliche Erinnerungen, was vielleicht daran liegen mag, dass in seinem recht schmalen Repertoire die Komponisten vorherrschen, zu denen er eine Beziehung hat, zu denen er etwas Persönliches zu sagen hat. So kam es mir häufig vor, als sei der Pianist nicht der Nach-Schöpfer eines Werkes, sondern würde es genau in diesem Augenblick kreieren. Dies ist natürlich mit Gefahren verbunden, denn seine immer langsamer werdenen Tempi, seine Manier, die ganze dynamische Skala bis hin zu einem kaum noch hörbaren Pianissimo auszuloten, könnte auch als "maniriert" gelten.


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    Alexander Toradze, beim Fußball verletzt. Mikkeli 2001 (Foto : Peter Schünemann)


    Wie sein Freund Gergiev ist auch Toradze ein großer Fußball-Fan, der es wie dieser liebte, mitzuspielen. Wie bei dem obigen Foto zu sehen ist, verletzte sich Toradze 2001 bei dem traditionellen Spiel Mariinsky vs Mikkeli, sagte aber das abendliche Konzert nicht ab und bewegte sich auf Krücken zum Flügel. Es muss für ihn eine Tortur gewesen sein, die Pedale nicht mit seiner üblichen Energie bearbeiten zu können, was er sonst tat, so dass traditionell ein Teppich zwischen Flügel und Hocker gelegt wurde, so dass sein "Trampeln" nicht vom Hörgenuss ablenkte. Als Toradze 2004 beim Festival "Stars der Weißen Nächte" in St. Petersburg Prokofievs 3. Klavierkonzert spielte, irritierte er die Zuhörer dadurch, dass plötzlich kein Solist zu sehen war. Was war geschehen? Toradze hatte wieder einmal das Pedal dearart malträtiert, dass eines davon brach und von ihm fixiert werden musste.


    Wer sich einen Eindruck von Toradzes Klavierspiel verschaffen will, dem empfehle ich ein Video mit seiner Interpretation des 2. Klavierkonzerts von Prokofiev. Toradzes Spiel ist nicht nur etwas zum Hören, sondern auch zum Sehen!!!



    Seine Einspielung der 5 Klavierkonzerte Prokofievs, die von 1995 bis 1997 in Mikkeli entstand, scheint derzeit beim Werbepartner nicht verfügbar zu sein. Statt dessen empfehle ich diese CD.



    Beste Grüße aus Mikkeli / Finnland

    Peter Schünemann

    26. Mai 2021



    1934 – 87. Geburtstag von Klaus König (Sänger) #158

    Mit zwei Fotos aus meiner Sammlung möchte auch ich Klaus König zu seinem 87. Geburtstag gratulieren.


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    Klaus König, Anna Tomowa-Sintow & Hellen Kwon, Ariadne auf Naxos, Hamburg 1989 (Foto : Peter Schünemann)


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    Klaus König & Margaret Price, Ariadne auf Naxos, Hamburg 1992 (Foto : Peter Schünemann)


    Beste Grüße aus Finnland

    Peter Schünemann

    25. Mai 2021


    1937 – 84. Geburtstag von Franco Bonisolli (Sänger)

    Es gibt würdigere Taminos als mich, des heute vor 84 (nach anderen Quellen vor 83 oder 86) Jahren geborenen Franco Bonisolli zu gedenken. Ich hatte vor vielen Jahren Gelegenheit, ihn bei seinen Gastspielen an der Hamburgischen Staatsoper zu fotografieren. Hier sind einige Fotos aus meiner Sammlung.


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    Otello, Hamburg 1983 (Foto : Peter Schünemann)


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    Cavaradossi, Hamburg 1984 (Foto : Peter Schünemann)


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    Otello mit Anna Tomowa-Sintow & Sherrill Milnes, Hamburg 1984 (Foto : Peter Schünemann)


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    Hamburg 1983 (Foto : Peter Schünemann)


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    Lieber Stimmenliebhaber!


    In den Unterlagen meiner 2018 im Alter von 97 Jahren verstorbenen Mutter fand ich folgendes Schreiben des "Generalintendanten der Bühnen der Landeshauptstadt Dresden" vom 13. August 1946.


    "Der Opernsängerin Hildegard Schünemann-Langhans wird hierdurch bescheinigt, daß sie ab 1. August 1944 an die Sächsische Staatsoper zu Dresden als Anfängerin auf zwei Jahre verpflichtet wurde.

    In der Zeit vom 18. bis 30. August 1944 trat sie dreimal auf. Am Tage darauf wurden die Staatstheater geschlossen und die Mitglieder der Rüstungsindustrie eingegliedert."


    Meine Mutter erzählte mir einmal, sie hätte als Gräfin Ceprano im Rigoletto mit Cebotari, Schock und Ahlersmeyer debütiert und in einer Butterfly mit Cebotari die Kate Linkerton gesungen.


    Gibt es irgendwelche Unterlagen, die diese Besetzungsangaben be- oder widerlegen könnten?


    Besten Dank für Deine Mühe und Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    23. Mai 2021


    1935 – 86. Geburtstag von Peter Haage (Sänger)

    Als Peter Haage 1983 nach Bayreuth verpflichtet wurde, um in dem neuen Solti-Hall-"Ring" Mime zu singen, erfüllte sich für ihn ein Jugendtraum. Als junger Gesangsschüler war er 1952 zu diesen Festspielen "gepilgert", um dort die von ihm verehrte Martha Mödl als Isolde zu hören, und als viele Jahre später ein Mitschnitt verfügbar war, erinnerte er sich an manche Details dieser von Herbert von Karajan dirigierten Aufführung.


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    Peter Haage, Bayreuth 1983 (Foto : Peter Schünemann)


    Nachdem er an der Musikhochschule seiner Heimatstadt Berlin bei den Professoren Sengeleitner und Brauer Gesang studiert hatte, führte ihn sein erstes Engagement 1960 an das Stadttheater von Ulm, wo er, der sich damals als lyrischer Tenor empfand, nicht nur als Faust debütierte, sondern auch seine spätere Frau kennen lernte, eine Tänzerin am Ulmer Theater. Mit ihr zusammen wurde er 1962 nach Lübeck verpflichtet, wo ihm unter der Obhut solch profilierter Theaterleute wie Arno Wüstenhöfer, Kurt Horres, Ulrich Melchinger und der Dirigenten Gerd Albrecht und Bernhard Klee der entscheidende Durchbruch in das Charakterfach gelang mit so interessanten Aufgaben wie Henzes „Jungem Lord“ oder dem „Wozzeck“-Hauptmann. Nach fünf Jahren in Lübeck holten ihn Melchinger und Albrecht, die inzwischen nach Kassel gegangen waren, dorthin nach.


    Gleichzeitig wurde Peter Haage jedoch nach Hamburg verpflichtet, wo durch den tragischen Tod Erwin Wohlfahrts eine Lücke aufgerissen war. Hier sang er eine Vielzahl von Partien vom Buffo bis hin zum Charaktertenor, vom Peter Iwanow, Pedrillo, Monostatos über David, Mime bis zu Albert Herring, war sich jedoch nie zu schade, auch in solchen Kleinstpartien wie als „Lohengrin“-Edler oder „Ballo“-Richter auf der Bühne zu stehen.


    Für den leidenschaftlichen Mödl- und Furtwängler-Fan war es natürlich ein Höhepunkt seiner Laufbahn, als er von 1983 bis 1986 bei den Bayreuther Festspielen im sog. Solti-Hall-„Ring“ mit dem Mime eine seiner Paraderollen interpretieren konnte, die er vorher in vielen Produktionen (Florenz, Hamburg, Düsseldorf, Kiel, Karlsruhe) gesungen und später auch in Bernards Haitinks CD-Einspielung verewigt hatte. Durch seine große Musikalität und intensive Darstellungskunst wurde er darüber hinaus immer wieder für Aufgaben in zeitgenössischen Opern verpflichtet, die er vornehmlich in der Opera stabile interpretierte, der Experimentierbühne der Hamburgischen Staatsoper. Diesem Institut gehörte er bis zu seinem Ausscheiden aus seinem aktiven Berufsleben an, nicht nur als Ensemblemitglied, sondern auch als Betriebsrats-Mitglied und später -Vorsitzender.

    An Opernaufnahmen existieren neben dem schon erwähnten Mime weitere Mitschnitte, von denen besonders Ligetis „Le grand macabre“ und Schreker.


    Ein Asthmaleiden, das 1989 urplötzlich während der Hamburger Premiere von Schrekers "Schatzgräber" ausgebrochen war, zwang ihn, seine Gesangskarriere abzubrechen. Nach der Wiedervereinigung zog er in die Nähe seiner Berliner Heimat, in das Brandenburgische Borkheide, und gründete dort zusammen mit seiner Frau die Konzertreihe "Der besondere Abend", die nach seinem Tode im Jahre 2005 von ihr fortgeführt wurde.









    Beste Grüße


    Peter Schünemann

    Lieber Caruso41!


    Danke für diesen Beitrag, zu dem ich noch einige Informationen zu Sakari Oramos künstlerischer Familie beisteuern möchte. Oramo ist mit der Sopranistin Anu Komsi verheiratet, die häufig in seinen Konzerten eingesetzt wird. Das Ehepaar hat 2 Kinder : Taavi, Klarinettist und wie sein Vater Dirigent, und Leevi, Schauspieler. Anu Komsis Schwester Piia Komsi ist ebenfalls Sopranistin, aber auch Cellistin, und mit dem Cellisten Martti Rousi verheiratet.

    Dunkel habe ich in Erinnerung, dass eine der beiden Komsi-Schwestern vor vielen Jahren am Bremer Opernhaus verpflichtet war.


    Beste Grüße

    Peter Schünemann

    17. Mai 2021


    1980 – 41. Todestag von Ernst Wiemann (Sänger)

    Als ich Ende der 50er Jahre meine Opernleidenschaft entdeckte, besaß die Hamburgische Staatsoper nicht nur ein funktionierendes Ensemble, sondern im Bassfach mit Arnold van Mill und Ernst Wiemann zwei Künstler von Rang. Der Holländer mit seinem relativ dunklen, knorrigen Timbre war schon 1951 bei den Bayreuther Festspielen aufgetreten, wohin auch der in Nürnberg lebende Wiemann eingeladen wurde, zu seinem Leidwesen allerdings nur für einen der Meister in den "Meistersingern", was er jedoch nicht annahm.


    Bereits mit Anfang 20 erhielt Ernst Wiemann seine ersten Engagements in Kiel und Stralsund. Der zweite Weltkrieg verhinderte zunächst eine Fortsetzung seiner Karriere. Nach Engagements in Gelsenkirchen (1950/51) und Nürnberg (1955 bis 1957) wurde er von Günther Rennert an die Hamburgische Staatsoper engagiert und auch von dessen Nachfolger Rolf Liebermann übernommen. Bis zu seinem Tode 1980 im Alter von nur 60 Jahren blieb er an diesem Hause und sang, alternierend mit van Mill, das erste Bassfach.


    Ein Höhepunkt seiner Karriere war sicherlich die Verpflichtung an die New Yorker Metropolitan Opera, an der von 1961 bis 1969 auftrat, nach seinem Debüt als König Heinrich dort auch in weiteren Wagner-Partien auftretend. Anfangs hatte ich eine große Vorliebe für sein weich timbriertes Bassmaterial, muss allerdings gestehen, dass meine anfängliche Begeisterung mit der Zeit nachließ. Mich störte vor allem sein sog. "Knödeln", also eine sehr gaumige Tonproduktion, die er sich nach eigener Aussage an der MET zugelegt hatte, weil man in dem großen Haus so singen müsste (?). Hinzu kam die Ûbernahme einiger Partien wie z.B. Barak, die mehr die Grenzen als die Vorzüge seiner Stimme aufzeigten.


    Ernst Wiemann hinterließ nur wenige offizielle Aufnahmen. Ich erinnere seinen "Don Giovanni"-Komtur mit Hermann Prey und Fritz Wunderlich sowie seinen "Freischütz"-Kuno unter Joseph Keilberth. Seine schöne Bassstimme ist in einigen Videos der Hamburgischen Staatsoper festgehalten, so vor allem sein Rocco und Pogner. Ernst Wiemann hatte das Pech, dass gerade in dieser Zeit mit Gottlob Frick, Josef Greindl und Kurt Böhme die Konkurrenz im Bassfach sehr groß war.








    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    Zu Norbert Orth kann ich etwas aus eigenem Erleben beisteuern, bitte aber zu bedenken, dass meine Eindrücke aus der Zeit stammen, in der er sich aufmachte, das jugendlich-dramatische Tenorfach zu erobern. Anfang 1984 hörte ich ihn in Hamburg als stimmschönen und -starken Pedrillo, im Sommer desselben Jahres in Bayreuth als Loge, der mich weniger überzeugte, da ich ihn "als weder Fisch noch Fleisch" empfand, also nicht mehr der Spieltenor, der er lange nicht mehr war, noch nicht der Wagner-Held (z.B. Tannhäuser in Lübeck) - selbst für die günstigen akustischen Verhältnisse des Bayreuther Festspielhauses zu wenig Volumen.

    Das hatte sich offenbar noch nicht geändert, als Norbert Orth 1986 für den absagenden James King in Hamburg als Parsifal einsprang. Positiv : gute Diktion, gefälliges Spiel. Negativ : fehlendes Volumen versuchte er, durch Abdunkeln und künstliches Verbreitern der Mittellage zu erreichen, so dass er am Ende des 2. Aktes mit seiner Kraft am Ende war und den ihm eigentlich gut liegen müssenden Karfreitagszauber nur mit Mühe bewältigte. Fazit : derzeit wäre Tamino die richtige Rolle!

    1987 erlebte ich ihn dann als Tristan in Lübeck, zumindest 2 Akte lang, denn zusammen mit dem Herausgeber eines Hamburger Opernmagazins verließ ich danach die Vorstellung, was diesen jedoch nicht daran hinderte, die gesamte Aufführung in seiner Publikation zu rezensieren (selbsterständlich ohne Vermerk, dass diese sich nur auf die gehörten 2 Akte bezog!!!).

    Ich hoffe diejenigen, die Norbert Orth positiv in Erinnerung haben, durch meine kritischen Hinweise nicht vor den Kopf gestoßen haben. Ich sage noch einmal : Ich habe Orth nur am Anfang seines Fachwechsels gehört, kann also nicht sagen, wie er sich danach entwickelt hat.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    12. Mai 2021


    1948 – 73. Geburtstag von Doris Soffel (Sängerin)


    1950 – 71. Geburtstag von Stella Kleindienst (Sängerin)

    Am heutigen 12. Mai denke ich an zwei Sängerinnen, die ich nicht nur auf der Bühne erleben, sondern auch privat kennenlernen durfte : die Sopranistin STELLA KLEINDIENST, die heute 71 Jahre alt geworden wäre (sie starb 2019) und die Mezzosopranistin DORIS SOFFEL, die heute ihren 73. Geburtstag feiert.


    In Bonn aufgewachsen, ging Stella Kleindienst nach Köln, um an der dortigen Musikhochschule bei Josef Metternich zu studieren und war ab 1979 2 Jahre Mitglied des Opernstudios der Kölner Oper. Ab 1981 ging sie ins Festengagement am Bremer Opernhaus, wo sie mir 1982 als „Meistersinger“-Evchen erstmals auffiel. Sie war der Grund, dass ich in den Folgejahren dieses Opernhaus mehrfach besuchte und Stella Kleindienst dort u.a. als Antonia, Liù, Annio und Agathe (Regie Rudolf Noelte) hörte. Ihre Tatjana unter der Regie von Johannes Schaaf hatte mich nicht nur durch ihre Stimme, sondern vor allem durch ihre darstellerische Intensität berührt, dass ich mir diese Aufführung 1983 gleich mehrere Male ansah. Diese Produktion war ein Wendepunkt im Leben der Künstlerin. Stella Kleindienst und Johannes Schaaf, die beide gebunden waren (sie war mit einem Bonner Kantor verheiratet, er lebte mit der Schauspielerin Rosemarie Fendel zusammen), verliebten sich ineinander, verließen den bisherigen Partner und heirateten. Fortan war Stella Kleindienst die inspirierende Muse des Regisseurs, der sie nun in vielen seiner Inszenierungen einsetzte : Marzelline in Genf, Agathe in Berlin, Cherubino in London und Hamburg, später Ariadne-Komponist in Essen, um nur einige Stationen der gemeinsamen Arbeit zu nennen. Sie war dann einige Jahre im Festengagement in Stuttgart. Ich begegnete ihr zum letzten Mal, als sie 2005 mit Johannes Schaaf nach Mikkeli kam, der neue Projekte mit Valery Gergiev besprechen wollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihre Gesangskarriere offenbar schon auslaufen lassen.





    Doris Soffel dagegen kann heute auf eine über 50jährige Karriere zurückblicken. 1972 war sie vom damaligen Operndirektor der Württemberischen Staatsoper, Wolfgang Windgassen, der bei einem Gesangswettbewerb in der Jury saß, an dieses Opernhaus berufen. Erste kleine Partien waren der Hirt in Tosca, Inez, Suzuki, Maddalena, Preziosilla, aber immerhin schon 1976 mit der Eboli ein erster Einbruch ins dramatische Mezzofach. Daneben gastierte Doris Soffel viel, sang ihre erste Carmen in Kaiserslautern (Don José war Manfred Jung) und wurde zu Gastspielen in Bregenz und Salzburg (1978 Annina im „Rosenkavalier“) eingeladen. Anfangs schien es so, dass sie sich zu einer Spezialistin für Mezzopartien des Belcantofachs entwickelte. Nach einer konzertanten „Norma“ in Stockholm mit Joan Sutherland in der Titelpartie war Doris Soffel von dieser nach London zu einem Konzert anlässlich ihres 30. Bühnenjubiläums in Covent Garden eingeladen worden, bei dem sie sich mit Arien aus „Barbiere“ und „Lucrezia Borgia“ sowie Duetten mit Sutherland aus „Norma“ und „Semiramide“ präsentierte.

    Zu diesem Zeitpunkt hatte sie schon Wagner gesungen, war 1977/78 in Basel Fricka, die sie 1983 im Bayreuther Solti/Hall-„Ring“ wiederholte. Zahlreicher jedoch als ihre Opernauftritte waren ihre Konzertverpflichtungen, die ihr ermöglichten, neben der Oper ein zweites Standbein zu haben, das ihr ermöglichte, zu frühe Ûbernahme von Partien wie Ortrud und Kundry abzulehnen. Dieser wohl überlegte Aufbau ihrer Karriere zahlt sich heute aus, wo sie sich erfolgreich Rollen im dramatischen Fach erobert hat : Klytämnestra, Herodias, Amme, Mme de Croissy, um nur einige zu nennen, in denen Doris Soffel auf der Bühne steht und mit starker Persönlichkeit imponiert.












    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    Ich habe Ghena Dimitrova nie auf der Bühne gehört, begegnete ihr aber, als sie 2004 in St. Petersburg Jurymitglied beim Rimsky-Korsakov-Gesangswettbewerb war. Besonders gern erinnere ich mich an ihre Antwort auf die Frage, was sie erwartete. Sinngemäß sagte sie, sie erwartete, dass eine Stimme sie aufhorchen ließe, eine Erwartungshaltung, die auch meiner als Zuhörer entsprach.

    Dieser Wettbewerb stand unter der Leitung der Gergiev-Schwester Larisa Gergieva, die die bulgarische Künstlerin einlud, bei der Mariinsky-Sommer-Akademie im finnischen Mikkeli 2005 eine Meisterklasse zu geben. Leider kam es nicht mehr dazu. Ghena Dimitrova war am 11. Juni 2005 in Mailand verstorben.

    3. Mai 2021


    1917 – 104. Geburtstag von Nadja Afejan (Sängerin)

    Heute vor 104 Jahren wurde die bulgarische Mezzosopranistin Nadja Afejan in Varna geboren. Nach ihrem Studium in Sofia, aber auch 1944/45 in Berlin und Wien, debütierte sie 1947 als Azucena an der Nationaloper von Sofia und blieb für mehr als 25 Jahre Mitglied dieses Hauses.


    Eine umfangreiche Gastspieltätigkeit brachte Nadja Afejan auch an die Deutsche Staatsoper Berlin, mit der seit 1961 ein Gastvertrag bestand. Ich erinnere mich, sie bei einem meiner Besuche im damaligen Ost-Berlin dort am 9. Dezember 1965 im Rahmen einer denkwürdigen "Don Carlos"-Aufführung gehört zu haben, denkwürdig deshalb, weil sie "multi-lingual" war. Nadja Afejan und ihre bulgarischen Kollegen Julia Wiener und Ljubomir Bodurov sangen ihren Part bulgarisch, der rumänische Posa Nicolae Herlea italienisch und der "Rest" (darunter Theo Adam als Philipp und Rolf Kühne als Großinquisitor) deutsch.


    Nadja Afejan starb am 27. September 2000 in Melbourne.



    Peter Schünemann

    Am gestrigen 2. Mai beging der russische Pult-Zar Valery Gergiev seinen Geburtstag, in Moskau, also in der Stadt, in der er als Sohn ossetischer Eltern vor 68 Jahren geboren wurde. Wie es sich für einen Workoholic wie Gergiev gehört, "feierte" er dieses Ereignis, indem er in der erst 2018 eröffneten Zaryadye-Konzerthalle gleich zwei Konzerte dirigierte : nachmittags ein Mozart-Klavierkonzert und Bruckners monumentale 8. Sinfonie und abends Debussy, Rachmaninoff und Prokofiev, beide Male mit Daniil Trifonov als Solisten.


    Diese Konzerte waren Teil des Moskauer Oster-Festivals, das seinen Namen davon hat, weil einige Konzerte "auch" in Moskau stattfinden, ansonsten bereisen Gergiev und sein Mariinsky-Orchester ganz Russland : in 27 Tagen 38 Konzerte in 25 Städten (!!!), also bis zu 3 Konzerte pro Tag. Für diese Sightseeingstour à la Mariinsky ist extra ein Sonderzug gechartert worden, zu dem sogar ein den Proben vorbehaltener Waggon gehört. Während auf der englischen Homepage dieses Festivals nichts steht, kann man der russischen Seite zumindest nach dem Konzert die Werke entnehmen, die gespielt wurden. Mit Ausnahme des Geigers Vadim Repin trat in den Konzerten bis heute der Pianist Daniil Trifonov auf, der Konzerte von Brahms, Schumann, Mozart, Shostakovich, Rachmaninoff und Tchaikovsky spielte.


    Wie es auf einer solchen Tour zugeht, davon zeugt dieser Film anschaulich :



    Sehenswert auch dieses Gergiev-Porträt mit einem sehr bezeichnenden Titel : "You cannot start without me"



    S dnyom rozhdeniya, Maestro. Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    2. Mai 2021


    2015 – 6. Todestag von Maja Plissezkaja / Maya Plisetskaya (Tänzerin und Choreografin)


    Die legendäre russische Primaballeria Maya Plisetskaya verstarb heute vor 6 Jahren im Alter von 89 Jahren. Obwohl ein ballettbegeistertes finnisches Unternehmerehepaar in Mikkeli Mitte der 90er Jahre mit dem sog. Imperial Russian Ballet ein Ballett-Festival initiiert hatte, bei dem Maya Plisetskaya als Attraktion fungierte, erlebte ich sie nie auf der Bühne. Wohl aber "erlebte" ich sie mehrfach, wenn sie Aufführungen im (historischen) Mariinsky-Theater besuchte und das Publikum sich bei ihrem Eintreffen in der Zaren-Loge erhob und sie die Huldigungen wie eine Königin entgegen nahm. Eine "Königin des Tanzes", das war Maya Plisetskaya.






    Und hier Maya Plisetskaya in dem Ballett, zu dem ihr Mann Rodion Shchedrin die Musik komponiert hatte - Carmen-Suite, nach Bizets Musik




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    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

    2. Mai 2021


    1953 – 68. Geburtstag von Waleri Gergijew / Valery Gergiev (Dirigent)

    Das sog. Moskauer Oster-Festival, das im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, findet zur Zeit statt. Valery Gergiev und das Sinfonieorchester des Mariinsky-Theaters geben in 27 Tagen 38 Konzerte in 25 Städten (!), d. h. an manchen Tagen 3 Konzerte. Das gibt Gergiev Gelegenheit, am heutigen 2. Mai seinen Geburtstag in der Stadt zu feiern, in der er vor 68 Jahren geboren wurde, in Moskau - wie es sich für einen derart rastlosen Künstler gehört gleich mit 2 Konzerten. S dnyom rozhdeniya, Maestro!


    Für diese "Sightseeingstour" durch Russland wurde extra ein Sonderzug gechartert; für Proben steht ein eigener Waggon zur Verfügung. Auf der (russischen) Homepage dieses Festivals kann man sogar das Programm der Konzerte lesen - allerdings erst, nachdem diese stattgefunden haben. Diesmal ist auch ein Künstler wie Daniil Trifonov dabei, der bisher Klavierkonzerte von Tchaikovsky, Schumann, Mozart und Shostakovich gespielt hat.


    Einige You Tube-Videos geben recht gut Aufschluss über diesen so sehr polarisierenden Dirigenten. Pikanterweise hat das erste den Titel "You cannot start without me". Man könnte annehmen, dass dieser Titel auf den notorisch unpünktlichen Gergiev hinweist.




    Auch Gergievs "Dirigierstil" ist häufig Thema von Diskussionen oder - wie hier - von Persiflagen.



    Valery Gergiev ist ein leidenschaftlicher Fußball-Fan, der diese Sportart früher selber ausgeübt hatte und z. B. bei seinem Festival im finnischen Mikkeli ein seit 1997 regelmäßig ausgetragenes Spiel zwischen seinem Mariinsky-Team und dem aus Mikkeli angeregt hatte. Anfangs spielte er noch selber mit, bis er sich einen Fuß verletzte. Er hatte bei durch Regen nassem Rasen mit normalen Straßenschuhen gespielt und war ausgerutscht. Abends trug er zum konzertanten "Ballo in maschera" Strandsandalen! Hier kommentiert Gergievs Freund, der Pianist Denis Matsuev (ebenfalls ein Fußball-Fan), für seinen Blog ein Spiel in Mikkeli, bei dem auf Seiten der russischen Gäste auch ein gewisser Ildar Abdrazakov mitspielt (abends hatte er Attila zu singen!).



    Es gibt diverse offizielle Aufnahmen, dirigiert von Valery Gergiev. Ich hatte Gelegenheit, ihn seit 1989 unzählige Male "live" zu erleben, ein Erlebnis, das ich in keiner der Einspielungen, so gut sie auch sein mögen, wiederfinde. Deshalb habe ich bewusst auch einige Boxen mit "Live"-Aufnahmen gewählt.













    Beste Grüße aus Mikkeli, wo (eigentlich) Anfang Juli das 30. Mikkeli Music Festival mit Valery Gergiev stattfinden sollte. Ein Programm ist bis heute noch nicht veröffentlicht......


    Peter Schünemann

    29. April 2021


    1991 – 30. Geburtstag von Sofia Kiprskaya (Harfe)

    Wenn eine Harfenistin im Rahmen eines Gastspiels ihres Orchesters in New York in der Carnegie Hall ein Solo-Recital gibt, so sagt dies sehr viel über ihre Qualität und ihren Ruf aus. Die Rede ist von der Mariinsky-Harfenistin Sofia Kiprskaya, die heute ihren 30. Geburtstag feiert - wenn ich mich nicht täusche bei einem Konzert, das ihr Orchester beim sog. Moskauer Oster-Festival gibt, bei dem Valery Gergievs Truppe vom 22. April bis 18. Mai ganz Russland bereist, mit bis zu 3 Konzerten (!) pro Tag. Heute ist Tyumen dran.


    Sofia Kiprskaya begann im zarten Alter von 5 Jahren mit dem Musikstudium, das sie am St. Petersburger Rimsky-Korsakov-Konservatorium abschloss und bereits mit 17 Jahren Mitglied des Mariinsky-Orchesters wurde, dessen Leiterin der Harfen-Sektion sie seit 2011 ist. Sie gewann zahlreiche Wettbewerbe und gab weltweit Solo-Konzerte. Ihr zu Ehren wurde 2017 in St. Petersburg das internationale Harfen-Festival "Northern Lyre" gegründet, das seit dem jedes Jahr ausgetragen wird.


    Auch an Valery Gergievs Festival im finnischen Mikkeli nahm sie teil, nicht nur als Part des Orchesters oder als Solistin, sondern auch mit 2 Solo-Recitals. Interessant, wie das zweite (im Jahre 2018) zustande kam. 2015 war Yoko Nagae Ceschina gestorben, eine der wichtigsten Sponsorinnen des Mariinsky-Theaters. Die gebürtige Japanerin war Harfenistin und traf in Italien auf einen 25 Jahre älteren Millionär, Graf Ceschina, der sie heiratete, aber schon wenige Jahre darauf verstarb. Er hinterließ der Witwe ein enormes Erbe, das sie dafür benutzte, Künstler zu unterstützen, darunter Valery Gergiev und das Mariinsky-Theater sowie ihre "Kollegin" Sofia Kiprskaya. Verständlich also, dass diese ihr Konzert in Mikkeli 2018 der verstorbenen Gönnerin widmen wollte, bei dem sie mit einer Gruppe von ca. 10 Kollegen auftreten wollte. Für Mikkeli war jedoch die Gage das Problem, denn bei diesem Festival, das so auf die Person Valery Gergievs fokussiert war, "rechneten" sich nicht von diesem dirigierte Konzerte nicht. Für solche Konzerte könne man maximal 2000 € als Gage "ausschütten". Antwort Sofia Kiprskayas : Kein Problem! Wenn das Festival jedem der 10 Künstler 100 € in bar geben würde, sei man zufrieden. Man käme nicht wegen des Geldes, sondern wolle Musik machen!!!!!


    Zum Glück finden sich auf YouTube einige Videos, die die große Kunst dieser jungen Künstlerin zeigen. Herzliche Glückwünsche zum Geburtstag.









    Beste Grüße aus Finnland,


    Peter Schünemann