Beiträge von wok

    Carl Philipp Emanuel Bach,     deutscher Komponist und Kirchenmusiker, * 8. 3. 1714 - + 14. 12. 1788 --- 231. Todestag

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    CARL PHILIPP EMANUEL BACH schlug ähnlich wie seine Brüder WILHELM FRIEDEMANN und JOHANN CHRISTIAN eine völlig andere musikalische Stilrichtung ein als der Vater. CARL PHILIPP EMANUEL war 4 Jahre jünger als WILHELM FRIEDEMANN und erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater, wie auch in der THOMASSCHULE. Wie WILHELM FRIEDEMANN studierte er Rechtswissenschaften an der Universität von Leipzig und später in Frankfurt an der Oder. Durch sein ausgezeichnetes Klavierspiel wurde der Kronprinz Friedrich auf ihn aufmerksam und gab ihm eine Anstellung in seinem Privatorchester. 1740 wurde FRIEDRICH VON PREUSSEN König, und als er als glänzender Flötist sein erstes Solokonzert gab, durfte ihn CARL PHILIPP EMANUEL am Cembalo begleiten. 28 Jahre blieb er am Hof des Königs. Er mußte dort zu jeder Zeit für Konzertwünsche des Königs bereitstehen. Trotzdem fand er immer noch genug Zeit zum Komponieren und für die Aufführung von Konzerten außerhalb des Königshauses. Viele Klaviersonaten und Cembalokonzerte entstanden in dieser Zeit, wie auch sein berühmt gewordenes Buch "Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen". Dieses gibt zuverlässige Auskunft über die Aufführungspraxis des 18. Jahrhunderts.


    Nach seiner so langen Anstellung beim König wurde CARL PHILIPP EMANUEL Musikdriektor von Hamburg's 4 Hauptkrchen, nachdem diese Stelle durch den Tod seines Paten GEORG PHILIPP TELEMANN frei geworden war. Er behielt diese Stelle bis zu seinem Tod. CARL PHILIPP EMANUEL's Wirken in Hamburg erwies sich bald als bedeutender als die Stellung, die seinem Vater in Leipzig zukam. Dank seiner akademischen Ausbildung und seiner langen Anstellung am renommierten Hof Friedrichs wurde er in Hamburg sehr schnell zu einer angesehenen Musikerpersönlichkeit. Er komponierte Arien, Kantaten und Passionsmusiken für Kirchen. Als noch bedeutender erwiesen sich aber seine Improvisationen auf dem Klavier und seine Fantasien, über die seine überlieferte Sammlung "Für Kenner und Liebhaber" beredtes Zeugnis ablegt. Ihm lag in seinen Kompositionen daran, insbesondere auf dem Klavier neue Weg zu gehen, indem er die Sonatenform einführte. Seine "Preußischen Sonaten" und "Württemberger Sonaten für Cembalo" stammen aus jener Zeit, als sein Vater schon nicht mehr lebte. Später lernten MOZART und HAYDN vor allem seine Sinfonien kennen und schätzen, und MOZART dirigierte sogar sein Oratorium "Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu".


    CARL PHILIPP EMANUEL's Kompositionen stellen einen Übergang vom Barock hin zur Frühklassik dar. In seiner Zeit bei Friedrich dem Großen wurde noch der galante Stil gepflegt. Die Werke, auf die MOZART und HAYDN aufmerksam wurden, waren dann schon der Beginn der Frühklassik. Auch ein sehr wehmütiges Stück für Cembalo hat er komponiert, nämlich sein "Abschied von meinem Silbermannischen Claviere - rondeau", als er sein Cembalo 1781 an den Grafen von Grotthuß abtreten mußte.


    Ich schätze von CARL PHLIPP EMANUEL BACH vor allem sein "Doppelkonzert fü Cembalo, Hammerklavier, 2 Flöten, 2 Hörner, Streicher und Baß Es-Dur WQ 47 - H 479" in der großartigen Einspielung durch das LEONHARDT-CONSORT AMSTERDAM und den CONCENTUS MUSICUS WIEN unter Leitung von GUSTAV LEONHARDT, mit den erstklassigen Solisten ANNEKE UITENBOSCH , Cembalo, JEAN ANTONIETTI Hammerklavier, FRANS BRÜGGEN und FRANS VESTER Traversflöte, und CAROL HOLDEN und THOMAS HOLDEN Naturhorn erschienen bei Telefunken unter dem Ttiel "Doppelkonzerte der Bach-Söhne auf Originalinstrumenten".



    Des weiteren finde ich sehr hörenswert seine Sonate e-moll für Flöte und B.c. WQ 124 , H 551 in der überzeugenden Einspielung durch NANCY HADDEN, ERIN HEADLEY und LUCY CAROLAN.



    Carl Philipp Emanuel Bach: Fünf Flötensonaten



    Nancy Hadden (Künstler), Lucy Carolan (Künstler), Erin Headley (Künstler), & 1 mehr Format: Audio CD

    5.0 von 5 Sternen    1 Sternebewertung


    wok

    Lieber Nemorino,


    Fast alles, was Du über NICOLAI GEDDA schreibst ist sicher zutreffend. Eine ganz große Stimme und perfekt sein Vortrag. Aber eben vielleicht zu perfekt. Mich kann diese Stimme einfach nicht richtig erwärmen, sie wirkt immer sehr unterkühlt, für mich fehlt da irgendwie das Menschliche, das ich bei JOSEPH TRAXEL in fast allem, was er singt, finde. Ich liebe ohnehin mehr lyrische Musik als dramatische, und da kommen mir auch die Aufnahmen eines TRAXEL etwas mehr entgegen.


    Viele Grüße, und noch einen besinnlichen 3. Advent!


    wok

    Ich möchte hinsichtlich der Sinfonie Nr. 22 auch gerne nochmals auf die exzellente Einspielung durch RAYMOND LEPPARD mit dem ENGLISH CHAMBER ORCHESTRA hinweisen.


    LEPPARD hat sich intensiv mit der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts befaßt Er galt als absolute Autorität auf diesem Gebiet, und er musiziert diese frühe HAYDN Sinfonie mit seinem so disziplinierten Kammerorchester auch äußerst stilbewußt mit höchster Klangkultur, schlank und temperamentvoll. Herrlich auch die Holzbläser dieses Ensembles. Die Aufnahme dieser Philips LP ist gekoppelt mit der hochinteressanten Sinfonie Nr. 39, wie auch mit der Nr. 47. Gerade für die frühen HAYDN-Sinfonien ist RAYPMOND LEPPARD mit dem ENGLISH CHAMBER ORCHESTERA absolut referenzwürdig. Das Problem ist nur, daß es diese Aufnahme offenbar nicht als CD gibt.


    Haydn*, English Chamber Orchestra, Raymond Leppard ‎– 3 Sinfonien Nr. 39, Nr. 22 "Der Philosoph", Nr. 47 "Das Palindrom"

    Sello:
    Philips ‎– 839 796 LY
    Formato:
    Vinyl, LP


    wok

    Hallo WoKa,


    Ich weise in diesem Zusammenhang gerne darauf hin, daß es von mir einen THREAD vom 21.09.2014 unter der Überschrift


    Die bekanntesten Klavierbegleiter des Liedgesangs historischer Gesangsgrössen


    gibt, in dem fast alle Liedbegleiter zumindest jener Zeit genannt, wenn auch nicht immer im einzelnen ausführlich besprochen wurden. Die Themenstellung ist zwar nun etwas anders, doch können bei Interesse auch verschiedene Beiträge dieses Threads mit berücksichtigt werden.


    Gruß

    wok

    Lieber Nemorino,


    Ja, ja, das habe ich schon richtig verstanden, ist ja auch sehr interessant, die verschiedenen KARAJAN-Versionen zu vergleichen. Mir ging es nur darum, in diesem Zusammenhang auch an die KLEMPERER-Aufnahme zu erinnern.


    Ja, ich weiß, daß es eine 3 CD-Box gibt, doch wenn immer es geht, vermeide ich den Kauf von Boxen, da ich nur Aufnahmen in meiner Sammlung haben möchte, die auch meinen Vorstellungen entsprechen, sonst wird das Ganze völlig unübersichtlich. Die Erkenntnisse über die verschiedenen Aufnahmen gewinne ich aus jahrzehntelangen Vergleichen aus Rundfunk-Klassik-Sendungen, die es übrigens auch hier in Spanien gibt, wo man den ganze Tag Klassikaufnahmen der verschiedensten Werke in den verschiedensten Besetzungen hören kann. Und natürlich kann man heutzutage fast jedes Werk auch in vielen verschiedenen Besetzungen auf youtube hören und beurteilen.


    Viele Grüße, und Dir noch ein musisches Wochenende!


    wok

    HANS RICHTER-HAASER ergeht es leider ähnlich wie so manch anderem großen Pianisten seiner Zeit - ich danke dabei an DETLEF KRAUS, FRIEDRICH WÜHRER oder ADRIAN AESCHBACHER, um nur ganz wenige Beispiele zu nennen - daß sie einmal auch international hoch angesehene Interpreten waren und großartige Konzertauftritte hatten und Plattenaufnahmen machten, aber schon so relativ früh nach ihrem Tod nur noch wenigen Insidern bekannt sind. Da ergibt sich dann schon die Frage, was man in diesem Leben noch alles leisten muß, um sich zumindest für eine etwas längere Zeit ein Andenken in der Klassik-Szene zu sichern. Andererseits werden Pop-Musiker, die sich Stars nennen oder als solche von ihren Anhängern angesehen werden, nach ihrem Tod dann im Laufe der Jahre oft immer noch mehr vergöttert.


    HANS RICHTER-HAASER studierte neben Klavier auch Geige, Dirigieren und Schlagzeug. Bereits mit 16 Jahren debütierte er anläßlich des Schubert-Gedenkjahres 1928 mit der schwierigen Wandererfantasie. 2 Jahre später wurde er in Berlin mit dem BECHSTEIN-PREIS ausgezeichnet. Damit begann auch seine Karriere als Pianist und Dirigent. 1939 wurde er zur Wehrmacht einberufen und dadurch seine Musikerlaufbahn unterbrochen. Nach Entlassung aus der Gefangenschaft wurde er 1946 Chefdirigent des SINFONIE-ORCHESTERS in DETMOLD. Dort wurde er 1 Jahr später auch DOZENT an der neu gegründeten NORDWESTDEUTSCHEN MUSIKAKADEMIE. Seine eigentliche internationale Pianistenkarriere begann 1953 mit dem Auftritt unter PAUL VAN KEMPEN in den Niederlanden. 1955 wurde er an der DETMOLDER AKADEMIE zum PROFESSOR ernannt. Er startete 1956 und 1957 eine rege Konzertreisetätigkeit, trat in Paris und London auf und unternahm 1959 seine erste Konzert-Tournee in die USA. In den folgenden Jahren trat er auch in Japan und Australien auf. Während der Generalprobe zum vierten Sinfoniekonzert des STAATSTHEATERORCHESTERS in der Braunschweiger Stadthalle am 13.12.1980 brach er beim zweiten Satz des 2. Klavierkonzertes B-Dur von BRAHMS bewußtlos zusammen und verstarb wenige Stunden später an einer Lungenembolie.


    Er galt in Fachkreisen als ein großer Pianist der deutschen Schule. Er knöpfte dabei an die Tradition deren berühmter Vertreter WILHELM BACKHAUS, WALTER GIESEKING und WILHELM KEMPFF an und konzentrierte sich sehr stark auf die Interpretation der Werke BEETHOVENs und BRAHMS. In seinen Konzerten nahm er sich als Vortragender völlig zurück und versuchte stets in seinem Spiel den Gesamtcharakter eines Werkes zu erfassen und wiederzugeben, ohne dabei zu sehr auf letzte Details der Komposition fixiert zu sein. Er verzichtete auch auf zu starke dramatische Akzente, sondern sein Spiel zeichnete sich durch Natürlichkeit und Unreflektiertheit im guten Sinne aus. Klaviertechnisch gab es für ihn kaum ein Problem, und sein Spiel zeichnet sich durch Format und Übersicht aus. Neben seinen BEETHOVEN-Aufnahmen belegen vor allem seine Wiener Aufnahme der SCHUMANN- und GRIEG-Konzerte, wie auch seine Londoner Einspielungen unter KERTESZ sein großes Können. Berühmt wurde vor allem seine Aufnahme von 1958 des 2. Klavierkonzerts von BRAHMS mit den BERLINER PHILHARMONIKERN unter HERBERT VON KARAJAN.


    Ich erlebte HANS RICHTER-HAASER am 11.05. 1967 in einem Konzert in Bad Pyrmont mit dem WESTFÄLISCHEN SINFONIE-ORCHESTER unter H. REICHERT mit BEETHOVEN's 3. Klavierkonzert, und ich war von seinem geradlinigen, schnörkellosen, souveränen Spiel außerordentlich beeindruckt.



    wok

    Wenn es um die interessantesten Aufnahmen von HAYDN's Sinfonie Nr. 104 geht, dann sollte m. E. auf keinen Fall KLEMPERER's Einspielung mit dem NEW PHILHARMONIA ORCHESTRA fehlen. Dieser späten, wunderbar reifen Sinfonie HAYDNs ist nicht nur durch die Klangbrillanz und Orchesterperfektion eines KARAJAN in seinen ganz sicher mitreißenden Einspeilungen voll Genüge getan, sondern sie verträgt gewß auch etwas mehr Gewichtung wie diese KLEMPERER, der die Musik HAYDN's liebte, in seiner Aufnahme dem Werk zukommen läßt. Großartig wieviel Zeit er sich für sich für das Andante nimmt, und wie bedeutungsvoll da jede Note klingt und ausgespielt wird. Ist KARAJAN in seiner Aufnahme von 1959 schon in gut 8 Minuten mit diesem Satz zu Ende - SOLTI noch früher - so nimmt sich KLEMPERER dafür 10 Minuten Zeit, ohne je eine Sekunde damit zu langweilen. Nur MARRINER hat für das Andante das gleiche Zeitverständnis wie KLEMPERER.




    wok

    Hector Berlioz,    französischer Komponist und Musikkritiker, * 11. 12. 1803 - + 8. 3. 1869 --- 216. Geburtstag

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    HECTOR BERLIOZ sollte eigentlich Mediziner werden, begann dann aber nach Überwindung zahlreicher Hindernisse ein Musikstudium über Harmonie und Kontrapunkt bei LESUEUR und REICHA am PARISER KONSERVATORIUM.

    Die Instrumentationslehre eignete er sich autodidaktisch an. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, als Musiker Fuß zu fassen, gewann er 1830 mit der Kantate "Sardanapal" den begehrten GROSSEN ROMPREIS. Zuvor hatte er bereits eine Messe mit Orchester, zwei Ouvertüren "Wawerley" und "Die Fehmrichter" und die "Symphonie fantastique" aufgeführt. Im Verlauf seines Italien-Aufenthalts komponierte er u. a. die "König Lear"-Ouvertüre, und als Epilog zur fantastischen Sinfonie "Lelio ou le retour à la vie". Nebenbei schrieb er viel beachtete Feuilletons. Am Konservatorium wurde er 1839 als Konservator, später als Bibliothekar angestellt. Um seine Kompositionen bekannt zu machen, für die in Paris kein Verständnis aufkommen wollte, unternahm von 1843, 1845 und 1847 Kunstreisen nach Deutschland, Österreich und Rußland. Auch bei zeitgenössischen Komponisten kamen seine Werke nicht gut an, so z. B. bei SAINT-SAENS,  ADLOLPHE ADAM, der äußerte "ein Musiker ist er nie und nimmer", der Geiger JOSEPH JOACHIM fühlte sich von seiner Musik gar "abgestoßen" und MENDELSSOHN fand die symphonie fantastique "unbeschreiblich eklig" und meinte daß dieser "unbegreiflich schlecht komponiere. Lediglich SCHUMANN zeigte sich von dieser neuartigen Musik beeindruckt, LISZT wühlte diese Sinfonie geradezu auf und BERLIOZ wurde zu seinem Vorbild, der sich auch als sehr hilfsbereiter Gesinnungsgenosse erwies. . Noch euphorischer urteilte FELIX WEINGARTNER über BERLIOZ, und er erklärte ihn zum "originellsten Musiker, der er je erlebt hat".


    Für seine Kompositionen verwendete BERLIOZ ein genau vorher ausgedachtes und ausgearbeitetes Programm, das er aus eigenen Erlebnissen, auch sehr heftigen wie auch fantastischen, zusammenstellte. Fast alle seine Werke durchzieht ein Erinnerungsmotiv, die sogenannte idée fixe, exemplarisch realisiert in seiner symphonie fantastqiue. Da er die Instrumentation beherrschte wie kaum ein anderer, konnte er auch die Ausdrucksmöglichkeiten der Musik wesentlich erweitern. Besondere Bedeutung erlangten deshalb auch seine Instrumental-Kompositionen, neben seiner fantastischen Sinfonie vor allem die Sinfonie "Harold en Italie op. 16", in der er auf Wunsch von PAGANINI eine obligate Viola hineinkomponierte, die PAGANINI aber als nicht virtuos genug verschmähte, aber dennoch das Werk sehr schätzte, "Roméo et Juliette" (mit Chören), die "Symphonie funèbre et triomphale", wie auch die Ouvertüre "Römischer Karneval". Er schuf aber auch große Chorwerke, davon erwähnenswert besonders ein doppelchöriges "Tedeium", das große Requiem "Grande messe des morts op. 5", die dramatische Legende "La damnation de Faust" und die kleine biblische Trilogie "Die Kindheit Christi". Von seinen Opern ragen "Les Troyens", "Benvenuto Cellini" und "Béatrice et Bénedict" heraus. Auch schuf er mehrere kleine Sologesänge mit Orchester.

    Sehr viel Beachtung findet auch heute noch seine Instrumentationslehre, und sehr interessant sein dürften auch seine "Mémoires".


    Für mich bleibt die symphonie fantastique mein Lieblingswerk von HECTOR BERLIOZ, und unter den zahlreichen sehr guten Einspielungen, die es davon gibt - vor allem auch durch CHARLES MÜNCH - ist mein Favorit die Aufnahme durch das UTAH SYMPHONY ORCHESTRA unter Leitung seines viel zu früh im Alter von 57 Jahren verstorbenen Dirigenten VARUJAN KOJIAN, Schüler u. a. von HANS SWAROWSKY und Nachfolger von MAURICE DE ABRAVANEL im UTAH SYMPHONY ORCHESTRA, mit wunderbaren Klangfarben und außerst sensibel gespielt. Auch der Klang dieser Aufnahme ist exzellent und sehr präsent. Die Aufnahme enthält auch BERLIOZ' "Songe d'une nuit du Sabbat".




    Symphonie fantastique, Op. 14, H. 48: V. Songe d'une nuit du Sabbat

    Utah Symphony Orchestra

    Del álbum Berlioz: Symphonie fantastique, Op. 14, H. 48


    wok


    Jascha Heifetz,     russisch-amerikanischer Geiger, * 2. 2. 1901 - + 10. 12. 1987 --- 32. Todestag

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    JASCHA HEIFETZ war wohl der berühmteste und auch bedeutendste Geiger des 20. Jahrhunderts, und mehr als ein halbes Jahrhundert hatte er eine Ausnahmestellung eingenommen. CARL FLESCH ging sogar soweit, daß er in seinen "Erinnerungen eines Geigers" schreib: "Es hat wohl kaum jemals einen Geiger gegeben, der einer absoluten Vollkommenheit näher gekommen ist." Ähnlich wie bei dem Pianisten HOROWITZ wurde mit HEIFETZ ein Virtuosentum der Perfektion eingeführt.


    JASCHA HEIFETZ, in Vilnius geboren, war Sohn eines Geigers , der ihn bereits im Alter von 3 Jahren im Violinspiel unterrichtete. Am Konservatorium setzte er seine Ausbildung bei ILIYA DAWIDOWITSCH MALKIN fort. Bereits mit 6 Jahren erspielte er sich dort einen ersten Preis und debütierte anschließend in Kowno/Littauen mit MENDELSSOHN's e-moll Violinkonzert. Mit 9 Jahren begann er ein Studium bei LEOPOLD AUER am KAISERLICHEN KONSERVATORIUM in ST. PETERSBURG, der ihn zunächst von seinem Assistenten IOANNES NALBANDYAN unterrichten ließ. dann aber bald das große Talent erkannte und ihn dann selbst eine gründliche Ausbildung angedeihen ließ. Bei einem Konzert in St. Petersburg 1911 zeigte er bereits so große Fortschritte auf der Geige, und offenbarte am 01.12.1912 in seinem BERLINER DEBÜT so großes Können, daß iARTHUR NIKISCH noch im gleichen Jahr den erst 13-Jährigen zu einem Konzert mit den BERLINER PHILHARMONIKERN einlud, um TSCHAIKOWSKIs Violinkonzert op. 35 zu spielen. 1917 nutzte er das Angebot zu einer Tournee nach Skandinavien und in die USA, um Ruißland zu verlassen. Bei seinem Debüt in der NEW YORKER CARNEGIE HALL erzielte er im Oktober 1917 einen ungeheuren Erfolg. Weitere triumphale Auftritte folgten in den USA, so daß er 1925 beschloß, die amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Seine großen Erfolge wurden auch bald in der ganzen Welt publik, und so wurde er mit Auftrittsangeboten überhäuft. So debütierte er 1920 in der LONDONER QUEEN's HALL, 1921 folgte eine Australien-Tournee, und 1923 konzertierte er in Asien. 1926 wurde er bei seinem Besuch in Palästina gefeiert, und 1934 spielte er zum letzten Mal in Rußland.


    HEIFETZ realisierte in seiner langen Laufbahn mehr als 500 Schallplatteneinspielungen bei der RCA, die in einer Edition von 65 CDs veröffentlicht wurden. Als seine besten Aufnahmen gelten die klassischen und romantischen Violinkonzerte. Er spielte aber auch Werke von Komponisten des 20. Jahrhunderts, insbesondere von PROKOFJEW, BLOCH, RAVEL, SCHOSTAKOWITSCH und nicht zuletzt von RÓZNA. Zeitgenössische Komponisten widmeten ihm Violinkonzerte, die er uraufführte. Er spielte auch die amerikanische Erstaufführung des PROKOFJEW--Violinkonzertes Nr. 2 g-moll op. 63.


    HEIFETZ war auch ein ausgezeichneter Pianist und schrieb von zahlreichen Kompositionen sehr virtuose Transkriptionen für Violine und Klavier. Er schrieb auch Kadenzen zu Violinkonzerten von MOZART, BEETHOVEN und BRAHMS. Nach dem 2. Weltkrieg widmete er sich immer mehr der Unterrichtstätigkeit.

    Vielfach gerühmt an Seinem Spiel wurde die makellose Intonation, seine außergewöhnliche Bogentechnik, sein farbiger, strahlender Ton und sein Staccato-Spiel. Nach nicht jedermanns Geschmack sind seine meist raschen Tempi, die mitunter über elegische Stellen eines Werkes etwas hinwegspielten, wie auch sein Vibrato.


    Daß JASCHA HEIFETZ auch ein hervorragender Kammermusiker war, gerät oft etwas in den Hintergrund.

    So spielte er z. B. jahrelang mit GREGOR PIATIGORSKY privat zu Hause Kammermusik. Zu dieser häuslichen Kammermusik gesellten sich auch zunehmend weitere große Solisten ihrer Zeit. 1961 beschlossen sie dann, die Erfahrungen und Resultate dieser häuslichen Musik auch dem Publikum zuteil werden zu lassen, und sie gründeten zu diese Zweck die HEIFETZ-PIATIGORSKY-CONCERTS. In der Folge gaben sie viele Kammermusik-Konzerte in HOLLYWOOD und SAN FRANCISCO, und ab 1964 luden sie großartige Künstler wie WILLIAM PRIMROSE, LEONARD PENNARIO, LEON FLEISHER und JACOB LATEINER zu Konzerten und Schallplattenaufnahmen ein.

    Daraus resultierte ein beredtes Beispiel von Kammermusik in Vollendung in Form der Einspielung bei RCA Victor Seal des BEETHOVEN Klaviertrios Op. 1,1 in Es-Dur mit GREGOR PIATIGORSKY und JACOB LATEINER. Eine großartige, wunderbar homogene Einspielung dreier herausragender Künstler.

    Diese LP enthält auch ein Werk von MIKLÓS RÓZSA, und zwar dessen "Tema con variazioni für Violine, Cello und Orchester", das dem 2. Satz aus dem "Doppelkonzert für Violine und Violoncello" entstammt, das RÓZSA extra für HEIFETZ UND PIATIGORSKY, in enger Absprache mit diesen hinsichtlich der technischen Details, 1962 komponierte.



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    wok

    Mado Robin,     französische Sopranistin , * 29. 12. 1918 - + 10. 12. 1960 --- 59. Todestag

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    Die Stimme von MADO ROBIN entdeckte ich schon in meiner frühen Jugend in den 50er Jahren, als sie wiederholt im Rundfunk mit der "Glöckchenartie" aus DELIBEs "Lakmé" zu hören war, ihre absolute Glanzpartie, die ich seitdem nie mehr in dieser Perfektion gehört habe, allenfalls von CHRISTIANE EDA-PIERRE. Immer, wenn diese Arie mit ihr im Rundfunk erklang, mußte es mäuschenstill im Zimmer sein, damit ich nur keinen Ton ihres faszinierenden Gesangs verpassen würde". Ihr wunderbares französisches Timbre und ihre Diktion waren für mich nach wenigen Takten sofort erkennbar. Leider, und unverständlicherweise, wurde diese großartige Sängerin mit den höchsten Tönen, die jemals gesungen und erreicht wurden, in Deutschland fast unbekannt. In ihrer Heimat Frankreich wurde sie dagegen schon zu Lebzeiten gefeiert, und man hielt diese auch lange Zeit in ehrfürchtiger Erinnerung. Auch im "Guiness Book Of World Records" hält MADO ROBIN immer noch einen Platz mit einem viergestrichenen C am Ende der Wahnsinns-Szene aus "Lucia di Lammermoor", das sie noch in einwandfreier Tonqualität erreichte.


    Ihre Stimme war mit 16 Jahre von TITTA RUFFO entdeckt worden. Sie studierte am CONSERVATOIRE NATIONAL bei MME FOURESTIER und MARIO PODESTÀ, und gewann 1937 einen Wettbewerb an der PARISER OPER. 1942 gab sie im SALLE GAVEAU ein Recital und am 12.08.1945 debütierte sie an der OPÉRA als "Gilda". Wenig später sang sie die "Königin der Nacht", und bereits 1946 die "Lakmé", ROSSINIs "Rosina", BIZET's "Leila" und die "Olympia" in "Les Contes d'Hoffmann". Sie sang auf allen führenden Bühnen Frankreichs, 1950 auch in MARSEILLE als "Lucia", die sie auch 1954/55 auf einer Konzerttournee in die USA sang. 1955 kehrte sie als "Königin der Nacht" an die OPÉRA zurück. 1956 sang so sogar bei den Hochzeitsfeierlichkeiten für Fürst Rainer und Grace Kelly. 1958 führten Sie Gastreisen nach Spanien, England, Deutschland und in die Schweiz und 1959 in die UdSSR. Am BOLSCHOI-THEATER sang sie die "Gilda" in "Rigoletto". Ihre bevorstehende 1500. Pariser Aufführung an der PARISER OPER erlebte sie nicht mehr, da sie wenige Tage davor an Leberkrebs starb. Sie wurde nur 42 Jahre alt. In der Kirche "Saint Francois de Sales" führte JEAN-LOUIS FORESTIER ihr zu Ehren FAURÉs Requiem auf. Ihr Stimm-Typ wurde sogar zu einem Begriff: der "ROBIN-SOPRAN". Eine ihrer besten Aufnahmen ist die von "Lakmé", aufgenommen 1951 unter GEORGES SEBASTIAN mit LIBERO DE LUCA als Tenor-Partner.


    ADLOLPHE ADAM hat übrigens auch MOZART's Klaviervariationen KV 265 "Ah, vous dirai-je Maman" in eine Fassung für Sopran, Flöte und Orchester gesetzt. Auch hiervon gibt mit MADO ROBIN eine großartige Aufnahme: Das NEW SYMPHONY ORCHESTRA dieser Aufnahme wird von RICHARD BLAREAU geleitet, LUCIEN LAVAILLOTE glänzt mit seinem Flöten-Solo! (Aufnahme von 1951 - Hörenswert!!)


    Inzwischen hat man zum Glück längst die Qualitäten von MADO ROBIN neu entdeckt, und es gibt nun doch eine ganze Reihe von CDs mit ihr.

    Ich besitze mit ihr Arien aus Werken von MOZART, DONIZETTI, ROSSINI, VERDI, A. THOMAS, GOUNOD, OFFENBACH, MASSENET, DELIBES, AUBER, GRIEG, V. MASSÉ, J. BENEDICT, F. DAVID, A. PESTALOZZA, M. PONCE, KOECHLIN, FÉVRIER, GALLINI, RICHEPIN, DELL'ACQUA etc. unter den Dirigenten PIERRE DERVAUX, RICHARD BLAREAU, EUGÈNE BIGOT, HENRI TOMASI, und G. BRIEZ, und bin sehr froh, diese wunderbaren und für mich kostbaren Tondokumente von ihr mein eigen nennen zu können.


    wok





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    wok

    Lieber Willi,


    Mein ganz großes Kompliment für diesen so ausführlichen und hochinteressanten Bericht. Allein schon das Schreiben ist ja schon eine sehr aufwändige Sache, aber dies alles noch dazu zu eruieren, verdient ja wirklich einen Sonderpreis! Einfach großartig. Ich frage mich nur immer wieder, wioher Du Dir neben all Deinen täglichen Gedenktag-Erinnerungen und Deinen Chor-Verpflichtungen die Zeit nimmst, um all dies zeitlich zu bewältigen!


    Es freut mich auch für die arme DINA URGORSKAJA, daß Dein Bericht über ihr Spiel so überaus positiv, ja begeistert ausfiel. Wie schade, daß sie diese Eloge nicht mehr lesen kann!


    Viele Grüße

    wok

    Lieber Carlo,


    Es ist wirklich ein Glücksfall für mich, daß Du über zwei von mir bisher besonders herausgestellte Sänger(innen) so außerordentlich gut informiert bist, und Du Dir die so große Mühe machst, wieder so ausführlich darüber zu berichten! . Zunächst war dies CHRISTIANE EDA-PIERRE, und nun mein Lieblingstenor JOSEF TRAXEL. Ich bin so froh und glücklich, über ihn und seine Aktivitäten so viel Neues zu erfahren, vor allem über seine mir bisher gänzlich unbekannten Rundfunkproduktionen! Ich danke Dir ganz herzlich dafür! Ich schätze diesen Sänger, den ich im Dezember 1965 im Kuppelsaal Hannover mit dem Weihnachtsoratorium hörte (mit ENGEN und HÖFFGEN und ihn auch kennenlernen durfte, nicht nur wegen seiner Stimme und grandiosen Lebensleistung sehr, sondern auch als Mensch wegen seiner so großen Bescheidenheit und so seltenen Eigenschaft, sich nie ins Rampenlicht gedrängt zu haben. Er förderte durchaus auch seinen jungen Kollegen FRITZ WUNDERLICH in Stuttgart, als er ihm bei Aufführungen auch schon einmal den Vortritt ließ.


    Ich besitze auch den ausgezeichneten Opern-Querschnitt von DONIZETTIs "Don Pasquale" mit den BERLINER SYMPHONIKERN unter WERNER SCHMIDT-BOELCKE. Von "Lucia di Lammermoor" besitze ich mit ihm nur den Titel "Ihr Gräber meiner Ahnen" - fabelhaft gesungen - in der Aufnahme unter BERISLAV KLOBUCAR, und von der "Favoritin" unter HANS LÖWLEIN die ebenfalls wunderbar gesungene Arie "Engel so rein").


    Ich bin schon ganz gespannt auf Deine weiteren Ausführungen unter dem Titel "Recitals"!!


    Viele Grüße

    wok

    Lieber wok, das ist eine sehr interessante Feststellung, die mir bisher noch nicht zugekommen ist. Nun, wo ich sie bei Dir lese, geht sie mir auch auf. In der Tat wirkt Prey auf mich immer etwas zu gut gelaunt bei seinen Auftritten, was wohl Rückschlüsse auf den Vertrag selbst ergibt. Wenn ich ihn "nur" höre, kommt es mir manchmal vor, als badete er in den Liedern und Balladen. Das war noch in seinen ganz späten Jahren so als ich ihn hier in Berlin mit der "Müllerin" erlebte. Das alles will auch ich nicht als Kritik verstanden wissen. Es ist eine Beobachtung.

    Kennst Du die Loewe-Platte von Schock?

    Lieber Rheingold,


    Diesen von Dir sehr gut beschriebenen Eindruck über HERMANN PREY kann ich nur teilen.


    Die RUDOLF SCHOCK-Aufnahme mit LOEWE-Balladen kenne ich nicht. Sein Stimm-Organ liegt mir einfach nicht so, und ich habe mir deshalb später nicht mehr alle seine Aufnahmen angehört. Ich weiß nicht, wann diese Aufnahme entstand. Zu Beginn seiner Karriere hat er wirklich sehr gut gesungen, doch später bekam er doch große Probleme mit der Höhe, und ich mochte ich ihn dann nicht mehr anhören. Da bleibe ich bei den LOEWE-Balladen also dann doch lieber bei PREY und TRAXEL.


    Viele Grüße

    wok

    Lieber Nemorino,


    Danke für diesen Hinweis. Schön, daß auch die LOEWE-Balladen mit TRAXEL wieder lieferbar sind. Im Internet hatte ich diese nicht gefunden. Ich besitze diese Aufnahme mit der Vol.-Nr. 8 aus der damals 10 CDs umfassenden TRAXEL-Ausgabe. Diese CD enthält 11 LOEWE-Balladen und 8 Lieder aus "Die schöne Müllerin".


    Die Aufnahme mit BARRY MCDANIEL kenne ich nicht. Er war gewiß auch ein ausgezeichneter Lied- und Oratoriensänger. Besonders die Musik PURCELLs lag ihm sehr gut. Für die LOEWE-Balladen sind mir die Stimmen von PREY und TRAXEL aber am vertrautesten.


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Nemorino,


    Ja, es ist wirklich höchst beeindruckend, was Carlo nun auch über JOSEF TRAXEL alles zu berichten weiß, und gerade die Rundfunkproduktionen enthalten so viele interessante, auch für mich noch unbekannte Details über die so vielfältigen Aktivitäten dieses Sängers! So ist das große Wissen von Carlo, gerade was JOSEF TRAXEL anbetrifft, für mich ein echter Glücksfall, denn über ihn kann ich gar nicht genug erfahren!


    Übrigens besitze auch ich MOZART's Krönungsmesse mit ihm, wunderbar, und auch PILAR LORENGAR und MARGA HÖFFGEN sind hier wie immer großartig, und KARL FORSTER ist für fast alle Werke geistlicher Musik allein schon fast immer eine Garantie für eine exemplarische Aufnahme.


    Viele Grüße

    wok

    Für mich, lieber wok, ist Prey ein ganz vorzüglicher Interpret von Loewe. Von Larmoyanz würde ich nicht sprechen wollen, weiß aber, worauf Du hinaus willst. Diese Larmoyanz liegt natürlich zu einem gewissen Teil in einigen Stück selbst begründet. Prey hat aber immer versucht, dagegen anzusteuern mit einer Geschmeidigkeit und Musikalität, wie ich sie bei anderen Sängern, die sich mit Loewe beschäftigt haben, nicht so ausgeprägt finde. "Der getreue Eckart" soll ein Beispiel für meine Beobachtung sein:


    Lieber Rheingold,


    Danke für Deinen Beitrag zu diesem Thema. Um jegliches Mißverständnis auszuschließen: Ich finde HERMANN PREY als Interpret der LOEWE-Balladen ebenfalls sehr gut. Als Sänger hat er mir mit diesen Balladen sogar immer mit am besten gefallen, von denen ihm einige davon sogar auf den Leib geschrieben zu sein scheinen, und in den 50er Jahren war es wohl an erster Stelle ihm zu verdanken, daß diese Balladen plötzlich wieder eine interessierte Zuhörerschaft fanden. Das Attribut "Larmoyanz" ist wohl auch als Beschreibung etwas zu stark für seinen Vortrag dieser Balladen. Dieser gelegentliche Eindruck entstand bei mir wohl eher optisch durch seine Physiognomie während des Vortrags dieser Balladen, wenn ich ihn im TV mit diesen Balladen sah und hörte. Aber man sollte natürlich in die Beurteilung eines Sängers nicht optische Gesichtspunkte einfließen lassen, sondern allen stimmliche.

    Übrigens geht es mir umgekehrt bei RUDOLF SCHOCK oft so, daß wenn ich ihn in höheren Tonregionen singen höre, ich fast immer seinen angestrengten Gesichtsausdruck vor mir sehe, denn im Laufe seiner Karriere bekam er doch wohl immer mehr Probleme mit hohen Tönen.

    Aber nochmals: HERMANN PREY ist für mich sogar der beste Interpret, den ich je mit LOEWE-Balladen gehört habe.


    Viele Grüße aus dem heute sehr warmen Málaga!


    wok

    Ich möchte gerne auch nochmals auf die Aufnahme der 8. Sinfonie durch die in Europa wohl weniger bekannt gewordene Einspielung durch das MARLBORO FESTIVAL ORCHESTRA unter PABLO CASALS hinweisen, die unter den so vielen realisierten Einspielungen zu meiner persönlichen Referenzaufnahme geworden ist. Hier überträgt sich von dem damals schon hochbetagten CASALS - er war zum Zeitpunkt der Aufnahme immerhin schon 87 Jahre alt - auf das Orchester eine immer noch erstaunliche Frische, Spontaneität, Lebendigkeit, Leidenschaft, Eindringlichkeit, und es entstand in bewundernswerter Weise aus den zusammengewürfelten Einzelkünstlern, Freunden von CASALS, die er jeweils zu diesem Festival einlud, und die aus namhaften Kammermusikern, Hochschulprofessoren, Musikpädagogen und Schülern bestanden, - darunter schon damals renommierte Instrumentalisten wie ZIVI ZEITLIN, JAIME LARDEO, Violine, HERMAN BUSCH und LYNN HARRELL, Violoncello, MYRON BLOOM, Horn und viele andere, ein doch weitgehend homogenes Ganzes, und dies instrumentaltechnisch auf höchstem Niveau. Eine sehr wertvolle Momentaufnahme aus dem Leben dieses großen Künstlers, der hier seine ganz besonderen eigenen ideellen und künstlerischen Vorstellungen auf das Orchester übertagen konnte. So bekam diese Live-Aufnahme mit ihren 40 hochprofessionellen Akteuren eine sehr individuelle Note mit schlankem, aber kräftigen Orchesterklang und exemplarischer Durchhörbarkeit, trotz zügiger Tempi. Wie Nemorino die SCHERCHEN-Aufnahme charakterisiert, z.. B. Rasanz, Drive und flotte Tempii, so trifft dies auch annähernd auch auf die CASALS-Aufnahme zu. CASALS ist mit einer Gesamtspielzeit von 25:30 Minuten deutlich schneller unterwegs als z. B .FURTWÄNGLER mit 27:19 Minuten . KNAPPERTSBUCH ist noch langsamer, oder auch SZELL in seiner Aufnahme von 1974. Die Spielzeit deckt sich weitgehend mit der von GIELEN, und abgesehen vom 4. Satz, wo CASALS langsamer ist, auch mit der von SCHERCHEN.

    Der Ton der Aufnahme ist nicht optimal und sehr direkt, und entspricht nicht der Quaität, die man heute von einer Stereo-Aufnahme erwartet.


    wok



    Beethoven: Symphonies Nos. 7 & 8 (Live)

    Das hatte ich schon öfter gelesen; Du findest das zum Beispiel unter ZEIT ONLINE in einem Beitrag von Volker Hagedorn, ich füge das fragliche Stück Text hier ein:


    »Doch er selbst geht mit dem jungen Sänger, der er war, nicht ungern ins Gericht. Seine erste Aufnahme der Winterreise, für den Rundfunk, habe "eine larmoyante Note, die Schubert peinlichst vermieden hat". Überhaupt habe er den Zyklus "zwei, drei Mal zu dramatisch gesungen". Auch wenn Fischer-Dieskau so selbstkritisch wird, hat das nichts von Vertraulichkeit oder gar gerührtem "Ja, das bin ich auch". Es ist dann eher, als blicke er auf seine Sängerlaufbahn wie auf ein Werk, einen Gegenstand, einen Vorgang in der Welt.«

    Lieber hart,


    Gut, das mag auf seine erste Aufnahme der Winterreise zutreffen. Er hat diese dann ja noch öfter mit verschiedenen Pianisten aufgenommen. Aus evtl. Fehlern hat er dann wohl in der Folge gelernt. Jedenfalls würde ich nicht sagen, daß eine larmoyante Interpretation durch FISCHER-DIESKAU typisch für seinen Gesang sei. "Zu dramatisch", das mag schon eher zutreffen. So oder so: Für mich war FISCHER-DIESKAU der größte Liedsänger aller Zeiten. Und daß er mit seinen Leistungen selbstkritisch umging, ehrt ihn.

    Lieber wok,
    ich habe lediglich zitiert, aber an keiner Stelle zum Ausdruck gebracht, dass ich diese Beurteilung teile; genau das Gegenteil ist der Fall! Ansonsten darfst Du getrost davon ausgehen, dass ich Traxels Liedaufnahmen in- und auswendig kenne. Schon vor vielen Jahren habe ich mir seine Loewe-Balladen nämlich von der LP auf CD übertragen, da waren die im Hamburger Archiv noch nicht erschienen.


    Na, da bin ich ja beruhigt. Hätte mich auch gewundert. Daß Du TRAXEL's Liedaufnahmen sogar in- und auswendig kennst, ist schon eine Seltenheit, denn schließlich ist dieser als Lied-Interpret weniger bekannt geworden, und daß Du ihn als solcher offenbar auch schätzt, freut mich, besonders bei jemandem, der von Liedgesang offensichtlich soviel versteht wie Du!

    Mein lieber Wok,

    es ist eben so, dass die Stimmlage »Bariton« bei den Männerstimmen am weitesten verbreitet ist.


    Dieses »larmoyant« bemängelte zum Beispiel Dietrich Fischer-Dieskau im Nachhinein mitunter auch bei seinen eigenen Aufnahmen; und um das klarzustellen: Hermann Prey war ein ausgezeichneter Balladensänger, ich

    beziehe mich da auf lebenslange Live-Erlebnisse.

    Lieber hart,


    Ja, ja, ich schrieb ja auch, daß auch PREY die LOEWE-Balladen gut sang, diese kamen seiner Stimme und seinem Vortrag sogar sehr entgegen, aber bezüglich der Larmoyanz bin ich schon der Meinung, daß diese mitunter schon etwas mehr ausgeprägt war als bei FISCHER-DIESKAU, dessen Stimme für mich im allgemeinen doch etwas maskuliner klingt. Daß dieser immer äußerst selbstkritisch mit seiner eigenen Leistung war, ist bekannt. Daß er sich aber selbst der Larmoyanz bezichtigte, ist mir neu und überrascht mich.l

    Wenn Du mal Traxels Lied-CD vom Hamburger Archiv heraus kramst, dann ist da im Booklet folgendes zu lesen:


    »Die von EMI herausgebrachte LP mit Beethoven-Liedern und Schuberts Heine-Vertonungen aus D 957 fand als einzige Beachtung bei der Fachkritik, allerdings keine positive. In den beiden damals führenden Fachblättern erschienen abfällige Rezensionen. Man warf dem in Oper, Konzert, Oratorium hochgelobten Sänger "wenig interpretativen Ausdruck" und "bemühtes Vomblattsingen", sogar "gelangweilte Distanz" vor. Die LP mit Loewe-Balladen wurde vertiefter Besprechung gar nicht erst für wert empfunden«.

    Ich kenne diese Kritik, kann diese aber nicht teilen. Vom "bemühten Vomblattsingen" kann bei TRAXEL niemals die Rede sein. Er bereitete sich auf jede Aufführung gewissenhaft vor und war zudem hochmusikalisch. Ich frage mich, ob Du wirklich seine Lied-Aufnahmen kennst, denn sonst würdest vielleicht auch Du dieses Urteil nicht unbedingt teilen. TRAXEL hatte natürlich mit dem Liedgesang nicht annähernd soviel Erfahrung wie mit Oper und Konzert, und vieles mußte er mit HUBERT GIESEN auch erst einmal proben und sich an die einzelnen Lieder herantasten. In den 50rer Jahren war natürlich FISCHER-DIESKAU absolut dominierend im Liedgesang, und alle anderen - sieht man einmal von PREY ab - hatten gegen ihn einen schweren Stand, schon gar der Opernsänger TRAXEL. Das betont Deklamatorische im Liedgesang eines FISCHER-DIESKAU war die Sache TRAXEL's nicht. Ihm ging es mehr darum, die Komposition selbst in den Vordergrund zu stellen und er vermied es, Gefühlsausbrüche zu sehr zu betonen. Für ihn waren klangliche Ästhetik und Poesie wichtiger, womit man gewiß einigen Liedern und deren Texten und Inhalt nicht ganz gerecht werden kann. Dagegen singt er meines Erachtens Lieder wie BEETHOVEN's "Adelaide", "Andenken", Abendlied unter dem gestirnten Himmel" oder SCHUBERT's "Das Fischermädchen" oder "Der Musensohn" wunderbar natürlich, schlicht und mit schönem Ton, was m. E. diesen Liedern besser steht als übertriebene Expressivität.


    Mit diesen »Fachkritiken« ist das eben so eine Sache, da wird - mit Verlaub - oft auch Blödsinn verzapft. Am besten ist es, wenn man nicht auf Gutsherrenart hören lässt, sondern selber hört ...

    Ja, es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Kritiken ausfallen können. Ich habe auch positive ritiken über TRAXEL als Liedsänger gelesen. und die Meinung von CLEMENS HÖSLINGER, der ja jahrelang in der fonoforum Gesamgsaufnahmen kommentierte, und z. B. auch einen sehr ausführlichen und sehr klugen und informativen Artikel über LAURITZ MELCHIOR schrieb, ist für mich schon sehr wichtig und deckt sich sehr oft auch mit meinen Ansichten, und er stellte explizit die Qualitäten von TRAXEL als Interpret der LOEWE-Balladen heraus. Ich habe mich beim Kauf dieser LP aber nicht nach seinem Urteil gerichtet, sondern ich besaß die Aufnahme schon zuvor.


    Aber wen wenn Du noch Tenöre mit Werken von Carl Loewe, der ja seine Lieder mit eigener Tenorstimme vortrug, hören möchtest - da gibt es in der Raucheisen-Edition »Des Glockentürmers Töchterlein«, von Peter Anders gesungen und in der cpo-Edition »Carl Loewe - Lieder & Balladen« findest Du noch vier Tenöre, nämlich Christian Elsner, Jan Kobow, Christoph Prégardien und Robert Wörle.

    In der TRAXEL-Aufnahme der LOEWE-Balladen sind sicher einige Titel, die ihm auf Grund ihrer Dramatik und Skurillität nicht so gut liegen, doch so sensitiv wie er die Balladen "Süßes Begräbnis", "Der Wirtin Töcherlein" oder "Das Erkennen" singt, ist aller Ehren wert. Auch mit der Wiedergabe der Ballade "Prinz Eugen" gefällt er mir sehr gut. Und auch seine stimmliche Bewältigung der schwierigen Ballade "Der Nöck" ist eindrucksvoll.


    wok

    Auch wenn in der Regel die LOEWE Balladen von einem Bariton gesungen werden - in den 50er Jahren war es neben DIETRICH FISCHER-DIESKAU vor allem HERMANN PREY, der mit einigen LOEWE-Balladen auch im TV häufig zu sehen und hören war, und diese auch sehr gut - wenn auch immer etwas sehr larmoyant - vortrug, so sollte man sich einige Balladen doch auch einmal von einem Tenor gesungen anhören. JOSEF TRAXEL hatte schon relativ frühzeitig 11 dieser Balladen mit dem ausgezeichneten Pianisten ERICH APPEL aufgenommen. TRAXEL, der leider zu spät seine Fähigkeiten und sein Potential auch als Liedinterpret erkannte - siehe z. B. seine Aufnahme von 8 Liedern aus "DIE SCHÖNE MÜLLERIN", oder seine Aufnahme von BEETHOVEN-Liedern, fand offenbar Gefallen an einigen der LOEWE-Balladen und nahm diese bei COLOSSEUM auf. Zu hören sind auf dieser LP:


    Heinrich der Vogler, Erlkönig, Fridericus Rex, Das Erkennen, Süßes Beträbnis, Der Nöck, Hochzeitslied, Der Wirthin Töchterlein, Hinkende Jamben, Prinz Eugen und Archibald Douglas


    CLEMENS HÖSLINGER, der bekannte Musikpublizist und -kritiker würdigte in INGO HARDEN's "Musik Report 71" diese Aufnahme, und wies auf die hohe Musikalität dieses oft unterschätzten Sängers, und seine hochinteressante Leistung auch als Liedinterpret hin. Und es ist in der Tat beeindruckend, wie TRAXEL die so schwierige Ballade "Der Nöck" mit langem Atem großartig meistert, und wie einfühlsam er die etwas rührselig angelegten Balladen "Süßes Begräbnis, "Der Wirtin Töchterlein" oder "DAS ERKENNEN" interpretiert, und was er daraus macht!

    Dankenswerterweise hatte das HAMBURGER ARCHIV FÜR GESANGSKUNST u. a. auch diese 11 LOEWE-Balladen mit TRAXEL und ERICH APPEL als CD neu aufgelegt, wobei ich allerdings nicht weiß, ob diese CD noch lieferbar ist. Auch wenn man die Interpretation dieser Balladen durch einen Bariton wie FISCHER-DIESKAU oder HERMANN PREY - aiuch LADISLAV MRÁZ singt die Balladen mit wunderbarem Legato und Belkanto - gewohnt sein und vorziehen mag, so sind diese Aufnahme durch einen Tenor, und dazu einen noch so befähigten wie JOSEF TRAXEL, doch eine echte und interessante Alternative.


    wok

    Johann Friedrich Fasch,     deutscher Komponist, * 15. 4. 1688 - + 5. 12. 1758 --- 261. Todestag

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    • JOHANN FRIEDRICH FASCH, Vater von CARL FRIEDRICH CHRISTIAN FASCH (1736 - 1800) - ebenfalls ein zu Lebzeiten sehr geschätzter Komponist vor allem zahlreicher Instrumental- und Klavierwerke, wie auch geistlicher Werke, und 2. Cembalist am Hofe Friedrichs II. Gründer der BERLINER SINGAKADEMIE 1791 , heute noch am ehesten bekannt durch sein Tripelkonzert E-dur für Trompete, Oboe d'amore, Violine, Streicher und B.c., - war Schüler von JOHANN KUHNAU an der LEIPZIGER THOMASSCHULE, und er vervollkommnete sich 1713 bei CHRISTOPH GRAUPNER in der Komposition. Er war mit J. D. HEINICHEN und J. G. PISENDEL bekannt. Er galt als Bindeglied zwischen Spätbarock und Frühklassik. Von seinen Zeitgenossen wurde er hoch geschätzt. Keine Geringeren als TELEMANN und J. S. BACH führten Kantaten bzw. Ouvertüren-Suiten von ihm auf. Sein kompositorisches Schaffen war äußerst umfangreich, er schrieb allein 78 Ouvertüren-Suiten, 18 Sinfonien, davon 8 viersätzige, Triosonaten, Quatuors, Quintette, 90 Kantaten, Missaes breves, Opern. Jahrelang versorgte er die DRESDNER HOFKAPELLE, zu der er jahrelang einen engen Kontakt hatte, mit neuen Instrumentalkompositionen. Vor allem mit diesen instrumentalen Werken galt er als Wegbereiter der neuen Sonaten-Kunst, wie auch der Symphonie im Zeitalter der Wiener Klassik. In seinen Konzerten verwob er erstmals Tuttiblöcke und Soloepisoden zu einem wechselseitigen Ganzen.Schon bald nach seinem Tod geriet sein umfangreiches Schaffen in Vergessenheit, und erst der Musikforscher HUGO RIEMANN setzte sich zur Wende des 20. Jahrhunderts nachdrücklich wieder für ihn und seine Werke ein.
    • Sein bekanntestes Instrumentalwerk war wohl sein Trompetenkonzert in D-Dur, das er vermutlich für den Clarin-Trompeter JOHANN CASPAR WILCKEN, dem Schwager von j. S. BACH komponierte.


      JOHANN FRIEDRICH FASCH hatte eine besondere Vorliebe für Waldhörner. Eines seiner Konzerte dieser Gattung, sein Konzert in D-dur für zwei Corni da caccia, zwei Oboen, Fagott, Streicher und B.c. hat LUDWIG GÜTTLER mit seinen VIRTUOSI SAXONIAE mit den Solisten LUDWIG GÜTTLER und KURT SANDAU, Corno da Caccia, ANDREAS LORENZ und WOLFGANG KLIER, Oboe und HANS-PETER STEGER, Fagott, höchst ansprechend - wenn auch nicht in ganz stilechter HIP-, aber in jedem Fall Geschmack machend auf das Kennenlernen weiterer Werke dieses Komponisten, eingespielt. Diese Aufnahme enthält auch sehr hörenswerte, artverwandte Konzerte von JAN DISMAS ZELENKA. "Capriccio für zwei Corni da caccia, zwei Oboen, Fagott, Streicher und B.c. Nr. 5 in G-dur", sowie von JOHANN VALENTIN RATHGEBER: "Konzert für Corno da caccia, Streichr und B.c. op. 6 Nr. 19 C-dur, von ANTONIO VIVALDI: "Konzert für zwei Corni da caccia, Streicher und B.c., F-dur RV 539", und schließlich von JOHANNES MATTHIAS SPERGER sein "Konzert für Corno da caccia und Orchester D-dur".


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      Besonders schätze ich von JOHANN FRIEDRICH FASCH dessen "Quintett für Flöte, Oboe, Violine, Fagott und Cembalo B-dur", für das ich schon seit vielen vielen Jahren eine Aufnahme suche. Sollte jemand eine solche kennen, so wäre ich für einen entsprechenden Hinweis sehr dankbar. Ich wäre bereit, dafür fast jeden Preis zu zahlen!


      Viele Grüße

      wok

    Yvonne Minton,    australische Mezzosopranistin, * 4. 12. 1938 --- 81. Geburtstag

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    Herzlichen Glückwunsch an die großartige australische Mezzosopranistin YVONNE MINTON! Kritiker nannten ihre Stimme "überwältigend schön"! Ihre Glanzrolle war wohl der "Octavian" im "Rosenkavalier", den sie wiederholt an der LONDONER COVENTGARDEN OPER sang, wo sie als Partnerin von BORIS CHRISTOFF auch in "Boris Godunow" sang, und wo sie neben JANET BAKER die Starbesetzung war. 1965 sang sie im englischen Fernsehen BBC zusammen mit TITO GOBBI in PUCCINIs "Gianni Schicchi". ihre Aufnahme des Rosenkavaliers unter SOLTI mit den WIENER PHILHARMONIKERN mit RÉGINE CRESPIN, HELEN DONATH und MANFRED JUNGWIRTH, zählt mit zu den besten, die je eingespielt wurden. Auch ihre Rolle der "Geneviève" in DEBUSSYs "Pelléas und Mélisande" in der BOULEZ-Aufnahme wurde hoch gelobt, wie auch ihr Mitwirken in MAHLER's 8. Symphonie. Sogar als beste Besetzung, die es jemals gab, wurde sie neben STUART BURROWS in PIERRE BOULEZ' Aufnahme der "Nuits d'été" von BERLIOZ bezeichnet und sogar noch über die von JESSYE NORMAN gestellt. YVONNE MINTON wirkte 1966 auch beim ENGLISH BACH FESTIVAL mit. Gefeiert wurde sie auch bei den FESTSPIELEN VON EDINBURGH. Gastspiele hatte sie auch als "Brangäne" in Amsterdam und an der Oper von KÖLN. 1970 gastierte sie an der MAILÄNDER SCALA, 1970 - 71 an der OPER von CHICAGO. Bei den BAYREUTHER FESTSPIELEN sang sie 1974 die "Brangäne" im "Tristan".

    Sie war auch eine ausgezeichnete Konzert- und Oratoriensängerin.


    wok

    Nr. 99 ist nach wie vor einer meiner persönlichen Favoriten unter den Londoner Symphonien. Ich könnte mir auch vorstellen, dass der fehlende prägnante Beiname Anteil daran hat, dass das Werk im Schatten anderer steht. Das Adagio und das Vivace zählen m. E. zu den stärksten langsamen und Finalsätzen bei Haydn überhaupt.

    Na, da sind wir uns ja wieder einmal einig. Ganz genauso sehe ich das auch. Die Nr. 99 eine wunderbare Sinfonie, die man von Anfang bis Ende einfach lieben muiß und purster HAYDN ist, und die, wie schon gesagt, zusammen mit der Nr. 88, für die JOCHUM mit den BERLINER PHILHARMONIKERN meine Referenzaufnahme ist, für mich immer zu den schönsten HAYDN-Sinfonien gehören wird.

    Toll Deine Sammlung, die schon Deine Prädilektion für diese Symphonie Nr. 99 unterstreicht. Ich mag auch BARBIROLLI sehr, doch ist er für mich eher ein Dirigent für romantische Werke, vor allem für BRAHMS:

    Etwas erstaunlich, daß Du die KRIPS-Aufnahme mit den WIENER PHILHARMONIKERN nicht hast, denn KRIPS war bekanntlich nicht nur ein großartiger MOZART-Dirigent, sondern auch HAYDN erklang unter ihm stets natürlich und unverfälscht, eben geenau "haydn-like"!! . Ich meine, daß man die späteren HAYDN-Sinfonien kaum besser und schöner spielen kann, es sei denn, man läßt nur HIP gelten. Aber stop! Wir sind hier off-topic! Es geht hier ja um die Sinfonie Nr. 95!


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Fiesco,


    Ja, das ist schon richtig, GEORGE MARAN ist ein amerikanischer Sänger. Hatte ich übersehen. Aber zumindest vernimmt man bei seinem Vortrag keinerlei amerikanischen Akzent. In der späteren BOULT-Aufnahme singen zwei Amerikaner, eine Australierin und ein Schotte! :).Aber alle gewiß exzellente Sänger!. Die Nationalität ist aber nicht das Hauptargument für diese Aufnahme, sondern deren Glanzpunkt ist ja doch SIR ADRIAN BOULT mit seinem vorzüglichen Orchester und Chor: Übrigens dürfte die Aufnahme schon 1954 entstanden sein, während die spätere mit SUTHERLAND, BUMBRY, MAC KELLAR und WARD wohl 1961 entstand. Da die Spielzeit fast 3 Stunden beträgt, kann diese Aufnahme wohl noch kompletter nicht sein. Im Beiheft ist nur vermerkt, daß der Text von CHARLES JENNENS ist, und die Aufnahme vollständig nach dem Original-Manuskript von JULIAN HERBAGE. . Dieser war ja ein sehr bekannter britischer Musikologe, der eng mit BOULT zusammenarbeitete, gerade im Hinblick auf die Aufführung des Messias, und dessen Arbeit vom "Gramophone" als sehr sorgfältig gelobt wurd.. Dazu nachstehend auch ein Teilauszug aus dem englischen Wikipedia-Artikel.


    "At the BBC, Herbage's role steadily increased in importance; he became known as the corporation's musicologist, unearthing forgotten manuscripts, correcting corrupt editions of scores and arranging period music for broadcast.[1] For a broadcast of As You Like It in 1932 his arrangement of 17th-century music for viols,recorder and lute was praised in the press for its intelligence and beauty.[3] In 1935, for the 250th anniversary of Handel's birth, he prepared a scholarly performing edition of Messiah based on a manuscript score given by the composer to the Foundling Hospital. The performance, conducted by Adrian Boult, Pitt's successor as director of music and also the founding conductor of the BBC Symphony Orchestra, was a landmark in authentic performance style in Handel's music.[4] Herbage was a member of the Royal Philharmonic Society's management committee, from 1940 until 1971.[5]"


    Diese Aufnahme gibt es übrigens auch als CD.


    wok


    Lieber Nemorino,


    Vielen Dank für diesen guten Hinweis. Ich wußte bis jetzt tatsächlich auch nicht, daß es die Sinfonie Nr. 99 mt KRIPS auch auf CD gibt. Ich liebe diese Nr. 99 sehr. Ich habe diese auf Decca LP zusammen mit der Nr.94 (Paukenschlag) in mono.

    Die Nr. 92 habe ich mit ebenfalls mit Krips, aber mit den LONDONER SYMPHONIKERN, also nicht mit den WIENERN wie die Nr 94 und Nr. 99.


    Viele Grüße nach.....?

    wok


    Ich wiederhole hier nochmals einen Betrag, den ich früher schon an anderer Stelle in Verbindung mit KARL RICHTER verfaßte, und der eigentlich hierher gehört:


    Wer KARL RICHTER zumindest bei BACH nicht mehr genügend konservativ findet - das gibt es ja auch - für den ist vielleicht der Ansatz, wie ihn z. B. SIR ADRIAN BOULT in seiner Aufnahme von 1960 (?) von HÄNDEL's "Messias"wählt, der richtige, obwohl natürlich für HÄNDEL ganz andere Grundsätze gelten als für BACH. Bei BOULT gibt es auch keine Kürzungen oder Unterlassungen, sondern er spielt nach der vollständigen Fassung und in derOriginalinstrumentation. die er mit dem LONDONER PHILHARMONISCHEN ORCHESTER und dem LONDONER PHILHARMONISCHEN CHOR (Chordirektion FREDERICK JACKSON) einspielte, dazu mit erstklassigen englischen Gesangssolisten, d. h. der großartigen JENNIVER VYVYAN, Sopran, NORMA PROCTER Alt, GEORGE MARAN Tenor (wunderbar weiche, gefühlvolle Stimme) , und OWEN BRANNIGAN Baß, und den renommierten Instrumentalisten GEORGE MALCOLM Cembalo, RALPH DOWNES Orgel und ERIC BRAVINGTON Trompete.

    Die Aufnahme erschien als 3er Box, und die Spielzeit beträgt 2 Stunden und 49 Minuten, und somit gut 1 Stunde länger als der FORSTER-Messias! . SIR ADRIAN spielt mit einem deutlich kleineren Orchester und Chor als später BEECHAM, was der der Aufnahme einen intimeren Gesamteindruck verschafft, und die Durchhörbarkeit erhöht. In Stereo würde das alles natürlich noch besser klingen, doch auch so finde ich diese Aufnahme fabelhaft, und sie geht immer wieder unter die Haut. Es wird nach dem Original-Manuskript von JULIAN HERBAGE musiziert. BOULT hat den Messias später nochmals mit SUTHERLAND, BUMBRY und MC KELLAR aufgenommen (1962 ?) , doch ziehe ich diese Einspielung mt rein britischen Stimmen vor.

    Die Aufnahme wurde mit dem GRAND PRIX DU DISQUE der ACADÉMIE CHARLES CROS PARIS ausgezeichnet und ist für mich neben der Einspielung mit deutschem Text unter KARL FORSTER mit BJONER, TÖPPER, TRAXEL und ENGEN meine bevorzugte Aufnahme. Also 2 ganz verschiedene Interpretationen, von denen dennoch jede der beiden für sich einnehmen kann. Ein Beispiel, wie unterschiedlich man dieses berühmte Oratorium doch interpretieren kann, und dabei doch Gefallen an beiden Sicht- und Spielweisen finden kann.


    wok



    Handel: Messiah - Jennifer Vyvyan, George Maran, Norma Proctor, London Philharmonic Choir, Orchestre Philharmonique de Londres & Sir Adrian Boult

    Jennifer Vyvyan, George Maran, Norma Proctor, London Philharmonic Choir, Orchestre Philharmonique de Londres & Sir Adrian Boult

    Es ist schon denkbar, daß diese Sinfonie Nr. 95 nicht so ganz den Geschmack des Londoner Publikums traf, denn diese kommt im Vergleich zu manch anderer HAYDN-Sinfonie doch nur etwas langsam in Gang und hat vielleicht nicht ganz so ziündende Ideen wie Sinfonien, die in dieser Zeit entstanden - sieht man einmal von der nicht alltäglichen moll-Tonart ab. Die Sinfonie Nr. 99 z. B. nimmt da schon gleich zu Beginn mehr für sich ein, zumal wenn man die wunderbare Einspielung durch JOSEF KRIPS und den WIENER PHILHARMONIKERN hört. Das ist HAYDN mit jeder Note, wie er leibt und lebt. Eine meiner Lieblingssinfonien von HAYDN ist und bleibt ohnehin die früher entstandene Sinfonie Nr. 88.

    Und was die Aufnahme der Sinfonie Nr. 95 anbetrifft, so teile ich die Meinung von Alfred, daß die SZELL-Einspielung durchaus eine sehr gute Wahl ist, da seine gewohnte Strenge, die ja bei der Sinfonie in moll nicht so deplatziert ist, wo angezeigt, wunderbar mit den melodischeren langsamen Abschnitten kontrastiert.


    wok

    Jörg Demus,    österreichischer Pianist und Komponist * 2. 12. 1928 - + 16. 4. 2019 --- 91. Geburtstag ( einer der Großen Sechs aus dem legendären halben Dutzend der Großen österreichischen Pianisten um 1930 (Badura-Skoda, Brendel, Demus, Gulda, Haebler und Klien)

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    So unauffällig sich JÖRG DEMUS während seiner glänzenden Pianistenkarriere gab, wo er durch Bescheidenheit, Uneitelkeit und dem Fehlen jeglicher Starallüren imponierte, so unauffällig verabschiedete er sich auch aus seinem Leben, zumindest für Außenstehende und für die zahlreichen Bewunderer seines Spiels. Ich wurde schon in meiner frühen Jugend auf ihn durch seine wunderbaren Interpretationen der Werke SCHUBERTs aufmerksam und verfolgte seitdem seine künstlerische Laufbahn mit großem Interesse. Aber er war gewiß nicht auf SCHUBERT allein fokussiert, sondern verblüffte immer wieder gerade durch seine Vielseitigkeit. Durch sein Elternhaus - die Mutter war Geigerin und der Vater ein berühmter Kunsthistoriker - hatte er schon viele künstlerische Impulse mit auf den Weg bekommen. Bereits mit 6 Jahren erhielt er auf eigenen Wunsch seinen ersten Klavierunterricht, mit 11 Jahren besuchte er die MUSIKAKADEMIE in WIEN. Keine Geringeren als WALTHER KERSCHBAUMER (Klavier), KARL WALTER (Orgel), HANS SWAROWSKY, JOSF KRIPS (Dirigieren) und JOSEPH MARX (Komposition) waren dort seine Lehrer. Mit 15 Jahren gab er im BRAHMSSAAL des WIENER MUSIKVEREINS sein Konzert-Debüt, und gab weitere Konzerte in Italien und in der Schweiz. . Nach dem Krieg startete seine eigentliche Pianistenkarriere. Besonders in Frankreich und England bestaunte man sein Können bei seinen ersten Konzertauftritten. 1951 setzte er sein Studium bei YVES NAT in PARIS fort. Daraufhin unternahm er seine erste Südamerika-Tournee. Nach seinem Debüt in Paris ging er 1953 für ein halbes Jahr als Schüler von WALTER GIESEKING nach SAARBRÜCKEN. In den folgenden Jahren belegte er Sommerkurse bei EDWIN FISCHER, WILHELM KEMPFF und ARTURO BENEDETTI MICHELANGELI. Spätestens zu diesem Zeitpunkt begann seine 50 Jahre anhaltende Arbeit für die Schallplatte. Nach seiner USA-Tournee 1955 erregte er im MOZART-Gedenkjahr 1956 Aufsehen durch den Gewinn des 1. Preises des angesehenen Bozener BUSONI-WETTBEWERBS. Wiederholt konzertiere er anschließend in Asien, Australien und Japan. In dieser Zeit stellte sich auch sein großes Interesse für historische Tasteninstrumente ein, die er nicht nur sammelte sondern auch bespielte. Neben seinem Freund BADURA-SKODA war er einer der ersten, der sich mit Nachdruck für "Klaviermusik auf Instrumenten der Meister" einsetzte. Auf Instrumenten der Entstehungszeit spielte er auch in öffentlichen Konzerten Werke wie z. B. BEETHOVEN's "Diabelli-Variationen" und MENDELSSOHN's "Lieder ohne Worte".


    Kaum ein anderer Pianist hat wohl so viele Schallplattenaufnahmen realisiert wie JÖRG DEMUS, man spricht von 350 Einspielungen für eine Vielzahl von Schallplattenfirmen. Sein Repertoire umfaßte Solistenkonzerte, Klavier-Recitals, Kammermusik und Liedbegleitung, vor allem von ELLY AMELING, ELISABETH SCHWARZKOPF, PETER SCHREIER und DIETRICH FISCHER-DIESKAU - mit ihm nahm er auch "Die Winterreise" auf, und realisierte mit ihm eine Gesamtaufnahme der BEETHOVEN-Lieder. Mit BADURA-SKODA spielte er vierhändige Werke ein, und er war u. a. Klavierpartner der Geiger JOSEF SUK, und EDITH PEIPNEMAN, und dem Cellisten ANTONIO JANIGRO. Bemerkenswert sind seine Gesamtaufnahmen von SCHUMANN's Klavierwerk, das er besonders schätzte, und der Klaviermusik DEBUSSYs.


    An dem Spiel von JÖRG DEMUS bewunderte man vor allem Harmonie und Klangschönheit, einen singenden Ton, klare Konturen, Lebendigkeit und flexible Rhythmik. Der Schwerpunkt seines Wirkens lag bei den Wiener Klassikern. Die besten und überzeugendsten pianistischen Leistungen gelangen ihm in der ersten Hälfte seines langen Wirkens.


    1977 wurde JÖRG DEMUS nach VOLKMAR ANDREAE und ELLY NEY dritter Träger des BEETHOVEN-RINGS der WIENER BEETHOVEN-GESELLSCHAFT. 1979 wurde ihm die MOZART-MEDAILLE verliehen.


    Für mich absolut unverzichtbar und wertvollste Erinnerung an JÖRG DEMUS ist seine Einspielung von SCHUBERT's Impromptus op. 142, und der 3 Klavierstücke op. posth,, in denen die hohe Sensibilität in SCHUBERT's Musik in all ihren Nuancierungen und Schattierungen so großartig zum Ausdruck kommt. Neben den Aufnahmen durch INGRID HAEBLER und ALFRED BRENDELdieser Werke für mich die bezauberndste unter den so zahlreichen Einspielungen dieses Werkes.





    Impromptus Op.142 / 3 Klavierstücke Op. Posth. (Vinyl, LP, Mono) Plattencover


    wok