Beiträge von lutgra

    Heinz Winbeck ist am 26. März dieses Jahres in Regensburg verstorben. Er studierte ab 1964 in München am Richard-Strauss-Konservatorium Klavier und Dirigieren. Ab 1967 dann Komposition bei Harald Genzmer und Günter Bialas. Ab 1988 war er Professor für Komposition an der Musikhochschule in Würzburg.


    Winbeck hat fünf groß angelegte Symphonien Bruckner'schen Ausmaßes komponiert, von denen bisher nur die 1. auf CD verfügbar war. So ist es erfreulich, dass jetzt im Andenken an den wenig um sich Aufhebens machenden Komponisten eine CD-Box mit allen 5 Symphonien erscheint.


    Das britische Maggini Quartet hat zwischen 1995 und 2009 insgesamt 20 CDs mit Streichquartetten britischer Komponisten für das Naxos Label eingespielt, generell wurden diese Einspielungen von der Fachkritik sehr gelobt. Es sind fast alle wichtigen Komponisten dabei, lediglich Robert Simpson fehlt, aber der hat auch 15 Quartette komponiert.


    Nun Bringt Naxos diese Aufnahmen zusammengefasst in einer Box heraus, was zumindest für Kammermusikliebhaber, die nicht schon viele der Aufnahmen besitzen, von Interesse sein könnte .


    Das Quatuor Zaïde hat eine neue Primaria und kürzlich ihre 4. CD herausgebracht. Diese ist Mozart gewidmet, dessen frühe Oper ja immerhin Namensgeber des Quartetts war. Und sie enthält auch Musik aus einer Mozart-Oper, allerdings der letzten der "Zauberflöte". Ein Jahr nach deren UA hat ein kundiger anonymer Zeitgenosse die Ouvertüre und die bekanntesten Arien der Oper für Streichquartett gesetzt und dieses 45-minütige Werk präsentieren die Zaïdes auf ihrer neuesten CD, dazu noch KV 387. Gespielt wird - wie schon bei Haydns op. 50 - in HIP-Manier und das geht den jungen Damen locker und unangestrengt von den Saiten. Hörenswert.


    Die 13 Streichquartette von Miaskowsky gibt es in der Einspielung durch das Taneyev Quartet schon länger, kürzlich wurden sie aber in einer preisgünstigen 5-CD-Box zusammengefasst neu herausgebracht.


    Eine Würdigung dieser Box durch Kai Luehrs-Kaiser findet sich hier.


    Geigen- und Cello-Fans haben offensichtlich eine besondere Vorliebe für Analog-Aufnahmen auf Vinyl. Jedenfalls sind die Klassik-Platten, die bei ebay die höchsten Preise erzielen (oft drei-, manchmal vierstellig, z.B. bei Johanna Martzy), meist Platten von Geigern oder Cellisten, bevorzugt von den Solosonaten und -Partiten von JSB. So ist es vielleicht auch zu erklären, dass die Aufnahme mit Solopartiten eines lebenden Komponisten, die Hilary Hahn in Auftrag gegeben hat, die 6 Partiten von Anton Garcia Abril bisher nur auf Vinyl erschienen ist. Die 8-15 minütigen Stücke sind in einer sehr gemässigten Tonsprache gehalten und dürften Hörern, die mit Bachs oder Ysayes Solowerken keine Probleme haben, ebenfalls ansprechen. Die 6 Stücke tragen übrigens Titel, deren Anfangsbuchstaben dann den Namen HILARY ergeben. Die Möglichkeiten, die ein Fold-Out-Cover bietet, nämlich viel Text unterzubringen, wurde leider gar nicht genutzt. Man erfährt nichts über den Komponisten und nichts über seine Zusammenarbeit mit der Geigerin, schade! Die Photos der Geigerin entschädigen dafür nur zum Teil.


    Während die ersten beiden Streichquartette (1957, 1959) von Tischtschenko offensichtlich noch Werke eines Studierenden sind, ist das 3. Streichquartett von 1970 und damit das Werk eines ausgebildeten Musikers. In den 1960er Jahren ist in der zeitgenössischen Musik auch im Ostblock viel passiert (Penderecki, Lutoslawski, Ligeti) und das ist hörbar in das 3. Quartett eingeflossen, die Tonsprache ist sehr harsch geworden, atonale und sogar aleatorisch klingende Passagen sind zu finden. Die vier Sätze gehen bruchlos ineienander über und während bei den ersten drei der Ton immer ruppiger wird, ist der langsame vierte Satz geprägt von einer ausgedehnten Zwiesprache der beiden Violinen. Die beiden anderen Instrumente sind hier kaum beteiligt. Das erinnert an den späten Schostakowitsch geht insgesamt aber klanglich deutlich darüber hinaus, erinnert teilweise eher an Schnittke. Der Klang der analogen Aufnahme ist recht scharf im Ohr und lässt vermuten, dass die Digitalisierung nicht besonders behutsam erfolgt ist.

    Es spielt das legendäre Taneyev Quartett.

    Der Name Nancy Dalberg wird den meisten nichts sagen. Sie lebte von 1881-1949 und war eine der ersten dänischen Komponistinnen. Sie hatte Unterricht bei Johan Svendsen und später auch bei Carl Nielsen, der sie auch mit der Orchestrierung einiger seiner Werke betraute. Sie selbst hat u.a. eine Symphonie (die Nielsen uraufführte) und drei Streichquartette komponiert, von denen zwei wohl auch zu Lebzeiten gespielt wurden.


    Die drei Streichquartette sind für Mitte September auf dacapo angekündigt, es spielt das Nordic String Quartet.


    Na, hier hat sich ja wenig getan, seit meinem letzten Eintrag vor 9 Monaten.


    Das Ebene Quartett tourt gerade mit Beethovens Quartetten um die Welt und nimmt dabei an sieben Orten auf verschiedenen Kontinenten diese live auch auf. Die erste Folge - sinnigerweise aus Wien - erscheint Ende September. Ich hoffe, es gibt dann nicht nach 1, 2 Einzel CDs auf einmal nur noch die gesamte Box. Bei der Dame handelt es sich übrigens nicht um Janine Jansen sondern um Marie Chilemme, die seit 2 Jahren im Team ist.



    THE RECORDINGS. Ébène will record their complete Beethoven String Quartets in seven stages.

    #1 Philhadelphia (Kimmel Center)

    #2 Vienna (Konzerthaus)

    #3 Tokyo (Suntory Hall)

    #4 São Paulo, Brésil (Sala São Paulo)

    #5 Melbourne (Melbourne Recital Centre)

    #6 Nairobi,

    #7 Paris (Philharmonie de Paris - Cité de la musique)

    Die Streichquartette von Tischtschenko muss ich mir auch mal wieder vornehmen, habe ich seit längerem nicht mehr gehört. Ich werde versuchen, diesen thread zeitnah weiterzuführen.

    Das erste Streichquartett schrieb Boris Tischtschenko 1957 - also als 18-jähriger - während seines Studiums am Leningrader Konservatorium, er hat es 1975 noch einmal überarbeitet. Das Werk besteht aus drei Sätzen und dauert nur ca. 12 min. Zwei langsame Sätze, ein Andante mesto und ein Lento umrahmen ein kurzes Allegro giocoso. Nicht ganz überraschend bewegt sich dieses Quartett - wie übrigens auch das 6. von 2008, in das ich schon hineingehört habe, und damit vermutlich auch die dazwischen komponierten - in der Klangwelt, in der sich auch die Quartette von Schostakowitsch und Weinberg bewegen. Das soll nicht heissen, dass es Stilkopien sind, aber die Klangwelt ist schon eine ähnliche. Die Musik ist vielleicht etwas weniger komplex und deshalb sogar leichter zu hören. In den langsamen Sätzen findet BT jedenfalls teils betörende Klänge.


    Das zwei Jahre später entstandene 2. Streichquartett ist mit 40 min ein veritables Werk für dieses Genre. Und ein kleines Meisterwerk. Wieder wird die Klangwelt eines DSCH und Weinberg, aber auch eines frühen Bartok aufgespannt. Tischtschenko war offensichtlich ein begnadeter Melodiker und schöpft hier aus dem Vollen. Während das 1. und 3. Streichquartett vom legendären Taneyev Quartett eingespielt wurden, stammen die Aufnahmen dess 2. 5. und 6. offensichtlich von einem adhoc Ensemble. Sicher ist in beiden Fällen - was Spielkultur angeht - noch etwas Luft nach oben, aber die Stereo-Aufnahmen sind derzeit konkurrenzlos und mehr als willkommen.

    Rumon Gamba ist ein britischer Dirigent, Jg. 1974. Gamba studierte Musik an der University of Durham und danach Dirigieren an der RAM in London, u.a. bei George Hurst und Colin Davis. 1998 gewann er einen Dirigierpreis bei der BBC, der ihm bei der BBC Philharmonic einen Assistenzposten einbrachte. 2002 übernahm der den Posten des GMD beim Isländischen SO, von 2009-2015 war er Chef der NorrlandsOperan in Umea/Schweden. Die Liste seiner Gastdirigate ist lang und enthält auch zahlreiche deutsche Orchester (Münchener P, NDR, RSO Berlin, SWR etc.).


    Gamba hat für das Label Chandos - mit dem er offensichtlich exklusiv verbunden ist - bereits über 50 CDs eingespielt, davon viele mit Filmmusiken. Aber auch eine gepriesene GA der Orchesterwerke von Vincent d'Indy und die letzten drei Symphonien von Malcolm Arnold gehen auf sein Konto. Derzeit fokussiert er sich auf kürzere Orchesterwerke (Ouvertüren bzw sinfonische Dichtungen) britischer Komponisten.



    Photo und website


    Zu Aaron Jay Kernis (*1960) gibt es bereits einen kurzen thread zu seinen Orchesterwerken, denn sollte man vielleicht auch hierher verlegen, denn Kernis ist ohne Zweifel ein zeitgenössischer Komponist, dazu noch ein derzeit ziemlich erfolgreicher.


    Das Jasper String Quartet hat sich zur Aufgabe gemacht, die drei Streichquartette des Komponisten, die in den Jahren 1990, 1997 und 2015 entstanden aufzunehmen und in Bezug zu Klassikern des Genres von Schubert, Beethoven und Debussy zu stellen. Wie immer man zu solchen Gegenüberstellungen stehen mag, die drei Beiträge von Kernis sind IMO jedenfalls außerordentlich gelungen und sehr hörenswert, m.E. sind es wichtige amerikanische Beiträge zum Genre.

    Die komplexen Stücke zu beschreiben ist gar nicht so einfach, denn sie schöpfen aus vielen Quellen. Schroffes steht neben meditativem, Minimal music neben Bartok-artigem. Jedenfalls wird einem nicht langweilig, wenn man sich auf das Hörabenteuer einlässt. Das 2. Quartett wurde 1997 mit einem Pulitzer Preis geehrt.


    Der bei uns kaum bekannte, aber dennoch zu den großen Geigern des 20./21. Jahrhundert zählende Aaron Rosand (15.3.1927-9.7.2019) ist gestern im Alter von 92 Jahren verstorben. Er hinterlässt eine Diskographie, die die bedeutenden Werke für sein Instrument umfasst. Viele davon stehen in meiner Sammlung.


    R.I.P.



    N. Hornig in FonoForum 8 / 99: "Rosands Bach-Interpretation bewegt sich auf dem Boden der Tradition. Es ist eine romantisierende Auffassung, aus der eine geistige Klarheit und musikalische Verbindlichkeit sprechen, die auch eine im Prinzip konventionelle Darstellung spannend erscheinen lassen. Rosands Phrasierungsintelligenz nimmt gefangen: hier klingt einfach alles logisch und natürlich: Akzente und Tempi, die Entwicklung der Linien, das Ansteuern und Erreichen der Höhepunkte."




    In summary, this is one of the few recordings in which absolutely everything works in triumphant harmony. The Brahms Concerto (strangely, of the two performances, the one that haunts the memory) ranks among the very best; the Beethoven, honesty compels me to affirm, is the very best: a marvelous conception realized by a virtuosic soloist at the top of his form and an orchestra and conductor inspired by the greatness of the work and its interpreter. I'm well aware that, having read the last sentence, some readers are reaching for pen and paper to write an indignant defense of one favorite (Heifetz, Huberman, Szigeti, Kreisler, and Menuhin come to mind) or another. But Rosand's Beethoven has little in common with any of those, and in that difference lies its strength. It's one for the ages. -- Robert Maxham, Fanfare Magazine, 1999


    Die Streichquartette von Hans Pfitzner kenne ich noch gar nicht. Eine der Original CDs von cpo habe ich in meiner Sammlung gefunden und daraus heute das cis-moll Quartett op. 36 von 1925 gehört. Das ist ein sehr komplexes Werk, das sich beim ersten Hören mir noch nicht erschliesst. Es gilt als eines seiner Meisterwerke und wurde von ihm auch in eine Symphonie (op. 36a) umorchestriert.

    Beim Spaziergang mit Hund habe ich dann per stream noch das op. 13 gehört, das wesentlich zugänglicher ist. Ob sich die 2. CD mit op. 13 und op. 50 auch in der Sammlung befindet, habe ich bisher nicht herausfinden können. Ich werde sie wohl am Sekundärmarkt ordern.


    die drei 1817 veröffentlichten (vermutlich letzten) Streichquartette sind von ausserordentlicher Qualität. Formal entsprechen sie alle dem klassischen Haydn'schen Modell mit vier Sätzen, mit Spieldauern von 16:34 bis 22:28 ähneln sie diesen auch im Umfang. Stilistisch liegen sie ziemlich in der Mitte zwischen Haydn und Mozart mit Ausblicken auch auf den frühen Beethoven und Schubert. Sie sind melodisch sehr reizvoll und die Sätze auch sehr schön entwickelt. Düstere Abgründe tun sich nicht auf, sie sind eher heiter gestimmt. Unterhaltungsmusik der besten Manier. Die 1. Geige ist naturgemäß etwas im Vordergrund, aber es handelt sich keinesfalls um verkappte Violinkonzerte, sondern auch die anderen Stimmen werden mit zahlreichen Aufgaben versehen, es handelt sich um echte Quatuors concertants.
    Das Quartetto Aira ist aus Ensembles der frühen HIP Szene hervorgegangen, dies scheint ihr einzige CD-Produktion zu sein. Sie spielen aber eher konventionell, durchaus rustikal mit gelegentlichen Intonationstrübungen, aber mir gefällt der dunkle Klang ihrer Instrumente. Und da es m.W. eh keine Alternativeinspielung gibt, kann ich bestens mit dieser Aufnahme leben.

    Dem Wunsch komme ich gerne nach. Hinzufügen kann ich derzeit nichts. Ob ich jetzt die 4 CDs umfassende Aufnahme von Brilliant Classics ordern werde, ist noch unentschieden. Vielleicht machen mir ja die künftigen Beschreibungen von Alfred den Mund wässrig. Derzeit bin ich noch vollends mit der Fitz Brun Box ausgelastet.

    Lieber Adriano

    der Dank gebührt nicht uns, sondern Dir, der Du es erst möglich gemacht hast, dass wir die hörenswerte Musik dieses Komponisten kennenlernen können.:hail:


    Ich habe gerade wieder einmal die erste Symphonie gehört, die ich vor gut einem Jahr als download erstanden habe. Ich habe sie inzwischen sicher ein halbes Dutzend Mal gehört und damit gehört sie bei mir quasi schon zum "Repertoire". Ich freue mich schon sehr darauf, die anderen 9 näher kennenzulernen, was Dank Deiner website auch kundig und durch viele Informationen ergänzt möglich ist. Auch dafür gebührt Dir Dank.


    Liebe Grüße

    lutgra

    Die von Holger anlässlich ihrer Debut CD bei DGG gelobte junge Geigerin Bomsori Kim legte letztes Jahr eine CD mit dem 1. Violinkonzert von Schostakowitsch und dem 2. von Wieniawski vor. Sie bietet eine weitere gute Aufnahme des 1. Violinkonzertes von Schostakowitsch mit der Warschauer Philharmonie unter Jacek Kaspszyk. Wie viele andere neuere Aufnahme lässt aber auch diese nicht in die exististentiellen Abgründe blicken wie die Aufnahmen von Oistrakh, Kogan, Salerno-Sonnenberg und Khachatryan. Dafür spielt Frau Kim auch einfach zu "schön". Das expressive Moment, das Holger bei der Kammermusik CD so lobt, hat sie hier noch nicht einbringen können oder wollen. Aber sie steht ja auch noch ganz am Anfang der Karriere.