Beiträge von Kinderstück

    Das Grimmsche Wörterbuch sagt ausdrücklich, dass es auch die synonyme Verwendung von "Leier" und "Leierkasten" ("Drehorgel") gibt

    ja, das geht manchmal durcheinandern und erfordert Vorsicht.

    Schaut man nun in den Text, dann stellt man fest, dass der Leiermann barfuß läuft, also offenbar als Bettlergestalt gemeint ist. In der Zeit, als Müller die "Winterreise" schrieb, ist aber die seit Anfang des 18. Jhd. sich stark verbreitende Drehorgel (und nicht die mittelalterliche Leier) ein allbekanntes Bettelinstrument.

    die scharfe Gegenüberstellung von Drehorgeln und Drehleier in dieser Hinsicht wird da der Historie m.E. nicht recht gerecht. Die Drehleier hat die viel längere Geschichte, und war neben der Verwendung als deklassiertes Instrument auch hoch angesehen.


    Der Gebrauch durch sozial Deklassierte blieb aber im ganzen 19. Jh. präsent:


    The instrument still occurred as a street instrument in many places throughout Europe till about the twentieth century

    http://www.hurdygurdy.org/pdfs/hghistory.pdf


    siehe auch hier:


    https://en.wikipedia.org/wiki/…(1887)_p051_Fig.25-27.jpg





    Müller wählt - das wäre eine Deutung - ganz bewusst "altertümelnd" den mittelalterlichen Leiermann und nicht den alltäglich bekannten Leierkastenmann, um die Erstarrung der Zeit anzudeuten: Die Zeit ist stehen geblieben

    ein anderer Gesichtspunkt wäre, daß gerade ein Wilhelm Müller doch kaum die "barbarische" Wortbedeutung verwenden wird anstelle der, die die griechische Wurzel bewahrt.

    Für die Semantik ist das aber letztlich nicht entscheidend. Das Drehmoment ist das Entscheidende. In der romantischen Literatur ist das "Drehen" auch ein verbreitetes Motiv für das Gefangensein im Rad der Zeit.

    kein Einspruch. Für mich wäre vor allem wichtig, daß der "realistische" Hintergrund von Schuberts Komposition nicht verkannt wird.

    Wirklich?


    Schuberts Komposition entspricht genau der Konstruktion der Drehleier. Bordunsaiten, die "Melodie" von einfachsten Fingerbewegungen auf der Tastatur inspiriert.


    Much has been made of the fact that the old man plays a hurdy-gurdy. According to some, the drone [Bordun] sounds and mechanized action of this humble instrument, by the eighteenth and nineteenth century a beggar's instrument, scarcely deserves the designation "music"; the hurdy-gurdy is thus a prop that adds to the grimness and desolation of the scene. Actually, of course, the hurdy-gurdy is only partly mechanical. The drone strings are set into vibraton by a wooden wheel revolving in the middle of the soundbox and turned by a crank at its tail end; the melody strings or chanterelles are operated by a keyboard mechanism or set of stopping rods.


    Youens, Susan: “Retracing a Winter Journey: Reflections on Schubert's ‘Winterreise.’” 19th-Century Music, vol. 9, no. 2, 1985, pp. 128–135. JSTOR, http://www.jstor.org/stable/746578. S.132


    genaue Beschreibungen, Abbildungen s. auch.:


    Jan Bostrigde: Schuberts Winterreise, München 2015, S. 377ff.

    kleine Korrektur:


    die Drehleier bei Müller/Schubert hat mit unserer Drehorgel (Leierkasten) nicht das geringste zu tun. Es handelt sich um ein Saitenistrument, wobei die Saiten durch ein gedrehtes Rad angeregt werden. Die Verkürzung der Saiten erfolgt miittels einer Tastatur. Es gibt Bordunsaiten, Schubert komponiert, wie die sich ständig am Rad verhaken.


    hier ein solcher blinder Leiermann:


    http://www.belencribs.org/el-p…cal-del-escultor-salzillo


    es handelt sich um eine Figur aus der großen Weihnachtskrippe von Salzillo, Murcia

    Was bitteschön ist ein "tautologischer Kontext"? Das ist einfach Nonsens

    du hattest die Tautologie hier als "Kontext" angeführt. Klar ist das gar keiner. Habre darum "Kontext" immer in "" gesetzt:

    postID=677541#post677541">

    So eine Aussage darf man erst einmal nicht aus ihrem Kontext reißen. Wenn Schumann das schreibt, dann nur deshalb, weil die gängige Aufführungspraxis eben aus solchen "Abscheulichkeiten" bestand.

    also Schumann kritisiert, weil er was für kritikwürdig hält.


    Das Unterstrichene sagt, dass das nur für Stücke "guter" Tonsetzer, sprich "vollkommene" Werke gilt.

    auch geschenkt. Bei nicht guten Stücken braucht man sich nicht aufzuregen. Die soll man nach Schumann sowieso meiden. Fraglich, ob die für Schumann Werkcharakter hatten.



    wieder aus den Hausregeln:


    Spiele, wenn du älter wirst, nichts Modisches. Die Zeit ist kostbar. Man müßte hundert Menschenleben haben, wenn man nur alles Gute, das da ist, kennen lernen wollte. –

    [-...]

    Schlechte Compostionen mußt du nicht verbreiten, im Gegentheil sie mit aller Kraft unterdrücken helfen. –


    Du sollst schlechte Compositionen weder spielen, noch, wenn du nicht dazu gezwungen bist, sie anhören. –

    Das wird jetzt einfach mal so behauptet! Ist aber nachweislich falsch. Die "werktreue" Interpretation, die sich buchstäblich an den Notentext hält, ist eine sehr moderne Erfindung, entstanden im 20. Jhd

    z.B. Robert Schumann in den Hausregeln:


    Betrachte es als etwas Abscheuliches, in Stücken guter Tonsetzer etwas zu ändern, wegzulassen, oder gar neumodische Verzierungen anzubringen. Dies ist die größte Schmach, die du der Kunst anthust. –


    schärfer gehts kaum.


    Die Behauptung ist leider historisch und sachlich belegbar falsch. Ausgerechnet Alfred Brendel selbst (!) nämlich weist auf Beethoven hin, der bezüglich seiner "Hammerklaviersonate" (op. 106) an Ries schrieb, der Aufführende könne auch wenn er wolle die Reihenfolge der Mittelsätze (Scherzo und langsamer Satz) umstellen und die Einleitung zum Schlusssatz einfach weglassen

    für den instrumentalen klassisch-romantischen Kernbereich sind sowas absolute Sonderfälle.


    Und die gelegentliche Komposition veschiedener Versionen eines Werkes durch den Komponisten selbst ändert am Grundsätzlichen auch nichts.


    das heißt nicht, daß Bearbeiten verboten wäre, es gibt ja zahlreiche Transkriptionen für andere Beseztzungen. Diese wollen aber damit aber nicht "interpretieren", sondern die Musik weiteren Verwendungen zuführen.

    es ist Album für die Jugend:


    Liebe Forumsmitglieder,

    Viktoria Mullova hat in ihrem Konzert in der Kölner Philharmonie eine Zugabe gespielt. Es ahndelt sich um eine Stück für Violine solo. In einem Zeitungsartikel von diesem Konzert wurde erwähnt, dass es sich um eine Sarabande von Johann Sebastian bach handelt. Ich habe alle mir vorliegenden Sarabanden von Bach durchgehört. Eine Übereinstimmung habe ch nicht gefunden. Daher möchte ich mich an die Mitglieder dieses Forums wenden, um mir bei der Bestimmung des Stücks behilflich zu sein. Hier der Link zu dem Stück:

    Viktoria Mullova - Encore - Johann Sebastian Bach

    Ich hoffe, dass jemand das Stück erkennt. Vielen Dank für die Hilfe.

    es handelt sich auch nicht um ein "Sarabande" benanntes Stück, sondern um das Largo aus der 3. Sonate C-Dur BWV 1005 aus den 6 Sonaten und Partiten für Violine solo.

    Dieses "aus urheberrechtlichen Gründen" ist sinnfreies Geschwurbel. Der wahre Grund ist ihnen peinlich, daher verschweigen sie ihn.

    das kann im Einzelfall natürlich stimmen, ist aber keineswegs zwingend. Wenn ein paar der Ausführende nicht wollen, dann können die andern gar nichts machen. Wie eventuelle vorherige Verträge aussehen müssen, die das ausschließen, weiß ich nicht.

    ähnlich wie bei anderer Gelegenheit auch schon, muß ich hier doch einiges in Frage stellen.


    Und so ist für ihn offenkundig, „dass die >Winterreise< in radikaler Reduktion der künstlerischen Ausdrucksmittel

    welche Reduktion mag das sein? daß solche bisher unerhörte Reduktion wie im Leiermann vorkommen, ist doch eher eine Erweiterung der Mittel ins Extreme.

    Zitat

    Mit dem ersten Schritt übernimmt die Komposition die Führung des Hörers. Sie stimmt ihn auf eine Gefühlslage ein, die den ganzen Zyklus dominiert. Man hört den schweren Schritt des Flüchtlings, noch bevor ein Wort gesungen ist.

    einen "schweren Schritt" gibt es in der ganzen Winterreise nicht. In" Rast" mag ein solcher des Ermüdeten nachklingen, quasi nachträglich, denn:


    Die Füße frugen nicht nach Rast,
    Es war zu kalt zum Stehen;
    Der Rücken fühlte keine Last

    Zitat

    kehrt nach diesem gescheiterten Versuch, in Liebe Erfüllung zu finden, zu ihm wieder zurück.

    "Versuch, in Liebe Erfüllung zu finden>" - wäre das nicht etwas eigensüchtig? Dann wäre dem Wanderer eigentlich ganz recht geschehen, wenn er verlassen würde?

    Zitat

    Es spricht für die Größe Schuberts, dass er sich der wagnerschen Versuchung verweigert, die Illusionslosigkeit seines Wanderers durch neue Illusionen >kunstvoll< im Wahn befrieden zu wollen.“

    wie hätte Schubert das mit dieser Textvorlage wohl anstellen sollen?

    Das kann nicht stimmen, sondern das ist nur eine Auswahl der vielleicht bekanntesten. Allein in Deutschland gibt es weit mehr als nur 11 Musikhochschulen, nämlich 31. Im riesigen China werden das mehrere Hunderte sein

    die Anzahl ist immer noch unplausibel. Um eine Million Klavierstudierende zu versorgen, müßte es ca. 2000 nach europ. Maßstäben große musikalische Ausbildungsstätten im Hochschulrang geben (mal einfach 500 Klavierstud. pro Hochschule angesetzt)


    nach offiziellen Angaben gibt es in ganz China ca. 2900 Hochschulen (Unis und andere) überhaupt, da ist die Musik mit drin.


    https://de.wikipedia.org/wiki/…n_der_Volksrepublik_China


    Nun kann es auch an Unis praktische Musikausbildung geben wie in den USA üblich und auch in Dt. vorkommend (Mainz und Münster).


    hier wird allerdings die Zahl 11 bestätigt:


    The training of professional musicians and music teachers in the People’s Republic of China takes place at eleven Conservatories and Art Institutions strategically placed throughout the country. All but the Conservatory of Chinese Music in Beijing deal primarily with training in Western-style music, though all offer programs in Chinese music. The most prestigious institutions are the Central Conservatory of Music in Beijing and the Shanghai Conservatory, and these take only the very best students from all over China. Others take students only from their own or neighbouring provinces but standards remain high throughout. Entry is by audition. [...]

    Last update April 2019

    https://idmmei.org/record.php?id=303


    also aus meiner Sicht ist die Angabe "1 Million Klavierstud. in China" weiterhin erheblichen Zweifeln ausgesetzt.


    Dass der Wohlstand in China dafür verantwortlich ist, dass dort verglichen mit Deutschland mehr Leute Musik studieren, halte ich immer noch für abwegig.

    die Angabe selbst bezweifele ich weiterhin - s. oben.


    Das soll aber nicht in Zweifel setzen, daß auch in China wie in ganz Ostasien ein äußerst starker Impetus zur Pflege europäischer "klassischer" Musik.


    Ich würde allerdings dem wachsenden Wohlstand doch eine wesentliche Rolle zubilligen, denn meiner bescheidenen Beobachtung nach kann man eine solche Tendenz fast weltweit feststellen: wo nur ein wenig eine Mittelschicht existiert, die es sich leisten kann, kommt es zu Bemühungen und Aktivitäten in dieser Richtung. Sicher ist Ostasien da bei weitem der Vorreiter.


    habe mal ein wenig in Madagaskar, einem ganz armen Land, wo aber auch dort eine gewisse Mittelschicht sich herausbildet, recherchiert. Es gab mehrere Bemühungen um Gründung einer Musikhochschule, die es jetzt formell auch gibt, wenn auch noch ohne wesentlichen Gehalt. Und ein - eventuell doch bezeichnendes - Kuriosum: es existiert im Netz eine komplette, den großen europäischen MHS abgeschaute madagassische fake-Musikhochschule, die jemand, der das Königtum in Madagaskar wieder einführen und König werden will, erstellt hat - mit allem drum und dran und echt existierenden Lehrkräften.


    empfehlenswert.

    http://conservatoire-cnsmm-madagascar.blogspot.com/

    Nein, das sind ausschließlich Studenten des Fachs Klavier an Hochschulen.


    Schöne Grüße

    Holger

    das wäre dann allerdings tatsächlich eine sehr, sehr hohe Zahl.


    lt. MIZ hat in Deutschland ca. 9000 Instrument-Studierende (von denen also die Klavierstudierenden nur einen, wenn auch erheblichen Teil darstellen).


    http://www.miz.org/downloads/s…sikberufe_Studienfach.pdf


    das wäre dann in China im Verhältnis zur Bevölkerung der ca. 7fache Anteil von allein in der Klavier-Hochschulausbildung befindlichen (also die 1 Million) im Vergleich mit den in Dt. in der gesamten Instrumental-Ausbildung befindlichen.



    ich frage mich jetzt allerdings doch, wie sieht es mit den Ausbildungskapazitäten aus? Wikip. verzeichnet 11 Musikhochschulen/Konservatorien in China:


    https://de.wikipedia.org/wiki/…n_der_Volksrepublik_China

    die also im Schnitt jeweils ca. 91000 Klavierstudierende haben müßten.


    die älteste Musihochschule Chinas in Shanghai hat allerdings nur 1300 Studierende, was einer großen europäischen Musikhochschule entspricht.


    https://en.wikipedia.org/wiki/Shanghai_Conservatory_of_Music

    Lieber Holger, einem Vergleich zwischen Deutschland und China, wie Du ihn anstellst, kann ich nicht folgen. :( In einem will ich nachhaken. Sind mehr als eine Million Musikstudenten im Vergleich zu einer Gesamtbevölkerung von rund 1,4 Milliarden denn so viele?

    man müßte erstmal wissen, ob es Studenten einschließl. Schüler an Musikschulen sind oder tatsächlich Musikhochschulstudierende.

    Danke für das Einstellen des längeren Zitats. Es ändert meine Vorbehalte allerdings in keiner Weise.

    "Es ist die Klavierstimme, die den düsteren Farbton essentiell präsentiert; diese dunkle Farbe durchdringt die gesamte >Winterreise<, und das Vorspiel der Klavierstimme scheint den kompletten Zyklus von Anfang an andeuten zu wollen.

    einverstanden.


    Zitat

    Die schwermütigen Klänge des 2/4-Takts ertönen wie ein schleppender Gang oder ein trübseliger Pulsschlag in den Adern. [...] Sein schwerer Gang,

    Andante pianissimo portato (T. 7ff) ein "schleppender, schwerer Gang"? (man vergleiche Mussorgsky, Bydlo aus Bilder einer Austellung für "schweren Gang").


    frische Traumata erhöhen den Pulsschlag.


    Gegenvorschlag: Tief verletzt, jederzeit kann der Stich ins Herz sich wieder melden, kaum schon der Trauer fähig,


    Der Verfasser geht dabei sinnvollerweise zunächst auf das Vorspiel und den Zweivierteltakt ein, „die Klavierstimme, die den düsteren Farbton essentiell präsentiert“, und er deutet den „schweren Gang“ als ein Nicht-gehen-Wollen.

    das allein schon könnte einem das Buch schon verleiden. "Gute Nacht" ist nicht "schwer". Die Melodieführung mäßig beweglich, sicher immer wieder abwärts gerichtet, man mag sagen, sie folgt der Schwere, ergibt sich, aber das macht bekanntlich leicht. Zu Anfang der Pathétique, da spürt man Schwere an den Mühen des sich Emporringens. Ohne weiteres wird immer neu in der Höhe angesetzt. Beim D-Dur (will dich im Schlaf nicht stören) geradezu ein Schweben (prosaisch: etwas erhöht auf den Zehenspitzen gehen).

    Zitat

    im Kapitel „Subjektivitäts-Bewusstsein und Statusdenken“, widmet sich der Verfasser ausführlich der Frage: „Heiratet die junge Frau einen reichen Mann und verlässt seinetwegen die Hauptfigur, oder kommt sie aus gutem Hause?“,

    sowohl als auch. Das Haus hat Hundehaltung, Garten, schmucke Wetterfahne.


    Zitat
    Wenn er dann wieder auf das erste Lied der Winterreise zurückkommt, dreht sich die Reflexion um die Frage, ob der Protagonist sein „Gute Nacht“ mit einem Schreibwerkzeug auf die Tür geschrieben hat oder mit den Fingern in den Schnee,


    ...an die Tür schreiben? Mit "schneeweisser" Kreide (mit Sicherheit keine rote). Er ist Hauslehrer und hat sowas zur Hand. Täglich hat er dem Mädel was auf die Tafel geschrieben, französische Grammatik z.B.

    Zitat

    Es folgt ein Nachdenken über das Problem, „wo der junge Mann gewohnt haben könnte“,

    im Haus natürlich. Wie kommt er sonst dahin, wenn alle schon schlafen?

    Der Mond ist aufgegangen", Dichter Claudius, Komponist JAP Schulz. Einfacher, frommer Text, sehr einfache Melodie, leicht zu singen, herzrührend also empfindsam, aber auf die Dauer musikalisch nicht befriedigend.


    Lektüreempfehlung:


    Lars Ulrich Abraham u. Carl Dahlhaus: Melodielehre, Köln 1972. Darin finden sich 32 Seiten über "Der Mond ist aufgegangen" (S. 80)

    dass Albertibässe satztechnisch gesehen banal und minderwertig sind.

    nein. Albertibässe KÖNNEN banal und minderwertig sein. Sie können aber auch - vom meisterlichen Komponisten - im Verein mit der Melodik Bestandteil subtilster intervallischer, harmonischer und klanglicher Feinstarbeit sein. Und zugleich "schlicht" anmuten.


    edit

    übrigens ist "Hänschen klein" ein echt gutes Lied, über das man lange nachdenken kann.

    Das erinnert mich stark an die Zahlenmystik um Bach. Um diese sind auch schon dicke Wälzer geschrieben worden.

    ich finde den Anspruch dieses Vortrags auch ganz schön hochgegriffen, würde den gern lesen.


    Aber Zahlenmystik ist was anderes, Skepsis der gegenüber sagt zum Vortrag nicht das geringste.

    Damit hat auch normalerweise niemand ein Problem, außer natürlich Leute, die nicht damit leben können, dass die Welt (und damit zwangsläufig auch die Kunst) sich ändert.

    der Einwand geht vielleicht weniger dahin (oder könnte jedenfalls dahin gehen), dass Kunst sich nicht ändern dürfte, sondern dahin, dass diese Änderung in unzweckmäßiger Weise an dafür nicht geeigneten Vorlagen durchgeführt wird, so dass lächerliche Zwitter von Alt und Neu entstehen.

    meinem Eindruck nach spricht Wagner davon, daß immer neue Kunstwerke geschaffen werden müssen, d.h. gerade nicht "alte" Kunstwerke "neu inszeniert", sondern wirkliche Neuschöpfungen (Kompositionen). das geht m.E. insb. aus dieser Stelle hervor:


    dem erneuten Verlangen könnte nur ein neues Kunstwerk entsprechen, das wiederum aus einer ebenfalls neuen Entwicklungsphase des Künstlers hervorgegangen ist.


    mit dem "Künstler" meint er hier doch offenbar den Librettisten/Komponisten, nicht irgendeinen Regisseuer.