Beiträge von Tobias C.B.

    Durch Zufall bin ich heute morgen auf den folgenden Mitschnitts von Beethovens op. 111 gestoßen, 1998 in Tokio von Maurizio Pollini gespielt, und möchte nicht versäumen, den mit Euch zu teilen:



    Wie ich finde ein wunderbares Zeugnis der Pollini eigenen Art, mit Kraft, Stringenz und klarem Blick die Werkstrukturen zu erarbeiten und sich dennoch (bzw. dadurch!) als intimer Kenner der Tiefen der Beethoven'schen Seele zu erweisen, ohne je ins Gefühlsduselige abzugleiten.

    Op. 106 [...] Sokolov [...] Leslie


    Bisher habe ich zugegebenermaßen von Sokolov noch keinen Ton gehört, muß mich daher jeden Urteils enthalten.
    An Leslies Bekanntheitsgrad ließe sich aber vielleicht noch etwas machen. Zum einen habe ich auf Deinen Post hin diesen Mitschnitt der Hammerklaviersonate bei YouTube gesucht und gefunden:



    Den habe ich mir gerade (zugegebenermaßen mit nur dem einen Ohr, das ich gerade verfügbar hatte) angehört, und ich war durchaus angetan! Der Einsteller dieses Videos hat auch noch die Sonaten opp. 101 und 110 sowie die Diabelli-Variationen hochgeladen (zu finden beim Klick auf den Mitgliedsnamen).


    Zum anderen ist op. 106 von ihm offenbar auch auf CD erhältlich:




    Und zum guten Schluss hat er auch noch eine eigene Homepage mit noch ein paar mehr CDs und Konzertkalender: www.michael-leslie.de. Scheinbar dürften ja zumindest die Süddeutschen ganz gute Chancen haben, ab und zu mal in den Genuß eines Live-Auftritts zu kommen. :)

    Der Zufall will es... Ich auch und auch mit einem Münchener Orchester:



    "Kubelik at his best" - wie beispielsweise beim "Parsifal" auch versteht es Kubelik meisterhaft, "Weihe" und "Temperament" miteinander zu verbinden.


    Kubelik ist auch so einer, mit dem ich mich schon seit längerem 'bei Gelegenheit' mal näher beschäftigen will. Bislang kenne ich bewusst nur Mahlers 8. von ihm, und die fand ich toll!

    Lieber Mike, Du hast bestimmt keinen Grund Dich dafür zu entschuldigen, daß Deine Wahrnehmung nicht der meinen entspricht. Das wäre ja noch schöner! :)


    Auch in Unkenntnis von Brüggens Bemühungen (sei es live oder auf der von Moderato gezeigten CD) kann ich allerdings nachvollziehen, daß man die Herangehensweise von Gardiner durchaus als ein bißchen trocken und 'kalt' empfinden kann. Für mich hat sich das mit zunehmender Hör-Dauer allerdings gelegt. Viktoria Mullova betreffend ist das zudem ein Urteil, dem ich mich keinesfalls anschließen kann. Sicherlich verfolgt sie, wie eigentlich immer, einen kräftigen, klassisch-unromantischen Ansatz, dennoch (oder gerade deswegen!) erkenne ich in ihrem Spiel ein hohes Maß an Seele und Feingeist.


    Wie dem auch sei: Zehetmair / Brüggen sind mir bislang wie gesagt unbekannt, ich habe Deinen Einwurf aber zum Anlass genommen, zumindest die CD-Einspielung einmal auf meinem Merkzettel zu verewigen. Ich denke, auch den von Dir eigentlich gemeinten Live-Mitschnitt habe ich im Netz auftreiben können. Den Link dahin will hier aber lieber nicht posten, da ich mir nicht vollständig darüber im Klaren bin, wie legal das Angebot dort ist. Wie dem auch sei: ich danke vielmals für den Tipp! :)

    Also weiter im Text: als nächstes möchte ich mich hier einer Dame widmen, der ich im Gegensatz etwa zu Janine Jansen erklärtermaßen schon seit dem ersten Geigenton verfallen bin, den ich von ihr hören durfte. Ich meine damit Vivaldis Vier Jahreszeiten in der Einspielung mit Claudio Abbado und: Viktoria Mullova. Wenig überraschend, soviel darf ich vorwegnehmen, findet sich auch ihre Auslegung von Beethovens Violinkonzerts unter meinen Lieblingen:



    Violine: Viktoria Mullova
    Dirigent: John Eliot Gardiner
    Orchester: Orchestre Révolutionnaire et Romantique
    Aufnahme: The Colosseum, Watford, Juni 2002 (Studio)


    23:15 - 8:15 - 9:34
    Kadenzen: Ottavio Dantone


    Das von Gardiner geleitete Orchester ist ab dem ersten Ton klar als historisch informiertes Ensemble erkennbar: fast schon dürr klappert die leitmotivische Pauke zu Beginn, hell seidig tönt der Darm über den Streicherhälsen und die Besetzung macht klanglich einen relativ schmalen Eindruck. Das klingt nach kurzer Eingewöhnungszeit durchaus angenehm und kommt Detailreichtum wie Durchhörbarkeit zugute, auch wenn sich der Hintergrund ein wenig nach einem halligen Kirchenschiff oder Artverwandtem anhört. Trotz aller Feingliedrigkeit können Gardiner und sein Ensemble auch dynamisch kräftige Akzente setzen, was ihr auf Schwung und Frische angelegter Ansatz auch verlangt; gern ergehen sie sich im Herausarbeiten von Kontrasten, geraten stilsicher aber niemals in Gefahr, auch nur in die Nähe der Grenze zum reinen Showeffekt zu kommen.


    Hier teilen sich Orchester und Solistin eine Kernqualität: auch Mullovas Ansatz ist ein Musterbeispiel an uneitlem, werkdienlichem Spiel, dessen unaufgeregte Anmutung die Schönheiten von Beethovens Konzert herauszuarbeiten um ein Vielfaches mehr geeignet erscheint als manche rubatös vibrierende Klangorgie. Als schlagendes Beispiel dazu in den Ring werfen möchte ich das voller Hingabe in wunderbar klarem Ton 'gesungene', hörbar aus dem Bewusstsein intellektueller wie technischer Meisterschaft heraus gestaltete Larghetto. Als Sahnehäubchen tischt Mullova dann noch zwei schön klingende Kadenzen von Ottavio Dantone auf, die zumindest ich noch in keiner anderen Aufnahme gehört habe. Freunde der klassischen Gangart dürften sie jeweils gefallen, wobei ich teilweise auch meinte, einen interessanten barocken Unterton auszumachen.


    Angesichts der Verbindung aus dem spannenden Orchesterpart und der auch aus der stärksten Konkurrenz noch immer herausragenden Solistin fällt mir beim besten Willen nichts ein, was es an dieser Aufnahme zu kritisieren gäbe. Ich behaupte: zumindest als Freund HIPpen Beethovens muss man die CD eigentlich haben.


    Okay, das war jetzt die Rache - die Aufnahme muss ich haben!!! 8o Zumal ich ein großer Fan der Einspielungen der Beethoven-Symphonien durch Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie bin. Und das Britten-Konzert ist ein weiteres Kaufargument.


    Ich bin mir sicher, den Kauf wirst Du nicht bereuen! :) Wohingegen ich mich gerade ärgere: heute morgen habe ich die aktuelle Gramophone-Ausgabe (mit Janine Jansen auf dem Cover) gekauft und selbiger entnommen, daß Jansen und Järvi nebst der Kammerphilharmonie Bremen offenbar im Dezember mit Beethovens Konzert live unterwegs waren. Das hätte man früher wissen müssen! :pinch: Sei's drum: ein nächstes Mal gibt's immer!

    Ich kann nur sagen, dass ich die meisten Sinfonien der großen Komponisten (Ausnahme Sibelius) kenne. Von Haydn kenne ich alle 104 und habe sie alle mindestens 10x gehört. Das war ein tolles Projekt.


    Dieser Aussage kann und möchte ich mich vollumfänglich anschließen - von der Tatsache abgesehen, daß es bei mir bislang 'nur' zu einem Durchlauf seines sinfonischen Gesamtwerks gereicht hat. Dennoch kann ich festhalten, daß ich von buchstäblich der ersten bis zur letzten Sinfonie immer wieder auf Einfälle von Haydn gestoßen bin, die bei mir nicht nur Staunen und / oder Begeisterung auszulösen vermochten, sondern die auch einen Grad an Kreativität und künstlerischer Freude offenbaren, der auch mich die Bezeichnung "Massenware" für reichlich unpassend halten lässt.


    Gehört habe ich übrigens die Gesamt-Einspielung von Adam Fischer, die ich jederzeit weiterempfehlen würde: auch ihn und sein Orchester hat Haydns Werk auch über die lange Strecke hörbar zu großen Leistungen motiviert.


    Anton Bruckner - Sinfonie Nr. 8 in c-moll
    Hans Knappertsbusch / Münchener Philharmoniker



    Allem Lokalpatriotismus zum Trotz lautet mein erstes Fazit doch eher "na ja"... Das wirkt mir doch alles recht deutlich angestaubt - oder mir fehlt der Sinn für Knappertsbuschs Tun, wer weiß.

    Das betreffende Konzert, das übrigens 100%ig meinen Geschmack trifft, findet sich übrigens auf der hier gezeigten CD. Die muß man kennen, denn anders findet man mittels Suchfunktion das Klavierkonzert Nt 0 von Beethoven nicht.


    Ich besitze nebenstehende, ebenfalls empfehlenswerte, Aufnahme des Konzerts. Ein paar andere existieren auch noch, sind mir aber bislang noch nicht geläufig. In seiner Eigenschaft als Fragment eines Jugendwerks ohne Opus-Zahl ist es allerdings allgemein nur sehr selten berücksichtigt worden.





    Zitat

    Ich kann übrigens mit einer weiteren Version dieses Themas aufwarten - na ha zumindest die ersten paar Takte sind sehr Ähnlich: "Wenn man will zu Mädchen gehen" (Dittersdorf: Doktor und Apotheker") (?)


    Tatsache - erstaunlich! Diese Melodie muss wohl so etwas wie ein naturgegebener Gassenhauer sein, was auch in der relativen Einfachheit des Themas begründet liegen dürfte. Wer (so wie ich) Dittersdorfs Singspiel nicht kennt, kann auch dies bei YouTube hören:


    Zu diesem Thema ist mir zwischenzeitlich auch noch etwas ganz Nettes untergekommen: wie ich mittlerweile erfahren habe, gibt es außer Beethovens fünf kanonischen Klavierkonzerten (und der Transkription des Violinkonzerts) auch noch ein Jugendwerk von 1784, zu dem allerdings nur die Solostimme des Klaviers erhalten ist: das Klavierkonzert in Es-dur, WoO 4.


    Das Hauptthema des finalen Rondos besagten Konzerts nun klingt erstaunlich ähnlich wie das bekannte Weihnachts- / Nikolauslied "Lasst uns froh und munter sein". Letzeres ist übrigens später entstanden als Beethovens Werk, so daß eine Inspiration des (zu dem Zeitpunkt immerhin erst 14-jährigen) Komponisten ausgeschlossen werden kann.


    Nachhören, wovon ich spreche, könnt Ihr hier:


    Es gibt einfach nichts, zu dem es hier noch keinen Thread gibt!
    Und dieser hier könnte ja auch mal wieder ein wenig Leben gebrauchen. Wohlan:


    ich sammle in dem Sinne keine Autogramme und habe bislang z. B. auch noch vor keinem Künstlereingang ausgeharrt, um mir irgendwelche Devotionalien signieren zu lassen. Ab und zu nehme ich aber durchaus mal eins mit, wenn sich die Gelegenheit gerade bietet und der Aufwand nicht zu groß (will sagen: die Schlange zu lang) ist.


    Ich dachte, der Thread eignete sich vielleicht auch, das eine oder andere signierte Schätzchen aus dem heimischen Fundus zu präsentieren, und will gleich mit gutem (?) Beispiel vorangehen. Neulich in der Kölner Philharmonie (die ihre Künstler übrigens regelmäßig zur Autogrammstunde nach dem Konzert ins Foyer bitten) habe ich mir Konzertprogramm und eine sogar eigens von zu Hause mitgebrachte CD von den Protagonisten des Abends, Patricia Kopatchinskaja und Teodor Currentzis, unterschreiben lassen, wobei insbesondere Kopatchinskajas Signatur herzallerliebst ist:


    (<-- ein Klick vergrößert das Bild)


    Stimmt auch, wobei ich weniger an Kunsgewerbe, sondern tatsächlich an "professionelles Design" dachte, wie z.B. solches aus der Bauhaus-"Ecke"., Form follows funktion vs. Form is function etc.


    Ist Design vom Laien dann keine Kunst mehr? Und falls doch: würde das nicht bedeuten, daß so ziemlich alles, was menschlichen kreativen Prozessen entspringt, als Kunst im weiteren Sinne bezeichnet werden kann, sofern seine Beschaffenheit und Gestaltung nicht ausschließlich seinem Gebrauchszweck geschuldet ist?


    Ich denke, das ist der Fall.

    "Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. "


    In der Tat ein seltsamer Satz. "Funktionen" meint hier wohl "Nutzen".


    Und ein kaum haltbarer zudem, ob nun "Funktion" gemeint ist oder "Nutzen"... Viel Überlegung ist eigentlich nicht notwendig, um vielfach Gelegenheiten zu finden, wo Kunst sehr wohl einen Nutzen hat und Zwecke erfüllt. Als erstes kam mir da religiöse Kunst in den Sinn: Kirchenmusik, Heiligengemälde, Sakralbauten, Bildhauerei ect. pp. - alles erfüllt einen direkten Zweck in Ausgestaltung und Verherrlichung der jeweiligen Religion.


    Daneben hielte ich es auch für höchst zweifelhaft, einem meinetwegen auf irgendeinem Platz aufgestellten Kunstwerk rundheraus den Nutzen abzusprechen. Dafür müsste man letzteren schon sehr eng und wohl kaum sonderlich geistreich definieren.




    Edit: Zitierfehler beseitigt.

    Am Ende des von Dir gebrachten Zitats ist meine Auffassung dazu zu finden: Man muss um den der Musik zugrundeliegenden religiösen Gehalt wissen, um sie wirklich verstehen zu können. Teilen, im Sinne einer personalen Identifikation damit, muss man ihn nicht.


    Da sind wir uns sicher einig! :)


    Wobei der positive Effekt einer möglichst umfänglichen Kenntnis von Grundlagen und Bezügen m. E. eher nicht zum Spezifikum für das Verständnis geistlicher Musik taugt, sondern praktisch für jede Betrachtung, nicht nur von Kunst, zum Tragen kommt.


    Wobei wir uns scheinbar ohnehin von der Eingangsfrage nach dem "Lieben" sakraler Musik weg, hin zum "Verstehen" bewegen. Wie dem auch sei: beides halte ich wie gesagt auch für nicht-gläubige Menschen für möglich.

    Eine faustdicke Überraschung stand mir beim Anhören der nächsten Einspielung von Beethovens Violinkonzert ins Haus:



    Violine: Janine Jansen


    Dirigent: Paavo Järvi
    Orchester: Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
    Aufnahme: Hamburg, Juli - Aug. 2009 (Studio)


    22:57 - 8:21 - 9:26
    Kadenzen: Fritz Kreisler


    Zackig, ja geradezu scharfkantig anmutend geht Järvi Beethovens Konzert an, keinen Zweifel daran lassend, daß er nicht vorhat, seinen Zuhörer im Sessel selig wegschlummern zu lassen. Schön straff und energetisch ist sein Ansatz, stellenweise wirken die Järvi'schen Bemühungen auf mich allerdings auch einen Hauch übertrieben. Zuweilen hätte eine Prise mehr Gelassenheit der Sache für meinen Geschmack gutgetan; den überaus positiven Grundeindruck kann das jedoch nur wenig schmälern, zumal auch der tolle Orchesterklang noch erwähnt werden muss.


    Hervorragend dazu passend zeigt sich Jansens agiles, beseeltes Violinspiel, das trotz aller Frische ein hohes Maß an Ausdruck und Authentizität mitbringt. Hinzu kommt ihr angenehm körperlicher, feinsinniger aber nicht poliert wirkender Geigenton, der für mich die eigentliche Überraschung dieser Aufnahme darstellt: als unpassend süßlich und mädchenhaft hatte ich Jansens Interpretation im Ohr, so daß sie bald als nicht weiter zu beachten verwarf. Nichts könnte von der Wahrheit weiter entfernt sein! Im Nachhinein muß ich dieses Urteil wohl meiner mangelnden Hör-Erfahrung anlasten. Umso glücklicher bin ich nun, diese herausragende Platte doch noch einmal zur Hand genommen zu haben.


    Insbesondere den Verächtern des sogenannten 'romantischen' Zugriffs auf Beethovens Konzert kann ich nur raten, dieser vitalen und mitreißenden Aufnahme einmal ihr Ohr zu leihen!

    Der Abwechslung halber will ich als nächstes wieder ein paar Worte zu einer Einspielung verlieren, die nicht unbedingt zu meinen absoluten Favoriten zählt:



    Violine: Christian Tetzlaff
    Dirigent: Michael Gielen
    Orchester: Sinfonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden
    Aufnahme: Baden-Baden, Juni 1988 (Studio)


    22:52 - 7:37 - 9:09
    Kadenzen: Ludwig van Beethoven (für die Klavierfassung op. 61a, Bearb.: Christian Tetzlaff)



    Ein Blick auf die Spielzeiten verrät schon Gielens reichlich zügigen Ansatz, der dem Werk an sich gut zu Gesicht steht. Leider wirkt die eine oder andere Stelle jedoch wenig sorgfältig phrasiert, wie sich Gielen auch zu der einen oder anderen temporalen Inkonsistenz hinreißen lässt. Hört man die Aufnahme, mag das als übertriebene Erbsenzählerei erscheinen, aber gerade letzterer Aspekt ist mir persönlich meist sehr wichtig, so daß mein Hörvergnügen stellenweise schon geschmälert war.


    Tetzlaff ist mit der flotten Gangart hörbar glücklich, geht aber mit weniger militärischem Aplomb zu Werke als sein dirigierender Kollege. Auch versäumt er nicht, die Feinheiten seiner Stimme mit viel Liebe zum Detail herauszuarbeiten. Schön und hell ist sein Geigenton, sein Vortrag ist von jugendlicher Frische geprägt, gelegentlich gar etwas hemdsärmlig daherkommend: manchen Passagen hätte tatsächlich etwas mehr 'große Geste' gutgetan.


    Fazit: ein Muß ist diese Einspielung in meinen Augen nicht - die paar Taler zu investieren, die dafür üblicherweise aufgerufen werden, ist allerdings auch kein wirklich schwerer Fehler.


    Der Kopfsatz der hier beschriebenen Einspielung findet sich bei YouTube:


    Isabelle Faust hat das Violinkonzert mehrfach eingespielt, gelungen sind alle Aufnahmen. Ich ziehe diese Aufnahme derjenigen mit Belohlavek und der Prager Philharmonie noch vor. Die CD wird besonders reizvoll dadurch, dass sie mal nicht die Romanzen als Lückenfüller enthält, sondern eine ebenfalls phantastische Aufnahme des Violinkonzerts von Alban Berg.


    Von Interesse ist vielleicht dieser Blog-Beitrag, der das Werk und über 20 Aufnahmen bespricht: "http://www.rolf-musicblog.net/beethoven-violin-concerto-in-d-op-61/" Auch die verschiedenen Kadenzen werden dort thematisiert.

    Na fein... Isabelle Faust durfte ich neulich live in einer Aufführung aller Partiten und Sonaten für Violine von J. S. Bach erleben, und ich war sehr angetan! Außerdem finde ich noch Abbado, Berg und Beethoven toll. Du darfst Dich also schuldig fühlen, meinen ohnehin schon endlosen Einkaufszettel gerade noch ein Stück verlängert zu haben. :P


    Danke auch für Link zum Blog: ein bißchen quergelesen habe ich schon und fand das Gesehene durchaus fundiert und interessant. :)



    Wegen der unterschiedlichen Kadenzen (und teils auch wegen Temposchwankungen unterwegs) kann man nicht einfach die Spieldauern vergleichen.

    Auf den Trichter bin ich heute auch irgendwann gekommen! Das ist natürlich richtig. Endlich kann ich diese 25 Minuten-Grenze wieder vergessen!



    Zur Auflockerung eine kleine Bearbeitung von Karl Jenkins

    Herzallerliebst, und vor allem textlich genial! :D :P

    Und gleich zur nächsten Einspielung! Diesmal wieder eine Aufnahme, die seit einiger Zeit eindeutig zu meinen Favoriten gehört und die hier auch schon verschiedentlich zur Sprache gekommen ist:



    Violine: Gidon Kremer
    Dirigent: Neville Marriner
    Orchester: Academy of St. Martin-in-the-Fields
    Aufnahme: London, Dezember 1980 (Studio)


    24:12 - 9:58 - 10:20
    Kadenzen: Alfred Schnittke


    Mit einem Zacken mehr Verve als die bisher von mir Erwähnten, dynamisch und, vor allem im Kopfsatz, auch temporal angenehm straff gehen Marriner und sein ASMF Orchestra an die Sache heran. Insbesondere im Vergleich zu Haitinks Aufnahme fällt daneben ein Mehr an akustischem Samt im Streicherklang ins Ohr, wie man der Aufnahme auch technisch die 7 Jahre weniger anhört, die sie im Vergleich zu Erstgenannter auf dem Buckel hat: insbesondere die klangliche Differenzierung zwischen den verschiedenen Instrumentengruppen ist hier erfreulicherweise deutlich besser gelungen.


    Und dann Kremer: ihn habe ich überhaupt erst vor relativ kurzer Zeit kennengelernt, war aber vom ersten Moment an von seinem ultra-präsenten, engagierten Spiel begeistert. Dieses stellt per se schon ein Faszinosum dar, passt aber meiner Meinung nach in seiner Bekenntnishaftigkeit gerade zu Beethovens Musik in ganz besonderer Weise. Höchste Aufrichtigkeit, Expressivität und eine gewisse Grund-Härte zeichnen Kremers Violinspiel zu allen Zeiten aus, was seinem Vortrag jenseits aller technischen Aspekte ein ungemein aufrüttelndes Moment verleiht, dem sich zu entziehen kaum möglich erscheint. Man sollte das mal gehört haben!


    Wie mehrfach schon im Thread erwähnt spielt Kremer die modernen Kadenzen Alfred Schnittkes, und offenbar im Gegensatz zu manchem meiner Vorschreiber halte ich diese für eine kunstvoll gearbeitete, hörenswerte Ergänzung des Kanons. Deren Schroffheiten können auf den ersten Blick zwar abschreckend, wenn nicht primitiv wirken, aber ich empfinde sie als durchaus erhellend und zum Werk passend.


    Auch diese Einspielung ist glücklicherweise bei Youtube zu hören:



    Hallo Tobias,
    Deinen Beitrag finde ich besonders interessant, weil er mal nicht die hochfavorisierte Aufnahme beschreibt, sondern eine weniger Geschätzte - quasi als Kaufabschreckung. Sehr gut !


    Mir fällt zum DG-Cover der CD noch etwas ein:
    Die beiden Künstler schauen gemäss deiner Beschreibung offenbar genau so gelangweilt aus der Wäsche wie die Interpretation klingt.


    Jetzt, wo Du's sagst... Da könnte was dran sein! Vermutlich hat der Fotograf die Künstler beim Abhören der eigenen Aufnahme abgelichtet. :D :P


    Mich hat mal wieder die Lust nach etwas vergleichendem Hören überkommen und habe mir daher vorgenommen, alle Aufnahmen von Beethovens Violinkonzert, die ich besitze, aus diesem Anlaß nochmals aufzulegen. Das schließt dann auch die mit ein, die nicht gerade meine liebsten Kinder sind... Ich freue mich jedenfalls, daß das Deinen Gefallen findet! :)


    Vermutlich werde ich das Konzert Monate lang nicht mehr hören können, wenn ich 'durch' bin - aber das werde ich in Kauf nehmen...


    Queyras hatte ich letztes Jahr das große Glück, in Köln mit den kompletten Cello-Sonaten von Bach (nebst einigem postmodernen Beiwerk) erleben zu dürfen: das war ein überaus erhebender Abend! :)



    Mir versüßen den grauen Samstag Morgen Martha Argerich und Gidon Kremer mit Beethovens erster Violinsonate:

    Und im Falle geistlicher Musik ganz konkret:
    Ist ein "Verstehen" möglich, ohne dass man die hinter ihr stehenden und ihre Genese bedingenden religiösen Inhalte personal teilt und selbst vertritt?
    Um auf die letzte Frage mit einem einzigen Wort einzugehen: Nein, das denke ich nicht! Für das "Verstehen" von geistlicher Musik ist ein Wissen um die religiöse Substanz erforderlich, die ihr zugrunde liegt, nicht aber eine personale Identifikation mit derselben, - im Sinne eines "Religiös-Seins".


    Lieber Helmut, meinem Verständnis nach widersprichst Du Dir an dieser Stelle selbst, was die notwendigen Voraussetzungen zum 'Verstehen' geistlicher Musik betrifft: muß dazu man den im Stück x vertretenen Glauben nun selbst teilen, oder reicht ein theoretisches Wissen um dessen Inhalte?


    Nichtsdestotrotz ist die zugrundeliegende Fragestellung in der Tat eine hoch interessante und vermutlich ergiebig zu diskutierende. In der Entscheidung zwischen Echtem Glauben und Theoretischer Kenntnis seiner Inhalte würde ich deutlich zu letzterem tendieren, ja behaupten wollen, daß nicht einmal die notwendige Voraussetzung zum Verständnis von Sakralmusik ist. Ich habe mir dazu einige Fragen gestellt, um gewissermaßen ein paar Grenzlinien um mein Denkfeld zu ziehen:



    Kann auch ein Katholik verstehen, wenn Bach Luther vertont?
    Ohne weiteres, denke ich.


    Lässt sich eingrenzen, wie ein geistliches Stück beschaffen sein muss, um dem gläubigen Menschen gegenüber dem Ungläubigen eine extra Verständnis-Ebene zu bieten? Etwa: muss dazu ein religiöser Text gegeben sein, oder würde das auch auf ein geistlich inspiriertes Instrumentalstück zutreffen? Würde das auch noch für Musik funktionieren, die zwar aus einer sakralen Motivation heraus entstanden ist, zu der die Beweggründe des Komponisten aber (etwa aufgrund irgendwelcher Repressionen) nicht bekannt sind?
    Ich halte all das für klar zu verneinen.


    Kann mir das Verständnis eines sakralen Musikstückes abhanden kommen, wenn ich meinen Glauben verliere?
    Kaum, bin ich der Meinung.


    Lässt sich die Glaubens-Frage auf andere Bereiche persönlichen Belangs umlegen, um etwa mal ein Beispiel zu konstruieren: muss ich in der Sowjetunion oder im 2. Weltkrieg gelebt haben, um Schostakowitsch wirklich zu 'verstehen'?
    Meiner Ansicht nach nicht unbedingt.



    Ist es also zum Verständnis eines geistlichen Musikstücks vonnöten, Anhänger des inspirierenden Glaubens zu sein?
    Aus den obigen Überlegungen folgt für mich: keinesfalls.


    Erfahrungen und Vertrautheit mit dem Wesen und der Existenz ähnlich gelagerter Dinge wie die in einem Kunstwerk beschriebenen (etwa: Glauben, Not, Krieg etc.) helfen sicherlich, dessen Wesen zu begreifen, ebenso wie ein gerüttelt Maß ein Einfühlungsvermögen. Das auf eine Formel zu bringen à la 'Protestantische Musik funktioniert nur für Protestanten' halte ich allerdings für wesentlich zu eng gedacht.


    Ich denke, umgekehrt ist dennoch zu fragen: kann sakrale Musik demjenigen eine eigene bzw. zusätzliche Ebene von Verständnis und Gewinn bieten, der den in ihr vermittelten Glauben teilt? Ich halte das für möglich, ja höchst wahrscheinlich, sehe an dieser Stelle aber keinen direkten zu Bezug zu der hier das Thema ja mitdefinierenden Musik und ebenso kein Plus an deren 'Verständnis'. Eher scheint mir der Gewinn für den Gläubigen an der Stelle schon eher beschaffen wie etwa die Freude über die Lektüre eines Zeitungskommentars, der mich in meinen Ansichten und Werten bestärkt: mir verschafft das in dem Moment ein Wohlgefühl, schließt aber nicht aus, daß sich auch Menschen anderer Meinung an der geistigen, künstlerischen oder argumentatorischen Leistung des Autors erfreuen können.



    Das Gesagte deckt sich übrigens, wenig verwunderlich, auch mit meiner Erfahrung, der ich mir zumindest einbilde, auch in meinem erworbenen Heidentum die Tiefen etwa der Bach'schen Musik erkennen und nachfühlen zu können - sei sie nun weltlich oder geistlich. :)





    Edit: Wort(Sinn-)- / Grammatikfehler korrigiert.

    Wie so oft habe ich mal wieder zwei Käufe getätigt, die nur der guten Gelegenheit geschuldet waren:



    Joseph Haydn
    Sämtliche Klaviersonaten


    Carmen Piazzini


    Diese Pianistin war mir bislang vollkommen unbekannt - und dann fällt mir ausgerechnet eine Gesamtaufnahme aller Haydn-Sonaten von ihr in die Hände. Ich bin erstaunt! Und gespannt. Ich habe mir vorgenommen, zu gegebener Zeit ein paar Worte über ihre Haydn-Interpretationen zu verlieren.



    Bach / Busoni - Chaconne
    Beethoven - Rondos opp. 51/2, 129
    Schumann - Kreisleriana


    Yevgeny Kissin


    Mein Haupt-Kaufgrund hier war die Busoni'sche Klavierfassung der Bach-Chaconne. Von deren Existenz weiß ich überhaupt erst relativ kurze Zeit. Bislang kenne ich nur die Einspielung von Hélène Grimaud, mit der ich mich für ein Urteil aber noch nicht eingehend genug beschäftigen konnte. Wie auch immer: eine zweite Künstlermeinung ist immer gut!

    Einige der aggressivsten Luther-Choräle wie die Zeilen "Erhalt uns, Herr, bei einem Wort und steur' des Papst und Türken Mord" wurden inzwischen in "und steure deiner Feinde Mord" geändert, meines Wissens aber z.B. von Bach noch original vertont..


    Man kann Bach zwar zugutehalten, nicht seine eigenen Worte vertont zu haben, und vermutlich wird der Text aus unserer heutigen Sicht auch anders wahrgenommen als damals, aber das hat schon durchaus eine Qualität, wo ich Probleme hätte, mich vorbehaltlos an der schönen Musik zu erfreuen.


    Ein selbstkonstruiertes Beispiel kam mir zwischenzeitlich noch in den Sinn: hätte Wagner über seine Einordnung des "Judenthums" nicht nur Text sondern auch Musiktheater geschrieben, hätte vermutlich nicht nur ich heute erhebliche Schwierigkeiten, die zugehörige Komposition Wagners zu genießen, so meisterhaft sie sicher auch gewesen wäre.





    Und nein, ich möchte hier bitte keine (neue) Diskussion über das Wesen des Wagner'schen Antisemitismus lostreten, sondern habe das Beispiel nur aufgrund seiner erhofften Prägnanz angebracht. :!:

    Mich würde interessieren, ob es hier noch andere Ungläubige gibt, die dennoch geistliche Musik lieben.


    Ich kann das auch für mich vorbehaltlos bejahen. Das gilt für im engeren Sinne geistliche Musik wie Messen, Requiems oder dergleichen ebenso wie für andere religiös motivierte Werke wie schon erwähnten Parsifal oder auch Mahlers Auferstehungssinfonie. Letztere live zu hören war für mich sogar der Auslöser, mich überhaupt ernsthaft mit klassischer Musik zu beschäftigen.


    Zumindest kann ich das so für Werke behaupten, die einem gewissermaßen passiven Glauben Ausdruck verleihen oder deren Entstehung durch denselben motiviert wurde. Das sähe sicher anders aus, wenn Kunst, so ästhetisch ansprechend sie auch sei, dazu ge- / mißbraucht würde, irgendwelche aggressive religiöse Propaganda zu verbreiten. Das aber ist zumindest von meiner Seite nur ein theoretischer Einwurf, zu dem mir jetzt zum Glück kein praktisches Beispiel einfallen würde.

    Im Wesentlichen habe ich vor, mich mit den folgenden Dingen zu befassen:


    - das Wagner'sche Opernschaffen (mit Ausnahme des Rings)
    - das Strauss'sche Opernschaffen (mit Ausnahme von Salome und Ariadne)
    - klassischer Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, zuvorderst das Werk von Pierre Boulez


    Die Voraussetzungen habe ich in meiner Sammlung wenigstens teilweise, namentlich durch den Kauf dicker Opern-Schachteln, schon gelegt, anderes wird sicher im Laufe der Zeit noch folgen. Das schließt selbstverständlich auch bei mir nicht aus, daß alles völlig anders kommen kann :P , z. B. indem mich Empfehlungen, Konzertbesuche oder irgendwelche Zufälle in eine ganz andere Richtung locken. Aber das wäre durchaus kein Problem für mich.