Beiträge von Uwe Aisenpreis

    Corona machte Strich durch die Rechnung bei Donna Juanita

    Fest eingeplant war im Theater Osnabrück die Wiederbelebung von Suppés Donna Juanita. Wegen der Corona-Krise konnte nun die Produktion leider nicht realisiert werden. Auch ein späterer Termin ist derzeit nicht geplant, zumal ein Direktionswechsel zur nächsten Spielzeit ins Haus steht. Als "Ersatz" wird unter eingeschränkten Bedingungen Suppés Die schöne Galathée gegeben. Premiere ist am 28.11.2020.


    :( Uwe

    Aufführung von Franz Lehárs „Die blaue Mazur“ in der Sommerarena Baden

    :) Uwe

    Lieber udohasso,


    ich habe an anderer Stelle schon mal auf diese Webseite hingewiesen: https://www.operettenwelt.de/


    Schau mal rein, wähle "Alle Operetten" und mache ein Häkchen unter "Nur Operetten anzeigen, für die kommende Aufführungstermine bekannt sind". Dort findest Du u.a.:


    Casanova

    Der Zigeunerprimas

    Der blaue Mazur

    Die Herzogin von Chicago

    Frühlingsstürme

    Madame Pompadour

    Märchen im Grand Hotel


    Fast die Hälfte aller derzeit bekannten Operetteninszenierungen sind Seltenheiten. Bleibt nur zu hoffen, dass Corona das alles zuläßt.


    :) Uwe

    Dschainah von Paul Abraham auf Deutschlandfunk Kultur

    Die Aufzeichnung der konzertanten Inszenierung von Paul Abrahams "Dschainah, das Mädchen aus dem Tanzhaus" durch die Komischen Oper Berlin vom 22.12.2019 wird am Samstag, 27.06.2020 um 21:00h auf Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt!


    Zitat


    Madama Butterfly als Operette in Vietnam! Paul Abrahams musikalisches Liebesabenteuer eines französischen Marineoffiziers mit einer Dschainah, der vietnamesischen Variante einer japanischen Geisha, ist eine wilde Mischung aus Puccini, Puszta und Jazz. Der „multikulturelle Eintopf“ entstand als Auftragswerk des Wiener Kaffee-Königs Julius Meinl II. für dessen japanische Frau Michiko Tanaka. Fast auf den Tag genau 84 Jahre nach ihrer Uraufführung in Wien erlebt das Werk nun seine verspätete Deutsche Erstaufführung – ein ganz besonderes Fundstück in der Reihe von Ausgrabungen und Wiederentdeckungen an der Komischen Oper Berlin.

    „Im Sing-Song-Haus des finsteren Dajak in Saigon arbeitet das Mädchen Lylo als Dschainah. Als sie von ihrem ebenso gefühllosen wie geldgierigen Besitzer verkauft werden soll, erklärt sich der Schriftsteller und Marineoffizier Pierre Claudel kurzerhand dazu bereit, Lylo zu heiraten. Dumm nur, dass in Paris seine Verlobte Yvonne auf Pierres rechtzeitige Rückkehr wartet, denn aus Erbschaftsgründen muss Yvonne bis zu einem bestimmten Datum verheiratet sein. Aber Schwiegermutter Hortense Cliquot hat vorgesorgt und schon vor Pierres Abreise einen Bräutigam-Stellvertreter ernannt. Pierre hat es denn auch nicht allzu eilig, seine befristete Ehe mit Lylo aufzulösen und nach Frankreich zurückzukehren. Aber eine Madame Cliquot reist, wenn es sein muss, auch mit Tochter und Entourage nach Vietnam, um den treulosen Schwiegersohn zur Raison zu bringen."


    (Barry Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin)


    :)Uwe

    Zurück zur Frage, wie tot oder lebendig die Operette ist. Mein Eindruck dazu: in einigen kleinen theatralischen Biotopen überlebt sie. Baden bei Wien gehört beispielsweise dazu.

    Die Operette überlebt derzeit nicht nur in einigen Biotopen. Noch nie seit den 60er/70er Jahren hat sich meines Erachtens so viel um die Operette getan wie in den letzten 5-10 Jahren. In dieser Zeit wurden nachfolgend gelistete fast in der Versenkung verschwundene Operetten wiederbelebt, sei es durch szenische oder konzertante Aufführungen oder einfach nur durch neue Gesamtaufnahmen auf CD (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit - Ergänzungen erwünscht):


    Paul Abraham

    • Viktoria und ihr Husar
    • Die Blume von Hawai
    • Ball im Savoy
    • Märchen im Grandhotel
    • Dschainah
    • Roxy und ihr Wunderteam

    Ralph Benatzky

    • Axel an der Himmelstür

    Leonard Bernstein

    • Candide

    Nico Dostal

    • Clivia
    • Prinzessin Nofretete

    Leo Fall

    • Der fidele Bauer
    • Die geschiedene Frau
    • Madame Pompadour

    Emmerich Kàlmàn

    • Die Faschingsfee
    • Das Hollandweibchen
    • Die Bajadere
    • Die Herzogin von Chicago

    Eduard Künnecke

    • Liselott
    • Herz über Bord

    Franz Lehár

    • Wo die Lerche singt
    • Zigeunerliebe
    • Die blaue Mazur
    • Frasquita
    • Das Fürstenkind
    • Cloclo
    • Schön ist die Welt
    • Giuditta

    Jacques Offenbach

    • Oyayai
    • Barkouf
    • Coscoletto
    • Die Prinzessin von Trapezunt
    • Fantasio

    Oscar Straus

    • Die lustigen Nibelungen
    • Die Perlen der Cleopatra
    • Der tapfere Soldat

    Johann Strauß

    • Cagliostro in Wien
    • Prinz Methusalem
    • Das Spitzentuch der Königin
    • Der lustige Krieg
    • Simplicius
    • Fürstin Ninetta
    • Jakuba oder der Apfelfest
    • Die Göttin der Vernunft
    • Blinde Kuh (ganz aktuell)

    Arthus Sullivan

    • H.M.S. Pinafore
    • Die Piraten
    • Die Gondolieri
    • The yeoman oft he yards

    Franz von Suppé

    • Pique Dame
    • Fatinitza
    • Der Teufel auf Erden
    • Donna Juanita (in Vorbereitung)
    • Die Afrikareise

    Carl Zeller

    • Der Obersteiger

    :thumbup:Uwe

    Zur Barrie Kosky: Seine Inszenierung von "Ball im Savoy" hat mir wahnsinnig gut gefallen. So muss Operette m.E. inszeniert werden. Allerdings finde ich Dagmar Manzel gewöhnungsbedürftig. Da kann sie noch so gut spielen, aber singen kann sie nicht und für manche Rollen hat sie einfach nicht mehr das Alter, finde ich.

    Ich habe mir soeben "Die Perlen der Cleopatra" auf OperaVision angeschaut - wunderbar. Ich muss gestehen, Dagmar Manzel ist wirklich eine außerordentlich tolle Komödiantin - köstlich. Da kann ich schon verstehen, dass sie zur Kultfigur geworden ist.


    :)Uwe

    Es ist schon irgendwie lustig. Da braucht nur einer zu sagen, die Operette wäre in diesem Forum tot und schon wird es hier quicklebendig.

    Noch nie habe ich in Gera eine Operette von Suppe gesehen, obwohl man den nicht nur auf seine zugegeben tollen Ouvertüren beschränken sollte.

    Suppé ist generell ein Stiefkind der Branche - auch sein 200. Geburtstag wurde kläglich behandelt. Immerhin gab es im Chemnitz die Wiederbelebung seines "Teufel auf Erden" und in Baden bei Wien "Fatinitza". Und kommende Saison soll in Osnabrück "Donna Juanita" wiedererweckt werden, falls dies nicht der Corona-Krise zum Opfer fällt.


    Ich habe schon mal an anderer Stelle auf diese Seite hingewiesen, da kann man nachschauen, wo und wann in Deutschland, Österreich, Schweiz und sonst wo Operetten gespielt werden.


    Zur Barrie Kosky: Seine Inszenierung von "Ball im Savoy" hat mir wahnsinnig gut gefallen. So muss Operette m.E. inszeniert werden. Allerdings finde ich Dagmar Manzel gewöhnungsbedürftig. Da kann sie noch so gut spielen, aber singen kann sie nicht und für manche Rollen hat sie einfach nicht mehr das Alter, finde ich.


    :)Uwe


    Auch wenn er hier gar nicht angekündigt ist: Rudolf Schock war in Stimmfärbung und Ausdruckskraft doch unvergleichlich. Und die junge Anneliese singt die Partie hier wesentlich besser als in der späteren Gesamtaufnahme des Boccaccio, wo sie doch schon sehr Grande Dame singt.


    :)Uwe

    Hallo Serena,


    ich habe zufällig an anderer Stelle eine Frage von Dir gefunden aus dem Jahr 2017:


    Zitat

    Hello, what are the known recordings of Franz von Suppé's operas? I could find just one video with "Des Matrosen Heimkehr" (The Return of Sailors) until now?

    Schau mal hier


    :)Uwe

    CD vom Teufel auf Erden in der Original-Fassung

    Beides ist kaum nachhaltig, ebenso wenig wie eine Rundfunkaufnahme von 1984 mit dem ORF Symphonieorchester unter Paul Angerer, von der es bis heute noch keine CD gibt.

    In meinem vorstehenden Artikel vom Juli letzten Jahres hatte ich noch geschrieben, dass es von der Rundfunkaufnahme der Originalfassung der Operette unter Paul Angerer noch keine CD gibt. Heute habe ich zufällig entdeckt, dass diese CD inzwischen bei der HAfG erhältlich ist.


    :thumbup:Uwe

    Seit vielen Jahren durchforste ich einige Radioprogramme auf der Suche nach Gesamteinspielungen - bzw. Live-Mitschnitten von Operetten. Der heutige Samstag und morgige Sonntag ist zwar nicht repräsentativ aber irgendwie exemplarisch für die Trefferquote:


    SWR 2 - Sonntag, 19.01. - Oper von Alfredo Catalani: "La Wally"

    BR Klassik - Samstag, 18.01. - Oper von Peter Heise: "König und Marschall"

    WDR 3 - Sonntag, 19.02. - Oper von Domenico Cimarosa "Gli Orazi e i Curiazi"


    Was ich damit sagen will: in allen drei Rundfunkanstalten und meist auch noch im Deutschlandfunk gibt es fast jede Woche eine Oper, und oft auch, so wie dieses Wochende, solche, von denen ich noch nie etwas gehört habe und noch nicht mal die Namen der Komponisten kenne.


    Operette wird dagegen nur alle paar Jubelmonate einmal gesendet. Ich dachte immer, Operette sei wieder im Kommen - im Rundfunk merkt man bisher noch nicht allzuviel davon.


    :(Uwe

    Operettenwelt

    Heute habe ich eine wunderbare neue Website zum Thema Operette gefunden: https://www.operettenwelt.de/. Auf dieser Seite kann man mit wenigen Mausklicks herausfinden, welche Operette gerade wo und zu welchen Terminen gespielt wird.


    Da kann man sich zunächst einmal einen Überblick über alle Termine schaffen, in kalendarischer Reihenfolge, wobei man die Ergebnisse filtern kann nach Alle - Deutschland - Österreich - Schweiz - Sonstige und dann sogar noch nach solchen Spielstätten mit eigenen Ensembles.


    Dann kann man sich alle Spielstätten (bzw. wieder gefiltert wie oben) auflisten und sieht sofort auf Anhieb, wo es operettenfreie Zonen gibt - beim Klick auf die Spielstätte werden dann die Operetten und Ihre Aufführungstermine angezeigt.


    Als letztes kann man sich alle Operetten anzeigen lassen und sieht sofort, wieviel Aufführungen von welcher Operette gerade wo am Laufen oder geplant sind. Man kann die Anzeige sortieren nach Titeln und nach Komponisten und auch nur die anzeigen lassen, die für die aktuellen oder kommenden Aufführungen bekannt sind.


    Nach eigenen Angaben ist die Seite noch im Aufbau, aber das, was jetzt bereits zu finden ist, ist schon eine ganze Menge.


    :thumbup::thumbup::thumbup:Uwe

    Mit seiner phänomenalen Inszenierung von „Ball in Savoy“ im Jahre 2017 hatte der Intendant der Komischen Oper Berlin, Barry Kosky, eine Paul Abraham Renaissance angestoßen; jetzt hat er nochmals nachgelegt und mit der halb konzertanten Aufführung von „Märchen im Grand Hotel“ einen regelrechten Hype erzeugt. Es folgten sehr rasch szenische Aufführungen, zuerst in Mainz 2018, dann 2019 in Luzern und Hannover und ab 02.05.2020 folgt die Staatsoper Hamburg.


    Liest man die Kritiken der einzelnen Aufführungen so fällt auf, dass diese in ihrer Auffassung des Werkes doch erheblich voneinander abweichen – da kommt es doch wohl sehr auf die Regisseure an. In Mainz wird bemängelt, dass dort mehr Wert auf Kokolores (Mainzerisch für Possenhaftes) als etwa auf Satire gelegt wurde, Hannover glänzt durch zusätzlich eingelegte Tanzszenen und konzentriert sich mehr auf den Wortwitz und Luzern erfindet gar eine eigene Rahmenhandlung. Es wird kein Hollywood Film mehr gedreht sondern das Hotel in der Schweiz (nicht in Cannes) dreht einen eigenen PR Film.


    Auch die musikalische Umsetzung dürfte nicht einheitlich sein. Das liegt daran, dass der Komponist keine endgültig verbindliche Partitur erstellt hat und somit jede Produktion sein eigenes Arrangement erstellen kann oder muss.


    Ich habe mir die konzertante Aufführung auf YouTube angehört (ist ja nur eine bebilderte Audioaufnahme) und frage mich, ob der Hype um diese Operette tatsächlich zu einer nachhaltigen Wiederbelebung führt bzw. ob er überhaupt gerechtfertigt ist. In etwa ist dieses Werk, sowohl vom Sujet als auch von der musikalischen Substanz mit dem „Ball im Savoy“ vergleichbar. Dazu muss man wissen, dass letztere Operette von den drei rasch aneinandergereihten Welterfolgen Paul Abrahams schon der etwas schwächere war. Die einzelnen Titel waren nicht mehr so zwingende Ohrwürmer wie bei den beiden Vorläufern („Viktoria und ihr Husar“, „Blume von Hawai“). Lange Zeit waren eigentlich nur „Toujour l’amour“ und „Es ist so schön am Abend bummeln zu gehen“ bekannt. Und beim „Märchen im Grand Hotel“ merkt man, dass die Titel wieder ähnliches anstreben, insgesamt aber noch etwas weniger zwingend sind. Der eine oder andere Titel hat zwar durchaus auch Hitcharakter, wie etwa der Tango „Die schönste Rose“ oder „Ich weiß mon ami ein Mann so wie Sie“, der etwas an Toujour l‘amour“ erinnern soll. Der Eingangstitel „Ich brauch jetzt was Pikantes“ gehört auch in diese Kategorie, dafür wird er aber auch das ganze Stück über ständig wiederholt. Viele Titel sind dagegen durchschnittlicher Natur oder liegen nur leicht darüber.


    Was mich an diesem Stück, wie auch an anderen Abraham Operetten wieder besonders stört, sind die ständigen Wiederholungen, die nicht nur in den Finales sondern auch sonst bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit vorkommen. Da sollen einem die „Hits“ mit dem Holzhammer eingeprägt werden. Die konzertante Aufführung hat Musik für gerade mal eine Stunde (bei klassischen Operetten kommt man ca. auf 1 ½ Stunden). Zieht man die Reminiszenzen ab, bleiben vielleicht gerade noch 45 Minuten an neuen Titeln.


    Die von mir gelesenen Kritiken befassen sich merkwürdigerweise, wenn überhaupt, nur am Rande mit Abrahams Musik. Hier einige Beispiele:


    Zitat

    Zwar zündet keiner der Schlager beim ersten Hören, aber beim zweiten Mal gehen die Melodien ins Ohr und zu Herzen. Der rhythmische Reiz der Modetänze lässt nicht kalt – ob mit Bravour quick gesteppt wird oder beim Tango die falsche Träne glitzert.

    (Werner Häußner, online-merker, zur Aufführung in Mainz)

    Zitat

    Charleston, Quickstep, Tango, Walzer und Jazz bilden, nebst ungarischem Kolorit, die musikalische Basis des jüdisch-ungarischen Komponisten Paul Abraham…

    Die musikalische Substanz der Nummern erreicht bestenfalls als Running Gag des als Filmproduzent köstlichen Philipp Maierhöfer eine gewisse Form von Ohrwurm-Qualität.

    (Peter P. Pachl, nmz zur konzertanten Aufführung in Berlin)

    Zitat

    Regisseur Huber hat nicht nur die Dialoge auf Hochglanz getrimmt, er hat auch zusätzliche Steppszenen eingebaut, die in dem Stück ohnehin eine wichtige Rollen spielen, und dafür gesorgt, dass die vom Komponisten nicht endgültig festgelegte Orchestrierung der oft jazzigen Musik eine Frischzellenkur bekommt.

    (Hannoversche Allgemeine zur Aufführung in Hannover)

    Es ist sicherlich richtig, dass die Operette, wenn man sie auf der Bühne erlebt, durch raffinierte Kulissen, quirlige Tanzeinlagen, lustige Dialoge etc. gewinnt. Andererseits kann man sich durch das reine Hören davon nicht blenden lassen und erkennt die wahre musikalische Substanz.


    Uwe

    Der "Gegenentwurf" zu Franz Lehár: Leo Fall - Es war einmal ein Musikus aus "Der liebe Augustin". Da kommt es ganz genau auf den Text an. Der zweideutigste Text den ich kenne. Textverständlichkeit konnte niemand besser als Franz Marszalek. Auch die Musik finde ich toll, genau auf den Text komponiert, eine große Stärke von Leo Fall.



    Uwe