Beiträge von lutgra

    Wem die Streichquartette von Brian Ferneyhough zu extrem sind, es gibt auch zeitgenössische Werke, die deutlich zugänglicher sind. Dafür stehen derzeit vor allem amerikanische Komponisten, die inzwischen mehr oder weniger alle Musik für einen "größeren Hörerkreis" komponieren.


    An exponierter Stelle tut das z.B. Jennifer Higdon, die vermutlich erfolgreichste amerikanische Komponistin gegenwärtig. Sie hat gerade ihren 3. Grammy gewonnen.


    Ihre Streichquartette sind erkennbar zeitgenössisch, aber trotzdem zugänglich.


    Gerade erschienen:


    Jennifer Higdon

    Voices

    Pacifica Quartet


    Außerdem:




    und

    Southern Harmony

    Ying Quartet




    Ich hatte vor ein paar Jahren schon einmal einen thread über die Streichquartette von Brian Ferneyhough gestartet, der ist aber über den Eingangsbeitrag nie hinausgekommen. Deshalb zitiere ich ihn hier mal.


    Zitat von lutgra

    Der englische Komponist Brian Ferneyhough (1943- ) gilt als einer der avanciertesten Komponisten der Gegenwart, seine Musik wird oft als Musterbeispiel der "Neuen Komplexität" genannt. Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Arditti Quartett hat selbiges eine Gesamtaufnahme aller Streichquartette von Ferneyhough plus Trios auf 3 CDs bei Aeon herausgebracht.


    Diese Edition habe ich noch nicht, aber in Erwartung selbiger habe ich heute zum ersten Mal eine ältere Einspielung des 1. Streichquartetts (1968) - ebenfalls vom Arditti Quartett gespielt - gehört. Ich gehe mal davon aus, dass die neue Version nicht viel anders klingt, bei Ferneyhough gibt es wenig zu "interpretieren" sondern es geht um die möglichst exakte Umsetzung des notierten und das ist wohl schon eine Herausforderung, der sich nur wenige stellen mögen. Das 1. SQ heisst Sonatas for String Quartet und ist mit über 40 min wohl das längste des Komponisten. In Kenntnis des wesentlich kürzeren 2. Quartetts hatte ich ein bisschen Bammel vor einer Dreiviertel Stunde dieser komplexen Musik, habe aber entspannt mit Kopfhörer auf dem Sofa gelegen und festgestellt, dass diese Zeit recht schnell und angenehm verging. 20 "Sonaten" umfasst das Werke, wobei der Begriff Sonate sicher nicht wörtlich zu nehmen ist. Eine Art Sonatenform habe ich in den 20 Stücken nicht finden können. Die Sonaten sind entsprechend recht kurz zwischen 1-3 min und das erinnert natürlich an die aphoristischen Werke von Webern. Die Klangwelt ist nicht unähnlich, die Ansprüche an die Virtuosität der Musiker sind allerdings sicher deutlich höher. Ferneyhough ist berüchtigt dafür, Unspielbares zu schreiben, aber dieses Wort gibt es ja im Arditti-Kosmos nicht. Die Stücke klingen alle recht ähnlich und so erinnert die Hörreise durch diese Klangwelt ein wenig an eine Wanderung durch eine Ausstellung abstrakter Bilder des gleichen Künstlers aus einer Epoche. Man bleibt vor jedem Bild eine kurze Weile stehen und geht dann weiter, findet immer wieder ähnliche Motive und Farbkombinationen. Die Musik von Ferneyhough ist zwar komplex und völlig atonal, aber auch ziemlich transparent, es gibt wenig verdichteten Klang, die Instrumente agieren meist unabhängig voneinander. Dies macht es mir einfacher, diese Musik zu hören, als z.B. dicht instrumentierte dodekaphone Kompositionen. Es ist eine seltsame Musik - aber keine, die mich abstösst.


    P.S. Die Aufnahme der Ardittis ist übrigens nicht die erste, es gibt von 1976 bereits eine Schallplatten Einspielung des Berner Streichquartetts, die steht bei meinem Plattenhändler ist mir aber mit €30 zu teuer. Außerdem brauche ich bei dieser Art Musik die Klangqualität der CD. Diese Aufnahme ist in vier Teilen bei youtube hochgeladen.

    Ich kann ergänzen, dass ich inzwischen sowohl die GA der Ardittis habe wie auch die LP mit dem Berner Streichquartett, die es dann irgendwann mal für 'nen Zehner gab. Ich bilde mir auch ein, dass es eine Aufnahme des 2. Streichquartetts durch das Berner SQ gab, kann aber diesbezüglich im Internet nichts finden.


    Bei dieser UA des 6. Streichquartett (Donaueschingen 2010) war ich im Publikum.




    Die Threads wurden vereint - MOD 001 Alfred

    Erstbegegnung mit Max Bruchs Konzert für 2 Klaviere und Orchester. Ein echtes Hammerkonzert, warum das nicht weiter bekannt ist, ist mir schleierhaft. Hat alles was ein spätromantisches Konzert so braucht, schwelgerische Themen, saftige Orchestrierung und brillanten Klaviersatz, eben ein Sahnestückchen. Zur Geschichte des Konzerts siehe Beitrag 13.
    Die Pianisten Oliver Schnyder und Julia Kociuban machen ihre Sache sehr gut und Howard Griffiths weiß, wie man so etwas begleitet.


    Von Nymphea gibt es auch eine sehr schöne Einspielung mit dem finnischen Quartett Meta4, die auf 2 CDs das ganze Streichquartettschaffen von Kaija Saariaho eingespielt haben. Ich schrieb seinerzeit:


    Kaija Saariaho ist neben Sofia Gubaidulina sicher die bekannteste und am häufigsten aufgeführte zeitgenössische Komponistin. 1952 geboren hat sie u.a. bei Brian Ferneyhough und am IRCAM in Paris studiert. Aus dieser Zeit stammt auch ihre Affinität zur Elektronik, die sie bis in die Gegenwart in einige ihrer Kompositionen integriert. Die Klangwelt der Kaija Saariaho ist eine ganz eigene, der sich zu nähern nicht ganz einfach ist. Von allen finnischen Komponisten der Gegenwart, die ich kenne, ist sie sicher die avantgardistischste. Ihre Musik kennt keine Themen, die entwickelt werden, sondern ihre Musik ist der Klang selbst, der Klang von Instrumenten umhüllt z.T. von elektronischen Geräusche oder auf Instrumenten selbst erzeugten Geräuschen. Dabei ist ihre Musik, gerade die hier vorliegende, oft leise und spärlich instrumentiert, deshalb ist sie trotz aller Avanciertheit gut anhörbar, sie ist selten laut oder aggressiv, sondern eher still und verträumt. Schwer zu beschreiben, am besten einfach mal hören.
    Nymphea wurde 1987 für das Kronos Quartet geschrieben und ist mit gut 21 Minuten die längste Komposition auf dieser CD. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Solo- und Duostücke für verschiedene Streichinstrumente, Klavier und Elektronik, die von den Mitgliedern von Meta4 plus Gästen vorgetragen werden. Mit dieser, ihrer dritten CD, bestätigen die Meta4, das sie zu den interessanten neuen Streichquartettformationen gehören.


    Christopher Rouse ist letztes Jahr leider verstorben. Er schrieb zu seiner 2015 entstandenen 5. Symphonie, dass Beethovens 5. die erste Symphonie war, die er überhaupt gehört hat und dass er da beschloss, Komponist zu werden. Nun ja, seine 5. hat mit Beethovens nicht so viel gemeinsam, außer dass am Anfang ein vergleichbares aber ganz anderes 4-Noten Motiv ertönt. Die Symphonie ist einsätzig, aber beinhaltet die klassischen vier Sätze. Die "Ecksätze" sind ziemlich turbulent mit massivem Paukeneinsatz (kommt in der Aufnahme auch richtig gut), der langsame Teil hat einige schöne Passagen. Die Musik ist schwer zu beschreiben, sie ähnelt ein wenig dem, was Erik-Sven Tüür so komponiert.

    Supplica ist ein 12-minütiges Adagio im Mahler/Barber-Modus, ein sehr schönes Stück

    Konzert für Orchester, ist ein 30-minütiges Werk, welches seine Nähe zum Bartok-Werk gar nicht groß versteckt und an einer Stelle sogar durch ein Fastzitat bestärkt. Natürlich ist die Tonsprache etwas "moderner", aber nur unwesentlich.


    Die Nashville Symphony scheint inzwischen die Position innezuhaben, für die in den 1950/60er Jahren das Louisville Orchestra stand, nämlich in erster Linie zeitgenössische amerikanische Orchesterwerke zu spielen. Fast zeitgleich ist vom gleichen Orchester und Dirigenten auch die 4. Symphony von Aaron Jay Kernes
    herausgekommen. Die Orchesterleistung wie auch die Aufnahme sind ohne Tadel. Wieder ein Schmuckstück im Portfolio von Naxos.



    Enno Poppe's Musik kenne ich auch noch nicht, den Komponisten habe ich aber irgendwo mal kurz über Bekannte kennengelernt (Edenkoben?, Donaueschingen?), ist aber schon bestimmt 10 Jahre her.

    Als Einstieg wähle ich ja immer gerne ein Streichquartett und das hat Poppe dankenswerterweise auch geschrieben. Der Titel "Tier" verwundert jetzt nicht mehr, ob er damit Tierstimmen meint oder eher das Tier als Symbol für irgendetwas, weiss ich nicht. Tiere, vor allem Vögel, haben ja schon einige Komponisten inspiriert (Messiaen und Rautavaara).

    Das Quartett ist ca 15 min lang und verwendet an vielen Stellen Glissandi und mikrototale Strukturen, klingt also für westliche Ohren ziemlich schräg. Ist nicht ganz mein Ding dieses Werk, aber kann man sich mal anhören.


    Tier

    Was Du, lieber Lutz, allerdings zu der CD-Verpackung schreibst kommt mir so ganz und gar nicht entgegen. Solche CDs muss ich dann immer umverpacken in die "normalen" CD-Cases. Auch diese komischen Hüllen, wo die CD auf aufgeklebten Plastikhalterungen aufgebracht ist, macht immer viel Arbeit mit dem passenden Umschneiden für CD-Cases.

    So ein "Pappkram" kommt mir jedenfalls nicht in meine Sammlung !

    Von der Warte des Platzverbrauches hast Du natürlich Recht. Aber so viele CDs (mit solchen Hüllen) kaufe ich nicht, als dass das bei mir Probleme macht.

    Wie Du ja schon weisst, entsorge ich alle Jewel Boxes und tüte die CDs mit Booklet in Soft Cover um. Aber das ist natürlich alles Geschmacksache. :) Mit der Mischform (Pappe plus eingeklebte Plastikhalterung) bin ich auch nicht ganz glücklich. Die kommen bisher so ins Regal.

    Mit 10 Einspielungen dürfte das Gidon Kremer gewidmete Violinkonzert "Distant Light" von Peteris Vasks das meistgespielte Violinkonzert der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts sein. Die neueste Einspielung stammt von Vadim Gluzman mit dem Finnischen RSO unter Hannu Lintu. Eine sehr schöne Aufnahme. Und BIS ist jetzt dazu übergegangen die CDs in Foldout-Covers und papierenen Innenhüllen zu verpacken, wie in guten alten LP-Zeiten. Das kommt mir sehr entgegen.



    Das Streichquartettschaffen von E.N. von Reznicek ist ziemlich chaotisch und unübersichtlich. Das geht schon mit der Anzahl der Quartette los, der Gruhle listet 4, die neue Doppel-CD von cpo zählt 6. Das hängt damit zusammen, dass Reznicek diverse Quartette in mehreren Anläufen komponiert hat, teils komplett überarbeitet, teils Sätze ausgetauscht oder aus älteren Entwürfen übernommen usw. usf. Bei wikipedia liest sich das dann so:


    • Streichquartett c-Moll (1882) [Altmann Nummer 1] cpo 1
    • Streichquartett cis-Moll (1905) cpo 2
    • Streichquartett-Fragment cis-Moll (?; nur Satz 1.-3 erhalten)
    • Streichquartett cis-Moll (1921) [Altmann Nr. 2] cpo 3
    • Streichquartett d-Moll (1922) [1.+2. Satz Bearbeitung von cis-Moll-Quartett 1905; 3. und 4. Satz neu] [Altmann Nr. 3] cpo 4
    • Allegro alla polacca für Streichquartett (1922; ursprünglicher neuer Schlusssatz für das d-Moll-Quartett)
    • Streichquartett e-Moll (1. Fassung vor 1928; 1928 alternativer Schlusssatz; 20. Mai 1930 Revision des neuen Schlusssatzes) cpo 5
    • Streichquartett B-Dur (1932) [2.+3. Satz aus Quartett e-Moll übernommen] [Altmann Nr. 4] Cpo 6
    • 2 Sätze für Streichquartett (?; Fragmente)

    Ein ähnliches Durcheinander findet sich auch im Streichquartettschaffen von Rued Langgaard. Dort hat man seinerzeit mit dem Nightingale SO alle Varianten eingespielt.

    Diesen Weg ist cpo leider nicht gegangen, sondern bietet nur die Quartette 1 und 3-6 und 2 und die Fragmente gar nicht. Das ist natürlich schade, ob noch eine CD nachgereicht wird, wage ich zu bezweifeln. Auch nicht ganz glücklich macht mich die Entscheidung, die Quartette 5 und 6, die sich den zweiten und dritten Satz teilen, so anzuordnen, dass man 5 nur komplett hören kann, wenn man seinen Spieler entsprechend programmiert, sodass er die Tracks in der Reihenfolge 4-7-8-5 abspielt. Ich höre meine CDs immer unprogrammiert und müsste mich erst einmal einarbeiten wie das geht (bei drei unterschiedlichen Geräten). Da die 2. CD nur eine Spielzeit von 51 min hat, wäre hier auch eine andere Lösung möglich gewesen nämlich beide Quartette komplett zu bieten.


    Soviel vorab zur ansonsten natürlich erfreulichen, da konkurrenzlosen Einspielung von zumindest vier Reznicek-Quartetten durch das renommierte Minguet Quartett. Das bei cpo als 3. geführte wurde bereits vor Jahren vom Franz Schubert Quartett als Nr. 1 eingespielt.


    Es hat einige Zeit gedauert, diesen thread zu finden, Hermann taucht zwar im Verzeichnis auf, aber der Link funktioniert nicht.


    Aber gut, dass es ihn gibt, denn so muss ich nicht so viel schreiben. Die CD mit den beiden Hermann Symphonien stand schon länger auf der Liste. Nun ist sie in der letzten Lieferung gekommen. Mir gefällt die 1. Symphonie auch sehr gut, habe ich jetzt zweimal gehört. Tatsächlich klingt Hermann wenig typisch Deutsch, weder Beethoven/Brahms noch Wagner sind gravierende Einflüsse. Herman selbst nannte Bach und Schubert, aber auch davon höre ich nichts. Am ehesten würde ich ihn mit anderen nationalen Komponisten des Umfeldes in Verbindung bringen, z.B. Delius, Grieg, Smetana oder Dvorak. Aber hat schon seinen eigenen Stil, der melodisch ansprechend und überwiegend lyrisch gestimmt ist. Wer nach spätromantischer Dramatik sucht, ist hier falsch.

    Zu Paul Juon (1872-1940) gibt es bereits einen Kammermusikthread. Dies ist vielleicht auch der Schwerpunkt seines Schaffens gewesen. Nichtsdestotrotz hat Juon auch einige Orchesterwerke geschrieben, u.a. vier Symphonien. Um die soll es hier gehen.


    Die vier Symphonien verteilen sich zu je 2 auf unterschiedliche Lebensphasen:


    1895 Symphonie fis-moll op.10

    1903 Symphonie A-dur op. 23

    1939 Rhapsodische Symponie op. 96

    1939 Sinfonietta capricciosa op. 98


    Alle vier Symphonie sind inzwischen eingespielt, mir liegt bisher aber nur eine CD mit den beiden kurz vor dem Tode entstandenen vor. Daraus habe ich bisher nur die Rhapsodische Symphonie gehört, ein vielschichtiges spätromantisches Werk, dass sowohl von russischen und skandinavischen Vorbildern wie auch von der deutsche Spätromantik eines Mahler und Strauss beeinflusst wurde. Also ein weiterer später Nachzügler dieser Epoche. Das Werk ist komplex und man muss es sicher öfters hören, den ersten Durchgang empfand ich aber durchaus als Gewinn.


    Danke für die Blumen.;)


    Eigentlich sollte in der kommenden Woche die von Vielen erwartete GA der Beethoven Quartette mit dem Quatuor Ebene erscheinen, nun wurde der VÖ Termin auf Mitte Mai verschoben, ob Corona bedingt weiss ich nicht.

    Ein derartiges Unternehmen (Livekonzerte auf allen Kontinenten) wird es wohl auf absehbare Zeit nicht mehr geben. :(


    Anbetracht der vor uns liegenden konzertlosen Zeit hatte ich bei cpo ein Dutzend von CDs zu € 7,99 bestellt darunter auch die Neuaufnahmen der vier Gernsheim Symphonien. Zwar besitze ich auch die erste GA unter Siegfried Köhler, aber die habe ich schon ewig nicht mehr gehört.

    Heute als Einstieg die erste Symphonie und ich muss sagen, ich war hin und weg, was für ein prächtiges Werk. Die beliebten (oft unvorteilhaften) Vergleiche kann man sich hier m.E. schenken. Da kenne ich vieles von namhafteren Komponisten, was mir weniger gefällt.


    Hier ist das Cover


    https://www.jpc.de/jpcng/cpo/d…onien-nr-1-2/hnum/8992791


    und hier ein Artikel auf der website der NDR Radiophilharmonie


    https://www.ndr.de/ndrkultur/e…thoven,sendung927880.html


    Zitate des Dirigenten (der auch die handschriftlichen Partituren eingerichtet hat):


    "Musik von großer melodischer Qualität und definitiv mit einer eigenen Persönlichkeit" "Die c-Moll-Sinfonie sei eine typische erste Sinfonie" "sie quillt förmlich über vor Kreativität und Energie", "während die zweite transparenter angelegt und insgesamt entspannter sei."

    cpo bringt die ersten beiden Symphonien von Emilie Meyer zu Gehör. Jedenfalls wurde das heute morgen mit Coverphoto so unter den Neuerscheinungen gepostet. Nun ist die Anzeige wieder verschwunden, vermutlich kommt die CD zu einem etwas späteren Zeitpunkt. Wenn ich mich richtig erinnere, spielt die NDR Radiophilharmonie unter dem jungen britischen Dirigenten Leo McFall.

    Eine Neuaufnahme der drei Symphonien von Max Bruch kommt auf uns zu. Das Besondere: zum ersten Mal wurde die frühe fünfsätzige Version der 1. Symphonie eingespielt. Es musizeren die Bamberger unter dem jungen amerikanischen Dirigenten Robert Trevino.


    Die fünf Streichquartette des Emil Nikolaus von Reznicek kommen auf uns zu, das umtriebige Minguet Quartett hat diesen Schatz für uns geborgen.



    Das Diogenes Quartett bringt mit Verstärkung zwei Kammermusikwerke von Max Reger zu Gehör.


    Der Betreiber des Café Horenstein, Wolf Zube, ist gestorben.

    Lieber Rheingold,

    das ist eine Nachricht, die mich auch sehr traurig macht. Noch bei meinem letzten Berlinbesuch im Herbst war ich in seinem neuen kleineren Geschäft und habe ein paar seltene Streichquartettaufnahmen gefunden. Tatsächlich wollte er mir die eine am liebsten gar nicht verkaufen, bis ihn sein Mitarbeiter darauf hin wies, dass er sie doch schon in der Sammlung hätte.

    Möge er in Frieden ruhen in einem Himmel voller Schallplatten.

    Gerade mal wieder die 3. Symphonie von Vasks gehört. Die Symphonie entstand um 2005 herum für das Tampere PO und seinen damaligen Dirigenten als Dank für die exzellente und preisgekrönte Einspielung der 2. Symphonie. Ein schon beeindruckendes Werk. Diesmal sind mir doch einige Einflüsse von DSCH aufgefallen und ebenso von Jean Sibelius. Bei der geographischen Lage ja vielleicht auch nicht verwunderlich. Die Musik ähnelt auch den späten Symphonien von Weinberg. Wer also mit den etwas anfangen kann, wird sicher auch hier fündig. Inzwischen gibt es schon eine zweite Einspielung, die ich aber noch nicht kenne.


    Das 3. Streichquartett von Gernsheim habe ich heute wieder gehört und muss sagen, auch mir gefällt es sehr. Das hat schon seine eigene Klasse. Fand auch der Kritiker im FF.


    FonoForum 09 / 2019: »Das dritte Streichquartett ist ein Meisterwerk! Das Diogenes Quartett spielt diese Musik geradezu ideal aus. In dieser Interpretation erhält die Musik eine Gefühlswärme, die nie ins Kitschig-Sentimentale abgleitet. Das ist interpretatorisch eine Gratwanderung, die dem Quartett wie selbstverständlich gelingt: unaufdringlich-anspruchsvoll.«


    Ich hoffe, das cpo mit weiteren Folgen nicht zu lange wartet, es gibt insgesamt 5 Streichquartette, 2 Streichquintette, 3 Klavierquartette und 2 Klavierquintette. Also noch jede Menge zu tun. Go for it.

    Die im Vorbeitrag gezeigte CD mit dem Quatuor Ebene und den Quartetten op. 59, 1 + 2 war leider nur einer Teaser, dem jetzt gleich die Box mit allen 16 Streichquartetten folgt. Eine unfeine Veröffentlichungspolitik, die immer häufiger zu beobachten ist. Bei den Schostakowitsch-Quartetten mit dem neuen Borodin Quartett war es genauso. Da hatte ich mir dummerweise die erste CD noch gekauft. Ich gehe davon aus, dass die Musiker auf so etwas keinen Einfluss haben.


    Nun kommt nicht nur diese sicher hochinteressante GA auf uns zu, sondern gleich zwei weitere wurden angekündigt. Die eine stammt vom Kuss Quartett und wurde ebenfalls live aufgezeichnet - in Tokyo - und den Musikern standen dabei vier Stradivari-Instrumente zur Verfügung. Außerdem erscheint zum ersten Mal auf CD die GA des Beethoven Quartetts, der russischen Formation, die alle Schostakowitsch Quartette bis auf Nr. 15 uraufgeführt hat. Diese Aufnahmen entstanden um 1970 herum, dürften also klanglich o.k. sein, ich habe einige davon noch auf LP.



    Das Quatuor Ebene hat in Stuttgart inzwischen eine richtige Fangemeinde, jedenfalls war das Konzert am 02.03. ausverkauft und der 752-Personen fassende Konzertsaal bis auf den letzten Platz besetzt. Trotz Corona. Auf dem Programm stand Beethoven und sonst gar nichts.


    Vor der Pause
    Op. 59.1
    und nach der Pause
    op. 130 + Fuge op. 133


    Die Ebenes touren ja derzeit weltweit mit Beethoven (die dazugehörige Live-GA steht in wenigen Wochen im Laden) und es ist schon erstaunlich, dass sie es im Konzert immer noch schaffen, den Eindruck zu erwecken, sie hätten die Stücke gerade erst für sich entdeckt. Nicht eine Spur von Routine, sondern hellwaches Spiele, einander Zuhören und technische Souveränität gepaart mit einer gewissen Spontanität machen das Spiel der Vier zu einem Ohren- und Augenschmaus. Tumultartige Ovationen nach dem Verklingen der letzten Takte von op. 133. Keine Zugabe. Ein perfekter Abend. Die Anfang April erscheinende GA ist schon vorgemerkt.