Ich hätte damals lieber Thielemann oder Nelsons als Chefdirigenten gesehen. Offenbar gab es zwischen beiden im Orchester ja auch ein Patt. Petrenko rückte dann quasi nach.
Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit der Entscheidung des Orchesters gemacht. Mehr noch, ich bin recht froh, dass es weder Thielemann noch Nelsons wurden. Ich hatte mir ja vor allem Nelsons gewünscht, aber dessen Arbeiten überzeugen mich immer weniger. Nach Rattle wäre es weiter bergab gegangen. Und Thielemann ist bei der Staatsoper besser aufgehoben.
Petrenko wiederum ist als Orchester-Erzieher und -Former gewiss die richtige Wahl. Was ihm abgeht, ist das Strahlende, auch das Verkäuferische. Mit ihm an der Spitze haben sich die BPhil ein bisschen unsichtbar gemacht. Wo Rattle noch mit Education- und anderen Programmen die Öffentlichkeit suchte (und fand), agiert Petrenko quasi unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.
Ob das dem Nimbus des Orchesters schadet? Ich denke nicht. Sich rar zu machen, ist ja namentlich auf dem aktuellen, gesättigten Markt nicht das Dümmste. Zumal das Orchester von seinen Leistungen her ganz gewiss nicht nachgelassen hat. Ich mag beispielsweise das DSO sehr, dessen Programme sind immer schon die besten in Berlin gewesen (für mich). Aber wenn man dieses hervorragende Orchester im Vergleich mit den Phil hört, tun sich Welten auf. Die Berliner sind schon eine Klasse für sich. (Ob sie die Weltbesten sind, kann ich nicht beurteilen, es ist mir auch herzlich egal. Solche Begriffe taugen letztlich vor allem in Marketing-Gefilden.)
Was ich bedaure, ist, dass es auf Tonträgern oder per Streaming nur wenig Petrenko+BPhil gibt. Aber. Ich vermute, dass dies eine bewusste Entscheidung zugunsten der Digital Concert Hall ist. Insofern ergibt auch diese Entscheidung Sinn.
