Das kleine Pingelsche Vademecum für Neueinsteiger - ein Wörterbuch

  • 1. Das Pentagon - Prinzip (Fire and Forget)

    Im militärischen Bereich bedeutet das, dass das Pentagon in der Regel Waffen entwickelt, die nur abgeschossen werden müssen und die dann ihren Weg alleine finden.Hier bedeutet es, dass man einen Beitrag schreibt, ohne darauf zu schielen, wer das liest oder kommentiert; zuerst schreibt man ja für sich. Außerdem gewährt die Zahl der Zugriffe ja einen gewissen Anhaltspunkt.

    Mir ist es hier schon einige Male passiert, dass Kollegen mich zitiert haben mit Beiträgen, an die ich mich nicht mal erinnern konnte. Ich will jetzt nicht mutmaßen, dass es Taminos gibt, die über andere Taminos eine Akte führen, das wäre wirklich schräg.8)

    Eine Parallele gibt es beim Singen. Bei den vielen Konzerten in meinen Ensembles der letzten Jahre habe ich es mir abgewöhnt, ständig ins Publikum zu sehen, ob auch "alle" da sind. Das stört die Konzentration beim Singen. Auch hier: man singt erstmal für sich und seinen Chor (ja klar, auch für den Komponisten, obwohl der nichts mehr davon hat).


    2. The Untouchables

    Dieses Wort ist ambivalent. Positiv bedeutet es die Unbestechlichen. Es gibt einen Film über die beiden Reporter der Washington Post im Zusammenhang mit der Watergate-Affäre. Die negative Bedeutung ist die Unantastbaren, die der Kritik Enthobenen. Entgegen anders lautenden Gerüchten gibt es hier im Forum keine Untouchables, das haben sie mir selbst versichert.


    3. Die Tortenschlacht

    In der Mutter aller Tortenschlachten mit Laurel und Hardy (Kommentar einer 5jährigen: ich glaube, der Dicke ist auch doof) sieht man, dass der Sinn der Torten nicht darin besteht, verspeist zu werden. Vielmehr soll er auf diverse Körperteile, besonders das Gesicht, geworfen werden. In der Show Alles nichts, oder? vor Jahren (mit Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen) war dies der Schlussgag. Die Gewinner durften die beiden Moderatoren mit Torten bewerfen. Dabei merkte man, dass die Gäste wohl schon bei den Bundesjugendspielen in der Grundschule ausführlich gefehlt haben müssen, denn es traf kaum jemand. Auch bei Loriot gibt es einen solchen Sketch.

    Für das Forum bedeutet es, dass die yellow pages (s.d.) sich nicht für Musik interessieren, sondern für die Fehler anderer Taminos, die dann natürlich zurückschießen.

    Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurz und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, schwindet dahin wie ein Schatten und bleibt nicht (Hiob 14, u.a. vertont von Bach und Telemann)

  • Teil 2


    4. Yellow Mood/ Yellow Pages

    Das sind Artikel, die man auch die Boulevard-Seite des Forums nennen könnte (bilde mal einen Satz mit Boulevard:

    In Gips ward erst dem Melker klar,/ dass diese Kuh ein Boule vard). Manchmal nervig, vor allem im RT - Bereich. Manches aber ist auch sehr gut, wenn ich an die Themen von Erich Ruthner und operus denke. Meine beiden Lieblingskolumnen sind allerdings die Vorstellung von musikalischem Humor, wie sie Alfred postet, und natürlich die Seite von seicento, die in Bezug auf Ideen und technischem Know-how völlig einzigartig ist. Das sieht, glaube ich, hier fast jeder so.


    5. Dr. Pingel´s Rasiermesser

    Das Vorbild hier ist Occams Rasiermesser, nach der die wissenschaftliche Theorie die einleuchtendste ist, die am einfachsten ist. Nicht, dass ich mich auch nur im Entferntesten daran messen lassen möchte, da sei Holger vor! :pfeif: Ich habe nur die Grundidee geklaut.

    Die geht so: in vielen Musikstücken gibt es kompositorische Stellen, Höhepunkte, die dann auch konsequent und auf höchstem Niveau ausgeführt werden müssen. Tun diese einzelnen Stellen das nicht, nehme ich auf jeden Fall vom Kauf Abstand. Hier wurde das Lied von der Erde erwähnt. Im letzten Satz schildert die tiefe Stimme den Aufgang des Mondes. Beispielhaft ist dafür die Aufnahme mit Fischer-Dieskau. Ein anderes Beispiel: der vierte Satz mit dem Lied vom himmlischen Leben muss schlicht und einfach, wie von einem Mädchen, gesungen werden. Jeder Opernpomp ist hier zu vermeiden. Das gleiche Erfordernis, nämlich einen leichten, beweglichen Sopran zu besetzen, gilt für die führenden Rollen aus der Klugen (Orff), des Kindes in L´enfant et les sortilèges (Ravel), Ighino (Palestrina von Pfitzner) oder der Rolle der Margiana im Barbier von Bagdad (Cornelius). Ideale Sängerinnen waren hier Lucia Popp und Helen Donath.

    Für die Alte Musik gilt das auch, obwohl hier auch Händel dramatische Sopranstimmen verlangt (siehe meine Besprechung von Orlando; folgt hier in einem anderen Kapitel).


    6. Supernova

    Hiermit ist ein musikalischer Ausbruch gemeint, der einen starken Akzent setzt. Hier gilt auch das Pingelsche Rasiermesser: wenn dieser Ausbruch nicht gelingt, muss ich die Aufnahme nicht behalten. Es gibt darüber ein eigenes Thema (Supernovae), dort werden eine ganze Reihe von solchen Stellen genannt wie etwa der Ausbruch im ersten Satz von Mahlers 10. (nachkomponiert) oder die Schlüsse von Salomé und der Sache Makropulos).

    Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurz und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, schwindet dahin wie ein Schatten und bleibt nicht (Hiob 14, u.a. vertont von Bach und Telemann)

  • 18.2.


    7. Der Gabrieli-Faktor


    Wer erinnert sich nicht mit Grausen an die ersten Versuche, Messen der Alten Musik mit einem Riesenchor a-cappella auf schwarzen Scheiben anhören zu müssen. Davon hat bei mir keine Scheibe auch nur 14 Tage überlebt. Dann kam die Zeit der Neuorientierung, wobei in den Zwanziger Jahren zugleich mit der Singvogel-Bewegung in der evangelischen Kirche eine Schütz-Renaissance begann, bei der jeder Kirchenchor mitmachte. Das Ideal war dabei der angeblich reine a-cappella-Gesang. Den gibt es bei Schütz auch, aber es ist besser, wenn man das sehr gut kann. Heute gibt es das auf YouTube immer noch; die schönsten Exemplare findet ihr auf meiner Seite YouFail. Danach kam die große Wende zur historisch motivierten Aufführungspraxis, deren Vorreiter einer Nikolaus Harnoncourt war. Damals beklagte man ja schon die Trockenheit, ja Dürre, der Musik. Auch die rasenden Tempi, etwa bei Bach, wurden nicht wohlgefällig aufgenommen.

    Heinrich Schütz hat in seinem Vorwort zur Geistlichen Chormusik 1648 das alles schon indirekt verdammt. Diese Motetten können a-cappella oder teilweise mit Instrumenten (wobei es egal ist, welche da spielen sollen) oder ganz mit Instrumenten aufgeführt werden. Die letzte der 29 Motetten der Chormusik (Nr. 29) ist Du Schalksknecht für Solo-Tenor (entweder wirklich Solo oder der ganze Chor-Tenor) und Blechbläser. Diese Motette ist meine Lieblingsmotette, die ich leider nie habe singen können, obwohl ich sie hätte singen können. Also zuhause oder im Wald. Der sonst mithörende Hund lebt leider nicht mehr, allerdings ist er an meinem Gesang sicher nicht gestorben.

    D.h., die großen Schützwerke müssen prachtvoll und großartig klingen, wenn sie darauf angelegt sind; bei den Kleinen Geistlichen Konzerten ist das natürlich nicht angebracht.

    Beim letzten Konzert in der Essener Philharmonie haben die Dresdner unter Rademann das genau richtig gemacht. Bei einem Stück gab es auf der Bühne einen Chor, dazu vier verschiedene auf den Rängen. So hat Schütz das bei Gabrieli gelernt und daher heißt es hier: der Gabrieli-Faktor.

    Es gibt für mich ein Beispiel, bei dem der Gabrieli-Faktor und Dr. Pingel´s Rasiermesser zusammentreffen. Es ist aus Monteverdis Marienvesper die Nr. 8, Nisi Dominus. Vorbildlich hier Gardiner und Ralf Otto. Herreweghe hat gerade eine neue Aufnahme vorgelegt, deren Nr. 8 ich auf einem Schnipsel gehört habe. Keine Pracht, keine Wucht, kein Gabrieli-Faktor, sondern vorgetragen von Solisten! Langweilig - und das bei Herreweghe!

    Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurz und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, schwindet dahin wie ein Schatten und bleibt nicht (Hiob 14, u.a. vertont von Bach und Telemann)

  • 8. Produktiv-Unproduktiv


    In fast allen Statements von unserem Zeus zur Situation des Forums kommt eine Aufforderung zum Schreiben vor. D.h., dass man bei den Sachthemen Beiträge liefert und vor allem neue Themen anstößt. Leider hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Unproduktiven besonders produktiv waren in Angriffen auf die Produktiven. Da ich manchmal Opfer war, weiß ich, wovon ich rede. Mehr möchte ich hier nicht sagen.


    9. To Outpingel Dr. Pingel


    Ein Wort, das sich selbst erklärt.

    Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurz und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, schwindet dahin wie ein Schatten und bleibt nicht (Hiob 14, u.a. vertont von Bach und Telemann)

    Einmal editiert, zuletzt von Dr. Pingel ()

  • 10. Inquit Lupus


    Gerne zitieren die Taminos, wenn sie andere zurechtweisen müssen, das lateinisch Wort: Homo homini lupus.

    Meine Antwort: inquit lupus.

    Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurz und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, schwindet dahin wie ein Schatten und bleibt nicht (Hiob 14, u.a. vertont von Bach und Telemann)