Beiträge von lohengrins

    Ich hätte damals lieber Thielemann oder Nelsons als Chefdirigenten gesehen. Offenbar gab es zwischen beiden im Orchester ja auch ein Patt. Petrenko rückte dann quasi nach.

    Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit der Entscheidung des Orchesters gemacht. Mehr noch, ich bin recht froh, dass es weder Thielemann noch Nelsons wurden. Ich hatte mir ja vor allem Nelsons gewünscht, aber dessen Arbeiten überzeugen mich immer weniger. Nach Rattle wäre es weiter bergab gegangen. Und Thielemann ist bei der Staatsoper besser aufgehoben.

    Petrenko wiederum ist als Orchester-Erzieher und -Former gewiss die richtige Wahl. Was ihm abgeht, ist das Strahlende, auch das Verkäuferische. Mit ihm an der Spitze haben sich die BPhil ein bisschen unsichtbar gemacht. Wo Rattle noch mit Education- und anderen Programmen die Öffentlichkeit suchte (und fand), agiert Petrenko quasi unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.

    Ob das dem Nimbus des Orchesters schadet? Ich denke nicht. Sich rar zu machen, ist ja namentlich auf dem aktuellen, gesättigten Markt nicht das Dümmste. Zumal das Orchester von seinen Leistungen her ganz gewiss nicht nachgelassen hat. Ich mag beispielsweise das DSO sehr, dessen Programme sind immer schon die besten in Berlin gewesen (für mich). Aber wenn man dieses hervorragende Orchester im Vergleich mit den Phil hört, tun sich Welten auf. Die Berliner sind schon eine Klasse für sich. (Ob sie die Weltbesten sind, kann ich nicht beurteilen, es ist mir auch herzlich egal. Solche Begriffe taugen letztlich vor allem in Marketing-Gefilden.)

    Was ich bedaure, ist, dass es auf Tonträgern oder per Streaming nur wenig Petrenko+BPhil gibt. Aber. Ich vermute, dass dies eine bewusste Entscheidung zugunsten der Digital Concert Hall ist. Insofern ergibt auch diese Entscheidung Sinn.

    Mein Auralic wiegt 6,8 Kilogramm. Ich glaube, damit habe ich gewonnen.


    Entschuldigung, ich weiß, dass Hifi ein viel zu ernstes Thema ist, als dass man damit Späßchen machen sollte. Aber ich bin ein derartiger Laie, dass ich von all dem nichts verstehe. Ich habe mir Digital-Musik vor Jahren mal von einem Ingenieurs-Freund erklären lassen (so, als wenn ich sieben Jahre alt wäre) und irgendwie ist bei mir hängengeblieben, dass die Tonkurve im Digitalen aus kleinen Treppenstufen besteht - je mehr Informationen, desto kleiner werden diese. Allerdings habe ich zwischenzeitlich auch gelernt, dass die Dynamik des jeweiligen Tonträgers/Streams entscheidend sei, viel wichtiger als die Unterscheidung in HiRes oder CD-Qualität. Und so beruhige ich mich damit, dass mein Musikgerät recht gut ist und mir viel ermöglicht (zum Thema Jitter: die Master-Clock sei mit 72 Femtosekunden getaktet, habe ich gelesen, und gleich darauf gelesen, was eine Femtosekunde eigentlich ist und dann war ich ziemlich beeindruckt; so geübt können meine Ohren gar nicht sein, dass ich da irgendwas feststellen könnte).


    Den Rest höre ich einfach.

    Ich schätze Thielemann schon seit langem sehr. Entsprechend bin ich froh, dass er nach Berlin zurückgekehrt ist, ich also nicht beispielsweise nach Dresden fahren muss, um ihn zu erleben.

    Wenn ich mir die hiesigen Beiträge so angucke, in denen es vielfach um Aufnahmen geht, ist mir klar geworden, dass dort wohl auch "mein Punkt" ist: Für mich ist Thielemann ein Dirigent, den ich vor allem live erlebe. Und live hat er mich - bis vielleicht auf seine Programmauswahl - noch nicht enttäuscht. Das verhält sich mit den Alben nicht so. Ich muss schon überlegen, um eine Lieblingsaufnahme von ihm zu benennen, die ich gegenüber Einspielungen anderer deutlich bevorzuge. Häufig haben diese klangliche Unzulänglichkeiten oder die Besetzung ist nicht überzeugend. Vielleicht fehlt auch der Live-Effekt, diese besondere Stimmung, das Im-Moment-sein.

    Zunehmend schwierig finde ich allerdings seine "naive" Haltung zur Musik (s. Schüssel-Video). Diese hat er seit langem, und ich bin der Letzte, der ihm in dieser Hinsicht etwas unterstellen will. Aber. Wir leben heute in einem anderen Deutschland als noch vor fünf oder zehn Jahren. Man sollte nicht vergessen, dass es jetzt Leute gibt, die Grenzen des Sagbaren ganz bewusst verschieben wollen. Und, um im Bereich der Kunst bleiben zu wollen: Tellkamps "Eisvogel" habe ich zur Zeit als es veröffentlicht wurde, anders gelesen, als ich es jetzt würde.

    Danke Christian B. für die Anregung.


    Ichweiß noch, dass ich bei Radio 3 des RBB eine "Blindverkostung" zur 8. hörte. Damals wurde Furtwängler zum Sieger/zur Lieblingsaufnahme gekürt. Falls ich die richtige Einspielung gefunden haben sollte, ist mir Furtwängler tatsächlich "drüber". Ich habe jetzt mal in alle möglichen Aufnahmen reingehört/-streamt. Klemperer brachte mir nichts, Celibidache dto., Nelsons ebensowenig. Van Zweden schätze ich eigentlich immer, aber für mich hatte er hier mit einem Thielemann-Problem zu kämpfen: die Aufnahme gefiel mir vom Klang nicht besonders - wirkte zu weit weg (spielte von mir weg, so mein Eindruck). Immerhin aber, gab es bei van Zweden Raum, die Thielemann-Aufnahme ist vom Klanglichen her wirklich übel. Zu Thielemans Ehrenrettung will ich aber sagen, dass ich schon finde, dass er zum Ende immer noch steigern kann (was ich beeindruckend finde). Aber die Spannung, die Wand in der von Christian genannte Passage aufbauen kann, ist schon speziell, volle Zustimmung. Und Jochum (mit dem CGO) hatte ich gar nicht auf der Rechnung. Schon aufnahmetechnisch erstaunlich (ich kann sehr genau verorten, wo die jeweiligen Pauken positioniert sind, ich höre auch sehr genau die Bässe), aber auch sonst. Höre ich mir nun weiter an.

    "Meistersinger" laufen hier gerade im Radio.


    Und dann haben wir uns für das Jubiläumsjahr bereits heute unsere Karten geholt. Im Ticketshop werden seit heute (und bis zum 26. August) unter "2026 only" Karten verkauft. Wir haben uns für das Paket "Kurz, Mittel, Lang" (Holländer, Rienzi, Parsifal) entschieden. Es soll sogar Rabatt auf die Karten geben, "bis zu 20 Prozent". Dass ich den Kratzer-Tannhäuser nicht werde sehen können, schmerzt noch immer, aber ich freue mich trotzdem auf eine Wagner-Woche im kommenden Jahr.

    Mittlerweile ist er sicher ein Übersehener.

    Hartes Urteil. Mir etwas zu hart.

    Dann kam seine schwere Krebserkrankung, die ihn auch äußerlich sehr gezeichnet hat. Auch mich wirkte er ab diesem Zeitpunkt körperlich immer so, als ob ein stärkerer Lufthauch ihn hätte umpusten können.

    Aha. Meaning?

    Seit seinem Tod sind schließlich sind nun auch schon elf Jahre vergangen. Wenn man die Zeit seit Beginn seiner Erkrankung dazu rechnet, dann ist er seit nunmehr mindestens 20 Jahren aus dem Fokus.

    Dass er mit seiner Erkrankung aus dem Fokus geraten wäre, bezweifle ich. Nun mag es in Berlin auch anders gewesen sein, aber seine Konzerte waren in all diesen Jahren ganz besondere Momente. Und beispielsweise nicht damit zu vergleichen, wenn jetzt Rattle wiederkehrt. Abbado hatte eine ganz andere, viel tiefere Wirkung, die eben auch über seine Chefdirigenten-Tätigkeit hinaus strahlte.

    Wobei - ich erinnere mich - ihn auch im Musikvereinssaal erlebt zu haben. Ich war nicht oft in dem Haus, aber so gefeiert wird ein Dirigent dort wohl auch nur selten.

    Hier wird IMO manches verklärt dargestellt: Schon damals stand er im Schatten des über seinen Tod hinaus präsenten Herbert von Karajan. Es gab zwar etliche Aufnahmen mit Abbado - gekauft wurden die von Karajan.

    Mit Verlaub, das ist eher eine Art wishful thinking. Man sollte in dem Zusammenhang nicht vergessen, wie überdrüssig man Karajans zum Ende geworden war. Dessen Zeit war einfach vorbei, ein Neuanfang dringend erforderlich.

    Aber das mit dem Vergessenwerden ist eine naturgegebene Sache: Karajan und Böhm wären heut viel wemniger Präsent, wenn nicht gewisse Kreise immer wieder auf ihre Mitgliedschaft bei einer gewissen rechtsradikalen Partei hinwiesen, in der Hoffnun sie zu diskreditieren. Das Gegenteil war und ist der Fall. Man weckt auf diese Art Interesse und hält sie sozusagen im kollektiven Gedächtnis.

    Interessantes Interesse.

    Die Zeit von Furtwängler und Karajan ist einfach längst vorbei, wo das Orchester in Einheit mit seinem Chef wahrgenommen wurde und umgekehrt. Das symbolisierte die Ernennung auf Lebenszeit. Genau damit hat Abbado damals Schluss gemacht. Da hatte er die Zeichen der Zeit erkannt und die richtige Entscheidung getroffen, die "Bürde" des Chefdirigenten in Berlin aufzugeben um seine Ziele zu verfolgen und dafür frei zu sein.

    Das halte ich für entscheidend. Diese Freiheit, dieser Wille zur Kunst nach eigenem Maßstab halte ich bei Abbado weiterhin für beeindruckend.

    Wie Karajan und Bernstein oder auch Celibidache war Abbado schon zu Lebzeiten ein Mythos. Das erreichen nur ganz wenige Dirigenten.

    Unterschreibe ich. Wobei mich an Karajan das Bemühte, dieses Überlebensgroß-sein-Wollen abstößt. Bei den von dir Genannten habe ich das Gefühl, dass Bewunderung eine zentrale Vokabel ist - bei Bernstein und Abbado spielt aber mehr als bei den Anderen auch ihr Menschsein in diesem Zusammenhang eine große Rolle, und das unterscheidet sie in meinen Augen noch einmal deutlich von allen anderen.

    "Cassandra" in der Staatsoper Unter den Linden (die Linden dufteten gestern Abend übrigens ganz wunderbar).


    Vorweg: Verkopfte zeitgenössische (2023) Oper in der Inszenierung und - fast - Originalbesetzung der Uraufführung in Brüssel.


    Cassandra, die Seherin, der niemand glaubt, obwohl sie recht hat. Sandra, die Wissenschaftlerin, die auf den Klimawandel hinweist, und der - niemand glaubt. Um diese beiden Personen, die wechselweise und am Ende auch gemeinsam auf der Bühne stehen, geht es. Und zusätzlich auch um die Ermächtigung der Frau, die Entscheidung für oder gegen Kinder, die richtige/effektive Art des (Klima-)Protests. Also um ganz schön viel. Etwas zu viel vielleicht. Denn so ganz können Musik (Bernard Foccroule), Libretto (Matthew Jocelyn) und Inszenierung (Marie-Ève Signeyrole) das nicht einlösen/umsetzen. Erschütterung könnte sich bei den Themen einstellen, doch bei mir zumindest gelingt dies nicht.

    So bleiben schöne, auch intensive Momente und Ideen, aber kein wirklich erfüllender Opern-Abend.

    Thematisch geht es durch die Jahrhunderte, musikalisch ebenso. Da wird ein Bach-Choral eingewoben, gibt es Jazz-Anklänge und das Moderne kann dissonant sein, wird aber eher nicht geräuschhaft. Eine Art Wohlklang, der mir nicht ganz einleuchtet. Aber vielleicht muss man sich auch nur intensiver als einen Aufführungsabend lang mit dem Werk befassen.


    Wer dies möchte kann dies übrigens (mit portugiesischen Untertiteln zum englischen Libretto) hier tun:


    Oder hier auch den Komponisten über sein Werk sprechen hören:


    Kurz noch zu den Musikern: Die Staatskapelle unter Anja Bihlmaier gefiel mir, auch wenn ich mich frage, ob sie mehr Heftigkeit aus den Noten hätte holen können. Sängerisch gab es kaum etwas zu kritisieren; sehr gut gefielen mir Cassandra (Katarina Bradić), Apollo (Joshua Hopkins) und vor allem Sandra (Jessica Niles). Valdemar Villadsen als Sandras Freund Blake hatte dagegen gar keine Stimme - vielleicht war er indisponiert, ich möchte es hoffen.


    Am 11. Juli wird "Cassandra" letztmals in dieser Spielzeit an der Lindenoper gezeigt. Wir überlegen, nochmals hinzugehen. Zumal wir mittlerweile eigentlich nur zeitgenössische und Wagner-Opern sehen.

    In diesem Zusammenhang muss man die Geschichte von Ryuichi Sakamoto und seinem Lieblingsrestaurant in New York erwähnen. Er war in dem japanischen Lokal Kajitsu offenbar häufig zu Gast. Irgendwann ärgerte er sich so über die "gedankenlos" ausgesuchte Musik, dass er zum Inhaber ging und ihm eine Vorschlag machte: Er bot ihm an, eine Playlist für ihn zu kuratieren. Kajitsu's Playlist kann man bei Spotify oder auch Apple Music finden und laden.

    Nun war Sakamoto ohnehin ein wunderbarer Künstler, der in vielen Feldern arbeitete. Was einen aber im Zusammenhang mit Kajitsu's Playlist einfach für ihn einnehmen muss, ist zweierlei: Er verlangte für seine Dienste keinerlei Geld, er wünschte sich nur, in auch akustischem angenehmen Ambiente essen zu können; und auf der Liste finden sich keine Lieder von ihm.

    Die Geschichte hat die New York Times aufgeschrieben.

    Wenn man solche für unser liberal-demokratisches Weltverständnis unerlässlichen Diskurse als "fruchtlos" bezeichnet, dann sagt das etwas aus über die Leichtferigkeit und Gedankenlosigkeit unseres Zeitalters, das sich ihrer Grundlagen nicht mehr versichert.

    Es ist fruchtlos, mit dir über ein derartiges Thema zu diskutieren, weil du ganz nach Belieben hin- und herhüpfst. Vom deiner Ansicht nach Ewig-Allgemeingültigen geht es dann bei Bedarf direkt zu deinem Welt- und Werteverständnis. Damit einhergeht das Einziehen einer moralischen Kategorie, die in ein richtig oder falsch mündet. Das ist ermüdend, weil man auf einmal anfängt, auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig zu diskutieren - gerade so, wie es dir passt.

    Und so kannst du einem anderen eben auch "Leichtfertigkeit und Gedankenlosigkeit" vorwerfen. Ich empfinde das als unverschämt und werde mich an so etwas nicht weiter beteiligen.

    Morgen geht es nach Dresden. In die Semperoper, wegen „Innocence“. Deshalb heute Kaija Saariaho, zum Beipiel diese


    Und dann noch bei Apple Music eine Exklusiv-Aufnahme von „Verklärte Nacht“ und „Alpensymphonie“ der Wiener Philharmoniker mit Christian Thielemann. Ja, Kontrastprogramm.

    D. h. dann für Dich, dass die "Judengesetze" der Nazis und Vergleichbares nicht "immer und überall" Unrecht sind, sondern, wenn nur die historischen Bedingungen anders sind, auch Recht sein und gerecht sein können. (?)

    Wie Thomas schon sagte, geht es ums Recht , nicht um Gerechtigkeit. Wenn du das nicht auseinander halten kannst, wird das nix.

    Da dreht sich dann bei einem Philosophen wie mir einfach der Magen um.

    Mag sein, hat mit der Sache aber nichts zu tun.


    Und über eins stolperte ich dann noch:

    Das Altertum kannte weder den Gedanken der Gleichheit von Menschen

    Ich hatte vorhin in Wesels Geschichte des Rechts geblättert. "Was ist Gerechtigkeit, fragen Platon und Aristoteles auf dem Höhepunkt der radikalen Demokratie in Athen. Und sie geben die bis heutige gültige Antwort. Gerechtigkeit ist Gleichheit" (S. 145).


    So, das war viel Exkurs. Musste aber sein.

    Aber nicht das Naturrecht als Vernunftrecht

    Das Naturrecht erlebte im Laufe der Jahrtausende aber verschiedene Begründungen. Ja, auch als Vernunftrecht. Du hast dir eben das herausgegriffen, was deiner Meinung nach passt. Aber das heißt eben nicht, dass diese Ideen "immer und überall" gelten würden.


    Das Recht ist erkennbar nicht deine Baustelle, was ja auch nicht schlimm ist, aber deine tendenziell apodiktischen Feststellungen missraten hier dann doch.

    Ich folge der Diskussion - von gelegentlichen Invektiven mal abgesehen - gern. Wobei mir der Versuch der Wissenschaftlichkeit auch hier manchmal etwas bemüht erscheint - zumal, wenn Wissenschaft zur Keule gemacht wird. Das leuchtet mir nicht ein. Aber man sollte für jeden Denkanstoß dankbar sein, so dankbar wie für Widerspruch.

    Ich bleibe dabei, dass es für den Menschen unverzichtbar ist, sich auf Ideen berufen zu können, die immer und überall gelten. Das tut das Recht...

    Naja. Auch wenn es mancher vielleicht gern anders hätte, ist auch im Recht nichts ewig, weil das Recht ausgelegt werden muss. Und das geht nicht ohne den Einfluss der jeweiligen Zeitläufte. Auch das Naturrecht braucht einen ideologischen Unterbau und hat entsprechend immer wieder andere Ausprägungen erfahren.

    Überhaupt: "immer gelten" - nehmen wir mal den Begriff der Ewigkeitsgarantie des Grundgesetzes resp. der dortigen Art. 1 bis 20. Die gelten also immer so, wie sie da stehen? Nein, sie gelten ihrem Wesensgehalt nach (s. allein die Änderung des Art. 16). Aber gelten sie ihrem Wesensgehalt nach immer? Nein. Nur solange, bis es eine andere Verfassung gibt - was nun mal nicht auszuschließen ist. Nichts ist ewig. Jedenfalls nicht im Recht.

    Diese poetische Entwirklichung ermöglicht letztlich auch die Einfühlung des empfindsamen Lesers, der sich mit der Aussage so vollkommen identifizieren, den Inhalt so erleben kann, als sei dieses Erlebnis sein eigenes Liebeserlebnis.

    Ich will eure Kreise nicht ernsthaft stören, aber ich finde deine Argumentation nicht zwingend. Ich nehme mal "Carmen oder bin ich das Arschloch der achtziger Jahre" von Wolf Wondratschek, das ich damals ganz gern gelesen habe. Damals war bereits bekannt, dass er die Zeilen an eine bestimmte Person gerichtet hatte. Das änderte aber nichts daran, dass ich es für mich lesen oder auch empfinden konnte.

    Muss ich - und somit die Welt - also wirklich wissen, dass im Falle der Fantasie op. 17 Schumanns Objekt der Sehnsucht Clara heißt? Die Antwort lautet: Nein! Damit würde das Lyrisch-Poetische prosaisch, d.h. der Hörer würde die Transformation des Biographischen in etwas Geistig-Poetisches nicht nachvollziehen.

    Die Antwort lautet: Egal!

    Die Sache mit den Referenzaufnahmen hat sich bei mir in den letzten vierzig Jahren ziemlich geändert.

    Sehe ich ebenso. Ich denke, dass der Status "Referenzaufnahme" früher dankbarer aufgegriffen wurde, weil man unmöglich alles kaufen konnte/wollte, das auf den Markt kam. Da war eine Orientierung gern genommen. Jetzt kann ich via Streaming alles selbst hören/einordnen. Das ist etwas ganz Anderes als einstens.

    Man merkt natürlich auch mit der der Zeit, dass man selten "Referenzen", sondern eher Präferenzen folg

    Genau. Mir ist doch bei all meinem Unwissen gleich, ob oder wie viele Kritiker oder andere Menschen, die sich aufgerufen fühlen, Referenzen zu verteilen, eine Aufnahme schätzen. Ich kenne mich mit Kritikern auch zu wenig aus, um sagen zu können, dass ich mit X oder Y auf einer Wellenlänge fühle. Da kann so ein Forum schon eher weiter helfen resp. Anregungen geben (deshalb bin ich ja auch hier).

    Für mich ist das Referenz, wenn ich bei der Aufnahme dabei gewesen bin. Dann kann ich die Wiedergabe vom Datenträger mit dem selber gehörten Original im Konzertsaal vergleichen.

    Respekt. Das könnte ich nicht. So weit reicht meine Hörerinnerung nicht zurück.

    Wie doch hier jetzert auch schon wieder die Diskussion zeigt (fangt bloss nicht bitte wieder an zu streiten ;-) )

    liegt eine Referenzaufnahme im Sinne des Betrachters (hier des Hörers).

    Da stimme ich zu. Ich glaube manchmal, dass das zustimmende Verweisen auf "Referenzen" vor allem der Selbstvergewisserung dient.

    Ich erinnere mich noch an Katharina Wagners "Tristan" in Bayreuth, als König Marke seine Isolde nach dem Liebestod von Tristan wegzog und mit sich ins Off führte. Nun ja. Das fand ich unter allen mir einfallenden Gesichtspunkten schwierig. Ihr schlagersängerartiger Walther von Stotzig überzeugte mich auch nicht sonderlich. Als Regisseurin ist sie insgesamt nicht so meine Favoritin. Den "Lohengrin" würde ich mir per Stream gleichwohl anschauen - ich mag "Lohengrin" bisher ohnehin am wenigsten von Wagners Hauptwerken, vielleicht kann da ja ein neuer Blickwinkel etwas ändern.

    Gemessen an der Festplatte ist die Cd ein relativ stabiles Medium

    Irgendein neuartiger Virus - und Deine Musiksammlung ist Geschichte.

    Interessant, genau so argumentierte ein Hifi-Händler mir gegenüber - der mir einen Streamer verkaufen sollte/wollte. Ich hab mir später tatsächlich einen CD-Player (Transport) gekauft, weil mein Wlan Zicken machte. Und nun höre ich hin und wieder CDs (wie aus meiner bastille-musique-Sammlung, die ich weder bei Qobuz noch Apple Music streamen könnte).

    Ich reihe mich quasi ein.



    Was Melodien so anrichten können, findet sich als Thema auch hier wieder. Ich glaube, ich habe von Krausser so ziemlich alle Bücher. Und schätze sie alle sehr.


    Und dann geht es mit ChristianKracht weiter. Und von dem habe ich wirklich alles, was zu kriegen ist. Also auch sein neues Buch.



    Was für ein schöner Lese-Frühling.

    Ich erlebe Joana Mallwitz am 8. März in der Philharmonie. Erstmals. Bin gespannt.


    Die Doku hatte ich auch gesehen. Interessanterweise wurde Joana Mallwitz mir dabei nicht sympathischer (Levit auch nicht, aber ich hatte schon die Levit-Doku "No fear" gesehen, was ihn mir auch nicht sympathischer machte. Aber: Ich fand das nicht schlimm, gar nicht. Ich muss ihn nicht mögen, um namentlich seine Schostakowitsch-Präludien und -Fugen oder sein Tristan-Album zu schätzen - was ich in hohem Maße tue.).


    In der Philharmonie ist ein buntes Programm zu hören:

    Sergej Prokofjew

    Krieg und Frieden op. 91: Ouvertüre

    Sergej Rachmaninow

    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 d-Moll op. 30

    Anna Vinnitskaya Klavier

    Pause

    Paul Hindemith

    Symphonie Mathis der Maler

    Maurice Ravel

    La Valse


    Ich freue mich.

    Passt hier nur zum Teil, aber trotzdem: Eigentlich war ich voller Vorfreude auf den Dienstag, weil die Staatskapelle dann in der Philharmonie unter Paavo Järvi ein Konzert mit Werken von Sibelius (Tapiola), Korngold (Violinkonzert) und Nielsen (6. Symphonie) geben sollte. Nun ist Järvi leider erkrankt, der Generalmusikdirektor springt ein und es gibt Mendelssohn Bartholdy. Leider nicht so meins.


    Dafür gelang es meiner Frau nach heroischem Einsatz (zeitweilig war das Buchungssystem kollabiert, auch telefonisch ging nichts), uns Karten für den Ring mit Thielemann im Oktober zu sichern. Wir hätten eh Urlaub gehabt und werden den nun - zum Teil - Wagner widmen und in Berlin bleiben. Große Vorfreude!

    Wir sahen am Wochenende diesen hier:



    Wunderbar. Nun mochte ich die Arbeit von Anselm Kiefer - natürlich - schon vorher, aber der Film hat den dringenden Wunsch befördert, doch mal nach Barjac zu fahren. Insgesamt ist der Film für mich eine zugewandte, durchaus auch spielerische Hommage an Kiefer. Persönlich mochte ich diesen hier



    - der natürlich ganz anders ist - fast noch lieber. Jedenfalls werde ich diesen mal wieder schauen müssen.