HALÉVY, Jacques Fromental: LA REINE DE CHYPRE

  • Jacques Fromental Halévy ( 1799 - 1863 )

    La Reine de Chypre

    (Die Königin von Zypern)


    Oper in 5 Akten

    Libretto: Jules-Henri Vernoy de Saint-Georges

    Originalsprache: Französisch


    Uraufführung: Paris 1841


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Andrea Cornaro, venezianischer Adliger, Bass

    Catarina Cornaro, seine Nichte, Contraalt

    Gérard de Coucy, französischer Ritter, ihr Geliebter, Tenor

    Jacques de Lusignan, König von Zypern, Bariton

    Mocénigo, Senator, Mitglied des Rats der Zehn, Bariton

    Strozzi, Anführer von Schurken, Tenor

    Ein Herold, Bassbariton

    Venezianische Edelleute, Zyprische Edelleute, Erzbischof von Zypern, Priester, Wachen, Höflinge des Königs von Zypern, Zyprioten, Kurtisanen, Schurken


    Ort und Zeit der Handlung: Venedig und Zypern, Mitte des 15 Jahrhunderts.


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    Saal im Palast der Cornaro bei Venedig

    Catarina erwartet freudig ihren Geliebten Gérard, den sie heute heiraten soll. Man hört ihn draußen von seiner Liebe singen. Als er eintritt, fliegt sie ihm förmlich entgegen. Es folgt ein Liebesduett, in dem Catarina ihm auch erklärt, mit nach Frankreich gehen zu wollen.

    Andrea kommt. Auch er ist glücklich über diese Verbindung und segnet sie. Als er Mocénigo vom Rat der Zehn kommen sieht, bittet er die beiden, ihn allein zu lassen.

    Mocénigo bringt ihm den Beschluss des Rates, dass er die Ehe mit dem Franzosen absagen müsse. Aus politischen Gründen wolle man seine Nichte dem König von Zypern zur Frau geben. Dem verzweifelten Andrea gibt er eine Stunde Bedenkzeit. Weigere er sich, droht ihm die Hinrichtung.

    Als Andrea allein ist, drückt er seinen Kummer darüber aus und tritt ab.

    Schon nahen die Edelleute zur Feier der Hochzeit und bringen den Brautleuten, die wieder auf die Bühne kommen, ihre Huldigungen dar. Ein Offizier meldet, dass alle Vorbereitungen für die Hochzeit getroffen sind und Gérard drängt darauf, in den Festsaal zu gehen.

    In diesem Augenblick kommt Andrea, gebietet Halt und bittet Gérard, zu gehen. Er müsse sein gegebenes Wort zurücknehmen und die Hochzeit auflösen, seine Pflicht

    sei schwerwiegender. Den wahren Grund nennt er nicht. Alle sind verwirrt. Gérard schwört Rache für das erlittene Unrecht, Catarina bittet ihren Onkel um Gnade. Die Freunde von Gérard bedrohen die Venezianer. Gérard wendet sich zum Gehen und Catarina bricht zu Füßen ihres Onkels ohnmächtig zusammen.


    ZWEITER AKT

    In Catarinas Zimmer

    Draußen hört man die Gondoliere. In einer Arie drückt Catarina ihre Verzweiflung aus. Dann findet sie in ihrem Gebetbuch eine Nachricht Gérards: Er werde um Mitternacht in einer Barke kommen und sie entführen. Nun schlägt ihre Trauer in Freude um.

    Plötzlich tritt Mocénigo durch eine geheime Tür ein und verkündet ihr den Beschluss des Rates. Er weiß auch, dass Gérard auf dem Wege zu ihr ist und droht: Wenn sie das Leben ihres Geliebten retten wolle, müsse sie ihm erklären, dass sie ihn nicht mehr liebe. Als sie sich weigert, zeigt er ihr hinter der geheimen Tür gedungene Mörder mit Dolchen in der Hand. Dann zieht er sich dahin zurück.

    Im selben Augenblick hört man Gérard singen. Er tritt ein. Eine Zeit lang ist sie unentschlossen und Gérard drängt auf die Flucht. Angesichts der Bedrohung bittet sie ihn, sie zu verlassen und ringt sich schließlich dazu durch, ihm zu erklären, dass sie ihn nicht mehr liebe, sondern ein König ihr seine Hand geboten habe. Verzweifelt verlässt Gérard das Zimmer und bei seinen letzten Worten „A jamais“ bricht sie zusammen.

    Dann treten Mocénigo und die gedungenen Mörder durch die geheime Tür und ergreifen Catarina, um sie nach Cypern zu bringen.


    DRITTER AKT

    Illuminierter Garten des Casinos in Nikosia bei Nacht

    Je für sich besingen eine Gruppe Zyprioten ihr schönes Zypern, während – getrennt davon - eine Gruppe Venezianer auf das Wohl Venedigs trinkt. Als die Zyprioten die Venezianer auf ihr lautes Benehmen ansprechen, verkünden diese voller Stolz, dass Venedig die Welt regiere.

    Auch Mocénigo kommt hinzu. Er verkündet die Ankunft der Königin.

    Nach ihm tritt Strozzi auf und meldet Mocénigo heimlich, dass sich auch Gérard auf Zypern befinde. Mocènigo befiehlt ihm, die Dolche bereitzuhalten, um Gérard zu töten.

    Strozzi gibt seinen Spießgesellen ein Zeichen und geht, die Spur Gérards zu suchen.

    Dann begeben sich alle zum Glücksspiel, wobei Mocénigo eine Hymne auf das Spiel singt. Eine Gruppe Kurtisanen gesellt sich zu den Spielenden. Dann begeben sich alle fort, um zu speisen.

    Plötzlich hört man den Hilfeschrei Gérards. Danach sieht man einige Männer und schließlich Strozzi fliehen. Gérard – sein Schwert in der Hand – tritt zusammen mit einem Fremden in Ritterkleidung (Lusignan) auf und bedankt sich bei ihm für seine Rettung. Ohne seine Identität preiszugeben, sagt dieser, dass er nur seine Schuldigkeit getan habe. Auf die Frage Gérards, woher er komme, gibt er Frankreich an. Gérard freut sich einen Landsmann gefunden zu haben, beide preisen Frankreich und schließen Freundschaft. Beide beklagen auch, hier im Exil zu leben. Auf seine Traurigkeit hin angesprochen, lässt Gérard jedoch erkennen, dass der König der Insel der Grund seiner Eifersucht sei und man ihn verfolge, um ihn diesem König auszuliefern.

    Dann hört man ein Signal, das das Nahen der venezianischen Flotte ankündigt. In einem Ensemble freut sich Lusignan auf die Gattin, während Gérard seiner Rachegedanken gegen die vermeintlich Untreue Ausdruck gibt. Dann verabschieden sie sich voneinander.


    VIERTER AKT

    Großer Platz in Nikosia mit Königspalast und Kathedrale

    Das Volk jubelt und tanzt. Dann tritt ein Herold auf und verkündet die Ankunft der Königin. Der Erzbischof und Priester kommen und beten gemeinsam mit dem Volk für ihre Königin. Von fern hört man dazwischen den Chor der Matrosen.

    Lusignan erscheint im königlichen Ornat.

    Dann ist sie endlich da, die neue Königin von Zypern, begleitet von Andrea und dem Senat von Venedig. Der König begrüßt sie und bittet in einer kurzen Ansprache das Volk, sie in Liebe zu empfangen. Der Festzug begibt sich jubelnd in die Kathedrale.

    Gérard tritt auf. In einer Arie sinnt er über seine Rache nach. Er will den König töten und dann selbst den schmachvollen Tod sterben. Zwischendurch hört man aus der Kirche den Jubelchor des Volkes. Dann eilt er zur Kathedrale, aber weil nun das Volk wieder herausströmt, verbirgt er sich hinter einem Pfeiler.

    Als er sich danach auf den König stürzen will, erkennt er seinen Retter und lässt sein Schwert fallen. Lusignan ist von seinem Freund enttäuscht. In einem Ensemble drückt Catarina ihr Entsetzen aus, fordern Mocénigo, Andrea und das Volk Gérards sofortigen Tod, findet Gérard sich mit seinem Schicksal ab und denkt der König darüber nach, ob er Gnade walten lassen kann. Catarina fleht um Gnade für Gérard und Lusignan übergibt ihn, um ihn vor dem Lynchen durch das Volk zu retten, den Garden der Justiz, damit er nach dem Gesetz abgeurteilt werden kann.


    FÜNFTER AKT

    1. Bild: Ein Zimmer im königlichen Palast. Zwei Jahre später.

    Der König liegt krank und vorzeitig gealtert im Bett und schläft. Die Königin schickt den anwesenden venezianischen Arzt fort und macht sich Gedanken über die Krankheit ihres Gatten. Der König spricht im Schlaf von seinem traurigen Exil und von Gérard, worüber Catarina erschrickt, denn sie hat diesen Namen vergessen wollen. Nun taucht der alte Schmerz wieder in ihr auf.

    Der König erwacht und tadelt sie, dass sie immer noch an seinem Bett wacht. Er fühlt sein Ende. Er bedankt sich für ihre Treue und gibt ihr zu erkennen, dass er um ihre ehemalige Liebe zu dem weiß, den er vor dem Beil des Henkers gerettet habe.

    Strozzi, jetzt Offizier im Palast, meldet einen französischen Ritter, der unerkannt bleiben will und fragt um die Erlaubnis, ihn hereinzulassen. Der König gibt die Befehlsgewalt und die Regentschaft für seinen kleinen Sohn an die Königin. Man solle ihn vorlassen. Dann geht er – auf die Königin gestützt – hinaus. Strozzi hat erkannt, dass es Gérard ist. Als er die Königin zurückkommen sieht, geht er hinaus.

    Gérard, nun im Gewand eines Malteserritters, tritt ein. Der Königin erkennt ihn. Er gibt an, dass er gekommen sei, um seine Tat zu sühnen. Mit ihr habe er nichts mehr gemein. Dennoch kämpft er innerlich gegen die wieder aufkeimende Liebe. Sie bittet ihn um Vergebung und berichtet ihm nun die Umstände, unter denen sie zu dieser Heirat gezwungen wurde. Da fällt auch ihr zu Füßen und bittet um Verzeihung für seine Vermutung ihrer Treulosigkeit.

    Als sie Mocénigo kommen sieht, bittet sie ihn, zu fliehen. Er erklärt, dass er sie für immer verlassen werde, da er das Ordensgelübde abgelegt habe. Er wolle ein Komplott aufdecken und den König eventuell noch retten, denn dieser habe ihm zweimal das Leben gerettet.

    „Zu spät“, ruft der eintretende Mocénigo. Doch Gerard hält ihm entgegen, dass er von dem inzwischen verstorbenen Andrea die Wahrheit erfahren habe: Der König leide an einem Gift, das ihm die Venezianer nach und nach verabreicht haben. Mocénigo gibt zu, Venedig habe das als Strafe dafür getan, dass der König nicht nach ihrem Willen gehandelt habe. Künftig müsse Catarina nach dem Willen Venedigs handeln oder sterben.

    Catarina ergreift nun die ihr vom sterbenden König erteilte Macht und will das Volk gegen Venedig aufwiegeln, indem sie ihm den Verrat kundtue. Doch Mocénigo hält entgegen, das Volk werde eher ihm glauben, dass sie wegen des Verhältnisses zu Gérard den König vergiftet habe. Wer wolle sie dann retten?

    Da erscheint der schon vom Tode gezeichnete König in der Tür und ruft: „Ich“.

    In einem Ensemble preisen Catarina, Gérard und der König den Augenblick, dass Lusignan am Rande des Grabes noch in der Lage ist, die Königin zu verteidigen, während Mocénigo weiterhin mit Venedigs Macht droht. Der König ruft die Garden, die Mocénigo gefangen nehmen.

    2. Bild

    Ein Platz in Nikosia

    Die Revolte ist in vollem Gange. Flüchtende Frauen und Kinder. Einige Gebäude sind zerstört. Zyprioten bringen gefangene Venezianer. Der König erscheint, gestützt auf seine Knappen. Er segnet Catarina, Gérard und sein Kind und stirbt. Die Königin lässt das Volk Rache schwören:

    „Vaincre ou mourir pour sa bannière. Son Dieu! Son Roi! Sa liberté!“

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

    3 Mal editiert, zuletzt von Gerhard Wischniewski ()

  • Anmerkungen:

    Die historische, aus der Familie eines Dogen von Venedig stammende, Catarina Cornaro wurde 1468 mit König Jakob II von Lusignan verheiratet. Nachdem der König frühzeitig starb übernahm Catarina – von Venedig beraten und überwacht – ab 1474 die Herrschaft als letzte Königin von Zypern. 1489 wurde sie zur Abdankung überredet und Venedig trat ihr Erbe an.

    Caterina Cornaro diente mehreren Komponisten als Grundlage für eine Oper, u.a. Franz Lachner (Katherina Cornaro) und Gaetano Donizetti (Caterina Cornaro), die beide wohl auf dem Libretto von Saint Georges basieren. Soweit ich an die Libretti gelange, werde ich diese beiden Opern zum Vergleich in unseren Opernführer setzen.

    Auf CD gibt es jetzt eine Aufnahme der Oper (erschienen 2018)

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    Diese Aufnahme kann man auch in Teilen auf youtube anhören

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Gerhard Wischniewski

    Hat den Titel des Themas von „HALEVY, Jacques Fromental: LA REINE DE CHYPRE“ zu „HALÉVY, Jacques Fromental: LA REINE DE CHYPRE“ geändert.