Beiträge von sagitt

    Nur zum Vergleich: Dinu Lipatti (1917-1950) verstarb mit nur 33 Jahren an Leukämie und gilt allgemein als einer der bedeutendsten Pianisten aller Zeiten. Lang Lang ist nun schon 35 und hat keine einzige Aufnahme gemacht bisher, die den Vergleich mit Lipatti auch nur annähern standhält.


    das allerdings gilt für mindestens 98% der PianistInnen ebenso.


    Ich gebe bei allem bashing zu bedenken, das Eschenbach ihn besonders schätzt (und der war einmal ein hoffnungsvoller Pianist,1965). Wenn man die Augen zumacht und das Eröffnungskonzert SH Festival mit dem Es-Dur Konzert von Beethoven hört und seine Vorurteile vergisst, kann man davon sehr angetan sein.

    Sagitt meint:


    Noch eine freudige Überraschung am heutigen Tage.. Zuerst die überwältigende Wiedergabe der Eroica von Currentzis interpretiert, dann noch die überraschend spannende Wiedergabe des zweiten Brahms Konzertes durch Brautigam https://www.youtube.com/watch?v=hNrf0Z6MW4I&t=1393s.


    Brautigam ist ja ein Vertreter der Hammer Klavier – Fraktion. Und ich durfte kürzlich die Erfahrung machen, dass Hammer Klavier und ein moderner Flügel zwei verschiedene Welten sind.Ragna Schirmer, eine Pianistin, spielte die Goldberg – Variationen auf dem Hammer Klavier und machte unendlich viele Fehler, gänzlich unerklärlich.


    Herr Brautigam spielte das zweite Brahms Konzert sehr zügig und ohne jede Beanstandung. Für mich eine angenehme Überraschung.

    Lieber Helmut Hofmann


    Deine Beiträge und die von Willi über die Beethoven-Sonaten machen für mich die Kernkompetenz dieses Forums aus! Das hatte konkret die praktische Konsequenz, dass ich mir selbst nicht vertraute, als ich den Beitrag las, dachte ich spontan, das ist die falsche Sonate, aber um hier nicht zu Irren, habe ich dann doch lieber recherchiert.


    Nobody is perfekt. Eine wichtige Devise für uns alle!


    Herzliche Grüße


    Hans

    Sagitt meint:


    Ich gebe dieser Verbindung kaum eine Chance. Currentzis ist ein extremer Arbeiter, der von seinen Künstlern unglaublich viel verlangt und diese entsprechend drangsaliert. Woher weiß ich das? Es gab eine Dokumentation über die Neuaufnahme des Don Giovanni, darin ein Konflikt zwischen einem Solisten und dem Star. Zum Thema der Neuaufnahme noch: Frau Frau Kermes war nicht mehr dabei. Auch sie hat über die unmenschlichen Bedingungen gesprochen.


    Wie soll das mit einem Orchester funktionieren, das ja eher Beamten-ähnlich strukturiert ist?


    Mit musica aeterna hat er ein Ensemble, dass diese extremen Anforderungen mitträgt. Mit einem deutschen Rundfunkorchester kann das eigentlich nicht funktionieren.

    Sagitt meint: Wegen des Chores sollte man diese Aufnahme bestimmt nicht haben. Der muss natürlich so agieren, wie Solti dies von ihm wollte, also sehr häufig mit einer Wucht, die sicherlich nicht zu dieser Passion passt. Wenn ich schrieb, der Chor war erfreulich klein, beziehe ich mich auf die Informationen aus dem damaligen Beiheft zu dieser Aufnahme. Das waren noch die Zeiten, in denen die Matthäuspassion häufig mit mehr als 100 Sängern aufgeführt wurden. Die Aufnahmetechnik suggeriert allerdings einen großen Chor. Meine Formulierung „gut bewältigt“ ist missverständlich. Ich meinte dies in technischer, nicht in Interpretation rascher Hinsicht. Dafür war ja Solti zuständig.
    Wenn man diese Aufnahme heute zutage hört, dann wegen den Solisten (auch die Wahrnehmung ist natürlich kontrovers). Ich finde zB die junge von Otter sehr anhören wert, das sehen andere Taminos anders. Auch das timbre von Tom Krause liegt mir sehr, der Evangelist ohnehin.

    Danke für die zusätzlichen Informationen. Diese Seiteneinstiger als Sänger finde ich interessant. Das sind nie die schlechtesten gewesen. Ich denke da auch an Kozub, dessen Karriere dann aber ebenfalls nicht trug. Schade, dass die "Schöne Müllerin" mit Blochwitz aktuell nicht mehr als CD aufzutreiben ist.



    Gruß Rheingold


    Sehr bedauerlich, in der Tat. Seine Aufnahme der schönen Müllerin ist von besonderer Qualität. Leider wurde diese Auffassung von der deutschen Grammophon niemals geteilt. Sehr schnell war die Aufnahme verschwunden und neben dem Dauerbrenner von Wunderlich wurde nur Araiza angeboten. Aber, die Aufnahme von Blochwitz erscheint immer wieder einmal bei den Gebraucht – angeboten.


    P.S. eben gefunden: https://www.amazon.de/Schubert…witz-Garben/dp/B00000E4DL :hail:

    Sagitt meint:


    Blochwitz hat ursprünglich Elekrotechnik studiert und nebenbei gesungen.Erst 1984 begann seine sängerische Karriere. Nebenbei, das war vor allem geistliche Musik. Da war er schon sehr erfahren. Mir erzählte er, dass er mit Solti, der da wenig Erfahrung hatte,kontroverse Diskusionen führte.Durch die Tätigkeit als lyrischer Tenor in der Oper kam er dann davon weg und Mitte der neunziger Jahre war dann die Stimme ruiniert.

    Sagitt meint:


    Diese Aufnahme kenne ich seit ihrer Veröffentlichung, 1987. Solti ist sicher kein Bachkenner. Er versteht die Passion eher als verkappte Oper, Dramatik zu erzeugen, das konnte ja immer ganz besonders gut. Er hatte einen erfreulich kleinen Chor (nur ca. 40 SängerInnen), die ihren Part gut bewältigten.


    Seine Solisten waren wirklich hochkarätig. Dass sie als erstes Hans-Peter Blochwitz als Evangelisten erwähne, ist wohl klar. Er war damals auf der Höhe seiner Kunst und hat die Partie sehr ausdrucksvoll gestaltet, absolut ebenbürtig einem Sänger wie Peter Schreier.
    Auch die anderen Gesangssolisten (Kanawa keine wirkliche Bachsängerin, von Otter wunderbar, ebenso Tom Krause) sind alle sehr gut an hörbar.
    Die Aufnahme ist seit längerer Zeit nicht im Handel (aber kann sie kostenfrei bei Spotify hören).

    Bei der DVD Argerich and friends spielen wohl nur die friends. Keinem der Video – Beispiele tritt Frau Argeric mit einem Bach – Konzert auf. Ebenso bedauerlich wie das Fehlen von Solo – Aufnahmen. Einerseits ist das Repertoire der Argerich riesig, andererseits im Kernbereich sehr lückenhaft: Wenig Mozart, wenig Beethoven, sehr wenig Schubert, wenig Brahms...

    "Anscheinend“ geht der deutschen Sprache gerade verloren und wird fälschlicherweise durch "scheinbar“ ersetzt, dabei sind die Bedeutungen dieser beiden Begriffe total unterschiedlich.“ Scheinbar“ es scheint so, aber es ist nicht so;“ anscheinend“: es sprechen Indizien dafür dass es so ist.


    Wenn ich mich hier für lyrische Tenöre einsetze, heißt das nicht, dass Metall in der Stimme verpönt sein soll. Die Frage stellt sich eher so, ob der Sänger anderes als Metall einsetzen kann? Man prüfe es an den Piano – Stellen: ist Piano nur ein vermindertes Forte oder wird der Ton anders gebildet,zB durch Beimischung der Oberstimme? Diese Fähigkeit hat nur eine Minderheit von Sängern, großartig seinerzeit Fischer – Dieskau, Protschka und eben Blochwitz. In gewissem Umfang auch Klaus Florian Vogt.

    Sagitt meint:


    Lieber Siegfried


    Lyrisch singende Tenöre als "Weicheier“ zu titulieren, finde ich fragwürdig. Dass eine Tenor – Stimme Metall hat, scheint mir keine besondere Leistung zu sein. Deutlich weniger verbreitet ist die Fähigkeit, wirklich dolce, wirklich piano zu singen. Diese Art des Singens ist für die Mozart – Partien doch sehr viel angemessener als hier Metall einzusetzen. Am ehesten ist Belmonte eine Art Held, wohl auch Tamino, aber die Tenöre in Cosi und Giovanni sind doch eher zarte Männer (vielleicht das der Grund, warum Donna Anna den Don so attraktiv findet?) .
    Da wir jedes Singen mit dem Metall in der Stimme für mich nicht rollendeckend.


    Im Kern haben wir diese Kontroverse seit über zehn Jahren und offensichtlich beide nicht geändert.
    Beste Grüße


    Hans

    Sagitt meint !


    Glenn Gould hat ja seit 1964 nicht mehr vor Publikum gespielt und das natürlich auch entsprechend begründet. In Wirklichkeit entsprach es seinem eher autistischen Charakter, mit Menschen nicht zu nahe zu sein.
    Das Werk, mit dem er berühmt geworden ist, die Goldberg–Variationen hat er dreimal im Studio eingespielt und es gibt eine Live–Version 1959 aus Salzburg.


    Ich finde diese Version die spannendste. So kann man bedauern, dass Gould so wenig Live gespielt hat.

    "die 2013 gemachte Einspielung von Beethovens Klavierkonzerten Nr 3 und 5 mit dem Schwedischen Radio Symphony Orchester unter Daniel Harding. "Ich war schon verwundert. Wie Frau Argerich hat auch Maria Pires das fünfte Konzert nie aufgenommen (das wäre sicher eine genauere Betrachtung wert, warum dieses Konzert gemieden wird? S. Hat es auch nicht eingespielt oder Live aufgeführt). Der Blick aufs Cover beruhigt. Es war nicht das fünfte.


    Danke für den Hinweis -Ein FLüchtigkeitsfehler meinerseits. Wer ihn sucht wird ihn nicht finden, da bereits berichtigt - MOD 001 Alfred

    Sagitt meint:


    Die Sonaten höre ich recht selten. Der Grund dafür ist Clara Haskil. Ihre Wiedergabe von KV 280 hat das Tor zum Himmel aufgestoßen und – vergebens – suche ich solche Interpretationen bei anderen und finde sie nicht, auch nicht bei Pires oder Zacharias.


    Zu KV 576 habe ich allerdings eine besondere Beziehung, dank Godard " weekend"