Beiträge von Uwe Aisenpreis

    Fußnoten chess pa svenska

    1. The story of chess: Der Text ist zwar sinngemäß dem Original (London 1986), demgegenüber aber stark verkürzt und außerdem nicht mehrstimmig mit Chor gesungen.
    2. Diverse Titel: Gegenüber dem Original geänderter Text.
    3. Merano: Gegenüber dem Original gekürzter und geänderter Text.
    4. 1956 Budapest is rising: Gegenüber dem Original geänderter Text. Das Duett findet zu einem früheren Zeitpunkt als im Original statt, noch vor der Eröffnung des Turniers, wie auch im Konzeptalbum. Das Duett selbst wird durch Florence’s Erinnerungen durch eine großartige, melodramatische Szene und dem Chor “Song of Freedom” unterbrochen.
    5. One Night in Bangkok: Dieser Titel eröffnet im Original den 2. Akt, wird in der schwedischen Fassung nur als Stimmungsbild für die Tanzbar verwendet, siehe hierzu Nr. 15.
    6. Nobody’s side: Gegenüber dem Original geänderter Text. Der Schwerpunkt der Aussage liegt nun nicht mehr darin, zu beklagen, dass Niemand an Niemandes Seite steht (Nobody's on nobody's side) sondern darin, dass Florence sich vornimmt, sich keine Chancen mehr entgehen zu lassen, aber sich nicht in die Karten schauen zu lassen (die Übersetzung aus dem Schwedischen lautet: “Lass keine Türen offen”)
    7. The Arbiters Song 1: Entspricht dem Song “The Arbiter” des Originals. In der Stockholmer Aufführung im Circus wurde der Titel vom Darsteller in einem grotesken Sprechgesang gesungen, so dass er nur über den Chorgesang wieder zu erkennen ist. Der Text ist gegenüber dem Original stark verändert. Die in der Originalversion anschließend stattfindenden Dialoge über Einsprüche der Delegationen, sowie die Musiktitel “Hymn of chess” und “The Merchandiser” entfallen komplett.
    8. Chess: Es wird nur der lyrische Teil des Instrumentaltitels intoniert, die Steigerungen, wie sie auch in “Endgame” verwendet werden, entfallen hier.
    9. Quartett: Ein elementarer Unterschied zum Original ist, dass Florence Molokov wegen seines humanen Gebarens angreift und ihn an die Niederschlagung des Budapester Aufstandes erinnert, was sie im Original in einer anderen Szene im Dialog getan hatte. Für diesen kurzen Einschub werden leitmotivisch auch ein paar Takte aus “1956 Budapest is rising” eingefügt. Ein weiterer Unterschied ist der, dass Anatoly sie hier nicht fragt, wie sie für einen Kerl arbeiten könnte, der sie wie Dreck behandelt. Dieses holt er dann in der nächsten Szene nach.
    10. Lärarens historia / Die Geschichte des Professors: Das kurze Lied wurde in einen Dialog eingebettet und ist damit ein Art Relikt der Londoner Urfassung, in der solch kleinen Liedeinschübe häufiger vorkommen, wogegen die schwedische Fassung mit einer großen Ausnahme mit sehr wenigen Dialogen auskommt.
    11. Inte jag / Someone’s else story: Diesen Song gab’s noch nicht in der Londoner Urfassung von 1986. Er wurde erstmals in der eigens für den Broadway veränderten Fassung 1988 von Judy Kuhn in der Rolle der Florence gesungen. Später wurde er dann auch in der Originalfassung eingesetzt, oftmals auch für die Rolle der Swetlana, um diese musikalisch etwas aufzuwerten. In der englischen Fassung passt der Text aber besser zu Florence, wofür er auch geschrieben wurde. In der schwedischen veränderten Fassung wird er aber nicht mehr dem englischen Titel gerecht, da Florence jetzt nicht mehr so tut, als würde sie die Geschichte irgendeiner anderen erzählen, sondern sie singt jetzt tatsächlich über sich und Freddie mit der Aussage, dass alles, was um sie herum geschieht, ”das bin nicht ich (inte jag).”
    12. Möte på en bro / Mountain Duett: Das Duett entsteht inmitten des ganzen Trubels um das Asylgesuch, entsprechend wurde der Text der gegenüber dem Original veränderten Situation angepasst. Der Titel heißt jetzt übersetzt “Treffen auf einer Brücke”.
    13. Hon är min enda vän / Sie ist meine einzige Freundin: Die Musik verwendet für diese Szene Themen aus dem “Mountain Duett” und dem noch ausstehenden “Pitty the child”.
    14. I mitt hjärtas land / Anthem: Der Text ist im Detail verändert entspricht aber sinngemäß dem Original.
    15. Florence lämnar Freddie / Argument: Der Titel wurde im Konzeptalbum als Streit zwischen Florence und Anatoly angelegt, in der originalen Bühnenfassung aber gar nicht verwendet. Im Unterschied zur Originalfassung gibt es kein zweites Turnier in Bangkok, sondern das unterbrochene Turnier in Merano wird im 2. Akt fortgesetzt. Daher wurde der Welthit “One Night in Bangkok” in gekürzter Form in den 1. Akt verlegt, siehe Fußnote 5.
    16. Ni dömer mig / Endgame: Diese Streitszene wird in der Urfassung eher symbolisch dargestellt, hier aber wie im richtigen Leben. Der Text ist der neuen Situation angepasst. Auch mischen Florence und Freddie hier nicht mit. Der englische Titel “Endgame” bezieht sich darauf, dass diese Szene im Original erst ganz am Ende stattfindet. In der Übersetzung aus dem Schwedischen heißt der Titel jetzt “Du verurteilst mich”.
    17. Om han var här / Heaven Help My Heart: Anders als in der Londoner Fassung zweifelt Florence jetzt nicht mehr an ihrer Liebe zu Anatoly, allerdings fürchtet sie, dass das Glück, das noch gar nicht begonnen hat, vielleicht nicht lange anhalten könnte. In der Übersetzung aus dem Schwedischen heißt der Titel jetzt schlicht “Wenn er hier wäre”.
    18. Han är en man, han är ett barn / He is a man he is a child: Der Titel wurde neu für “chess pa svenska” geschrieben, um die Rolle der Swelana musikalisch aufzuwerten. Die englische Übersetzung stammt aus einigen konzertanten Aufführung von “Chess”.
    19. Vem kunde ana / Florence quits / The deal: Während der Titel “The deal” in der Londoner Urfassung eine ganze Reihe Intrigen behandelt, kommt er hier wieder eher auf das Konzeptalbum zurück und verknüpft die beiden Titel “Florence quits” und “The deal” miteinander, deren Melodien ohnehin identisch waren. Die Übersetzung des Titels aus dem Schwedischen lautet “Wer hätte das gedacht” und verwendet dabei eine Liedzeile aus “Florence quits”.
    20. Drömmar av glas /You and I (1): Das Duett ist hier nur sehr kurz; es wird später im Finale unter anderen Vorzeichen wesentlich ausführlicher wiederholt. Obwohl das “You and I” im Text ebenfalls vorkommt, lautet der schwedische Titel in der Übersetzung jetzt “Träume aus Glas”.
    21. Jag vet vad han vill / I Know Him So Well: Inhaltlich stellt das Duett den Text des Originals geradezu auf den Kopf. Während die beiden Frauen in der Urfassung sogar Verständnis für die jeweils andere aufbringen, kämpfen sie nun verbittert um Anatoly.
    22. Capablanca: Entspricht Endgame #1 der Londoner Uraufführung, vom Chor gesungene Namen aller bisherigen Schachweltmeister.
    23. Drömmar av glas + Historien om schack / You and I (2) + The Story of Chess: Nach dem Duett wird nochmals der Chor mit der Geschichte des Schachs bemüht, obwohl doch Anatoly diesen schon zu Beginn erzählt hat. Danach treffen sich Florence und Anatoly noch zum Abschied und bringen das Duett zu Ende. Die Szenen, die sich in der Londoner Urfassung noch anschließen (Florence and Walter + Anthem Reprise) entfallen.

    Uwe

    Chess pa svenska (Chess auf Schwedisch)

    Musical in 2 Akten
    Buch: Tim Rice
    Gesangstexte: Tim Rice, Björn Ulvaeus
    Musik: Benny Andersson, Björn Ulvaeus
    Orchestrierung: Anders Eljas

    Uraufführung: 23. Februar 2002, Circus Stockholm


    Personen
    Anatoly Sergievsky, russischer Schachmeister
    Alexander ”Sasja” Molokov, KGB Offizier und sein Adjudant
    Swetlana Sergievskaja, Frau von Anatoly
    Misja Sergievsky, Sohn von Swetlana und Anatoly
    Frederick (Freddie) Trumper, amtierender Schachweltmeister aus den USA
    Florence Vaszi, seine Adjudantin und Freundin
    Jean Jaqcues van Boren, Schiedsrichter
    KGB Leute, Karabinieri, Polizisten, Hotelpersonal, Polizeichef, Fans von Freddie, Musikkapelle

    Handlung

    Erster Akt

    Im Spätwinter 1986 verlässt der Schachspieler Anatoly Sergiewski seine Heimat Moskau, um in Meran als Herausforderer gegen den amtierenden Weltmeister anzutreten. Er hat sich gerade mit seiner Frau gestritten, die unbedingt mitkommen möchte, da sie noch nie im Westen war. Nach dem Streit erklärt er seinem kleinen Sohn das Schachspiel (Historien om Schack / The Story of Chess 1). Danach sinniert er darüber, wo er eigentlich am liebsten sein würde (Där jag ville vara / Where I want to be 2). Am Flughafen trifft er seinen KGB-Vorgesetzten Molokov. In Italien angekommen, werden sie von einer Parade empfangen, die für Anatolys Gegner, den US-Amerikaner Freddie Trumper, organisiert wurde. Bald treffen sie ihn, der etwa zur gleichen Zeit mit seiner Freundin Florence Vaszi eingetroffen ist. Freddie beleidigt Anatoly, Florence entschuldigt sich für ihn, nur um vom Publikum ausgelacht zu werden (Merano 3). Während Molokow Anatoly zu seinem Hotel folgt, geraten sie über Freddie in Streit, woraufhin Anatoly Molokov und die Gruppe beschuldigt, Lügen über ihn zu verbreiten (Anatolij och Molokov / Anatoly und Molokov 2).

         

    Im Hotelzimmer von Freddie und Florence kommt es zu einem Streit. Letztere hat das Verhalten ihres Freundes in der Öffentlichkeit satt. Freddie verteidigt sich mit Florence's Kindheitsgeschichte. Florence verlor ihren Vater 1956 während der sowjetischen Invasion Ungarns, und ihre Kindheitsängste kommen wieder hoch. Sie sieht die Szene, in der ihr Vater von den Kommunisten entführt wird (The song of freedom). Doch der Streit geht danach weiter (Ungarn 56 / 1956 Budapest is rising 4).


    Florence geht nach dem Streit in eine Tanzbar. Dort trifft sie auf Freddie, der bereits schon wieder mit anderen Frauen flirtet (One Night in Bangkog 5). Florence beobachtet Freddies Treiben mit Abscheu und sinniert dabei über ihre Beziehung zu ihm. Sie betrinkt sich und wirft sich dann an verschiedene Männer heran, schreckt dann aber doch zurück. Am Ende muss sie auf ihr Zimmer getragen werden (Lämna inga dörrar på glänt / Nobody's Side 6).


    Am nächsten Tag ist es Zeit für das Spiel. Der Hauptschiedsrichter erklärt, dass er ein Turnier, bei dem es um Politik geht, nicht akzeptieren wird (Jag vill se schack / The Arbiters Song 1 7). Das Spiel beginnt, Freddie verliert die Partie und dabei auch völlig die Fassung. Er fegt die Figuren vom Brett und verlässt die Spielstätte (Chess 8).


    Es kommt zu einem Streit zwischen Florence, Molokov, Anatoly und dem Schiedsrichter. Florence greift dabei auch Molokov wegen seiner Heuchlerei an und erinnert ihn an den niedergeschlagenen Aufstand in Ungarn 1956. (Quartett 9).


    Am Abend sitzt Florence allein und verzweifelt in einer Pianobar. Dort sucht Anatoly sie auf und erklärt ihr, dass man in Russland erst nach den Vorfällen in Ungarn herausgefunden habe, was wirklich geschah. Er erzählt ihr die Geschichte eines ungarischen Professors, der in Leningrad zusammen mit seinem Vater lehrte (Lärarens historia / Die Geschichte des Professors 10). Anschließend fragt er sie, wie lange sie Freddie schon kenne und als er selbst merkt, dass er mit seinen Fragen zu weit geht, entschuldigt er sich und will bereits gehen. Florence aber hält ihn zurück, indem sie ihm erklärt, dass sie sich von ihrem Freund nicht nach Belieben behandeln lassen werde (Inte jag / Nobody’s else story 11).


    Es entsteht eine große Anziehung zwischen den Beiden. Anatoly bemerkt, dass Molokov abgelenkt ist, zieht Florence mit sich und verlässt mit ihr das Hotel. Als Molokov entdeckt, dass Anatoly verschwunden ist, bricht im sowjetischen Lager Panik aus; die Geheimpolizei wird alarmiert. In Moskau werden Anatolys Frau Swetlana und ihr Sohn von KGB-Männern heimlich aus einer Kirche entführt, um Anatoly emotional zu erpressen.


    Auf der verzweifelten Suche nach einem amerikanischen Konsulat landen Anatoly und Florence schließlich auf einem Dinner mit dem Polizeipräsidenten, bei dem auch der Schiedsrichter anwesend ist. Hier bittet Anatoly um politisches Asyl. Die Presse bekommt sofort Wind davon, Anatoly und Florence werden von Reportern umlagert. Beide machen sich Gedanken, was der jeweils andere jetzt gerade über diese Situation denkt. Florence will flüchten, Anatoly holt sie zurück. Anatoly erklärt der Presse noch, dass er sein Land nicht mehr vertreten wird und verschwindet mit Florence. Auf einer Brücke stehend fragt sich Florence, wie sie hier nur reingeraten konnte, Anatoly bewundert sie. Sie kommen beide zu dem Schluss, dass sie gerne noch eine Weile zusammenbleiben würden. Florence entzieht sich aber einer weiteren Annäherung. (Möte på en bro / Mountain Duett 12).


    Die Reportermeute stürzt sich auf Freddie und zeigt ihm die neueste Zeitungsmeldung über Florence und Anatoly. Gegenüber der Presse tut er dies arrogant ab, sich selbst gesteht er, dass es seine Schuld ist und Florence recht damit hatte, dass sie seine einzige Freundin ist (Hon är min enda vän / Sie ist meine einzige Freundin 13).


    Florence erzählt Anatoly, dass sie sich kaum noch an ihren Vater erinnern könne, der eines Tages plötzlich verschwunden war. Sie und ihre Mutter zogen weit weg, ihr Land war ihnen genommen. Sie fragt Anatoly, was er denn fühle (Vad känner du? / Was fühlst du?). Und er antwortet, dass ee keine Grenzen im Land seines Herzens habe (I mitt hjärtas land / Anthem 14).

    Zweiter Akt

    Spät in der Nacht kehrt Florence ins Hotelzimmer zurück. Dort zeigt ihr Freddie Zeitschriften mit Bildern von ihr und Anatoly. Der Showdown zwischen ihnen endet damit, dass sie ihn verlässt (Florence lämnar Freddie / Argument 15). Freddie bleibt allein zurück und erinnert sich an seine Kindheit, die Streitereien seiner Eltern, wie sein Vater sie verließ und seine Mutter sich verkaufen musste, um Geld zum Leben zu haben (Vem ser ett barn / Pitty the child 2).


    Svetlana und ihr Sohn kommen in Begleitung von KGB-Männern in Anatolys Hotelzimmer. Molokov zeigt Anatoly die Bilder aus der Zeitung. Anatoly geht sofort zum Gegenangriff über und verbittet sich, ihn verurteilen zu wollen. Swetlana klagt ihn an, dass er vor lauter Geniegehabe seine Lieben zurücklässt. Die KGB Männer drohen Anatoly während die italienischen Karabinieri ihm zur Seite stehen. Selbst das Hotelpersonal mischt sich zugunsten ihres Gastes ein und alle schreien sich gegenseitig an. Anatoly beharrt darauf, sich nicht seinen Namen, seine Seele und seine Träume nehmen zu lassen (Ni dömer mig / Endgame 16). Molokov gibt Anatoly zur Antwort, dass hier einer sei, der seine Träume zerstören kann – sein eigener Sohn, der jetzt ins Zimmer hereinkommt. Anatoly umarmt ihn und bittet Molokov, ihn da herauszuhalten. Dieser aber entgegnet, dass er dasselbe von ihm erwarte. Mit der Bemerkung, dass Molokov immer das letzte Wort haben wolle, verlässt Anatoly das Hotelzimmer.


    Allein auf der Brücke wünscht sich Florence, dass Anatoly hier wäre; sie würde ihm ihre ganze Liebe schenken. Gleichzeitig fürchtet sie, das Glück könne sich jede Sekunde ändern (Om han var här / Heaven Help My Heart 17). Kaum dass sie geendet hat, kommt ihr Wunsch auch in Erfüllung. Anatoly ist plötzlich da, sie freuen sich beide auf ihr Wiedersehen und diesmal ist es Florence, die Anatoly mit sich fortzieht.


    Swetlana macht sich auf die Suche nach ihrem Mann. Sie ist voller Zorn, bezeichnet ihren Mann als Mann und als Kind und wirft ihm vor, dass sie für ihn Jemand ist, der immer da ist, den man kaum bemerkt (Han är en man, han är ett barn / He is a man he is a child 18).  


    Anatoly und Florence vergnügen sich auf einem Frühlingsfest in Meran. Nach einigen glücklichen Momenten im Trubel des Festes taucht plötzlich Freddie auf, und es kommt zu einer heftigen Konfrontation, bei der Florence Freddie mitteilt, dass sie ihn nie wieder sehen will. (Vem kunde ana / Florence quits/ The deal 19). Als sich alles beruhigt hat, will Florence von Anatoly bestätigt haben, was sie in seinen Augen liest; dass er ihr gehören will. Und sie antworten zusammen, dass ihre Träume aus Glas real werden und sie beide zusammengehören (Drömmar av glas / You and I (1) 20).


    Auf einer Pressekonferenz verkündet der Schiedsrichter die Fortsetzung des Turniers und teilt in Anwesenheit von Florence mit, es sei eine Lösung gefunden worden; der Überläufer aus der Sowjetunion trete gegen den US-Champion an. (Jag vill se schack - Act 2 / The Arbiter's Song - Act 2).


    Als Swetlana auf Florence trifft, geht sie direkt zum Angriff über. Beide Frauen kämpfen um Anatoly, beide behaupten, dass er ihr gehöre und beide glauben zu wissen, was er will (Jag vet vad han vill / I Know Him So Well 21).


    Anatoly fragt Molokov, wo sein Sohn ist. Molokov antwortet, dass Anatolys egozentrischen Träume von Freiheit es seinem Sohn unmöglich machen, dort zu sein, wo er ist. Als Anatoly auf seine bisherigen Verdienste für die Partei und das Land hinweist und anmerkt, dass er immer noch ein Gehalt habe, womit er kaum die Familie ernähren könne, fragt Molokov zynisch, ob denn seine Flucht mit seiner Familie zu tun hätte. Anatoly verbittet sich, dass ausgerechnet Molokov als Junggeselle über seine Ehre moralisiert. Daraufhin erzählt ihm Molokov von seiner großen Liebe, die er wegen seines politischen Engagements verlassen musste (Glöm mig om du kan / Vergiss mich wenn du kannst).


    Molokov teilt Anatoly mit, das nächste Spiel würde sein letztes sein. Er müsse es verlieren, seiner Gesundheit die Schuld geben und behaupten, er müsse nach Moskau zurückkehren, um ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Florence würde überwacht werden. Sollte Anatoly in den Westen überlaufen, würde seine Familie darunter leiden. Anatoly bleibt nichts anderes übrig, als zu gehorchen. Er verliert das Spiel (Cabablanca 22).


    Nach dem Spiel drückt Molokov Florence den Zettel, den er während der Unterhaltung mit Anatoly geschrieben hat, in die Hand. Sie reagiert entsetzt. Ihr und Anatoly wird schmerzlich bewusst, dass ihre Träume aus Glas mit einem Schlag zerborsten sind; sie, die eigentlich zusammengehören, müssen sich trennen. - Nach dem Spiel treffen sich Beide ein letztes Mal vor dem Flughafen. Sie verabschieden sich endgültig und gehen getrennte Wege (Drömmar av glas + Historien om schack / You and I + The Story of Chess 23).


    Chess pa svenska – Die eigenständige schwedische Version des Musicals ”Chess”

    Wie ich schon in diesem Thread, Beitrag #9 anmerkte, handelte es sich bei dieser Version nicht einfach um eine Übersetzung aus dem englischsprachigen Original, sondern es entstand eine ganz eigene Fassung. Der elementarste Unterschied ist, dass es im 2. Akt kein neues Turnier in Bangkok gegen einen anderen russischen Gegner gibt, sondern das unterbrochene Turnier zwischen dem amerikanischen Weltmeister Frederick (Freddie) Trumper und seinem Herausforderer Anatoly Sergjevski aus der Sowjetunion fortgesetzt wird, nachdem letzterer um politisches Asyl gebeten hatte und nun nicht mehr sein Herkunftsland vertritt. Hier folgt die schwedische Fassung offensichtlich der Fassung für den Broadway von 1988, die ebenfalls kein zweites Turnier beinhaltet, die ich aber (bis jetzt) noch nicht weiter kenne. Ein weiterer großer Unterschied ist, dass die oft statischen, symbolhaften Szenen des Originals nun wie im echten Leben, beinahe wie im Film und mit schnellen Szenenwechseln dargestellt werden. Dies hat allerdings zur Folge, dass das Werk nur mit erheblichem Aufwand, einer ausgeklügelten Bühnen- und Lichttechnik, aufgeführt werden kann. Über weitere Unterschiede im Detail informiere ich wieder wie bei der Beschreibung der Originalfassung in Fußnoten zur Inhaltsbeschreibung.


    Uwe

    Und hier die Fußnoten zur Inhaltsbeschreibung

    1. Die Melodie hierzu stammt aus dem 4. Titel des Konzeptalbums “Quartett”. Im Konzeptalbum wird die Geschichte des Schachs erst im letzten Titel “Epiloque” erzählt und dabei die Melodie des “Quartett” sozusagen als Reminiszenz verwendet, wobei der Zusammenhang nicht erkenntlich ist.
    2. Gegenüber dem Konzeptalbum gibt es eine ganze Reihe neuer Musiktitel, u.a.: “Commie Newspaper”, “Press conference”, “Florence and Molokov”, ”Der kleine Franz”, ”Anatoly and the press”, ”One more opponent”, “The Soviet machine”, “The Interview”, “Talking chess”, “Walter and Florence“. Mit Ausnahme des Titels "The Soviet machine" können alle diese Titel das Niveau derer des Konzeptalbums nicht erreichen. Es sind eben meist rezitativartige Titel oder leitmotivische Reminszenzen, um so einem durchkomponierten musikalischen Bühnenwerk näher zu kommen.
    3. Teil von ”The Russian and Molokov” des Konzeptalbums.
    4. Teil der “Opening Ceremony” des Konzeptalbums.
    5. Entspricht dem Instrumentaltitel “Chess” des Konzeptalbums.
    6. Diese Figur, die sich noch als zwielichtig erweisen sollte, kommt im Konzeptalbum nicht vor.
    7. Entspricht ”The American and Florence” des Konzeptalbums.
    8. Im Konzeptalbum kommt dieses Lied erst im 2. Akt vor, in einem anderen Zusammenhang.
    9. Im Konzeptalbum kommt dieser Titel erst im 2. Akt vor, nachdem Florence mit Anatoly schon ein Jahr zusammen ist.
    10. Im Konzeptalbum erst als letzter Titel.
    11. Die Musik verbindet die Szenen meist leitmotivisch mit etlichen Reminiszenzen vorangegangener Nummern. Während der Titel eine ganze Reihe von Intrigen beschreibt, behandelt er im Konzeptalbum lediglich einen nicht zustande kommenden Deal zwischen Anatoly und Freddie über ein Remis.
    12. Entspricht im Wesentlichen dem "Endgame" des Konzeptalbums, allerdings wird dort Anatoly nicht auch von Florence angegriffen.
    13. Das Duett steht hier für sich allein. Im Konzeptalbum war noch “The Story of chess” sozusagen als Epilog eingebettet. Siehe hierzu Fußnote 1.

    :) Uwe

    Handlung der Londoner Urfassung

    In Meran findet die Schachweltmeisterschaft statt. Der amtierende Weltmeister, Frederick Trumper, genannt Fredddie, aus den USA verteidigt seinen Titel gegen Anatoli Sergiewski aus der Sowjetunion. Der Schiedsrichter der Partie erzählt zuvor die Geschichte des Chess nach einem 1.500 Jahre alten Mythos. (The Story of Chess 1)


    Freddie lässt sich bei seiner Ankunft in Merano von seinen Anhängern bewundern, kann dabei aber seine Starallüren nicht verbergen (Merano / What a Scene! What a joyce!).


    Im Hotelzimmer liest Freddies Assistentin und Geliebte Florence ihm Kritiken aus den Zeitungen vor, die alles andere als schmeichelhaft für ihn sind. (Commie Newspaper 2). In einer Pressekonferenz gehen die Reporter Freddie hart an, vor allem wegen seiner hohen Geldforderung und seine Aversion gegen die Sowjets. Auf eine unverschämte Frage eines Reporters, warum sein Assistent ein Mädchen sei und er ihn als Loverboy bezeichnet, verlässt Freddie die Pressekonferenz (Press conference 2). Anatoly und sein Sekundant, der KGB Offizier Molokov, sehen die Pressekonferenz im Fernsehen. Molokov hält Freddie für verrückt, Anatoly dagegen als brillanten Verrückten (Anatoly and Molokov 3). Nach weiteren Differenzen mit Molokov sinniert Anatoly allein darüber, wo er steht bzw. hin will (Where I want to be 3).


    Die amerikanischen und russischen Delegationen treffen sich zur Eröffnung des Turniers (Difficult and dangerous times 4). Der Schiedsrichter legt Wert auf seine Neutralität und Unbestechlichkeit (The Arbiter 4). Die Delegationen stimmen die Hymne des Schachs an, (Hymn of chess 4), anschließend preisen die Anbieter von Werbeartikeln die Verführungskünste ihrer Produkte an (The Merchandiser 4).


    Im ersten Verlauf des Turniers hat Freddie zunächst einen Vorsprung. Im weiteren Verlauf tritt Freddie Anatoly ans Schienbein, es kommt zu einem Handgemenge und Freddie verlässt den Saal (Chess Game #1 5). Anstelle einer angemessenen Reaktion wiederholt der Schiedsrichter lediglich seine Floskeln aus der Eröffnungszeremonie (The Arbiters Song – Reprise). Die Aufregung ist groß, Molokov beschwert sich, Florence verteidigt Freddie pflichtschuldig. Anatoly wundert sich, wie Florence für jemanden arbeiten kann, der sie wie Dreck behandelt. Sie antwortet, ihr einziges Interesse sei, für jemand zu arbeiten, der zu den Besten zählt (Quartett).


    Der Schiedsrichter verkündet, das Turnier müsse innerhalb 24 Stunden fortgesetzt werden, ansonsten werde es als ungültig beendet. Nach einer weiteren Auseinandersetzung mit Molokov regt Florence ein Treffen mit dem sowjetischen Großmeister im Merano Mountains Inn an (Florence and Molokov 2). Derweil fordert Freddie von Walter, dem Repräsentanten von Global TV 6), welches das Turnier überträgt, 20.000,00 Dollar für jedes Spiel.


    Freddie wirft Florence vor, sich von den Kommunisten täuschen zu lassen, und spielt dabei auf ihre Kindheit an, bei der ihr Vater beim Budapester Aufstand 1956 von den Sowjets verhaftet wurde. Als er gar meint, ihr Vater würde sich für sie schämen, wenn sie ihn verlassen würde, ist für Florence die Grenze der Loyalität zu ihm überschritten (1956 Budapest is racing 7). Sie kommt zu der bitteren Einsicht, dass sie allein dasteht und ohnehin Niemand auf Niemandens Seite steht. (Nobodys side)


    Als Florence im Mountain Inn (Der kleine Franz 2) auf Anatoly trifft, ist Freddie (noch nicht) da. Es ist ihr zunächst peinlich, allein mit dem Gegner zu sein, aber im Verlauf der Unterhaltung finden beide, dass es vielleicht nicht schaden würde, ohne Freddies “Charm” anzufangen. Sie kommen sich näher bei dem Gedanken, dass sie nichts lieber tun würden, als ihre Zeit hier miteinander zu verschwenden (Mountain Duett).

    Kurz bevor sie sich zu nahe kommen, erscheint doch noch Freddie. Seine Bemerkungen über die Situation treiben Florence zur Flucht. Freddie teilt Anatoly mit, dass er neue Bedingungen ausgehandelt habe und die Partie weitergehen könne.


    In den folgenden Spielen gewinnt Anatoly das Turnier mit 5:2 (Chess Game #2). Freddie lässt seinen Frust über den verlorenen Weltmeistertitel und seinen Hass auf Frauen an Florence aus und wirft sie schließlich hinaus (Florence quits). Allein auf seinem Zimmer verfällt Freddie in Selbstmitleid. (Pitty the child 8).


    Nach der Bekanntgabe des Weltmeistertitels für Anatoly Sergievski flüchtet dieser aus dem Saal und reißt Florence mit sich. Nachdem er einige Zeit mit ihr herumgeirrt ist, steht er dann endlich vor der Ausländerbehörde. Die Beamten sind frustriert, dass er durch seinen Übertritt in den Westen der Held sein, aber niemand würdigen wird, dass er dies ihnen zu verdanken hat (Embassy Lament). Am Rande des Geschehens macht sich Florence Gedanken um ihre augenblickliche Situation. Sie gesteht sich ein, sich in Anatoly verliebt zu haben und daher alles mit sich hat geschehen lassen, ohne zu wissen, wohin es führt (Heaven help my Heart 9). Als Anatoly und Florence die Behörde verlassen, werden sie sofort von der Presse umlagert (Anatoly and the Press 2). Auf die Frage, warum er Russland verlassen wolle, antwortet er, dass er nichts verlassen werde. Er überschreite zwar Grenzen, aber die einzigen Grenzen seines Landes liegen um sein Herz. (Anthem)


    Im 2. Akt ist Freddie jetzt Fernsehreporter und kommentiert das folgende neue Turnier zwischen Anatoly und seinem Herausforderer, dem Russen Vigand, das in Bangkok stattfindet. Beim Bummeln durch die Straßen des nächtlichen Bangkoks lässt er sich von den Schwärmereien der Passanten nicht beeindrucken. (One Night in Bangkok)


    Antatoly und Florence sind jetzt zusammen. Florence teilt Anatoly mit, in der Zeitung gelesen zu haben, dass seine Frau Swetlana nach Bangkok komme. Anatoly vermutet, dass Molokov dahinter steht. Florence meint, er hätte jetzt einen weiteren Gegner zu besiegen, aber sie hätten doch gewusst, dass sie bald gegeneinander antreten müssten (One more opponent 2). Beide bemerken, dass das Leben sich unmerklich zwischen die reine Liebe schleicht. Sie hoffen dennoch, dass ihre Liebe Bestand haben wird und glauben weiterhin daran, dass es diesmal ihr Happy End sein wird (You and I 10).


    Molokov motiviert sein Team. Sie haben mit dem Genossen Vigand eine disziplinierte, sowjetische Schachmaschine. Außerdem könne man ihren Gegner vielleicht über seine Schuldgefühle, seine Frau verlassen zu haben oder gar durch ein arrangiertes Aufeinandertreffen der beiden Frauen aus der Fassung bringen (The Soviet machine 2). Molokov ruft anschließend Walter von Global TV an und teilt ihm mit, dass er herausgefunden habe, dass Florence’s Vater noch am Leben sei. Sie könnten sich jetzt gegenseitig helfen. Er könne einen siegreichen Beitrag für die Menschenrechte leisten, dafür erwarte er nur einen kleinen Triumpf auf dem Schachbrett. Danach instruiert Walter Freddie, dass er keine Rücksicht mehr auf Anatoly nehmen muss, er solle aufs Ganze gehen und das Swetlana Video bereithalten. Freddie nimmt also Anatoly in die Zange und fragt ihn sehr privates. Als er ihm ein Video mit einer Botschaft seiner Frau zeigen will, läuft Anatoly davon (The Interview 2).


    In rascher Folge spielen sich, vom Schiedsrichter kommentiert, einige Szenen ab, in welchen die von Molokov und Walter eingeleiteten Intrigen in sehr stilistischer Form dargestellt werden. Alle haben zum Ziel, Anatoly dazu zu bewegen, das Spiel zu verlieren und in die Sowjetunion zurückzukehren. Als Gegenleistung wird die Freilassung von Florence’s Vater angeboten. Freddie benutzt die Gelegenheit, Florence zu bitten zu ihm zurückzukommen, erhält aber eine Abfuhr (The Deal (No Deal 11).


    Florence und Swetlana begegnen sich. Beide behaupten, dass sie Anatoly gut kennen, wobei paradoxerweise Svetlana meint, er brauche mehr Freiheit während Florence zur Erkenntnis gekommen ist, er brauche etwas mehr als sie, nämlich Sicherheit. Beide befürchten jedoch, dass er nicht ihnen gehören wird (I know him so well).


    Freddie will bei aller Rivalität nicht zulassen, dass das Schachspiel manipuliert wird und das Mittelmaß gewinnt. Er teilt daher Anatoly mit, dass er bei seinem Herausforderer eine Eröffnung bemerkt habe, die nicht funktionieren könne (Talking Chess 2).


    Das Turnier wird nun wieder in Zeitraffer-Manier dargestellt, dazwischen finden Meinungsäußerungen und Streitszenen statt. Swetlana wirft Anatoly vor, sich nur um seinen sportlichen Triumph zu kümmern und auch Florence scheint frustriert davon, dass für Anatoly Schach das wichtigste auf der Welt ist; er habe seine Frau und Kinder verlassen, da sei es kein Wunder, dass er auch sie vergessen habe. Anatoly aber beharrt auf seinen Erfolg, seinen Ruhm und seine Freiheit (Endgame #1, #2, #3 12).


    Am Ende erklärt der Schiedsrichter Anatoly zum Sieger. Aber obwohl Anatoly in einem Punkt nicht auf Molokovs Forderung eingegangen ist, sind die Weichen bereits gestellt. Selbst Florence meint, er könne nicht frei sein, er müsse zurückgehen, zu seiner Frau, zu seiner Familie. Beide kommen zu der traurigen Erkenntnis, dass eine Liebe wie die ihre kein Happy End haben kann. (You and I / Reprise 13)


    Walter fragt Florence nach ihren Gefühlen, nachdem Anatoly in die Sowjetunion zurückgekehrt ist. Sie hat dazu keine einfache Erklärung. (Walter and Florence 2). Als Walter ihr erklärt, dass Anatoly es für sie getan habe, um ihren Vater frei zu bekommen, falls er noch lebe, zeigt sich Florence überrascht, dass dies in Frage gestellt werde. Walter antwortet zynisch, dies sei nie sicher gewesen, aber bisher sei sie ja auch nicht sicher gewesen, ob er tot ist. Florence fragt sich, wie sie überleben kann und kommt zum gleichen Ergebnis wie schon Anatoly (Anthem / Reprise)


    Anmerkung

    Die Tatsache, dass in dem Stück sehr viele Szene symbolhaft dargestellt werden, ich denke da vor allem an die Schachszenen, die Flucht oder die Intrigen, führen dazu, dass es mit relativ geringem Aufwand aufgeführt werden kann. Das hat aber auch Nachteile.

    Allerdings erwies sich das Thesenstück in den meisten Aufführungen als wenig geeignet, die notwendige emotionale Identifikation des Theaterpublikums mit den, durchweg gebrochenen, Helden des Stückes zu erzeugen.

    In allen von mir betrachteten Quellen, der zwar nur schemenhaft erkennbaren Londoner Uraufführung, einer Aufführung der Staatsoperette Dresden oder der konzertanten Aufführung "chess in concert 2008" fand ich diese Beurteilung bestätigt. Dazu muss ich aber erwähnen, dass vor allem in der Dresdner Aufführung der Regisseur in der Personenführung die Darsteller völlig alleine ließ.


    Ganz anders die 2002 im Stockholmer Circus allerdings mit erheblichem Aufwand uraufgeführte schwedische Version ”chess pa svenska”. Diese ließ, zumindest bei mir, keine Gefühlsregung vermissen. Ich habe darüber im Musical Forum bereits berichtet. (CHESS am Aalto) #9


    Und hier die Quellen auf YouTube:


    London 1986: https://www.youtube.com/watch?v=7W_vJHi4JDA&list=RD7W_vJHi4JDA&start_radio=1

    Staatsoperette Dresden: Chess 2008 - Femke Soetenga, Chris Murray, Christian Grygas - YouTube

    chess in concert 2008: https://www.youtube.com/watch?…RQoQgNEUESAhR_EZ8JIqadNv_


    :) Uwe

    Chess - Die Original-Bühnenfassung von 1986

    Hin und wieder kann man lesen, dass ein Problem des Musicals Chess sei, dass es davon zu viele verschiedene Versionen gäbe. Selbst das deutsche Wikipedia gibt aus diesem genannten Grund keine ausführliche Inhaltsbeschreibung an. Ich kann das eigentlich nicht bestätigen. Mir sind bei meinen Recherchen im Grunde nur drei Versionen aufgefallen, wenn man von einer zur Uraufführungszeit erstellten Fassung für den Broadway, die nicht erfolgreich war, einmal absieht. Diese 3 Fassungen sind

    1. Das Konzeptalbum
    2. Die Londoner Uraufführung 1986
    3. Die schwedische Fassung – chess pa svenska 2002

    Da das Konzeptalbum, wie der Name sagt, nur ein Konzept ist, kann man eigentlich nur von zwei Fassungen sprechen. Die Londoner Fassung ist gegenüber dem Konzeptalbum um etliche Musiknummern erweitert und auch die Handlungsabläufe unterscheiden sich, wenn auch nicht grundsätzlich, so doch im Detail. Rideamus hat hier im Musicalführer die Handlung des Konzeptalbums beschrieben, auch wenn er angibt, dass seine Beschreibung der Londoner Fassung entspricht. Man kann dies leicht am Vergleich der von ihm angeführten Musiktitel erkennen. Die Londoner Fassung ist weitgehend mit einer deutschen Aufführung in Dresden und der konzertanten Aufführung in London 2008 (chess in concert 2008) *) identisch, womit man davon ausgehen kann, dass dies die originalen Fassungen sind. Im nächsten Artikel werde ich den Inhalt dieser Fassung beschreiben. Für den, den’s interessiert, habe ich die wichtigsten Unterscheidungen zum Konzeptalbum in Fußnoten dargestellt.


    *) Die Konzertversion 2008 enthält noch den Titel "Someone else's story", der von Swetlana gesungen wird und der in der Londoner Fassung nicht enthalten ist. Wann dieser Titel erstmals verwendet wurde, habe ich bisher nicht herausgefunden. Mir ist er erstmals in der schwedischen Version von 2002 begegnet; dort wird er von Florence in einer für die Handlung entscheidenden, sehr berührenden Szene vorgetragen.


    :) Uwe

    Chess pa svenska (Chess auf schwedisch) – Eine ganz neue Fassung


    Am 23. Februar 2002 feierte die schwedische Version des Musicals ”Chess” im Stockholmer "Cirkus"

    ihre Premiere. Hierbei handelte es sich nicht einfach um eine Übersetzung aus dem englischsprachigen Original, sondern es entstand eine ganz eigene Fassung. Die Handlung orientierte sich zwar weitgehend an der Version der Londoner Uraufführung, aber es wurden doch einige Szenenfolgen umgestellt sowie weitere Szenen hinzugefügt. Im Unterschied zur Originalfassung gab es kein zweites Turnier ein Jahr später sondern das Turnier wurde nach den Turbulenzen um Anatolys Übertritt in den Westen fortgesetzt. Entsprechend mussten auch Liedtexte den veränderten Situationen angepasst werden. Ebenso wurden neue Musiktitel hinzugefügt, einige Titel wurden auch gestrichen. Zudem wurde die Instrumentation völlig neu erstellt. Insgesamt erweckt die schwedische Fassung eher den Eindruck einer (Rock)-Oper als den eines Musicals, allerdings mit hohem lyrischem Anteil. Vom einstigen ABBA-Sound ist nur noch wenig übriggeblieben.


    Durch die hinzugefügten Szenen ergaben sich schnelle Szenenwechsel, fast wie im Film. Ermöglicht wurde dies durch eine raffinierte Bühnen- und Lichttechnik in Verbindung mit sparsamen Dekorationen. Ich habe Ähnliches schon bei Aufführungen der Musicals “Cabaret” und ”Ein Käfig voller Narren” gesehen. Das war jeweils faszinierend gemacht, hat aber einen Nachteil: damit man den Wechsel der Dekorationen nicht bemerkt, werden in einer verdunkelten Bühne gerade mal die gerade handelnden Personen ausgeleuchtet und im Dunkeln geht dann der Wechsel im Wort-wörtlichen Sinn “über die Bühne”; somit machen aber viele Szenen einen recht düsteren Eindruck.


    Ich fand jedenfalls den von mir auf YouTube gesehenen und gehörten Mittschnitt grandios, die sängerische und schauspielerische Leistung der Sängerinnen und Sänger waren großartig, allen voran Helen Sjöholm in der Rolle der Florence und Tommy Körberg in der Rolle des Anatoly, die er schon bei der Londoner Uraufführung gegeben und auch auf dem Konzeptalbum gesungen hatte. Auch die Regie war einzigartig, insbesondere auch bei der Personenführung.


    Es gibt auf YouTube mehrere Möglichkeiten, das Stück zu sehen und hören, 1 x als Gesamtaufnahme am Stück https://www.youtube.com/watch?v=v7fCBWyA6eo&t=7918s , 1 x und unterteilt in 8 Sequenzen https://www.youtube.com/watch?…pym_7cBfilptdiKO8acpdgk4R und diverse Einzeltitel.


    :thumbup:Uwe

    • 2020-2024
      • Neumond / Operette / Sigmund Romberg / USA 1928 (The New Moon)
        • Auf YouTube: Gesamte Aufführung der New York City Oper 1989

    Keine neue Operette, sondern die deutsche Erstaufführung der Operette „The New Moon“ aus dem Jahr 1928

    • Operette für zwei schwule Tenöre / ohne Gattungsbezeichnung / Florian Ludewig
      • Auf YouTube:
        • Champagner von Aldi
        • Ich steh total auf Jens Riewa
        • Liebe Grüße aus Berlin
        • Liebeslied von Mann zu Mann
        • Trailer

    Obwohl auf Kleinkunstbühne (ur)aufgeführt, enthält das Werk alle Zutaten einer Operette und ist dabei keine Operettenparodie. Aufgrund des kleinen Theaters kommt allerdings der Orchesterpart vom Band; das Werk kann in einem größeren Haus aber durchaus auch mit Orchester aufgeführt werden.

    • Der reichste Mann der Welt / Ein Stück mit Musik / Ralph Benatzky / Wien 1936
      • auf YouTube:
        • Teaser
        • Lizzy Waldmüller „Man fährt ins Abenteuer“
        • Lizzy Waldmüller: „Ohne Gans kein Gänseklein“

    Auch keine neue Operette, sondern die deutsche Erstaufführung des in Wien 1936 uraufgeführten Werkes. Benatzky war zu dieser Zeit bereits nach Österreich emigriert. Trotz der Genrebezeichnung gilt das Werk als Operette; Volker Klotz bezeichnet die Werke Benatzkys nach dem „Weissen Rößl“ als „musikalisch verschlankte Kammeroperetten“ nach dem Vorbild der französischen Operette legére.

    • Hopfen und Malz / Operette / Daniel Behle
      • auf YouTube:
        • Trailer

    Nach „Drei Männer im Schnee“ wieder eine nagelneue, große Operette. Der bekannte Tenor Daniel Behle hat sie während des Lockdowns der Coronazeit geschrieben. Die Kritiken sind zumeist sehr positiv, wenn auch häufig Überlängen beanstandet werden.

    • Polnische Hochzeit / Operette / Josef Beer / 1937 Zürich
      • auf Youtube:
        • Gesamt-Audio-Aufnahme einer Rundfunkübertragung der konzertanten Aufführung im Münchner Prinzregententheater.
        • Joseph Beers Polnische Hochzeit (gleiche Aufnahme wie oben)
        • historische Aufnahme des Liedes „Katzenaugen“
        • Trailer der Staatsoperette Dresden
        • Trailer der Oper Graz
        • weitere Trailer und Einzeltitel

    Ebenfalls keine neue Operette sondern die deutsche szenische Erstaufführung des 1937 in Zürich uraufgeführten Werkes.

    • Das Walzerparadies / Oscar Straus / 1935 Wien
      • Auf YouTube:
        • Fräulein Mizzi und ihr Leutnant
        • Meine Gnädigste, sind Sie schon einmal verliebt gewesen

    Eine Wiederbelebung der 1935 in Wien uraufgeführten Operette.

    Gibts das als offizielle DVD? Ich fand das sehr lustig/spleenig war dann mit dem vorzeitigen Abbruch des Stücks aber doch vor den Kopf gestossen.

    Ich verstehe die Frage nach der DVD nicht, im Beitrag zuvor war doch die Rede von der DVD der Marthaler Inszenierung. Oder hast Du eine andere Inszenierung gesehen und warum wurde die abgebrochen?


    Ich habe die Marthaler Inszenierung im Fernsehen begonnen zu sehen, dann aber bald abgeschaltet, worüber ich im Beitrag #7 berichtet habe.


    :( Uwe

    1990-1999

    keine Operette


    2000-2019

    • Moskau Tscherjomkuschki / Musikalische Komödie / Dimitri Schostakowitsch / DDR / UDSSR / BRD

    Dieses Werk wird erst anlässlich der bundesdeutschen Erstauffühung im Jahr 2000 in Regensburg besprochen, obwohl es bereits 1960 und 1962 in der DDR aufgeführt worden war. Es wird hier als Musikalische Komödie bezeichnet, von anderen Rezensionen aber auch als Operette, als Operette mit teilweiser Musicalmusik oder gleich als Musical. Über dieses Werk habe in diesem Threat ausführlich berichtet.

    • Viel Lärm um Liebe (The Firebrand of Florence / Operette / Kurt Weil / USA (1945)
      • Auf Youtube:
        • Ein Video mit 9 Kapiteln, bei dem es sich aber nicht um eine Gesamtaufnahme handelt sondern um eine Geschichte zur Entstehung dieser Operette
        • Eine Audio Gesamtaufnahme der amerikanischen Originalfassung
        • Diverse Einzeltitel und Trailer

    Nach langer, langer Zeit endlich wieder eine Operette, wenn auch keine neue. Hier handelt es sich um die deutschsprachige Erstaufführung von Kurt Weills Operette „The Firebrand of Florence“ 2013 an der Staatsoperette Dresden. Auch über dieses Werk habe ich in diesem Threat (#33) berichtet.

    • Luisa Fernanda / Operette (Zarzuela) / Deutschland / Spanien
      • auf Youtube:
        • Mehrere komplette Bühnenauffführungen
        • Diverse Einzeltitel

    Auch hier keine neue Operette, sondern die deutsche Erstaufführung einer 1932 in Spanien entstandenen Zarzuela.

    • Drei Männer im Schnee / Revueoperette / Konrad Kossoleck, Christoph Israel, Benedikt Eichhorn, Thomas Pigur
      • Auf YouTube:
        • Drei Männer im Schnee Titelsong
        • Trailer

    Zum ersten Mal seit ca. 1970 wieder eine neu erschaffene Operette, wenn man von der nicht genannten Operette „Das Mädchen vom Rialto“ von Herbert Mogg aus dem Jahr 2000 einmal absieht. Über die „Drei Männer im Schnee“ habe ich in diesem Threat berichtet.

    1965 - 1989


    Da es immer weniger neue Operetten gab, musste ich den Berichtszeitraum ausweiten.


    • Charleys Tante / Operette / Vlastimil Hála / DDR / CSSR

    Leider gibt es zu dieser Operette keine weiteren Angaben. Zum Thema „Charleys Tante“ gibt es noch weitere musikalische Bühnenstücke, so z. B. 1967 ein Musical von Ralph Siegel , 2007 ein Stück mit Musik von Niels Förster und zuletzt 2016 in der Münchner Kammeroper eine sog. Pasticcio Operette unter Verwendung der Musik von Ernst Fischer, einem in den 1950er Jahren bekannten Komponisten instrumentaler Unterhaltungsmusik.

    • Die Braut nach Maß / Operette / Richard Stauch
    • Rendesvouz mit dem Leben / Operetten Musical / Charles Kálmán

    Diese Zwitterbenennung ist symptomatisch für diese Zeit, in der man nicht wusste, sollte man die Operette ganz zugunsten des Musicals aufgeben oder sie noch ein bisschen am Leben erhalten. Leider habe ich keine Musikbeispiele hierzu gefunden.

    • Die Jungfrau von Paris / Operette / Friedrich Schröder

    Es wird angegeben, dass diese Operette nach „Die Jungfrau von Belleville“ von Carl Millöcker konzipiert wurde. Es bleibt unklar wie hoch der Anteil Millöckers an der Musik noch ist.


    Von 1970 -1989 fand ich keine einzige Operette mehr, auch keine aus dem Ostblock. Man kann also feststellen, seit etwa 1970 ist die Operette, zumindest vorläufig tot. Stattdessen erleben wir eine Musicalschwemme, vergleichbar etwa wie in den 1920er Jahren bei der Operette. Naturgemäß sind da viele Eintagsfliegen dabei; es finden sich aber auch etliche berühmte Erstaufführungen aus den USA darunter. Neben den Musicals gibt es auch unzählige musikalische Bühnenwerke mit teils kuriosen Genrebezeichnungen, ähnlich kurios wie die des Wiener Volkstheaters in den Jahren vor und um 1860. Exemplarisch für die Suche nach neuen Ausdrucksformen weg von der Operette aber auch nicht hin zum (amerikanischen) Musical sei ein Werk von Guido Masanetz (DDR) mit dem Titel „Vasantasena“ von 1975, das nun gar keine Genrebezeichnung mehr hat und von der Kritik als Operette mit Spielopercharakter bezeichnet wird.

    1960-1964


    Während sich in der DDR die Erstaufführungen vom Operetten, Musicals und Musikalischem Lustspielen noch die Waage halten, lässt in der BRD die Neuschöpfung von Operetten deutlich nach. Die weiteren musikalischen Bühnenwerke von Lothar Olias nennen sich jetzt Musical und die wenigen noch verbliebenen Altmeister der Operette wie etwa Robert Stolz und Nico Dostal belassen es meist bei kleineren Formen wie etwa dem Musikalischen Lustspiel. Nico Dostal nennt eines seiner neuen Creationen gar Musicalette. Allerdings muss ich einschränkend sagen, dass es in diesem Musicallexikon keine Garantie auf Vollständigkeit gibt. So habe ich beispielsweise die Operette „Trauminsel“ von Robert Stolz nicht im Uraufführungsjahr 1962 sondern erst unter dem Jahr der Erstaufführung in der DDR 1987 gefunden.


    Eine der seltenen Uraufführung einer Operette in der BRD ist diese:

    • Der Fürst von Monterosso / Operette / Gerhard Winkler
      • Auf Youtube
        • Gerhard Winkler Der Fürst von Monterosso (Balletmusik)
        • Duett
        • Freunde lasst uns heiter sein

    In meiner Jugendzeit waren die Italienlieder von Gerhard Winkler sehr populär. Von seinen Operetten hatte ich aber nie etwas gehört. Wenn man die Beispiele hier anhört, braucht man sich darüber nicht zu wundern.


    Hier noch 2 Uraufführungen aus der DDR, die aber letztlich auch nicht überzeugen:

    • Rund um die Welt / Revueoperette / Wolfram Heicking / DDR
      • auf YouTube
        • Highlights
        • Querschnitt
    • Mein schöner Benjamino / Operette / Guido Masanetz / DDR
      • auf YouTube:
        • Du musst nur über deinen Schatten springen

    Das letzte Beispiel zeigt, wie sich die Genregrenzen doch verwischen. Das Musical Lexikon und die dort angeführten Kritiken bezeichnen das Werk eindeutig als Operette, das YouTube-Video nennt das Werk „Musical“; die dargebotene Gesangsleistung spricht für Letzteres.

    1955-1959


    Ab 1955 ist die Operette auf dem Rückzug. Es dominieren bei deutschsprachigen Werken das Musikalische Lustspiel und vor allem aus Amerika tritt das Musical seinen Siegeszug an. Es gibt auch schon die ersten deutschen Musicals, allerdings ohne nachhaltigen Erfolge, so z. B. „Madame Scandaleuse“ von Peter Kreuder mit Zarah Leander in der Titelrolle. An Operetten sind u.a. noch zu finden:

    • Der große Tenor / Revue Operette / Charles Kálmán
    • Diplomat der Liebe / Operette / Arno Vetterling / DDR

    Obwohl Arno Vetterling im Westen lebte, wurde diese Operette lt. dem Musical-Lexikon in der DDR uraufgeführt


    Auffallend ist, dass zu diesem Zeitpunkt in der DDR wesentlich mehr neue Operetten uraufgeführt werden als in der BRD. Das Streben nach Erneuerung ist in der DDR ausgeprägter, wenngleich oft auch mit ideologischem Hintergrund . Als Beispiel dient ein Werk, bei dem wiederum das Libretto von Otto Schneidereit stammt.

    • Wer braucht Geld / Operette / Guido Masanetz / DDR
      • Auf YouTube:
        • Wer braucht Geld! Querschnitt

    Bei den in der DDR aufgeführten Operetten sind auch wieder russische Werke dabei, u.a. wieder ein Werk von Jurij Miljutin

    • Der Kuß der Juanita / Operette / Jurij Miljutin / DDR / UDSSR 1957

    Ebenso finden sich diesmal auch ungarische, tschechoslowakische und rumänische Operetten unter den Erstaufführungen in der DDR.

    • Der Flößer der Bistritza / Operette / Filaret Barbu / DDR / RO 1956
      • auf YouTube:
        • Filaret Barbu Opereta Plutasul de pe Bistrita
        • diverses von Filaret Barbu

    1950 - 1954


    Hier eine Auswahl an Operetten zu diesem Zeitraum:


    • Operette Operette / Operette / Michael Schreiber / DDR

    Obwohl es sich inhaltlich um das Thema „wie modernisiere ich die Operette“ handelt, ist das Stück lt. zeitgenössischer Kritik selbst keine Operette sondern etwas kabarettistisches, revuehaftes.

    • Feuerwerk/Musikalische Kommödie / Paul Burkhard
      • Prominente Mitwirkende der Uraufführung: Gustav Knuth, Liesel Karlstadt
      • auf YouTube:
        • Querschnitt aus dem Uraufführungsjahr 1950 mit dem Symphonieorchester Graunke mit der angeblich originalen Münchner Besetzung (stimmt nicht mit der Besetzungsliste des Musicallexikons überein)
        • Er ist mein Mann

    Die Autoren bezeichnen ihr Werk als musikalische Komödie. Wikipedia sieht in dem Werk eher eine Art amerikanisches Musical, als eine Abkehr von der traditionellen Operette. Ich habe aber irgendwo mal gelesen, „Das Feuerwerk“ sei die letzte erfolgreiche Operette gewesen.  


    • Liebe im Dreiklang / Operette / Walter Wilhelm Goetze
      • Auf YouTube:
        • Querschnitt und verschiedene Einzeltitel

    Trotz attestiertem kompositorischen Können des Komponisten vermissen die Kritiker der Uraufführung vor allem die Ohrwürmer.

    • Geliebte Manuela / Operette / Fred Raymond
      • auf Youtube:
        • Querschnitt
    • Doktor Eisenbart / Ein großmächtig Spectaculum / Nico Dostal

    Eine zeitgenössische Kritik war der Meinung: „Mit der Musik ist nicht viel los; sie spielt von vornherein eine untergeordnete Rolle.“

    • Heimweh nach St. Pauli / Revue Operette / Lotar Olias
      • Auf YouTube:
        • Verfilmung mit Freddy Quinn, Jayne Mansfield
        • Musical Fassung

    Operetten aus der ehemaligen DDR wurden ganz selten auch in der BRD übernommen und finden auch im wiedervereinigten Deutschland kaum noch Beachtung. Von einigem Interesse finde ich aber dieses Werk:

    • Bolero / Operette / Eberhardt Schmidt / DDR
      • Auf YouTube unter dem Suchbegriff Eberhard Schmidt (das Musicallexikon schreibt fälschlicherweise Eberhardt):
        • Querschnitt
        • Auszüge mit Günter Neumann und Maria Alexander

    Die Musik hebt sich wohltuend von einigen doch sehr durchschnittlichen Werken ab. Die Operette hätte auch in Westdeutschland erfolgreich sein können, wenn sie nicht so eindeutig klassenkämpferische Züge aufweisen würde. Das Buch zu dieser Operette stammt von Otto Schneidereit. Er war in der DDR der führende Spezialist für Unterhaltungsmusik und setzte sich sehr für die Modernisierung der Operette ein. U.a. verfasste er auch Biographien z. B. über Eduard Künneke, Franz Lehár, Franz von Suppé und ebenso auch einen Operettenführer.


    Einige der deutschen Erstaufführungen in der DDR stammen ursprünglich aus der Sowjetunion.

    • Freier Wind / Operette / Isaak Dunajewski / DDR / UDSSR 1949
      • auf YouTube:
        • Lied der Pepitas
        • Pepitas Song aus „The Wind of Liberty“
        • diverses von Isaak Dunajewski
    • Trempita / Operette / Jurij Miljutin / DDR / UDSSR 1949
      • auf Youtube:
        • ein Lied mit in kyrillischer Schrift angezeigtem Titel
        • vom
        • von Juri Miljutin gibt es eine ganze Reihe von Musiktiteln, die aber aufgrund der kyrillischen Schrift ohne erheblichen Aufwand nicht zuzuordnen sind.
    • Die Brautschau / Operette / Jurij Miljutin / DDR / UDSSR 1949
      • Auf Youtube:
        • Armes Herz sei nicht traurig mit Rudolf Schock

    Und hier noch eine Operette aus, die aus Ungarn stammt:

    • Heiße Herzen im Ungarland /Operette / Ferenc Farkas / DDR / Ungarn 1951

    1945-1949


    Nachstehend einige Operetten, die ich für diesen Zeitraum gefunden habe nächst Beispielen hierzu aus YouTube:

    • Herzkönig/Muikalische Komödie /Gerhard Winkler/DDR
    • verfilmt mit Hans Nielsen, Sonja Ziemann, GeorgThomalla
      • auf YouTube:
        • Wer denkt in seiner Hochzeitsnacht ans Schlafen
        • Heute bin ich König
        • Wie kann ein Mann sich so verändern
    • Autofahrt ins Glück/Operette/Siegfried Köhler
    • Schicksal mit Musik/Musikalische Komödie/Robert Stolz
    • auf YouTube:
      • Es wird immer einen Mondschein geben
    • Nächte in Shanghai/Operette/Friedrich Schröder
      • auf YouTube:
        • Nächte in Shanghai (Querschnitt)
        • Nächte in Shanghai (Titellied mehrfach)
        • Träume kann man nicht verbieten
        • Komm mit mir nach Tahiti
    • Chanel N° 5/Operette/Friedrich Schröder
      • Uraufführung mit Sonja Ziemann
      • Auf YouTube
        • In Gedanken sage ich zu Ihnen schon du
        • Klavierpotpourri
        • Kau Kaugummi (instrumental)
        • Es geht ein Engel durch den Raum
    • Konfetti/Operette/Fred Raymond
    • Bel Ami/Operette/Rudolf Kattnig
      • auf YouTube:
        • (Gesamtaufnahme Großes Wiener Rundfunkorchester Max Schönherr)
    • Hochzeit mit Erika/Operette/Eduard Künneke
      • Prominenter Mitwirkender in der UA: Kurt Großkurt
      • Auf YouTube:
        • Querschnitt
        • diverse Einzeltitel aus dem Querschnitt
    • Flieder aus Wien /Operette/Fred Raymond
      • auf YouTube:
        • einzelne oder alle Titel einer Gesamtaufnahme
    • Kleine Freundin gesucht/Musikalisches Lustspiel/Nico Dostal
    • Die Nachtigal/Romantische Operette/Hans Schanzara

    Das Zentrum für populäre Kultur und Musik (ZKM) der Universität Freiburg hat ein Online-Musical-Lexikon herausgegeben. In diesem Lexikon werden alle seit 1945 im deutschsprachigen Raum erst-oder uraufgeführten Bühnenwerke des populären Musiktheaters angeführt, also entgegen der Namensgebung nicht nur Musicals, sondern auch Operetten, Musikalische Komödien und sonstige, dem Populären zuzuordnenden musikalischen Bühnenwerke.


    Die Einschränkung, dass erst mit dem Jahr 1945 begonnen wird, ist z. B. für so manche amerikanischen Musicals, die zuvor entstanden sind, insofern nicht nachteilig, dass ja auf jeden Fall ihre deutschen Erstaufführungen berücksichtigt werden, und die gab es ja nicht vor diesem Zeitpunkt.


    Das Lexikon kann sowohl chronologisch oder alphabetisch als auch nach Ländern geordnet durchstöbert werden. Genannt werden alle wichtigen Angaben zum Werk, wie Titel, Gattungsbezeichnung, Komponisten, Librettisten, Inhaltsangaben, Darsteller der Uraufführungen usw. Besonders wertvoll sind, falls vorhanden, Kritiken über die Uraufführungen.


    Aus der chronologischen Aufzählung kann man sehr gut erkennen, wie das Musical gegenüber der Operette immer mehr die Oberhand gewann. So habe ich z.B. für die Jahre 1945-1949 14 Operetten, ohne musikalisch Komödien, gezählt, davon 7 uraufgeführt in der DDR bzw. der sowjetischen Besatzungszone, aber noch kein Musical. In den Jahren 2020 - 2024 fand ich dann zwar noch 5 Operetten, davon aber nur 2 echte Uraufführungen, aber etwa 150 andere musikalische Bühnenwerke, die allermeisten davon Musicals.


    Und hier der Link zum Musical-Lexikon. https://musicallexikon.uni-freiburg.de/about

    Das Zentrum für populäre Kultur und Musik (ZKM) der Universität Freiburg hat ein Online-Musical-Lexikon herausgegeben. In diesem Lexikon werden alle seit 1945 im deutschsprachigen Raum erst-oder uraufgeführten Bühnenwerke des populären Musiktheaters angeführt, also entgegen der Namensgebung nicht nur Musicals, sondern auch Operetten, Musikalische Komödien und sonstige, dem Populären zuzuordnenden musikalischen Bühnenwerke.


    Das ist auch für das Operettenforum insofern von Interesse, dass daraus hervorgeht, wie viele und welche Operetten ab 1945 noch uraufgeführt wurden. Es sind allerdings auch solche Werke dabei, die zwar schon früher entstanden sind, aber ab 1945 erstmals im deutschsprachigen Raum aufgeführt wurden. Eine Besonderheit bilden Werke, die während des sog. Dritten Reiches noch in Österreich oder der Schweiz uraufgeführt, aber erst nach 1945 in Deutschland aufgeführt werden konnten.


    Das Lexikon kann sowohl chronologisch oder alphabetisch als auch nach Ländern geordnet durchstöbert werden. Genannt werden alle wichtigen Angaben zum Werk, wie Titel, Gattungsbezeichnung, Komponisten, Librettisten, Inhaltsangaben, Darsteller der Uraufführungen usw. Besonders wertvoll sind, falls vorhanden, Kritiken über die Uraufführungen.


    Aus der chronologischen Aufzählung kann man sehr gut erkennen, wie das Musical immer mehr die Oberhand gewann. So habe ich z.B. für die Jahre 1945-1949 14 Operetten, ohne musikalisch Komödien, gezählt, davon 7 uraufgeführt in der DDR bzw. der sowjetischen Besatzungszone, aber noch kein Musical. In den Jahren 2020-2024 fand ich dann zwar noch 5 Operetten, davon aber nur 2 echte Uraufführungen, aber etwa 150 Musicals und andere musikalische Bühnenwerke.


    Und hier der Link zum Musical-Lexikon.

    Der Teufel auf Erden wird auseinander genommen ...

    ... und neu zusammen gesetzt. So beschreibt es nd aktuell.


    Man muss sich ja zufrieden geben, wenn Franz von Suppé wieder einmal auf der Bühne zu sehen ist, und wenn auch nur auf der Kleinkunstbühne von Glanz&Krawall. Diese Berliner (Musik)-Theatergruppe hat sich nach eigenen Worten auf “die Konfrontation mit dem Rest der Gesellschaft - von der Hochkultur der Oper bis zur poetischen Verlorenheit eines Alleinunterhalters in der Dorfdisko” spezialisiert. Zum ersten Mal haben sie sich nun mit dem Genre der Operette auseinander gesetzt. Dabei mixen sie Franz von Suppés Operette Der Teufel auf Erden mit Passagen aus Michael Bulgakows Roman Der Meister und Margarit “zu einem Diabolischen Cocktail der Gegenwart” und nennen das Ganze Stadt der Teufel. Laut nd aktuell “bleibt von Suppés diabolischer Szenenfolge nur ein Gerüst stehen”, immerhin aber die Grundhandlung, dass Satan Voland (im Original der Oberteufel Satanas) den auf Erde weilenden Belzebubi sucht (im Original sind es neben dem Belzebub noch zwei weitere Teufel), um eine Revolte in der Hölle niederzuschlagen. Interessant der Hinweis von nd aktuell, dass der Musiktheaterabend am stärksten sei, ”wenn hier doch noch große Operette stattfindet, wenn der Quartierchor Nachtigall aus Neukölln wirkungsvoll die Szene betritt und wenn Suppé erklingt.“


    Die Uraufführung fand bereits am 22. März 2024 im Heimathafen Neukölln statt, weitere Termine und Details zum Stück siehe hier. Leider erfährt man nichts über die musikalische Ausgestaltung.

    91WnxJjlpvL._SL1500_.jpg

    Das Buch erzählt die Geschichte des heutigen Friedrichstadt-Palastes während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft, in welcher er in “Theater des Volkes” umbenannt wurde. In einem kurzen Rückblick behandelt das Buch auch die Vorgeschichte des Palastes, der ursprünglich 1868 als Markthalle vorwiegend aus Eisenstahl und Glas erbaut wurde. Nach deren frühem Aus wechselte das Gebäude auch mit mehrmaligen Umbauten ständig seine Bestimmung, mal als Arsenal, mal als Zirkus, mal unter Max Reinhardt zum Großen Schauspielhaus.


    Ein großes Problem des Gebäudes zur Nutzung als Theater war schon von Anfang an seine Größe. Max Reinhardt versuchte dem mit monumentalen Inszenierungen von Klassikern, wie z.B. Schillers Wallenstein zu entgegnen. Aber es gab nicht viele Stücke, die sich dafür eigneten; am besten funktioniere es mit den großen Operettenrevuen, die Eric Charell dort inszenierte.


    Diese Erfahrung mussten auch die Nationalsozialisten machen, nachdem sie nach der Machtübernahme den emigrierten Besitzer Max Reinhardt enteignet und das Gebäude zum Theater des Volkes umfunktioniert hatten. Das Theater sollte einerseits Propagandazwecken dienen andererseits dem einfachen Volk durch ermäßigte Eintrittskarten die deutschen Klassiker näherbringen. Beides kam beim Publikum nicht gut an. Letztlich stellte man fest, dass das Haus am besten mit großen Revueoperetten funktionierte, mit denen schon der ebenfalls emigrierte Eric Charell großen Erfolg gehabt hatte.


    Nun gab es aber ein neues Problem: die meisten dafür in Frage kommenden Operetten hatten jüdische Autoren und waren inzwischen verboten. Anfangs behalf man sich mit den unverdächtigen Klassikern wie Suppé, Strauß, Millöcker, Zeller. Deren Werke mussten aber revueartig umgearbeitet werden.


    Gleich zu Beginn dieser Phase landete man mit der Umarbeitung von Suppés wenig bekannter Operette Die Afrikareise in ein Werk namens Abenteuer in Afrika einen Misserfolg. Die Musik kannte damals schon keiner mehr; die Umarbeitung und die Aufführung waren schlecht. Erfolgreich waren hingegen u.a. Eine Nacht in Venedig und Der Zigeunerbaron von Strauß, Der Bettelstudent von Millöcker, der aber nach Kriegsausbruch nicht mehr in Polen spielen durfte, Zellers Der Vogelhändler und Suppés Boccaccio, bei dessen Neufassung allerdings nur ein Gerippe des Originals übrigblieb.


    Da aber mit diesen angepassten Klassikern allein die verbotenen Werke nicht ersetzt werden konnten, mussten neue Werke geschaffen werden, natürlich nur von arischen Autoren. Hierbei entstanden dann auch regelrechte Plagiate des Weißen Röß’l wie z.B. Himmelblaue Träume von Robert Stolz oder Saison in Salzburg von Fred Raymond. So gut wie keines dieser in jener Zeit entstandenen Werke steht heute noch auf den Spielplänen der Theater.


    Das Buch bietet natürlich noch wesentlich mehr und vor allem brisante Aspekte von dieser Zeit wie es der Artikel in diesem Rahmen aufzeigen kann. Es ist auf jedenfalls ein sehr aufschlussreiches und empfehlenswertes Buch.


    Uwe

    Ich habe schon einmal früher angefragt, warum Mörbisch das große Thema im Operettenforum ist, aber selten über das Lehár Festival in Bad Ischl geschrieben wird. Heuer haben die dort insofern ein besonderes Programm, indem nicht Lehár mit einem seiner bekannten Werke vertreten ist sondern mit einem seiner wenig bekannten Werke (Der Sterngucker). Weiter stehen Der Bettelstudent und Abrahams derzeitige Hype-Operette Märchen im Grand Hotel auf dem Programm.


    Über die Glanzzeiten in Bad Ischl gibt es derzeit ein interessantes Buch. Besonders interessant ist, dass bei den damals in der Regierungszeit des Kaisers Franz Josef aufgeführten Werken die Operette (damals ja noch neu) den Löwenanteil gegenüber Oper, Schauspiel, Possen etc. ausmachte. Dies bringt mich auf einen anderen Gedanken: Ohne Zweifel hat die Operette im letzten Jahrzehnt eine Renaissance erlebt. Dies scheint aber an den Rundfunk- und Fernsehanstalten völlig vorbeigegangen zu sein. In deutschen Rundfunkanstalten gibt es in den "Klassik"-Programmen jede Woche eine Oper... aber Operette? Fehlanzeige!


    Uwe

    Gefährliche Operette

    Kann man schon von der Wiederauferstehung der Operette sprechen? Es gibt schon wieder eine neue Uraufführung. Weitere Informationen gibt es hier:


    Gefährliche Operette


    Ausgerechnet in Stuttgart, wo doch so gut wie nie Operette gespielt wird.


    :) Uwe

    Hörenswertes Gespräch mit dem Komponisten Moritz Eggert zur Uraufführung seiner Operette "Die letzte Verschwörung" in der Voksoper Wien:

    Diese Aussage in dem Gespräch ist mit besonders aufgefallen: "Melodik ist wichtig - Melodik ist schwer, eine konstruierte Musik ist eigentlich leicht". Den Ausschnitt, den ich im Operettenboulevard BR Klassik gehört habe, ging aber nicht so sehr in diese Richtung. Aber man sollte den Tag ja nicht vor dem Abend kritisieren. Warten wir's ab, ob die Musik erfolgversprechend ist.


    :) Uwe

    Und wieder eine neue Operetten-Uraufführung

    Am 25.März 2023 wird an der Volksoper Wien eine neue Operette uraufgeführt,

    Titel: Die letzte Verschwörung

    Komponist und Librettist: Moritz Eggert (noch nie gehört)


    :) Uwe

    Die 1921 uraufgeführte Operette Die Straßensängerin von Leo Fall war nicht erfolgreich ist heutzutage völlig unbekannt. Das Textbuch wurde von einem Lo Portem und August Neidhardt, dem Librettist des Schwarzwaldmädel verfasst und behandelte eine Art Nach- oder Umerzählung der Komödie Pygmalion von Bernhard Shaw, also gewissermaßen eine Vorwegnahme der Fair Lady. Vermutlich war die Umerzählung nötig, um Tantiemen zu sparen oder weil keine Genehmigung zur Vertonung vorlag. Stefan Frey urteilt in seiner Fall-Biographie jedenfalls, die Autoren hätten Shaws unkonventionelle Geschichte in ein stereotypes Operettenschema gezwungen. Aus Eliza wurde Sonja, zwar immer noch ein Blumenmädel, das aber zusätzlich noch schlüpfrige Chansons singt, aus Higgins ein blasierter Lebemann, der immer wieder bahnbrechende, aber nicht näher bezeichnete Erfindungen macht, aus Doolitle ein gewöhnlicher Schieber und aus Oberst Pickering ein Sekretär des Lebemannes. Bei der Wette geht es nicht mehr um die Sprache sondern ledig darum, aus einem gewöhnlichen Mädel eine interessante Frau zu machen. Es ist an dieser Stelle nicht nötig, die an sich uninteressante Handlung weiter zu erzählen. Sie kann in Stefan Freys Biographie „Leo Fall – spöttischer Rebell der Operette“ nachgelesen werden.


    Leo Fall hat die Musik zu dieser Operette in knappen zwei Monaten geschrieben. „Die Musik ist wie aus der Pistole geschossen“ beschrieb sie ein Kritiker. Da die Titelfigur im 3. Akt in den USA als Sängerin Karriere macht, kommt dort eine kleine Jazzband vor, die einen „Shimmy“ intoniert. Damit war Leo Fall, der sich ansonsten um moderne Einflüsse wenig scherte, der erste, der Jazz auf die Operettenbühne brachte.


    Vor allem aufgrund des Textbuches wurde die Operette kein Erfolg. Jetzt hat sie die Musikalische Komödie Leipzig wieder ausgegraben und im Rahmen eines einwöchigen Workshops, bei der drei Dirigenten dieses unbekannte Werk einzustudieren und zu leiten hatten und dabei noch innerhalb drei Tagen ein aufführungsreifes Notenmaterial aufgrund eines Klavierauszuges und einer autographischen Partitur erstellen mussten, konzertant aufgeführt. Die Aufführung wurde am 07.Januar 2023 im Rundfunk übertragen.


    Die sängerischen Darbietungen möchte ich jetzt hier nicht bewerten und die Leistung der Dirigenten kann ich gar nicht beurteilen. Mit geht es hier nur um die Musik. Wenn auch ein Kritiker anmerkte „Die Musik von Fall ist merkliche Schnellarbeit“, so gefällt sie mir streckenweise sehr gut. Die Introduktion, vorwiegend im Walzertakt, bringt gleich ein großes Ensemble, in dem Sonja bereits ein schönes Blumenlied singt. Dieser erste Auftakt klingt ein wenig wie ein später Johann Strauß, nur melodiöser. Dagegen erinnert die zweite Nummer, ein Männerduett, an so manche Buffo-Nummer von Suppé. In der Rundfunksendung wurde in einem Interview, das Stefan Frey mit dem Veranstalter führte, auch das teilweise Opernhafte in Leo Falls Musik betont, welches aber offensichtlich nicht den Publikumsgeschmack traf. Allerdings finde ich es ganz gut. Bereits die vierte Nummer ist ein Terzett, in welchem am Ende die drei Stimmen nicht miteinander sondern gegeneinander, also polyphon singen. Solche polyphonen Strukturen, wie man sie beispielsweise von Rossini, Donizetti, aber auch Verdi kennt, gab es in der sog. Klassischen Operette noch relativ oft; in der nachfolgenden, sog. Silbernen Ära sind sie dann fast völlig verschwunden. Lehár verwendete sie noch im Graf von Luxemburg („Ich bin verliebt bis über beide Ohren“). Das ca. 11-minütige erste Finale erinnert mich mit seinem Mix von Opern- und Operettenhaftem, Rezitativen, Solo- und Chorgesängen und einer oft gegenläufigen Orchesterbegleitung in seiner Struktur an das 2. Finale von Suppés vorletzter Operette Bellman, mit der ich mich gerade ausgiebig beschäftigt hatte. Auch die nachfolgende Eröffnungsnummer des zweiten Aktes ist wieder sehr ambitioniert, mit Solo und teils polyphonem Chorgesang und enthält auch noch eine hübsche, sehr originelle Melodie, die man gerne öfters hören möchte. Das zweite Finale ist dann, typisch für die silberne Operettenära, im Wesentlich eine Abfolge von Reminiszenzen aus den vorangegangenen Akten, was in diesem Falle sogar vorteilhaft ist, weil manche der schönen Nummern zuvor etwas „zu kurz“ gekommen sind. Gleichzeitig ist dieses Finale mit seinen dramatischen Überleitungen und einer ausgefeilten Instrumentation hervorragend gestaltet.


    Aber auch das Leichte kommt in dieser Operette nicht zu kurz. Neben dem bereits erwähnten Männerduett gibt es noch einige ohrwurmverdächtige Nummern, ein ansprechendes Duett und als Gipfel der Originalität im 3. Akt die bereits genannte Jimmy-Nummer.


    Sicher wird dieses Werk, nicht nur aufgrund des Librettos, sondern auch wegen mangelnder Zugnummern, kein großer Operettenhit. Es ist aber diese Bandbreite von ambitionierter Opernhaftigkeit über typischer Operettenmusik, mal karikiert, mal ernst, aber ohne „Operettenseligkeit“ und ganz leichten Schlagern, welche die Operette so interessant macht und, wie im Interview mit Stefan Frey erwähnt, auch die ausführenden Künstler vor große Herausforderungen stellt.


    :) Uwe