Der britisch-amerikanische Komponist Bernard Rands ist 92-jährig verstorben. Er studierte bei Pierre Boulez, Bruno Maderna, Luigi Dallapiccola und Luciano Berio. Sein Werkkatalog umfasst fast 100 Werke. Ein Streichquartett findet sich in meiner Sammlung.
Beiträge von lutgra
-
-
-
Australische Komponisten haben es schwer bei uns. Peter Sculthorpe kennt vielleicht noch der eine oder andere durch die Aufnahmen des Kronos Quartet. Aber dann..? Carl Vine ? Immerhin 8 Symphonien, 13 Konzerte und 6 Streichquartette hat der 1954 geborene Komponist geschaffen. Die Ankündigung einer Aufnahme seines 6. Quartetts hat mich veranlasst, mal ein früheres zu hören.
Carl Vine
String Quartet 3
Goldner Quartet
Zwei rhythmisch bewegte - teils fast rockige - Eckteile umrahmen einen wunderbaren langsamen Mittelteil. Das Goldner Quartet hat sich Ende 2024 aufgelöst, die demnächst bei Hyperion erscheinende Doppel-CD ist ihr Vermächtnis.
-
Jouni Kaipainens Klavierkonzert op. 55 ist von 1997, wurde aber jetzt erst eingespielt, mit Juhani Lagerspetz am Klavier, der auch seinerzeit die UA spielte.
Das Konzert ist dreisätzig und dauert etwas über 30 min. Die Tonsprache ist der von Prokofieff und Bartok verwandt und dürfte somit Fans von deren PCs gefallen. Der Klaviersatz ist dementsprechend sehr virtuos. Wer neben dem Komponisten die drei Herren auf dem Mt.-Rushmore-Cover sind, darf noch geklärt werden. DT ist jedenfalls nicht darunter
. Warum die Alba CD von 2025 nicht im Programm der Werbepartner ist, ist mir nicht klar. -
Der ukrainische Dirigent Roman Kofman verstarb letzten Mittwoch im Alter von 89 Jahren in Kiew. Er leitete von 2003-2008 das Beethoven Orchester Bonn und nahm mit diesem einen vielgelobten Schostakowitsch-Zyklus auf.
https://www.musik-heute.de/275…trauert-um-frueheren-gmd/
-
Der englische Komponist und Cellist Robin Stevens ist im Alter von 67 Jahren seiner Krebserkrankung erlegen. Stevens Karriere war bereits in den Jahren 1990-2007 durch eine schwere post-virale Erkrankung vorübergehend zum Erliegen gekommen. Erst in letzter Zeit wird seine Musik auch diskografisch gewürdigt, vor allem durch Martin Andersons Toccata Label. Der Komponist ahnte/wusste bereits seit längerem, dass 2026 sein Todesjahr sein würde und hatte das auch schon auf der headline seiner website vermerkt.
Robin Stevens war fasziniert vom Klang des Fagotts und hat in den Jahren 2014-16 ein Konzert für dieses Instrument geschrieben, das mit 40 min (!) Spieldauer vermutlich das längste und eines der herausfordernsten Werke für das Instrument ist. Adam Mackenzie stellt sich bravurös dieser Aufgabe. Ein tolles Werk für Hörer, die mit der gemässigten Moderne (Bartok, Britten, Prokofieff) kein Problem haben. Besonders der mittlere langsame Satz hat es mir angetan.
-
Hallo lutgra, die von Dir gepostete CD ist sehr interessant. Ich glaube, ich werde sie bestellen. Das spricht mich alles sehr an. Gelungene Programmgestaltung!
Ja, die hat mir gefallen. Jetzt weiß ich auch, was Octoroon Balls sind. Das waren Bälle in New Orleans, bei denen sich wohlhabende weiße Männer mit schwarzen Mätressen versorgen konnten, zu Zeiten, wo legale Verbindungen noch nicht möglich waren.
Die kompletten Octoroon Balls gibt es auf einer CD mit dem Orion SQ.
-
-
Anne-Sophie Mutter geht neue Wege. Mit dem Alpha Label produziert sie in Zukunft Alben mit Einspielungen zeitgenössischer für sie geschriebener Musik unter der Rubrik ASM forte forward. Ob dies eine Ende der Zusammenarbeit mit der DGG bedeutet?
Aftab Darvishi: Likoo für Violine solo
Unsuk Chin: Gran Cadenza für 2 Violinen
Jörg Widmann: Streichquartett Nr. 6 "Studie über Beethoven"
Thomas Ades: Violinkonzert "Air - Homage a Sibelius" -
Ich habe mal gelesen, dass es übrigens auf der Welt viele Hobby-Astronomen gibt, die die Profis mit ihren Entdeckungen ernsthaft unterstützen können
Es gibt sogar Komponisten, die Hobby-Astronomen waren, der bekannteste ist sicher Robert Simpson, wie man u.a. auch an vielen Covern erkennen kann. Er war auch Mitglied der Royal Astronom Society.
Übersicht mit KI
... dedicated amateur astronomer who became a Fellow of the Royal Astronomical Society. Known for 11 symphonies and 15 string quartets, his music often reflected his passion for cosmic, expansive, and organic structures.
-
Literatur zu Rautavaara gibt es (naturgemäß) kaum.
Ja, leider. Vielleicht ändert sich das anlässlich des in 2 Jahren anstehenden 100. Geburtstag. Aber ein paar Daten habe ich jetzt mal recherchiert - gehört eigentlich in den ersten Beitrag - aber besser spät denn nie.
Eino Juhani Rautavaara wird am 9. Oktober 1928 in Helsinki geboren. Sein Vater Eino Rautavaara ist Opernsänger und Kantor, seine Mutter Elsa Teräskieli Ärztin. Musik spielt demgemäß im Haus eine große Rolle. Beide Eltern sterben früh und Einojuhani wächst bei einer Tante auf, die ihn adoptiert. Er spielt Klavier und beginnt nach dem Abitur mit einem Studium an der Sibelius-Akademie in Helsinki, die Fächer sind Musikwissenschaft und Komposition bei Aare Merikanto. Jean Sibelius fördert ihn durch Überlassung eines Stipendiums der Koussevitsky-Foundation, was ihm ein Studium an der Juilliard School in New York bei Vincent Persichetti und in Tanglewood bei Roger Sessions und Aaron Copland ermöglicht. Nach der Graduierung 1957 setzt er seinen Studien bei Wladimir Vogel in Ascona fort, der ihn in die Zwölftontechnik einweist. Nach der Rückkehr nach Helsinki übernimmt er dort verschiedenen Lehrstellen an der Sibelius-Akdemie, arbeitet im Umfeld des Helsinki PO und als Rektor an einem Musikinstitut. 1976 erfolgt die Berufung als Professor für Komposition an seine Alma mater, ein Amt, das er bis 1990 ausübt. Danach widmet er sich ausschließlich dem Komponieren. Er wird in den kommenden Jahren zu einem der erfolgreichsten Komponisten Finnlands, dessen Orchesterwerke weltweit gespielt werden. Am 27. Juli 2016 stirbt Rautavaara im Alter von 87 Jahren in Helsinki. Rautavaara war zweimal verheiratet und hat einen Sohn Markojuhani Rautavaara (*1960), der ein Songwriter ist.
Die Musik von Rautavaara ist vielschichtig und hat sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert. Nach einem Beginn als Neoklassiker hat er sich in Richtung serieller Musik entwickelt und dann ab den 1970ern in Richtung eines postmodernem Idioms, das zahlreiche Einflüsse zu vereinen sucht. Dabei hat Rautavaara seinem Schaffensprozess eine mystische Note zugeteilt, in dem er sagte, er helfe schon vorhandener Musik in die Welt zu kommen. Mystisch ist auch sein Verhältnis zu Engeln, die in zahlreichen Werktiteln auftauchen.
Im Zentrum seines Schaffens stehen acht Symphonien, gut ein Dutzend Konzerte und sechs Opern. Zahlreiche weitere Orchester- und Chorwerke, sowie Kammermusik- und Klavierwerke ergänzen das Schaffen.
Die Musik von Rautavaara ist umfassend auf CD (vor allem bei Ondine) dokumentiert, inklusive der Opern, die ihn gemeinsam mit Aulis Sallinen (und vielleicht noch Kaija Saariaho) zum bedeutendsten finnischen Opernkomponisten machen.
-
Alles anzeigenVon Witold Lutoslawski (s. Beitrag 16) zu Jennifer Higdon ist der Weg nicht weit, beide haben ein Konzert für Orchester geschrieben, das sich klar auf das Vorbild von Bela Bartok bezieht.
Jennifer Higdon ist Jahrgang 1964 und vermutlich die derzeit erfolgreichste und meistgespielte Komponistin Amerikas. Den deutschen Hörer ist sie am ehesten als Verfasserin eines Violinkonzert für Hilary Hahn bekannt.
Das Konzert für Orchester wurde 2002 für das 100-jährige Jubiläum des Philadelphia Orchestras geschrieben unter Mitwirkung diverser erster Pulte dieses Orchesters. Die Uraufführung war wohl so erfolgreich, das sie Front Page News war, was in Amerika für neue Musik nur sehr selten vorkommt. Das Orchester hat die gleiche fünfsätzige Struktur wie das von Bartok, ist ähnlich umfangreich und zitiert im ersten Satz auch kurz aus dem letzten von Bartok. Die Tonsprache ist vergleichbar "modern". Damit hat es sich dann auch bezüglich Gemeinsamkeiten, denn ansonsten ist dieses Stück uramerikanisch geprägt. Wer amerikanische Musik (z.B. Gershwin, Copland, Bernstein) nicht mag, dem wird höchstwahrscheinlich dieses Konzert nicht gefallen. Das Gegenteil gilt natürlich auch. Das Orchester hat natürlich mächtig und Brilliantes zu tun und das Atlanta SO unter Robert Spano (ein Lehrer der Komponistin) sind beste Anwälte hierfür. Schade, dass nicht das Widmungsorchester diese Einspielung gemacht hat, aber das war vermutlich zu teuer.
Das zweite Stück - ebenfalls von 2002 - gefällt mir sogar noch besser, ein Homage an die Heimatstadt (Higdon wurde in Brooklyn geboren, wuchs aber in Atlanta auf) mit den Titeln 1. Skyline 2. River sings a song to trees 3 Peachtree Street. Speziell das 17-minütige River sings a song spricht mich sehr an.
Insgesamt ist die Musik von Jennifer Higdon modern, aber zugänglich und wer sich nicht am "amerikanischen Ton" stört, dem dürfte diese CD Freude bereiten.
Telarc wird aufnahmetechnisch seinem guten Ruf gerecht.
Stereoplay 08 / 04: "Eine glänzend gemachte Arbeit, die bei aller tonalen Freiheit keinerlei Hörprobleme aufwirft - wenn sie so brillant gespielt wird, wie es hier der Fall ist." (zu "Concerto for Orchestra")
-
Die ukrainisch-finnische Dirigentin Dalia Stasevska und der Heavy-Matal-Musiker Lauri Porra sind ein Paar.
-
-
Nach dem Erscheinen der Allan Pettersson-Box beim BIS Label war zu befürchten, dass Christian Lindberg die verbleibenden Symphonien (3, 8 , 10, 11) nicht mehr einspielen würde, da für die Box die entsprechenden Aufnahmen mit Leif Segerstam verwendet wurden. Das ist aber zum Glück nicht der Fall. Bei prestomusic bereits angekündigt die Symphonien 3 und 8.
-
Lieber Holger, wahrscheinlich beziehst Du Dich auf Wolfgang Rihm, der leider schon vor eineinhalb Jahren von uns ging.
Ja, Wolfgang Rihm wurde auch nur 72 Jahre alt, Rolf Riehm immerhin 88.
-
Am 3. Januar ist 88-jährig der Komponist Rolf Riehm verstorben. Ich kenne nur ein einziges Werk von ihm, das Streichquartett Tempo stozzato, ein komplexes avantgardistisches Werk.
R.I.P.
https://www.br-klassik.de/aktu…estorben-nachruf-100.html
-
-
Am 1. Juli ist Hans Werner Henzes 100. Geburtstag. Den 150. haben Manuel de Falla und Ermanno Wolf-Ferrari.
-
-
Ernest Kanitz (1894-1978)
Streichquartett (1945)
ARC Ensemble
Ernest Kanitz gehört zu den österreichischen Komponisten jüdischer Herkunft (er selbst war 1914 zum Christentum konvertiert), die rechtzeitig in die USA emigrieren und dort wirken konnten, die aber nach ihrem Tod vergessen wurden. Die vorliegende CD enthält u.a. das einzige Streichquartett, das tonal ist und als Reminiszenz an die alten Heimat Wien verstanden werden kann. Wem die Quartette von Korngold zusagen, dem müsste dieses auch ansprechen.
-
Johann Nepomuk David
Symphonie Nr. 3 (1941)
ORF RSO Wien
Johannes Wildner
Ganze elf Jahre hat es gedauert, bis diese Einspielungen den Weg vom Masterband auf die CD und jetzt in meinen Player gefunden haben! Selbst für jpc Verhältnisse eine laaange Zeit. Die 3. Symphonie ist die einzige, die während der Kriegsjahre entstand. Demgemäß ist es ein recht düsteres Werk. Ansonsten ist sie in dem typischen Hindemith-nahen Stil Davids abgefasst. Aus irgendeinem Grund spricht mich diese Musik mehr an als die von Hindemith. Fehlt noch eine Folge, allerdings besitze ich die 5. schon in einer älteren Einspielung auf Vinyl. Den informativen Booklet-Text verfasste wieder Bernhard A. Kohl, der in Stuttgart ein Musikantiquariat unterhält. Dort habe ich vor einigen Jahren einiges an Literatur über David gefunden.
-
-
-
Ich lebe seit Jahren mit Apple Music Classical und bin sehr zufrieden. Da finde ich fast alles. 10,99 pro Monat.
-
Bei diesem Antiquariat steht allerdings "Sprache: Englisch"
sicher ein Fehler, kann man aber mit dem Anbieter klären. Hab es mal bestellt (bei einem anderen Anbieter).
-
Primarius Henri Temianka war offensichtlich auch literarisch tätig, seine Erinnerungen scheinen sehr gut lesbar zu sein, zumal auf Deutsch erhältlich und dazu sehr preiswert.
https://www.zvab.com/Respektlo…i-Temianka/31325834939/bd
Review der englischen Ausgabe bei Amazaon
I began reading this book with some misgivings. Concert musicians are rarely good writers. The two disciplines are too demanding for a mastery of both. But after reading just a few paragraphs my curiosity was rewarded, and as the saying goes, "I couldn't put the book down."
I wondered how Temianka had accomplished this rare feat, then came across this passage: "Contrary to the popular concept, great performers do not put their trust in 'inspiration.' Each piece of music demands thousands of tactical decisions and value judgements. If the decision and judgements are correct, and if the performer has the technical ability to implement them, all the ingredients are there to inspire. Without these ingredients, inspiration is hot air." This is exactly the spirit in which this book was written. A genre masterpiece. -
Lieber Holger
zum Paganini Quartet kann ich leider wenig beisteuern, auch wenn ich eine Box mit einigen Beethoven Quartetten im Regal stehen habe...noch verschweißt.

Aber Tully Potter - der große englische Fachmann, der an zwei Büchern über die Geschichte der Streichquartett-Formationen arbeitet (einmal allgemein und einmal speziell die tschechische Tradition) schreibt:
Cellist Robert Maas was able to do better after the war with the Paganini Quartet which he founded in America with Henri Temianka and two Belgian colleagues, Gustave Rosseels and Robert Courte (sadly the wartime Quatuor Artis, consisting of Alfred Dubois, Arthur Grumiaux, Courte and Maas, made no records). Somehow I missed most of the RCA recordings by the Paganini Quartet – a strange omission, since I knew the group’s leader Henri Temianka reasonably well in his last years. I acquired five performances, the three Rasumovsky Quartets and Op. 135 with the original players and Op. 74 with Adolphe Frezin on cello instead of Maas, who died suddenly in 1948, and Charles Foidart on viola in place of Courte. I did not even realise that the Paganini had recorded two late quartets, Op. 131 and Op. 132, and four of the Op. 18 set, Nos 1, 2, 4 and 5. So the recent reissue of all 11 performances has come as something of a revelation. The Paganini team, mostly Belgians and led by a man who, though born in Scotland of Polish parentage, included Jules Boucherit of the Paris Conservatoire among his teachers, play with lovely, slim Franco-Belgian tone and use very little portamento – I remember Temianka criticising Adolf Busch’s slides. I feel sad that the Paganini Quartet did not complete their cycle, as at the time it would have been very competitive in terms of performance.
Und zu der besagten CD habe ich folgendes gefunden:
- Fauré: Piano Quartet # 1, Op. 15; Schumann: Piano Quintet, Op. 44 (with the Paganini Quartet, 1949). Volume 23.
Rubinstein's acclaimed series with the Guarneri Quartet has tended to eclipse...these two sensational readings. The Paganini Quartet combined a sweet, casual "French" sound with invigorating American energy. The Fauré charges ahead with youthful impulse and sends off sparks of excitement, while the Schumann is filled with finely-graded dynamics and subtly-nuanced balances.
- Fauré: Piano Quartet # 1, Op. 15; Schumann: Piano Quintet, Op. 44 (with the Paganini Quartet, 1949). Volume 23.
-
-
spontanen Entlassungen von Musikerinnen und Musikern
Das dürfte heutzutage zumindest bei europäischen Orchestern nicht so einfach sein.
