Beiträge von Carlo

    Zum Schluss noch zwei Dokumente ihrer berühmtesten 'Sopran-Rolle' - die 'Fidelio'-Leonore:


    Am 29. 10. 1963 wurde während des Gastspiels der Deutschen Oper Berlin in Tokyo das Werk mit folgender Besetzung im Nissei Theatre aufgeführt und für das Fernsehen aufgezeichnet: Christa Ludwig (Leonore), Lisa Otto (Marzelline), James King (Florestan), Gustav Neidlinger (Don Pizarro), Josef Greindl (Rocco), Donald Grobe (Jaquino), William Dooley (Don Fernando) sowie Barry McDaniel und Manfred Röhrl (Zwei Gefangene) / Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin / Chorltg.: Walter Hagen-Groll / Dirigent: Karl Böhm (Die Tonspur der TV-Sendung wurde am 17. 7. 1993 vom ORF gesendet und erschien in Japan auf CD bei 'Canyon Classics'.)


    Vier Wochen später gab es eine Neuinszenierung im 'neuen' Münchner Nationaltheater unter Herbert von Karajan mit Christa Ludwig (Leonore), Hanny Steffek (Marzelline), Fritz Uhl (Florestan), Walter Berry (Don Pizarro), Gottlob Frick (Rocco), Gerhard Stolze (Jaquino), Hermann Prey (Don Fernando) sowie Heinrich Weber und Hans Bruno Ernst (Zwei Gefangene) / Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper München; die Chorleitung hatte Wolfgang Baumgart und die Neuinszenierung verantwortete Rudolf Hartmann. (Der Rundfunk-Mitschnitt der Premiere vom 1. 12. 1963 wurde bei der CD-Firma 'Hunt' veröffentlicht.) Es war sehr selten, dass Herbert von Karajan nicht eine eigene "Fidelio"-Inszenierung dirigierte und es waren auch - abgesehen von zwei Gastspielen der Mailänder Scala in München im August 1953 (“Don Giovanni” in Karajans Regie mit Carla Martinis, Elisabeth Schwarzkopf, Alda Noni, Mario Petri, Léopold Simoneau und Sesto Bruscantini) und im November 1964 (Franco Zeffirellis “La Bohème” mit Mirella Freni, Adriana Martino, Gianni Raimondi und Rolando Panerai) – einige seiner seltenen Dirigate an der Bayerischen Staatsoper! (Übrigens wurde die "Bohème" gleichzeitig für die Kinoleinwand verfilmt: im Studio der Münchner 'Bavaria' mit Playback-Tonaufnahmen im Bürgerbräukeller.)


    In der nächsten Woche nenne ich einige interessante Konzerte und Liederabende mit Christa Ludwig.


    LG


    Carlo

    Liebe 'Forianer',


    heute folgt der fünfte Teil mit interessanten Tondokumenten Christa Ludwigs:


    „Rienzi“ (Wagner): (Adriano Colonna) mit Anne Lund Christiansen (Irene), Teresa Stich-Randall (Friedensbote), Set Svanholm (Cola Rienzi), Paul Schöffler (Stefano Colonna), Walter Berry (Paolo Orsini), Heinz Holecek (Raimondo), Karl Terkal (Baroncelli), und Alois Pernerstorfer (Cecco del Vecchio) / Die Wiener Sängerknaben / Chorltg.: Ferdinand Grossmann / Der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien / Chorltg.: Reinhold Schmid / Der Männerchor der 'Musikalischen Jugend', Wien / Die Wiener Symphoniker / Dirigent: Josef Krips (Wien, Musikverein, 14. 6. 1960) 'Penzance Records' (4 LPs, mit Ergänzungen der im Wiener Konzert gestrichenen Teile – aus Aufführungen unter Robert Heger, Lovro von Matacic, Arturo Basile und Hermann Scherchen – und weiterer Musik von Richard und Siegfried Wagner) und 'Melodram' (2 CDs). Vom 13. 10. 1962 stammt eine Rundfunkaufnahme der großen Szene des Adriano „Gerechter Gott, so ist's entschieden schon... In seiner Blüte bleicht mein Leben“ mit dem Sinfonie-Orchester des Norddeutschen Rundfunks Hamburg unter der Leitung von Hans Schmidt-Isserstedt; diese Arie hat Christa Ludwig nie kommerziell aufgenommen.


    "Lohengrin" (Wagner): (Ortrud) mit Ingrid Bjoner (Elsa), Sándor Kónya (Lohengrin), Walter Berry (Telramund), John Macurdy (König Heinrich) und Sherrill Milnes (Heerrufer) / Die brabantischen Edlen: Dan Marek, Robert Schmorr, Gene Boucher und Ron Bottcher / Chorus and Orchestra of the Metropolitan Opera House, New York / Chorltg.: Kurt Adler / Dirigent: Karl Böhm (New York, Metropolitan Opera House, 21. 1. 1967) Diese Neuinszenierung war eine posthume Produktion von Wieland Wagner, realisiert von Peter Lehmann. Eine 'Saturday Afternoon Broadcast Performance' - als Gesamtaufnahme bisher unveröffentlicht. (Szenen aus dem 2. Akt sind enthalten in dem CD-Recital "Christa Ludwig: Rarities" der niederländischen Firma 'Gala'.)


    “Die Walküre” (Wagner): (Fricka) mit Leonie Rysanek (Sieglinde), Birgit Nilsson (Brünnhilde), Phyllis Brill (Gerhilde), Carlotta Ordassy (Ortlinde), Gwendolyn Killebrew (Waltraute), Louise Pearl (Schwertleite), Clarice Carson (Helmwige), Barbro Ericson (Siegrune), Joann Grillo (Grimgerde), Rosalind Hupp (Rossweisse), Jon Vickers (Siegmund), Thomas Stewart (Wotan) und Karl Ridderbusch (Hunding) / The Orchestra of the Metropolitan Opera House / Dirigent: Berislav Klobucar (New York, Metropolitan Opera House, 24. 2. 1968) 'Sony' (CD) Die Premiere dieser Karajan-Inszenierung von den Salzburger Osterfestspielen 1967 an der New Yorker 'Met' war am 21. 11. 1967 unter Herbert von Karajan mit vier von ihm dirigierten Folgevorstellungen (mit Gundula Janowitz und Régine Crespin als Sieglinde und Walter Berry als Wotan); die Rundfunkübertragung am 24. 2. 1968 und zwei weitere Aufführungen übernahm Berislav Klobucar. Im Herbst 1968 leitete Karajan dann noch einmal drei weitere “Walküre”-Vorstellungen an der 'Met' mit Christa Ludwig (ohne Rundfunkübertragung).


    “Parsifal” (Wagner): (Kundry) mit Jon Vickers (Parsifal), Bernd Weikl (Amfortas), Martti Talvela (Gurnemanz), Vern Shinall (Klingsor), Paul Plishka (Titurel), Dana Talley (Erster Gralsritter), Philip Booth (Zweiter Gralsritter) / Vier Knappen: Elizabeth Volkman, Ariel Bybee, Charles Anthony und John Carpenter / Blumenmädchen: Betsy Norden, Louise Wohlafka, Elizabeth Volkman, Alma Jean Smith, Loretta Di Franco und Isola Jones / Altsolo: Isola Jones / Chorus and Orchestra of the Metropolitan Opera House, New York / Chorltg.: David Stivender / Dirigent: James Levine (New York, Metropolitan Opera House, New York, 14. 4. 1979) Bisher unveröffentlicht.


    "Ein Wagner-Konzert": ('Tristan und Isolde': Liebestod - 'Götterdämmerung': Brünnhildes Schlussgesang) / Das Sinfonie-Orchester des Norddeutschen Rundfunks Hamburg / Dirigent: Hans Knappertsbusch (Hamburg, Musikhalle, 24. 3. 1963) 'Tahra' (CD) Ferner standen die Vorspiele zum 1. und 3. Akt der "Meistersinger von Nürnberg", das Vorspiel zum 1. Akt aus "Tristan und Isolde" und das "Siegfried-Idyll" auf dem Programm, alles dirigiert von Hans Knappertsbusch. ('Brünnhildes Schlussgesang' sang Christa Ludwig auch anlässlich des Gastspiels der Deutschen Oper Berlin in einem Konzert in Tokyo unter der Leitung von Karl Böhm am 22. 10. 1963.)


    "Genesis" (Wagner-Régeny): Der Chor der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Richard Rossmayer / Die Wiener Symphoniker / Dirigent: Hans Swarowsky (Wien, Konzerthaus, 18. 6. 1957 - Sendung des ORF am 20. 6. 1957) Bisher unveröffentlicht. Ursprünglich sollte Lovro von Matacic dirigieren; Hans Swarowsky sprang für ihn ein. Dieses Konzert brachte die österreichische Erstaufführung - am 27. 11. 1956 sang Hertha Töpper in Leipzig unter Herbert Kegel die Uraufführung dieser Kantate. (Siehe auch die Einträge zu Rolf Liebermanns "Streitlied zwischen Leben und Tod" und Kurt Weills "Die Bürgschaft".)


    "Die Bürgschaft" (Weill): (Anna Mattes) mit Frans Andersson (Johann Mattes), Frederick Guthrie (David Orth), Kurt Equiluz (Jakob Orth / Der Ackerverkäufer) sowie Herbert Handt, Karl Weber und Ottokar Schöfer (Die Dreierbande) / Der Chor der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Richard Rossmayer / Die Wiener Symphoniker / Dirigent: Hans Swarowsky (Wien, Konzerthaus, 18. 6. 1957; gesendet am 20. 6. 1957 im ORF) Bisher unveröffentlicht. Aus dieser 1932 in Berlin am Deutschen Opernhaus uraufgeführten Oper Kurt Weills wurden in diesem Konzert das Vorspiel (ca. 15 Min.) und das Finale des 1. Aktes (ca. 25 Min.) aufgeführt.


    Es folgt noch ein weiterer Abschnitt!

    Hallo,


    heute folgen die Nummern 29 bis 42 von “Stimmen, die um die Welt gingen...”!


    Nr. 29 / 1990 / Erna Berger (Biographie und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Ulrich Dahmen, Franz Werner Halft, Günter Meyer, Joachim Vierrath, Jens-Uwe Völmecke u. a. / 89 Seiten)


    Nr. 30 / 1990 / Marcel Wittrisch (Discographie-Nachtrag von Joachim Vierrath - unterstützt von Siegfried Augustin, Werner E. Vornehm und Günter Walter / 39 Seiten) / Rudolf Schock (Schellackplatten-Discographie von Günter Walter - unterstützt von Günter Meyer und Helmut Waschinski / 19 Seiten) / Heinrich Knote (Discographie-Nachtrag von Günter Walter / 3 Seiten) / Richard Schubert (Discographie-Nachtrag von Günter Walter / 2 Seiten)


    Nr. 31 / 1991 / Cornelis Bronsgeest (Essay von Dietrich-Cornelis Bronsgeest und Biographie von Günter Walter / 45 Seiten) / Discographie von Günter Walter - unterstützt von Franz Werner Halft, Günter Meyer und Jürgen E. Schmidt / 26 Seiten) / 'Enrico Caruso – Le dernier fois' (Essay von Cornelis Bronsgeest / 4 Seiten)


    Nr. 32 / 1991 / Ivar Andresen (Kurzbiographie von Stefan Zadejan mit Essay und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Björn Englund und Jürgen E. Schmidt / 31 Seiten) / Riccardo Stracciari (Discographie von Jürgen E. Schmidt / 9 Seiten) / Karl Schmitt-Walter (Discographie-Nachtrag von Manfred Jakobs / 12 Seiten) / Viorica Ursuleac (Discographie-Nachtrag von Michael Müller / 2 Seiten) / Marcel Wittrisch (Discographie-Nachtrag von Hans Klaßen / 1 Seite) / Wilhelm Strienz (Diskographie-Nachtrag von Donald McClure / 1 Seite) / Cornelis Bronsgeest (Beitrag von Eva Maria Siefert / 2 Seiten)


    Nr. 33 / 1991 / Irmgard Seefried (1. Teil) (Biographie - mit Selbstzeugnissen der Sängerin - von Jakob Vieten; Discographie von Jakob Vieten - unterstützt von Gottfried Kraus, Manfred Krugmann, René Pattivael, Johan Vlaanderen und Ken Wyman / 111 Seiten)


    Nr. 34 / 1991 / Peter Klein (Biographie und Discographie von Siegfried Augustin / 44 Seiten) / Eva Maria Siefert (Selbstbiographie von Eva Maria Siefert sowie Essay und Discographie von Günter Walter / 13 Seiten) Ivar Andresen (Biographie-Nachtrag von Franz Werner Halft / 10 Seiten) / 'Fritz Wunderlich' (Buchrezension von Siegfried Augustin / 2 Seiten) / 'Mozart-Sänger' (Essay, vermutlich von Siegfried Augustin / 7 Seiten) / "Aida" Mailand 1928 (CD-Rezension von Johan Vlaanderen / 1 Seite)


    Nr. 35 / 1992 / Willi Domgraf-Fassbaender (Biographie und Discographie von Joachim Vierrath - unterstützt von Ulrich Dahmen, Dietrich Großherr und Günter Walter / 76 Seiten) / Elisabeth Grümmer (Discographie von Jakob Vieten / 2 Seiten) / "Die verkaufte Braut" London 1939 (CD-Kritik von Ulrich Dahmen / 2 Seiten)


    Nr. 36 / 1992 / Fritz Vogelstrom (Biographie von Günter Walter - unterstützt von Günter Meyer / 43 Seiten) / Gitta Alpar (Discographie von Jens-Uwe Völmecke / 10 Seiten) / Willi Domgraf-Fassbaender (Discographie-Nachtrag von Jens-Uwe Völmecke / 1 Seite) / Sigrid Onegin (Discographie-Nachtrag von Arnt-Enno Worm / 3 Seiten) / 'Discographie Erich Kleiber' (Buchbesprechung von Jakob Vieten / 2 Seiten)


    Nr. 37 / 1992 / Trude Eipperle (Biographie und Discographie von Joachim Vierrath / 75 Seiten) / Germaine Féraldy (Kurzbiographie und Discographie von Jakob Vieten / 3 Seiten) / "Manon" Paris 1928/1929 (CD-Kritik von Jakob Vieten / 9 Seiten)


    Nr. 38 / 1992 / Irmgard Seefried (2. Teil) (Discographie - als Nummernkatalog mit Rezensionen - von Jakob Vieten / 130 Seiten)


    Nr. 39 / 1993 / Georg Hann (Biographie und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Helga Schmidt, Manfred Jakobs, Gerhard Püls, Jens-Uwe Völmecke u. a. / 76 Seiten) / Erna Sack (Foto-Beitrag von Jürgen Schäfer / 4 Seiten) / Clara Ebers (Biographie von Jürgen Schäfer / 4 Seiten)


    Nr. 40 - 41 / 1993 / Doppelnummer: Peter Anders (Erweiterte Fassung des Heftes Nr. 16 von 1987 / Biographie und Discographie von Joachim Vierrath - unterstützt von Siegfried Augustin, Armin Bürgy, Ulrich Dahmen und Jens-Uwe Völmecke / 172 Seiten)


    Nr. 42 / 1993 / Josef Mann (Biographie und Discographie von Günter Walter / 35 Seiten) / Theodor Bertram (Discographie von Axel Weggen - unterstützt von Ulrich Dahmen, Franz Lechleitner, Günter Meyer, Christopher Norton-Welsh und Alfred Seiser / 11 Seiten) / Erna Berger (Discographie-Nachtrag von Günter Walter - unterstützt von Ulrich Dahmen, Alfred Fassbind, Floris Juynboll, Peter Kotz und Joachim Vierrath / 16 Seiten) / Tino Pattiera – Zwei Homocord-Aufnahmen (Beitrag von Ulrich Dahmen / 1 Seite) / 'Die Kölner Oper' (CD-Kritik von Günter Walter / 1 Seite) / 'W. R. Moran: The Recorded Legacy of Enrico Caruso' (Buchrezension von Jakob Vieten / 5 Seiten) / 'Verviers – Cent ans d'art lyrique' (Buchrezension von Jakob Vieten / 3 Seiten) / 'Opern-Nachschlagewerke' (Buchrezensionen von Jakob Vieten / 2 Seiten)


    LG


    Carlo

    Hallo, 'Taminos'!


    Schön, dass an August Seider erinnert wird.


    Obwohl er eine lange, internationale und auch erfolgreiche Karriere vorzuweisen hatte, ist dieser Tenor im Bewusstsein der Melomanen nicht verankert, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass er ein relativ schmales discographisches Erbe hinterlassen hat. Wie so viele andere großvolumige Stimmen war sein mächtiges Organ schwierig mit dem Mikrofon 'einzufangen' und es fehlte ihm wohl auch manchmal etwas die Fähigkeit, den Sinn hinter dem gesungenen Text akustisch umzusetzen.


    Zu seiner Glanzzeit, den 30er und 40er Jahren, stand hauptsächlich das Stimmmaterial im Vordergrund für die Beurteilung eines Sängers und hier konnte Seider mit seiner riesigen, durchschlagskräftigen Stimme punkten; darstellerische Fähigkeiten – der Tenor war von hünenhafter Gestalt - waren damals beim Einsatz von 'Heldentenören' noch kein ausschlaggebendes Kriterium.


    Dabei beschränkte sich Seider nicht nur auf das deutsche Fach, er sang oft auch Verdi („Aida“ und „Otello“), Puccini („Tosca“), Leoncavallo („Der Bajazzo“) und Bizets „Carmen“. Auch im Ausland sang er seine Partien stets in deutscher Sprache, z. B. seinen 'Tristan' im Februar 1950 in Rom innerhalb eines italienisch singenden Ensembles (mit Maria Callas, Elena Nicolai, Benvenuto Franci und Giulio Neri unter Leitung von Tullio Serafin). Einer seiner großen Erfolge war die deutsche Erstaufführung von Franco Alfanos „Cyrano de Bergerac“ 1942 in Leipzig (in Anwesenheit des Komponisten). Später übernahm der Tenor zunehmend die Charakterpartien seines Stimmfachs, 'Herodes' und 'Aegisth' oder z. B. 1963 in Paris der 'Tambourmajor' im „Wozzeck“ unter Pierre Boulez.


    Ich habe (ausser der Kurzfassung des „Rienzi“ von 1937, den Szenen aus dem „Freischütz“ von 1943 und dem für den amerikanischen Markt produzierten „Tannhäuser“ von 1951 - bei der Schallplatteneinspielung des „Lohengrin“ 1951 war Seider indisponiert und wurde durch den schweizer Tenor George Vincent ersetzt) zwei LP-Doppelalben (von 'Historia' und 'Melodram') mit Aufnahmen dieses Sängers, deren Inhalt mit den beiden CDs von 'Gebhardt' grob übereinstimmt. Leider sind seine Aufnahmen mit 'Rheinliedern' und zwei Liedern von Franz Lehár bisher nicht wieder veröffentlicht worden.


    August Seider war lange Jahre, auch nach seinem Bühnenabschied 1967, der bayerische Landesvorsitzende der 'Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger'; 1989 ist er in München im Alter von 88 Jahren gestorben. Im März 1986 widmete ihm Günter Walter in seiner Publikationsreihe „Stimmen, die um die Welt gingen...“ zum 85. Geburtstag ein Heft mit einem langen Essay von Rudolf Wahl und mit kompletter Discographie – siehe das „Tamino“-Thema „Schelllackschätze – Fenster in die Vergangenheit“.


    LG


    Carlo

    Hallo,


    der 'Neue Merker' hat im Juni 1998 zum Gedenken an Wolfgang Fassler ein Sonderheft (58 Seiten mit zahlreichen - auch privaten - Fotos, Interviews, Kritiken und vielen Statements seiner Kollegen) veröffentlicht.


    LG


    Carlo

    Hallo, Hans Heukenkamp!


    Die Dir von 'Fiesco' empfohlene Aufnahme der 'Erato' wurde am 20. 12. 1957 und vom 15. bis 31. 1. 1958 aufgenommen – allerdings nur in mono und mit einigen Strichen!. Régine Crespin singt hier, wie in der französischen Erstaufführung am 21. 6. 1957, die neue Priorin, Mme. Lidoine; die alte Priorin, Mme. de Croissy, ist Denise Scharley. Poulencs 'Muse', Denise Duval, singt die Blanche, die Constance ist Liliane Berton und die Mère Marie Rita Gorr. Xavier Depraz und Paul Finel verkörpern Vater und Sohn de la Force und Louis Rialland ist der Beichtvater..


    Régine Crespin ist als Mme. de Croissy in einem Live-Konzert von Radio-France aus dem Théâtre des Champs-Elysées vom 25. 4. 1980 (gesendet am 21. 6. 1980) zu hören. Weiter wirken Felicity Lott (Blanche), Jocelyne Chamonin (Mme. Lidoine), Anne-Marie Rodde (Constance), Geneviève Barrial (Mère Marie), Pierre D'Hollander (Marquis de la Force), Leonard Pezzino (Chevalier de le Force) und Bernard Plantey (Beichtvater) mit; der Dirigent ist Jean-Pierre Marty mit dem Orchestre National de France sowie dem Chor von Radio-France. Die Aufnahme wird vom INA (Institut national de l'audiovisuel) in Paris als Download angeboten.


    Rita Gorr, die 1957 noch die Partie der Mère Marie sang, verkörpert in der bei 'Virgin' herausgebenen Einspielung von 1990 die Mme. de Croissy, während Rachel Yakar die Mme. Lidoine singt. Blanche ist Catherine Dubosc, Brigitte Fournier die Constance und Martine Dupuy die Mère Marie. José van Dam, Jean-Luc Viala und Michel Sénéchal sind als Marquis, Chevalier und als Beichtvater zu hören. Der Dirigent ist Kent Nagano mit Chor und Orchester der 'Opéra de Lyon'.


    Leider hat der ORF nicht die Erstaufführung vom 14. 2. 1959 an der Wiener Staatsoper übertragen. Hier sangen - im Gegensatz zu der von 'Rheingold1876' genannten Aufführung vom 8. 11. 1961 - Irmgard Seefried (Blanche), Alfred Poell (Marquis), Ivo Zidek (Chevalier), Anton Dermota (Beichtvater) und Carlo Schmidt (Arzt); Heinrich Hollreiser war der Dirigent; das Team der Mailänder Uraufführung – die Regisseurin Margherita Wallmann und der Ausstatter Georges Wakhewitch – wurde auch in Wien eingesetzt. Ansonsten war 1959 die Besetzung die gleiche wie 1961.


    Abgesehen von einigen Video-Mitschnitten gibt es zwei neuere CD-Ausgaben von Live-Aufnahmen: a) bei 'Chandos' (in englischer Sprache – English National Opera, 2005) mit Catrin Wyn-Davies (Blanche), Felicity Palmer (Mme de Croissy), Orla Boylan (Mme. Lidoine), Sarah Tynan (Constance) und Josephine Barstow (Mère Marie) unter Paul Daniel und b) bei 'Oehms' (Theater an der Wien, 2011) mit Sally Matthews (Blanche), Deborah Polaski (Mme. de Croissy), Heidi Brunner (Mme. Lidoine), Hendrickje van Kerckhove (Constance) und Michelle Breedt (Mère Marie) mit Bertrand de Billy am Dirigentenpult.


    Und schließlich gibt es noch den Mitschnitt der Uraufführung an der Mailänder Scala vom 26. 1. 1957, in der italienischen Übersetzung von Flavio Testi. Die Besetzung: Virginia Zeani (Blanche), Gianna Pederzini (Mme. de Croissy), Leyla Gencer (Mme. Lidoine), Eugenia Ratti (Constance), Gigliola Frazzoni (Mère Marie), Scipio Colombo (Marquis), Nicola Filacuridi (Chevalier) und Alvinio Misciano (Beichtvater); der Dirigent war Nino Sanzogno. Die Schallplatten erschienen in den USA bei 'Legendary Recordings'.


    Die deutsche Erstaufführung war übrigens am 14. 7. 1957 im neuen Kölner Opernhaus in einer Inszenierung von Erich Bormann unter dem Dirigenten Wolfgang von der Nahmer. In den Hauptrollen sangen Käthe Möller-Siepermann (Blanche), Lilian Benningsen (Mme. de Croissy), Walburga Wegner (Mme. Lidoine), Rita Bartos (Constance) und Natalie Hinsch-Gröndahl (Mère Marie). Für die amerikanische Erstaufführung am 20. 9. 1957 im War Memorial Opera House in San Francisco verpflichtete man Dorothy Kirsten (Blanche), Claramae Turner (Mme. De Croissy), Leontyne Price (Mme. Lidoine), Sylvia Stahlman (Constance) und Blanche Thebom (Mère Marie) – der Dirigent war Erich Leinsdorf. Und schließlich gab es bereits am 8. 12. 1957 eine TV-Inszenierung von Kirk Browning bei der amerikanischen NBC mit Elaine Malbin (Blanche), Patricia Neway (Mme. De Croissy), Leontyne Price (Mme. Lidoine), Judith Raskin (Constance) und Rosemary Kuhlmann als Mère Marie.


    Lieber 'Souffleur',


    wie ich bereits in meinem Beitrag Nr. 10 schrieb, hat Georges Bernanos (1888 – 1948) kurz vor seinem Tode lediglich die Dialoge zu dem Szenarium des Dominikanerpaters Raymond Bruckberger (in Zusammenarbeit mit dem Kameramann Philippe Agostini) nach Gertrud von le Forts Novelle „Die Letzte am Schafott“ für einen geplanten Film geschrieben, der aber erst 1959 realisiert wurde („Le Dialogue des Carmélites“, sic!) und 1960 mit dem Titel „Opfergang einer Nonne“ in die deutschen Kinos kam.


    Marcelle Tassencourt und Albert Béguin formten die Dialoge von Bernanos zu einem Theaterstück, das am 14. 6. 1951 in der deutschen Übersetzung von Eckart Peterich und in der Inszenierung von Oskar Wälterlin als „Die begnadete Angst“ am Züricher Schauspielhaus – noch vor der Aufführung an einem französischsprachigen Theater – zur Uraufführung kam. Das Stück, das wegen der vielen Szenenwechsel schwierig zu inszenieren ist und seine Herkunft als Film-Drehbuch nicht verbergen kann, wurde vom Publikum und der Kritik aber nicht angenommen und ist heute wohl nur noch den älteren deutschen Fernsehzuschauern als eindringliche TV-Inszenierung von 1958 ein Begriff – oder eben als Vorlage für die Oper „Les Dialogues des Carmélites“. Francis Poulenc adaptierte den Text des Schauspiels – mit zahlreichen Strichen – und benötigte vier Jahre für die Komposition. Heute ist die Oper als ein Hauptwerk des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts anerkannt und es gibt wohl kein größeres Opernhaus, in dem sie nicht aufgeführt wurde.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo,


    der vierte Teil der Aufnahmen von und mit Christa Ludwig beinhaltet folgende Werke:


    "Der lustige Krieg" (Strauß): (Artemisia, Fürstin von Massa-Carrara) mit Dorothea Siebert (Gräfin Violetta Lomelli), Waldemar Kmentt (Oberst Umberto Spinola), Erich Majkut (Marchese Sebastiano) und Eberhard Waechter (Fortunato Franchetti und der Tulpenhändler Balthasar Groot) / Der Chor der Wiener Staatsoper / Die Wiener Symphoniker / Dirigent: Eduard Strauss (Wien, ca. 1956). Eine Szenenfolge für die Schallplatte, Gesamtdauer ca. 26 Minuten. 'Hamburger Archiv für Gesangskunst' (CD, gekoppelt mit Ausschnitten einer weiteren Schallplatten-Aufnahme - Interpreten: Elisabeth Roon, Gerda Scheyrer, Elfriede Hofstetter, Waldemar Kmentt, Rudolf Kreuzberger und Georg Oeggl / Der Akademie-Kammerchor / Die Wiener Symphoniker / Dirigent: Karl von Pauspertl). Christa Ludwig ist in den beiden Soloszenen der Artemisia "Durch Wald und Feld bin ich geirrt ... Schon sank die Sonne nieder" und "Mit ihrer Haltung bin ich zufrieden ... Kommandiert, instruiert, hab' ich manche Kompagnie" zu hören, leider sind alle Ausschnitte rabiat gekürzt.


    "Der Rosenkavalier" (Strauss): (Octavian) mit Lisa Della Casa (Die Feldmarschallin), Elisabeth Söderström (Sophie), Thelma Votipka (Marianne Leitmetzerin), Belén Amparán (Annina), Mary Fercana (Eine Modistin), Oskar Czerwenka (Baron Ochs), Ralph Herbert (Herr von Faninal), Alessio De Paolis (Valzacchi), Eugenio Fernandi (Ein Sänger), Norman Scott (Der Polizeikommissär), Gabor Carelli (Der Haushofmeister bei der Marschallin), Charles Anthony (Der Haushofmeister bei Faninal), Osie Hawkins (Ein Notar), Paul Franke (Ein Wirt), Kurt Kessler (Ein Tierhändler) u. a. / Chorus and Orchestra of the Metropolitan Opera House, New York / Chorltg.: Kurt Adler / Dirigent: Erich Leinsdorf (Der Mitschnitt dieses 'Saturday Afternoon Broadcast' vom 26. 12. 1959 erschien 2015 bei der canadischen CD-Firma 'Immortal Performances'.)

    dto.: (Octavian) mit Leonie Rysanek (Die Feldmarschallin), Hilda De Groote (Sophie), Emmy Loose (Marianne Leitmetzerin), Margarita Lilova (Annina), Laurence Dutoit (Eine Modistin), Manfred Jungwirth (Baron Ochs), Erich Kunz (Herr von Faninal), Murray Dickie (Valzacchi), William Blankenship (Ein Sänger), Herbert Lackner (Der Polizeikommissär), Harald Pröglhöf (Der Haushofmeister bei der Marschallin), Siegfried Rudolf Frese (Der Haushofmeister bei Faninal), Ljubomir Pantscheff (Ein Notar), Karl Terkal (Ein Wirt), Ewald Aichberger (Ein Tierhändler) u. a. / Der Chor der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Norbert Balatsch / Die Wiener Philharmoniker / Dirigent: Josef Krips (Moskau, Kulturpalast im Kreml, 3. 10. 1971) Ich habe den Mitschnitt vom Gastspiel der Wiener Staatsoper in Moskau auf LPs der russischen 'Melodiia' (1989); die entsprechenden CDs erschienen 1995 bei 'Voce Della Luna'. Ich habe 'die Ludwig' am 25. 6. 1977 in der Pariser Oper als 'Marschallin' gesehen - vier Tage später sprang Helga Dernesch für sie ein. In der opulenten "Rosenkavalier"-Inszenierung des Burgtheater-Direktors Rudolf Steinboeck wirkten Tatiana Troyanos als 'Octavian', Judith Blegen als 'Sophie' und Hans Sotin als 'Ochs' unter Silvio Varviso mit. Da war Christa Ludwig aber bereits wieder ein Mezzosopran und ihr Timbre setzte sich zuwenig von der Stimme der Troyanos ab.


    "Luisa Miller" (Verdi): (Federica d'Ostheim) mit Lilian Sukis (Luisa), Milkana Nikolova (Laura), Franco Bonisolli (Rodolfo), Giuseppe Taddei (Miller), Bonaldo Giaiotti (Conte di Walter), Malcolm Smith (Wurm) und Horst Nitsche (Un contadino) / Der Chor und das Orchester der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Norbert Balatsch / Dirigent: Alberto Erede (Wien, Staatsoper, 23. 1. 1974) 'Ponto' (CD)


    "Don Carlos" (Verdi): (Principessa di Eboli) mit Gwyneth Jones (Elisabetta di Valois), Laurence Dutoit (Tebaldo), Lotte Rysanek (Voce dal cielo), Plácido Domingo (Don Carlo), Kostas Paskalis (Rodrigo, Marchese Posa), Nicolai Ghiaurov (Filippo II), Hans Hotter (Il Grande Inquisitore), Tugomir Franc (Un frate), Heinz Zednik (Conte di Lerma) / Der Chor und das Orchester der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Norbert Balatsch / Dirigent: Berislav Klobucar (Wien, Staatsoper, 25. 5. 1967) 'House of Opera' (CD) Die Auftritte der Fürstin von Eboli sind enthalten in der CD-Box "Christa Ludwig: Rarities" bei 'Gala'. (Die Partie des 'Herold' war in den Wiener Aufführungen von 1964 bis 1979 gestrichen.)


    "Aida" (Verdi): (Amneris) mit Gloria Davy (Aida), Sieglinde Wagner (Priesterin), Jess Thomas (Radames), Walter Berry (Amonasro), Josef Greindl (Ramphis), Tomislav Neralic (König von Ägypten) und Donald Grobe (Ein Bote) / Der Chor der Deutschen Oper Berlin sowie Mitglieder des RIAS-Kammerchors, des Chors der St. Hedwigs-Kathedrale und des Chors der Berliner Hochschule für Musik / Gesamtchorltg.: Walter Hagen-Groll / Das Orchester der Deutschen Oper Berlin / Dirigent: Karl Böhm (Berlin, Deutsche Oper, 29. 9. 1961) Den Rundfunk-Mitschnitt dieser Premiere (in deutscher Sprache) habe ich auf einem alten Tonband; eine CD-Version erschien bei 'Premiere Opera'. (Wie fast alle Wieland-Wagner-Inszenierungen wurde auch diese "Aida" damals sehr kontrovers beurteilt - vom Pharaonenreich der alten Ägypter war die Oper optisch in das 'tiefe' Afrika mit Totem-Pfählen und Voodoo-Zauber bei 'ewiger' Nacht verlegt worden; Gertrud Wagners Choreographie wurde als 'anstößig' empfunden. Da ist man heute viel stärkeren Tobak gewöhnt...)

    dto: (Amneris) mit Lucine Amara (Aida), Margaret Kalil (Sacerdotessa), Richard Tucker (Radames), Cornell MacNeil (Amonasro), Ezio Flagello (Ramfis), Edmond Karlsrud (Il re) und Rod MacWherter (Un messaggiero) / Chorus and Orchestra of the Metropolitan Opera House, New York / Chorltg.: Kurt Adler / Dirigent: Fausto Cleva (New York, Metropolitan Opera House, 28. 11. 1970) Ausschnitte eines 'In House'-Mitschnitts sind von 'Gala' in der Box "Christa Ludwig: Rarities" veröffentlicht worden.


    "Messa da Requiem" (Verdi): mit Amy Shuard, Luigi Ottolini und Nicola Zaccaria / The Philharmonia Chorus and Orchestra, London / Chorltg.: Wilhelm Pitz / Dirigent: Carlo Maria Giulini (London, Royal Festival Hall, 22. 1. 1961) Bisher unveröffentlicht.

    dto.: mit Stefania Woytowicz, Nicolai Gedda und Boris Carmeli / Der Chor des Westdeutschen Rundfunks Köln / Chorltg.: Bernhard Zimmermann / Chor und Sinfonie-Orchester des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Dirigent: Hans Schmidt-Isserstedt (Hamburg, Musikhalle, 10. 4. 1961) 'Andromeda' (CD)

    dto.: mit Pilar Lorengar, Nicolai Gedda und Nicolai Ghiaurov / Die Wiener Singakademie / Chorltg.: Hans Gillesberger / Das Radio-Symphonie-Orchester Berlin / Dirigent: Lorin Maazel (Wien, Konzerthaus, 16. 3. 1963)

    'Opera Depot' (CD)

    dto.: mit Pilar Lorengar, Carlo Bergonzi und Ezio Flagello / Der Chor der Deutschen Oper Berlin / Chorltg.: Walter Hagen-Groll / Die Berliner Philharmoniker / Dirigent: Lorin Maazel (Berlin, Philharmonie, 4. 10. 1968) Bisher unveröffentlicht.

    dto.: mit Angeles Gulin, Nicolai Gedda und Martti Talvela / The New Philharmonia Chorus / Chorltg.: Wilhelm Pitz / L' Orchestre de Paris / Dirigent: Carlo Maria Giulini (Orange, Théâtre Antique, 25. 7. 1971) Bisher unveröffentlicht.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Liebe 'Taminos',


    ich habe gestern die Rundfunkübertragung aus der 'Met' gehört und bin immer wieder von dieser Oper sehr bewegt – ein zeitloses Beispiel für modernes Musiktheater von dauernder Gültigkeit; die Schallplatten mit der Besetzung der französischen Erstaufführung (1957) stehen schon lange in meinem Regal. (2010 gab es hier an der Deutschen Oper am Rhein eine beeindruckende Inszenierung von Guy Joosten mit Anja Silja als Mme. de Croissy, während im gleichen Jahr in München der 'Regie-Berserker' Dmitri Tscherniakov das Ende der Oper änderte – nur Blanche geht auf das Schafott – und damit zwei Gerichtsprozesse verursachte.)


    Die Inszenierung der Metropolitan Opera stammt bereits aus dem Jahre 1977 und wurde damals in englischer Sprache gebracht mit u. a. Maria Ewing (Blanche), Régine Crespin (Mme. de Croissy), Shirley Verrett (Mme. de Lidoine), Betsy Norden (Constance) und Mignon Dunn (Mère Marie). Der Dirigent war Michel Plasson und der Regisseur John Dexter; das Bühnenbild entwarf David Reppa und die Kostüme Jane Greenwood. Auch nach 42 Jahren noch immer eine gültige Inszenierung, die zeigt, dass Gutes seinen Wert behält.


    Übrigens schrieb Georges Bernanos die „Dialogues des Carmélites“ nicht für das Theater, sondern als Drehbuch für einen Spielfilm, der aber erst lange nach seinem Tod realisiert wurde (1959 mit Pascale Audret, Jeanne Moreau, Alida Valli und Madeleine Renaud); in Deutschland trug er den Titel „Opfergang einer Nonne“. Die „Gespräche der Karmeliterinnen“ wurden als Bühnenstück 1951 in Zürich unter dem – wie ich finde – wesentlich besseren Titel „Die begnadete Angst“ uraufgeführt und 1958 in einer oft wiederholten TV-Inszenierung (mit Gertrud Kückelmann, Anne Kersten, Maria Krahn, Ida Ehre und Cordula Trantow) im NDR gesendet.


    Erschütternd ist die historische Tatsache, dass die sechzehn Nonnen des Karmels von Compiègne nur 10 Tage vor dem Sturz Robespierres - und damit dem Ende der Französischen Revolution – das Schafott bestiegen. (Übrigens war unter ihnen auch, anders als bei Bernanos, die frühere Priorin Marie de Croissy. Die Figur der Blanche ist aber eine Erfindung der deutschen Dichterin Gertrud von Le Fort in ihrer Novelle „Die Letzte am Schafott“, die Bernanos als Vorlage diente.) Und schließlich: der Dichter André Chenier starb sogar nur 3 Tage vor der Hinrichtung Robespierres und von 21 seiner Anhänger auf der Guillotine.


    LG


    Carlo

    Hallo, Taminos!


    "Stimmen, die um die Welt gingen..." - hier folgen die Nrn. 15 bis 28:


    Nr. 15 / 1987 / Hans Reinmar (Biographie und Discographie von Jürgen K. Grundheber und Günter Walter - unterstützt von Ulrich Dahmen, Jürgen E. Schmidt, Horst Wahl und Helmut Waschinski / 35 Seiten) / Max Lorenz (LP-Discographie von Siegfried Manthey und Jakob Vieten / 4 Seiten) / Rudolf Schock (Nachrufe / 2 Seiten) / Carl Nebe und Carl Nebe (Beitrag von Axel Weggen / 2 Seiten) / Emmi Leisner (Beitrag von Jürgen E. Schmidt / 1 Seite) / "Die Fledermaus" Berlin 1907/1908 (Discographie von Willy Kyburz / 3 Seiten) / 'Historische Vokalaufnahmen und Bücher in der DDR' (Beitrag von Joachim Vierrath / 1 Seite) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Telefunken, 5. Teil: Telefunken' (von Hansfried Sieben / 9 Seiten) / Serie 'Die Chronik der Sprechmaschine: Das Graphophone, 1. Teil' (von Horst Wahl / 15 Seiten)


    Nr. 16 / 1987 / Peter Anders (Biographie und Discographie von Joachim Vierrath - unterstützt von Jens-Uwe Völmecke / 75 Seiten)


    Nr. 17 / 1987 / Gotthelf Pistor (Biographie und Discographie von Siegfried Augustin - unterstützt von Jürgen E. Schmidt und Günter Walter / 36 Seiten) / Sigrid Onegin (Biographie und Discographie von Willy Kyburz - unterstützt von Christopher Norton-Welsh und Arnt-Enno Worm / 27 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Telefunken, 6. Teil' (von Hansfried Sieben / 9 Seiten) / Serie 'Die Chronik der Sprechmaschine: Das Graphophone, 2. Teil' (von Horst Wahl / 11 Seiten)


    Nr. 18 / 1987 / Conchita Supervia (Biographie und Discographie von Horst Wahl / 53 Seiten) / 'Die spanische Zarzuela' (Essay von Horst Wahl / 17 Seiten) / Die russische Schallplattenfirma "Metropol Rekord" (Beitrag von Georg Moll / 4 Seiten)


    Nr. 19 / 1988 / Paul Knüpfer (Biographie von Erich Kloss, 1907 - Discographie von Jürgen E. Schmidt / 23 Seiten) / Carl Nebe und Carl Nebe (Discographie von Klaus Hohn / 5 Seiten) / Hans Reinmar (Discographie-Nachtrag von Ulrich Dahmen / 1 Seite) / Max Lorenz (Discographie-Nachtrag von Ulrich Dahmen / 2 Seiten) / Alexander Girardi (Biographie von Robert Schlesinger - Discographie von Manfred Weihermüller / 19 Seiten) / 'Deutsche Sänger auf sowjetischen Schallplatten' (Essay von Joachim Vierrath / 4 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Telefunken, 7. Teil' (von Hansfried Sieben / 9 Seiten)


    Nr. 20 / 1988 / Josef Metternich (Selbstbiographie von Josef Metternich / Discographie von Günter Walter - unterstützt von Siegfried Augustin und Jürgen E. Schmidt / 44 Seiten) / 'Jüdische Sänger in Bayreuth' (Vortrag von Peer Baedeker / 8 Seiten) / 'Michael Raucheisens Lied-Edition' (LP-Rezension von Joachim Vierrath / 4 Seiten) / Serie 'Die Chronik der Sprechmaschine: Das Graphophone, 3. Teil' (von Horst Wahl / 15 Seiten)


    Nr. 21 / 1988 / Heinrich Schlusnus (Biographie und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Ulrich Dahmen und Jürgen E. Schmidt / 46 Seiten ) / Gerhard Hüsch (Discographie-Nachtrag von Floris Juynboll / 2 Seiten) / Ljuba Welitsch (Beitrag von Margo Schulze / 3 Seiten) / Arthur Nikisch (Discographie von Günter Walter - unterstützt von Richard Warren / 7 Seiten) / 'Erna Berger' (Buchrezension von Joachim Vierrath / 3 Seiten) / 'Sängerbiographien' (Buch-Verzeichnis von Joachim Vierrath / 5 Seiten)


    Nr. 22 / 1988 / Fritz Krauß (Biographie und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Siegfried Augustin, Ulrich Dahmen und Jürgen K. Grundheber / 37 Seiten) / Viorica Ursuleac (Biographie und Discographie von Ulrich Dahmen / 24 Seiten) / Peter Anders (Discographie-Nachtrag von Joachim Vierrath / 13 Seiten) / Hans Reinmar (Discographie-Nachtrag von Jakob Vieten / 2 Seiten) / Paul Knüpfer (Discographie-Nachtrag von Jakob Vieten / 1 Seite)


    Nr. 23 / 1989 / Meta Seinemeyer (Biographie von Horst Wahl - Discographie von Floris Juynboll, Jürgen E. Schmidt und Horst Wahl / 31 Seiten) / Helene Wildbrunn (Kurzbiographie und Discographie von Jürgen E. Schmidt und Günter Walter / 6 Seiten) / Viorica Ursuleac (Discographie-Nachtrag von Manfred Krugmann / 2 Seiten) / Fritz Krauß (Discographie-Nachtrag von Ulrich Dahmen / 1 Seite) / Josef Metternich (Danksagung von Josef Metternich und Discographie-Nachtrag von Hermann-Götz Schweizer / 1 Seite) / 'Schallplattenfunde' (Helge Rosvaenge, Paul Kötter, Maximilian Carlowitsch Maxakov) von Jens-Uwe Völmecke / 2 Seiten) / Serie 'Die Chronik der Sprechmaschine: Das Graphophone, 4. Teil' (von Horst Wahl / 17 Seiten)


    Nr. 24 / 1989 / Wilhelm Strienz (Biographie und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Joachim Vierrath und Jens-Uwe Völmecke / 51 Seiten) / Helga Kosta (Biographie und Discographie von Michael Schimmrich - unterstützt von Susi Kiener, Helga Kosta und Silvia Maurer-Laug / 53 Seiten) / Frida Leider (LP-Discographie von Jakob Vieten / 7 Seiten)


    Nr. 25 / 1989 / Heinrich Knote (Biographie und Discographie von Günter Walter / 66 Seiten) / Programmzettel der Bayerischen Staatsoper München von Vorstellungen mit Heinrich Knote (8 Seiten)


    Nr. 26 / 1989 / Marcel Wittrisch (Biographie und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Jürgen K. Grundheber / 43 Seiten) / LP-Recitals von Irmgard Seefried (Essay und Discographie von Jakob Vieten / 9 Seiten) / Helga Kosta (Danksagung von Helga Kosta / 1 Seite) / "Die Fledermaus"-Aufnahmen mit Peter Anders (CD-Kritik von Joachim Vierrath / 9 Seiten) / 'Rundfunkportraits von Sängern' (Essay von Joachim Vierrath / 8 Seiten) / 'Historische Vokalaufnahmen in der DDR' (Beitrag von Joachim Vierrath / 1 Seite)


    Nr. 27 / 1990 / Erna Sack (Biographie und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Jürgen Schäfer und Helmut Waschinski / 31 Seiten) / Richard Schubert (Biographie und Discographie von Ulrich Dahmen - unterstützt von Jürgen E. Schmidt und Günter Walter / 29 Seiten) / Wilhelm Strienz (Discographie-Nachtrag von Jan Kaay, Jakob Vieten und Helmut Waschinski / 5 Seiten) / August Seider (Nachruf von Rudolf Wahl / 1 Seite) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Telefunken, 8. Teil' (von Hansfried Sieben / 7 Seiten)


    Nr. 28 / 1990 / Tino Pattiera (Biographie und Discographie von Hans Klaßen - unterstützt von Siegfried Augustin, Peer Baedeker, Ulrich Dahmen und Jürgen E. Schmidt / 64 Seiten) / Fritz Busch (Biographie von Günter Walter / 4 Seiten)


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo, Rüdiger!


    Ja, es war Dietrich Fischer-Dieskau, dem wir 'verdanken', dass die „Capriccio“-Aufnahme unter Wolfgang Sawallisch nur monaural aufgenommen wurde – ausgerechnet diese Oper mit ihren zahlreichen Parlando-Stellen und dem fast kammermusikalischen Orchester-Satz. (Dies war – nach Fricsays „Fidelio“ - erst die zweite Opernaufnahme in der neuen Zweikanaltechnik für den Bariton und er war nicht der Einzige, der damals damit Probleme hatte.)


    Merkwürdigerweise hat Dietrich Fischer-Dieskau nicht Hermann Prey, sondern stets Eberhard Wächter als seinen großen Rivalen betrachtet, worauf auch zurückzuführen ist, dass er relativ wenig an der Wiener Staatsoper gesungen hat, wo der Österreicher – abgesehen vom „Eugen Onegin“ - das Rollen-Repertoire Fischer-Dieskaus sang. (Immerhin hat er in seinen Memoiren Eberhard Wächter lobend erwähnt, als dieser für ihn den 'Prospero' in der Uraufführung von Frank Martins „Der Sturm“ 1956 an der Wiener Staatsoper übernahm, weil Dietrich Fischer-Dieskau die eigens für ihn komponierte Shakespeare-Oper wegen einer schweren Fischvergiftung nicht singen konnte.)


    1961 kam es in Bayreuth im „Tannhäuser“ zum Zerwürfnis zwischen Dietrich Fischer-Dieskau und Wieland Wagner - Streitpunkt war ein angeblich mittelalterlicher Jägerhut mit Ohrenklappen für den Auftritt 'Wolframs' im 1. Akt, der den Sänger in seinem Hörvermögen beeinträchtigte. Als der Bariton sich weigerte, diesen Hut zu tragen und den Regisseur darauf hinwies, dass die vom Bayreuther Kostümbildner Kurt Palm entworfene Kopfbedeckung keineswegs 'mittelalterlich' war, sondern auf italienischen Gemälden der Früh-Renaissance abgebildet ist, wurde er künftig nicht mehr nach Bayreuth 'eingeladen'. Für die „Tannhäuser“-Vorstellungen des folgenden Jahres verpflichtete Wieland Wagner ausgerechnet Eberhard Wächter – und auch der sang ohne den bewussten Hut!


    Da es aber hier in erster Linie um Lisa Della Casa geht: Danke, Rüdiger, für die Dokumentation über den „Füsilier Wipf“, der schon mehrfach auf '3sat' zu sehen war und einer der bekanntesten schweizer Spielfilme ist. Zwei Jahre später drehte die Sängerin 1940 noch einen Film mit Paul Hubschmid, u. z. „Mir lönd nöd lugg“ (zu deutsch etwa „Wir lassen nicht locker“) mit dem zweiten Titel „Menü uf Löbeszyt“ („Menü auf Lebenszeit“). Diesmal spielte sie die weibliche Hauptrolle und sang auch ein Volkslied (`O du lieb's Ängeli, Rosmarinstängeli`) - ihre früheste veröffentlichte Gesangsaufnahme!


    LG


    Carlo

    Hallo,


    als Nachtrag zu der in den Beiträgen Nrn. 1 und 7 gezeigten CD-Aufnahme des „Fantasio“ ist es vielleicht interessant zu wissen, dass die Rolle der deutschen Prinzessin Elsbeth ursprünglich auch mit einer deutschen Sopranistin, nämlich Marlis Petersen, besetzt war. Die Amerikanerin Brenda Rae sprang für die Aufnahme im Dezember 2013 und das darauf folgende Konzert am 15. 12. 2013 in der Londoner Royal Festival Hall kurzfristig ein.


    Diese preisgekrönte Aufnahme (u. a. Vierteljahresliste 'Echo Klassik 2014') hätte die Reputation Marlis Petersens sicher gesteigert, denn ihre Karriere auf Tonträgern dümpelt vor sich hin, während ihre Bühnenauftritte internationale Erfolge waren und sind. (Wenn ich das richtig sehe, hat Marlis Petersen noch keinen eigenen Thread!)


    Nebenbei gesagt, ist Mark Elder, der Dirigent dieser „Fantasio“-Einspielung, hier als Dialogsprecher und auch kurz als Sänger zu hören.


    LG


    Carlo

    Hallo, 'wega'!


    „Der Goldschmied von Toledo“ ist keine Original-Operette von Jaques Offenbach, sondern ein Pasticcio mit Musik aus diversen Werken dieses Komponisten, uraufgeführt in Mannheim 1919 zum 100. Geburtstag Offenbachs. Die Handlung lehnt sich lose an E. Th. A. Hoffmanns Erzählung „Das Fräulein von Scuderi“ an, die auch Paul Hindemith für seine Oper „Cardillac“ als Vorbild diente. Ich weiß nur von zwei Aufnahmen der Tenor-Serenade „Lieblichste aller Frauen“: a) mit Julius Patzak, einem Chor und der Berliner Staatskapelle unter Julius Prüwer von 1931 (veröffentlicht auf der 'Preiser'-CD 89174) und b) mit Herbert Ernst Groh, einem Chor und dem Odeon-Künstlerorchester unter Otto Dobrindt, erschienen auf einer Schelllackplatte in den 40er Jahren bei der Firma 'Odeon' und enthalten in der CD-Box „Festival der großen Tenöre“ von 'Profil/Hänssler'.


    „Les Géorgiennes“ ist eine Opéra-bouffe von Offenbach aus dem Jahre 1864, die mit so großem Erfolg im gleichen Jahr in Wien – als „Die schönen Weiber von Georgien“ - aufgeführt wurde, dass Eduard Strauss eine Quadrille (op. 168) auf Themen aus diesem Werk komponierte. Es gibt davon eine Aufnahme aus Bratislava von 1995 mit dem Razumovsky Symphony Orchestra unter Alfred Eschwé, veröffentlicht auf der CD „Eduard Strauss Edition, Vol. 11“ bei 'Marco Polo' (8.223571) (Die Quadrille hat eine Spieldauer von 5,30 Minuten.) Sonst ist mir keine weitere Aufnahme aus den „Georgierinnen“ bekannt.


    Da es sich hier aber in erster Linie um Offenbachs „Fantasio“ handelt - wahrscheinlich ist nicht bekannt, dass es schon 1957 eine deutsche Rundfunk-Aufnahme gegeben hat, u. z. diese mit folgender Besetzung:


    „Fantasio oder Der Narr des Königs“ (Komische Oper in drei Akten) Der König von Bayern – Sigmund Roth / Elisabeth, seine Tochter – Valerie Bak (Dinah Hinz) / Flamel, eine Kammerfrau – Gisela Litz / Der Prinz von Mantua – Carl Hoppe (Horst Beck) / Marinoni, sein Adjutant – Willy Hofmann (Manfred Steffen) / Fantasio, ein Student – Helmut Krebs (Hermann Lenschau) / Die Studenten Sparck, Facio und Hartmann – Horst Günter, Rupert Glawitsch und Karl Otto / Ein Leidtragender – Horst Sellenthin / Ein Pförtner – Hartwig Stuckmann (George Simon Schiller) / Ein Schließer – Ernst Max Lühr (Hermann Enderlein) / Ein Bürger – Karl Alberti / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Wilhelm Stephan / Dialogregie: Otto Kurth (Hamburg, Funkhaus, 15. 1. - 19. 1. 1957) (In Klammern die Namen der Dialogsprecher) Welche Bearbeitung dieser Rundfunk-Produktion zugrunde gelegen hat, kann ich nicht sagen; die Spieldauer betrug 92 Minuten.


    Am 21. 6. 2019 wird der „Fantasio“ als halbszenische Aufführung in der Produktion der niederländischen 'Opera Zuid' in der Kölner Philharmonie vorgestellt:


    „Fantasio“ (Opéra comique en trois actes) Der König von Bayern – Huub Claessens (Bass) / Prinzessin Elsbeth – Anna Emelyanova (Sopran) / Flamel, Page der Prinzessin – Francis van Broekhuizen (Mezzosopran) / Der Prinz von Mantua – Roger Smeets (Bariton)/ Marinoni, Adjutant des Prinzen – Thomas Morris (Tenor) / Fantasio, Student – Romie Estèves (Mezzosopran) / Die Studenten Sparck, Facio, Hartmann und Max – Ivan Thirion, Jeroen de Vaal, Rick Zwart und Jacques de Faber / De Philharmonie Zuidnederland / Dirigent: Enrico Delamboye (Das Konzert wird live auf 'philharmonie.tv' übertragen!) Aufgeführt wird das Werk, das ausdrücklich als 'Opéra comique' bezeichnet wird, in der Revision von Jean-Christophe Keck auf Basis des gedruckten Klavierauszugs von 1871 und der Partitur der deutschsprachigen Wiener Erstaufführung 1872.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo, Rüdiger!


    Ich kann mich an einen Artikel aus "The Gramophone" erinnern, in dem es um die frühen Stereo-Aufnahmen ging. Die HMV versuchte sich schon 1955 an der neuen Technik und nahm z. B. "Le nozze di Figaro" unter Vittorio Gui schon im Juli 1955 stereophon auf, im Mai 1956 folgte "Die Entführung aus dem Serail" unter Thomas Beecham - Produzent beider Opern war Lawrance Collingwood. Die 'Columbia' mit Walter Legge nahm aber im Mai 1956 den "Barbier von Bagdad" noch in mono auf!


    Christopher Parker hat in dem obengenannten Artikel berichtet, dass er in einem kleinen Zimmer neben dem Kontrollraum seine Stereo-Aufnahmeapparatur installiert hatte und beispielsweise den "Rosenkavalier" während der Aufnahmen in der Kingsway Hall im Dezember 1956 auf Wunsch Herbert von Karajans mitschnitt. Die Aufstellung der Mikrofone für die Stereo-Klangbühne war mit dem 'Mono-Techniker' Douglas Larter abgestimmt worden, wodurch aber nur eine eingeschränkte Tiefenwirkung erzielt werden konnte. Es handelt sich also um eine einzige Aufnahme, die aber mit verschiedener Technik simultan festgehalten wurde.


    Walter Legge stand anfangs der Stereotechnik kritisch gegenüber und meinte, er habe nicht jahrelang nach einem idealen Mischklang für seine Aufnahmen gesucht, um diesen Klang nun wieder auffächern zu müssen. Er kümmerte sich nicht um die Arbeit Parkers und hörte im Kontrollraum - der anfangs noch keine Möglichkeit zur Wiedergabe von stereophonen Bändern bot - nur Larters monaurale Aufnahmen ab.


    Das führte zu dem von mir geschilderten Vorfall, dass ein Sänger in der "Capriccio"-Aufnahme vom September 1957 glaubte, sein Konkurrent sei durch die Mikrofonaufstellung akustisch bevorzugt worden. Er verlangte, dass die stereophon begonnene Aufnahme monaural fortgesetzt würde und Legge, der wie gesagt, nicht von der Stereotechnik überzeugt war, gab klein bei; zuvor war bereits der "Falstaff" im Juni 1956 auf Wunsch Karajans stereophon eingespielt worden. Übrigens entstanden auch die Aufnahmen von "Die Kluge" (Mai 1956) und "Der Mond" (März 1957) nur deshalb in stereo, weil Carl Orff, der bei beiden Aufnahmen anwesend war, darauf bestand.


    Zum Schluss noch ein interessantes Detail: sowohl Christa Ludwig wie auch Teresa Stich-Randall waren in diesem "Rosenkavalier" nur 'zweite Wahl', denn ursprünglich sollten Irmgard Seefried und Rita Streich den 'Octavian' und die 'Sophie' singen. Doch die Seefried war exclusiv zur Konkurrenz (Deutsche Grammophon Gesellschaft) gewechselt und die Streich war hochschwanger und wollte nicht nach London fliegen. (Beide Sängerinnen haben am Anfang der 50er Jahre sowohl bei der EMI wie bei der DGG aufgenommen, wurden dann aber durch Verträge ausschließlich an die DGG gebunden.) Übrigens war Karajan auch skeptisch, was Christa Ludwig anging, die er ja als Kind in Aachen kennen gelernt hatte; er konnte nicht glauben, dass sie eine vollgültige Sängerin geworden war und ließ sie erst einmal vorsingen!


    LG


    Carlo


    P. S.

    Hast Du erraten, um welche zwei Sänger es bei der "Capriccio"-Aufnahme geht?

    Lieber Rüdiger,


    auf Deine Anfrage muss ich auch diesmal etwas ausführlicher antworten, da diese “Arabella”-Einspielung beispielhaft für die aufgeheizte Atmosphäre steht, in der viele berühmte Schallplattenaufnahmen entstanden. (Das Merkwürdige und Schöne ist ja, dass man es den Aufnahmen nicht anhört.) Ich war sogar einmal versucht, einen Beitrag darüber mit dem Titel “Kräche, Tränen und ein Tritt vor's Schienbein” zu starten...


    Es beginnt damit, dass für diese “Arabella”, aufgenommen im Mai/Juni 1957 in den heute nicht mehr existierenden Wiener Sofiensälen, ursprünglich Karl Böhm als Dirigent vorgesehen war. Er hatte sich aber mit dem 'Executive Producer' der 'Decca', dem Schweizer Maurice Rosengarten, überworfen; vermutlich forderte er - wie Lisa Della Casa zwei Jahre später (siehe meinen Beitrag Nr. 143) - mehr Aufnahmen und mehr Gage und wurde 'entlassen', worauf der Dirigent exclusiv zur 'Deutschen Grammophon Gesellschaft' (DGG) wechselte. Georg Solti sprang kurzfristig ein – er hatte die “Arabella” noch nie dirigiert und stand zum ersten Mal am Pult der Wiener Philharmoniker. (Der Produzent und Aufnahmeleiter der 'Decca', John Culshaw, hat in zwei Büchern - “Ring Resounding” und “Putting the Record Straight” - süffisant über das Zustandekommen dieser und anderer Schallplatten-Einspielungen der 'Decca' berichtet.)


    Lisa Della Casa hatte kein Problem mit dieser Umbesetzung – sie hatte mit Solti bereits in München und Edinburgh gearbeitet – aber als sie darum bat, ein oder zwei 'Takes' neu aufzunehmen, mischte sich die damalige Frau von Georg Solti ein und warf der Sängerin vor, sie boykottiere ihren Mann, weil sie wohl lieber Karl Böhm als Dirigent dieser Aufnahme gehabt hätte. Kaum hatten sich die Gemüter beruhigt, gab es eine Auseinandersetzung zwischen Hilde Güden und Lisa Della Casa, wer im berühmten Duett Arabella-Zdenka “Aber der Richtige... “ in welches Mikrofon zu singen habe. (In einem ihrer letzten Interviews – für die Düsseldorfer Musikzeitschrift “Collegium Musicum” - hat sich die Sängerin Ende 1972 sehr frustriert über ihre Tätigkeit für die Schallplatte geäußert.)


    Bekanntlich ist es eine unter Sängern weit verbreitete 'Urangst', nicht gehört zu werden und manche kämpften buchstäblich – vor allem in den frühen Stereo-Aufnahmen - um den besten Platz vor dem Mikrofon. (Dass sie per Mischpult 'bewegt' werden können, war vielen Sängern damals offensichtlich gar nicht klar.) Z. B. war Montserrat Caballé fest überzeugt, dass ihre Stimme in der Mitte der imaginären Bühne am besten klingt und ließ sich diese Position vertraglich sichern. Es gibt auch die bekannte Geschichte, dass ein (sehr berühmter) Sänger beim einkanaligen Abhören des Stereo-Bandes von “Capriccio” - im Kontrollraum hatte man noch keine stereophone Abspielmöglichkeit – sich gegenüber seinem schärfsten Konkurrenten akustisch benachteiligt fühlte und erst wieder sang, als man die Aufnahme monaural fortsetzte!


    In der Frühzeit der Stereophonie wurden die meisten Opern sogar 'zweigleisig' von verschiedenen Tontechnikern aufgenommen: 'Decca' beschäftigte James Brown (mono) und Gordon Parry (stereo), bei EMI waren es Douglas Larter (mono) und Christopher Parker (stereo). Karajans “Rosenkavalier” von 1956 wurde beispielsweise nur versuchshalber in stereo eingespielt; Elisabeth Schwarzkopf ließ sogar 1996 eine vom 'Electrola'-Techniker Johann Nikolaus Matthes neu abgemischte Mono-Version veröffentlichen, da sie mit der Stereo-Fassung nie einverstanden war.


    Im Frühjahr 1958 kam die 'Solti'-”Arabella” (in mono) auf den Markt (LXT 5403/06): auf sieben Plattenseiten – die achte Seite wurde mit den “Vier letzten Liedern” mit Della Casa und Böhm gefüllt – und sie kostete in der damaligen Preisbindung DM 100,--! 1960 folgte die Stereo-Version (SXL 2050/53), ebenfalls auf vier Schallplatten, aber ohne 'Anhang' und genauso teuer. Erst 1969 schaffte man es, diese Aufnahme auf drei Platten, sogar zu einem herabgesetzten Preis, zu veröffentlichen. Die “Arabella” war bis 1958, als sie bei den Salzburger Festspielen neu inszeniert wurde, eher eine 'Nischenoper' und man kann mit Fug und Recht sagen, dass sie erst mit der Idealinterpretation durch Lisa Della Casa – und auch durch die zweimalige TV-Sendung der Münchner “Arabella” von 1960 – ein seitdem immer wieder aufgeführtes Repertoirestück geworden ist, nicht zuletzt auch dank vieler hervorragender Sopranistinnen in der Nachfolge von Lisa Della Casa.


    Grüße aus Düsseldorf nach Berlin!


    Carlo

    Hallo, Fiesco!



    Als nach 147 Jahren diese Oper unter dem Titel „Il castello di Kenilworth“ (Zweite Fassung von 1830) erstmals wieder aufgeführt wurde – am 29. 3. 1977 im Collegiate Theatre in Camden bei London – hat man davon einen Mitschnitt gemacht, der unter den Labels 'Unique Opera Records Company' (UORC 335, 2 LPs, stereo, ohne Textbeilage) und 'Mauro Fuggette' (MRF 143, 2 LPs, stereo, mit Booklet) veröffentlicht wurde. Die Rollen und ihre Sänger waren: Elisabetta (Elizabeth I.) - Janet Price / Amelia (Amy Robsart) – Yvonne Kenny / Alberto (Robert Dudley, Earl of Leicester) – Maurice Arthur / Warney, ein Höfling – Christian du Plessis / Lambourne, Warneys Vertrauter – Clive Harré / Fanny, Amelias Zofe - Bridget Bartlam / 'Opera Rara' Chorus / Philomusica of London / Dirigent: Alun Francis / Regie: Patrick Libby. (Die Rolle des Warney wird in meinem italienischen Opernführer als 'Warney, un scudiero' bezeichnet, was früher soviel wie 'Knappe' oder 'Schildknecht' bedeutete.)


    Die kompletten Namen der Sänger in der 'Fonit Cetra/Ricordi'-Aufnahme sind Mariella Devia, Denia Mazzola, Jozef Kundlák, Barry Anderson, Carlo Striuli und Clara Foti; es handelt sich hierbei um den Zusammenschnitt von Aufführungen am 8., 10. und 12. 10. 1989 im Teatro Donizetti in Bergamo (Regie: Lorenzo Marioni). Ich habe zwar relativ viele Aufnahmen von Donizettis Opern, aber diese nicht und kann zur Musik und deren Interpretation nichts sagen. Die vorgenannten Angaben dienen also nur zur Information.


    Die Oper – nach Victor Hugos „Amy Robsart“ und Eugene Scribes „Leicester ou le chateau de Kenilworth“ und nicht, wie oft angenommen wird, nach Sir Walter Scott - beinhaltet übrigens nicht den (legendenumwobenen) Tod von Amy Robsart, der Gemahlin des Earl of Leicester, der ein Jugendfreund und Favorit der englischen Königin war, sondern eine Eifersuchtsgeschichte zwischen ihm und einem Mann aus seinem Gefolge mit Amy Robsart als unschuldigem Opfer. Die Oper endet mit einem 'Happy End', doch in Wirklichkeit hat die Königin ihrem 'Robin' diese – und auch eine spätere zweite - Ehe nie verziehen.


    Viele Grüße!


    Carlo



    P. S.

    „Ne m'oubliez pas“ habe ich auch, allerdings noch in der LP-Ausgabe von 'Opera Rara' - leider ohne die zusätzlichen Arien auf der CD.

    Am 29. 4. 2018 schrieb ich den folgenden Beitrag (Nr. 205) im 'Elisabeth-Schwarzkopf-Thread', den ich nun hier wiederhole, da er überwiegend von Lisa Della Casa und ihrer Aufnahme von „Ariadne auf Naxos“ handelt.



    Lieber 'nemorino',


    darf ich Dich berichtigen? Die Geschichte um die "Ariadne"-Aufnahme unter Erich Leinsdorf hat sich ein klein wenig anders zugetragen.


    Die amerikanische RCA Victor - die von 1958 bis 1964 mit der englischen 'Decca' kooperierte; ein damals einzigartiger Fall, dass zwei derartige 'Majors' zusammenarbeiteten - plante in ihrer Serie "Selected by the Metropolitan Opera" eine Gesamtaufnahme der "Ariadne auf Naxos" in Hinsicht auf die bevorstehende Erstaufführung dieser Oper an der 'Met' (was sich dann aber bis 1962 verzögerte). In den Hauptrollen waren als 'Ariadne' Lisa Della Casa (von der 'Decca') und Jussi Björling als 'Bacchus' (von der RCA) vorgesehen; der Dirigent (Erich Leinsdorf) kam von der RCA und das Orchester (Die Wiener Philharmoniker) von der 'Decca'.


    Im Frühjahr 1959 lief der Exclusiv-Vertrag von Lisa Della Casa mit der 'Decca' aus und musste neu verhandelt werden. Die Vertragsverhandlungen führte Lisa Della Casa - unterstützt von ihrem Mann und Manager Dragan Debeljevic - in Zürich mit dem 'Decca'-Präsidenten, Maurice (Moritz) Rosengarten, der sich - ähnlich wie Walter Legge - Sängern gegenüber ziemlich autoritär verhielt. (Überhaupt müssen Schallplattenproduzenten damals eher unangenehme Zeitgenossen gewesen sein.) Die Sängerin war verärgert darüber, dass sie von der 'Decca' 1958 nicht für die Dresdener "Rosenkavalier"-Aufnahme der Deutschen Grammophon Gesellschaft (DGG) unter Karl Böhm frei gegeben worden war und sie 1958 auch nur für eine einzige Schallplatten-Aufnahme ("Le nozze di Figaro" unter Leinsdorf bei der RCA) eingesetzt wurde. (Die 'Decca' hatte die Anfrage der DGG nach Lisa Della Casas 'Marschallin' abschlägig beschieden mit der Begründung, man plane selbst bei der 'Decca' eine "Rosenkavalier"-Aufnahme mit ihr.) Als Della Casa und Debeljevic wissen wollten, wie es um diese "Rosenkavalier"-Aufnahme stehe und sie mehr Aufnahmen und auch eine höhere Gage forderten, verweigerte Rosengarten einen neuen Vertrag. Die "Ariadne" wurde nun umbesetzt mit Leonie Rysanek (die bei der RCA unter Vertrag war) und an Stelle von Jussi Björling, der die Rolle des 'Bacchus' zurückgegeben hatte, sang Jan Peerce (ebenfalls von der RCA); die Aufnahmen wurden im Juni/Juli 1959 in den Wiener Sofiensälen durch die 'Decca' mit ihrem Aufnahmeleiter John Culshaw gemacht.


    Lisa Della Casa hatte im März 1959 an der Städtischen Oper Berlin in einer "Ariadne"-Neuinszenierung von Günther Rennert mitgewirkt (u. a. mit Erika Köth, Helga Pilarczyk und William McAlpine unter Silvio Varviso) und mit dem Berliner Ensemble ein Gastspiel beim Pariser Festival "Théâtre des Nations" gegeben - wofür sie den 'Prix Orphée d'ôr' für die beste Gesangsdarbietung erhielt - und konnte, da sie nun nicht mehr an die 'Decca' gebunden war, das Angebot von Fritz Ganss von der 'Electrola' annehmen, der eine neue Stereo-Gesamtaufnahme dieser Oper mit Elisabeth Grümmer (Komponist), Erika Köth (Zerbinetta), Rudolf Schock (Bacchus), Dietrich Fischer-Dieskau (Musiklehrer) und Hermann Prey (Harlekin) unter der Leitung von Rudolf Kempe am Pult der Berliner Philharmoniker plante. Als sich Fritz Ganss dann aber in London bei der Muttergesellschaft EMI das Placet dafür abholen wollte, wurde ihm nur eine Querschnitt-Platte bewilligt, weil sich die im Katalog der 'Columbia' befindliche Aufnahme von 1954 unter Karajan (natürlich mit Schwarzkopf, die die 'Ariadne' nie auf der Bühne gesungen hat!) angeblich schlecht verkauft hatte. Wer hinter dieser Sache steckte, kann man unschwer erraten...


    Und zum Schluss: Lisa Della Casa schrieb sich stets mit großem 'D'!


    LG


    Carlo



    P. S.


    Es gibt zwei komplette Mitschnitte mit Lisa Della Casa als 'Ariadne': Salzburg (7. 8. 1954) unter Karl Böhm mit Irmgard Seefried, Hilde Güden, Rudolf Schock, Paul Schöffler und Alfred Poell (DGG, 1994 – ich habe die CDs von 'Gala', 1993) und Stockholm (Gastspiel der Bayerischen Staatsoper am 3. 11. 1969) unter Heinrich Hollreiser mit Tatiana Troyanos, Reri Grist, Ernst Kozub, Heinz Imdahl und Raimund Grumbach bei 'Opera Depot' – der ein falsches Datum nennt – und 'Mike Richter/Mindspring' (meine Ausgabe).

    Liebe Taminos!


    "Stimmen, die um die Welt gingen..."


    Unter diesem Titel veröffentlichte Günter Walter aus Münster im September 1983 das erste 'Heft' seiner legendären Schriftenreihe, dem bis 2016 noch 84 weitere folgen sollten. Die Initiative von Herrn Walter ist nicht hoch genug zu loben, gab es in Deutschland bis dahin doch nur vereinzelte und in geringer Stückzahl privat veröffentlichte Discographien von Sängern (z. B. die 'Heftchen' von Jürgen Schäfer aus Hamburg). In den frühen Nummern sind auch sehr lesenswerte Aufsätze über die Geschichte der Schall-Aufzeichnung und der wichtigen Schallplattenfirmen enthalten.


    Die nun folgende Übersicht führt die einzelnen Publikationen und die enthaltenen Themen auf. Es liegt auf der Hand, dass manche Namen mehrmals genannt werden, weil immer wieder Aufnahmen veröffentlicht wurden und die Discographien ergänzt werden mussten. Bei einigen Sängern fragt man sich, ob deren Stimmen wirklich "um die Welt gingen"; aber das ist der Begeisterung einzelner 'Fans' geschuldet. Herr Walter hatte - gerade was die Künstler der Jahre vor dem zweiten Weltkrieg betrifft - ein sehr respektables Fachwissen. Sängern der folgenden Generation stand er zurückhaltend gegenüber; manchmal musste der Herausgeber auch direkt gedrängt werden, eine durchaus berühmte Stimme in seinen 'Katalog' aufzunehmen.


    Leider hat Herr Walter - verstorben 2017 - kaum Belegexemplare zurück behalten, so dass die frühen Nummern nicht nachgedruckt werden konnten; das Gros dieser Publikationen ist wohl nur noch antiquarisch zu erhalten. Ich habe daher ganz bewusst die Namen der beteiligten Autoren und ihre Beiträge genannt - nicht nur, um ihre Mitarbeit zu würdigen, sondern weil es vielleicht auch möglich ist, über sie noch an Exemplare dieser 'Hefte' zu kommen. (Nach Auskunft des Herausgebers haben manche Mitarbeiter oft mehrere Ausgaben geordert.) Ich weiß aber, dass einige Autoren inzwischen leider verstorben sind.


    Günter Walter nannte seine Publikationen 'Hefte', was aber nur für die ersten Jahre zutrifft - mit der Zeit waren es nahezu Bücher! Er hat auch keine Werbung für seine 'Labour of Love' in den Printmedien oder im Internet gemacht, noch wurde ein gewisses Kontingent an Exemplaren gelagert, so dass die "Stimmen, die um die Welt gingen..." stets schnell vergriffen waren. Jede Nummer (im Format DIN A 4) enthält eine Biographie, Fotos und oft Programmzettel oder Presseberichte - vor allem aber eine ausführliche Discographie (sowohl Schallplatten- wie Rundfunkaufnahmen) unter Nennung der Aufnahmedaten, Katalognummern und den bei Schelllackplatten so wichtigen Matrizennummern.


    Hier zunächst die ersten 14 Nummern und ihr Inhalt:


    Nr. 1 / 1983 / Leo Schützendorf (Biographie und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Jürgen E. Schmidt und Manfred Weihermüller / 12 Seiten ) / Heinrich Bötel (Biographie und Discographie von Ulrich Dahmen / 4 Seiten) / Richard-Tauber-Aufnahmen (Discographie-Beitrag von Jens-Uwe Völmecke / 2 Seiten) / 'Berühmte Bayreuther Parsifale' (DPA-Essay, 1982 / 3 Seiten)


    Nr. 2 / 1983 / Karl Schmitt-Walter (Discographie von Jens-Uwe Völmecke - unterstützt von Ulrich Dahmen, Jürgen K. Grundheber, Günter Meyer, Günter Walter u. a. / 15 Seiten) / Leo Slezak (von Jens-Uwe Völmecke / 2 Seiten) / Richard-Tauber-Aufnahmen (Discographie-Beitrag von Roland Henkels und Jens-Uwe Völmecke / 2 Seiten) / Joachim Sattler (Schallplattentip von Ulrich Dahmen / 1 Seite) / 'Selma Kurz' (Buchrezension von Ulrich Dahmen / 1 Seite) / 'Frühe Aufnahmen der Beethoven-Symphonien, 1. Teil' (Discographie von Günter Walter / 5 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Einleitung' (von Hansfried Sieben / 4 Seiten) / 'Die Schallplattenfirma Ultraphon-Telefunken' (Beitrag von Jens-Uwe Völmecke / 2 Seiten) / 'Das Grammophon-Museum in Goch' (Beitrag von Joachim Schucht / 1 Seite)


    Nr. 3 / 1984 / Frida Leider (Kurzbiographie und Discographie von Siegfried Manthey / 22 Seiten) / Karl Schmitt-Walter (Discographie-Nachtrag von Jens-Uwe Völmecke / 11 Seiten) / Stefan Schwer (Biographie und Discographie von Helmut Waschinski / 10 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Deutsche Grammophon Gesellschaft, 1. Teil' (von Hansfried Sieben / 11 Seiten)


    Nr. 4 / 1984 / Joseph Schmidt (Kurzbiographie und Discographie von Horst Blickensdorf - unterstützt von Günter Meyer und Jens-Uwe Völmecke / 22 Seiten) / Julia Culp (Discographie von Floris Juynboll und Richard Warren / 11 Seiten) / Stefan Schwer in Hamburg (Beitrag von Ulrich Dahmen / 4 Seiten) /Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Deutsche Grammophon Gesellschaft, 2. Teil' (von Hansfried Sieben / 4 Seiten) / 'Die Schallplattenfirma Odeon' (von Horst Wahl / 14 Seiten)


    Nr. 5 / 1984 / Theodor Scheidl (Kurzbiographie von Stefan Zadejans und Discographie von Günter Walter / 22 Seiten) / Rudolf Bockelmann (Biographie und Discographie von Ulrich Dahmen / 24 Seiten) / 'Frühe Aufnahmen der Beethoven-Symphonien, 2. Teil' (Discographie von Günter Walter / 5 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Vox, Kristall und Imperial' (von Hansfried Sieben / 4 Seiten)


    Nr. 6 / 1984 / Franz Völker (Discographie von Ulrich Dahmen und Jürgen E. Schmidt / 31 Seiten) / Jean Nadolowitch (Biographie und Discographie von Jens-Uwe Völmecke / 5 Seiten) / Theodor Scheidl (Discographie-Nachtrag von Günter Walter / 2 Seiten) / Joseph Schmidt (Discographie-Nachtrag von Helmut Waschinski / 6 Seiten) / "Fidelio" auf Schelllackplatten (Discographie von Günter Walter) / 10 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Homocord' (von Hansfried Sieben / 3 Seiten) / Serie 'Zur Vorgeschichte der Sprechmaschine, 1. Teil' (von Horst Wahl / 4 Seiten)


    Nr. 7 / 1985 / Lotte Lehmann (Discographie von Floris Juynboll / 54 Seiten) / Georges Thill (Discographie-Beitrag von Ulrich Dahmen / 2 Seiten) / Gerhard Hüsch (Nachruf von Günter Walter / 2 Seiten) / 'Lauritz Melchior' (LP-Präsentation von Ulrich Dahmen / 1 Seite) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Tri-Ergon' (von Hansfried Sieben / 4 Seiten) / Serie 'Zur Vorgeschichte der Sprechmaschine, 2. Teil' (von Horst Wahl / 4 Seiten)


    Nr. 8 / 1985 / Geschichte der Schallplattenfirma "Odeon" (von Horst Wahl - unterstützt von Hansfried Sieben / 74 Seiten)


    Nr. 9 / 1985 / Arno Schellenberg (Biographie und Discographie von Günter Walter / 14 Seiten) / Heinrich Schlusnus (Biographie und Discographie von Günter Walter - unterstützt von Jürgen E. Schmidt / 34 Seiten) / Robert Philipp (Kurzbiographie und Discographie von Hans Lahme mit Interview des Sängers von 1930 / 9 Seiten) / Joseph Schmidt (Bericht von Roland Teuchtler / 1 Seite) / "Die Meistersinger von Nürnberg" Berlin 1928 (LP-Präsentation von A. von Arx / 2 Seiten) / 'Historische Vokalaufnahmen in der DDR' (Beitrag von Joachim Vierrath / 1 Seite) / 'Kuriositäten auf Schelllackplatten' (Essay von Ulrich Dahmen / 5 Seiten)


    Nr. 10 / 1985 / Max Lorenz (Biographie und Discographie von Jürgen K. Grundheber / 25 Seiten) / Hans Reinmar (Kurzbiographie von Jens-Uwe Völmecke und Günter Walter - Discographie von Jens-Uwe Völmecke / 10 Seiten) / Heinrich Schlusnus (Discographie-Nachtrag von Günter Walter / 1 Seite) / Leo Riemens (Nachruf von Kurt-Ulrich 't Hart / 1 Seite) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Electrola' (von Hansfried Sieben / 17 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Homocord' (Nachtrag von Peter Hulpusch / 3 Seiten) / Serie 'Zur Vorgeschichte der Sprechmaschine, 3. Teil' (von Horst Wahl / 4 Seiten)


    Nr. 11 / 1986 / August Seider (Biographie von Rudolf Wahl mit Discographie von Jürgen K. Grundheber / 34 Seiten) / Frieda Hempel (Discographie von Günter Meyer und Horst Wahl / 5 Seiten) / 'Die Münchner Theater von 1850 bis 1925, 1. Teil' (Essay von Konstantin Heydel, 1925 / 4 Seiten) / 'Die Cairati-Schule' (Essay von Max Frick, 1966 / 3 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Telefunken, 1. Teil' (von Hansfried Sieben / 7 Seiten) / 'Nummernsystem und Datierung der frühen "Grammophon"-Aufnahmen' (Essay von Günter Walter / 5 Seiten) / Serie 'Die Chronik der Sprechmaschine: Die sprechende Zinnfolie, 1. Teil' (von Horst Wahl / 12 Seiten)


    Nr. 12 /1986 / Wilhelm Rode (Biographie und Discographie von Siegfried Augustin / 50 Seiten) / Lotte Lehmann (Discographie-Nachtrag von Ulrich Dahmen, Christopher Norton-Welsh und Johan Vlaanderen / 1 Seite) / 'Die Münchner Theater von 1850 bis 1925, 2. Teil' (Essay von Konstantin Heydel, 1925 / 4 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen : Telefunken, 2. Teil: Musica Sacra' (von Hansfried Sieben / 3 Seiten) / Serie 'Die Chronik der Sprechmaschine: Die sprechende Zinnfolie, 2. Teil' (von Horst Wahl / 12 Seiten)


    Nr. 13 / 1986 / Gerhard Hüsch (Discographie von Jürgen E. Schmidt / 26 Seiten) / Joseph Schwarz (Nachruf von 1926 / 1 Seite) / Wilhelm Rode (Discographie-Nachtrag von Helmut Waschinski / 1 Seite) / Carl Nebe und Carl Nebe (Beitrag von E. M. van Oirschot / 2 Seiten) / Frieda Hempel (Discographie-Nachtrag von Richard Warren / 1 Seite) / Alexander Moissi (Biographie von Günter Walter - Discographie von Jürgen E. Schmidt / 15 Seiten) / 'Die Münchner Theater von 1850 bis 1925, 3. Teil' (Essay von Konstantin Heydel, 1925 / 3 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Telefunken, 3. Teil: Ultraphon' (von Hansfried Sieben / 6 Seiten) / Serie 'Die Chronik der Sprechmaschine: Die sprechende Zinnfolie, 3. Teil' (von Horst Wahl / 14 Seiten)


    Nr. 14 / 1986 / Erich Wolfgang Korngold (Biographie von Bernd O. Rachold - Discographie von Peter Aistleitner und Roger Wilmut / 52 Seiten) / Herbert Grenzebach (Portrait von Hansfried Sieben / 2 Seiten) / 'Die Münchner Theater von 1850 bis 1925, 4. Teil' (Essay von Konstantin Heydel, 1925 / 3 Seiten) / Serie 'Zur Geschichte der Schallplattenfirmen: Telefunken, 4. Teil: Ultraphon' (von Hansfried Sieben / 7 Seiten) / Serie 'Die Chronik der Sprechmaschine: Die sprechende Zinnfolie, 4. Teil' (von Horst Wahl / 10 Seiten)


    LG


    Carlo

    Hallo, 'Calatrava'!


    Danke für diese interessante Information! Bisher war ich der Ansicht, Viorica Ursuleac sei stärker als ihr Mann in 'braune' Geschichten verstrickt gewesen. Nun muss ich umdenken!


    Ich werde - da es nun noch einen "CA" gibt - mir wohl einen Avatar zulegen müssen. Ich kann mich nur nicht für ein Bild entscheiden...


    Viele Grüße!


    Carlo

    Danke, Rüdiger, für diese Videos!


    Der Ausschnitt aus "Faust" stammt übrigens aus der 'Bell Telephone Hour' vom 22. 10. 1963 - Della Casa und Gedda singen 'live', das Bell Telephone Hour Orchestra unter Donald Voorhees spielt im Studio nebenan und die Sänger können den Dirigenten auf einem Monitor sehen, daher manchmal der 'schräge' Blick. Der Mephisto, der zum Schluss kurz zu sehen ist, war Cesare Siepi; er untersagte der DVD-Firma VAI (Video Artists International) die Veröffentlichung der kompletten 'Kerkerszene'.


    Carlo

    Am 30. 4. 2019 habe ich im Thread über Elisabeth Schwarzkopf folgendes geschrieben:



    Hallo, 'nemorino'!


    Der tatsächliche Name von Hilde Güden war Hulda Geringer und für ihr Bühnendebüt 1938 in Wien wählte sie den Namen 'Hilda Gerin'. Als sie 1942 von Clemens Krauss als Nachfolgerin von Adele Kern an die Bayerische Staatsoper engagiert wurde, nannte sie sich 'Hilde Güden'.


    Clemens Krauss, dem man bis heute eine große Nähe zu den Nazis nachsagt, wusste von ihrer jüdischen Herkunft und sorgte schließlich dafür, dass sie 1943 unbehelligt nach Italien 'zu Studienzwecken' ausreisen konnte.


    Am 8. und 9. 7. 1942 sang sie in einer Studioproduktion des Berliner Reichsrundfunks – also direkt 'in der Höhle des Löwen' – die Musette in “La Bohème” mit Trude Eipperle, Peter Anders, Willi Domgraf-Fassbaender und Ludwig Windisch unter Hanns Steinkopf; Teile der Sendung sind erhalten. Die Frau muss Nerven wie Drahtseile gehabt haben!


    Die letzten Lebensjahre verbrachte die Sängerin, die mit dem Münchner Juristen Dr. Robert Dannemann verheiratet war, im Rollstuhl. Gestorben ist sie 1988 an ihrem Wohnort in Klosterneuburg bei Wien, beigesetzt wurde sie aber im Familiengrab ihres Mannes auf dem Münchner Waldfriedhof. Ich erinnere mich noch an die Empörung in der Wiener Presse, als das bekannt wurde.


    LG


    Carlo

    Danke, Rheingold1876, für die Videos!



    Das Interview mit Guido Baumann und der Ausschnitt aus “Ariadne auf Naxos” stammen aus der ZDF-Reihe “Schöne Stimmen” - die Sendung mit Lisa Della Casa wurde 1971 gesendet und war ihr letzter TV-Auftritt.



    In dieser Reihe waren pro Folge drei bis vier Sänger zu Gast, wurden vom damals populären 'Ratefuchs' Guido Baumann – hauptsächlich bekannt durch das Fernseh-Quiz “Was bin ich? - befragt und waren in jeweils zwei, im Bluebox-Verfahren aufgenommenen, Opernausschnitten zu sehen. In der gezeigten Folge waren außer Lisa Della Casa (sie sang auch noch die Arie “Breite aus die gnäd'gen Hände” aus Händels “Giulio Cesare” und machte optisch Elizabeth Taylor als Cleopatra Konkurrenz) auch Luciano Pavarotti und Karl Ridderbusch zu sehen.



    Die Namen der in diesen Sendungen mitwirkenden Sänger repräsentieren das 'Who 's who' der damaligen Opernwelt, z. B.: Martina Arroyo, Vladimir Atlantov, Teresa Berganza, Grace Bumbry, Piero Cappuccilli, Carlo Cava, Maria Chiara, Franco Corelli, Fiorenza Cossotto, Franz Crass, Plácido Domingo, Mirella Freni, Nicolai Gedda, Nicola Ghiuselev, Werner Hollweg, René Kollo, Anna Moffo, Lucia Popp, Leonie Rysanek, Graziella Sciutti, Anja Silja, Eberhard Wächter. (Von einigen der Sendungen habe ich Videos, sofern sie auf '3sat' wiederholt wurden.)



    Der im Video gezeigte Ausschnitt aus der 100. Folge der Reihe “Zum Blauen Bock” (Frankfurt, 19. 4. 1969) zeigt lediglich das Finale (u. a. mit Erika Köth und Sándor Kónya) mit dem kurzen Auftritt des 'Jubiläums-Chors'. In dieser Sendung sang dieser Chor – von Heinz Schenk als 'teuerster Chor der Welt' angekündigt – auch noch das Mozart-Lied “Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün!” In der vorderen Reihe stehen (von links nach rechts): Jutta Meyfarth, Sonja Schöner, Lotte Schädle, Lisa Della Casa, Rita Streich, Wilma Lipp, Gerda Scheyrer, Astrid Varnay, Hertha Töpper und Elisabeth Steiner. Die Herren dahinter sind (von links nach rechts): Horst Wilhelm, Josef Traxel, Gerhard Unger, Rudolf Gonszar, Willy Hofmann, Donald Grobe, Ernst Krukowski, William Dooley und Georg Stern, außerdem Ernst Neger und Willy Millowitsch. (Alle beteiligten Sänger waren auch in früheren “Zum Blauen Bock”-Folgen aufgetreten.) Hervorgehoben wurden Hertha Töpper, die an diesem Tag Geburtstag hatte und Rudolf Gonszar, der kurz vorher 75 Jahre alt geworden war.



    Lisa Della Casa war auch in der ersten Farbfernseh-Sendung vom “Blauen Bock” dabei, der von der Funkausstellung in Berlin am 2. 9. 1967 gesendet wurde. Sie sang das Lied “Einen Sommer lang blühte uns das Glück” aus dem musikalischen Lustspiel “Das kleine Hofkonzert” von Edmund Nick – bei 'eurodisc' ist eine 17cm-Platte davon mit Lisa Della Casa erschienen (Rückseite: “Leise erklingen Glocken vom Campanile” aus der “Balkanliebe” von Rudolf Kattnigg mit der Della Casa, dem Günther-Arndt-Chor und den Berliner Symphonikern unter Werner Eisbrenner). Weitere Mitwirkende in dieser Sendung waren Hertha Töpper, Donald Grobe – der für den indisponierten James King einsprang; King wurde von Heinz Schenk nur befragt – und Gottlob Frick. Ich habe die beiden genannten Folgen vom “Blauen Bock” auf Video und ich gebe unumwunden zu, dass ich diese Sendungen am Samstag-Nachmittag (nicht nur wegen der eingeladenen Opernsänger) gerne gesehen habe!



    Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch eine Lanze für die 'Bembelwirtin' Lia Wöhr brechen, die den älteren Fernsehzuschauern ja auch noch als 'Putzfrau' (Frau Siebenhals) in Wolf Schmidts Serie “Firma Hesselbach” in Erinnerung sein dürfte. Denn sie war nicht nur Schauspielerin, Theater-Regisseurin und die Produzentin beider Fernsehserien, sondern sorgte auch für die Verpflichtung der 'klassischen' Sänger im “Blauen Bock”. Was nördlich der Alpen nur wenige wussten: sie hat – unter dem Namen 'Elisabetta Wöhr' - in Italien an durchaus renommierten Theatern (Neapel, Genua und Rom) große Wagner-Opern inszeniert, u. a. mit Birgit Nilsson, Astrid Varnay, Rita Gorr, Wolfgang Windgassen, Hans Hopf, Eberhard Wächter, Gustav Neidlinger und Josef Greindl! In Frankfurt-Gallus ist ein Platz nach ihr benannt und ein TV-Portrait über sie hatte den zutreffenden Titel: “Eine starke Frau im Hintergrund”.



    LG



    Carlo

    Hallo, 'nemorino'!


    Der tatsächliche Name von Hilde Güden war Hulda Geringer und für ihr Bühnendebüt 1938 in Wien wählte sie den Namen 'Hilda Gerin'. Als sie 1942 von Clemens Krauss als Nachfolgerin von Adele Kern an die Bayerische Staatsoper engagiert wurde, nannte sie sich 'Hilde Güden'.


    Clemens Krauss, dem man bis heute eine große Nähe zu den Nazis nachsagt, wusste von ihrer jüdischen Herkunft und sorgte schließlich dafür, dass sie 1943 unbehelligt nach Italien 'zu Studienzwecken' ausreisen konnte.


    Am 8. und 9. 7. 1942 sang sie in einer Studioproduktion des Berliner Reichsrundfunks - also direkt 'in der Höhle des Löwen' - die Musette in "La Bohème" mit Trude Eipperle, Peter Anders, Willi Domgraf-Fassbaender und Ludwig Windisch unter Hanns Steinkopf; Teile der Sendung sind erhalten. Die Frau muss Nerven wie Drahtseile gehabt haben!


    Die letzten Lebensjahre verbrachte die Sängerin, die mit dem Münchner Juristen Dr. Robert Dannemann verheiratet war, im Rollstuhl. Gestorben ist sie 1988 an ihrem Wohnort in Klosterneuburg bei Wien, beigesetzt wurde sie aber im Familiengrab ihres Mannes auf dem Münchner Waldfriedhof. Ich erinnere mich noch an die Empörung in der Wiener Presse, als das bekannt wurde.


    LG


    Carlo

    Liebe Melomanen,



    nachdem im 'Elisabeth-Schwarzkopf-Thread' in den letzten Tagen auch viel über deren 'ewige' Konkurrentin Lisa Della Casa geschrieben worden ist, möchte ich hier in dem ihr gewidmeten Thread noch etwas hinzufügen.



    Da ja wohl Uneinigkeit darüber besteht, ob sie 'Lisa della Casa' oder 'Lisa Della Casa' heißt, muss endlich festgeschrieben werden, dass es kein Künstlername ist und die Schreibweise 'Della' korrekt ist. Ich habe mehrere italienische Musikbücher und in allen dazugehörigen Namensregistern heißt es unter dem Buchstaben 'D': Gabriele D'Annunzio, Marco Da Gagliano, Toti Dal Monte, Victor De Sabata, Mario Del Monaco und Giuseppe Di Stefano. Ich spreche 'passabile' italienisch und ich finde, man sollte die sprachlichen Eigenheiten anderer Länder respektieren.



    Lisa Della Casas Vater, Francesco Della Casa (ein wahrer 'Hans Dampf in allen Gassen'), stammte - mit italienischen und spanischen Vorfahren - aus dem italienischsprachigen Tessin und hatte sich in Burgdorf (Kanton Bern) als Augenarzt niedergelassen; dort hieß er offiziell 'Franz', wurde aber von allen 'Deli' genannt. Die Mutter der Sängerin hieß Margarete Müller und kam aus München. Nach der Geburt eines Sohnes 1913 (Franz, 'Frano' gerufen) kam 'Lisa Elsa' am 2. 2. 1919 in Burgdorf zur Welt und wuchs zweisprachig auf: mit Schwyzerdütsch und - dem für die meisten Schweizer typischen, etwas prononcierten - Hochdeutsch. Über die verschiedene Schreibweise ihres Namens mag sie sich gewundert haben, aber letztlich war es ihr wohl egal. Signiert hat sie ihre Autogrammkarten jedenfalls mit einem großen 'D' - ich habe zwei davon.



    Zu der von 'nemorino' eingestellten Schallplatte mit Ausschnitten aus dem "Rosenkavalier" hier zusätzlich zu der abgebildeten 'Eterna'-CD noch einige Details: Aufgenommen wurde sie im Januar 1966 in der Dresdner Lukaskirche als Co-Produktion zwischen der westdeutschen 'Electrola' und dem ostdeutschen 'VEB Deutsche Schallplatten' mit dessem Label 'Eterna'. Günther Leib singt den kurzen Einwurf des 'Faninal' im 3. Akt ("Sind halt aso, die jungen Leut'") und die vier Lakaien im Finale des 1. Aktes sind Joachim Schroeter, William Rabending (beide Tenor) sowie Rudolf Hupfer und Kurt Liebeskind (beide Bass). Der Produzent und Aufnahmeleiter war Christfried Bickenbach (BRD) und der Toningenieur Claus Strüben (DDR).



    Die erste Plattenseite der 'Electrola'-Pressung (SME 80 935/nur Stereo/veröffentlicht erst Ende 1967) bringt das Finale des 1. Aktes ab dem Monolog der Marschallin ("Da geht er hin..."); die zweite Seite enthält die 'Rosenüberreichung', das zweite Duett Sophie-Octavian ("Zu ihm hätt' ich ein Zutrau'n") und das Finale der Oper ab "Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein...". Die Platte der 'Eterna' (8 20 638 ET/Mono bzw. 8 25 638 ET/Stereo) hingegen hat auf der 1. Plattenseite das Finale des 1. Aktes und das zweite Duett Sophie-Octavian, während die 2. Seite die 'Rosenüberreichung', das Finale der Oper und zusätzlich das Duett Arabella-Zdenka ("Die schönen Rosen... Aber der Richtige") aus der "Arabella" bringt. Schräg ist allerdings, dass die CD von 'Berlin Classics' die - wohl aus Platzgründen - falsche Reihenfolge der 'Eterna'-Platte übernommen hat, also das zweite Duett Sophie-Octavian vor der 'Rosenüberreichung'! Das Duett aus der "Arabella" wurde in der BRD erst 1972 (gekürzt) veröffentlicht, auf einer 'Hör Zu'-Sammelplatte "Weltstars singen Richard Strauss" versteckt...



    Zu ihrem 100. Geburtstag am 2. 2. 2019 sendete der SWR eine eigene (undatierte) Aufnahme vom Finale des 1. Aktes aus dem "Rosenkavalier" mit Hertha Töpper und den Solisten Manfred Gerbert, Bernhard Michaelis, Bruno Samland und Karl Röbbert als Lakaien; Hans Müller-Kray leitete das Radio-Symphonie-Orchester Stuttgart. Eine - obwohl in mono - hervorragende Aufnahme, die es verdient, veröffentlicht zu werden. Übrigens wollte Karl Böhm, der 1957 von der 'Decca' zur 'DGG' gewechselt war, die Sängerin für seine Dresdener Aufnahme (Dezember 1958) bei der DGG haben, sie wurde aber von ihrer damaligen Exclusiv-Firma 'Decca' nicht frei gegeben mit der fadenscheinigen Begründung, man plane selbst eine "Rosenkavalier"-Aufnahme mit ihr. (Vermutlich wollte man aber nur dem abtrünnigen Karl Böhm 'eins auswischen'.) Marianne Schech, die dann in der Aufnahme die Marschallin sang, war übrigens nur 'dritte Wahl', denn Karl Böhm fragte nach Lisa Della Casa bei Leonie Rysanek an, aber die war momentan nicht gut auf Böhm zu sprechen und ließ ihn 'abblitzen'!



    Zu der Frage von 'nemorino' nach einer weiteren Schallplatte Lisa Della Casas bei der 'Electrola' (außer den Querschnitten aus "Ariadne auf Naxos", "Tosca" und dem eben genannten "Rosenkavalier") ist noch die Aufnahme von Schumanns "Frauenliebe und -leben", gekoppelt mit sieben Liedern von Richard Strauss zu nennen (E 80 728/Mono bzw. STE 80 728/Stereo/veröffentlicht 1962 und schon 1963 wieder aus dem Katalog genommen!). Der begleitende Pianist ist Sebastian Peschko und die Aufnahme entstand am 16. und 17. 4. 1962 im Kulturhaus in Loffenau im Schwarzwald (Produzent: Fritz Ganss / Toningenieur: Horst Lindner). Während die Strauss-Lieder ("Morgen", "Einerlei", "Waldseligkeit", "Hat gesagt, bleibt's nicht dabei", "Seitdem dein Aug' in meines schaute", "Schlechtes Wetter" und "Befreit") von 'Testament' zusammmen mit dem Querschnitt aus "Ariadne auf Naxos" 1994 wiederveröffentlicht wurden (SBT 1036), erschien der Schumann-Zyklus erst zehn Jahre später bei 'Testament' auf CD (SBT 1341), gekoppelt mit dem bekannten Lied-Recital der 'Decca' von 1956 mit Karl Hudez am Klavier.



    Ich bin sicher wieder etwas zu ausführlich geworden, aber ich halte es mit 'Arabella': "... und keine Zweifel werden sein und keine Fragen!"



    Viele Grüße!



    Carlo



    P. S.

    Ich werde meine beiden Beiträge Nrn. 198 und 205 aus dem Elisabeth-Schwarzkopf-Thread (bezüglich des Salzburger "Rosenkavalier"-Films und der "Ariadne"-Aufnahme unter Erich Leinsdorf) hier noch einmal posten, denn sie betreffen Lisa Della Casa noch mehr als Elisabeth Schwarzkopf.

    Liebe 'Taminos',



    ich habe zwei Autogramme von Lisa Della Casa (deren Vater Francesco bzw. Franz aus dem Tessin stammte) - und sie hat eindeutig mit großem 'D' unterschrieben. (Leider habe ich keinen Scanner und ich kann die Fotos nicht einstellen.) Auch Mario Del Monaco und Giuseppe Di Stefano schreiben sich mit großem 'D', wie in Italien üblich.



    Hilde Güden (bekanntlich ihr 'Künstlername') schrieb sich wegen des Umlauts in Amerika 'Gueden' - und auch Eberhard Edler von Wächter nannte sich international aus dem gleichen Grund 'Waechter'.



    LG



    Carlo

    Lieber 'nemorino',


    darf ich Dich berichtigen? Die Geschichte um die "Ariadne"-Aufnahme unter Erich Leinsdorf hat sich ein klein wenig anders zugetragen.


    Die amerikanische RCA Victor - die von 1958 bis 1964 mit der englischen 'Decca' kooperierte; ein damals einzigartiger Fall, dass zwei derartige 'Majors' zusammenarbeiteten - plante in ihrer Serie "Selected by the Metropolitan Opera" eine Gesamtaufnahme der "Ariadne auf Naxos" in Hinsicht auf die bevorstehende Erstaufführung dieser Oper an der 'Met' (was sich dann aber bis 1962 verzögerte). In den Hauptrollen waren als 'Ariadne' Lisa Della Casa (von der 'Decca') und Jussi Björling als 'Bacchus' (von der RCA) vorgesehen; der Dirigent (Erich Leinsdorf) kam von der RCA und das Orchester (Die Wiener Philharmoniker) von der 'Decca'.


    Im Frühjahr 1959 lief der Exclusiv-Vertrag von Lisa Della Casa mit der 'Decca' aus und musste neu verhandelt werden. Die Vertragsverhandlungen führte Lisa Della Casa - unterstützt von ihrem Mann und Manager Dragan Debeljevic - in Zürich mit dem 'Decca'-Präsidenten, Maurice (Moritz) Rosengarten, der sich - ähnlich wie Walter Legge - Sängern gegenüber ziemlich autoritär verhielt. (Überhaupt müssen Schallplattenproduzenten damals eher unangenehme Zeitgenossen gewesen sein, u. a. auch Elsa Schiller von der DGG.) Die Sängerin war verärgert darüber, dass sie von der 'Decca' 1958 nicht für die Dresdener "Rosenkavalier"-Aufnahme der Deutschen Grammophon Gesellschaft (DGG) unter Karl Böhm frei gegeben worden war und sie 1958 auch nur für eine einzige Schallplatten-Aufnahme ("Le nozze di Figaro" unter Leinsdorf bei der RCA) eingesetzt wurde. (Die 'Decca' hatte die Anfrage der DGG nach Lisa Della Casas 'Marschallin' abschlägig beschieden mit der Begründung, man plane selbst bei der 'Decca' eine "Rosenkavalier"-Aufnahme mit ihr.) Als Della Casa und Debeljevic wissen wollten, wie es um diese "Rosenkavalier"-Aufnahme stehe und sie mehr Aufnahmen und auch eine höhere Gage forderten, verweigerte Rosengarten einen neuen Vertrag. Die "Ariadne" wurde nun umbesetzt mit Leonie Rysanek (die bei der RCA verpflichtet war) und an Stelle von Jussi Björling, der die Rolle des 'Bacchus' zurückgegeben hatte, sang Jan Peerce (ebenfalls von der RCA); die Aufnahmen wurden im Juni 1959 in den Wiener Sofiensälen durch die 'Decca' mit ihrem Aufnahmeleiter John Culshaw gemacht.


    Lisa Della Casa hatte im März 1959 an der Städtischen Oper Berlin in einer "Ariadne"-Neuinszenierung von Günther Rennert mitgewirkt (u. a. mit Erika Köth, Helga Pilarczyk und William McAlpine unter Silvio Varviso) und mit dem Berliner Ensemble ein Gastspiel beim Pariser Festival "Théâtre des Nations" gegeben - wofür sie den 'Prix Orphée d'ôr' für die beste Gesangsdarbietung erhielt - und konnte, da sie nun nicht mehr an die 'Decca' gebunden war, das Angebot von Fritz Ganss von der 'Electrola' annehmen, der eine neue Stereo-Gesamtaufnahme dieser Oper mit Elisabeth Grümmer (Komponist), Erika Köth (Zerbinetta), Rudolf Schock (Bacchus), Dietrich Fischer-Dieskau (Musiklehrer) und Hermann Prey (Harlekin) unter der Leitung von Rudolf Kempe am Pult der Berliner Philharmoniker plante. Als sich Fritz Ganss dann aber in London bei der Muttergesellschaft EMI das Placet dafür abholen wollte, wurde ihm nur eine Querschnitt-Platte bewilligt, weil sich die Oper, die man im Katalog der 'Columbia' seit 1954 hatte (natürlich mit Schwarzkopf, die die 'Ariadne' nie auf der Bühne gesungen hat!), angeblich schlecht verkaufen ließ. Wer hinter dieser Sache steckte, kann man unschwer erraten...


    Und bitte: Lisa Della Casa schrieb sich stets mit großem 'D'!


    LG


    Carlo

    Liebe Forianer!



    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mir den geballten Zorn der Schwarzkopf-Verehrer zuziehe und hier im Forum wieder seitenlang diskutiert wird, möchte ich zu der Verfilmung der „Rosenkavalier“-Inszenierung der Salzburger Festspiele 1960 einige Details nennen.



    Das neue 'Große' Festspielhaus (das bisherige wurde danach das 'Alte Festspielhaus' und später 'Kleines Festspielhaus' genannt – heute heißt es 'Haus für Mozart') wurde am 26. 7. 1960 unter starker internationaler Medienpräsenz mit einer Neuinszenierung des „Rosenkavaliers“ (Dirigent: Herbert von Karajan / Regie: Rudolf Hartmann / Bühnenbild: Teo Otto / Kostüme: Erni Kniepert) eröffnet und es ergab sich für alle am Zustandekommen Beteiligten der Wunsch, diesen Moment für die Nachwelt durch einen Film zu dokumentieren.



    Vor allem Herbert von Karajan, der damals auch im Festspiels-Direktorium saß, machte sich dafür stark, aber – da er ja immer ein paar Jahre voraus dachte – nur unter den besten technischen Voraussetzungen, d. h. in Farbe im Breitwandformat und natürlich mit Stereoton. (Dazu wurde der Ton vormittags im leeren Festspielhaus aufgenommen; die Dreharbeiten erfolgten nach Beendigung der Festspiele ohne Beisein der Wiener Philharmoniker, die bekanntlich Salzburg immer fast fluchtartig verlassen.) Karajan lehnte Opernsendungen im 'Pantoffelkino' ab wegen der damals relativ kleinen Bildschirme, der – vor Einsatz der MAZ-Technik ab 1960 - etwas verwaschenen Bildqualität in schwarz-weiß und der wegen der TV-Röhrengeräte mit einem leichten Brummton behafteten Tonqualität. (Während Karajans Direktionszeit an der Wiener Staatsoper gab es nur eine einzige TV-Übertragung einer Oper aus 'seinem' Haus: „Angelina“ - La Cenerentola – mit Christa Ludwig 1960.)



    Die Verträge der beteiligten Sänger mit den Salzburger Festspielen enthielten den Zusatz, dass sie sich mit der Verfilmung einverstanden erklärten. Den ersten Misston gab es, als Hilde Güden ('Sophie') einen solchen Vertrag nicht erhielt und Anneliese Rothenberger, die nur für vier der sechs Vorstellungen als 'Sophie' vorgesehen war, in dem Film mitwirken sollte. Frau Güden, die 1960 auch noch dreimal die 'Pamina' in der „Zauberflöte“ singen sollte, löste das Problem damit, dass sie nur die Premiere (mit europaweiter Rundfunkübertragung) sang und sich dann krank meldete - Frau Rothenberger übernahm dann noch eine fünfte „Rosenkavalier“-Vorstellung und als 'Pamina' sprang Liselotte Fölser ein.



    Bei den Proben waren auch das Ehepaar Schwarzkopf/Legge sowie die mit ihnen befreundete Schauspielerin Elisabeth Bergner und ihr Ehemann, der aus Österreich stammende englische Filmproduzent Paul Czinner, anwesend. Beide waren auch mit Lisa Della Casa und ihrem Gatten, Dragan Debeljevic, bekannt und sie unterstützten die Absicht der Verfilmung, waren sich aber mit Walter Legge einig, dass diese mit Elisabeth Schwarzkopf als 'Marschallin' realisiert werden sollte statt der von Karajan favorisierten Lisa Della Casa. Walter Legge und Paul Czinner gewannen die englische 'Rank-Film' für das Projekt und schlossen mit dieser vorab einen dementsprechenden Vertrag; Frau Della Casa erfuhr erst kurz vor der Generalprobe davon - durch Christa Ludwig, die sich über diese 'Mauschelei' ärgerte.



    Damals war es bei Fernseh- oder Filmproduktionen üblich, den Ton vorher aufzunehmen und die Sänger dazu vor der Kamera nur die Lippen möglichst synchron bewegen zu lassen. Bei 'Übertragungen' aus dem Theater wurden die Opern 'kalt' aufgezeichnet, d. h. die Aufführung erfolgte im leeren Theater oder mit wenigen Zuschauern (mit Freikarten), meistens handelte es sich um die Generalprobe. Die Fernseh- und Filmkameras waren große, schwere Geräte mit nur eingeschränkter Zoom-Funktion, die Kameraleute saßen in den ersten Jahren auf hohen Gestellen mit Rollen und wurden geschoben; einem 'zahlenden' Publikum war es nicht zuzumuten, während der Vorstellung diese 'Ungetüme' auf der Bühne herumfahren zu sehen. (Ich kann mich erinnern, dass es während einer TV-Übertragung eines Gastspiels des Wiener Burgtheaters in einem kleineren deutschen Theater mit Schillers „Maria Stuart“ - mit Käthe Dorsch und Paula Wessely – zu Unmutsäußerungen der Zuschauer deshalb kam.) Außerdem musste die Bühne hell ausgeleuchtet werden und die Darsteller sollten kein Bühnen-Makeup, das ja auf Fernwirkung abzielt, tragen.



    Um aber dem Fernseh-Zuschauer die Illusion einer echten Theaterübertragung zu geben, wurden der Anfang, die Aktschlüsse mit dem Fallen des Vorhangs und vor allem die Verneigungstour am Ende der Vorstellung manchmal live übertragen und die 'kalte' Aufzeichnung in die Sendung 'geschmuggelt'. Dass oft getrickst wurde, zeigt als folgendes Beispiel die TV-Sendung des Gastspiels von Renata Tebaldi mit „Otello“ an der Deutschen Oper Berlin 1962: in der 'echten' Aufführung 'führte' im 3. Akt Hans Beirer die Sängerin derart vehement aus dem Saal, dass sie stolperte und gegen den Türrahmen knallte – im Fernsehen (und auf der DVD bei 'Arthaus') war das nicht zu sehen, weil es eben eine Aufzeichnung der Generalprobe ist. Oder bei der „Meistersinger“-Vorstellung zur Wiedereröffnung des Münchner Nationaltheaters 1963 fiel während Stolzings 'Preislied' im 3. Akt (mit Jess Thomas) kurz das Licht aus; da einen Tag vorher Präsident Kennedy ermordet wurde, dachte man sogar an ein Attentat und das Publikum wurde unruhig. In der angeblichen Live-Übertragung (ZDF) merkte man davon nichts und auch in der Schallplattenaufnahme bei 'eurodisc' ist davon nichts zu hören, weil es eben ein Zusammenschnitt aus Proben und Vorstellungen ist, anders als es uns 'eurodisc' glauben machen will. Oft stimmten auch die Sendezeiten der TV-Sendung nicht mit den tatsächlichen Uhrzeiten der Aufführung überein; es gibt da noch zahlreiche weitere Beispiele...



    Für den „Rosenkavalier“-Film brauchte man also bestimmte Sequenzen einer öffentlichen Aufführung, um die Illusion eines 'echten' Theaterabends zu erzeugen. Dafür besetzte man in der dritten Vorstellung (6. 8. 1960) die 'Marschallin' mit Elisabeth Schwarzkopf, die während der Festspiele 1960 noch vier Aufführungen von „Cosi fan tutte“ und fünf Mal im "Don Giovanni" sang; Lisa Della Casa, die 1960 auch noch drei Mal als „Figaro“-Gräfin auftrat, bot man für die ihr weggenommene „Rosenkavalier“-Vorstellung eine finanzielle Entschädigung an, was die Sängerin ablehnte. Am 6. 8. fiel aber auch Erich Kunz als 'Faninal' aus und wurde durch Alfred Poell ersetzt, was ein weiteres Indiz ist, dass der Film keine Live-Aufführung dokumentiert!



    Herbert von Karajan, der in diese 'Ränke' wahrscheinlich nicht eingeweiht war, entschuldigte sich bei Lisa Della Casa, konnte die Sängerin aber nicht überzeugen, weiter an den Salzburger Festspielen nach 1960 teilzunehmen. Frau Della Casa war vor allem deshalb gekränkt, weil man sie für unprofessionell und verantwortungslos gehalten hat und man dieses perfide Spiel vor ihr geheim hielt in der Furcht, sie würde die 'Primadonna' sein und sofort abreisen, wenn sie davon erführe. Denn dann hätte man in Salzburg eine neue 'Marschallin' und auch eine neue „Figaro“-Gräfin suchen müssen; alle diese Vorstellungen der Della Casa hätte 'die Schwarzkopf' zusätzlich zu ihrer 'Fiordiligi' und 'Donna Elvira' ja kaum übernehmen können.



    Das österreichische Fernsehen hat zwar die „Rosenkavalier“-Generalprobe komplett aufgezeichnet, durfte aber wegen der anderen Mitwirkenden (z. B. Sena Jurinac, Otto Edelmann und Erich Kunz), die auch von der 'Rank Film' unter Vertrag genommen wurden, nur Ausschnitte – ca. 90 Minuten lang – im Rahmen der 'Eurovision' senden. (Nie vergessen werde ich den atemberaubenden Moment, als beim Lever der Marschallin Lisa Della Casa – zuvor mit ihren schwarzen Haaren in einem leichten Morgenmantel - hinter einem Paravent umgekleidet wurde und dann in einer prachtvollen, tief dekolletierten Robe aus hellem Taft und mit weißer Perücke hervortrat!)



    Lisa Della Casa hat Elisabeth Schwarzkopf diese ganze traurige Angelegenheit offensichtlich nicht nachgetragen, sonst hätte sie wohl kaum später an ihrer Seite den 'Octavian' in Monte-Carlo und an der New Yorker 'Met' gesungen. Dem Ruf Elisabeth Schwarzkopfs hat das Ganze allerdings sehr geschadet und sie sah sich wiederholt mit dem Vorwurf konfrontiert, die Karriere von Konkurrentinnen (vor allem Lisa Della Casa und Elisabeth Grümmer) behindert zu haben.



    In einem erst nach ihrem Tode gesendeten alten Rundfunk-Interview des Südwestfunks verlor sie bei der Frage nach diesem 'dunklen Punkt' ihre Fassung und brach das Gespräch, hörbar den Tränen nahe, ab. Wenn man aber weiß, dass die Sängerin Wachs in den Händen ihres Mannes war und zu welchen 'Machenschaften' Walter Legge imstande war, um seine 'besten Pferde im Stall' (Callas und Schwarzkopf) zu schützen, kennt man den Schuldigen. Kein Wunder, dass er nach dem Abschied von der EMI – man kann es auch Rauswurf nennen – in der Schallplattenbranche kaltgestellt wurde und nur noch Aufnahmen mit 'Her Master's Voice' produzierte, u. a. bei der Konkurrenz ("Das spanische Liederbuch" bei der DGG und das Recital "Für meine Freunde" bei 'Decca').



    Ich bitte um Nachsicht, dass der Beitrag mal wieder sehr lang geworden ist, aber ich denke, diese Dinge 'hinter den Kulissen' lassen den Film mit anderen Augen sehen – an seinem, vor allem dokumentarischen, Wert ist auch nicht zu zweifeln. Mir persönlich gefiel aber der „Rosenkavalier“ in der TV-Sendung von den Wiesbadener Maifestspielen 1961 (mit Christa Ludwig, Wilma Lipp und Otto Edelmann unter Heinz Wallberg) viel besser, weil auch – in meiner Erinnerung - hier Elisabeth Schwarzkopf viel natürlicher agierte, wohl weil es eine Aufzeichnung einer tatsächlichen Theateraufführung mit vielen Nahaufnahmen war und sie nicht im Playback sang. Einen Ausschnitt daraus kann man in dem (sehr kritischen) TV-Portrait „Elisabeth Schwarzkopf – Getriebene der Kunst“ von Thomas Voigt und Wolfgang Wunderlich sehen, das allerdings bisher nur auf 'arte' zu sehen war und noch nicht auf DVD veröffentlicht wurde. Vor allem der Schluss des Films, als Elisabeth Schwarzkopf ihr tiefes Bedauern über eine unerfüllte Jugendliebe ausdrückt, zeigt die Sängerin in einem völlig anderen Licht...



    "Bewundert viel und viel gescholten." (Goethe: "Faust" - Zweiter Teil)



    LG



    Carlo



    P. S.

    Danke, nemorino, für Deine Ergänzung zu meinem Beitrag Nr. 192!



    Ich glaube, Walter Legge ging es nicht um den Plattenverkauf des „Tristan“, sondern darum, der verhassten Konkurrenz ('Decca') zu zeigen, dass er auch 'tricksen' konnte. Jetzt werde ich mir die Platten mit den genannten Duetten von Flagstad/Svanholm genauer anhören: „Die Walküre“ (Todesverkündung / Karl Böhm / 4. 6. 1949), „Tristan und Isolde“ (Liebesduett 2. Akt mit Constance Shacklock als Brangäne / Karl Böhm / 5. 6. 1949) und „Siegfried“ (Duett 3. Akt / George Sebastian / 12. - 13. 6. 1951). Vielleicht sind auch bei der Szene Isolde-Brangäne und vor allem bei Isoldes Fluch im „Tristan“ Schwarzkopf-Töne zu hören (mit Elisabeth Höngen / Issay Dobrowen / 31. 3. 1948)?



    Die 'Schummelei' bei Beechams „Zauberflöte“ war mir allerdings bekannt. Das Buch „Gehörtes – Ungehörtes“ habe ich lange nicht mehr gelesen und ich werde es mir in der hiesigen Stadtbücherei ausleihen. In England erschien 1998 das Buch „Words and Music“, bestehend aus Musikkritiken und Memoranden, die Walter Legge im Laufe seines Lebens verfasste; ob es das Buch, das ich auch nicht habe, in einer deutschen Ausgabe gibt, weiß ich nicht. Sehr aufschlussreich ist auch der Nachruf von Dorle J. Soria (vom amerikanischen EMI-Ableger 'Angel Records') im amerikanischen Magazin 'Opera News' mit Statements von Sängern, die mit dem 'Egomanen' (Legge über Legge) zu tun hatten. Norman Lebrecht hat in 'The Gramophone' Walter Legge als „probably the most disagreeable personage ever to intrude upon musical performances“ bezeichnet!



    Viele Grüße!



    Carlo

    Liebe Taminos,



    im dritten Teil der Auswahl-Discographie zu Christa Ludwig nenne ich folgende Aufnahmen:




    "Vesperae solennes de confessore, KV 339" (Mozart): mit Agnes Giebel, Richard Holm und Peter Roth-Ehrang / Der Kölner Rundfunkchor / Chorltg.: Bernhard Zimmermann / Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Dirigent: Joseph Keilberth (Köln, Funkhaus, 16. 1. 1956, Live-Sendung) Bisher unveröffentlicht.



    "Le nozze di Figaro" (Mozart): (Cherubino) mit Victoria de los Angeles (Contessa), Renate Holm (Susanna), Luisa Bartoletti (Marcellina), Susana Rouco (Barbarina), Walter Berry (Figaro), Renato Cesari (Conte), Nino Falzetti (Don Basilio), Carlos Feller (Dottor Bartolo), Eduardo Ferracani (Antonio) und Carlos Giusti (Don Curzio) / Coro e Orquestra del Teatro Colón / Chorltg.: Tullio Boni / Dirigent: István Kertész (Buenos Aires, Teatro Colón, 20. 9. 1964) 'Premiere Opera' (CD) Renato Cesari sprang kurzfristig für Hermann Prey ein.



    "Khovanshchina" (Mussorgskii): (Marfa) mit Judith Beckmann (Emma), Nicolai Ghiaurov (Ivan Khovanskii), Wieslaw Ochman (Andrei Khovanskii), Harald Ek (Galitsin), Bernd Weikl (Shaklovitii), Martti Talvela (Dosifei), Peter Haage (Der Schreiber), Peter Klose (Varsonofev), Kurt Marschner (Kuska), Erland Hagegard (Streshnev), Ernst Wiemann und Toni Blankenheim (Zwei Strelizen) / Der Chor und das Orchester der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Günther Schmidt-Bohländer / Dirigent: Horst Stein (Hamburg, Staatsoper, 28. 9. 1974) Bisher unveröffentlicht. Aufgeführt wurde die Oper - in russischer Sprache - in der Bearbeitung von Dmitri Shostakovich, aufgeteilt in drei Akte und mit einigen Kürzungen; so fehlten z. B. die für die Handlung wichtigen Personen der Altgläubigen Susana und des deutschen evangelischen Pastors. Christa Ludwig sang die Partie der Marfa nur in diesen 9 Hamburger Vorstellungen und danach nicht wieder. (Es gab keine Rundfunkübertragung, erhalten ist aber ein 'In-House'-Mitschnitt.) Diese Version von "Die Machenschaften der Khovanskiis" - so lautet die Übersetzung des Operntitels, man kann es auch derber ausdrücken - benutzte der Regisseur der Hamburger Inszenierung, August Everding, auch 1985 an der New Yorker Metropolitan Opera, als dort die Oper mit u. a. Helga Dernesch (Marfa), Aage Haugland (Ivan Khovanskii), Dénes Gulyás (Andrei Khovanskii), Wieslaw Ochman (Galitsin), Alan Monk (Shaklovitii) und Martti Talvela (Dosifei) unter der Leitung von Neeme Järvi gegeben wurde.



    "Memento - Romance de la guardia civil espanola" (Nono): Der Chor und das Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Otto Franze / Dirigent: Bruno Maderna (Hamburg, Funkhaus, 16. 2. 1953, Uraufführung) Bisher unveröffentlicht. Luigi Nono komponierte diesen 3. Teil des 'Epitaphs auf Federico Garcia Lorca' 1952 für eine Sprechstimme (vorzutragen in einer Art Sprechgesang), einen Chor (singend und sprechend) und ein Orchester unter Verwendung von Originaltexten Garcia Lorcas in spanischer Sprache.



    "Orpheus in der Unterwelt" (Offenbach): (Cupido) mit u. a. Betina Brucker (Eurydike), Maria-Madlen Madsen (Diana), Franz Fehringer (Orpheus), Günther Ambrosius (Pluto/Aristeus), Sanders Schier (Jupiter) und Willy Hofmann (Hans Styx) / Der Chor und das Sinfonie-Orchester des Hessischen Rundfunks / Chorltg.: Edmund von Michnay / Dirigent: Kurt Schröder. Diese am 18. 4. 1949 vom Hessischen Rundfunk in Frankfurt gesendete Aufnahme ist leider gelöscht worden!



    "Die Weihe der Nacht" (Reger): Der Chor der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien / Chorltg.: Helmuth Froschauer / Die Wiener Philharmoniker / Dirigent: Zubin Mehta (Wien, Musikverein, 7. 6. 1980) Bisher unveröffentlicht. Eine Komposition Max Regers von 1911 für eine Altstimme, Männerchor und Orchester nach einem Gedicht von Friedrich Hebbel. Bekannter als dieses Werk ist die Kantate "An die Hoffnung" von 1912 (auf Worte von Friedrich Hölderlin) für Soloalt und Orchester; es gibt davon eine Aufnahme mit Christa Ludwig und dem Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Eugen Jochum, gesendet am 19. 8. 1961.



    "Samson et Dalila" (Saint-Saens): (Dalila) mit Ludovic Spiess (Samson), Kostas Paskalis (Le Grand Pretre de Dagon), Tugomir Franc (Abimélech, Satrape de Gaza), Helge von Bömches (le vieille hebreu), Ewald Aichberger (un messager philistin), Wolfgang Witte (Premier Philistin) und Jaroslav Stajnc (Deuxième Philistin) / Die Wiener Singakademie / Der ORF-Chor und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien / Chorltg.: Gottfried Preinfalk / Dirigent: Argeo Quadri (Wien, Konzerthaus, 14. 5. 1972) Bisher unveröffentlicht. Es gibt eine Schallplattenaufnahme von 1972 mit Ludovic Spiess, Elena Cernei und Dan Jordachescu unter Kurt Adler - hauptberuflich Chorleiter der New Yorker 'Met' - bei 'Electrecord'; Christa Ludwig hatte ihre Studio-Aufnahme 1973 mit James King und Bernd Weikl unter Giuseppe Patané bei 'Eurodisc'.



    "Vom Tode" (Schiske): mit Ilona Steingruber, Erich Kienbacher und Gottlob Frick / Der Chor des Österreichischen Rundfunks / Chorltg.: Gottfried Preinfalk / Das Große Wiener Rundfunkorchester / Dirigent: Miltiades Caridis (Wien, Funkhaus, 2. 11. 1958, Live-Sendung - am 6. 3. 1960 gab es eine Wiederholungssendung) Bisher unveröffentlicht. Dieses Oratorium 'nach Worten großer Dichter' komponierte Karl Schiske 1946 nach den Erfahrungen der Schrecken des Zweiten Weltkrieges - der Pazifist war als Soldat eingezogen worden, sein Bruder ist gefallen. Karl Böhm dirigierte 1948 die Uraufführung. (Karl Schiske, der 1969 mit 53 Jahren starb, ist im Ausland hauptsächlich als hoch geehrter Kompositionslehrer bekannt geworden.)



    "Das Buch mit sieben Siegeln" (Schmidt): mit Wilma Lipp, Julius Patzak (Johannes), Walter Berry (Die Stimme des Herrn), Fritz Wunderlich und Stefan Kosso / Der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien / Chorltg.: Reinhold Schmid / Die Wiener Symphoniker / Dirigent: Heinz Wallberg (Wien, Musikverein, 6. 1. 1959) Bisher unveröffentlicht. Heinz Wallberg dirigierte dieses Oratorium von Franz Schmidt im Wiener Musikverein auch am 30. 3. 1962 mit Melitta Muszely, Christa Ludwig, Anton Dermota (Johannes), Walter Berry (Die Stimme des Herrn), Horst Weymar und Johannes Kathol. Es wirkten wieder der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde und die Wiener Symphoniker mit. Den Mitschnitt sendete der ORF am 30. 4. 1962 - bisher unveröffentlicht. (Anton Dermota sang auch in der Uraufführung 1938, allerdings nicht den 'Johannes', sondern das Tenorsolo.)



    "Gurrelieder" (Schönberg): (Das Lied der Waldtaube) mit Sena Jurinac (Tove), Jaroslav Kachel (Waldemar), Gerhard Stolze (Klaus Narr), Martti Talvela (Ein Bauer) und Uwe Friedrichsen (Sprecher) / Der Chor der Deutschen Oper Berlin / Chorltg.: Walter Hagen-Groll / Die Berliner Philharmoniker / Dirigent: Herbert von Karajan (Berlin, Philharmonie, 24. und 25. 2. 1967) Bisher unveröffentlicht. (Diese Konzerte wurden nicht im Rundfunk übertragen; im Archiv der Berliner Philharmoniker soll sich aber ein Mitschnitt der Generalprobe befinden.) Veröffentlicht wurde aber auf CDs der Firma 'Arkadia' der Mitschnitt eines Konzerts vom 10. 6. 1969 im Wiener Konzerthaus mit Gundula Janowitz (Tove), Christa Ludwig (Das Lied der Waldtaube), Arturo Sergi (Waldemar), Murray Dickie (Klaus Narr), Herbert Lackner (Ein Bauer) und Eva Pilz (Sprecherin) / Die Wiener Singakademie / Der Wiener Schubertbund / Der Chorus Viennensis / Die Wiener Symphoniker / Dirigent: Josef Krips.



    "Messe Nr. 5, D 678" (Schubert): mit Edith Mathis, Werner Hollweg und Walter Berry / Der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien / Chorltg.: Helmuth Froschauer / Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien / Dirigent: Julius Rudel (Wien, Stadthalle, 21. 5. 1978) Bisher unveröffentlicht. Eines der seltenen Chorkonzerte in der akustisch schwierigen Wiener Stadthalle.



    Viele Grüße!



    Carlo