Beiträge von fxp

    Höre mir gerade you tube Yijie Shi an. Bin sehr angetan, verheißungsvolle Stimme, gutes Fundament, technisch hervorragend geführte Stimme, charaktervoller Ausdruck, sehr männlich, flexibel, höhensicher - lässt echt aufhorchen. Danke für den Tipp.

    Zitat

    Original von Lucia Cué
    Genau das dachte ich auch ziemlich lang - bis ich mit Pikaizen mein "Erweckungserlebnis" hatte: ...


    Dem kann ich nur Beipflichten, die Entdeckung Pikaizens ist für mich eines der Violinerlebnisse.:hello:

    Eigentlich halte ich viele Bewertungskaskaden für einen Auswuchs unserer Zeit. Ein angesehner xy definiert z.B. Virtuosentum als seelenlos und nun setzt sich verbreitet das Klischee vom nur seelenlosen Virtuosen durch.


    Für mich ist ein Virtuose zuerst ein Meister seines Instruments. Ich las einmal eine Beschreibung von Souveränität, dass die Kunst und Macht des Souveräns darin bestehe eine Sache so zu beherrschen, dass es leicht, natürlich und wie ohne Anstrengung aussehe. Man solle, ganz gleich wie hoch die Anstrengung sei oder war nichts davon bemerken, damit das Wesentliche wahrnehmbar werde.


    So gesehen ist Virtuosität die Voraussetzung wahrer Könner- und Künstlerschaft.

    Im Gegensatz zu den Brandenburgischen Konzerten, deren Faszination mich seit meiner Jugend nicht mehr losließ, musste ich mir den Zugang zu den Orchestersuiten (Ouvertüren) erst erarbeiten. Ich empfand sie als getragen, oft pathetisch und manchmal sogar langweilig - bis ich die folgende Aufnahme fand, sie hat mich seit ich sie besitze nicht mehr losgelassen:



    Ein leider vergriffener Titel der 'Boston Early Music Soloists' unter William Malloch. Der Verve der Aufnahme ist umwerfend, dies verwundert nicht wurde doch sogar eine Tanzgruppe installiert, um die musikologische Forschung Praxistests zu unterziehen. Die Interpretation basiert auf einigen für mein Barock- und Bachverständnis wichtigen Erkenntnissen:


    + Es wurde das Colasse/Lully-Maß für die Tempi-Wahl zugrunde gelegt
    + Lullys Tänze gelten als Vorbild
    + Jede Stimme wird einfach besetzt (und folgt so den Forschungen Rifkins und Parrotts)
    + Es werden die Erkenntnis der HIP umgesetzt


    Die Einspielung vermittelt mir eine Freude, eine Lebendigkeit wie wenige Bach- oder sogar Barockaufnahmen von Orchestermusik. Für mich eine der Bach CDs für die einsame Insel. Zudem die Aufnahmequalität bestens überzeugt. Keine andere Aufnahme konnte mich nur annähernd so fesseln oder auch nur überzeugen. Weder Koopman, noch Suzuki oder andere.

    @Keuco


    Zitat

    Oder eine Cellolehrerin, die gleich noch beispielhaft mögliche Interpretationsmöglichkeiten "vorgeigt". Dann stellt man übrigens relativ zügig fest, dass eine sooo große Bandbreite nun doch nicht gegeben ist. Bach lässt zwar viel Freiraum (wie zitiert mein Schwiegervater so schön: "Man kann Bach gar nicht schlecht genug spielen, damit er auch schlecht klingt.";), aber dass man so einen Swing hört, da ist doch ein relativ schmales Raster vorhanden.


    Ich stimme Dir zu. Wunderbar, dass Du dieses herrliche Instrument beherrscht. So bleibt einem reinen Hörer und damit Dilettanten nur der gehörte Eindruck. Ich bin trotzdem sehr glücklich damit, vorallem auch beim hören der Suiten.


    Ich hörte nochmal in die Phoebe Carrai rein. Bei aller meditativen Grundhaltung finde ich sie unheimlich tänzerisch, technisch mit vom feinsten (soweit ich es beurteilen kann), dabei sehr elegant. Und sie rührte mich sofort wieder vom ersten Ton an.


    Wie gesagt gefallen mir einige, die obere ist die mir nächste. Dann die von Wieland Kujiken und einige fehlen mir noch, die ich hörte allerdings noch nicht in meinen Besitz gelangten.


    Dieses Werk lohnt für mich der ständigen Beschäftigen in seiner Klarheit, Luzidität, seinem Anspruch, seiner Kraft - gehört und man ist innerlich gereinigt und die Birne ist frei, so geht es mir.

    @Keuco


    dass ich mich hörenderweise mich mit meinen derzeit 8 oder 9 Boxen zurückziehen kann, das ist mir nicht verborgen.


    Vor ca. 15 Jahren hat sich ein Bekannter, der damals Dozent an der Hochschule war ein bis zweimal im Monat getroffen und wir setzten uns diskutierend und hörend mit der Partitur auseinander. Dies war damit gemeint. Die Noten allein reichen bei den Cellosuiten nicht - wie sollte/kann es gespielt sein, usw. das finde ich interessant mit einem Cellisten zu erörtern.


    Was mir warum vom Hören gefällt, das weiß ich schon ganz gut.

    Zitat

    Von Bylsma habe ich derzeit nur eine Aufnahme aus dem Jahre 1992. Frühere Aufnahmen kenne ich gar nicht. Ich vermute, die sind nie auf CD erschienen und ich sammle die Suiten noch nicht so lange.


    Er nahm die Suiten 1979 für SEON auf, die CDs erschienen einmal als CD bei Sony in der Seon-Reihe. Derzeit niergends erhältlich. Soweit ich mich nach Jahren noch erinnern kann, ist sie deutlich präsenter, forscher, direkter.

    Finde ich ne sehr gute Frage.:jubel:


    Freue mich schon darauf mitlesend und diskutierend vieles zu lernen.


    Schließt sich daran nicht sofort, nach welchen Kriterien wird gemessen ebenso wie lautet der Maßstab?


    Manches bedarf der intensiven Beschäftigung, das andere widerspricht der eigenen Haltung und Prägung. Wieder anderes kommt überhaupt nicht in die (Geschmacks)Tüte. Welche musikalische Vorbildung und Hörerfahrung habe ich, wie geschult ist mein Ohr?


    Ich für mich bewerte sehr unterschiedlich, sehr subjektiv, wobei es vermutlich einen tradierten Kanon gibt, den ich mir nach und nach erarbeiten will. Ebenso interessieren mich musik- und kulturhistorische Entwicklungen brennend, wie hat sich etwas woraus entwickelt, in welchem Umfeld.


    Beispiel Beethoven, seine Symphonien erschließen sich mir erst nach langen Jahren des immer wieder Hören und der Veränderung der Interpretationshaltungen. Trotzdem ist mir klar, dass Beethoven ein vorderer Platz im symphonischen Olymp gebürt - eine für mich wunderbare Herausforderung zum Lernen und Erarbeiten.


    Die andere Frage was ist kleinmeisterlich? Biber wurde lange (wird noch?) als solcher bezeichnet, für mich waren seine Werke von Anfang an Meisterwerke, Inspiration, Ereignisse.


    :hello:

    Ich benötige nicht HIP wegen der Lebendigkeit - mir sind in vielen der Veteranenaufnahmen (besonders bei den orchestralen) zuviele Fettaugen drauf, zu glatt, zu poliert, zu rund, häufig fehlt mir die Binnenspannung, die Aussage. - Doch könnte es sein, dass dies eine persönliche Grundsatzfrage ist, das finde ich auch gut so. Wo bliebe sonst Entwicklung.


    Mir sagt nach wie vor Mozart, zunehmend Haydn und vorallem auch Schubert mehr als der symphonische Beethoven, um den kämpfte ich seit Jahrzehnten. Langsam finde ich Zugang, auch hier durch die HIP und informierte, feinere Sichtweise.


    Die Bedeutung der Angeführten wie Haskil, Vegh, Walter bestreite ich nicht, auch ich finde hier vieles sehr, sehr schön und bewegend. Anderes finde ich zumindest für mich nicht interessant. Ich möchte mir nicht anmaßen wirklich bedeutende Künstler abzuwerten, komme halt mit Interpretation und Klanglichkeit nicht so gut zurecht (allen voran Haebler, Jochum, größtenteils Böhm).


    Mir ist das auch als "Prüfstein" nicht wichtig,

    Zitat

    Mozart und Beethoven sind aber schon meine Welt.

    , kann ich übernehmen. Was mir eine Interpretation sagt, wie sie mich berührt, wie sie klanglich umgesetzt ist, was sie mir in ihrem Binnenleben zeigt, das sind die Kriterien.


    Ich denke Mozart spielt für viele Menschen eine ganz unterschiedliche Rolle, die Bandbreite dürfte von entspanntem Zwischenspiel und Dessert, über Dauergenuss bis hin zu systematischer Auseinandersetzung, der persönlichen, intellektuellen bis hin zur wissenschaftlichen gehen. Insofern sehe ich die Bedeutung Mozarts in keinster Weise sinken.

    Johannes Roehl schreibt:


    Zitat

    Mit eventueller Ausnahme von Beethoven (und vielleicht einzelner Werke wie Carmen oder Traviata) besteht nirgendwo eine derartige Übersättigung des Marktes wie bei Mozart.


    Sollte man um einen Namen erweitern. Neben Beethoven ist derzeit Mahler der am häufigsten eingespielte Symphoniker.


    Alfred Schmidt schrieb:


    Zitat

    Bei Mozrt gibt es derzeit nicht mal Dirigenten, die als Mozart- Spezialisten durchgingen - allenfalls "Allrounder" - und so sieht dann die Liste der Neuaufnahmen von Mozart Sinfonien, Klaviersonaten und Konzerten dementsprechend dürftig aus....


    Eingedenk der Tatsache, dass vermutlich jeder entscheiden muss ob er HIP mag oder nicht, ist die aktuelle Symphonienausbeute sehr dürftig. Was bei diesem Werkkomplex jedoch IMO immer der Fall war.


    Ausschließliche Spezialisten gab es für meinen Mozartbegriff nie. Doch wenn es um Symphonien geht gibt es einige zumindest aktuelle Einspielungen, die mir sehr zusagen: Hogwood, Harnoncourt mindestens die Frühen, Mackerras, einzelne andere HIPler, die interessant sind.


    Klavierkonzerte: Zacharias, Sofronitzki-Karolak, nicht mehr Säuglingsalter -IMMERSEEL.


    Klaviersonaten: äußerst interessant Siegbert Rampe, nicht zu verachten Oort, Zacharias, noch ziemlich jung und wiederveröffentlicht Lubimov, etwas älter Pirner.

    Dem kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Ich habe nicht explizit recherchiert wieviel Mozartneuaufnahmen im Vergleich zu den anderen (auch Jubiläumskomponisten) veröffentlicht werden.


    Da Mozart mein Lieblingskomponist ist - frage ich regelmäßig ab, was erscheint, es ist immer noch genug und zum Teil sehr interessant und spannend. Zudem ich zumindest genug aus dem Backkatalog noch nicht habe.


    Insgesamt nehme ich an, dass Mozart immer noch der meistgespielt, -veröffentlichte, -bekannte, etc. Komponist ist. Neben einigen wenigen Künstlern, den Jubilaren, einigen Neuheiten (sehr kurzfristig) und einer sehr mageren Schar stark nachgefragter Kollegen dürfte er nach wie vor ebenfalls der ökonomische Fixstern sein.


    Ich schließe mich dem Vorredner an; oft wäre es besser, dass sich die Kunst selbst eine 'Diät' verschriebe, um wieder ein Erlebnis- und Einsichten-Vakuum zu schaffen.

    Die Zenderfassung der Winterreise gefällt mir auch sehr, zudem mir hier Blochwitz sehr gut gefällt.


    Spontan fällt mir die Bearbeitung ein, die ich mir auch regelmäßig anhöre:



    Haydns Kreuzigungsmeditation wurde von Frau Grindenko in der Streichquartettversion doppelt besetzt und um einen Kontrabaß erweitert. Das Ensemble verwendet HIPe Instrumente und Darstellung, sehr gut aufgenommen, sehr berührend und tiefgreifend interpretiert.

    Diese herrliche Einspielung von Heidi Kommerell der Lyrischen Stücke des Herrn Grieg:


    fxp:




    Sie spielt so singend, so variabel, so voll und das Instrument mit so vielen Farben und Möglichkeiten.


    PS: Wie geht die Verlinkung eines Bildes eleganter?


    z.B. so hier:


    Code
    1. [jpc]4099543[/jpc]

    Bernd beachtlich welche Suiten-Sammlung Du vorzuweisen hast.


    Eine Aufnahme fehlt mir immer wieder, die ich im anderen Thread bereits anführte. Eine meiner persönlichen Referenzen ist die Interpretation von Phoebe Carrai, ich finde sie in ihrer ruhigen doch direkten Art und der Binnenspannung die sie komplett durchzieht grandios.

    Ich gebe zu, außer Opern fast nichts mehr von Abbado zu besitzen. Er ist äußerst zuverlässig, kann mich an keine wirklich misslungene Aufnahme erinnern. Bei Opern finde ich einige Aufnahmen immer noch Referenz, man denke an den 'Simone', den ersten frz. 'Carlos', die bereits genannten Rossiniinterpretationen, seinen Mussorsky, auch seine 8. von Mahler finde ich nach wie vor als mindestens eine der gewichtigsten, die aufgenommen wurden. Auch seinen Macbeth sollte man nicht übersehen.


    Sein Beethoven, sein Mendelssohn ist korrekt, er berührt mich nicht, reißt oder zumindest nimmt mich nicht mit. Ich ziehe ihn einigen oftgenannten eindeutig vor, allen voran Solti, Muti, Böhm etc. Das ist aber letztlich sehr persönlich. Zum Beispiel entdecke ich erst jetzt nach Jahrzehnten, einiges von Karajan im symphonischen Bereich für mich.

    Müllhalde, Spaghetti, Installation
    vs. Weihrauch und Fichtennadelaroma
    sind hoffe ich nicht die einzigen
    Maßstäbe aktueller Theaterregie?


    In sonst üblichen Grabenkämpfen innerhalb des Kulturbetriebs einiger Städte, allen voran Wien, Berlin, et al. kenne ich mich nicht aus, lese eben immer wieder darüber.


    Ob es den Mythos des 'Goldenen Zeitalters' wohl doch gibt?


    Auf die Idee Brecht dermaßen aufzuwerten, dass er weit vor Goethe stünde (der beileibe nicht mein Hausautor ist) - gibt es das in großem Umfang? Können Diskussionen - ohne aggressive Polemik nicht bereichern?