Beiträge von Carlo

    Lieber Rüdiger,


    ich bin kein ausgesprochener Callas-Fan, obwohl ich ihr am 20. 5. 1963 bei ihrem Stadtbummel in Begleitung von Georges Prêtre auf der Düsseldorfer 'Kö' – sie gab abends ein Konzert in der Rheinhalle – begegnet bin (sie stand minutenlang neben mir und begutachtete laut kommentierend die Schaufensterauslage einer Buchhandlung) und ich auch ein Autogramm von ihr besitze. (Einige Callas-Fans, denen ich davon erzählte, wären an meiner Stelle vermutlich in Ohnmacht gefallen.) In Paris habe ich aus purer Neugier im Juni 1977 – einige Wochen vor ihrem Tod – vor ihrem Wohnhaus in der Avenue Georges Mandel No. 36 im vornehmen 16. Arrondissement gestanden und war etwas enttäuscht über das profane Wohnungsumfeld. (Der baumbestandene Mittelstreifen dieser Straße heißt heute 'Allée Maria Callas' und am Haus befindet sich eine Tafel.)


    Aber ich habe schon in den 50er Jahren sehr viele Unterlagen über sie gesammelt (Zeitschriften, Opernkritiken, Schallplattenrezensionen und Fotos); inzwischen sind mehrere internationale Bücher und 11 Video-Kassetten (à vier Stunden) mit TV-Dokumentationen dazugekommen. Ich kann mich noch sehr gut an die damals in der Öffentlichkeit z. T. sehr heftig geführten Diskussionen (sogar mit Prügeleien) erinnern, wobei es aber meistens um ihre Persönlichkeit (die “Tigerin”) und ihre angeblichen 'Skandale' ging, was durch oft provokante Äußerungen der Sängerin noch untermauert wurde. (Ein Zeitungsinterview begann sie mit den Worten: “Von welchem Skandal soll ich Ihnen erzählen?”.)


    Mich haben ihre Persönlichkeit und ihre Ausstrahlung fasziniert, aber – ehrlich gesagt – ich fremdle mit ihrer Stimme (das berühmte 'Bitterorangen-Timbre') und ich finde die Callas eigentlich nur in solchen Rollen kongenial, die eine gewisse Nervosität und Unbedingtheit in sich haben, z. B. Tosca, Norma, Medea, La Gioconda – aber für zahlreiche andere ihrer auf Tonträgern fest gehaltenen Partien kenne ich überzeugendere Interpretationen. Sie war für mich in erster Linie eine 'Darstellerin' mit einer bei einer Opernsängerin selten zu erlebenden faszinierenden mimischen und gestischen Ausdruckskraft, doch leider gibt es bekanntlich nur wenige optische Dokumente ihrer Schauspielkunst.!


    Aber bevor hier jetzt eine große Diskussion über die 'Einzige' – fanatische Fans nennen sie sogar die 'heilige Maria' – losgeht, kehren wir besser zum Thema “Mario Lanza und seine Filme” zurück; auch da lässt es sich herrlich diskutieren!


    Viele Grüße!


    Carlo

    Liebe Taminos,


    Mario Lanza gehört wohl – neben Maria Callas – zu den am meisten diskutierten und auch am kontroversesten beurteilten Sängern in der neueren Geschichte des (klassischen) Gesangs, wobei sich bei beiden fanatische Bewunderung und krasse Ablehnung die Waage halten. Doch während bei der Sopranistin – die nur wenige der heute noch Lebenden auf der Bühne gesehen haben und die mangels fehlender 'bewegter Bilder' (abgesehen von zwei TV-Aufzeichnungen des zweiten „Tosca“-Aktes) heute nur anhand ihrer Tondokumente beurteilt werden kann - sich die Frage nach der (durchaus umstrittenen) stimmlichen Qualität und ihrer Gesangstechnik durch ihre singuläre gestalterische Ausdrucksvielfalt in großen Opernrollen fast erübrigt, ist es bei dem Tenor - nach Meining vieler 'Experten' - gerade umgekehrt: das zweifellos prachtvolle Stimm-Material wird wegen fehlender Opernpraxis durch einen (oberflächlich gesehen) phantasie- und stillosen Gesang konterkariert, unterstützt durch das Singen von belangloser Musik in noch belangloseren Unterhaltungsfilmen. Zudem wird diese Einschätzung durch die hierzulande noch immer praktizierte Unterscheidung von E- und U-Musik untermauert, während in den Vereinigten Staaten – und Mario Lanza war gerade wegen seines Immigranten-Hintergrunds eine typisch amerikanische Erscheinung – ein Sänger, der beide Musikrichtungen 'bedient', sich besonderer Aufmerksamkeit sicher sein kann.


    Die meisten Melomanen rümpften damals – und rümpfen noch heute – die Nase, wenn der Name 'Mario Lanza' in Verbindung mit klassischem Gesang genannt wird. Ein Tenor, der seine weltweite Popularität der Mitwirkung in mediokren Filmen und dem millionenfachen Verkauf von Schallplatten mit 'seichtem' Repertoire verdankt, der nur einige wenige Male auf der Opernbühne stand und - angeblich - keine Noten lesen konnte (was aber durch zahlreiche Aussagen von Sänger-Kollegen und Dirigenten widerlegt wurde)! Und doch hat dieser Sänger eine positive Spur in der Biographie vieler Menschen – die meistens aus kleinbürgerlichen Verhältnissen kamen, denen die 'elitäre' Welt der klassischen Musik fremd war oder die, selbst wenn in ihrer Nähe ein Opernhaus erreichbar war, dies aus 'Schwellenangst' nicht betraten - hinterlassen, weil er in ihnen durch einen Kinobesuch oder die Fernsehsendung eines seiner Filme den Grundstein der Liebe und Begeisterung für die klassische Musik und die Oper gesetzt hat.


    Natürlich sieht man diese – innerhalb von zehn Jahren von 1949 bis 1959 gedrehten – Filme heute mit ganz anderen Augen: eine meistens triviale Handlung an der Grenze zum Gefühlskitsch, die lediglich dazu dient, die Gesangsnummern des 'Helden' herauszustellen, ein etwas fragwürdiges Frauenbild und kaum ein Anflug von Sozialkritik. Aber die Menschen jener Zeit versuchten nach den Problemen und Verwerfungen der davor liegenden Jahre sich mit Hilfe von schönen bunten Bildern und leicht eingängiger Musik aus ihrem oft öden und tristen Alltag wegzuträumen. Man sollte daher diese, oft abfällig als 'Schnulzen' bezeichneten, Filme unter diesem Blickwinkel sehen. Ausserdem wurden sie durch die verwendeten Musiknummern (Opernarien, italienische Canzonen und Tenorschlager) und nicht zuletzt durch Mario Lanzas Stimme 'veredelt'.


    Beim Wiederanschauen von seinen sieben Spielfilmen - von „The Student Prince“ ('Alt-Heidelberg') habe ich nur einige Ausschnitte in meiner Video-Sammlung, aber da ist nur seine Stimme zu hören, während sein 'Double' Edmond Purdom im Vergleich zum Darsteller Mario Lanza geradezu farblos und einförmig wirkt, was aber von der Regie so beabsichtigt war und worüber noch zu reden ist – mit einem Abstand von zwanzig Jahren ist mir positiv aufgefallen, was für ein lockerer und vielseitiger Schauspieler er auch war und wie emphatisch er seine Gesangsstücke mit geradezu 'sprechender' Mimik und Gestik vorträgt. Dies kann man auch bei den auf YouTube zu sehenden Live-Auftritten beobachten; das mag aus heutiger Perspektive altmodisch wirken, aber diese Art des 'Zelebrierens' scheint mir wesentlich effektiver als das hierzulande bei Arien-Konzerten (im Fernsehen) oft zu beobachtende 'Steh und sing-Gehabe', wo schon das Heben einer Augenbraue als 'Ausdruck' gilt und jede Emotion in den Gesang verlagert wird.


    Neben Elvis Presley und Frank Sinatra war Mario Lanza in den 50er Jahren der größte Gesangsstar Amerikas, seine Schallplatten erzielten Millionenumsätze und seine Filme gingen um die ganze Welt. Der „Schwann Record & Tape Guide“ verzeichnete noch 1975 neunundzwanzig Einzel-LPs, wobei seine Exclusiv-Schallplattenfirma 'RCA Victor' Lanza als 'klassischen' Sänger mit der Prefix 'LM' bzw. 'LSC' vor den Katalognummern (mit rotem Etikett) einstufte – die Katalognummern der 'Pop-Sänger' hatten die Prefix 'LPM' bzw. 'LSP' und ein schwarzes Etikett. Noch bis Mitte der achtziger Jahre hielt die 'RCA Victor' seine Platten hochpreisig im Katalog, ständig durch erstmalige Veröffentlichung von Live-Mitschnitten seiner Konzerte und Fernseh-Auftritte ergänzt.


    Da ich festgestellt habe, dass die sogenannten 'Mario-Lanza-Filme' schon seit Jahren nicht mehr im deutschsprachigen Fernsehen zu sehen waren und es auch nicht von allen VHS- bzw. DVD-Veröffentlichungen gibt, werde ich sie in den nächsten Wochen hier vorstellen, indem ich die Handlung nacherzähle und die in den Filmen vorgetragenen Musikstücke nenne. Es muss vorab darauf hingewiesen werden, dass der Soundtrack zu den im Playback-Verfahren gedrehten MGM-Filmen nicht mit den von Lanzas Exclusiv-Schallplattenfirma 'RCA Victor' (in Verbindung mit diesen Filmen) veröffentlichten Aufnahmen identisch ist. In den Tonstudios der MGM in Hollywood wurden die einzelnen Gesangssstücke stets vollständig eingespielt, aber in den endgültigen Filmen sind meistens nur Bruchstücke davon zu sehen oder sie wurden erst gar nicht in den Film übernommen (wie z. B. ein Duett aus „Rigoletto“ mit Jarmila Novotna und Mario Lanza für „Der große Caruso“). Eine eingehende Beurteilung der gesanglichen Ausformung der gezeigten Musikstücke seitens des Tenors ist somit von daher kaum möglich.


    In chronologischer Reihenfolge beginne ich in den nächsten Tagen mit Mario Lanzas erstem Spielfilm „That Midnight Kiss“ aus dem Jahre 1949.


    Carlo

    Lieber Rüdiger.


    am 25. 8. 2019 habe ich diese Aufnahme im Thread zu Lisa Della Casa genannt und folgendes dazu geschrieben:



    "Le nozze di Figaro" (Mozart): Lisa Della Casa (Contessa) mit Irmgard Seefried (Susanna), Sena Jurinac (Cherubino), Rosette Anday (Marcellina), Anny Felbermayer (Barbarina), Erich Kunz (Figaro), Paul Schöffler (Conte), Murray Dickie (Basilio), Oskar Czerwenka (Bartolo), Walter Berry* (Antonio) und William Wernigk (Curzio) / Due ragazze: Alberta Kolm und Gerda Happ / Der Chor der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Richard Rossmayer / Die Wiener Philharmoniker / Dirigent: Karl Böhm (London, Royal Festival Hall, 13. 9. 1954). 2018 veröffentlichte 'ICA Classics' diesen Rundfunk-Mitschnitt aus der legendären 'Richard Itter Collection'. („Le nozze di Figaro“ wurde beim Londoner Gastspiel der Wiener Staatsoper – in einer semi-konzertanten Version – dreimal aufgeführt: am 13., 20. und 24. 9. 1954.) *ICA gibt Walter Berry als Antonio an; lt. der Dokumentation „Karl Böhm an der Wiener Staatsoper“ sang an diesem Abend aber Harald Pröglhöf. Hat einer der 'Taminos' diese CDs und kann das bestätigen? Berrys Stimme ist ja leicht identifizierbar.



    Die oben genannten Daten beziehen sich auf das Dirigat von Karl Böhm; drei weitere Vorstellungen leitete Heinrich Hollreiser. Harald Pröglhöf sang lt. der oben genannten Dokumentation von Harald Hoyer (Österreichischer Bundestheaterverband, Wien 1981) den 'Antonio' am 13. (Datum der Rundfunkübertragung), 20. und 24. 9. 1954 in London, während Walter Berry lt. diesem Buch am 24. 9. den 'Figaro' unter Böhm sang (am 13. und 20. 9. war Erich Kunz der 'Figaro').


    Noch konfuser wird die Angelegenheit, wenn man im Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper nachschaut: dort ist nur der 13. 9. 1954 als Londoner Gastspiel ausgewiesen (in deutscher Sprache!) mit Harald Pröglhöf als 'Antonio', während die Aufführungen vom 16. 9. (Hollreiser / Figaro: Berry), 18. 9. (Hollreiser / Figaro: Berry), 20. 9. (Böhm / Figaro: Kunz), 22. 9. (Hollreiser / Figaro: Berry) und 24. 9. (Böhm / Figaro: Berry) angeblich alle in deutscher Sprache im Theater an der Wien statt fanden! (In allen diesen Vorstellungen sangen Harald Pröglhöf den 'Antonio' und Lisa Della Casa die 'Gräfin'.) Die Daten 13. 9., 16. 9., 20. 9., 22. 9. und 24. 9 werden auch von Hubert Hackenberg und Walter Herrmann in ihrem Buch "Die Wiener Staatsoper im Exil 1945 - 1955" genannt - aber für das Londoner Gastspiel (5 x "Hochzeit des Figaro", 4 x "Don Giovanni"* und 3 x "Cosi fan tutte")! (Leider habe ich keine Ausgabe des "Opera"-Magazins aus dieser Zeit, um diese verwirrenden Angaben zu überprüfen.) * Den "Don Giovanni" mit London, Kunz, Weber, Grümmer, Simoneau, Jurinac, Pröglhöf und Loose unter Böhm habe ich auf CD von 'Archipel' - und da wird ein falsches Datum (15. 9. 1954) und ein falscher Aufführungsort (Royal Opera House, Covent Garden) genannt, richtig sind der 14. 9. 1954 und die Royal Festival Hall.


    Wie dem auch sei, es ist also zweifelhaft, ob Walter Berry in der 'ICA Classics'-Aufnahme tatsächlich der 'Antonio' ist. (Seinen letzten 'Antonio' sang er angeblich am 21. 6. 1954 unter Rudolf Moralt in einer Freilichtaufführung vor dem Schloss Schönbrunn.) Da ich die Londoner Aufnahme nur ausschnittweise von einer ORF-Sendung her kenne, verlasse ich mich auf Dein Urteil. (Ist denn die originale BBC-Ansage auf der CD enthalten?)


    Wie ich dem "Raffael"-Thread entnehme, warst Du ja noch vor ein paar Wochen in Florenz. Also, bleib gesund!


    Carlo

    Lieber Erich,


    es gibt bereits einen Thread zu diesem Buch, eröffnet am 21. 3. 2020: "Österreichische Tenöre der Nachkriegszeit" (mit sieben Beiträgen, darunter auch einen von Dir selbst)! Der Titel des Buches "Magische Töne" wurde aus speziellen Gründen dabei nicht als Überschrift verwendet.


    Ich bitte die Moderation, die drei obigen Beiträge dorthin zu verschieben.


    Carlo

    Lieber Calatrava,


    es freut mich für Dich, dass Du so viele – und vor allem rare - Aufnahmen von Hertha Töpper hast. Und da Du sie ja persönlich gekannt hast, kann man Dich sogar als einen Experten bezeichnen.


    Zur Beantwortung Deiner Fragen:


    Die Münchner Erstaufführung von Mussorgskis „Khovanstchina“ ('Die Fürsten Chowansky') in der Fassung von Nikolai Rimski-Korsakov am 8. 11. 1956 im Prinzregententheater geschah auf Initiative des neuen Münchner Generalmusikdirektors Ferenc Fricsay und fand damals deutschlandweite Beachtung. Die Besetzung war großartig: neben Hertha Töpper als 'Marfa' – die Rolle war ihr quasi auf den Leib und die Stimmbänder geschrieben – sangen noch Gottlob Frick (Iwan Chowansky), Hans Hopf (Andrei Chowansky), Richard Holm (Fürst Golitsyn), Kieth Engen (Dosifey), Liselotte Fölser (Emma), Josef Metternich (Bojar Schaklowity) und Paul Kuen (Der Schreiber); die Inszenierung besorgte Rudolf Hartmann in den Bühnenbildern des Ungarn Gustav Olah, der kurz nach der Premiere in München verstarb. Doch leider blieb das Publikum dem Werk gegenüber indifferent und auch eine Rundfunkübertragung hat es m. W. nicht gegeben.


    Der Ausschnitt aus „Don Carlos“ mit der Arie der Prinzessin von Eboli stammt aus einer der über 150 Folgen der Rate-Show „Erkennen Sie die Melodie?“ (ZDF, 1969-1977 und 1980-1985), jahrelang moderiert von Ernst Stankovski und später von Johanna von Koczian und Günther Schramm. Der 'Kniff' der Sendungen war, dass drei Rate-Kandidaten aus den Bereichen 'Oper–Operette–Musical' Fragen zu einem Musikstück beantworten sollten, das ihnen in einer falschen (d. h. nicht dazu passenden) Dekoration und Kostümierung gezeigt wurde und, nachdem das richtige Stück (Arie, Duett oder Ensemble) erklungen war, noch einmal eine oder zwei Fragen dazu beantworten sollten. Beispiel: Zuerst singt Hertha Töpper im Kostüm der Prinzessin von Eboli die Arie der Azucena aus dem „Troubadour“. Nach Beantwortung von Fragen wie: „Welche Arie war das?“ und „Wen stellte Hertha Töpper dar?“ erklang dann die richtige Arie aus dem „Don Carlos“. Darauf folgten noch ein oder zwei weitere Fragen zu dieser Oper. (Bewertet wurden die richtigen Antworten nach einem Punktesystem – sprichwörtlich wurde der Satz der Assistentin Monika Strauch: „Der Kandidat hat 99 Punkte!“.) Die Tonaufnahmen erklangen vom Band - oder von der Schallplatte - im Playback-Verfahren. Ob Hertha Töpper hier ihre „Don Carlos“-Arie in der Aufnahme unter Ferenc Fricsay (1957) oder unter Horst Stein (1963) sang, ist die Rätsel-Frage für den Experten!


    Dass Frau Töpper sich dagegen gewehrt hat, dass ein Ausschnitt aus Puccinis „Der Mantel“ mit ihr als Frettchen gezeigt wird, kann ich nachvollziehen. Lt. der Kritik von Karl Heinz Ruppel war sie „die skurille Episodenfigur eines Frauenzimmers, das die Abfalleimer nach Putz, Hausrat und Futter für ihre gelbe Katze durchstöbert und die man sich eigentlich kümmerlicher, verwuselter vorstellt als die auch in verblichener Aufmachung immer noch eine gewisse 'tenue' bewahrende Hertha Töpper.“ (Bei dieser Produktion sind sich Julia Varady und Dietrich Fischer-Dieskau zum ersten Mal begegnet; in meiner Erinnerung – ich habe kein Video davon – war vor allem FiDi als betrogener Schleppkahn-Kapitän, der um die Liebe seiner vom Leben enttäuschten Frau bettelt und zum Mörder wird, äusserst berührend.) Warum das Fernsehen im Dezember 1973 nicht auch den „Gianni Schicchi“ mit Fischer-Dieskaus lebensnahem komödiantischen Titelheld, quasi ein Bruder Falstaffs, aufzeichnete, ist mir ebenso ein Rätsel wie die Besetzung der geldgierigen alten Zita mit Martha Mödl und nicht mit Hertha Töpper in dieser Inszenierung von Günther Rennert. (Die Schallplatte von der Pressestelle des WDR mit der Rundfunkaufnahme vom Dezember 1975 mit Fischer-Dieskau und Töpper sowie Gerti Zeumer und Robert Ilosfalvy unter Alberto Erede habe ich auch. Aber der „Gianni Schicchi“ ist eine Oper, die man sehen muss!)


    Abschließend habe ich nun eine Frage an den Experten: weißt Du die Besetzung der „Hänsel und Gretel“-Aufnahme des Bayerischen Rundfunks von Weihnachten 1953 mit Hertha Töpper und Rosl Schwaiger? Den Hänsel hat Frau Töpper in dieser Zeit auch an der Bayerischen Staatsoper gesungen. Ich erinnere mich an ein Interview mit Leonie Rysanek, wo sie belustigt erzählte, dass in ihren Aufführungen als 'Mutter' Gertrud ihre 'Kinder' (Erika Köth und Hertha Töpper) älter als sie selbst waren. (Natürlich könnte ich auch beim BR nachfragen, aber vermutlich ist auch dort zur Zeit alles etwas anders als normal.)


    Viele Grüße und bleib gesund!


    Carlo

    Hallo, 'wega',


    mit dem "Rosenkavalier" (2. Akt) und den Szenen aus der "Aida" kann ich Dir aushelfen, aber dazu musst Du Dich 'outen'. Den "Tristan" aus Osaka kannst Du auf YouTube sehen und der Wortlaut des Interviews im 'alpha-Forum' kann hier nachgelesen und abgespeichert werden:


    https://www.br.de/fernsehen/ar…-toepper-gespraech100html


    Ab und zu wiederholt der Hessische Rundfunk alte Ausgaben von "Zum blauen Bock". Die übrigen TV-Sendungen schlummern in den Archiven der produzierenden Fernseh-Anstalten vor sich hin und werden m. W. auch nicht mehr gegen Bezahlung zur privaten Nutzung kopiert. Obwohl sich die TV-Sender bekanntlich aus den Gebühren der Fernsehzuschauer finanzieren und sie eine 'Anstalt des öffentlichen Rechts' sind.


    Viele Grüße!


    Carlo


    P. S.

    Ich sehe gerade, dass der Text über die obengenannte Adresse (die oben merkwürdigerweise nicht vollständig wiedergegeben wird) nicht mehr verfügbar ist. Statt dessen musst Du erst 'Alpha-Forum' aufrufen, dann 'Prominente Persönlichkeiten im Gespräch' anklicken, dann 'Gäste von A -Z' anklicken und unter 'T' Hertha Töpper suchen. (Ich habe von dieser Sendung allerdings ein Video.) So wird man hier auch bei vielen anderen Personen aus der Welt der klassischen Musik fündig.

    Lieber Don,


    es gibt auch einen Live-Mitschnitt von „Tristan und Isolde“ mit Fritz Uhl. Aus Anlass der 100. Wiederkehr des Uraufführungstages (10. 6. 1865) inszenierte Rudolf Hartmann am Münchner Nationaltheater eine Neu-Produktion dieser Oper in folgender Besetzung:


    „Tristan und Isolde“ (Wagner): Isolde – Ingrid Bjoner / Brangäne – Hertha Töpper / Tristan – Fritz Uhl / Kurwenal – Otto Wiener / König Marke – Gottlob Frick / Melot – Hans Günther Nöcker / Ein junger Seemann – Lorenz Fehenberger / Ein Hirt – Friedrich Lenz / Ein Steuermann – Hans Bruno Ernst / Der Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper München / Chorltg.: Wolfgang Baumgart / Dirigent: Joseph Keilberth (München, Nationaltheater, 10. 6. 1965). Der Bayerische Rundfunk schnitt die Premiere mit und sendete die Aufnahme am 14. 6. 1965. Eine CD-Ausgabe gibt es bei 'Opera Depot' in den USA.


    Die Schallplattenaufnahme des „Tristan“ unter Georg Solti habe ich auch und ich muss sagen, dass ich die Interpretation Fritz Uhls nicht so schlecht finde, wie sie manche schlechtreden wollen. Sicher, die Stimme Uhls ist kein 'gewachsener' Heldentenor im Sinne eines Melchior oder Lorenz – das war auch Windgassen nicht - und sie klingt im Timbre etwas trocken und anonym, aber er ist (in meinen Ohren) vor allem ein jung wirkender, glaubhafter Tristan, Dass ihm für manche Passagen etwas die Kraft fehlt und er dabei vom Orchester unter Soltis 'ekstatischem' Dirigat und Birgit Nilssons 'Trompeten-Sopran' übertönt wird - was vermutlich auch an dem von der 'Decca' praktizierten 'Sonicstage'-Verfahren liegt - ist wohl verzeihbar. (Der Erstveröffentlichung der Aufnahme lag auch eine sechste LP mit Proben-Mitschnitten bei und da klingt Uhls Stimme wesentlich präsenter.) Wie der 'junge' Jon Vickers, der ursprünglich für diese Partie vorgesehen war, 1960 gewirkt hätte, kann man sich ungefähr mit seiner Aufnahme unter Karajan 11 Jahre später imaginieren.


    Dazu gibt es auch noch eine 'Hintertreppengeschichte'. Für die Rolle des 'Melot' hatte Solti seinen Frankfurter Lieblingstenor Ernst Kozub ganz bewusst als Gegenpart zum noch 'schwereren' Tenor von Jon Vickers ausgesucht. Diese Absicht war nun durch die Besetzung des 'Tristan' mit dem 'leichteren' Tenor von Fritz Uhl, der ohne Rollenerfahrung kurzfristig einsprang, konterkariert worden. (Viele Kritiker schrieben damals denn auch, es wäre besser gewesen, wenn Uhl und Kozub ihre Rollen getauscht hätten.) Solti nahm deshalb dem Kanadier, der die Partie extra für die Wiener Aufnahme einstudiert und dann nach wohl reiflicher Überlegung zurückgegeben hatte, seine Absage sehr übel, indem er ihn ein Jahr später bei der Einspielung von Verdis „Aida“ in Rom 'triezte' und ihn vor seinen Sängerkollegen zurechtwies, worauf Jon Vickers beschloss,, nach einer vertraglich vereinbarten „Walküre“-Produktion im September/Oktober 1961 in London nie wieder mit Georg Solti zusammen zu arbeiten. Und er hat Wort gehalten!


    Viele Grüße und bleib gesund!


    Carlo


    P. S.

    Diese „Lohengrin“-Aufnahme habe ich auch – und auch da gefällt mir Fritz Uhl ganz gut, auch wenn ihm vom Timbre her das Geheimnisvolle und 'Außerirdische' von z. B. Sándor Kónya abgeht. Mit Klaus Florian Vogt ist der Wiener Tenor aber überhaupt nicht zu vergleichen, da ist Uhl ein ganz anderes stimmliches Kaliber. Vermutlich war er sich bewusst, welche Gefahr das 'Heldentenor-Fach' für seine Stimme bedeutete und er verlegte sich allmählich auf das Fach des 'Charaktertenors'; z. B. als 'Herodes' in der "Salome" zählte er auch wegen seiner 'erotischen' Ausstrahlung - jüngerer Stiefvater mit Teenager-Stieftochter im Gegensatz zum früher oft dargestellten 'Lustgreis' - zu den großen Interpreten dieser Rolle. Und auch sein 'Tambourmajor' im "Wozzeck" in der TV-Produktion des WDR von 1965 (mit Walter Berry und Isabel Strauss) war ein gefährlich potentes 'Mannsbild'. Irritierend fand ich aber seine Angewohnheit, beim Singen markanter Töne den rechten Mundwinkel nach unten zu ziehen. (Fritz Uhl gehörte übrigens ab Mitte der 50er Jahre mehrere Spielzeiten lang zum Ensemble der Opernhäuser in Oberhausen und Wuppertal; dreißig Jahre lang sang er an der Bayerischen Staatsoper und in München fand er auch auf dem dortigen Ostfriedhof seine letzte Ruhe.)


    „Lohengrin“ (Wagner): König Heinrich – Franz Crass / Lohengrin – Fritz Uhl / Elsa von Brabant - Victoria de los Angeles / Friedrich von Telramund – Carlos Alexander / Ortrud – Christa Ludwig / Der Heerrufer – Giampiero Mastromei / Vier brabantische Edle – Virgilio Tavini, Humberto di Toto, Ricardo Yost und Guerrino Boschetti / Coro y Orquesta del Teatro Colón / Chorltg.: Tulio Boni / Dirigent: Lovro von Matacic (Buenos Aires, Teatro Colón, 6. 10. 1964) 'Columna Música' (Argentinien) oder 'Opera Depot' (USA). Der Chor singt in diesem Mitschnitt in italienischer Sprache.

    Lieber 'Stimmenliebhaber',


    Eugene van Dongen war ein niederländischer Bariton, der z. B. in der Schallplattenaufnahme der "Zauberflöte" (1955) unter Alexander Krannhals bei der 'Musical Masterpiece Society' (später 'Concert Hall') den zweiten Geharnischten singt. Ob er mit der bekannteren niederländischen Sopranistin Maria van Dongen, die mehrere Jahre an der Deutschen Oper am Rhein sang, in Beziehung stand, ist mir nicht bekannt.


    Wir hatten uns einmal per EMail bzgl. Offenbachs "Blaubart" in Köln geschrieben. Allerdings ist mein damaliges Notebook zugrunde gegangen und mit ihm der darauf gespeicherte Schriftverkehr, so dass ich Deine Adresse nicht mehr weiß, weil ich sie mir irgendwo aufgeschrieben habe und momentan nicht finden kann. Ich versuche mal, hier im Forum herauszubekommen, um welchen Thread es sich damals handelte.


    Carlo

    Liebe 'Taminos',


    der kürzliche Tod von Hertha Töpper veranlasst mich, von dieser Sängerin – die wohl vielen Forum-Mitgliedern nur (akustisch) von zahlreichen Rundfunksendungen und -zig Schallplatten her bekannt ist – auch ihre Fernseh-Auftritte in Opernrollen zu nennen (sofern ich davon Kenntnis habe), denn auch dieses Medium hat sie nicht verschmäht.


    “Eugen Onegin” (Chaikovskii): Larina - Hertha Töpper / Tatjana - Ingeborg Bremert / Olga - Brigitte Fassbaender / Eugen Onegin - Hermann Prey / Lenski - Fritz Wunderlich / Fürst Gremin - Mino Yahia / Filipjewna - Lilian Benningsen / Monsieur Triquet - Ferry Gruber / Ein Hauptmann - Carl Hoppe / Saretzki - Josef Knapp / Ein Vorsänger - Wolfgang Anheisser / Guillot - Erich Ringel / Das Ballett der Bayerischen Staatsoper München / Choreographie: Heinz Rosen / Der Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper München / Chorltg.: Wolfgang Baumgart / Dirigent: Joseph Keilberth / Szenenbild: Helmut Jürgens / Kostüme: Liselotte Erler / Inszenierung: Rudolf Hartmann / TV-Regie: Karlheinz Hundorf (Eine Aufzeichnung des Bayerischen Rundfunks aus dem Münchner Prinzregententheater vom Oktober 1962, gesendet vom Bayerischen Rundfunk in der ARD und im ORF am 17. 2. 1963. Im 3. Fernsehprogramm des Bayerischen Rundfunks gab es am 1. 1. 1977 eine Wiederholung.) Ich glaube, jeder Fritz-Wunderlich-Fan hat einen Video-Mitschnitt davon.

    dto: Larina – Hertha Töpper / Tatjana – Teresa Stratas / Olga – Julia Hamari / Eugen Onegin – Hermann Prey / Lenski – Wieslaw Ochman / Fürst Gremin – Peter Lagger / Filipjewna – Inge Nerius / Monsieur Triquet – Gerhard Stolze / Saretzki – Kelle Riedl / Der Chor und das Symphonie-Orchjester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Wolfgang Schubert / Dirigent: Václav Neumann / Choreographie: Hannes Winkler / Szenenbild: Gerd Krauss / Kostüme: Charlotte Flemming / TV-Regie: Václav Kaslik (ZDF, 30. 4. 1972 / ORF 22. 7. 1973). Die 'Lyrischen Szenen' von Piotr Ilich Chaikovskii wurden in einer von Gerhard Reutter gekürzten musikalischen Fassung eingespielt und durch eine Lesung - Erzähler: Karl Michael Vogler - aus Aleksandr Pushkins gleichnamigen Versroman miteinander verbunden (Sendedauer: 100 Minuten). Die Firma 'Topaz Classics' bot in den 80er Jahren eine kommerzielle Video-Aufnahme dieser TV-Produktion an. Mit der 'Larina' verabschiedete sich Hertha Töpper 1980 von ihrem Münchner Opernpublikum.


    “Die heimliche Ehe” ('Il matrimonio segreto') (Cimarosa): Don Geronimo – Oskar Czerwenka / Carolina – Graziella Sciutti / Elisetta – Hanny Steffek / Fidalma – Hertha Töpper / Paolino – Nicolai Gedda / Conte Robinson – Willy Ferenz / Die Wiener Symphoniker / Dirigent: Peter Herman Adler / Szenenbild – Gerhard Hruby / Kostüme: Edith Almoslino / Regie: Hermann Lanske (ORF 6. 1. 1965 und 31. 7. 1965 sowie im 3. TV-Programm des Bayerischen Rundfunks am 26. 2. 1965). Diese Fernseh-Inszenierung des ORF in Co-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk wurde in der BRD nicht bundesweit ausgestrahlt. Für Nicolai Gedda war die “Heimliche Ehe” die erste TV-Produktion einer kompletten Oper im deutschsprachigen Fernsehen, danach folgte nur noch "Die Zauberflöte" (ARD 1971).


    “Paris und Helena” ('Paride ed Elena') (Gluck): Helena – Claire Watson / Paris – Hertha Töpper / Amor – Jutta Goll / Pallas Athene – Annelies Kupper / Eine Spartanerin – Monika Kienzl / Ein Trojaner – Heinrich Weber / Solotänzer: Helga Heinrich und Arnold Lukas / Das Ballett der Bayerischen Staatsoper München / Choreographie: Gustav Blank / Der Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper München / Chorltg.: Wolfgang Baumgart / Dirigent: Hans Gierster / Bühnenbild und Kostüme: Ita Maximowna / Inszenierung: Hans Hartleb (ARD, ORF und SRG am 12. 6. 1964). Diese Abschluss-Veranstaltung zum 'Prix Jeunesse 1964' im Münchner Cuvilliés-Theater' wurde in der deutschen Übersetzung von Rudolf Gerber geboten; Hans Hartleb bearbeitete diesen Text dann für die Bayerische Staatsoper (Premiere am 20. 5. 1964 bei den Schwetzinger Festspielen mit einer Rundfunkübertragung - in der oben genannten Besetzung - durch den Süddeutschen Rundfunk Stuttgart und einer Aufführung am 29. 5. 1964 bei der Fränkischen Festwoche in Bayreuth mit Ingeborg Bremert und Dagmar Naaff in den Titelrollen). Der 'Prix Jeunesse' war ein deutscher Medienpreis, der im zweijäjhrigen Abstand für beispielhafte Kinder- und Jugendsendungen im europäischen Fernsehen verliehen wurde.


    “Die Gärtnerin aus Liebe” ('La finta giardiniera') (Mozart): Der Podestà – Paul Kuen / Sandrina – Erika Köth / Belfiore – Hugo Sieberg / Arminda – Hertha Töpper / Don Ramiro – Jon Otnes / Serpetta – Elinor Junker-Giesen / Nardo - Karl Schmitt-Walter / Das Orchester der Bayerischen Staatsoper München / Dirigent: Ferdinand Leitner / Choreographie: Alan Carter / Szenenbild: Hein Heckroth / Kostüme: Charlotte Flemming / Regie: Wilm ten Haaf (ARD 6. 11. 1954) Mit dieser TV-Produktion – die im Rahmen der 'Eurovision' live gesendet wurde - begann der Bayerische Rundfunk seine regelmäßigen Fernsehsendungen in der ARD. Das Werk wurde (mit Dialogen) in der deutschen Textfassung von Karlheinz Gutheim inszeniert.


    “Hoffmanns Erzählungen” ('Les contes d' Hoffmann') (Offenbach): Hoffmann – Ticho Parly / Die Muse und Niklaus – Margit Kobeck / Lindorf, Coppelius, Dapertutto, Dr. Mirakel – Carl Darrow / Olympia – Duska Sifnios* / Giulietta – Antigone Sgourda / Antonia – Gretel Hartung / Stella – Marga May / Die vier Diener: Andreas – Karl Schiebener, Cochenille – Martin Häusler, Pitichinaccio – Herold Kraus, Franz – Erwin Wohlfahrt / Spalanzani – Willy Ferenz / Schlemihl – Albrecht Peter / Rat Crespel – Gerhard Gröschel / Die Stimme von Antonias Mutter – Hertha Töpper / Wirt Lutter – Heiner Horn / Nathanael – Alfons van Goethem / Hermann – Lothar Ostenburg / Kleinzack – Marcel Luitpart / * Die Rolle der 'Olympia' singt Ingeborg Hallstein. / Der Kölner Rundfunkchor / Chorltg.: Karl Kaufhold / Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Dirigent: William Steinberg / Choreographie: Marcel Luitpart / Szenenbild und Kostüme: Hein Heckroth / TV-Regie: Karl O. Koch (Aufgenommen vom 3. 9. bis 14. 10. 1961; gesendet in der ARD am 1. 1. 1962 als Eurovisionssendung mit einer Wiederholung am 7. 11. 1965 in der ARD und im ORF.). Von der Tonspur der TV-Sendung befindet sich ein Mitschnitt in meiner Sammlung.


    “Der Mantel” ('Il tabarro') (Puccini): Marcel – Dietrich Fischer-Dieskau / Georgette – Julia Varady / Henri – Robert Ilosfalvy / Der 'Stockfisch' – Friedrich Lenz / Der 'Maulwurf' – Kieth Engen / Das 'Frettchen' – Hertha Töpper / Ein Liederverkäufer – Willi Brokmeier / Ein Liebespaar – Doris Linser und Hans Grotz / Der Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper München / Chorltg.: Wolfgang Baumgart / Dirigent: Wolfgang Sawallisch / Bühnenbild und Kostüme: Ita Maximowna / Inszenierung: Günther Rennert / TV-Regie: Karlheinz Hundorf (ARD. 7. 4. 1974) Von der Aufführungsserie der Opern “Der Mantel" und “Gianni Schicchi” am Münchner Nationaltheater im Dezember 1973 wurde nur die erstgenannte Oper für das Fernsehen aufgezeichnet.


    “Der Rosenkavalier” (Strauss): Baron Ochs auf Lerchenau – Kurt Böhme / Octavian – Hertha Töpper / Herr von Faninal – Otto Wiener / Sophie – Ingeborg Hallstein / Die Leitmetzerin – Annelie Waas / Valzacchi – Paul Kuen / Annina – Brigitte Fassbaender / Der Haushofmeister bei Faninal – Karl Ostertag / Ein Notar – Josef Knapp / Der Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper / Chorltg.: Wolfgang Baumgart / Dirigent: Joseph Keilberth / Bühnenbild: Helmut Jürgens / Kostüme: Sophia Schröck / Inszenierung: Rudolf Hartmann / TV-Regie: Karlheinz Hundorf (Aufgezeichnet wurde nur der 2. Akt im Münchner Nationaltheater von der Abschlussveranstaltung des 'Prix Jeunesse 1966'; gesendet am 10. 6. 1966 in der ARD, im ORF und in der SRG). Von dieser Sendung habe ich ein Video.

    Im Finale des 1. Aktes von “Der Rosenkavalier” ist Hertha Töpper zusammen mit Elisabeth Schwarzkopf als 'Marschallin' in einer Studio-Produktion der BBC vom Oktober 1961 zu sehen (TV-Regie: Patricia Foy); Charles Mackerras dirigiert das Philharmonia Orchestra London. Enthalten in der DVD “Great Singers' (2003) der 'EMI'-Serie "Classical archive".


    “Daphne” (Strauss): Peneios – Gottlob Frick / Gaea – Hertha Töpper / Daphne – Stefania Woytowicz / Leukippos – Fritz Wunderlich / Apollo – James King / Zwei Mägde – Lotte Schädle und Ursula Gust / Vier Schäfer – Raimund Grumbach, Friedrich Lenz, Georg Wieter und Max Proebstl / Das Ballett der Bayerischen Staatsoper (Tanzsolisten: Konstanze Vernon, Gudrun Osten und Roger Lucas) / Choreographie: Heinz Rosen / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Wolfgang Schubert / Dirigent: Joseph Keilberth / Szenenbild: Günther Schneider-Siemssen / Kostüme: Rosemarie Jakameit / Regie: Rudolf Hartmann (Die Tonaufnahmen entstanden vom 24. bis 27. 9. 1964 im Münchner Herkulessaal; anschließend wurde die Oper 14 Tage lang im Münchner Fernsehstudio aufgezeichnet. Die Erstsendung erfolgte am 16. 12. 1964 im 3. Fernsehprogramm des Bayerischen Rundfunks mit einer Wiederholung in der ARD am 22. 8. 1965.)


    “Aida” (Verdi): Aida – Hildegard Hillebrecht / Amneris – Hertha Töpper / Radames – Eugene Tobin / Amonasro – Eugene van Dongen / Ramphis – Max Proebstl / Eine Priesterin – Margot Laminet / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Kurt Prestel / Dirigent: Alberto Erede / Szenenbild: Walter Dörfler / TV-Regie: Wilm ten Haaf (Sendung des Bayerischen Rundfunks in der ARD am 11. 10. 1961). In dieser Fernseh-Aufzeichnung (vor einem Studio-Publikum) in der Münchner Bayernhalle kamen folgende Szenen zur Aufführung: Vorspiel – Szene Ramphis-Radames – Arie des Radames – Duett Amneris-Aida – Dritter Akt (vollständig) – Vierter Akt, zweite Szene (vollständig); Dauer: 75 Minuten. Ich habe von dieser Sendung – durch die der 'Musikplauderer' des BR, Ludwig Kusche, führte - ein Video.


    “Othello” ('Otello'): Othello – Eugene Tobin / Desdemona – Melitta Muszely / Jago – Eugene van Dongen / Emilia – Hertha Töpper / Cassio – Friedrich Lenz / Lodovico – Max Proebstl / Montano – Wolfgang Anheisser / Das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Dirigent: Alberto Erede / Szenenbild: Walter Dörfler / TV-Regie. Wilm ten Haaf (ARD, Sendung am 5. 2. 1962, Dauer: 40 Minuten). Wie auch die oben genannten Szenen aus der “Aida” wurde der 4. Akt aus “Othello” vor einem Publikum in der Bayernhalle in München aufgeführt; Ludwig Kusche sprach die Einführung.


    “Tristan und Isolde” (Wagner): Isolde – Birgit Nilsson / Brangäne – Hertha Töpper / Tristan – Wolfgang Windgassen / Kurwenal – Frans Andersson / König Marke – Hans Hotter / Melot – Gerd Nienstedt / Ein junger Seemann – Georg Paskuda / Ein Hirt – Sebastian Feiersinger / Ein Steuermann – Gerd Nienstedt / Chorus of the Osaka Music Festival 1967 / Choreinstudierung: Wilhelm Pitz / Chorltg:: Tatsuji Hayashi / NHK Symphony Orchestra / Dirigent: Pierre Boulez / Bühnenbild und Inszenierung: Wieland Wagner / Kostüme: Kurt Palm / Spielleitung: Peter Lehmann (Nakanoshima/Osaka, Festival Hall, 10. 4. 1967) Eine Aufzeichnung des japanischen Fernsehens NHK (Nippon Hoso Kyokai) von einer Aufführung des Osaka Music Festivals 1967; kommerziell z. B. bei 'Hardy Classics' in Italien und 'Bel Canto Society' in den USA auf DVD erschienen.


    Hertha Töpper war sich auch nicht zu schade, in einigen Unterhaltungssendungen des deutschen Fernsehens aufzutreten. Auf den ersten „Zum blauen Bock“ in Farbe, live gesendet am 2. 9. 1967 von der Berliner Funkausstellung, habe ich bereits im Tamino- Thread von Lisa Della Casa hingewiesen. Frau Töpper sang hier das Lied „Ein kleiner Zweig voll Regentropfen“ von Franz Grothe; ferner wirkten Lisa Della Casa, Donald Grobe, Gottlob Frick und James King (der aber nur interviewt wurde, weil er indisponiert war) mit. Im 100. „Blauen Bock“ (Frankfurt, 19. 4. 1969) sang Hertha Töpper im 'Teuersten Chor der Welt' zusammen mit mehreren illustren Kollegen, die alle in früheren Sendungen in der 'Bembel-Gastwirtschaft' aufgetreten waren. Frau Töpper feierte an diesem Tag ihren 45. Geburtstag und wurde besonders herausgestellt. (Ein Video dazu gibt es im 'Lisa Della Casa-Thread'.) Auch bei „Was bin ich?“ (siehe Beitrag Nr. 31) und „Erkennen Sie die Melodie?“ wirkte sie mit.


    Zwei Einzelsendungen mit Hertha Töpper waren: a) die “Dacapo”-Livesendung des ZDF vom 1. 10. 1988 - mit 65 Minuten war dies die längste Sendung dieser Reihe; man merkt deutlich, wie Hertha Töpper und August Everding am Schluss der Gesprächsstoff ausgeht; siehe Beitrag Nr. 16 - und b) ein Gespräch mit Wolf-Dieter Peter (29. 6. 2006 / 45 Minuten) in der montäglichen Interview-Reihe “alpha-Forum” auf dem 'Bildungs-Kanal' des Bayerischen Fernsehens. Hertha Töpper kann man auch bei einer kurzen Klavierprobe zur 'Habanera' aus der “Carmen” mit Joseph Keilberth in einem kleinen, diesem Dirigenten gewidmeten Fernsehportrait von 1960 sehen. Keilberth war neben Ferenc Fricsay und Karl Richter ein Lieblingsdirigent der Sängerin – und dies nicht niur, weil er gemeinsam mit ihr Geburtstag (19. April) hatte.


    Leider fehlen nach wie vor einige akustische Dokumente von Hertha Töppers Rolleninterpretationen, z. B. die Titelrolle in Händels „Agrippina“ (unter Heinrich Hollreiser / München 1966), Glucks "Orpheus" (mit Leonore Kirschstein / München 1968), der 'Sextus' in Mozarts „Titus“ (unter Meinhard von Zallinger / Fränkische Festwoche Bayreuth 1962 bzw. München 1962), der 'Hänsel' in Humperdincks Märchenoper (mit Rosl Schwaiger als 'Gretel' / Bayerischer Rundfunk 1953), die '“Götterdämmerungs“-'Waltraute' (unter Joseph Keilberth / München 1961), die „Carmen“ (ebenfalls unter Keilberth / München 1960), die 'Marfa' in Mussorgskis „Кhovanstchina“ (unter Ferenc Fricsay / München 1956) oder die 'Mutter Isots' in Frank Martins „Der Zaubertrank“ (unter Keilberth / München 1962). Im Konzertsektor wartete man bisher vergebens auf eine Veröffentlichung von Mahlers „Lied von der Erde“ mit Fritz Wunderlich unter Joseph Keilberth (Bayerischer Rundfunk / 11. 11. 1964 oder Züricher Festwochen / 7. 6. 1966) oder dem Mitschnitt eines ihrer Liederabende, die sie häufig zusammen mit ihrem Lehrer (und Ehemann), dem Komponisten Franz Mixa, gab. (Ich habe z. B. eine Aufnahme von Schumanns Zyklus „Frauenliebe und -leben“ mit Alfons Kontarsky von 1963.) Auch ihre Opern-Einzelaufnahmen - u. a. das Duett Norma-Adalgisa aus Bellinis „Norma“ (mit Claire Watson), das 'Blütenduett' aus Puccinis „Madama Butterfly“ (mit Sena Jurinac) oder die Arie der Fidès aus Meyerbeers „Le Prophête“ (alle unter der Leitung von Kurt Eichhorn) – verdienen, auch ausserhalb des 'Weißwurstäquators' gehört werden zu können.

    .

    In einem der damals üblichen 'Home-Stories' der Rundfunk-Zeitungen (von 1961 mit Farbfotos aus ihrer Wohnung in München-Solln) verriet die – privat ziemlich nüchtern und zurückhaltend wirkende – Sängerin ihr liebstes Musikstück (Bachs „H-Moll Messe“) und auch ihr großes Hobby: Autofahren! Ihr himmelblauer PKW trug das Autokennzeichen 'M-HT 111' und sie übersetzte es mit 'Mixa – Hertha Töpper – 1:1'.


    Viele Grüße! Und bleibt gesund!


    Carlo

    NACHTRAG Nr. 2


    Liebe Josef-Traxel-Freunde,


    die folgenden Opern-Querschnitte mit Josef Traxel sind noch zu nennen:


    „Die Entführung aus dem Serail“ (Mozart): Konstanze – Ruth-Margret Pütz / Blondchen – Liselotte Becker-Egner / Belmonte – Josef Traxel / Pedrillo – Gerhard Unger / Osmin – Kurt Böhme / Der Chor und das Orchester der Württembergischen Staatsoper Stuttgart / Chorltg.: Heinz Mende / Dirigent: Ferdinand Leitner (Stuttgart, Liederhalle, 1961). Ursprünglich von der 'Bertelsmann'-Tochter 'Ariola' (Katalognummer 11 906 K) nur in mono veröffentlicht, wurde diese Aufnahme 1963 nach Einführung der Marke 'Eurodisc' in deren Katalog übernommen (mono 70 168 KR bzw. stereo S 70 169 KR) und später auf dem preiswerteren Labal 'Baccarola' (77031 ZR) wiederveröffentlicht.


    „Die Zauberflöte“ (Mozart): Pamina – Elisabeth Grümmer / Königin der Nacht – Erika Köth / Tamino – Josef Traxel / Papageno – Hermann Prey / Sarastro – Gotlob Frick / Drei Regensburger Domspatzen / Der Männerchor der Städtischen Oper Berlin / Chorltg.: Hermann Lüddecke / Die Berliner Philharmoniker / Dirigent: Wilhelm Schüchter / Die Berliner Symphoniker / Dirigenten: Arthur Grüber, Werner Schmidt-Boelcke und Wilhelm Schüchter. Wie diese Angabe zeigt, besteht die 'Electrola'-Platte E 60 572 (25 cm) – bzw. deren künstlich stereophonisierte 'Zweitverwertung' als 'Volksplatte' SMVP 8027 und 'Dacapo'-Platte 1 C 047-28575 im Format von je 30 cm – aus separat eingespielten Aufnahmen, die zu einem Querschnitt zusammengestellt wurden. Josef Traxel singt die 'Bildnisarie' („Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ / Werner Schmidt-Boelcke / 14. 11. 1957) und die 'Flötenarie' („Wie stark ist nicht dein Zauberton“ / Flötensolo: Helmut Höwing / Wilhelm Schüchter / 12. 2. 1957), begleitet von den 'Berliner Symphonikern', die aber in Wahrheit das FFB-Orchester (FFB = Film, Funk, Bühne) waren und von der 'Electrola' bis 1959 immer als 'Großes Opernorchester' bezeichnet wurden.


    „Don Pasquale“ (Donizetti): Don Pasquale – Wilhelm Strienz / Malatesta – Marcel Cordes / Ernesto – Josef Traxel / Norina – Erika Köth / Ein Notar – Helmut Winkenstern / Der Chor der Städtischen Oper Berlin / Chorltg.: Hermann Lüddecke / Die Berliner Symphoniker / Dirigent: Werner Schmidt-Boelcke (Berlin, Grunewaldkirche, 7., 8. und 12. 11. 1957. Das Duett „Lass, ach, lass es mich hören!“ soll bereits am 11. 3. 1956 mit Erika Köth und Josef Traxel unter Wilhelm Schüchter aufgenommen worden sein.) Zuerst erschienen unter 'Electrola' E 80 030 (30 cm) und später als 'Volksplatte' VP 8072 und als 'Dacapo'-Schallplatte 1 C 047-28578 M wiederveröffentlicht. Dieser „Don Pasquale“-Querschnitt wurde stets nur in einer monauralen Version aufgelegt.


    „Der Bajazzo“ (Leoncavallo): Canio – Josef Traxel / Nedda – Anneliese Rothenberger / Tonio – Josef Metternich / Silvio – Hermann Prey / Der Chor der Städtischen Oper Berlin / Chorltg.: Hermann Lüddecke / Die Berliner Symphoniker / Dirigent: Wilhelm Schüchter. Die nicht zusammenhängend aufgenommenen Teile der Oper wurden von der 'Electrola' zu einer Querschnitt-Platte (25 cm) zusammengestellt (Katalognummer E 60 079), die – künstlich stereophonisiert und im Format von 30 cm – später auch als 'Volksplatte' SMVP 8012 bzw. 'Dacapo' 1 C047-28571 erschien. Josef Traxel singt folgende Titel: „Ein herrliches Schauspiel bereiten wir heute“ – „Jetzt spielen... Hüll' dich in Tand nur“ – „Nein, bin Bajazzo nicht bloß“; diese Aufnahmen entstanden am 10. und 13. 9. 1956.


    Inzwischen habe ich noch eine weitere interessante Opernaufführung mit Josef Traxel entdeckt, von der es aber m. W. keine Aufnahme zu geben scheint: eine Oper von „Bach“! (Dazu später mehr!)


    Bleibt gesund!


    Carlo


    Abschließend noch eine Suchmeldung: „Fidelio“ (Beethoven): Leonore – Liane Synek / Marzelline – Eva Csapó / Florestan – Josef Traxel / Don Pizarro – Kurt Widmer / Rocco – Eduard Wollitz / Dirigent: Edwin Loehrer (Lugano 1970). Die Verehrer von Liane Synek – und davon gibt es bemerkenswert viele – sind auf der Suche nach einem Bandmitschnitt dieser konzertanten Aufführung des „Fidelio“. Ihre Nachfrage bei der RSI (Radio Svizzera Italiana), wo Edwin Loehrer Chefdirigent war, blieb bisher ergebnislos. Kann einer der 'Taminos' etwas dazu beitragen?

    Danke, Calatrava, für Deinen Beitrag.


    Ich wusste schon länger von ihrer Erkrankung (siehe Beitrag Nr. 23), aber die Nachricht ihres Todes macht denn doch betroffen.


    Zu ihrem Gedenken habe ich mir heute Abend noch einmal die Live-Aufnahme (30. 5. 1960) von Mahlers "Das Lied von der Erde" mit James McCracken und dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter Georg Solti angehört, wo Hertha Töpper mit ihrer schlackenlosen, prägnanten Altstimme und dem von ihr gewohnten ebenmäßigen Gesang einen bewegenden "Abschied" interpretierte.


    R. I. P.


    Carlo

    Hallo, da bin ich wieder!


    Ich habe nämlich gerade festgestellt, dass es noch einen weiteren Opern-Fernsehfilm mit Maria Bieshu gegeben hat: "Madama Butterfly"! Wie bei der "Tosca" wurde eine Schallplattenaufnahme der 'Melodiia' für das Playback (mit vielen Kürzungen) verwendet, u. z. die Aufnahme von 1972 - oder doch von 1967 ? - mit Vladimir Atlantov und dem Dirigenten Mark Ermler (siehe die Beiträge Nrn. 1 und 16).


    Nur Maria Bieshu (Cio-Cio-San) spielte ihre Rolle vor der Kamera selbst; in den übrigen Partien waren Schauspieler zu sehen: u. a. R. Matsudsava (Suzuki), V. Doronin (F. B. Pinkerton), V. Kantsleris (Sharpless) und A. Pishniak (Goro). Die Regie übernahmen L. Mirgorodskaia und R. Tikhonov. Auch dieser Film war in der DDR zu sehen: am 25. 5. 1985 im 2. Fernsehprogramm.


    Carlo

    Liebe 'Taminos',


    da hat sich seit meinem letzten Beitrag (Nr. 4) innerhalb von 24 Stunden ja sehr viel getan in diesem Thread! Vielen Dank für die geposteten Ton- und Bildbeispiele!


    Folgende Aufnahmen möchte ich noch hinzufügen – zwei davon hat 'Caruso41' ja schon genannt, aber ich liebe es etwas ausführlicher:


    „Zhibim ot imeni mertbikh“ ('Wir leben im Namen der Toten') (Lazarev): Maria Bieshu (Sopran), Klara Korkan (Mezzosopran) und Boris Raisov (Tenor) / Moldavskaia khorovaia kapella 'Doina' (Moldawischer Chor 'Doina') / Simfonicheskii Orkestr Moldavskoi Gosudarstvenni Filarmonii (Moldawische Philharmonie) / Dirigent: Timofei Gurtovoi (Kishinev/Chisinau, 1961) 'Melodiia' D 14343/44 (UdSSR, 1 LP). Der moldawische Komponist Eduard Leonidovich Lazarev, der auch die Nationalhymne der Republik Moldawien schuf, schrieb diese Kantate 1961 nach Gedichten von Ilia Selvinskii.


    „Madama Butterfly“ (Puccini): Cio-Cio-San – Maria Bieshu / Suzuki – Galina Borisova / F. B. Pinkerton – Vladimir Atlantov / Sharpless – Andrei Fedoseev / Goro – Gennadi Efimov / Lo zio Bonzo – Valeri Iaroslavtsev / Kate Pinkerton – Nina Novoselova / Il principe Yamadori – Aleksandr Arkhipov / Il commissario imperiale – Vitali Nartsov / Lo zio Yakuside – Mikhail Shkaptsov / La cugina – Vera Strelnikova u. a. / Khor i orkestr Bolshogo Teatra SSSR (Chor und Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau) / Chorltg.: Igor Agafonnikov und Stanislav Likov / Dirigent: Mark Ermler (Moskau, Bolshoi-Theater, 1972) 'Melodiia' SM 03905/10 (UdSSR, 3 LPs). Anderen Quellen ('House of Opera' und 'Opera Depot') zufolge stammt die Aufnahme – in italienischer Sprache - aus dem Jahre 1967.


    „Tosca“ (Puccini): Floria Tosca – Maria Bieshu / Mario Cavaradossi – Mihai Munteanu / Scarpia – Iuri Mazurok / Cesare Angelotti – Iuri Korolev / Il sagrestano – Georgi Pankov / Spoletta – Andrei Sokolov / Sciarrone – Vladimir Filippov / Il carceriere – Piotr Gluboki / Un pastore – Venizmin Egorov / Khor i orkestr Bolshogo Teatra SSSR (Chor und Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau) / Dirigent: Aleksandr Lazarev (Moskau, Bolshoi-Theater, 1981) 'Melodiia' S 10 17403 001 (UdSSR, 3 LP). (Der rumänische Tenor Mihai Munteanu nannte sich in der UdSSR Mikhail Muntianu. Nach anderen Angaben wurde die Oper 1975 aufgenommen; gesungen wird in russischer Sprache!) Auf der sechsten Plattenseite befinden sich Maria Bieshus Aufnahmen von Arien aus „Madama Butterfly“ (Piangi? Perchè? Perchè?... Un bel dì, vedremo – Sai cos'ebbe core di pensare quel signor? - Tu? Tu? Piccolo Iddio!) und „Manon Lescaut“ (Sola, perduta, abandonata) aus dem Recital von 1968 unter Boris Khaikin.

    Diese Aufnahme diente als Ton-Unterlage für einen TV-Film des sowjetischen Fernsehens von 1981 in der Regie von Aleksandr Saranov, wobei die Rolle des 'Cavaradossi' von Aleksandr Slastin gespielt wurde. Im 'Fernsehen der DDR' (2. Programm) wurde dieser Film am 15. 9. 1984 gezeigt und er war sogar im italienischen Fernsehen zu sehen.


    „Madama Butterfly“ (Puccini): Cio-Cio-San – Maria Bieshu / Suzuki – Liudmila Aleshina / F. B. Pinkerton – Mihai Munteanu / Sharpless – Nikolai Bashkatov / Goro – Igor Gale / Il zio Bonzo – Mikhail Pavlusenko / Il principe Yamadori – Aleksandr Russov / Il commissario imperiale – Mikhail Filippov u. a. / Khor i orkestr Gosudarstvenni Akademicheskii Teatra Moldovi (Chor und Orchester der Staatlichen Akademischen Oper Moldawiens) / Dirigent: Albert Mokhalov / Inszenierung: Eugen Platon / TV-Regie: Aleksandr Barannikov. (Kishinev/Chisinau, Opernhaus, 1977). Die Oper wurde in russischer Sprache aufgeführt.


    „Norma“ (Bellini): Norma – Maria Bieshu / Adalgisa – Liudmila Nam / Pollione – Gegam Grigorian / Oroveso – Georgi Seleznev / Clotilde – Larissa Iurchenko / Flavio – Nikolai Vasilev / Kamernii Khor Ministerstva Kulturi SSSR (Kammerchor des Kultusministeriums der UdSSR) / Chorltg.: V. Polianski / Orkestr Bolshogo Teatra SSSR (Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau) / Dirigent: Mark Ermler (Moskau, 1986) 'Melodiia' S 10 25601 002 (UdSSR, 3 LP) und 'Olympia' MCD 160 (GB, 3 CD).


    „Aida“ (Verdi): Aida – Maria Bieshu / Amneris – Irina Arkhipova / Radames – Vladislav Piavko / Amonasro – Iuri Grigorev / Ramfis – Georgi Seleznev / Khor i orkestr Bolshogo Teatra SSSR (Chor und Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau) / Dirigent: Mark Ermler (Moskau, Bolshoi-Theater, 1991) 'Melodiia' GSC 27122 5 (RF, 1 CD). Diese Operngesamtaufnahme wurde aus mir unbekannten Gründen abgebrochen, so dass 2016 nur einige Arien und Szenen (Spieldauer: 47 Minuten) veröffentlicht werden konnten.


    Ebenfalls aus dem Jahre 1991 stammt ein unter Sammlern kursierender Mitschnitt einer „Aida“-Vorstellung in einem ungenannten Opernhaus, vermutlich in der Ukraine (Kiev oder Odessa), mit folgender Besetzung: Aida – Maria Bieshu / Amneris – Nelli Manilinko / Radames – Evgeni Pielagerichenko / Amonasro – Boris Materinko / Ramfis – Nikolai Kovalev / Il re – Valeri Tsavolokin / Dirigent: Silvano Frontalini (16. 8. 1991). Silvano Frontalini hat für die CD-Firma 'Bongiovanni' zahlreiche Aufnahmen von zumeist unbekannten Werken des italienischen Opernrepertoires dirigiert, wohl aus Kostengründen in vielen verschiedenen osteuropäischen Städten (z. B. in Minsk/Weißrussland, Donetsk/Ukraine, Volgograd/Russische Föderation, Kaunas/Litauen oder Warmia/Polen).


    Eine Aufnahme von Chaikovskiis „Pikovaia dama“ ('Pique Dame') mit Maria Bieshu als 'Lisa' ist mir nicht bekannt. Ich weiß nur, dass sie diese Rolle auch beim Gastspiel des Bolshoi-Theaters Moskau im Sommer 1973 in Prag (Smetana-Theater), Bratislava und Brno gesungen hat, alternierend mit Tamara Milashkina und Galina Vishnevskaia. (Ihre zweite Rolle bei diesem Gastspiel war die „Tosca“.) In einem sowjetischen Fernseh-Portrait von Vladimir Atlantov war eine im TV-Studio inszenierte Szene aus der "Pique Dame" zu sehen, wobei aber nur Maria Bieshus Stimme zu hören war, während eine sehr jugendlich und zerbrechlich wirkende Schauspielerin (Irina Gubalova) die Rolle der 'Lisa' darstellte. Die Liebesduette aus "Tosca" und "Madama Butterfly" durfte die attraktive Maria Bieshu an der Seite Atlantovs mit viel Allüre und starker Ausstrahlung aber selbst spielen.


    Viele Grüße und bleibt gesund!


    Carlo

    Lieber Caruso 41,


    zu Maria Bieshu kann ich nicht viel sagen, da ich nur eine Schallplatte - mit Verdi- und Puccini-Arien - von ihr habe ('eurodisc' S 79591 KR) und die stammt aus dem Jahre 1968. Hier klingt die Stimme frisch, jugendlich und interessant timbriert, ohne die Beimischung von slawischer Schärfe oder ausgeprägtem 'wobble', die uns im Westen den Genuss an den osteuropäischen Sopranstimmen manchmal verleidet. Später hat sie sich ja das dramatischere Fach erobert und sie wird in ihrer Heimat wie eine 'Säulenheilige' verehrt. Sogar das Opernhaus in der moldawischen Hauptstadt Chisinau – für wenige Jahre nach der auch von dort stammenden Maria Cebotari benannt – trägt ihren Namen: „Teatrul National de Opera si Balet Maria Biesu“.


    Die erste Schallplattenaufnahme von Maria Bieshu ist wahrscheinlich der Mitschnitt vom Konzert der Preisträger des dritten Chaikovskii-Wettbewerbs in Moskau 1966. Die Sopranistin sang die Arie der Natalia in Tikhon Khrennikovs Oper „V buriu“ ('Im Sturm') und die Arie der „Tosca“ (Vissi d'arte, vissi d'amore). 'Melodiia' D 018211/12 (UdSSR, 1 LP). Weitere Preisträger waren Evelina Stoitseva (Sopran), Veronica Tyler (Sopran), Konstantin Lisovskii (Tenor) und Simon Estes (Bass-Bariton).


    „Arien von Verdi und Puccini“: 'Aida' (Ritorna vincitor!) - 'Don Carlos' (Tu che le vanità) – 'La forza del destino' (Pace, pace!) - 'Il trovatore' (V'appare bruno le vesti... Tacea la notte placida) - 'Madama Butterfly' (Piangi? Perchè? Perchè?... Un bel dì, vedremo – Sai cos'ebbe core di pensare quel signor? - Tu? Tu? Piccolo Iddio!) – 'Manon Lescaut' (Sola, perduta, abbandonata) / Orkestr Bolshogo Teatra SSSR / Dirigent: Boris Khaikin (Moskau, Bolshoi-Theater, 1968) 'Melodiia' D 024185/86 (mono) und S 01761/62 (stereo) (UdSSR, 1 LP). Ich habe dieses Recital in der deutschen Pressung von 'eurodisc' mit der Katalognummer S 79591 KR (stereo).


    „Arien aus russischen Opern“: 'Kniaz Igor' (Borodin - Klage der Iaroslavna / 1. Akt) – 'Ruslan i Liudmila' (Glinka - Kavatine der Gorislava / 3. Akt) – 'Demon' (Rubinstein – Romanze der Tamara / 3. Akt) – 'Pikovaia dama' (Chaikovskii – Szene und Arioso der Lisa / 3. Akt) – 'Charodeika' (Chaikovskii – Arie der 'Kuma' / 1. Akt – Arioso der 'Kuma' / 4. Akt) - „Oprichnik' (Chaikovskii – Arie der Natalia / 1. Akt) – 'Evgeni Onegin' (Chaikovskii – Duett Tatiana-Onegin / Finale der Oper mit Iuri Mazurok) / Orkestr Bolshogo Teatra SSSR / Dirigent: Mark Ermler (Moskau, Bolshoi Theater, 1971) 'Melodiia' SM 02697/98 (UdSSR, 1 LP).


    „Italienische Arien“: 'Manon Lescaut' (In quelle trine morbide) – 'Tosca' (Vissi d'arte) – 'Adriana Lecouvreur' (Ecco, respira appena... Io son l'umile ancella) – 'Un ballo in maschera' (Ecco l'orrido campo) – 'Nabucco' (Ben io t'invenni... Salgò già del trono irato) – 'Mefistofele' (L'altra notte in fondo al mare) – 'I pagliacci' (Qual fiamma aveva nel guardo... Stridevan lassù, liberamente) – 'Norma' (Casta Diva, che inargenti.... Ah! Bello a me ritorna) / Orkestr Bolshogo Teatra SSSR / Dirigent: Boris Khaikin (1977) 'Melodiia' S 10-07401/02 (UdSSR, 1 LP).


    "Arien": 'Aida' (Ritorna vincitor!) - 'Madama Butterfly' (Un bel dì, vedremo) - 'Adriana Lecouvreur' (Ecco, respira appena... Io son l'umile ancella) - 'Norma' (Casta Diva, che inargenti... Ah! Bello a me ritorna) / Orkestr Bolshogo Teatra SSSR / Dirigent: Boris Khaikin (gekoppelt mit einem Recital des litauischen Tenors Virgilius Noreika mit dem Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau, ebenfalls unter der Leitung von Boris Khaikin; es enthält Arien aus 'Tosca', 'Manon Lescaut', 'Lucia di Lammermoor' und 'L'Arlesiana'.) 'Melodiia' S 10-12311/12 (UdSSR, 1 LP, 1979).


    „Arien und Lieder“: 'Ruslan i Liudmila' (Glinka – Kavatine der Gorislava aus dem 3. Akt / Mark Ermler) - 'Demon' (Rubinstein – Romanze der Tamara aus dem 3. Akt / Mark Ermler) – 'Otello' (Verdi – Mia madre aveva una povera ancella... O salce, salce / Mark Ermler) – 'Madama Butterfly' (Un bel dì, vedremo / Boris Khaikin) – 'Chanson d' avril' (Bizet) – 'Chrysanthème' (Delibes) – 'Les papillons' (Chausson) – 'Les temps de lilas' (Chausson) – 'Ave Maria' (Caccini) – 'Ti leti, moi son, leti' (Sergei Nikoforovich Vasilenko – Flieg', mein Traum, flieg') – 'Otstavala lebedushka (Sergei Nikoforovich Vasilenko – Der letzte Schwan) / Arien: Orkestr Bolshogo Teatra SSSR / Lieder: Evgeni Shenderevich (Klavier) 'Melodiia' S 10 18749 001 (UdSSR, 1 LP, 1983). Die – in russischer Sprache gesungenen – Lieder sowie das 'Ave Maria' Caccinis entstammen einem Live-Mitschnitt vom 9. 5. 1980 im Großen Saal des Moskauer 'Chaikovskii'-Konservatoriums. (Die Schallplatte erschien im Rahmen der Edition 'The World's Leading Interpreters of Music'.)


    „Russian Vocal School“: 1. 'Jagd-Kantate, BWV 208' (Bach - Schafe können sicher weiden) – 2. 'Dettinger Te deum, HWV 283' (Händel - Dignare, Domine, die isto sine peccato) – 3. 'Ave Maria' (Caccini) – 4. 'Leise flehen meine Lieder, D 957' (Schubert) – 5. 'La forza del destino' (Verdi - Pace, pace, mio Dio) – 6. 'Il trovatore' (Verdi – V'appare bruno le vesti... Tacea la notte placida) – 7. 'Tosca' (Puccini – Vissi d'arte) – 8. 'Madama Butterfly' (Puccini – Piangi? Perchè? Perchè?... Un bel dì, vedremo) – 9. 'Gianni Schicchi' (Puccini – O mio babbino caro) – 10. 'Turandot' (Puccini – Tu, che di gel sei cinta) – 11. 'Mefistofele' (Boito – L'altra notte in fondo al mare) – 12. 'Jocelyn' (Godard – Cachés in cet asile) – 13. 'Nebbie' (Respighi) – 14. 'Le poème de l'amour et de la mer' (Chausson - La mort de l'amour) 15. 'Les papillons' (Chausson) – 16. 'Non pensare a me' (Alberto Testa) / Nina Oksentian, Orgel (3, 12 und 13) / Evgeni Shenderovich, Klavier (14 und 15) / Kamernii orkestr i solisti (1, 2, 3 und 4) / Orkestr Bolshogo Teatra SSSR – Mark Ermler und Boris Khaikin (5, 6, 7 und 8) / Malii Teatralnii Orkestr SSSR – Iuri Simonov (9, 10 und 11) / Vsesoiuznogo radio i televidenie Vodevilskii orkestr - Aleksandr Petukhov (16) 'Russian Compact Disc' RCD 16023 (RF, 1 CD, 2011). Erschienen in der Serie „Talents of Russia“.


    Morgen schaue ich mal nach, was es an Operngesamtaufnahmen von ihr gibt.


    BG = Bleib gesund!


    Carlo


    Wie geht denn das dämliche Smiley wieder weg? Richtig soll da '8)' stehen!

    NACHTRAG Nr. 1

    Hallo!


    Die folgenden zwei Opern-Gesamtaufnahmen mit Josef Traxel hatte ich in meiner Auflistung bewusst ausgespart in der falschen Annahme, dass sie in diesem Thread schon früher genannt wurden: „Undine“ von Albert Lortzing und „Daphne“ von Richard Strauss. Und die vier Opern-Querschnitte im Nachtrag Nr. 2 („Die Entführung aus dem Serail“, „Die Zauberflöte“, „Don Pasquale“ und „Der Bajazzo“) wurden bisher nur kurz erwähnt.



    „Undine“ (Lortzing): Bertalda, Tochter Herzog Heinrichs – Marianne Schech / Ritter Hugo von Ringstetten – Josef Traxel / Veit, sein Schildknappe – Karl Krollmann / Kühleborn, ein Wasserfürst – Gottfried Fehr / Undine, eine Nixe – Valerie Bak / Tobias, ein alter Fischer – Heinrich Sailer / Marthe, sein Weib – Ina Gerhein* / Hans, ein Kellermeister – Richard Kogel / Pater Heilmann, Ordensgeistlicher aus dem Kloster 'Maria Gruß' – Rudolf Wünzer / Coro e Orchestra Sinfonica di Milano della RAI / Chorltg.: Roberto Benaglio / Dirigent: Robert Heger (Mailand, Auditorium di Milano della RAI, Sendung vom 20. 9. 1953). Die von einem Erzähler (Elio Jotta) italienisch gesprochenen Zwischentexte an Stelle der Dialoge wurden für die Sendung der englischen BBC – auf deren Bandaufnahme von 1954 die CD-Veröffentlichung des 'Hamburger Archivs für Gesangskunst' basiert - entfernt; der Chor singt in italienischer Sprache. Wie Robert Heger im Textheft zur 'Electrola'-Gesamtaufnahme erzählt, war die öffentliche konzertante Aufführung in Mailand derart erfolgreich, dass man eine Woche später das Konzert wiederholte. (* Die Sängerin hieß nicht 'Gerheim'!)


    Da die Gesamtdauer dieser (stark gekürzten) „Undine“ nur ca. 95 Minuten beträgt, wurden noch Arien-Aufnahmen aus folgenden Lortzing-Opern angehängt: „Undine“ (mit Alfons Fügel, Emmy Bettendorf. Gerhard Hüsch, Leo Schützendorf, Heinrich Schlusnus und Theodor Scheidl), „Der Waffenschmied“ (mit Michael Bohnen und Margarete Teschemacher), „Der Wildschütz“ (mit Alexander Kipnis, Eduard Habich und Frieda Hempel) sowie „Zar und Zimmermann“ (mit Peter Anders, Joseph Schwarz und Georg Hann). Nicht zuletzt diese historischen Aufnahmen zeigen, was unser Musiktheater in den letzten Jahrzehnten verloren hat, da die Werke der deutschen 'Spieloper' kaum noch aufgeführt werden..



    Zwar hat unser unvergessener Düsseldorfer 'Kollege' Harald Kral eingangs dieses Threads einige Aufnahmen genannt wie z. B. „Boulevard Solitude“ von Hans Werner Henze (Hessischer Rundfunk Frankfurt 1953 / Beitrag Nr. 21) und Webers „Euryanthe“ (Westdeutscher Rundfunk Köln 1958 / Beitrag Nr. 33), aber seine bekannte Abneigung gegen die Bühnenwerke der beiden 'Richards' – Wagner und Strauss – ging offenbar so weit, dass er den Mitschnitt von der Premiere der „Daphne“ an der Deutschen Oper am Rhein am 20. 2. 1961 in der Regie von Carl Eberts Sohn, Peter Ebert, ignorierte.


    „Daphne“ (Strauss): Peneios – Dezsö Ernster / Gaea – Henny Ekström / Daphne – Ingrid Bjoner / Leukippos – Kurt Wehofschitz / Apollo – Josef Traxel / Zwei Mägde – Ingrid Paller und Elisabeth Schwarzenberg / Vier Schäfer – Hugh Beresford, Hans Rietjens, Camillo Meghor und Lajos Kendy / Der Chor der Deutschen Oper am Rhein / Chorltg.: Rudolf Staude / Die Düsseldorfer Symphoniker / Dirigent: Arnold Quennet (Düsseldorf, Opernhaus, 20. 2. 1961). Auch dieser Mitschnitt erschien beim 'Hamburger Archiv für Gesangskunst'. Am 30. 11. 1963 gab es die erste Stuttgarter „Daphne“-Premiere nach dem Krieg mit Liselotte Rebmann (Daphne), Res Fischer (Gaea), James Harper (Leukippos), Josef Traxel (Apollo) und Otto von Rohr (Peneios); der Dirigent war Ferdinand Leitner und der Regisseur Ernst Poettgen.



    Bis nächste Woche! Bleibt gesund!



    Carlo

    Lieber Gregor,


    auch von mir vielen Dank für das Einstellen der sieben Lieder mit Zurab Sotkilava!



    Lieber Caruso41,


    ich kann verstehen dass Du etwas frustriert bist, wenn auf Deine Beiträge zu 'historischen' Sängern aus dem ehemaligen Ostblock kaum eine Resonanz erfolgt. Aber bei den von Dir genannten Sängern (z. B. Maria Bieshu aus Moldawien, Marta Krasová aus Tschechien, Virgilius Noreika aus Litauen und Bogdan Paprocki aus Polen) muss man berücksichtigen, dass es von ihnen nur verhältnismäßig wenige Schallplatten gegeben hat und diese auch kaum exportiert wurden. Auch Auftritte von Künstlern aus der UdSSR und ihren 'Bruderstaaten' an westlichen Bühnen waren höchst selten, zumal diese meist über staatlich gelenkte Agenturen geregelt wurden, und es auch nicht zuletzt davon abhing, ob die betreffenden Künstler 'linientreu' waren. (Welchen Repressalien und perfiden Machenschaften die Sänger ausgesetzt waren, kann man beispielsweise in Galina Vishnevskaias sehr lesenswerten Memoiren nachlesen.) Ihr Leben hinter dem sogenannten 'Eisernen Vorhang' hat nicht nur die Biographie vieler Künstler negativ beeinflusst, sondern auch deren internationale Karriere blockiert.


    So kann man auch erklären, dass manchen - und vor allem jüngeren - „Taminos“ viele große osteuropäische Stimmen aus der Zeit des 'Kalten Krieges' kein Begriff sind und sie diese erst noch für sich 'entdecken' müssen. (Den Esten Hendrik Krumm kenne ich nur von der Gesamtaufnahme der Oper „Juha“ von Aarre Merikantto und der Litauer Kipras Petrauskas ist mir nur dem Namen nach bekannt.) Zwar habe ich Platten von den im ersten Abschnitt genannten Sängern - u. a. drei Recitals mit Paprocki (darunter auch eine seltsamerweise in Prag aufgenommene LP für 'Supraphon') oder eine sogar von 'eurodisc' in der BRD veröffentlichte Schallplatte von Maria Bieshu - aber einen so phänomenalen Bariton wie Georg Ots, an dessen kürzlichen 100. Geburtstag Du ja erinnert hast, habe ich erst durch eine CD von 1995 aus Estland kennen gelernt. (Mittlerweile habe ich auch ein interesssantes TV-Portrait von ihm auf Video; in neunzehn inszenierten Opernszenen des estnischen Fernsehens aus verschiedenen Jahren und vier Konzertaufnahmen zeigt dieser Meister des gestalterischen und mimischen Ausdrucks die ganze Palette seines Könnens.)


    Vor drei Jahren erst machte ich durch eine CD-Edition aus Lettland die akustische Bekanntschaft des tragisch früh verstorbenen Tenors Janis Zabers, von dem ich hier im Forum kaum Spuren gefunden habe. (Ich habe aber heute gesehen, dass 54 Tondokumente von ihm auf YouTube eingestellt wurden.) Seine an Richard Tucker erinnernde Stimme und seine in Rom und Mailand vervollkommnete Gesangstechnik hätten ihn zusammen mit seinem guten Aussehen auch im Westen zu einem in der ersten Reihe stehenden Tenor gemacht. (Sein Lehrer in Mailand war übrigens derselbe, bei dem auch Zurab Sotkilava studierte: Gennaro Barra-Caracciolo.)


    So bitte ich Dich, mit uns etwas Nachsicht und Geduld zu haben. (Sotkilava war mir zwar durch eine LP und eine CD bekannt, aber ich wäre nicht auf den Gedanken gekommen, hier bei den „Berühmten Stimmen“ über ihn zu schreiben, wenn Du nicht den Anfang gemacht hättest.) Ich bin mir sicher, dass einige von uns die von Dir vorgeschlagenen Sänger – auch dank YouTube - mit der Zeit 'entdecken' werden, zumal man sich auf Dein fachliches Wissen und Dein Urteil verlassen kann. Auch wenn es den Anschein hat, als würden mich nur die Sänger der zurückliegenden Jahre interessieren - aber ich lese auch fleißig den von Dir initiierten Thread über die 'neuen' Stimmen, man will ja schließlich wissen, wie es weitergeht...


    BG = Bleibt Gesund!


    Carlo

    Lieber 'Caruso',


    es freut mich, dass es Dich freut.


    Ich habe noch zwei Operngesamtaufnahmen mit Zurab Sotkilava gefunden:


    „Un ballo in maschera“ (Verdi): Riccardo – Zurab Sotkilava / Renato – Iurii Mazurok, Amelia – Tamara Milashkina, Ulrica – Elena Obraztsova, Oscar – Irina Zurina, Silvano – Anton Dshaparidse / Samuel – Lev Vernigora / Tom – Stanislav Suleimanov u. a. / Khor i Orkestr Bolshoi Teatra SSSR / Chorltg.: Igor Agafonnikov / Dirigent: Algis Zhiuraitis (Moskau, Bolshoi-Theater, 29. 12. 1979). Die Oper wird in der russischen Übersetzung von Muza Pavlova gesungen; die Premiere dieser Neuinszenierung von Semion Stein in der Ausstattung von Nicola Benois war am 26. 12. 1979. Der Mitschnitt der Rundfunkübertragung ist per Airfile bei 'House of Opera' (USA) abrufbar. In dem schon erwähnten russischen 'Bolshoi'-Bildband von 1986 wie auch in dem opulenten Buch (1987) über Elena Obraztsova ist die Sängerin als 'Ulrica' in Kostüm und Maske einer alten Indianerin mit Federn im Haar und Pfeife im Mund abgebildet; eitel war die Obraztsova gewiss nicht.


    „Otello“ (Verdi): Otello – Zurab Sotkilava / Desdemona – Maria Chiara / Jago – Wassilio Janulako / Emilia – Laura Londi / Cassio – Oslavio Di Credico / Roderigo – Aronne Ceroni / Lodovico – Ferruccio Mazzoli / Montano – Franco Federici / Un araldo – Tiziano Tomassone / Coro e Orchestra del Teatro Comunale di Bologna / Chorltg.: Fulvio Fogliazza / Dirigent: Vladimir Delman (Bologna, Teatro Comunale, 12. 3. 1980). Dieser Mitschnitt wurde von Mario Piotto bei 'Recordare Opera' in Italien veröffentlicht. Dies ist eine der seltenen Aufnahmen des griechischen Baritons Wassilio Janulako (verstorben 2018), der über zwanzig Jahre zum Ensemble des Kölner Opernhauses gehörte.


    Die in meinem Beitrag Nr. 4 genannte Aufnahme von Verdis „Requiem“ unter Klaus Tennstedt – die in Canada bei 'St-Laurent Studio' auf CD erschienen ist - kann z. B. bei dem amerikanischen Internet-Anbieter 'Norbeck, Peters & Ford' in Saint Albans (Victoria) bestellt werden.


    In dem – bisher nur in russisch erschienenen – oben erwähnten Buch von Rena Sheiko „Elena Obraztsova – Sapiski v puti. Dialogi“ sind zwei große Fotos abgebildet, die Makvala Kasrashvili, Elena Obraztsova, Zurab Sotkilava und Evgeni Nesterenko bei der Probe und im Konzert mit Rossinis „Petite Messe Solennelle“ zeigen – es gab zwei Aufführungen am 24. und 27. 12. 1979 im Großen Saal des Moskauer Konservatoriums. Vladimir Minin leitet den Moskauer Kammerchor (Moskovskii Kamernii Khor), am Klavier sitzt Vazha Chachava, der (damalige) Ehemann von Elena Obraztsova. Vor den Sängern und dem Chor stehen mehrere Mikrophone, was ja wohl bedeutet, dass die Probe wie auch das Konzert für den Rundfunk oder die Schallplatte aufgenommen wurde. Eine Veröffentlichung des Mitschnitts konnte ich aber bisher nicht feststellen. (Es gibt allerdings eine Schallplatten-Aufnahme – 'Melodiia' S 10 21187/90 - dieses Werks mit Vladimir Minin und 'seinem' Chor von 1981; die Solisten sind hier Natalia Gerasimova, Elena Obraztsova, Gegam Grigorian und Evgeni Nesterenko mit den Pianisten Vazha Chachava und Igor Zhukov und der Organistin Natalia Malina.) Zurab Sotkilava hat also auch die „Petite Messe Solennelle“ gesungen; das Moskauer Konzert wurde übrigens auch in Tbilisi, in der Heimat Sotkilavas, gegeben.


    Im Mai 1980 gastierte das Bolshoi-Theater Moskau auch in Berlin, sowohl im Osten (Berliner Staatsoper) wie auch im Westen (ICC Internationales Congress-Centrum). Zurab Sotkilava war dabei als 'Vaudemont' in Chaikovskiis „Iolanta“ eingesetzt worden; seine Partner waren u. a. Tamara Milashkina, Nina Grigoreva, Aleksandr Voroshilo und Evgeni Nesterenko; Mark Ermler stand am Dirigentenpult. (Soweit ich das feststellen kann, war der Tenor an den „Bolshoi“-Gastspielen in Mailand im Oktober/November 1973 und in New York im Juli 1975 nicht beteiligt. Für seine Einzelgastspiele an der Mailänder Scala fehlen mir die entsprechenden Unterlagen.)


    Für die, die es interessiert, hier die Besetzung der Oper „Abessalom da Eteri“ von Zakharia Petrovich Paliashvili aus dem Jahre 1919 (siehe Beitrag Nr. 1):


    „Abessalom und Eteri“ (Paliashvili): Abio, Kaiser von Kartaliniia – Iraklii Shushaniia (Bass) / Natela, die Kaiserin – Liana Tatishvili (Mezzosopran) / Abessalom, deren Sohn – Zurab Sotkilava (Tenor) / Marich, seine Schwester – Lamara Chkoniia (Sopran) / Eteri, eine Waise – TsisanaTatishvili (Sopran) / Murman, ein Wesir – Shota Kiknadse (Bariton) / Naana, Murmans Mutter – Olga Kuznetsova (Sopran) / Tandaruch, ein Heerführer – Abrek Pirtskhalava (Tenor) / Ein Gast bei der Hochzeitsfeier – Aedisher Gelashvili (Tenor) / Ein Höfling - Nikolai Kapanadse (Bariton) / Bolshoi Khor i Simfonicheskii Orkestr Vsesoiuznogo Radio (Der große Chor und das Symphonie-Orchester des Rundfunks der UdSSR) / Chorltg.: Klavdii Ptitsa / Dirigent: Didim Mirtskhulava. 'Melodiia' SM 02831/36 (3 LPs, 1980). Auch erschienen bei der 'Deutschen Grammophon Gesellschaft' mit der Katalognummer 2709 094.


    Die Handlung dieser auf einem grusinischen Märchen fußenden Oper ist schnell erzählt. Der Zarewitsch Abessalom findet im Wald die schöne Hirtin Eteri, entreisst sie ihrer bösen Stiefmutter und nimmt sie mit in sein Schloss. Der Wesir Murman, der sie für sich begehrt, schenkt Eteri zur Hochzeit mit Abessalom ein Halsband, das sie erkranken und ihre Schönheit vergehen lässt. Murman überredet Abessalom, Eteri mit in seinen Kristallpalast in den Bergen zu nehmen, wo er sie zu heilen verspricht. Dort gibt ihr der Wesir die Schönheit wieder, aber Eteri sehnt sich zurück zu Abessalom. Murman gibt sie frei, doch Eteri findet den Prinzen aus Gram über die Trennung schwer erkrankt wieder. Als er in ihren Armen stirbt, tötet sie sich mit einem Dolch. (Die 'DGG' gibt zwar in dem Beilageheft zu ihrer Schallplatten-Kassette eine detaillierte Inhaltsangabe der vier Akte, verschweigt aber, dass die Szenen Nrn. 5 und 16 in der Aufnahme fehlen. Dadurch entfällt die Partie der Stiefmutter Eteris.)


    Leider bin ich technisch sehr unbegabt und kann die folkloristischen Lieder auf der 'Beaux'-CD 2109 hier nicht einstellen. Bei 'amazon' und einigen anderen Anbietern sind zumindest kurze Anspielungen der einzelnen Takes abspielbar. Vielleicht kann ein anderer 'Tamino' hier aushelfen. Diese sieben Lieder - allesamt 'Ohrwürmer' - kursieren im Internet mit englischen Titeln:


    1. The Troika speeds along (Nicolai Gedda singt dieses feurige Lied auch auf seiner LP "Abendglocken“.) /

    2. Poor man's song (Eine anonyme polkaartige, eingängige Komposition.) /

    3. Oh, if only I could express it (Nicolai Gedda hatte dieses Lied von Leonid Malashkin in seinem Konzert-Repertoire.) /

    4. Stars in the sky (Von Boris Borisov; hiervon gibt es auch eine Aufnahme mit Iwan Rebroff.) /

    5. I loved you (Boris Shermetev schrieb eine schwerblütige Melodie zu einem Gedicht von Aleksandr Pushkin.) /

    6. Oh, Nastasja! (Ein anonymes folkloristisches Lied von mitreissendem Schwung.) /

    7. Coachman, don't hurry the horses! (Dieses Lied von Iakov Feldman war oft der 'Rausschmeißer' in den Konzerten des unvergessenen Dmitri Hvorostovskii.)


    Zur Erinnerung: der Tenor war, als diese Lieder eingespielt wurden, 57 Jahre alt!


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo, 'Caruso41',



    von diesem in Russland sehr beliebten Tenor (und noch beliebteren Ex-Fußballer), der 2017 mit achtzig Jahren starb, habe ich die von Dir gezeigte erste CD des Labels 'Beaux' (das als Cover Zurab Sotkilava als 'Indischer Kaufmann' im „Sadko“ zeigt) und eine LP der 'Melodiia' – die wohl der dritten abgebildeten CD entspricht – mit folgendem Programm:



    „Carmen“ (Bizet): La fleur que tu m'avais jetée / „Tosca“ (Puccini): Recondita armonia / „Andrea Chenier“ (Giordano): Un dì all' azzurro spazio guardai profondo / „Il trovatore“ (Verdi): Di quella pira / „Otello“ (Verdi): Niun mi tema / „Cavalleria rusticana“ (Mascagni): O Lola, c'hai di latti la cammisa* - Tu qui, Santuzza? (mit Makvala Kasrashvili und Kira Leonova) – Mamma, quel vino è generoso* (mit Nina Grigoreva) /

    Orkestr Bolshogo Teatra SSSR (Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau) / Dirigent: Mark Ermler / * Die 'Siciliana' und 'Turiddus Abschied von der Mutter' entstammen einer konzertanten Aufführung mit dem Großen Symphonieorchester des Staatlichen Rundfunks und Fernsehens der UdSSR (Bolshoi Simfonicheskii Orkestr Vsesoiuznogo radio i televiziia SSSR) unter Algis Zhiuraitis. 'Melodiia' S 10 12617/18 (1 LP, UdSSR 1979).



    Um den Lesern das Suchen im Internet zu ersparen, teile ich nachstehend auch den Inhalt der zuoberst gezeigten CD der russisch-deutschen Firma 'Mazur Media' mit dem Label 'Beaux' mit:


    „Iolanta“ (Chaikovskii): Net! Chari lask krasi miatezhnoi... O pridi, svetlii prizrak, istochnik liubvi (Romanze des Vaudemont: Nein! Der Zauber der Zärtlichkeiten... O komm, strahlendes Traumbild, Quell der Liebe) /

    „Evgeni Onegin“ (Chaikovskii): Kuda, kuda, kuda vi udalilis, vesni moei zlatie dni? (Arie des Lenski: Wohin seid ihr entschwunden) /

    „Pikovaia dama“ (Chaikovskii): Ostanovites, umoliaiu vas!... Prosti nebesnoe sozdane... O poshchadi menia! (Duett Hermann – Lisa, 1. Akt: O bleiben Sie, ich beschwöre Sie!... Verzeihe mir, geliebtes Wesen... O schonen Sie mich!) mit Zoya Smolyaninova /

    „Sadko“ (Rimski-Korsakov): Ne zhest almazov v kamennikh (Lied des indischen Kaufmanns: Die Südsee birgt in Felsenhöhlen) /

    „Boris Godunov“ (Mussorgskii): Dmitri! Tsarevich! Dmitri!...Stoi, Marina! Mne chudilos, ti brosila ukorom...Smeiatsia? O, tsarevich, umoliaiu (Duett Marina – Grigori, 3. Akt: Dimitri! Zarewitsch! Dimitri!... Halt, Marina! Du wagst, mir vorzuwerfen… Verlachen? Oh, Zarewitsch, ich beschwöre dich) mit Makvala Kasrashvili /

    Alle Operntitel: Orkestr Bolshogo Teatra Rossiia (Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau) / Dirigent: Andrei Chistiakov.


    Anonym: Vot mchitsia troika pochtovaia (Da jagt die Post-Troika dahin) /

    Anonym: Pesnia o bednom cheloveke (Lied eines armen Mannes) /

    Leonid Malashkin: O, esli b mog virazit v zvuke (Oh, könnte ich es in Tönen sagen) /

    Boris Borisov: Zvezdii na nebe (Sterne am Himmel) /

    Boris Sheremetev: Ia vas liubil, liubov eshche, bit mozhet (Ich liebte dich, vielleicht bis heute) /

    Anonym: Akh, Nastasia, akh, Nastasia, otvoriai-ka vorota (Ach, Nastassia, öffne deinen Kragen) /

    Iakov Feldman: Iamshchik, ne goni loshadei (Kutscher, treib' nicht die Pferde an) /


    Alle Folkloretitel: Rossiickii Orkestr Ostankinskaia Televiziia Kompaniia (Russisches Orchester der Ostankino Fernsehgesellschaft) / Dirigent: Nikolai Nekrasov


    Das 44seitige Booklet (mit schönen Fotos) gibt zwar - in sogar fünf Sprachen – über den Tenor und den Inhalt der Opern Auskunft, ist aber sonst an mangelnder Aussagekraft kaum zu überbieten. Es werden lediglich die Namen der Opern – nicht aber die Gesangsnummern - genannt sowie die Titel der (wenig bekannten) Lieder in englischer Sprache; die Gesangstexte – leider vor allem für das Folklore-Programm – fehlen völlig. Lediglich in einem Werbeprospekt der Firma 'Mazur Media' aus Wedemark wurde mitgeteilt, dass die Aufnahmen 1993 im Tonstudio der 'Mosfilm' in Moskau mit Vladimir Vinogradov als Aufnahmeleiter und Iris Mazur als Produzentin entstanden. 'Beaux' 2109 (1 CD, RF/BRD 2001). Die 'Sony' übernahm diese Produktion für ihre Serie 'St. Petersburg Classics' mit der Katalognummer SMK 57 653. (Mein Russisch-Kurs an der VHS ist schon etliche Jahre her und ich wundere mich selbst, dass noch einiges hängen geblieben ist.)



    Im Programm der 'Mazur Media' findet sich noch eine weitere CD mit Zurab Sotkilava, die ich aber nicht habe:


    „Andrea Chenier“ (Giordano): Un dì all' azzurro spazio profondo / „Tosca“ (Puccini): Recondita armonia – E lucevan le stelle / „Otello“ (Verdi). Dio, mi potevi scagliar / „Cavalleria rusticana“ (Mascagni): Mamma, quel vino è generoso / „L' Arlesiana“ (Cilea): È la solita storia del pastore / "Manon

    Lescaut“ (Puccini): Donna non vidi mai – Ah! Manon, mi tradisce il tuo folle pensier… - Ah! Non v'avvicinate! / „La tabernera del puerto“ (Sorozábal): No puede ser, esa mujer es buena / Orkestr Bolshogo Teatra Rossiia (Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau) / Dirigent: Andrei Chistiakov. 'Beaux' 2110 (1 CD, RF/BRD 2001).



    Ausser der im Beitrag Nr. 1 genannten Gesamtaufnahme der Oper „Abessalom da Eteri“ von Zakhari Petrovich Paliashvili – dessen zweite Oper „Daisi“ ('Dämmerung') sogar 1973 in Saarbrücken in deutscher Sprache aufgeführt wurde - gibt es mit Zurab Sotkilava noch eine komplette Aufnahme der „Cavalleria rusticana“ in folgender Besetzung:


    „Cavalleria rusticana“ (Mascagni): Santuzza – Elena Obraztsova / Turiddu – Zurab Sotkilava / Lucia – Nina Novoselova / Alfio – Vladimir Verestnikov / Lola – Raisa Kotova / Bolshoi khor Tsentralnogo televideniia i Vsesoiuznogo radio (Großer Chor des Rundfunks und Fernsehens der UdSSR) / Chorltg.: Klavdi Ptitsa und Liudmila Ermakova / Orkestr Bolshogo Teatra SSSR (Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau) / Dirigent: Algis Zhiuraitis (Moskau, Großer Saal des Chaikovskii-Konservatoriums, 1. 2. und 4. 11. 1981, Live-Mitschnitt) 'Melodiia' S 10 19215/18 (2 LPs, UdSSR 1990). Auch erschienen bei 'Ricordi-Orizzonte' AOCL 216023 (2 LPs, Italien). Eine CD-Ausgabe erschien bei 'House of Opera'.



    Ein Tondokument für einen Auftritt beim 'Klassenfeind' ist der Mitschnitt eines Konzerts im US-Staat Michigan – mit einem deutschen Dirigenten, den heute kaum einer mehr kennt:


    „Messa da Requiem“ (Verdi) mit Carol Neblett, Mignon Dunn und Paul Plishka / The Meadow Brook Festival Chorus / The Kenneth Jewell Chorale / The Detroit Lutheran Singers / The Detroit Symphony Orchestra / Dirigent: Klaus Tennstedt (Rochester Hills, Meadow Brook Amphitheatre, 24. 6. 1978) 'St-Laurent Studio' YSL T-857 (2 CDs, Canada 2017). Am 28. 4. 1979 war Zurab Sotkilava auch der Tenorsolist in einer Aufführung des Verdi-"Requiems" im Hill Auditorium in Ann Arbor (Michigan) mit Alma Jean Smith, Alexandrina Milcheva und Martti Talvela; Eugene Ormandy leitete die University Choral Society und das Philadelphia Orchestra. Von diesem Konzert scheint es auch einen Mitschnitt zu geben.



    In dem prachtvollen Bildband "Bolshoi Teatr SSSR - Istoriia. Opera, Balet" von Stanislav Lushin ('Planeta'-Verlag, Moskau 1986) ist Zurab Sotkilava in Farbfotos als 'Graf Richard' in Verdis "Bal-Maskarad" und als 'Jose' in Bizets "Karmen" abgebildet.


    Abschließend möchte ich Dir, 'Caruso41', für die Eröffnung dieses Threads, den Zurab Sotkilava wahrlich verdient, danken. Seine helle, kräftige und sehr angenehm klingende Stimme mit einem elektrisierenden Höhenstrahl – aber auch der Fähigkeit zu leisen, zärtlichen Tönen - ist leider nicht oft dokumentiert worden. (Manchmal erinnert sie mich an den jungen Vladimir Atlantov, dessen Timbre aber etwas 'sämiger' war.) Vor allem ist zu berücksichtigen, dass der studierte Geologe - und Fußball-Profi bei 'Dynamo Tbilisi' - bei den Aufnahmen der beiden 'Beaux'-Recitals bereits 57 Jahre alt war und seit fast dreißig Jahren auf der Bühne stand. (Das leichte Vibrato in der „Andrea Chenier“-Arie im YouTube-Video ist auf der CD und auch auf der LP nicht zu hören, dort klingt die Stimme wesentlich heller und strahlender!) Besonders gerne höre ich die Folklore-Lieder von der ersten CD; das sind sehr melodiöse und zum Teil direkt mitreissende Musikstücke, die der Sänger in der Interpretation gut voneinander zu unterscheiden weiß.



    Viele Grüße!


    Carlo

    Nanu, kein Julius Patzak?


    Hierzu schreibt Gregor Hauser u. a. im 'Prolog', nachdem er den Begriff 'Nachkriegszeit' ab dem 1. 5. 1945 (erste Vorstellung der Wiener Staatsoper - nach ihrer Zerstörung am 12. 3. 1945 - mit "Die Hochzeit des Figaro" im Gebäude der Wiener Volksoper) datiert:


    "Als Nachkriegszeit werden hier nicht nur die unmittelbar ersten Jahre nach 1945 verstanden, sondern gemeint sind ungefähr die Jahrzehnte zwischen dem Kriegsende und dem Ausklang des 20. Jahrhunderts. Tenöre, die zwar nach dem Krieg noch gesungen haben, jedoch eindeutig vor oder in den Kriegsjahren ihren Höhepunkt erlebt hatten, werden daher hier nicht porträtiert. Die neben Richard Tauber prominentesten Vertreter dieser Kategorie von Sängern sind zweifellos die beiden Wiener Julius Patzak und Karl Friedrich."


    Als 'österreichische Tenöre' ordnet der Autor Künstler ein, die "innerhalb jener Grenzen, wie sie sich in der Zweiten Republik Österreichs darstellen, geboren sind. 'Altösterreicher' werden nicht berücksichtigt - das schließt die Sänger Leo Slezak und Anton Dermota aus, aber auch z. B. Kurt Baum oder Joseph Schmidt."


    Carlo

    Liebe 'Taminos',


    unter dem Titel Magische Töne - Österreichische Tenöre der Nachkriegszeit erschien soeben ein Buch unseres 'Kollegen' Gregor Hauser.


    Ihm ist ein wirklich interessantes, spannendes und auch bewegendes Buch gelungen, das flüssig und schnörkellos geschrieben ist. Die lebendige Schilderung der recht unterschiedlichen Persönlichkeiten und Lebensgeschichten (durchsetzt mit zahlreichen Anekdoten) hält die Aufmerksamkeit beim Leser wach. Eine Analyse der Stimmen bzw. der Gesangskunst der portraitierten Sänger à la Kesting wurde vom Autor nicht beabsichtigt. Der menschliche Aspekt in den Biographien steht im Vordergrund; immer wieder wird deutlich, wieviel Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Durchhaltevermögen – aber auch eine große Portion Glück – zu einer Sängerkarriere gehören. Wenn man dann auch erfährt, mit welchen Widerständen und Hindernissen einige der Männer (hauptsächlich die 'älteren' Jahrgänge) zu kämpfen hatten, hört man deren Stimmen mit anderen Ohren.


    'Komponiert' ist das Buch wie eine große Oper: drei Akte mit Ouvertüre (ein kurzer, sehr persönlicher Essay von Heinz Zednik), einem Prolog (eine 'Werkeinführung' des Autors), zwei Pausen und einem Epilog (mit Kurzbiographien von 22 Sängern, die auch nicht vergessen werden dürfen).


    Im 1. Akt treten Andreas Schager, Hans Beirer, Hubert Grabner, Sebastian Feiersinger und Rudolf Christ auf. In der ersten Pause stellt Gregor Hauser seinen (anonymen) Wohnungsnachbarn vor: ein Tenor, dessen Laufbahn als Sänger endete, bevor sie begann.


    Die Sänger im 2. Akt sind Hans Krotthammer, Karl Terkal, Fritz Sperlbauer, Waldemar Kmentt und Kurt Equiluz. Daran schließt sich in der zweiten Pause ein langes Gespräch mit dem Tenor Franz Supper an unter dem Motto: “Was Sie schon immer über Tenöre wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten”.


    Den 3. Akt bestreiten die Tenöre Adolf Dallapozza, Alois Aichhorn, Werner Krenn, Josef Köstlinger, Kurt Schreibmayer und Franz Supper.


    Besonders lange, ausführliche Portraits gibt es von Hans Beirer, Hubert Grabner, Karl Terkal, Sebastian Feiersinger, Waldemar Kmentt, Adolf Dallapozza, Josef Köstlinger, Franz Supper und Andreas Schager. (Mit den vier letztgenannten Sängern kam es zu persönlichen Begegnungen des Autors mitsamt Interviews.)


    Man spürt förmlich die Liebe und Begeisterung von Gregor Hauser für die Thematik. Zusammen mit vielen - größtenteils seltenen - Fotos legt er ein Buch vor (“Magische Töne - Österreichische Tenöre der Nachkriegszeit”, 254 Seiten, broschiert, erschienen im Wiener 'Verlag Der Apfel', ISBN 978-3-85450-019-3), das sowohl informativ als auch unterhaltsam ist und ich hoffe, dass es viel Anerkennung und Absatz erhält, zumal es eine Marktlücke schließt und auch für Melomanen außerhalb der 'Alpenrepublik' interessant ist.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Liebe 'Taminos',



    Josef Traxel sang nicht nur Wagner und Weber, sondern auch Weill!


    „Parsifal“ (Wagner): Amfortas – Dietrich Fischer-Dieskau / Titurel – Hans Hotter / Gurnemanz – Josef Greindl / Parsifal – Ramón Vinay / Kundry – Martha Mödl / Klingsor – Toni Blankenheim / Erster Gralsritter – Josef Traxel / Zweiter Gralsritter – Alfons Herwig / Vier Knappen: Paula Lenchner, Elisabeth Schärtel, Alfred Pfeifle und Gerhard Stolze / Blumenmädchen: Ilse Hollweg, Friedl Pöltinger, Paula Lenchner, Dorothea Siebert, Jutta Vulpius und Elisabeth Schärtel / Altsolo – Martha Mödl / Der Chor und das Orchester der Bayreuther Festspiele / Chorltg.: Wilhelm Pitz / Dirigent: Hans Knappertsbusch (Bayreuth, Festspielhaus, 19. 8. 1956). Dieser Mitschnitt ist sowohl auf LPs wie auch auf CDs bei mehreren Labels erschienen. (Alfred Pfeifle und Gerhard Stolze tauschten in manchen Vorstellungen die Rollen des dritten bzw. des vierten Knappen!) Bereits 1955 sang Josef Traxel den 'Ersten Gralsritter' in Bayreuth, aber bisher ist nur ein privater Rundfunk-Mitschnitt aufgetaucht, der unvollständig ist und deshalb nicht veröffentlicht wurde. Bis auf Ludwig Weber als 'Gurnemanz', Gustav Neidlinger als 'Klingsor' und Hermann Uhde als 'Titurel' ist die 1955er Besetzung gegenüber 1956 unverändert.



    „Euryanthe“ (Weber): Der König - Alexander Welitsch / Graf Gérard – Josef Traxel / Euryanthe, seine Gattin – Lore Wissmann / Graf Lysiart – Gustav Neidlinger / Claudia, seine Gattin – Inge Borkh / Ein Bote – Alfred Pfeifle / Der Chor und das Orchester der Württembergischen Staatsoper Stuttgart / Chorltg.: Heinz Mende / Dirigent: Lovro von Matacic (Edinburgh, King's Theatre, 3. 9. 1958). Als Gastspiel der Stuttgarter Oper wurde das Werk in der textlichen und musikalischen Neufassung von Kurt Honolka und der Regie von Kurt Puhlmann bei den Festspielen von Edinburgh aufgeführt und von der schottischen BBC im Rundfunk übertragen. (Im Dezember 1958 sang Traxel den 'Gérard' auch in einer WDR-Gesamtaufnahme unter Joseph Keilberth, die die gleiche Version verwendete; siehe Beitrag Nr. 33). Alternierend mit Fritz Wunderlich wurde Josef Traxel in Edinburgh auch als 'Belmonte' in der „Entführung aus dem Serail“ eingesetzt; in der Rundfunkübertragung sang jedoch Wunderlich. Ausserdem war Traxel auch noch in zwei Aufführungen von „Tristan und Isolde“ der 'Junge Seemann' (mit Martha Mödl bzw. Astrid Varnay, Grace Hoffman, Wolfgang Windgassen, Gustav Neidlinger und Otto von Rohr unter Ferdinand Leitner).



    „Das kleine Mahagonny“ (Weill): Jessie – Elisabeth Lindermeier / Bessie – Hetty Plümacher / Jimmy – Heinz Rehfuss / Charlie – Josef Traxel / Billy – Friedrich Lenz / Bobby – Carl Hoppe / Der Ansager: Walter Panofsky / Das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Dirigent: Miltiades Caridis (München, Herkules-Saal, 6. 5. 1960) Dieses 'Songspiel' von Kurt Weill und Bertold Brecht (1927) wurde konzertant in der Originalfassung, die David Drew rekonstruiert hatte, aufgeführt.



    „Die sieben Todsünden“ (Weill): Anna I – Lotte Lenya / Die Familie: Der Vater - Carl Hoppe, Die Mutter - Heinz Rehfuss, Die Söhne - Josef Traxel und Friedrich Lenz / Der Ansager: Walter Panofsky / Das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Dirigent: Miltiades Caridis (München, Herkules-Saal, 6. 5. 1960) Das 'Ballett mit Gesang in acht Teilen' von Kurt Weill und Bertolt Brecht (1933) wurde zusammen mit dem „Kleinen Mahagonny“ und sechs Songs von Kurt Weill – aus „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, „Happy End“ und „Berliner Requiem“ - in der Interpretation von Lotte Lenya konzertant gebracht.



    BG = Bleibt gesund!



    Carlo

    Lieber Gregor,


    die interessante ORF-Sendung von Michael Blees zum gestrigen 80. Geburtstag von Adolf Dallapozza habe ich gehört. Vielen Dank für den Hinweis!


    Den von mir sehr geschätzten Sänger habe ich während meiner Wien-Besuche leider nur einmal live gehört: als 'Wilhelm Meister' in der "Mignon" am 29. 4. 1978 in der Volksoper. Es war eine rundum schöne Aufführung in sehr guter Besetzung; ausser Adolf Dallapozza noch Elisabeth Steiner in der Titelrolle, Ilonka Szep als 'Philine' und Artur Korn als 'Lothario'. Der Dirigent war George Singer und die Inszenierung hatte Spyros A. Evangelatos verantwortet. Besonders in Erinnerung sind mir die traumhaft schönen Bühnenbilder und Kostüme von Toni Businger; so etwas bekommt man heutzutage kaum noch zu sehen. (Man spielte übrigens die 'deutsche' Fassung mit dem tragischen Ende.)


    Die Premiere dieser Inszenierung war bereits am 2. 3. 1977; an Stelle von Ilonka Szep sang da Patricia Wise, sonst war die Besetzung unverändert. Ich habe einen privaten - technisch leider unzureichenden - Mitschnitt dieser Premiere. Eigenartig finde ich, dass der ORF die Oper weder akustisch noch optisch aufgezeichnet hat, jedenfalls ist mir keine Sendung davon bekannt. Es muss aber einen hauseigenen Mitschnitt der Wiener Volksoper geben, weil auf einem Szenenfoto im englischen Magazin "Opera" deutlich ein aufgestelltes Mikrophon zu sehen ist. Auch der in der heutigen ORF-Sendung zu Ehren Adolf Dallapozzas gebrachte Ausschnitt aus dem "Postillon von Lonjumeau" - wo der Tenor in der berühmten Arie die dritte Strophe als Dacapo wiederholte und somit vier perfekt intonierte hohe 'D's sang! - stammt aus einer hauseigenen Aufnahme der Wiener Volksoper. Es wäre wünschenswert, dass das Ton- und Bildarchiv dieses Instituts für die Allgemeinheit geöffnet wird, wie das vor Jahren mit einigen Volksopern-Operettenproduktionen bei der Schallplattenfirma 'Teletheater' geschehen ist.


    Die spätere Fernsehsendung der "Mignon" (1981) im Rahmen der 'Marionetten-Opern' des ZDF - dazu zählten noch "Der Waffenschmied" und "Die verkaufte Braut" - war für mich sehr enttäuschend, weil man die Oper auf eine Dauer von 60 Minuten zusammenstrich und die handelnden Personen teilweise durch Marionetten ersetzte. Neben Trudeliese Schmidt als 'Mignon', Sylvia Greenberg als 'Philine' und Günter Wewel als 'Lothario' wirkte Adolf Dallapozza - mit einer entstellenden Perücke - als 'Wilhelm Meister' mit. Sehr schade!


    Adolf Dallapozza selbst sage ich hiermit herzlichen Dank für zahlreiche hervorragende Schallplatten-Aufnahmen und wünsche ihm für den weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute!


    Carlo

    Hallo,



    heute folgen die Wagner-Partien 'Froh' und 'Siegmund':


    „Das Rheingold“ (Wagner): Wotan – Hans Hotter / Donner – Toni Blankenheim / Froh – Josef Traxel / Loge – Rudolf Lustig / Alberich – Gustav Neidlinger / Mime – Paul Kuen / Fasolt – Ludwig Weber / Fafner – Josef Greindl / Fricka – Georgine von Milinkovic / Freia – Herta Wilfert / Erda – Maria von Ilosvay / Woglinde – Jutta Vulpius / Wellgunde – Elisabeth Schärtel / Floßhilde – Maria Graf / Das Orchester der Bayreuther Festspiele / Dirigent: Joseph Keilberth (Bayreuth, Festspielhaus, Juli 1955) Diese aus Mitschnitten von Proben und der Premiere vom 24. 7. 1955 bestehende Stereo-Aufnahme der 'Decca' konnte auf Grund von kontraktlichen Problemen erst 2006 durch die englische Firma 'Testament' veröffentlicht werden. (Josef Traxel sang bereits 1954 den 'Froh' in Bayreuth, aber vom „Ring“-Zyklus dieses Jahres unter Joseph Keilberth ist bisher nur „Die Walküre“ - wohl wegen der 'Sieglinde' Martha Mödls – veröffentlicht worden.)


    dto.: Wotan – Hans Hotter / Donner – Alfons Herwig / Froh – Josef Traxel / Loge – Ludwig Suthaus / Alberich – Gustav Neidlinger / Mime – Paul Kuen / Fasolt – Josef Greindl / Fafner – Arnold van Mill / Fricka – Georgine von Milinkovic / Freia – Gré Brouwenstijn / Erda – Jean Madeira / Woglinde – Lore Wissmann / Wellgunde – Paula Lenchner / Floßhilde – Maria von Ilosvay / Das Orchester der Bayreuther Festspiele / Dirigent: Hans Knappertsbusch (Bayreuth, Festspielhaus, 13. 8. 1956). Dieser Rundfunk-Mitschnitt ist auf CD bei mehreren Firmen einzeln oder als Bestandteil von kompletten „Ring“-Ausgaben erschienen.


    dto.: Wotan – Hans Hotter / Donner – Toni Blankenheim / Froh – Josef Traxel / Loge – Ludwig Suthaus / Alberich – Gustav Neidlinger / Mime – Gerhard Stolze / Fasolt - Arnold van Mill / Fafner – Josef Greindl / Fricka – Georgine von Milinkovic / Freia – Elisabeth Grümmer / Erda – Maria von Ilosvay / Woglinde – Dorothea Siebert / Wellgunde – Paula Lenchner / Floßhilde – Elisabeth Schärtel / Das Orchester der Bayreuther Festspiele / Dirigent: Hans Knappertsbusch (Bayreuth, Festspielhaus, 14. 8. 1957). Auch dieser Mitschnitt ist auf CD mehrfach erhältlich.



    „Die Walküre“ (Wagner): Sieglinde – Herta Wilfert / Brünnhilde – Liane Synek / Fricka – Marion Matthäus / Siegmund – Josef Traxel / Hunding – Hans Hofmann / Wotan – Wilhelm Schirp / Die Walküren: Gerhilde – Else Mühl / Ortlinde – Alma Legrand / Waltraute – Maria M. Morquio / Schwertleite – Carlota Bernhard / Helmwige – Colette Lorand / Siegrune – Bera Canony / Grimgerde – Marion Matthäus / Rossweisse – Hilde Wagner / Orquestra Sinfónica del SODRE (Servicio Oficial de Difusión Radio Eléctrica) / Dirigent: Alexander Krannhals (Montevideo, Estudio Auditorium, 25. 8. 1959). Dieser Mitschnitt einer konzertanten Rundfunk-Aufführung erschien 2006 auf dem CD-Label 'Living Stage'. (Der in Frankfurt geborene schweizerische Dirigent Alexander Krannhals – von 1955 bis zu seinem Tod 1961 Generalmusikdirektor des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe – leitete in den 50er Jahren mehrere konzertante Opernaufführungen des Rundfunks von Uruguay. Er war verheiratet mit der Sopranistin Else Mühl, die in dieser "Walküre" die 'Gerhilde' singt.)



    Carlo

    Liebe Taminos,


    aus Anlass des gestrigen 100. Geburtstages von Marcel Cordes haben der Bayerische und der Österreichische Rundfunk zwei je einstündige Sendungen (mit z. T. seltenen Aufnahmen) gebracht, die man noch nachhören kann:


    "Con Passione": Bayerischer Rundfunk (BR Klassik), 9. 3. 2020, 19.05 - 20.00 Uhr.


    "Anklang": Österreichischer Rundfunk (ORF1), 10. 3. 2020, 10.00 - 11.00 Uhr.


    Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch auf den Beitrag Nr. 326 von 'hart' im Tamino-Thread "Der Musiker Gräber" vom 11. 3. 2016 hinweisen.


    LG


    Carlo

    Hallo!


    Im Nachhinein stelle ich fest, dass mein Verweis auf Ommer offenbar völlig überflüssig war. Sorry, Carlo! Ich hatte den entsprechenden Eintrag allerdings völlig wertfrei und ohne eigenen Kommentar eingestellt. Doch warum eine Datenbank befragen, wenn die Kompetenz bei Tamiono zu finden ist. :) Ich könnte den Beitrag wieder entfernen. Aber das wäre auch albern.

    Lieber Rüdiger,


    kein Problem, man kann schon einmal etwas übersehen. Ich habe die CD-ROM von Andreas Ommer nicht und verlasse mich lieber auf meine Schallplatten- und CD-Sammlung sowie die mir vorliegenden Rundfunk- und Fernseh-Zeitungen und meine Notizen.


    Lieber Carlo!

    Wenn dir das so wichtig ist, würde ich vorschlagen, dass du das einfach mal beim Deutschen Rundfunkarchiv anfragst bzw. (kostenlos) recherchieren lässt: dra-mitschnitt@rbb-media.de


    :hello:

    Lieber Stimmenliebhaber,


    auf diese Idee bin ich schon vor zehn Jahren gekommen und habe das DRA in Potsdam angerufen, weil ich damals noch kein Notebook hatte. Aber ausser den Sendedaten zu den drei 'italienischen' Verdi-Opern des ostdeutschen Fernsehens („Rigoletto“ 31. 3. 1972 - „La Traviata“ 15. 12. 1973 - „Il trovatore“ 24. 12. 1975 ) konnte oder wollte man mir damals nicht mehr mitteilen. Ich habe nun einen neuen Versuch per EMail gestartet und warte auf die Antwort, wobei ich aus privater Quelle weiß, dass man da vielleicht vergebens wartet. Schau'n mer mal, dann wer'n mer seh'n.



    Lieber Gregor,


    vielen Dank für das Einstellen der Aufnahme der „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss mit Mirella Freni und dem Orchestra del Teatro Comunale di Bologna unter der Leitung von Václav Smetacek im November 1973. Es ist erstaunlich, dass sie diese Lieder überhaupt singt und dann noch im Originaltext. Natürlich hört man sofort, dass hier keine Deutschsprachige diesen 'Zyklus' interpretiert und sie den Text wohl phonetisch gelernt hat, doch es ist schon bemerkenswert, wie sich die Sängerin in diese für Italiener 'exotische' Klangwelt einfühlt, wenn man ihr bis dahin gesungenes Opern-Repertoire berücksichtigt. Zwar fehlen der Freni hier (noch) viele klangvolle Töne im unteren Bereich des Notensystems (was aber auch an der eingeschränkten Klangdynamik des Privat-Mitschnitts liegen mag), aber die hymnischen Aufschwünge bei Stellen wie „Und die Seele unbewacht...“ oder „So tief im Abendrot...“ werden sicher und klangschön genommen. Bei eingehender Beschäftigung mit dem Text und seiner Aussage unter Anleitung eines mit den Liedern vertrauten Dirigenten hätte Mirella Freni eine - über das rein Gesangliche hinaus – noch überzeugendere Interpretation gelingen können.


    Aber so sehr ich ihre Stimme liebe, so sehr hat mich an ihrem Gesang – hauptsächlich, wenn sie nicht in ihrer Muttersprache singt – oft die prononcierte Aussprache der Konsonanten „r“ und „n“ an Wortenden irritiert, die sich für mich oft wie „erre“ bzw. „enne“ anhören. Ob dieser 'Sprachfehler' dem Modeneser Dialekt geschuldet ist oder lediglich ein gesangliches Problem war, kann ich nicht beurteilen. Eigenartig finde ich aber schon, dass manche italienischen Sänger – z. B. Carlo Bergonzi mit seiner Angewohnheit, das „s“ sehr oft als „sch“ zu artikulieren oder Franco Corelli, der deutlich lispelte – ihre sprachlichen Eigenheiten nie ablegen konnten oder wollten. (Nicht zuletzt war dies ja auch ein 'Markenzeichen' ihres Singens.) In Schallplatten-Aufnahmen – vor allem unter Karajan – hat Mirella Freni sich in dieser Hinsicht deutlich an die Kandare genommen, aber 'live', besonders wenn sie in einer fremden Sprache sang, war sie wohl zu sehr mit dem Text beschäftigt, als dass sie auch noch auf die von mir monierten Dinge hätte achten können. Das Anhören ihrer Einspielungen von französischen Opernpartien - wie die 'Micaela', die 'Marguerite', die 'Juliette' und ihre Namensvetterin 'Mireille' - ist für mich deshalb auch immer etwas zwiespältig; an der wunderbaren Stimme habe ich aber nichts auszusetzen. Und ich bin froh, dass ich nun auch diese mir bisher unbekannte Facette von Mirella Frenis Gesang hören konnte.



    Liebe Taminos,


    „wussten Sie, dass....“ Mirella Freni auch die 'Gilda' im „Rigoletto“ gesungen hat, wenn auch nur den vierten Akt? (Auch mit Zinka Milanov gibt es eine Aufnahme nur des letzten "Rigoletto"-Aktes, sogar unter Toscanini.) Die Hamburgische Staatsoper veranstaltete zwecks 'Fund-Raising' 1971 (am 10., 12., 14. und 16. Oktober) vier „Gala-Abende“ mit – wie es damals hieß – den 'Weltstars der Oper' Fiorenza Cossotto, Mirella Freni, Ilva Ligabue, Renata Scotto, Franco Corelli, Carlo Cossutta, Charles Craig, Giovanni Foiani, Nicolai Ghiaurov, Peter Glossop und Juan Oncina sowie den Tänzern Lucette Aldous, Noella Pontois und Rudolf Nureyev. Zur Aufführung kamen (in wechselnder Besetzung) Szenen und Arien aus folgenden Opern: „Aida“, „Il barbiere di Siviglia“, „La Bohème“, „Carmen“, „Cavalleria rusticana“, „Don Carlos“, „I pagliacci“ und „Rigoletto“ sowie zwei große Pas-de-deux aus den Balletten „Der Schwanensee“ und „Don Quichotte“. Den Opernteil dirigierte Nello Santi am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, für die Ballett-Ausschnitte holte man John Lanchbery vom Royal Opera House, Covent Garden, London. Beabsichtigt war eine TV-Aufzeichnung der interessantesten Teile durch den NDR mit anschließender weltweiter Vermarktung durch die 'Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft' per Kino-Aufführungen und Video-Kassetten, wozu es aber m. W. nie gekommen ist.


    Am 31. 12. 1971 zeigte die ARD in ihrem Silvester-Programm einen zwei Stunden langen Zusammenschnitt dieser Gala-Abende; teilweise handelte es sich um ganze Szenen in Kostüm und Maske mit den Bühnenbildern aus Inszenierungen der Hamburgischen Staatsoper. Zu sehen waren: „I pagliacci“ (Prolog) mit Peter Glossop / „Carmen“ (Arie der Micaela) mit Mirella Freni / „La Bohème“ (Finale des ersten Aktes) mit Mirella Freni im schlichten blauen Kleid mit Bubikragen und Franco Corelli als nonchalanter, überraschend lockerer Darsteller im grauen Anzug; hinter der Szene sangen Roberto Banuelas und Franz Grundheber / „Cavalleria rusticana“ (Arie der Santuzza) mit Fiorenza Cossotto und Maria von Ilosvay / „Il barbiere di Siviglia“ (die 'Verleumdungsarie' des Don Basilio) mit Nicolai Ghiaurov / „Aida“ (der vollständige vierte Akt) mit Fiorenza Cossotto – vokal sehr eindrucksvoll, mit 'Wäsche aufhängen'-Gesten - Giovanni Foiani, Franco Corelli und der attraktiven Ilva Ligabue / „Don Carlos“ (der vierte Akt 'im Kabinett des Königs' mit Nicolai Ghiaurov, Giovanni Foiani, Ilva Ligabue, Fiorenza Cossotto und Peter Glossop; Kurt Marschner sang den 'Grafen von Lerma' / „Der Schwanensee“ (Pas-de-deux) mit Noella Pontois und Rudolf Nureyev. Der Moderator war der Intendant (Rolf Liebermann) persönlich; die TV-Regie hatte Joachim Hess.


    Weitere Ausschnitte aus den Gala-Abenden vom Oktober 1971 sendete die ARD dann erst am 25. 12. 1972 (Dauer: 60 Minuten) mit dem vierten Akt des „Rigoletto“, zwei neapolitanischen Liedern - „Silenzio, Cantatore!“ von Gaetano Lama und „Tu ca' nun chiagne“ von Ernesto De Curtis, gesungen von Franco Corelli (im roten Polohemd) mit Harry Grube am Flügel – und dem Pas-de-deux aus dem Ballett „Don Quichotte“ von Ludwig Minkus, getanzt von Lucette Aldous und Rudolf Nureyev. (Auch hier sprach Rolf Liebermann verbindende Worte.) Die Besetzung im „Rigoletto“ war wie folgt: Gilda – Mirella Freni (mit Kappe auf den blonden Haaren und in Hosen) / Maddalena – Joyce Blackham (privat Mrs. Glossop) / Herzog von Mantua – Carlo Cossutta / Rigoletto – Peter Glossop / Sparafucile – Giovanni Foiani / Nello Santi leitete das Philharmonische Staatsorchester Hamburg.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Liebe Opern- und Filmfreunde im Allgemeinen und Verehrer von Beniamino Gigli im Besonderen!



    Es gab im Ausland mehrere TV-Dokumentationen zum Leben und Wirken dieses in die Musikgeschichte eingegangenen Tenors; aus dem deutschen Sprachraum ist mir nur eine 45 Minuten lange ZDF-Sendung von Hans Borgelt „Filmmusikalische Erinnerungen an einen großen Sänger“ aus dem Jahre 1979 (mit der Moderation von Beniamino Giglis zweimaliger Filmpartnerin Carola Höhn) bekannt, die ich auf Video habe. Die Schauspielerin erzählte Interessantes aus seinem Privatleben - z. B. dass er nicht alleine sein konnte und stets von vielen Menschen umgeben war, was auch dazu führte, dass er für sie sein Geld mit vollen Händen ausgab - und zeigte Ausschnitte aus einigen seiner Filme. (Die mir bekannten und teilweise auf Video vorliegenden Spielfilme habe ich in diesem Thread mit * hinter dem Filmtitel gekennzeichnet.)


    Heutzutage würde ein solches Portrait wohl etwas anders ausfallen und man würde sicher nicht verschweigen, dass der Tenor fünfundzwanzig Jahre lang neben seiner Ehe, aus der zwei Kinder stammten (u. a. die Tochter Rina, die von 1943 bis 1957 eine passable Opernkarriere hatte), eine Beziehung mit einer anderen Frau und mit ihr drei Kinder hatte. In den italienischen Gazetten, die nach seinem Tod erschienen, wurde unverhohlen auch über drei weitere uneheliche Kinder spekuliert. Beniamino Gigli war ein durchaus widersprüchlicher Mann: ein sinnenfroher Genussmensch und strenger Katholik (mit enger Freundschaft zu dem 2002 heilig gesprochenen Kapuziner Padre Pio), ein Höchstgagen fordernder Gesangsstar mit hunderten von Benefizkonzerten, Mitglied in einer exclusiven Freimaurerloge und selbsternannter 'Sänger des italienischen Volkes'.


    Wie ich im Beitrag Nr. 12 schon mitteilte, bereitet Stefan Zucker von der „Belcanto Society“ ein Buch mit dem Titel „Beniamino Gigli – Hitler's Tenor“ vor. Über Giglis Verhältnis zum Faschismus – er besang u. a. eine Schallplatte mit der 'Faschisten-Hymne' „Giovinezza“ - und zum Nationalsozialismus ist viel spekuliert worden; nicht zuletzt auch seine z. T. in deutsch-italienischer Co-Produktion entstandenen Filme (bis 1942) haben dazu beigetragen. (In seinen 1957 auch in Deutschland mit dem Titel „Und es blitzten die Sterne“ erschienenen Memoiren hält sich der Sänger darüber erwartungsgemäß bedeckt.) Er erklärte schon früh öffentlich - und popularitäts-steigernd - ein unpolitischer Mensch zu sein und dass er keinen Unterschied mache, ob er für den italienischen König oder einen Fischer aus Neapel singt. Ganz der typische, Mutter-fixierte Italiener, hatte er bereits 1925 in einem amerikanischen Interview erklärt: „Ich bin weder Faschist noch Anti-Faschist. Es ist nur so, dass ich weiß, dass meine Mutter in Italien sicher ist, wenn Mussolini an die Macht kommt.“ (1938 stiftete Beniamino Gigli in Recanati im Andenken an seine Mutter Ester ein Altersheim.)


    In Deutschland war der Sänger – wie auch in der ganzen 'musikalischen Welt' damals - durch Opern-Gastauftritte, Konzerttourneen und natürlich seine Schallplattenaufnahmen - längst berühmt, als die Nazis 1933 die Regierungsgewalt übernahmen; seine Popularität hierzulande verdankte er also nicht erst den Filmen, die er ab 1935 teilweise in Deutschland drehte. So blieb es nicht aus, dass sich auch die neuen 'Machthaber' gern mit ihm zeigten, was sich allerdings meistens nur auf den kurzen Austausch von Höflichkeiten im Beisein der Presse beschränkte. Nach dem 'Anschluss' Österreichs 1938 unternahm er sofort eine große England- und Amerika-Tournee und trat für eine Saison wieder an der New Yorker 'Met' auf, die er 1932 nach einem wegen der Weltwirtschaftskrise verhängten Gagen-Stop verlassen hatte. (Der damalige Intendant Giulio Gatti-Casazza stellte den Sänger in der Presse als 'geldierig' bloß, worauf Gigli mehrere Auftritte und Konzerte ohne Bezahlung anbot, aber sein Ruf war beschädigt.) Die Auftritte im nunmehr 'großdeutschen' Reich schränkte der Tenor erheblich ein; die Dreharbeiten seiner in deutsch-italienischer Co-Produktion gedrehten Filme wurden nach Italien verlegt.


    Damals war es in Italien üblich, dass die Spitzensänger ihre Verträge direkt vom Staat erhielten und sich daran halten mussten, wollten sie nicht hohe Konventionalstrafen riskieren. Nach dem Sturz Mussolinis 1943 und der anschließenden deutschen Okkupation Italiens weigerte sich Gigli erwiesenermaßen mehrmals, für die deutsche Wehrmacht zu singen. Tito Gobbi schildert in seinen Memoiren einen Vorfall vom Mai 1944, als er, Gigli und Maria Caniglia in der römischen Oper für die Besatzer ein Rundfunk-Konzert geben mussten. Der deutsche Stadtkommandant, Kurt Mälzer, verlangte von den Sängern, dass sie hinterher zu den deutschen Soldaten (vorbereitete) Grußbotschaften über den Äther schicken sollten. Die Caniglia versteckte sich im Opernhaus, Gigli erklärte, er sei erschöpft und krank und Tito Gobbi wurde mit Waffengewalt zu einer kurzen Rede gezwungen.


    Nach der Befreiung Roms von der nazistischen Gewaltherrschaft Anfang Juni 1944 durch die US-Truppen des Generals Clark – in Norditalien wurde noch bis Mai 1945 gekämpft - wurde Giglis römische Stadtwohnung beschlagnahmt. Giuseppe Albano, ein ehemaliger Partisan der „Resistenza romana“, der mit der Jagd auf Faschisten mit seiner „Banda del Gobbo“ die Stadt terrorisierte und (18jährig!) bei einem Feuergefecht von Carabinieris erschossen wurde, hatte zuvor Gigli öffentlich als Kollaborateur und Verräter denunziert. Doch die Alliierten verhörten den Sänger nur, stuften ihn als 'Mitläufer' ein und gaben ihm seinen Besitz zurück. Bereits Anfang Mai 1945 trat Beniamino Gigli unter dem begeisterten Applaus seiner Landsleute wieder am Opernhaus in Rom in „La forza del destino“ auf, gab Konzerte und sang in einer römischen Benefizvorstellung von „I pagliacci“ zu Gunsten ehemaliger Partisanen.


    Als er am 30. November 1957 mit 67 Jahren in Rom an einer Lungenentzündung starb, wurde offenbar, dass er vor allem wegen seiner Freigiebigkeit und Spendenfreudigkeit (vor allem zu Gunsten der Kirche) kaum finanzielle Reserven hatte und trotz einer schweren Diabetes-Erkrankung gezwungen war, nach dem Zweiten Weltkrieg noch bis zwei Jahre vor seinem Tod weite und strapaziöse Tourneen zu unternehmen und Konzerte sowie einige (von der Kritik, nicht aber vom Publikum, belächelte) Bühnenauftritte – oft zusammen mit seiner Tochter - an den ehemaligen Stätten seiner Erfolge zu absolvieren. Giglis letzter großer Triumph waren seine drei umjubelten Konzerte in der New Yorker Carnegie Hall vom 20. bis 24. April 1955; am 25. Mai 1955 erklang seine Stimme in Washington zum letzten Mal in der Öffentlichkeit – eine Gesangskarriere von 41 Jahren fand damit ihr Ende. (Seine palastartige Villa auf dem Hügel Montarice bei Porto Recanati musste nach seinem Tod verkauft werden; die Witwe Costanza starb 1980 in einem römischen Altersheim, auf die Unterstützung durch die Metropoltan Opera in New York angewiesen.) Auf seinem – einer Pyramide nachempfundenen - Grabmal in seinem Geburtsort Recanati sind die Worte des Titelhelden aus Umberto Giordanos Oper „Andrea Chenier“ eingemeisselt: „Con la mia voce ho cantato la patria!"



    Viele Grüße!


    Carlo

    Lieber 'hart',


    wieder einmal verblüffst Du mich mit Deinem sehr ausführlichen Beitrag – diesmal über Marietta Alboni, einer legendären, phänomenalen Altistin, von der es natürlich leider keine Tondokumente gibt. (Im Jahre 2006 habe ich ihr Grab auf dem Friedhof Père Lachaise besucht.)


    Ergänzend zu Deinen Angaben möchte ich hinzufügen, dass sie ihre Debüts an den großen Opernbühnen der damaligen Zeit sorgfältig plante und sich dem Publikum in möglichst unterschiedlichen Rollen präsentieren wollte. So sang sie an der Mailänder Scala nach ihrem Debüt dort (30. 12. 1842) als 'Neocle' in Rossinis “L'assedio di Corinto” am 7. 1. 1843 mit dem 'Maffio Orsini' in Donizettis “Lucrezia Borgia” - die Titelrolle sang Erminia Frezzolini – und am 7. 3. 1843 als 'Rizzardo' in Marlianis “Ildegonda” lauter 'Hosenrollen'; erst am 16. 8. 1843 konnte sie mit der Titelrolle in Donizettis “La Favorita”, die in Mailand in einer dramaturgischen Bearbeitung aber 'Elda' statt 'Leonora' hieß, endlich eine Frau verkörpern. 1846 trat sie erstmals in Berlin am Königlichen Opernhaus (“Tancredi”) und 1847 in Paris am Théâtre-Italien (“Semiramide”) wieder in männlichen Rollen auf.


    Nach ihrem Sensationsdebüt (6. 4. 1847) an der Royal Italian Opera im Opernhaus Covent Garden in London – als 'Arsace' in Rossinis “Semiramide” neben Giulia Grisi in der Titelrolle – folgte am 8. 5. 1847 der 'Armando di Gondi' in Donizettis “Maria di Rohan”, am 15. 5. 1847 der 'Maffio Orsini' mit der Grisi als “Lucrezia Borgia” und am 1. 7. 1847 die für sie umgeschriebene Baritonrolle (!) des 'Carlo' in Verdis “Ernani”. Weitere Rollen im Jahre 1847 waren in London: 'Giovanna Seymour' in “Anna Bolena”, 'Cherubino' in “Le nozze di Figaro”, 'Pippo' in “La gazza ladra” und 'Malcolm' in “La donna del lago”. Alle diese Londoner Vorstellungen wurden von dem gebürtigen Italiener Michael Costa, der auch Opern komponierte, dirigiert. Ihr Debüt an der Pariser Grand Opéra, die damals im Salle Le Peletier beheimatet war, gab sie 1850 als 'Fidès' in Meyerbeers “Le Prophète”.


    Zwar war ihre schon in jungen Jahren recht füllige Figur, zumal in den für ihr Stimmfach vorherrschenden 'Hosenrollen', stets die Zielscheibe der Karikaturisten, aber das Publikum schloss die Augen und genoss ihre herrliche Stimme. Bereits mit 38 Jahren zog sie sich wegen der Erkrankung ihres Mannes langsam von der Bühne zurück, gab aber keine der damals üblichen Abschiedsvorstellungen, so dass es immer ungewiss war, wann man sie das nächste Mal noch einmal hören könnte. Durch diesbezügliche vage Mitteilungen in der Presse weckte sie das öffentliche Interesse an ihren Auftritten und trieb ihre Gage in astronomische Höhen.


    Anekdoten über die Sängerin sind m. W. nicht überliefert. Es gibt aber die Geschichte, dass sie dem Impresario Maurice Strakosch mal erzählte, dass ihrer Nichte von der Familie des Bräutigams die Hochzeit verweigert wurde, weil sie keine ausreichende Mitgift hatte. Monsieur Strakosch fragte die Alboni nach der Summe (100.000 Francs) und sagte ihr diesen Betrag als Gage zu, wenn sie – obwohl als verwitwete Contessa Pepoli nun im 'Ruhestand', aber wegen der vielen Arztkosten zur Behandlung ihres inzwischen verstorbenen Mannes nicht mehr in den besten finanziellen Verhältnissen lebend – auf einer Konzerttournee 1869 durch Frankreich, Belgien und den Niederlanden mit der Orchesterfassung von Rossinis “Petite Messe Solennelle” die vom Komponisten für sie geschriebene Alt-Partie sänge. Die Alboni sang (insgesamt 64 Konzerte), Strakosch zahlte und die Nichte konnte heiraten.


    Wenn man sich ungefähr die Art ihres Singens vorstellen möchte, sollte man sich – um Beispiele aus jüngerer Zeit zu nennen – Aufnahmen von Ewa Podlés und Marilyn Horne anhören. Besonders die Amerikanerin hat auf vielen Schallplatten Arien aus dem Repertoire von Marietta Alboni gesungen, auch ein Terzett ('Solingo, errante, misero sin da prim'anni miei') aus Verdis “Ernani” mit ihr ist erhalten, allerdings nicht mit der Bariton-Partie des 'Carlo' – wie die Alboni es in London 1847 sang – sondern sogar in der Bass-Rolle des 'Silva'! Zusammen mit 'General Horne', wie man die Sängerin spöttisch wegen ihrer vielen heroischen 'Hosenrollen' nannte, sangen Joan Sutherland und Luciano Pavarotti in einem – vom Fernsehen und von der Plattenfirma 'Decca' aufgezeichneten - Konzert in der New Yorker Avery Fisher Hall (23. 3.1981) mit dem Orchester der 'New York City Opera' unter Richard Bonynge .


    Herzlichen Dank und viele Grüße!


    Carlo

    Liebe Taminos,


    morgen, 8. 3. 2020 (Sonntag), sendet der WDR3 ab 9.00 Uhr in seiner Wunschkonzert-Reihe "Lieblingsstücke" aus Anlass des "Welt-Frauentages" das Singspiel "Die Fischerin" von Corona Schröter mit Valerie Bak, Walter Geisler und Horst Günter mit dem Hamburger Rundfunkorchester unter der Leitung von Walter Martin, aufgenommen im November 1953. (Nähere Angaben stehen in meinem Beitrag Nr. 14 in diesem Thread.) Es ist schön - und leider auch selten - dass eine derartige 'Trouvaille' noch einmal gesendet wird! (Die komplette vierstündige "Lieblingsstücke"-Sendung morgen enthält übrigens nur Kompositionen von weiblicher Hand!)


    Abends kann man am selben Tag und auf dem selben Sender (ab 20.05 Uhr) die kleine Oper aus dem Jahre 1782 - die die erste Vertonung von Goethes "Erlkönig" beinhaltet - noch einmal hören: in einem Mitschnitt von 2002 von den 'Tagen Alter Musik' in Herne. Es singen Ulrike Staude, Markus Schäfer und Ekkehard Abele; statt einem Orchester gibt es die Original-Begleitung mit einer Gitarre (Michael Freimuth) und einem Hammerklavier (Gerald Hambitzer), der Dirigent ist Hermann Max. Davor gibt es in einer gekürzten Fassung eine weitere, von einer Frau komponierte Oper: "Talestri" von der Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis, uraufgeführt 1760 oder 1763.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo, Rüdiger!


    Nichts für ungut, aber meine handschriftlichen Notizen zu der Fernsehsendung der "Traviata" am 15. 6. 1975 in der ARD sind aussagefähiger als die Angaben von Andreas Ommer (siehe Beitrag Nr.164). Leider gab es damals noch keine Video-Recorder für den privaten Gebrauch, um sich derartige TV-Höhepunkte aufzeichnen zu können.


    Vielleicht könnte ein 'Tamino'-Mitglied aus der Berliner Ecke - evtl. mit Kontakten zu Peter Bindszus, Jürgen Hartfiel oder Heinz Reeh - die Frage klären, ob die Nachricht der "Opernwelt" stimmt, dass bereits im Oktober 1972 mit den Aufnahmen begonnen wurde, und wann die TV-Aufnahmen gemacht wurden. Die Sendung im 1. Programm des Fernsehens der DDR war ja erst am 15. 12. 1973. (Jürgen Hartfiel hat hier für Heinz Reeh die Rolle des 'Marquis d' Obigny' gedoubelt.) Für viele mag die Frage nach den korrekten Aufnahmedaten bei Schallplatten- und Rundfunkproduktionen nebensächlich sein, mir ist es wichtig.


    LG


    Carlo