Braunschweig, Staatstheater: Cosi fan Tutte am 18.05.2013

  • DieGeschichte ist kurz zu erzählen und dürfte bekannt sein: Zwei Freunde werden durch einen Dritten dazu gebracht ihre Freundinnen auf ihre Treue zu testen, die dann auch nach kurzem Widerstand nachgeben, denn cos dan tutte: So machen es eben alle Frauen. Am Ende wird es aufgeklärt und die Paare finden wieder zueinander.
    Die Inszenierung (Lotte von Beer) stellt auf darauf ab, dass die beiden Paare aus der Traumwelt in die Realität geworfen werden und das wird mit einer sehr ansprecheden Idee gemacht: Das Stück spielt in der Welt und einem Dorf der Clowns (quasi der illusion der glücklichen Welt in der alles heiter und schön ist, obwohl die schrägen Türen und die bizarren Häuser (gute Ausstattung: Clement & Sanou) die Verwirrung schon zeigen), und beginnt - noch vor der Ouvertüre - mit einem gescheiterten Selbstmordversuch von Don Alfonso (gut gespielt, aber nur solide gesungen: Rossen Krastev), dem Intriganten. Dadurch ist er der erste, der sich als Clown demaksiert, die rote Nase verliert und das Clownsgesicht verwischt. Wie ein Urahn des Alberich ist er mit der Liebe durch und will die Treue der Frauen entlarven. Durch diese Vorgeschichte erhält auch der böse intrigant eine Tiefe und das ist vielleicht das Beste am ganzen Stück.


    Die Freunde Guglielmo (Großartig vor allem im Spiel aber auch Gesang: Orhan Yildiz) und Ferrando (Matthias Stier leicht und biegsam im Gesang, aber etwas hölzern) zeihen als Clowns in den Krieg und kommen als Osmanentravestie wieder und mach unterstützt von der Zofe Despina (Moran Abdoulev in großartiger Spiellaune) die verlobten (und Schwestern) Fiordiligi (Ekaterina Kudryavtseva - sehr gut und in der großen Arie eine Ohrenweide, konnte Darstellerisch aber erst nach der Pause überzeugen) und Dorabella (Anne Schuldt - ich kann mich nicht entscheiden, ob ich sie gut fand oder nicht, es gab aber nichts zu kritisieren), den Hof.
    Dabei demaskieren sich nacheinander alle vier, verlieren iher rote Nase, das Make up und schließlich auch ihr Kostüm. Sie finden also aus der Welt der Verliebtheit und Ilussion - der Welt der Clowns in die Realität: Sie sind am Ende weiter als Don Alonso, der auf dem halben Weg bleibt und eine verzerrte Fratze eines Clowns bleibt. Despina - eigentlich fast die Hauptfigur, bleibt sogar völlig unverändert.


    Diese Inszenierungsidee gibt einen Hinweis darauf, wie die Paare dieser Bäumchen wechsel dich überstehen können: Nur in der Realität und der Welt der Vernunft: Hier können sie eine Zukunft finden, denn sie haben in eine neue Welt gefunden. Für sie besteht anders als bei Don Alfonso Hoffnung. Vielleicht nicht für sie in ihrer Paarkonstellation, aber vielleicht in andern Zusammenhängen, mit anderen Partnern.


    Ein offener Schluß. Vielleicht nicht versönlich, aber optimistisch.


    Eine wirklich gelungene und überzeugende Herangehensweise an den Stoff.


    Die musikalische Leitung hatte GMD Alexander Joel, obwohl die erst am 28.04.13 stattgefundene Premiere durch den 1. Kapellmeister Sebastian Beckedorf dirigiert worden war. Das Orchester hat sich übrigens ein paar üble und nicht überhörbare Schnitzer geleistet.


    Ich werde mir Cosi fan tutte trotzdem nicht noch einmal ansehen/hören.