Auf Einladung von Karola Schmid, die Sophie im Rosenkavalier und Cousine meiner Frau, waren wir am Samstag im Rosenkavalier im Theater Lübeck. Es war ein sehr schöner Abend und sehr spannend für uns, weil wir hinterher im Wein-Kontor noch mit dem gesamten Haupt-Cast zusammensitzen konnten und manchen Einblick hinter die Kulissen erhielten.
Vielleicht nicht ganz neutral zu bewerten, aber ich war vom insgesamt aus (noch) ziemlich unbekannten Sängern bestehenden Cast ziemlich begesitert. Evmorfia Metaxaki singt eine vorzügliche Marschallin, jünger und attraktiver als die Rolle meistens angelegt wird. Aber dennoch mit glaubhafter Wehmut und 'Midlife-Crisis' im 1. Akt. Frederike Schultens Octavian ist wunderbar gespielt und fast immer souverän gesungen. Im 1. Akt manchmal etwas gegen das Strauss-Orchester am untergehen - aber für die erste Hauptrolle in ihrer Laufbahn großartig gemacht. Johannes Wimmer ist ein witziger und vollklingender Ochs, wie so oft der (heimliche) Star auf der Bühne. Er legt die Figur nicht gänzlich unsympathisch sondern mit Augenzwinkern an. Dazu trifft er als echter Österreicher den Wienerischen Ton perfekt. Karola Sophia Schmid mag ich hier kaum bewerten. Mir hat ihre Sophie vorzüglich gefallen. Bei der Rosenübergabe gleich wunderbar intoniert. Sie legt die Sophie als sehr junge Frau an, die dennoch genau weiß, was sie (nicht) will.
Auch die kleineren Rollen überzeugen wirklich durchgehend.
Die Lübecker Philharmoniker werden von Stefan Vladar doch recht laut gegeben - allgemein etwas sängerunfreundlich. Im Laufe des Abends nimmt er jedoch Dynamik raus. Ich habe - natürlich - schon bessere Strauss-Dirigate gehört, aber es war noch absolut in Ordnung.
Die Inszenierung setzt sozusagen auf eine Retro-Rokokoisierung mit schönen und klassischen Bildern (Bett, Prunk, Prater). Gelgentlich werden Akzente gesetzt, wenn im Prater plötzlich ziemlich unheimlich aussehnde Pferde und Karussells auftauchen. Die Personenregie hingegen ist eher mau. Natürlich kann man im Rosenkavalier viel spielen - besonders Ochs darf das auch - aber vor allem im 1. und 3. Akt ist es außerhalb der Spektakel-Szenen sehr viel Rampensingen. Karola meinte hinterher auch: Er (Michael Wallner) hat wenig mit uns gemacht. Ein bisschen dastehende Kunst.