"Le Duc d'Albe" ('Il Duca D'Alba' / 'Der Herzog von Alba') (Gaetano Donizetti)
Gaetano Donizetti verhandelte 1838 mit der Pariser Grand Opéra (Salle Le Peletier) über die Uraufführungen von drei französischen Opern aus seiner Feder („Les Martyrs“, ein bereits fertig komponiertes Werk, das als „Poliuto“ von der italienischen Zensur abgelehnt wurde; „L’Ange de Nisida“, die dann zu „La Favorite“ werden sollte; „Le Duc d’Albe“ über die spanische Besetzung der Niederlande auf ein Libretto von Eugène Scribe und Charles Duveyrier). Der neue Direktor der Grand Opéra ab 1841 als Nachfolger von Henri Duponchel, Léon Pillet, hatte die Mezzosopranistin Rosine Stoltz als Geliebte, die die Hauptrolle in „La Favorite“ übernehmen sollte. Sie konnte nicht akzeptieren, dass die einzige weibliche Rolle in „Le Duc d’Albe“ von Donizetti für ihre schärfste Konkurrentin, die beliebte Sopranistin Julie Dorus-Gras (die eigentlich Julie van Steenkiste hieß) geschrieben wurde und verlangte vom Komponisten entsprechende Änderungen. Donizetti verspürte nach den Streitigkeiten mit der Sängerin und dem Direktor der Grand Opéra immer weniger Lust, an diesem Bühnenwerk weiter zu arbeiten und er erklärte schließlich, diese Bühne habe keine geeigneten Sänger dafür. Statt dessen machte er sich an die Komposition von „Dom Sébastien, roi du Portugal“, der 1843 uraufgeführt wurde - natürlich mit Rosine Stoltz in der einzigen weiblichen Rolle dieser Oper. (Einige Teile aus „Le Duc d’Albe“ entnahm Donizetti für „La Favorite“, z. B. die Tenorarie ‚Ange du ciel‘ aus dem vierten Akt, die in der dreiaktigen italienischen Fassung als "La Favorita" 'Spirto gentil, de' sogni miei' heißt. Eugene Scribe schrieb das Libretto zu „Le Duc d’Albe“ um und bot es 1855 Giuseppe Verdi an, der es als „Les Vêpres siciliennes“ vertonte.)
Die vor allem in den beiden Akten drei und vier kaum brauchbare Partitur des "Duc d'Albe" besaß nach Gaetano Donizettis Tod ein Buchhalter, der vom Nachlassgericht beauftragt wurde, das Erbe an die zerstrittene Familie des Komponisten zu verteilen. Als 1875 Donizettis Gebeine nach Bergamo in die Kirche Santa Maria Maggiore überführt wurden, ließ die Gemeinde Bergamo die Partitur von „Le Duc d’Albe“ von einem Experten-Gremium (Alessandro Nini, Giovanni Bertuletti und Bernardino Zanetti) prüfen und man entschied, sie unvollendet zu lassen. Doch 1881 kaufte die Musikverlegerin Giuseppina Lucca aus Mailand die Noten und übergab sie dem dortigen Konservatorium (mit den Komponisten Antonio Bazzini, Cesare Dominiceti und Amilcare Ponchielli als Gutachtern), wo man einen Schüler Donizettis - Matteo Salvi (1816-1887) - damit beauftragte, die Oper zwar im Sinne und in der Manier Donizettis zu Ende zu komponieren, aber auch den inzwischen vorherrschenden Stil des Verismo zu berücksichtigen. (Mit der italienischen Übersetzung des Librettos betraute man Angelo Zanardini; aus Hélène und Henri wurden Amelia und Marcello.) Salvi verdanken wir auch die Komposition des bekanntesten Stücks der Oper – die Tenorarie ‚Inosservata penetrava... Angelo casto e bel‘. In dieser Form kam „Il Duca D’Alba“ am 12. 3. 1882 am Teatro Apollo in Rom zur glanzvollen Uraufführung, wurde noch ein paar Mal nachgespielt und geriet dann in Vergessenheit.
Angeblich auf einem römischen Flohmarkt entdeckte der Dirigent Fernando Previtali 1951 die Partitur von „Il Duca D’Alba“ (in der Fassung von Matteo Salvi) und nahm die Oper für den italienischen Staatsrundfunk RAI auf. Für das ‚Festival dei Due Mondi 1959‘ in Spoleto besorgte der Dirigent Thomas Schippers eine eigene Fassung, die Salvis Ergänzungen möglichst ignorierte und sogar Teile von der Hand Donizettis außer Acht ließ; so kam die Oper auf eine Aufführungsdauer von nur 115 Minuten (siehe unten)! Der Komponist Giorgio Battistelli (Jahrgang 1953), beraten vom Donizetti-Forscher Roger Parker, schuf für die französischsprachige Uraufführung 2012 in Antwerpen eine Version, die den Bruch zwischen Donizettis und Battistellis Musiksprache nicht kaschiert, was von einigen Musikkritikern lobend erwähnt wurde.
"Le Duc d'Albe" / "Il Duca D'Alba" / "Der Herzog von Alba":
Le Duc d’Albe, le gouverneur des Pays-Bas – Bariton / Hélène, la fille du Comte d’Egmont – Sopran / Henri de Bruges, un jeune flame – Tenor / Daniel, un brasseur de bière - Bass / Sandoval, un officier espagnol - Bass / Carlos, un lieutenant espagnol - Tenor / Balbuena, un soldat espagnol – Tenor / Un tavernier – Tenor.
Il Duca D’Alba, il governatore dei Paesi Bassi – Bariton / Amelia, la figlia del Conte di Egmont – Sopran / Marcello, un giovane fiammingo - Tenor / Daniele, un produttore di birra - Bass / Sandoval – un ufficiale spagnolo – Bass / Carlos, un tenente spagnolo - Tenor / Balbuena, un soldato spagnolo – Tenor / Un taverniere – Tenor.
Der Herzog von Alba, Statthalter der Niederlande – Bariton / Hélène (Amelia), Tochter des Grafen von Egmont – Sopran / Henri (Marcello), ein junger Flame – Tenor / Daniel (Daniele), ein Bierbrauer - Bass / Sandoval, ein spanischer Offizier – Bass / Carlos, ein spanischer Leutnant – Tenor / Balbuena, ein spanischer Soldat – Tenor / Ein Wirt - Tenor.
Es gibt folgende Aufnahmen:
Il Duca D’Alba – Gian Giacomo Guelfi / Amelia – Caterina Mancini / Marcello – Amedeo Berdini / Daniele – Nestore Catalani / Sandoval – Dario Caselli / Carlos – Aldo Bertocci / Un taverniere – Manfredi Ponz De Leon / Il Coro e l’Orchestra di Roma della RAI / Chorltg.: Nino Antonellini / Dirigent: Fernando Previtali (Rom, L’auditorio della Radiotelevisione Italiana, 9. 12. 1951, Sendung am 12. 1. 1952). Dies war die erste Aufnahme von Gaetano Donizettis Oper (in italienischer Sprache) in Matteo Salvis Fassung (incl. der Arie ‚Inosservata penetrava... Angelo casto e bel‘); sie ist wiederholt bei diversen Firmen auf LP und CD erschienen.
Il Duca D’Alba – Louis Quilico / Amelia – Ivana Tosini / Marcello – Renato Cioni / Daniele – Franco Ventriglia / Sandoval – Wladimiro Ganzarolli / Carlos – Enzo Tei / Il Coro del Teatro ‚Giuseppe Verdi‘ di Trieste / Chorltg.: Adolfo Fanfani / L’Orchestra Filarmonica Triestina / Dirigent: Thomas Schippers (Spoleto, Teatro Nuovo , 11. 6. 1959). Fassung von Thomas Schippers. Diese dreiaktige Version verzichtet weitgehend nicht nur auf Matteo Salvis Ergänzungen, sondern u. a. auch auf Teile, die offensichtlich aus der Hand Donizettis stammen; andererseits fügt sie die Arie des Henri bzw. Marcello ein, die Donizetti in „La Favorite/La Favorita" übernahm: ‚Ange si pur‘ bzw. ‚Spirto gentil‘. Somit ergibt sich eine Aufführungsdauer von nur ca. 115 Minuten. Diese Fassung liegt mehreren Aufnahmen zu Grunde.
Il Duca D’Alba – Anselmo Colzani / Amelia – Ivana Tosini / Marcello – Renato Cioni / Daniele – Bruno Cioni / Sandoval – Wladimiro Ganzarolli / Carlos – Mario Ferrara / Il Coro e l’Orchestra del Teatro Comunale di Bologna / Chorltg.: Livio Botti und Rolando Maselli / Dirigent: Danilo Belardinelli (Bologna, Teatro Comunale, 23. 12. 1959). Fassung von Thomas Schippers. Ein Tonband-Mitschnitt aus der Sammlung von Luigi Marandino.
Il Duca D’Alba – Silvano Carroli / Amelia – Marina Krilovici / Marcello – Ottavio Garaventa / Daniele – Pali Marinov / Sandoval – Frangiskos Voutsinos / Carlos – Pierre Lanni / Il Duca de Medina Coeli – Ramon Berry / Le Choeur et l’Orchestre du Théâtre de la Monnaie / Chorltg.: Guido Vermandere / Dirigent: Oliviero De Fabritiis (Brüssel, Théâtre de la Monnaie, 28. 9. 1979). Fassung von Thomas Schippers. Eine Aufnahme von ‚Mauro R. Fuggette‘ auf drei LPs (MRF 170-S). Statt des betrunkenen spanischen Soldaten ‚Balbuena’ wurde in Brüssel die Rolle des ‚Herzogs von Medina Coeli‘ genannt.
Il Duca D’Alba – Silvano Carroli / Amelia – Angeles Gulin / Marcello – Ottavio Garaventa / Daniele – Mario Rinaudo / Sandoval – Gianfranco Casarini / Carlos – Ermanno Lorenzi / Il Coro e l’Orchestra di San Carlo di Napoli / Chorltg.: Michele Lauro / Dirigent: Anton Guadagno (Neapel, Teatro di San Carlo, 3. 1. 1980). Fassung von Thomas Schippers. Ein Mitschnitt, den ‚Mr. Tape‘ aus New York angeboten hat.
Il Duca D’Alba – Renato Bruson / Amelia – Ruth Falcon / Marcello – Renzo Casellato / Daniele – Paolo Washington / Sandoval – Ivo Ingram / Carlos – Gianfranco Manganotti / Il Coro e l’Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino / Chorltg.: Roberto Gabbiani / Dirigent: Donato Renzetti (Florenz, Teatro Comunale, 23. 12. 1981). Fassung von Thomas Schippers mit der Arie ‚Spirto gentil‘. Die Premiere dieser Inszenierung von Mauro Bolognini war am 15. 12. 1981. ‚Living Stage‘ gab diesen Mitschnitt auf zwei CDs heraus (LS 1082), nennt aber als Datum den 23. 5. 1981.
Il Duca D’Alba – Matteo Manuguerra / Amelia – Marina Krilovici / Marcello – Dalmacio González / Daniele – Greg Ryerson / Sandoval – John Trout / Carlos - Dennis Petersen / The Schola Cantorum, New York / Chorltg.: Hugh Ross / The Opera Orchestra of New York / Dirigentin: Eve Queler (New York, Carnegie Hall, 28. 10. 1982). Fassung von Matteo Salvi – mit der Arie ‚Inosservata penetrava… Angelo casto e bel‘. Die Rundfunkübertragung des Konzerts wird bei ‚House of Opera‘ als MP3-Download angeboten.
Il Duca D’Alba – Alan Titus / Amelia – Michela Sburlati / Marcello – César Hernández / Daniele – Robert Milne / Sandoval – Marco Pauluzzo / Carlos – Dennis Petersen / The Westminster Choir / Chorltg.: Donald Nally / The Spoleto Festival Orchestra / Dirigent: Alberto Maria Giuri / Bühnenbild, Kostüme und Regie: Filippo Sanjust / TV-Regie: Tonino Del Colle (Spoleto, Teatro Nuovo, Juni 1992). Eine TV-Aufzeichnung der RAI von der Wiederaufnahme (Premiere am 24 6. 1992) der Inszenierung von 1959 mit der szenischen Rekonstruktion der Uraufführung von 1882 durch Luchino Visconti und Filippo Sanjust. 1992 gebrauchte man aber - statt der Schippers-Fassung von 1959 - die um eine Dreiviertelstunde längere Version Matteo Salvis mit der Arie 'Inosservata penetrava... Angelo casto e bel'! (‚House of Opera‘ bietet die TV-Sendung auf VHS und DVD an.)
Il Duca D’Alba – Franck Ferrari / Amelia – Inva Mula / Marcello – Arturo Chacón-Cruz / Daniele – Mauro Corna / Sandoval – Francesco Ellero D’Artegna / Carlos – Nikola Todorovitch/ Un taverniere – Karlis Rutentals / Latvijas Radio Koris (Der Chor des Lettischen Rundfunks) / Chorltg.: Sigvards Klava / L’Orchestre National de Montpellier Languedoc-Roussillon / Dirigent: Enrique Mazzola (Montpellier, Opéra Berlioz-Le Corum, 16. 7. 2007). Fassung von Matteo Salvi. Der Mitschnitt der konzertanten Aufführung aus Montpellier - in italienischer Sprache - ist 2008 bei ‚Accord‘ (480 0845) auf zwei CDs erschienen; beigefügt ist auf DVD eine knapp 30minütige Video-Dokumentation über Donizettis „Le Duc d’Albe“.
Le Duc d’Albe – George Petean / Hélène – Rachel Harnisch / Henri – Ismael Jordi / Daniel – Igor Bakan / Sandoval – Vladimir Baykov / Carlos und Balbuena – Gijs van der Linden / Un tavernier – Stephan Adriaens / Het Koor en het Symfonieorkest van de Vlaamse Opera, Antwerp - Ghent / Chorltg: Yannis Pouspourikas / Dirigent: Paolo Carignani (Antwerpen, Vlaamse Opera, 11. 5. 2012). Fassung von Giorgio Battistelli und Roger Parker. Ein Mitschnitt der Uraufführung in französischer Sprache aus der Flämischen Oper in Antwerpen auf zwei CDs bei ‚Dynamic‘ (CDS 7665).
Le Duc d’Albe – Laurent Naouri / Hélène – Angela Meade / Henri – Michael Spyres / Daniel – Gianluca Buratto / Sandoval – David Stout / Carlos – Trystan Llỳr Griffiths / Balbuena – Robin Tritschler / Un tavernier – Dawid Kimberg / The Opera Rara Chorus / Chorltg.: Stephen Harris / The Hallé Orchestra / Dirigent: Mark Elder (Manchester, Ancoats, Saint Peter’s Church, Juni 2015). Eine Studio-Produktion von ‚Opera Rara‘ (ORC 54) in französischer Sprache auf zwei CDs, veröffentlicht 2016. Eingespielt wurden nur die ersten zwei Akte in der von Roger Parker revidierten Fassung von Matteo Salvi nach Donizettis Original-Partitur; wenige fehlende Stellen in der Orchestrierung wurden von Martin Fitzpatrick gefüllt.
Carlo
