Zu den umfassenden Aufnahmekenntnissen vieler Diskutanten hier kann ich kaum beitragen. Meine erste Aufnahme des Schubert-Quintetts war die mit dem Alban-Berg-Quartett und Heinrich Schiff, und die haut mich bis heute so vom Hocker, dass ich sie weitgehend mit dem Werk selbst identifiziere. Das geht mir sonst nie so und ist schlecht für eine halbwegs objektive Betrachtung. Deswegen lasse ich sie gleich sein.
An die Tonartdiskussion des Jahres 2008 möchte ich gerne anknüpfen: Nach meinem Verständnis sind reine Quintenzirkel-Betrachtungen schon bei Schubert nicht adäquat. Schubert konzipiert seine Tonart-Disposition erkennbar anders, nämlich häufig in beliebigen Terzverwandtschaften ("mediantisch" ist als zu ungenauer Terminus in der Musikwissenschaft zwar verpönt, trifft aber manchen Sachverhalt) oder wie hier chromatisch. Und dann liegen Des-Dur und Ces-Dur ganz nahe neben C-Dur. Das mediantische E-Dur des zweiten Satzes ist als "himmlische Tonart" ein musikalischer Topos.
Zwei weitere Beispiele: Schuberts 4. Symphonie in c-moll hat in allen Sätzen Passagen in Des-Dur. Auch Ces-Dur (3. Satz) und b-moll finden sich mehrfach. Schubert - ich erlaube mir diese saloppe Formulierung - fegt hier durch die Tonarten, und zwar nicht durch den Quintenzirkel, sondern eben die chromatische Tonleiter rauf und runter. Und falls ich mich recht erinnere, ergibt eine Analyse der letzten B-Dur-Klaviersonate, dass Schubert hier streng genommen nicht in B-Dur endet, sondern den Quintenzirkel so lange absteigt, bis er in Ceses-Dur endet, das dann der Lesbarkeit halber als B-Dur notiert ist.
Ich denke übrigens, dass genau in dieser Tonartendisposition eine Eigenheit Schuberts gegenüber Beethoven liegt. Beethovens freie Harmonik zum Beispiel in den späten Quartetten erklärt sich aus dem Fortschritt der motivischen Arbeit. Schubert disponiert die Harmonik selbst als musikalisches Movens - darin klar eine romantische Musikästhetik ausprägend.
Ist das nachvollziehbar und plausibel?