Beiträge von Tristan2511

    Da zuletzt von Nielsen im Forum die Rede war, habe ich bemerkt, dass es ein Tamino-Ranking gibt, bei dem ich noch nicht teilgenommen habe. Das geht natürlich nicht! Wie der Kollege Joseph II. mache ich diese Spielereien gerne. Man muss sie a) nicht zu ernst nehmen und b) akzeptieren, dass es Momentaufnahmen sind, die sich immer mal ändern.


    Ich oute mich als großer Anhänger der frühen Nielsen-Sinfonien:

    1) 2. Sinfonie

    2) 3. Sinfonie (der Kopfsatz ist allerdings mein liebster Einzelsatz)

    3) 1. Sinfonie

    4) 4. Sinfonie

    5) 5. Sinfonie

    6) 6. Sinfonie


    Allesamt finde ich sie großartig - einer der ganz großen Sinfonien-Kanons!

    Es folgt der sehr deutliche Hinweis, auf persönliche Beleidigungen - direkt oder subtil - zu verzichten, sich bitte an die Forenregeln zu halten und zum Sachgegenstand zurückzukehren. Wir werden bei den letzten Beiträgen erneut den Rotstift (Blaustift) ansetzen. Derartige Diskussionen sind Tamino nicht würdig.

    Tristan

    Eine gewisse Rolle werden persönliche Vorlieben und Prägung auch spielen. Fällt mir persönlich diese deutsch-österreichische Spätromantik sehr zu, tue ich mich mit französischen Impressionismus z.B. trotz zahlreicher Versuche sehr schwer. Ich sehe, auch hier im Forum, dass Ravel und Debussy als sehr große Komponisten gehandelt werden, aber ich komme nicht so richtig dahinter...


    Jetzt bleibe ich aber bei Respighi und höre ein ebenfalls sehr eingängiges, fast unverschämt schönes Stück:

    Ottorino Respighi - Adagio con variazioni

    Sinfonica di Roma (Francesco La Vecchia) + Andrea Noferini (Vc.)

    Sehr schöne Musik, danke für den Hinweis, das kannte ich auch noch nicht (obwohl ich Respighi sehr schätze). Aber, sag' selbst, das ist doch musikalisch eine andere Liga als das zähe Klavierquintett von Franz Schmidt?


    Ich höre das jetzt auch gerade (also den Respighi).


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Das Klavierquintett vom Ottorino hat mir auch sehr gut gefallen, eine kleine Entdeckung!

    Es ist halt recht eingängig und spricht etwas unmittelbarer als Franz Schmidts Musik. Eine andere Liga sehe ich allerdings überhaupt nicht. Ich habe eine große Schwäche für diese Musik des Epochenübergangs Spätromantik/Jugendstil/Fin de siecle. Korngold, Strauss, Schreker, Zemlinsky und eben auch Franz Schmidt gehören zu meinen liebsten Komponisten! Zäh finde ich die Kammermusik dieser Komponisten nicht, ich mag zum Beispiel die oft dräuende Opulenz und die Mehrdeutigkeit. Allerdings gebe ich zu, dass diese Musik oft (äußer von ihrer oberflächlichen Üppigkeit) nicht sofort wirkt, sie will vielleicht ins Ohr 'eingeübt' werden, was ich die letzten Jahre viel getan habe...

    Ich versuche Korngold zu verabschieden und mache mit Respighi weiter:

    Ottorino Respighi - Concerto all'antica

    Dieses Cover wird es nächste Woche sehr oft geben, denn meine Respighi-Sammlung besteht zu einem großen Teil aus dieser Box.

    Sinfonica di Roma (Francesco La Vecchia) + Vadim Brodski

    Ich mag alle vier Sinfonien sehr, jede hat ihre Eigenheiten und ihren Eigenwert. Das von Amdir ins Spiel gebrachte Erstlingswerk ist eben dies: Ein frisches, an die romantische Tradition anknüpfendes Werk von opulentem Klang und einer Mischung aus Leichtigkeit und kontrapunktischer Dichte.

    Die fanfarenartige, feierliche Einleitung des Kopfsatzes erinnert an so manches aus der Sinfoniegeschichte und gibt dem Satz ein Motto, welches der auftrumpfende Hauptgedanke ähnlich weiterführt. Besonders markant finde ich das leise absteigende, von Pizzicati begleitete Motiv der Holzbläser. Das ist so ein ganz eigener Klang. Insgesamt ein sehr optimistischer, teilweise überschäumender Satz, der eigentlich gar nicht nicht gefallen kann.

    Der Motivbau im langsamen Satz erinnert mich im Zusammenspiel aus Harmonik der Begleitung und Flötenmelodie an Mendelssohn und Raff. Das ewige Fließen der Melodie passt sehr gut zum (spät-)romantischen Anstrich der Sinfonie.

    Das sehr österreichische Scherzo gefällt mir in seiner Spielfreude ebenfalls. Ist der Rahmen eher klassisch gehalten, wirkt das verhaltene Trio (con sordino?) moderner.

    Mit einem aufbrechenden, öffnenden Motiv beginnt auch das Finale sehr freudig und erinnert direkt an den Kopfsatz. Virtuos ist die Behandlung der Orchesterstimmen und die kontrapunktische Dichte erinnert zuweilen an Brahms. Noch einen größeren historischen Bogen schlägt der Satz durch die Verwendung barocker Tanzformen - mindestens eine Gigue ist deutlich wahrnehmbar, ebenso natürlich das zentrale Fugato. Ich finde diese Kombination äußerst gelungen und kunstvoll.


    Die 1. Sinfonie - das ist mir jetzt beim Wiederhören nochmal besonders deutlich geworden - ist wirklich ein sehr optimistisches, freudiges Werk, das ein großes Hörvergnügen garantiert. Besonders die Rahmensätze haben es mir mal wieder richtig angetan!

    Gleichwohl hatte Schweden zu der Zeit kaum Schöpfer sinfonischer Musik aufzubieten, schon gar nicht in der aufkeimenden Romantik, so kann man sagen, dass ohne Lindblad die Wege eines Ludvig Norman und später eines Wilhelm Stenhammars anders verlaufen wären.

    Das gibt es ja gelegentlich, dass Künstler für die Entwicklung einer nationalen Schule sehr wichtig sind, im internationalen Vergleich dann aber weniger berühmt/bedeutend als diejenigen, deren Weg sie ermöglicht haben.

    Letztlich sind bei beiden die Einflüsse der Leipziger Schule recht deutlich und sie führen im Fall Schweden damit erstmal - bis nach Stenhammar - zu einem Nationalstil, der weniger 'nordisch' wirkt, als Parallel in Norwegen oder später in Finnland. Ähnlich ist es dagegen in Dänemark, wo z.B. Kuhlau und besonders Gade ja auch sehr deutlich in Deutschland verortet ist. Jedenfalls ist die klassische Musik und deren Entwicklung in den nordischen Ländern ein sehr spannendes Thema :thumbup:

    Von Lindblad habe ich im Zuge meiner in den letzten Jahren gewachsenen Begeisterung für nordische Komponisten diese CD mit den beiden Sinfonien, gespielt vom Uppsala Kammerorchester, zugelegt:


    Beide Werke enthalten schöne Stellen, allerdings bliebt die Musik relativ harmlos. Ich persönlich finde - in Schweden bleibend - Berwald parallel und Stenhammar, Atterberg und Co danach doch spannender. Gleichwohl natürlich hörenswerte Musik...

    Oh, das freut mich aber, lieber Amdir. Von Franz Schmidt bin ich seit einigen Jahren auch ein Anhänger! Letztes Jahr gab es in der Elphi sowohl das Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln", als auch die 2. Sinfonie mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester zu hören. Er ist also - dezent - im Konzertleben angekommen. Ich habe und höre bei den Sinfonien gerne die schöne Frankfurter GA mit Järvi:

    Mein persönlicher Favorit ist auch Jochum. Und da, finde ich, muss man auch die Aufnahmen mit den Dresdnern würdigen. Trotz aller Freiheiten (oder wegen?) ist das für mich am ehesten der Bruckner-Sound den ich bevorzuge. Mit Blomstedt kann ich ebenfalls sehr gut leben.

    Karajan scheint hingegen - da gebe ich dem Kollegen Orffeus recht - manchmal eine ganz andere Musik zu dirigieren. Auch mich stört die Glättung des Blockhaften (in der 4. Sinfonie besonders schlimm). Es ist nun einmal Bruckners spezifischer, auch von der Verwendung von Orgelregistern herkommender, Kompositionsstil.

    Kleine Werbung also auch für den Dresdner Jochum (enthält z.B. meine liebste Interpretation der 7. Sinfonie)

    Erich Wolfgang Korngold - Suite für Klavierquartett Op. 23
    Freilich das Klavierquartett Korngolds, kaum Suite. Die Viola wird durch eine zweite Geige ersetzt und das Klavier ist, wie bei Korngolds Klavierkonzert Op. 17, für die linke Hand gesetzt, weil Wittgenstein der Auftraggeber war.


    Ensemble Q


    Begleitend zu meiner akustischen Korngold-Phase lese ich momentan die empfehlenswerte Biographie von Brendan G. Carroll: Erich Wolfgang Korngold. Das letzte Wunderkind


    Eingängig und biographisch-chronologisch leicht nachvollziehbar geschrieben bekommt man einen guten Eindruck vom "Wunderkind" und von der sehr interessanten Zeit seines Wirkens als Komponist. Verbindungen zu Mahler, Strauss, Schreker, Zemlinsky und Co beleuchten eine musikalische Epoche des Übergangs, die mich seit einigen Jahren sehr fasziniert. Dazu kommen interessante Fotographien und ein vollständiges Werkeverzeichnis, sowie die Diskographie bis zur Veröffentlichung 2012.

    In diesem Fall würde ich definitiv zur Aufnahme mit Kollo unter Leinsdorf greifen, es gibt keine bessere "Tote Stadt". Die Intensität ist eine ganz andere als diese schwedische Einspielung. Jetzt wo ich das schreibe kann ich sie auch gleich hören:

    Ich habe verschiedene Aufnahmen und greife der Abwechslung halber immer mal zu einer anderen. Die schwedische ist orchestral gar nicht so schlecht, aber die Münchner Leinsdorf-Aufnahme höre ich ebenfalls gerne :thumbup:

    Ein wenig abgelenkt war ich durch mein Unvermögen, in diesem Thread nachzufahnden, welches Werk von Judassohn Tristan bereits hier vorgestellt hatte. Aber für diese Computerdinge bin ich wahrscheinlich zu unbegabt. Vielleicht verrät Tristan es noch einmal. Die CD, die ich gehört habe, verdanke ich auf alle Fälle Tristans Empfehlung. Schon jetzt einmal danke für den erneuten Einsatz für diesen Komponisten.

    In diesem Thread habe ich jetzt mit dem 4. Klaviertrio erstmals Jadassohn ausgewählt.

    Allerdings habe ich im Forum gelegentlich Werbung für Jadassohn gemacht und im Jadassohn-Thread auch das eine oder andere Werk vorgestellt.