Beiträge von lutgra

    Shulamit Ran (Jg. 1949) ist eine jüdisch-amerikanische Komponistin. Ihr 3. Streichquartett entstand 2012/13 als Auftragswerk für das Pacifica Quartett. Es ist eine Hommage an den jüdischen Maler Felix Nussbaum (1904-1944), der in Osnabrück geboren und in Auschwitz ermordet wurde. Das Streichquartett trägt den Titel "Glitter, Doom, Shards, Memory" (Funkeln, Verhängnis, Scherben, Erinnerung). "Glitter and Doom" war der Titel einer Ausstellung von Portraits deutscher Maler der Weimarer Republik, die im Metropolitan Museum in New York lief.

    Die vier Sätze lauten:

    1. That which happened (ein Paul Celan Zitat)
    2. Menace (Bedrohung)
    3. If I perish - do not let my paintings die (ein Zitat von Felix Nussbaum)
    4. Shards, memory

    Das Werk dauert knapp 23 min und ist in einen Stil gehalten, der IMO durchaus an den von Werken der 20er und 30er Jahre und jüdischer Musik anknüpft (Bartok, Haas, Schulhoff), für mich ein tief beeindruckendes Werk. Das Pacifica Quartett ist auch mit zwei Neuen an den Mittelpositionen weiter eines der besten. Für die CD gab es: »Grammy Award« for Best Chamber Music / Small Ensemble Performance.




    Der Titel ist Lines by Walking und tatsächlich wandern wir im ersten Streichquartett auf einen Berg, gehen entlang von Graten und dann auch wieder runter :) . Irgendwie faszinierend! Diese langsamen organischen Klangwandlungen, die das Quartett wundervoll wiedergibt, haben etwas Beruhigendes.

    Gefällt mir auch die CD, weiteres von JL Adams. siehe #61

    :hello:

    Erkki Sven Tüür

    Streichquartett Nr. 2 "Lost Prayers"

    Signum Quartett


    Die Musik von Erkki Sven Tüür findet bei mir immer offene Tüüren äh Ohren. So auch das 2. Streichquartett, ein klanglich abwechslungsreiches Werk. Das Signum Quartett erhielt gerade einen Preis für die Einspielung. Schade dass das 1. Quartett nicht auch eingespielt wurde, das gibt es aber auf einer alten BIS-CD.


    Der letztes Jahr verstorbene Musikwissenschaftler Ludwig Finscher schrieb in „Haydn und seine Zeit“ über Gyrowetz und andere Zeitgenossen: „Sie würden uns heute als die großen Komponisten der Epoche erscheinen, wenn sie nicht das Unglück gehabt hätten, Zeitgenossen von Haydn und Mozart zu sein.“


    "Gyrowetz, der sich in seinen frühen Werken eher am Stil Pleyels und des frühen und mittleren Haydn orientiert, entfaltet um die Jahrhundertwende - in den hier eingespielten Quartetten gut hörbar - eine deutliche Tendenz zur romantischen Tonsprache. Schubert scheint, wie auch oft bei den späten Werken Mozarts und Haydns, in der Luft zu liegen." (website des Pleyel Quartetts)


    Gyrowetz hat 42 Streichquartette, andere Quellen geben 45 an, geschrieben. Exakt 6 davon liegen in Einspielungen vor, 3 auf cpo vom Kölner Pleyel Quartett und 3 auf Hyperion mit dem Salomon Quartet (vergriffen, aber auf dem Second Hand Markt verfügbar).


    Ich habe bisher nur das Quartett op. 29,2 gehört, war aber gleich so angetan, dass ich die Hyperion CD umgehend bestellt habe.


    Auf der website des Pleyel Quartett finden sich ein halbes Dutzend hymnischer Besprechungen der Musik und der Interpretationen, dem muss ich nichts hinzufügen.


    https://www.pleyelquartett.de/…rowetz-3-streichquartette










    Joseph Leopold von Eybler (??)

    Joseph Eybler (1765-1846) war mit Mozart befreundet und wurde nach dessen Ableben von seiner Witwe mit der Komplettierung des Requiems beauftragt. Die führte er letztendlich nicht zu Ende, so dass Franz Süßmayr zum Zuge kam. Eybler schrieb laut meinen Recherchen nur 6 Streichquartette op. 1, 1-3 und op. 10, 1-3. op.1 scheint um 1887 herum komponiert worden zu sein, also kurz nach den Mozart'schen Haydn-Quartetten und dessen op. 51. Zwei habe ich inzwischen gestreamt, stilistisch liegen sie IMO irgendwo dazwischen. Sehr ansprechend. Das Eybler Quartett spielt übrigens mit 1. und 2. Geige an den Aussenpositionen und Viola und Cello in der Mitte. Zunehmend finde ich diese Anordnung überzeugend.


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    Arthur Kampela

    Uma Faca Só Lámina

    Momenta Quartett


    Das fünfteilige Werk des brasilianischen Komponisten kann man irgendwo zwischen Ferneyhough und Lachenmann verorten. Das amerikanischen Quartett bringt es auf seiner ersten CD, die ausschliesslich von diesem Quartett eingespielt wurde. Aber Beiträge des Quartetts finden sich auf fast einem Dutzend von weiteren CDs mit zeitgenössischer Musik. Bei youtube gibt es ein komplettes Konzert aus dem Lockdown mit einigen weiteren zeitgenössischen Stücken.



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    Inzwischen ist die oben gezeigte CD bei mir eingetroffen, ich hatte Sie direkt beim Label in USA bestellt. Op. 6 wurde 1771 veröffentlicht, also ca. zeitgleich mit op. 17 von Haydn. Die Werke sind alle dreisätzig, schnell-langsam-schnell und alle in Dur-Tonarten komponiert. Sie dauern zwischen 10 und 14 min. Die ersten beiden fand ich schon mal ziemlich ansprechend wie auch das Spiel der Eyblers auf historischen Instrumenten. Inzwischen gibt es vom gleichen Ensemble auch Beethovens op. 16, auch das gefällt mir.

    Bei jpc ist es eher so, daß die meisten Veröffentlichungen in Kooperation mit deutschen Rundfunkstationen stattfinden - und deren Fokus liegt nun mal nicht am englischen Repertoire.....

    Von cpo würde ich auch keine Aktivitäten in dieser Richtung erwarten, die haben ja genug Regionen, die sie bearbeiten können. Obwohl sie sich mit Cipriani Potter ja jetzt auch in britische Gefilde begeben. Es ist nur schade, dass es von Simpson nur diese eine - wenn auch sehr gute - GA gibt, vergleichbare Komponisten wie Arnold Bax, Malcolm Arnold und William Alwyn haben immerhin drei. Vielleicht wird Naxos ja noch tätig. Oder zumindest alle vorhandenen BBC Aufnahmen werden veröffentlicht.


    Als ich von der Lyrita Aufnahme las, deren Einspielungen 40 und 48 'Jahre alt sind, war ich skeptisch, aber scheinbar (soweit sich das aus den Werbeclips feststellen lässt) hat die BBC damals ganze Arbeit geleistet...

    Ja, die Aufnahmen klingen tatsächlich gut, was bei der BBC nicht immer der Fall ist.

    Vor wenigen Tagen (2. März) hat sich Robert Simpsons Geburtstag zum 100. Mal gejährt. Man kann nicht behaupten, dass dies allzuviel Aufmerksamkeit geweckt hätte. Hier im Forum hat aber Caruso41 dankenswerterweise den Komponisten ausführlich gewürdigt.


    Die einzige CD-Veröffentlichung, die dieses Jahr bisher erfolgte, ist eine mit Aufnahmen der UA der Symphonien 5 und 6 durch das Lyrita Label.



    Obwohl diese CD offiziell erst am 30.04. erscheint, habe ich meine bestellte Version bereits erhalten. :)


    Und kann berichten, dass beide Einspielungen hörenswert sind. Die 5. wurde von Andrew Davies (damals 29-jährig) dirigiert, die 6. von Charles Groves. Von der Aufführung der 5. waren der Komponist, die Kritiker und das Publikum begeistert, obwohl es IMO ein durchaus schwieriges Werk ist. Mit der Aufführung der 6. war Simpson nicht ganz zufrieden, ich konnte beim ersten Hören aber nicht ausmachen, warum. Er hat danach noch einige Änderungen vorgenommen, was diese Aufnahme der 6. alleine schon interessant macht, denn die Vernon-Handley-Version ist dann die der überarbeiteten Symphonie. Es ist jedenfalls gut, dass es Alternativen zu Vernon Handleys Sicht gibt, mögen weitere Einspielungen folgen. Auf youtube findet man jedenfalls noch einige, u.a. von der 2. Symphonie unter Jascha Horenstein.

    Cipriani Potter (1792-1871) war ein englischer Komponist, eigentlich (fast) eine Altersgenosse von Franz Schubert, nur daß er wesentlichlänger gelebt hat. Er hat unter anderem 9 Sinfonien hinterlassen (an Hand der Nummerierung kann man darauf schliessen, daß es ursprünglich 10 waren.

    cpo hat diesen Wunsch erhört.


    Lieber lutgra Ich sehe gerade Deine Frage. Wenn ich Dich hier ausnahmsweise einmal unterstützen darf (selten genug klappt das ;) ). Das Hagen Quartett spielt Ligetis erstes Streichquartett auf der folgenden Einspielung:

    Vielen lieben Dank

    tatsächlich ist mir vor gar nicht langer Zeit die Original CD gebraucht für wenige Euronen untergekommen. Und was noch besser ist: mit Autogrammen der vier Musiker. Gut, die kann man nicht hören:), aber ist trotzdem ganz nett.

    Raul Koczalski (1885-1948) war ein musikalisches Wunderkind, angeblich spielte er bereits mit 4 Jahren öffentlich Stücke von Chopin und mit 14 bestritt er bereits sein 1000. Konzert. Heutzutage würde da wohl das Jugendamt vorstellig werden. Er hatte Unterricht u.a. beim Chopin-Schüler Karol Mikuli und versetzte Anton Rubinstein in Erstaunen. Kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in Polen feierte er in Berlin, in dem er die letzten Jahre verbracht hatte, sein 50-jähriges Bühnenjubiläum und hatte im September 1939 das zweifelhafte Vergnügen von Joseph Goebbels persönlich zum Verbleib (sprich: Internierung) in Berlin aufgefordert zu werden. Er hatte zwar offiziell Auftrittsverbot, konnte sich aber wohl mit Hauskonzerten durchschlagen und wurde auch von der Gestapo weitgehend verschont. Nach dem Krieg kehrte er nach Polen zurück, wo er 1948 verstarb. Vor dem Krieg war er ein gesuchter Pianist und hat zahlreiche Schellack-Platten u.a. für die Deutsche Grammophon eingespielt. Er galt als Chopin-Spezialist und wurde von einigen als solcher hoch geschätzt, von anderen (Arrau, Artur Rubinstein) eher nicht. Kürzlich sind die Partituren seiner sechs Klavierkonzerte wieder aufgetaucht und wurden eingespielt.

    Die 3. Folge enthält die Konzerte Nr. 5 und 6.

    Nach dem 5. Konzert zu urteilen, sind das Konzerte im spätromatischen Stil, die die Entwicklungen der 20er und 30er Jahre komplett ignorieren und selbst Rachmaninoffs Beiträge als progressiver erscheinen lassen. Sie sind melodienseelig und würden perfekt in die Hyperion-Reihe passen.

    Die Pianistin Joanna Lawrynowicz sagt mir nichts, hat aber diverse Wettbewerbe gewonnen und schon über 40 CDs eingespielt, u.a. das Gesamtwerk von Chopin. Sie wie auch das Orchester aus Lublin werden den Ansprüchen der Partitur offenkundig gerecht.




    Da ich noch über einen Plattenspieler verfüge und im Zweifelsfall dann die LP kaufen kann, ist das für mich kein Problem. Weitere aktuelle Beispiele aus meinem Bestand sind:


    und

    https://www.deutschegrammophon…onie-no-3-dudamel-lp-5261


    Die Adams/Yuya Wang LP ist bestellt.


    Nachvollziehen kann ich diese Politik der Firmen allerdings nicht.

    Den Berman Liszt gibt es übrigens bei discogs.


    https://www.discogs.com/de/sell/list?master_id=691935&ev=mb

    Joseph Elsner (1769-1854) - war laut wikipedia "einer der herausragendsten deutschen Komponisten polnischer Musik in der Zeit der Aufklärung und Vorromantik. Außerdem war er Direktor des Warschauer Konservatoriums, Kapellmeister, Musiktheoretiker, Publizist und Musikpädagoge. Er nimmt als Vorläufer der polnischen Nationalbewegung und als Lehrer Fryderyk Chopins (dessen musikalische Begabung er früh entdeckt hat) eine bedeutende Stellung in der Musikgeschichte ein."


    Joseph Elsner hat laut meinem Streichquartett-Handbuch 11 Streichquartette komponiert, von denen bisher drei schon eingespielt waren und drei jetzt noch dazu kommen.




    Bei idagio konnte ich gestern die op. 8, 1 und 2 hören und war angetan. Das ist auf dem Niveau von Haydn. Formal recht originell, mal 2 lange Sätze, mal 3, mal 4. Melodisch einfallsreich mit interessanten Verläufen, keine 08/15-Ware. Auch der erdige Klang des polnischen Equilibrium String Quartet gefällt mir. Könnte bei der nächsten Bestellung dabei sein.


    denn das dürfte genau meine Musik sein ...

    Das glaube ich auch.:)

    Diese lateinamerikanische Musik wurde eindrucksvoll in der ASV -CD_Serie Musica Mexicana (die heute gesammelt auf Brillant verfügbar ist) erweitert.

    Leider ist diese Box vergriffen.:(


    Mitte März bring Brilliant allerdings eine 3 CDs umfassende Box mit 9 Symphonien des equadorianischen Komponisten Luis Umberto Salgado heraus. Alles Ersteinspielungen. Bin gespannt.


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    Ich höre vergleichsweise selten reine Klaviermusik. Und wenn, dann auch nur von relativ wenigen Komponisten.

    Bach, Beethoven, Schubert, Liszt, Debussy, Ravel (aber eigentlich nur den Gaspard), Scriabin und Prokofieff.

    Von Beethoven schätze ich vor allem die letzten drei Sonaten, das gleiche gilt für Schubert. Die Liszt-Sonate liebe ich besonders. Und bei Scriabin und Prokofieff mag ich mehr oder weniger alle. Wobei ich nicht alle schon sehr gut kenne.

    Von Busoni kenne ich natürlich einige seiner Bachbearbeitungen. Von Busoni habe ich mal 7 LPs erstanden, die der interessante Pianist Gunnar Johansen im Eigenverlag produziert hat. Ich glaube, komplett gehört habe ich die bis heute nicht.:untertauch:

    Mozart Camargo Guarnieri (1907-1993)

    Symphonie Nr. 1

    Sao Paolo SO

    John Neschling


    Wenn man mit diesem Namen geboren wird, kann man natürlich nur Komponist werden. Wenn man dann noch von Charles Koechlin und Nadja Boulanger ausgebildet wurde, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.


    Die 1. von sieben Symphonien schrieb Guarnieri 1944 und widmete sie Serge Koussevitzky. Ob der sie jemals aufgeführt hat, verrät das Booklet nicht. Es hätte ihm jeden falls zur Ehre gereicht. Ein Pendant zu dem nord-amerikanischen Trio Copland/Schuman/Harris halt nur mit südamerikanischer Rhythmik und Melodik. Bei allem schaut Papa Stravinsky regelmäßig über die Schulter. Einfach Klasse:thumbup:




    FonoForum 04 / 04: "Guarnieri schreibt eine durchaus sinnliche Musik, die gehört werden will und den Hörer auf Anhieb reichlich belohnt - vor allem wenn, wie in den vorliegenden Einspielungen, ganz auf den Vorgang des Musikmachens abgehoben wird."

    Auch hier seit fast sieben Jahren Schweigen. Es scheint so, als wenn der Einsatz von cpo für das Schaffen von Felix Weingartner keine nachhaltige Wirkung gezeitigt hat. Die Sammler haben vermutlich die Box mit den sieben Symphonien ein-, zweimal gehört und dann ins Regal gestellt. Ich befürchte, dass es vielen "Entdeckungen" von cpo so geht. Aber immerhin, man kann - wenn man will - diese Musik jetzt hören und dazu in sehr guter Qualität.


    So bleibt hier nachzutragen:


    Felix Weingartner

    Symphonie Nr. 7

    für Solisten, Chor, Orgel und Orchester

    Maya Boog sop, Franziska Gottwald alt, Rolf Romei ten, Christopher Bolduc bar

    Babette Mondry org

    Tschechischer Philharmonischer Chor Brünn,

    Radio-Sinfonieorchester Basel,

    Marko Letonja



    Seit 1936 lebte Weingartner aus naheliegenden Gründen in der Schweiz, wo er schon vorher für einige Jahre das Basler Sinfonieorchester geleitet hatte. Somit war es ihm auch möglich, die Ende der 30er Jahre komponierte Symphonie im Januar 1942 mit Erfolg aufführen zu lassen, was vermutlich im "Tausendjährigen Reich" nicht mehr möglich gewesen wäre. Vier Monate später verstarb der Komponist.


    Das Werk sticht offenkundig schon auf Grund der Besetzung aus den sieben Symphonien hervor: es ist die einzige Vokalsymphonie des Komponisten und neben der dritten seine längste. Der Aufbau ist aber eher ungewöhnlich.


    Der Kopfsatz Andante pesante ist der kürzeste. Er beginnt vielversprechend mit einer von den Streicher ausgeführten markanten Pendelfigur über die effektvoll Blechbläserfanfaren gelegt werden, um dann nach zwei Minuten in eine Reger'sche Fuge zu münden. Damit macht er mir keine Freude. Der Satz ist aber wie gesagt der kürzeste und endet interessanter. Es folgt ein Andante sostenuto, das ein Bariton-Solo, ein Alt-Solo und Chor aufbietet mit Friedrich Hebbels "Zwei Wanderer" als Text. Abgelöst wird es wieder von einem kürzeren rein instrumentalen Scherzosatz - Allegro appasionato, sehr hörenswert. Mit 30 min der umfangreichste ist dann der Schlußsatz, der alles aufbietet, was an Besetzung da ist. Ungewöhnlich auch hier der Beginn: ein 3-minütiges Sopransolo zu reiner Orgelbegleitung gefolgt von einer 8-minütigen tristanartigen Orchestereinlage bevor dann das komplette Solistenquartett, Orgel und volles Orchester den Höhepunkt herbeiführen. Als Textvorlagen dienen hier ein Gedicht der 5. Ehegattin des Komponisten Carmen Studer (die den 68-jährigen Komponisten mit 24 geheiratet hatte!) sowie Hölderlins Hymne an die Liebe.


    Wenn man bei dem Aufgebot auf dem Papier unwillkürlich an Mahlers 2. oder 8. denkt, wird man diesbezüglich aber enttäuscht. Was Chor und Solisten bieten, klingt eher nach Schumann'schen Chorwerken und in den letzten 5 min schlicht und einfach nach Beethoven 9.


    Ich befürchte, trotz vieler hörenswerter Einzelheiten kann das Ganze dann doch nicht im Vergleich zu den großen Chorsymphonien des 19. und 20. Jahrhunderts bestehen.

    Felix WEINGARTNER: Streichquartett Nr. 4 op.62 in D-Dur


    Ein großer Innovator war Weingartner sicher nicht und auch eine "Entwicklung" scheint er kaum durchgemacht zu haben, jedenfalls klingen seine späteren Symphonien wie auch Kammermusikwerke nicht grundsätzlich anders als die frühen. Er probiert mal dies und mal das, aber die Entwicklungen um ihn herum (Impressionismus, Dodekaphonie) finden kaum Niederschlag in seinem Werk. So klingt sein 4. Streichquartett, das 1917 im Umfeld der 4. Symphonie entstand ähnlich frisch und melodienreich wie die früheren. Ein Allegro grazioso ist vor allem das, heiter und graziös. Nur in der Mitte ziehen ein paar Wolken über den Himmel. Eine rhythmische Figur erinnert mich an Beethoven. Es folgt eine sehr schöne und sangliche Elegie. Lediglich dem Scherzo hört man an, dass wir nicht mehr im 19. Jahrhundert sind. Abschliessend ein ohrwurm-mäßiges Vivace assai. Auch dieses Werk wäre m.E. im Repertoire gut aufgehoben. Zum Glück lässt die Einspielung durch die Sarastroinaer keinen Wunsch offen.


    Das 2. Streichquartett komponierte Weingartner unmittelbar nach dem 1. Es ist ein bemerkenswertes Werk, das IMO Chancen auf den Eingang ins Repertoire hätte. Es legt gleich düster und aufgewühlt los und diese Stimmung hält sich auch den ganzen Satz hindurch. Der zweite Satz ist ungewöhnlich, da er Spieltechniken (Pizzicato, Sul ponticello) enthält, die bis dato noch nicht so häufig bei Streichquartetten zum Einsatz kamen. Der dritte Satz ist eine Art traumhafte Fantasie für Sologeige mit Streicherbegleitung, sehr effektvoll. Und zum Schluß wird die Stimmung des Kopfsatzes wieder aufgenommen und in einem wilden Ritt (Vivace furioso) zu Ende gebracht. Das Sarastro Quartett spielt Furioso.