...das ist nun wirklich spannend- und es berührt mich!
Was Du, lieber seicento, schreibst, unterschreibe ich vollkommen und teile Deine Meinung und Sichtweise.
Bachiania fragte ja auch nicht explizit nach Schumann, ihr Ansinnen war übergreifend gemeint.
Wirklich zu schade, dass sie nicht die Gelegenheit hat, wieder zu antworten.
Ihre Frage richtete sich, so las ich sie, nicht auf einen ausgewählten Compositeur, sondern bezog sich recht dezidiert auf den "Wechsel", der irgendwann so zwischen 1770 und 1820 auszumachen wäre.
Lieber seicento, hier nochmals ganz bei Dir mit Deiner "Unverwundbarkeit" und dem Hören von Brahms.
Lieber Holger, schon wieder muss ich Dir widersprechen.
Auf die Gefahr hin, meinem eigenen Wunsch zur Rückkkehr des eigentlichen Themas nicht gerecht zu werden. Es ist zu wichtig.
Demenzkranke verlieren nicht ihr Bewusstsein!
Sie verlieren ihre Orientierung - teilweise oder völlig die zeitliche, räumlich oder situative.
Dennoch sind sie bei vollem Bewusstsein!
Das macht es so wichtig, ihnen in ihrer Welt zu begegnen statt z.B. meine als Maßstab zu setzen.
Bitte entschuldige, aber da hast Du eine vollkommen falsche Vorstellung.
Du urteilst und ich verkneife mir Beispiele und Angriffe, die Worte beeinhalteten wie von Dir formulierte Geringschätzung.
Ganz im Gegenteil, und nun doch zurück zum Thema: ich finde es es als ein Lehrbeispiel, dass Demenzkranke zeitlich desorientiert sein können. In ihrer eigenen Zeit finden sich Demenzkranke sehr gut zurecht. Ja, sie erkennen sich im Spiegel nicht - ihnen ist nicht deutlich, dass sie heute und hier vierzig Jahre älter sind. Ein Foto an ihrer Zimmertür darf eins sein, dass vor zwanzig Jahren entstand, des eigenen Erkennens wegen.
In ihrer eigenen Zeit, in ihrer eigenen Situation, in ihrer eigenen Orientierung sind Demenzkranke sich selbst und der Umwelt vollkommen bewusst. Ich schrieb es schon: "In den Schuhen des andren gehen" ist Mittel der Wahl, einen Demenzkranken zu begreifen und ihm menschlich zu begegnen. Und das ist ist nicht viel anders als Musik: ich vergebe mir nichts, in "den Schuhen" eines Bach zu gehen, ihn verstehen zu wollen. Ich bin bereit, seine Sprache zu sprechen um ihn zu verstehen.
Ebenso Mozart oder Haydn. Was ich nicht erwarte ist, dass Menschen in ihrer Zeit lebend, meine Sprache lernen. Dass also Haydn und Mozart mittels Klangidealen kommunizieren, die hunderte von Jahren später Gültigkeit erlangten. Ich bin gezwungen, deren Sprache zu lernen. Und nur so kann ich meine Möglichkeit, mich auszudrücken, auch einbringen.
Wünsche ich doch ein gemeinsames Verstehen. Und nicht die Arroganz, einem Gegenüber sagen zu wollen, was er sagen wollte. Sei es Frau Müller mit Demenz oder Haydn in seiner Zeit. Kommunikation ist möglich.
Irgendwann nicht mehr wichtig - wann und warum das so ist, erfragt Bachiania.
Wir sollten wirklich versuchen, ihr zu antworten.
Herzliche Grüße,
Mike
