Beiträge von Bertarido

    Ein Schumann-Zyklus ist hier noch nicht genannt worden, den ich sehr hoch schätze (wennglich die Bernstein-Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern immer noch meine Favoriten sind): Barenboims Einspielung mit der Staatskapelle Berlin.



    Barenboims zupackende Interpretation mit manchmal dickem Pinselstrich ist in gewisser Weise altmodisch, da recht weit entfernt von neueren Lesarten, die eher die leichten, tänzerischen Seiten der Symphonien herausstellen. Und gerade deswegen gefällt mir sehr gut, was ich hier höre. Die gute Aufnahmetechnik trägt das ihre dazu bei. Interessanterweise scheinen diese Aufnahmen international mehr Aufmerksamkeit erregt zu haben als in Deutschland (man vergleiche die Zahl der Kommentare auf der deutschen mit der auf der amerikanischen Amazon-Seite).

    Lieber Caruso,


    ich finde es nach wie vor sehr schade, dass Du keine weiteren "Neuen Stimmen" in diesem Thread vorstellst, verstehe aber natürlich, dass Dir die Arbeit zu viel geworden ist. Dies ist zweifellos eine der Perlen des Tamino-Forums. Und auch wenn ich mich mangels Fachkenntnissen mit Urteilen über Sängerinnen und Sänger zurückhalte, habe ich aus diesem Thread schon etliche Anregungen erfahren.

    Ein Fest von hier vorgestellen "neuen Stimmen" ist in diesem Herbst in Paris zu erleben: Die Opéra National de Paris zeigt eine Neuproduktion von Rameaus wunderbarer Opéra-ballet "Les Indes galantes" mit Sabine Devieilhe, Florian Sempey, Jodie Devos, und Julie Fuchs. Daneben ist auch noch Mathias Vidal zu hören.


    https://www.operadeparis.fr/en…/opera/les-indes-galantes


    Ich habe schon eine Karte. :hello:

    Vielleicht hätte ich trotz meiner Liebe für französische Barock-Opern den Weg nach Paris (und die Kosten für die nicht gerade billigen Karten) nicht auf mich genommen, wenn ich nicht auch neugierig auf die vier "Neuen Stimmen" gewesen wäre. Nun, es war den Aufwand wert. Ich war in der Aufführung am vergangenen Sonntag und nicht nur von den genannten Sängerinnen und Sängern (insbesondere Sabine Deviellhe), sondern auch von der ganzen Produktion begeistert. Eine Aufzeichnung ist übrigens in der Arte-Mediathek verfügbar, es lohnt sich:


    https://www.arte.tv/de/videos/…meau-in-der-pariser-oper/


    Ich hoffe sehr, dass diese Aufnahme auch noch auf Bluray erscheinen wird.


    Die Premieren-Kritik in der FAZ ist sogar frei verfügbar: https://www.faz.net/aktuell/fe…ra-bastille-16408970.html

    Gedankenexperiment: du willst in ein Bruckner-Konzert, der Trailer zeigt dir ein Kammerensemble, das den spielen wird. Da wirst du doch von vorneherein sagen: da geh ich nicht hin.

    Den Bach, ja, den kann ich sicher und objektiv beurteilen, obwohl ich nicht da war. Ich habe nämlich fünfzig Jahre in allen Sorten von Chören gesungen, darunter auch die Passionen in den riesigen Chören und den großen Orchestern. Stell dir vor, ich weiß genau, wie das klingt, da muss ich nicht hingehen. Gerade, weil ich Ahnung habe, gehe ich da nicht hin. So ist es doch mit allem, ob Literatur, Musik oder Bildende Kunst.

    Man kann sicherlich objektiv urteilen, dass eine von einem Kammerensemble aufgeführte Bruckner-Symphonie relativ weit von dem entfernt ist, was Bruckner komponiert hat und er eine Aufführung seiner Werke sicherlich nicht so intendierte. Ebenso kann man objektiv urteilen, dass eine Aufführung von Bachs Passionen á la Richter sehr viel anders klingt als eine Aufführung zu Bachs Lebzeiten, denn darüber wissen wir heute sehr viel mehr als vor 50 Jahren. Trotzdem darf man das mögen (ich tue es nicht).

    Nein, eben nicht. Wir können alle immer nur subjektiv urteilen.

    Das halte ich für zu weitgehend. Nicht alle ästhetischen Urteile sind subjektiv, aber das ist ein eigenes, sehr großes Thema.

    Für den Klassikberiech wird es wohl weiterhin die CDs geben, weil ich mir nicht vorstellen kann, das man eine Oper nun über Spotify hören soll.

    Warum nicht? Welchen Unterschied macht es, ob die Musik von einer sich drehenden Scheibe in einem CD-Player oder über einen Streaming-Dienst zum Verstärker gelangt, vorausgesetzt, die Qualität der Datenübertragung ist hinreichend gut? Das ist bei Spotify zugegebenermaßen nicht der Fall, weil nur datenreduzierte Verfahren angeboten werden (falls man den Unterschied denn hören kann). Aber es gibt neben Spotify inzwischen auch einen auf Klassik spezialisierten Streaming-Dienst namens Idagio, der Streaming in CD-Qualität im Flac-Format anbietet.

    Schaun wir uns mal die Tonträgerszene an: Irgend jemand muß die Klassik- CDs schliesslich kaufen, die da laufend produziert werden.

    Tonträger- das oist überhaupt das Zauberwort.

    Es gibt sie erst seit ca 150 Jahren, wobei man erst seit etwa 60 Jahren ein Niveau erreichte, das dem heutigen entspricht und das die meisten Musikfreunde zufriedenstellt. Diese Konserven machen einen Großteil des Klassikangebots aus und sie haben IMO einen großen Einfluß auf das Hörverhalten. Zudem sind sie wesentlich erschwinglicher geworden.

    Man kann das Überangebot als Desinteresse an Klassik deuten. Oder aber man beachtet wie viele Version aus der Vergangenheit verfügbar sind.

    Eine verschwindend kleine Anzahl von Leuten kauft hier vergleichsweise viele Exemplare.

    Was von Angehörigen der älteren Generationen meistens übersehen wird (so auch hier), ist das völlig veränderte Konsumverhalten der "jungen Leute" in Bezug auf Tonträger. Da kauft nämlich so gut wie niemand mehr CDs, sondern Musik wird über Streaming-Dienste, allen voran Spotify, gehört. Die Leute Anfang/Mitte 20, mit denen ich Kontakt habe, besitzen überhaupt keinen CD/DVD-Player mehr, das ist für die so veraltet wie für uns Grammophone. Auch wenn der Kreis der Klassik-Hörer tendenziell konservativer ist als in anderen Musikrichtungen und die CD hier wahrscheinlich noch am längsten überleben wird, muss sich die Musikindustrie auch im Klassik-Bereich früher oder später auf diese Hörgewohnheiten einstellen.

    Da kann man eigentlich alle veristischen Unarten hören

    Dazu habe ich mal eine Frage. Auch Stimmenliebhaber hat ja in seinen Analysen solche veristischen Unarten moniert. Der Begriff "Unart" sagt nun aus, dass es eine falsche Art des Singens ist und auch schon damals war. Oder hat sich nur der Gesangsstil geändert, d.h. damals hielt man dies für die richtige Art der Interpretation einer Arie von Puccini? Und gibt es Dokumente, wie Puccini selbst seine Stücke gesungen haben wollte bzw. wie sie zu seinen Lebzeiten gesungen wurden? Wenn damals diese "veristischen Unarten" üblich waren, müssten sie dann nicht im Sinne einer historisch informierten Aufführungspraxis auch heute eingesetzt werden?


    Und eine weitere Frage: "Veristische Unart" sagt ja auch aus, dass diese Art des Singens irgendetwas mit dem Verismo zu tun hat. Ist es ein Gesangsstil, der vom Verismo bewusst so verlangt wurde und damit in Opern etwa von Mascagni genau richtig wäre, nur dann eben bei Puccini nicht? (Auch wenn zumindest einige von Puccinis Werken ja auch oft im Umkreis des Verismo verortet werden.)

    Ich finde ja, dass Klaus Florian Vogt selbst für die Tenor-Lieder aus dem "Lied von der Erde" eine Fehlbesetzung ist. Zwei der drei Lieder sind Trinklieder, da braucht es eine zupackende, kräftig-maskuline Stimme und nicht die leicht "anämische" Stimme von Vogt. Es gibt eine Aufnahme mit ihm mit Nagano am Pult, die ich ganz unerträglich finde, ich habe es nicht geschafft, die komplett anzuhören.

    Ich lese die Bewertungen der einzelnen Interpretationen mit großem Interesse und Gewinn, auch (oder gerade weil) das Ergebnis sich nicht immer mit meinen eigenen Präferenzen deckt, die freilich viel stärker durch meinen rein subjektiven Geschmack bestimmt sind als durch technische Erwägungen. Auf eines muss ich aber nun doch mal hinweisen:

    Dann die wunderbare Kantilene bei "O dolci bacci-o",

    Da Du nun schon mehrfach "bacci" oder "baccio" geschrieben hast, ist es wohl kein Tippfehler: Der Plural von "bacio" (Kuss) ist "baci" mit einem c, die Zeile lautet: "Oh! dolci baci, o languide carezze".

    Das Oesterreichisches Musiklexikon online definiert "Alte Musik" als Begriff der Aufführungspraxis:


    Alte Musik

    Begriff der Aufführungspraxis. Zunächst sind „alt“ und „neu“ selbstverständlich Kategorien der Geschichte (Geschichtlichkeit) und als solche auch in der Musik zumindest seit dem Hochmittelalter geläufig. Meist und heutzutage sogar im trivialen Sprachgebrauch wird A. M. aber im Sinne der rezenten Aufführungspraxis verstanden und ist daher keineswegs bloß ein Gegenstück zur Neuen Musik. Es ist vielmehr diejenige Musik gemeint, deren Verbindung mit der lebendigen Musikpraxis abgerissen, jedenfalls nicht mehr selbstverständlich ist und deshalb eines speziellen Zugangs (Interpretation im engeren Sinn) bedarf.


    Rudolf Flotzinger, Art. „Alte Musik‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: 9.10.2019 (https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_A/Alte_Musik.xml).


    Ähnlich definiert auch der Grove Music Online:


    Early music

    A term once applied to music of the Baroque and earlier periods, but now commonly used to denote any music for which a historically appropriate style of performance must be reconstructed on the basis of surviving scores, treatises, instruments and other contemporary evidence.

    https://doi.org/10.1093/gmo/9781561592630.article.46003


    Eine solche Definition macht auch im Hinblick auf die in Frage kommenden Ensembles Sinn, denn deren Selbstverständnis als Ensembles für Alte Musik beruht weniger auf den Lebensdaten der von ihnen aufgeführten Komponisten als auf einer historisch informierten Aufführungspraxis, die in der Regel auch die Verwendung von orignalen oder dem Original nachgebauten Instrumenten einschließt.


    So beschreibt sich etwa die Academy of Ancient Music wie folgt:

    The Academy of Ancient Music is an orchestra with a worldwide reputation for excellence in baroque and classical music. It takes inspiration directly from the music’s composers, using historically informed techniques, period-specific instruments and original sources [...]. The ensemble was founded by Christopher Hogwood in 1973 and remains at the forefront of the worldwide early music scene more than four decades on [...]. https://www.aam.co.uk/who-we-are-what-we-do/

    Die Problematik besteht darin, daß Beispielsweisr Bach - ein Vertreter des Spätbarock als Quasi Hauptkomponist dieser Epoche gesehen wird.

    Du wilst Doch nicht allen Ernstes Musik um 173o und später zur "Alten Musik zählen ?

    Ja, allen Ernstes. :) Bach und Händel gehört für meinen Begriff ganz klar zur Alten Musik, und wie die von mir zitierten Quellen belegen, sehe nicht nur ich das so.


    Wenn Du Barock-Musik nicht zur Alten Musik zählen willst, frage ich mich, warum Du selbst hier einige auf Barock spezialisierte Ensembles vorgestellt hast. Zum Beispiel Giardino Armonico, die zum größten Teil Vivaldi, Händel und Bach eingespielt haben (siehe auch die angegebenen Aufnahmen), gleiches gilt für Europa Galante oder das L'Orfeo Barockorchester. Da sehe ich nicht viel von Befassung mit vor-barocker Musik.

    Das liegt - zumindest auf den konkreten Thrad bezogen - daran, daß es sich hier nicht um "alte Musik" handelt.

    Borock ist eine andere Epoche

    Lieber Alfred,


    zur "Alten Musik" gehört nach meinem Verständnis auch die Barockmusik. So definiert auch die deutsche Wikipedia:


    Alte Musik bezeichnet europäische Musikstile aus verschiedenen Epochen etwa vor dem Jahr 1750. Sie umfasst die Musik des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks, nicht jedoch die der Antike. (Für die Musik des frühen Mittelalters und davor wird die Bezeichnung „Frühe Musik“ verwendet.)


    Differenzierter ist der Artikel zu "Early Music" in der englischen Wikipedia:


    Early music generally comprises Medieval music (500–1400) and Renaissance music (1400–1600), but can also include Baroque music (1600–1750). [...]

    Interpretations of historical scope of "early music" vary. The original Academy of Ancient Music formed in 1726 defined "Ancient" music as works written by composers who lived before the end of the 16th century. Johannes Brahms and his contemporaries would have understood Early music to range from the High Renaissance and Baroque, while some scholars consider that Early music should include the music of ancient Greece or Rome before 500 AD (a period that is generally covered by the term Ancient music). Music critic Michael Kennedy excludes Baroque, defining Early music as "musical compositions from [the] earliest times up to and including music of [the] Renaissance period".


    Musicologist Thomas Forrest Kelly considers that the essence of Early music is the revival of "forgotten" musical repertoire and that the term is intertwined with the rediscovery of old performance practice. According to the UK's National Centre for Early Music, the term "early music" refers to both a repertory (European music written between 1250 and 1750 embracing Medieval, Renaissance and the Baroque) – and a historically informed approach to the performance of that music.


    Today, the understanding of "Early music" has come to include "any music for which a historically appropriate style of performance must be reconstructed on the basis of surviving scores, treatises, instruments and other contemporary evidence."


    Auf der Seite des Deutschen Musikinformationszentrums MIZ findet sich eine Auflistung aller Ensembles Alter Musik in Deutschland: http://miz.org/institutionen/ensembles-fuer-alte-musik-s41 Dort wird der Begriff wie folgt definiert:


    Diese Rubrik verzeichnet Ensembles, die Musik vom Mittelalter bis zur Frühklassik, z.T. auch darüber hinaus, überwiegend in Orientierung an historischer Aufführungspraxis darbieten [...]


    Insgesamt scheint es mir also gerechtfertigt, Ensembles mit dem Schwerpunkt Barockmusik hier mit aufzunehmen.

    Lieber Alfred, oben in der Liste in Beitrag #38 fehlt ein Zeilenumbruch vor der Nr. VI - Europa Galante.


    Es wundert mich, dass einige sehr bekannte Ensembles wie The English Concert (Pinnock) oder English Baroque Soloists (Gardiner) noch nicht vorgestellt wurden.


    Mal sehen, ob ich in den nächsten Tagen dazu komme, einige meiner Lieblingsensembles vorzustellen.

    Die Mehrheit der Anhänger der "Alten Musik" hat mehr oder weniger geschlossen das Forum verlassen - ein eigenes eröffnet und nach einiger Zeit in den Sand gesetzt.

    Ich bin auch ein glühender Anhänger der Alten Musik und stöbere oft in den Themen, die der Lullist damals eröffnet hat. Auch der Thread zur Vokalpolyphonie, der auf Bachiania zurückgeht, war ein Highlight dieses Forums. Ich habe momentan aus verschiedensten Gründen weniger Zeit und zugegeben auch Lust, hier zu schreiben, aber wenn es mal wieder ein neues Thema zur Alten Musik geben sollte, versuche ich gerne, mich zu beteiligen.

    In einem ungewöhnlich breiten Tempo bewährt sich José Carreras mit der Arie für mein Gefühl ebenfalls beispielhaft:

    Lieber Caruso, es freut mich, dass Du als Fachmann diese Aufnahme mit Carreras ebenso schätzt wie ich, wenngleich die Tempi hier für meinen Geschmack nicht optimal sind. Aber davon abgesehen ist dies meine Lieblingsaufnahme dieser Arie. Das liegt aber sicherlich auch an meiner ganz subjektiven Vorliebe für die Stimme von José Carreras.


    Und heute? Du hast schließlich ausdrücklich gefragt, welcher Sänger heute ein „hörenswerter Cavaradossi“ ist. Da fallen mir wirklich nicht viele ein. Keinen aber würde ich auf die gleiche Stufe stellen wie die Herren Bergonzi, Carreras, Corelli und Co.

    Ich hätte aber auch Probleme heute aktive Tenöre aufzulisten, die mit den Herren der Raimondi/Cioni/Labo-Klasse ernsthaft konkurrieren können. Mir fallen da bestenfalls zwei oder drei ein.

    Welche zwei oder drei wären das denn?


    Hörenswert war in letzter Zeit auf jeden Fall Joseph Calleja, den ich in München erlebt habe.

    Calleja habe ich diesen Sommer in Aix als Cavaradossi gehört, aber gerade diese Arie fand ich an dem Abend weniger gelungen. Man findet auf YouTube viele Darbietungen von ihm, die mir besser gefallen, beispielhaft habe ich diese ausgesucht:


    Und ja, man kann diesen Persönlichkeitsaspekt von den künstlerischen Aspekten entkoppelt betrachten und nein, man muss dies nicht tun, wenn man es nicht will.

    Völlig richtig, aber man kann es nicht entkoppeln, wenn man "den Menschen" Karajan würdigen will, denn der besteht eben nicht nur aus seiner Tätigkeit als Dirigent und Musikmanager.

    Und wenn er, wie im 3. Reich, das nicht konnte, so hat er sich angepaßt und wäre 10 x in die NSDAP und genauso oft in die KPD eingetreten, wenn er nur das tun durfte, was er am liebsten tat und am besten konnte: Dirigieren!

    Ein typischer Mitläufer also, dem seine eigene Karriere wichtiger war als das, was die Nazis in Deutschland verbrochen haben. Mir sind solche Leute zuwider, aber das mag jeder nach seinen eigenen Wertmaßstäben beurteilen.


    Die SACD mit den Klavierkonzerten 1 & 2 ist inzwischen bei mir eingetroffen, und ich kann mich der Bewertung von Joseph II. nur voll und ganz anschließen: Ganz hervorragende Aufnahme, die m.E. in keiner Diskographie dieser Werke fehlen sollten. Ich warte nun ungeduldig auf die anderen beiden SACD.


    Was die Aufnahmen dennoch beeinträchtigt, ist die lieblose Aufnahmetechnik. Der Orchesterklang wirkt oft rüde und undifferenziert: mal ist das Klavier im Vordergrund, mal scheint es hinter dem (übrigens auf höchstem Niveau spielenden) Orchester zu verschwinden. Schade. Für Rubinsteins Beethoven-Vermächtnis wäre mehr Mühe am Platz gewesen".

    Diese Bewertung der Aufnahmetechnik (ein Zitat aus einer Besprechung in der HiFiStereophonie 1976) ist zumindest für die SACD nicht zutreffend. Im Gegenteil ist das Klangbild gut ausbalanciert und transparent, und die Surround-Technik trägt zum sehr guten Höreindruck bei (wie oben angemerkt wurden für die SACD die im Quadrophonie-Verfahren aufgenommenen Originalbänder verwendet).

    Dass Bachler als neuer Intendant der Salzburger Osterfestspiele nicht auf die künstlerische Gesamtverantwortung verzichten wollte, ist nachvollziehbar. Und da Thielemann die nicht abgeben wollte, musste der Aufsichtsrat sich von einer der beiden Personen trennen. Dass die Entscheidung so und nicht andersherum ausfiel, hat mich nicht überrascht, es wäre doch ein arger Gesichtsverlust für den Aufsichtsrat gewesen, erst einen neuen Intendanten zu verkünden und dann gleich wieder einen Rückzieher zu machen.


    Dass ich Nikolaus Bachler aufgrund seiner Arbeit an der Bayerischen Staatsoper, die ich mehrere Jahre vor Ort verfolgen konnte, sehr schätze, ist kein Geheimnis. Er steht für genau die Art von Musiktheater, die ich an unseren Opernhäusern sehen möchte. Dennoch habe ich Zweifel, ob er für die bisher eher traditionell ausgerichteten Osterfestspiele, die sich bislang vor allem an eine zahlungskräftige Klientel von wahrscheinlich eher konservativem Geschmack richten, eine gute Wahl war. Immerhin ist damit zu rechnen, dass man demnächst dann auch mal wieder die Berliner Philharmoniker unter ihrem neuen Chefdirigenten dort zu hören bekommt, der - die Welt ist klein - bis vor kurzem GMD unter Bachler in München war. :)

    das wäre mir nun für die 3SACD doch zu teuer

    Ich habe sie noch etwas günstiger bekommen als sie jetzt zu haben sind, aber über 10 Euro haben sie trotzdem gekostet. Nicht wirklich teuer, aber auch keine Ramsch-Preise. Da ich aber echte Surround-Aufnahmen sammle, auch schon viele sehr gute digitalisierte Quadrophonie-Aufnahmen habe und die künstlerische Qualität hier so gelobt wurde, habe ich dann mal zugeschlagen.

    Diese Aufnahmen sind auch auf SACD erschienen, für die auf die originalen Analog-Bänder zurückgegriffen wurde. Da die Aufnahmen damals offenbar im Quadrophonie-Verfahren entstanden sind, konnten dafür alle 4 Kanäle verwendet werden. Ich kaufe ja selten ungehört CDs, aber angesichts der Lobeshymnen auf diese Aufnahmen und da ich ein großer Freund von Multikanal-Surround-Aufnahmen bin, habe ich zugeschlagen und alle 3 SACD bestellt.


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    Man könnte den Titel dieses Thread ein wenig abwandeln:

    BARENBOIM, Daniel: Vom großartigen Pianisten zum mittelmäßigen Dirigenten.

    Das ist eine Boshaftigkeit, die allerdings nicht verwundert bei jemandem, dessen musikalischer Horizont irgendwann Mitte der 70er des vorigen Jahrhunderts endet.

    Kritik und auch weite Teile der Musikhörer blieben zurückhaltend bis ablehnend

    Diese hier mal eben so als Tatsache hingestellte Behauptung ist schlicht und einfach falsch.


    Einige ganz hervorragende Aufnahmen aus neuerer Zeit, die von Kritik und Hörern sehr positiv aufgenommen wurden:





    Und auch als Operndirigent hat er Bleibendes hinterlassen, zum Beispiel diesen "Ring" aus Bayreuth:



    Natürlich kann man berechtigte Kritik an Barenboim üben, es ist sicher nicht alles gut, was er produziert, und meiner Meinung nach geht es gelegentlich auf Kosten der Qualität, wenn man wie er auf allzu vielen Hochzeiten spielt. Und dass er als Person einige wenig sympathische Züge hat, ist in der letzten Zeit auch ans Licht gekommen. Aber ein mittelmäßiger Dirigent ist er gewiss nicht.