Beiträge von Bertarido

    Lieber Helmut,

    wieder einmal melde ich mich aus fernem Land, um Dir für diese “Betrachtung” (welch Understatement) von Brittens “Serenade” zu danken. Es freut mich, dass sich die Mühsal auch für Dich gelohnt hat. Für uns Leser gilt das allemal. Wenn ich wieder zurück bin, werde ich mir diesen Liederzyklus gleich vornehmen, um ihn anhand Deiner Analysen dann mit tieferem Verständnis erneut zu hören.

    Von den Ufern des Nils grüßt Dich herzlich

    Bertarido

    Lieber Rheingold,


    die Fragen zu beantworten ist nicht schwer, enthält der Titel der CD doch schon die entscheidenden Hinweise.


    1024px-The_Plague_of_Thebes.jpg

    Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3742878


    Das Bild heißt "Ödipus und Antigone oder die Pest von Theben", in französischen Quellen habe ich auch den noch detaillierteren Titel "La peste de Thèbes ou Œdipe fuyant la malédiction des habitants" gefunden, womit die dargestellte Szene hinreichend beschrieben ist. Der Maler war Charles François Jalabert. Das Bild hängt im Musée des Beaux-Arts de Marseille.

    Ich unterbreche die tiefsinnigen liedanalytischen Betrachtungen von Helmut mit einer ganz banalen und subjektiven Anmerkung: Das erste Lied, die "Pastoral", habe ich nie so richtig gemocht, und nach Helmuts kluger Analyse weiß ich es zwar von einem intellektuellen Standpunkt aus besser zu schätzen, aber ich höre es immer noch nicht mit Genuss und emotionaler Anteilnahme. Das ist mit der "Nocturne" ganz anders, ich liebe dieses Lied ungemein. Das in Tennysons Gedicht entworfene romantische Abendbild mit seinen "wild cataracts leaping in glory" und "horns of Elfland" wird von Britten auf eine so kongeniale Weise in Musik gesetzt, dass mir beim jedem Hören das Herz aufgeht und ich die in der dritten Strophe so emphatisch beschriebenen Echos auch in meiner Seele rollen höre.


    Mit welchen musikalischen Mitteln diese Wirkung erzielt wird, die das Lied hoffentlich nicht nur auf mich hat, können wir in Helmuts Analyse nachlesen.

    Meine Referenz-Aufnahme der Violinsonate ist die mit Jean-Jacques Kantorow und Jacques Rouvier. Die auf dieser CD enthalten Aufnahmen der Kammermusik-Werke von Ravel wurden als Filmmusik zum wunderbaren Film "Un cœur en hiver" von Claude Sautet verwendet.



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    Lieber Helmut, ich hoffe, dass wir Dich mit dieser eigentlich ganz überflüssigen Diskussion um die Weiterführung alter Threads nicht davon abgehalten haben, Deine liedanalytischen Betrachtungen fortzusetzen. Ich warte schon gespannt auf den nächsten Beitrag.

    (Wobei wir im Moment der Systematik von Helmut Hofmann keine Ehre erweisen ... aber vielleicht lässt sich das ja bereinigen.)

    Meiner Meinung nach sollte man alle Beiträge ab #13 löschen, sie stören hier nur den Lesefluss.


    Ich weiß ohnehin nicht, warum Johannes Roehl nochmals auf den alten Thread verwiesen hat, nachdem Fiesco das ein paar Beiträge vorher schon getan hatte. Damit war doch dem Informationsbedürfnis hinreichend Genüge getan.

    Ich finde es in diesem Fall besser, dass ein neuer Thread eröffnet wurde, denn Helmuts Liedanalysen unterscheiden sich doch sehr von dem, was man dort zu lesen bekommt. Auch würde man bei einer Fortsetzung des alten Themas nicht gleich erkennen, dass irgendwann einmal Helmuts liedanalytische Betrachtungen folgen, während man hier aufgrund des Threaderstellers sofort weiß, was Sache ist.

    Dass Marlis Petersen noch keinen Thread hatte, ist kaum zu glauben und ein großes Versäumnis - umso größer ist der Dank an Hans Heukenkamp. Ich schätze diese Sängerin auch sehr und verdanke ihr eine großartige Lulu-Aufführung an der Bayerischen Staatsoper, für die sie von der Opernwelt zur Sängerin des Jahres gekürt wurde. Die Produktion ist auf Bluray erhältlich:



    Auch als eine sehr eindrückliche Salome konnte ich sie in München erleben. Von der Produktion habe ich zumindest einen Trailer gefunden:


    Sehr interessant, ich wäre gerne dabei gewesen. Letztes Jahr hatte ich Karten für diese Don Giovanni-Produktion, primär wegen Currentzis, aber da ist sie coronabedingt ausgefallen. Dieses Jahr konnte ich es leider nicht einrichten, nach Salzburg zu fahren, was ich sehr bedaure.

    Da der Guschlbauer-Thread nun bereinigt wurde, will ich hier auch noch einmal zum Ausdruck bringen, lieber Caruso, dass ich Deinen Abschied sehr bedauere. Nicht nur wegen der riesigen Lücke, die Du als profunder Opern- und Stimmenkenner hier hinterlässt, sondern auch deswegen, weil Du mir als Person besonders teuer warst und bist. Die Gründe für Deinen Rückzug verstehe ich nur allzu gut. Ich hoffe trotzdem, dass noch ein Weg gefunden werden kann, der Dir die weitere Mitwirkung in diesem Forum ermöglicht.

    Was ist mit dem Barock-Gestühl oder Barock-Altären in gotischen Kirchen? ;)

    Die sind mir stets ein Ärgernis ^^


    Ansonsten stimme ich Dir aber zu, ich finde es auch interessant, Bezüge quer über Epochen und Schulen herzustellen, und ich mag solche Ausstellungen gerade gern. In der Aufführung von Musik haben wir allerdings das "Problem", dass Alte Musik einschließlich Barock fast nur noch von Spezialensembles gespielt wird, so dass es schwierig wird, Werke aus dieser Zeit in Konzertprogrammen mit solchen aus Romantik und Moderne zu kombinieren. "Problem" in Anführungsstrichen deshalb, weil ich als Anhänger der historisch informierten Aufführungspraxis natürlich froh darüber bin.

    Die Kunstwerke wirken unmittelbar auf mich. Sei es beim Hören der Musik eines Pérotin, beim Betreten einer romanischen Kirche, bei der vertieften Betrachtung eines Tafelbildes, bei der Lektüre eines Textes eines Minnegesanges. Ich kann, ich gebrauche deine Worte, durchaus auf "existentiell tiefgreifende Weise" angesprochen werden. Wenn es so nicht wäre, könnten alle Museen, Kirchen, ganze Bibliotheken geschlossen werden.

    Genauso geht es mir auch. Es gibt keine Architektur, die mich auf eine so "existentiell tiefgreifende Weise" berührt wie eine gotische Kathedrale, auch wenn mir die Welt, in der sie entstanden ist, natürlich sehr fremd ist. Aber Hand aufs Herz, gilt das nicht auch für die Welt des 18. und 19. Jahrhunderts, in denen die meisten Werke unseres heutigen Klassikkanons entstanden sind?


    Oder um ein musikalisches Beispiel aus Helmuts Spezialgebiet zu nennen: Die Lieder John Dowlands berühren mich ebenso tief wie die von Schubert oder Britten. Und das Requiem von Ockeghem ergreift mich sogar viel mehr als das theatralische Requiem von Verdi.

    Ich kann hier keinen Beitrag leisten, weil ich gerne und oft Alte Musik höre, und zwar auch ganz alte, d.h. noch vor Beginn der Polyphonie. Interessant wäre hier auch die Frage, welchen Bereich "Alte Musik" in der Fragestellung umfassen soll. Mein Verdacht ist, dass viele Klassikliebhaber wie La Roche schon mit dem Barock nichts anfangen können, was mir immer ein völliges Rätsel war, während ich es bei den ganz alten schon eher verstehe. Aber das ist vielleicht ein anderes Thema, denn zwischen sagen wir mal Perotin und Bach liegen ebenso viele Welten wie zwischen Bach und Wagner.

    Bei mir ist das tatsächlich gelungen. Ich habe mir die Alpensinfonie mal auf den Bestellzettel geschrieben. Durch Messner habe ich jetzt ein wie auch immer geartetes Narrativ zu der Musik.

    Man muss da als Liebhaber dieser Musik sicher ein paarmal über seinen Schatten springen, aber vielleicht gibt es danach einen neuen Liebhaber von Richard Strauss' Musik. Das wäre in meinen Augen nicht dürftig

    Wenn Du durch diese Sendung zum Liebhaber der Alpensinfonie wirst, dann hat sie sich auf jeden Fall gelohnt. ;)

    ... und ist eben deshalb nicht reflexions- und diskussionswürdig?

    Doch, das ist es sicherlich. Wenn wir uns alle einig sind, dass wir - stellvertretend für alle anderen regelmäßigen Klassik-Hörer - nicht die Zielgruppe dieses Konzert-Formats waren, dann ist doch die Frage, ob dieses Format geeignet war, um Menschen an das Werk heranzuführen, die sich sonst eben nicht dafür interessiert hätten. Du, lieber Helmut, hast diese Frage ja schon verneint.

    Die Idee war eher umgekehrt: man nehme Messner als Zugpferd und untermale seinen Beitrag mit der Alpensinfonie. Vielleicht interessiert sich dann noch jemand für die Musik im Hintergrund (So wie man im Abspann eines Filmes auch mal nachschaut, von wem die Musik war)

    Wäre das als Ziel einer solchen Konzertübertragung nicht etwas dürftig?

    Ich weiß nicht, wieso "Leistungen" hier nach der Diskussion gestern jetzt wieder so abwertend in Anführungszeichen gesetzt werden müssen. U.a. 14 Achttausender zu erklimmen ist nicht nichts. Davon können sich manche Theoretiker und Sesselfurzer eine Scheibe abschneiden.

    Du sagst es! Aber das mag für manchen ausschließlich geistig arbeitenden Menschen schwer vorstellbar sein. Ich würde mir von diesen nur mehr Offenheit dafür wünschen, dass Leistungen nicht nur im Abfassen von klugen Texten bestehen müssen. Gelegentlich werden Menschen mit solchen Leistungen sogar zum Gegenstand von Symphonien, um mal wieder den Bogen zum Thema des Forums zu schlagen.

    er ist kein "Fachphilosoph" natürlich. Aber etwas zu sagen hat er schon - zuletzt zu sehen in seinem schönen Jubiläumsfilm über den Nanga Parbat. Er baut dort Schulen, hat mehrere Museen eingerichtet in Südtirol. Und er hat schon so etwas wie eine "Lebensphilosophie" mit bemerkenswerten Einsichten und Initiativen.

    Völlig d'accord!

    Für mein Dafürhalten ist Messner nicht der richtge Adressat für die herbe formulierte Kritik. Wer einen Bergsteiger für gewiss sehr viel Geld einkauft, bekommt einen Bergsteiger und keinen Philosophen. Messner hat gesagt was er immer sagt - und schreibt.

    Danke, lieber Rheingold1876, dass Du Messner vor diesen Anwürfen in Schutz nimmst, die er auch meiner Meinung nach nicht verdient hat. Reinhold Messner hat in seinem Leben vieles geleistet, für das ich ihn bewundere. Beiträge zur Philosophie gehören nicht dazu. Er wäre besser beraten gewesen, bei diesem Projekt des RBB nicht mitzuwirken, aber die gleiche Kritik könnte man gegen Robert Ticciati vorbringen.

    Ich habe übrigens bis heute keine Antwort auf meine Email erhalten. Offenbar ist nicht nur die Kommunikationspoliitik der Staatsoper miserabel, sondern auch der Kundenservice. :(

    Nach einer weiteren Email habe ich nun heute eine Antwort erhalten mit einer Entschuldigung für die lange Wartezeit. Kurz zusammengefasst:


    Die Fassung von Ettore Panizza wurde von Puccini selbst beauftragt und legitimiert; sie verkleinert die Besetzung gegenüber dem Original lediglich um 10 Bläser und eine Harfe (statt zwei), die Streicherstimmen bleiben identisch. Es handelt sich also um keine Bearbeitung für Kammerorchester o.Ä. Zwischen der Original- und der Panizza-Fassung seien höchstens für das sehr geübte Ohr kleine Unterschiede auszumachen. Die Staatsoper hat diese Information nicht auf der Stückseite der Oper angekündigt (sondern nur auf dem Abendbesetzer vermerkt), weil sie sie für vernachlässigbar gehalten hat.


    Wie dem auch sei, ich freue mich auf die morgige Vorstellung.

    Für alle, die sich bereits freuten: Ganz wird man diese Person in Berlin leider nicht los.

    Was soll dieses unsägliche, verunglimpfende Statement? :cursing: "Diese Person" hat die Komische Oper über Jahre hinweg höchst erfolgreich geführt. Und neben seinem Erfolg als Intendant gehörte Barrie Kosky in den letzten Jahren auch zu den gefragtesten Regisseuren weltweit, so dass sich die Komische Oper und ihr Publikum glücklich schätzen können, ihn als Regisseur zu halten.


    Unter zu wenigen Pfründen wird dieser Herr auch künftig nicht zu leiden haben. Dafür sorgt die Klüngelei.

    Nein, dafür sorgt er mit seinen Leistungen schon selbst.

    Ich schließe mich dieser Ansicht an, solch platter Sexismus sollte in einem seriösen Klassilforum keinen Raum haben.

    Das stimmt natürlich. Aber leider ist dieses Klassikforum ein Rückzugsort für alte weiße Männer, die nicht damit klarkommen, dass sie nicht mehr allein das Sagen haben. Bei solchen Beiträgen wie #27 oder #28 weiß ich dann immer nicht so genau, ob ich angewidert sein oder Mitleid haben soll.

    Dann fände ich es redlich, wenn die Staatsoper Berlin diese Panizza-Fassung auch auf der Stückseite ihrer Homepage erwähnen würde.

    Allerdings. Ich hätte die Karte zwar auch gekauft, wenn ich davon gewusst hätte, aber ich finde es unmöglich, dass eine so wichtige Information unterschlagen wird.


    Ich habe gerade an die Staatsoper geschrieben und meinen Unmut über die Kommunikationspolitik ausgedrückt.

    Lieber Glockenton! Du glaubst nicht, mit welcher Freude ich Deine Bewertung der Scherchen-Aufnahme gelesen habe, denn ich hatte exakt den gleichen Eindruck beim Hören wie Du. Wobei ich gestehen muss, dass ich nur hineingehört habe, denn ich habe es nicht ausgehalten, länger als ein paar Minuten dabei zu bleiben. Scherchens Beethoven-Zyklus aus Lugano genießt ja bei vielen einen Kultstatus, den ich nie auch nur ansatzweise verstanden habe. Die für mich inakzeptable Klangqualität lasse ich da mal ganz außen vor.