Beiträge von Uwe Aisenpreis

    Der Teufel auf Erden – die Rundfunkaufnahme

    Die Wiedererweckung von Suppés 1878 uraufgeführten Operette „Der Teufel auf Erden“ durch das Stadttheater Chemnitz (in Koproduktion mit der Wiener Volksoper) ist der wohl wichtigste und nachhaltigste Beitrag zum ansonsten eher bescheiden ausgefallenen Suppé Jahr anlässlich seines 200. Geburtstages. Wichtig, weil nach magerer Präsenz wieder einmal eine Suppé Operette auf einem deutschen Theaterspielplan steht (und 2020 auch in Wien, wo der Schöpfer der Wiener Operette noch seltener gespielt wird). Wichtig auch, weil, wie man so liest, das Publikum die Chemnitzer Aufführung begeistert aufgenommen hat. Zur Nachhaltigkeit zählt, dass der MDR in Koproduktion mit dem BR die Operette nach der Vorstellung im Theater Chemnitz aufgenommen hat und dass es daraus auch eine CD geben wird. Zur Nachhaltigkeit zählt hoffentlich auch, dass sich gestandene Theaterleute mal wieder intensiv mit dem Werk Suppés auseinandergesetzt haben.


    Zuvor gab es vom „Teufel auf Erden“ 2019 eine einmalige konzertante Aufführung im Brucknerhaus Linz und 2016 eine modernisierte Fassung durch das Münchner Akademietheater, bei der aber von Suppés Originalmusik nur noch wenig Substanz übrig geblieben ist. Beides ist kaum nachhaltig, ebenso wenig wie eine Rundfunkaufnahme von 1984 mit dem ORF Symphonieorchester unter Paul Angerer, von der es bis heute noch keine CD gibt.


    Während Paul Angerer noch die Originalfassung des Werkes einspielte, hat nun das Theater Chemnitz eine textliche Neufassung von Alexander Kuchinka (der auch eine der Hauptrollen übernommen hat) und eine revidierte musikalische Fassung von Jakob Brenner (der auch die Robert-Schumann-Philharmonie leitet) herausgebracht.


    Leider konnte ich die Aufführung selbst, aus persönlichen und entfernungsmäßigen Gründen, nicht erleben. Ich kann die Neufassung daher nur aufgrund der Rundfunkaufzeichnung beurteilen.

    Die textliche Neufassung

    Um es vorwegzunehmen: wie man lesen und hören konnte haben sich nach der Premiere ganze „fünf“ Besucher, die das Original kannten, gefragt, warum denn eine Neufassung des Librettos notwendig gewesen sei. Der weitaus größte Teil des Publikums zeigte sich von der so dargestellten Geschichte durchaus angetan. Nun muss man zugestehen, dass die Originalhandlung, die ganz aktuell zur Zeit der Entstehung der Operette spielt, einem heutigen Publikum nicht mehr so ohne weiteres zu vermitteln ist. Schon gar nicht mehr erschließen sich diverse Bezüge zu früheren Werken Suppés (siehe hierzu Beitrag 92). Der Bearbeiter hat versucht, über eine Zeitreise das Publikum gewissermaßen „mit der Nase darauf zu stoßen“, dass zwei Episoden in früheren Jahrhunderten spielen. Im Großen und Ganzen hat er aber das Grundgerüst der Handlung beibehalten und nur einige Details verändert (die Grundthese des Librettos lautet sinnigerweise „Der Teufel steckt im Detail“).


    Trotz Zeitreise werden in der Bearbeitung die Schauplätze der Operette nur leicht variiert. Auch die Handlung entfernt sich nicht allzu weit vom Original. Während im Original der Höllenfürst Satanas eine Rebellion niederschlagen muss, dazu aber seine drei Unterteufel Samuel, Lucifer und Beelzebub, die von einem Urlaub auf Erden noch nicht zurück sind, dortselbst suchen muss, ist es in der Bearbeitung Satan selbst, der gesucht werden muss. Ihm ist es in der überfüllten Hölle zu eng geworden, da heute jedermann danach trachtet, in die Hölle zu kommen (auch so prominente Persönlichkeiten wie Donald Trump). Auf die Suche macht sich der Höllenknecht Ruprecht, der im zweiten Akt auf den vergessenen Engel Rupert trifft, welcher ihm fortan bei der Suche behilflich ist. Aus zwei Kadetten, die aus einem Damenstift eine Stiftfräulein entführen wollen, werden zwei Handwerksburschen, die in einem Koster des 17. Jahrhunderts wertvolle Reliquen stehlen wollen. In beiden Fällen wird die Vorsteherin Aglaja als vom Teufel besessen entlarvt, im Original ist es Lucifer, der in ihr steckt, in der Bearbeitung lediglich Satans Tochter, so dass die Suche weitergehen muss.


    Aus einer Kadettenanstalt des 17. Jahrhunderts wird eine Kaserne des 18. Jahrhundert. Die beiden Kadetten bleiben Kadetten, nur jetzt in einem anderen Jahrhundert, aus einer ganzen Balletttruppe werden nur noch zwei Nichten des Kommandeurs, der in beiden Fällen ähnlich heißt, einmal Donnerkeil, einmal Donnersbach. Er wird im Original als Samuel entlarvt, in der Bearbeitung als Satan, der aber keine Lust hat, wieder in der Hölle zurückzukehren und verschwindet.


    Aus einem Balletsaal wird eine Tanzschule in der heutigen Zeit. In beiden Fällen wird ein Menuett bzw. eine Polonaise einstudiert. Die Neufassung kann dies geschickt damit begründen, dass wir Eleven bei den Proben zur Eröffnung des Opernballs beiwohnen. Die im Original durchgängigen Paare verändern im Laufe der Neufassung nur leicht ihre Namen und ihre auch im Original schon eher nebensächliche Handlung (es ging ja immer hauptsächlich darum, den Teufel in Menschengestalt zu finden), löst sich in der Neubearbeitung dadurch auf, dass nicht mehr ganz klar wird, wer es eigentlich mit wem hat. Sie hängen ständig an den Smartphones und Ruprecht, vom dem die jungen Leute keinerlei Notiz nehmen, konstatiert, dass ihre (kleinen) Teufeleien darin bestehen, dass sie selbstsüchtig nur um sich selbst kreisen. Er kommt zu dem Schluss, dass der Teufel sich auf Erden wohler fühlt als in der Hölle. Der Teufel steckt sozusagen in Jedem, er steckt im Detail. (Im Original findet Satanas den dritten Teufel Beelzebub nicht und kommt zu einem ähnlichen Schluss, nämlich dass er quasi in Jedem stecken kann).


    Für die Rundfunkaufnahme wurden vor allem die Dialoge erheblich gekürzt, dafür trat Ruprecht auch als Erzähler in Erscheinung. Zumindest in dieser Rundfunkfassung fällt auf, dass sowohl die noch verbliebenen Dialoge als auch die Erzählung sehr aufgesetzt wirken und so gut wie pointenfrei daherkommen. Schade, dass Kuchinka keine der in den Originaldialogen vorkommenden geistreichen Faust-Zitate übernommen hat. Manche Kritiker, welche die Theateraufführung besucht hatten, sprechen dann auch von „äußerst schwachen Texten“, von „Dialogen, [die] in ihren ganzen (Über)längen“ vorgetragen wurden oder „Pointen, die nicht zünden“. Es gab aber auch andere Sicht- und Hörweisen; so schreibt einer der Kritiker in Bezug auf die Figuren Ruprecht und Rupert davon, „wie köstlich deren Dialoge und Spiel“ gewesen sei.

    Die „musikalisch revidierte Fassung“

    Hier frage ich mich, woraus diese bestehen soll. Einige Anpassungen an geänderte Melodienfolgen, andere Stimmlagen, evtl. einige stärker betonte musikalische Effekte, mehr konnte ich glücklicherweise nicht heraushören. Jakob Brenner hat ja in seinen Anmerkungen auch betont, er habe nicht eine Note an der Suppé‘schen Original-Partitur ändern müssen. Die Kritik, dass die Musik im dritten Akt nicht in unsere Zeit passe, muss etwas relativiert werden. Die Titel, die Ruprecht und Rupert zu singen haben, müssen nicht zeitnah sein. Die Polonaise passt auch heutzutage noch zu einem Opernball und das spanisch akzentuierte Lied von 1878 wird als Operntitel, mit welchem die Sängerin bereits bei „Voice of Germany“ hatte punkten wollen, kaschiert. Lediglich ein Marschquartett der jungen Leute fällt dann wirklich aus der Zeit.

    Die musikalische Umsetzung

    Die Leistung der Sängerinnen und Sänger finde ich gut, teilweise besser als die der Paul Angerer-Aufnahme. Das Orchester spielt präzise, manchmal etwas trompetenlastig, was aber den Höllen- und Kadettenszenen zu gute kommt. Dass die Tempi zu getragen gespielt wurden, wie ein Kritiker bemängelte, ist mir nur gelegentlich aufgefallen.

    Fazit

    Meiner Meinung nach wäre keine komplette Neufassung des Textes mit Zeitreise und neuen bzw. anderen Figuren notwendig gewesen. Einige der aktualisierten Themen wie Missbrauch, Menschen- und Reliquienhandel hätte man auch in eine revidierte Textfassung integrieren können.


    :) Uwe

    Lieber Operus!


    Danke für die "Blumen". Nachfolgende Titel habe ich noch gefunden:

    • Tausend Blumen blühn auf jeder Wiese – Die Flucht ins Glück – Nico Dostal
    • Wenn die Georginen blühn – Rhapsodie der Liebe – Nico Dostal
    • Rose der Prärie – Die Herzogin von Chikago – Emmerich Kálmán
    • Rosen aus Taipur – Die Bajadere – Emmerich Kalman
    • Wenn die Knospen sprießen – Das Dorf ohne Glocke – Eduard Künneke
    • Geh’n wir in den Garten – Der Vizeadmiral – Karl Millöcker (Das Original zu Dunkelrote Rosen!!!)
    • Die Liebe schwebt gleich Rosendüften – Pariser Leben – Jacques Offenbach
    • Wenn die kleinen Veilchen blühen - Wenn die kleinen Veilchen blühen – Robert Stolz
    • Wo die wilde Rose erblüht- Das Spitzentuch der Königin – Johann Strauß
    • -    Konzertwalzer Rosen aus dem Süden – Johann Strauß
    • Die Rose erblüht wenn die Sonne sie küsst – Gagliostro in Wien – Johann Strauß
    • Blumen Duettino – Die Afrikareise – Franz von Suppé
    • Als dir die Welt voll Rosen hing – Der Vogelhändler – Carl Zeller
    • Als geblüht der Kirschenbaum – Der Vogelhändler- Carl Zeller

    Darf man fragen, wann der Konzertabend stattfindet? Heilbronn ist meine Vaterstadt, in der ich aber leider seit meinem 12. Lebensjahr nicht mehr wohne. Allerdings wohne ich nur 1 Fahrstunde weiter weg und falls es die Umstände zulassen, könnte ich dort mal hinfahren.


    Viele Grüße und jetzt schon viel Erfolg


    Uwe



    Leider wurde dieses Jubiläum von den meisten Rundfunkanstalten ... vergessen wenn nicht gar ignoriert.

    Glücklicherweise kann ich diese Behauptung nicht mehr aufrechterhalten. Es sind mir noch weitere Rundfunkbeiträge bekannt geworden:


    Deutschlandfunk

    Kalenderblatt - Sendung vom 18.04.2019 -200. Geburtstag Franz von Suppè Der Schöpfer der Wiener Operette


    Ö 1

    • Anklang - Sendung vom 15.04.2019 - Abseits der Leichten Muse - Zum 200. Geburtstag von Franz von Suppe - 55 min
    • Apropos Operette - Sendung vom 22.04.2019 - Franz von Suppé zum 200. Geburtstag - 55 min.

    :) Uwe


    Weitere Sendungen zum 200. Geburtstag von Franz von Suppé

    Da sind mir jetzt doch noch einige Rundfunksendung zu o.g. Anlass bekannt geworden:


    BR Heimat

    Operettenzauber - Sendung vom 20.04.2019 - „200 Jahre Franz von Suppè“ - 55 min.


    Deutschlandfunk

    Franz von Suppé-Wiener Lustspiel-Meister - Sendung vom 18.04.2019 - 45 min.


    rbb - Kulturradio

    Opernführer - Sendung vom 17.04.2019 - Franz von Suppé zum 200. Geburtstag


    radio 100,7 (Luxemburg)

    Franz von Suppé ist für den Luxemburger Sendung Komponist des Monats (April 2019).

    Dazu gab's 4 Sendungen mit folgenden Themen

    • 3. April 2019: Franz von Suppès Operetten
    • 10. April 2019: Franz von Suppès Boccaccio
    • 17. April 2019: Suppè-Ausstellung im Zeitbrücke-Museum
    • 24. April 2019: Franz von Suppès Kirchen-Musik

    Hört sich schon besser an.:thumbup:


    Uwe


    200. Geburtstag von Franz von Suppé


    Heute, am 18.04.2019 jährt sich der Geburtstag von Franz von Suppé zum 200. Mal.


    Leider wurde dieses Jubiläum von den meisten Rundfunkanstalten und vor allem von den deutschsprachigen Bühnen vergessen wenn nicht gar ignoriert.

    Hier einige Ausnahmen, die mir bekannt geworden sind:

    • Heute am 18.40.2019 ab 20.05 sendet BR Klassik das Requiem als Aufzeichnung eines Konzertes vom 22. Juli 2012 in der Abteikirche in Ebrach.
    • Bereits am 12.3. gab es beim SWR2 in der Reihe Musik Klassiker eine kurze Widmung mit dem Titel Die Geburt der Wiener Operette aus dem Geist des Volkstheaters von Stefan Frey
    • In der Rosenmontagsgala des BR Klassik am 4.3. wurden aus gegebenen Anlass drei Titel gespielt dazu gab es einen etwas verunglückten "Auftritt" des Komponisten.
    • Im Operettenboulevard des gleichen Senders vom vergangenen Sonntag (14.04.) waren immerhin 10 von 11 Titeln von Suppé.
    • Diese Woche, also vom 15.-19.4. ist innerhalb der Senderreihe Mittagsmusik (ebenfalls BR Klassik) Franz von Suppé Thema der Woche, allerdings werden dabei in jeweils 2 Stunden nur 2 Titel von Suppé gespielt, dazu ein kurzes Interview mit Stefan Frey.

    Das ist im Moment alles, was mir von deutschen Rundfunkanstalten bekannt ist. (Recherchen auf den Webseiten der Sender ergaben keine weiteren Ergebnisse).


    Auf deutschsprachigen Bühnen spielt sich mit einer Ausnahme gar nichts ab - nicht ein Mal in Wien. Den Gipfel der Ignoranz erklomm der Intendant der Volksoper Wien. Auf Nachfrage, warum denn im Suppé Jahr Benatzky auf dem Programm stehe und keine Suppé Operette antwortete er, er wisse gar nicht, wann in der Volksoper zuletzt eine Suppé Operette gespielt worden wäre, in seiner 12-jährigen Amtszeit jedenfalls nicht. Da träfe es sich gut, dass die Volksoper eine Coproduktion mit einer deutschen Bühne eingegangen sei, bei der man eine Suppé Operette vorbereite. Die Aufführung in Wien werde aber erst im nächsten Jahr stattfinden.


    Er meinte da die Produktion des "Teufel auf Erden", die am 27. April in Chemnitz uraufgeführt werden soll. Diese Produktion ist aber nicht explizit zum 200 Jahrestag angekündigt und außerdem einer vermutlich einschneidenden Neubearbeitung unterworfen. Man darf gespannt sein, inwieweit das Original vor allem musikalisch noch zu erkennen sein wird.


    Ab heute gibt es im Netz eine ausführliche Würdigung von Franz von Suppé.


    Uwe

    Tanz Signale 2019 - Zur Geburt der Wiener Operette


    Nachdem ich soeben noch meinen Frust abgeladen hatte, fand ich plötzlich auch wieder Erfreuliches:


    Vom Donnerstag 14. bis Sonntag 17. März 2019 finden in Wien die vom Wiener Institut für Strauss-Forschung (WISF) alljährlich veranstalteten Tanz-Signale statt. Diesjähriges Thema ist aus Anlass der 200-jährigen Geburtstage von Jacques Offenbach und Franz von Suppe: „Zur Geburt der Wiener Operette“. Und hier scheint laut Programmankündigung Franz von Suppé ein gebührender Platz eingeräumt worden zu sein. Neben Themen wie

    • Johann Strauss’ frühe Operetten und die Wiener Sehnsucht nach dem Eigenen

    welches darauf abzielt, das sich die Wiener nach zunächst freudig aufgenommenen französischen Importen nach einem eigenen Wiener Stil gesehnt hatten, finden sich u.a. auch diese Themen:

    • Würdigung der 200. Geburtstage von Jacques Offenbach und Franz von Suppè
    • Was blieb übrig? – Zur Rezeption der Operetten von Offenbach, Suppè und Strauss
    • Die Geburt der Wiener Operette: Musikalische und historische Wurzeln (…Anlässlich seines 200. Geburtstags wird das Programm dem Operettenkomponisten Franz von Suppè (1819 – 1895) musikalischen Tribut zollen.)
    • Offenbach, Suppè und der Beginn der Wiener Operette (Ausstellungsthema)
    • Franz von Suppè – Frivolität und Kyriefuge
    • Fatinitza: Travestie im Kriegsgewirr – Anlässlich des 200. Geburtstages von Franz von Suppè

    Das komplette Programm findet sich hier.


    :) Uwe

    Hallo Wega,


    die alte Aufnahme von HAFG ist für mich keine Würdigung. HAFG veröffentlicht nur alte Aufnahmen, bei denen sie sich die Urheberrechte sparen können. Die von Dir genannte CD stammt aus einer Verfilmung der Operette von 1966. Und wie bei Verfilmungen so üblich hat das nicht mehr viel mit dem Original zu tun. Diesen Film gibt es auch ausschnittsweise auf YouTube, hier ein Beispiel:



    In diesem Beispiel stammt das zweite Lied gar nicht aus Boccaccio, sondern aus Suppés letzter Operette Die Jagd nach dem Glück. Der gleiche Titel ist auch schon mal in der Banditenstreiche-Neubearbeitung verwendet worden.


    Eine echte Würdigung wäre für mich ein spezielles Konzert aus dem gegebenen Anlass auf Bühne oder im Rundfunk oder besser noch eine Ausgrabung einer seiner vielen vergessenen Operetten, wie man es von Offenbach zur Zeit landauf landab macht. Die Afrikareise z. B. musste ausgerechnet ein englisches Amateurorchester wieder mal (konzertant) aufführen und unter uns gesagt, das Ergebnis war so bescheiden, dass man die Qualität der Operette nur erahnen kann. Niemand aber hat sich zum Beispiel auf eine wenigstens konzertante Aufführung der Donna Juanita gekümmert, oder Gascogner, Bellmann, Die Jagd nach dem Glück. Oder um seine frühen Werke, z. T. ein- bis zweiaktig, als da wären Das Pensionat (ein herrliches Erstlingswerk), Flotte Bursche, Zehn Mädchen und kein Mann, Leichte Kavallerie u.v.m.


    Mögen manche dieser Werke auch gewisse Schwächen (hautsächlich im Textbuch) haben, von Johann Strauß hat man schon höheren Blödsinn wieder aufgeführt oder wenigstens als Gesamtaufnahme herausgebracht, ich nenne da nur Cagliostro in Wien, Der lustige Krieg, Simplicius, Fürstin Ninettta, Jakubo oder das Apfelfest, Die Göttin der Vernunft. Und auch von Offenbach wurden Werke für wieder aufführbar geachtet, vor denen sich einige der von mir genannten Suppé Operetten nicht verstecken müssen (z.B. Coscoletto, Fantasio). Es ist sonst nicht meine Art, einen Komponisten gegen andere auszuspielen, aber ich habe mich über diese Ignoranz so geärgert, dass einmal Ross und Reiter genannt werden sollten.


    Uwe

    Beschämende Würdigung von Franz von Suppés 200. Geburtstag durch BR Klassik

    In der Sendung "Operetten-Boulevard" des BR Klassik vom 25.2. beklagte Moderator und Operettenforscher Stefan Frey, dass es eine Schande sei, dass man in deutschsprachigen Theatern nicht auf Suppés 200. Geburtstag reagiere. Er versprach dabei, dass der BR Klassik in seiner Rosemontagsgala Suppé nicht vergessen werde.


    Die Rosenmontagsgala dieses Senders ist zum einen eine Faschings-Gala, zum anderen wird darin der "Frosch des Jahres", eine Auszeichnung für mutige oder außergewöhnliche Operetteninszenierungen, vergeben. Es war mir klar, dass in einem solchen Rahmen eine Würdigung nicht sehr großartig ausfallen kann. Es wurden zunächst drei Titel von Suppé live gespielt: Ouvertüre zur Leichten Kavallerie, eine Romanze aus Leichter Kavallerie und "Florenz hat schöne Frauen" aus Boccaccio. Was dann aber folgte, war der Gipfel. Es trat Franz von Suppé selbst auf und spielte die beleidigte Leberwurst. Er beklagte (zu Recht) dass man ihn nicht ausreichend würdige und machte (zu Unrecht) die nachfolgend gespielten Titel von Offenbach herunter. Kurz vor der Pause wurde er dann von den Moderatoren unter einem Vorwand von der Bühne gelotst, damit er nicht auch noch die jetzt folgenden Titel aus der Fledermaus madig mache. Vergeblich wartete ich im Laufe der Sendung auf eine "Wiedergutmachung", aber es folgte kein weiterer Titel von Suppe mehr.


    Statt einer Würdigung hat man einen zu Unrecht vergessenen Komponisten als eitle, missgünstige Figur dargestellt und somit der Lächerlichkeit preisgegeben.


    :thumbdown::thumbdown::thumbdown: Uwe

    Schon öfters wurde hier im Operettenforum die Frage diskutiert, ob denn heutzutage noch Operetten geschrieben werden. Ja, tatsächlich passiert das noch gelegentlich, meistens aber auf „Provinzbühnen“ und ohne weiteren Nachhall. Jetzt hat aber das Münchner Gärtnerplatztheater eine neue Operette herausgebracht, die daran etwas ändern könnte. Es handelt sich hierbei um ein Auftragswerk dieses Theaters und benutzt als Vorlage Erich Kästners Roman „Drei Männer im Schnee“ aus dem Jahr 1934. Wieso die Autoren ausgerechnet auf diesen Stoff gekommen sind, bleibt trotz einiger Erklärungsversuche im nachfolgend angezeigten Trailer etwas unklar, tut aber auch nichts zu Sache.


    https://www.youtube.com/watch?v=8p45TSb8O5A


    Kästner hat bereits im Jahr des Erscheinens seines Romans auch ein Theaterstück gleichen Titels unter einem Pseudonym herausgebracht, da er von den Nazis bereits Schreibverbot hatte. Er soll noch zu Lebzeiten versucht haben, aus seinem Roman ein Singspiel oder eine Operette zu machen, was ihm aber nicht geglückt sei.

    Die Autoren der neuen Operette haben sich in vielerlei Hinsicht am Weißen Rössl orientiert. Das fängt schon damit an, dass sich wie dort vier Komponisten ans Werk gemacht haben. Die vier Komponisten, von denen ich bisher keinen gekannt hatte, sind:


    · Thomas Pigur, kommt vom Kabarett und hat auch das Buch und die Liedertexte verfasst

    · Benedikt Eichhorn, kommt ebenfalls vom Kabarett

    · Christoph Israel, kommt von der Klassik und ist Pianist bei Max Raabe

    · Konrad Koselleck kommt vom Jazz und zeichnet auch für die Instrumentierung verantwortlich.


    Da das Stück wie auch das Weiße Rößl hauptsächlich in den Alpen spielt, gibt es auch eine Alpen-Musik, ja sogar ein Wiener Lied kommt vor. Und da beide, Roman und Weißes Rößl in den 30er Jahren entstanden sind, sollte die Musik auch klingen wie in den 30er Jahre. So finden sich viele Stilrichtungen aus jener Zeit, so den Ufa-Sound der 30er, einen frühen Duke Ellington, Jazz-Elemente und zuweilen klingt es auch wie Brecht-Weill.


    Da gibt es herrliche, auch komische Nummern wie etwa das „Zahra Leander“ Chanson „Ich pass mich an“, einen Verführungs-Tango bei welchem das „Ein Nein ist ein Nein“ vom Mann kommt, ein außergewöhnliches Liebes Duett ganz ohne Sentimentalität, hitverdächtige Alpennummern wie „Skifahr’n im Schnee“, „Fragen wir doch den Wolkenstein“ oder die Titelmelodie „Drei Männer im Schnee“ und sogar einen homoerotischen Tango, ohne jedoch in Peinlichkeit oder abwertende Parodie zu verfallen.


    Einer der Komponisten sagte im oben angezeigten Trailer:

    Zitat

    Eine gute Operette erkennt man dadurch, dass Leute, wenn sie sie zum ersten Mal gehört oder gesehen haben, pfeifend und singend mit diesen Melodien aus der Operette herausgehen.

    Und das ist, wie ich finde, den Komponisten zu 100 Prozent gelungen.


    Mit Revue Operetten kenne ich mich nicht so gut aus. Ich habe bisher nur zwei gesehen: Das weiße Rössel aus Mörbisch und Ball im Savoy in der Inszenierung von Barrie Kosky. Drei Männer im Schnee habe ich nur im Radio gehört und mitgeschnitten und so entging mir naturgemäß das Revuehafte. Aber die Musik zu dieser neuen Operette ist gut genug, dass sie auch ohne eine opulente Bühneninszenierung wirkt.


    Das einzige, was mich an der Musik gelegentlich etwas nervt, ist die Big-Band-lastige Instrumentation (das Orchester des Gärtnerplatztheaters wird durch Zither-Spieler, Banjo und Saxophon ergänzt), die für meinen Geschmack etwas zu oft in den Vordergrund tritt, was nicht heißt, dass dies anderen Leuten nicht gefällt. Dass es allerdings von dieser Operette in naher Zukunft überall einzelne Hits zu hören gibt, wage ich zu bezweifeln. Die übrigens sehr guten und intelligenten Liedtexte von Thomas Pigor sind zu direkt mit dem Bühnengeschehen verknüpft, so dass es auch hitverdächtigen Nummern schwer fallen dürfte, ein Eigenleben zu führen. Aber das tut der Operette keinen Abbruch und ich gehe sehr wohl davon aus, dass diese neue Schöpfung bald überall nachgespielt werden wird.


    Hier noch einige Links mit Kritiken zu dieser Uraufführung:


    https://www.merkur.de/kultur/u…latztheater-11672644.html

    http://prevalent-digest.de/dre…esterparty-zum-jahr-1933/

    https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=439894


    :jubel:Uwe

    Nachtrag zu Weills Firebrand of Florence

    Ich hatte mir in obigem Beitrag eine Inhaltsbeschreibung gespart, zumal ich das Werk ja nicht weiterempfehlen mochte. Nun bin ich zufällig auf nachfolgende Kritik aus dem Jahr 2000 gestoßen, welche den Inhalt zumindest in Ansätzen wiedergibt.


    Ebenso zufällig habe ich entdeckt, das es über diesen Benvenuto Cellini auch eine Oper von Hector Berlioz gibt. In der Oper ist es der Papst, der Bellini begnadigt, falls er bis zu einen gewissen Zeitpunkt die Statue des Perseus anfertigt, in Weills Stück der Herzog von Florence, der Aufschub von der Hinrichtung gewährt, weil eine für ihn bestimmte Statue noch nicht fertig ist.

    :) Uwe

    Kurt Weill - The Firebrand of Florence


    Auch Kurt Weills zweite Operette konnte mich nicht überzeugen. Das Booklet der sehr aufwendig gestalteten CD-Box schildert bereits einige Gründe, die zum Scheitern dieses Werkes führen mussten. Fernziel Weills war es, eine Broadway Oper zu schreiben. Nachdem er schon einige Musical im gängigen Broadway-Stil geschrieben hatte, schwebte ihm im Weg dahin wieder mal eine Operette vor, und zwar, wie schon zuvor beim Kuhhandel im Stile Offenbachs. Zusammen mit Ira Gershwin und Edwin Justus Mayer, mit denen er zuvor schon bei einem Musical-Projekt zusammengearbeitetet hatte, wählte er Mayers erstes Bühnenstück „The Firebrand“, mit dem dieser 1924 auf dem Broadway Furore gemacht hatte zur Bearbeitung in eine Operette. Leider musste er dann feststellen, dass Mayer viele Dialoge Wort für Wort aus seinem Bühnenstück übernahm, was Weill daran hinderte, seine ursprüngliche Vorstellung, „Dramatik durch lange, durchkomponierte Passagen zu schaffen“, konsequent umzusetzen. Lediglich in der Eingangsszene, die völlig neu von Ira Gershwin getextet wurde, konnte er dies in einer fast 20-minütigen Introduktion verwirklichen. Und trotz der Länge gehört diese Passage noch zu den gelungensten des ganzen Werkes und enthält auch gleich zwei Hauptschlager der Operette: "Come to Paris“ und „Life, Love and Laughter“, die im weiteren Verlauf noch öfter wiederholt werden.


    Das Booklet nennt drei Passagen der Operette, die etwa vierzig Prozent der gesamten Partitur mit fast durchlaufender Musik enthalten. Ohne das „fast“ trifft das nur auf die Eröffnungsszene zu. Das Finale des ersten Aktes bringt mit einer Dauer von ca. 12 Minuten viele Reminiszenzen. Das wäre an sich noch nicht kritikwürdig; auch die Finale vor allem der sog. Silbernen Operettenära strotzen nur so von Wiederholungen. Aber dieses wird ständig von Dialogen unterbrochen; es ist Weil also nicht gelungen, das ganze Finale musikalisch zu gestalten. Und das gleiche gilt für die dritte der genannten Passagen, die Verhandlungsszene. Diese Szene wollte Weill als eigentliches Finale gestalten, ebenfalls wieder durchkomponiert wie die Eröffnungsszene und ohne Happy End, womit er sich in die Gefilden von Lehárs Spätwerke begeben hätte. Aber die Produzenten wollten ein Happy End, das in Paris spielte und so musste Weill seine Pläne für ein richtiges Operettenfinale fallen lassen. Stattdessen geriet die Verhandlungsszene zu einer Aneinanderreihung einzelner Musiktitel, die durch Dialoge verbunden sind.


    Schon im Ansatz musste Weill sein Ziel, eine Operette auf dem Weg zur Broadway Oper zu schreiben, aufgrund seiner Mitstreiter verfehlen. Er selbst schreibt, man habe beschlossen, (nur) einen Teil auf richtigen Opernstil zu trimmen, ohne jeden Versuch, amerikanische Populärsongs zu schreiben. Diese opernhafte Musik sollte sich nur auf die beiden Hauptpersonen beschränken, alles andere sollte im Komödienstil bleiben.


    Generell entdecke ich nur wenig Opernhaftes in Weills Musik und seltsamerweise enthält ja die opernhafteste Szene, die Introduktion, nun gerade doch und glücklicherweise zwei populäre Songs. Weills Musik ist völlig anders als zu seiner europäischen Zeit, wie etwa im Kuhhandel und entspricht weitgehend der standardmmäßigen musikalischen Komödie des Broadways. Für meinen Geschmack ist vieles sogar recht durchschnittlich bis langweilig. Aus einer Verbindung von Opernhaftem mit dem Stil des amerikanischen Musicals wird so schnell keine Operette und schon gar keine in der Qualität eines Offenbach.


    :( Uwe

    Drei Männer im Schnee - Weltpremiere einer nigel-nagel-neuen Operette im Gärtnerplatztheater München

    Heute findet um 19.30 im Gärtnerplatztheater München die Welturaufführung einer neuen Operette "Drei Männer im Schnee" statt. Das Libretto nach einem Roman von Erich Kästner (der auch mit Paul Dahlke verfilmt worden war) stammt von Thomas Pigor. Für die Musik brauchte es gleich vier Komponisten: Konrad Koselleck, Christoph Israel, Benedikt Eichhorn und Thomas Pigor. (Einer alleine schafft es heutzutage wohl nicht mehr?)


    Man darf gespannt sein, ob dieses Werk es schafft, der Operette wieder eine Zukunft zu geben!


    Die Uraufführung wird ab 19.00 im BR Klassik live übertragen.


    :)Uwe

    Dichter und Bauer - ein Schmarren


    1901 schrieb Georg Kruse (Pseudonym: F. Silesius) für Berlin ein neues Libretto mit zusätzlicher Verwendung von anderen Melodien Suppés. 1936 wurde in Bremen eine musikalische Neufassung von Franz Werther mit dem Text von Gustav Quedenfeldt und Eugen Rex aufgeführt. Für eine Produktion des Bayerischen Rundfunks - unter Werner Schmidt-Boelcke - haben Ludwig Bender (Text) und August Peter Waldenmeier (Musik) 1952 wieder eine neue Bearbeitung geschaffen. Und schließlich gab es 1986 in Nürnberg eine Inszenierung, für die der Tenor Kurt Huemer auch ein neues Libretto schrieb; die Musik bearbeitete Edgar Bredow. Da ich die Linzer Aufnahme nicht kenne, weiß ich auch nicht, welche der Fassungen (vor 1986) hier verwendet wurde; die Version der UA von 1846 oder die 'Bremer Fassung' von 1936 - wie vom 'Hamburger Archiv' angegeben - ist es jedenfalls nicht, da die Rollen nicht überein stimmen.


    Viele Grüße!


    Carlo


    Ich habe mir die CD von HAfG inzwischen besorgt. In der Tat ist es schwierig, herauszufinden, um welche Version es sich handelt. Dass die Angabe im Booklet falsch ist, kann ich ebenfalls bestätigen. Ich habe zufällig im Internet eine Inhaltsangabe der Quedenfeldt-Bearbeitung von 1936 gefunden, und die hat eine ganz andere Handlung. Da Kurt Huemer selbst eine Rolle in der hier vorliegenden Fassung übernommen hat, sollte man ja annehmen, dass es sich hier um seine eigene Bearbeitung aus dem Jahr 1986 (lt. Angabe in Rosers Biographie) handelt. Die Aufnahme der CD stammt aber lt. Booklet aus dem Jahre 1969. Möglich, dass eine der beiden Jahreszahlen falsch angegeben ist.


    Die Version von 1901 kann man ausschließen, denn die verwendet (wiederum lt. Biographie Roser) die gleichen Namen für die beiden Hauptpersonen wie das originale Volksstück. Dass es sich dann letztlich um die Bearbeitung durch Bender/Waldenmaier aus den 50er Jahren handelt, kann ich mir nicht vorstellen. Denn diese beiden Bearbeiter haben auch aus dem ursprünglichen Einakter „Banditenstreiche“ einen Neubearbeitung in 3 Akten gemacht, dabei die ursprüngliche Handlung beibehalten und lediglich etwas erweitert und vor allem die Musik so stilecht aus anderen Werken Suppés ergänzt, dass der Eindruck einer originalen Suppé-Operette entsteht. Und dies kann man von dieser Dichter und Bauer-Bearbeitung ganz und gar nicht behaupten. Da wurden ziemlich wahllos irgendwelche Versatzstücke, im 1. Akt fast ausschließlich aus seinen bekannten Ouvertüren, zusammengeschustert (anders kann man dies nicht ausdrücken). Im 2. Und 3. Akt finden sich dann noch einige Ausschnitte aus Fatinitza und Donna Juanita und sogar ein (zwar meist gestrichenes) Couplet aus Boccaccio fand Verwendung. Alles wurde so 08/15-mäßig neu instrumentiert, dass auf keinen Fall mehr der originale Charakter der Stücke zu erkennen ist. Tiefpunkt der auch handwerklich schwachen Leistung ist die Verwendung der „Orchesterexplosion“ aus der Dichter und Bauer-Ouvertüre in einer dramatischen Szene, die man aber nicht durchgängig musikalisch gestalten konnte sondern die immer wieder durch Dialoge unterbrochen wird.


    Auch die Handlung, die ich hier gar nicht wiedergeben will, hat nichts mit dem Original zu tun und ist eigentlich nur ein großer Schmarren.


    :( Uwe

    Zuerst war ich etwas "erschlagen" von dem vielen Klamauk -gut, man hätte es auch noch sehen statt nur hören müssen-...

    Dieses kleine Stück entstand noch bevor Offenbach sein eigenes Theater eröffnete und wurde 1855 im Theater Folies-Nouvelles, dem Theater seines Vorgängers Hervé 1855 uraufgeführt. Hervé selbst übernahm die Rolle der Oyayaye– also damals schon ein Mann in der Frauenrolle. Diese Groteske, wie man den Klamauk auch bezeichnend könnte, passte genau zu der Art Stücke, die Hervé in seinem Theater aufführte und sollte auch ein Markenzeichen für Offenbachs zukünftige Einakter werden, die er dann in seinem eigenen Theater aufgeführt hatte.  Ein weiteres Beispiel für solche Grotesken ist das auch hier im Forum schon besprochene Stück Ba-ta-clan. Allerdings gab es auch eher biedere oder romantische Stücke wie etwa „Die Verlobung bei der Laterne.“


    Den Rest des Konzerts habe ich mir, mit Ausnahme der Ouvertüre zur den Rheinnixen noch nicht angehört. Von der war ich etwas enttäuscht; sie enthält ja nur die bekannte Barkarole, die er in Hoffmanns Erzählungen wieder verwendete, ein kurzes Zwischenspiel und dann wieder die Barkarole. Eine typisch kurze Offenbach Ouvertüre also; er selbst stand ja auf dem Standpunkt, Ouvertüren seien nur Zeitverschwendung. (Die berühmte Orpheus-Ouvertüre hat ja der Wiener Karl Binder erstellt). Hier stand er ganz im Gegensatz zu einem seiner Nachahmer, Franz von Suppé.


    :)Uwe

    Lieber Carlo,


    herzlich Willkommen im Operettenforum. Zu Deinen letzten 3 Beiträgen in diesem Thread hier einige Anmerkungen:


    Den Hinweis auf die CD "Dichter und Bauer" fand ich sehr wertvoll. Die Versionsgeschichte diese posthumen Operette war mir aus Roser's Biographie zwar bekannt, dass es davon aber eine Aufnahme gibt, ist mir in all den Jahren, die ich mich mit Suppé beschäftige, offensichtlich entgangen. Ich habe allerdings schon eine geraume Zeit nicht mehr bei HAfG nachgeschaut. Ich habe heute die CD sofort bestellt und werde gelegentlich darüber hier berichten.


    Vom "Teufel auf Erden" gibt es meines Wissen noch keine (offizielle) CD. Ich habe mir vor Jahren schon die vor Dir genannte Rundfunkproduktion für teures Geld vom Mittschnittservice des WDR zugelegt und über diese Operette auch weiter oben schon berichtet.


    Von "Das Pensionat" habe ich eine neuere Rundfunkproduktion als die von Dir beschriebene CD, auch diese über den Mittschnittservice erworben. Das gleiche gilt für "Die Leichte Kavallerie", die es seinerzeit noch nicht auf CD gab.


    Ich finde es umständlich, dass man im Operetten-Forum viele Inhaltsangaben und Beiträge zu durchaus bekannten Operetten findet, obwohl es ja auch einen 'Operetten-Führer' gibt - das bedeutet, dass ich zweimal suchen muss. Dass man sich meistens mit dem Einstellen von CD-Covern begnügt und die genaue Besetzung dazu im Internet gesucht werden muss, kann ich hinnehmen. Man sollte aber auch berücksichtigen, dass im Thread 'Die berühmte Stimme' bei den Sängern, die auch Operette gesungen haben, oft (zum Teil wenig bekannte) Titel und Aufnahmen genannt werden, die im Operetten-Forum nicht zu finden sind.



    Carlo

    Der Operettenführer, der nach dem Operettenforum eingeführt wurde, hatte u. a. die Reglementierung, dass man sich einer Bewertung des Werkes enthalten sollte. Reine Inhaltsbeschreibungen sind mir persönlich zu langweilig. Daher schreibe ich die meisten Beiträge im Operettenforum und da, wo es sinnvoll erscheint, füge ich eine kurze Inhaltsbeschreibung dazu. Wenn solche im Operettenführer schon vorhanden sind, begnüge ich mich mit einem Link auf diese. Dein Hinweise auf "Die berühmte Stimme" in Bezug auf wenig bekannte Operetten Titel ist insofern etwas widersprüchlich, da es jetzt dann mindesten 3 (wenn nicht noch mehr) Themenschwerpunkte gibt, in denen ich suchen müsste. Also Hinweise auf wenig bekannte Werke oder Aufnahmen von Operetten gehören m. E. ins Operettenforum. Und natürlich, wenn sich Themen überschneiden, ist es vollkommen sinnvoll, so zu verfahren, wie Du es eben gemacht hast, nämlich im entsprechenden anderen Themenbereich einen Hinweis auf einen Beitrag an anderer Stelle zu bringen.


    :thumbup:Uwe

    Bisher erste veröffentlichte Aufnahme aus Donna Juanita


    Ein ausgesprochenes Unikum. Stammt noch aus einer Zeit, als die heutzutage völlig vergessene Operette noch nicht aus dem "kollektiven" Gedächtnis entschwunden war.

    Es handelt sich hierbei um das Entrée des "Evangelisto" Riego, eines Schreibkundigen, der für die Analphabeten Briefe verfasst. Das Lied ist im Parlandostil verfasst, in welchem der Schreiber seine Künste preist.


    Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, gibt es hierzulande von Donna Juanita keine Aufnahmen. Ich selbst besitze einen Amateurmittschnitt einer Petersburger Aufführung und eine Aufzeichnung einer Produktion des Russischen Rundfunks. Aus urheberrechtlichen Gründen habe ich mich aber bisher nicht getraut, diese zu veröffentlichen. In beiden Produktionen kommt dieses Lied aber nicht vor. Ich habe es bisher nur aus dem Klavierauszug gekannt.


    :)Uwe

    Querschnitt aus "Boccaccio" aus dem Jahre 1936


    Interessant die Titelauswahl und wie man ca. 1 1/2 Stunden Musik auf 8,37 min. presst. Dabei ist fast von allem etwas dabei, wenn auch oft nur kurze Ausschnitte:

    • Tarantella aus der Introduktion
    • Bettlerduett (Ausschnitt 1)
    • Er ist ein Prinz aus dem Finale I
    • Hab' ich nur deine Liebe
    • Bettlerduett (Ausschnitt 2)
    • Die Glocken läuten hell und rein
    • Was wir verdammen aus dem Finale I
    • Fassbinderlied (nur das Trallala)
    • Boccaccio-Lied
    • Wonnevolle Kunde
    • Da gibt es Raufereien aus dem Duell-Ensemble
    • Hoch der Genius, dem Humor aus Finale III

    Es fehlt eigentlich nur etwas aus dem Ensemble "Neuste Novellen", alles aus dem 2. Finale, das Couplet im 3. Akt und vor allem "Mia bella fiorentina". Letzteres ist unverständlich. Die Abbildung zeigt die Seite 1 der LP, vielleicht war auf der Seite 2 noch das eine oder andere mehr drauf?


    :) Uwe

    Lieber Don,


    danke für die Infos. In den Querschnitt habe ich hineingehorcht. Es ist die von mir angeführte Produktion von 1977 mit Ingeborg Hallstein und Réne Kollo und wie ich vermutet habe, eine modernisierte Instrumentation der 70er Jahre, klingt für meinen Geschmack noch verstaubter als die originale von 1940.


    Der You-Tube Ausschnitt ist ein solcher aus der gleichen Produktion.


    :) Uwe

    Wer kennt die Operette Traumland von Eduard Künneke?



    Ich habe davon nur einige Titel, die als Bonus auf obiger CD der Lady Hamilton mitgeliefert waren. Der Besetzung nach (Richard Holm, Anneliese Rothenberger, Chor und Orchester des Hamburger Rundfunks, Wilhelm Stephan) entspricht diese Produktion der nachfolgend abgebildeten CD.




    Da weder Amazon noch JPC in ihrer Produktbeschreibung eine Auflistung der einzelnen Titel anzeigen, weiß ich jetzt nicht einmal, wie viele Titel mir jetzt zur Gesamtaufnahme noch fehlen. Ich müsste mir schon obige CD kaufen. Die Produktion stammt aus dem Jahre 1950; entsprechend schlecht ist mal wieder die Tonqualität, vor allem die des Orchesters. Zudem scheint es sich nicht um die Originalinstrumentation zu handeln, denn so weit mir bekannt, hat Künneke in dieser 1940 uraufgeführten Operette bereits Saxaphone eingesetzt. Diese fehlen in meinen Titeln, deren Instrumentation übrigens wie ein Einheitsbrei klingt.


    Daneben habe ich noch einige Titel als Rundfunkmittschnitte mit Anny Schlemm und Franz Fehringer bzw. Herta Talmar, Phillip Geli, Wili Hoffmann. Hierbei handelt es sich um eine Produktion von Franz Marszealek, die aber nicht als CD zu finden ist. Vor zwei Tagen habe ich davon noch einen Querschnitt mit 8 Titeln bei Amazon als MP3-Download gefunden, heute schon nicht mehr. Bei den Titeln, die ich mitgeschnitten habe, erklingt jedenfalls hin und wieder ein Saxaphon.


    World Cat listet eine LP von Telefunken von 1977 mit Ingeborg Hallstein, René Kollo, Dagmar Koller, dem Symphonie Orchester Berlin, aber auch dem SFB Tanzorchester und den Rosi Singers auf, gibt aber keine Hinweise, wo diese erhältich ist. Augrund der Angaben mit dem SFB Tanzorchester und den Rosi Singers und dem Produktionsjahr kann man aber vermuten, dass es sich um eine modernisierte Orchesterfassung handelt.


    Aus meiner Jugendzeit kann ich mich an einen Querschnitt mit Heinz Hoppe erinnern, bei dem ebenfalls das Saxophon auffällig war.


    Die Operette hat eine sehr schöne Musik, offenbar nochmal ein gelungenes Spätwerk von Künneke. Schade, dass es so in der Versenkung verschwunden ist. Für die älteren unter uns: das Libretto stammt übrigens von Eduard Rhein, der in den Nachkriegsjahren Chefredakeur der "Hör zu" war.



    :) Uwe

    Da muss man vorsichtig sein, was man sagt, sonst wird man vielleicht noch der Homophobie bezichtigt. Für mich ist das aber eine schwule Inszenierung und hat nichts mit den ursprünglichen Absichten der Autoren zu tun. Ein bekannter Kabarettist sagte jüngst, dass man sich heutzutage als Hetero beinahe wie eine Minderheit vorkommt.



    :( Uwe

    Kurt Weill - Der Kuhhandel

    Leider konnte auch Kurt Weills „Der Kuhandel“ meine Erwartungen an eine „moderne“ Operette nicht erfüllen. Nach eigenen Worten wollte Weill mit diesem Werk "eine Operette weit weg vom Operetten-Schund zuwege bringen“ und „an die beste Tradition der Operette, die seit Jahrzehnten verschüttet war, endlich wieder anknüpfen“. Was er genau mit ersterem meinte, ist nicht ganz klar – tatsächlich gab es ja zu dieser Zeit eine ähnliche Operetten-Inflation wie heutzutage beim Musical – bei Letzterem dachte er jedoch an Offenbach, den er sehr verehrte. Ich finde, weit weg vom Schund, das dürfte ihm gelungen sein aber vom Geist und Witz eines Offenbach ist das Werk weit entfernt. Das liegt zunächst mal am Textbuch. Die Handlung, die ich hier nicht eigens beschreiben will, denn sie ist hier nachzulesen, hätte durchaus das Potential dazu, denn wie es bei Offenbach Anspielungen auf die Großen seiner Zeit (Napolen III und Kaiserin Eugénie) gibt, finden sich solche bei Weil z. B. auf Göring und Göppels und wenn in der "Großherzogin" der Minister einen Krieg anzettelt, weil er befürchtet, die Großherzogin könnte sich langweilen und dabei auf die Idee kommen, selbst Politik zu betreiben, so zettelt im Kuhhandel ein US-amerikanischer Waffenhändler einen Krieg unter zwei Inselstaaten an, um seine Waffen verkaufen zu können. Aber gerade der letzte Vergleich führt mich zu der Frage: welcher von beiden ist lustiger? Genau darin liegt die Crux im Kuhhandel: alles ist ernsthaft, schulmeisterhaft, mit erhobenem Zeigefinger und kein bisschen lustig. Das gilt sowohl für den Handlungsverlauf, die Dialoge, die Liedertexte und folgerichtig auch für die Musik.


    Die Musik selbst ist nach meinem Empfinden stilistisch sehr unterschiedlich, mal sehr schön mit einer ungewöhnlichen, für die damalige Zeit modernen Instrumentation, teils sehr modern und avantgardistisch und dann wieder eher konventionell – aber nie lustig. Und da nützt es auch nichts, wenn z. B. der ORF schreibt:


    Zitat

    Nicht, dass es nicht weiter den typischen deklamatorischen Weill-Balladenton gäbe, wie man ihn seit "Happy End" kennt. Sehr raffiniert kommt er diesmal daher in der reichhaltigeren und manchmal sogar pariserisch angehauchten Orchestereinkleidung.


    Und hier noch ein weiteres Zitat. "Die Welt" schreibt anlässlich einer Aufführung des Anhaltischen Theater im Jahre 2000:


    Zitat

    Weill befindet sich hier in einer Übergangsphase, ist auf der Suche nach einer neuen musikalischen Identität. Nett klingt das, aber manchmal auch eintönig und nie so inspiriert oder genialisch wie in früheren oder späteren Werken.


    Mein Fazit: Ein durchaus ambitioniertes Werk, eine ernste Satire, aber kein musikalisches Werk, das sich als Operette durchsetzen kann.


    Noch ein Wort zur Inszenierung der Wiener Volksoper, auf der diese DVD basiert.



    Man kann sie eigentlich unter Regietheater einordnen, vielleicht nicht ganz „lupenrein“ aber doch sehr eigenartig. Da spielt, singt und tanzt das Liebespaar in der Eingangsszene zwischen ständig schaukelnder Wäsche herum. Der lustlose Präsident des bis dato noch friedlichen Inselteils agiert aus einer an Seilen von der Decke herunterschwebenden Couch, die Szene eines Mädchenraubs nach heidnischem Brauch (Ich wohne auf der anderen Seite des Flusses) wird weder durch den Text und schon gar nicht durch die Choreographie verständlich, Chor und Ballett tragen merkwürdige Kostüme und generell leidet das Ganze unter mangelhafter Textverständlichkeit.


    :( Uwe