Beiträge von Carlo

    Liebe Melomanen,


    hier folgen einige Aufnahmen aus dem Konzertrepertoire Kerstin Meyers:



    „Sörgemusik över Gustaf III.“ (Kraus): Joan Marie Moynagh (Sopran), Kerstin Meyer (Alt), Ragnar Ulfung (Tenor) und Kim Borg (Bass) / Clarion Concerts Chorus and Orchestra / Chorltg. und Dirigent: Newell Jenkins (New York, Alice Tully Hall, 16. - 17. 4. 1969) 'Vanguard Cardinal Series' VCS 10065 (1 LP, USA 1969) bzw. 'Vanguard Classics' SVC-61 (1 CD, USA 1997).


    Der schwedische König Gustaf III., ein Neffe Friedrichs des Großen, wurde (aus politischen Gründen und nicht wie in Verdis Oper wegen eines Liebeskonflikts) am 16. 3. 1792 in Anwesenheit seines Hofkapellmeisters Joseph Martin Kraus bei einem Maskenball in der Stockholmer Oper durch einen Pistolenschuss des Hauptmanns Jacob Johan Anckarström so schwer verletzt, dass er dreizehn Tage später starb. Für die Begräbnisfeierlichkeiten in der Stockholmer Riddarholmskyrkan schrieb Kraus, der von dem musik- und theaterbegeisterten König in großzügiger Weise – z. B. durch eine vierjährige vom König bezahlte Auslandsreise – gefördert worden war, innerhalb von drei Wochen eine zweiteilige Kantate für vier Solisten, einen großen Chor und ein groß besetztes Orchester. Der amerikanische Dirigent Newell Jenkins führte das Werk 1969 in New York mit den oben genannten Solisten und dem von ihm gegründeten 'Clarion Concerts Chorus and Orchestra' auf und leitete auch die anschließende Schallplattenaufnahme in der schwedischen Originalsprache.


    Newell Jenkins, der sich für das Werk des 'schwedischen Mozart' u. a. auch mit einer konzertanten Aufführung der Oper „Aeneas i Carthago“ in Stockholm 1979 (mit Elisabeth Söderström und Jonny Blanc) und einem Konzert desselben Werks 1980 in New York einsetzte, hat auch eine hörenswerte Aufnahme von Cherubinis „Missa Solemnis in D-Moll“ (mit Patricia Wells, Maureen Forrester, George Shirley und Justino Diaz) für 'Vanguard' eingespielt; davon habe ich die Schallplatten-Ausgabe (VCS 10110/11, 2 LP, USA 1972), die es auch quadrophonisch gab.


    2006 gedachte man des 250. Geburtstages des im schönen Miltenberg am Main geborenen – und mit Mozart gleichaltrigen und ein Jahr nach ihm 1792 in Stockholm verstorbenen - Joseph Martin Kraus mit den deutschen Erstaufführungen seiner beiden großen Opern „Proserpina“ (in Schwetzingen mit Alexandra Coku und Johannes Chum unter Christoph Spering) und „Aeneas in Karthago“ (in Stuttgart mit Martina Serafin und Dominik Wortig unter Lothar Zagrosek), was aber bis auf eine Inszenierung der letzgenannten Oper in Berlin 2011 – mit Simone Schneider und Dominik Wortig wieder unter Lothar Zagrosek – keine weiteren Spuren hinterließ. Die zahlreichen Vokalkompositionen von Joseph Martin Kraus sind also noch zu entdecken...



    „Utrenja“ (Erster Teil „Chrystusa do grobu“) (Penderecki): Stefania Woytowicz (Sopran), Kerstin Meyer (Alt), Seth McCoy (Tenor), Bernard Ladysz und Peter Lagger (Bass) / The Temple University Choirs / Chorltg.: Robert Page und Gail B. Poch / The Philadelphia Orchestra / Dirigent: Eugene Ormandy (Philadelphia, Scottish Rite Cathedral, 28. 9. und 1. 10. 1970) 'RCA' LSC-3180 (1 LP, USA 1971). „Utrenja“ ist die vereinfachte Fassung des polnischen Wortes „Jutrznia“, was 'Morgengebet' bedeutet. Das Werk Krzysztof Pendereckis, der vor drei Monaten mit 86 Jahren starb, ist eine zeitgenössische musikalische Fassung der ostslawischen Liturgie zum Osterfest und besteht aus zwei Teilen: „Chrystusa do grobu“ ('Die Grablegung Christi') und „Zmartwychwstanie Panskie“ ('Die Auferstehung des Herrn'). Der erste Teil – für fünf Gesangssolisten, zwei Chöre und ein Orchester - besteht aus fünf Sätzen mit altslawischen Texten, die in lateinischer und griechischer Sprache gesungen werden; die oben genannten Sänger sind im 2. Satz „Piesni Pochwalne“ ('Lobgesang') zu hören. Das Werk dauert ca, 40 Minuten.


    „Die Grablegung Christi“ wurde am 8. 4. 1970 im Altenberger 'Dom' (Bergisches Land) uraufgeführt in einem Konzert des Westdeutschen Rundfunks Köln, der auch den Kompositionsauftrag erteilt hatte; die Solisten waren Stefania Woytowicz, Krystyna Szczepanska, Louis Devos, Bernard Ladysz und Boris Carmeli unter der Leitung von Andrzej Markowski, der ein Jahr später (am 28. 5. 1971) auch die Uraufführung des zweiten Teils im Dom zu Münster (Westfalen) dirigierte. Penderecki hat den ersten Teil dieses Werks dem Dirigenten Eugene Ormandy anlässlich der amerikanischen Erstaufführung im Herbst 1970 in Philadelphia gewidmet. Eine CD-Version der 'RCA'-Produktion liegt bisher nur in einer japanischen Ausgabe (BVCC 38303) vor, die auch eine Einspielung der neunten Symphonie („Janiculum“, op. 113) von Vincent Persichetti (1915-1987) unter Eugene Ormandy enthält, der 1969 den Auftrag zur Komposition erteilte.



    „Messa da Requiem“ (Verdi): Birgit Nilsson (Sopran), Kerstin Meyer (Alt), Charles Craig (Tenor) und Kim Borg (Bass) / Radiokören (Chor des Schwedischen Rundfunks) / Chorltg.: Eric Ericson / Chor 'Branko Krsmanovic', Belgrad / Chorltg.: Bogdan Babic / Radioorkestern (Orchester des Schwedischen Rundfunks) / Dirigent: Sixten Ehrling (Stockholm, Konserthuset, 5. 6. 1964) Der serbische Chor 'Branko Krsmanovic' wurde bereits 1884 als Chor der Universität Belgrad gegründet und wurde nach Milos Obilic benannt, der siegreich gegen die Osmanen kämpfte und 1389 in der legendären 'Schlacht bei dem Amselfeld' starb. Nach 1945 erhielt der Chor den Namen eines neuen Volkshelden - des Widerstandskämpfers Branko Krsmanovic, der im Kampf gegen die von Italien, Ungarn und Bulgarien unterstützte deutsche Wehrmacht getötet wurde - und unter diesem Namen (und mit seinem Leiter bis 1981, Bogdan Babic) unternahm der Chor zahlreiche Tourneen in aller Welt, wozu auch bis heute szenische Aufführungen von Opern gehören. 1991 nahm der Chor wieder seinen ursprünglichen Namen an und heißt nun international: Academic Choir 'Obilic' Belgrade.


    Angeblich gibt es Live-Mitschnitte der beiden Konzerte, die Lorin Maazel mit dem New Philharmonia Chorus and Orchestra (London) 1974 im Coliseu dos Recreios in Lissabon gab. Im Abstand von zwei Tagen wurden dort die „Missa Solemnis“ von Ludwig van Beethoven (am 2. 3.) und das „Verdi-Requiem“ (4. 3.) aufgeführt, wobei die Solisten in beiden Werken gleich waren: Pilar Lorengar, Kerstin Meyer, Werner Hollweg und Hans Sotin.



    Carlo

    Hallo, 'udohasso'!


    Als Nachtrag zu meiner 'Liste' im Beitrag Nr. 14 und Deinem Beitrag Nr. 16:


    Das vom ZDF aufgezeichnete Konzert mit Carlo Bergonzi hatte ich in meiner Erinnerung in das Jahr 1968 datiert, aber Deine Angaben scheinen die richtigen zu sein. Dafür weiß ich aber noch, dass der Tenor als Reverenz an das deutsche Publikum zum Schluss die Arie des 'Lyonel' aus Flotows “Martha” gesungen hat, natürlich in italienisch.


    Die im Fernsehen gezeigten “Gala-Konzerte” (u. a. mit Maria Chiara, Raina Kabaivanska, Leontyne Price, Carlo Bergonzi, Piero Capuccilli, Plácido Domingo und Nicolai Ghiaurov) wurden der ansprechenderen Optik wegen in den 1953 (mit Carl Orffs “Trionfi”) eingeweihten 'Herkulessaal' der Münchner Residenz verlegt, der allerdings erst 1962 eine Konzertorgel erhielt. Der fast doppelt so große 'Kongresssaal des Deutschen Museums' aus den 1930er Jahren verfügte zwar über eine der größten Orgeln Deutschlands, hatte aber den 'Charme' einer riesigen Werkshalle und ist seit Eröffnung der 'Philharmonie am Gasteig' – wo ab 1986 auch die “Sonntagskonzerte” statt fanden und heute dafür das Prinzregententheater genutzt wird - sozusagen eine 'Bauleiche'. Mittlerweile wird in München der Neubau eines weiteren Konzertsaals für die Münchner Philharmoniker diskutiert...


    Carlo

    Lieber 'Otello50',


    da hast Du ein schönes und interessantes Thema aufgegriffen!


    Die sogenannten “Sonntagskonzerte” des Bayerischen Rundfunks erfreuten sich seit 1952 sehr großer Beliebtheit bei den Hörern dieses Senders. Initiiert vom Programmdirektor Alfred Schröter boten diese öffentlichen Veranstaltungen im Kongresssaal des Deutschen Museums in München (2400 Sitze) mit der charmanten Conférence von Emmy Anders ein unterhaltsames Programm zwischen großer Oper und musikalischer Komödie mit beliebten Gesangssolisten. Der Leiter des im April 1952 gegründeten Münchner Rundfunkorchesters, Werner Schmidt-Boelcke, sorgte zunächst für die Programmgestaltung der Konzerte, die anfangs mehr die Operette und die klassische Unterhaltungsmusik berücksichtigten, aber ab 1967 hauptsächlich durch die Person von Kurt Eichhorn als neuer Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters und die Verpflichtung von auch international bekannten Sängern zu reinen Opernkonzerten wurden. (Interessant ist, dass man oft die 'Generalprobe' am Sonntagmorgen im Studio des Bayerischen Rundfunks aufnahm, um sie für spätere 'Opern-Potpourri'-Sendungen – ohne die Publikumsgeräusche des abendlichen Konzerts – verwenden zu können.)


    Leider waren damals diese stets live übertragenen Konzerte störungsfrei nur im Sendebereich des Bayerischen Rundfunks zu empfangen, so dass die Rundfunkhörer nördlich des 'Weisswurst-Äquators' von deren Vielfalt und Attraktivität kaum etwas mitbekamen, zumal die TV- und Rundfunkzeitungen früherer Jahre nicht überregional erschienen und die “Hör Zu” in Nordrhein-Westfalen beispielsweise das Programm des Bayerischen Rundfunks nicht druckte. (Auch gab es seitens der Rundfunkanstalten damals kaum schriftliches Material über die Radio- und Fernsehsendungen, wie das heute der Fall ist.)


    Ich habe vor einiger Zeit versucht, anhand von alten Programmzeitschriften eine Liste dieser “Sonntagskonzerte” zu erstellen, die aber erhebliche Lücken aufweist. Beim Bayerischen Rundfunk existiert eine komplette Aufstellung nicht, man kann aber das Programm zu einzelnen Sendungen erfragen. (Es muss einmal eine zweibändige Publikation “Die Gesangsaufnahmen im Bayerischen Rundfunk” gegeben haben und ein Buch “50 Jahre Münchner Rundfunkorchester 1952 – 2002”; kennt einer der “Taminos” diese Bücher und kann mir mitteilen, ob die kompletten Sonntagskonzerte darin aufgelistet sind?) Es wäre auch schön, wenn ein “Tamino” aus Süddeutschland zu der folgenden Liste einige Ergänzungen beisteuern könnte.


    “Meister der heiteren Muse”: Trude Eipperle, Anneliese Rothenberger, Herbert Ernst Groh, Willy Hofmann, Karl Schmitt-Walter, Benno Kusche (Operetten-Melodien) / Werner Schmidt-Boelcke / 26. 10. 1952 (Das 1. Münchner Sonntagskonzert!)


    “Ein Abend in Wien”: Rosl Schwaiger, Nora Jungwirth, Hilde Brauner, Herbert Ernst Groh, Toni Niessner, Carl Hoppe (Werke von Strauß und Stolz) / Robert Stolz / 5. 9. 1954


    Hedi Klug, Rosl Schwaiger, Heinz Hoppe, Benno Kusche (Operetten-Melodien) / Max Schönherr / 9. 3. 1959


    Ruth-Margret Pütz, Heinz Hoppe, Ferry Gruber, Heinz Friedrich (Suppé, u. a. komplett “Die schöne Galathée”) / Kurt Eichhorn / 2. 8. 1960


    Hertha Töpper u. a. / Kurt Eichhorn / 13. 11. 1960


    Erika Köth, Marcel Cordes u. a. / Richard Kraus / 11. 12. 1960


    Hildegard Hillebrecht, Sándor Kónya, Marcel Cordes (Verdi) / Gianfranco Rivoli / 12. 3. 1961


    Sári Barabás, Richard Holm / Werner Schmidt-Boelcke / 22. 10. 1961


    Elisabeth Grümmer, Waldemar Kmentt (Donizetti, Flotow, Gounod, Mascagni, Mendelssohn-B.) / Chor: Max Kink / Horst Stein / 14. 1. 1962


    Hanny Steffek, Gisela Litz, Heinz Hoppe, Kurt Böhme (Faschingskonzert) / Chor / Hans Walter Kämpfel / 11. 2. 1962


    Rudolf Schock (Oper und Operette) / Kurt Eichhorn und Werner Schmidt-Boelcke / 8. 4. 1962


    Sári Barabás, Heinz Hoppe (Johann Strauß) / Robert Stolz / 20. 10. 1962


    Sena Jurinac, Antonia Fahberg, Jess Thomas, Gottlob Frick, Carl Hoppe (u. a. Szenen aus “Fidelio” und “Don Carlos”) / Horst Stein / 11. 11. 1962 (Wiederholung: 11. 6. 1967)


    Erika Köth, Hetty Plümacher, John van Kesteren, Marcel Cordes (Verdi u. a.) / Kurt Eichhorn / 6. 12. 1962


    Inge Borkh, Ira Malaniuk, Hans Hopf (Mozart, Wagner, Bizet, Verdi, Strauss) / Chor / Horst Stein / 13. 1. 1963


    Rudolf Schock (solo) / Horst Stein / 26. 1. 1963


    Elisabeth Grümmer, Lorenz Fehenberger (statt Josef Traxel), Karl Christian Kohn (Rossini, Flotow, Mozart, Verdi, Wagner, Weber) / Chor: Kurt Prestel / Horst Stein / 7. 4. 1963


    Ingrid Bjoner, Anneliese Rothenberger, Hertha Töpper (u. a. "Der Rosenkavalier") / Arnold Quennet / 10. 11. 1963


    Stina-Britta Melander, Fritz Wunderlich, Raimund Grumbach / Horst Stein / 1. 12. 1963


    Erika Köth (solo) (u. a. “Lakmé”) / Kurt Eichhorn / 17. 12. 1963


    Hildegard Hillebrecht, Jess Thomas, Gottlob Frick (Verdi) / Chor: Wolfgang Schubert / Kurt Eichhorn / 12. 1. 1964


    Rosl Schwaiger, Heinz Hoppe, Kurt Böhme / Horst Stein / 2. 2. 1964


    Elisabeth Grümmer, Donald Grobe, Marcel Cordes (Gluck, Mozart, Wagner u. a.) / Kurt Eichhorn / 8. 3. 1964


    Sena Jurinac u. a. / Kurt Eichhorn / 12. 4. 1964


    Giuseppe Taddei u. a. / Fulvio Vernizzi / 3. 10. 1964


    Elisabeth Grümmer, Heinz Hoppe, Gottlob Frick (Bizet, Gounod, Flotow, Verdi, Wagner, Weber, Puccini) / Chor: Wolfgang Schubert / Siegfried Köhler / 14. 3. 1965 (Wiederholung: 26. 9. 1965)


    Pilar Lorengar, Fritz Wunderlich, Thomas Tipton (Mozart, Donizetti, Lortzing, Smetana, Verdi und Puccini) / Kurt Eichhorn / 11. 4. 1965 (Wiederholung: 15. 8. 1965) (CD 'Gala')


    Ludmila Dvoráková, James King, Otto Wiener (Wagner) / Hans Gierster / 7. 11. 1965


    Gundula Janowitz, Nikola Nikolov, Theo Adam / Kurt Eichhorn / 16. 1. 1966


    Hermann Prey (solo) / Argeo Quadri / 10. 2. 1966 (Ersatz für das ausgefallene Konzert Hermann Preys am 12. 12. 1965.)


    Ruth-Margret Pütz, Fritz Wunderlich, Kurt Böhme (Faschingskonzert) / Siegfried Köhler / 13. 2. 1966 (CD 'Gala')


    Reri Grist, Daniele Barioni, Martti Talvela / Chor: Wolfgang Schubert / Horst Stein / 27. 2. 1966


    Claire Watson, Hertha Töpper, William Blankenship, Raimund Grumbach (u. a. Duett Norma-Adalgisa aus "Norma") / Paul Schmitz / 13. 3. 1966


    Sári Barabás, Elfie Mayerhofer, Margot Hielscher, Harry Friedauer, Kurt Wilhelm / Werner Kleine / 24. 3. 1966


    Erika Köth, Kerstin Meyer, Heinz Hoppe, Thomas Tipton / Richard Kraus / 3. 4. 1966 (Meistersinger-Halle Nürnberg)


    Ingrid Bjoner, Michele Molese, Tom Krause / Kurt Eichhorn / 24. 4. 1966 (Angekündigt war auch Regina Sarfaty.)


    Wilma Lipp, Waldemar Kmentt, Kurt Böhme / Hans Gierster / 13. 11. 1966 (Wiederholung: 7. 5. 1967) Mono!


    Erika Köth, Hermann Prey / Heinz Fricke / 11. 12. 1966 (Wiederholung: 15. 5. 1967) Mono! (CD 'Myto' - Anhang GA “Hans Heiling”)


    Nicolai Ghiaurov (solo) / Georges Prêtre (Simon Boccanegra, Boris Godunov, Faust, Ne tolko liubov) / Chor / Georges Prêtre / 6. 6. 1966 (Herkulessaal) (TV-Aufzeichnung ARD) (Wiederholung: 15. 4. 1968) (CD 'BR Klassik')


    Hildegard Hillebrecht, James King, Thomas Tipton (Verdi und Puccini) / Chor: Wolfgang Schubert / Argeo Quadri / 8. 1. 1967 (Wiederholung: 23. 7. 1967) Mono!


    Margit Schramm, Rudolf Schock (Kálmán und Lehár) / Anton Paulik / 29. 1. 1967


    Ingrid Bjoner, Ingeborg Hallstein, Regina Sarfaty, William Blankenship (u. a. “Der Rosenkavalier”) / Heinz Wallberg / 19. 2. 1967 (Wiederholung: 2. 7. 1967) Mono!


    Renate Holm (statt Ruth-Margret Pütz), Adolf Dallapozza, Victor Braun, Karl Christian Kohn, Hans Hermann Nissen / Kurt Eichhorn / 12. 3. 1967 (Wiederholung: 20. 8. 1967) Mono!


    Claire Watson, Hans Hopf, Thomas Stewart, Robert Licha (Wagner) / Hans Gierster / 2. 4. 1967


    Gundula Janowitz, Reri Grist, Heinz Hoppe / Kurt Eichhorn / 16. 4. 1967 (Wiederholung: 17. 9. 1967) Mono!


    Erika Köth, Iuan Daviu, Norman Mittelmann / Kurt Eichhorn / 12. 11. 1967


    Anneliese Rothenberger, Robert Ilosfalvy, Thomas Tipton / Kurt Eichhorn / 3. 12. 1967


    Felicia Weathers, Flaviano Labò / Kurt Eichhorn / 14. 1. 1968 (Wiederholung: 14. 9. 1969)


    Leontyne Price (solo) / Carlo Franci (statt Gianandrea Gavazzeni) / 27. 1. 1968 (Herkulessaal) (Wiederholung: 13. 6. 1968 und 29. 2. 1976) (TV-Aufzeichnung ARD)


    Lucia Popp, Rudolf Schock, Kurt Böhme (Faschingskonzert) / Werner Schmidt-Boelcke (statt Robert Stolz) / 4. 2. 1968


    Nicolai Gedda (solo) / Kurt Eichhorn / 10. 3. 1968*


    Hildegard Hillebrecht (statt Martina Arroyo), Ludovic Spiess, Franz Crass / Chor / Fulvio Vernizzi (statt Kurt Eichhorn) / 31. 3. 1968


    Ingrid Bjoner, Regina Resnik, Giuseppe Gismondo (statt James King) / Chor / Kurt Eichhorn / 28. 4. 1968


    Christiane Sorell, Rudolf Schock, Ernst Gutstein / Kurt Eichhorn / 26. 5. 1968 (Meistersinger-Halle, Nürnberg)


    Reri Grist, Peter Schreier, Giuseppe Taddei / Kurt Eichhorn / 17. 6. 1968 (Großes Festspielhaus, Salzburg)


    Gundula Janowitz, Arleen Auger, Tatiana Troyanos (Händel, Mozart, Strauss) / Kurt Eichhorn / 20. 10. 1968 (Wiederholung: 1. 6. 1969) STEREO (CD 'Bella Voce')


    Elizabeth Harwood, Marjorie Thomas, Charles Craig, Michael Langdon / Kurt Eichhorn / 10. 11. 1968


    Carlo Bergonzi / Nello Santi ? / Wann? (TV-Aufzeichnung ZDF)


    Hildegard Hillebrecht, James King, Tom Krause / Kurt Eichhorn (Verdi) 1. 12. 1968 (Wiederholung: 22. 6. 1969) MONO (CD 'Bella Voce')


    Claire Watson, Renate Holm, Rudolf Christ (statt Elisabeth Steiner), Heinz Hoppe, Raimund Grumbach, Josef Weber (Soiree bei Johann Strauß) / Chor: Wolfgang Schubert / Kurt Eichhorn / 31. 12. 1968 (Vermutlich nur im Funkhaus!) STEREO


    Erika Köth, Peter Baillie, Kurt Böhme (statt Gottlob Frick) (Deutsche Spielopern) / Chor / Kurt Eichhorn / 19. 1. 1969 (Wiederholung: 13. 7. 1969) Ursprgl. sollte auch Brigitte Fassbaender mitwirken!


    Helen Donath, Jeanette Scovotti, Horst Wilhelm, Benno Kusche (Faschingskonzert) / Kurt Eichhorn / 9. 2. 1969 (Wiederholung: 3. 8. 1969)


    Claire Watson, Waldemar Kmentt, Marius Rintzler (statt Franz Crass) (Französische Opern) / Chor / János Kulka / 9. 3. 1969 (Wiederholung: 24. 8. 1969)


    Birgit Nilsson (solo) (Wagner, Verdi, Puccini) / Kurt Eichhorn / 18. 4. 1969 STEREO


    Arleen Auger, Nicolai Gedda / Kurt Eichhorn / 4. 5. 1969 (Tonhalle Zürich) (CD 'Bella Voce')


    Ingrid Bjoner, Rohangiz Yachmi (statt Hertha Töpper), Jean Cox / Kurt Eichhorn / 18. 5. 1969 (Meistersinger-Halle, Nürnberg)


    Nicolai Ghiaurov (solo) / Alfredo Antonini / 29. 5. 1969 (CD 'BR Klassik')


    Grace de la Cruz, René Kollo, Kurt Pratsch-Kaufmann (Welterfolge des Musicals) / Willy Mattes / 12. 7. 1969


    Arleen Auger, Karl Christian Kohn / Kurt Eichhorn / 12. 10. 1969 (Kurhaus Meran)


    Anneliese Rothenberger, Hermann Prey / Kurt Eichhorn / 9. 11. 1969


    Jeannette Pilou, Nicolai Gedda / Kurt Eichhorn / 30. 11. 1969


    Jeannette Pilou, Werner Hollweg (Mozart und Strauss) / Kurt Eichhorn / 3. 12. 1969


    Raina Kabaivanska, Carlo Bergonzi, Piero Cappuccilli / Chor / Kurt Eichhorn / 11. 1. 1970 (TV-Aufzeichnung ZDF ?)


    Roberta Peters, Diana Henery, Anton de Ridder, Kurt Böhme (Faschingskonzert) / Kurt Eichhorn / 1. 2. 1970


    Tatiana Troyanos, Ludovic Spiess, Karl Ridderbusch / Chor / Kurt Eichhorn / 1. 3. 1970


    Arleen Auger, Luigi Alva, Gianpiero Mastromei / Kurt Eichhorn / 15. 3. 1970


    Gwyneth Jones, James King / Kurt Eichhorn / 12. 4. 1970** (Meistersinger-Halle Nürnberg)


    Pilar Lorengar, Ion Buzea, Barry McDaniel / Kurt Eichhorn / 1970**


    Maria Chiara, Plácido Domingo / Nello Santi / 1970 (TV-Aufzeichnung ZDF)


    John van Kesteren, Franz Crass, Heinz Friedrich, Richard Kogel, Ferry Gruber, Benno Kusche, Raimund Grumbach (komplett "Der Mond") / Kurt Eichhorn / 4. 12. 1970 (CD 'Eurodisc')


    Mirella Freni, Eduardo Alvarez (Verdi, Massenet, Berlioz, Puccini, Bizet, Donizetti, Cilea) / Kurt Eichhorn / 3. 10. 1971 (CD 'Golden Melodram')


    Joanna Simon, Luigi Alva, Wolfgang Brendel / Kurt Eichhorn / 1971*


    Catarina Ligendza, William Cochran, Theo Adam (Wagner) / Kurt Eichhorn / 1971*


    Ingrid Bjoner, Grit van Jüten, Eduardo Alvarez, Vicente Sardinero / Kurt Eichhorn / 1971*


    Cristina Deutekom, Francisco Lazaro, Nicola Ghiuselev / Kurt Eichhorn / 1972*


    Lucia Popp u. a. / Hans Zanotelli / 20. 2. 1972


    "Olympia-Gala": Patricia Johnson (statt Christa Ludwig), Gwyneth Jones, Anna Moffo, Anneliese Rothenberger, Piero Cappuccilli, James King, Hermann Prey, Karl Ridderbusch, Thomas Stewart (Mozart, Lortzing, Beethoven, Weber, Wagner, Strauss, Saint-Saens, Bellini, Verdi, Puccini) / Kurt Eichhorn / 1. 9. 1972 (TV-Aufzeichnung ARD)


    Gwyneth Jones, René Kollo, Guillermo Sarabia (Verdi und Wagner) / Chor / Kurt Eichhorn / 22. 10. 1972


    Reri Grist, Hermann Prey (Weihnachtskonzert) / Regensburger Domspatzen / Kurt Eichhorn / 17. 12. 1972


    Erika Köth, Rüdiger Wohlers, Karl Ridderbusch / Kurt Eichhorn / 1973


    Sylvia Geszty, Anton de Ridder, Karl Ridderbusch (Faschingskonzert) / Chor: Josef Schmidhuber / Kurt Eichhorn / 18. 2. 1973


    Marina Krilovici, James King, Peter Glossop (“Aida” und “Otello”) / Chor: Josef Schmidhuber / Kurt Eichhorn / 18. 3. 1973*


    Rita Shane, Luigi Alva, Wolfgang Brendel / Matthias Kuntzsch / 13. 5. 1973


    Katia Ricciarelli, Franco Bonisolli / Chor: Heinz Mende / Hermann Hildebrandt / 15. 9. 1973 (auch TV ?)


    Margarita Lilova, Andrej Kucharsky (statt Karl-Walter Böhm), Nicola Ghiuselev / Chor: Gregor Eichhorn / Kurt Eichhorn / 28. 10. 1973


    Rita Orlandi-Malaspina, Bruno Prevedi, Peter Glossop, Alexander Malta (komplett “Andrea Chenier”) / Chor: Gregor Eichhorn / Kurt Eichhorn 25. 11. 1973


    Lilian Sukis (solo) (Weihnachtskonzert) / Regensburger Domspatzen / Kurt Eichhorn / .. 12. 1973


    Janet Perry, Adalbert Kraus, Karl Ridderbusch / Kurt Eichhorn / .. 1. 1974


    Anna Moffo, Rose Wagemann, René Kollo, Ferry Gruber, Richard Kogel (Faschingskonzert, u. a. komplett “Die schöne Galathée”) / Chor: Josef Schmidhuber / Kurt Eichhorn / 17. 2. 1974


    Zdzislawa Donat, Trudeliese Schmidt, Bernd Weikl / Kurt Eichhorn / .. 3. 1974


    Arleen Auger, Trudeliese Schmidt, Barry McDaniel (komplett "Luigi Gonzaga" von Johann Simon Mayr) / Günther Wich / 7. 4. 1974


    Ilva Ligabue, Rosalind Elias / ? / 26. 5. 1974


    Seta Del Grande, Gianfranco Cecchele, Guillermo Sarabia / Kurt Eichhorn / 27. 10. 1974


    Hannelore Bode, Rüdiger Wohlers, Roland Hermann / Heinz Wallberg / .. 11. 1974


    Sona Ghazarian (solo) (Weihnachtskonzert) / Regensburger Domspatzen / Kurt Eichhorn / 22. 12. 1974


    Rita Orlandi Malaspina (statt Raina Kabaivanska), Andrej Kucharsky, Nicola Ghiuselev / Gabor Ötvös / 16. 3. 1975


    Arleen Auger (solo) (Weihnachtskonzert) / Heinz Wallberg / 21. 12. 1975


    Adriana Maliponte, Ruggero Bondino / Heinz Wallberg / 11. 1. 1976*


    Edda Moser, Wolfgang Brendel / Heinz Wallberg / 22. 2. 1976*


    Marion Lippert, Lucia Popp, Trudeliese Schmidt, Karl Ridderbusch (u. a. "Der Rosenkavalier") / Kurt Eichhorn / .. 3. 1976


    Tamara Milashkina, Vladimir Atlantov, Iurii Masurok / ? / 17. 10. 1976* (Augsburg)


    Renate Holm, Werner Compes, Barry McDaniel / Leopold Hager / 25. 10. 1976 (Meistersinger-Halle Nürnberg)


    Judith Beckmann, Rüdiger Wohlers, Matti Salminen / Heinz Wallberg / 21. 11. 1976


    Margaret Price, Thomas Moser, Hermann Prey / Heinz Wallberg / 16. 1. 1977


    Hildegard Behrens, James King, Theo Adam / Heinz Wallberg / 27. 3. 1977**


    Lilian Sukis, Yvonne Minton, René Kollo, Karl Ridderbusch / Heinz Wallberg / 23. 4. 1977**


    Christine Weidinger, David Kuebler, Walter Berry / Heinz Wallberg / .. 5. 1977


    Martina Arroyo, Giorgio Casellato-Lamberti, Sherrill Milnes (Verdi) / Heinz Wallberg / 27. 11. 1977*


    Helen Donath, Janet Perry, Alexander Malta, Nikolaus Hillebrand, Claes-Hakan Ahnsjö, Ferry Gruber u. a. (komplett "Das Christelflein") / Kurt Eichhorn / 18. 12. 1977


    Mirjana Irosch, Nicolai Gedda (Operetten-Melodien) / Heinz Wallberg / .. 1. 1978


    Christine Weidinger, Werner Hollweg, Matti Salminen / Christof Prick / 3. 2. 1978*


    Horiana Branisteanu, Peter Schreier (Mozart, Gluck, Haydn, Paisiello, Rossini, Verdi, Adam, Boieldieu, Bizet) / Heinz Wallberg / 19. 2. 1978


    Adriana Maliponte (statt Katia Ricciarelli), Neil Shicoff, Benito Di Bella (Verdi, Puccini und Leoncavallo) / Chor: HELMUT VETTER / Heinz Wallberg / 12. 3. 1978*


    Helena Döse (statt Julia Varady), Siegfried Jerusalem, Wolfgang Schöne (Mozart, Gluck, Weber, Marschner, Schmidt, Strauss, Offenbach, Wolf-Ferrari, Puccini, Leoncavallo) Heinz Wallberg / 5. 11. 1978*


    Norma Sharp, Ortrun Wenkel (Weihnachtskonzert) / Regensburger Domspatzen / Kurt Eichhorn / 17. 12. 1978


    Leonie Rysanek, James King (Puccini, Ponchielli, Leoncavallo, Strauss, Wagner) / Heinz Wallberg / 21. 1. 1979** (CD 'Golden Melodram')


    Lucia Popp, Francisco Araiza, Wolfgang Brendel (Faschingskonzert) / Kurt Eichhorn / 18. 2. 1979**


    Carol Malone, Rüdiger Wohlers, Kurt Moll / Willy Mattes / 16. 3. 1979


    Alexandrina Milcheva, Vladimir Atlantov, Leonard Mroz / Heinz Wallberg / 25. 3. 1979**


    Luciano Pavarotti / John Wustman (Klavier) / 6. 6. 1979**


    Karan Armstrong, James King (statt Peter Hofmann), Roland Bracht / Heinz Wallberg / 25. 11. 1979**


    Ashley Putnam, Gösta Winbergh, Giorgio Zancanaro / Heinz Wallberg / 16. 12. 1979**


    Martina Arroyo, René Kollo / Christof Prick / 8. 1. 1980**


    Jeanette Scovotti (statt Julia Migenes), Adolf Dallapozza, Harald Stamm (Faschingskonzert) / Heinz Wallberg / 10. 2. 1980


    Edita Gruberova, Ernesto Palacio, Angelo Romero / Heinz Wallberg / 16. 3. 1980


    Jeanette Scovotti, Anton de Ridder (statt Adolf Dallapozza), Jörn W. Wilsing (Rossini, Verdi, Lehár, Strauß) Kurt Eichhorn / 20. 4. 1980**


    Sabine Hass, Ortrun Wenkel, Manfred Jung, Friedrich Lenz, Klaus Hirte ("Siegfried-Wagner-Gedenkkonzert") / Heinz Wallberg / 18. 5. 1980


    Lucia Popp, Thomas Moser, Kurt Moll / Heinz Wallberg / 9. 11. 1980**


    Norma Sharp (solo) (Weihnachtskonzert) / Regensburger Domspatzen / Kurt Eichhorn / 14. 12. 1980


    Eva Marton (statt Frederica von Stade), Bernd Weikl / Heinz Wallberg / 25. 1. 1981


    Isobel Buchanan (statt Ileana Cotrubas), Agnes Baltsa, Evgeni Nesterenko / Heinz Wallberg / 22. 2. 1981*


    Margaret Price, Michael Svetlev, Wolfgang Brendel (statt Leo Nucci) / Heinz Wallberg / 29. 3. 1981*


    Grit van Jüten, Anton de Ridder, Günter Wewel (Nicolai, Donizetti, Lortzing, Smetana, von Suppé, Strauß, Zeller, Künneke, Millöcker) / Heinz Wallberg / 26. 4. 1981*


    Norma Sharp, Kari Lövaas, Janet Perry, Cornelia Wulkopf, Roland Hermann, Hans Hopf, Heiner Hopfner u. a. (komplett "Peer Gynt" von Werner Egk) / Heinz Wallberg / 17. 5. 1981(CD 'Orfeo')


    Teresa Berganza (solo) (Musik aus Zarzuelas) / Enrique Garcia Asensio / 4. 6. 1981 und 22. 7. 1981 (2 verschiedene Konzerte)


    Alexandrina Milcheva, Lucia Popp, Franco Bonisolli, Bernd Weikl, Alan Titus, Raimund Grumbach u. a. (komplett "La Bohème" von Ruggero Leoncavallo) / Heinz Wallberg / 22. 11. 1981 (CD 'Orfeo')


    Gwyneth Jones, Wolfgang Neumann, Wolfgang Probst (Wagner) / Lothar Zagrosek / 13. 12. 1981*


    June Anderson, Luis Lima, Thomas Allen / Lamberto Gardelli / 10. 1. 1982**


    Elfriede Höbarth ("Ein Abend in Wien") / Willi Boskovsky / 14. 2. 1982


    José Carreras (solo) / Lamberto Gardelli / 6. 6. 1982


    Renate Holm, Peter Seiffert, Günther Frank (Musik von Carl Michael Ziehrer) / Herbert Mogg / 28. 11. 1982


    Lucia Popp (solo) (Weihnachtskonzert) / Lamberto Gardelli / 12. 12. 1982


    Sylvia Greenberg, Gösta Winbergh, Ludwig Baumann / José Collado / 27. 2. 1983


    Mirella Freni (solo) / Kurt Eichhorn / 1983


    Edita Gruberova (solo) / Lamberto Gardelli / 16. 11. 1983


    Mariella Devia (statt Cecilia Gasdia), Piero Cappuccilli / Lamberto Gardelli / 20. 11. 1983


    Lucia Popp, Vladimir Atlantov (statt Franco Bonisolli), Bernd Weikl, Wolfgang Brendel (statt Alessandro Corbelli), Alexandru Ionita (komplett "I pagliacci") / Lamberto Gardelli / 11. 12. 1983 (CD 'Eurodisc')


    Jeanette Scovotti, Elisabeth Kales, Doris Soffel, Josef Protschka, Ludwig Baumann (statt Franz Waechter) (Ein Abend mit Johann Strauß") / Franz Bauer-Theussl / 12. 2. 1984


    Alida Ferrarini, Juan Pons / Lamberto Gardelli / 25. 3. 1984


    Melanie Holliday, René Kollo / Herbert Mogg / 25. 10. 1984


    Renato Bruson (solo?) / Giuseppe Patané / 4. 11. 1984


    Katia Ricciarelli, Lucia Valentini Terrani / José Maria Collado / 10. 2. 1985


    Barbara Bonney, Keith Lewis, Andreas Schmidt (Mozart, Donizetti, Weber und Nicolai) / Leopold Hager / 3. 11. 1985


    Ulrike Steinsky, John Dickie (Johann Strauß und Franz Lehár) / Chor: Rupert Huber / Herbert Mogg / 2. 2. 1986


    Margaret Price, Piero Visconti / Thomas Fulton / 16. 3. 1986


    Marjana Lipovsek (statt Carolyn Watkinson), Lucia Popp, Julie Kaufmann (komplett "Orfeo ed Euridice") / Leopold Hager / 16. 11. 1986 (Philharmonie) (CD 'Eurodisc')


    Mirella Freni (solo) / Vladimir Ghiaurov / 30. 5. 1987 (Philharmonie) (CD 'BR Klassik')


    Barbara Bonney, Jeanne Piland, John Aler / Alexander Symeonides / 13. 12. 1987 (Philharmonie)


    Miriam Gauci, Francisco Araiza / Rico Saccani / 10. 1. 1988 (Philharmonie)


    Grit van Jüten, René Kollo (Faschingskonzert) / Julius Rudel / 7. 2. 1988 (Philharmonie)


    Franco Bonisolli (solo) / Klauspeter Seibel / 13. 3. 1988 (Philharmonie)


    Mechthild Gessendorf, Eva Lind, Iris Vermillion, Kurt Moll (u. a. "Der Rosenkavalier") / Kurt Eichhorn / 25. 9. 1988 (Philharmonie)


    Karita Mattila, Thomas Moser, Ferruccio Furlanetto / Giuseppe Patané / 8. 10. 1988 (Philharmonie)


    Barbara Hendricks, Susan Quittmeyer, James Morris / Bruno Weil / 27. 11. 1988 (Philharmonie)


    Helen Donath (solo) (Weihnachtskonzert) / Regensburger Domspatzen / Giuseppe Patané / 11. 12. 1988 (Philharmonie)


    Eva Marton, Hanna Schwarz (Verdi, Ponchielli und Wagner) / Giuseppe Patané / 8. 1. 1989 (Philharmonie)


    Gabriele Fontana, Eva-Christine Reimer, Adolf Dallapozza, Frieder Stricker (Faschingskonzert) / Herbert Mogg / 5. 2. 1989 (Philharmonie)


    Karen Huffstodt, Mario Malagnini, Gino Quilico / Giuseppe Patané / 5. 3. 1989 (Philharmonie)


    Barbara Daniels, Gail Gilmore, Sherrill Milnes (Broadway-Melodien) / Iain Sutherland / 21. 5. 1989 (Brucknerhalle Linz)


    Ulrike Steinsky, Walter Berry ("Ein Abend in Wien") / Peter Guth / 1. 7. 1989 (Füssen im Allgäu)


    Eva Marton, Julie Kaufmann, Francisco Araiza, Alan Titus, Francesco Ellero D'Artegna (komplett "La Wally") / Pinchas Steinberg / 19. 10. 1989 (CD 'Eurodisc') (Philharmonie)


    Eva Johansson, Klaus König, Ekkehard Wlaschiha (Wagner) / Heinz Fricke / 12. 11. 1989 (Philharmonie)


    Julie Kaufmann (solo) (Konzertante Musik) / Ralf Weikert / 15. 1. 1995 (Philharmonie)


    Edita Gruberova, Rosa Laghezza, Deon van der Walt, Philippe Fourcade u. a. (komplett “La fille du régiment”) / Chor: Gustaf Sjökvist / Marcello Panni / 18. 3. 1995 (Philharmonie) (CD 'Nightingale')


    Kallen Esperian, Michael Sylvester, Paolo Gavanelli (“Luisa Miller “ 3. Akt – Verdi-Arien) / Roberto Abbado / 14. 5. 1995 (Philharmonie)


    Peter Seiffert, Robert Hale (Wagner) / Roberto Abbado / 17. 6. 1995 (Schloss Linderhof - Veranstaltung der “Classicale” 1995)


    Viele Grüße!


    Carlo

    Lieber 'Caruso41',


    die von Dir gezeigte „Don Giovanni“-Aufnahme – der Mitschnitt eines Live-Konzerts der RAI Rom vom 12. 5. 1970 - ist ja recht enttäuschend und alle vier der genannten Protagonisten sind in anderen Aufnahmen ihrer Partien eindrucksvoller zu hören, Alfredo Kraus z. B. in den Salzburger Mitschnitten von 1968 und 1969 unter Herbert von Karajan.


    In die „Cosi fan tutte“-Produktion ist Kraus bekanntlich kurzfristig für Fritz Wunderlich, der den erkrankten Luigi Alva ersetzen sollte, eingesprungen. Doch Wunderlich, der den 'Ferrando' schon seit Jahren erfolgreich – aber stets nur in deutscher Sprache – gesungen hatte, glaubte mit einer nur in einer Woche gelernten italienischsprachigen Interpretation vor Karl Böhm nicht bestehen zu können und sagte ab. Kraus hatte diese Skrupel nicht, obwohl er m. W. diese Partie noch nie vorher gesungen hatte. Übrigens ist der Tenor aus Gran Canaria noch in zwei weiteren Aufnahmen kurzfristig eingesetzt worden: 1983 in Gounods „Roméo et Juliette“ (neben Catherine Malfitano, Gino Quillico und José van Dam unter Michel Plasson bei 'EMI') als Ersatz für Neil Shicoff und 1992 in „La Traviata“, wo er neben Kiri Te Kanawa und Dmitri Hvorostovsky unter dem Dirigat von Zubin Mehta an Stelle von José Carreras sang ('Philips').


    Ich habe auch die 'Carillon'-Schallplatte (CAL-7), aufgenommen von 'Montilla' 1960 (Dirigent: Mario Cordone), mit der 'Bildnisarie' aus der „Zauberflöte“ in deutscher Sprache - der Vater des Sängers stammte aus Wien und in Konzerten im Wiener Musikverein hat Alfredo Kraus später auch Klavierlieder von Schubert und Strauss in deutsch gesungen, wovon es Mitschnitte gibt. Das "Perlenfischer"-Duett stammt aus dem Kölner Fernseh-Konzert des WDR vom 24. 8. 1969, über das ich schon im "Kerstin-Meyer-Thread" geschrieben habe; Kraus sang hier noch die Romanze des 'Nadir' aus derselben Oper sowie - nur für den Hörfunk - die erste Arie des 'Don Ottavio' aus dem "Don Giovanni" und die Arie des 'Ernesto' aus "Don Pasquale" (Dirigent: Alberto Erede). Übrigens hat er auch in zwei großen spanischen Filmen die Hauptrolle gespielt: „Gayarre“ (1959) über den berühmten Tenor Julián Gayarre aus dem 19. Jahrhundert – auch José Carreras verkörperte ihn 1986 auf der Leinwand - und in „El Vagabundo y la Estrella“ (1967) sogar eine Doppelrolle. Manchmal gab Alfredo Kraus sein Autogramm quer über die Stirn seines Konterfeis mit der hintersinnigen Begründung, dass „bei einem Tenor im Hirn noch am meisten Platz ist.“


    Allerdings muss ich gestehen, dass ich – wie bei vielen anderen prominenten Sängern auch – seine frühen, hauptsächlich in Spanien entstandenen, Aufnahmen den späteren vorziehe. Da ist er noch relativ unbekümmert und die helle, sofort identifizierbare Stimme klingt jugendlich, leicht und locker. Um seine Solo-Aufnahmen ab ca. 1975 habe ich – mit Ausnahme der sehr späten 'Philips'-CD von 1994 - einen Bogen gemacht und viele seiner Opern-Gesamtaufnahmen aus dieser Zeit habe ich entweder aus Interesse an der entsprechenden Oper (z. B. „La muette de Portici“ oder „La jolie fille de Perth“) oder wegen der anderen Mitwirkenden (beispielsweise „La Favorita“ mit Shirley Verrett oder Fiorenza Cossotto, „Don Pasquale“ mit Beverly Sills, „La Traviata“ mit Renata Scotto, „Manon“ mit Ileana Cotrubas, „Werther“ mit Tatiana Troyanos oder "Lakmé" mit Ruth Welting) gekauft. Ich fand, dass die nasale Färbung seines – schon immer sehr 'speziellen' – Tenors stark zugenommen hatte und (wohlgemerkt, für mein Empfinden!) die Stimme trocken und spröde geworden war und die Höhe einen leicht 'greinenden' Beiklang bekommen hatte. (Ich weiß jetzt schon, wer sich da herausgefordert fühlt. Aber bekanntlich hört jedes Ohr anders und die Beurteilung von Stimmen ist eine höchst individuelle Angelegenheit!) Ich habe mich darüber mit anderen Stimmfetischisten – darunter auch Harald Kral – mehrfach ausgetauscht und sie kamen alle zu einer ähnlichen Einschätzung. An seiner Stimmbeherrschung, Phrasierungskunst und der stilistischen Sicherheit gibt es nichts zu kritisieren. (Es gab 1993 beim WDR eine sehr schöne 85minütige TV-Dokumentation über Alfredo Kraus.)


    Meine schönsten Aufnahmen von und mit Alfredo Kraus sind neben einigen frühen Recitals mit Arien und Folklore-Liedern seine ebenfalls frühen Schallplatten (von Firmen wie 'Hispavox' und 'Montilla' oder von seinem eigenen Label 'Carillon'), auf denen er in den außerhalb Spaniens so sträflich vernachlässigten Zarzuelas singt. Ich nenne nachfolgend die Zarzuela-Aufnahmen mit seiner Mitwirkung; von den mit * gekennzeichneten Werken habe ich Schallplatten:


    ARRIETA: Marina (Carillon* und Valois)

    BRETÓN: La Verbena de la Paloma (Carillon*)

    CHAPI: La Tempestad (Montilla) – La Revoltosa (Carillon*) – La Bruja (Columbia*)

    GUERRERO: El Huésped del Sevillano (Carillon)

    SERRANO: La Dolorosa (Carillon*)

    SOROZÁBAL: Katiusha (Hispavox*) – Black, el Payaso (Hispavox) – La Tabernera del puerto (Hispavox)

    VIVES: Dona Francisquita (Montilla*, Carillon und Valois) – La Generala (Montilla*) – Bohemios (Carillon*)


    Abschließend noch ein Kommentar zu der „Don Pasquale“-Sendung gestern in den 'Nightly Opera Live Streams' aus der Metropolitan Opera. Wenn die Inszenierung als 'langweilig' bezeichnet wird, sollte man berücksichtigen, dass die Intention des englischen Regisseurs John Dexter war, diese der Tradition der italienischen 'Commedia dell'arte' entstammende Oper in der Art einer 'Oscar-Wilde-Komödie' zu inszenieren. Hierzu Beverly Sills in der „Opera News“ vom 20. 1. 1979: „He wanted us to bring that British comic understatement to the Met's Victorian settings of the opera. This dry, sophisticated sense of humor enables the four characters to play 'Pasquale' as drawing-room comedy. Without unnecessary slapstick, the audience pays attention to the characterizations.“ (In der Premiere dieses „Don Pasquale“ am 7. 12. 1978 sang übrigens Nicolai Gedda den 'Ernesto', auch er kein 'Youngster'. Mich haben eher die unorthodoxen Tempi des Dirigenten Nicola Rescigno gestört. Leider war die Bild- und Tonqualität dieses 40 Jahre alten Videos sehr schlecht, gemessen an den anderen, in den letzten Wochen von der Met im Internet gezeigten Opernaufführungen aus derselben Zeit.)


    Carlo

    Hallo,


    Josef Traxel sang (im Konzert) nicht nur Mozart, sondern auch Rossini und Schönberg!



    „Requiem, KV 626“ (Mozart): mit Teresa Stich-Randall, Annie Delorie, Josef Traxel und Theo Adam / Der Kölner Rundfunkchor und das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Chorltg.: Bernhard Zimmermann / Dirigent: Mario Rossi (Köln, Funkhaus, 20. 9. 1957, Live-Aufnahme). Ein Chorkonzert aus Anlass des 'Deutschen Mozartfestes 1957'.


    dto.: mit Agnes Giebel, Marga Höffgen, Josef Traxel und Raffaele Arié / Coro e Orchestra Sinfonico di Milano della Radiotelevisione Italiana / Chorltg.: Giulio Bertola / Dirigent: Sergiu Celibidache (Mailand, Auditorium della RAI, 16. 3. 1962).


    dto.: mit Maria Stader, Marga Höffgen, Josef Traxel und Gerd Nienstedt / Les Choeurs et l' Orchestre d' ORTF / Dirigent: Karl Münchinger (Paris, Théâtre des Champs-Élysées, 18. 6. 1964).



    „Stabat Mater“ (Rossini): mit Pilar Lorengar, Betty Allen, Josef Traxel und Josef Greindl / Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin / Die Berliner Symphoniker / Chorltg. und Dirigent: Karl Forster (Berlin, Grunewaldkirche, 8. - 10. 6. 1960). Erschienen bei 'Electrola' unter E 80 607 (mono) und STE 80 607 (stereo). In meinem Schallplattenregal steht die Wiederveröffentlichung von 'Dacapo' mit der Katalognummer 1 C 047-28 599.



    „Die Jakobsleiter“ (Schönberg): Gabriel – Günter Reich*, Der Auserwählte – Thomas Stewart, Ein Berufener – Josef Traxel, Ein Aufrührerischer – Julius Patzak, Ein Ringender – Hans Herbert Fiedler, Der Mönch – Helmut Krebs, Der Sterbende und Die Seele – Ilse Hollweg / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks Hamburg / Chorltg.: Max Thurn / Der Kölner Rundfunkchor / Chorltg.: Bernhard Zimmermann / Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Dirigent: Rafael Kubelik / TV-Regie: Hermann Lanske (Wien, Konzerthaus. 16. 6. 1961) *Günter Reich sprang kurzfristig für Iwan Rebroff ein. 1955 fertigte Arnold Schönbergs ehemaliger Schüler Winfried Zillig eine aufführungsfähige Partitur des nur im Particell vorliegenden Oratorium-Fragments (komponiert 1917 und 1922) an, das in diesem Konzert zur Uraufführung kam.


    Die Fernseh-Aufzeichnung des Konzerts (Sendung am 24. 6. 1961 im 2. Programm der ARD) entstand während der Generalprobe und da hat Iwan Rebroff den 'Gabriel' gesungen! (Wie bei vielen damaligen Fernseh-Aufnahmen von Opern- und Konzertaufführungen üblich, wurde – um die Konzertbesucher nicht durch 'vor ihrer Nase' herumfahrende riesige Kameras zu stören – die Generalprobe ohne Publikum aufgezeichnet und bei der Sendung der Applaus des Publikums live eingeblendet.)


    Dem Konzert ging eine (nicht vom Fernsehen aufgezeichnete) Lesung des von Arnold Schönberg verfassten - aber von ihm nur teilweise vertonten - Oratorien-Textes voraus mit den folgenden Sprechern: Jürgen Goslar (Gabriel), Albin Skoda (Gott), Achim Benning (Ein Berufener), Walther Reyer (Ein Aufrührerischer), Günter Haenel (Ein Ringender), Axel Corti (Der Auserwählte) und Joana Maria Gorvin (Der Sterbende) sowie mit Heinz Woester, Otto Kerry. Peter P. Jost, Karl Blühm,.Hannes Schiel, Ernst Meister und Peter Weihs / Der Züricher Kammersprechchor – Ltg.: Ellen Widmann / Regie: Gustav Rudolf Sellner.


    Weitere Aufführungen der „Jakobsleiter“ in der obengenannten Besetzung gab es am 4. 10. 1963 in Berlin (Hochschule für Musik, allerdings mit Boris Carmeli als 'Gabriel' und Barry McDaniel als 'Der Auserwählte'), am 5. 10. 1963 in München (Herkules-Saal), am 7. und 8. 10. 1963 in Mailand (Teatro alla Scala) und am 10. 10. 1963 in Zürich (Tonhalle, hier sang Günter Reich den 'Gabriel'). Daher existiert vermutlich mindestens ein weiterer Konzert-Mitschnitt mit Josef Traxel, denn er sang in allen diesen Aufführungen den 'Berufenen' in Schönbergs „Die Jakobsleiter“!


    Carlo

    Hallo,


    wer möchte, kann sich heute noch bis 0.30 in den kostenlosen 'Nightly Met Opera Streams' die Video-Aufzeichnung der "Don Pasquale"-Aufführung vom 11. 1. 1979 ansehen:


    http://www.metopera.org/season/on-demand/opera


    Das 'junge' Liebespaar Norina-Ernesto wird von Beverly Sills (damals 49) und Alfredo Kraus (damals 51) verkörpert; Gabriel Bacquier singt die Titelrolle, Hakan Hagegard ist der Dr. Malatesta und Nico Castel der Notar. Die Inszenierung stammt von John Dexter in der Ausstattung von Desmond Heeley; der Dirigent ist Nicola Rescigno. (Eine interessante Ergänzung zur 'EMI'-Aufnahme vom Juli 1978 aus London mit Sills, Kraus, Donald Gramm, Alan Titus und Henry Newman unter der Leitung von Sarah Caldwell.)


    Schon seit sechs Wochen gehe ich virtuell (fast) jeden Abend in die Metropolitan Opera in New York und habe stets interessante und oft überzeugende Aufführungen mit herausragenden Gesangsleistungen erlebt. Selbst neue Werke des Musiktheaters werden dort so bildhaft, glaubwürdig und ästhetisch inszeniert, dass man die Handlung der Oper und ihre Aussage auch ohne Vorkenntnisse versteht. Von 'German Trash' keine Spur...


    Carlo

    Guten Abend!


    Mit dem vorigen Beitrag habe ich im chronologischen Ablauf etwas vorgegriffen, aber nun fahre ich zeitlich korrekt fort mit Mario Lanzas berühmtester und auch meistverkaufter Schallplatte: „The Great Caruso“ ('Der große Caruso').


    Im Jahre 1951 gedachte die Musikwelt des dreißigsten Todestages von Enrico Caruso und die 'MGM' konnte mit Mario Lanza endlich eine schon lange geplante Film-Biographie des schon zu seinen Lebzeiten berühmtesten und durch die riesige Anzahl seiner Schallplatten – fast 500 Titel! - auch populärsten Tenors der Welt realisieren. Dieser von der 'Traumfabrik' Hollywood perfekt gemachte (und vermarktete) Film überzeugte auch die Mehrzahl der Cineasten, die sonst 'Biopics' von noch nicht allzu lange verstorbenen Berühmtheiten nicht sehr gnädig beurteilen; selbst Menschen, die diesen bereits legendären Sänger noch gut gekannt hatten ( wie z. B. der Schauspieler Enrico Caruso jun., ein unehelicher Sohn Carusos aus der jahrelangen Beziehung des Tenors mit der Sängerin Ada Giachetti), sahen in Mario Lanza eine Art 'Wiedergeburt Carusos'.


    Dass die Schuhe, in die man ihn fortan steckte, viel zu groß waren, wusste wohl niemand besser als Mario Lanza selbst. Mit dem beispiellosen internationalen Erfolg dieses Films begann der Tenor aus Philadelphia, seine 'Unschuld' zu verlieren und sein 'Caruso-Trauma' – eine ungute Mischung aus unterschwelligen Selbstzweifeln, ihm entgegen gebrachter, fast fanatischer öffentlicher Bewunderung und ihm verwehrter Anerkennung durch die konservative Musikjournaille – nahm seinen Anfang, das er durch phasenweise übermäßigen Alkohol-Genuss, unkontrolliertes Essverhalten und manchmal provokantes Benehmen gegenüber Filmleuten und Pressevertretern zu bewältigen versuchte. Mario Lanza, dem nur seine kleine Familie und eine Handvoll Freunde Stabilität gaben, hätte in dieser Situation die Hilfe eines guten Psychotherapeuten gebraucht, doch in der 'Schlangengrube' Hollywood wäre auch das nicht unbemerkt und unkommentiert geblieben.


    Die von 'RCA' zu „The Great Caruso“ veröffentlichte Schallplatte enthält nur Opernarien – vermutlich war es ein Wunsch Mario Lanzas, mit dieser Platte als Operntenor präsentiert zu werden - und spart die im Film gesungenen italienischen Canzonen ebenso aus wie Lanzas zweiten 'Millionen-Hit' „The loveliest night of the year“ (ein Arrangement Irving Aaronsons von Juventino Rosas' berühmtem Walzer „Sobre las olas“, im deutschen Sprachraum bekannt als „Über die Wellen“); auch fehlt auf der Platte die Arie des Rodolfo aus Puccinis „La Bohème“, die im Film kurz zu hören ist. Bemerkenswert ist ferner, dass die Aufnahmen dieser Opernarien Wochen vor dem Beginn der Dreharbeiten (Juli bis Dezember 1950) entstanden, während die 'RCA'-Aufnahmen von „That Midnight Kiss“ und „The Toast of New Orleans“ erst nach der Fertigstellung der Filme eingespielt wurden. (Die restlichen von Lanza im Film „The Great Caruso“ gesungenen Titel wurden als 'Singles' - sowohl auf Schelllack wie auch auf Vinyl – veröffentlicht.)


    Leider hat die 'MGM', die Ende der 50er Jahre auch ins Plattengeschäft einstieg, wohl wegen der exclusiven Bindung Mario Lanzas an die 'RCA', nie die vollständig aufgenommenen (und im Film nur bruchstückhaft gezeigten) Opernteile veröffentlicht; mit Sängern wie Lucine Amara, Dorothy Kirsten, Marina Koshetz, Jarmila Novotna (von der man nicht nur das Duett 'È il sol dell' anima' aus „Rigoletto“, sondern sogar eine ganze Szene – in der sie sich als Primadonna Maria Selka bei Enrico Caruso für ihr Verhalten ihm gegenüber entschuldigt – aus dem fertigen Film wegen Überlänge herausschnitt), Blanche Thebom, Nicola Moscona und Giuseppe Valdengo unter der Leitung des renommierten Dirigenten Peter Herman Adler von der NBC.


    The Great Caruso“: 'Questa o quella' – 'La donna è mobile' – 'Parmi veder le lagrime' („Rigoletto“ / Giuseppe Verdi) - 'Recondita armonia' – 'E lucevan le stelle' („Tosca“ / Giacomo Puccini) – 'Una furtiva lagrima' („L' elisir d'amore“ / Gaetano Donizetti) – 'Cielo e mar' („La Gioconda“ / Amilcare Ponchielli) – 'Recitar!... Vesti la giubba' („I pagliacci“ / Ruggero Leoncavallo). RCA Victor Orchestra / Dirigent: Constantine Callinicos (Hollywood, RCA Studio, Mai 1950) 'RCA Victor' LM-1127 (1 LP, 30 cm). Diese Arien wurden auch in einer Box (WDM 1506) mit vier auf rotem Vinyl gepressten EPs veröffentlicht. In den 60er Jahren gab es auch eine Version in elektronischem 'Stereo' mit der Katalognummer LSC-1127(e).


    Von 1951 an kooperierte die amerikanische 'RCA' mit der englischen 'HMV' (z. B. erschienen Furtwängler-Aufnahmen in den USA bei 'RCA' und Toscanini-Platten wurden in Großbritannien unter dem 'HMV'-Label veröffentlicht.) Zu dem 'Caruso-Film' präsentierte die 'HMV' eine eigene Schallplatte, die der im Film enthaltenen Musik-Auswahl entsprach:


    The Great Caruso“: „Marechiare“ (Francesco Paolo Tosti) – „A vucchella“ (Francesco Paolo Tosti) – 'Cielo e mar' („La Gioconda“ / Amilcare Ponchielli) – 'La donna è mobile' („Rigoletto“ / Giuseppe Verdi) - „Core 'ngrato“ (Salvatore Cardillo) – 'Che gelida manina' („La Bohème“ / Giacomo Puccini) - „Mattinata“* (Ruggero Leoncavallo) – 'Recitar!.... Vesti la giubba' („I pagliacci“ / Ruggero Leoncavallo) - „Ave Maria“ (Johann Sebastian Bach – Charles Gounod) - „The loveliest night of the year“+ (Juventino Rosas – Irving Aaronson) – 'Questa o quella' („Rigoletto“ / Giuseppe Verdi) – 'E lucevan le stelle' („Tosca“ / Giacomo Puccini) / RCA Victor Orchestra / Dirigenten: Constantine Callinicos und Ray Sinatra („Mattinata“) (Hollywood, RCA Studio, Oktober 1949*, Mai 1950 und Februar 1951+) 'HMV' ALP 1071 (1 LP 30 cm). Diese LP ist außerhalb Großbritanniens nicht veröffentlicht worden.


    Bei der Popularität Mario Lanzas durfte auch eine Weihnachtsplatte nicht fehlen:


    Mario Lanza sings Christmas Carols“: „The Lord's prayer“ (Albert Hay Malotte) - „The first noel“ (Trad.) - „O come, all ye faithful“ (Trad.) - „Away in a manger“ (William James Kirkpatrick) - „We three kings of Orient are“ (John Henry Hopkins) – „O little town of Bethlehem“ (Lewis H. Redner) - „Silent night“ (Franz Gruber) - „Guardian angels“ (Harpo Marx) / Jeff Alexander Choir / RCA Victor Orchestra / Dirigent: Ray Sinatra (Hollywood, RCA Studio, September und Dezember 1951) 'RCA Victor' LM-155 (1 LP, 25 cm). Auch diese Aufnahmen wurden in zwei Boxen veröffentlicht mit je vier Platten: DM 1649 (SP, 30 cm) und WDM 1649 (EP, 17 cm). Es überrascht, hier den Namen des Schauspielers Harpo Marx („The Marx Brothers“) zu lesen, aber er war auch Komponist und ein ausgebildeter Harfenist, der in der Aufnahme von „Guardian angels“ Mario Lanza an 'seinem' Instrument begleitet.


    1956 wurden die oben genannten Aufnahmen der 'Weihnachtslieder' - ergänzt um neu eingespielte sieben weitere Titel - auf der Platte LM-2029 (30 cm) wieder veröffentlicht; diese LP, die dem in Italien entstandenen Stereo-Remake von 1959 vorzuziehen ist, wird demnächst hier detailliert vorgestellt.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Lieber 'Otello50',


    der Autor Jürgen Schäfer nennt in seinem kurzen Beitrag die Eckdaten der Sängerlaufbahn von Hans Grahl, wie sie auch bei „Kutsch/Riemens“ nachzulesen sind, stellt aber den Geburtsort (Braunschweig) richtig.


    Zu dem 'Vorfall', der zu Grahls Entfernung aus dem Hamburger Ensemble führte, schreibt Schäfer diskret: „Für die Neuinszenierung der Oper 'Otello' in Hamburg war Hans Grahl für die Titelpartie vorgesehen. Man war bereits mitten in den Proben, als das Engagement von Hans Grahl abrupt beendet wurde. Die Umstände, die zur plötzlichen Beendigung des Engagements führten, wurden in der Öffentlichkeit nie ganz geklärt. Ersetzt wurde Hans Grahl in Hamburg durch Joachim Sattler“. Nach meiner Recherche war die „Otello“-Premiere am 16. 9. 1936 unter der Leitung von Eugen Jochum. (Dem Essay sind drei Fotos, zwei Programmzettel - „Rienzi“ am 25. 12. 1930 und „Carmen“ am 9. 11. 1933 – und zwei Zeitschriften-Kritiken beigegeben. Außerdem ist das Programm eines „Richard Wagner-Konzerts“ in der Hamburger Musikhalle vom 17. 9. 1947 – Dirigent: Hans Schmidt-Isserstedt – abgedruckt.)


    Zu eventuellen Tonaufnahmen schreibt Jürgen Schäfer ohne nähere Angaben lediglich: „Jüngeren Musikfreunden ist erst durch die Veröffentlichung der Edition 'Wiener Staatsoper' der Name Hans Grahl begegnet. Die Fragmente aus 'Parsifal' sind offensichtlich die einzig erhaltenen Tondokumente des Sängers. Allerdings ist das Timbre des Sängers kaum zu erkennen.“ Ich habe mir die den Tenor betreffenden Tonbeispiele angehört und ich muss Herrn Schäfer Recht geben. Es handelt sich um folgende Ausschnitte aus „Parsifal“: 'Wie lachen ihm die Rosen der Wangen... Ihr schönen Kinder' (3,49) 'Und willst du uns nicht schelten... Komm, komm, holder Knabe' (3.50) '...sie heut' dir als Muttersegens letzten Gruß... Amfortas! Die Wunde' (4,09) 'Hilfe! Hilfe! Herbei! (Finale Zweiter Akt – 3,25) 'Ich sah sie welken, die einst mir lachten' (Dritter Akt – 3,18) / Parsifal – Hans Grahl / Kundry – Anny Konetzni / Klingsor – Hermann Wiedemann / Gurnemanz – Herbert Alsen / Blumenmädchen – Luise Helletsgruber, Elisabeth Rutgers, Maria Schober, Esther Réthy, Dora Komar(ek) und Dora With / Dirigent: Hans Knappertsbusch (Wien, Staatsoper, 6. 4. 1939). 'Koch/Schwann' Edition „Wiener Staatsoper Live, Vol. 2“ - gekoppelt mit Ausschnitten aus „Die Meistersinger von Nürnberg“ unter Wilhelm Furtwängler, Nürnberg, 5. 9. 1938.


    Näheres zu Hans Grahl findet man im „Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit“
    www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_0001604


    und unter
    www.isoldes-liebestod.net/Tristan/Grahl_Hans.htm,


    wo es auch eine Bilder-Galerie gibt.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Als Ergänzung zu den im obigen Beitrag aufgeführten Live-Mitschnitten von Opernaufführungen mit Kerstin Meyer nenne ich heute einige weniger bekannte Aufnahmen mit dieser Sängerin:



    „Der Rosenkavalier“ (Strauss): Die Feldmarschallin – Régine Crespin / Baron Ochs – Ludwig Weber / Octavian – Kerstin Meyer / Herr von Faninal – Walter Cassel / Sophie – Teresa Stich-Randall / Marianne Leitmetzerin – B. Danar / Valzacchi – Salvador Novoa / Annina – Aurora Woodrow / Ein Sänger – R. Seville / Ein Polizeikommissär – Roberto Banuelas / Ein Notar – H. Patos / Der Haushofmeister der Marschallin und Der Haushofmeister bei Faninal – A. Hammuh / Coro y Orquesta del Palacio de Bellas Artes, Mexico City / Dirigent: Joseph Rosenstock (Mexico City, Palacio de Bellas Artes, 19. 9. 1962). Der Mitschnitt wurde kürzlich vom 'Opera Depot' veröffentlicht.



    „Un ballo in maschera“ (Verdi): Konung Gustaf III. (Riccardo) - Ragnar Ulfung / Greve Holberg (Renato) – Hugo Hasslo / Amelia – Aase Nordmo-Lövberg / 'Mamsell' Ulrica Arfvidsson (Ulrica) – Kerstin Meyer / Pagen Otto (Oscar) – Birgit Nordin / Matrosen Matts (Silvano) – Georg Svedenbrandt / Greve Horn (Samuel) – Bo Lundberg / Kapten Anckarström (Tom) – Arne Tyrén / Biskopen (Ein Bischof) (Il giudice) – Arne Wirén / Holbergs betjärt (Holbergs Diener) (Un servo di Amelia) – Kolbjörn Höiseth / Kungliga Operans Kör och Kungliga Hovkapellet (Chor und Orchester der Königlichen Oper Stockholm) / Dirigent: Sixten Ehrling (Stockholm, Kungliga Operan, 1959). Für diese Neuinszenierung der Stockholmer Oper am 21. 10. 1958 wurden einige der von Verdi auf Druck der römischen Zensur 1859 verwendeten Rollennamen durch die historisch verbürgten (tatsächlich am Attentat auf den schwedischen König 1792 beteiligten) Personen ersetzt; siehe hierzu auch die Aufnahme der „Sörgemusik över Gustaf III.“ von Joseph Martin Kraus, die in einem später folgenden Beitrag genannt wird. (Diese Fassung Göran Genteles und Erik Johan Lindegrens wurde – in schwedischer Sprache – auch im August/September 1959 beim Gastspiel der Königlichen Oper Stockholm bei den Festspielen im schottischen Edinburgh gezeigt; in der ersten von vier Vorstellungen sang Birgit Nilsson, alternierend mit Aase Nordmo-Lövberg, die 'Amelia'.)


    dto.: König Gustaf III. - Sven-Olof Eliasson / Graf Holberg – Ingvar Wixell / Amelia – Berit Lindholm / 'Mamsell' Ulrica Arfvidsson – Kerstin Meyer / Otto – Birgit Nordin / Matts – Rolf Jupither / Graf Horn – Bo Lundberg / Hauptmann Anckarström – Arne Tyrén / Ein Bischof – Helge Brilioth / Graf Holbergs Diener – Sven-Erik Wikström / Kungliga Operans Kör och Kungliga Hovkapellet / Dirigent: Sixten Ehrling (Montreal, Salle Wilfrid Pelletier, 2. 6. 1967) Es handelt sich um den Mitschnitt einer von zwei Aufführungen (in schwedischer Sprache) anlässlich des Gastspiels der Königlichen Oper Stockholm zur Weltausstellung 'EXPO' in Montreal. (Ferner führten die schwedischen Gäste dort Stravinskis „The Rake's Progress“ und Blomdahls 'Weltraumoper' „Aniara“ auf. Die Wilfrid-Pelletier-Halle in Montreal ist ein riesiger Mehrzweckbau, der noch zu seinen Lebzeiten nach dem canadischen Dirigenten benannt wurde; erst seit 1980 gibt es mit der „Opéra de Montréal“ dort ein eigenständiges Opernhaus, das bisher einzige in Canada.)



    „La forza del destino“ (Verdi): Il marchese di Calatrava – Herbert Fliether / Donna Leonora – Marina Krilovici / Don Carlo di Vargas – Norman Mittelmann / Don Alvaro – Flaviano Labò / Preziosilla – Kerstin Meyer / Padre Guardiano – Ernst Wiemann / Frau Melitone – Heinz Blankenburg / Curra – Maria von Ilosvay / Mastro Trabuco – Kurt Marschner / Un alcade – Franz Grundheber / Un chirurgo – William Workman / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Günther Schmidt-Bohländer / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Bohumil Gregor (Hamburg, Staatsoper, 15. 4. 1970) Eine Aufführung in italienischer Sprache. (Die Inszenierung Helmuth Matiaseks stammte vom September 1965 und wurde damals in einer Doppel-Premiere gezeigt: Leonora - Enriqueta Tarrés, Edith Lang / Preziosilla - Tatiana Troyanos, Kerstin Meyer / Alvaro - Ernst Kozub, Arturo Sergi / Carlo - Tom Krause, Thomas Tipton / Pater Guardian - Ernst Wiemann, Arnold van Mill / Fra Melitone - Heinz Blankenburg, Peter Roth-Ehrang; den Marchese von Calatrava sang in beiden Premieren Herbert Fliether und beide Male dirigierte Nello Santi die deutsch gesungenen Aufführungen.)



    „Tristan und Isolde“ (Wagner): Isolde – Amy Shuard / Tristan – Jean Cox / Brangäne – Kerstin Meyer / Kurwenal – Jeff Vermeersch / König Marke – Kurt Moll / Melot – Stan Unruh / Ein junger Seemann – Pierre-André Blaser* / Ein Hirt – Jaume Baro / Ein Steuermann – Michel Bouvier / Le Choeur du Grand Théâtre de Genève / Chorltg.: Paul-André Gaillard / L' Orchestre de la Suisse Romande / Dirigent: Georges Sebastian (Genf, Grand Théâtre, 31. 1. 1972) *Es ist nicht ganz geklärt, ob Pierre-André Blaser den 'Jungen Seemann' singt (wie in der Premiere dieser Neuinszenierung am 18. 1. 1972) oder Jaume Baro, der in den folgenden Vorstellungen mit ihm in dieser Rolle alternierte.



    Nachtrag zum Beitrag Nr. 23: Es gibt natürlich auch einen Mitschnitt der „Meistersinger von Nürnberg“-Premiere von den Salzburger Osterfestspielen 1974 (7. 4.), in dem Kerstin Meyer ebenfalls die Partie der 'Magdalene' singt. Im Gegensatz zu der Aufnahme des folgenden Jahres (23. 3. 1975) sangen 1974 Louis Hendrikx (statt Peter Lagger) den 'Veit Pogner', Martin Schomberg (statt Willy Caron) den 'Balthasar Zorn' und Wolf Appel den 'Ulrich Eisslinger' statt Manfred Jung; die restliche Besetzung war in beiden Jahren unverändert.



    Demnächst werde ich noch einige Konzert- und Liedaufnahmen mit der schwedischen Altistin auflisten.



    Carlo

    Und heute folgen die Komponisten Carl Loewe, Gustav Mahler und Wolfgang Amadé Mozart:



    „Lieder von Carl Loewe“: Heinrich der Vogler, op. 56/1 – Erlkönig, op. 1/3 – Fridericus Rex, op. 61/1 – Das Erkennen, op. 65/2 – Süßes Begräbnis, op. 62/4 – Der Nöck, op. 129/2 – Hochzeitslied, op. 20/1 – Der Wirtin Töchterlein, op. 1/2 – Hinkende Jamben, op. 62/5 – Prinz Eugen, op. 92 – Archibald Douglas, op. 128 / Klavier: Erich Appel (Nürnberg, 1966). Die Schallplatte (30 cm) erschien 1967 bei 'Colosseum' und ist von der Nachfolgefirma 'Colosseum Music Entertainment GmbH' aus Nürnberg bisher nicht auf CD veröffentlicht worden.



    „Das Lied von der Erde“ (Mahler): mit Oralia Dominguez und Josef Traxel / Ceská filharmonie (Die Tschechische Philharmonie Prag) / Dirigent: Paul Kletzki (Montreux, Kursaal, 7. 9. 1962). Ein Mitschnitt der RSR (Radio Suisse Romande) vom Festival 'Septembre Musical 1962'.



    „Missa brevis C-dur, KV 220“ ('Spatzenmesse') (Mozart): mit Agnes Giebel, Marga Höffgen, Josef Traxel und Karl Christian Kohn / Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin / Die Berliner Symphoniker / Chorltg. und Dirigent: Karl Forster (Berlin, Grunewaldkirche, Juli 1959) 'Electrola' E 60 604 (mono) bzw. STE 60 604 (stereo). Ich habe diese Aufnahme als Wiederveröffentlichung auf der 'Electrola'-LP 1 C 065-12 8500 1, gekoppelt mit der „Krönungsmesse, KV 317“ (siehe unten).


    „Messe C-dur, KV 317“ ('Krönungsmesse') (Mozart): mit Pilar Lorengar, Marga Höffgen, Josef Traxel und Karl Christian Kohn / Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin / Die Berliner Symphoniker / Chorltg. und Dirigent: Karl Forster (Berlin, Grunewaldkirche, Juli 1959) 'Electrola' E 60 634 (mono) bzw. STE 60 634 (stereo). Diese Aufnahme habe ich in der Kopplung mit der „Spatzenmesse“ Mozarts (siehe oben und Beitrag Nr. 129 von 'Nemorino').


    „Thamos, König von Ägypten“ ('Zwischenaktmusiken und Chöre zu dem heroischen Drama des Freiherrn von Gebler, KV 336a und KV 395') (Mozart) mit Stefan Kosso (Sethos, Oberpriester des Sonnentempels), Sieglinde Kahmann und Hetty Plümacher (Zwei Sonnenjungfrauen), Josef Traxel und Stefan Kosso (Zwei Sonnenpriester) / Der Südfunk-Chor / Chorltg,: Hermann Josef Dahmen / Das Sinfonie-Orchester des Süddeutschen Rundfunks / Dirigent: Hans Müller-Kray (Stuttgart, Liederhalle, ca. 1960). Siehe auch meinen Beitrag Nr. 141 zu diesem Werk.


    „Freimaurer-Kantaten“ (Mozart): Dir, Seele des Weltalls, KV 429 – Die Maurerfreude, KV 471 – Eine kleine Freimaurerkantate, KV 623 / mit Felix Neininger (Bariton) / Der Südwestdeutsche Konzertchor Pforzheim / Der Pforzheimer Kammermusikkreis / Dirigent: Gerd Fleig (Pforzheim, 1964).


    „Das Veilchen, KV 476“ (Mozart): mit Gerd Fleig (Klavier) (Pforzheim, Melanchthon-Haus, 25. 1. 64). (Privater Probenmitschnit) Enthalten in der Box 'Josef Traxel, Vol. 2', herausgegeben auf 2 CD von der 'Société Vocale Internationale Josef Traxel' beim CD-Label 'St.-Laurent Studio' in Canada.



    Carlo

    Liebe 'Taminos' ('Stimmenliebhaber', 'hart' und 'Otello50'),


    vielen Dank für so viel Anerkennung!



    Lieber 'hart',


    Deine Enttäuschung über das abgesagte Konzert Mario Lanzas in Wiesbaden am 29. 1. 1958 kann ich nachempfinden. Vielleicht ist es Dir möglich, die unten genannte 'RCA'/'BMG'-CD "Mario Lanza live from London" zu bekommen (z. B. bei 'Amazon'), die einen Mitschnitt des Auftritts von Mario Lanza in der Londoner Royal Albert Hall am 16. 1. 1958 bringt. Da der Sänger in allen Stationen seiner Europa-Tournee (die am 4. 1. 1958 in England begann und ihn - mit einer fünfwöchigen Unterbrechung nach dem Stuttgarter Konzert vom 27. 1. 1958 - u. a. nach München, Manchester, Edinburgh, Belfast, Paris und Rotterdam sowie nach Hannover und am 13. 4. 1958 zu seinem letzten öffentlichen Auftritt in Kiel führte; insgesamt 22 Konzerte) das gleiche Programm – mit wechselnden Zugaben – präsentierte, kannst Du Dir mit dieser CD das Wiesbadener Konzert akustisch imaginieren.


    Weil Mario Lanza immer wieder vorgehalten wurde, er habe nicht das stimmliche Durchhaltevermögen für eine ganze Opernvorstellung und sein Tenor sei nicht voluminös genug für ein großes Opernhaus, wies der Sänger in seinem Konzert in der innerhalb von vier Stunden ausverkauften riesigen Royal Albert Hall (7000 Sitzplätze) auf die auf dem Podium postierten Mikrophone hin, die nicht dazu dienten, seine Stimme durch Lautsprecher zu vergrößern, sondern sie sollten seinen Auftritt für eine Schallplatten-Veröffentlichung festhalten. (Zwei Tage später wiederholte er das Konzert in der Royal Albert Hall ohne Mikrophone.) Mario Lanza gab diesen Mitschnitt merkwürdigerweise nicht frei; die 'RCA' veröffentlichte ihn erst 1960 nach seinem Tod auf der Schallplatte LM-2454 (mono) bzw. LSC-2454 (stereo), wobei die Lieder „Lasciatemi morire“ von Claudio Monteverdi und 'Softly as in a morning sunrise' aus der Operette „New Moon“ von Sigmund Romberg sowie die Zugabe 'La donne é mobile' aus „Rigoletto“ wegen Platzmangels auf der Platte ausgespart sind und auch die von Lanza im Konzert gesprochenen Erläuterungen zu einigen der zu Gehör gebrachten Gesangsnummern fehlen. (Leider habe ich weder diese Schallplatte noch die oben genannte CD, sondern nur vier Ausschnitte auf einem alten Tonband.)


    Das komplette zweiteilige Londoner Programm bestand aus zwei Opernarien, drei alt-italienischen Arien, drei Kunstliedern zeitgenössischer amerikanischer Komponisten, drei italienischen Canzonen und zwei Liedern aus amerikanischen Operetten sowie drei Zugaben. 1. Teil: 'É la solita storia del pastore' („L'Arlesiana“ / Francesco Cilea – Mario Lanzas Lieblingsarie!) - „Lasciatemi morire“ (Claudio Monteverdi) - 'Già il sole del Gange' („L'honestà negli amore“ / Alessandro Scarlatti) - „Pietà, Signore“ (Alessandro Stradella) - „Tell me, o blue, blue sky“ (Vittorio Giannini) - „Bonjour, ma belle“ (Arthur Henry Behrend) - „The house on the hill“ (Ernest Charles) - 'E lucevan le stelle' („Tosca“ / Giacomo Puccini) / 2. Teil: „Mamma mia, che vo' sapé?“ (Emanuele Nutile – Mario Lanzas Lieblingslied!) - „A vucchella“ (Francesco Paolo Tosti) - „Marechiare“ (Francesco Paolo Tosti) – 'Softly as in a morning sunrise' („The New Moon“ / Sigmund Romberg) - 'I'm falling in love with someone' („Naughty Marietta“ / Victor Herbert – dieses Operettenlied sang er auch 1945 bei seinem Schallplattentest für 'RCA') / Zugaben: „Because you're mine“ (Nicholas Brodszky) - „Seven hills of Rome“ (Victor Young) – 'La donna é mobile' („Rigoletto“ / Giuseppe Verdi) / Am Klavier begleitete Constantine Callinicos, der auch folgende Musikstücke beisteuerte: 'Phantasie-Impromptu Cis-Moll, op. 66' und 'Polonaise As-Dur, op. 53' (beide von Frédéric Chopin) – 'Clair de lune' (Claude Debussy) – 'Feuertanz' („El amor brujo“ / Manuel de Falla) – 'Nerantzula' („Greek Dances“ / Constantine Callinicos). Die Gesangsstücke sind mit einigen gesprochenen Erläuterungen des Sängers komplett auf der CD „Mario Lanza live from London„ von 'RCA'/'BMG' 09026-61884-2 (1994) zu hören.


    Übrigens hat Constantine Callinicos, der mit einer Deutschen verheiratet war, nach Mario Lanzas Tod mehrere Jahre in Deutschland gelebt. Im Januar 1961 strengte er einen Prozess gegen den Autor Jürgen Thorwald an, weil dieser in seinen Fortsetzungsberichten mit dem Obertitel „Aller Ruhm auf Erden“ in der Münchner Illustrierten „Quick“ in neun Folgen („Der tödliche Appetit“) über Mario Lanza berichtet hat und dabei ohne Quellenangabe ganze Passagen aus Callinicos' umstrittenen Buch „The Mario Lanza Story“ abgeschrieben haben soll. (Callinicos charakterisierte den 'Freund' in dieser Biographie als alkohol-, tabletten- und fresssüchtig - was er Jahre später wieder zurücknahm – und stellte ihre Beziehung als wesentlich intensiver und langfristiger dar, als sie es tatsächlich war.) Callinicos und Thorwald einigten sich auf einen außergerichtlichen Vergleich und die sehr beliebte populär-wissenschaftliche Serie in der „Quick“ wurde nach 68 Folgen beendet.


    Carlo


    Liebe 'Taminos',


    nun komme ich zu den Recitals von und mit Mario Lanza, wobei zu beachten ist, dass die von der 'RCA' veröffentlichten Schallplatten „That Midnight Kiss“, „The Toast of New Orleans“, „The Great Caruso“, „Because You're Mine“ und „The Student Prince“ nicht die Soundtracks der entsprechenden 'MGM'-Filme darstellen, sondern eigene Studio-Produktionen der 'RCA' sind. (Dadurch differiert manchmal Lanzas Interpretation des gleichen Musikstückes zwischen der Film- und der Schallplattenaufnahme - im 'klassischen' Sektor weniger als bei Titeln der Unterhaltungsmusik, die dem Interpreten einen freieren Umgang mit den Noten und der Dynamik erlauben.) Hingegen sind die Aufnahmen der 'RCA'-LPs „Serenade“, „Seven Hills of Rome“ und „For the First Time“ mit der Tonspur dieser Filme – die nicht von 'MGM' produziert wurden – identisch.



    In Zusammenhang mit Mario Lanzas erstem Spielfilm („That Midnight Kiss“ / 'Ein Kuss um Mitternacht') veröffentlichte 'RCA' 1949 unter dem Filmtitel auch die folgende Langspielplatte:


    That Midnight Kiss“: 'Che gelida manina' („La Bohème“ / Giacomo Puccini) - 'Celeste Aida' („Aida“ / Giuseppe Verdi) - „Mamma mia, che vo' sapé?“ (Emanuele Nutile) - „Core 'ngrato“ (Salvatore Cardillo) - „I know, I know, I know“* (Bronislaw Kaper) - 'They didn't believe me'* („The Girl from Utah“ / Jerome Kern) / RCA Victor Orchestra / Dirigenten: Constantine Callinicos und Ray Sinatra* (Hollywood, RCA Studio, Mai 1949) 'RCA Victor' LM-86 (1 LP, 25 cm). Diese Aufnahmen wurden auch in zwei Boxen angeboten: DM 1330 (3 SPs, 30 cm) und WDM 1330 (3 EPs, 17 cm).

    Die von Constantine Callinicos dirigierten vier Titel wurden am 5. 5. 1949 in Hollywood eingespielt und gelten als Mario Lanzas erste kommerzielle Schallplattenaufnahmen. (Vermutlich nahm er die Arie aus „La Bohème“ und das Lied „Core 'ngrato“ 1948 mit dem 'MGM'-Orchester unter Charles Previn - Vater von André Previn – zusammen mit den anderen Gesangsnummern des Films, der von November 1948 bis März 1949 gedreht wurde, auch auf, aber in der Endfassung von „That Midnight Kiss“ sind sie nicht enthalten.)



    Mario Lanzas zweiter Spielfilm trug den Titel „The Toast of New Orleans“ ('Der Fischer von Louisiana') und auch hier benutzte 'RCA' den Filmtitel 1950 für ihre Schallplattenveröffentlichung. Statt seiner Filmpartnerin Kathryn Grayson, die keinen Vertrag mit der 'RCA' hatte, sang Elaine Malbin von der New York City Opera mit Mario Lanza in den Duetten aus „La Traviata“ und „Madama Butterfly“:


    The Toast of New Orleans“: 'Libiamo ne' lieti callici'* („La Traviata“ / Giuseppe Verdi) - 'Stolta paura, l'amor non uccide... Dicon che oltre mare se cade'* („Madama Butterfly“ / Giacomo Puccini) - 'Mi batte il cor... O paradiso' („L' Africaine“ / Giacomo Meyerbeer) - 'La fleur que tu m'avais jetée' („Carmen“ / Georges Bizet) - 'M'appari, tutto amor' („Martha“ / Friedrich von Flotow) / Elaine Malbin* (Sopran) / RCA Victor Orchestra and Chorus / Dirigent: Constantine Callinicos (Hollywood, RCA Studio, April 1950) 'RCA Victor' LM-75 (1 LP, 25 cm). Auch hier gab es Veröffentlichungen auf Schelllack- (DM 1395 - 3 SPs, 30 cm) und Vinylplatten (WDM 1395 - 3 EPs, 17 cm).



    Die beiden obengenannten Schallplatten sind 2001 auch auf einer CD der Firma 'Naxos' in der Serie „Nostalgia“ (8.120547) veröffentlicht worden - ergänzt um die bei 'RCA' ursprünglich nur auf SP (DM 1417) und EP (WDM 1417) erschienenen Songs aus „The Toast of New Orleans“, die alle von Nicholas Brodszky komponiert und von Ray Sinatra im Juni 1950 dirigiert wurden: 'The Toast of New Orleans' - 'Boom Biddy Boom' - 'The Bayou Lullaby' – 'Tina-Lina' - 'I'll never love you' und 'Be my love'. (Diese CD enthält auch eine gesprochene Würdigung von Johnny Victor: „Mario Lanza – A Musical Story“.) Der Film, der von Oktober 1949 bis März 1950 entstand, übertraf die Einspielergebnisse des vorhergehenden Streifens enorm und „Be my love“ war Lanzas erster Millionen-Bestseller, der sich 34 Wochen in der USA-Hitparade in vorderster Position hielt. Dieses Lied war auch die Erkennungs-Melodie von Mario Lanzas wöchentlicher Radio-Show bei der 'NBC' (National Broadcasting Company), die im Oktober 1951 diese Sendereihe von 'CBS' (Columbia Broadcasting System) übernahm und ein ganzes Jahr lang produzierte. Der Sänger wurde so sehr mit diesem Song identifiziert, dass er sich manchmal im privaten Kreis in Form von Parodien darüber lustig machte.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Lieber 'Caruso41',


    vielen Dank für das Angebot, die 'Eurodisc'-Platte für mich auf CD zu brennen. Da ich aber die Schallplatte schon habe, benötige ich eine CD davon nicht.


    Die von Dir gezeigte Schallplatte von 'Falcon' habe ich als Original-Ausgabe von 'Electrecord' aus Rumänien (ECE 0149), allerdings nur in mono. Merkwürdig ist, dass diese Platte noch zusätzlich zu den auf 'Falcon' zu hörenden Gesangsstücken Arien aus „Werther“, „La Bohème“ und „Tosca“ ('Recondita armonia' – 'E lucevan le stelle') enthält; vermutlich sind sie nur in der Mono-Version dieser 'Electrecord'-Platte zu hören.


    Carlo

    Liebe 'Taminos'!


    Es gibt im Urheberrechtsgesetz die sogenannte Privatkopie-Regelung. Demnach ist es erlaubt, einzelne Kopien von geschützten Inhalten (z. B. Musik, Filme und Texte) anzufertigen.


    Voraussetzung ist, dass die Kopien ausschließlich zu privaten Zwecken genutzt werden. “Privat” heißt, dass man sie nicht (aus beruflichen oder kommerziellen Gründen) öffentlich verwenden darf. Wenn man Musik von Tonträgern für Familienmitglieder, Freunde und enge Bekannte kopiert – und nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sind bis zu 7 Kopien erlaubt - so ist das im Sinne des Urheberrechts privat! (Auch in der Quiz-Sendung des SWR-Fernsehens “Meister des Alltags” wurde das kürzlich noch einmal thematisiert und bestätigt.)


    Daher ist das Posten von Musik im Internet, z. B. bei YouTube, ungesetzlich, weil es nicht mehr privat, sondern öffentlich ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob man dafür bezahlt oder nicht. Allerdings gibt es bisher zu dieser Art der Verfügbarkeit von Musik und Filmen bisher keine eindeutige und bindende Rechtsprechung – man verfährt in dieser juristischen 'Grauzone' offensichtlich nach dem Grundsatz: “Wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter!”


    Die einzige Einschränkung ist, wenn es sich um ausdrücklich kopiergeschützte Inhalte handelt. Die besagte Schallplatte mit Jon Piso trägt auf der 'Eurodisc'-Hülle den Vermerk: “Das Überspielen oder Mitschneiden von Sendungen unserer Schallplatten auf Band oder Draht zu gewerblichen Zwecken ist unzulässig. Zur Vermeidung unerlaubter Überspielungen sind den Händlern Verleih, Vermietung und Auswahlsendungen nicht gestattet.” Diese Platte erschien 1972 in der BRD ohne Nennung eines Aufnahmedatums (das war damals generell ein 'Staatsgeheimnis') oder eines "Copyright"- und "Published"-Signets; wann die Erstveröffentlichung in der UdSSR war, ist mir nicht bekannt, aber die Aufnahmen dürften aus den späten 60er Jahren stammen und somit über 50 Jahre alt sein. (Ion Piso war 1970 durch die TV-Inszenierung des ZDF von Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" - mit Sylvia Geszty und Thomas Tipton - deutschlandweit bekannt geworden.)


    Näheres über die gesamte Thematik kann man hier nachlesen:


    http://www.klicksafe.de/thema/rechtsfragen-im-netz


    Ich sehe also keinen Grund, weshalb man für 'Otello50' die Platte nicht auf CD brennen darf. Da es vermutlich bei mir etwas länger dauern dürfte, bis ich jemanden damit beauftragen kann, lasse ich 'Caruso41' gerne den Vortritt.


    Viele Grüße!


    Carlo



    P. S.

    Zu Beitrag Nr. 4: “Eurodisc” veröffentlichte damals zusätzlich zu den genannten Namen auch noch Opern-Recitals von Mirella Freni, Ingeborg Hallstein, Renate Holm, Erika Köth, Christa Ludwig, Walter Berry, Kurt Böhme, Otto Wiener und Fritz Wunderlich sowie zusätzlich sogar Aufnahmen aus dem 'Decca'-Katalog mit z. B. Régine Crespin und Robert Merrill. Allerdings stammt das “Thomas-Tipton-Recital” mit dem Orchester des Nationaltheaters Mannheim unter Hans Wallat bzw. dem Sinfonie-Orchester des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart unter Janos Kulka von der Firma 'RBM' (Renate Bender, Mannheim).


    Außerdem gab es bei 'Melodiia' noch eine Schallplatte mit Ion Piso und Boris Khaikin: Arien aus “La Traviata”, “Rigoletto”, “Il trovatore”, “La Bohème”, “Werther” und “Lakmé” (Katalognummer D 9541/42, nur mono, 25 cm).

    Hallo, 'Otello50'!


    Ich habe diese Platte in der deutschen Pressung von 'Eurodisc' (75 751 KR) aus der Serie "Berühmte Stimmen des Bolshoi-Theaters"; später wurde sie in der preiswerten Serie "Die Auslese" (80 551 ZR) noch einmal veröffentlicht. (Die Katalognummer der 'Melodiia' war D 011473/74 - mono - bzw. S 0507/08 - stereo.) Vielleicht findest Du mit den folgenden Angaben einen Anbieter im Internet.


    Enthalten sind diese Arien: Recondita armonia - E lucevan le stelle (Tosca) / Tombe degl'avi miei... Fra poco a me ricovero (Lucia di Lammermoor) / Cielo e mar (La Gioconda) / Je crois entendre encore (Les pêcheurs de perles) / Quel trouble inconnu me pénêtre... Salut, demeure chaste et pure (Faust) / É la solita storia del pastore (L'Arlesiana) / M'appari, tutto amor (Martha) / Ion Piso wurde begleitet vom Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau und der Dirigent war Boris Khaikin.


    Da ich nicht die Möglichkeit habe, Schallplatten auf CD zu überspielen, muss ich mir jemandem in meinem Bekanntenkreis suchen, der das machen kann. (Zur Zeit aus bekannten Gründen etwas schwierig.) Dann würde ich Dir gerne die entsprechende CD zuschicken.


    Carlo

    Liebe Taminos,

    hier nun die angekündigte Liste mit einigen Opern-Gesamtaufnahmen (Live-Mitschnitte) von und mit Kerstin Meyer:



    „Salome“ (Stockholm, 18. 11. 1954): (Page) mit Birgit Nilsson, Margareta Bergström, Arne Hendriksen, Sigurd Björling, Einar Andersson / Sixten Ehrling


    „Samson et Dalila“ (Stockholm, 12. 12. 1955): (Dalila) mit Set Svanholm, Erik Sundqvist, Erik Saedén, Folke Jonsson / Herbert Sandberg


    „Singoalla“ (Gunnar de Frumerie) (Stockholm, 22. 5. 1956): (Singoalla) mit Rut Moberg, Set Svanholm, Erik Sundqvist, Folke Jonsson, Georg Svedenbrandt, Carl-Axel Hallgren / Herbert Sandberg


    "Don Carlos" (Stockholm, 9. 6. 1956): (Princesse d'Eboli) mit Aase Nordmo-Lövberg, Busk Margit Jonsson, Set Svanholm, Hugo Hasslo, Joel Berglund, Sigurd Björling, Ingvar Wixell / Sixten Ehrling


    „Die Walküre“ (Stockholm, 18. 11. 1956): (Fricka und Rossweisse) mit Aase Nordmo-Lövberg, Birgit Nilsson, Set Svanholm, Sigurd Björling, Sven Nilsson / Sixten Ehrling


    „Siegfried“ (Stockholm, 20. 11. 1956): (Erda) mit Birgit Nilsson, Margareta Hallin, Set Svanholm, Paul Kuen, Sigurd Björling, Anders Näslund, Leon Björker / Sixten Ehrling


    „Rigoletto“ (Stockholm, 5. 1. 1957): (Maddalena) mit Eva Prytz, Barbro Ericson, Jussi Björling, Erik Sundqvist, Sven-Erik Jacobsson, Georg Svedenbrandt / Kurt Bendix (siehe Beitrag Nr. 13)


    „Elektra“ (Salzburg, 7. 8. 1957): (Erste Magd) mit Inge Borkh, Lisa Della Casa, Jean Madeira, Marilyn Horne, Lisa Otto, Kurt Böhme, Max Lorenz / Dimitri Mitropoulos


    „Arabella“ (Salzburg, 29. 7. 1958): (Kartenaufschlägerin) mit Lisa Della Casa, Anneliese Rothenberger, Ira Malaniuk, Eta Köhrer, Dietrich Fischer-Dieskau, Otto Edelmann / Joseph Keilberth


    „Le nozze di Figaro“ (Salzburg, 4. 8. 1958): (Marcellina) mit Elisabeth Schwarzkopf, Irmgard Seefried, Christa Ludwig, Erich Kunz, Dietrich Fischer-Dieskau, Murray Dickie, Georg Stern / Karl Böhm


    „Rigoletto“ (Stockholm 18. 1. 1959): (Maddalena) mit Margareta Hallin, Barbro Ericson, Nicolai Gedda, Hugo Hasslo, Arne Tyrén, Georg Svedenbrandt / Sixten Ehrling


    „Carmen“ (Stockholm, 11. 10. 1959): (Carmen) mit Eva Prytz, Ingeborg Kjellgren, Barbro Ericson, Arne Ohlson, Erik Sundqvist, Carl-Axel Hallgren, Anders Näslund / Sixten Ehrling


    „Il trovatore“ (Stockholm, 6. 3. 1960): (Azucena) mit Hjördis Schymberg, Ingeborg Kjellgren, Jussi Björling, Hugo Hasslo, Olle Sivall / Herbert Sandberg (siehe Beitrag Nr. 13)


    „Die Walküre" (Stockholm, 7. 3. 1960): (Fricka und Rossweisse) mit Anne Lund-Christiansen, Birgit Nilsson, Set Svanholm, Joel Berglund, Leon Björker / Sixten Ehrling


    „Les Troyens“ (London, 10. 5. 1960): (Didon) mit Amy Shuard, Joan Carlyle, Josephine Veasey, Jon Vickers, John Shaw, Joseph Rouleau / John Pritchard


    „Orfeo ed Euridice“ (New York 10. 3. 1962): (Orfeo) mit Lucine Amara, Anneliese Rothenberger / Jean Morel


    „Ariadne auf Naxos“ (New York, 2. 2. 1963): (Komponist) mit Leonie Rysanek, Roberta Peters, Jess Thomas, Walter Cassel, Theodor Uppman, Ezio Flagello / Karl Böhm


    "Die Walküre" (Stockholm, 6. 6. 1963): (Fricka) mit Aase Nordmo-Lövberg, Birgit Nilsson, Kolbjörn Höiseth, Sigurd Björling, Arne Tyrén / Michael Gielen


    „Tristan und Isolde“ (Bayreuth, 26. 7. 1963) (Brangäne) mit Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Gustav Neidlinger, Josef Greindl, Richard Martell, Hermann Winkler, Erwin Wohlfahrt, Hans Hanno Daum / Karl Böhm


    „Wozzeck“ (Tokio, 6. 11. 1963): (Marie) mit Alice Oelke, Walter Berry, Hans Beirer, Helmut Melchert, Walter Dicks, Loren Driscoll, Martin Vantin, Barry McDaniel / Heinrich Hollreiser


    „Tristan und Isolde“ (Bayreuth, 18. 7. 1964): (Brangäne) mit Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Gustav Neidlinger, Hans Hotter, Niels Möller, Hermann Winkler, Erwin Wohlfahrt, Hans Hanno Daum / Karl Böhm


    „Tristan und Isolde“ (Rom, 16. 1. 1965): (Brangäne) mit Anja Silja, Hans Beirer, Gustav Neidlinger, Martti Talvela, Günther Treptow, Renato Ercolani, Umberto Frisaldi / André Cluytens


    „Le nozze di Figaro“ (Salzburg, 26. 7. 1972): (Marcellina) mit Elizabeth Harwood, Edith Mathis, Teresa Berganza, Walter Berry, Tom Krause, Michel Sénéchal, Paolo Montarsolo / Herbert von Karajan


    „Elektra“ (London, 26. 10. 1973): (Klytämnestra) mit Danica Mastilovic, Heather Harper, Elizabeth Bainbridge, Heather Begg, Donald McIntyre, Richard Lewis, Richard Van Allan / Rudolf Kempe


    „Die Meistersinger von Nürnberg“ (Salzburg, 3. 3. 1975): (Magdalene) mit Gundula Janowitz, Karl Ridderbusch, René Kollo, Peter Schreier, Peter Lagger, Günther Leib, Jeff Vermeersch / Herbert von Karajan



    Insgesamt ist die Stimme von Kerstin Meyer also recht gut dokumentiert; zusammen mit ihren Fernseh-Dokumenten (Beitrag Nr. 22) ergibt sich so ein rundes Bild dieser eindrucksvollen und sehr vielseitigen Sängerin.


    Carlo

    Hallo!



    Heute stehen Werke von Paul Hindemith, Arthur Honegger und Eduard Künneke auf dem Programm.


    „Mainzer Umzug“ (Hindemith): Böppche – Anny Schlemm / Schöppche – Josef Traxel / Pronobis – Hubert Hofmann / Der Chor und das Orchester des Städtischen Theaters Mainz / Dirigent: Paul Hindemith (Mainz, Stadttheater, 23. 6. 1962, Uraufführung). Das Orchester trägt heute den stolzen Titel 'Philharmonisches Staatsorchester Mainz'.


    dto.: Böppche – Anny Schlemm / Schöppche – Josef Traxel / Pronobis – Hans Braun / Der Chor und das Große Sinfonie-Orchester des Österreichischen Rundfunks / Chorltg.: Gottfried Preinfalk / Dirigent: Paul Hindemith (Wien, Großer Sendesaal des ORF, 24. 10. 1962).


    dto.: Böppche – Anny Schlemm / Schöppche – Josef Traxel / Pronobis – Thomas Stewart / Der RIAS-Kammerchor / Chorltg.: Günther Arndt / Die Berliner Philharmoniker / Dirigent: Paul Hindemith (Berlin, Hochschule für Musik, 24. 1. 1963).


    Paul Hindemith komponierte diese als 'Volksvergnügen für Sopran, Tenor, Bariton, einen gemischten Chor und ein Orchester' bezeichnete Kantate zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Mainz im Jahre 1962. In heiter-besinnlichen Versen von Carl Zuckmayer (geboren in Nackenheim bei Mainz) werden Ereignisse und Persönlichkeiten aus der Mainzer Stadtgeschichte geschildert, wobei das 'Böppche' und der 'Schöppche' im rheinhessischen Dialekt singen. Paul Hindemith (geboren in Hanau), Anny Schlemm aus Neu-Isenburg und der Mainzer Josef Traxel haben dieses 'Volksvergnügen', das ca. 40 Minuten dauert, nach der Uraufführung in Mainz auch noch in Wien und Berlin zu Gehör gebracht und diese Konzert-Aufführungen wurden alle im Rundfunk übertragen. Die Kantate beginnt übrigens mit den Worten: „Zweitausend Jahre sind wenig Zeit...“



    „Le roi David“ ('König David') (Honegger): mit Siw Ericsdotter, Martha Lipton und Josef Traxel / Trudik Daniel (Hexe von Endor) und Ernst Ginsberg (Sprecher) / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks Hamburg / Chorltg.: Max Thurn / Der Kölner Rundfunkchor / Chorltg.: Bernhard Zimmermann / Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Dirigent: Wolfgang Sawallisch (Wien, Musikverein, 15. 6. 1958, gesendet am 24. 6. 1958 im ORF).

    Aufgeführt wurde dieser „Symphonische Psalm in drei Teilen“ in der deutschen Übersetzung von Hans Reinhart, zusammen mit Arthur Honeggers Kantate „La danse des morts“ ('Der Totentanz'); hier wirkten Siw Ericsdotter, Martha Lipton, Walter Berry und Ernst Ginsberg mit. (Ein Konzert im Rahmen des 1. Europäischen Chorfestes der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.)



    „Vier Lieder nach Gedichten von Hermann Löns“ (Künneke): Alle Birken grünen – Die roten Blätter rauschen – Kurz ist der Mai – Auf der Straße / Josef Traxel / Das Münchner Rundfunkorchester / Dirigent: Werner Schmidt-Boelcke (München, Funkhaus, ca. 1960) 'Hamburger Archiv für Gesangskunst' (gekoppelt mit einem Querschnitt aus Franz Lehárs „Der Zarewitsch“ - mit Sonja Schöner, Ursula Schirrmacher, Josef Traxel und Willy Hofmann – und Ausschnitten aus Leo Falls „Die Kaiserin“ mit Trude Eipperle und Josef Traxel). Eduard Künneke komponierte diese vier Lieder (ohne Opuszahl) 1937 für eine Gesangsstimme mit Klavierbegleitung; später wurden sie in einer Orchesterfassung als „Lönslieder-Suite“ bekannt.



    Viele Grüße!



    Carlo

    Liebe "Lanza-Fans",



    gleich zu Beginn muss ich einige Erwartungen dämpfen – ich bin kein 'Mario-Lanza-Experte'! Ich bin lediglich seit Jahrzehnten mit seiner Stimme vertraut, habe mehrere Schallplatten und CDs von ihm und sieben seiner Filme auf VHS-Kassetten (dank 'Tamino' ist kürzlich auch noch ein achter Film - „The Student Prince“ - hinzugekommen). Außerdem habe ich noch das schmale Buch „Mario Lanza – Tragödie einer Stimme“ von Hermann M. Hausner von 1962 und diverse Zeitschriftenartikel, ergänzt um Internet-Recherchen. Ich habe (bisher) keine der sieben CDs von der - mit Wiederveröffentlichungen von anglo-amerikanischer Unterhaltungsmusik bekannt gewordenen – Londoner Firma 'Sepia Records Ltd.' (vergleichbar mit der deutschen 'Bear Family Records GmbH' auf einem Bauernhof bei Bremen), denen sicher im Hinblick auf Mario Lanzas 100. Geburtstag im kommenden Jahr noch einige folgen werden; seine Aufnahmen von Geistlicher Musik und seine Weihnachtslieder fehlen bisher noch.


    Um sich in seiner umfangreichen Discographie zurechtzufinden, werde ich in mehreren Teilen seine Recitals (in chronologischer Abfolge) hier vorstellen, wobei ich mich auf die Erstveröffentlichungen - auf Langspielplatten und einige mir vorliegende Compact-Discs - beschränke; die nach seinem Tod 1959 einsetzende Flut von Kompilationen seiner Aufnahmen muss wegen der großen Anzahl und Unübersichtlichkeit ausgespart bleiben. Auch werde ich diese Schallplatten nicht bewerten; es soll jedem selbst überlassen sein, sich ein (akustisches) Bild dieses umstrittenen Sängers zu machen. Eines wird aber doch deutlich, nämlich dass – abseits der von manchen Melomanen angelegten strengen Kriterien - die Stimme Mario Lanzas zu den großen 'Immortal Voices' der Gesangsgeschichte zählt.


    Zu der immer wieder kolportierten Vermutung, Mario Lanza (wie auch angeblich Lauritz Melchior, Ezio Pinza oder Luciano Pavarotti) habe keine Noten lesen können, gibt es keine zeitgenössischen Aussagen von Sänger-Kollegen oder Dirigenten, die mit ihm gearbeitet haben. Es ist schwer vorstellbar, wie er die schiere Anzahl der von ihm im Radio – manchmal sogar 'prima-vista' - und auch in Konzerten live gesungenen Titel memoriert haben kann. Und auch die in der Presse oft geäußerte Behauptung, dass es seiner Stimme an dem entsprechenden Volumen für die Opernbühne fehlen würde, steht im Widerspruch zu vielfach überlieferten Aussagen von Konzertbesuchern, dass auch in riesigen Hallen seine Stimme auch auf weit entfernten Plätzen klar und deutlich zu hören war – und er sang stets ohne Lautsprecherverstärkung! (Bei seinem Abend am 16. 1. 1958 in der ausverkauften Royal Albert Hall - mit 7000 Sitzplätzen - wies er selbst das Publikum auf die auf dem Podium postierten Mikrophone hin, weil das Konzert für die Schallplatte mitgeschnitten wurde; drei Tage später wiederholte er das Konzert ohne Mikrophone. Allerdings verweigerte Mario Lanza später seine Einwilligung zur Veröffentlichung dieses Mitschnitts, der erst nach seinem Tod 1960 auf Schallplatten erschien.)


    Als das früheste Tondokument von Mario Lanzas Stimme gilt eine Privataufnahme (mit Klavierbegleitung) von Gaetano Enrico Penninos „Pecché?“, die der Neunzehnjährige 1940 zum Geburtstag seines Vaters auf eine Schelllackplatte pressen ließ. ('Freddie' – ein Einzelkind und ein ausgesprochener Familienmensch – war seinen Eltern stets ein ihnen in Dankbarkeit zugetaner Sohn. Da sein Vater Antonio Cocozza durch eine im Ersten Weltkrieg erlittene Verletzung invalid war, sorgten dessen Vater mit einem Kolonialwarengeschäft und Freddies Mutter, Maria Lanza, als Verkäuferin für das Familien-Einkommen, wobei sie noch eine zweite Arbeitsstelle antrat, um ihrem Sohn das Gesangsstudium zu finanzieren.) Nach seinem 'demob' aus der Armee ging Mario Lanza - wie er sich ab 1948 legal nennen konnte – im Juni 1945 nach New York, machte dort einige Testaufnahmen für 'RCA', sang im Rundfunk (u. a. als Einspringer für Jan Peerce in der Sendereihe „Great Moments in Music“) und unternahm für die Agentur 'Columbia Artists Management' Konzerttourneen (als Solist und mit dem „Bel Canto Trio“) durch die USA.



    Vor einigen Jahren tauchte ein klanglich akzeptabler Mitschnitt des Konzerts vom 28. 8. 1947 aus der 'Hollywood Bowl' auf, einer riesigen Freiluft-Arena bei Los Angeles und vergleichbar mit der Berliner 'Waldbühne'. Begleitet vom Hollywood Bowl Orchestra unter der Leitung von Eugene Ormandy sang Mario Lanza drei Arien und drei Duette mit seiner Partnerin im „Bel Canto Trio“, der Sopranistin Frances Yeend (der Dritte dieses Gesangs-Ensembles, George London, saß im Publikum). Die Aufnahme des gesamten Konzerts, bei dem Mario Lanza für 'MGM' entdeckt wurde, ist u. a. auf der folgenden CD von 'Myto' zu hören:


    "Mario Lanza, Frances Yeend, Eugene Ormandy - at the Hollywood Bowl 1947": „Passacaglia und Fuge in d-moll, BWV 582“ (Johann Sebastian Bach) – 'Una furtiva lagrima'+ („L'elisir d'amore“ / Gaetano Donizetti) – 'Un dì all'azzurro spazio guardai profondo'+ („Andrea Chenier“ / Umberto Giordano) – 'E lucevan le stelle'+ („Tosca“ / Giacomo Puccini) - „Vierte Symphonie in A-Dur, op. 90 – Erster Satz“ (Felix Mendelssohn-Bartholdy) – Motette „Exsultate, jubilate, KV 165 – Allelujah“* (Wolfgang Amadé Mozart) – 'Wie nahte mir der Schlummer'* („Der Freischütz“ / Carl Maria von Weber) – Lied „Kling!, op. 48/3“* (Richard Strauss) – 'O mia Violetta!... Parigi, o cara'*+ („La Traviata“ / Giuseppe Verdi) – 'Vogliatemi bene, un bene piccolino'*+ („Madama Butterfly“ / Giacomo Puccini) – 'O soave fanciulla'*+ („La Bohème“ / Giacomo Puccini) – Walzer „An der schönen blauen Donau, op, 314“ (Johann Strauß Sohn) / Frances Yeend* (Sopran) / Mario Lanza+ (Tenor) / The Hollywood Bowl Orchestra / Dirigent: Eugene Ormandy (Los Angeles, Hollywood Bowl, 28. 8. 1947) 'Myto' MCD 00303 (1 CD, Kroatien, 2012).


    Wer Mario Lanza in diesem Konzert – bei dem stets ein falsches Datum (27. 8. 1947) genannt wird – 'pur' hören möchte, ist mit der folgenden CD gut bedient, da sie auch noch einige Tonbeispiele aus der von Juni bis September 1951 von diversen amerikanischen Rundfunksendern ausgestrahlten „Mario Lanza Show“ enthält, die von der Getränke-Firma 'Coca-Cola' gesponsert wurde und daher als „Coke Show“ bekannt ist.


    "Mario Lanza Live at the Hollywood Bowl 1947": 'Una furtiva lagrima' („L'elisir d'amore“ / Gaetano Donizetti) – 'Un dì all'azzurro spazio guardai profondo' („Andrea Chenier“ / Umberto Giordano) – 'E lucevan le stelle' („Tosca“ / Giacomo Puccini) – 'O mia Violetta... Parigi, o cara'* („La Traviata“ / Giuseppe Verdi) – 'Vogliatemi bene, un bene piccolino'* („Madama Butterfly“ / Giacomo Puccini) – 'O soave fanciulla'* („La Bohème) / Frances Yeend* (Sopran) / The Hollywood Bowl Orchestra / Dirigent: Eugene Ormandy (Los Angeles, Hollywood Bowl, 28. 8. 1947) plus

    "The Mario Lanza Show 1951": „Funiculi – Funiculà“ (Luigi Denza) - „My song, my love“ (Malcolm Beelby) - „Diane“ (Ernö Rapée) – 'Thine alone' („Eileen“ / Victor Herbert) – „A vucchella“ (Paolo Francesco Tosti) – Serenata „Rimpianto“ (Enrico Toselli) - „Because you're mine“ (Nicholas Brodszky) - „The loveliest night of the year“ (Juventino Rosas – Irving Aaronson) – 'Mi batte il cor... O paradiso' („L' Africaine“ / Giacomo Meyerbeer) - „The rosary“ (Ethelbert Nevin) - „If... they made me a king“ (Tolchard Evans) - 'They didn't believe me' („The Girl from Utah“ / Jerome Kern) - „The Lord's prayer“ (Albert Hay Malotte) - „Be my love“ (Nicholas Brodszky) / An Orchestra / Dirigent: Ray Sinatra (Hollywood, Juni – September 1951) 'Gala' GL 311 (1 CD, Niederlande, 2000).



    Nach sechs Aufnahmen Anfang Mai 1949 in Zusammenhang mit Mario Lanzas erstem Spielfilm "That Midnight Kiss" (siehe den folgenden Beitrag) wurden Ende Oktober 1949 in Hollywood weitere vier Schallplatten-Einspielungen gemacht, die von 'RCA' sowohl auf Schelllackplatten (SP, 30 cm) wie auch auf den damals neuen Vinylplatten (EP, 17 cm) veröffentlicht wurden: „Lolita“ (Arturo Buzzi-Peccia“), „O sole mio“ (Eduardo Di Capua), „Granada“ (Agustin Lara“) und „Mattinata“ (Ruggero Leoncavallo), alle dirigiert von Ray Sinatra.


    In einer Woche beginne ich dann mit den ersten Schallplatten-Recitals von und mit Mario Lanza.



    Carlo

    Hallo, Gregor und 'Otello 50'!


    Von einigen 'Lanza-Experten' wurde mehrfach darüber spekuliert, wie die Karriere des Sängers verlaufen wäre, wenn er statt mit Constantine Callinicos – der 1986 im Alter von 73 Jahren starb - mit einem anderen Korrepetitor (das war Callinicos' Hauptaufgabe an der New York City Opera) und Dirigenten zusammen gearbeitet hätte - jemand, der ihn mehr gefordert und der vielleicht auch mehr Erfahrung besessen hätte. (Wobei es vermutlich mit anderen musikalischen Leitern zu Spannungen gekommen wäre, aber auch Kontroversen können befruchtend sein.) Mario Lanza schätzte vor allem wesentlich ältere Musiker und hoffte, von ihrem Wissen zu profitieren; Gleichaltrigen stand er manchmal kritisch gegenüber.


    Wie in meinem obigen Beitrag schon berichtet, hat Mario Lanza durchaus mit renommierten Dirigenten zusammen gearbeitet, aber das beschränkte sich auf einige wenige Proben und Konzerte. Mit Constantine Callinicos - von Lanza 'Costa' genannt - studierte er seine 'klassischen' Arien und Lieder ein und setzte ihn bei der 'RCA' als ständigen Dirigenten dafür durch. Für die weit über zweihundert Lieder und Canzonen in Lanzas Repertoire waren überwiegend Ray Sinatra und Henri René die musikalischen 'Impulsgeber'. Ob es seitens Lanzas nur Bequemlichkeit oder aber Unsicherheit war, sich auf neue und andere Persönlichkeiten einzulassen, ist spekulativ. Er war wohl ein Sänger, der einen musikalischen Weggefährten brauchte, zu dem er Vertrauen hatte und der mit ihm 'umgehen' konnte, und das war Callinicos zweifellos. (Über seine – über die Begleitung Mario Lanzas hinausgehenden - Qualitäten als Dirigent und Pianist ist nichts bekannt; nach Mario Lanzas Tod hat er nur noch eine Schallplatte mit griechischer halb-folkloristischer Orchestermusik eingespielt.)


    Bezeichnend ist, dass „Lanza on Broadway“ - von Irving Aaronson geleitet – als das schlechteste seiner Recitals gilt, weil dieser Dirigient dem Sänger dabei zuviel Freiheiten ließ. Ich kenne nur Teile dieser LP, die ich in der Zusammenstellung „Mario Lanza in his Greatest Hits from Operettas and Musicals“ ('RCA' VCS-6192 / 3 LPs) habe, aber hier singt der Tenor so, als ob er nur daran interessiert war, seine Prachtstimme zu zeigen. Mit 'gestandenen' Musical-Experten wie Franz Allers, Lehman Engel oder Johnny Green wäre wohl ein anderes Ergebnis erzielt worden.


    Zuletzt muss auch berücksichtigt werden, dass die 'RCA' für ihre 'Lanza-Recordings' – die von 1949 bis 1956 überwiegend in Hollywood entstanden – wenig Zeit und Geld investierte; meistens reichte eine Probe und nur ein 'Take' für die Aufnahme eines Titels. Der Produzent Richard Mohr (bekannt für seine vielen großartigen Operngesamtaufnahmen bei der 'RCA'), der für die frühen Aufnahmen Mario Lanzas Ende der 40er Jahre zuständig war, hat berichtet, dass der Sänger in den Phasen seiner Diätkuren nicht nur psychisch, sondern auch stimmlich wenig belastbar war und nur möglichst schnell die 'Recording Sessions' hinter sich bringen wollte.


    Das Angebot, in Puccinis „Madama Butterfly“ aufzutreten, kam vom damaligen Leiter der New Orleans Opera Association, dem aus Deutschland stammenden Dirigenten Walter Herbert. Dass es nur ganze zwei Aufführungen (am 8. und 10. 4. 1948) waren, lag daran, dass im von Franzosen gegründeten und erst seit 1803 zu Amerika gehörenden New Orleans – wo man bereits im 18. Jahrhundert Opern spielte – damals nur zweimal im Jahr (im Frühjahr und im Herbst) lediglich zwei Opern und diese auch nur je zweimal gespielt wurden. (Seit 1859 gab es in New Orleans ein Opernhaus, das aber 1919 ein Opfer der Flammen wurde, und danach spielte man in verschiedenen großen Mehrzweckhallen, im Falle dieser „Madama Butterfly“ im 'Municipal Auditorium'. Erst 1973 wurde ein neues Opernhaus erbaut, das 'New Orleans Theatre of the Performing Arts', das - eröffnet mit „Madama Butterfly“ - 2005 durch den Hurrican 'Katrina' zerstört wurde.)


    Die Partner von Mario Lanza als Ltnt. Pinkerton in Puccinis „Madama Butterfly“ waren die japanisch-stämmige Amerikanerin Tomiko Kanazawa in der Titelrolle, Rosalind Nadell von der New York City Opera war die Suzuki und den Konsul Sharpless sang der Bariton Jess Walters, der später lange am Royal Opera House, Covent Garden, in London im Ensemble war; es dirigierte Walter Herbert. Wenn man Lanzas Biographen glauben darf, waren die Kritiken für sein professionelles Operndebüt in dieser relativ kurzen (und von den Tenören wegen der Rollencharakteristik wenig geliebten) Partie sehr gut, worauf ihm Walter Herbert anbot, in der nächsten Saison den Alfredo in „La Traviata“ (neben Eleanor Steber) zu singen.


    Dass es nicht zu weiteren Opernauftritten von Mario Lanza kam, liegt einmal daran, dass es in den Vereinigten Staaten damals kaum Opernhäuser gab und diese (außer der Metropolitan Opera und der New York City Opera) verfügten über kein ständiges Ensemble, sondern die Sänger wurden für die einzelnen - zeitlich sehr begrenzten - Spielzeiten von den meist privat finanzierten Operngesellschaften von Aufführung zu Aufführung engagiert. (Kein Wunder, dass in den 50er Jahren der 'Run' amerikanischer Sänger auf die europäischen Opernbühnen begann – hauptsächlich nach Deutschland, das bis heute in seiner Dichte an Theatern noch immer weltweit führend ist.) Der zweite - und wohl naheliegendste - Grund für Lanzas 'Opernabstinenz' ist in der Tatsache zu sehen, dass er schon seit dem legendären Konzert in der 'Hollywood Bowl' am 28. 8. 1947 seinen Sieben-Jahres-Vertrag mit MGM in der Tasche hatte und mit einer Gage von 15.000 $ für seinen ersten Spielfilm „That Midnight Kiss“ - nach dem Erfolg des Films nachträglich um 10.000 $ erhöht – ein Opernengagement für ein paar hundert Dollar pro Aufführung nicht mehr in Betracht zog.


    Carlo

    Liebe Melomanen,



    nachstehend nenne ich einige TV-Produktionen mit Kerstin Meyer, die mit ihrer aparten Optik und einem beachtlichen schauspielerischen Talent zu den interessantesten Sänger-Darstellerinnen der damaligen Opernszene zählte:



    „Lulu“ (Berg): Lulu – Birgit Nordin / Gräfin Geschwitz – Kerstin Meyer / Ein Gymnasiast - Helle Halding / Dr. Schön – Ib Hansen / Alwa – John Eric Jacobssen / Der Maler – Ole Jensen / Schigolch – Gert Bastian / Der Medizinalrat – Henry Skaer / Rodrigo - Ove Verner Hansen / Der Theaterdirektor - Holger Boland u. a. / Danmarks Radio Symfoni Orkestret / Dirigent: Gerd Albrecht / Szenenbild: Jörn Mathiasson und Sören Breum / Kostüme: Lone Ernst / Regie: Götz Friedrich. Dies war eine der seltenen Inszenierungen Friedrichs speziell für das Fernsehen (der denn auch die erste Szene der Oper in ein TV-Studio statt in einen Zirkus verlegte); sie wurde erstmals am 3. 2. 1970 in Dänemark ausgestrahlt. Statt des damals noch nicht vollendeten dritten Aktes wurden zur Musik der „Lulu“-Suite zwei Filme gezeigt, die 'Lulus' letzte Lebensstationen in Paris und in London zum Inhalt haben; die Person des 'Jack the Ripper', der 'Lulu' und die 'Gräfin Geschwitz' schließlich ermordet, wurde vom Sänger des 'Rodrigo' verkörpert. (Und dieser Sänger war der auch in Deutschland bekannte Ove Verner Hansen, allerdings mehr als Schauspieler in den „Olsenbande“-Filmen.)



    „Carmen“ (Bizet): SRT (Sveriges Radio Television, 1954) – siehe Beitrag Nr. 13.


    dto.: (1. Akt): Carmen – Kerstin Meyer / Micaela – Aase Nordmo-Lövberg / Don José – Set Svanholm / Morales – Arne Wirén / Zuniga – Anders Näslund / Kungliga Operankör och Kungliga Hovkapellet / Dirigent: Kurt Bendix / Ausstattung: Sven Ericson / Regie: Göran Gentele (Stockholm, Kungliga Operan, 10. 4. 1956). Eine Live-Übertragung des Schwedischen Fernsehens SRT (Sveriges Radio Television).


    dto.: Carmen – Kerstin Meyer / Micaela – Melitta Muszely / Don José – Rudolf Schock / Escamillo – Richard Collett / Frasquita – Erna-Maria Duske / Mercedes – Cvetka Ahlin / Dancairo – Gerhard Stolze / Remendado – Kurt Marschner / Morales – Georg Mund / Zuniga – Toni Blankenheim / Lillas Pastia – Karl Otto / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Günter Hertel / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Wolfgang Sawallisch / Ausstattung und Regie: Wieland Wagner. Der Film von den Proben zu Wieland Wagners Inszenierung an der Hamburgischen Staatsoper (Premiere am 21. 12. 1958) wurde in einer Folge der „Nordschau“ des NDR gesendet. (Da ich nicht weiß, welche Sänger in diesem kurzen Film zu sehen waren, nenne ich die komplette Premieren-Besetzung.)



    „Orfeo ed Euridice“ (Gluck) (1. Akt): Orfeo – Kerstin Meyer / Amor - Busk Margit Jonsson / Radiokören och orkester / Chorltg.: Eric Ericsson / Dirigent: Albert Wolff / Choreographie: Mary Skeaping / Inszenierung: Lars Runsten (Stockholm, Drottningholmsteatern, 1. 6. 1958). Die 'Euridice' war Elisabeth Söderström. Diese Live-Übertragung - in schwedischer Sprache - aus dem Schlosstheater Drottningholm war die erste Eurovisionssendung des Schwedischen Fernsehens (SRT); sie wurde auch in Österreich (ORF), der Schweiz (SRG), in Großbritannien (BBC) und Frankreich (ORTF) gesendet. (Busk Margit Jonsson war übrigens damals die Ehefrau von Ingvar Wixell.)



    „Elegie für junge Liebende“ (Henze): Gregor Mittenhofer, ein Dichter – Dietrich Fischer-Dieskau / Dr. Wilhelm Reischmann, ein Arzt – Walter Dicks / Toni Reischmann, sein Sohn – Loren Driscoll / Elisabeth Zimmer – Lisa Otto / Carolina Gräfin von Kirchstetten, Mittenhofers Sekretärin – Kerstin Meyer / Hilda Mack, eine Witwe – Catherine Gayer / Josef Maurer, Bergführer – Hubert Hilten / Das Orchester der Deutschen Oper Berlin / Dirigent, Bühnenbild und Regie: Hans Werner Henze (Tokio, Nissei Theater, 2. 11. 1966) Eine Aufzeichnung von Nissei Hyoko Kokai (NHK) vom Gastspiel der Deutschen Oper Berlin in Tokio, gesendet (in Farbe) am 13. 11. 1966. (Bereits 1961 war Kerstin Meyer die 'Carolina' in der englischen Erstaufführung dieser Oper in Glyndebourne.)



    „Capriccio“ (Strauss): Die Gräfin – Elisabeth Söderström / Der Graf – Hakan Hagegard / Flamand – Ryland Davies / Olivier – Dale Duesing / Clairon – Kerstin Meyer / La Roche – Marius Rintzler / M. Taupe – Hugues Cuénod / Eine italienische Sängerin – Eugenia Ratti / Ein italienischer Tenor – Ricardo Cassinelli / Der Haushofmeister – Thomas Lawlor / Acht Diener – Robin Leggate, Richard Robson, Neil McKinnan, Anthony Smith, Paul Nemeer, Bonaventura Bottone, Philip Griffiths und John Michael Flanagan / Zwei Tänzer – Carol Grant und Alexander Milaw / The London Philharmonic Orchestra / Dirigent: Andrew Davis / Choreographie: Pauline Grant / Bühnenbild: Dennis Lennon / Kostüme: Martin Battersby / Regie: John Cox (Glyndebourne, Festival Theatre, 20. 8. 1976). Diese Aufzeichnung der BBC wurde am 7. 1. 1979 auch vom ZDF gezeigt.



    „Tristan und Isolde“ (Wagner): Isolde – Gladys Kuchta / Tristan – Hans Beirer / Brangäne – Kerstin Meyer / Kurwenal – Gustav Neidlinger / König Marke – Josef Greindl / Melot – Barry McDaniel / Ein junger Seemann – Donald Grobe / Ein Hirt – Martin Vantin / Ein Steuermann – Walter Dicks / Der Chor und das Orchester der Deutschen Oper Berlin / Chorltg.: Walter Hagen-Groll / Dirigent: Lorin Maazel / Ausstattung und Regie: Wieland Wagner (Tokio, Nissei Theater, 1. 11. 1963). Eine Aufzeichnung des kommerziellen japanischen Fernsehsenders KTC vom Gastspiel der Deutschen Oper Berlin in Tokio, gesendet in zwei Teilen am 11. und 12. 11. 1963. (Die Stereo-Tonaufnahme von dieser Vorstellung erschien in Japan bei der CD-Firma 'King International'.)



    Unter dem Titel „Primadonnen“ wurde am 5. 1. 1969 in der ARD ein Fernseh-Konzert mit Opern-Arien gesendet, das im Studio des WDR mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Christoph von Dohnányi und mit Alexander Kerst als Conférencier aufgezeichnet wurde. Die 'Primadonnen' waren (in alphabetischer Reihenfolge): Gianna D'Angelo („Don Pasquale“ und „Falstaff“), Sena Jurinac („Otello“), Roberta Peters („Lucia di Lammermoor“), Anneliese Rothenberger („Die Entführung aus dem Serail“), Graziella Sciutti („Le nozze di Figaro“ und „Il barbiere di Siviglia“), Anja Silja („Tannhäuser“ und „Die Macht des Schicksals“) und Teresa Stratas („La Bohème“ und „Madama Butterfly“). Den Abschluss des Konzerts bildete das Schluss-Duett aus dem „Rosenkavalier“ mit Anneliese Rothenberger und Kerstin Meyer.


    Da in dieser frühen Zeit des Farbfernsehens die Kameras noch extrem lichtempfindlich waren, wurden die Damen gebeten, auf funkelnden Schmuck zu verzichten, da die Lichtreflexe auf den Bildschirmen mit einem schwarzen Kranz ('Heiligenschein' genannt) zu sehen waren. Kerstin Meyer trug einen langen goldfarbenen, hochgeschlossenen Abendmantel; als aber die rote Lampe der Kamera den Beginn der Aufnahme signalisierte, öffnete sie den Mantel und zeigte ein großes Dekolletée mit einem prachtvollen Collier. Da bekam Anneliese Rothenberger einen Wutanfall und brach schimpfend die Aufzeichnung ab. Der Regisseur Günther Hassert konnte die Sopranistin beruhigen und erklärte der Schwedin, die entschuldigend meinte, von diesem 'Verbot' nichts gewusst zu haben, den Grund dafür. Das Duett wurde noch einmal begonnen und der Mantel blieb zugeknöpft. Primadonnen...


    (Übrigens gab es auch ein ähnliches TV-Konzert in der ARD am 24. 8. 1969 mit den Herren John Alexander, Carlo Bergonzi, Piero Cappuccilli, Alfredo Kraus, Barry McDaniel und Cesare Siepi, dirigiert von Alberto Erede mit dem Chor der Mailänder Scala und dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester; die verbindenden Worte sprach Walter Rilla.)



    In einer Woche werde ich summarisch einige Opern-Gesamtaufnahmen auflisten, die in diesem Thread bisher nicht genannt wurden.



    Carlo

    Weiter geht es mit Oratorien von Carl Heinrich Graun und Joseph Haydn.


    „Der Tod Jesu“ (Graun): mit Lotte Schädle, Josef Traxel und Herbert Brauer / Der Südfunk-Chor Stuttgart/ Das Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks / Chorleiter und Dirigent: Hermann Josef Dahmen (Stuttgart, Liederhalle, 9. 4. 1965). Dieses Passionsoratorium komponierte Carl Heinrich Graun 1754 auf einen Text von Karl Wilhelm Ramler im Auftrag der Prinzessin Anna Amalie von Preussen, einer Schwester Friedrichs des Großen. Das Werk wurde am 26. 3. 1755 im Berliner Dom uraufgeführt - eine Woche, nachdem Georg Philipp Telemanns Komposition auf den gleichen Text in Hamburg erstmals erklang. Weitere Vertonungen stammen von Johann Christoph Friedrich Bach (1760) und Joseph Martin Kraus (1776).



    „Die Schöpfung“ (Haydn): Chor mit Solo-Terzett Nr. 13 „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ mit Agnes Giebel, Josef Traxel und Gottlob Frick / Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin / Die Berliner Philharmoniker / Chorltg. und Dirigent: Karl Forster (Berlin, Hotel „Wintergarten“, 24. 6. - 1. 7. 1956). Veröffentlicht bei 'Electrola' auf der EP E 40 052 (17 cm) und der LP E 60 024 (25 cm) mit weiteren Chören von Beethoven, Händel und Haydn.


    dto.: mit Annelies Kupper, Käthe Graus, Josef Traxel, Walter Berry und Josef Greindl / Der Kölner Rundfunkchor und das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Chorltg.: Bernhard Zimmermann / Dirigent: Joseph Keilberth (Köln, Funkhaus, 21. 12. 1957, Live-Aufnahme). Ich habe die CD-Ausgabe von 'Andromeda' (2008), der ein Mitschnitt der neunten Symphonie „Aus der neuen Welt“ von Antonín Dvorák angehängt ist: mit dem Orchestra dell' Accademia di Santa Cecilia unter Joseph Keilberth (aufgenommen am 27. 4. 1952 im Teatro Argentina in Rom).


    dto.: mit Agnes Giebel, Josef Traxel und Helmut Fehn / Der Chor des Städtischen Musikvereins Düsseldorf / Chorltg.: Michel Rühl / L' Orchestre Symphonique de la RTF / Dirigent: Tony Aubin (Paris, Église Saint-Eustache, 8. 4. 1959, gesendet von RTF am 19. 4. 1959.). 'Schallarchiv des Düsseldorfer Musikvereins, Vol. 180' (2 CD). Ein Konzert zum 150. Todestag von Joseph Haydn, wobei Tony Aubin kurzfristig das Dirigat übernahm.



    „Die Jahreszeiten“ (Haydn): Chor mit Solo-Terzett aus dem 1. Teil „Ewiger, mächtiger, gütiger Gott“ mit Agnes Giebel, Josef Traxel und Gottlob Frick / Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin / Die Berliner Philharmoniker / Chorltg. und Dirigent: Karl Forster (Berlin, Hotel „Wintergarten“, 24. 6. - 1. 7. 1956). Veröffentlicht bei 'Electrola' auf der EP E 40 052 (17 cm) und der LP E 60 024 (25 cm) mit weiteren Chören von Beethoven, Händel und Haydn.



    Carlo

    Liebe 'Taminos',


    da ich mich in den letzten Wochen viel mit Mario Lanza beschäftigte und seine acht Musikfilme in dem Thread Mario Lanza und seine Filme detailliert vorgestellt habe, möchte ich nun auf seine sehr zahlreichen akustischen Dokumente eingehen.


    Wie man in diesem Thread mit dem provokanten Titel Mario Lanza – Verkanntes Genie? nachlesen kann, wird er von den 'Taminos' durchgehend kontrovers beurteilt. Dabei ist seine Popularität – vor allem in den USA, in Großbritannien und Italien – auch sechzig Jahre nach seinem Tod ungeschmälert und wird im nächsten Jahr zu seinem hundertsten Geburtstag vermutlich zunehmen. Mario Lanza war weder verkannt, noch ein Genie. Aber er ist innerhalb der Musikgeschichte ein Phänomen: ein klassisch ausgebildeter Sänger mit einem beachtlichen Stimmpotential, einem sofort erkennbaren Tenor-Timbre mit Höhenglanz und von überrumpelnder Virilität, einer guten Optik und darstellerischem Talent - der nur ein paar Mal auf der Opernbühne stand, der hauptsächlich durch Filme, Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen und nur mit einem (allerdings weitgefächerten) Repertoire von Opernarien, Songs aus Musicals und Filmen sowie unzähligen Liedern des 'leichten' Genres unsterblich geworden ist!


    Dadurch ist er vielen Freunden der klassischen Musik verdächtig, denn 'Kunst' muss ernst sein und ernst genommen werden, zumal Mario Lanza durch eine penetrante Hollywood-Vermarktung („The American Caruso“) und eine skandalsüchtige Presse kaum dem Bild eines 'seriösen' Künstlers entspricht. (Überhaupt habe ich mit dem Begriff 'Kunst' – auf den Gesang bezogen – Schwierigkeiten; ist es denn weniger 'Kunst', wie z. B. Ella Fitzgerald, Judy Garland, Doris Day, Lena Horne, Barbara Cook oder Barbra Streisand sangen, nur weil es andere Formen von Musik sind?)


    Es hängt bei den darüber geführten Diskussionen doch davon ab, von welchem Standpunkt aus man an das Thema herangeht. Da ich u. a. auch ein bekennender Anhänger der 'klassischen' amerikanischen Unterhaltungsmusik bin, habe ich bei Mario Lanza keine Probleme mit seiner Anerkennung wie einige andere 'Taminos', die nur in der E-Musik („E“ wie ernst!) verwurzelt sind und diesen Sänger ausschließlich mit Interpreten der Klassik vergleichen. (Dasselbe gilt auch für Mario Lanzas Filme, die man als solche sehen muss, was sie genau genommen sind: der Unterhaltung des Publikums und dem Herausstellen eines 'Stars' dienende Streifen ohne den Anspruch, filmische Meisterwerke zu sein.)


    Maria Callas und Mario Lanza sind wohl die am meisten diskutierten und auch am kontroversesten beurteilten Sänger des zwanzigsten Jahrhunderts und bei beiden ging es in den häufig polemisch geführten Auseinandersetzungen nicht nur um ihren Gesang, sondern auch um ihre Persönlichkeit. Tatsächlich gibt es Parallelen, denn beide waren starken Anfeindungen ausgesetzt, allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihrer (in beiden Fällen) kurzen Laufbahn. 'Die' Callas polarisierte die Opernfreunde anfangs vor allem mit der 'Fremdartigkeit' ihres Stimmtimbres und ihrem fanatischen gesanglichen Ausdruckswillen, allerdings auch mit einem unattraktiven Äußeren; es dauerte gut zehn Jahre, bis sie sich durchgesetzt hatte - nicht zuletzt durch eine radikale Änderung ihres Aussehens herbeigeführt, was aber nach Meinung vieler Gesangsexperten auf Kosten ihrer stimmlichen Möglichkeiten geschah. Durch eine unglückliche Jugend hatte sie einen gewaltigen Minderwertigkeitskomplex und – wie es oft vorkommt - als Korrektiv dazu ein übersteigertes Selbstwertgefühl entwickelt: eine Kombination, die häufig zu negativen Überreaktionen und provokativen öffentlichen Statements führte, womit Maria Callas der – auch nicht-musikalischen - Öffentlichkeit ausreichend Angriffsflächen bot.


    Mario Lanza wurde – vor allem nach dem riesigen internationalen Erfolg des Films „The Great Caruso“ - durch ein geschicktes Marketing der Film- und Schallplattenindustrie in die Rolle des 'Caruso-Nachfolgers' gedrängt; ein 'Kostüm', das für ihn viel zu groß war und das er nicht ausfüllen konnte, was keiner so gut wusste wie er selbst. Akzeptiert wurde er in der Filmwelt – für die er nur ein 'Exot', ein schauspielender Sänger und Stimmbesitzer war – ebenso wenig wie von den Opernkennern, weil er ihnen durch seine mediokren Filme und seine auf Popularität abzielenden Schallplattenaufnahmen verdächtig war, zumal er keine Bühnenpraxis vorweisen konnte. Mehrere diesbezügliche Angebote – z. B. für die Titelrolle in „Andrea Chenier“ in Los Angeles im Oktober 1950 (mit Licia Albanese und Robert Weede unter Fausto Cleva) oder für die gleiche Rolle zur Saisoneröffnung an der Mailänder Scala im Dezember 1950 (Victor De Sabata lud ihn persönlich dazu ein) - lehnte er nach längerer Überlegung ab; auch ein Vorsingen bei Arturo Toscanini kam nicht zustande. (Die in späteren Jahren immer mehr erhobene Forderung nach einem öffentlichen Auftritt in einer kompletten Opernaufführung – quasi als Legitimitätsbeweis - wies er mit der Begründung zurück, dass er dies wohl nicht unbeobachtet tun könnte, weil es sofort von der allgegenwärtigen Presse ausgeschlachtet würde.) Nach Aussagen vieler Musiker, die mit ihm zusammen arbeiteten, fehlte es nicht an der nötigen körperlichen Stamina und der geistigen Aufnahmefähigkeit, auch war das Stimmvolumen groß genug, um ein Opernhaus zu füllen. Vermutlich war die Achtung vor seinen 'echten' Opernkollegen, denen Lanza geradezu demütig gegenüber trat, und die Angst, in ihrer Gegenwart zu versagen, doch zu groß.


    Diese negativen Gefühle überspielte er für die Öffentlichkeit mit einem aufgesetzten, künstlichen Selbstbewusstsein (was ihm dann als 'Star-Allüren' ausgelegt wurde), privat aber beruhigte er sein Gewissen mit zunehmendem Alkohol-Konsum und einem unkontrollierten Ess-Verhalten, was zusammen mit den ihm von den Film-Verantwortlichen immer wieder verordneten Diät-Gewaltkuren zu einer früh zerrütteten Gesundheit führte. Als sein Management darauf drängte, den nur von der Kinoleinwand, dem Fernsehbildschirm und der Schallplatte her bekannten Sänger seinem internationalen Publikum in Form von Konzerten auch 'leibhaftig' zu präsentieren, kam noch das Problem von panikhafter Versagensangst hinzu. Trotz eines intakten Familienlebens, relativem Wohlstand (der Sänger hielt sich, wie auch Beniamino Gigli, eine Art 'Hofstaat ' und geriet wie dieser deshalb einige Male in finanzielle Schieflage), allem äußeren Glamour und der Verehrung durch eine in die Millionen gehende Anhängerschaft war Mario Lanza letzten Endes wohl ein zutiefst unglücklicher Mensch.


    Doch zuerst möchte ich auch noch einige Dinge in Mario Lanzas Biographie klarstellen, die sich durch ständiges Kolportieren – auch hier im Forum – falsch festgeschrieben haben.


    Alfred Arnold Cocozza (mit Eltern von italienischer Herkunft) wuchs als Einzelkind im „Little Italy“-Viertel in Philadelphia auf und half nach der Schulzeit (mittelmäßiger Schüler, guter Sportler) im Lebensmittelgeschäft seines Großvaters aus. Sein aus Neapel stammender Vater war ein großer Verehrer des Tenors Enrico Caruso und sammelte dessen Schallplatten; der junge 'Freddy' wuchs quasi mit dieser Stimme auf, sang zu diesen Schallplatten, nahm auf Betreiben des Vaters Geigenstunden und später als Neunzehnjähriger auch Gesangsunterricht bei der ehemaligen Opernsängerin Irene Williams; seinen Lebensunterhalt verdiente der mittelgroße (1,70 m) und kräftige junge Mann als LKW-Fahrer für ein Transportunternehmen in Philadelphia. (Aus dieser Zeit existiert eine Schallplatte, die „Freddy“ 1940 zum Geburtstag seines Vaters aufnahm.)


    Seine Lehrerin machte den Konzertmanager William K. Huff auf ihren talentierten Schüler aufmerksam, der über Serge Koussevitzky, den befreundeten Dirigenten und Lehrer an der Musikakademie in Philadelphia, für „Freddy“ ein Stipendium erreichte. (Die Geschichte, dass Mario Lanza 'entdeckt' wurde, als er beim Transport eines Klaviers in die Musikakademie half, sich an das Klavier setzte und dabei sang, ist eine typische Hollywood-Story, wie sie auch in Lanzas erstem Spielfilm „That Midnight Kiss“ erzählt wird.) Koussevitzky – auf dessen Rat der junge Sänger nach dem Mädchennamen seiner Mutter, Maria Lanza, seinen Künstlernamen wählte – lud den jungen Mann zum „Berkshire Music Festival“ in Tanglewood (Massachusetts) ein, wo junge aufstrebende Musiker wie Leonard Bernstein, Lukas Foss und Boris Goldowsky als Korrepetitoren mit den Gesangs-Studenten deren Partien einstudierten. Am 7. 8. 1942 kam es zum Debüt von Mario Lanza als 'Fenton' in zwei Aufführungen von Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ (natürlich als „The Merry Wives of Windsor“); den Falstaff sang übrigens James Pease. Auch wirkte Mario in zwei Aufführungen des dritten Aktes aus „La Bohème“ mit, dirigiert von Leonard Bernstein..


    Das „Berkshire Music Festival“ galt als viel beachtetes Sprungbrett für eine Musiker-Karriere und so fanden sich dort 1942 nicht nur zahlreiche Agenten und Kritiker ein, sondern auch 'Talent Scouts' der wenigen amerikanischen Opernbühnen wie auch von Schallplattenfirmen; die 'RCA Victor Company' bot Mario einen Vertrag an und zahlte als Vorschuss 3000 $! Doch durch die Einberufung des hoffnungsvollen jungen Mannes zum Militär kam es nicht zu den vorgesehenen Probeaufnahmen. Bei der Air Force gab es zur Unterhaltung der Rekruten eine dem „Army Entertainment Unit“ angehörende reisende Truppe, die das Musical „On the Beam“ ('Im Lichtstrahl') aufführte; 'Private Cocozza', eigentlich stationiert in Marfa (Texas) und von einem musikbegeisterten Sergeanten durch die auch im Militärdienst beibehaltenen Stimmübungen 'entlarvt' – auch das wurde in einem Lanza-Film („Because You're Mine“) thematisiert - war mit von der Partie und bereiste Armee-Stützpunkte in den Vereinigten Staaten. Später folgte noch die 1944 von Hollywood (Regie: George Cukor) verfilmte Revue „Winged Victory“ mit Lanza in einer kleinen Rolle.


    Nach dem Krieg aus der Armee entlassen, machte Mario Lanza im Juni 1945 seine ersten Test-Aufnahmen für 'RCA' (u. a. Leoncavallos „Mattinata“, mit Klavierbegleitung, als Tondokument erhalten); weil man aber der Stimme noch Zeit zum Reifen geben wollte, kam es erst im Mai 1949 zu seinen ersten kommerziellen Aufnahmen, die auf Schelllackplatten und den neu eingeführten EPs veröffentlicht wurden. In der Zwischenzeit war der Tenor monatelang für Jan Peerce in der Rundfunk-Sendereihe „Great Moments in Music“ eingesprungen (u. a. mit dem Dirigat von Georges Sébastian), hatte sich einen Manager (Sam Weiler) genommen und bei Enrico Rosati, einem der Lehrer Beniamino Giglis, seinen Gesangsunterricht für über ein Jahr fortgesetzt. Bei einem seiner vielen Solo-Konzerte lernte er im April 1947 den Pianisten und Dirigenten Constantine Callinicos kennen, der in den 50er Jahren hauptberuflich Korrepetitor an der New York City Opera war. (Die Persönlichkeit Callinicos' – er schrieb auch eine umstrittene Biographie über Mario Lanza - und sein Einfluss auf den Sänger geben bis heute Anlass zu Spekulationen.)


    Ab Juli 1947 tourte er zusammen mit der Sopranistin Frances Yeend, die später an der New York City Opera zu den Stützen des Ensembles gehörte, und dem später weltberühmten Bass-Bariton George London als das von der Agentur 'Columbia Artist Management' gegründete „Bel Canto Trio“ für zehn Monate durch Nord-Amerika; die Tournee nahm am 19. 7. 1947 mit einem Freiluft-Konzert im 'Grand Park' in Chicago (Dirigent: Paul Breisach) ihren Anfang. Am 28. 8. 1947 fand dann jenes legendäre Konzert - mit Mario Lanza und Frances Yeend unter dem Dirigat von Eugene Ormandy - in der 'Hollywood Bowl' in Los Angeles statt (wovon es inzwischen einen mehrfach auf CD veröffentlichten Mitschnitt gibt), bei dem der mächtige 'Film-Mogul' Louis B. Mayer von 'Metro-Goldwyn-Mayer' (MGM) im Publikum saß. (So wurde es zumindest der Presse mitgeteilt; in Wahrheit war es wohl eine anwesende Sekretärin Mr. Mayers, die Mario Lanza hier für den Film entdeckte.)


    Weitere Details zu seiner Biographie habe ich der jeweiligen Besprechung seiner einzelnen Filme im Thread Mario Lanza und seine Filme hinzugefügt. Nächste Woche beginne ich dann mit der Auflistung seiner Tondokumente.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo,

    dies ist der 3. Teil meiner Auflistung von Opern-Uraufführungen mit Kerstin Meyer .



    „Hamlet“ (Searle): Hamlet, Prinz von Dänemark – Tom Krause / Claudius, König von Dänemark – Ronald Dowd / Die Königin Gertrude, Hamlets Mutter – Kerstin Meyer / Polonius, Staatsrat – Toni Blankenheim / Laertes, sein Sohn – Willy Hartmann / Ophelia, dessen Schwester – Sylvia Anderson / Horatio, Hamlets Freund – Heinz Blankenburg / Der Geist von Hamlets Vater – Arnold van Mill / Marcellus, Offizier – Hans-Otto Kloose / Rosencrantz und Güldenstern, Hamlets Jugendfreunde – Kurt Marschner und William Workman / Hofleute: Voltimand – Franz Grundheber, Cornelius – Jürgen Förster und Osric – Wilfried Plate / Fortinbras, Prinz von Norwegen – Raymond Wolansky / Der erste Schauspieler – Erwin Wohlfahrt / Die Schauspieler: Der Prolog – Jürgen Förster, Die Königin – Edith Lang, Der König – Arnold van Mill, Lucianus – Erwin Wohlfahrt / Ein norwegischer Hauptmann – Herbert Fliether / Ein Edelmann – Karl Otto / Ein Priester – Caspar Bröcheler / Ein Totengräber – Hans Sotin / Ein Matrose – Carl Schultz / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Helmut Fellmer / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Matthias Kuntzsch / Ausstattung: Toni Businger / Regie: August Everding (Hamburg, Staatsoper, 5. 3. 1968, Uraufführung).


    Der englische Komponist Humphrey Searle (1915 – 1982) – ein Schüler Anton Weberns und Pionier der seriellen Musik in Großbritannien sowie in der Musikwissenschaft anerkannt für die Katalogisierung der Werke Franz Liszts - richtete das Libretto nach der berühmten Tragödie 'Shakespeares' selbst ein; die deutsche Textfassung besorgten Hans Keller und Paul Hamburger nach Schlegels Übersetzung. Die erste Aufführung in der Originalsprache war am 18. 4. 1969 am Royal Opera House, Covent Garden in London mit u. a. Victor Braun (Hamlet), Ronald Dowd (König), Patricia Johnson (Königin), David Kelly (Polonius), David Hughes (Laertes), Anne Howells (Ophelia), George Macpherson (Horatio) und Inia Te Wiata (Geist) / Dirigent: Edward Downes / Ausstattung: Leslie Hurry / Regie: Donald McWhinnie.



    „Der rote Stiefel“ ('Den röda stöveln') (Sutermeister): Peter Munk, Kohlenbrenner – Arne Hendriksen / Lisbeth, Wirtstochter, seine Braut – Elisabeth Söderström / Der reiche Ezechiel – Sven Nilsson / Der Holländermichel – Anders Näslund / Der Tanzbodenkönig – Giulio Mengarelli / En Vokalkvartett / Kungliga Hovkapellet / Dirigent: Herbert Sandberg / Regie: Bengt Peterson (Stockholm, Kungliga Operan, 23. 11. 1951, Uraufführung). (Die Sprechrolle des 'Holländermichel' soll nach Anweisung des Komponisten von einem Sänger verkörpert werden, während die stumme Rolle des 'Tanzbodenkönigs' von einem Tänzer dargestellt wird.)


    Heinrich Sutermeister (1910 – 1995) vergab die Uraufführungsrechte seiner fünften Oper nach Stockholm, weil drei Jahre vorher seine Oper „Raskolnikoff“ dort mit großem Erfolg zum ersten Mal gezeigt wurde. „Der rote Stiefel“, zu dem der Komponist sich selbst das Libretto schrieb (nach Wilhelm Hauffs Erzählung „Das kalte Herz“) und das in Stockholm in der schwedischen Übersetzung des Dirigenten Herbert Sandberg gebracht wurde, zeigt als Kommentator der Handlung keinen Chor, sondern ein (unsichtbares) Vokalquartett – und hier sang Kerstin Meyer den Altpart neben dem Tenor Nicolai Gedda, für die beiden damaligen Gesangsstudenten war es ihr erster Opernauftritt...



    „Resan“ ('Die Reise') (Werle): Christopher – Ragnar Ulfung / Lili – Regina Marheineke / Peter, ihr Ehemann – Heinz Blankenburg / Lilis Mutter – Ursula Boese / Lilis Vater – Noel Mangin / Der Autoverkäufer – William Workman / Zwei Grenzwächter – Hans-Otto Kloose und Carl Schultz / Stefan, Christophers Freund – Franz Grundheber / Der Inspektor – Helmut Melchert / Carl, der Professor – Hans Sotin / Anna, seine Frau – Kerstin Meyer / Der Büroleiter – Herbert Fliether / Die Freundinnen Vera und Gitte – Cvetka Ahlin und Helga Thieme / Der Verlobte – Jerry J. Jennings / Der Führer – William Workman / Die Stimme der Blues-Sängerin – Tatiana Troyanos / Ein gemischter Chor der Eppendorfer Gymnasien / Ltg.: Heinz Zabel / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Helmut Fellmer / Die Pop-Jazzband „German Bonds“ / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Leopold Ludwig / Bühnenbild: Josef Svoboda / Kostüme: Jan Skalický / Regie: Lars Runsten (Hamburg, Staatsoper, 2. 3. 1969, Uraufführung). Tatiana Troyanos nahm ihre „Blues-Nummer“ ('The Blues ain't nothin' he's done lef' me'), die nur als TV-Sendung aus Lilis Fernsehgerät erklingt, bereits am 21. 1. 1969 im Radiohuset von Sveriges Radio mit dem Komponisten am Klavier auf.)


    Der Schwede Lars Johan Werle (1926 - 2001) schrieb diese 'Oper' - de facto eine Collage, die sich aus konventioneller Melodik mit musikalischen Zitaten und Andeutungen, zeitgenössischer Pop-Musik und elektronischen Toneffekten zusammensetzt – im Auftrag Rolf Liebermanns für die Hamburgische Staatsoper. Vorlage für das Textbuch von Lars Runsten, der auch die Regie führte, war der Roman „Till varmare länder“ ('In wärmere Länder') des Nervenarztes Per Christian Jersild. In einzelnen Episoden werden zwei Personen (Christopher und Lili), die sich einst als Schüler kurz begegneten, als Erwachsene auf einer Reise durch Gegenwart und Vergangenheit gezeigt. Beide – verbunden durch imaginäre Briefe Christophers an Lili – sind frustriert und leben in zwei verschiedenen 'Höllen': Lilis 'Hölle' ist ihr tristes, unausgefülltes Eheleben und Christopher, der vermutlich schizophren ist und nach gescheiterten Berufsplänen (als Opernsänger, Zahnarzt und Psychologe) auf der Suche nach dem 'brennenden See' der Johannes-Offenbarung ist, hat seine 'Hölle' in seinem Kopf.


    Während das Werk in Hamburg sehr zwiespältig aufgenommen wurde, war die schwedische Erstaufführung am 14. 2. 1970 in Stockholm – mit Kerstin Meyer und Ingegerd Käll (Lili), Ragnar Ulfung (Christopher), und Björn Asker (Peter) unter Leif Segerstam – ein Erfolg, der auch in einem Rundfunkmitschnitt der Premiere von Sveriges Radio dokumentiert wurde. (Zwei Ausschnitte der Uraufführung sind auch in der Schallplatten-Kassette „Musiktheater heute“ bei der 'Electrola' – 1C 195-29 107/09 – enthalten, die Eckhard Maronn zusammengestellt hat, der bei „Die Reise“ auch für die Ton-Montage zuständig war: aus der dritten Szene des ersten Akts „Liebling, komm!... Was gibt’s heut' zum Abendbrot?“ und „Opernschule? Aus der wurde nichts. Größenwahn!... Caries dentium“ mit Regina Marheineke, Heinz Blankenburg und Ragnar Ulfung.



    Und noch eine weitere Oper hatte (mit Kerstin Meyer) in Hamburg ihre Uraufführung:


    „Il sorriso ai piedi d'una scala“ ('Das Lächeln am Fuße der Leiter') (Bibalo): Augusto, ein Zirkusclown – Heinz Blankenburg / Guido, ein Artist, sein Freund – Erwin Wohlfahrt / Anni, Augustos Bühnenpartnerin – Ruth-Margret Pütz / Der Zirkusdirektor – Toni Blankenheim / Eine 'Dame' – Kerstin Meyer / Ein Polizist – Georg Mund / Das Zirkusensemble (Tänzer): Heidemarie Hillmann, Heidi Korf, Fred Eckhard, Daniel Lommel, Peter van Dyk und Rolf Warter / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Günther Schmidt-Bohländer / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Theodore Bloomfield / Choreographie: Peter van Dyk / Ausstattung: Alfred Siercke / Regie: Egon Monk (Hamburg, Staatsoper, 6. 4. 1965, Uraufführung).


    Der italienisch-norwegische Komponist Antonio Bibalo (1922 – 2008) begann 1958 seine erste Oper (nach der Novelle „The Smile at the Foot of the Ladder“ von Henry Miller) für einen Kompositionswettbewerb des Verlagshauses Ricordi; er versäumte aber den Abgabetermin, weil er sich keinen Librettisten leisten konnte und er das Libretto mit Millers Einwilligung (in italienischer Sprache) selbst verfassen musste. Die aktionsarme Handlung handelt von einem einsamen, sensiblen Clown, der sein Publikum nicht länger zum lauten Lachen bringen möchte, sondern zum glücklichen Lächeln. Die teilweise in Zwölftontechnik komponierte – und von vielen langen gesprochenen Dialogen durchzogene – Oper ist für den Bariton in der Rolle des philosophischen 'Spaßmachers' eine Herausforderung, da er zwei Akte lang für über zwei Stunden ständig auf der Bühne ist. Die Rolle einer Prostituierten, die quasi eine 'Seelenverwandte' Augustos ist, wurde in der vom Publikum gefeierten Uraufführung schamhaft als 'Eine Dame' bezeichnet. (Im Internet kann man einen Mitschnitt davon hören.)


    LG


    Carlo

    Lieber Gregor,


    vielen Dank für so viel Lob! Als Grundlage für meine Beiträge zu diesen Thread habe ich mir nicht nur Mario Lanzas Filme nach längerer Zeit wieder angesehen, sondern mir auch mehrere seiner Schallplatten und CDs angehört.


    Ich beginne nächste Woche damit, seine Original-Schallplatten (ohne die zahlreichen Kompilationen auf LPs und CDs) auf dem ihm gewidmeten Thread "Mario Lanza - Verkanntes Genie" aufzulisten und werde vermutlich damit die doch recht kontrovers geführte Diskussion um diesen Sänger wieder 'anheizen'.


    Carlo

    Und hier Josef Traxel mit Kompositionen von Johannes Brahms und Anton Bruckner:



    „Fünf Lieder“ (Brahms): Die Mainacht, op. 43/2 – Ständchen, op. 106/1 – Wie bist du, meine Königin, op. 32/9 – Von ewiger Liebe, op. 43/1 – Nachtwandler, op. 86/3 / Klavier: Hubert Giesen (Stuttgart, ca. 1960, Privatmitschnitt). Diese Aufnahmen entstanden während einer Probe für einen Liederabend; zu hören sind sie auf 'YouTube'.



    „Te Deum“ (Bruckner): mit Agnes Giebel, Marga Höffgen, Josef Traxel und Gottlob Frick / Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin / Die Berliner Philharmoniker / Chorltg. und Dirigent: Karl Forster (Berlin, Hotel „Wintergarten“, 24. 6. - 1. 7. 1956) Veröffentlicht bei 'Electrola' auf der LP E 80 010 (30 cm), gekoppelt mit Bruckners Messe Nr. 2 e-moll; ich habe die Wiederauflage dieser Platte unter 'Dacapo' 1 C 047-01 142 M.


    dto.: mit Emmy Loose, Sonja Draksler, Josef Traxel und Otto Edelmann / Der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien / Chorltg.: Reinhold Schmid / Die Wiener Philharmoniker / Dirigent: Carl Schuricht (Wien, Stephansdom, 23. 6. 1960). Ein Mitschnitt befindet sich angeblich im Archiv des Wiener Singvereins.



    Chorlied „Mitternacht“ ('Die Blumen glüh'n im Mondenlicht') (Bruckner): Josef Traxel mit dem Stuttgarter Liederkranz e. V. 1824 / Chorltg.: Walther Schneider / Klavier: Hubert Giesen (Stuttgart, Straßenbahner-Waldheim, 9. 10. 1961) 'Odeon' O 41 453 (mono) und STO 41 453 (stereo). Diese EP der 'Electrola'-Tochter 'Odeon' ist gekoppelt mit Schuberts „Nachthelle“ in der gleichen Besetzung.



    Carlo

    Liebe 'Taminos',


    hier stelle ich den achten (und letzten) Spielfilm Mario Lanzas vor.



    Der Sänger hatte nach Beendigung der Dreharbeiten zum vorigen Film („Arrivederci, Roma!" bzw. "Seven Hills of Rome“) den Vertrag für eine große Europa-Tournee unterschrieben, die im November 1957 in Großbritannien begann und in deren Verlauf er auch in Deutschland auftreten sollte: am 24. 1. 1958 im Kongress-Saal des Deutschen Museums in München, danach in Stuttgart, Wiesbaden, Hannover, Kiel, Hamburg und am 9. 2. 1958 in Nürnberg. Doch schon das erste Konzert – es enthielt altitalienische Arien, Kunstlieder zeitgenössischer amerikanischer Komponisten, italienische Canzonen und Film-Songs sowie Arien aus „Tosca“ und „L'Arlesiana“ - stand unter einem Unstern, denn zwei Tage davor hatte sich Mario Lanza (vom Münchner Konzertveranstalter Karl Gensberger als „Der Welt populärster Tenor“ angekündigt) in seinem Londoner Hotel-Appartement eine Rippe gebrochen, was ihm das Atmen erschwerte und ihm nach dem (am Klavier von Constantine Callinicos begleiteten) Konzert in München nur zwei Zugaben ermöglichte. Der Stuttgarter Abend verlief ohne Zugaben, weil er an einer schmerzhaften Zahninfektion litt, worauf die folgenden Konzerte in die zweite Februarhälfte verschoben wurden. Doch Mario Lanza, der nach Rom – wo er seit 1957 seinen ständigen Wohnsitz hatte – zurückgekehrt war, machte zunächst keinen Versuch, die Tournee wieder aufzunehmen und ließ die Veranstalter und 'sein' Publikum warten.


    Erst im März betrat er wieder das Konzertpodium: nach Edinburgh, Manchester, Paris, Ostende und Rotterdam folgte am 11. 4. 1958 die Niedersachsenhalle in Hannover. Keiner konnte ahnen, dass das Konzert am nächsten Tag in der monströs riesigen Kieler Ostseehalle – Lanza sang, wie damals üblich, ohne Mikrophonverstärkung - sein letzter öffentlicher Auftritt sein würde. Die Hamburger Musikhalle war am 15. April ausverkauft, als der Veranstalter Kurt Collien das Podium betrat und dem Publikum verkündete, dass das Konzert wegen plötzlicher Erkrankung Mario Lanzas ausfallen müsse. Die angeblich so kühlen Hanseaten reagierten mit Pfiffen, Rufen und wüsten Beschimpfungen, man versuchte das Podium zu stürmen, wo Constantine Callinicos kleine Klavierstücke spielte, und es kam sogar zu Handgreiflichkeiten. Colliens Versicherung, die Eintrittsgelder würden zurückgezahlt, ging im allgemeinen Lärm unter. Besonders erboste Konzertbesucher zogen zum Hotel „Vier Jahreszeiten“ und verlangten, dass der Sänger sich zeigen sollte. Als dann noch herauskam, dass Lanza tags zuvor in Hamburgs Kneipenviertel St. Pauli gewesen war und mehrere Bars und Lokale aufgesucht hatte, kannte die Empörung keine Grenzen mehr. Trotz Versicherung eines herbei geholten Arztes, der Sänger habe eine schwere Bronchitis und Herzprobleme, forderte man, Mario Lanza den Pass abzunehmen, um seine Abreise zu verhindern, worauf das amerikanische Generalkonsulat eingeschaltet wurde; Kurt Collien drohte mit einer Schadenersatzklage in Millionenhöhe. Mario Lanza entkam schließlich unter Polizeischutz dem 'Hexenkessel' Hamburg und floh nach Rom.


    Dort besuchte ihn der deutsche Filmproduzent Alexander Grüter im Mai 1958 und schlug ihm ein neues Projekt vor, das der Sänger erfreut annahm und auch nicht widersprach, als die produzierende Münchner 'Corona'-Filmgesellschaft aus Versicherungsgründen eine ärztliche Untersuchung in Deutschland anordnete. Der konsultierte Arzt erkannte, dass der Sänger schwer an Herz und Leber erkrankt war: ihm könne nur geholfen werden, wenn man ihn von seinem ihn ständig umgebenden und von ihm auch finanzierten parasitären Personenumfeld trennen würde. Deshalb wurde Mario Lanza für zehn Wochen in das Parksanatorium am bayerischen Walchensee eingewiesen; nur seine Frau, die vier Kinder und zwei Kindermädchen durften ihn begleiten. Die strenge Diät und ein kompletter Alkohol-Entzug zeigte Wirkung und Mario Lanza konnte Anfang August 1958 zu den für das Playback notwendigen Musikaufnahmen für den neuen Spielfilm nach Rom reisen. Anschließend entstanden auf Capri, in Neapel, Rom, Salzburg und Berlin (Artur Brauners CCC-Studio) die Dreharbeiten. Die Filmpartner Annie Rosar und Hans Söhnker – selbst ein ausgebildeter Tenor, war bei den Gesangsaufnahmen in der römischen Oper anwesend und zeigte sich von Lanzas Interpretation der „Bajazzo“-Arie besonders beeindruckt – gaben der Presse sehr positive Berichte über den Sänger.



    „Der Sänger von Capri“ bzw. „Serenade einer großen Liebe“ ('For the First Time') (Corona Film GmbH / MGM 1959) (Farbe, 97 Min.)


    mit Johanna von Koczian, Zsa Zsa Gabor, Annie Rosar, Kurt Kasznar, Hans Söhnker, Walter Rilla, Peter Capell, Sandro Giglio, Renzo Cesana, das Johannes-Rediske-Quintett u. a. / Regie: Rudolph Maté. (Die folgende Inhaltsangabe bezieht sich auf eine 5 Minuten kürzere Version, die ich vom ZDF aufgenommen habe.)


    Der skandal-umwitterte Tenor Tony Costa verpasst wieder einmal einen Opernauftritt, diesmal an der Wiener Staatsoper, (aber egal, ob Wien, London oder Rom, es wird stets der Zuschauerraum der römischen Oper gezeigt!), weil er - schon verspätet angereist - vor seinen Fans am Bühneneingang im strömenden Regen ein 'Gratiskonzert' gibt. Der Intendant Leopold Hübner (Capell) schickt das Publikum nach Hause und droht Tony eine Konventionalstrafe an. Tonys Manager Ladislav Tabory (Kasznar) verordnet ihm einen 'Zwangsurlaub' auf Capri, um ihn für eine Weile der Öffentlichkeit und der Verfolgung durch die Presse zu entziehen. Auf der Insel trifft er nicht nur seine Langzeit-Freundin, die 'Society-Lady' Gloria di Vaduz (Gabor) wieder, er lernt zufällig auch die junge Christa Bruckner (Koczian) kennen, die bei ihrem Onke lebt, dem Schriftsteller Albert Bruckner (Söhnker), zusammen mit zwei Hausangestellten: Mathilde (Rosar) und Angelo (Cesana). Die Waise Christa hat im Krieg durch die Detonation einer Bombe ihr Gehör verloren und ihr sehnlichster Wunsch ist es, nachdem sie sich in Tony verliebt hat und er ihr einen Heiratsantrag machte, seine Stimme hören zu können. Sie begleitet Tony auf seinen Reisen zu Opernauftritten in Wien („I pagliacci“), London („Otello“) und Salzburg („Cosi fan tutte“) und konsultiert dabei mehrere internationale Ärzte, doch alle raten ihr von einer Operation zur Wiederherstellung des Hörvermögens ab. Erst der Salzburger 'Ohrenspezialist' Professor Bessart (Rilla) will den Eingriff wagen: die Operation gelingt. Nach einem Stadtbummel im regnerischen Berlin erkrankt Christa an einer schweren Grippe und verliert dadurch wieder ihr Gehör. Mit ihr nach nach Capri zurückgekehrt, kommt Tony damit nicht zurecht und beginnt betrunken eine wüste Schlägerei in Alessandros (Giglio) Taverne. Beim Verhör durch die Polizei nehmen aber alle anderen Beteiligten die Schuld auf sich und Gloria kommt für den Schaden auf. Und als das Fieber abklingt, kann Christa auch wieder normal hören; bei Tonys Auftritt in der römischen Oper als 'Radames' in „Aida“ sitzt sie glücklich im Publikum.



    Die Handlung ist im Kern schon oft auf der Leinwand variiert worden: ein berühmter Mann verliebt sich in eine junge kranke Frau, die durch die Liebe geheilt wird. Leider ist das Drehbuch nicht mehr als eine Folie für diverse Gesangseinlagen Mario Lanzas (vom Schlager bis zur Arie) und die filmische Umsetzung durch den aus Polen stammenden amerikanischen Regisseur Rudolph Maté gelang ziemlich konventionell. (Zumindest in der deutschen Fassung mildern prägnante Dialoge wie „Sie kennen ja die Amerikaner! Sie müssen sich überall einmischen!“ und kleine Scherze – unter den beim Polizeiverhör aufgerufenen Zeugen befindet sich auch ein 'Alfredo Cocozza', d. i. Lanzas Geburtsname! - die kolportagehafte Handlung.) „Der Spiegel“ schrieb in seiner Filmkritik 1959: „Die farbigen Breitwand-Panoramen von Capri, Rom und Salzburg und der innige Blick des deutschen Nachwuchsstars Johanna von Koczian wurden aufgeboten, um die Dienstleistungen des Hollywood-Tenors Mario Lanza für eine Münchner Filmfirma würdig einzurahmen. Das Drehbuch dieses ersten deutschen Lanza-Films spielt zwar schalkhaft auf Lanzas skandalgesegnete Karriere an, schüttet aber sehr bald eimerweise Rührung nach. Lanzas Stimmkraft – demonstriert an Opern-Arien, Ave Maria, Schmalzschlagern und Hofbräu-Schunkelchor – vermag den Schwachsinn der Ereignisse nicht zu übertönen.“


    Der sichtlich älter gewordene Mario Lanza wird in diesem Film von der bezaubernden 'kulleräugigen' Johanna von Koczian – damals 24 Jahre jung und durch das Renate-Müller-Remake „Viktor und Viktoria“ mit Georg Thomalla und Johannes Heesters, das Drama „Petersburger Nächte“ mit Ewald Balser und Ivan Desny und vor allem durch Kurt Hoffmanns zeitkritische und zeitlose Komödie „Wir Wunderkinder“ mit Hansjörg Felmy und Robert Graf bekannt geworden, während sie im Deutschen Fernsehen in großen Schauspielen wie Shakespeares „Was ihr wollt“, als Lessings „Minna von Barnhelm“ und als Gräfin Orsina in der „Emilia Galotti“ des gleichen Autors beeindruckte – in den Schatten gestellt. (Die in Berlin geborene, aus altem ungarischen Adel stammende und im Film oft 'unter ihrem Wert' eingesetzte, Schauspielerin lebt heute – mittlerweile 86jährig und leider an Demenz erkrankt – in einem Berliner Pflegeheim.)


    Die in Budapest geborene Zsa Zsa Gabor (bekannt durch Hollywood-Filme wie John Hustons „Moulin Rouge“ mit José Ferrer, „Lili“ mit Leslie Caron, Mel Ferrer und Kurt Kasznar oder „Im Zeichen des Bösen“ von Orson Welles mit Marlene Dietrich und Charlton Heston) hatte schon 1956 in einer deutschen Produktion mitgewirkt („Ball der Nationen“ nach der Operette von Fred Raymond), sie ist in „Der Sänger von Capri“ allerdings nur schmückendes 'Beiwerk'. Die flamboyante Film-Diva machte vor allem durch zahlreiche Ehen und Skandale Schlagzeilen und ist 2016 kurz vor ihrem 100. Geburtstag in Los Angeles gestorben. Kurt Kasznar, Hans Söhnker und Annie Rosar können sich in ihren stereotypen Rollen schauspielerisch kaum profilieren. (Auf 'YouTube' kann man zwei kurze Fernsehberichte von den Dreharbeiten sehen.)


    Die Begleitmusik zu diesem achten und letzten Lanza-Film schrieb George Stoll, der auch vier Titel beisteuerte: eine 'Tarantella' („Oh Capri, Capri“*), einen 'Jamaica-Rock' („Pineapple Pickers“*) und zwei orchestrale Tänze ('Danza napoletana'* und 'Mazurka“*) Von Vincenzo Di Paola und Sandro Taccani stammt das Lied „Come prima“* ('For the first time I'm in love'), das für Tony Dallara und das Schlagerfestival in San Remo 1957 komponiert wurde. Marguerite Monnot, bekannt durch Edith Piafs „Milord“, ist mit dem Chanson „O mon amour“* ('Je n'en connais pas la fin') vertreten, Eduardo Di Capuas „O sole mio“* fehlt nicht und schließlich gibt es auch noch das 'Hofbräuhaus-Lied' „Wer einmal nur in München war“* von Karl Bette, begleitet - wie auch bei „Pineapple Pickers“ - von dem Jazz-Quintett des Berliners Johannes Rediske.


    Klassisch wird es bei Schuberts „Ave Maria“* (mit dem 'Coro di voci bianche' des Vatikans, lateinisch gesungen) und Edward Griegs „Jeg elsker Dig“* ('I love thee'). Natürlich singt Mario Lanza auch einige Opern-Titel: aus „Rigoletto“ ('La donna è mobile' und 'Bella figlia dell'amore'), aus „Aida“ das Finale des zweiten Aktes*, aus „Otello“ (Otellos Tod 'Niun mi tema'*) sowie aus „I pagliacci“ die Arie des Canio ('Recitar!... Vesti la giubba'*). Interessant ist ein kurzer Ausschnitt aus Mozarts „Cosi fan tutte“ (das Terzett 'E voi ridete?'), weil hier auch Paolo Silveri und Plinio Clabassi singen, die aber im Film von Schauspielern gedoubelt wurden. Als weitere Sänger (im 'Gran Concertato' aus „Aida“) konnten bisher nur der Bariton Giangiacomo Guelfi und der Bass Plinio Clabassi identifiziert werden. Für die Opernszenen wurden der Chor und das Orchester des Opernhauses Rom aufgeboten, dirigiert von Constantine Callinicos; das „Ave Maria“ leitete George Stoll und die Unterhaltungsmusik-Titel wurden vom Orchester der RAI Rom unter Carlo Savina begleitet. (Die mit * gekennzeichneten Titel sind auch auf der „Soundtrack“-LP der 'RCA' enthalten, u. z. in voller Länge, während sie mit Ausnahme von „Come prima“, „O sole mio“, der Arie des Canio und 'Otellos Tod' im Film nur angespielt werden.)


    Im Februar 1959 hatte der Film mit dem Arbeitstitel „Der Sänger von Capri“ Deutschland-Premiere. Um ihn wohl besser zu bewerben, hing man sich an den großen Erfolg von „Serenade“ und gab manchen Kopien auch den Titel „Serenade einer großen Liebe“, was aber oft zu Verwechslungen führte. Mit dem Titel „For the First Time“ wurde der Streifen am 13. 8. 1959 in New York erstmals gezeigt (MGM hatte den Filmverleih für die USA übernommen) und Mario Lanza erhielt gute Kritiken für Gesang und Darstellung; nur das melodramatische Drehbuch und die uninspirierte Regie wurden beanstandet. Seine Schallplattenfirma 'RCA' schloss bereits 1958 mit ihm einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag und produzierte - erstmals in Stereo – drei neue LPs („Mario!“, „Christmas Carols“ und „Caruso Favorites“), die Opernhäuser in Rom und Neapel stellten ihm eine 'carte blanche' für einen Opernauftritt seiner Wahl aus und eine neue Tournee wurde für Europa und Amerika vereinbart.


    Am 10. 9. 1959 stand er in Rom zum letzten Mal vor einem Mikrophon und sang Szenen aus der Operette „The Desert Song“ von Sigmund Romberg für die Schallplatte. Ende des Monats brach er zusammen und wurde in die römische Klinik „Valla Giulia“ eingeliefert: er hatte starke Herzschmerzen und diese mit Alkohol zu betäuben versucht, sein Blutdruck war besorgniserregend hoch, zudem litt er an einer leichten Lungenentzündung. Nach einer Visite am Morgen des 7. 10. 1959 verkündete ihm der zuständige Arzt, dass er halbwegs genesen sei und bald das Krankenhaus würde verlassen können – am Mittag dieses Tages erlitt Mario Lanza im Beisein einer Krankenschwester einen tödlichen Herzinfarkt. Er war erst 38 Jahre alt. Sein Leichnam wurde in die USA überführt und - nach einer Trauerprozession in seiner Geburtsstadt Philadelphia - auf dem katholischen Friedhof der Gemeinde Whittier bei Los Angeles beigesetzt.


    Im nächsten Jahr – am 31. 1. 2021 – jährt sich Mario Lanzas Geburt zum 100. Mal. Wäre das nicht ein Anlass, seiner würdig zu gedenken und ihn auch als großen Tenor anzuerkennen?



    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo!


    Alessandro Ziliani war damals in Deutschland sehr bekannt und sprach auch so gut deutsch, dass er 1935 von der 'Ufa' für die Hauptrolle in einem Spielfilm mit dem Titel "Liebeslied" eingesetzt wurde. Seine Partner waren u. a. Carola Höhn, Fita Benkhoff, Hilde Sessak, Paul Hörbiger, Rudolf Platte und Otto Sauter-Sarto; Fritz Peter Buch war der Regisseur und die Filmmusik stammt von Hans-Otto Borgmann.


    Carlo

    Zum Tode von Mady Mesplé am 30. 5. 2020 in ihrer Geburtsstadt Toulouse; sie war seit Jahren an Parkinson erkrankt.


    Gehört habe ich die Stimme der am 7. 3 1931 geborenen Sängerin zum ersten Mal 1963 auf dem „Mignon“-Querschnitt der 'Deutschen Grammophon Gesellschaft' (mit Jane Berbiè, Gérard Dunan und Xavier Depraz unter Jean Fournet – bis heute eine meiner liebsten Platten und wie viele andere französische Opernquerschnitte dieser Firma nie in den deutschen Handel gekommen). Dann sah ich 1966 die Übertragung der „Ariadne auf Naxos“ aus Aix-en-Provence (mit einer meiner Lieblingssängerinnen: Régine Crespin, mit Tatiana Troyanos und Jean Cox unter George Sébastian) im Deutschen Fernsehen, wo Mady Mesplé eine sehr charmante, überhaupt nicht 'puppige' Zerbinetta sang und für ihre große Arie stürmischen Applaus erhielt. Erst mit ihrem Exclusiv-Vertrag 1968 bei der französischen 'EMI'-Tochter 'La Voix de son Maitre“ wurde sie peu-à-peu auch hierzulande bekannter; allerdings wurden ihre Schallplatten von deutschen Kritikern nicht immer freundlich rezensiert.


    Die Stimme von Mady Mesplé muss man mögen, um der eminenten Künstlerschaft dieser Sängerin gerecht zu werden: ein sehr persönlich gefärbter leichter Sopran mit schnellem, lockeren Vibrato bis hin zum Tremolo und auch gelegentlichen scharfen oder steifen Höhen. Dies ist aber der Stimmtypus, den unsere Nachbarn jenseits des Rheins von jeher als besonders 'attraktiv' empfinden; ältere, ähnlich timbrierte Vorbilder dafür gibt es viele, auch die viel zu früh verstorbene Mado Robin gehört dazu und in den letzten Jahren vor allem Natalie Dessay, die zwar den Vorteil einer wesentlich einschmeichelnderen Stimme hat, aber auch das anonymere Timbre. (Das Faible der Franzosen für solche 'Reibeisenstimmen' wie die von der Mistinguett, der Patachou, von Edith Piaf oder Mireille Mathieu ist mir auch rätselhaft.)


    Die Karriere von Mady Mesplé, die schon als Kind zur Sängerin und Pianistin ausgebildet wurde, nahm 1953 im belgischen Lüttich/Liège ihren Anfang gleich mit einer Hauptrolle: „Lakmé“ von Leo Delibes. Drei Jahre blieb sie dort im Ensemble und wechselte nach Gastspielen in Toulouse, Lyon, Strasbourg und Nantes 1956 an die Pariser Opéra-Comique (Antrittsrolle: Lakmé). Im selben Jahr sang sie bereits in Aix-en-Provence ('Zemire' in Gretrys „Zémire et Azor“ und 'Lucy' in Menottis „Le Téléphone“, en francais naturellement) und hatte 1958 ihr Debüt an der Pariser Opéra als.'Constance' in Poulencs „Les Dialogues des Carmélites“ (mit Denise Duval, Denise Scharley und Rita Gorr), gefolgt von der 'Sophie' in „Le Chevalier à la Rose“ (mit Régine Crespin und Rita Gorr unter André Cluytens) und dem 'Oscar' in Verdis „Un bal masqué“ (mit Régine Crespin, Albert Lance und René Bianco unter Pierre Dervaux in der Regie von Margherita Wallmann). Am 29. 12. 1960 war sie an der Opéra-Comique in Paris in der 1500sten Aufführung der „Lakmé“ besetzt, die eigentlich von der kurz zuvor gestorbenen Mado Robin verkörpert werden sollte, die an diesem Tag 42 Jahre alt geworden wäre.


    Besonderes Aufsehen erregte Mady Mesplé, als sie im Juli 1960 direkt nach Joan Sutherlands Pariser Debüt die Titelrolle in „Lucie de Lammermoor“ (mit Alain Vanzo und Robert Massard) erstmals sang, in der französischen Original-Stimmlage Es-Dur, und in der 'Wahnsinnsszene' noch einen Ton höher ging (1961 trat sie in dieser Rolle auch beim Festival von Edinburgh unter John Pritchard auf, diesmal in italienischer Sprache). Neben der 'Lucia', der 'Gilda' im „Rigoletto“ und der 'Olympia' in „Les Contes d'Hoffmann“ wurde die 'Königin der Nacht' in der „Zauberflöte“ zu einer ihrer im Ausland meistgesungenen Partien, z. B. im Mai 1963 beim Festival in Lausanne (neben Montserrat Caballé, Fritz Wunderlich und Gottlob Frick, dirigiert von Bernhard Conz) oder im gleichen Jahr bei ihrem Wien-Debüt an der Volksoper, wo sie auch in den Folgejahren immer wieder gastierte - an der Wiener Staatsoper ist Mady Mesplé nie aufgetreten - und 1965 bei ihrem ersten Gastspiel in Deutschland (Bayerische Staatsoper in München).


    Die internationale Laufbahn setzte sich fort mit Auftritten u. a. in Miami 1964 („Lakmé“ mit Alain Vanzo und dem kürzlich verstorbenen Gabriel Bacquier unter Emerson Buckley), in Chicago (1966 „Die Zauberflöte“ mit Claire Watson, Ernst Haefliger, Erich Kunz, Hans Hotter und Karl Ridderbusch unter Eugen Jochum), als 'Philine' in der „Mignon“ (1967 wieder in Miami unter Emerson Buckley mit Teresa Berganza, Juan Oncina und Nicola Moscona) und als 'Königin der Nacht' auch 1968 in Buenos Aires (mit Joan Carlyle, Peter Schreier, Hermann Prey und Franz Crass unter Otmar Suitner). Im Mai 1973 unternahm sie eine Tournee durch die Sowjetunion (mit Auftritten am Moskauer Bolshoi-Theater) und schließlich trat sie auch im September 1973 an der New Yorker 'Met' auf - als 'Gilda' im „Rigoletto“ neben Matteo Manuguerra und Enrico Di Giuseppe unter Serge Baudo, der hier ebenfalls erstmals in New York dirigierte.


    Die aussergewöhnlichen stimmlichen Fähigkeiten Mady Mesplés wurden auch von zeitgenössischen Komponisten gerne für neue Werke genutzt: z. B. die Opern „Dolorès“ von André Jolivet (Titelrolle 1961 an der Pariser Opéra-Comique mit Jean-Christophe Benoit, Raymond Amade und Xavier Depraz unter Jésus Etcheverry); „Princesse Pauline“ von Henri Tomasi über die Schwester Napoleons I. (Titelrolle 1962, ebenfalls in Paris mit Jean Giraudeau und Jacques Doucet unter Richard Blareau); “Syllabaire pour Phèdre“ von Maurice Ohana 1968 – eine 'Kammeroper' für Stimmen, Chor, Kammerorchester und elektronische Instrumente (es gibt davon eine Aufnahme mit Mady Mesplé und Jean Marais unter Marius Constant); „L' Interview“ von Janós Komives, ebenfalls eine 'Kammeroper' für eine Sängerin ('Elle'), einen Schauspieler und fünf Musiker (1979 mit Mady Mesplé und Jacques Duby im Fernsehen uraufgeführt) und „L' Escarpolette“ ('Das Schaukelbrett') von Jean-Michel Damase mit Gabriel Bacquier und dem Dirigenten Jacques Pernoo, ebenfalls ein Werk für das Französische Fernsehen (1981).


    Extra für 'Mady' – eine Kurzform von 'Madeleine' - komponiert wurden folgende Stücke für den Konzertsaal: das „Quatuor II“ von Betsy Jolas (1966) für Sopran und drei Instrumente; „Quatre Poèmes de Sappho“ von Charles Chaynes für Sopran und Streichtrio (ebenfalls 1968 – Chaynes war 'nebenberuflich' Direktor des Rundfunkkanals 'France Musique'); „Unité“ für Sopran und zehn Instrumente von Patrice Mestral 1970; „La Messe des Voleurs“ ('Die Messe der Diebe', die aber ursprgl. „La Messe des Pauvres“ - 'Die Messe der Armen' - hieß) von Paul Méfano 1972 für ein Vokalquartett, ein Kammer-Ensemble, elektronische Instrumente und Tonbandgeräusche komponiert; „Croce e Delizia“- eine Kantate für Sopran und Kammerorchster - von Philippe Capdenat (1973) und 1978 ein „Madrigal“, wieder von Paul Méfano.


    Eindrucksvoll ist auch die Liste von Partien in 'modernen' Bühnenwerken: die 'Priscilla' in „Geneviève de Paris“ (1955 in Lyon neben Régine Crespin, Raoul Jobin und Libero De Luca) von Marcel Mirouze (der zwei Jahre später bei einem Autounfall starb); die 'Kitty' in der französischen Erstaufführung in Paris 1963 von Menottis „The Last Savage“ (mit Gabriel Bacquier, Xavier Depraz und Raymond Amade unter Serge Baudo); ebenfalls in Erstaufführung für Frankreich Henzes „Elegie für junge Liebende“ in Nizza (als 'Hilda Mack' 1965 mit Jacques Doucet, Michel Cadiou und Louis Noguera unter Jean Perisson); in Marseille die 'Thérèse' in Poulencs „Les Mamelles de Tirésias“ (1969); 'Die Seele' in Schönbergs „Die Jakobsleiter“ unter Pierre Boulez konzertant 1972 bei der BBC (mit Schallplattenaufnahme 1977 in London, ebenfalls mit Boulez); die Königin Isabella in der konzertanten Aufführung des Belgischen Rundfunks für die EBU (European Broadcasting Union) von Milhauds „Christophe Colomb“ 1973.


    Und Mady Mesplé ist auch in Kino- und Fernseh-Filmen zu sehen wie z. B. als 'Maria Malibran' in der Verfilmung von Stendhals Novelle „Lucien Leuwen“ durch Claude Autant-Lara (1972), in Jean-Christophe Avertys "Le Château des Carpathes" ('Das Karpatenschloss' nach Jules Verne) von 1976 oder Didier Decoins „L' Amour s'invente“ ('Die Liebe erfindet sich', 1981). 1961 gab es bereits eine französische TV-Inszenierung der „Lakmé“ mit Michel Cadiou und André Jonquères und 1975 spielte sie in Schwetzingen für den Süddeutschen Rundfunk die 'Madame Herz' in Mozarts „Der Schauspieldirektor“ neben Edda Moser und Peter Ustinov auf der Grundlage ihrer 'Electrola'-Schallplatte.


    Äusserst zahlreich sind ihre auf Tonträgern veröffentlichten Aufnahmen – sie reichen von barocken Kantaten über Kirchenmusik und 'Chansons' des 18. Jahrhunderts über mehrere Ersteinspielungen französischer Opern und Operetten bis zu Liedern von Schönberg und Satie sowie bekannten Chansons von Paul Misraki, Gilbert Bécaud, Marcel Mouloudji oder Michel Legrand. (Übrigens trat Mme. Mesplé nach ihrer Sängerkarriere – und neben ihrer Lehrtätigkeit an den Conservatoires von Paris und Toulouse - mehrmals als Jazz-Pianistin auf!) Ich habe mehrere Recitals mit ihr; darunter eine Kassette mit drei LPs – veröffentlicht 1986 von 'La Voix de son Maitre' in Zusammenarbeit mit 'INA', dem Archiv des Französischen Rundfunks - ausschließlich mit Live-Aufnahmen aus Oper, Operette und Konzert (u. a. eine unglaubliche Darbietung von Mozarts Konzertarie „Popoli di Tessaglia“ von 1965, wo die Stimme bis zum hohen 'G' geführt wird). Von ihren Opernaufnahmen bevorzuge ich Aubers „Manon Lescaut“, die Harald Kral schon im Beitrag Nr. 8 genannt hat; ihre für mich schönste Solo-Platte heißt „Bergerettes et Pastourelles“ (1975), wo sie, begleitet am Cembaolo von Janine Reiss, ganz schlicht kleine graziöse 'Schäferweisen' aus der Sammlung des ehemaligen Bibliothekars des Pariser Conservatoire, Jean-Baptiste Weckerlin, singt, die eine längst vergangene Zeit lebendig werden lassen.


    Für die ehemalige Düsseldorfer Musikzeitschrift „Collegium Musicum“ (Ausgabe vom April 1972) gab die Sängerin dem belgischen Journalisten Tony Dekegel ein langes Interview. Befragt zur zeitgenössischen Musik antwortete sie u. a.: „Oh, das ist ein Problem. Über welche Werke lohnt es sich da zu sprechen? Es gibt Kompositionen, die die Stimme wie ein Instrument behandeln, die eine Höhe vorsehen, die alle Stimmmöglichkeiten sprengt. Ich selbst habe solche Erfahrungen machen müssen. Ein bestimmter Komponist schreibt etwas für Sie und das Ergebnis besteht aus sehr hoch liegenden Skalen. Auch wenn ich über eine sehr leicht ansprechende Höhe verfüge, so ist das noch nicht mein Hauptcharakteristikum! Wenn ein Stück nur auf der Koloratur aufgebaut ist, muss es doch für die Zuhörer äusserst langweilig sein. Manchen 'modernen' Komponisten werfe ich auch vor, dass sie das Schlagwerk im Überfluss einsetzen. Ob man will oder nicht, eine Stimme bleibt ein menschliches Instrument und auch, wenn man sie mit einer solchen Kraft einsetzen kann wie Birgit Nilsson, kann man nicht gegen fünfzehn Schlagwerke ansingen, die obendrein noch im Fortissimo spielen.“


    Repose en paix, chère Mady!


    Carlo