„Nachtgesang“ des MDR Rundfunkchor in Leipzig

  • Wie ich bereits an anderer Stelle angekündigt hatte, haben Chorknabe und ich Fr. (27.03.09) abend gemeinsam in Leipzig folgendes Konzert besucht:


    Nachtgesang 14:


    - Iannis XENAKIS ( 1992 - 2001 ) „ Pour la paix“ ( 1981 )
    für gem. Chor, vier Sprecher und Tonband
    - Charles Hubert PARRY ( 1848 – 1918 ) „ Songs of farewell“ ( 1916 )
    für gem. Chor a cappella
    MDR Rundfunkchor/ Howard Arman


    Die Reihe Nachtgesang hat in Leipzig bereits ein großes Renomée, trotzdem waren wir erstaunt, dass ein halbe Stunde vor Konzertbeginn (22 Uhr), die Peterskirche bereits fast zu Hälfte besetzt war.
    Natürlich lockt der freie Eintritt sicher zahlreiche Zuhörer an, aber dass Programm hatte es ja durchaus in sich (und es war- wie in Leipzig wohl selbstverständlich- nicht das einzige Konzert des Abends, P. Herreweghe dirigierte z.B. zur selben Zeit im Gewandhaus das dortige Orchester).


    Das erste Stück von Xenakis, von dem ich bisher nur ganz wenige Werke etwas kenne, bestand aus drei Ebenen, vier Sprecher, Einspielungen von Tonband und einigen Chorstellen.
    Obwohl alle drei Ebenen für sich genommen sehr interessant waren, hatte ich mit dem Zusammenspiel der drei Ebenen doch meine Probleme. Dem Text der Sprecher kam dabei sicher das größte Gewicht zu, die Klänge und Geräusche vom Tonband waren manchmal merkwürdig Geräuschimitationen nahe der Groteske. Die Einwürfe des Chores waren kurz,dabei aber anspruchsvoll.
    Besonders die vier Sprecher seien hier für ihre hervorragende Leistung gelobt. Von sehr charakteristische Stimmen mit viel Ausdruck gesprochen war. Das ganze Werk kam mir eher wie ein Hörspiel vor.


    Im zweiten Teil folgten die „Songs of farewell“ von C. H. PARRY, ein engl. Komponist, der mir bisher nur dem Namen nach bekannt war. Stilistisch erinnerten mich die sechs Stücke an die Chorwerke von ELGAR. Ich hatte die Stücke etwas moderner vermutet, sie waren in ihrer faszinierenden Klangwelt aber (trotzdem) eine echte Entdeckung. Sicher auch wegen der exzellenten Wiedergabe durch den MDR- Rundfunkchor, der hier voll und ganz seine große Klasse beweisen konnte. Besonders die Klangkultur und Homogenität des Chores ist zu loben. Keine (Einzel)stimme trat hervor, tragfähiges Piano, raumfüllendes Forte. Eine solche gelungene Interpretation erlaubt eine volle Konzertration auf das Werk, für mich eigentlich ein Idealzustand.
    Verdient gab es am Schluss viel Beifall.


    Der Mitschnitt des Konzertes wird am 23. April 2009 (XENAKIS) und am 2. Juni 2009 (PARRY) von MDR Figaro gesendet.


    Der nächste „Nachtgesang“ (Nr.15) findet am 12.06.09 statt.



    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)