Beiträge von Yorick

    Vielleicht kann mir mal jemand erklären, ohne das wir eigens einen Verstehen-Thread aufmachen, was euch an dem Mann und seinen Werken fasziniert? Ich selbst finde Klavierkonzerte wie Sinfonien entbehrlich und teile das Urteil von Wjatscheslaw Gawrilowitsch Karatygin! Aber: Bitte ohne Zorn ... :)

    Ich benötige auch keine DVD, um diese Werke, respektive auch reine Konzerte, zu sehen. Mir genügen die CDs - da kann ich meine Augen schließen und nur zuhören.

    Ja, das ging und geht mir ähnlich, ich habe das ja unter anderem hier Der Klassikliebhaber und sein Medium oder Wie die Musik ins Haus kommt! zu umschreiben versucht. Allerdings unterscheide hier schon zwischen reinen Orchesterwerken, Solokonzerten, Opern und geistlichen Werken. Wenn letztere in ansprechender und passender Umgebung stattfinden, wie das bei Karl Richter eigentlich immer der Fall war, habe ich nichts gegen eine optische Beeinflussung der Musik. Wenn zudem die Visualisierung sogar regelrecht der Musik korrespondiert und sich beide gegenseitig umfangen und erhöhen und wechselseitig erklären und deuten, sollte man sogar zuschauen. Tanz freilich ist schon etwas Eigenes; aber gegen eine Messe oder ein Oratorium oder eine Passion in einem Sakralbau kann eigentlich niemand etwas sagen ...

    Es wird Zeit, den größten Komponisten aller Zeiten auch visuell in dieses Unterforum einzuarbeiten: Diese Aufnahme hier mit Karl Richter habe ich in den letzten Tagen dreimal gehört und kann gar nicht genug von ihr kriegen! Wie ich anderswo schon schrieb, ist diese h-Moll-Messe mit dem Münchner Bach-Chor und dem Münchner Bach-Orchester unter Karl Richter in der barocken Stitfskirche von Dießen am Ammersee in Oberbayern hervorragend in Bild und Ton umgesezt worden; die Bildführung innerhalb des Sakralbaus korrespondierte der herrlichen Musik und lässt den historisch nicht korrekten Pomp der Musik ein wenig vergessen.



    Der Werbepartner hat noch im Angebot, vielleicht kann der eine oder andere etwas zu der einen oder anderen Aufnahme sagen oder wieder andere ergänzen:


    Ich weiß nicht, ob das mehr mit Hörpsychologie oder eher mit der prinzipiellen Schwierigkeit, über Musik und Interpretationen zu schreiben, zu tun. Meiner Ansicht nach liegt zB einer der berühmtesten deutschsprachigen Musikkritiker, Kaiser, meistens auf der "Wortgeklingel"-Seite. In dem Beethoven-Buch stehen abzählbare scharfsinnige Detailbeobachtungen neben einer Unzahl von für mich ganz nichtssagenden Floskeln. Aber tausende? Seine Leser finden seine Beschreibungen erhellend und überzeugend... vielleicht nur, weil sie so schön klingen oder weil vieles andere noch viel schwafeliger ist.
    "http://www.zeit.de/1975/49/lauter-wunderschoene-stellen

    Wir rühren hier natürlich an den Grundfesten; auch dieses Forums! :) Wir leben hier ja schließlich davon, über Musik und unser Erleben ihrer zu schreiben. Wie Holger weiter oben schreibt, kann und darf man Erleben und Erfahren beschreiben und man kann und darf und muss wahrscheinlich hin und wieder auch analysieren. Im besten Falle sollte das jedoch, wie ich finde, Hand in Hand gehen! William ist hier ein gutes Beispiel - aus einer genauen Deskription schält sich prägnant und konzise eine analytische Herangehensweise heraus, die in ein nachvollziehbares interpretatorisches Urteil mündet. Und das Wichtigste dabei; man spürt durch die Zeilen seine Freude und Lust an der Musik und ihren Interpretationen; da ist kein Zwang und keine Mühe sichtbar, nur Behagen und ungekünstelte Begeisterung, gebändigt durch Form und Charakter.


    P.S. Kaiser ist für mich unlesbar! Ein schöner Text der "Zeit" ...

    Ich finde, man darf den Eindruck von Musik bzw. einer Interpretation beschreiben und/oder man kann da analytisch herangehen. Ausgerechnet an dieser Aufnahme von ABM herumzumäkeln, finde ich nun ziemlich befremdlich. ABM ist gerade bei Beethoven (wo eigentlich nicht?) penibel Notentext treu. Wer ihm da Manierismus vorwerfen will (was ich nun vollständig abwegig finde), der schaue doch mal in den Notentext.


    Lieber Holger, ich kann zum Beispiel leider nichts beitragen, weil ich die Aufnahme von ABM nicht habe. Mir ging es nur um die Versprachlichung des Autors.

    Die Pointe des blinden Anhörens wäre allerdings weit weniger, eine Interpretation oder Interpreten, die man längst kennt, "herauszuhören", als eben vorurteilsfrei zuzuhören.

    Das hat natürlich mehrere Ebenen:
    1. Bekanntes unterscheiden können
    2. Unbekanntes unvoreingenommen hören
    3. in der Lage sein, analytisch und "musikwissenschaftlich" zu hören (Instrumente heraushören, Gattung, Tonart etc.)
    4. fähig sein, akustische Eindrücke zu verbalisieren
    etc.


    Aber das andere geht natürlich auch. Viele Sänger wird auch ein Anfänger sehr schnell am Timbre wiedererkennen, ebenso erkennen viele erfahrene Hörer und Musiker Geiger u.a. Instrumentalisten am Klang. Um 1990 hat mal bei "Wetten, dass" ein ca. 17jähriger Geiger eine Wette gewonnen, bei der aus ca. 20 Aufnahmen einer Passage des Beethovenkonzerts den Geiger identifizieren musste. Meiner Erinnerung nach hat er es relativ locker geschafft (natürlich nicht nur am Klang). Gewiss hatte er sich lange anhand dieser Aufnahmen vorbereitet, für mich als damaliger Klassik-Anfänger war es dennoch sehr beeindruckend.

    Sehr richtig! Ich denke, man wird auch ohne Not eine Aufnahme von Glenn Gould herausfiltern können und muss dabei nicht einmal auf Musik und Noten achten! :)

    Letztlich ist es eine Sache der Erfahrung und des Gedächtnisses. Für einen Popmusikhörer klingen Wagner, Filmmusik und Bach bisweilen "wie Mozart" (d.h. wie generische Klassik) und für manchen Klassikhörer klingen alle Haydn-Sinfonien "gleich".

    Vielleicht der entscheidende Punkt!

    Diskothek im Zwei war vor einigen Jahren schonmal aus D abhörbar, dann wurde es eine Zeitlang gesperrt. Man merkt da teilweise, wie schwer es sogar Profis haben, Aufnahmen verbal zu charakterisieren.

    Es gab vor Jahren mal im Radio (MDR?) eine Sendung, die sich "Literarisches Rätsel" nannte; in welcher jedesmal ein literarischer Text vorgelesen wurde ohne Angaben zu Autor, Gattung, Zeit etc. und Moderatoren (Rüdiger Safranski?) sowie die eingeladenen Fachleute mussten dann analysieren und den Autor erraten. Natürlich musste man auf Grund der Kompetenz auch mal abseitigere Texte nehmen; aber alle waren sie typisch und es war hochinteressant zu sehen, wie selbst absolute Top-Leute Lessing, Goethe oder Heine nicht erkannten und alle germanistischen Wortkaskaden sich oft als leeres Geschwätz entlarvten. Wie viel schwerer da noch, über Musik zu reden?! Ich habe mir die Nacht drei Sendungen angehört und es war einseits sehr lehrreich und hochgradig spannend; aber schon in der 3. Folge machten sich Ermüdungserscheinungen bemerkbar, weil diese erwähnten Profis einfach zu oft um Worte rangen, weil ihr analytisches Instrumentarium entweder erschöpft war oder sich nicht leicht in Worte fassen ließ.

    Ich habe wiederum eine DOKU über Rattle, in der er seine seltsame Meinung über Karajans Beethoven kundtat, gesehen und habe schon einige seine Beethoven-Aufnahmen gehört, die genau das wiederspiegeln ... daher meine Einlassung. Meine bevorzugten Beethoven-Dirigenten bei den KK heissen Bernstein, Szell, Solti. Halte mal Rattle dagegen, dann weist Du was ich meine !

    Kennst du schon Glockentons Beitrag Böse Falle - Hörpsychologie! im Thread Hörpsychologie? Da geht es unter anderem auch um Rattle; ich persönlich lerne ihn jetzt durch den Zyklus der Beethoven-Sinfonien besser kennen; indem ich meine Freundin und meinen Vater gebeten habe, mir blind die 1., 3. und 6. einzuwerfen - mit Ausnahme von den HIP-Aufnahmen bin ich äußerst überrascht worden von meinem Vergleich Karajan(1) - Karajan(2) - Karajan(3) - Kegel - Wand - Rattle - Edlinger; man tut Rattle wirklich Unrecht!



    Masur wird auch oft bei der Brillant-KK-Aufnahme verrissen ! Er und Gilels bringen mir aber genau das schöne Musikerlebnis.
    Und Du hast Deine unbenomme positive Meinung zu deinen vorgestellten KK-Aufnahmen.

    Auch hieran sieht man, dass es kein reines und gleiches Musikerleben ohne außermusikalische Aspekte gibt! Der Tenor von praktisch allen, die diese grüne Box haben, ist, dass die technische Qualität miserabel ist und Masur eher durchschnittlich. Für dich dagegen eine Offenbarung; so eklatant können eigentlich auch subjektive Eindrücke nicht differieren, da steckt etwas anders dahinter. Da ich bei Marketplace bestellt habe, dauert es noch ein wenig; aber ich bin gespannt auf meinen Eindruck!

    Hallo Yorick,


    ich habe für deine Auflistung lohnenswetter Aufnahmen des KK Nr.1(auch 2-5)

    Lohnenswert, weiß ich nicht! Ich habe lediglich die älteren Postings mit ihrem Hinweisen und Vorschlägen um die entsprechenden Links zum Anbieter ergänzt; weil das offensichtlich vor fünf oder acht Jahren noch nicht so Usus war. Ich halte das aber für sehr wichtig, um zu wissen, wovon man spricht und um den Überblick, auch über die Preisgestaltung, zu behalten.




    Decca, DDD


    Es ist zwar nicht mein Favorit für das KK Nr.1 (weil bei mir der Zug dafür bereits mit Gilels und Gould abgefahren war), aber sehr beachtenswert. Das Orchester hat nämlich, schon durch Solti, genau die aufwühlende Ausdruckskraft, die ich mir für die 5 KK wünsche.

    Die habe ich natürlich hier Beethovens Klavierkonzerte schon mit aufgelistet; Ashkenazy wird ja gerne mal skeptisch gesehen.

    Hallo Yorick,


    Nun hast Du es ja doch bei Amazon mit der Wilhelm Backhaus-Aufnahme geschafft!!


    Ja, bei der Decca granConcerto-Box hättest Du natürlich noch die Diabelli-Variationen und die Klaviersonaten Nr. 8, 14, 21 und 23 dabei! Vor allem an Backhaus' Interpretation der Klavierkonzerte Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3, sowie der Klaviersonate Nr. 14 - alle vier Einspielungen für mich Referenz-Aufnahmen (beim Klavierkonzert Nr. 1 neben Glenn Gould/Golschmann und Friedrich Wührer!) - wirst Du Deine helle Freude haben, vor allem wenn du Dir ein BEETHOVEN-Spiel von Größe und Sachlichkeit wünscht.


    Ja, ich bin ein Held! :) Die Box kriegt man ja schon für 12,50 Euro; da sollte man nicht lange zögern. Ich bin wirklich gespannt, habe nun die letzten Tage so viele unterschiedliche Interpretationen gehört, ohne dass es mir leid wurde; einfach, weil die Herangehensweise derart unterschiedlich ist, dass man es kaum glaubt.

    Dies stimmt schlicht und einfach nicht.

    Ich habe weiter unten relativiert; dennoch singt er nicht wirklich gut bei vielen Rollen!


    Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir haben in den letzten Jahrzehnten ja mehr baritonal gefärbte Tenöre als so manchem lieb ist. Aber Jonas Kaufmanns gaumige Klangproduktion ist zur Zeit eigentlich ohne Gegenstück. Sie ist auch sehr deutlich hörbar und - was die Sache so leicht identifizierbar macht - sie ist variabel. In jeder Aufführung, die ich bis jetzt mit ihm gesehen habe, war sie zu Beginn deutlich ausgeprägt und reduzierte sich im Laufe des Abends. Wenn er sich freigesungen hat, ist sie nicht mehr störend, wenn auch noch erkennbar. Das dauert aber ziemlich lange, bis in die Mitte des Stücks. Ob es gefällt ist jedem überlassen, aber mich stört es vor allem im italienischen Fach, wo ich eine klare Klangproduktion als essentiell empfinde. Jonas Kaufmann im ersten Akt der Tosca ist für mich schwer zu ertragen, gegen sein E lucevan le stelle im dritten Akt ist nichts mehr einzuwenden.

    Sehr schön beschrieben! Wo kann man ihn denn in einer italienischen Oper derzeit hören?

    Auch wenn ich mich hier im Thema wiederhole, ich muß es loswerden.
    Vergangenes Jahr, Anfang August, war im TV die Übertragung der "Salzburger Boheme". Ich hatte damals 1 1/2 Akte gesehen, dann hatte es mir gereicht. Als vor einer knappen Stunde ein Film zu Ende war, habe ich danach mal so durchgezappt. Dabei auch ahnungslos auf Classica. Da lief gerade der letzte Akt dieser Boheme. Zufall, ich wußte es nicht.
    Habe 5 Min. geschaut mit Entsetzen, länger ging nicht. Ich kann nur sagen, wenn es einen Verunstaltungs- Wettbewerb gäbe, diese Inszenierung würde garantiert einen der vorderen Plätze belegen!!! Es ist einfach unglaublich, was man aus dieser wunderschönen Oper machen kann.
    CHRISSY


    Und ich habe sie mir extra angesehen, um mich fortzubilden!