Beiträge von timmiju

    Also das ist ja eine ganz interessante Frage. Da ich ein absoluter Tamino-Neuling bin, erstaunt mich die angeführte Liste, die sicher nur ein Vorschlag sein kann, hinsichtlich der vorgenommenen Auswahl.
    Ich dachte bisher, die Kenntnis des klassisch-romantischen Repertoires im allgemeinen wäre Voraussetzung, um einigermaßen niveauvoll mit diskutieren zu können. Dazu gehören für mich alle Beethoven-, Brahms-, Schumann-, Mendelssohn-Symphonien, mindestens die drei letzten drei Tschaikowsky und Dvorak, auch Schuberts große C-Dur-Symphonie, außerdem Bruckner, Mahler, die größeren Mozart-Symphonien, große Chorwerke wie z.B. Missa Solemnis, Bach h-Moll-Messe, Verdi- und Mozart-Requiem sowie die einschlägigen Instrumentalkonzerte, die ich hier nicht auch noch aufführen möchte.
    Was die Opern anbetrifft, räume ich ein, dass sicher nicht jeder Klassik-Freak auch ein Opern-Liebhaber ist.
    Das muss auch nicht sein. Wenn man aber über ein Grundrepertoire spricht, dann gehört für mich Fidelio, Carmen, Tosca, Madame Butterfly, Rigoletto, Wagners Tannhäuser und Meistersinger, evtl. auch der nicht jedem eingängige Tristan, dazu. Natürlich ist auch das eine Geschmacksfrage, denn wer Mozart mag, tut das vielleicht bei Wagner nicht. So tolerant sollte man schon sein. An Händel-Opern habe ich mich z. B. noch nicht heran gewagt. Die alte Musik, wie Monteverdi oder Purcell usw. überlasse ich auch ebenso wie die zeitgenössische Musik gerne den Spezialisten, ebenso ist auch die Kammermusik nicht jedermanns Sache.


    Aber- wie gesagt- ich bin hier noch sehr neu und will mich nicht erdreisten, kluge Ratschläge zu geben. Andererseits hat mich die Frage schon zu sehr interessiert, weshalb ich gerne meine unmaßgebliche Meinung äußern wollte.


    Ich denke aber, wenn man sich nur auf 100 Werke beschränken soll, kommen bestimmt mehr als 100 verschiedene Listen zusammen, wo dennoch das eine oder andere fehlen muss.

    Ich habe in der erwähnten Homepage über die von Gustav Mahler so angegebenen Reihenfolge gelesen.
    Beim Studium diverser Literatur kommen mir doch Zweifel. Zum einen habe ich im Konzert selbst erlebt, dass die Musiker nach dem ersten Satz alle emsig vorblättern und danach wieder zurück.


    In der Mahler-Biographie von Karl-Josef Müller (Piper-Schott) steht:


    "Er arbeitet Tag und Nacht, überlegt, ob er nicht besser den zweiten und dritten Satz in der Reihenfolge vertauschen sollte (was er nach der Uraufführung auf Anraten von Freunden tatsächlich tut, dann aber doch wieder verwirft),..."


    Im Konzertführer von Csampai steht:


    "Deutlicher denn je wird in der Sechsten die autonome symphonische Tradition, das viersätzige klassische Modell mit Kopfsatz, Scherzo, langsamem Satz und Finale..."


    Im in der DDR erschienenen Konzertbuch schreibt Schäfer:


    "Übrigens hat Mahler nach der Uraufführung die Reihenfolge der Sätze geändert und auch einige Umarbeitungen vorgenommen. Unsere Analyse folgt der in der Kritischen Gesamtausgabe von 1963 gewählten Fassung" ( Scherzo vor dem langsamen Satz).


    So ist es auch in der mir vorliegenden Aufnahme mit dem Cleveland Orchestra und von Dohnanyi.


    Dennoch - dagegen gibt es auch die zitierten anderen Aussagen. Aber warum sind denn die Orchesternoten nach über einem Jahrhundert nicht geändert?


    Ich persönlich bin für das Scherzo an zweiter Stelle, analog wie Beethovens "Neunter", um damit ein Atemholen und Verschnaufen vor dem grandiosen Finale zu schaffen. Und ich glaube, wie es Mahler wirklich wollte, bleibt im Verborgenen.

    Wenn ein Opernorchester ein Sinfoniekonzert veranstaltet, ist das schon etwas Besonderes. Nur zu 8 Konzerten im Jahr kommen die Musiker des Orchesters der Komischen Oper auf die Bühne, während sie sonst relativ unbeachtet im Orchestergraben ihr Dasein fristen.


    Um so bedauerlicher, dass der Publikumszuspruch beim letzten Konzert der Saison so schwach war, das Parkett gerademal so halb voll. Auf dem Programm 6 Monologe aus "Jedermann" von Frank Martin, danach die 6. Sinfonie von Gustav Mahler. Dirigent war Stefan Blunier, sonst Opernchef in Darmstadt, für mich noch ein no name, nach dem Konzert nicht mehr.


    Sehr akzentuiert und ausdrucksstark sang Dietrich Henschel die Monologe. Die Musik reicht von expressionistischer Drastik bis zu lyrischer Intimität, schon hier zeigte sich das Orchester in guter Verfassung.


    Nach der Pause das große Hauptwerk in einer 16er-Streicherbesetzung. Beeindruckend die Vielfalt der Klangfarben dieser Musik und wie das Orchester sie wiedergab, vom super leisen Flageolett in den Geigen, bis zu wilden Klangausbrüchen im gesamten Tutti. Nach dem ersten Satz folgte für mich überraschend das Andante moderato. Im Programmheft hieß es, Mahler habe die Reihenfolge der beiden Mittelsätze nach der Uraufführung ausgetauscht und damit gab er die harmonische Anbindung des Finales an den langsamen Satz preis. So gesehen diese Abfolge um so unverständlicher. Alles das aber tat der emotional aufwühlenden und packenden Darbietung keinen Abbruch, zwei Hammerschläge besiegelten das Schicksal und mit vehementer Leidenschaft führte der Dirigent, dessen Stabführung stets präzise war und nicht affektiert wirkte, das Werk zum tragisch wirkenden Ende. Viele Bravos am Schluss für das gut disponierte Orchester und den Dirigenten. Ein großartiger Konzertabend!

    Wenn es Herbert von Karajan nicht schaffte, Carlos Kleiber zu den Berliner Philharmonikern zu holen, dann gelang es immerhin dem damaligen Bundespräsidenten von Weizsäcker, Kleiber für ein Konzert am 9. März 1989 zu verpflichten. Es war ein Benefizkonzert zugunsten von Unicef, dem Kleiber seine Mitwirkung nicht versagen wollte. Diva hin - Diva her, das Konzert war ein unvergessliches Erlebnis, natürlich saßen die Philharmoniker auf der Stuhlkante.

    Hallo,


    Ich finde es sehr gut, dass sich ein thread mit Otmar Suitner beschäftigt, den ich für einen ganz großen Dirigenten der Nachkriegszeit halte. Er hatte vielleicht nur das Pech, auf der anderen Seite der Mauer zu wirken. So muss man vorlieb nehmen mit wenigen erhältlichen Einspielungen der DDR-Firma ETERNA bzw. des Nachfolgers berlin classics. Ich habe noch seinen Einstand bei der Berliner Staatskapelle miterlebt mit Brahms' 1. Symphonie, die ich noch nie so fulminant und mitreißend gehört habe. Er hat die Staatskapelle Berlin zu einem wirklichen Spitzenorchester geformt. Von Dirk Stöve gibt es über Suitner ein sehr gutes Buch "Meine herrliche Kapelle", erschienen im Henschel-Verlag. Die bei berlin classics erschienene CD mit Orchesterwerken von Paul Dessau mit der Suitner gewidmeten Mozart-Adaptation aus dem Jahre 1965 kann ich auch nur empfehlen. Wenn ich lese, dass Otmar Suitner Ehrendirigent des NHK-Symphonieochesters Tokio wurde, so ist sein schmuckloser Abschied von der Staatskapelle Berlin um so beschämender.

    Hallo Christian,


    ich kenne mit Karajan nur die Mahler-Einspielung von 1982 als Live-Recording.


    Für mich ist diese Aufnahme das Non plus ultra. Der letzte Satz mit fast 27 Minuten ist überirdisch und ich habe Igelhaare beim fortissimo. Also alles was recht ist, hier ist HvK in Höchstform!


    LG
    Manfred


    Neulich auf Arte war das Freiburger Barockorchester bei den London Proms zusammen mit einem englischen Ensemble zu sehen, was mich hell begeisterte. So war ich froh, diese Aufnahme in Berlin bei Dussmann für 12,99 EUR zu bekommen. Die Brandenburgischen Konzerte sind hier am historischen Aufführungsort im Köthener Schloss zu erleben. Die aus dem Jahre 2000 stammende Aufnahme überzeugt durch die Spielfreude des Orchesters, wobei mir besonders die gut in Szene gesetzten Bläser sowie Michael Behringer am Cembalo im 5. Konzert wie der sehr engagierte Leiter Gottfried von der Goltz auffielen.

    Hallo Norbert,


    ich habe den Abbado-Zyklus von 2000, mit dem ich sehr zufrieden bin, auch mit ausführlichem Textbuch. Wenn man wissen will, wie Abbado Beethoven dirigiert, reicht das m.E. völlig aus. Sonst quillt mein CD-Regal über nur mit diversen Beethoven-Einspielungen, Toscanini, Karajan, Abbado, Suitner, Kleiber, Furtwängler, Klemperer, Böhm usw.


    Mir ein Rätsel, warum Abbado unbedingt nochmal Beethoven auflegen muss.


    Gruss
    Manfred

    Hallo Thomas,
    ich kenne sowohl das Schönewolf-Konzertbuch und habe selbst den Nachfolger, das Konzertbuch in drei Bänden. Daneben auch den Konzertführer von Csampei/Wunderlich. Hier sind zusätzlich auch Chorwerke beschrieben.


    Zum Nachschlagen ist bei mir immer das Konzertbuch erste Wahl. Schon wegen der Notenbeispiele.
    Im Allgemeinen eine fundierte Werkanalyse mit Orchesterbesetzung und Spieldauer. Bei einigen Komponisten sicher mit Vorbehalt, wo man die sozialistische Ideologie merkt, die sogar bei Beethoven durchschimmert. Aber das beiseite gestellt, wird man gut informiert, so auch bei Komponisten, die manchem weniger geläufig sind, wie Berg, Britten, Hindemith, Lutoslawski, Nielsen, Webern, selbst Pfitzner.


    Leider wird man diese Bücher nur mit Glück antiquarisch erhalten können.


    LG
    Manfred


    Mir war neu, dass es diese Einspielung gibt, ich bin begeistert. Was Gould hier von sich gibt, phänomenal, die Kadenz im ersten Satz so noch nie gehört, insgesamt sehr spannend! Wer sich an ein paar Hustern nicht stört, die den Live-Mitschnitt unterstreichen, ist gut bedient, auch der Sibelius überzeugt. Das Ganze zu einem passablen Preis.

    Hallo, also das ist natürlich wirklich Geschmackssache.


    Bei mir an der Spitze eindeutig das 2. Klavierkonzert, eine wunderschöne Musik in spätromantischem Stil und schon eine kleine Symphonie. Mein Favorit dafür ist Emil Gilels und das Chicago Symphony mit Fritz Reiner, einfach grandios diese Einspielung. Ich brauche keine andere!
    Danach das Doppelkonzert auch wegen dem Hintergrund dieser Komposition, dem Streit zwischen Brahms und Joachim und man spürt im Finale zutiefst die Versöhnung. Hier favorisiere ich die Einspielung mit Frank Peter Zimmermann und Heinrich Schiff.
    Mit Abstand zu diesen zwei an dritter Stelle das 1. Klavierkonzert, das mir persönlich nicht viel gibt und das Violinkonzert, das manchmal zu schmachtend in den lyrischen Teilen daherkommt und somit in Gefahr gerät, langweilig zu sein. Hier ist David Oistrach für mich die erste Wahl.