Beiträge von Bertarido

    Was ich nicht verstehe, sind die Deadlines. Wenn man den Handel von Klavieren mit Tastaturen aus Elfenbein verboten hätte, das nach 1989 eingeführt wurde, dann wäre das für mich nachvollziehbar, weil es sich dann auf jeden Fall um illegales Elfenbein handeln würde und damit niemand Gewinne machen sollte, auch wenn man mit dem Verbot keinen Elefanten mehr rettet. Aber was hat es mit den Daten in den Jahren 1975 und 1976 auf sich? Die sind doch wahrscheinlich nicht willkürlich gewählt worden.

    So unterschiedlich sind die Geschmäcker: Ich konnte der Lobgesang-"Symphonie" (die doch eher eine Kantate ist) nie etwas abgewinnen. Meine Rangfolge:


    1. 4. Symphonie "Italienische" (wie kann man dieses spritzige Werk nicht mögen?)

    2. 3. Symphonie "Schottische"

    3. 1. Symphonie

    4. 5. Symphonie "Reformationssinfonie"

    6. 2. Symponie "Lobgesang"

    Und nicht alle Opernfans teilen die Auffassung: Trash auf der Bühne, was soll´s - Hauptsache, es wird recht schön gesungen und musiziert.

    Meine Auffassung ist das gewiß nicht. Die szenische Umsetzung ist mir ebenso wichtig wie die musikalische Seite.

    Zu den angeblichen" Unterstellungen" mein Rat: Beweise liefern der Besuch von Vorstellungen vor Ort

    Ich besuche regelmäßig Vorstellungen, wurde aber zwar gelegentlich mit schlechten Inszenierungen, nie jedoch mit "Trash" auf der Bühne konfrontiert. Ebensowenig kenne ich Belege dafür, dass Regiesseurinnen und Regisseure "karriereförderliche Premierenskandale um jeden Preis anstreben". Und Du wahrscheinlich auch nicht.

    Ich finde als Gesamtaufnahme Ashkenazy/Haitink schwer zu übertreffen

    Es freut mich, dass Du das auch so siehst. Das sind für mich nach wie vor die unübertroffenen Referenzaufnahmen, interpretatorisch wie klangtechnisch.



    (Nicht zu verwechseln mit der ebenfalls bei Decca erschienenen älteren Gesamtaufnahme mit Previn/LSO).



    trotz großartiger Alternativen wie z.B. Wild/Horenstein

    Diese Gesamtaufnahme habe ich mir besorgt, weil unser Forenmitglied teleton immer so von ihr schwärmt, aber ich werde damit nicht warm.

    Das wäre wohl auch zu viel verlangt von einem Zwei-Stunden-Film, findest du nicht?

    Sicherlich, aber etwas mehr über den Musiker Leonard Bernstein hätte man schon mitteilen können. Den gleichen Einwand hatte ich gegen "Oppenheimer", auch da erfährt man abgesehen von einigen Schlagworten wie "Quantenphysik" kaum etwas über die Physik, die dem Bau der Bombe zugrunde lag.


    Im übrigen gehörte Maestro bei den Oscars zu den großen Verlierern. Trotz sieben Nominierungen - inklusive Bester Film - ging Maestro leer aus. Der Film hatte seine Schwierigkeiten bei Kritikern und auch das Publikum zeigte wenig Interesse.

    Es hätte mich sehr überrascht, wenn "Maestro" einen Oscar bekommen hätte. Er konnte handwerklich nicht mit Filmen wie "Oppenheimer" oder "Barbie" konkurrieren, und das Leben eines Dirigenten und Komponisten, der den meisten Amerikanern heute wahrscheinlich nicht mehr viel sagt, ist auch nicht dazu angetan, ein großes Interesse beim Publikum zu erregen.


    Der Darsteller des Bernstein hatte jahrelang das Dirigieren eigens für diesen Film geübt.

    Leider ohne durchschlagenden Erfolg:


    Und wie schon angemerkt wurde, kann Cooper nicht dirigieren (oder es zumindest überzeugend simulieren), die Szene in Ely ist höchst peinlich. Im Abspann wurde Nézet-Séguin als "conducting consultant" genannt. Entweder hat er einen schlechten Job gemacht oder Cooper war ein schlechter Schüler.

    Im Japanischen gibt es einen Begriff für Menschen, die ständig Bücher kaufen, es aber nicht schaffen, sie zu lesen.

    Gibt es im Japanischen auch einen Begriff für Menschen, die ständig CDs kaufen, aber es nicht schaffen, diese zu hören? ^^ Bei mir kommt das jedenfalls wesentlich häufiger vor. Bücher kaufe ich in der Regel nur, wenn ich sie gerade lesen möchte, und das tue ich dann auch recht schnell.

    Bereits im Vorfeld hat ein heftiger Kampf um die Aufführung der Oper stattgefunden. Es ging vornehmlich darum, ob das Werk als "realistisch", wie es die Parteilinie der SED verlangte, oder als "formalistisch", wie es nach neuesten Vorgaben aus Moskau zu sein hatte, einzustufen sei.

    Dass ein Werk formalistisch zu sein habe, war sicher keine Vorgabe aus Moskau, denn der sogenannte Formalismus wurde in der Sowjetunion als Gegensatz zum erwünschten sozialistischen Realismus in der Kunst gerade aufs heftigste bekämpft. Das erste berühmte Opfer des Formalismus-Vorwurfs in der Musik war 1936 bekanntermaßen Schostakowitsch' "Lady Macbeth von Mzensk". Soweit ich weiß, ist die Kulturpolitik der DDR hier brav den Vorgaben des großen Bruders gefolgt.

    Ich habe dazu mal eine (dumme?) Frage: Warum gibt es keine Klavierwerke für die rechte Hand? Ist das Zufall, weil die Pianisten, für die diese Werke für eine Hand geschrieben wurden, nun gerade den rechten Arm verloren hatten? Oder gibt es dafür andere Gründe, spieltechnische beispielsweise?

    Es gab damals auch so manche Rufe danach, die Oper ganz abzureißen und sie völlig neu wieder aufzubauen.

    Wieviel war denn von dem Gebäude noch erhalten?


    Die Rekonstruktion des Zuschauerraums der Wiener Staatsoper vermittelt wahrlich 1950er-Jahre-Charme, und das ist nicht unbedingt positiv gemeint. Herzlich wenig von der einstigen k. k. Hofoper kommt im heutigen Zuschauerraum herüber. Ich habe es immer bedauert, dass man ihn nicht in den Vorkriegszustand zurückversetzte, auch wenn es in der kargen Nachkriegszeit zweckmäßig gewesen sein mag. Auf den oben gezeigten Bildern kann man erahnen, was dadurch verlorenging.

    Ich finde es auch sehr schade, dass man die Staatsoper nicht ganz so rekonstruiert hat, wie sie vor dem Krieg aussah. Den Zuschauerraum in seinem jetzigen Zustand mag ich nicht besonders. Allerdings hatte man kurz nach dem Krieg sicher andere Prioritäten.

    2. Die Partitur von Monteverdis Arianna wird gefunden.

    Das wäre auch mein erster und innigster Wunsch an die Fee. Aber da sie ihn nicht öfter als einmal erfüllen kann, habe ich jetzt drei andere frei:


    1. Gustav Mahler vollendet seine 10. Symphonie.


    2. Leonard Bernstein lebt lange genug, um die letzten Aufnahmeprojekte zu vollenden: Den Mahler-Zyklus bei der DG (die 8. hat er nicht mehr geschafft), die Sibelius-Symphonien mit den Wiener Philharmonikern (es liegen nur 1, 2, 5 und 7 vor) und die Beethoven-Klavierkonzerte mit Krystian Zimerman (1 & 2 fehlen).


    3. Franz Schubert vollendet seine E-Dur-Symphonie D 729, die dann mit vollem Recht seine 7. Symphonie wäre. :P

    Rein privat kann ich auch das Ding mit vier Rädern und Motor "Pferd" nennen, aber ich sollte mich dann nicht wundern, wenn mich keiner versteht ;).

    Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass die meisten Musikliebhaber an die „Unvollendete“ denken und nicht an die große C-Dur, wenn von der 8. Symphonie Franz Schuberts die Rede ist. So ganz privat ist die Zählung also nicht, sie hat sich etabliert.

    Die Herausgeber der Neuen Schubert-Ausgabe haben entschieden, nur die Werke zu zählen, die in der von Schubert hinterlassenen Form aufführbar sind. Darunter fallen also die zwei Sätze der "Unvollendeten", aber eben nicht D 729 und die anderen genannten Fragmente. Man kann über dieses Kriterium streiten, aber erstens wird es schwer fallen, ein besseres, stimmigeres zu finden, und zweitens ist es auf alle Fälle sinnvoll, sich auf die Zählung der maßgeblichen Schubert-Ausgabe zu einigen, statt jeweils eine private Zählung zu verwenden.

    Ja, ja, Du hast ja Recht ^^.

    Es gibt auch CD-Firmen, die standhaft die Große C-Dur-Symphonie als "Neunte" verkaufen, obwohl musikwissenschaftlich längst klar ist, dass es die ominöse "Gasteiner Symphonie", für die man lange Zeit einen Platz freigehalten hat, nicht gibt, bzw. sie identisch mit der in C-Dur ist, die deshalb richtig als "Nr. 8" gezählt wird (die Unvollendete ist Nr. 7, nicht 8).

    Ich bekenne mich schuldig, auch standhaft an den Nummern 8 (Unvollendete) und 9 (große C-Dur) festzuhalten. Man muss gar nicht die fiktive "Gasteiner Symphonie" bemühen, um diese Zählung zu rechtfertigen, denn die legitime Nr. 7 ist die E-Dur-Symphonie D 729, die recht weit fertiggestellt wurde und in einer vervollständigten Fassung vorliegt, die mir sehr gefällt.

    Eine der grandiosestens Opernszenen ist für mich der Friedenstanz "Forêts paisibles“ (Friedliche Wälder) in Rameaus Opéra-ballet "Les Indes Galantes". Der Friedensschluss zwischen den nordamerikanischen Indianern und europäischen Truppen beschließt das vierte Entrée und damit das ganze Stück, das unser arg vermisstes Mitglied Caruso41 immer als Rameaus Friedensoper bezeichnete. Ich kenne keine szenische Umsetzung, die so grandios ist wie die aus der Opéra National de Paris (eines meiner eindrücklichsten Opernerlebnisse überhaupt). Viel Spaß mit dem "Danse du Grand Calumet de la Paix":



    Und da sage noch einer, französische Barock-Opern seien langweilig.

    Ich kenne von diesen Werken nur das Tubakonzert von Vaughan Williams in dieser Einspielung:



    Solist ist hier Patrick Harrild. Ich muss gestehen, dass es mich von allen Konzerten dieses Komponisten am wenigsten anspricht.

    Ich beginne das Opern-Jahr 2024 am Samstag mit der Premiere der Neuproduktion von Händels "Agrippina" an De Nationale Opera in Amsterdam. Ich freue mich auf die Inszenierung von Barrie Kosky, die Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone und u.a. Stéphanie d’Oustrac in der Titelrolle und die Countertenöre Tim Mead und John Holiday. Gespannt bin ich auf die chinesische Sopranistin Ying Fang als Poppea.


    https://www.operaballet.nl/en/…opera/2023-2024/agrippina


    Da ich mich diesmal nicht der Deutschen Bahn anvertrauen werde, hoffe ich, es auch tatsächlich nach Amsterdam zu schaffen. :)