Beiträge von Joachim Schneider

    Einerseits kann ich eure Meinungen nachvollziehen. Andererseits frage ich mich, was aus der Kultur der Stille geworden ist.
    Muß man immer irgendein Hintergrundgeräusch in Form von POP, Schlager etc. haben, wenn man z.B. beim Frühstück sitzt oder eine der besseren Tages- und Wochenzeitungen liest (solche gibt es noch , allerdings wenige)?
    Ohne Geräuschkulisse einmal in sich selbst hineinzuhören, kann nach meiner Erfahrung zu erstaunlichen Erkenntnissen führen.


    Viele Grüße


    Joachim

    Leider lässt die Beobachtung der letzten Jahre nur einen ausgeprägten Kulturpessimismus zu.
    Die Ignoranz in nahezu allen Bereichen der Kunst und Kultur -nicht nur im Hinblick auf die klassische Musik- ist gerade in Kreisen erschreckend, die normalerweise als typische Klientel zur Bewahrung und Pflege der höheren Kulturgüter betrachtet wird.
    Es ist vielleicht eine persönliche Idiosynkrasie, aber wenn ich jemanden reden höre "in der Musik höre ich querbeet" oder "Pop und Klassik höre ich gleich gerne", dreht sich mir der Magen um. Ein Auswurf der klassischen Musik wie "easy listening" genügt der überwältigenden Mehrzahl der lieben Mitbürger vollkommen als Kulturteilhabe.
    Meine Prognose daher: Rückzugsgefecht (ohne Siegeschance).


    Viele Grüße


    Joachim

    Zitat
    Joachim Schneider: Man vergleiche den Klang eines -auch sehr teuren- Radios der fünfziger Jahre mit einem modernen Tuner!

    Ich besaß bis vor wenigen Jahren noch einen NORDMENDE "Tannhäuser", ein Röhrengerät mit 4 Lautsprechern und einem wundervollen, weichen Klang. Dieses Gerät vermisse ich noch heute.


    Ich verstehe, was Du meinst; ich kenne diesen weichen und dunklen Klang von einem Grundig-Radio meines Großvaters, das dieser angeschafft hatte, da er zu krank war, um persönlich nach Bayreuth zu reisen, aber wenigstens im Radio die Festspielübertragungen hören wollte.


    Mit High Fidelity im engeren Sinne hat dies aber nichts zu tun. Ich kann mich noch an meine erste HIFI-Anlage erinnern, die ich zum Abitur bekam; dies war für mich eine akustische Offenbarung, denn eine solche Klangqualität kannte ich nur von der Anlage in unserem Musiksaal (damals hatten die Schulträger noch Geld wie Heu und investierten dieses auch in ihren Schulen).


    Viele Grüße


    Joachim

    Bei Alfreds Statement Nr. 13 fällt mir eine Stelle aus den Tagebüchern von Thomas Mann ein. Dieser besuchte Bruno Walter in Beverly Hills, wo ihm vom Hausherren dessen neue HIFI-Anlage vorgeführt wurde. Diese repräsentierte natürlich das Fortgeschrittenste, was seinerzeit überhaupt existierte, teilweise mit Geräten, die auf dem Markt noch gar nicht präsent waren.
    Thomas Mann war bitter enttäuscht über den "harten und grellen" Klang der Anlage und wunderte sich, daß Bruno Walter dies überhaupt aushalten könne.
    Mann war eben den dunklen, wenig frequenzreichen Klang der damaligen üblichen Abspielgeräte gewöhnt, und auch die Schallplattenaufnahmen oder Radioübertragungen wurden in diesem "Zigarrenkisten-Sound" hergestellt bzw. übertragen.
    Man vergleiche den Klang eines - auch sehr teuren - Radios der fünfziger Jahre mit einem modernen Tuner!


    Viele Grüße


    Joachim

    Lieber La Roche,


    Du hast den satirischen Anteil meines Beitrags zumindest teilweise richtig erkannt.
    Zum Dschungelcamp-Niveau vermag ich nichts beizutragen,da ich praktisch niemals TV sehe.
    Durchaus ernst gemeint war die Bezeichnung "Kapellmeistermusik", die ich auch nicht erfunden habe; im Zusammenhang mit Strauss wird sie durchaus auch von Profis benutzt!
    Daß Du Straussens Tantiemen erwähnst, ist sehr angemessen, denn solche sind ohne Zweifel die Antriebsfeder seiner gesamten Kompositionstätigkeit gewesen.
    Bekanntlich bezeichnet er Bruno Walter als "Lauselumpen" (in dem berühmten Brief), weil dieser nach S. Meinung zu wenig von seinen Kompositionen aufführen würde.
    Was den Rosenkavalier als Theaterstück betrifft, war Strauss an einer Verfilmung des Stoffes (Stummfilm!) beteiligt, was jedoch aus finanziellen Gründen scheiterte; es existieren noch einige Fragmnete dieses Machwerks.


    @ Knusperhexe
    Was hat Alfred Roller mit der diskutierten Angelegenheit zu tun, außer natürlich der Tatsache, daß er der Star-Bühnenbildner seiner Zeit war?


    Viele Grüße


    Joachim

    Wenn ich hier die Sentimentalitäten zum Rosenkavalier so lese, fällt mir eine angeblich wahre Geschichte ein:


    Zwei Theaterbesucher haben in der Wiener Staatsoper eine Aufführung des Rosenkavalier gesehen und gehen anschließend ins Sacher.
    Dort seufzt der erste: "der Rosekavalier wäre eine wundervolle Oper, wenn nur nicht die Musik vom Strauss wäre."
    "Wirklich wahr", sagt der andere "und der Text nicht vom Hofmannsthal!"


    Ich bitte zu bedenken, daß Ort und Handlung des Rosenkavalier mit dem theresianischen Zeitalter absolut nichts zu tun haben, es sind reine Erfindungen des Autors, die als Theaterstück sehr wertvoll wären, nicht aber als Oper, nachdem Strauss ohne jedwedes tieferes Verständnis der Person und der Intentionen eines Hugo von Hofmannsthal seine Komposition aufgepfropft hat (Kapellmeistermusik eben), wobei lediglich die hundertjährige Gewohnheit den Opernbesucher beides als Gesamtkunstwerk zu sehen verleitet hat.
    Insofern relativieren sich schon aus diesem Grunde Analysen der Inszenierung und des Bühnenbildes.
    Wenn man schon den Rosenkavalier vertonen wollte, wäre z.B. Ernst Krenek geeigneter gewesen.


    Ich hoffe, ich habe jetzt genug Leute beleidigt und wünsche noch ein schönes Rest-Pfingsten.

    Ich bitte mir nicht übel zu nehmen, wenn ich folgendes ganz offen ausspreche:
    Es gibt sicher viele Klassikinteressierte, die sich an diesem -aus meiner Sicht völlig konkurrenzlosen Forum-gerne beteiligen würden, wenn es die völlig sinnlosen Streitereien über gewisse Themen nicht geben würde.
    Hätte ich dies früher als Mitleser bereits alles wahrgenommen, hätte ich mich wahrscheinlich auch nicht angemeldet. Mir gefiel aber u.A. die Themenvielfalt des Forums, das man sicher mit Recht -wie ich früher an anderer Stelle einmal geschrieben habe- als Kulturforum bezeichnen kann.
    Zum Kulturforum gehört aber in erster Linie ein höflicher, respektvoller Umgang aller Teilnehmer miteinander sowie -dies muß einmal gesagt werden-ein gewisses intellektuelles Niveau, ohne das eine gewinnbringende Diskussion nicht möglich ist.
    Dies alles ist zweifellos bei der überwältigenden Mehrheit der regelmäßig schreibenden Mitglieder gegeben, umso mehr stören die anderen, die gewissermaßen zum Streichquartett nicht mit einer Stradivari, sondern mit Waschbrett, Blecheimern und anderen Instrumenten erscheinen, um "Musik zu machen".
    Ich schreibe dies keineswegs, weil ich gekränkt bin, da man mich neulich als Ewiggestriger, als borniert und als jemand bezeichnet hat "der einen an der Klatsche" hat, aber dies soll nur als pars pro toto für die Denkungsart bestimmter Leute dienen. Mancher lebt in seinen Umgangsformen offenbar im Jakobinermilieu von 1789 (obwohl bei den Jakobinern etliche sehr gebildete Leute von guter Ausbildung waren).


    Mir ist am Erhalt des Forums gelegen, daher diese offenen Worte.


    Viele Grüße


    Joachim

    Es ist erstaunlich, daß jemand, der sich für moderne Architektur einsetzt, weil er der Meinung ist, daß eine Stadt -völlig unabhängig von Baustilen und dem Zeitgeschmack- den Menschen und ihren Bedürfnissen dienen soll, als borniert und ewig Gestriger bezeichnet wird, zusätzlich zum Verdacht "einen an der Klatsche" zu haben.
    Wer so argumentiert und zusätzlich von "Bauhausdiktatur" spricht, begibt sich des Anspruchs, in einer solchen Diskussion ernstgenommen zu werden.
    Man sollte vielleicht an den Disney-Konzern herantreten, ob Interesse besteht, für die Perlen des Gründerzeit-Städtebaus eine Art Architektur-Resort zu konstruieren; dies wäre dann wirklich etwas für echte "Ewiggestrige".

    Du erstaunst mich etwas, lieber Joseph. Waren es nicht österreichische Architekten, die einen wesentlichen Beitrag zur modernen Architektur geleistet haben? Beispiele spare ich mir, denn die wirst Du besser kennen als ich.
    Adolf Loos hat doch dekretiert "Ornament ist Verbechen".
    Auch wenn in der Nachkriegszeit im allgemeinen Aufbaufuror sicher einiges übertrieben wurde, fällt es mir schwer, die Geschmacksverirrungen der Ringstraßenbarone als wirklich erhaltenswert zu betrachten, auch wenn man heute -schon aus Gründen des Fremdenverkehrs- anders darüber denkt.

    Bei der Aussage " so wäre es gewesen bzw. so würde es heute aussehen, wenn z.B. die Kriegszerstörung nicht stattgefunden hätte", bekommt jeder historisch Interessierte, Informierte und einigermaßen Gebildete Magenkrämpfe.
    Es gehört nun einmal zur Conditio humana, die Konsequenzen seiner Handlungen und Unterlassungen bewusst tragen zu müssen; dem Zuckerbäckerstil der Gründerzeit nachzuweinen, kann m.E. kaum als angemessene Herangehensweise an die Wiederaufbaujahre nach dem Krieg dienen!


    Joachim

    Auf dem Kunstmarkt und verwandten Gebieten (Autographen z.B.oder Buch-Raritäten, Erstausgaben etc.) herrscht zunächst einmal die Regel: eine Sache ist soviel wert, wie jemand bereit ist, hierfür zu zahlen.
    Viele Preise, die bei Versteigerungen erzielt werden, lassen den Betrachter ratlos zurück, wenn man z.B. den Horrorpreis sieht, den eine Mahler-Patitur neulich erzielt hat. Ein praktischer Nutzen ist mit dieser Partitur nicht verbunden, da ja eine kritische Gesamtausgabe der Partituren durch die IGMG existiert.
    Wahrscheinlich ist es der Wunsch, durch Besitz eines Werkes aus der Hand eines Meisters, irgendwie mit diesem und seiner Epoche in Verbindung zu stehen. Dies kann keine Reproduktion oder Fälschung, so exakt sie auch ist, erzeugen.
    Wegen der hohen Preise und der hierdurch erzeugten Spekulationsmöglichkeiten tummeln sich auf dem Kunstmarkt naturgemäß viele trübe Gestalten; in der Presse erfährt man ja oft über solche Fälle.


    Viele Grüße


    Joachim

    Hallo, Knusperhexe,


    man soll ja in seinem Leben möglichst alles einmal erfahren haben und Du hast mir zu einer Erfahrung verholfen, die ich tatsächlich bisher nicht kannte: daß meine Meinung dumm sei! Alles mögliche andere hat man mir schon an den Kopf geworfen: ich wäre stets anderer Meinung als die Kollegen, bevorzuge aggressive Behandlungsmethoden, würde zu oft und zu schnell operieren etc. .


    Ich bin Dir allerdings absolut nicht böse (wie könnte ein Fake-Account dies auch) und finde es amüsant, wenn auch etwas Don- Quichotte-ähnlich, als weißer Ritter ausgerechnet für die Drachenburg ins Feld zu ziehen.


    Viele Grüße


    Joachim

    Ich war oft in der Kölner Oper und fand die Akustik keineswegs schlecht.


    @ Holger:


    ich habe Schloss Drachenburg besichtigt, bevor die sündteure Renovierung erfolgte. Was man dort zu sehen bekam, war so gräßlich, daß man sich wie vor den Kopf geschlagen fühlte.
    Tourismus und knipsende Japaner in Ehren: solcher Mist gehört m.E. abgerissen (wurde sogar früher einmal überlegt).


    Viele Grüße


    Joachim

    Freud hat allerdings nie die Meinung vertreten, daß ein Mensch nicht Verantwortung für seine Taten übernehmen muß, vielmehr führt die Interaktion zwischen Unterbewusstsein, Ich und Über-Ich ggf. zu Erklärungs- und Behandlungsmöglichkeiten von abweichendem Verhalten, wobei allerdings die strafrechtliche Verantwortung (heutzutage §§ 20,21 StGB) auf einem völlig anderen Blatt steht.
    Oder meint ihr die Minderheitsmeinung einiger Hirnforscher, die grundsätzlich eine strafrechtliche Verantwortung wegen der spezifischen hirnorganischen Gegebenheiten in den meisten Fällen ablehnt?


    Viele Grüße


    Joachim

    Nehmt es mir nicht übel, aber die Begeisterung für die Opernhäuser der Vorkriegszeit kann ich nur in Bezug auf bauhistorisch besonders herausragende Gebäude (z.B. Semperoper, Wiener Staatsoper) teilen.


    Nach den furchtbaren Zerstörungen des Krieges fand man es seitens der Stadtplaner für angemessen, bei den Wiederaufbauplänen auf die schlichten Bauformen der Moderne, in Anlehnung an die Bauhausästhetik, zurückzugreifen, was unter den obwaltenden Umständen auch sehr sinnvoll war.
    Ich habe die Kölner Oper stets als besonders gelungenes Beispiel der Nachkriegsarchitektur empfunden und bin froh, daß sie restauriert wird (ungeachtet der üblichen kölnischen Malaise bei der Ausführung aller Bauvorhaben).
    Bauten des Historismus, die auch heutzutage nach den Regeln des Denkmalschutzes gepflegt werden, haben wir in Deutschland wirklich genug, wobei auch Exemplare mit riesigen Summen wieder instandgesetzt werden, die es m.E. nicht wert sind (z.B. das unsägliche Schloß Drachenburg bei Königswinter), oder man absurde Kulissenbauten errichtet, um Bauten zu imitieren, die (in diesem Fall leider), in Schutt und Asche gesunken sind (das Berliner Schloß).


    Viele Grüße


    Joachim

    Ich denke, es wäre inzwischen an der Zeit, die spezifiche Zwangsneurose, an der manche Regisseure offenbar erkrankt sind (mit einem kräftigen Schuß analer Fixierung und Koprolalie/-phagie) unter den heute gebräuchlichen Diagnose-Manualen (ICD u.a.) zu erfassen. Dann wäre es evtl. möglich, einige Regietheaterhervorbringungen von den Krankenkassen finanzieren zu lassen, sofern sich ein Psychiater findet, der die Protagonisten während der Probe- und Aufführungszeit betreut.


    Dies sage ich hier ohne Scheu (und nur halb satirisch), da ich mich nach akademisch-philosophischer Auffassung ohnehin in den Chor der Dummen einreihen muß.


    Viele Grüße


    Joachim

    Hallo, Alfred,


    Mahler hat die Hofoper nicht "entstaubt", sondern von kunstwidrigen Schlampereien und unangemessenem Starkult befreit, zudem das Publikum zu entsprechender Konzentration und dem heute noch gebräuchlichen Verhalten erzogen, das der Respekt vor dem Kunstwerk und dem Bemühen der ausführenden Künstler erfordert.
    Niemandem aus dem Wiener Publikum wäre es gelungen, ihn hinauszuintrigieren (dies gelang noch nicht einmal manchen Erzherzögen), da er das Vertrauen des Kaisers und des Fürsten Montenuovo genoss. Wäre es nach deren Wünschen gegangen, hätte er die Hofoper sicher bis 1918 leiten können.
    Warum werden die 10 Mahler-Jahre heute als "goldenes Zeitalter" der Oper bezeichnet?


    Erhatte ja auch in Wien sehr viele begeisterte Anhänger, die später Weingartner das Leben schwermachten.
    Weggegangen ist er m.E., weil er sich in viel größerem Umfang um seine Kompositionen kümmern, diese insbesondere durch eigene Aufführungen gewissermaßen verbindlich überliefern wollte.
    Daß er sich heute sicher kein halbes Jahr auf diesem Posten halten könnte, steht auf einem anderen Blatt.


    Viele Grüße


    Joachim

    Der Begriff "Pultgott" beinhaltet per se bereits eine kräftige Prise Ironie - allerdings (wie stets bei solchen Bezeichnungen) auch viel Bewunderung und solche erwirbt man sicher nicht nur durch geschicktes Marketing (inkl. Selbstvermarktung), die Pflege von persönlichen Skurrilitäten aller Art und die stets vorhandene Bereitschaft der Menschen, Sekten zu bilden und ihre unerfüllten Hoffnungen und Wünsche an eine bestimmte Person zu binden, sondern vor allem durch eine überragende künstlerische Leistung. Durch eine solche zeichnen sich m.E. alle Dirigenten aus, die traditionell mit der Etikette "Pultgott" versehen werden.
    Andererseits gab es stets überragende Dirigenten, denen der Pultgottstatus bis heute verwehrt wird; mir fällt hier beispielsweise Carl Schuricht ein, der dieses Prädikat sicher verdient hätte.
    Daß Pultgötter eine aussterbende Art, bzw. schon ausgestorben sind, ist sicher der Götterdämmerung der allgemeinen Vermassung des Geschmacks geschuldet.
    Als nichtmusikalisches Beispiel nenne ich hier den Niedergang des Kabaretts, das heute in den unsäglichen und aus meiner Sicht völlig geistfreien Blödeleien diverser"Comedians" in einem großen Umfang zu bestehen scheint.


    By the way: erstaunlich, daß auf diesen interessanten Thread bisher noch niemand geantwortet hatte.


    Viele Grüße


    Joachim

    Hallo, Karl und Stimmenliebhaber,


    ich denke, es hat wenig Sinn, über Karajans Gesundheitszustand zu reflektieren bzw. über die Tatsache, daß er nicht so lange öffentlich auftreten musste, als er es dann getan hat.


    In Neurochirurgie-Kreisen sind seine Wirbelsäulenprobeme allegemein gut bekannt gewesen; in der Zeit, als er in Zürich und später in Hannover operiert wurde, machte ich gerade meine diesbezügliche Ausbildung.
    Auch in seinen Biogrphien wird sehr offen über seine gesundheitlichen Probleme informiert, die sich auf verschiedenen Ebenen abspielten.
    Zusammenfassend kann man sagen: er war zuletzt sehr, sehr krank, und seine WS-Schmerzen müssen eine äußerst üble Belastung gewesen sein. Solche Krankheiten beruhen in der Regel weniger auf "Raubbau" am Körper, sondern auf genetischen Ursachen.
    Daß er bis zum Ende ununterbrochen tätig war, hat sicher mit dem von Alfred skizzierten Wunsch zu tun, sein Lebenswerk für die Zukunft zu sichern. Traurig finde ich den groben Undank, den er von den Berliner Philharmonikern erleben mußte, und auch ich finde, daß seine Nachfolger nicht im mindesten seine Klasse hatten. Wir werden sehen, wie es mit Petrenko sein wird.


    Viele Grüße


    Joachim

    Lieber Rheingold,


    Du hast völlig recht mit Deiner Meinung über die Bedeutunng der Cosima-Tagebücher; jedermann, der sich für Wagner wirklich interessiert, insbesondere auch für die historischen Zusammenhänge, innerhalb derer man seine Musik einordnen muß, sollte die Tagebücher vollständig lesen.


    Was mich allerdings bestürzt hat, ist der massive Antisemitismus, dem Cosima trotz ihrer aristokratischen Weltläufigkeit völlig verfallen war und die herzlose Art, mit der sie ihre Töchter geradezu dressiert hat, auch wenn heutige Erziehungsideale natürlich nicht auf diese Zeit projiziert werden können.


    Ohne Cosima hätten die Festspiele Wagners Tod nicht überlebt, und man darf nicht übersehen, daß selbst die "Meisterin" sich längere Zeit der offenen und versteckten Angriffe der chauvinistischen Altwagnerianer des "Bayreuther Kreises" erwehren musste, die nicht wahrhaben wollten, daß eine "Ausländerin" Wagners Werk fortführen wollte.


    Viele Grüße


    Joachim

    Hallo, Stimmenliebhaber,


    die Bezeichnung "kammermusikalischer Ring" stammt nicht von mir, sondern geisterte, wie ich mich gut erinnern kann, seinerzeit durch die Rezensionen, wohl im Vergleich zum Solti-Ring, der natürlich mit seinem aufnahmetechnischen Konzept der "acoustic stage" eine ganz andere Klangästhetik verfolgte.
    Der Furtwängler-Ring stand in den sechziger Jahren kaum als angemessener Vergleichsmaßstab zur Verfügung, da die entsprechenden Schallplattenaufnahmen von einer grauenvollen Aufnahmequalität waren. Erst vor wenigen Jahren ist eine sehr aufwändig remasterte CD-Fassung auf den Markt gekommen, und Du hast völlig recht: ich war hellauf begeistert von der furtwänglerischen Version des Rings und würde sogar soweit gehen zu behaupten, daß man Furtwänglers Fähigkeiten als Operndirigent nur anhand einer Aufnahme richtig beurteilen kann, wenn man diesen Ring in der neuen Version kennt.


    Die Salzburger Walküre habe ich auf Festplatte aufgenommen und konnte ihn noch nicht ansehen; das bisher hierzu geäußerte hat mich neugierig gemacht.


    Viele Grüße


    Joachim

    Hallo WoKa,


    ich gehe natürlich von der Theorie der Multidimensionalität des Universums aus, wodurch Zeitreisen ja überhaupt erst möglich werden.
    Allerdings fällt es mir -wohl als deformation professionelle- sehr schwer, das Leiden eines Künstlers als notweniges Mittel zur Vertiefung der künstlerischen Aussage anzuerkennen; wo ich ein Leiden lindern kann, muß ich es versuchen.


    Viele Grüße


    Joachim

    Ich denke, man sollte sich die Aufführung im Fernsehen anschauen und kann dann beurteilen, ob es sich nun um eine Remake, eine Nachschöpfung, Neuschöpfung, Recreation oder was auch immer oder einfach um Etikettenschwindel handelt.
    Was man mit Sicherheit nicht mehr nachvollziehen kann, ist die Überraschung, die Karajans "kammermusikalische" Herangehensweise an die Ring-Musik seinerzeit ausgelöst hat. Als direktes Gegenstück, das allgemein bekannt war, gab es damals ja nur den Solti-Ring, und die Klangästhetik beider Aufnahmen wurde seinerzeit als nahezu diametral entgegengesetzt angesehen.
    Interessant ist in diesem Zusamenhang auch der Vergleich mit dem unmittelbaren Mitschnitt aus dem Salzburger Festspielhaus und der Schallplatte (die ja vor den eigentlichen Aufführungen produziert worden ist).


    Viele Grüße


    Joachim

    Meine Zeitreisewünsche haben natürlich auch mit Mahler zu tun, betreffen aber keine Konzerte.


    Erstes wäre ich gerne an dem Abend bei Bertha Zuckerkandl zugegegen gewesen, als sich Gustav und Alma kennenlernten.


    Zweitens hätte ich dem Hausarzt der Mahlers vor der Villa in Maiernigg aufgelauert und ihm mehrere Kurzinfusionen (Antitoxin und Penicillin) mit dem nötigen Besteck aufgedrängt, um die älteste Tochter der Mahlers von der Diphterie retten zu können.


    Drittens hätte ich mich schon Ende 1910 nach New York begeben,mit dem später von den Mahlers hinzugezogenen deutschen Arzt Bekanntschaft geschlossen und ihm eine ausreichende Menge eines Breitbandantibiotikums übergeben mit dem strikten Hinweis, Mahler nicht nach Europa zurück reisen zu lassen, sondern bis zur völligen Genesung unter strikter Bettruhe in New York zu behandeln.
    Was hätte Mahler vielleicht noch alles schaffen können!?


    Viele Grüße


    Joachim

    Ich finde es beruhigend, daß man jetzt -wie im Beitrag Nr. 54 zu klassischen Mustern der Hagiographie zurückkehrt.
    So verdienstvoll es ist, sich der monumentalen Steinmetzkunst zu bedienen, um große Persönlichkeiten zu ehren, so erschreckend ist es aber auch, Alfred umgeben von einer Ente und einem Menschen zu sehen, dessen Verstand die gerade Bahn offenbar zunehmend verlässt (Beitrag 49) . :pfeif:

    @ Johannes


    Für die Entwicklung der psychischen und physischen Eigenschaften eines Individuums haben, wie wir heute wissen, epigenetische Faktoren eine wesentliche Bedeutung (Beispiel der epigenetischen Prägung: der Falke ist kein genuiner Greifvogel wie ein Habicht, Bussard etc., obwohl er so aussieht, sondern ist genetisch verwandt mit den Papageien! Was ihn als Greifvogel erscheinen lässt, ist die Anpassung an seine Umwelt mittels der Epigenese).
    Insofern ist es in der Tat wesentlich, in welcher "musikalischen Umgebung" jemand seine kulturellen Jugendeindrücke empfängt, obwohl es auch hier sicher immer wieder Ausnahmen gibt.