„Au crépuscule“ von Mel Bonis. Die Komponistin - eigentlich Mélanie Bonis - wird gerade wieder entdeckt.
kürzlich erschienen:
„Au crépuscule“ von Mel Bonis. Die Komponistin - eigentlich Mélanie Bonis - wird gerade wieder entdeckt.
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Das ist gespeilt in Amsterdam 1978. Impromptu Nr. 3 Wiederum ungemein lehrreich. Bei Arrau hört man nicht nur wie sonst eine fließende Wellenbewegung, sondern sehr genau die harmonische Struktur.
Ja genau! Ich schätze deswegen diese Einspielung sehr, auch wenn Arrau harmonische Reibungen mehr ausspielt als üblich. Die später aufgenommenen Zyklen D. 935 und D. 946 sind da noch extremer.
Die Klavierstücke D. 946 hat er bereits in den 50er Jahren gespielt, es gibt bei Warner eine digitale Neuauflage (zusammen mit D. 760 und D. 780!). Erstaunlicherweise sind die Tempi über die Jahrezehnte sehr ähnlich geblieben und schon als junger Mann hat sich Arrau für die ersten beiden Stücke von D. 946 jeweils ca. 15 Minuten Zeit genommen.

Die Aufnahmen der Sonate D. 894, der Impromptus D. 935, der Klavierstücke D. 946 und der Moments Musicaux D. 780 gehören zu den "last recordings" des Pianisten. Obwohl sie ihren Reiz haben (1. Satz D. 894 !!!), sind sie zuweilen leider auch ein bisschen holprig (bpsw. das beliebte D. 780 Nr. 3).
Klanglich sind es mit die besten Klavieraufnahmen, die ich überhaupt kenne.
Wer Can Çakmur schätzt, wird sich hier eher verstört abwenden.
In Prousts Werk und insbesondere in seinem großen Roman ("Recherche") spielen Musik und Malerei (und auch Theater und Schauspiel) eine große Rolle. Neben realen Werken (bspw. von Wagner) sind dabei vor allem die Kompositionen Vinteuils von Bedeutung - ein fiktiver Künstler, wie es auch für die Malerei einen solchen gibt (Elstir). Im ersten Band ('Swann') verkörpert die sogenannte kleine Phrase einer Violinsonate Vinteuils die Beziehung Swanns zu Odette, das Stück geht wohl vor allem auf Saint-Saens' erste Violinsonate zurück, Werke von Franck und Fauré mögen auch eine Rolle gespielt haben. Im fünften Roman ('Die Gefangene') spielt ein Septett Vinteuils in einer der berühmt berüchtigen Soiréen eine zentrale Rolle, es wird sehr detailliert beschreiben und markiert einen wichtigen Weg in der Entwicklung der Hauptfigur. Für das Septett gibt es keine konkrete Vorlage und Proust hat diese Form vermutlich vor allem verwendet, weil in der Gattungsbezeichnung 'Septett' (frz. "Septuor") jeder Bustabe seines Namens vorkommt.
Ich kann die "Recherche" jedem Musikinteressierten nur ans Herz legen, aber es ist natürlich ein komplexes Werke, dessen Lektüre Zeit und Konzentration verlangt.
In den letzten Jahren sind viele Aufnahmen entstanden, die die Belle Epoque, Proust und die Werke seines Freundes Reynaldo Hahn wieder auferstehen lassen:


Soeben erst diesen thread entdeckt.
In diesem kurzweiligen Buch von Lorenza Foschini wird das Verhältnis Prousts zu dem Komponisten Reynaldo Hahn erzählt, ich lese es mit Gewinn.
»Und der Wind weht durch unsere Seelen«:
Marcel Proust und Reynaldo Hahn. Eine Geschichte von Liebe und Freundschaft | Rekonstruiert aus ihren Briefen | Paris im späten 19. Jahrhundert

Wenn ich mein MacBook per usb-Kabel mit meinem DAC verbinde, bekomme ich derzeit nur CD-Qualität. Also auch da muss ich noch werkeln.
Laut Apple müsste das aber mit DAC schon funktionieren:
Diese mitreißende Aufnahme (2. Satz!) ist auch digital verfügbar:
Für 300 Alben reicht das allemal.
Mann kann in itunes auch problemlos 5-10 tausend Alben verwalten.
Nach der wirklich sehr verstörenden Karajan-Mozart-Erfahrung (wie kann er damit zufrieden gewesen sein?), habe ich sozusagen zur Erholung und mentalen Reinigung in die drei Aufnahmen von Harnoncourt reingehört und bin an der zweiten (1991) mit dem Chamber Orchestra of Europe hängenblieben, die viel weniger manieriert ist als die letzte mit dem Concentus aus Wien. Mit dem Chamber Orchestra hat er auch die letzten beiden Symphonien aufgenommen, die inzwischen digital vorliegen.
Ich staune ja immer wieder, dass Harnoncourt weder bei den Traditionalisten noch bei den Puristen ungeteilten Zuspruch findet, er hat es verstanden, es niemanden Recht zu machen - was mir gefällt.
Und diese Aufnahme ist grandios und sollte eigentlich auch Hörer ansprechen, die Szells forschen Zugriff schätzen!

Hier wieder bei einer Probe für eine Grammophonaufnahme. Ich sehe einen harten Arbeiter mit angenehmem Umgangston und sachlicher Präzision...
In diesem Video wird seine Klangphilosophie deutlich:
"Nicht einen Ton neben den anderen setzen, sondern die zwei verbinden." (ca. 2.20)
(Schumann-Probe Teil 1)
Dieses Legato wendet er auch bei Mozart an und da passt es meines Erachtens nicht.
Danke, Alfred, der von nemorino erwähnte Probenmitschnitt von KV 543 ist nur auf der oben abgebildeten, gelben CD veröffentlich worden, aber er findet sich etwas versteckt auch in der Remastered Edition (über discogs gefunden):


Vielen Dank für den Hinweis! Warner veröffentlicht gerade ja die Karajan Aufnahmen digital wieder und da habe ich KV 543 auch gefunden, nur leider ohne Probenmitschnitt. Sehr schade. Von der Anlage her gefällt mir die frühe Aufnahme besser, aber irgendwie ist der Maestro auch hier nach der Suche nach dem Monumentalen in der Musik - was sich darin äußert, dass die Streicher dominieren und vermutlich auch mit viel mehr Bogendruck spielen als heute üblich (vielleucht weiß jemand mehr dazu?) - und das passt für mich nicht so gut zu diesem - ich sage das jetzt mal so dahin - 'anarchisch' unvorhersehbaren Komponisten. Bruno Walter ist da sozusagen demokratischer unterwegs und widmet sich jedem Instrumen gleichermaßen mit großer Hingabe.
Ich hatte auf die Gestaltung des ersten Themas (nach der Einleitung ab. ca. 3:30) in KV 543 hingewiesen in der späten Berliner Aufnahme. Bruno Walter ist auch mit großem Orchester unterwegs, spielt sogar etwas langsamer, aber im Vergleich ist das eine Frischzellenkur! Bei Karajan ist die Steigerung des Themas leblos, kontrastarm und steif musiziert, Blasinstrumente sind zudem eher unterbelichtet. Ich bin überhaupt nicht an einem Bashing interessiert und frage mich vielmehr, wie es kommt, dass ein großer Dirigent hier so danebenliegt. Wenn die früheren Aufnahmen gelungen sind, was ich nicht bezweifle, stellt sich für mich um so mehr die Frage, warum er Mozart so dirigiert hat, bzw. warum seine ansonsten ja erfolgreiche Klangphilosophie sich bei Mozart zu so einem Irrweg entwickelt hat? Die Streicher wirken wie zugeklebt und können nicht atmen. Bei 4.00 ist im Grunde nur noch noch eine undifferenzierte Phrase zu hören, die Musik ist wie verwischt und in Bögen zusammengefasst. Mozart lebt mE vom Dialog und 'Gegenspiel' der Instrumente, das findet hier nicht statt. In den schnellen Sätzen bei Schumann finde ich ihn übrigens auch problematisch (bspw. 1. Satz 2. Symphonie).
- ich sehe gerade, dass meine Antwort in einem falschen thread gelandet ist, keine Ahnung warum? Ich beziehe mich jedenfalls auf Mozarts Symphone KV 543!
Seinen Shostakovich-Zyklus, der auch unbekanntere Were berücksichtigt, kann ich nicht beurteilen, aber weder der Brahms-Zyklus aus Boston und schon gar nicht der Bruckner mit dem Gewandhaus Orchester haben für mich neue Türen aufgemacht.
Ja, ich meinte diese, bereits weiter oben erwähnte Aufnahme. Den späten Karajan finde ich grundsätzlich sehr interessant, die oben verlinkte Live Aufnahme der ersten Brahms Symphonie ist bezwingend gut, auch sein Bruckner aus Wien pulsiert. Aber bei Mozart höre ich nichts von diesen Meriten. Allein das Haupttema des ersten Satzes ist seltsam starr angelegt, der Klang eine einzige Fläche ohne Innenleben. Zu viel Bogendruck? Im unmittelbaren Vergleich zu Bruno Walter sind das Welten. Aber ich gebe dem zweiten Satz gerne noch eine Chance. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so ein großer Musiker diesen offensichtlichen Fehler nicht reflektiert hat.
Karajans Breitwandsound finde ich auch in der späten Aufnahme (mit Wiederholung im Kopfsatz) schwer erträglich. Mehr als den ersten Satz habe ich nicht geschafft. Der gebürtige Salzburger hat Mozart bis an sein Lebensende konstant aufgeführt, er hat sich immer wieder von Neuem an ihm versucht - und ist immer wieder komplett daran gescheitert. Ich frage mich, hat er das vielleicht doch geahnt? Wusste er etwas von dieser Unzulänglichkeit? Gerade auch im Vergleich zum wunderbar lebendigen Bruno Walter ist doch erstaunlich, wie sehr er hier danebenliegt, wie sehr er den Ton verfehlt. Ich kann mir bei einem so großen Dirigenten, der er es zweifellos war, nicht vorstellen, dass er mit seinen Mozart Dirigaten zufrieden war.
Von Krips gibt es übrigens wohl zwei Aufnahmen dieser Symphonie, wie ich soeben feststelle.
Apple Music (ich verwende über Windows noch itunes) ist doch eine gute Lösung: Du kannst die Daten auf einer externen Festplatte verwalten und beliebige Listen erstellen und die Musik nach eigenen Vorstellungen editieren. Du kannst dort nach Komponisten, Werken und Künstler sortieren. Was braucht man mehr? Ich habe dort sehr viel Alben gespeichert. Allerdings verwende ich das Apple Format, Flac kann nicht eingelesen werden, das ist ein Nachteil.
Ich auch! Das war mir gar nicht bewusst, wie viel da manipuliert wird, auch bei Streaming, dass die verschiedenen Anbieter, Apple oder Tidal nicht einfach einstellen, was die Produzenten liefern, sondern es noch einmal bearbeiten.
Gemeint ist, dass diese Plattformen unterschiedliche Einstellungen beim Streaming verwenden, die womöglich leicht unterschiedlich klingen, aber ich weiß, dass die files nicht extra bearbeitet werden, das wäre ja auch ein völlig unsinniger Aufwand in Zeiten von KI. Die downloadbaren files sind indentisch und werden in der Regel auch gleichzeitig an alle Anbieter ausgeliefert. Das ist komplett automatisiert.
Ja, aber der war ja nicht auf Wien beschränkt (oder fokussiert)
Interessanterweise greift die ‚Aufstieg des Bürgertums‘-These in Wien nicht. Es war da wohl eher eine glückliche Fügung aus Hofkultur, Mäzenantentum und wirtschaftlichem Aufstieg. Die Gründung des Wiener Konzertsaals 1781 und auch die umtriebigen Klavierbauer (Streicher, Graf), über die wir bereits gesprochen haben, werden dazu beigetragen haben, dass hier innerhalb einer doch recht kurzen Zeit so viele Meisterwerke entstanden sind.
Ich finde das Thema sehr spannend und freue mich, dass es aus der Versenkung geholt wurde. Grundsätzlich bin ich davon überzegut, dass jedes Genie auf ein Umfeld angewiesen ist, das seine exzellenten Fertigkeiten nachfragt und fördert. Es mag auch vorkommen, dass widrige Umstände eine künstlerische Aktivität provozieren, aber die Wiener Klassik führt vor, wie ein bereicherndes Umfeld einzigartige Leistungen hervorbringen kann.
Ich finde es bemerkenswert, dass in so kurzer Zeit, so eng aufeinanderfolgend, so bedeutende Repräsentanten der westlichen Musik erschienen, deren Kunst dann auch weitgehend das 19. jahrhundert mitbestimmt hat.
Zumal es in der Literatur einen ähnlich einzigartigen Aufschwung in dieser Zeit gab. Ich hatte dazu mal einen thread gestartet und es hängt sicher mit der Säkularisierung und dem Aufstieg des Bürgertums in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zusammen und dem damit verbundenen Wunsch nach eigenen und neuen Ausdrucksmöglichkeiten (auch Ausdifferenzierung genannt). So zumindest eine These.
Da kann umgekehrt die Meinung, gewaltsam etwas anders machen und also immer etwas Neues zu glauben sagen zu müssen, zur Verkrampfung führen.
Das ist ein Aspekt, der auf manche Inszenierungen zutreffen mag, sozusagen der Fluch der Originalität, in einer der Konwitschny-Kritiken (ich glaube von Eleanor Brüning) war davon die Rede.
Michelangeli entschied sich aber für die unperfekten Konzertmitschnitte, die dann auch veröffentlicht wurden, weil er sie nach dem Abhören für lebendiger befand als die perfekte Aufnahme unter Studiobedingungen. Die eigentliche Studioaufnahme wurde nie veröffentlicht.
Das ist interessant und belegt ja ganz gut, dass er sich der Gefahr der Leblosigkeit durch Perfektion bewusst war. Steht in den Buch von Cord Garben, oder?
Digitale VÖ von Gavrilovs Schumann-Album.
Sehr virtuos (Paganini!), aber auch innig. Balance ausgezeichnet - zweifellos einer der besten Carnavals.
Eine hoffnungsvolle Karriere, die sich einige Jahre später verloren hat. Warum?
Stimmt allerdings doch, man beachte meine Anmerkung "Breitenwirkung" im Gegensatz zu vereinzelt, was es natürlich früher auch schon gegeben hat.
Wenn man jede Bauernbühne auf dem Land mitberücksichtigt, ist das wahrscheinlich so. Bei den stilbildenden Häuser in den Metropolen ergibt sich ein anderes Bild, ich habe etliche historische Beispiele genannt, wo entweder erhebliche Eingriffe in das Original vorgenommen oder eine Ideologie aufs Parkett gebracht wurde. Das gibt es, seit es Theater gibt. Es geht nicht nur um Kostüme und Kulissen. Das sogenannte moderne RT ist von dieser schon immer gelebten Praxis lediglich eine zumeist negativ konnotierte Abwandlung.
Auch wenn bei den Symphonischen Etuden Elly Ney für mich unerreicht ist
Ich das diese Aufnahme?

Die Breitenwirkung des RT setzte erst in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts ein, auch geographisch eingeschränkt.
In Hinblick auf Theateraufführungen stimmt das definitiv nicht. In dem oben verlinkten Text von ETA Hoffmann aus dem Jahr 1819 finden sich dafür zahlreiche Beispiele, die auch aus unserer Zeit stammen könnten. Nach heutigen Kriterien ist bereits Goethes Aufführung von Schillers 'Wallenstein' Regietheater, da Goethe die heute bekannte Dreiteilung des Stoffs mitveranlasst hat.
Und was die Oper betrifft: Es gibt Opernskandale, seit es die Oper gibt, viele aber im 19 Jh., als sich die Oper vom Hof gelöst hat. Das ist sicher kein Zufall und würde eine Untersuchung lohnen.
Wieland Wagners Meistersinger 1956 war ein Regie-Skandal: "Keine schnuckelige Gasse, kein Schusterladen von Hans Sachs, kein Haus von Veit Pogner und kein einziger Baum. Dabei hat Richard Wagner das doch explizit gewünscht. Stattdessen: eine Riesenbohne auf dem Bühnenboden aus Kopfsteinpflaster gefertigt, vielleicht ein überdimensionierter Fußabdruck! Etwa eine Anspielung auf das Nazi-Erbe von Nürnberg oder nur auf den Beruf von Hans Sachs? Gigantische Kugeln aus Blattwerk baumeln von der Decke, sind das etwa entwurzelte Bäume?! Ansonsten: Leere."
Ich hatte zudem schon mal draufhingeweisen, dass nach heutigen Kriterien im 3. Reich RT praktiziert wurde. Es wurde die Ideologie des 3. Reichs auf die Bühne geholt.
Die Vergegenwärtigungen in der zweiten Hälfte des 20 Jh. fallen dem Zuschauer lediglich mehr ins Auge, weil sich die Gegenwart des Zuschauer immer weiter von der Historizität der Stücke entfernt.
Da es diese Praxis nun nachweislich schon lange gibt, da auch ein Wagner in diese Richtung gedacht hat, wie Du selber betont hast, und da auch viele andere Künstler von Bedeutung in diese Richtrung denken udn arbeiten, da dabei einiges von Bedeutung entstanden ist (gewiss nicht alles) - ist diese Praxis Teil unserer Kultur. Und wird es bleiben. Ob es Dir gefällt oder nicht. Und man kann sicher festhalten, dass unsere Kulturlandschaft ohne diese etablierte Praxis ärmer wäre. Gerade weil sie Diskussionen auslöst und zum Nachdenken zwingt. Sieht man ja auch hier.
Da hilft es nicht populistisch danach zu verlangen, dass man für seine Steuergelder gefälligst das HISTORISCHE ORIGINALWERK sehen möchte. Du hast darauf schlichtweg keinen Anspruch. Staatlich subventionierte Kultur ist kein Bestellsystem, auch wenn unser Kultusstaatsminister das möglicherweise anders sieht.
Aber: Vielen Dank für den Hinweis auf den aufschlussreichen und witzigen ETA Hoffmann-Text, den hatte ich nicht mehr präsent.
In einer anderen Passage desselben Textes wird die Praxis der sinnentstellenden Kürzungen kritisiert. Es ist von daher abwegig anzunehmen, dass das alles keinen Realitätsbezug hat.
Es hat natürlich einen Realitätsbezug, nämlich den, dass bereits um 1819 im bürgerlichen Theater Stücke erheblich verändert worden sind.
ETA Hoffmann war ein begeisterter Theatergänger und beleuchtet in dem Prosatext diese Praktiken mit viel Humor aus unterschiedlichen Perspektiven.
Das gehört von Beginn an zum bürgerlichen Theater dazu und ist keine Erfindung der Neuzeit, wie hier immer wieder behauptet wird.
Das ist die literarische Fiktion.
Man kann eine Fiktion nicht als Meinung des Autor ausgeben, zumal in einem dialogischen Prosatext, der von einer anderen Figur bespiegelt wird. Auch ist der Ton ein anderer als von Dir dargestellt. Es ist ein humoristischer Blick aufs Theater, das sich schon Anfang des 19 Jahrhunderts mit ähnlichen Fragen beschäftigt hat, wie sie hier diskutiert werden.
Es gibt keinen besseren Beweis, dass das sogenannte RT (im Theater) keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern dass von Beginn an des bürgerlichen Theaters Stücke für Aufführungen erheblich verändert worden sind. Wie es am Hof zuging, wäre noch herauszufinden?
https://projekt-gutenberg.org/…n-eines-theaterdirektors/
Man findet die ziemlich lustige Passage, wenn man im Text nach "Correggio" sucht. Die Correggio-Pointe versteht man nur mit Vorlauf. Der Text ist aus dem Jahr 1819.
"....»Ich spiele den ganzen Correggio durchweg stocktaub!«
Der Graue. Herrlich, o herrlich! – Selbst in mittelmäßigen Stücken, glaube ich, ist es doch eine gar mißliche Sache, über die Intention des Dichters wegzuspringen und Eignes, woran er nicht dachte, zu Markte zu tragen. Oft hört man von diesem, jenem großen Schauspieler, er spiele eine ganz kleine, unbedeutend scheinende Rolle, die durchaus nicht in das Stück eingreife, so vortrefflich, er statte sie mit solch besonderer Originalität aus, daß er alles um sich her verdunkele. Das mag nun ganz artig anzusehen sein, aber daß alle Haltung, das ganze Stück darüber zum Henker geht, leidet keinen Zweifel.
Der Braune. Das ist nur zu wahr, und die Triebfeder dieser Ungebührnis ist doch nichts anders als grenzenlose Eitelkeit, die Sucht, sich geltend zu machen auf Kosten des Dichters und der Mitspieler –"
