Beiträge von Caruso41

    Lieber Caruso,


    danke für deine Erinnerung an Leonid Sobinov. Für mich weisen seine Stimme und seine Art zu singen frappierende Ähnlichkeit zu jener von Sergei Lemeshev auf, den ich vor etlichen Jahren recht genau studiert habe. Dieser hat sich offenbar viele der Aufnahmen von Sobinov angehört.

    Lieber Greghauser!

    Es freut mich, dass Dich meine Erinnerung an Sobinov angeregt hat, über seine Stellung im Kosmos russischer Tenöre nachzudenken.

    Ganz sicher hat Lemeshev das große Vorbild vieler russischen Tenöre sehr genau studiert. Beide, Sobinov und Lemeschev, waren ja gewissermaßen elegisch gestimmt und ihnen waren vokale Finessen und lyrische Klangwirkungen wichtig. Dem von Europa ausgehenden Trend zu einem expressiven dramatischen Singen mochten sie nicht folgen.

    Ein Vergleich lohnt! Dafür bietet sich unter anderem Levkos herrliches Lied an:




    Aber das ist dafür natürlich der ungeeignete Thread.
    Vielleicht magst Du mal einen Thread für Sobinov eröffnen? Da könnten wir dann dem Vergleich weiter nachgehen.


    Beste Grüße

    Caruso41

    1872 – 149. Geburtstag von Leonid Sobinow (Sänger)

    Leonid Witaljewitsch Sobinow (* 26. Mai nach dem julianischen bzw. 7. Juni 1872 nach dem gregorianischen Kaslender in Jaroslawl; † 14. Oktober 1934 in Riga) hat bisher keinen eigenen Thread in unserem Forum.


    An Erwähnungen fehlt es allerdings nicht. Bei der Suche nach Idealinterpreten für lyrische Partien oder nach der besten Aufnahme der einen oder anderen lyrischen Opern-Arie wurde meist auch sein Name genannt. Damit sind wir in bester Gesellschaft: Arthur Nikisch sagte seiner Zeit, dass er „niemals einen göttlicheren Lohengrin gehört“ habe.


    Seine Aufnahmen von 1910 und 1912 beweist es. Aber auch im französischen, italienischen und natürlich slawischen Fach hat er hervorragende Aufnahmen eingespielt. Er war noch in der Tradition des Belcanto geschult und konnte seine schöne Stimme wunderbar fließen lassen. Das Besondere seines Singens war die Fähigkeit Töne und Gesangslinien zu modellieren und eine eigene Farbe zu geben.

    Es gibt viele Aufnahmen von ihm. Ich wähle einige aus, um damit an diesen bedeutenden Tenor und seine Gesangskunst zu erinnern.

    Wer nicht genau weiß, was es mit der Kunst des Belcanto auf sich hat, bekommt hier eine Demonstration von einem der hervorragendsten Belcantisten:








    …. und schließlich noch meine Lieblingsaufnahme von Sobinov



    Caruso41

    Ich fand die Interpretation bis auf einige wunderbare Details - beispielsweiße zu Beginn der Arie des Ännchen vom schlanken Burschen sowie alle Cello-Passagen - insgesamt etwas kraftlos und zu leichtfüßig. Liegt es daran, dass das Orchester auf Originalinstrumenten spielt? Ich weiß darüber viel zu wenig. Man muss schon vergessen, was man an Freischützen so verinnerlicht hat, um Gefallen daran zu finden.*

    *Hervorhebung von Caruso41

    Ja, lieber Rheingold, das mag richtig sein. Aber auf die Freischütz-Kenner in unseren Breiten zielt die Veröffentlichung offenbar auch nicht.


    Ich habe ja viel Freunde in den USA und in GB, die ich als wirklich kundige Opern-kenner und -liebhaber sehr schätze, aber mit Webers Freischütz kann keiner von ihnen etwas anfangen. Die beiden Solo-Szenen der Agathe kennen sie alle, und ich habe den Eindruck, dass sie die auch lieben. Manche auch die Max-Arie. Aber da ist denn auch schon Schluss. Warum hat es Weber und vor allem der Freischütz außerhalb des deutschen Sprachraumes so schwer? Ich weiß es nicht, aber zu einem guten Teil hängt es vielleicht auch mit all dem hierzulande "Verinnerlichten" zusammen, das man - wie Du sagst - vergessen muss, um Gefallen an der Aufnahme von Laurence Equilbey zu finden.


    Nur eine Beobachtung: In der MET ist der Freischütz ausgesprochen selten gespielt worden, in 120 Jahren gerade mal 30 mal! Ich habe eine der Aufführungen 1972 live gehört - mit Lorengar, Mathis, Konya und Feldhoff. Das Haus war ziemlich schütter besetzt. Das kam damals schon sehr selten vor.

    Die Ouvertüre und die erwähnten Agathe-Soli sind aber in etlichen Gala-Konzerten gegeben worden.

    Der Max ist für mich immer die Probe aufs Exempel im "Freischütz". Barbeyrac ist da wirklich eine Entdeckung. Er sollte aber intensiv an der Aussprache arbeiten. Die fand ich zwar ganz gut aber noch nicht gut genug.

    Ich denke nicht, dass er die Partie öfter singen wird. Ich werde ihn im Oktober in Paris als Pelleas unter Francois-Xavier Roth hören und hoffe, dass ich ihn auch 2022 als Licinius und Spontinis VESTALE hören kann. Bisher habe ich ihn nur als Hylas live gehört.

    Obwohl ich auf Stanislas de Barbeyrac im NEUE-STIMMEN-Thread immer wieder hingewiesen habe, eine ordentliche Vorstellung dieses vielversprechenden Tenors habe ich nicht gemacht. Ich wollte abwarten, bis ich ihn in einer größere Partie live gehört habe. Dann kam die Vereisung der Opernszene durch die Corona-Maßnahmen. Zu Glucks ALCESTE im letzten Jahr konnte ich nicht nach München reisen. Er hat aber - soviel ich weiß - auch nicht nach München reisen können. .... ....



    Liebe Grüße

    Caruso41

    Wer nicht in den Kisten mit Aufnahmen kramen will, die selbst schon historisch sind, kann zu der neuen Aufnahme der Dirigentin Laurence Equilbey greifen. Es handelt sich leider nicht um eine komplette Aufnahme der ganze Oper, sondern nur um die "Höhepunkte" und nennt sich etwas sonderbar "THE FREISCHÜTZ PROJECT". Man bekommt eine CD mit den Tonaufnahmen (79 Minuten). und eine DVD mit Szenen einer Inszenierung des Theatre de Champs-Elysees (die habe ich noch nicht angesehen).


    Auf jeden Fall ist die CD mit den Tonaufnahmen echt eine Bereicherung des Angebots. Das ist an erster Stelle der engagierten Dirigentin und ihrem - auf historischen Instrumenten musizierenden - Insula-Orchester zu danken. Selten klang die Musik Webers so frisch, transparent und lebendig. Zudem sind die Hauptrollen eindrucksvoll gesungen. Vor allem der Senkrechtstarter Stanislas de Barbeyrac ist ein Tenor, der den lyrischen Anforderungen der Partie genau so gerecht wird wie der heroischen. Seine Gestaltung des Max finde ich überzeugender als die von Schager, O'Neill, Wottrich, König und anderen, die dafür zuletzt aufgeboten wurden. Johanni van Oostrum singt die beiden Soli der Agathe mit einem schönen fülligen Sopran und begeistert auch mit einem langen Atem und sinnfälliger Phrasierung. Man vermisst allenfalls den gewohnten deutschen Ton und innigem Ausdruck. Aber glaubhaft und berührend ist ihre Förster-Tochter gleichwohl. Vladimir Baykov fehlt leider die dunkle Farbe und Dämonie für den Kaspar. Dafür imponiert Christian Immler mit einem warmherzigen Eremiten!



    Caruso41

    1939 – 82. Geburtstag von Jaume Aragall (Sänger)

    Jaume Aragall i Garriga alias Giacomo Aragall hatte in seinen jungen Jahren eine der klangschönsten Tenorstimmen, die ich live gehört habe. Sein Reichtum an Farben und die Mühelosigkeit seines Singens waren einfach überwältigend.


    Meiner Meinung nach war Aragall in den 60er und 70er Jahren der Tenor mit der prächtigsten Stimme und dem elegantesten Legato. Ihm verdanke ich wunderbare Aufführungen, vor allem im italienischen Fach (Alfred, Duca, Gabriele, Riccardo, Rodolfo, Cavaradossi).


    Damals sangen an der Deutschen Oper Berlin in dem gleichen Fach unter anderem noch Renato Cioni, Carlos Cossutta und Franco Tagliavini. In der einen oder anderen Partien haben mich deren Gesangsleistungen und Rollenportraits mehr überzeugt. Trotzdem muss ich sagen, die Schönheit der Stimme von Aragall war für mich immer wieder Grund genug, seine Aufführungen zu besuchen! Ich habe es nie bereut.

    Leider waren der Schmelz und das wunderbare Timbre bereits in den 80erJahren arg lädiert. Dann begann auch schon bald die Zeit, in der er sich einige Unarten angewöhnt hat. Da bin ich ihm dann eher aus dem Weg gegangen, um die schöne Erinnerung nicht trüben.

    Zum Glück hat er in seiner guten Zeit vorzügliche Aufnahmen gemacht, die teilweise ja in dem Thread, den er hier im Forum hat, aufgelistet wurden. Das muss hier nicht wiederholt werden.


    Erstmals – und dann noch sehr oft – habe ich Aragall als Alfred in der Premiere von LA TRAVIATA unter Lorin Maazel gehört. Davon gibt es keinen Mitschnitt, aber eine Studioaufnahme mit Pilar Lorengar (Die in der Premiere nicht eingesetzt werden konnte, da sie zu der Zeit durch einen Vertrag an der MET unabkömmlich war).



    Unvergesslich etwa auch sein FAUST.

    Deshalb will ich ihn zu seinem Geburtstag auch mit der Cavatine des Faust ehren:



    ….und drittens mit einem Ausschnitt aus dem Liebesduett aus ESCLARMONDE von Massenet (ich habe Aragall und Sutherland 1974 in San Francisco live in der Oper hören können, stelle hier aber die Studioaufnahme ein):



    Auch sein Edgardo war unvergesslich. Da wird man daran erinnert, dass die Oper nicht in erster Linie als Vehikel für Primadonnen konzipiert war, sondern für Tenöre!



    Caruso41

    Man hätte sich in der Gesamteinspielung vielleicht andere Solisten gewünscht.

    In den sechziger Jahren wäre es durchaus schwer gefallen, passende Sänger zu finden, die mit der französischen Sprache und dem französischen Gesangsstil wirklich vertraut waren. Besser eine Gesamtaufnahme mit Freni und Corelli als gar keine. An dem Gesang der beiden kann man sich ja durchaus erfreuen. Allerdings klingt es eher nach Mascagni oder Zandonai.


    Corelli habe ich sogar live als Romeo gehört: 1967 mit der wunderbaren griechischen Sopranistin Jeanette Pilou als Juliette. Sie war gerade im französischen Fach ganz vorzüglich und Corellis Machismo-Singen passt nicht recht dazu. Es spricht sehr für Corelli, dass er dass wohl bemerkte und im Laufe des Abends differenzierter und sensibler sang.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Lieber Caruso, damit hast Du indirekt einen nicht unwichtigen Sachverhalt angesprochen. Was Dir bekannt vorkommt, muss es anderen nicht. Deshalb müssen wohl viele Dinge immer wieder mal neu erzählt bzw. wiederholt werden......

    Ja, lieber Rheingold, da Du hast natürlich Recht!

    Wer wird sich wohl noch daran erinnern, was mal im ABEND gestanden hat? Diese Zeitung gibt es seit vierzig Jahren (!) nicht mehr.

    Das war eine Zeitung, die ich in der Kultur-Berichterstattung mehr geschätzt habe, als den TAGESSPIEGEL. Hier wurde wirklich über jedes Konzert der Philharmoniker sowie des RSO Berlin berichtet. Oft sehr ausführlich. Außerdem interessierten sich die Kritiker des ABEND nicht nur über Premieren in der Oper sondern ausgesprochen regelmäßig auch für Repertoirevorstellungen.

    Es dauerte, bis ich die Janowitz für mich entdeckte. Dies geschah durch ihren deutsch gesungenen "Judas Maccabäus", den wir hier schon mal erwähnten. Und dann durch die reife Arabella (Film) und die Agathe. Der Wiener "Fidelio" kam durch das Fernsehen auch in den Osten.

    Das ist ja interessant!

    Mir war Janowitz vor allem als Verdi-Sängerin wichtig! Auch in Mozart-Partien und einigen Strauss-Partien (Kaiserin und Ariadne) mochte ich sie sehr. Allerdings hat sie mich in keiner Mozartpartie je so vollkommen überzeugt und begeistert wie die Grümmer und die Lorengar.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Mich würde insbesondere Folgendes interessieren:


    Es gibt neben der bekannten EMI-Gesamteinspielung unter Alain Lombard von 1968 auch einen wenige Jahre zuvor unter seinem Dirigat entstandenen Querschnitt von 1964. Gemeint sind diese Aufnahmen:

    Lieber Joseph!

    Ich habe keine Ahnung, was Du wissen willst. Darum schreiben ich einfach was ich weiß!

    Die Carteri/Gedda/Dens-Aufnahme war keine Gesamtaufnahme sondern nur ein Querschnitt.


    Ursprünglich sah sie so aus117604768.jpg

    Klanglich ist dieser Querschnitt nicht optimal. Die Solisten sind allerdings so gut, dass man dadurch für den trüben Klang des Orchesters entschädigt wird. Sie sind in bester stimmlicher Verfassung. Gedda und Dens sind phantastisch! Auch die Carteri versteht sich erstaunlicherweise auf die ars gallica, eine Qualitätsstimme - wie die beiden anderen Solisten - hat sie allerdings nicht. Trotzdem gelingen die Duette der Liebenden stilistisch besser und entschieden poetischer als in der Freni/Corelli-Aufnahme.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Wir hätten recht viel zu tun, wenn wir hier von allen NEUEN STIMMEN mitteilen wollten, wo sie in der nächsten Spielzeit an prominenter Stelle auftreten werden. Ich habe die bisher veröffentlichten Ankündigungen der diversen Opernhäuser mal kurz angeschaut und war doch sehr beeindruckt, wie viele der Sänger, die hier vorgestellt worden sind, inzwischen oben angekommen sind.


    Orfeo hat das für die Mailänder Scala schon mal ausgezählt: Opernsaison 2021/22


    An der Covent Garden Opera London sind es noch mehr: Enkhbat Amartuvshin, Liparit Avetisyan, Frédéric Antoun, Lisette Oropesa, Ekaterina Bakanova, Elena Stikhina, Davide Luciano, Jakub Józef Orlinski, Xabier Anduaga, Freddie De Tommaso, Bogdan Volkov, Rosa Feola ... ...


    Ist das nicht eine schöne Bestätigung für diesen Thread?

    Deshalb sind natürlich auch Nachrichten über Karriere-Schritte jeder NEUEN STIMME immer sehr willkommen.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Ich frage mich, was der Geschichte neue Aktualität gegeben hat. Alles, was hier ausgebreitet wurde über den Wiener FIDELIO, ist doch seit Jahrzehnten gekannt. Das hat sogar die Feuilletons der Berliner Presse nach einem Interview von Gundula Janowitz schon in den 70er Jahren beschäftigt. Vor allem in der Tageszeitung DER ABEND wurde es als "Wiener Opern-Skandal" genüsslich ausgeschlachtet.


    Caruso41

    Neues von Emily D'Angelo (#454, 461, 468)


    #


    Die Deutsche Grammophon hat die exklusive Verpflichtung der kanadisch-italienischen Mezzosopranistin Emily D’Angelo bekannt gegeben.

    Ihr DG Label-Debüt mit dem Titel „enargeia“, das am 8. Oktober veröffentlicht wird, wird Musik von vier Komponistinnen enthalten. Das Yellow Label beschreibt es so: „D’Angelos ursprüngliche Inspiration war die mittelalterliche Äbtissin, Mystikerin und Universalgelehrte Hildegard von Bingen. Deshalb wird deren Musik hier in frischen Arrangements der führenden amerikanischen Komponistinnen Missy Mazzoli und Sarah Kirkland Snider präsentiert. Das Album enthält auch Originalstücke von Mazzoli und Snider sowie zwei atemberaubende Vokalwerke der Grammy-prämierten Hildur Guðnadóttir.“

    Emily D’Angelo erklärt ergänzend, es sei ihre Idee, das uralte Konzept der Enargeia zu erforschen. Diese Idee durchdringt die gesamte Musik auf diesem Album. Sie teile vor allem die Leidenschaft für eine Kommunikation, die Menschen bewegen, inspirieren und verbinden kann.


    Die Ankündigung kommt nur eine Woche, nachdem die 26-jährige Italienerin und Kanadierin ihr Debüt in Covent Garden gegeben hat - in der sie die Rolle des Sesto in "La clemenza di Tito" in einer neuen Produktion unter der Regie von Richard Jones und unter der Leitung von Mark Wigglesworth sang.


    Caruso41

    Lieber Alfred!

    Es freut mich, dass Du nach neuen vielversprechenden Dirigenten Ausschau hältst.


    Patrick Hahn ist schon länger bei deutschen Orchestern bestens bekannt.

    Ich habe ihn bei der NDR-Radiophilharmonie Hannover gehört. Da leitete er eines der "Freistil-Konzerte" mit dem Jazz-Trompeter Nils Wülker. Er war kurzfristig für den Schweden Hans Ek eingesprungen und die Souveränität des jungen Mannes war schon höchst erstaunlich. Leider gab es kein Publikum, aber hätte es Publikum im Saal gegeben, hätte er zusammen mit Nils Wülker sicher Begeisterung ausgelöst.

    In der Mediathek kann man die Aufzeichnung hören!

    Hier Informationen zu dem Konzert:

    https://www.ndr.de/orchester_c…lker,zwischenzeit124.html

    Hier der Mitschnitt:

    https://www.ndr.de/orchester_c…r,freistilwuelker102.html



    Beim Deutschlandfunk gab es ein hörenswertes Interview.

    Seine Offenheit und Frische kommt auch in diesem Interview gut rüber.... ....


    https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=492680


    Ich gestehe, daß mir solche jugendlichen "Tausendsassas" immer ein wenig unheimlich sind, aber andrerseits ist hier sicher Potential wieder einen jungen österreichischen Dirigenten am Weltmarkt zu etablieren.

    Vielleicht schafft er es ja wirklich. Erst mal ist sein primäres Betätigungsfeld Wuppertal.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Lieber Stimmenliebhaber!

    Aber Panegyriken sind ja auch keine angemessene Würdigung.

    Ich glaube nicht, dass ich eine solche verfasst habe. Bei anderen betone ich häufig genug, wie sehr mich Stimmen von Sängern begeistern. Hier habe ich kein Wort in dieser Richtung geschrieben.


    Deinen Beitrag über Herva Nelli wollte ich nicht kritisieren. Dass in einem Thread, der dem Gedenken an Geburts-und Todestage von Künstlern gewidmet ist, an Herva Nellis Todestag erinnert wird, bedarf keiner Begründung - Allein schon durch ihre häufige Mitwirkung in Aufnahmen von Toscanini ist sie eine Person der Musikgeschichte. Dem hast Du Rechnung getragen. Eine Panegyrik auf sie kann man Dir wirklich nicht vorwerfen.


    Mich brachte der Beitrag allerdings einfach auf die Frage, ob die Prominenz dieser Sängerin im Melomanen-Gedächtnis wirklich durch ihren Rang als Künstlerin begründet ist. Diese Frage mal zu stellen, sollte bei einem mehr als ein Viertel Jahrhundert zurückliegenden Todestag schon mal gestattet sein.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Dort wurde sie zu einer Lieblingssopranistin des Dirigenten Arturo Toscanini, was sich in zahlreichen Aufnahmen dokumentiert (das zuerst verlinkte Video enthält die konzertante "Aida" mit ihr in der Titelpartie):

    Was eigentlich hat Toscanini bewogen seine Sopranpartien so oft mit Herva Nelli zu besetzen? Die Frage beschäftigt mich immer wieder, wenn ich ihre Aufnahmen höre. Wollte er Sänger, die sich einpassten? Ja unterordnen? Es hätte in der Zeit doch viele, sehr viele Soprane gegeben, die schönere Stimme hatten, besser sangen und freier gestalteten. In allen Aufnahmen, die ich von Nelli und Toscanini kenne, wirkt sie steif, unfrei und oft geradezu verkrampft. Selbst in dem oft gelobten Video-Mitschnitt von AIDA unter Toscanini gelingt es ihr nicht, der Rolle wirklich Profil zu geben und zu rühren.

    Vielleicht ist ja diese Frage in diesem Thread unpassend. Aber Panegyriken sind ja auch keine angemessene Würdigung.


    Caruso41

    1931 – 90. Geburtstag von Shirley Verrett (Sängerin)

    Eigentlich fehlt es mir an Zeit, aber: den runden Geburtstag von Shirley Verrett möchte ich denn doch nicht verstreichen lassen, ohne einen Beitrag ihr zu Ehren hier einzustellen. Ich verdanke ihr einfach zu viele begeisternde Opernabende.


    !973 habe ich sie das erste Mal als als Cassandra in LES TROYENS mit Jon Vickers und Louis Quilico (Dido war Christa Ludwig) gehört und war sofort der diesen dunkel perlmutt-schimmernden Stimme und der ungemein intensiven und ausdrucksstarken Gestaltung der trojanischen Seherin begeistert.

    In den folgenden Jahren habe ich sie noch als Adalgisa, Judith, Neocle, Leonora in FAVORITA Dalila und Eboli hören können. In jeder dieser

    Partien hat sie mich ungemein gefesselt. Natürlich war ich der Stimme verfallen. Nicht weniger aber habe ich ihren Gesang bewundert, der in Koloratur-Partien geschmeidig und virtuos war, in dramatischen Partien aber auch durch die erforderliche Energie und imponierende Klangfülle begeistern konnte. Dass die Register bei ihr nicht optimal verblendet waren, sie mitunter sehr eigene Vorstellungen von Phrasierung hatte und es nicht selten an Klarheit in der Gestaltung der Gesangslinie fehlen ließ, konnte ich ihr nachsehen. Wie gesagt: ich war der Stimme verfallen!


    Ihre Ausflüge ins Sopranfach haben mich nicht überzeugt, allerdings habe ich sie in keiner Sopranrolle 'in the flesh'

    erlebt.


    Von Shirley Verrett gibt es erstaunlich viele Gesamtaufnahmen und dazu noch jede Menge Mitschnitte ihrer Aufführungen.

    Zudem einige Portrait-Alben. Unmöglich alle hier auch nur eine repräsentative Auswahl einzustellen.


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    Caruso41

    Issachah Savage - Tenor (USA) #2389f


    Das dritte Video mit Issachah Savage ist wirklich sehr beeindruckend. Alles a capella. Seine Stimme ist äußerst schön, wohltönend.

    Die Bacchus-Szene würde ich gerne ganz hören!

    Ja, die Bacchus-Szene würde ich auch gerne ganz hören. Wenn man bedenkt dass er ja noch ein Anfänger war, als der Mitschnitt entstand, kann man nur staunen!


    Sinnvoll ist vielleicht doch, noch ein paar Informationen zu seiner Person nachzureichen!


    Wo der dramatische Tenor Issachah Savage geboren wurde und welche Ausbildung er genossen hat, konnte ich auf die Schnelle nicht ermitteln.


    Auf jeden Fall besitzt er einen Bachelor-Abschluss in Gesang der Morgan State University und einen Master in Operngesang der Catholic University of America. Er war Mitglied des renommierten Merola-Programms der San Francisco Opera.

    2014 gewann er beim Internationalen Wagner-Wettbewerb in Seattle nicht nur den ersten Preis, sondern auch den Orchester- und den Publikumspreis.
    2015 wurde er als Siegmund (Die Walküre) unter Johannes Debus an der Canadian Opera Company in Toronto bejubelt, sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera gab er als Don Riccardo (Ernani) unter James Levine, als Bacchus (Ariadne auf Naxos) war er an der Seattle Opera zu erleben. Daher stammt auch das oben eingestellt Video.


    Zu seinen jüngsten Engagements zählen sein Debüt an der Los Angeles Opera als Narraboth (Salome) unter James Conlon, Leader in Kurt Weills Lost in the Stars mit dem Los Angeles Chamber Orchestra, sein Debüt an der Houston Grand Opera als Radamès (Aida) an der Seite von Liudmyla Monastyrksa und Dolora Zajick, sein Europa-Debüt als Bacchus am Théâtre du Capitole in Toulouse sowie Siegmund unter Paul Daniel an der Opéra National de Bordeaux. Im Sommer 2019 gab er sein Debut bei den Salzburger Festspielen als Oberpriester in Mozarts Idomeneo unter Teodor Currentzis.

    Auf dem Konzertpodium war Issachah Savage in Beethovens 9. Symphonie mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra unter Gustavo Dudamel, dem National Symphony Orchestra unter Gianandrea Noseda, dem Orchestre National de Bordeaux Aquitaine unter Paul Daniel und dem Utah Symphony Orchestra sowie in Verdis Messa da Requiem mit dem Melbourne Symphony Orchestra, dem Boston Philharmonic Orchestra und dem Detroit Symphony Orchestra zu hören. Außerdem sang er die Rolle des Radamès unter Robert Spano beim Aspen Music Festival und mit dem Boston Symphony Orchestra unter Jacques Lacombe beim Tanglewood Festival. In der Saison 2019/20 standen Beethovens Neunte mit dem St. Louis Symphony Orchestra und Verdis Requiem mit dem Colorado Symphony Orchestra auf seinem Konzertkalender.

    Zu seinen zukünftigen Plänen gehören eine Rückkehr nach Bordeaux für Mahlers "Das Lied von der Erde" mit Paul Daniel, Konzertauftritte mit dem Dallas Symphony Orchestra und dem Washington National Symphony Orchestra sowie sein lang erwartetes und verschobenes Rollendebüt als Wagners Tannhäuser mit der LA Opera noch in diesem Herbst.


    Es gibt noch einige Videos mir Issachah Savage bei Youtube. Unter anderem Ausschnitte aus Lohengrin und Siegmund. Auch wenn die technische Qualität zu wünschen übrig lässt, kann man nur staunen über die schöne glanzvolle Stimme und die Souveränität mit der er singt und gestaltet!


    Lohengrin gesungen im Merola-Programms der San Francisco Opera 2013



    Siegmund gesungen bei der Premiere an der Opéra National de Bordeaux (Mai 2019)



    Nun ist es doch eine regelrechte Vorstellung einer NEUEN STIMME geworden. Es fehlen eigentlich nur Ausführungen zu Stimme, Technik und Gesang. Aber ohne den Tenor live noch in einer größeren Partie gehört zu haben, möchte ich solche - sonst ja üblichen - Ausführungen doch nicht geben. Sicher werde ich den jungen Mann gelegentlich auch wieder live hören und dann kann ich etwas über ihn schreiben, was einigermaßen valide ist.


    Beste Grüße

    Caruso41







    Issachah Savage - Tenor (USA)


    In einem anderen Thread schrieb ich heute morgen

    Zitat von Caruso41

    Übrigens habe ich bei der Gelegenheit über Deinen Link nach Los Angeles gesehen, dass dort der Tenor Issachah Savage als Tannhäuser angesetzt ist. Mann, o Mann! Das ist ja eine rasante Karriere. Er hatte mir als Narraboth gut gefallen und und ich hatte ihn danach auf meine Liste für die NEUEN STIMMEN gesetzt, wollte ihn aber erst mal in einer weiteren Partie hören. Durch Corona kam es freilich nicht mehr dazu.....

    Trotzdem möchte ich schon mal eine Visitenkarte des Tenors abgeben:





    Beste Grüße

    Caruso41

    1929 – 92. Todestag von Giuseppe Anselmi (Sänger)

    Giuseppe Anselmi war drei Jahre jünger als Caruso und doch kann man ihn stilistisch als Repräsentanten der Vor-Caruso-Zeit im Tenorfach betrachten. Neben Fernando De Lucia und Alessandro Bonci ist der Tenor, bei dem man die Kunst des Belcanto geradezu paradigmatisch studieren kann. Zudem bestrickt er mit dem sinnlich einschmeichelnden Timbre seiner Stimme.


    Seine Domäne sind denn auch die Belcanto-Partien. Natürlich hat er noch nicht die Möglichkeit gehabt, eine Partie ganz aufzunehmen. Die Aufnahmen von Ausschnitten zeigen aber seine Qualitäten. Ein Sänger wie Joseph Calleja betont immer wieder, dass er diese Aufnahmen wieder und wieder gehört hat und sich bemüht, diesem Erbe gerecht zu werden.







    In Partien des Verismo hat er Anselmi offenbar weniger überzeugt. Aber es gibt auch Aufnahmen, die zeigen, wie er Arien in diesem Fach ganz außergewöhnlich zu gestalten wusste und das Spezifikum der so emphatischen Gesangslinie überwältigend zu treffen vermochte. Das beweist etwas das 'Amor ti vieta' aus FEDORA, bei dem man sich durch die lästigen Störgeräusche nicht von der Konzentration auf das Singen ablenken lassen sollte.



    Caruso41

    Lieber Gregor, um die Oper besser kennenzulernen und die überragende Bedeutung von Inge Borkh als Interpretin der Titelrolle zu erfassen, würde ich Dir zu dieser Einspielung aus dem Studio raten.

    Den Rat kann ich nur unterstützen. Allerdings hat die Aufnahme höchst bedauerliche Striche! Zudem leider eine Chrysothemis, die nicht in der gleichen Liga singt, wie die übrigen Solisten!


    Caruso41

    Lieber Orfeo!

    Nachdem Melody Moore in der Spielzeit 2019/20 ihr Rollendebut als Amneris an der Houston Grand Opera gegeben hatte, ist sie vom 21. Mai 2022 - 12. Juni 2022 in dieser Rolle auch in Los Angeles zu erleben.

    Ja, die Karriere von Melody Moore geht weiter aufwärts. Als Amneris habe ich sie schon in Houston vor der Pandemie gehört und war sehr beeindruckt. Erstaunlich ist ja irgendwie die Wahl ihrer Partien. Sie singt Desdemona und Elektra, Amneris und Freia....
    Bei Pentatone soll eine Gesamtaufnahme von Verdis BALLO geplant sein, in dem sie die Amelia singen wird.


    Übrigens habe ich bei der Gelegenheit über Deinen Link nach Los Angeles gesehen, dass dort der Tenor Issachah Savage als Tannhäuser angesetzt ist. Mann, o Mann! Das ist ja eine rasante Karriere. Er hatte mir als Narraboth gut gefallen und und ich hatte ihn danach auf meine Liste für die NEUEN STIMMEN gesetzt, wollte ihn aber erst mal in einer weiteren Partie hören. Durch Corona kam es freilich nicht mehr dazu.....


    Beste Grüße

    Caruso41

    1921 – 100. Geburtstag von Inge Borkh (Sängerin)

    Der 100. Geburtstag ist schon etwas Besonderes! Und Inge Borkh war eine ganz besondere Künstlerin. Ich bin sehr glücklich, dass ich sie in ihrer Glanzzeit oft und in verschiedenen Partien hören konnte.

    Muss man die Stimme der Borkh beschreiben, gar bewerten?

    Damit kommt man doch dieser bedeutenden Künstlerin eigentlich gar nicht nahe.


    Ihr Profil und ihr Rang hängen nicht an der Stimme! Die Stimme war eigentlich nicht außergewöhnlich oder gar schön. Wie sie jedoch damit die psychischen Zustände der Opernfiguren offenlegte und auslotete, das war einmalig.

    Selbst als Elektra sang sie - wie wenige andere Soprane - immer mit perfekter vokaler Kontrolle. Mit genau den Noten, die Strauss aufgeschrieben hat, konnte sie Wut und Hass, Verzweiflung und Rachsucht ungemein überzeugend und unmittelbar erschütternd ausdrücken. In der Erkennungsszene mit Orest war es dann wie ein Wunder, wie diese Stimme der so grausam versehrten Seele ganz rein, beglückt und selig aufblühen konnte!

    Sie konnte die Abscheu der Leonore mit flammender Heftigkeit gegen Pizarro herausschleudern und ihren Farbenbogen der Hoffnung glühend aufleuchten lassen.

    Sie hatte desolate Farben für die Trostlosigkeit Rezias und jauchzende Freunde über das ankommende Schiff auf dem sie den Retter Hüon erwartete.

    Auch in manch italienischer Partie hat sie die psychischen Zustände ihrer Figuren differenziert und subtil bloßgelegt, was aber erfreulicherweise nicht auf Kosten der gesanglichen Linie ging, diese vielmehr bereicherte. Ich denke an die Medea, die Maddalena di Coigny, die Tosca und natürlich an die die Turandot.


    Ob ich die Stimme mag, habe ich eigentlich nie gefragt. Sie war doch nur das Mittel, mit dem Inge Borkh so viel über die Figuren mitteilte und über ihre Geschichten wie nur wenige Soprane, die ich gehört habe! An sie erinnere ich mich nicht nur, wenn ein Jubiläum ansteht.


    Ihre Schallplatten-Aufnahmen und inzwischen veröffentlichten Mitschnitte hier aufzuzählen, halte ich für unnötig.


    Deshalb stelle ich nur das Interview ein, das August Everding mit ihr geführt hat:



    .... und die Schlussszene der Salome unter Dimitri Mitropoulos, weil man da immerhin eine Ahnung von ihrem künstlerischen Profil und Rang bekommen kann!



    Caruso41

    Mein Vorschlag wäre der Bereich "Komponistenforum der Moderne". Dann wäre man nicht an ein spezielles Gebiet gebunden und jeder könnte in dem Thread seine Lieblingsmusik von Halffter unterbringen.

    Ja, lieber Astewes, in dem Kapitel wäre der Thread sicher besser aufgehoben. Aber Du solltest Dich frei fühlen, auch hier über alle seine Werke etwas zu schreiben. Ich bin dankbar für weitere Hinweise und lese deine Höreindrücke und Beschreibungen mit Interesse. Sicher werde ich der einen oder anderen Spur weiter folgen.


    Beste Grüße


    Caruso41

    Lieber Hasiewcz!

    Warum, lieber Rheingold1876, ist diese Ballade umstritten? Hier beispielsweise wird ihr gehuldigt: https://www.kirche-im-swr.de/?page=beitraege&id=10110

    Du hast zwar Rheingold gefragt und sicher wird er Dir antworten.

    Ich möchte dazu nur sagen, dass vielleicht gerade solche Vereinnahmungen, wie sie der Kirchenfunk des SWR macht, ein Grund sein könnte, warum diese Ballade von manchen kritisch gesehen wird. Zudem haben ja etliche Interpreten diesen eigentlich doch biedermeierlichen Text und die schlichte Umsetzung in Musik dadurch diskreditiert, dass sie beides sämig pietistisch gesungen haben, wodurch es sicher für eher kirchenferne und nicht religiös gestimmte Menschen unerträglich wurde? Ich habe die Ballade durch eine Aufnahme mit einer ganz frühen Aufnahme von Greindl kennen gelernt, und damit hatte ich ebenso wenig Probleme wie mit Interpretationen von Moll und Quasthoff.


    Was ich bei dem Stück interessant finde, ist dass es scheinbar ein vorindustrielles Zeitempfinden bewahrt und als philosophische Lebensdeutung anbietet, obwohl doch die Industrialisierung längst auch die Uhrenproduktion verändert und ein neues Verständnis von Zeit und Leben in der Zeit geschaffen hat. Zumal dann etwas von der "Industrialisierung der Zeit" im Text auch noch anklingt.

    Aber das sind halt Zusammenhänge, die wohl nur für den Historiker von Interesse sind, der sich mit Zeiterfahrung und dem Wandel von Welterfahrung und Weltbildern - zumindest am Rande - mal beschäftigt hat.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Lieber WolfgangZ!


    Hab Dank für Deinen Beitrag zu Christóbal Halffter.

    Ich freue mich, dass er offensichtlich im Forum doch nicht so ganz unbekannt ist, wie es schien, als ich Beiträge über ihn suchte.


    Es gibt noch etliche LPs und CDs mit seinen Kompositionen.

    Sogar auf Youtube finden sich einige!

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    Besonders gefreut habe ich mich über das Interview über die Oper SCHACHNOVELLE - in noch immer gutem Deutsch!




    Caruso41

    Lieber Caruso41 ...

    Obwohl es der Titel des Threads eigentlich nicht erlaubt, möchte ich auf eine Aufnahme des Leipziger Streichquartettes

    Ich bin Dir dankbar, dass Du etwas über die Kammermusik von Cristóbal Halffter beigetragen hast, Es gehört doch wohl wesentlich zum Gesamtbild des Komponisten.

    Die Wahl eines Titels für den Thread und auch die Entscheidung wo man ihn dann platziert, ist leider oft nicht einfach.

    Cristóbal Halffter hat ein breites Spektrum sehr unterschiedlicher Werke geschrieben, das von Opern und Sinfonischen Werken über Vokalmusik und Kammermusik bis zu Filmmusik reicht. Ich selber kenne nur zwei der Opern, ein paar Vokalkompositionen, und das Konzert für Viola und Orchester von 2016, die Elegias a la muerte de tres poetas espanoles von 1974 sowie das erschütternden Variationen über den Widerhall eines Schreis von 1977.


    Natürlich kenne ich auch das für die Vereinten Nationen (UN) geschriebene Werk Yes, Speak out! Yes. Live habe ich es bisher allerdings noch nicht gehört.




    In welches Kapitel der Thread über ihn nun am besten eingestellt werden könnte, war mir nicht so wichtig.
    Vielleicht wäre es besser im Forum für zeitgenössische Komponisten gewesen?


    Beste Grüße

    Caruso41

    Als ich Pfingsten vom Tode des Komponisten erfuhr, habe ich im Forum nach Beiträgen über ihn gesucht. Ohne Ergebnis.
    Es gibt nicht mal Erwähnungen des Namens. Deshalb habe ich mich entschlossen, einen Thread zu starten,
    da er ohne Zweifel ein hervorragender Komponist ist, dessen Werke nicht nur in Spanien aufgeführt wurden und werden!


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    Cristóbal Halffter Jiménez-Encina


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    (Geboren am 24. März 1930 in Madrid, gestorben am 23. Mai 2021 in Ponferrada)


    Sein Großvater, ein ostpreußischer Freiherr, war im 19. Jahrhundert nach Spanien ausgewandert und hatte dort sein Geld als Schmuckimporteur für die königliche Familie verdient. Halftfters Vater, ein wohlhabender Bauunternehmer, musste 1936 im Spanischen Bürgerkrieg als "Kapitalist" vor den Republikanern in das Rheinland fliehen, arbeitete als Fabrikdirektor in Velbert und kehrte mit der Familie erst 1939 kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach Spanien zurück. Mithin hat Cristóbal Halffter einen Teil seiner Kindheit in Deutschland gelebt.

    Die bekannten Komponisten Rodolfo Halffter und Ernest Halffter sind seine Onkel.


    Halffter studierte 1947-1951 bei Conrado del Campo y Zabaleta am Real Conservatorio Superior de Música in Madrid, wo er einen glänzenden Abschluss machte. Durch del Campo wurde er besonders mit der Musik der deutschen Spätromantik vertraut. Früh schloss er sich der spanischen AVANTGARDE an. Neben Luis de Pablo ist er der einzige Vertreter der spanische Avantgarde der seit den sechziger Jahren auf europäisches Interesse gestoßen ist.
    Er bemühte sich aus der spanischen Folklore und den Beengungen der Faschistischen Kulturpolitik auszubrechen und übernahm modernste Techniken. Insbesondere verwandte er Zwölftontechnik und Reihentechnik, die er auch auf Rhythmus und Klangfarben übertrug. Daneben experimentierte er mit Elektronischer Musik.


    Ab 1970 begann er als Dozent an der Universität von Navarra zu unterrichten und startete gleichzeitig eine Dirigentenkarriere, in deren Verlauf er alle großen Orchester in Europa und Amerika dirigierte.
    1976 war er Dozent der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt, nachdem er in den sechziger Jahren mehrfach mit Komponisten wie Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Luciano Berio gearbeitet hatte, und wurde 1979 Leiter des Studios für elektronische Musik der Heinrich-Strobel-Stiftung in Freiburg im Breisgau. 1976 -1978 war er Präsident der spanischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (LGNM).
    Bei den Weltmusiktagen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (ISCM World Music Days) wirkte er mehrmals als Juror mit.


    Viele seiner Kompositionen haben außermusikalische Themen, die durch die existentiellen Erfahrungen mit der faschistischen Diktatur geprägt sind. Man hört in seinen Werken immer wieder menschliche Schreie aus Angst, Klagelaute, Verzweiflung und das Schweigen des Todes! Aber auch die Hoffnung auf Freiheit wird bei ihm Klang!


    Als man ihn aufforderte, nach dem Sturz des faschistischen Diktators Francos politische Verantwortung als Minister in der spanischen Regierung zu übernehmen, lehnte er das mit der Begründung ab, er könne als Musiker weitaus stärker und nachhaltiger als moralische Instanz am Aufbau einer demokratischen Kultur wirken.

    Sein Werk hat das eindrücklich beweisen.


    2008 habe ich am Theater Kiel die umjubelte Uraufführung seiner zweiten Oper LAZARUS erleben können, die mich mit ihrer beredten Musik, die Erregungs- und Schreckmomente intensiv ausmalt, und ihrem expressiv geladenen Schweigen ungemein beeindruckt hat.


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    Zitat von Wikipedia

    Bühnenwerke

    • Jugando al toro. Ballett. Libretto: Vicente Vila. UA 1960 Barcelona
    • Don Quijote. Oper. Libretto: Cristóbal Halffter und Andrés Amorós. UA 23. Februar 2000 Madrid
    • Lázaro. Oper. Libretto: Juan Carlos Marset. UA 4. Mai 2008 Kiel
    • Schachnovelle. Oper. Libretto: Wolfgang Haendeler nach der gleichnamigen Novelle von Stefan Zweig. UA 18. Mai 2013 Kiel

    Vokalkompositionen

    • Yes Speak Out Yes (1968). UNO-Kantate für Sopran, Bariton, 6 Sprecher, 2 gemischte Chöre und Orchester (mit 2 Dirigenten). Texte: Norman Corwin

    Orchesterwerke

    • 5 Mikroformen (1960) für Orchester
    • Memento a Dresden (1995)
    • Tiento y primer tono y batalla imperial
    • Adagio en forma de rondó (2002)
    • Palimsesto – 1956/2004. Zwei Sätze für Pauken und Orchester. UA 2005 Dresden
    • Ritual (2009)
    • Konzert für Viola und Orchester (2016) Das Stück ist Daniel Karasek und Georg Fritzsch als Vertreter des gesamten Kieler Opernhauses gewidmet.

    Filmografie


    Cristóbal Halffter hat eine neue Oper für das Kieler Opernhaus komponiert -- eine Oper über Schach, Widerstand und Wahn.
    Das Libretto schrieb Wolfgang Haendeler nach der Novelle von Stefan Zweig.


    Caruso41