Beiträge von wok

    Obwohl man den Namen FRANZ CRASS sicher in erster Linie mit seiner großen Karriere als Opernsänger, vor allem in WAGNER- und MOZART-Partien verbindet, sollte nicht vergessen werden, daß er auch ein vorzügliciher Oratorien- und Konzertsänger war. Man konnte seine füllige Bass-Bariton-Stimme in BACH-Passionen bewundern. 1960 gastierte er in London in BEETHOVEN's Missa Solemnis, 1964 im MOZART- Requiem. Er sang das Solo im "Deutsches Requiem" von BRAHMS, und er war neben GUNDULA JANOWITZ, CHRISTA LUDWIG und FRITZ WUNDERLICH Gesangssolist in der KARL RICHTER-Aufnahme des Weihnachtsoratoriums bei der DGG. Besonders sein Vortrag der Arie "Großer Herr und starker König" ist sehr eindrucksvoll. Ebenfalls großartig sein Bass-Solo in HÄNDEL's Dettinger Te Deum: "Du bist der Ehren König..." in der Electrola-Einspielung mit dem Dirigenten WOLFGANG GÖNNEWEIN und dem SÜDWESTDEUTSCHEN KAMMERORCHESTER. Auch seine Gesangskolleginnen und Kollegen RUTH MARGRET PÜTZ, EMMY LISKEN und THEO ALTMEYEER standen ihm in seiner Leistung nicht nach.


    Leider gibt es von beiden Aufnahmen meines Wissens derzeit keine CD, und selbst ein altes Vinyl-Exemplar ist offenbar nicht zu bekommen.


    wok

    Wenn der Name "HOLLREISER" fällt, denkt man gewiß in erster Linie an einen Dirigenten, der sich in großem Maß der Oper verpflichtet fühlte und auf diesem Gebiet auch Großes vollbrachte. Der CLEMENS KRAUSS-ELMENDORFF-Schüler dirigierte an den Opern in Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim, an der MÜNCHENER STAATSOPER, dann häufig Dirigent an der DEUTSCHEN OPER BERLIN, war Gastdirigent an der BAYERISCHEN STAATSOPER MÜNCHEN, er dirigierte häufig in Italien, der Schweiz, Südamerika, Kanada , Japan und 1973 - 1975 bei den FESTSPIELEN in BAYREUTH. Überall genoß er einen erstklassigen Ruf und zählte zu den erfahrensten Opernkapellmeistern seiner Zeit. Auch die Oper des 20. Jahrhunderts vernachlässigte er nicht. Er war ein Liebling der WIENER PHILHARMONIKER, die seine Schlagtechnik, die keine Unklarheit aufkommen ließ, schätzten. Er vermittelte diesen fast minimalistischen Dirigierstil, der seinem Schützling THIELEMANN so überzeugte und imponierte, daß er sich an ihm orientierte. Er sagte wörtlich: " Von Heinrich Hollreiser habe ich gelernt, wie ein Dirigent durch genaue Kenntnis der Materie, verbunden mit einem geradezu minimalistischen Dirigierstil, größte Wirkungen hervorrufen kann".


    HEINRICH HOLLREISER; jener so bescheidene, symphatische jeglicher Theatralik und Selbstdarstellung abholde Dirigent, der gerade durch unauffälliges Agieren brillierte und dennoch zu herausragenden Leistungen fähig war, war aber nicht nur ein erstklassiger Operndirigent insbesondere der Werke von STRAUSS, WAGNER und BRUCKNER, sondern es sollte nicht vergessen werden, daß er auch ein ausgezeichneter Konzertdirigent war, und in dieser Funktion mit sehr renommierten Solisten konzertierte und Schallplattenaunahmen machte.

    So hat für mich seine Einspielung von BEETHOVEN's Violinkonzert und der beiden Violin-Romanzen mit dem großartigen Geiger BRONISLAW GIMPEL und den glänzend aufspielenden BAMBERGER SYMPHONIKERN Referenzstatus. Es ist für mich ein wunderbares Dokument des Konzertdirigenten HOLLREISER. Solist und Orchester verstehen sich exemplarisch, und das Ergebnis ist einzigartig harmonisch und klangvoll.








    wok



    Hallo Willi,


    Vielleicht läßt es sich ja machen, daß Du meine neuen Thread-Interpreten ALOIS MELICHAR und ANSHEL BRUSILOW iin Zukunft in Deinen Gedenktagserinnerungen, die ich immer mit besonderem Interesse lese, mit einschließt, denn ich meine schon, daß Künstler, von denen Threads existieren, generelll bei Gedenktagsmeldungen berücksichtigt werden sollten. Ich vermute, daß dies ohnehin der Fall ist. Andererseits werden das immer mehr, und ich könnte mir vorstellen, daß Du irgend wann doch einmal die Reißleine ziehen mußt, weil soviele Personen von Dir einfach nicht mehr bewältigt werden können.


    Viele Grüße

    wok.

    TEODOR LEZETYCKI - oder meiist in deutsch THEODOR LESCHETIZKY, noch Schüler von CARL CZERNY und SIMON SECHTER - über diesen polnischen Pianisten wurde in unserem Forum schon einiges geschrieben, allerdings unter dem deutschen Namen LESCHETIZKY - Willy verfaßte einen sehr ausführlichen und interessanten Beitrag zu dessen 100. Todestag - doch immer wieder, wenn man diesen Namen liest, erstarrt man fast in Ehrfurcht vor dessen künstlerischer Lebensleistung und muß sich ziügeln, um nicht erneut seine ganze Lebensgeschichte zu wiederholen. LESCHETIZKY war eben nicht nur ein berühmter Pianist, sondern er war vor allem in Sankt Petersburg auch Dirigent, wo er immer öfter für seinen Freund ANTON RUBINSTEIN einsprang, er war Komponist, wenn auch ohne anhaltenden Erfolg, und er war ab 1844 - und besonders nach Rückkehr 1878 von Sankt Petersburg, wohin er sich 1852 begeben hatte, und wo er vom Zarenhof auch sehr verehrt und gefördert wurde - vor allem leidenschaftlicher und äußerst erfolgreicher und international gesuchter Pädagoge und Lehrer von zahlreichen Klavierschülern, aus denen ebenfalls weltbekannte, gefeierte Pianisten wurden. Eine ähnlich große Zahl von erfolgreichen Schülern konnte vermutlich in dieser Zeit nur noch MARGUERITE LONG in Paris aufweisen. Von den bekanntesten LESCHETIZKY-Schülern ist wohl mit an erster Stelle PADEREWSKI zu nennen, der in dieser Zeit wohl meistgefeierte und höchstdotierte Pianist, seinerseits Lehrer von WITOLD MALCUZYNSKI, dem er durch seine intensive Ausbildung und Förderung zu einer großen Karriere als CHOPIN-Interpret verhalf, ferner SCHNABEL, MOISEIWITSCH, GABRILOWITSCH, FRIEDMANN, HAMBOURG, WITTGENSTEIN, HORSZOWSKI, KLIMOV, NEY (die allerdings schon nach kurzer Zeit zu EMIL SAUER wechselte) und noch einige mehr. Etwas außergewöhnlich und skurril ist in diesem Zusammenhang wohl schon, daß LESCHETIZKY 4 seiner Schülerinnen heiratete, mit denen 3 Ehen scheiterten. Seine zweite Frau ANNETTE ESSIPOW war lange Zeit seine Duo-Partnerin.


    1886 trat LESCHETIZKY das letzte Mal öffentlich auf, dann übernahm er die CZERNY-Schule in Wien, legte bei der Ausbildung seiner Schüler aber weniger Wert auf Theorie und Technik, sondern auf die Zusammenhänge aller Details innerhalb des zu interpretierenden Werkes.


    Ich wollte mich eigentlich kurz fassen, da doch schon etliche Beiträge zu dieser großen Künstlerpersönlichkeit vorliegen, doch hielt ich es dann doch für angebracht, an diesem Gedenktag nochmals einige wichtige Stationen und Leistungen seines Lebens ins Gedächtnis zu rufen.

    wok

    Für die vierte Suite, die "Mozartiana" konnte ich mich voll begeistern, nachdem ich 1971 aus den USA die RCA Victor LP geliefert bekam und mir die bezaubernde und mitreißende Aufnahme dieser Suite durch ANSHEL BRUSILOW mit seiner CHAMBER SYMPHONY OF PHILADELPHIA anhörte! Ähnlich wie TSCHAIKOWSKY MOZART liebte wie keinen anderen Komponisten (in sein Tagebuch schrieb er am 02.10.1886: "To me, Mozart ist the culminating point of all beauty in the sphere of music. He alone can make me weep and tremble with delight at the consiousness of the approach of that which we call the ideal...") was ihn dann auch zu dieser Komposition veranlaßte, hat sich diese Liebe zu MOZART - und was TSCHAIKOWSKY aus einigen seiner Kompositionen machte - offenbar unmittelbar auf den Dirigenten BRUSILOW übertragen, und so erging es schließlich auch mir so, daß ich diese Musik, die diese Aufnahme vermittelte, uneingeschränkt liebte, und auch heute noch zu den besten Aufnahmen zähle, die ich bisher hörte. Es wird mit einem ziemlich großen Kammerorchester mit hervorragender Bläserbesetzung mit großer Klangpracht und wunderbaren, überzeugenden Klangabstufungen und Kontrasten musiziert. BRUSILOW mit seinem russischen Blut weiß, wie er seinen TSCHAIKOWSKY spielen muß, und doch atmet das Ganze doch durchweg mozartsches Flair. Eine herrliche, mitreißende Aufnahme, die ihresgleichen sucht.


    TSCHAIKOWSKY komponierte diese Suite im Sommer 1887 teils bei seinem Bruder im Kaucasus, teils in Aachen bei einem guten Freund. Uraufgeführt wurde diese am 26.11.1887 in Moskau durch den Komponisten selbst, auf Einladung der Russischen Musikgesellschaft, und die Aufführung wurde zu einem großen Erfolg.

    Die Aufnahme dieser LP enthält auch noch TSCHAIKOWSKY's Andante Cantabile op. 11 und ARENSKY's "Variationen über ein Thema von Tschaikowsky op. 35 A.


    • ANSHEL BRUSILOW wurde am 14. 08. 1928 in Philadelphia geboren und hatte russisch-jüdische Eltern. Er studierte zunächst bei EFREM ZIMBALIST Violine, trat schon mit 5 Jahren auf und wurde dann, mit einem Preis ausgezeichnet, 1944 der jüngste Assistent von PIERRE MONTEUX, mit dem er 10 Jahre lang arbeitete. Unter ORMANDY's Leitung debütierte er dann als Solist mit dem PHILADELPHIA ORCHESTRA. 1955 wurde er Konzertmeister beim CLEVELAND ORCHESTRA unter GEORGE SZELL, und 1959 Konzertmeister des PHILADELPHIA ORCHESTRA unter ORMANDY. 1961 gründete er das PHILADELPHIA CHAMBER ORCHESTRA, und von 1966 - 1968 leitete er dann diese CHAMBER SYMPHONY OF PHILDELPHIA. 1970 - 1973 war er leitender Direktor und Dirigent des DALLAS SYMPHONY ORCHESTRA. ANSHEL BRUSILOW starb am 15.01.2018


      ANSHEL BRUSILOW erhielt übrigens auch den Kritikerstern von FONO FORUM für seine RCA-Aufnahme von RAVEL's "Le tombeau de Couperin", IBERT's "Capriccio" und FRANCAIX's "Sérénade".



    • wok

    Lieber Willy,


    Es freut mich sehr, daß Du seit meinem ausführlichen Thread und Beitrag über JUDITH RASKIN

    vom 07. 11. 2016 mit dem Titel "JUDITH RASKIN - eine beeindruckende amerikanisiche Sängerkarriere verkürzt durch Krankheit und frühen Tod"

    diese so vorzügliche Sopranistin nun immer im Blick hast, und nun auch wieder an ihren 91. Geburtstag gedacht hast. Dein enormes Pensum, das Du täglich mit dem Hinweis auf die Gedenktage wichtiger Musiker leistest, oft mit vielen aufwändigen Fotos, Abbildungen und Texten, ist wirklich bewundernswert und kann nicht genug gewürdigt werden. Dafür immer wieder ein großes Dankeschön an Dich, lieber Willy! Gerade bei Komponisten, Werken und vor allem Interpreten, von denen vor allem die jüngere Generation oft noch nicht einmal mehr den Namen kennt, ist es so wichtig, daß es noch jemanden gibt, der die Existenz und das Lebenswerk vor allem vernachlässigter oder gar vergessener Musiker immer wieder ins Gedächtnis zurückruft. Es ist dies in der Tat eine der vornehmsten Aufgaben dieses Forums, nicht zuzulassen, daß einstige musikalische Persönlichkeiten, die in ihrer Zeit Millionen von Menschen mit ihrem Können beeindruckten, begeisterten und Freude schenkten , am Ende völlig in Vergessenheit geraten.


    Über JUDITH RASKIN habe ich in meinem Thread und einigen zusätzlichen Beiträgen schon das wichtigste gesagt. Inzwischen dürfte zumindest ihre Mitwirkung in den exzellenten Aufnahmen von MAHLER's 4. Sinfonie unter SZELL und von BEETHOVEN's "Christus am Ölberg" unter ORMANDY und die sehr guten Kritiken dieser Aufnahmen dazu beigetragen haben, daß sie auch in Europa noch nicht ganz vergessen ist. Der große Ruf, den sie in den USA genoß, ist leider nie richtig nach Europa durchgedrungen.


    Für mich ist nach wie vor ihre Stimme in der Aufnahme von MOZART's Motette Exsultate, Jubilate, KV 165 mit Mitgliedern des CLEVELAND ORCHESTRA unter GEORGE SZEL ein absoluter Ohrenschmaus. Ich ließ mir diese LP des Labels Columbia 1971 extra aus den USA kommen, da mir schon einige Jahre zuvor diese Sängerin in Rundfunkaufnahmen aufgefallen war. JUDITH RASKIN singt dieses ansprechende Frühwerk MOZARTs fast überirdisch schön und mit imponierender Sicherheit und großem Wohllaut in den Koloraturen. Ich habe dieses Werk in vergleichbarer Vollendung bisher nur von ELLY AMELING in iher Philips Einspielung mit dem ENGLISH CHAMBER ORCHESTRA unter RAYMOND LEPPARD gehört, wobei das CLEVELAND ORCHESTRA schon mit noch etwas mehr Drive aufwartet.




    Viele Grüße

    wok

    Schön, daß auch der dritte der komponierenden Bach-Söhne - JOHANN CHRISTOPH FRIEDRICH - der sogenannte "Bückeburger" BACH, da er 55 Jahre lang als Kammermusiker am Bückeburger Hof wirkte, hier nicht vergessen wird! Er wurde nicht zuletzt auch durch seine Freundschaft zu HERDER bekannt. Gespielt werden heute noch vor allem seine Orchesterwerke (Klavierkonzerte), Chormustik (Oratorien und Kantaten), Klaviermusik (Sonaten) und gelegentlich seine Kammermusik (Flötenquartette und Septett). Von ihm schätze ich vor allem seine leider wenig gespielte Kammermusik, u. a. seine Sonate G-Dur für Cembalo, Flöte und Viola, und seine Sonate für Flöte, Oboe, Gambe und Cembalo. Leider habe ich für diese beiden Werke noch keine Aufnahme gefunden.

    Mit als erstes Kammermusik-Ensemble machten sich die FREIBURGER BAROCKSOLISTEN um die Einspielung der Werke von JCF BACH verdient.


    wok

    Den Glückwünschen von Willy zum denkwürdigen 93. Geburtstag von INGRID HAEBLER schließe ich mich. wenn auch etwas verspätet, von ganzem Herzen an. Schon in den frühen 50er Jahren wurde ich auf diese begnadete MOZART-Interpretin aufmerksam und verfolgte ihre pianistsiche Karriere hautnah, als ich für PHILPS in den 60er Jahren mit ihrer Einspielung aller MOZART-Klavierkonzerte und Sonaten, wie auch der Variationen begann, und ich die Einführungstexte auf der Rückseite der Platten-Cover ins Deutsche übersetzen durfte. Sie stammte aus einem hochmusikalischen Elternhaus, in dem so berühmte Künstler wie CLAUDIO ARRAU, BRONISLAW HUBERMAN, ROBERT CASADESSUS und viele andere verkehrten. Glücklicherweise erkannte ihre Mutter, ebenfalls eine Pianistin - wie später auch CASADESSUS - die überragende Begabung ihrer Tochter und ließ diese bereits mit 11 Jahren am SALZBURGER MOZARTEUM studieren. Pianisten-Koryphäen wie NIKITA MAGALOFF und MARGUERITE LONG waren ihre Lehrer. Denkwürdigerweise kehrte sie mit 43 Jahren an das MOZARTEUM als Professorin zurück.

    Sie galt bald als eine der bedeutendsten MOZART-Interpretinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr MOZART-Spiel bestach durch Wärme, höchste Nuancierung, sorgfältige Phrasierung und einen singenden Ton. Selbst der so kritische JOACHIM KAISER bescheinigte ihr "allerfeinstes Gefühl für die Seele mozart'scher Musik" Bereits in den 1960er Jahren fand sie zum Hammerklavier, auf dem sie vor allem die frühen Klavierkonzerte MOZARTs und Sonaten von JOHANN CHRISTIAN BACH spielte. Eine meiner Lieblingsaufnahmen mit ihr auf dem Hammerklavier ist die Aufnahme von MOZART's frühen Klavierkonzerten KV 37, 39, 40 und 41 mit der exzellenten und gleichgesinnten CAPELLA ACADEMICA WIEN unter dem kongenialen Eduard MELKUS.


    Einer ihrer wichtigsten Partner für Kammermusik war ARTHUR GRUMIAUX, mit dem sie u. a. auch SCHUBERT's Forellenquintett einspielte. (u. a. auch mit JANZER!!) Überhaupt war INGRID HAEBLER nicht nur eine wunderbare MOZART-Spielerin, sondern auch eine großartige, hochsensible SCHUBERT-interpretin! Schon 1960 spielte sie SCHUBERT's Sonaten ein, und ihre klare, schlichte, prägnante Spielweise fanden weltweit hohe Anerkennung. Ihre Einspielung der Impromptus op. 90 und 142 besticht durch Schlichtheit, aber auch Wärme. Besonders was das op. 90 angebetrift, so habe ich bis heute keine Aufnahme gehört, die meinen eigenen Vorstellungen von diesem Werk besser entspräche. Vom op. 142 gibt es mit JÖRG DEMUS und ALFRED BRENDEL ähnlilch wunderbare Aufnahmen. Auch bei der Einspielung der Sonaten HAYDNs fühlt sie sich ganz in ihrem Element.







    wok


    Ich freue mich sehr darüber, daß Willy den Todestag von CARL FRIEDRICH ABEL nicht vergessen hat. Es existiert ja ein ausrührlicher Thread über diesen Komponisten von Alfred, und auch ich habe schon mit mehreren Beiträgen an das Schaffen von CFA erinnert.

    Schon in meiner frühen Jugend wurde ich vor mehr als 60 Jahren durch gelegentliche Konzertsendungen im Rundfunk auf ABEL aufmerksam, und ich beschäftigte mich seitdem besonders intensiv mit dessen Leben und Schaffen. Sehr gute Einblicke hierzu lieferte mir auch das Buch WALTER KNAPES "Karl Friedrich Abel - Lieben und Werk eines frühklassischen Komponisten" mit vielen interessanten Notenbeispielen. Seine Musik erkenne ich schon nach wenigen Takten, was durchaus für seinen spezifischen Musizierstil spricht. PAUL DOMBRECHT z. B. gelingt es mit seinem Ensemble "Il Fondamento", den richtigen Ton für ABEL's zauberhafte frührklassischen Ouvertüren und Sinfonien zu treffen, und mitreißend die schnellen Sätze der Werke, wie auch stilsicher und einfühlsam die immer wieder gerühmten verträumten, empfindsamen Adagios ABELs wiederzugeben. Eine Musik,zeugend von großem kompositorischem Können und klanglicher Ästhetik, voller immer wieder neuer, überraschender Einfälle in einem durchaus ganz eigenen Stil, der am ehesten an HAYDN erinnert. Wer sich für eine Zeitlang einmal der Unrast und Hektik unserer Zeit entziehen will, dem sei als Medizin ABEL's Musik empfohlen, vor allem seine Kompositionen für sein Parade-Instrument, die Gambe, die dann auch neugierig machen auch seine Klavier- und Flötenkonzerte, und seine vielfältige Kammermusik zu hören. Kompositionen für Viola da Gamba solo gehören unbedingt dazu. Gewiß huldigte CFA noch dem galanten Stil der MANNHEIMER SCHULE, doch geht er vielfach doch schon eigene neue Wege, und die wunderbar versonnenen Mittelsätze seiner Sinfonien und Konzerte ließen in jener Zeit aufhorchen und fanden großen Gefallen. LEOPOLD MOZART empfahl seinem Sohn zu dessen London-Reise auch ganz ausdrücklich , ABEL aufzusuchen und dessen Werke zu studieren, was dieser auch prompt befolgte, indem er einige seiner Sinfonien kopierte, um daraus zu lernen.Auch JOHANN CHRISTIAN BACH war von dem Kompositionsstil ABELs angetan, vor allem aber von dessen hoher Virtuosität auf der Gambe. Die von den Beiden ins Leben gerufene BACH-ABEL-CONCERTS schrieben von 1760 - 1785 in ganz Europa Musikgeschichte.

    Ab den 50er Jahren suchte ich verzweifelt nach Schallplattenaufnahmen von CFA, doch selbst in 1969 verzeichnete der Bielefelder Katalog ganze 2 LPs von ABEL! Inzwischen hat man längst die vielfältige Kunst dieses Komponisten erkannt, und es dürften schon mehr als 25 Aufnahmen von seinen Kompositionen veröffentlicht worden sein.


    Einige für mich besonders hörenswerte Einspielungen als kleine Beispiele der Kompositionskunst von CARL FRIEDRICH ABEL:







    /www.youtube.com/watch?v=_j0NOvvVgCw


    /www.youtube.com/watch?v=c7kVfDN-Qho


    Ganz besonders interessant finde ich die CD mit dem Titel "MR ABEL'S FINE AIRS", auf der die ganz hervorragende Gambistin SUSANNE HEINRICH 24 Stücke für Viola da Gamba solo spielt! Kann ich sehr empfehlen!


    wok



    Zitat



    Gerne erinnere ich mich an den 96. Geburtstag des großartigen holländischen Geigers HERMAN KREBBERS, der erst im Mai letzen Jahres starb, der auch ein gesuchter Pädagoge war, Lehrer u. a. von FRANK PETER ZIMMERMANN.


    Seine so gefühlvolle Einspielung von MAX BRUCH's Violinkonzert mit dem EUROPA-ORCHESTER unter HEIN JORDANS hat für mich neben der etwas mehr virtuosen Aufnahme durch ISAAC STERN unter ORMANDY Referenzstatus. Auf seiner Geige "Guarneri del Gesù von 1741 zaubert er einzigartige Töne und Klänge, die in ihrer Stimmung dem so romantischen Charakter dieser Komposition voll Rechnung tragen, ohne dabei dem häufig so süßlichen Duktus manch anderer Interpreten zu erliegen.


    HERMAN KREBBERS debütierte bereits im Alter on 9 Jahren als Solist. 1950 wurde er zum Konzertmeisters des RESIDENZORCHESTERS DEN HAAG ernannnt. Er war Mitbegründer des berühmten GUARNERI-TRIOS.


    Interessant auch seine Einspielung auf TELEFUNKEN von NARDINIS Concerto für Violine, Streichorchester und Cembalo Continuo A-Dur mit dem AMSTERDAMER KAMMERORCHESTER unter ANDRÉ RIEU sen, mit GUSTAV LEONHARD, Cembalo.




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    wok


    Ich besitze diese alte 17er LP mit HEINRICH SCHLUSNUS, und bin von der gleichzeitig offenbarten Einfachheit des Vortrags, wie auch der Fülle und Kraft seiner Stimme immer wieder beeindruckt und berührt. Wirklich ein Juwel in meiner LP-Sammlung, und wer ein Liebhaber dieser Stimme ist, und diese historische Aufnahme noch nicht besitzt, der sollte sich diese bei Amazon noch verfügbare Aufnahme sichern.


    Heinrich Schlusnus in Memoriam, Agnus Die (Bizet), Caro mio ben (Giorddani), Ave Maria - Bach-Gounod, Largo - Händel

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    wok

    Da möchte ich mich aber ganz schnell an die Glückwünsche zum denkwürdigen Geburtstag von JÖRG FAERBER anschließen!! Ich lernte diesen unauffälig immer im Dienste des Komponisten und seines Werke wirkenden Dirigenten vor ca. 40 Jahren nach einem Konzert in Weiden mit dem berühmten Kontrabassisten LUDWIG STREICHER als einen äußerst sympathischen und bescheidenen Künstler kennen. Schon damals genoß sein WÜRTTEMBERGISCHES KAMMERORCHESTER einen exzellenten Ruf vor allem für die Interpretation von Barockmusik, und dieses Orchester erntete bei seinen Auftritten auch international viel Beifall, vor allem auch mit Solistenkonzerten, für die sehr renommierte Instrumentalisten und Sänger gewonnen werden konnten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine schlechte Kritik über ein Konzert oder eine Einspielung dieses Kammerorchesters gelesen zu haben.


    Ganz besonders ans Herz gewachsen sind mir zwei Aufnahmen des WKO unter JÖRG FAERBER:


    - die Einspielung des Konzertes für Flöte, Oboe und Orchester C-Dur von SALIERI mit den vorzüglichen Solisten ROBERT DOHN, Flöte und ALFRED SOUS, Oboe, und dem Konzert für 2 Flöten und Orchester G-Dur von CIMAROSA mit ROBERT DOHN und HELMUT STEINKRAUS als Solisten und


    - die Einspielung von 10 überwiegend frühen MOZART-Ouvertüren, und zwar zu Lucia Silla - Apollo und Hyacinthus - Il Sogno di Scipione - Bastien und Bastienne - Il Ré pastore, Mitridate - Ascanio in Alba - Idomeneo - Der Schauspieldirektor und La Clemenza die Tito. Es ist sehr verdienstvoll, sich dieser z. T. doch wenig gespielten Ouvertüren angenommen, und diese auf einer LP vereinigt zu haben. Auch hier ist die Wiedergabe dieser z. T. so verschiedenen Werke trefflich und interpretatorisch auf dem gewohnt hohen Niveau.


    wok



    Salieri* / Cimarosa* / Corrette* - Robert Dohn, Alfred Sous, Helmut Steinkraus, Klaus Pohlers, Württemberg Chamber Orchestra, Heilbronn*, Jörg Faerber, Mainz Chamber Orchestra*, Günter Kehr ‎–Concerto In C Major For Flute, Oboe & Orchestra / Concertante In G Major For 2 Flutes & Orchestra / Concerto In G Major For Flute, Strings & Continuo

    Concerto In C Major For Flute, Oboe & Orchestra / Concertante In G Major For 2 Flutes & Orchestra / Concerto In G Major For Flute, Strings & Continuo (Vinyl, LP, Stereo) Plattencover

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    Label:
    Turnabout ‎– TV 34307S, Turnabout ‎– TV.34307S
    Format:
    Vinyl, LP, Stereo


    Land:
    UK
    Veröffentlicht:
    1969
    Genre:
    Classical
    Stil:
    Classical

    MICHEL-RICHARD DELALANDE war Sohn eines Schneiders und Hofmusikintendant Ludwigs XV. Komponierte u. a. 60 Motetten, die auf Kosten des Königs 1729 in Prachtausgabe in Heften von je 2 Stücken gedruckt wurden. Er schrieb auch eine Oper "Mélicerte" (Text nach Molière) und mehrere Ballette. Bis heute berühmt geblieben sind aber seine "Symphonies et Fanfares pour les Festes sur le Canal de Versailles", "Les fontaines de Versailles" und vor allem die "Symphonies pour le soupers du Roy." Von letzterem gibt es einige sehr interessante Aufnahmen und Teilausschnitte - man hat hier wirklich die Qual der Wahl - besonders zu empfehlen sind aus meiner Sicht:


    - Aufnahme bei ERATO durch JEAN-FRANCOIS PAILLARD und seinem ORCHESTRE DE CHAMBRE JEAN-FRANCOIS PAILLARD


    - Aufnahme bei Philips durch ARMAND BIRBAUM mit dem ENSEMBLE D'INSTRUMENTS À VENT ET FANFARES mit den herausragenden Solisten MAURICE ANDRÉ, Trompete und PIERRE COCHEREAU, Orgel


    - Aufnahme bei der DGG durch PAUL KUENTZ und seinem ORCHESTRE DE CHAMBRE, mit durchweg erstklassigen Solisten wie EDITH SELIG, Sopran, ADOLF SCHERBAUM, Trompete, JACQUES REMY, Pauken, MAURICE BOURGUE und EMILE MAYOUSSE, Oboe,ANDRÉ SENNEDAT, Fagott und HUGUETTE GREMY, Cembalo, nicht zuletzt



    wok


    Leider wurde der Jahrhundertgeiger CHRISTIAN FERRAS in Deutschland wohl nie so bekannt wurde wie in anderen Ländern - trotz der Zusammenarbeit mit KARAJAN. Durch seinen frühen Tod (Freitod mit 49 Jahren) hatte er leider auch nicht so lange Zeit wie manch anderer große Virtuose, sich in die Herzen der Musikliebhaber zu spielen. Die Intensität seines Spiels war ungeheuerlich, und ihn mit dem BRAHMS' Violinkonzert zu hören (aufgenommen sowohl unter KARAJAN als auch unter CARL SCHURICHT), ist immer wieder ein Erlebnis. Für mich ist CHRISTIAN FERRAS der ideale Geiger für die Interpretation des BRAHMS-Violinkonzerts. Allerdings ziehe ich die ältere Einspielung aus den frühen 50er Jahren mit den WIENER PHILHARMONIKERN unter CARL SCHURICHT der wohl wirkungsvolleren späteren stereophonischen Einspielung durch KARAJAN und den BERLINER PHILHARMONIKERN vor- , obwohl die Aufnahme mit KARAJAN interpretatorisch als die noch virtuosere und kontrolliertere gilt . da mir von KARAJAN eine etwas zu große Kühle, und eben auch Kontrolle, ausgeht, und er wohl dem Geiger etwas zu viel Disziplin abverlangt, während FERRAS unter SCHURICHT seinem unbekümmerten, leidenschaftlichen, schwärmerischen und höchst expressiven Spiel noch freieren Lauf lassen kann. Unter SCHURICHT kann man einfach den authentischeren, ungezügelteren CHRISTIAN FERRAS  hören. Für mich hat er mit SCHURICHT auch mehr künstlerische und menschliche Gemeinsamkeiten. Unter CARL SCHURICHT klingt für mich BRAHMS näher, wärmer, lyrischer und vor allem romantischer. Es ist einfach großartig, welche innere Dynamik und welche Verve CHRISTIAN FERRAS  bei dieser Interpretation des BRAHMS-Violinkonzertes entfaltet. Ich habe die für die Interpretation dieses Werk erstrebenswerten Attribute in keiner anderen der unzählig vorliegenden Einspielungen jemals so überzeugend wieder vorgefunden.




    wok

    Hallo Nemorino,


    Danke für Deine Meldung. Aber Du hast doch das Cover Deiner Aufnahme mit der Symphonie Espagnole mit GIMPEL/ RIEGER selbst in das Tamino übertragen!? Oder hast Du das von AMAZON übertragen?


    Die großartige Aufnahme der Symphonie Espagnole mit STERN/ORMANDY, (GREAT PERFORMANCES) auf die Du Dich jetzt beziehst, dürfte die gleiche sein wie meine von MUSIQUE CLASSIQUE, denn auf beiden ist auch das Violinkonzert von MAX BRUCH; übrigens neben der mit KREBBERS/JORDANS die schönste Aufnahme dieses herrlichen Violinkonzerts, die ich kenne.


    Viele Grüße

    wok

    Lieber Nemorino,


    Vielen Dank für Deinen Hinweis auf die Aufnahme der sehr hörenswerten Symphonie Espagnole durch BRONISLAW GIMPEL, die ich tatsächlich noch gar nicht kannte! Noch dazu unter FRITZ RIEGER, auch ein so fast vergessener großer Dirigent, und ein kleiner Geheimtipp, denn nicht umsonst erhielt er einige sehr wertvolle Auszeichnungen, und seine MÜNCHNER PHILHARMONIKER hatten ebenfalls Qualität. Er war ja auch ein Schüler von GEORGE SZELL!! Diese Aufnahme gibt es übrigens auch auf youtube!!


    Meine Referenz-Aufnahme für dieses tolle Werk ist übrigens die CBS-Aufnahme mit ISAAC STERN und dem PHILADELPHIA ORCHESTRA unter EUGENE ORMANDY:


    Mich würde auch einmal interessieren, wie Du es zustande bringst, dieses Platten-Cover auf Tamino zu übertragen!




    Viele Grüße

    wok

    Lieber Willy,


    Sehr interessant Deine Auflistung über alle Deine Aufnahmen mit ELLY NEY. Ist ja immerhin einiges!


    Ja, Deine so ausführliche und spannende Besprechung der BEETHOVEN-Sonaten von ELLY NEY hatte ich damals gelesen! Das Ergebnis war ja nicht so schlecht!!!


    Viele Grüße

    wok

    Hallo lieber Willi,


    Ja, das ist besonders bei größeren Texten eine gute Idee, Beiträge erst einmal fertig vorzubereiten und dann zu speichern, und erst dann auf Tamino zu übertragen.


    Ja, Deinen weiteren Beitrag über COR DE GROOT im Erinnerungsthread habe ich gesehen und mit Interesse gelesen. Vielen Dank auch für den nochmaligen Hinweis.


    Wie sich das mit dem "bearbeiten" genau verhält, muß ich später nochmals in Ruhe studieren.


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Willi,


    Vielen Dank für Deinen Kommentar zu meinem Problem mit dem "bearbeiten".

    Inzwischen ist mein Entwurf wie durch Geisterhand wieder aufgetaucht und ich habe diesen jetzt abgeschickt.

    Für welchen Zweck das "bearbeiten" gut sein soll, weiß ich wirklich nicht, aber lassen wir das jetzt gut sein.


    Nochmals besten Dank!


    wok

    Zitat von Nemorino:


    "Ich habe Elly Ney bei einem Bonner Beethovenfest (1964 oder 1966?) noch persönlich erleben dürfen. Ein unvergeßlicher Abend! Die alte Dame, sie war damals schon über die 80, hat das "Emperor"-Konzert gespielt; man hätte fast meinen können, der Komponist selber säße am Klavier. Ich war mit einem Freund dort, wir waren so beeindruckt, daß wir fast vergessen haben Beifall zu klatschen. Wir haben in ihr nur die Kunstpriesterin gesehen, die völlig in ihr Spiel und das Werk versunken war. So etwas bleibt ein Leben lang in der Erinnerung …."




    Lieber Nemorino,

    Lieber Holger,


    Auch ich durfte ELLY NEY noch persönlich erleben, und zwar 1962 im Huttensaal in Würzburg, wo sie - wen wundert es - BEETHOVEN-Sonaten spielte. Auch für mich war dies ein überwältigendes Erlebnis, und ich habe darüber ausführlich in einem Beitrag vom 07.12. 2014 unter dem Thread-Titel "Verblassender Ruhm von Interpreten - Vol 2 - Die Instrumentalsolisten" berichtet, und über diese außergewöhnliche Pianistin auch noch einige kleinere Beiträge geschrieben. Damit Du nicht lange suchen mußt, drucke ich hier nochmals den Text meines Hauptbeitrags ab:


    • "Ich glaube, kein anderer Pianist, und keine andere Pianistin, hat sein bzw. ihr Lebenswerk so umfassend und leidenschaftlich BEETHOVEN gewidmet wie ELLY NEY. Es war ihr auch ein großes Anliegen, die Jugend für BEETHOVEN und klassische Musik im allgemeinen zu gewinnen, und so hielt sie auch immer wieder Vorträge über diesen Komponisten und sein Schaffen, und auch in Konzerten erläuterte sie oft die von ihr interpretierten Werke, um diese den Zuhörern nahezubringen. Bei der Lektüre ihres Buches "Ein Leben für die Musik" begreift man, wieviel BEETHOVEN ihr bedeutete, und wer sie bei ihren Konzerten erlebte, der wird die Aura, die von ihr unmittelbar ausging, ebensowenig vergessen, wie ihre leidenschaftliches Spiel selbst. Und wenn man sie am Flügel agieren sah, dann konnte man schon meinen, der leibhaftige BEETHOVEN selbst säße da, zumal sie auch physiognomisch eine frappierende Ähnlichkeit mit diesem aufwies, wenn man einmal von ihrer weißen "Mähne" absah.


      Ich erlebte ELLY NEY in einem Vorweihnachtskonzert 1962 in Würzburg, als sie im großen überfüllten Huttensaal ein BEETHOVEN-Konzert gab, in dem die damals 80-Jährige seine Sonaten Nr. 12 As-dur op. 26, Nr. 23 f-moll op. 57 und Nr. 32 c-moll op. 111 zu Gehör brachte. Sie abolvierte diese so fordernde Werkfolge auch in diesem Alter souverän und musizierte ihren BEETHOVEN immer noch mit der gleichen Selbstdisziplin und er gleichen Selbstkontrolle, die man von ihr gewohnt war, und wohl jeder war fasziniert von der schier unerschöpflichen Kraft, die sie vermittelte, und dem unbeschreiblichen Fluidum, das sie unmittelbar verbreitete, und dies, obwohl ihr Spiel und ihr Auftreten bar jeder starhaften Allüren oder applausheischenden Effekte war. So einfach wie sie sprach und sich gab, und so in sich versunken sie am Flügel saß, so spielte sie auch, äußerlich, doch mit ergreifender Größe und Tiefe. Für den nicht enden wollenden Applaus bedankte sie sich dann auch noch mit dreii Zugaben, und zwar mit Variationen des op. 34, sowie mit dem von ihr beonders geliebten Rondo op. 129, der "Wut über den verlorenen Groschen", und nachdem der Beifall gar kein Ende finden wollte, verabschiedete sie sich dann endgültig augenzwinkernd mit BRAHMS' "Guten Abend, gute Nacht"!! Ein unvergeßlicher Musikabend!


      Schon als ELLY NEY am 15. Oktober 1921 in der dichtgefüllten CARNEGIE HALL ihr erstes Konzert in den USA mit einem reinen BEETHOVEN-Programm gab, konnte sie ihr Publikum mit ihrem Spiel nachhaltig beeindrucken, und eine der Pressestimmen lautete: "Die Sensation der beginnenden Musiksaison war das amerikaschine Debüt von ELLY NEY in der CARNEGIE HALL. Die ganze musikalische Welt, von der Primadonna und dem Impressario bis zum Klavierfabrikanten und Schallplattenmagnaten, füllten den Saal... Elementares Feuer ist in ihrer Interpretation, Brillanz und Kraft in ihrer Gestaltung....Sie spielte die Hammerklaviersonate mit Einfühlungsvermögen, wenn nicht gar mit der Leidenschaft des alten RUBINSTEIN...Mit jeder Saison kommen und gehen Pianisten. Aber Frau NEY ist eine von denen, mit denen man rechnen muß..."


      Ich bin sicher, daß der Name ELLY NEY noch über viele Jahrzehnte zumindest für alle BEETHOVEN-Verehrer einen besonderen Klang haben, und diesen im Gedächtnis bleiben wird. Auf meinem Flügel steht bereits seit Jahrzehnten ein von ihr signiertes Original-Foto, und auch auf diesem Foto erinnert mich die schon greise Pianistin nicht nur an das mit ihr erlebte denkwürdige Konzert, sondern an BEETHOVEN selbst.

      wok"

    Zumindest zu diesem Zeitpunkt erschien mir die damals 80-Jährige ELLY NEY noch voller Kraft und Leidenschaft, hellwach, konzentriert und präsent, gewiß stets etwas in sich versunken und alle Sinne auf ihren Gott BEETHOVEN fokussiert. Allerdings eine Erscheinung wie aus einer anderen Welt und physiognomisch fast erschreckend an BEETHOVEN, so wie man ihn von Bildern kennt, und wie man sich ihn vorstellt, erinnernd!


    Ich werde diese große Künstlerin - Ihre Erscheinung und natürlich vor allem auch ihr Spiel - nie vergessen.


    Viele Grüße

    wok





    Hallo Willi,


    Ich habe soeben eine größeren Bericht über ELLY NEY für Nemorino und Holger geschrieben und wollte diesen absenden. Da aber mitten im Text das Wort "bearbeiten" erschien - wohl wegen irgend eines Fehlers von mir - versuchte ich dieses Wort zu eliminieren indem ich auf "bearbeiten" klickte. Auch wollte ich 3 große schwarze Punkte, die am Ende des Textes ebenfalls erschienen, loswerden. Doch nun ist der ganze Text verschwunden. Ist dieser irgendwo noch aufzufinden und zu retten?


    Vielen Dank im voraus und beste Grüße

    wok

    Lieber Nemorino,


    Auch mit Deiner Verehrung von STEFAN ASKENASE bist Du nicht allein. Für mich ist er für CHOPIN der große Poet am Klavier, vor allem wenn es um seine Nocturnes und Walzer geht!!. Unter dem Thread-Titel "Chopin-Pianisten von gestern" schrieb ich am 24.08.2014 einen ausführlichen Betrrag über ASKENASE, auch schon am 02. 02. 2013 unter "CHOPIN Klavierkonzerte 1 & 2", und in einem anderen Beitrag schrieb ich über STEFAN ASKENASE:


    "Und STEFAN ASKENASE eiinfach in seinem Buch (Kaiser) zu unterschlagen, geht schon gar nicht. Er galt jahrzehntelang als der große Poet des CHOPIN-Spiels, und ich liebte seine introvertierte Art wie er diese Musik spielte. Aber nicht nur Joachim Kaiser hat ASKENASE vergessen, sondern auch in der Nachwelt spielt er ähnlich wie VÁSÁRY nicht mehr die Rolle, die ihm eigentlich gebührt. Deshalb ist es ganz wichtig, daß sich immer wieder Melomanen auch heute noch finden, die diesen großen Künstlern durch immer neue Hinweise auf deren Lebenswerk Gerechtigkeit widerfahren lasen.


    Ein ähnliches Schickal des Vergessens trifft ja auch die ebenfalls von mir sehr hoch eingeschätzten CHOPIN-Spieler WILOLD MALCUZYNSKY (Mazurken und Polonaises!!!) und PETER FRANKL (Konzertrondo "Krakowiak" und "Andante Spianato et Grande Polonaise op. 22") Auch über diese schrieb ich in meinem Beitrag "CHOPIN-Pianisten von gestern" am 24.08.14.


    Auf ELLY NEY komme ich später noch zurück!


    Viee Grüße

    wok

    Hallo Nemorino,


    Was Du da beklagst, kann ich nur unterschreiben. Wirtschaftliches Denken und Gewinnstreben gilt eben leider auch für die Plattenindustrie, und diese orientiert sich eben an der Nachfrage der heutigen Käufer, wobei die jüngeren unter ihnen kaum noch Interpreten der alten Schule kennen, und leider oft nicht einmal mehr dem Namen nach.

    Ein von Dir genannter Name ist für mich aber ein Begriff, nämlich BRONISLAW GIMPEL, der Bruder des berühmten Pianisten JAKOB GIMPEL, der wohl auch nur noch einigen Insidern bekannt ist. Für das Spiel BRONISLAW GIMPELs konnte ich mich schon in meiner frühen Jugend begeistern. Über ihn habe ich wiederholt in unserem Forum berichtet, und am 23.06.2013 sogar einen Thread gestartet mit dem Titel:


    "BRONISLAW GIMPEL, einer der ganz großen Geiger des 20. Jahrhunderts, den es neu zu entdecken gilt"


    Vielleicht kannst Du diesen Beitrag ja einmal bei Interesse nachlesen.


    Daraus geht auch hervor, daß seine Einspielung von BEETHOVEN's Violinkonzert und der beiden Violin-Romanzen mit den BAMBERGER SYMPHONIKERN unter HEINRICH HOLLREISER für mich einen besonders hohen Stellenwert einnimmt, und für mich Referenzstatus hat


    (Erster Satz)


    Bei Amazon gibt es davon noch ein gebrauchtes Exemplar für 12 € (mono)


    Du bist also nicht allein mit Deinem Interesse für BRONISLAW GIMPEL !!


    Viele Grüße

    wok

    Hallo wok,


    …. meine Befürchtungen haben sich leider erfüllt: Cor de Groot ist so gut wie vergessen! Bisher jedenfalls ist die Resonanz Null, und daran wird sich wohl auch nichts ändern.

    Ähnlich ist es vor ein paar Wochen gegangen, als ich die Pianisten Jakob Gimpel und Conrad Hansen hier ins Gespräch gebracht habe. Auch diese Künstler, die ähnlich wie Cor de Groot bis in den Anfang der 1960er Jahre in jedem klassischen Plattenkatalog Erwähnung fanden, sind inzwischen völlig aus dem Blickfeld der Musikfreunde verschwunden. Das mag man bedauern, zu ändern ist es wohl nicht.

    Lieber Nemorino,


    Über CONRAD HANSEN hatte ich bereits am 15.06.2013 einen Beitrag wie folgt verfaßt:


    "CONRAD HANSEN zählte absolut zu den großen Pianisten seiner Zeit und vertrat noch die alte deutsche Pianisten-Schule eines EDWIN FISCHER, dessen Schüler er war. Gewiß hatte er gegen die schon arrivierten und ganz berühmten Pianisten-Kollegen wie BACKHAUS, ANDA, GIESEKING, KEMPFF, ERMANN, BENEDETTI MICHELANGELI, CORTOT etc. einen schweren Stand.


    Als Wunderkind hatte er zumindest im norddeutschen Raum sehr schnell auf sich aufmerksam gemacht. Bereits mit 10 Jahren gab er sein erstes öffentliches Konzert. 1927 debutierte er als 21-Jähriger in einem Konzert mit den BERLINER PHILHARMONIKERN unter ihrem damaligen Chefdirigenten WILHELM FURTWÄNGLER, mit denen er in der Folge noch öfter als Solist konzertierte. Weltweit berühmt wurde er dann mit seiner Aufname von BEETHOVEN'sKlavierkonzert Nr. 4 mit den BERLINER PHILHARMONIKERN unter WILHELM FURTWÄNGLER, in dem er sich mit den musikalischen Interpretationsintentionen durch den berühmten Dirigenten ganz auf einer Linie bewegt.


    CONRAD HANSEN, den ich in den 50er Jahren auch sehr oft in Rundfunkkonzerten hörte, war auch für andere Dirigenten ein sehr gesuchter und geschätzter Solist. So gab er u. a. Konzerte mit EUGEN JOCHUM, JOSEF WILLEM MENGELBERG, HERBERT VON KARAJAN, ISTVÁN KERTÉSZ, WOLFGANG SAWALLISCH, FERENC FRICSAY, und sogar RICHARD STRAUSS.


    CONRAD HANSEN spielte auch BEETHOVEN-Sonaten ein (Sonate op. 10,1, op. 101, op. 111) , wie auch die BRAHMS-Sonate op. 5, und auch MOZART-Sonaten, und war ein exzellenter Kammermusiker. So gründete er auch sein "HANSEN-TRIO" und nahm mit ERICH RÖHN und ARTHUR TROESTER SCHUBERT's Klaviertrio Es-Dur auf, ebenso wie DVORAK's Dumsky-Trio, mit RÖHN, DOBERITZ und TROESTER nahm er BRAHM's Klavierquartett op. 25 auf, und vieles andere mehr.


    Man schätzte an CONRAD HANSEN besonders dessen Verschmelzung von kluger Getaltung, Herausarbeitung der Zusammenhänge, Reflexion und Sinnlichkeit zu einer wunderbaren Einheit. Besonders verbunden fühlte er sich wohl mit der Musik BEETHOVENs und BRAHMS. So wurde er u. a. mit der "Johannes-Brahms-Medaille der Hansestadt Hamburg" ausgezeichnet.


    CONDRAD HANSEN genoß auch weltweiten Ruhm als Musikpädagoge. Bis ins hohe Alter unterrichtete er und gab Kurse in Hamburg (1960 Nachfolger von EDUARD ERDMANN !!) und an der Lübecker Musikhochschule. Er war übrigens auch Mitbegründer der angesehenen Hochschule für Musik in Detmold."



    Ich wurde auf CONRAD HANSEN erstmals in den 50er Jahren aufmerksam, als er des öfteren Im Rundfunk vor allem mit BEETHOVEN zu hören war. Er setzte ja die gute alte deutsche Pianistentradition eines EDWIN FISCHER, zu dem er nach dem 1. Weltkrieg, 22 Jahre jung, kam, nachdem er bereits im Alter von 10 - 12 Jahren so schwierige Stücke wie die Pathetique, die Liszt-Rhapsodie und SCHUBERT's Wandererfantasie pianistisch beherrschte, der ihm immer wieder predigte, daß es bei den Interpretationen vor allem darauf ankomme, was hinter den Noten steht. Auch lernte HANSEN von ihm ein wunderbares Legatospiel. Großen Wert legte EDWIN FISCHER auch immer auf die Tonbildung und die Fingersätze, womit sich HANSEN dann später besonders beschäftiigte und für die BEETHOVEN-Sonaten extra Fingersätze ausarbeitete, die er dann auch dem Verlag Henle unterbreitete.


    Man kann sagen, daß BEETHOVEN und BRAHMS im Zentrum seines Wirkens standen. Vor allem in den 50er Jahren entstanden mit ihm doch eine Reihe wichtiger Einspielungen, wie für Telefunken Kammermusik von SCHUBERT und DVORAK, für die DGG Sonaten von MOZART - gespielt auf einem Hammerflügel), für Ariola-Eurodisc BEETHOVEN's Klavierkonzerte Nr. 1 und 3. Viele BEETHOVEN-Aufnahmen und Einspielungen zeitgenössischer Werke existieren auch in den Archiven deutscher Rundfunkanstalten.


    CONRAD HANSEN zeigte sich ziemlich kritisch und skeptisch gegenüber Auftritten jüngerer Pianisten, die nach seiner Meinung oft zu schnell und laut spielen würden. Unter den Sängern, die er begleitete, schätze er ganz besonders KARL ERB und MARIA IVOGRÜN: Besonders verehrte die verinnerlichte Spielkunst eines PABLO CASALS


    Viele Grüße

    wok

    .

    Es gab einmal von LUDWIG GÜTTLER eine sehr interessante LP bei CAPRICCIO mit dem Titel "Concerti Corno da Caccia" mit Werken von FASCH - VIVALDI - ZELENKA - SPERGER und RATHGEBER mit den VIRTUOSI SAXONIAE, die ich sehr empfehlen kann. Sehr hörenswerte Werke von z. B. weniger bekannten Komponisten und LUDWIG GÜTTLER at his best. Möglicherweise gibt es diese aber nur noch gebraucht.



    9198008


    wok

    Hallo Willi,


    Nun ist es schon wieder 29 Jahre her, daß ERNA BERGER tot ist. Fast wäre sie 90 Jahre alt geworden. Wer erinnert sich nicht an das jugendliche Timbre dieser weltweit gefeierten Koloratursopranistin, das sowohl in der Oper als auch im Lied zum Tragen kam und entzückte, und das bis ins hohe Alter erhalten blieb. Als sie 1953 in Salzburg die Zerlina unter der Leitung von FURTWÄNGLER sang, sagte er "Sie ist immer noch die Beste, die wir haben." Noch im fortgeschrittenen Alter sang sie an der MET Jungmädchenrollen, und als sie zu ihrem 80. Geburtstag in einem Fernsehportrait SCHUERT'S "Im Abendrot" sang, klang ihre Stimme immer noch jung, frisch und berückend. Ein Phänomen. Ihren Abschied von der Bühne nahm sie Mitte der fünfziger Jahre, doch gab sie dann noch Liederabende und wirkte auch noch bei Operneinspielungen mit, wie z. B. in der Aufnahme von HÄNDEL's Oper "Rodelinde" 1959 mit dem KAMMERORCHESTER BERN unter HERIBERT ESSER. Ihre kongenialen Gesangskollegen waren unter anderem JOSEF TRAXELund HERMANN PREY. Das HAMBURGER ARCHIV FÜR GESANGSKUNST hat dankenswerterweise diese historische Aufnahme herausgegeben.



    Viele Grüße

    wok

    13. Juni 2019, Fortsetzung

    Zitat von Willian B.A.:


    Alan Civil,    * 13. 6. 1929 - + 19. 3. 1989, war ein englischer Hornist und Musiklehrer.

    Heute wäre er 90 Jahre alt geworden.


    Hallo Willi,


    Ich wollte eigentlich über diesen famosen Hornisten, der neben DENIS BRAIN zumindest zu den besten englischen gezählt werden darf, an diesem Gedenktag auch etwas ausführlicher berichten, doch darf ich mit Genugtuung feststellen, daß Du schon alles Wesentliche über ihn berichtet hast. Leider war diesen beiden großen Künstlern kein langes Leben vergönnt. ALAN CIVIL starb mit 59 Jahren, DENIS BRAIN, dieser legendäre Hornist ja sogar mit 36 nach einem Autounfall.


    Abgesehen von den bekannten Solistenkonzerten mit ALAN CIVIL schätze ich vor allem seine Mitwirkung im renommierten Ensemble der LONDON WIND SOLOISTS, die von JACK BRYMER geleitet wurden, seinerseits der wohl wichtigste und beste Klarinettist der englischen Schule, der auch selbst in diesem Ensemble mitwirkt. Vor allem widmete sich dieses Ensemble der Musik für Bläser von MOZART, und ich besetze herrliche Aufnahmen seiner Serenaden KV 361 und 388, wie auch der beiden Divertimenti KV 186 und 253 mit den LONDON WIND SOLOISTS mit JACK BRYMER und ALAN CIVIL als Mitwirkende. Das ist Bläsermusik vom Feinsten in Hochkultur.



    wok






    Hallo Nemonrino,


    Ich glaube schon, daß der zweifelsohne großartige Dirigent VAN BEINUM in der Regel etwas zu einer etwas mehr gemächlichen (im guten Sinne) Spielweise neigte. Natürlich hängt dies auch von dem jeweils gespielten Werk ab. Es ist durchaus denkbar, daß der berühmte ROBERT CASADESUS - ich lernte ihn 1964 beim WÜRZBURGER MOZARTFEST unter RAFAEL KUBELIK mit MOZART's KV 595 kennen, und schon damals fiel mir sein forsches, zupackendes Spiel in den schnellen Sätzen auf, dem sich offenbar auch KUBELIK anpaßte. ROBERT CASADESUS war ja ein begnadeter Mozart-Interpret, und in den langsamen Sätzen war sein Spiel dafür umso vertiefter und beseelter.


    Viele Grüße

    wok


    Lieber Holger,


    Für mich war und ist der Kauf einer LP und CD immer eine spannende Sache, und wenn die Bestellung dann eintraf, konnte ich mich immer auf diese beim Abhören voll konzentrieren und daran erfreuen. Irgendwie geht es mir auch gegen den Strich, Kunst ähnlich wie Kaufhausware im Zehnerpack zu kaufen. Früher, ab den 50er Jahren, gab es auch schon zunehmend Boxen, meist mit 3 LPs. Für größere Werke, wie Opern oder Oratorien war dies ja ohnehin unumgänglich und normal. Enthielt die Box aber Aufnahmen von Interpreten, oder Werke, die mich nicht interessierten, fragte ich oft mit Erfolg bei den Lieferanten an, ob ich aus dieser Box nicht nur eine bestimmte Platte geliefert bekommen könnte. Damals war man diesbezüglich noch sehr entgegenkommend und servicial, vor allem englische und französische Lieferanten, und sie schickten mir dann tatsächlich oft nur die gewünschte Platte aus einer 3er-Box, auch zum entsprechend reduzierten Preis. Das wäre heute kaum noch denkbar, aber meiner selektiven Auswahlpolitik kam dies damals sehr entgegen.


    Viele Grüße

    wok

    Monique Haas,    französische Pianistin, * 20. 10. 1909 - + 9. 6. 1987 --- 32. Todestag


    Die Erinnerung an den 32. Todestag dieser großen französischen Pianistin liegt mir besonders am Herzen. Als Schülerin des berühmten LAZARE LÉVY muß sie sicher auch heute noch mit an erster Stelle genannt werden, wenn es um Interpretationen von SCHUMANN, MOZART, DEBUSSY; RAVEL UND BARTOK geht. Ihre Einspielungen dieser Werke sind eloquente Zeugnisse der singulären Kunst dieser großen Pianistin, und auch der Bedeutung der französischen Pianistenschule.


    Besonders fasziniert bin ich nach wie vor von ihrer Einspielung des SCHUMANN-KLAVIERKONZERTES mit den BERLINER PHILHARMONIKERN unter EUGEN JOCHUM, das ich derart zupackend und rhythmisch- pulsierend, dabei sich durch größte Klarheit auszeichnend, nie wieder so gehört habe. Für mich eine absolute Muß-Aufnahme, die für mich neben der Einspielung durch LILI KRAUS mit dem WIENER STAATSOPERNORCHESTER unter VICTOR DESARZENS, und der Interpretation durch MARTHA ARGERICH Referenz-Status dieses herrlichen Klavierkonzerts genießt.