Beiträge von lutgra

    Leopold Rappoldi (1839-1903) und seinem Ensemble (namentlich nicht recherchierbar ?) gewidmet.

    Rappoldi war von 1872-77 Mitglied des Joseph Joachim Quartetts. Das war aber ein Jahrzehnt vor dem 2. SQ von Draeseke. Von 1877–98 wirkte er als Konzertmeister beim Hoforchester in Dresden. Dort gab es wohl regelmässige Kammermusikabende:


    „Bei dem diesjährigen Cyclus der Rappoldi’schen Soiréen für Kammermusik wirkten neben dem Künstlerpaar Rappoldi die Dresdner Kammermusiker [Adolf] Elsmann und [Johann] Ackermann und der berühmte Violoncellist Professor Robert Hausmann aus Berlin mit. Es erklangen: Brahms, Sextett B-Dur op. 18; Schumann, Trio d-Moll, Draeseke, Sonate in E-Dur, op. 6, (Laura Rappoldi-Kahrer), Hans von Bronsart: Trio g- Moll, Karl Goldmark: Suite op. 11, Beethoven: Quartett a- Moll op. 132; Beethoven: Quartett F-Dur op. 18 Nr. 1; Schubert: Quartett d-Moll sowie Camille Saint-Saëns: Sonate c-Moll für Violoncello und Klavier (Hausmann und Rappoldi-Kahrer).“ (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 21. August 1885, S. 344) Werke von Komponisten der „Neudeutschen Schule“ wie z. B. Felix Draeseke und Hans von Bronsart standen demnach immer noch im Vordergrund bei der Auswahl neuerer Werke."


    Quelle: https://mugi.hfmt-hamburg.de/a…Laura_Rappoldi-Kahrer.pdf


    Esa Pekka-Salonen schrieb sein Cellokonzert 2017 für YoYoMa und spielte es auch mit ihm in LA live ein. Neben der üblichen CD gibt es auch eine sauber gepresste Vinylscheibe, die ich seit gestern mein eigen nenne und heute zum ersten Mal gehört habe. Salonen ist ein Klangsensualist und bedient sich ziemlich hemmungslos einer spätromantisch-impressionistischen Klangsprache in heutigem Gewande. Lediglich der dritte Satz ist durch die Verwendung diverser Perkussionsinstrumente etwas knorriger. Nichts für strenge Avangardisten. Aber zu denen zähle ich mich bekanntlich auch nicht.;)


    Maarten Ter Horst ist ein niederländischer Komponist Jg. 1987. Dies ist die erste CD mit seiner Musik und wohl auch die erste des Helikon Quartetts, das aus vier jungen Damen besteht.


    Der Werbepartner schreibt:

    Die Musik verwendet eine zeitlose, melodische Sprache, eine überraschend neue Perspektive auf die klassische Streichquartett-Tradition. Für Ter Horst ist das Streichquartett das ultimative Ensemble: Instrumente, die unterschiedlich und doch gleich sind und eine Musiktradition repräsentieren, die sowohl Komponisten als auch Instrumentalisten wirklich herausfordert. Für Maarten ter Horst ist das Komponieren von Musik ein wirksames Mittel, Emotionen zu kanalisieren und zu teilen. Er geht von erkennbaren Melodien aus und schreibt Sätze, die sich gegenseitig verstärken auf einer Suche, bei der Träume und Sehnsüchte mit der Realität in Einklang gebracht werden wollen. Das Helikon Quartett ist ein abenteuerlustiges und vielseitiges Streichquartett.


    Ich wusste bisher nicht, dass Dietrich Fischer-Dieskau einen komponierenden Bruder hatte, den Klaus FD. Der war nicht nur Chorgründer und -Leiter, sondern hat es auch zu einigen Opusnummern gebracht, darunter 9 Streichquartetten. Zwei davon kommen auf uns zu, das Albis Quartett ist eine neue Formation mit Sophie Tangermann und Gertraud Lohmeier (Violine), Maria Jadziewicz (Viola), Fermín Villanueva (Violoncello).


    Das 1. Streichquartett wurde 1946 abgeschlossen, aber wohl schon in Kriegstagen begonnen. Es ist ein spätromantisches Werk, dessen Melancholie ich ziemlich attraktiv finde. In der Nachkriegszeit vermutlich als unzeitgemäß abgelehnt, kann das Werk heute möglicherweise mehr Interesse wecken. In das 30 Jahre später entstandene 4. Quartett habe ich bisher nur kurz hineingehört, immer noch tonal, aber eine wesentlich herbere Klangsprache.

    für die ganz gierigen Boxologen, leider momentan nicht lieferbar

    Zum Glück aber im Bestand (mal für sagenhafte € 60 erstanden). :)


    Ja, es ist auf der einen Seite schade, dass die Emersons aufhören, aber nach 47 Jahren sicher auch verständlich. Und unser Forenbetreiber und andere schätzen es ja auch gar nicht, wenn die Quartette zwar den Namen beibehalten, aber sich personell ständig verändern (Juilliard, Artemis, Borodin).;)


    Ich habe das ESQ noch vor wenigen Jahren live erlebt und fand es im Vergleich mit vielen jungen Quartetten schon ein wenig "müde". Und um die Nachfolge brauchen wir uns jedenfalls keine Sorgen machen, denn da gibt es z.B. das


    Dover Quartett


    Ihre aktuelle Schumann CD wurde kürzlich für einen Grammy nominiert. Außerdem wurden sie kürzlich "Faculty" am Curtis Institute, neben der Juilliard School die wohl wichtigste amerikanischen Kaderschmiede.


    Ich habe sie live erlebt und besitze alle ihre CDs.

    *** Meine Erwartungen wurden weit übertroffen: :angel: Das ist das beste Klavierkonzert was ich aus dem 21.Jhd überhaupt kennengelernt und gehört habe. Ich bin absolut begeistert. Bei aller zeitgemässen Tonsprache, die endlich mal mit dem herkömmlichen Orchesterklang aufräumt, ist da nichts ungeniessbares - fabelhaft packend.

    Die ersten 8 Streichquartette gibt es auch noch vom Kopenhagen Streichquartett, eine Aufnahme aus den 1970ern. Auch sehr ansprechend. Die CDs sind aber praktisch nicht zu bekommen, ich habe sie allerdings vor einiger Zeit auf 4 LPs bei einem Anbieter in Finnland kaufen können (über discogs).


    Mir gefällt das 1. auch mit jedem Hören besser. Vielleicht geht einem das mit allen 21 so, aber dafür muß man viel Hörarbeit leisten. :)

    Drei Streichquartett-Ersteinspielungen sind mir in den letzten 2 Wochen untergekommen, von Werken von Franzosen, die um die Wende 19./20. Jahrhundert komponiert wurden und die ich fürs hörenswert bis essentiell einstufen würde.


    Da ist zum einen das Streichquartett von Ferdinand de la Tombelle, das sich auf der neusten CD des Mandelring Quartetts findet. Eine veritable Entdeckung, die ich nicht mehr missen möchte.



    Noch begeisternder ist für mich das 1. Streichquartett des berühmten Geigers Henri Marteau, das sich auf der 2 Folge der GA bei cpo findet und vom Isasi Quartett interpretiert wird.



    Und schliesslich das 1. Streichquartett von Theodore Dubois, das vielleicht nicht ganz so originell ist wie die beiden anderen, aber immer noch sehr hörenswert. Hier gespielt vom Quatuor Parisii.



    Schön, dass es in der Kammermusik immer noch tolle Werke zu entdecken gibt.

    Konstantia Gourzi (Jg. 1962) ist eine griechische Komponistin und Dirigentin. Kürzlich erschien ihre zweite CD beim ECM Label. Das Titelstück ist das 3. Streichquartett mit dem Namen, Anajikon, The Angel of the Blue Garden. Das knapp 20-minütige Werk besteht aus 3 Sätzen


    1. The Blue Rose

    2. The Blue Bird

    3- The Blue Moon


    Die Musik ist tonal, eher ruhig und kontemplativ und der von anderen weiter nördlich angesiedelten osteuropäischen Komponisten nicht unähnlich. Das Minguet Quartett spielt wieder famos.

    Frisch bestellt! Eigentlich kein Freund von Mono-Aufnahmen, konnte ich hier nicht widerstehen. Selten zu bekommende Aufnahmen des Juilliard Quartettes aus den Jahren 1949-1956.

    Da bist Du nicht der Einzige, steht seit gestern bei mir im Regal. Muss nur noch gehört werden. :)


    :hello:

    Shulamit Ran (Jg. 1949) ist eine jüdisch-amerikanische Komponistin. Ihr 3. Streichquartett entstand 2012/13 als Auftragswerk für das Pacifica Quartett. Es ist eine Hommage an den jüdischen Maler Felix Nussbaum (1904-1944), der in Osnabrück geboren und in Auschwitz ermordet wurde. Das Streichquartett trägt den Titel "Glitter, Doom, Shards, Memory" (Funkeln, Verhängnis, Scherben, Erinnerung). "Glitter and Doom" war der Titel einer Ausstellung von Portraits deutscher Maler der Weimarer Republik, die im Metropolitan Museum in New York lief.

    Die vier Sätze lauten:

    1. That which happened (ein Paul Celan Zitat)
    2. Menace (Bedrohung)
    3. If I perish - do not let my paintings die (ein Zitat von Felix Nussbaum)
    4. Shards, memory

    Das Werk dauert knapp 23 min und ist in einen Stil gehalten, der IMO durchaus an den von Werken der 20er und 30er Jahre und jüdischer Musik anknüpft (Bartok, Haas, Schulhoff), für mich ein tief beeindruckendes Werk. Das Pacifica Quartett ist auch mit zwei Neuen an den Mittelpositionen weiter eines der besten. Für die CD gab es: »Grammy Award« for Best Chamber Music / Small Ensemble Performance.




    Der Titel ist Lines by Walking und tatsächlich wandern wir im ersten Streichquartett auf einen Berg, gehen entlang von Graten und dann auch wieder runter :) . Irgendwie faszinierend! Diese langsamen organischen Klangwandlungen, die das Quartett wundervoll wiedergibt, haben etwas Beruhigendes.

    Gefällt mir auch die CD, weiteres von JL Adams. siehe #61

    :hello:

    Erkki Sven Tüür

    Streichquartett Nr. 2 "Lost Prayers"

    Signum Quartett


    Die Musik von Erkki Sven Tüür findet bei mir immer offene Tüüren äh Ohren. So auch das 2. Streichquartett, ein klanglich abwechslungsreiches Werk. Das Signum Quartett erhielt gerade einen Preis für die Einspielung. Schade dass das 1. Quartett nicht auch eingespielt wurde, das gibt es aber auf einer alten BIS-CD.


    Der letztes Jahr verstorbene Musikwissenschaftler Ludwig Finscher schrieb in „Haydn und seine Zeit“ über Gyrowetz und andere Zeitgenossen: „Sie würden uns heute als die großen Komponisten der Epoche erscheinen, wenn sie nicht das Unglück gehabt hätten, Zeitgenossen von Haydn und Mozart zu sein.“


    "Gyrowetz, der sich in seinen frühen Werken eher am Stil Pleyels und des frühen und mittleren Haydn orientiert, entfaltet um die Jahrhundertwende - in den hier eingespielten Quartetten gut hörbar - eine deutliche Tendenz zur romantischen Tonsprache. Schubert scheint, wie auch oft bei den späten Werken Mozarts und Haydns, in der Luft zu liegen." (website des Pleyel Quartetts)


    Gyrowetz hat 42 Streichquartette, andere Quellen geben 45 an, geschrieben. Exakt 6 davon liegen in Einspielungen vor, 3 auf cpo vom Kölner Pleyel Quartett und 3 auf Hyperion mit dem Salomon Quartet (vergriffen, aber auf dem Second Hand Markt verfügbar).


    Ich habe bisher nur das Quartett op. 29,2 gehört, war aber gleich so angetan, dass ich die Hyperion CD umgehend bestellt habe.


    Auf der website des Pleyel Quartett finden sich ein halbes Dutzend hymnischer Besprechungen der Musik und der Interpretationen, dem muss ich nichts hinzufügen.


    https://www.pleyelquartett.de/…rowetz-3-streichquartette










    Joseph Leopold von Eybler (??)

    Joseph Eybler (1765-1846) war mit Mozart befreundet und wurde nach dessen Ableben von seiner Witwe mit der Komplettierung des Requiems beauftragt. Die führte er letztendlich nicht zu Ende, so dass Franz Süßmayr zum Zuge kam. Eybler schrieb laut meinen Recherchen nur 6 Streichquartette op. 1, 1-3 und op. 10, 1-3. op.1 scheint um 1887 herum komponiert worden zu sein, also kurz nach den Mozart'schen Haydn-Quartetten und dessen op. 51. Zwei habe ich inzwischen gestreamt, stilistisch liegen sie IMO irgendwo dazwischen. Sehr ansprechend. Das Eybler Quartett spielt übrigens mit 1. und 2. Geige an den Aussenpositionen und Viola und Cello in der Mitte. Zunehmend finde ich diese Anordnung überzeugend.


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    Arthur Kampela

    Uma Faca Só Lámina

    Momenta Quartett


    Das fünfteilige Werk des brasilianischen Komponisten kann man irgendwo zwischen Ferneyhough und Lachenmann verorten. Das amerikanischen Quartett bringt es auf seiner ersten CD, die ausschliesslich von diesem Quartett eingespielt wurde. Aber Beiträge des Quartetts finden sich auf fast einem Dutzend von weiteren CDs mit zeitgenössischer Musik. Bei youtube gibt es ein komplettes Konzert aus dem Lockdown mit einigen weiteren zeitgenössischen Stücken.



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    Inzwischen ist die oben gezeigte CD bei mir eingetroffen, ich hatte Sie direkt beim Label in USA bestellt. Op. 6 wurde 1771 veröffentlicht, also ca. zeitgleich mit op. 17 von Haydn. Die Werke sind alle dreisätzig, schnell-langsam-schnell und alle in Dur-Tonarten komponiert. Sie dauern zwischen 10 und 14 min. Die ersten beiden fand ich schon mal ziemlich ansprechend wie auch das Spiel der Eyblers auf historischen Instrumenten. Inzwischen gibt es vom gleichen Ensemble auch Beethovens op. 16, auch das gefällt mir.

    Bei jpc ist es eher so, daß die meisten Veröffentlichungen in Kooperation mit deutschen Rundfunkstationen stattfinden - und deren Fokus liegt nun mal nicht am englischen Repertoire.....

    Von cpo würde ich auch keine Aktivitäten in dieser Richtung erwarten, die haben ja genug Regionen, die sie bearbeiten können. Obwohl sie sich mit Cipriani Potter ja jetzt auch in britische Gefilde begeben. Es ist nur schade, dass es von Simpson nur diese eine - wenn auch sehr gute - GA gibt, vergleichbare Komponisten wie Arnold Bax, Malcolm Arnold und William Alwyn haben immerhin drei. Vielleicht wird Naxos ja noch tätig. Oder zumindest alle vorhandenen BBC Aufnahmen werden veröffentlicht.


    Als ich von der Lyrita Aufnahme las, deren Einspielungen 40 und 48 'Jahre alt sind, war ich skeptisch, aber scheinbar (soweit sich das aus den Werbeclips feststellen lässt) hat die BBC damals ganze Arbeit geleistet...

    Ja, die Aufnahmen klingen tatsächlich gut, was bei der BBC nicht immer der Fall ist.