Beiträge von Caruso41

    Lieber Helmut Hoffmann!

    Denn dieses Sich-Wiederfinden setzt ja ein Sich-Einfinden in das liedmusikalische Werk voraus, ein intensives Studium des Notentextes unter der Fragestellung: Wie setzte ich diese oder jene Passage so um, dass sich am Ende die Gesamtaussage des Liedtextes einstellt, das jeweilige liedmusikalische Wesen der Komposition vernehmlich wird? Denn nur so ist gewährleistet, dass das Detail der Interpretation sich nicht verselbständigt, sondern in einen funktionalen Bezug eingebunden bleibt, der auf diese Gesamtaussage ausgerichtet ist.

    Deine sehr kluge Bemerkung beschäftigt mich gerade besonders. Das Sich-Einfinden ist ganz sicher für die Interpretation von Lieder von ganz elementarer Bedeutung. Die Frage, die ich an Dich hätte, knüpft da an und schlägt den Bogen zurück zur Frage von Alfred. Ich beschäftige mich gerade mit einer Neudeutung der WINTERREISE durch den jungen kanadischen Bariton Philippe Sly, den ich vor einiger Zeit im NEUE STIMMEN-Thread vorgestellt habe, und der mich nun mit seiner WINTERREISE ganz eigenartig fasziniert. Entdeckungen: Neue Stimmen


    Es ist praktisch eine Cross-Over-Interpretation, die Schubert mit Klezmer-Musik zusammenbringt. Ich habe den Eindruck, dass der junge Bariton sich sehr tief in das Werk eingefunden hat und einen Weg sucht, sich dem Kern des Werkes neu zu nähern. Mit den Klezmer-Klängen wird eigentlich das Unbehauste des Wanderers sehr eindrücklich verdeutlicht und verstärkt.

    Aber: es ist und bleibt doch eine Verfremdung des liedmusikalischen Wesens der Schubertschen Komposition.

    Deshalb an Dich meine Frage: Ist diese Verfremdung legitim? Überzeugt Dich der Ansatz?


    Ich weiß nicht, ob Du diesen Post in dem alten Thread überhaupt finden wirst, wollte aber Deine Ausführungen zu SCHÖNEN MÜLLERIN, die ich gerne lesen und über die ich intensiv nachdenke, nicht stören.


    Herzliche Grüße


    Caruso41

    Die unvergesslichen Opernabende, die ich in der 80er Jahren unter anderen ihm verdanke, sind so zahlreich, dass ich gar nicht alle Stücke aufführen kann, in denen ich ihn auf der Bühne gehört habe, Partien wie dem des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut«, dem Manrico im »Troubadour«, dem Kalaf in »Turandot«, dem Nemorino in »Elisir d'amore«, dem Turiddu in »Cavalleria rusticana«, dem Canio im »Bajazzo«, dem Macduff in Verdis »Macbeth«, dem Herzog im »Rigoletto«, dem Cavaradossi in »Tosca« und dem italienischen Sänger im »Rosenkavalier« usw. Wenn er mal einen Abend frei hatte, sang er in Köln oder im benachbarten Lüttich (Opera de Wallonie)


    Janós B. Nagy hat es verdient, dass seine Gesamtaufnahmen hier wieder in den Blick gerückt werden!
    Viele werden sich an Aufführungen mit ihm ähnlich dankbar erinnern wie Harald Kral.


    Seine gesunde und gut geführte Stimme hatte kein sehr reiches Timbre. Er wusste das aber durch kultiviertes Singen und sorgfältige Gestaltung zu kompensieren. Imponierend war immer wieder seine mühelose, metallisch strahlende Höhe.

    Seine diversen Arienplatten zu hören, ist vielleicht etwas ermüdend. In den Gesamtaufnahmen kann er eher punkten!
    Harald Kral hatte ja einige davon schon eingestellt, aber die Links scheinen nicht mehr zu funktionieren!


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    Caruso41

    Lieber Otello50!

    Lieber Stimmenliebhaber!

    Habe ihn in Bonn auch gehört. Er war ein sehr verlässlicher, aber nicht herausragender Tenor. Sein Timbre hat mich nicht wirklich vom Stuhl gerissen.

    Ich habe Lamberti in den früheren Neunzigern auch noch an der Deutschen Oper Berlin erlebt (mehrfach Radames und auch 1x Kalaf) und kann dir in deiner Einschätzung nur beipflichten.


    Die von "Caruso41" verlinkte Aufnahme der "Lombarden" aus den frühen 80ern hatte ich mir 1988 vom Ungarn-Urlaub mitgebracht und da gefiel er mit wirklich gut - so gut, war er dann aber leider 1990/91 nicht mehr.

    Diese Einschätzungen des Tenors stimmen ja durchaus mit meiner schon vor fünf Jahren formulierten überein!

    Giorgio Lamberti war sicher ein sehr guter - wie man früher oft etwas despektierlich sagte - Gebrauchstenor!
    Seine Stimme und seine Gesangskunst waren gewiss nicht erstklassig.
    Aber: sein Engagement und sein unbedingter Wille zu einer überzeugenden dramatische Gestaltung haben immer sehr für ihn eingenommen!

    Allerdings gibt es einige Aufnahmen, die wirklich hörenswert sind.
    Neben den LOMBARDEN gilt das insbesondere für L'AFRICAINE und BELFAGOR.

    Leider singt er den ERNANI reichlich hemdsärmelig. Neben der Sass, damals noch in guter Form, hätte man sich einen anderen Tenor gewünscht.


    Beste Grüße


    Caruso41

    Er war mir auch immer lieber als sein Namensvetter Merighi. Ich habe ihn als Cavaradossi, Des Grieux, Radames, Manrico, Enzo, Arrigo (Bonn) und Chénier (Wien) gehört.


    Deshalb möchte ich noch einige seiner Aufnahmen ergänzen:


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    Obwohl Lamberti viel in Deutschland gesungen hat (Darauf hast Du ja noch mal hingewiesen), scheint er unter Opernaficionados weithin vergessen zu sein.

    Seine Aufnahmen verdienen allerdings mehr Aufmerksamkeit.


    Caruso41

    Lieber William! Vor zwei Jahren hatte ich Dich auf zwei ungarische Sänger hingewiesen, die auch am 9. Juli geboren sind: Erinnerungen an Verstorbene und Geburtstags-Glückwünsche an lebende Musiker, Buch II

    Leider hast Du sie nicht in Deine Liste aufgenommen. Es wären immerhin Sänger vor einiger Bedeutung.


    Vor erheblicher internationaler Bedeutung sind zwei andere, die offenbar in Deiner Liste fehlen Manfred Jung und Giorgio Lamberti!
    Deshalb hier die Daten für alle vier:

    János B. Nagy
    Geboren: 9.Juli 1940 in Pocsaj, Ungarn
    Gestorben: 22. Dezember 2007 In Budapest gestorben.

    Komlóssy Erzsébet (Ungarische Mezzosopranistin)
    Geboren: 9. Juli 1933, Salgótarján, Ungarn
    Gestorben: 22. April 2014, Budapest, Ungarn

    Manfred Jung (Deutsche Tenor)
    Geboren: 9. Juli 1940, Oberhausen
    Gestorben: 14. April 2017, Essen


    Giorgio Lamberti (Italienischer Tenor)
    Geboren: 9. Juli 1938, Adria, Italien


    Beste Grüße

    Caruso41

    Heute vor 5 Jahren ist der phantastische Jon Vickers in Ontario gestorben.

    Mir ist, als wäre es gestern gewesen! Der Schmerz über den Verlust ist noch tief.

    Gerade heute kommen viel Erinnerungen an unvergessliche Abende mit ihm.
    Die Aufnahmen, die er hinterlassen hat, geben nur ein graues Bild von dem Sängerdarsteller, den ich glücklicherweise in vielen seiner Partien hören konnte.

    Zu seiner Ehrung stelle ich eine Aufnahme ein, die nicht so bekannt ist. Es gibt ohne Zweifel Tenöre die das Improvviso "schöner" und vielleicht auch "besser" singen. Aber leidenschaftlicher und und mit größerer innerer Anteilnahme gesungen, kenne ich keine andere Aufnahme. Da erlebt man direkt, wie die revolutionäre Anklage aus dem jungen Poeten herausbricht!



    Eine Grenzüberschreitung! Wie in vielen seiner Interpretationen!

    Das macht ihn aufregend und einzigartig!


    Caruso41

    Angeblich gibt es Live-Mitschnitte der beiden Konzerte, die Lorin Maazel mit dem New Philharmonia Chorus and Orchestra (London) 1974 im Coliseu dos Recreios in Lissabon gab. Im Abstand von zwei Tagen wurdem dort die „Missa Solemnis“ von Ludwig van Beethoven (am 2. 3.) und das „Verdi-Requiem“ (4. 3.) aufgeführt, wobei die Solisten in beiden Werken gleich waren: Pilar Lorengar, Kerstin Meyer, Werner Hollweg und Hans Sotin.

    Lieber Carlo!


    Nach einem Verdi-Requiem mit Pilar Lorengar suche ich schon eine gefühlte Ewigkeit. Ich habe das Werk immerhin fünf mal mit Ihr live gehört. Aber die beiden Aufnahmen, die ich habe, sind technisch zu unbefriedigend, als dass ich sie wirklich hören mag.

    Deshalb meine Bitte: wenn Du da erfährst, wo ein Mitschnitt zu habe wäre, lass es mich bitte wissen.


    Liebe Grüße


    Caruso41

    Der Lettische Rundfunk (Latvia Radio Klasika) strahlt morgen (11.07.) ab 19.08 Uhr eine Aufnahme der 1977 uraufgeführten Oper "Speleju, dancoju" ("Ich spielte, ich tanzte") von Imants Kalninš aus dem Jahr 1981 mit Karlis Zarinš aus.

    Lieber Otello50!

    Das klingt je spannend! Recht herzlichen Dank für den Hinweis.


    Ich werde mal versuchen den Sender zu finden.

    Von Imants Kalninš kenne ich nur die Rock-Sinfonie. Ich habe sie mal unter Kristjan Järvi gehört und fand sie höchst eindrucksvoll. Irgendwie fühlte ich mich von den ständigen Wiederholungen der sehr eingängigen Motive und dem Sog der Rock-Rhythmen an Ravels Bolero erinnert. Dass dies eine Provokation der sowjetischen Kulturfunktionäre war, war mit Händen zu greifen. Ich bin gespannt auf eine Oper von ihm - zumal wenn Karlis Zarinš darin mitsingt!


    Beste Grüße

    Caruso41

    Heute ist ja der Geburtstag von einigen berühmten Sängerinnen und Sängern.

    Ich möchte mich darauf beschränken den ungarischen Tenor János B Nagy zu ehren.

    Er würde heute 80 Jahre alt. Er ist am 09. Juli 1940 in Pocsay geboren.

    János B.Nagy hat sehr regelmäßig an deutschen Opernbühnen gesungen. Ich habe ihn in Köln und Düsseldorf sowie in der Schweiz in Bern und Zürich gehört. Es gibt eine erstaunlich große Zahl von Operngesamtaufnahmen, in denen er eine der Hauptpartien singt. Mir fallen spontan ein:

    Boito NERONE

    Puccini IL TABARRO

    Respighi MARIA EGIZIACA

    Rossini MOSÈ IN EGIITO

    Szokolay SÀMSON

    Verdi ATTILA

    Verdi SIMON BOCCANEGRA

    Leider sind nicht mehr alle diese Aufnahmen im Handel.



    Aber er hat auch einige Arien-Sammlungen bei Hungaroton herausgebracht!

    Es gibt viele Videos bei Youtube, auf denen man die gesunde, metallisch strahlende, fabelhaft höhensichere Stimme hören kann.


    Caruso41


    PS.: Für der Vervollständigung der Listen von William gebe ich auch noch das Todesdatum.
    Janos B. Nagy ist am 22. Dezember 2007 In Budapest gestorben.

    Zu Philippe Sly (#512ff, 1143ff, 1162ff, 1186, 1196)


    Die Neudeutung von Schuberts Winterreise durch den kanadischen Bariton Philippe Sly beschäftigt weiterhin die Musikszene in Kanada und den USA. Die Cross-Over-Interpretation, die Schubert mit Klezmer-Musik zusammenbringt, ist im Rahmen von "Ludwig van" mit großer Resonanz schon Anfang des Jahres vorgestellt worden:


    https://www.ludwig-van.com/tor…ubert-klezmer-folk-twist/


    Jetzt stand die CD auf der Short-List für den kanadischen Schallplattenpreis CBCMusic JUNOS in der Kategorie Classical album of the year: vocal or choral. Sie hat den JUNOS 2020 zwar nicht gewonnen aber hat die meisten Stimmen hinter dem Ottawa Bach Choir (CD mit Händel, Bach und Schütz) erhalten.

    Die CD macht die Faszination der Interpretation hörbar:



    Caruso41

    Lieber Otello50!


    In den Zeiten in denen ich in München wohnte (Bundeswehr, Studium, erste Berufsjahre und dann noch mal für Archivaufenthalte) , habe ich meistens die Übertragungen der Münchner Sonntagskonzerte am Radio gehört. Mit Vergnügen gehört!

    Dann kam ich auf die Idee, ich sollte mal live dabei sein. Damals fanden die Konzerte im Kongresssaal des Deutschen Museums statt. Das war ein ein Saal, wo alles aufkommen konnte - nur keine Stimmung. Ich fand den Saal - und seine Akustik - einfach grässlich! Deshalb habe ich nach drei oder vier Sonntagen, meine Besuche wieder eingestellt. Am Radio war das Erleben einfach besser. An viele der Auftritte berühmter und weniger berühmter Sänger kann ich mich noch bestens erinnern.


    Wenn mehr aus der Schatztruhe herausgeholt und veröffentlicht würde, wäre das für die Melomanen ein schönes Geschenk. Man würde dann manch Aufnahme von Sängern bekommen können, die ansonsten kaum - oder nur mit einem anderen Repertoire - auf Schallplatten oder CDs zu hören sind!


    Beste Grüße

    Caruso41

    Lieber Carlo!

    die von Dir gezeigte „Don Giovanni“-Aufnahme – der Mitschnitt eines Live-Konzerts der RAI Rom vom 12. 5. 1970 - ist ja recht enttäuschend und alle vier der genannten Protagonisten sind in anderen Aufnahmen ihrer Partien eindrucksvoller zu hören, Alfredo Kraus z. B. in den Salzburger Mitschnitten von 1968 und 1969 unter Herbert von Karajan.

    Da bin ich ganz Deiner Meinung! Ich habe seinerzeit die Aufführung in Salzburg mit Kraus gehört. Auf CD konnte ich sie aber nicht finden. (Weil ich ein Cover der Salzburger Aufführung nicht einstellen konnte, habe ich die Aufnahme aus Rom eingestellt, die ich zwar mal gehört hatte aber die nicht in meiner Sammlung ist.) Zum Glück habe ich die Salzburger Aufführung auf reel-to-reel-Tape:

    Zitat von Caruso41

    Wolfgang Amadeus Mozart, Don Giovanni

    Don Giovanni: Nicolai Ghiaurov; Donna Anna: Gundula Janowitz; Donna Elvira: Teresa Zylis-Gara; Zerlina: Mirelli Freni; Don Ottavio: Alfredo Kraus; Masetto: Rolando Panerai; Leporello: Geraint Evans; Il Commendatore: Martti Talvela

    Salzburger Festspiele 26. Juli 1968 . Wiener Philharmoniker und Chor der Wiener Staatsoper, Herbert von Karajan.

    Auch ich bin im übrigen der Meinung, dass es einfach am genussvollsten ist, Alfredo Kraus mit Zarzuelas zu hören. Aber das hatte ich ja bereits geschrieben!


    Beste Grüße


    Caruso41

    Lieber Otello50!


    Es gibt ja erfreulicherweise schon einen Thread für Ermonela Jaho!

    m.joho hat ihn eröffnet, weil ich ihn dazu ermuntert habe, nachdem er wiederholt begeistert über diese großartige Sängerdarstellerin berichtet hatte. Leider fehlt aber ein Hinweis auf den Jaho-Thread im Tamino Themenverzeichnis - Berühmte Stimmen.

    Andere fehlen auch. Offensichtlich ist das Verzeichnis lange nicht mehr auf den aktuellen Stand gebracht worden.
    Über die Suchfunktion kann man die Beiträge zwar finden, die zu Ermonela Joho gepostet wurden. Man bekommt nur erst mal jede Menge Beiträge aus dem Inhaltsverzeichnis des Lieblings-Rolleninterpreten-Spiels.

    Deshalb empfehle ich den direkten Weg: Ermonela Jaho


    Viel Spaß beim Lesen!
    Vielleicht
    solltest Du wieder Deine Informationen, die Du hier eingestellt hast, dorthin kopieren!


    Beste Grüße

    Caruso41

    Lieber Otello50!


    Ich dachte schon, nun wäre niemand mehr im Forum, der Kārlis Zariņš kennt und schätzt.

    Die von Dir genannte Aufnahmen kenne ich leider nicht. Ich habe ihn allerdings in Riga live gehört - als Riccardo in BALLO IN MASCHERA.

    Es war schon eine Stimme, die sicher eine ganz große Karriere begründet hätte, wenn er nicht gezwungen gewesen wäre, auf Gastspiele im Westen weitgehend zu verzichten. Ihn hier ein wenig bekannt zu machen, ist mir ein echtes Anliegen.


    Könntest Du bitte Deinen hier in diesem Thread eingestellten Post in den Kārlis Zariņš-Thread kopieren?


    Ich habe ja auch andere Sänger aus den Ländern, die einst zum Ostblock gehörten, hier vorgestellt: Tenöre wie Kipras Petrauskas, Virgilius Noreika, Janis Zabers, oder Hendrik Krumm fallen mir spontan ein, und natürlich auch Zurab Sotkilava. Ich denke, dass ich auch noch einen Thread für Bogdan Paprocki und József Reti beginnen werde.


    Herzliche Grüße


    Caruso41



    Aber das hat nun alles nichts mehr mit Alfredo Kraus zu tun.

    Recht hast Du!

    Noch ist er nicht als Mozart-Sänger gerühmt worden. So sehr oft hat er dieses Fach auch nicht gesungen. Allein seine Aufnahmen des Ferrando und des Don Ottavio belegen allerdings, dass er Mozart stilsicher und geschmackvoll zu singen wusste - mit der ihm nun mal eigenen Eleganz:


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    Den Tamino hat er auch gesungen. Eine Aufführung scheint nicht dokumentiert zu sein.

    Immerhin gibt es die Bildnis-Arie:



    Beim Suchen der Tamino-Aufnahme, die ich von der CD kannte, im Internet stieß ich wieder auf das
    Nadir-Zurga-Duett aus LES PECHEURS DES PERLES mit Alfredo Kraus und Barry-McDaniel.
    Hinreißend!!!!!



    Beste Grüße


    Caruso41

    ich schaue mir grade den Livestream an, und die Inszenierung ist an Langeweile nicht zu überbieten und es findet meistens Rampensingen statt.

    so geht mir das mit den meisten Met-Inszenierungen, die in den letzten Wochen im Stream zu sehen waren, mit einigen wenigen Ausnahmen, die ich aufgezeichnet habe. So gut können die sängerischen Leistungen gar nicht sein, dass ich mir das anschaue.

    Lieber Rodolfo!

    Lieber Bertarido!


    Ich habe im Laufe der Jahre viele Aufführungen in der alten und in der neuen Met gesehen.
    Inszenierungen bekommt man da eigentlich nur ganz selten. Man bekommt Dekorationen (Meist spektakulär und entsprechend beklatscht), Kostüme (Sehr kostbar und sängerfreundlich) und lässt die Sänger möglichst in Ruhe singen. Natürlich an der Rampe. Das ist für die meisten Sänger die Bedingung, dass sie auch wirklich im ganzen Zuschauerraum gehört werden.

    Mich hat das eigentlich nie wirklich gestört. Auf den Plätzen, die ich mir leisten kann, ist man ja weit weg von der Bühne und würde von einer Personenregie sowieso herzlich wenig mitbekommen.

    Das Problem sind also eher die Fernseh-Aufzeichnungen. Da wird dann bloßgestellt, was eigentlich gar nicht stattfindet - die Inszenierung. Deshalb sehe ich mir Übertragungen im Fernsehen oder DVD einfach nicht an. An Hörfunkübertragungen oder CD-Mitschnitten habe ich entschieden mehr Vergnügen!


    Beste Grüße


    Caruso41

    Der charismatische Bass-Bariton Tom Krause ist am 5. Juli 1934 in Helsinki geboren. Ich habe ihn oft in Berlin und Hamburg hören können. Unvergessen ist mir sein Orest neben der Elektra von Gladys Kuchta. Davon gibt es leider keine Aufnahmen. Zwar gibt es das Erkennungs-Duett mit diversen Sopranen. Aber die Aufnahmen sind alle 20 oder mehr Jahre später entstanden. Sie zweigen nicht mehr den charismatischen Königssohn den ich erlebt habe. Deshalb bleibe ich bei Webers EURYANTHE! Das scheint mir auch eine treffliche Ehrung, denn den Lysiart hat er in verschiedenen Produktionen gesungen.


    Lieber Antalvin

    In den letzten 50 Jahren war es leider so, daß berühmte Tenöre über lyrische italienische und französische Partien, Edgardo, Nemorino, Alfredo Germont, Herzog von Mantua, Faust, Romeo, Chevalier des Grieux, Werther, den dramatischen Mantel des Verismo stülpten und ihnen dadurch den Charakter raubten. Alfredo Kraus gab diesen Partien ihre Aura und Würde zurück, durch seine stupende Technik und Sangeskunst.

    Das ist sehr treffend gesagt! Ich kann das nur nachdrücklich unterschreiben.

    Wie sehr er noch in fortgeschrittenem Alter mit seinen technischen und stilistischen Möglichkeiten über deutlich jüngeren Kollegen stand, zeigt seine Studioaufnahme von La Traviata von 1992: Kraus wurde, mit immerhin 65, als Juwel des Ensembles bezeichnet....


    1994 hat er eine bemerkenswerte Arien-Sammlung aufgenommen. Damals war er immerhin 67 Jahre alt. Das hört man den Aufnahmen wirklich nicht an. Natürlich ist der feine silbrige Schmelz seines Timbres nicht mehr da, aber die Stimme ist bis in die exponierten Spitzentöne voll intakt! In diesen Aufnahmen kann man seine singuläre Technik, sein feines Stilempfinden und die Noblesse seiner Phrasierung und Gestaltung besonders trefflich erleben!



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    Beste Grüße


    Caruso41

    Lieber Nemorino!

    Albanese war sicher ein guter Tenor, aber er hat nie zur Weltklasse gezählt und ist über Italien hinaus kaum bekannt geworden. Wenn es nicht die wenigen Platten mit Callas gäbe, wäre er inzwischen so gut wie vergessen.

    Das kann ich nur unterstreichen.

    In etwa habe ich mich auch dahingehend geäußert:

    Francesco Albanese ist sicher durch die Aufnahmen, in denen er neben der Maria Callas singt, unsterblich.

    Allerdings war er kein Partner auf Augenhöhe. Live habe ich ihn nie gehört. Seine Aufnahmen haben mich meist nicht wirklich überzeugt. Das Timbre empfinde ich trocken und wenig reizvoll. Jedoch will ich ihm nicht absprechen, dass er stets gut phrasiert und bemüht ist, mit einer gewissen Sensibilität den Sinngehalt der Phrasen aufzuspüren. Das gelingt ihm bei Verdi besser als bei Gluck. Bei Rossini ist er schlichtweg technisch überfordert.

    Wirklich erstaunlich finde ich, dass er hier eine so starke Aufmerksamkeit findet.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Ich will nun - nach einigem Zögern - einen eigenen Thread für diese Sängerin eröffnen.


    Gezögert habe ich aus verschiedenen Gründen.


    Einmal vielleicht einfach, weil ich so respektlose Reaktionen, wie die von Stimmenliebhaber schon erwartet hatte. Offenbar scheiden sich an Petra Lang die Geister. Sie ist zwar längst eine feste Größe, wenn es gilt, eine hochdramatische Sopranpartie für Wagner zu besetzen. Andererseits sind für die Wagner-Fans und Melomanen die Schatten von Mödl, Varnay, Nilsson, Ligendza so groß. dass sie dagegen kaum eine Chance hat. Es fällt schwer, die Leistungen der Petra Lang einigermaßen unvoreingenommen wahrzunehmen und zu beurteilen. Ich muss gestehen: diese Schwierigkeiten habe ich auch.


    Das bringt mich zu dem eigentlichen Grund meines Zögerns:

    Ich habe Petra Lang in den großen Sopran-Partien, in denen sie heute an den renommierten Bühnen reüssiert, nicht gehört.


    In der Zeit, als Petra Lang noch im Mezzosopran-Fach sang, habe ich sie allerdings relativ oft gehört. Vor allem als Cherubin, Octavian und Brangäne, aber auch im Konzert mit Wagners Wesendonck-Lieder, Zemlinskis Maeterlinck-Gesängen und als Waldtaube in Schönbergs Gurre-Liedern. Das ist allerdings schon einige Zeit her.

    Damals hat mir die Stimme ausnehmend gut gefallen. Sie klang für einen Mezzosopran recht hell, aber rund und voll, war weich und changierte in satten Farben. Imponieren die freie unangestrengte Höhe.


    Den Wechsel ins Sopranfach hat sie offensichtlich wohlüberlegt betrieben. So ganz ohne eine Verringerung an Geschmeidigkeit und einen stimmlichen Farbverlust scheint das dennoch nicht abgegangen sein. Das gleicht sie allerdings durch eine plastische Wortbehandlung und expressive Diktion aus. Zumindest hatte ich den Eindruck bei einer der wenigen Aufführungen, die ich in den letzten Jahren von ihr live gehört habe:


    Das war die Ortrud in einer konzertanten Aufführung des LOHENGRIN unter Semjon Bychkov in Köln (2008 - die Elsa hatte Schwanewilms singen sollen, für sie war aber kurzfristig Marion Amman eingesprungen, außerdem sangen Johan Botha, Falk Struckmann, Eike-Wilm Schulte und eben Petra Lang) .
    Sie realisierte die Partie packend, allerdings für meinen Geschmack etwas zu vordergründig theatralisch. Ich vermisste die Vornehmheit und den Adel der Figur. Aber auch ihr Sarkasmus und ihre Bosheit gingen nicht unter die Haut. Bei der Götteranrufung und im „Fahr heim!“ klangen einzelne Töne leider deutlich forciert. Die Erinnerung an eine Christa Ludwig, Irene Dalis, Waltraut Meier oder auch Eva Randová konnte sie nicht verdrängen. Aber bitte: das war eine konzertante Aufführung der Partie, die sie gerade erst übernommen hatte. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich die Partie mehr zu Eigen gemacht hat. Zumindest, was Orfeo oben geschrieben hat, deutet ja darauf hin.


    Von ihrer Isolde, ihrer Kundry und ihren Brünnhilden will ich erst mal nichts sagen, da ich sie nicht 'in the flesh' erlebt habe, sondern nur von Mitschnitten und Aufnahmen kenne.


    Vielleicht kommt es ja zu einem weiteren Austausch über Petra Lang. Dann kann ich auch gern noch auf ihre CD-Aufnahmen eingehen. Es sind schon eine paar herausragende dabei.


    Beste Grüße


    Caruso41

    Petra Lang

    Petra Lang ist heute sicher eine der führenden Sängerinnen im deutschen Fach!

    Zunächst sang sie Mezzosopran-Partien, inzwischen hat sie den Wechsel zu Sopran-Partien vollzogen!

    Ihre Domaine ist das Hochdramatische Fach. Partien wie Kundry, Ortrud, Isolde und Brünnhilde singt sie nahezu allüberall!


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    Hier im Forum wird des öfteren über ihre Aufführungen berichtet – und durchaus positiv. In den Listen der Lieblings-Rolleninterpreten taucht ihr Name merkwürdigerweise jedoch kaum auf.
    Ich will nun - nach einigem Zögern - einen eigenen Thread für diese Sängerin eröffnen. Vielleicht ist es ja an der Zeit, einen Austausch über Petra Lang, ihre Stimme, ihren Gesang und ihre Darstellungen der großen hochdramatischen Partien in Gang zu bringen.


    Zunächst ein paar Bemerkungen zur Biografie.

    Geboren in Frankfurt am Main, studierte sie - nach einem abgeschlossenem Violin-Studium - Gesang bei Gertie Charlent an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt und am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz, wobei sie gleichzeitig die Opernschule bei Harro Dicks besuchte. Nach Beendigung des Studiums wurde Petra Lang 1989 nach einem Vorsingen zu einem Meisterkurs bei Ingrid Bjoner sofort ans Opernstudio der Bayerischen Staatsoper in München verpflichtet. Mit Ingrid Bjoner studierte sie bis 2006. Sie besuchte Meisterkurse bei Judith Beckmann, Brigitte Fassbaender, Hans Hotter, Dietrich Fischer- Dieskau, Peter Schreier und studierte ihre Wagner Partien auch mit Astrid Varnay und arbeitete mit dem italienischen Tenor Angelo Loforese.

    1990 wechselte sie ans Theater Basel, sang 1991 an den Städtischen Bühnen Nürnberg und 1992-1995 am Theater Dortmund. Hier konnte sie sich zahlreiche Partien des lyrischen Mezzorepertoires erarbeiten.

    In der Spielzeit 1994/95 wandte sie sich dem Werk Richard Wagners zu und sang ihre erste Waltraute (GÖTTERDÄMMERUNG) und Fricka (DAS RHEINGOLD, DIE WALKÜRE) im Dortmunder Ring-Zyklus.
    Unter der Operndirektion von Brigitte Fassbaender fügte sie am Staatstheater Braunschweig 1995-1997 die Brangäne (TRISTAN UND ISOLDE), Judith (HERZOG BLAUBARTS BURG), Marie (WOZZECK) und Eboli (DON CARLO) ihrem Repertoire hinzu.

    Danach entschied sich Petra Lang freischaffend tätig zu sein und singt seitdem an den großen Bühnen dieser Welt:

    • Royal Opera House London (Brangäne, Waltraute, Kundry, Ortrud, Ariadne, Judit, Fremde Fürstin),
    • De Nederlandse Opera Amsterdam (Brangäne, Cassandre, Venus, Kundry),
    • Bayerische Staatsoper München (Brangäne, Venus, Sieglinde, Kundry, Brünnhilde, Ortrud, Isolde),
    • Deutsche Oper Berlin (Waltraute, Brangäne, Venus, Sieglinde, Cassandre, Ortrud),
    • Semperoper Dresden (Brangäne, Kundry, Ariadne, Sieglinde, Brünnhilde),
    • Hamburgische Staatsoper (Waltraute, Kundry),
    • Wiener Staatsoper (Fricka, Waltraute, Brangäne, Kundry, Ortrud, Isolde, Sieglinde - nur beim beim Tokyo Gastpiel -, Brünnhilde),
    • Grand Théâtre de Genève (Amneris, Kundry, Judith, Ortrud, Brünnhilde),
    • Opernhaus Zürich (Sieglinde, Ortrud)
    • Budapest (Ortrud, Kundry, Brünnhilde),
    • San Francisco Opera (Venus, Ortrud).

    Bei den Bayreuther Festspielen sang Petra Lang die Brangäne in TRISTAN UND ISOLDE (2005/2006) und die Ortrud im LOHENGRIN von Hans Neuenfels 2011/2013/2014/2015. Nach ihrem Wechsel ins Sopranfach kam die Isolde in TRISTAN UND ISOLDE (2016/2017/2018/2019) hinzu. In diesem Jahr hätte sie die Brünnhilde in DIE WALKÜRE singen sollen.

    Neben ihren Erfolgen auf den Opernbühnen ist sie eine international gefragte Konzertsängerin, die vor allem für ihre sensible Interpretation der Werke Gustav Mahlers bekannt ist. Auf dem Konzertpodium singt Petra Lang ferner Wagners Wesendonck-Lieder, Berlioz’ Les nuits d’été, Bergs Sieben frühe Lieder und die Wozzeck Fragmente, Schönbergs Lieder op.8 und die Waldtaube in den Gurreliedern, Zemlinskys Maeterlinck Gesänge, Sibelius, Duparc, Lalo, Strauss Orchester Lieder, Beethovens IX.Symphonie und die Missa Solemnis.

    Sie tritt weltweit mit vielen bedeutenden Orchestern auf und singt u.a. unter der Leitung von Claudio Abbado, Alain Altinoglu, Pierre Boulez, Christian Badea, Semyon Bychkov, Riccardo Chailly, M. W. Chung, Andrew Davis, Colin Davis, Christoph von Dohnany, Charles Dutoit, Christoph Eschenbach, Adam Fischer, Ivan Fischer, Mikko Franck, Bernhard Haitink, Marek Janowsky, Armin Jordan, Philip Jordan, Zubin Metha, Ingo Metzmacher, Riccardo Muti, Kent Nagano, Andris Nelsons, Yannick Nézet-Séguin, Jonathan Nott, Kirill Petrenko, Jukka Pekka Saraste, Wolfgang Sawallisch, Leif Segerstam, Simon Rattle, Donald Runnicles, Peter Schneider, Jeffrey Tate, Christian Thielemann, Silvio Varviso, Simone Young.

    Inzwischen hat sie unter anderem folgende CDs vorgelegt:

    • 1992 Bach.Kantaten unter John Eliot Gardiner (DGG)
    • 1993 Mozart: Cherubin in NOZZE DI FIGARO unter Harnoncourt (Teldec)
    • 1995 Bruckner.Te Deum unter Zu Guttenberg (Sony)
    • 1998 Mahler: 2.Sinfonie unter Litton (delos)
    • 1999 Rossini: Stabat Mater unter Marrcus Creed (harmonia mundi)
    • 1999 Beethoven: 9. Sinfonie inter Herrewege (harmonia mundi)
    • 2001 Berlioz: Cassandre in LES TROYENS unter Colin Davis (LSO)
    • 2002 Mahler: 2.Sinfonie unter Chailly (Decca)
    • 2003 Mahler: 3.Sinfonie unter Chailly (Decca)
    • 2004 Wagner: Brangäne in TRISTAN UND ISOLDE unter Thielemann (DG)
    • 2009 Wagner: Ortrud in LOHENGRIN unter Bychkov (Hännsler)
    • 2009 Beethoven: 9.Sinfonie unter Paavo Järvi (RCA)
    • 2011 Wagner: Waltraute in GÖTTERDÄMMERUNG unter Simone Young (Oehms)
    • 2011 Wagner: Ortrud in LOHENGRIN unter Andris Nelsons (Opus Arte)
    • 2012 Mahler: 8. Sinfonie unter Marcus Stenz (Oehms)
    • 2013 Wagner: Brünnhildes Schlußgesang unter Ivan Fischer (Channel)
    • 2013 Wagner: Brünnhilde in DIE WALKÜRE unter Janowski (Pentatone)
    • 2014 Zemlinsky: Maeterlink-Lieder unter Vladimir Jurowski (LPO)
    • 2013 Wagner: Brünnhilde in GÖTTERDÄMMERUNG unter Janowski (Pentatone)
    • 2016 Wagner: Brünnhilde in DIE WALKÜRE unter Jaap van Zweeden (Naxos)

    Eine Auflistung der DVDs überlasse ich gerne Jemandem, der sich besser mit diesem Medium auskennt.

    Ich verzichte erst mal darauf, meine eigenen Eindrücke von Petra Lang mitzuteilen.
    Das kann ich ja immer noch zu einem späteren Zeitpunkt.


    Damit man aber Petra Lang auch hören kann, stelle ich noch ein Video ein.

    Petra lang singt das Lied der Waldtaube aus Schönbergs GURRE-LIEDER unter Pierre Boulez





    Caruso41

    Zu Alejandro Larraga Schleske (Vorgestellt von Operus in Beitrag #859, 860f, 865)

    Zu Juliane Bookhagen (Vorgestellt von La Roche in Beitrag #986f)


    Lieber La Roche!

    … sind neue und hoffnungsvolle Stimmen an den von mir bevorzugten Theatern und Inszenierungen nicht zu erwarten. So ist der hoffnungsvolle Alejandro Larraga Schleske noch immer in Gera, ohne darüber hinaus größeres Aufsehen erregt zu haben. Gespannt kann man sein auf Isaac Lee, der jetzt in Gera engagiert ist, und auf Juliane Bookhagen, die mir musikalisch als Niclas in Hoffmanns Erzählungen als einzige den ansonsten mißratenen Abend versüßte

    Dass beide noch in Gera engagiert sind, sollte Dich nicht grämen.
    Baritone und Mezzosopranistinnen sind nicht so gejagt wie Soprane und Tenöre. Das muss kein Nachteil sein. Die Stimmen brauchen ja schließlich Zeit, sich zu entwickeln, und den Künstlern tut es auch gut, wenn Sie Gelegenheit haben, sich auszuprobieren und zu reifen.


    Beste Grüße


    Caruso41

    Am 1. Juli 1891 ist Benvenuto Franci geboren. Er hatte eine der mächtigsten Baritonstimmen im italienischen Fach.
    Die Aufnahmen von Opern-Duetten, die er zusammen mit Aureliano Pertile gemacht hat, gehören für viele Melomanen zu den leidenschaftlichsten und blutvollsten Gesangsaufnahmen.

    Ich möchte ihn mit "Invano Alvaro" ehren:



    Lieber Greghauser!


    An Aufnahmen von Francesco Albanese gibt es eigentlich keinen Mangel

    Einige Kanzonen und Lieder sind in einer Edition mit 3 CDs veröffentlicht, die aber wohl nicht mehr greifbar ist.


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    Arien und Duette gibt es auch:


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    Dann sollten noch die Gesamtaufnehmen erwähnt werden:


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    Francesco Albanese ist sicher durch die Aufnahmen, in denen er neben der Maria Callas singt, unsterblich.

    Allerdings war er kein Partner auf Augenhöhe. Live habe ich ihn nie gehört. Seine Aufnahmen haben mich meist nicht wirklich überzeugt. Das Timbre empfinde ich trocken und wenig reizvoll. Jedoch will ich ihm nicht absprechen, dass er stets gut phrasiert und bemüht ist, mit einer gewissen Sensibilität den Sinngehalt der Phrasen aufzuspüren. Das gelingt ihm bei Verdi besser als bei Gluck. Bei Rossini ist er schlichtweg technisch überfordert.


    Beste Grüße


    Caruso41


    P.S. für Greghauser2002

    Hast Du gesehen, dass ich gestern einen österreichischen Tenor in der "Sängerischen Ehrenchronik" gewürdigt habe?

    Sängerische Ehrentagschronik

    Lieber Hans!

    … in der Arabella an der Semperoper gehört. Die Oper hat Längen, gefährliche Längen ...

    Das trifft!
    Gefühlt ist ARABELLA eine der aller längsten Opern!

    Ich war schon seit einer Ewigkeit mehr drin, begnüge mich inzwischen mit den zwei Duetten.

    … aber Fr. Konradi hat gefallen.

    Es freut mich zu hören, dass Du an ihrer Zdenka Gefallen gefunden hast!


    Beste Grüße


    Caruso41

    Heute möchte ich einen Tenor ehren, der zwar nicht die ganz große Karriere gemacht hat, dessen Geschichte ich aber bemerkenswert finde: Zum einen bezeugt sie eine enge Verbindung zwischen dem Sänger und der Stadt, in der er viele Jahre lang wirkte. Zum anderen steht das Schicksal dieses Künstlers beispielhaft für viele jüdische Künstler im 20. Jahrhundert. Der Tenor heißt Paul Schwarz.


    Paul Schwarz ist am 30. Juni 1887 in Wien geboren. Dort studierte er auch am Konservatorium Gesang. Nach kurzen Engagements in Bielitz, an der Volksoper Wien und am Stadttheater Zürich kam er 1912 nach Hamburg. Hier wurde er Ensemblemitglied der Städtischen Oper.

    In mehr als 4.000 Aufführungen stand Paul Schwarz auf der Bühne und sang in über 140 Rollen, mehrheitlich als Tenorbuffo, aber er wurde auch als Erik, Max, Turridu und Manrico eingesetzt. Er war geschätzt für seine Vielseitigkeit und Zuverlässigkeit. Das Publikum liebte ihn.


    Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde ihm kein Vertrag mehr angeboten. Er musste sich darauf beschränken, in Veranstaltungen mitzuwirken, die vom „Kulturbund Deutscher Juden“ organisiert wurden. Da er zunächst noch einen österreichischen Pass besaß, konnte er noch einzelne Gastspiele im Ausland annehmen. Mit dem Anschluss Österreichs entfiel jedoch diese Möglichkeit.
    Als das generelle Auftrittsverbot für Jüdische Künstler konsequent durchgesetzt wurde, hat er in einer Tischlerei schwerste Arbeiten verrichten müssen. Vor einer Deportation blieb er bewahrt – vielleicht, weil er früh schon zu Katholizismus übergetreten war, vielleicht auch, weil er mit einer ‚Arierin’ verheiratet war.
    Nach dem Krieg arbeitete er kurze Zeit beim Berliner Rundfunk als Sachbearbeitet, Conférencier und Sprecher. 1948 kehrte er aber in seine Wahlheimat Hamburg zurück. Hin und wieder wurde er auch von der Oper noch für die eine oder andere kleine Rollen verpflichtet. Zu seinen 75. Geburtstag verlieh ihm die Hansestadt Hamburg die Johannes-Brahms-Medaille.

    Er ist auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt:


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    _______


    Sophie Fetthauer: Paul Schwarz.
    In: Claudia Maurer Zenck, Peter Petersen (Hrsg.): Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen in der NS-Zeit.
    Hamburg 2006.


    Hannes Heer, Jürgen Kesting, Peter Schmidt (Hrsg.):

    Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der „Juden“ aus der Oper 1933 bis 1945.
    4CD-Set und Buch.
    Axel Springer AG, Hamburg, 2006,


    Stefan Wulf: Jüdische Künstler an der Hamburger Oper.

    In: Arno Herzig, Saskia Rohde (Hrsg.): Die Juden in Hamburg 1590-1990.
    Wissenschaftliche Beiträge der Universität Hamburg zur Ausstellung „Vierhundert Jahre Juden in Hamburg“. S. 311-321. Dölling & Galitz,
    Hamburg 1991.