Beiträge von Ralf Reck

    Heute mache ich weiter mit


    Pamina (Zauberflöte)

    1. Edith Mathis (1975)

    2.Helen Donath (1977)

    3. Barbara Bonney (1088/91)

    weitere gute Leistungen von u.a. Judith Blegen, Lucia Popp


    Eva (Meistersinger)

    1. Claire Watson (1968 in München)

    2. Gundula Janowitz (1969 in Berlin)

    3. Arlene Saunders (1965, 1975)


    Brünnhilde (Walküre)

    1. Birgit Nilsson (1969-1972)

    2. Gabriele Schnaut (1993-1997)

    3. Sabine Hass (1995)

    weitere gute Leistungen: Catarina Ligendza, Catherine Foster, Jennifer Wilson


    Viele Grüße von Ralf Reck

    Auch ich mache weiter mit und bedanke mich bei Stimmenliebhaber für die viele Arbeit, die die Leitung und das Zusammenstellen bereitet.


    ich mache weiter mit Mozart


    Donna Anna

    1. Margaret Price (1982)

    2. Ana Maria Sanchez (1998)

    3. Luba Orgonasova (1996)


    Don Giovanni

    1. Theo Adam (1966)

    2. Bernd Weikl (1973-1982)

    3. Lauri Vasar (2010)


    und mit Donizetti


    Edgardo (Lucia)

    1. Luciano Pavarotti (1971)

    2. Jose Carreras (1979)

    3. Piotr Beczala (2010)


    Lucia

    1. Edita Gruberova (1081)

    June Anderson (1987)

    Ha Young Lee (2010)


    weitere gehörte herausragende Solistinnen: Renata Scotto, Adelaide Negri, Elena Mosuc


    Mit den allerherzlichsten Grüßen, Ralf Reck

    heute bleibe ich bei Mozart

    Susanna (Figaro)

    1. Anneliese Rotheberger (1966)

    2. Edith Mathis (1969)

    3. Hellen Kwon (1990-1998)


    Gräfin (Figaro)

    1.Gundula Janowitz (1981)

    2. Charlotte Margiono (1990/1996)

    3. Soile Isokoski (1995)


    Don Ottavio (Giovanni)

    1. Peter Schreier (1966, 1975)

    2. Rainer Trost (1996-1998)

    3. Rüdiger Wohlers (1983)


    sowe als bisher noch nicht gelistete Rolle

    Erster Geharnischter (Zauberflöte)

    1. Heinz Kruse

    2. Günter Neumann

    3. Martin Homrich


    Viele Grüße von Ralf Reck

    Heute beteilige ich mich mit


    mit dem Heerrufer (Lohengrin)

    1. Franz Grundheber

    2. Jan Buchwald

    3. Andrzej Dobber


    mit Telramund (Lohengrin)

    1. Wolfgang Koch (2013-2019)

    2. Donald McIntyre (1974)

    3. Tom Krause (1966)


    sowie mit Siegmund (Walküre)

    1. Jess Thomas (1968 in Berlin)

    2. Klaus Florian Vogt (2012 in München)

    3. Johan Botha (2015 in Bayreuth)


    und als neue Rolle Gerhilde (Walküre)

    1.Judith Beckmann

    2. Hellen Kwon

    3. Danielle Halbwachs


    Viele Grüße, Ralf Reck

    Heute benenne ich für die drei Hauptpartien in Verdis Othello:


    Othello

    1. Placido Domingo (1975)

    2. Franco Bonisolli (1985)

    3. Vladimir Atlantow (1983, 1986)


    Desdemona

    1. Margaret Price (1979)

    2. Julia Varady (1983)

    3. Katia Ricciarelli (1975)


    Jago

    1. Sherrill Milnes (1975)

    2. Franz Grundheber (1986-2007)

    3. Juan Pons (1983)


    Die von mir 1975 an der Hamburgischen Staatsoper gehörte Besetzung war maßstabsetzend mit Domingo, Ricciarelli, Milnes sowie Thomas Herndon als Cassio, Heinz Kruse als Roderigo, Harald Stamm als Lodovico und Hanna Schwarz als Emila. Dirigiert hatte James Levine, August Everding war für die Inszenierung verantwortlich, das realistsche Bühnenbild stammte von Pierluigi Samaritani. Leider wurde diese schöne Inszenierung 2017 durch eine schlimme Inszenierung ersetzt (Calixto Bieito, Sunsanne Gschwender). Ralf Reck

    Heute benenne ich für die Rolle des Lindorf etc. aus Offenbachs Hoffmanns Erzählungen:

    1. Lawrence Winters (1965)

    2. Simon Estes (1982)

    3. Laurent Nauri (2000)


    Als Boris Godunow

    1. Kurt Moll

    2. Martti Talvela

    3. Paata Burchuladze


    Als Turandot

    1. Eva Marton

    2. Gabriele Schnaut

    3. Elisabeth Connell


    sowie, offenbar bisher noch nicht gelistet, Basilio aus Rossinis Barbier von Sevilla

    1. Paata Burchuladze (1996, 1998, 2002)

    2. Simon Yang (1997)

    3. Alexander Tsymbalyuk (2011)

    Heute nenne ich drei Rollen mit jeweils allerdings nur zwei Vorschlägen:


    Jenufa (Jenufa): Karita Mattila, eine begnadete Sängerdarstellerin, die ich 1998 und bei ihrer letzten Jenufa 2014 in Hamburg hörte (seitdem singt sie eine herausragende Küsterin) und Luisa Bosabalian, meine erste Jenufa (1966)


    Euegn Onegin

    Fürst Gremin: Kurt Moll (1989) mit einer unübertroffenen Leistung sowie nahe dabei Alexander Tsymbalyuk (2016,2018)

    Lenski: Rolando Villazon (2008 in Berlin) und Dovlet Nurgeldiyev (2016, 2018 in Hamburg)

    Heute benenne ich als

    Nemorino (Liebestrank): Luciano Pavarotti, Kurt Streit und Dovlet Nurgeldiyev

    Macbeth: Franz Grundheber, Piero Cappuccilli, Dimitri Platanias

    Sieglinde (Walküre):

    Leonie Rysanek (1975-78) wegen des unter die Haut gehenden Sieglindenschreis beim Ziehen des Schwerts aus dem Stamm

    Helga Dernesch, die 1969 neben Birgit Nilsson als Brünnhilde eine herausragende Sieglinde sang

    sowie ausnahmsweise mal eine Sängerin, die ich mit dieser Partie nur von der Platte her kenne: Gundula Janowitz (Karajan-Aufnahme)


    und noch als maßstabsetzende, bisher noch nicht angeführte Eboli: Brigitte Fassbaender, sowie Grace Bumbry und Elena Zhidkova

    Ralf Reck

    Ich melde noch die Agathe aus dem Freischütz

    1. Gundula Janowitz mit ihrer wunderbar aufblühenden Stimme, 1968 und 1969 an der Deutschen Oper in Berlin gehört

    2. Elisabeth Grümmer (1965)

    3. Judith Beckmann (1985)


    sowie den Wolfram aus Tannhäuser: Andreas Schmidt, Jan Buchwald und Lauri Vasar


    außerdem als Elektra:

    1. Birgit Nilsson (1971, 1973, 1981, 1982), besser geht es nicht

    2. Gabriele Schnaut (1995 2x, 2003 war sie nicht mehr so gut)

    3. Eva Marton (2003)

    Im April 2010 erlebte ich dann noch die (sehr gelungene) Kupfer-Inszenierung an der Hamburgischen Staatsoper, weiß aber nur noch, dass Matti Salminen den Iwan Chowanskij sang. Ihn hätte ich sofort genannt, aber es geht ja um die andere Rolle. Ich habe im Internet recherchiert, dass wohl Michael König die gesuchte Rolle sang oder mindestens singen sollte

    Lieber Stimmenliebhaber, ich habe die Aufführung am 7.4.2010 gesehen. Neben Salminen sangen Viktor Lutsiuk (Fürst Andrej), Peter Galliard (Golitzyn), Lauri Vasar (Schaklowitij), Elena Zaremba (Marfa) und Katerina Tretykova (Emma), Simone Yung dirigierte. Die beeindruckende Kupfer-Inszenierung sah ich zwischen 1994 und 20110 viermal, daneben noch eine von August Everding (1974) sowie ebenfalls ein Gastspiel aus St. Petersburg (1980).


    Trotz der 6 Aufführungen hat kein Andrej Chowanski bei mir einen nachhaltigenn Eindruck hinterlassen, dafür aber die männliche und weibliche Hauptpartie, die ich noch benennen möchte:


    Fürst Iwan Chowanskij: Nicolai Ghiaurov (1974), Matti Salminen (1994, 2010 nicht mehr ganz so gut), Paata Burchuladze (1996)

    Marfa: Christa Ludwig (1974),Olga Borodina (1990, 1994) und Elena Zaremba (1996 2x, 2010)


    .

    Soweit ich sehe, wurde die Rolle des Macduff aus Verdis Macbeth noch nicht genannt: Dovlet Nurgeldiyev (ganz wunderbar), Wookyung Kim, Juan lloveras


    Ergänzen möchte ich die Küsterin aus Jenufa: Eva Marton, Karita Mattila, Nadezda Kniplova


    sowie als Salome: Anja Silja (1972, 1980), Felicia Weathers (1969) und Hellen Kwon, die 2014 eine atemraubende Salome sang.

    Ich weiß nicht, ob es im Moment erlaubt ist, ich würde heute gern noch drei bereits gelistete Rollen einbringen. Denn bei vielen Opern kann ich nicht mithalten, da ich sie zu selten gesehen habe (z.B. Ernani nur einmal 1981 mit Moldoveanu, Salvadori, Siepi und Marton).

    Meine Vorschläge für heute:

    Holländer: Franz Grundheber, Simon Estes, Jose van Dam

    Lohengrin: Peter Hofmann, Rene Kollo, Klaus Florian Vogt

    Brangäne: Katja Pieweck, Julia Juon, Petra Lang


    Zu Julia Juon, sie hat in Hamburg über Jahre die Waltraute gesungen, sie war die einzige, die mich init dieser Partie wirklich überzeugt hat.


    Herzliche Pfingstgrüße, Ralf Reck

    Lieber Hans, zunächst Dank für Deinen Beitrag. Die Tote Stadt wurde ja in letzter Zeit nicht ganz selten besprochen. was ist an dieser Oper eigentlich dran? Ich habe sie zweimal gesehen (2015), die aktuelle Hamburger Aufführung, einmal mit Vogt (in Ordnung) und einmal mit einem Tenor, der nicht mehr ganz auf der Höhe war (Torsten Kerl). Marietta war mit Sara Jakubiak bzw. Meagan Miller ebenfalls nicht gut besetzt (mir zuviel Vibrato). Im Radio klingt manches Ariose recht schön, auf der Bühne habe ich es nie so empfunden. Schon das Thema erschien mir morbide und hinderte mich bei irgendeiner Identifikation mit der Handlung. Vielleicht muss man auch erst einen geliebten Menschen verloren haben, um sich dem Thema zu nähern. So drückte sich mir gegenüber einmal mal eine langjährige Operngeherin aus. Was zog Dich denn in diese Oper, und noch den weiten Weg nach Kiel? Ich würd mich ja gern überzeugen lassen, dass diese Oper ein weiteres Ansehen/Anhören meinerseits lohnen würde. Herzliche Grüße, Ralf Reck

    Eigentlich gibt es keine schlechten Lohengrin-Aufführungen; Wagners Musik fegt über manche stimmliche Schwäche oder inszenatorisches Mätzchen gnädig hinweg. Trotzdem gab es auch heute wieder, oder immer noch, Empörung ob der Konwitschny’schen Schulrauminterpretation, erkenntlich an einigen Buhrufen nach dem ersten Aufzug, und auch an (diskreteren) Unmutsäußerungen eines älteren Ehepaares neben uns, welche diese Lohengrinversion bisher noch nie gesehen hatten. Die musikalische Seite wurde von ihnen aber gelobt. Kent Nagano führte die Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters weitgehend kaum hörbar, d. h. ganz, ganz leise durch das Vorspiel, so dass mehr Erkältungshusten als Wagnerscher Rauschklang den Raum füllte. Naganos Art, die Musik möglichst leise und etwas gedehnt zu zelebrieren, ist wohl auch der Akustik der Elbphilharmonie geschuldet (welche die Piani besser trans­portiert als der Opernraum), mit dem Einsetzen der Hörner kam dann aber doch noch emotional packendende Orchester-Spannung auf.

    Gesungen wurde sehr gut, und zwar durch die Bank, wie man so sagt. Wenngleich ich die dämonische Brillianz bei gleichzeitg schöner, farbreicher Stimme von Katja Pieweck vermisste, war Tanja Ariane Baumgartner eine stimmlich ausgezeichnete, vor allem auch schallstarke Ortrud, die sich allerdings im Spiel etwas zu stark den inszenatorischen, von der Abendspielleitung wohl vorgebenenen Schülerspielereien hingab. Ihr fehlte die Aura bzw. das nötige Charisma, um dieses Manko durch Würde auszugleichen (wie es Eva Marton, für die die Rolle konzipiert war, hatte oder eben Katja Pieweck). Das gleiche gilt auch für Simone Schneiders Elsa, die stimmlich, wenn man mit dem etwas nasalen Stimmklag klar kommt, ebenfalls überzeugte, aber, zumindest meiner Meinung nach, von der Abendspieleitung zu stark zu inszenatorischen Äußerlichkeiten gedrängt wurde, so dass der innere Konflikt dieser Figur in ihrem Spiel nicht recht durchdrang (anders als bei Inga Nielsen in der Premierenserie).

    Die Männer wirkten dagegen wie Alte Hasen. Vielleicht sieht man bei Männern auch eher über Faxereien hinweg. Wolfgang Koch war gesanglich und darstellerisch ein formidabler Telramund, der beste den ich hier in Hamburg (auch schon 2013 und 2016) gehört habe; der Heerrufer wurde mit Kraft und großem Wohlklang von Andrzej Dobber gesungen, Christoph Fischesser überzeugte als König Heinrich.

    Bleibt noch Klaus Florian Vogt, an dessen Stimme sich hier im Forum die Geister scheiden. Ich kann die Kritikm nachvollziehen, wenn man seine Stimme zufällig im Radio hört, vermutet man eher einen Wiener Sängerknaben, dessen Stimme verstärkt wird. Auf der Bühne hinterlässt Vogt schon optisch nicht diesen Eindruck. Ihm fehl zwar der Farbreichtum, den andere Stimmen haben, und im Grunde damit weitgehend die Möglichkeit, allein mittels der Stimme die Rolle zu gestalten. Er singt aber so schön, dass es zum Hinschmelzen ist, seine silbrig-helle Stimme überzeugt in der Rolle des Engels Lohengrin, der vom Himmel (bei Konwitschny eher von unten aus der Hölle) kommt, um auf der Erde Wunder zu wirken. So stellt man sich einen Schutzengel vor, den kann man anschwärmen, wie es die als Schülerinnen und Schüler gewandeten Choristen auf der Staatsopernbühne tun. Da ist Konwitschnys Inszenierung mit einem mal wieder stimmig (Konwitswchnys damaligen Lohengrin, Thomas Moser, war das nicht gelungen). Vogts Stimme ist meinem Dafürhalten nach (wir hörten und sahen ihn 2009 und 2012 zuletzt als Lohengrin) kräftiger geworden, sie überstrahlt deutlicher das Orchester und trägt weit in den Raum. Das Heldisch klingt bei ihm mittlerweile Heldischer, während die Süße der Stimme in der Gralserzählung oder in den Schwanensequenzen unverändert vorhanden ist. Wenn er in Bayreuth den Siegmund singen wird, braucht man sich um seine Stimme wohl nicht mehr zu sorgen, ganz abgesehen davon, dass sein überirdischer Stimmklang durchaus auch zum Siegmund passt (denn er ist auch als Halbgott, und damit überirdischen Ursprungs, wir durftern Vogt bereits 2012 in einer Münchner Walküre als Siegmund erleben). Die noch folgenden Lohengrin-Aufführungen sind wohl weitgehend ausverkauft, nur heute für den 2. Weihnachtstag hatte es noch eine Reihe von Restkarten gegeben.

    Selten oder fast nie schaue ich Opern im Fernsehen (im Kino schon gar nicht); Netrebkos wegen machte ich bei dieser Tosca aus Mailand eine Ausnahme, zudem hatte ich noch den (herausragenden) Hamburger Auftritt von Angela Gheorghiu gut in Erinnerung. Anfangs wunderte ich mich auch über den Klang Netrebkos Stimme in der Tiefe, den hat sie, auch sonst durchaus Farbe, vermutlich auch Durchschlagskraft (was man nur live beurteilen kann). Was Netrebko abgeht als Tosca, ist die stimmliche Beseelung der Rolle, sie berührte mich überhaupt nicht. Ihr Gesang vermittelt eine Künstlichkeit, die in das Innere der Figur nicht erfasst. Anders sehe ich das bei Meli, seine Darstellung, vor allem im dritten Akt, war beseelt, man merkte ihm an, dass er nicht von einem guten Ende ausgeht, das war mir bisher nie so aufgefallen. Sein Stimmklag gefiel mir, im Schlussduett mit Netrebko ging er etwas unter, ob das bei Meli an nicht ausreichendem Volumen lag oder der technische Übertragung geschuldet ist, sei einmal dahin gestellt. Salsis Scarpia hätte stimmlich dämonischer sein können. Seine versuchte Vergewaltigung fand ich (von Seiten der Regie) daneben, gerade daran liegt Scarpia ja nicht. Die Dekoration fand ich in Ordnung, warum aber so viel Hin und Hergeschiebe auf der Drehbühne und überflüssiges Nebenpersonal wie bedienende Nonnen u.a. aufgeboten wurde, verstehe ich nicht. Das lenkte nur von den drei Hauptfiguren ab; ganz abgesehen davon, dass unsinnige Aufnahmen aus dem Bühnenhimmel auf die Bühne eher dem Übertragunsgteam als der Regie anzulasten sind.

    Diese textgerechte Inszenierung (Peter Beauvais) in den schönen Bühnenbildern von Jan Schlubach ist bereits 47 Jahre alt und begeisterte mit der 263. Vorstellung seit der Premiere ein volles, heute von überraschend vielen jungen Leuten besuchtes Haus. Das erste Bild zeigt das Innere einer Kate, deren Tür sich nach links in einen Garten öffnet und im Hintergrund in eine Landschaft übergeht, das nächste Bild einen sich in die Tiefe erstreckenden Hochwald, in dessen Höhen sich am Ende des zweiten Bildes zahlreiche Engel um Hänsel und Gretel scharen. Im dritten und letzten Bild ist ein romantisches, mit Türmchen und Butzenscheiben versehenes Hexenhaus zu sehen, links davon gibt es einen Käfig (für Hänsel) und einen Ofen, in den die mit viel Freude gespielte böse Hexe (Renate Spingler) schließlich hineinge­stoßen und zum Lebkuchen verbacken wird. Die nach dem Tod der Hexe aus Lebkuchen zurückverwandelten Kinder treten in ihren der jeweiligen Verwandlungszeit entsprechenden Kostümen nach vorn an die Rampe und singen den Schlusschor. Zusammen mit der Humperdinckschen Musik ist das ergreifend und immer wieder gut ansehbar. Manche eingebauten Tricks, wenn die Hexe auf ihrem Besen durch die Lüfte fliegt (zunächst als Realperson, später in Puppen­form in der Höhe des Hintergrunds), werden von dem jungen Publikum bejubelt, wie auch die Oper insgesamt wegen ihrer handwerklich ausgereiften Bühenpräsentation.

    Zur musikalische Seite, die hätte besser sein können. Überzeugend war Jana Kurucovas Hänsel, während die für Elbenita Kajtazi eingesprungene Elsa Benoit als Gretel das große Haus mit ihrem Sopran noch nicht recht zu füllen vermochte. Irmgard Vilsmaier trumpfte mit Walkürenorgan auf und blieb dabei der Interpretation der auch über mütterliche Gefühle verfügenden Gertrud (Paradebeispiel Katja Pieweck in früheren Aufführungen) einiges schuldig, sie wirkte stimmlich eher wie eine böse Stiefmutter. Jochen Schmeckenbecher sang einen ordentlichen Peter Besenbinder. Sandmännchen war Kady Evanyshyn, Taumännchen Narea Son. Die Leitung des Philharmonischen Staatsorchesters hatte Volker Krafft.

    Eigentlich wollten wir in die Laeiszhalle zu einem Programm der Singakademie, kamen aber eine Stunde zu spät, es hatte bereits um 19 Uhr angefangen. Der nächste Weg sollte zum Cinemaxx-Kino am Dammtor führen, die davor liegende Oper war aber noch hell erleuchtet und es hatte offenbar noch nicht begonnnen. Wir besorgten uns noch Karten, saßen im Hochparkett in Reihe 12 auf den Plätzen 6 und 7, für jeweils 21 Euro mit der Operncard. Das Thema des Abends hieß, wie seit 30 Jahren Anfang Dezember, Bühne frei (für die zumeist neuen Sängerinnen und Sänger des Hauses; zugunsten der Deutschen Muskelschwundhilfe), allerdings nicht unter der Moderation des Intendaten, sondern von Gustav Peter Wöhler, der seine Schwierigkeiten mit einem riesigen, ihm über den Smoking gehängten, dicken Weihnachtsmann-Mantel hatte; und singen musste er auch noch (nicht mal schlecht, mit seiner Band: „Drive“, „Message in a bottle“, „Love is a verb“).

    Das Resüme vorweg, es war nicht nur zu kurz (ohne Pause von 20:00 Uhr bis etwa 21:20 Uhr), sondern auch zu wenig, was da geboten wurde. Unter Simone Young trugen die Solisten noch große Arien vor, einmal vor und einmal nach der Pause. So konnte man sich eine Meinung über die stimmlichen Qualitäten bilden. Das war diesmal kaum möglich, die vorgetragenen Stücke hatten zumeist Liedcharakter und waren, nachdem man sich gerade eingehört hatte, schon wieder zu ende.

    Was gefiel: Die aus Österreich stammende, neu zum Ensmble gehörende und mit einem samtweichen Mezzosopran ausgestattete Ida Aldrian mit „Mariä Wiegenlied“ von Max Reger und an erster Stelle zu nennen der allerdings bereits auch an anderen Häusern große Rollen singende Turkmene Dovlet Nurgeldiyev, dessen Tenorstimme mit Cesar Francks „Panis angelicus“ unter die Haut ging (zusammen mit dem usbekischen Bariton Alexey Bogdanchikov). Diese schon arrivierten Sänger wurden ergänzt durch weitere, bereits seit 1986 am Hamburger Haus engagierte Protagonisten wie die Mezzosopranistin Renate Spingler und dem Tenor Peter Galliard (der sich mit einem Schweizer Jodellied meiner vom Publikum abweichenden Meinung nach keinen Gefallen tat). Beide tragen den Titel Kammersänger/in. Wöhler, der den Vortragenden mit seinen Interviews nicht soviel Bemerkenswertes entlocken konnte, erhielt mit seiner an Frau Spingler gerichteten Frage, ob man für den Titelerwerb eine besondere Qualifikation vorweisen müsse, allerdings die interessanteste Antwort des Abends: Eigentlich nicht, man müsse nur lange genug am Haus und diesem verbunden sein; zum Glück sei diese aus monarchischer Zeit stammende Sitte an den Staatstheatern erhalten geblieben. Wöhler bemerkte, dass er fast 15 Jahre am Deutschen Schauspielhaus engagiert gewesen sei, es aber nicht in den Dauervertrag geschafft habe. Frau Spingler bestätigte, dass eine Festanstellung erst nach 15 Jahren erfolge, was allerdings nur den wenigsten Sängerinnen und Sängern gelänge. Im Übrigen überreichte Herr Wöhler jedem Auftretenden ein Weihnachtspaket, welches aber erst nach Weihnachten zu öffnen sei. Da das Publikum so um überraschte Gesichter bei den Sängerinnen und Sängern gebracht wurde, verkürzte diese Geschenkübergabe nur die für Gesang zur Verfügung stehende Zeit.


    Wie wurde diese Zeit noch genutzt: Die zum Operstudio gehörende kanadische Mezzosopranistin Kady Evanyshyn begann recht nervös mit „Amor“ (Cabaret Songs von William Bolcom), die neu zum Ensemble gehörende Sopranistin Elbenita Kajtazi sang ein kosovarisches Lied („Agimet Shqiptare“ von Avni Mula) und erinnert anschließend an das jüngste Erdbeben in ihrer albanischen Heimat, die slowakische Mezzosopranistin Jana Kurucova, ebenfalls neu im Ensemble, sang „Minuit chretiens“ von Adolphe Adam und der junge, polnische Bass Hubert Kowalczyk (Opernstudio) beeindruckte mit weit tragender Stimme, die man ihm angesichts seiner schlanken Gestalt nicht zugetraut hätte, mit einer Mischung aus Max Reger, Michael Buble und Rupert Burleigh: „Knecht Ruprecht goes to New York“. Auf diesen Sänger wird man achten müssen, ihn würde man gern mit einer richtigen Opergesangsnummer wieder hören. Einen habe ich noch vergessen, Kammersänger Jürgen Sacher trat auch auf, allerdings mehr als Stichwortgeber für Renate Spingler und Ida Aldrian (Adventslied „Wer klopft an?“). Den knapp 1.000 Besuchern der Veranstaltung (der zweite bis vierte Rang war offensichtlich nicht in den Verkauf gelangt) hat es insgesamt, gemessen am Beifall, auch für Gustav Peter Wöhler und seine Band (Ulrich Rode, Gitarre; Kai Fischer, Klavier; Olaf Casmir, Contrabass) offenbar ausnehmend gut gefallen. Die Sängerinnen und Sänger waren von Rupert Burleigh am Klavier begleitet worden.

    Der Eindruck dieser Don Giovanni-Aufführung ist zwiespältig, gespielt (Philharmonisches Staatsorchester unter Adam Fischer) und gesungen wurde gut bis sehr gut, die Inszenierung von Jan Bosse war allerdings der Tiefpunkt der insgesamt sechs von mir gesehenen Giovanni-Inszenierungen. Julia Kleiter (Donna Anna) sang mit hell timbrierter Stimme recht schön; ich vermisste bei ihr etwas den Klangfarbenreichtum, mit der die Partie auch berührender gestaltet werden könnte. Alllerdings wurde ihre zweite große Arie auch durch handwerkliche inszenatorische Mängel beeinträchtigt, denn grelles Scheinwerferlicht blendete immer wieder durch die sich drehenden Bühnenaufbauten in das Publikum hinein. Im Grunde ist das eine Unverschämtheit, sowohl dem Publikum, als auch der Sängerin gegenüber, die dadurch nicht die volle Konzentration der Zuhörer erhält. Gleiches hat Anna Lucia Richter (Zerlina) auszuhalten, deren zweite Arie „vedrai, carino“ ebenfalls gnadenlos durch Scheinwerfer gestört wird. Sowohl optisch als auch vom Stimmklang her unterschied Frau Richter sich kaum von Julia Kleiter, ich hätte mir die Stimme etwas weicher, lieblicher, im Sinne von Edth Mathis gewünscht. Die Elvira wurde von Federica Lombardi mit etwas mehr Klangfarbe gesungen, sie hätte sich in der Laut­stärke manchmal vielleicht etwas zurücknehmen können.

    Dovlet Nurgeldiyevs (Ottavio) Stimmführung, seine Klangfarbenvarianz, sein Messa di voce und die Brillianz der Stimme waren vorbildlich, nur gelegentlich kam es mir vor, als ob die Koloraturen etwas verschliffen wurden. Auch Nurgeldiyev wurde von der Regie behindert, so hatte er seine zweite Arie am Rande einer Drehscheibe gehend zu absolvieren, was seine Konzentration auf den Gesang behindert. Deshalb blieb er bei den gehaltenen Tönen stehen und wurde während der Arie in den Bühnenhintergrund gefahren, so dass er z. B. von den links im Zuschauerraum Sitzenden nicht mehr gesehen werden konnte. Weshalb mutet man Sängern eigentlich zu, während schwerer Arien noch auf einem Laufband zu gehen, warum lassen die Sängerinnen und Sänger so etwas gefallen.

    Ganz großartig war der Auftritt von Alexander Tsymbalyuk als Komtur, seine „Don Giovanni“-Rufe beim letzten Auftritt erschütterten Mark und Bein, wie man so sagt. Einen stimmlich beeindruckenderen Komtur habe ich auf der Bühne bisher nicht gehört. Kyle Ketelsen (Leporello) und Andrè Schuen (Giovanni) waren als Freundes- bzw. Diener/Herr-Paar bestens eingespielt. Ketelsen verfügt über einen viril klingenden, kräftigen Bassbariton, der beim beifallsfreudigen Publikum gut ankam, bei Schuen war optisch, schauspielerisch und vor allem auch stimmlich (Serenade im 2. Akt) nachzuvollziehen, warum ihm die Frauen reihenweise erliegen. Massetto sang Alexander Roslavets, dem von der Regie eine Straßengang mit Totschlägern zugeordnet worden war.

    Nun zu dem mich am meisten störenden Inszenierungsas­pekt. Bosse hat eine ständig auf der Bühne hampelnde und zu Mozarts Musik zappelnde, zum Glück stumme Figur, genannt Amor/Tod (Anne Müller) eingefügt, welche ständig um die Protagonisten herumschlich oder Musiker aus dem Orchester (über eine Treppe) auf die Bühne führte und sich zum Schluss mit dem sterbenden Giovanni vereinte. Ich empfand diese Figur und insbesondere das ihr aufoktroyierte Bewegungsmuster als ausgesprochen unästhetisch und ablenkend. Dazu wurde ab und an, zum Beispiel während der Ouvertüre, eine spinnenartig über den Vorhang krie­chende, gollumartige Figur projiziert, bei der es sich offenbar um eine Videoeinspielung mit der Schauspielerin Anne Müller handelte. Ihre schauspielerisch-tänzerische Leistung will ich nicht herabqualifizieren, immerhin erhielt sie viel Beifall beim Schlussapplaus, ich empfand ihre Rolle und die Art der Darstellung aber als sehr störend und letztlich die ganze Aufführung beeinträchtigend.

    Das Bühnenbild bestand im Wesentlichen aus halbrunden, ineinander verschachtelten, burgartigen, lange nicht mehr instand gehaltenen Gemäuern, die mittels der Drehbühne zu Plätzen und Räumen erweitert werden konnten. Die Kostümierung war nicht weiter bemerkenswert, manches erschloss sich dabei nicht, so waren die Damen und Herren des Chors beidgeschlechtlich (Kleid und Hose in einem) eingekleidet, außerdem wurde viel Glitzer und Lametta-artiges (die Masken) eingesetzt.

    Zusammenfassung: Musikalisch wird die Aufführung Mozarts Werk gerecht, der Inszenierung wünscht man den Weg, den Don Giovanni am Ende geht.

    Lieber Rüdiger, es war wohl angemessen. Lindholm war sehr gut und würde mit ihrer Stimme heute sicher ganz weit vorn stehen, Birgit Nilsson war ihr und anderen zeitgleichen Sängerinnen auf der Bühne als Brünnhilde aber Lichtjahre voraus. Sie hatte nach ihren Brünnhilden, Isolden, Elektras regelmäßig 20 bis 30 Einzelvorhänge, ihre jedes Orchester übertrumpfende Stimme aus Schwedenstahl, ihr flutendes Volumen und die ihr zur Verfügung stehende stimmlich-dramatische Gestaltungskraft waren ein Jahrhundertereignis. Ihre Tondokumente geben das überhaupt nicht her. Ligendza war meiner Erinnerung nach wohl noch besser als Lindholm, wennglech auch sie nicht an Nilsson heranreichte. Ralf