Beiträge von Ottavio

    Hallo zusammen,


    Berlin Classics hat in den letzten Monaten die Established-Serie fortgesetzt, in der Titel aus dem Eterna-Archiv wiederveröffentlicht werden.



    Die Bilanz fällt aus meiner Sicht gemischt aus. Manches ist bekannt und nicht vorbehaltlos zu empfehlen, etwa die 'Bilder einer Ausstellung' mit Igor Markevitch, die zu den späten und keineswegs besten Aufnahmen des Künstlers zählen. Andere Titel - wie die Beethoven-Sinfonien unter Konwitschny - haben zwar historisch eine gewisse Bedeutung, aber waren eigentlich ständig im Katalog.


    Konwitschnys Brahms 1-Aufnahme von 1962 hingegen ist eine höchst bedeutendes Dokument, das lange Zeit nicht verfügbar war. Leider bleibt die Klangqualität dieser Aufnahme hinter den internationalen Möglichkeiten der damaligen Zeit zurück.


    Wenn man die klanglichen Defizite der frühen Eterna-Aufnahmen der fünfziger und sechziger Jahre hört, so ist es umso erstaunlicher, wie sich die Aufnahmequalität in den darauf folgenden Jahrzehnten entwickelt hat. Manche Wiederauflagen haben mich klanglich tatsächlich überrascht. Das Klangbild der Ravel-Platte mit Günther Herbig fand ich in der Vergangenheit doch nicht so ganz präsent; während ich nun von der gut ausbalancierten Orchesterabbildung vor allem bei der Ma mere L'Oye-Suite sehr angenehm überrascht war.


    Die Eterna-Aufnahmen der achtziger Jahre schätze ich klanglich sehr, auch wenn sie bisweilen etwas halliger als die Aufnahmen der westlichen Majors klingen.


    Wunderbar etwa die Abbildung und die unvergleichliche Noblesse der Dresdner Staatskapelle in ihrem Wagner-Album mit Hiroshi Wakasugi, das der Tonmeister Claus Strüben in der Lukaskirche aufgenommen hat.


    Es ist kein Geheimnis, dass die DDR ein Paradies der späten Analogaufnahmen war. Auch Eterna hat erst ab Mitte der achtziger Jahre weitgehend auf Digitalaufnahmen umgestellt, aber auch danach manche Produktionen ausschließlich oder parallel in höchster Qualität analog aufgenommen. Die nun vorgelegten Titel wurden meist neu von ihren Analogbändern gemastert, so dass sich das Klangbild etwas von den bisherigen CD-Veröffentlichungen unterscheidet.


    Zu meiner Freunde bietet die Serie nicht nur Wiederveröffentlichungen populärer Aufnahmen -etwa der unterschätzten Aufnahmen der späten Mozart-Sinfonien mit Otmar Suitner-, sondern auch manche Ausgrabung. Hierzu zählt die Box mit Aufnahmen des großen Hornisten Peter Damm, die einige Werke enthält, die erstmals auf CD veröffentlicht werden.


    Besonders hervorheben möchte ich das grandiose Album 'Gala unter den Linden' (2 CDs für 10 €). Das analog aufgenommene Album wurde 1986 produziert und in der DDR zum 750-jährigen Berlin-Jubiläum veröffentlicht. In seinem sehr verdienstvollen Beiträgen hat uns 'Stimmenliebhaber' ein detailliertes Bild vom bedeutenden Ensemble der Berliner in den achtziger Jahren vermittelt. Leider waren bisher nur wenige Recitals und ältere Gesamtaufnahmen mit den Sängerinnen und Sängern der Lindenoper verfügbar. Diese im Studio produzierten Opernszenen vermitteln in hervorragender Klangqualität eine Ahnung von der künstlerischen Bedeutung und Qualität des damaligen Opernensembles. Am Pult standen die schon umfangreich gewürdigten Dirigenten Otmar Suitner und Heinz Fricke sowie die mit dem Haus verbundenen Kapellmeister Arthur Apelt und Siegfried Kurz. Aus meiner Sicht wirklich ein zentrales Dokument zur Geschichte der Lindenoper, das erstmals auf CD veröffentlicht. Ein Glück, da auch die Eterna-LP 1987 nur einmalig in relativ geringer Auflage erschienen ist und dem geneigten Sammler nicht ständig begegnet. Ein sehr guter Einführungstext rundet die aktuelle Edition ab.


    Die CD mit Aufnahmen von Jürnjakob Timm, dem langjährigen Solocellisten des Gewandhausorchesters und -quartetts, enthalten auch die ersten beiden Cello-Suiten von J. S. Bach. Diese bisher nicht als CD vorliegende Aufnahme wurde zum Bach-Jahr 1985 für die gewachsene Bach-Edition von Eterna produziert. Aus unbekannten Gründen, wurde der ursprünglich geplante Zyklus aller Cellosuiten mit Timm von Eterna nicht fortgesetzt.


    Hier die aktuellen Titel der Edition:



    Beethoven: 9 Sinfonien - Gewandhausorchester Leipzig / Franz Konwitschny


    Mahler 5 / Kindertotenlieder - Siegfried Lorenz / Staatskapelle Berlin / Otmar Suitner


    Wagner: Ouvertüren und Vorspiele - Sächsische Staatskapelle Dresden / Hiroshi Wakasugi


    Sammelprogramm: Gala unter den Linden; Opernszenen mit dem Ensemble der Deutschen Staatsoper udL mit Uta Priew, Isabella Nawe, Fritz Hübner, Celestina Casapietra, Peter Schreier, Theo Adam, Bernd Riedel, Magdalena Hajossyova, Carola Nossek, Siegfried Lorenz, Eberhard Büchner, Annelies Burmeister


    Kompilation Peter Damm: Kammermusik und Hornkonzerte (6 CDs) für aktuell 20 €


    Brahms: Sinfonien Nr. 1-4; BSO / Günther Herbig (Aufnahmen 1978-1979)


    Mozart: Sinfonien Nr. 39 und 40 - Staatskapelle Dresden / Otmar Suitner


    Ravel: Orchesterwerke (Pavane / Ma mere l'Oye / Bolero) - BSO / Günther Herbig


    Stravinsky: Feuervogel-Suite + Britten: Sinfonia da Requiem op. 20 - Staatskapelle Dresden / Rudolf Kempe


    Berlioz: Symphonie fantastique - Dresdner Philharmonie / Herbert Kegel


    Brahms 1 - Gewandhausorchester Leipzig / Franz Konwitschny


    Schumann: Cellokonzert / Tschaikowski: Rokoko-Variationen / Bach: Cello-Suiten Nr. 1 & 2 - Jürnjakob Timm (Celllo) / Gewandhausorchester Leipzig / Kurt Masur



    Viel Freude beim (Wieder-)Entdecken der Aufnahmen und der Zeitreise in das Musikleben der DDR.


    Ottavio

    Lieber Rheingold, liebe Taminos,


    bei der von mir (im Oper auf Deutsch-Thread) erwähnte Kegel-Diskografie handelt es sich um die im Grunde sehr gute Diskografie von John Hunt. Bis auf wenige Fehler (u.a. Bilder einer Ausstellung, wo Hunt die Eterna--Studioaufnahme von 1960 mit der ebenfalls existierenden Rundfunkaufnahme - beides RSO Leipzig - verwechselt hat), ist sie sehr gründlich mit den Daten des DRA und den Eterna-Aufnahmezetteln recherchiert. Bei Kegel bezieht sich Hunt außerdem auf die Diskografie von Helga Kuschmitz aus ihrer 2009 erschienenen Kegel-Biografie. In meiner Erinnerung sind sowohl bei Hunt als auch im Kuschmitz-Band ebenfalls die (unveröffentlichten) Rundfunk-Aufnahmen des Dirigenten verzeichnet.


    Hunts Band DDR-Dirigenten enthält außerdem die fast vollständigen Diskografien der Dirigenten Heinz Bongartz, Helmut Koch, Heinz Rögner und Otmar Suitner. Für mich ein unverzichtbares Kompendium für die genannten Künstler und ihre Eterna-Aufnahmen, dass glücklicherweise (für 34,90 €) noch verfügbar ist.




    Beste Grüße


    Ottavio

    Der Onegin-QS, deren Rechte heute bei Warner (alte Eterna-Lizenz an Telefunken) -ansonsten beim DRA- liegen müssten, ist leider nicht als CD veröffentlicht worden. Der abgebildete bzw. auf Eterna / Berlin Classica erschienene Boris Godunov-QS hingegen müsste tatsächlich eine Eterna-Studioproduktion (als QS) aus dem März 1970 aus der Dresdner Lukaskirche (mit der Dresdner Staatskapelle) und keine Auskoppelung aus der undfunkproduktion sein. Leider ist meine Kegel-Diskografie urlaubsbedingt nicht greifbar, so dass ich nicht nachschauen kann, ob es eine Gesamteinspielung des DDR-Rundfunks gab. Die hat / hätte Kegel jedoch dann sicherlich mit "seinem" RSO Leipzig und nicht der Staatskapelle produziert. Schade, dass Kegel für Eterna nicht mehr Opern eingespielt hat.


    Beste Grüße


    Ottavio

    Lieber Stimmenlebhaber,


    vielen Dank für dein umfangreiches Hintergrundwissen. Die von Herz erwähnte Wackelpartie überrascht mich ja schon sehr. Auf dem 1974 entstandenen Recital mit Kurt Masur hatte sie ja technisch-darstellerisch schon ein beachtliches Niveau erreicht und konnte das perlmuttfarbene Timbre ihrer jugendlichen Stimme wunderbar darstellen; schön, dass es dieses Dokument gibt.


    Ihre Desdemona als Live-Mitschnitt ist sicherlich ein spannendes Dokument.


    Beste Grüße


    Ottavio

    Hallo zusammen,


    ich wünsche der Serie auch viel Erfolg und interessante weitere Folgen. Ich denke auch, dass die Rahmenbedingungen vor Hintergrund des schrumpfenden Tonträgermarktes nicht einfach sind, aber ein wirtschaftlicher Erfolg ist zumindest möglich, wenn die Titel und Interpreten genug "Zugkraft" haben.


    Entsprechend der Ankündigung sollen hierbei auch Titel veröffentlicht werden, die bisher nicht auf CD vorlagen oder seit Ewigkeiten gestrichen waren.


    Die Rösel-Aufnahmen gab es 1989 bereits einmalig als CD auf dem Lunar-Label, sie waren jedoch - meine ich - seit über zwanzig Jahren nicht mehr verfügbar. Für eine Wiederveröffentlichung in der neuen Serie sprach sicherlich die Tatsache, dass das Originalalbum bereits die drei wahrscheinlich populärsten Beethoven-Sonaten zusammenfasste. Im Falle von Dieter Zechlin hätte dieses Konzept mit seinen anders gekoppelten Alben der Beethoven-Gesamtausgabe sicherlich nicht in dieser günstigen Repertoire-Fügung funktioniert.


    Auch sind die 1980 und 1982 in ausgereifter Analogtechnik entstandenen Rösel-Aufnahmen den deutlich älteren Zechlin-Aufnahmen deutlich überlegen. Ich selbst bevorzuge bei den drei wiederveröffentlichten Sonaten den Zugriff von Rösel bzw. die klug disponierten Proportionen seiner Interpretationen gegenüber den Zechlin-Aufnahmen, die ich nicht sonderlich schätze.


    Um zur neuen Serie zurückzukehren: Für den Ansatz einer anspruchsvollen Vinyl-Wiederveröffentlichug war sicherlich auch relevant, dass es sich um eine gut klingende Analogaufnahme handelt. Dies ist bei den ersten vier Veröffentlichungen sicherlich zutreffend. Interessant ist die Tatsache, dass die Vinyl-Wiederveröffentllichung teilweise vom urprünglichen Eindruck der Eterna-LP abweicht. So wird Rösels Flügel bzw. seine Anschläge in der Neuauflage präziser abgebildet, das Klavier klingt jedoch nicht ganz so körperreich und "singend" wie bei der Ursprungsausgabe.


    Bei Schreier ist die neue LP extrem dicht am Original. Bei diesem Mozart-Recital habe ich zum Vergleich mit dem Eterna-Original zusätzlich eine Decca-Pressung derselben Aufnahme aus den 70er Jahren herangezogen. Diese UK-Pressung für den US-Markt (London-Label) mit einer englischen Matrize hatte klanglich (jenseits des besseren Vinyls) gegenüber der Eterna und BC-LP keinen Vor- oder Nachteil, vor allem keine bessere Dynamik - alle Ausgaben waren geradezu erstaunlich konstant im Klangbild. Für frühe Eterna-Aufnahmen typisch erhöhter, aber nicht störender Nachhall, da die Dresdner Lukaskirche zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht mit den späteren Akustik-Elementen ausgerüstet war. Das Band aus den 60ern scheint noch in sehr gutem Zustand.


    Beste Grüße


    Ottavio

    Hallo Knusperhexe,


    nach meiner Info existieren zu den meisten enthaltenen Opernaufnahmen keine Gesamtaufnahmen, da die meisten Werke im Studio nur als Quuerschnittt produziert wurden.


    Für folgende Opern sind bzw. waren Gesamtaufnahmen verfügbar, aus denen die Querschnitte ediert wurden:



    Verkaufte Braut / Suitner

    Tosca / Stein



    Barbier / Suitner


    Mozart und Salieri sowie Gianni Schicchi sind eh' Gesamtaufnahmen.


    Ich meine, dass der Faust-/Margarethe-QS aus einer Gesamtaufnahme des DDR-Rundfunks zusammengestellt wurde, der jedoch nicht veröffentlicht worden sein dürfte. (Stimmenliebhaber weiß hier sicherlich mehr..).


    Die Aufnahmen mit Anneliese Rothenberger und der Staatskapelle Dresden, die in den frühen 70ern von Eterna gemeinsam mit EMI-Electrola produziert wurden, waren ebenfalls nur als QS angelegt, da ab diesem Jahrzehnt Oper auf deutsch auf dem westdeutschen Plattenmarkt bereits auf dem Rückzug war.


    Leider hat Eterna in den 80ern die Opernaufnahmen mit den gewürdigten Sängerinnen und Sängern der DDR deutlich zurückgefahren und sich auf wenige Mitschnitte (Palestrina u.a.) und Aufnahmen neuer Werke von DDR-Komponisten (Matthus: Judith, Graf Mirabeau u.a.) fokussiert. Über die Gründe dieser Neuausrichtung bzw. das Ausbleiben weiterer Gesamtaufnahmen des bekannten Opernrepertoires kann man spekulieren; sicherlich haben sich bis auf wenige (originalsprachliche) Ausnahmen (Les Contes d'Hoffmann mit Jeffrey Tate, Orfeo ed Euridice mit Hartmut Haenchen, zuletzt frühe Mozart-Opern und -fragmente mit der Staatskapelle Dresden, Fidelio unter Haitink im Herbst 1989) keine neuen Projekte mehr ergeben. Die wenigen in den 80ern entstandenen Vokal-Recitals von Eterna tendierten entsprechend des internationalen Trends und entgegen der herrschenden DDR-Bühnenpraxis zu Aufnahmen in der Originalsprache. Dies wurde jedoch nicht ganz konsequent umgesetzt. So singt der Dresdner Tenor Armin Ude auf seinem 1989 (mit Analogtechnik!) aufgenommenen Album Arien aus Onegin, Radamisto und Fra Diavolo auf deutsch, die mit originalsprachlichen Titeln kombiniert wurden.


    Die 1990 in Dresden entstandenen Aufnahmen von Rosenkavalier (Haitink) und Freischütz (Davis) waren noch als Koproduktion mit Eterna geplant, jedoch nach dem Fall der Mauer von EMI bzw. Philips selbst produziert.


    Beste Grüße


    Ottavio

    Hallo lutgra,


    Das Preisgefälle zu den bisherigen Veröffentlichungen ist z. B. beim Sanderling sicherlich zutreffend, aber es ist sicherlich eine individuelle Entscheidung, welches Produkt man bevorzugt und man einen individuellen Mehrwert sieht. Ich finde, dass mit dem neuen Mastering von Christoph Stickel, der u.a. auch die MPS-Gulda-Aufnahmen bearbeitet hat, tatsächlich eine Verbesserung gegenüber der schon guten CD-Veröffentlichung aus den 90ern erreicht wurde.


    Auch die LP-Ausgaben können sich hören lassen. Gerade die Sanderling-Aufnahme von 1982 finde ich klanglich selbst für Eterna-Maßstäbe eindrucksvoll; künstlerisch handelt es sich aus meiner Sicht eh' um eine der besten Aufnahmen der 5. Schostakowitsch-Sinfonie.


    Beste Grüße


    Ottavio

    Hallo,


    neben der Electrola-Box würde ich die Box empfehlen:



    Diese vor einem Jahr erschienene Zusammenfassung und Wiederveröffentlichung bisher einzeln veröffentlichter Opernquerschnitte enthält überwiegend Eterna-Aufnahmen aus der DDR von
    Auber: Fra Diavolo (Aufnahme von 1972)


    +Bizet: Carmen (Aufnahme von 1972)


    +Donizetti: Don Pasquale (Aufnahme von 1971)


    +Dvorak: Rusalka (Aufnahme von 1971)


    +Gounod: Margarethe (Aufnahme von 1971)


    +Mozart: Cosi fan tutte (Aufnahme von 1967)


    +Mussorgsky: Boris Godunov (Aufnahme von 1970)


    +Offenbach: Salon Pitzelberger (Aufnahme von 1970)


    +Prokofieff: Verlobung im Kloster (Aufnahme von 1971)


    +Puccini: Tosca (Aufnahme von 1961); Turandot (Aufnahme von 1972); Gianni Schicchi (Aufnahme von 1972)


    +Rimsky-Korssakoff: Mozart und Salieri (Aufnahme von 1980)


    +Rossini: Der Barbier von Sevilla (Aufnahme von 1965)


    +Smetana: Die verkaufte Braut (Aufnahme von 1962)


    +Verdi: Aida (Aufnahme von 1972); Don Carlos (Aufnahme
    von 1965); La Forza del Destino (Aufnahme von 1965); Rigoletto (Aufnahme
    von 1971); La Traviata (Aufnahme von 1971)



    Beste Grüße


    Ottavio

    Hallo zusammen,


    Edel hat eine neue Serie zur Auswertung des Eterna-Katalogs begonnen, deren erste Titel im Mai erschienen sind:


    Schostakovich 5 mit Sanderling und dem BSO



    Beethoven-Sonaten mit Peter Rösel



    Die legendäre Kluge mit Herbert Kegel



    und Peter Schreiers Mozart-Recital mit der Staatskapelle Dresden von 1967.



    Alle Aufnahmen wurden in diesem Jahr von den Originalbändern neu gemastert; es handelt sich zumindest mit der verbesserten Klangqualität nicht um die fünfte Wiederveröffentlichung der alten Digitalmaster, die den bisherigen CD-Ausgaben zu Grunde lagen.


    Die Edition ist zugegebenermaßen hochpreisig, aber sorgfältig ausgestattet (Gatefold mit Mini-Cover bzw. Reproduktion des Original-Covers und Fasimile des Aufnahmezettels / Bandkartons).


    Die Titel gibt es für die Freunde des Vinyls als aktuelles AAA-Master -also rein analog gemastert- auch als Schallplatte.


    Den Veröffentlichungen sollen in den nächsten Monaten weitere interessante Titel, darunter einige CD-Erstveröffentlichungen aus dem Eterna-Archiv folgen.


    Für Sparsame ist beim Werbepartner aktuell eine gut bestückte Suitner-Box (11CDs) für 9,99 € verfügbar, die u.a. seine späten Bruckner-Aufnahmen sowie seine ebenfalls in den 80ern entstandenen -vergriffenen- Aufnahmen der 2. und 5. Mahler enthält.


    Auch die Box mit den höchst bedeutenden Schubert-Aufnahmen von Siegfried Lorenz (ebenfalls 9,99 €) möchte ich besonders empfehlen.

    Beste Grüße


    Ottavio

    Hallo liebe Taminos, lieber Stimmenliebhaber,


    mit großer Freude folge ich euren bzw. deinen Beiträgen zu den großen Sängerinnen und Sängern der DDR und der Würdigung des alten Staatsopern-Ensembles.


    In der näheren Auseinandersetzung mit diesen bedeutenden Künstlern ist meine seit langem ungelöste Frage wieder aufgetaucht, wie lange Anna Tomowa-Sintow in der DDR gelebt hat und wann sie ggf. in die Bundesrepublik (?) übersiedelt ist. Oder lebte sie (schon vorher) außerhalb ihrer Termine mit ihrer Familie überwiegend in Bulgarien?


    In welchen Zeiträumen lebte sie zuvor während ihrer Bindungen an die Staatsoper und die Oper Leipzig in der DDR? Nach meiner Info bzw. deinen Beiträgen zu den Spielplänen der Staatsoper ist sie dort ab etwa Mitte der 1980er nur noch selten bzw. als Gast in diesem Haus aufgetreten.


    Auf ihren Schallplattenaufnahmen wurde sie als eine der Lieblingssängerinnen Herbert von Karajans in seinen späten Aufnahmen umfangreich dokumentiert. In der DDR hat sie aber in den 80ern nichts mehr aufgenommen, oder? War sie nach der Berliner Staatsoper an ein anderes Opernhaus oder -ensemble gebunden?


    Beste Grüße & Danke :)


    Ottavio

    Lieber Musikwanderer, liebe Taminos


    ich habe mich auch sehr über den Kleinert-Beitrag und eure Beiträge zu seiner Diskografie gefreut.


    Das hat mich angeregt, heute morgen nach langer Zeit auch mal wieder seine Aufnahme der Enigma-Variationen zu hören, die er kurz vor seinem Schlaganfall 1971 eingespielt hat. In der Präzision lässt diese Wünsche offen, dafür ist die Aufführung insgesamt sehr inspiriert und voller Wärme. Das von mir sehr geschätzte Werk hat mich schon lange nicht mehr so bewegt, wie in Kleinerts Aufnahme.


    Obwohl Kleinert durchaus als respektabler Dirigent galt, wurde er als Dresdner nach meinem Wissen nie von der Staatskapelle als Gastdirigent eingeladen, was ich bei der damaligen Situation der Kapelle erstaunlich finde. Auch beim Überfliegen der Literatur zur Dresdner Philharmonie konnte ich auf Anhieb kein Konzert mit Kleinert feststellen.


    Das Thema Kleinert hat bei mir wieder zu ernsthaftem Groll geführt, wie der Rundfunk mit dem Erbe seiner Aufnahmen umgeht - ein Thema, dass ich sicherlich demnächst in einem eigenen Thread behandele. Ich kenne das DRA nur aus der Ferne und habe für beauftragte Mitschnitte bestimmter Aufnahmen auch schon eine ansehnliche Summe ausgegeben.


    Beste Grüße


    Ottavio

    Zuletzt Brahms Dritte mit Keilberth und den Bamberger Symphonikern; diese hervorragende Telefunken-Aufnahme (SLT 43088) scheint aktuell nur noch in der folgenden Kompilation veffügbar zu sein. Warrner geht offensichtlich nicht mehr davon aus,dass noch jemand die bedeutenden Keilberth-Aufnahmen kauft.


    Nun läuft eine Rarität aus den 50ern; Tippets 2. Streichquartett Fis-dur und Matyas Seibers Quartetto Lirico; beide gespielt vom Amadeus-Quartett - eine scheinbar nicht wiederveröffentlichte Monoaufnahme von His Master's Voice (ALP 1302).


    Grüße


    Ottavio

    Ich habe jetzt - auf der Suche nach ehemaligen Berühmtheiten, deren Glanz ein wenig verblasst ist - ein wenig im Internet gestöbert. Dabei ist mir aufgefallen, daß viele Pianisten auch lange nach ihrem Tod in Erinnerung geblieben sind - Backhaus - Kempff - Gieseking - Schnabel - und oft sogar als Referenz genannt werden, wogegen es bei den Geigern nicht so rosig aussieht. Wolfgang Schneiderhan, Christian Ferras, Henry Szering wird man ja noch vereinzelt kennen, aber wie sieht das mit Carl Flesch und Georg Kulenkampff aus? Weitere Namen können genannt werden. Ja ich weiß - es gibt einige Cds - auch heute noch. Wer aber kauft sie noch, angesichts der vielen Geigerinnen der letzten Jahre... ?


    mfg aus Wien
    Alfred


    Hallo Alfred,


    deine Einschätzung teile ich durchaus. Bei den Cellisten sieht die Sache auch nicht besser aus. Man denke an die stilprägenden großen französischen Cellisten Maurice Gendron, André Levy, Maurice Marechal, Henri Honegger, Annelies Schmidt de Neveu und Guy Fallot.


    Bei den Violinisten fallen mir spontan noch Bronislaw Huberman, Vasa Prihoda, Michael Rabin und Joseph Szigeti und Ginette Neveu ein, deren Leistungen und Ruhm zu Lebzeiten vergessen scheinen.


    Ich bin fest überzeugt, dass der "Nachruhm" bzw. die anhaltende Rezeption maßgeblich von der medialen Verfügbarkeit und nicht zuletzt Marketingeinflüssen abhängt. Nehmen wir die Pianisten. Elly Ney, Backhaus, Kempff, Gieseking, Solomon und Edwin Fischer waren herausragende Beethoven-Interpreten ihrer Zeit, die alle in der Zeit von 1930-1960 Schallplattenaufnahmen produziert haben. Elly Ney ist sicherlich nicht weniger bedeutend als Backhaus oder Giseking. Allerdings hatte sie nicht das Glück, dass ihre Aufnahmen bei Decca, der Deutschen Grammophon oder EMI über Jahrzehnte stets wiederveröffentlicht und entsprechend neu rezensiert und beworben wurden. Ney hat zwar zwei Platten bei der Grammophon und Schellack-Platten für EMI aufgenommen, die aber im Gegensatz zu den anderen genannten Pianisten oft jahrelang nicht verfügbar waren und heute ggf. ohne nennenswerte Aufmerksamkeit von kleinen historischen Labels wiederveröffentlicht werden. Von ihren Aufnahmen bei Colosseum spricht heute kein Mensch mehr. Hätte sie dieselben Werke in den 50ern bei DGG oder in Stereo aufgenommen, wäre sie heute möglicherweise deutlich bekannter. Gieseking ist heute so präsent, weil er in den 1950ern bei EMI zentrale Sonaten für die LP einspielte, als er jedoch technisch schon deutlich abgebaut hatte. Die für seinen Ruhm und seine Beethoven-Interpretationen repräsentativeren Schellack-Aufnahmen sind heute fast unbekannt. Backhaus und Kempff haben sämtliche Sonaten in den 50ern und 60ern je einmal in mono und Stereo eingespielt und in waren in Anbetracht ihrer Bedeutung und der für den Verkauf noch wichtigeren marktfähigen Klangqualität stets in den Katalogen der Label präsent. Entweder der Ruhm von Interpreten wird durch einzelne Aufnahmen von ikonischem Rang (Wohltemperiertes Clavier und Bethoven op. 73 bei Fischer), (Bach-Suiten, Dvorak-Konzert bei Casals) bewahrt, die fast ständig verfügbar sind, oder nachfolgende Generationen interessierter Musikfreunde werden durch die stete Wiederveröffentlichungen, deren Erscheinen auch wahrgenommen wird (!), auf historische Interpreten aufmerksam. Im Falle von Ingrid Haebler scheitert es offensichtlich an der Kontinuität der Wiederveröffentlichungen. Manches ist zwar auf CD erschienen, aber die Aufnahmen wurden von Decca / Philips eben nicht in der Breite ihrer vollen Diskografie und nicht in sechs- bis achtjährigen Intervallen wiederveröffentlicht.


    Meine These der Korellation der aktuellen Interpretenbekanntheit mit einer kontinuierlichen breiten Verfügbarkeit der Aufnahmen bestätigt sich auch bei den Streichern: Die von mir genannten Cellisten waren im Frankreich der 50er Jahre durchaus berühmt. Tortelier und Fournier und letztlich auch Casals haben Ihre anhaltende Bekanntheit letzlich vor allem der Tatsache zu verdanken, dass sie für EMI oder DGG aufgenommen haben UND ständig wiederveröffentlicht wurden. Hätten sie für französische Label wie Lumen, Erato, Ducretet-Thompson oder Pathé in mono aufgenommen oder ihre (major) Label wären in den 70ern untergegangen, wer würde sie heute noch kennen? Mainardi hat zwar die Bach-Suiten in den 50ern für Archiv aufgenommen, aber im Gegensatz zum ständig verfügbaren Fournier-Zyklus wurden diese Aufnahmen bis vor kurzem nicht wiederveröffentlicht und waren ca. 50 Jahre nicht verfügbar. Stellt euch vor, die Wirkung wäre vertauscht worden und Fournier nur einmalig aufgelegt worden. Dann wäre die aktuell unterschiedliche Bekanntheit der beiden Cellisten möglichweise umgekehrt. Geraunte Legenden unter Kennern und hartnäckigen Sammlern sowie Einträge in Interpretenlexika können die Wirkung gut verfügbarer und attraktiver Aufnahmen und ein Bewusstsein für die Existenz und Relevanz bestimmter Dokumente (!) für die breite Basis medieninteressierter Musikfreunde nicht ersetzen.


    Viele Grüße


    Ottavio

    Lieber Holger,


    mit deiner Vermutung hast du Recht. Die beiden letzten Sätze sind in der Satzbezeichnung auf der Hülle zusammengefasst aber vollständig, was die Gesamtzeit von über 23min erahnen lässt. Ich habe die LP leider auch nicht sondern mir vor einigen Jahren von der LP eines Freundes überspielt. Leider kann ich die MD gerade nicht finden. Aber bei ebay.com gibt's die LP (Everest X-904) derzeit mehrfach für unter 12 $ Sofort-Kauf zzgl. der Versandkosten aus den USA. Sie ist leider nur bei uns recht selten und entsprechend schwer zu finden. Ich sammle seit Jahren auch jede Hofmann-LP, die mir begegnet, aber ausgerechnet diese LP ist mir noch nicht beim Händler begegnet und ich habe die Bestellung trotz des günstigen Preises auch nicht in Angriff genommen, da mir bei US--Bestellungen andere Aufnahmen meist wichtiger waren. Aber wenn du sie für dein Projekt suchst, ist die LP wirklich eine wichtige Ergänzung für dich und ein soooo großes Glück, dass uns die Details von Hofmanns Spiel in diesem Detailreichtum und dieser guten Klangqualität überliefert sind. :)


    Beste Grüße
    Ottavio

    Von Chopins Sonate b-moll gibt es leider nur eine Welte-Mignon-Aufnahme der beiden letzten Sätze (Trauermarsch und Finale). Schade! (Siehe meinen speziellen Thread dazu!

    Lieber Holger,


    als LP gibt es glücklicherweise die ganze b-moll-Sonate; Everest hat die Klavierrollen bzw. deren Wiedergabe auf dem Welte-Flügel in den frühen 1960ern sehr ordentlicher Stereo-Qualität aufgenommen und die folgende LP mit der b-moll-Sonate 1965 veröffentlicht:



    Leider scheint sie tatsächlich und unverständlicherweise -im Gegensatz zu manch grenzwertiger akustischer Aufnahme- nicht auf CD vorzuliegen. :(


    Beste Grüße
    Ottavio

    eben lief Bachs erste Cellosuite BWV 1007 in der neuen Aufnahme mit Isang Enders


    gewöhnungsbedürftiges (recht schnelles) Tempo vor allem im ersten Satz, bisweilen auch überraschende Phrasierungen



    nun die gute alte Curzon-Aufnahme von Brahms dritter Klaviersonate

    Zum Thema des Forums fällt mir mit einer besonders deutlichen Diskrepanz des einstmaligen Ruhms zur aktuell breiten Unbekanntheit der große Pianist Josef Hofmann ein. Nach seinem Debut mit 10 und einer ausgedehnten US-Tournee galt der in Polen geborene Hofmann als Wunderkind von Rang. Eine großzügige Spende des Mäzens Edward Clark verhinderte, dass Hofmann mit diesem Ruf "verheizt" wurde. Statt dessen eine hervorragende, kontinuierliche Ausbildung bei Moritz Moszkowski in Berlin, Anton Rubinstein und Eugen d’Albert, die ihm im Gegensatz zu anderen Wunderkindern (wie Menuhin) im entscheidenden Alter die Vervollkommnung der Technik und Entwicklung seines künstlerischen Potentials ermöglichte.


    Hofmann galt als einer der berühmtesten Pianisten seiner Zeit und ist aus meiner Sicht mit Rachmaninoff einer der besten Chopin-Interpreten des 20. Jahrhunderts und insbesondere der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Seine stupende Technik und seinen makellosen Anschlag kann man von seinen zwischen 1903 und seinem Carnegie-Hall-Konzert 1946 entstandenen akustischen Aufnahmen teilweise nur erahnen. Glücklicherweise gibt es einige Welte-Mignon-Aufnahmen ausgewählter Werke, die zwischen 1912 und 1923 auf der Höhe seines Könnens entstanden sind und sämtliche Vorzüge seines eminenten -kraftvoll-nuancierten- Spiels deutlich werden lassen. Diese Klavierrollen bzw. deren Wiedergabe auf dem Welte-Flügel wurden in den 1960ern vom Everest-Label in hervorragender Klangqualität aufgenommen und auf 5 (?) LPs (teilweise eigener Werke) vorgelegt, aus denen die Aufnahme von Chopins b-moll-Sonate herausragt.


    Nach einem schleichenden Niedergang seiner technischen Fähigkeiten in den 40ern und fortschreitendem Alkoholismus verabschiedete sich Hofmann 1946 mit seinem Carnegie-Hall-Concert aus dem öffentlichen Musikleben, zu dem ihm die bedeutendsten Pianisten seiner Zeit die Ehre erwiesen. Dieses Konzert wurde auf Schallplatte bei CBS veöffentlicht, ist aber wie der größte Teil der Klavierrollen-Aufnahmen derzeit nicht verfügbar.


    Ich bin sicher, dass Hofmann vielen von euch bekannt ist. Aber bereits in den letzten 50 Jahren war Hofmann stets ein Pianist für Kenner, der seinen Ruhm und breite Bekanntheit schnell einbüßte.

    Hallo Taminos,


    entweder ich habe die Aufnahme auf Grund der vorgerückten Uhrzeit nicht gesehen, oder sie ist noch nicht genannt worden.



    Neben Solti schätzeich unbedingt die Walküre mit Leinsdorf: Vickers, Birgit Nilsson und der unvergleichliche George London, den ich neben Hans Hotter für den bedeutensten, unerreichten Wotan auf Schallplatte halte.


    Alles in einer überragenden Klangqualität (Decca für RCA), die gegenüber Solti absolut konkurrenzfähig ist. Ansonsten ist mir die Bruno Walter-Aufnahme des ersten Akt mit Lotte Lehmann / Lauritz Melchior und dem großen Emanuel List als Hunding eine besonders wichtige Aufnahme, die den Wagner-Gesang der Zwischenkriegs-Zeit auf ihrem Höhepunkt dokumentiert.


    Beste Grüße


    Ottavio

    Hallo liebe Taminos,


    ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für den (immer noch) unterschätzten Dresdner Siegfried brechen.


    Ich tue mich zwar schwer mit der Entscheidung, ihn vor Solti zu stellen, aber insbesondere orchestral ist er einfach großartig und kann es durchaus mit den Wienern aufnehmen. Karajan ist in meiner Aufassung zumindest mit dem Siegfried weit abgeschlagen.


    Der Dresdner Ring besticht für mich neben der schieren Klangkultur der Staatskapelle und dem hervorragenden Klang vor allem durch die Transparenz der Leitmotivik, die vor allem Janowskis Dirigat und der Akribie seines Probenprozesses zu verdanken ist. Großartige tonmeisterliche Leistung von Claus Strüben, dem in allen Teilen der Tetralogie, die zwischen 1980-83 produziert wurden, ein kraftvolles und erstaunlich einheitliches Klangbild gelungen ist.


    Vokal kann sich die Janowski-Aufnahme zwar weder mit den bereits genannten Aufnahmen der 50er und 60er und manch älterer Aufnahme (Melchior!) ernsthaft messen, jedoch für die in den 80ern zur Verfügung stehenden Sänger respektabel. An den Wotan von Theo Adam musste ich mich wegen seiner für Wotan doch zu leichten / hohen Stimmlage lange gewöhnen, aber die Diktion bzw. seine Rollengestaltung gleicht auch hier manches aus.


    Wenn ich mich ganz eindeutig entscheiden müsste, würde ich final doch für die alles überragende Solti-Aufnahme votieren, die mir jahrelang eine der liebsten und meistgehörten Wagner-Aufnahmen in meiner Sammlung war. Ich bin nach wie vor derart extrem auf die Interpretationen von Hotter, Windgassen, Neidlinger und Böhme eingehört; die gegenüber der Böhm-Aufnahme und anderen Bayreuth-Mitschnitten akustisch einfach überragend inszeniert und bewahrt wurden, selbst wenn die genannten Sänger sich nicht (mehr) durchgehend auf der absoluten Höhe ihres Könnens befanden.


    Die klangliche Realisierung des Solti-Rings ist auch 50 Jahre nach seiner Entstehung Referenz. Trotzdem mag ich den Janowski-Siegfried als für mich zunehmend wichtiger werdende Aufnahme nicht mehr missen und kann ihn denen, die ihn nicht kennen sollten, nur wärmstens empfehlen.


    Beste Grüße


    Ottavio



    Ich war gestern in den 'Soldaten' in der Münchner Staatsoper - hier die
    Besetzung:



    Musikalische Leitung
    Kirill Petrenko
    Inszenierung
    Andreas Kriegenburg
    Bühne
    Harald B. Thor
    Kostüme
    Andrea Schraad
    Licht
    Stefan Bolliger
    Klangregie
    Wolfram Nehls
    Choreographie
    Zenta Haerter
    Kostümassistenz
    Sophie Leypold
    Bühnenbildassistenz
    Thomas Bruner
    Produktionsdramaturgie
    Malte Krasting




    Wesener
    Christoph Stephinger
    Marie
    Barbara Hannigan
    Charlotte
    Okka von der Damerau
    Wesners alte Mutter
    Hanna Schwarz
    Stolzius
    Michael Nagy
    Stolzius´ Mutter
    Heike Grötzinger
    Obrist
    Tareq Nazmi
    Desportes
    Daniel Brenna
    Ein junger Jäger
    Steve Pucker
    Pirzel
    Kevin Conners
    Eisenhardt
    Christian Rieger
    Haudy
    Tim Kuypers
    Mary
    Wolfgang Newerla
    1. Offizier
    Peter Tantsits
    2. Offizier
    David Sitka
    3. Offizier
    Dean Power
    Die Gräfin de la Roche
    Nicola Beller Carbone
    Der junge Graf
    Alexander Kaimbacher
    Andalusierin
    Makoto Sakurai
    1. Fähnrich
    Daryl Jackson
    2. Fähnrich
    Steve Pucker
    3. Fähnrich
    Christian Prager
    Madame Roux
    Karin Kreitner
    Der Bediente
    Johannes Terne
    Der junge Fähnrich
    Matthias Bein
    Der betrunkene Offizier
    Manuel Adt
    1. Hauptmann
    Eric Price
    2. Hauptmann
    Frederic Jost
    3. Hauptmann
    Niklas Mallmann



    • Bayerisches Staatsorchester



    Da dies meine ersten 'Soldaten' waren, fehlen mir die Vergleichsmaßstäbe, aber nach meiner Einschätzung wurde dieses in jeder Hinsicht anspruchsvolle Werk musikalisch und szenisch vorbidlich aufgeführt. Petrenko gelang es wieder einmal, das Staatsorchester durch die hochkomplizierte Partitur zu führen. :jubel: Äußerst eindrucksvolles Musiktheater, dass an die Grenzen der Gattung stößt. Unverdient sehr verhaltener Publikumsapplaus für die SängerInnen bis auf die hervorragende Barbara Hannigan, die die Hauptrolle der Marie eindringlich gestaltete; deutliche Anerkennung des Publikums für Petrenko und das Staatsorchester.


    Ottavio

    Ja, List war wirklich ein Hunding von Format, der uns ja glücklicherweise in der Walter-Aufnahme des ersten Walküren-Akts überliefert ist.


    Meine Tages-Playlist:


    E. H. Meyer: Mansfelder Oratorium (Teil I und II)
    Live-Aufnahme Rundfunk der DDR
    Nova 885244/45 (P 1985); nicht auf CD erhältlich


    B. A. Zimmermann: Die Soldaten (IV. Akt)
    Mitschnitt der UA / Oper Köln / Dir. Michael Gielen
    Wergo 60030


    Richard Wagner: Rienzi-Ouvertüre / Lohengrin-Vorspiele zum I. und III. Akt
    Staatskapelle Dresden / Hiroshi Wakasugi
    Eterna 725037


    Holst: The Planets
    LAPO / Zubin Mehta
    Decca SXL 6529


    Rimsky-Korsakoff: Le Coq-d'Or-Suite
    LSO / Dorati
    Mercury SR 90122


    Beethoven: Sinfonie Nr. 9
    Staatskapelle Dresden / Blomstedt
    Live-Aufnahme aus der Semperoper Dresden vom März 1985
    Eterna 827 920-21


    W.A. Mozart: Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218
    Joseph Szigeti / London Philharmonic Orchestra / Sir Thomas Beecham
    Aufnahme Oktober 1934
    Electrola Dacapo 1C 053-01 364


    Borodin: Sinfonie Nr. 2
    Staatskapelle Dresden / Kurt Sanderling
    Aufnahme: Nov 1960
    DGG SLPM 138 686

    Hallo Ralf, liebe Forianer,


    ich hatte auch das Glück, am Sonntag den Tristan mitzuerleben.


    Vokal beeindruckend und bewegend, auch wenn Peter Seifert und Waltraud Meier nicht ganz in Höchstform waren.


    Aber das wirklich überragende Ereingnis war das Spiel der Staatskapelle unter Barenboim: ich kann mich der hervorgehobenen Einschätzung der Piano-Kultur nur anschließen; kraftvoll und doch außerordentlich transparent; ein in den Klangfarben und in der Dynamik unerhört fein nuanciertes Orchesterspiel, dass mich sprachlos gemacht hat.


    Wirklich denkwürdige Aufführung.


    Liebe Grüße


    Ottavio

    Genau darum geht es: Ich will die Sachen haben. Und zwar in bestmöglicher Qualität.

    Geht mir persönlich auch so. Ich bin nur nicht ganz konsequent, wenn mir die Aufnahme nichts bedeutet oder ich sie eh' nur alle fünf Jahre höre.


    Kaufst du dir dann die wichtigen Aufnahmen deiner Sammlung ggf. drei oder vier Mal, wenn du bei jüngeren Wiederauflagen auf BluRay-Audio, SACD oder -wie jetzt bei der jüngsten Callas-Edition- neu gemasterten CDs den Eindruck einer klanglichen Qualitätsverbesserung hast?


    MFG


    Ottavio

    Da mir auch nach längerem Grübeln kein(e) passende(r) SängerIn eingefallen ist, habe ich zur Auflösung im Kesting "gespickt, der den engischen lyrischen Tenor Tenor David Rendall kennt. Dieser Sänger (Jg. 1948) ist mir trotz meiner größen Sänger-Sammlung persönlich nicht bekannt. Nach dem englischen Wikipedia-Eintrag reüssierte er vor allem in den 80er Jahren in Covent Garden, aber auch an der ENO sowie der Met in folgenden Rollen (hab ich auf Grund der vorgerrückten Uhrzeit nicht mehr übersetzt): Sänger in Der Rosenkavalier, Almaviva in The Barber of Seville, Des Grieux in Manon, Matteo in Arabella, Rodrigo in La donna del lago, Flamand in Capriccio, and the Duke in Rigoletto.[2] After making his Metropolitan Opera debut in 1980 as Don Ottavio in Don Giovanni,[3] he returned to perform Lensky in Eugene Onegin,[4] Matteo in Arabella,[5] and the title role of Idomeneo. Hat er mir doch glatt die Rolle weggeschnappt :P .


    Beste Grüße


    Ottaviohttp://en.wikipedia.org/wiki/D…l_%28tenor%29#cite_note-6

    Ich glaube, bei der Klassik ist der Schaden zumindest bei den reinen Audio-Medien geringer als das Potential für die langfristige Erschließung neuer Käufer / Zielgruppen.


    Eine Lehrerin befragte vor wenigen Jahren Ihre Abiturklasse, welche(r) SchülerIn (noch) über einen CD-Player bzw. eine Audio-Anlage verfüge. Von den 25 Schülern gab lediglich einer an, in seinem Jugendzimmer eine Anlage stehen zu haben. Die AV-Medienrezeption der Anderen war fast ausschließlich nicht tonträgergebunden bzw. beschränkte sich auf die Nutzung von Handys, Streaming mit dem PC / Notebook und mobilen MP3-Playern, unterwegs mit für E-Musik klanglich höchst unerfreulichen Billig-Ohrstöpseln. Über den Anteil rezipierter E-Musik aus Onlinemedien dürfte analog der weiter fortschreitenden Abwendung von klassischen Musikformen und die Entfernung von einstmals selbstverständlichen Bildungsstandards dürfte bei der Reflexion dieses Wandels manche Träne zu vergießen sein. ;(
    Hilft aber alles nichts. Obwohl die hiesigen Musikinstituionen sicherlich noch nie so ein breites, attraktives und altersdiversifiziertes Education-Angebot wie in der Gegenwart hatten, erreichen diese Angebote häufig doch nur -aber immerhin- den restbürgerlich sozialisierten Nachwuchs, der aus eigenen Kulturerlebnissen kritische Maßstäbe und Erwartungen gegenüber Medien und ein Urteilsvermögen aufbauen kann.


    Zumindest der Medienwandel bzw. die Abkehr von den"alten Medien" lässt sich sicherlich nicht mehr umkehren. Der hiermit nicht zwingend verbundene, aber doch symptomatische Verfall innerer und äußerer Qualität vieler Medienangebote bis zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf Grund fehlernder Vergleichsmaßstäbe nicht als Defizit wahrgenommen. Wie sollen diese jungen Menschen die Potentiale bzw. Defizite ohne Referenzen erkennen? Fraglich ist, ob Menschen, die die Welt und ihre Mediengeschichte online - quasi per Maus oder Handyklick - entdeckt haben, wegen im Regelfall unerkannter oder selbst wahrgenommener Potentiale koventioneller AV-Medien ihr bisher lebenslanges Medienverhallten einfach so über den Haufen werfen und sich ihre kleine Studentenbude für viel Geld mit CDs vollstapeln, wenn die Musik, die ihnen wiichtig ist, auf eine Festplatte oder in einen blauen Apfel passt. Mit der ständigen und häufig auch noch kostenlosen Verfügbarkeit von Medien entfällt für den Großteil der heranwachsenden Medienkonsumenten die gefühlte Notwendigkeit, Selbstverständlichkeit und damit die Zahlungsbereitschaft für Qualitätsmedien - zumindest bei Angeboten, deren Defizite nicht bemerkt oder toleriert werden. Möglicherweise treten an Stelle der für uns essentiellen Tonträger Computerspiele, für die sich aus Sicht vieler Nutzer die Zahlung lohnt. Hinzu tritt das ungemein antiquierte Gefühl, sich in Zeiten halbvirtueller Alltagsgestaltung und Lebenswelten platzraubender Medien zu bedienen, die letzendlich doch nicht die Selbstverständlichkeit bieten, auf alles immer ohne Barrieren zugreifen zu können. Für diese Menschen muss es sich absurd anfühlen, für einen Kurzurlaub oder ein Wochenende auf dem Land den großen oder kleinen Mobilitätsbedarf an CD-Stapeln von A nach B zu transportieren oder ins Auto zu laden - um hypothetisch gerade das hören zu können - was man gerne hören würde.


    Natürlich wird es immer Menschen geben, die (irgendwann doch) dem Reiz des Dinglichen erliegen, das dann gerne retro = cool sein darf. Man kann staunen, dass sich in (Vinyl-)Plattenläden zahlreiche Teens tummeln, die die Quintessenz der (U-)Musikgeschichte und ikonische Alben mit nach Hause nehmen - sammeln - jagen - besitzen möchten. Aber dann am besten und streng in den Grenzen und Schubladen eines etablierten und möglichst allgemeingültigen Kanons für die essentiellen und desirablen Dinge / Medien des Lebens - man könnte mit einer eigenen Entscheidung ja was falsch machen oder -viel schlimmer- an der Fassade des überlegenen Geschmacks kratzen oder -wie kürzlich im "Zeit-Magazin" treffend ausgedrückt- die Legende vom eigenen sorgfältig kuratierten Leben beschädigen.


    Wenn 10-20 % der gebildeten Twens mit fortschreitendem Alter zukünftig noch CDs, die per se nicht (ganz so) cool sind, kaufen - finde ich das sehr optimistisch. Menschen werden weiterhin Musik brauchen und Menschen werden sich weiterhin durch ihren Medienkonsum ausdrücken und sich in ihm wiederfinden. Aber der Anspruch und das Bewusstsein, sämtliche Medienformen und -angebote in hoher oder höchster Qualität zu konsumieren wird bezogen auf die reinen Audio-Medien schwinden und für die meisten Menschen eine nachrangige Priorität haben.


    Für den Kern der individuell als bedeutungsvoll empfundenen Aufnahmen und anspruchsvolle Konsumenten mit Qualitätsanspruch werden Tonträger / CDs bis auf weiteres sicherlich weiterhin eine Rolle spielen. Aber die mehr als 60-jährige Kontinuität einer steten generationellen Medienerneuerung mit entsprechender Umsatzgarantie für herkömmliche AV-Medien scheint schwankend und gebrochen. In Deutschland sind weniger als 20 unabhängige bzw. inhabergeführte größere Fachgeschäfte für Klassik-CDs verblieben. Die CD-Abteilungen der meisten großen Elektronikmärkte werden immer weiter eingedampft. Wer meint, dies sei eines der Symptome des langsamen Todes oder einer zumindest ernsthaften Bedrohung einer hinreichend anpassungsfähigen Medienwirtschaft, hat vielleicht Recht. Die Vielfalt, Breite und Qualität des klassischen Tonträgerangebots, die wir als Taminos kennen, schätzen und lieben gelernt haben, wird es in dieser Breite in nicht so ferner Zukunft nach meiner Einschätzung nicht mehr geben. Diesen Trend können wir Taminos mit den wenigen Tausend Musikfreunden auf der Welt, die ein uns vergleichbaren Medienkonsum aufweisen, sicherlich nicht aufhalten. Mit den jetzt unglaublich günstigen (8., 10., oder 15) nochmals verbilligten Wiederausgaben und sinkenden Verkaufszahlen von Neuerscheiinungen alllein kann das aktuelle Produktionsvolumen sicherlich nicht aufrecht erhalten werden. Irgendwann werden die Distributionskosten des verbliebenen Tonträgervertriebs so hoch sein, dass sich dieser auf Mainstream und potentielle Bestseller beschränkt. Anstelle der relativ hochpreisigen Track-Preise einzelner MP3-Titel werden Flatrates treten, die mit wenigen Ausnahmen den legalen Zugriff auf das digitalisierte Erbe der verbliebenen kleinen Plattenfirmen und großen Medienkonzerne (bei Universal entspräche dies im Bereich der E-Musik bzw. Decca / Philips / DGG sicherlich mehr als 15.000 Alben) ermöglichen.


    Bevor ich zur Ausgangsfrage und Youtube zurückkomme,möchte ich als weiteres Beispiel für meine These bzw. den zu erwartenden und notwendigen Wandel möglicher Geschäftsmodelle die von mir sehr geschätzte und häufig genutzte Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker anführen, die je nach Anspruch und Sichtweise des Nutzers Ersatzkonzert und Bildschallplatte sein kann und will und mit einzelnen Tiiteln mit gewisser Verkaufserwartung -sinnvollerweise- nunmehr vom neugeründeten BPhil-Label flankiert wird.


    Trotz meiner Wertschätzung für dieses kostenpflichtige, aber gemessen an der Gegenleistung preiswerte Medienangebot, stelle ich als anspruchsvoller Hörer und regelmäßiger Besucher der Berliner Philharmonie fest, dass die Concert Hall - wen wundert's- weder atmosphärisch noch vom Klangeindruck das echte Konzerterlebnis ganz ersetzen kann. Es ist unglaublich, welche Aufnahmequalität mit der heutigen Technik in Live-Konzerten (Blu-ray und CD-Veröffentlichungen, Go-Live in der Kölner Philharmonie und in der Concert Hall möglich ist). Die Klangqualität kann superb sein. Andererseits sind bsp. in der Concert-Hall Aufnahmen, deren Klangqualität hinter mancher dreißig bis fünfzig Jahre alter Schallplatte zurücksteht). Die neueste Technik allein ist auch in der Medienproduktion kein Garant für eine gegenüber der Vergangenheit stets verbesserte Qualität, wie sie uns die Marketingexperten vermitteln wollen. Dennoch ist es müßig (vom blöden DAB mal abgesehen), pauschalisert zu behaupten, dass mit bestimmten Medienarten und einer dauerhaften "Befreiung" der Musik vom Tonträger zwingend und bis in alle Ewigkeit Qualitätsverschlechterungen auf der einen oder anderen Ebene verbunden sein müssen.


    In den letzten 15 Jahren haben sich die Umsatzanteile der Klassik-Unternehmen erheblich von der CD zu DVD-/BluRay-Veröffentlichungen verschoben, während die Unitel-Produktionen der 70er-90er im Hinblick auf die kläglichen LD-und VHS-Verkäufe zumindest für diese Verwertungsart kaum kostendekend gewesen sein dürften und einen verschwindend geringen Teil des Gesamtumsatzes ausmachten. In weiteren 2-4 Jahren wird sicherlich auch die Streaming-Technologie so fortgeschritten sein, dasss auch Universal & Co. sowohl bei klassischen Musikproduktionen als auch im Bereich Film / Serien und U-Musik verschiedene pauschalierte Angebote (vgl. der Concert-Hall einschl. der schon jetzt live (in Kinos) übertragenen Aufführungen aus der MET und anderen Häusern) neben Einzelmedien anbieten wird, wenn Sie dieses Feld nicht komplett Amazon und anderen Vertriebsgiganten (die bereits jetzt über die Einzellizenzen und die erforderliche Infrastruktur für solche Angebote verfügen) überlassen wollen. Auch wenn wir diese Entwicklungen in unserer Traditionalität und Begeisterung für Tonträger mit erheblicher Skepsis sehen: Die Welt und unser Medienerbe durch diese Entwicklung nicht untergehen. Im Gegenteil: Ich bin fest überzeugt, dass wir uns diesen möglichen neuen Angeboten annähern werden, wie wir andere Medienwechsel als Konsumenten begleitet und gefördert haben.


    Es erscheint fast paradox, dass ausgerechnet die von mir geschätzte Valentina Lisitsa als Inbegriff der über Youtube bekannt gewordenen Künstlerin bei Decca im letzten Jahr (mit heute historischer Technik einschließlich Studer-Bandmaschine aus den 70ern) eine echt analoge Schallplatte (CD wurde mit hard disc recording aufgezeichnet) bei einem Major Label (die erste seit fast 30 Jahren?) aufgenommen hat und dieses Projekt initiiert hat: http://www.youtube.com/watch?v=ibyU6SH48z0



    Zu Youtube: Auch hier wird das Qualitätsniveau vom Fortschritt verbesserter digitaler Standards profitieren. Das Spektrum der Angebote reicht bereits jetzt von Aufzeichnungen aktueller und historischer musikalischer Sternstunden über nie kommerziell veröffentlichte Dokumente unserer Lieblingskünstler und aufgetauchte Veröffentlichungen vom ehemals grauen Markt bis zu qualitativ bestechenden oder ohrenfeindlich quiekenden Nachwuchskünstlern. Kurz: Es gibt sehr viel - wenn gleich bei weitem nicht alles. Insbeondere kann Youtube (noch) schon vom Spektrum der verfügbaren Aufnahmen unsere in der Regel gewaltigen Mediensammlungen nicht ersetzen.


    Wenn ich von mir ausgehe, erreicht Youtube meinen sehr gehobenen Anspruch an die technische Qualität meistens nicht. Aber die Angebote ermöglichen dennoch manch interessante Erkenntnis oder einen qualifizierten ersten Eindruck. Was den nächsten die Medienrezeption der heutigen Teens und Twens angeht, gehe ich jedoch klar davon aus, dass Youtube überwiegend an Stelle des Kaufs und der Nutzung von Tonträgern tritt und insofern mittelfristig zu weiteren Umsatzeinbußen bei den kriselnden Plattenfirmen tritt. Aber wie viele Menschen werden für die E-Musik gewonnen, die nicht im Konzertsaal, mit Education-Programmen und häuslichem Musizieren groß geworden sind. Und es ist überhaupt nicht absehbar, ob diese Nutzer nicht irgendwann doch bereit sind, für Musik-Flatrates oder ihre Lieblingsstücke Geld für zeitgemäße, marktgerechte Angebote auszugeben? Ich sehe das grundsätzlich optmistisch. Vor allem übernehmen Medienportale wie Youtube die Rolle des Kulturvermittlers, bei der man ohne Schwellenhemmung gewollt oder versehentlich in eine neue Welt eintauchen und diese für sich erschließen kann. Dies ist der Schallplatte jenseits der gebildeten Stände nur bedingt gelungen. Endlich sind Kultur- und Bildungsinhalte - letztlich das klingende Weltkulturerbe - erstmals voraussetzungslos und unbeschränkt für jedermann an jedem Ort mit Internetzugang verfügbar. Musizierende und musikliebende Menschen können sich heute mit Inhalten in einer Breite und Qualität auseinandersetzten, die jahrzehntelang oder in der Weltgeschichte bisher unbekannt oder verschlossen war(en). Vielleicht mag meine Sichtweise manchem Tamino zu egalitär vorkommen, aber ich finde diesen universalen Kultur- und Informationsanspruch und Zugang für alle legitim, zu dessen Verwirklichung Youtube einen Beitrag leistet. An Stelle unseres bisher auf Tonträger fokussierten Medienkonsums mit entsprechender Zahlungsbereitschaft kann eine verantwortungsvolle Neuorientierung auf unterschiedlichste Medienangebote treten, die bei entsprechender Qualität neben unserer Versorgung mit dem Grundnahrungsmittel Musik mit oder trotz zu erwartender Ressourcenverschiebungen auch einen monetärem Beitrag zum Erhalt und der Vielfalt von Kultur(en) leistet. Ich stelle zur Disposition, dass ein solcher verantwortungsbewusster Umgang bzw. eine Neubewertung unseres individuellen Medienbudgets z.B. Spenden an Kulturträger und Künstler anstelle feststehender Gebühren und Kaufpreise treten lassen kann.


    Ich hoffe inständig, dass kommende Generationen ein Bewusstsein für den Wert - und nicht den Preis- unseres kulturellen Erbes entwickeln und dies in Wertschätzung und ein entsprechend geleitetes Handeln mündet. In diesem Sinne sehe ich Youtube nicht als Ende sondern den Beginn eines Weges bzw. Ausdruck einer veränderten Rezeption, die Musik zum Erklingen - nicht zum Verstummen- bringt. :)



    Mit freundlichen Grüßen


    Ottavio

    In Beitrag 43 sind die Wagner Einspielungen lobend erwähnt, ich kenne nur den Parsifal.
    Aber die schönen Cover, die Du eingestellt hast, machen mich ganz neidisch, alles Originale?

    Den BR-Parsifal kenne ich noch nicht; das ist bei Kubeliks Händchen für Wagner sicherlich eine lohnendes Dokument.


    Ja, die Ausgaben sind schon verlockend :P , leider (noch) nicht alle in meinem Besitz - zumindest nicht als englische Stereo-Ausgaben.