Beiträge von Bertarido

    Freue Dich auf ein verkanntes Meisterwerk in einer bemerkenswerten Aufführung.

    Lieber Caruso,


    Du hast nicht zuviel versprochen, ich war wirklich höchst beeindruckt von diesem Werk und der Qualität der Aufführung. "Guercœur" ist in der Tat ein Meisterwerk, und das Theater Osnabrück ist nicht genug dafür zu loben, es wieder auf die Bühne gebracht zu haben. Hoffen wir, dass weitere Opernhäuser diesem Beispiel folgen. Bis dahin kann ich nur jedem Opernfreund raten, die letzten Gelegenheiten für einen Besuch dieser Produktion zu nutzen. Dafür lohnt sich auch eine längere Anreise.


    Dir möchte ich noch einmal ausdrücklich dafür danken, dass Du hier auf diese Aufführung aufmerksam gemacht hast. :hello:

    Albéric Magnards "Guercœur" in Osnabrück ist ein Ereignis,das sich kein Opernliebhaber entgehen lassen sollte!

    Leider habe ich nicht die Zeit, darüber jetzt zu berichten. Vielleichtspäter!

    Aber schon jetzt: Fahrt nach Osnabrück! Es lohnt sich! Das Stadttheaterist wirklich über sich hinausgewachsen. Auch für Melomanen lohnt der Trip: esgibt überdurchschnittlich gute Sänger zu hören!

    Lieber Caruso, ich werde die Vorstellung am morgigen Sonntag besuchen und bin schon sehr gespannt. :hello:

    Dann müsstest du streng genommen Beetovens Pastorale auch ablehnen, denn auch dort wird etwas Außermusialisches beschrieben, sogar mit Überschriften, und Beethoven war viel in der Natur, wo er nicht nur die nötige Ruhe fand sondern auch Anregungen aufgriff.

    Oder denke doch einmal an Gustav Mahlers "Dritte",

    Ich weiß, dass Mahler bei seinen ersten vier Symphonien ein Programm im Kopf hatte, aber gerade diese sind für mich ein Beispiel dafür, wie unwichtig ein solches für die Rezeption ist. Ich liebe diese Symphonien ihrer Musik wegen und nicht weil die Sätze Titel tragen wie „Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen“ oder „Was mir die Tiere im Walde erzählen“, die für mich völlig belanglos sind.


    Beethovens "Pastorale" ist ein weiteres Beispiel für ein geniales Werk, das man auch völlig befreit von außermusikalischen Bezügen genießen kann. Wobei Beethoven ja der Programmmusik selbst kritisch gegenüber stand und deswegen eigens betonte: „Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“.

    Zu dieser hoch komplizierten Thematik müssten wir wirklich einen eigen Thread aufmachen! :)

    Gute Idee!

    Lieber Bertarido,


    ich hatte dich bisher so eingeschätzt, das Original sehr wohl von der "Fälschung" trennen zu können. Sollte ich mich geirrt haben? Die großen Komponisten von symphonischen Dichtungen, wobei wir wohl auch Beethoven mit "Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria" mit an den Anfang stellen dürfen, also Hector Berlioz, Franz Liszt, Peter Tschaikowsky, Antonin Dvorak, Jean Sibelius, Bedrich Smetana und Richard Strauss, um nur die Wichtigsten zu nennen, haben sicherlich mit der symphonischen Dichtung eine neue, über die klassischen Merkmale hinausweisende Form gesucht und gefunden, um sich auszudrücken. Diese neue in der Regel auch kleinere Form kann man auch als Weiterentwicklung der Symphonie begreifen,

    Musikhistorisch kann man das sicherlich, aber das heißt ja noch nicht, dass mir diese Entwicklung gefallen muss. Ein Werk muss mich musikalisch überzeugen. Wenn es dazu ein Programm braucht, hat es bei mir schon verloren. Es gibt durchaus symphonische Dichtungen, die ich mag, aber dann eben aus rein musikalischen Gründen und nicht deswegen, weil sie etwas Außermusikalisches beschreiben. Und Tschaikowskis symphonische Dichtungen gehören nun gerade nicht dazu. Auch seiner Manfred-Symphonie kann ich nicht viel abgewinnen.

    Die Gattung "Symphonische Dichtung" steht bei mir ganz hoch im Kurs.

    Bei mir steht sie weit niedriger im Kurs als die Gattung der Symphonie.

    Wir leben leider in einer Zeit, wo alles und jedes für irgendwelche Zwecke mißbraucht wird - aber der Mißbrauch darf doch nicht nachträglich zum Original gestempelt werden.

    Davon ist auch nicht die Rede. Aber leider beeinflusst die Kopie die Wahrnehmung des Originals. Ich kann nun mal leider den Schlager "Bianca" nicht aus meinem Gedächtnis tilgen. Und es gibt sicher auch Stücke, die eher zum Missbrauch verleiten als andere...

    Auch wenn es vielleicht keiner versteht - die kleineren Piecen von Tschaikowsky, wie das hier genannte Capriccio italien, die 1812-Ouvertüre, aber auch manche der Orchesterouvertüren nach Schauspieln oder Dramen, sind mir ein Gräuel. Ich kann sie einfach nicht mehr hören...

    :no:

    Ich verstehe das sehr gut, denn ich mag diese Stücke auch nicht (wie ich generell mit Ouvertüren und symphonischen Dichtungen wenig anfangen kann). Ich habe diese kleineren Orchesterwerke von Tschaikowski zwar in unzähligen Aufnahmen als "Beifang", weil es die typischen Lückenfüller für die CDs mit den Symphonien sind, höre sie aber so gut wie nie. Am schlimmsten finde ich tatsächlich das Capriccio Italien, denn dabei habe ich sofort den unsäglichen "Bianca"-Schlager im Ohr, und mit nichts kann man mich mehr quälen als mit deutscher Schlagermusik ^^.

    das ist das Entscheidende, es war kein oberflächlicher Hollywood- Kitsch.

    Darüber, lieber operus, kann man geteilter Meinung sein. Ich will die Würdigung von Zeffirelli unmittelbar nach seinem Tod nicht mit allzu vielen kritischen Bemerkungen stören, aber ich kenne zumindest eine Inszenierung, die ich als Kitsch hoch drei bezeichnen würde ("Turandot" aus der MET). Wenn möglich habe ich einen großen Bogen um diesen Regisseur gemacht. Dass er sein Handwerk versteht, will ich gar nicht leugnen, und wahrscheinlich hat er auch einen Stil geprägt, nur eben einen, mit dem ich so gar nichts anfangen kann.

    Spontini: "La Vestale" am Theater an der Wien


    Für die Spontini-Freunde sei angemerkt, dass der Vorverkauf für die Vorstellungen ab November inzwischen begonnen hat. Die Besetzung:


    MUSIKALISCHE LEITUNG

    Bertrand de Billy


    INSZENIERUNG

    Johannes Erath


    BÜHNE

    Katrin Connan


    KOSTÜM

    Jorge Jara


    LICHT

    Bernd Purkrabek


    VIDEO

    Bibi Abel


    DRAMATURGIE

    Olaf A. Schmitt


    JULIA, EINE JUNGE VESTALIN

    Elza van den Heever


    LICINIUS

    Michael Spyres


    CINNA

    Sebastian Guèze


    HOHEPRIESTER

    Franz-Josef Selig


    OBERSTE VESTALIN

    Claudia Mahnke


    ANFÜHRER DER WAHRSAGER

    Dumitru Mădăraşăn


    EIN KONSUL

    Ivan Zinoviev


    ORCHESTER

    Wiener Symphoniker


    CHOR

    Arnold Schoenberg Chor (Ltg. Erwin Ortner)

    Es gibt hier "untouchables"! Wenn sich das nicht ändert, wird "Tamino" in der jetzigen Rille hängen bleiben, so leid mir das tut.

    Vielleicht solltest Du auch mal Dein eigenes Kommunikationsverhalten hinterfragen, das ist nämlich bisher nicht dazu geeignet gewesen, in einen sachlichen Austausch mit Dir einzutreten. Ich denke da etwa an den "Ist Mozart überschätzt?"-Thread. Und der gelöschte Beitrag von Dir enthielt eine veritable Beleidigung, da solltest Du den Moderatoren eher danken, dass sie die entfernt haben.


    Ich bin, wie von dr.pingel schon angedeutet, auch ein großer Liebhaber Alter Musik, habe aber bisher nicht die geringste Lust, auf Deine Beiträge zu reagieren. Mein Vorschlag: Eröffne ein interessantes, nicht zu spezielles neues Thema zur Alten Musik, dann werden sich schon Leute finden, die dazu etwas beitragen.

    Nichts hat mich so sehr gegen Shakespeare eingenommen wie die Beschäftigung mit Hamlet im Englischunterricht der Schule. Niemals nie nich würde ich in eine originalsprachliche (als Englisch kann man das ja nun wirklich nicht bezeichnen) Shakespeare-Aufführung gehen.

    Dass Dir die Schönheit des elisabethanischen Englisch mangels Sprachkenntnissen verschlossen bleibt, ist das eine. Aber darauf auch noch stolz zu sein, ist an Bornierheit nicht mehr zu übertreffen. Ist aber auch keine Überraschung, weil Du diese Haltung ständig an den Tag legst.

    Und deswegen wäre es doch ein Jammer, wen die Zukunft der Gattung Oper von ein paar Leuten wie dir abhängen würde...

    Da bin ich ausnahmsweise mal einer Meinung mit Stimmenliebhaber. :yes:

    Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass in diesem Thread, der eigentlich den Gesamtaufnahmen der Symphonien gewidmet ist, immer wieder über Einzelaufnahmen der 8. und der 9. gesprochen wird (ich bleibe bei der alten Zählung). Ich kenne keine Gesamtaufnahme, bei der die Einspielungen dieser beiden Symphonien zu den Top-Interpretationen gehören, und umgekehrt hat keiner der Dirigenten, der mir bei den Nr. 8 und 9 am besten gefällt, eine Gesamtaufnahme vorgelegt. So sind denn für mich bei einem Vergleich der Gesamtaufnahmen die Symphonien 1-6 entscheidend, für die "Unvollendete" und die "Große C-Dur" wende ich mich Einzelaufnahmen zu.


    Vor ca. 1 Jahr habe ich meine bisherige Top-Gesamtaufnahme gefunden: Die von Harnoncourt mit den Berliner Philharmonikern, die bei deren Eigen-Label erschienen ist:



    Diese schon 2003 entstandenen, aber erst viel später veröffentlichten Aufnahmen sind den früheren Einspielungen mit dem Concertgebouw-Orchester von 1992 klar überlegen. Harnoncourt findet hier gerade bei den früheren Symphonien zu einem gewichtigeren, aber immer fein differenzierenden Ansatz, der zudem "wienerischer" klingt. Die Spielkultur des Orchesters und die Transparenz der technisch hervorragenden Aufnahmen (auf SACD im 5.1-Surround Sound) tragen das ihre dazu bei, diese Einspielungen zu einem Erlebnis zu machen. Ein Schwachpunkt ist dabei ganz klar die "Unvollendete", die Harnoncourt viel zu langsam spielt, während die Aufnahme der 9. es zwar nicht in meine Spitzengruppe geschafft hat, aber erheblich besser ist als die ganz schwache ältere von 1992.


    Neben der oben verlinkten, recht preiswerten SACD-Box gibt es diese Aufnahmen auch noch zusammen mit zwei Messen und der Oper "Alfons und Estrella" auf Bluray-Audio:



    All das ist auch direkt im Online-Shop der Berliner-Philharmoniker zu beziehen, wo auch Downloads angeboten werden.

    Hallo, Bertarido,


    leider kenne ich diese Aufnahmen nicht. In meinem LP-Bestand befand sich aber folgende Aufnahme (die leider nicht mehr - ich weiß nicht warum - vorhanden ist):

    eine der raren DGG-Aufnahmen Souzays. Aufnahme: Mai 1961, Berlin, Haus Lankwitz.

    Die habe ich in einer neu gemasterten Version als Download. :) Eine schöne Ergänzung zu der Philips-Box, die keine Lieder von Debussy enthält.

    Das klingt für mich nur elitär, arrogant und snobistisch. (Nämlich so: Mit ist nur mein originalsprachlicher Genuss wichtig, die Interessen anderer Besucher, die meinen eigenen möglicherweise zuwider laufen, sind mir scheißegal.)

    Ich bin dafür, jedem an der Oper Interessierten einen Zugang ohne unnötige Hürden zu ermöglichen. Das heißt aber nicht, dass man die Stücke so servieren muss, dass sie für jeden beliebigen Besucher ohne Vorbereitung verständlich sind. Die Interessen von Leuten, die zu bequem sind, die vielfachen Informationsangebote wahrzunehmen, die es heutzutage gibt, sind mir in der Tat "scheißegal".


    Ein weiterer Aspekt: Das Opern-Publikum ist heute in Metropolen wie Berlin, Wien, Paris oder London oder auf bekannten Festivals wie Salzburg oder Bayreuth ein sehr internationales. Somit würde man auch bei Aufführungen in der jeweiligen Landessprache nicht alle Besucher erreichen. Ganz im Gegenteil müsste sich ein international reisender Opernbesucher (und dazu gehöre ganz gewiss nicht nur ich) dann mit allen möglichen Sprachversionen eines Stücks befassen (ich hätte z.B. im letzten halben Jahr Opern auf Deutsch, Italienisch, Englisch, Niederländisch und Französisch gehört, und in zwei Wochen dann eine auf Spanisch, alles wohlgemerkt nicht die Originalsprachen). Die Motivation, zu Aufführungen im Ausland zu reisen, dürfte bei einer solchen Praxis rapide zurückgehen. Wenn man die Mehrzahl der Opernbesucher erreichen will, bliebe dann wohl nur, alles auf Englisch zu spielen, das sich als internationale Verkehrssprache etabliert hat, mit Ausnahme vielleicht von Provinztheatern, die fast ausschließlich von einem einheimischen Publikum besucht werden. ;)

    deswegen haben "wir" damit auch keinerlei Problem...

    Oper ist keine seichte Unterhaltungskunst, bei der man ohne jede Vorbereitung hineingehen und sich berieseln lassen kann. Wer nicht bereit ist, sich vor einem Opernbesuch mit dem Stück auseinanderzusetzen, falls er/sie es noch nicht kennt, der hat eben Pech gehabt. Im übrigen ändert sich daran auch nicht viel, wenn die Oper auf deutsch gesungen wird, denn auch da versteht man allenfalls einen kleinen Teil des gesungenen Textes (jedenfalls geht es mir so). Weswegen ja auch bei deutschsprachigen Aufführungen deutsche Übertitel mitlaufen.


    Neben Übertiteln gibt es in einigen Opernhäusern auch kleine Displays im Vordersitz, wo man sogar unter mehreren Sprachen wählen kann (z.B. in der KOB und der Wiener Staatsoper). Es steht zu hoffen, dass sich diese Technik weiter verbreitet.

    Zu Giulinis Chicago-Aufnahme habe ich in HiFiStereophonie 1979 eine interessante Rezension von Ulrich Schreiber gefunden, die ich hier auszugsweise wiedergeben möchte: " ….. seit Furtwängler 1951 seine grandiose (und anfechtbare) Aufnahme der letzten Schubert-Sinfonie für die DGG machte, haben sich ein paar seiner Interpretationsspezifika als Traditionen in die Aufführungsgeschichte dieses Werks eingeschmuggelt ….. Giulini nun unternimmt einen - es sei vorweg gesagt - gelingenden Versuch der Gegensteuerung. Aus einer Vermischung der Angaben der Druckfassung und Schuberts Erstschrift gelangte er zu folgender Legende: Das Alla-breve-Zeichen, das in der Druckfassung den Allegro-Teil ziert, gehört zur Andante-Einleitung, und die Vivace-Unterbezeichnung des Allegro-Teils, die Schuberts Autograph aufweist, ist im Druck zu Recht durch ein 'ma non troppo' ersetzt. Daraus ergibt sich ein nahtloser Übergang zwischen beiden Teilen, also eine Konkretisierung jener in Schuberts sinfonischem Spätstil realisierten Annäherung der Tempoextreme Schnell und Langsam, wie sie beispielsweise die beiden Sätze der h-moll-Sinfonie schon prägt ….. so geschlossen, gespannt und doch zugleich weit ausholend hat dieser 1. Satz wohl noch nie geklungen …. diesen Interpretationsstil hält Giulini durch: so braucht er den Zusammenbruch im langsamen Satz nicht besonders zu betonen, so läßt er im Scherzo alle Wiederholungszeichen beachten und schafft es im Finale trotz eines nicht überschnellen Tempos, die Gehetztheit dieses endlosen Figurationszwangs zum Ausdruck zu bringen. Insgesamt: Ein Beitrag zum Schubert-Jahr (1978), der einen unüberhörbaren Akzent setzt."

    Da ich Giulini sehr schätze, hat mich diese Rezension neugierig gemacht, und ich habe mir diese Aufnahme der großen C-Dur-Symphonie besorgt und gestern Abend gehört. Sie ist auch in dieser Box enthalten:



    Leider kann ich mich mit diesen langsamen Tempi so gar nicht anfreunden, besonders im ersten Satz. Schreiber nennt das "geschlossen, gespannt und doch zugleich weit ausholend", ich habe es als lahm und einschläfernd empfunden. Von dem Drive, den diese großartige Symphonie für mich so hörenswert macht, kommt da gar nichts herüber. Und dass Schubert das so gewollt hat, glaube ich erst, wenn ich es von ihm selbst höre. 8-)

    Ich stimme in die Loblieder auf Gérard Souzay aus ganzem Herzen ein. Seine Darbietungen der Schubert-Lieder liegen mir ebenso am Herzen wie die Aufnahmen mit FiDi (ich habe die oben genannte 4 CD-Box von Philips mit den drei Liederzyklen).


    Unbedingt nennen muss ich hier auch seine Aufnahmen französischer Lieder, die ganz großartig sind: