Beiträge von Timo

    wenn ein Komponist ein Werk schuf, dann gibt das Werk zu denken. Das Werk ist vom Komponisten abgetrennt. Das Werk hat eine halboffene Struktur, diese: "Die Schrift - und das kommt noch hinzu: ...!" Was, das zeigt der Interpret, was das Werk auch noch ist. Wohin das Werk als Werk reicht, so weit reicht der Impuls des Komponisten nicht. Das Werk ist ein Kontinuum des Werdens. Das Kontinuum hat einen diskreten Abschnitt, das ursprüngliche Werk und die Werkgeschichte, und hat einen stetigen Teil, noch unteilbar, den die Interpreten schaffen. Große Werke gibt es nicht ohne große Interpreten.

    Auch wenn es in diesem Thread offtopic ist, möchte ich diese These hinterfragen: Was ist mit Werken, die so gut sind, dass sie auf jedem Instrument gut klingen und nicht durch eine schlechte Interpretation kaputt gemacht werden können (ich schlage vor: Die Kunst der Fuge), oder mit solchen, in deren Partitur kaum Spielraum für Interpretationen bleibt, weil sie bis aufs Kleinste alles festlegt?

    Insofern ist das Programm, das im Eröffnungsbeitrag verlinkt wurde, schon interessant. Es eignet sich - wie ich finde - aber wohl nicht so sehr für musikalische Diskussionen, ob nun statt Richter nicht hätte ein anderer Dirigent für Bach hätte ausgesucht werden sollen. Oder? Selbst bin ich mit dieser Königin der Nacht auch nicht sonderlich glücklich bei dem Gedanken, dass das alles gewesen sein soll was bleibt? ;)


    Ich fasse den Thread mal als Frage "Mit welchen wenigen Stücken würdet ihr die (klassische) Musik der Menschheit gegenüber jemandem, der noch keinen Kontakt mit ihr hatte, darstellen?" auf. Bei Bach hätte ich statt des WTK mit Gould den unvollendeten Contrapuctus mit Gould (auch, damit die Außerirdischen was zum Vollenden haben), statt der Gavotte en Rondeaux mit Grumiaux die Chaconne mit Grumiaux und statt des Auszugs aus den Brandenburgischen Konzerten auf jeden Fall ein Vokalwerk wie den Eingangschor der Johannes- oder Matthäuspassion oder einen Chor aus der h-Moll-Messe gewählt (mit der Nederlandse Bachvereniging, wenn es damals schon Aufnahmen gegeben hat). Ich würde mir auch überlegen, ein Instrumental- durch ein Vokalwerk zu ersetzen.

    In der ZEIT von dieser Woche ist ein Artikel über den Erwerb Mahlers Bach-Ausgabe durch das Bach-Archiv Leipzig, allerdings ohne die Matthäuspassion.

    Hilary Hahn, Paris

    Enthält Chausson: Poème, Op. 25, das erste Violinkonzert von Prokofiev und ein für Hilary Hahn komponiertes Werk.

    Gestern, am Todestage Prokofievs, erschienen und ich habe es mit der Forumsuche nicht gefunden. Daher, und weil ich bisher nur das Poème gehört habe, poste ich es hier.

    Danke für die Antwort. Mich würde zumindest interessieren, ob du meinen Eindruck nachvollziehen kannst. Die Tonfolge kann vom Weihnachtsoratorium, der Matthäus-Passion oder einer der vielen Kantaten stammen...



    Thomas

    Ich habe es mir gerade in der Aufnahme mit Emma Kirkby angehört. Meine spontane Assoziation für die ersten Töne von Nummer 2 war »Die Liebe zieht mit sanften Schritten« aus BWV 36. Passt das für dich?

    Das ist vermutlich nicht die Antwort, die du suchst, aber diese Kantate, die vermutlich Spätwerk ist, kommt von BWV 210a von 1729 (siehe den Oxford Composer Companion J.S. Bach, auch in Wikipedia), die dadurch rekonstruiert wurde. Soweit ich weiß und bekannt ist, hat Bach nicht geistliche Musik in weltlicher Musik verwendet. Ich höre mir die Kantate auch bald einmal an. Laut meiner Quellen soll sie für die Sopranstimme ziemlich virtuos sein.

    Auf Primephonic kann man schon »Gute Nacht«, »Die Krähe« und »Der Wegweiser« hören. Auch ohne Booklet meine ich, die Empfindungen der Frau hören zu können. Die Textverständlichkeit ist gut, mehr Dynamik und Ausdruck, als ich von Fischer-Dieskau, Schreier oder Quasthoff gewohnt bin. Das wird vermutlich eine kaufenswerte Aufnahme werden. Danke für den Hinweis!

    Leider sind die Aufführungen zu einer für auswärtige Präsenz-Live-Hörer ungünstigen Zeit: Freitagabend. Eine Freundin wohnt aber in St. Gallen und hat mich für eine unbestimmte Aufführung in der Zukunft eingeladen.


    Die Aufführungen des ähnlichen All-of-Bach-Projektes gefallen mir musikalisch noch etwas besser, aber die Werkeinführungen mit Rudolf Lutz am Keyboard sind mitreißend.

    Besitzt hier jemand empfehlenswerte Vertonungen des Johannesprologs? https://www.bibleserver.com/text/EU/Johannes1


    Mit einer Google-Suche nach "Vertonung Johannesprolog" findet man z.B.

    von Lorenz Maierhofer https://www.helblingchoral.com…das%20Wort%20Programm.pdf, ein Oratorium, in das man auf https://www.helbling-verlag.de…ame=product&product=C6237 reinhören kann.

    von Jutta Bitsch http://wiki.muenster.org/index.php/Jutta_Bitsch (ohne Aufnahme).

    Zählen auch mitscrollende farbige Partituren/Klavierauszüge, die Zusammenhänge verdeutlichen, als herausragende Visualisierungen?


    Für automatisch erstellte Visualisierungen: Der Player Clementine erstellt ein "Stimmungsbarometer" eines Stückes, aber die ist sehr grob.

    Kann es sein, dass die Kunst der Fuge relativ selten aufgeführt wird? Was könnten Gründe dafür sein? Wird sie vielleicht von vielen als zu trocken, theoretisch und unemotional empfunden? (Ich könnte dazu Erwiderungen bringen.) Wenn ich nach Aufführungen suche, finde ich auch Jazz-Bearbeitungen, was danach klingt, als müsse man sie erst schmackhaft machen.

    Ich habe es mir jetzt gekauft, schön geschrieben. Für einzelne Kantaten muss man allerdings an mehreren Stellen nachlesen, das ist anders aufgebaut. Im aktuellen Bach-Magazin ist auch eine positive Besprechung.

    Und hier nun die neueste Veröffentlichung - seit 26. Oktober 2018 erhältlich: Die Partiten von Johann Sebastian Bach BWV 1001-1006. Ich bin kein Spezialist auf diesem Gebiet, und soweit ich weiß gibt es bei Tamino bislang noch keinen eigenen Thread über diese 6 Werke.


    Die Sonaten und Partiten für Violine solo sind doch hier?


    Bach Violine solo


    Die Chaconne nochmal extra hier:


    Bach Chaconne d-Moll BWV 1004



    Danke für den Hinweis auf die Aufnahme!

    Ich suche Analysen der Bachkantaten. Die Kurzübersicht

    gefällt mir schon gut, aber ich will mehr Details. Vom Werk
    Krummacher, Friedhelm
    Johann Sebastian Bach. Die Kantaten und Passionen
    Band 1: Vom Frühwerk zur Johannes-Passion (1708-1724), Band 2: Vom zweiten Jahrgang zur Matthäus-Passion (1724-1729)
    https://www.baerenreiter.com/shop/produkt/details/BVK2409/

    sehen die Leseproben sehr interessant aus, auch die Passionen werden besprochen, und würden in meinen Augen den hohen Preis rechtfertigen. Hat das hier jemand und könnte seine Meinung dazu sagen?


    (Hinweis an Moderator: Ich habe auf der zweiten Seite des Unterforums schon den Thread http://tamino-klassikforum.at/…page=Thread&threadID=4561 gefunden.)