Beiträge von Caruso41

    Ich habe ja meine Teenager-Zeit auch in Berlin verbracht. Die ersten Aufführungen in der Städtischen habe ich 1953 besucht. 1954 habe ich schon recht viele Abende in der Kantstraße verbracht, ab 1955 war ich in der Regel jede Woche zwei- bis dreimal dort. Trotzdem habe ich Sebastian Hauser nicht gehört.


    Kann mir jemand sagen, wann Hauser das Haus verlassen hat. Im Österreichischen Musiklexikon wird angegeben, er sei bis 1956 Mitglied der Städtischen Oper Berlin gewesen. Das wundert mich. Dann hätte ich ihm wohl sicher in der einen oder anderen Aufführung begegnen müssen. Bin ich aber nicht.


    Caruso41

    Das nennt man halt Rezeptions- und Interpretationsgeschichte. Der Komponist wusste es wohl bestenfalls implizit aus dem Geist seiner Zeit heraus. Es ist eine Frage der Kriterien, die man zur Klärung eines Stilbegriffs ad hoc anlegt. Das Vorgehen ist dabei ein hermeneutisches; es wird sowohl deduktiv wie induktiv vorgegangen. Das Wissen, welches wir besitzen über jene Zeit, und die Perspektive unserer eigenen werden dialektisch aufeinander bezogen.

    Lieber Wolfgang,

    das Problem, das Greghausers Frage aufwirft, hast Du prima auf den Punkt gebracht.

    Jede Abgrenzung einer Epoche und jede Etikettierung eines Stil ist immer ein Akt der Willkür und kaum je unumstritten.

    Im konkreten Fall des Jugendstils hat sich dazu Carl Dahlhaus dazu sehr einleuchtend geäußert

    • Carl Dahlhaus: Die Musik des 19.Jahrhunderts (Neues Handbuch der Musikwissenschaft Band 6).
      Insbesondere im Kapitel "Die Moderne als musikgeschichtliche Epoche".

    Wenn jemand daran interessiert sein sollte, die von 'WolfgangZ' referierten Einsichten, etwas eingehender und sehr grundlegend entfaltet zu bekommen, dem empfehle ich das noch immer höchst lesenswerte Büchlein:


    csm_g_002_202_6c121aa9e5.jpg


    Da Generationen von Geschichtsstudenten das im ersten Semester lesen mussten, gibt es das heute für einen Appel und ein Ei!


    Beste Grüße


    Caruso41

    Mit Franco Corelli hat Stimmenliebhaber eine der prächtigsten Tenorstimmen geehrt.

    Dann will ich mal eine der attraktivsten hochdramatischen Sopranstimmen ehren: Helene Wildbrunn



    Sie war von 1919 bis 1925 an der Berliner Staatsoper engagiert und von 1925 bis 1932 an der Berliner Städtischen Oper.

    Sie sang auch an die Wiener Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen. Zu der eingestellten Aufnahme gab es bereits im Forum einige Höreindrücke: "Abscheulicher, wo eilst du hin?"- Arie der Leonore aus dem "Fidelo" und ihre Interpretinnen

    Auch: "Abscheulicher, wo eilst du hin?"- Arie der Leonore aus dem "Fidelo" und ihre Interpretinnen


    Caruso41





    B07Z76LMJP.03._SS300_SCLZZZZZZZ_.jpg

    Lieber Fiesco!


    Die CD kenne ich noch nicht, aber etliche der Lieder sind sicher gute Beispiele für den Jugendstil in der Musik.

    Darauf hatte ich schon kurz hingewiesen:

    Besonderes Interesse haben bei Musikwissenschaftlern die frühen Kompositionen von Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg gefunden, da sie hier Jugendstilprägungen aufgespürt und als die Öffnung des Weges in die Moderne interpretiert haben.

    Eine andere Lieder-CD bietet auch ein Programm, in dem es deutliche Bezüge zum Wiener Jugendstil gibt. Es gibt sogar Überschneidungen!



    Die CD habe ich schon gehört und ich kann sie nur wärmstens empfehlen


    Caruso41


    Lieber Rheingold!

    Es ist viel reizvoller, sich den Sängern zu widmen, die ich positiv sehe und für die ich gerne andere interessieren, womöglich auch begeistern möchte. Deshalb habe ich für die Threads über Petrauskas, Noreika, Krumm oder Bjeschu einiges investiert.

    Aber über Uhl etwas zu schreiben, empfinde ich als lästig.

    * Wer verbirgt sich hinter diesem Namen?

    Hendrick Krumm aus Estland. Otello50 hatte ihn erwähnt. Daraufhin habe ich ihn ermutigt, einen Thread für ihn zu eröffnen. Das hat der gleich getan. Hendrik Krumm- Tenor aus Estland (1934-1989)

    Ich habe mich sehr darüber gefreut und auch ein paar Bemerkungen beigetragen (#2). Krumm war ein Tenor, von dem man in Estland noch heute schwärmt.

    Mein Schlusssatz lautete:

    Viel Freude beim Entdecken und Hören!

    Reaktionen? Keine ! Gar keine! Immerhin hatte ich Videos eingestellt und dazu geschrieben, dass sie höchst achtbar klingen.


    Caruso41

    Tatsächlich fragt man sich, weshalb er von der Kritik so stiefmütterlich behandelt wurde einerseits, ….

    ….

    Aber vielleicht gibt es ja noch jemanden, der mehr dazu sagen kann, wo seine Schwachpunkte liegen, die es erklären, warum er nach anfänglichen Erfolgen dann wieder fallen gelassen wurde.

    Lieber Don Gaiferos!


    Um ehrlich zu sein: Ich mag mich nicht mit Sängern eingehender beschäftigen und über sie schreiben, die ich sehr kritisch sehe. Es ist viel reizvoller, sich den Sängern zu widmen, die ich positiv sehe und für die ich gerne andere interessieren, womöglich auch begeistern möchte. Deshalb habe ich für die Threads über Petrauskas, Noreika, Krumm oder Bjeschu einiges investiert.

    Aber über Uhl etwas zu schreiben, empfinde ich als lästig.

    Trotzdem: ich werde versuchen, auf Deine Fragen zu antworten. Aber nicht jetzt. Dazu habe ich im Augenblick zu viel auf der Mütze. Ich nehme mir jedoch vor, noch diese Woche, etwas zu der Beantwortung Deiner Fragen beizusteuern.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Bisher wurden ein paar Aufnahmen gezeigt, jedoch nicht wirklich viel zu der Stimme von Fritz Uhl geschrieben, zudem herrscht hier schon lange Stille in diesem Thread - Zeit, dies zu ändern.


    … stellt sich natürlich die Frage, wie er live geklungen hat

    Als ich nach München (1961) zog, habe ich erst mal von allen Sängerinnen und Sängern Vorstellungen besucht, die ich in Berlin nicht hatte hören können. Auch zwei Vorstellungen mit Fritz Uhl habe ich gehört: Florestan und Otello. Danach habe ich um Aufführungen, in denen er angesetzt war, einen Bogen gemacht. Soweit ich mich erinnere, habe ich ihn dann nur noch als Siegmund im Kempe-Ring in Bayreuth und als Ägisth gehört.

    Ohne Frage war Uhl ein engagierter und auch talentierter Schauspieler. Als Sänger aber hat er mich alles andere als überzeugt. Die vernichtende Beschreibung seiner Stimme und seiner Gesangskunst, die Jürgen Kesting in der dreibändigen Ausgabe von 'Die Großen Sänger' gegeben hat, ist wirklich nicht ungerecht. In der vierbändigen Ausgabe, wird er schlicht nicht mehr behandelt.

    Auch bei Jens Malte Fischer bleibt er unerwähnt.


    Sorry


    Caruso41

    Ich lese gerade dicke Romane, die ich von früher kenne. Welche Überraschung, denn man steigt ja nie in denselben Fluss. Es sind völlig andere Bücher als ich sie in Erinnerung habe. Gilt für Faust, Werther, Wilhelm Meister, Dichtung und Wahrheit ….. Über alles werde ich noch berichten, allerdings kürzer als die Werke selbst (alle ca. 700 Seiten).

    Lieber Dottore,


    ein 'Werther' mit 700 Seiten? Da leuchtet es mir ein, dass Du dich fühlst als stiegest Du in einen anderen Fluss!


    Langeweile habe ich im Übrigen in der Karantene nicht. Schon im März habe ich 5 Opernvorstellungen und zwei Konzerte nicht besuchen können - weil sie ausfallen mussten. Trotzdem habe ich so etwas wie Langeweile überhaupt nicht. Ich denke: wer über Langeweile klangt, dessen Problem ist Interessenlosigkeit.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Vielleicht ist mal eine kleiner Sidestep erlaubt.


    Heute von 119 Jahren wurde Curt Bois geboren. Natürlich war er Schauspieler und Regisseur. Aber er hat auch gesungen. Unvergesslich ist er mir als Styx in 'Orpheus in der Unterwelt'.

    Leider scheint es das Couplet "Als ich noch Prinz war von Arkadien" nicht auf Youtube zu geben.

    Deshalb:


    Lieber Holger!

    Zitat von Caruso41

    Wenn man nun fragt, in wessen Werken man denn eine besondere Affinität zum Jugendstil hören kann, werden meist Komponisten wie Alexander von Zemlinsky, Franz Schreker, Erich-Wolfgang Korngold genannt, auch verschiedene Werke von Richard Strauss, späte Kompositionen von Hugo Wolf und frühe Werke von Gustav Mahler. Alexander Scriabin und Karol Szymanowski, Ralph Vaughan Williams und Frederick Delius sind weitere heiße Kandidaten.

    Es wäre wohl sinnvoll, erst mal die Liste der 'weiteren heißen Kandidaten' aufzufüllen.


    Josef Suk ist da ganz sicher ein Kandidat, wenn ich auch nicht in vielen seiner Werke Jugendstil-Elemente entdecken kann.

    In Zrání (Reifen) op. 34 aber auf jeden Fall. In einer scheinbar spätromantisch-schwelgerischen Grund-Stimmung werden da ständig feinste motivische Übergänge, Rückungen und Entwicklungen hörbar, die sich durchaus zu einer vegetativen Ornamentik entwickeln, die deutlich Jugendstil-Affinität hat. Das ganze Gedicht von Antonín Sova, das die Vorlage der Komposition ist, vergleicht ja das menschliche Reifen mit dem Reifwerden der Natur. Dieses Reifen gipfelt dann in der Fuge, die Du ja auch in ihrem Jugendstil-Charakter überzeugend gedeutet hast.


    Auch in Pohádka léta (Ein Sommermärchen) op. 29 kann man Jugendstil hören, wenn im 'Intermezzo' zwei Englischhörner ein von der Harfe begleitetes Duett spielen. Ganz toll!


    Beste Grüße

    Caruso41



    Caruso41

    Lieber Greghauser!

    Würdet ihr eventuell die wunderbare Musik der Rosenüberreichung aus Richard Strauss´ Oper als Jugendstilmusik bezeichnen?

    Na, wer da keine rankenden Ornamente und keine verführerisch-glitzernden Arabesken hört, die ganz unmittelbar Jugendstilbilder imaginieren, dem ist nicht zu helfen. Gerade weil dieses Duett so genial artifiziell komponiert ist, ist es ja schier überirdisch schön.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Wer die Oper Der Dämon noch nicht kennt, kann mal hier reinschauen, statt Nicolai Karnolsky und Izabela Matula singen in dieser Aufnahme einer halbszenischen Aufführung (2015) aus dem Tschaikowsky Konzert Saal in Moskau Dmitri Hvorostovsky und Asmik Grigoryan die Hauptrollen

    Das ist ein toller Tipp, lieber Orfeo. Dem gehe ich sicher bald nach. Vielleicht ist es auch die probate Therapie gegen das Nicht-Verständnis, mit dem sich Fiesco eine ganze hochinteressante Opernwelt verschließt.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Lieber Caruso,
    für den Hinweis zum Grab von Maria Bieșu bedanke ich mich; Du vermutest ganz zutreffend, dass ich nicht mal eben en passant am Zentralfriedhof in Chisinau vorbeischauen kann; würde ich es können, wäre ich auch aus ästhetischen Gründen etwas traurig ...

    Ja, lieber Hart, ästhetische Konzepte für Grabmäler sind sehr unterschiedlich!

    Da kann man auf den eigenen Friedhof in der Nähe gehen und trifft auf eine ganz erstaunliche Varianz.

    Aber nach Chișinău wirst Du wohl ohnehin nicht vorbeischauen.

    Schade. Deinen Bericht hätte ich gern gelesen.


    Liebe Grüße

    Caruso41

    In Nürnberg sollte es heute eine bemerkenswerte Premiere geben.

    Der BR wollte übertragen!

    Wegen der Pandemie fällt die Aufführung aus.

    Wann die Produktion erstmals gespielt werden kann, steht noch nicht fest!

    DER DÄMON

    Oper von Anton Grigorjewitsch Rubinstein


    Nicolai Karnolsky - Fürst Gudal

    Izabela Matula - Tamara, seine Tochter

    Tadeusz Szlenkier - Fürst von Sinodal

    Martina Dike - Tamaras Amme

    Taras Konoshchenko - Alter Diener des Fürsten von Sinodal

    John Pumphrey - Bote des Fürsten von Sinodal

    Jochen Kupfer - Dämon

    Raymond Chenez - Engel

    Staatsphilharmonie Nürnberg

    Chor des Staatstheater Nürnberg

    Extrachor des Staatstheater Nürnberg

    Lutz de Veer - Musikalische Leitung


    Samstag, 04. April 2020, 20:00 bis 23:00 Uhr


    Fast 100 Jahre lang blieb die Oper "La Ville Morte" von Nadia Boulanger in der Schublade.

    1909 beendet, wurde sie 2006 erstmals in Auszügen aufgeführt.

    Die Göteborger Oper hat sie jetzt vollständig präsentiert.

    Nadia Boulanger und Raoul Pugno:
    La ville morte
    Oper nach einem Text von Gabriele d’Annunzio

    Hebé: Katarina Karnéus
    Anne: Matilda Paulsson
    Léonard: Markus Pettersson
    Alexandre: Anton Ljungqvist
    Amman: Natallia Salavei
    Chor und Orchester der Göteborger Oper

    Ltg.: Anna-Maria Helsing
    Aufzeichnung vom 8. März 2020 in der Oper Göteborg

    Teuerster Stimmenliebhaber!

    Wenn du meinen Beitrag #2 nochmal gründlich liest, merkst du, dass deine Aussage falsch ist. Leipzig plant gar keinen "Tell", ich habe eine aktuelle Information, die die Semperoper Dresen betrifft, gepostet.

    Entschuldige bitte, dass ich einen Deiner Beiträge offensichtlich nicht mit der nötigen Gründlichkeit gelesen habe.

    Ich bin in den Thread eingestiegen weil ich auf einen Bemerkung in Rheingolds Beitrag antworten wollte. Explizit habe ich auch auf Rheingold Bezug genommen. Dass es um eine Änderung in den Planungen in Dresden ging, ist mir nicht klar gewesen. Ja, das kann passieren, wenn man vor der Abfassung eines Beitrages nicht den gesamten Thread liest 1) - natürlich mit der gebotenen Gründlichkeit. Ich hatte wohl einfach den Titel dieses Threads im Kopf und folglich angenommen, es ginge um Leipzig. Sorry!


    Gute Nacht!


    Caruso41


    _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

    1) Das hast Du ja auch gerade gelernt! :untertauch:

    Das ist selbst an großen Häusern wie der Semperoper so und um die ging es im konkreten Fall.

    Nein, es ging um Guillaume Tell, der in Leipzig geplant ist!


    Also: Die von dir geschilderte Ausnahme ändert nichts an der Regel

    Im Übrigen gehe ich ja immer wieder in kleine oder mittlere Häuser, wenn es dort Raritäten zu hören gibt. Deine Regel mag aufs Ganze gesehen stimmen. Oft aber ist das Publikum schon für Raritäten eingeschworen und dann gibt es einen richtigen Run auf die Karten! Etwa in Kiel, Lübeck, Osnabrück, Bielefeld….

    Ein "Tell" strapaziert insofern den Etat mehr als ein "Holländer" oder eine "Butterfly", weil die Einnahmen nicht so hoch sind.

    Zumindest die beiden Aufführungen, in denen ich war, waren ausverkauft. Immerhin gab es 14 Aufführungen!

    Ich habe das Werk noch nie auf der Bühne gesehen, kenne aber diverse Dokumente ziemlich gut. Die nun gaben mir immer die Vorstellung, dass das Werk sehr schwer zu besetzen ist und nach einem großen Raum, verlangt. Man denke nur an den Arnold und die Mathilde.

    Die Partien, auf die alles ankommt, waren in Kiel mit Anton Rositskiy und Agnieszka Hauzer entschieden besser besetzt, als zuletzt in Hamburg, im Theater an der Wien und in Hannover. Der Chor wurde seinen sehr anspruchsvollen Aufgaben auch gut gerecht. Meiner Meinung nach kommt es ganz entscheidend auf den Dirigenten an. Daniel Carlberg war in Kiel wirklich hervorragend.


    Bei der Gelegenheit sollte ich noch erwähnen, dass ich in Saarbrücken das Werk unter Sébastien Rouland gehört habe. Das war eine Aufführung, die die Grandeur dieser einmaligen Partitur in ihrer ganzen Pracht und Schönheit entfaltete. Man kann das auf YouTube nachhören, weil Arte die Produktion übertragen hatte (allerdings in Einzelteilen). Die Inszenierung hat mich nicht so überzeugt wie die musikalische Interpretation. Und die Sänger? Da war ein guter aber noch unfertiger Arnold zu hören: Sung Min Song. Als Mathilde hörte ich auch in Saarbrücken Agnieszka Hauzer.


    Also: Trau Dich ruhig, den Tell an kleinen Bühnen zu hören.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Long Long - Chinesischer Tenor

    Nachdem verschiedentlich schon Bemerkungen über den Tenor gemacht wurden und es dabei eigentlich nur um den Namen ging, möchte ich ihn heute kurz vorstellen!


    Inzwischen sang er Hannover Tamino, Narraboth, Rodolfo und Alfred in der Fledermaus


    Ein Interview mit Long Long findet sich hier: https://onlinemerker.com/long-…-besser-fuer-meine-kehle/





    Viel Vergnügen mit Long Long!


    Caruso41

    Lieber Caruso, vielleicht kannst du mir doch noch meine Fragen beantworten, die da waren:

    Meinst du wirklich den 2. Akt? Klar, da gibt es ein Duett, aber das bekanntere, lange "Liebesduett" stammt aus dem 3. Akt. (mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass du jenes aus dem 3. Akt meinst, weil du "langes Duett" geschrieben hast).

    Und noch wichtiger: Mich würde interessieren, was du unter Jugendstil-Lyrismus verstehst? Welche Musik kann man eigentlich dem Jugendstil zuordnen? Gibt es eine solche?

    Lieber Greghauser!


    Natürlich ist das Duett, das ich meine, im dritten Akt!


    Wie Zandonai hier alte Instrumente, wie die Viola pomposa zur dekorativen Ausstattung der Geschichte von Lanzelot nutzt, wie er die Singstimmen der beiden Sänger führt und verschlingt und dabei der ornamentalen Ausschmückung Eigenwert gibt, und wie er schließlich Sinnenlust, Rausch und Ekstase ungemein raffiniert instrumentiert, ist für mich ein Beispiel für das, was ich Jugendstil-Lyrismus genannt habe. Es ist gewiss kein Zufall, dass die meisten Programmhefte und Beihefte zu Aufnahmen von „Francesca da Rimini“ mit Jugendstilgrafiken bebildert sind.


    Aber ob man Zandonai insgesamt als Vertreter des Jugendstils bezeichnen kann, bezweifle ich.

    Er ist genauso Verist, Wagnerianer, Impressionist oder Neoromantiker.


    Ob Jugendstil überhaupt als Stilbegriff für Musik taugt, ist in der Musikwissenschaft einigermaßen umstritten. Da gibt es ja nun einige umfängliche Monografien und Aufsätze, die aber die Frage nicht abschließend klären. Einig ist man sich allerdings, dass es bei verschiedenen Komponisten eine gewisse Affinität zum Jugendstil und zur Sezession gab. Kompositionstechnisch lässt die sich allerdings schwer fassen, auch wird sie kaum als expliziertes Programm greifbar. Gleichwohl taugt der Begriff ’Jugendstil’ durchaus, die Charakteristik von Einzelzügen der Musik zu fassen.


    Die Tatsache , dass es in der Musik nicht leicht fällt, Jugendstil als klar umrissene Entität zu identifizieren, ist eigentlich überraschend, da die gegenseitige Durchdringung der Künste gewissermaßen zum Programm des Aufbruchs, der ’Jugendstil’ genannt wurde, gehörte. Musik und Tanz sind dabei für Maler, Bildhauer, Architekten, Dichter und Schriftsteller stets besonders im Fokus.


    Wenn man nun fragt, in wessen Werken man denn eine besondere Affinität zum Jugendstil hören kann, werden meist Komponisten wie Alexander von Zemlinsky, Franz Schreker, Erich-Wolfgang Korngold genannt, auch verschiedene Werke von Richard Strauss, späte Kompositionen von Hugo Wolf und frühe Werke von Gustav Mahler. Alexander Scriabin und Karol Szymanowski, Ralph Vaughan Williams und Frederick Delius sind weitere heiße Kandidaten.


    Besonderes Interesse haben bei Musikwissenschaftlern die frühen Kompositionen von Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg gefunden, da sie hier Jugendstilprägungen aufgespürt und als die Öffnung des Weges in die Moderne interpretiert haben.


    Soviel, lieber Greghauser, in aller Kürze zu Deinen Fragen.


    Vielleicht solltest Du hier mal einen neuen Thread starten, in dem gefragt wird, was denn eigentlich Jugendstil in der Musik ist.
    Da können sicher etliche Taminos interessante Beobachtungen und Einsichten beisteuern!


    Beste Grüße


    Caruso41

    Lieber Rheingold!

    Ob es für eine so aufwändige Produktion wie Rossinis "Tell" reicht, bleibt abzuwarten. Gerade bei dieser großen Oper, auf die ich mich auch gefreut hatte, darf nicht gepart werden. Sonst lieber keinen "Tell".

    In Kiel konnte man erleben, dass der "Tell" ein packendes Ereignis werden kann, wenn der Regisseur (Fabio Ceresa) und der Dirigent (Daniel Carlberg) an das Werk glauben und eine überzeugende Deutung anbieten. Da mit Anton Rositskiy und Agnieszka Hauzer zudem Solisten zur Verfügung standen, die auch Leipzig und jeder anderen Bühne in Deutschland zur Ehre gereicht hätten, war das ein großartiger Opernabend. Sicher hat er den Etat nicht mehr strapaziert, als das ein Holländer oder ein Macbeth getan hätte.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Lieber Hart!


    Wie ich schon mal geschrieben habe, lese ich Deine Texte immer wieder gern, weil sie die Erinnerung an große Künstler auf eine ganz eigene Art bewahren.


    Vielleicht darf ich Dich heute auf den Thread über Maria Bjeschu hinweisen, da der möglicherweise Deiner Aufmerksamkeit entgangen ist. Dort hat unser Mitglied 'Orfeo' ein Bild von einer Trauerfeier aus Anlass des 2. Todestages der Sängerin eingestellt. Man sieht da eine ganz bemerkenswerte Grabstelle.


    Es gibt dann noch einen Link zu einer Würdigung von Maria Bjeschu aus Anlass des 4. Todestages in den Nachrichten des Moldawischen Fernsehens. Außergewöhnlich!!!


    Beste Grüße


    Caruso41

    muss dich jetzt darauf hinweisen, dass sein Vorname nicht Vergilius, sondern Virgilius ist. Kann man das in deiner Rubrik noch ändern?

    Tante Wiki schreibt es sogar https://de.wikipedia.org/wiki/Virgilijus_Noreika


    Wiki Litauen https://lt.wikipedia.org/wiki/Virgilijus_Noreika


    Bei den Youtube-Links sieht man auch meist diese Schreibweise.

    Auf Programmzetteln, auf den Hüllen von LPs und in Büchern habe ich 4 verschiedene Versionen für den Vornamen und zwei verschieden für den Nachnamen. Im Text des Threads hatte ich geschrieben "Norejka, Virgilius (Virgiljus), wurde 22. 9. 1935 in Siauliai (Schaulen) in Litauen geboren..." Dass es in der Überschrift Vergilius heißt, liegt wohl daran, dass ich zwei in Italien produzierte LPs auf dem Schreibtisch liegen hatte.

    Die Homepage des "International Virgilijus Noreika Competition for Singers" könnte wohl die richtige Version sein. Mal sehen ob ich das im Titel des Threads ändern kann.

    ich habe in deinem Noreika-Thread leider auch nichts beigetragen, habe aber zumindest seine Berliner Staatsopernauftritte dokumentiert

    Dass er in den frühen 70er Jahren einige Gastspiele an der Staatsoper hatte, wusste ich. Einmal habe ich sogar versucht, zu einer TOSCA mit der Dvorakova nach Ostberlin zu fahren. An der Grenze wurde ich aber abgewiesen. Ohne Angabe von Gründen wurde mich die Einreise verweigert. Das konnte einem ja bekanntlich öfter mal passieren.

    Bei Spotify finde ich nur eine Lenski-Arie von ihm, die werde ich mir in den nächsten Tagen mal anhören. :hello:

    Gut! Aber versuche auch möglichst das Lied des indischen Gastes aus SADKO und Die Romanze des Vladimir aus FÜRST IGOR zu hören!

    Und natürlich das von LaRoche empfohlene Lamento di Federico aus L'ARLESIANA!


    Beste Grüße

    Caruso41

    Ich staune, wie viele Tenöre am 2. April ihren Geburtstag hatten oder noch haben.

    Ich möchte hier einen ehren, den ich besonders schätze. Er war in den 50er und 60er Jahren einer der seltenen Tenöre, die in der Tradition der Französischen Gesangskunst standen: Alain Vanzo.

    Geboren ist er am 2. April 1928 in Monte Carlo



    Lieber La Roche!

    Für den Thread "Vergilius Noreika" beispielsweise musste ich russische und litauische Quellen übersetzen. Aber: Nicht eine Antwort! Nicht mal ein "Interessanter Tenor!" oder "Schöne Stimme!". Bis heute nicht!

    Einspruch. Habe mehrmals über Virgilius Noreika geschrieben, besitze eine der wenigen Melodia-Platten von ihm, gekauft in Leipzig im III/76. Allerdings war meine Beiträge schon älter, wohl sogar vor Deinen Bemerkungen. Besonders das Lamento aus LÁrlesiana hatte es mir angetan.

    Ja, dass Du über Noreika im Forum geschrieben hast, ist mir nicht entgangen.
    Dir jedoch scheint entgangen zu sein, dass ich den Noreika-Thread mit einem Zitat von Dir begonnen habe!


    Im Noreika-Thread selbst hast Du nicht ein einziges Wort geschrieben! Dein Einspruch ist also absolut unberechtigt.

    Meine Aussage stimmt: Im Noreika-Thread hat auf meinen Eröffnungsbeitrag überhaupt keiner etwas geschrieben.

    Das kannst du leicht nachprüfen:

    Vergilius NOREIKA - Tenor aus Litauen


    Dabei sind wir uns beide ja einig, dass Noreika nicht nur eine ungemein schöne Stimme hatte sondern auch ein vorzüglicher Sänger und sehr intensiver Gestalter war.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Lieber Rheingold!

    Lieber Caruso, da gibst Du Dich jetzt aber nicht sonderlich gut informiert, was mich wundert. Bereits über Jahre trägt die Dredener Semperoper ganz offiziell eine einzigaritige CD-Edition bei Hänssler (Baden-Württemberg) über ihre Geschichte mit. So etwas kenne ich von keinem anderen Opernhaus in Deutschland.

    Natürlich kenne ich die Edition. Den Wert will ich auch nicht schmälern. Ich habe sogar zwei oder drei der Kassetten.

    Vielleicht war meine Formulierung einfach zu kurz geraten. Die Edition einzelner Mitschnitte von Aufführungen und die dafür erstellten Beihefte sind - soweit ich sie kennen - ganz ohne Zweifel hervorragend.


    Aber ein Archiv mit allen Abendbesetzungen einer Produktion beziehungsweise einer Spielzeit, wie es die Metropolitan Opera, die Wiener Staatsoper oder die Scala Milano haben, ist doch etwas völlig anderes. Dass es so etwas bei keinem Opernhaus in Deutschland gibt, finde ich ärmlich.


    Die Deutsche Oper Berlin hat aus Anlass ihres 30jährigen Jubiläums einen Band mit den Premieren-Besetzungen eben dieser 30 Jahre herausgegeben. Nichts über die früheren Jahre....

    Von der Staatsoper Berlin habe ich einen Band, den ich viel benutze. Da sind die Premierenbesetzungen aller Opern- und Ballett-Produktionen, die in dem Haus zwischen 1742 und 1992 stattgefunden haben, detailliert aufgeführt.

    Dergleichen kenne ich von Dresden nicht. Ich habe den Band "Opernmetropole Dresden" von Winfried Höntsch. Da gibt es viele schöne Bilder und Geschichten, leider aber keine Dokumentation der Premieren-Besetzungen oder gar der Besetzungen der normalen Repertoire-Aufführungen. Das meinte ich wenn ich schrieb

    Die Dokumentation der Besetzungen eines Opernhauses, das selbst keine Anstrengungen macht, seine Geschichte zu dokumentieren, ist doch eine wichtige und wertvolle Arbeit.

    Soviel zu Klärung.


    Beste Grüße


    Caruso41