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    Arthur Grumiaux, belgischer Geiger und Dirigent, * 21. 3. 1921 - + 16. 10. 1986 --- 33. Todestag

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    ARTHUR GRUMIAUX galt als Wunderkind, das in einem kleinen beligischen Ort nahe bei Charleroi geboren wurde. Aus dem Wunderkind erwuchs schnell ein legitimer Nachfahre der traditionellen belgischen Geigenschule namens VIEUXTEMPS - YSAYE - THOMSON. Von Kritikern wurde er schon bald als "der beste Geiger seit Ysaye" bezeichnet.


    Schon als Sechsjähriger hatte er das Konservatorium in CHARLROIS besucht. In Brüssel wurde er Schüler von ALFRED DUBOIS, einem Schüler von YSAYE, in Paris Schüler des berühmten GEORGE ENESCU. Bereits in dieser Zeit errang er wichtige Preise, wie den "HENRY-VIEUXTEMPS-PREIS" und den "FRANCOIS-PRUME-PREIS (1939), sowie den "PRIX DE VIRTUOSITÉ" des belgischen Staates (1940). Erst nach dem Krieg setzte er dann seine Solisten-Konzerte fort. Er spielte in LONDON mit ARTUR SCHNABEL und PIERRE FOURNIER und gab 1945 in London sein erstes Solodebüt mit dem BRAHMS Violinkonzert op. 77 mit dem BBC SYMPHONY ORCHESTRA unter SIR ADRIAN BOULT. 1949 wurde GRUMIAUX am BRÜSSELER KONSERVATORIUM Nachfolger seines Lehrers DUBOIS. 1954 führte er das als verschollen gegoltene Violinkonzert Nr. 4 von PAGANINI auf.


    Schon frühzeitig faszinierte ARTHUR GRUMIAUX durch seinen wunderbar großen geigerischen Ton, durch seine enorme Virtuosität und der Integrität seiner Technik. Sein Spiel vermittelte in seltener Symbiose Wärme und Männlichkeit, Noblesse und Eleganz des musikalischen Ausdrucks. Als Professor am BRÜSSELER KONSERVATORIUM und häufiger Festivalgast von AIX-EN-PROVENCE, GLYNDEBOURNE, LUZERN, PRAG und SALZBURG, galt er schon bald als Altmeister der hohen Geigenkunst. Sein Repertoire beinhaltete bei Solokonzerten vor allem Werke von BACH, MOZART, MENDELSSOHN, BRHAMS bis hin zu BARTÓK, STRAWINSKY, PROKOFIEFF. BERG und sogar WALTON. Grundsätzlich war aber avantgardistische Musik seine Sache nicht. . Für Kammermusik standen sehr oft BACH, HÄNDEL, MOZART und BEETHOVEN auf seinem Programm, wobei vor allem seine Auftritte und Einspielungen mit CLARA HASKIL, die er in den 50er Jahren beim CASALS-FESTIVAL in PRADES kennengelernt hatte, einen hohen Stellenwert einnahmen, und deren Aufnahmen der Violinsonaten von MOZART und BEETHOVEN zählten zu den herausragenden Ereiginissen. Als Jury-Mitglied fehlte er bald in keinem internationalen Violinwettbewerb. Er selbst wurde wie kaum ein anderer mit zahlreichen wertvollen Preisen und Auszeichnungen bedacht: den "GRAND PRIX DU DISQUE DE L'ACADÉMIE CHARLES CROS" und den "GRAND PRIX DE L'ACADÉMIE DU DISQUE FRANCAIS" erhielt er gleich mehrmals, ferner den "GRAND PRIX DES DISCOPHILES". Des weiteren wurde ihm der holländische "EDISON-PREIS" verliehen. In Deutschland wurde er u. a. noch mit dem "PREIS DER DEUTSCHEN SCHALLPLATTENKRITIK" ausgezeichnet, und auch in Italien erhielt er verschiedenen Auszeichnungen. Viele Jahre lang war sein Name auch in den Jahreslisten der "Critics Choices" zu finden.


    Kammermusik war für ARTHUR GRUMIAUX ein ganz wichtiges Thema, und er spielte auf diesem Gebiet in verschiedenen z. T berühmt gewordenen Formationen. So bildete er mit GEORGES JANZER und dessen Gattin EVA CZAKO das nach ihm benannte "GRUMIAUX-TRIO", das besonders Kammermusik von MOZART und BEETHOVEN exemplarisch einspielte. Die Aufnahme sämtlicher BEETHOVEN-Streichtrios erwarb dem Ensemble auf Anhieb großes Ansehen. Das GRUMIAUX-TRIO wurde oft zum Quintett erweitert, indem als 2. Violine noch ARPAD GÉRECZ, und als 2. Viola MAX LESUEUR hinzukam. In dieser Formation wurden auch alle MOZART-Streichquintette aufgenommen. Mit INGRID HAEBLER und JACQUES CAZAURAN nahm das GRUMIAUX-TRIO auch SHCUBERT's "Forellenquintett" auf. Einzigartig war, wie schon erwähnt, die Zusammenarbeit von GRUMIAUX mit CLARA HASKIL. Deren Aufnahmen der MOZART- und BEETHOVEN-Sonaten wurden legendär. Berühmt wurde auch die Einspielung vion BACH's 6 Sonaten für Violine und Cembalo BWV 1014 - 1019 zusammen mit EGIDA GIORDANI SARTORI, die mit dem EDISON-PREIS und dem PREIS DER DEUTSCHEN SCHALLPLATTENKRITIK ausgezeichnet wurde. Unter seinen vielen Schallplattenaufnahmen waren vor allem auch die Einspielung von BRAHMS' Violinkonzert op. 77 unter EDUARD VON BEINUM und dem CONCERTGEBOUW ORCHESTRA, sowie die Aufnahme einiger MOZART-Violinkonzerte mit dem LONDON SYMPHONY ORCHESTRA unter SIR COLIN DAVIS bemerkenswert.

    ARTHUR GRUMIAUX spielte meist auf seine Guarneri "del Gesù" aus dem Jahr 1744.

    Übrigens war er auch ein ausgezeichneter Pianist.


    Ich liebe und bewundere in der Tat ganz besonders das Ensemble-Spiel von ARTHUR GRUMIAUX. Die Aufnahme der MOZART-Quintette Nr. 5 KV 593 und Nr. 6 KV 614 mit seinem durch ARPAD GÉRECZ und MAX LESUEUR erweiterten Trios hat für mich absolut Referenzstatus. Das Quintett Nr. 6 habe ich bisher nur noch vom GRILLER STRING QUARTET ähnlich fabelhaft gespielt gehört. Großartig auch die Einspielung der BEETHOVEN-Serenade op. 8 für Violine, Viola und Violoncello durch das GRUMIAUX-TRIO, und der SERENADE op. 25 für Violine, Viola, Violoncello und Flöte, erweitert durch den vorzüglichen Flötisten MAXENCE LARRIEU.


    Da ich eine zeitlang die Schallplatten-Texte auf dem Cover von Philips übersetzte, und ich von jeder übersetzten LP automatisch auch immer ein Beleg-Exemplar zugeschickt bekam, und vieles von GRUMIAUX bei Philips aufgenommen wurde, war ich stets über die laufenden Projekte, wie auch über Details bezüglich Komponisten, Werk und Interpreten sehr gut informiert.


    wok



    Serenades Op 8 & Op 25

    von Maxence Larrieu, Grumiaux Trio, et al.

    Serenades Op 8 & Op 25

    Lieber wok, ich erlaube mir, Deinen Beitrag aus dem Erinnerungsthread hierher zu kopieren. Einverstanden?


    .

    Einverstanden, lieber Rheingold! Ich bin aber erst einmal vor allem froh und glücklich, daß so große Musikkenner und -liebhaber wie Du und Helmut Hofmann nicht auch noch auf KARL RICHTER einschlagen, sondern im Gegenteil wie ich empfinden, daß man auch nicht - oder schon gar nicht - bei der Musik von BACH ganz ohne Gefühl, Sinnlichkeit, Verve und Begeisterungsfähigkeit auskommen kann.


    Viele Grüße

    wok

    Karl Richter,    deutscher Dirigent, Organist, Chorleiter und Cembalist, * 15. 10. 1926 - + 15. 2. 1981 --- 93. Geburtstag

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    Ich erinnere mich noch sehr gut, als im Rundfunk die Todesnachricht von KARL RICHTER gemeldet wurde. Er war in Bayern einer der ganz großen und sehr verehrten Musiker, wo jeder Musikliebhaber seine so erfolgreiche Arbeit mit seinem MÜNCHENER BACH-ORCHESTER und seine unvergeßlichen Konzerte anläßlich der ANSBACHER BACHWOCHEN liebte und bewunderte. Es war damals ein großer Schock, daß ein Vollblut-Musiker wie er, mit soviel Tatendiang und noch so vielen Plänen, in noch so jungen Jahren so jäh aus dem Leben gerissen wurde.


    KARL RICHTER war schon in früher Jugend von Orgelmusik fasziniert, wenn ihn sein Vater mit in die Kirche des kleinen Städtchens Marienberg im Erzgebirge nahm. Dort wurde er 1926 als Nachfahr einer Familie von Pfarrern und Kantoren geboren. Als Sängerknabe gehörte er dem DRESDNER KREUZCHOR an, sang noch unter seinem Mentor, RUDOLF MAUERSBERGER, und er wurde schließlich der letzte Schüler des großen Orgelvirtuosen KARL STRAUBE in Leipzig. 1947 kam er als Organist an die LEIPZIGER THOMASKIRCHE. Vier Jahre später übernahm er die Professur für Orgelspiel an der AKADEMIE in München, die Organistenstelle an St. MARKUS und die Leitung des BACH-CHORS. Im Alter von 30 Jahren wurde ihm das Amt des Thomaskantors in Leipzig angeboten, doch er lehnte ab und sagte dazu später einmal: "Es wäre die Krönung meiner Karriere gewesen, aber ich habe in München etwas aufgebaut, was ich nicht mehr aufgeben kann."


    KARL RICHTER ist es sicher mit zu verdanken, daß in den 1950er Jahren Schallplatten mit klassischer Musik einem breiteren Publikum zugängig wurden. Als bei der Archiv-Produktion 1958 die Ersteinspielung der Matthäus-Passion unter seiner Leitung auf einer LP-Kassette erschien, wurde diese 50 000 mal verkauft. Auch die Johannes-Passion, die 1964 folgte, und eine weitere Einspielung der Matthäus-Passion, die 1980 folgte, brachten es auf stolze Verkaufszahlen. KARL RICHTER war in der ganzen Welt sehr angesehen, und so war es auch er, der am 22.11.1965 in der PHILHARMONIC HALL IN NEW YORK das offizielle Gedächtnis-Konzert 2 Jahre nach der Ermordung von John F. Kennedy gab, und 1968 leitete er in Moskau und Leningrad Aufführungen der Johannes-Passion und der h-moll-Messe.


    Ich habe KARL RICHTER noch anläßlich der ANSBACHER BACHWOCHEN 1961 erlebt als er BACH's "Hohe Messe" aufführte, und ich war von seiner Ausstrahlung und seiner großartigen Musizierkunfst - sei es nun als Chor- und Orchesterleiter, oder als Organist und Cembalist, wie auch von seiner außerordentlichen Bescheidenheit tief beeindruckt, und für mich war er damals der geniale Interpret von sakraler Musik, vor allem der Werke von BACH, ungeachtet der schon damals aufgekommenen Kritik einiger Widersacher, daß seine Aufführungspraxis und sein Musizierstil nicht mehr aktuell sei, indem auf die neue Spielweise von Leuten wie HARNONCOURT, RiILLING oder WENZINGER hingewiesen wurde. Dennoch wollte der Großteil seiner Anhänger seinen mehr opulenten Musizierstil nicht missen. Man sollte heute nicht so leicht despektierlich über die Art, wie er damals musizierte, urteilen, schließlich galt er damals als fast konkurrenzloser BACH-Interpret, und schließlich machte er damals mit seiner Spielweise jahrzehntelang Millionen von Menschen in der ganzen Welt glücklich, und die Musikwelt lag ihm zu Füßen, selbst in NEW York, Paris, Leningrad und Toko. Seine Musizierfreude und sein Ausdrucksbedürfnis des ästhetischen Klangs waren sehr ausgeprägt. Er war ein Espressivo-Musiker und blieb seinem Stil auch bei zunehmender Konkurrenz und Kritik treu. Auch in München pflegte er mit seinem Chor und Orchester weiter seine mehr romantische, sächsische Bachtradition mit dem etwas wärmeren, sensitiverem Gesangsstil des KREUZCHORS und des THOMANERCHORS. Trotzdem hat sich bei ihm Routine nie eingestellt. Er hat die Texte der Chorwerke immer wieder neu durchdacht, und bei Bedarf auch Änderungen in seinen Konzerten vorgenommen, sei es nun auch was Tempo und Dynamik anbetrifft. So sollte man auch heute seine Sichtweise noch respektieren, auch wenn man die historische Aufführungspraxis präferiert.


    Für die Konzerte in ANSBACH hatte er damals mt Sorgfalt jene Gesangs- und Instrumentalsolisten ausgewählt, die auch in seine Aufführungskonzeption paßten. Dazu gehörten z. B. bei den Gesanssolisten URSULA BUCKEL, Sopran, HERTA TÖPPER (Alt), ERNST HAELIGER Tenor, KIETH ENGEN (Baß), OTTO BÜCHNER(Violine), WILLI BAUER (Trompete), AURELE NICOLET (Flöte), KURT HAUSMANN und EDGAR SHANNS (Oboe), und FRANZ ORTNER (Kontrabaß). Als Cembalistin spielte er gerne mit HEDWIG BILGRAM, falls er nicht selbset am Cembalo saß.



    KARL RICHTER hatte sich nicht ausschließlich J. S. BACH verschrieben, sondern auch HÄNDEL wie auch weniger bekannte Komponisten, überwiegend des Barock, hatte er auf dem Programm. Er war auch einer der wirklich großen Könner als Organist und Cembalist, und seine Einspielung z. B. der Orgelkonzerte von HÄNDEL op. 4 und Nr. 10 mit seinem Kammerorchester, aufgenommen in der Markuskirche in München, hat für mich bis heute unverändert ihren Reiz..

    • Gerne möchte ich auch noch auf einige Aufnahmen mit KARL RICHTER und seinem MÜNCHENER BACHORCHESTER hinweisen, die trotz der zwischenzeitlich zahlreichen Einspielungen dieser Werke für mich immer noch die 1. Wahl sind:


      MOZART: Konzerte für Flöte und Orchester KV 313 und KV 314, sowie
      Konzert für Flöte, Harfe und Orchester KV 299
      Andante für Flöte und Orchester KV 315


      HAYDN: Konzert für Flöte, Streicher und B. c. , D-Dur H 7f


      GLUCK: "Reigen seliger Geister " aus "Orpheus und Euridike"


      Bei diesen Konzerten ist AURÈLE NICOLET der großartige Solist, für das Konzert für Flöte, Harfe u. Orchester KV 299 ist die Harfenistin die exzellente ROSE STEIN.


      J. S. BACH: Brandenburgische Konzerte Nr. 2, 4 und 5


      Die bewährten KARL RICHTER- Solisten dieser Konzerte sind beim Konzert Nr. 2 PIERRE THIBAUD, Trompete,HANS-MARTIN LINDE Blockflöte, MANFRED CLEMENT Oboe, HANSHEINZ SCHNEEBERGER Violine und die von KARL RICHTER zurecht besonders geschätzte HEDWIG BILGRAM.


      Im Konzert Nr. 4 kommt zu HANSHEINZ SCHNEEBERGER, HANS-MARTIN LINDE und HEDWIG BILGRAM noch GÜNTHER HÖLLER als 2. Blockflöte hinzu.


      Das Konzert Nr. 5 gestalten AURÈLE NICOLET, HANSHEINZ SCHNEEBERGER und KARL RICHTER am Cembalo.

    • Unverzichtbar auch seine Einspielung der Matthäus-Passion mit IRMGARD SEEFRIED, HERTHA TÖPPER, ERNST HAEFLIGER, KIETH ENGEN, DIETRICH FISCHER-DIEKAU, und der Johannes-Passion mit den Gesangssolisten EVELYN LEAR, HERTHA TÖPPER, ENRST HAEFLIGER; und KIETH ENGEN, in beiden Fällen mit hervorragenden Instruental-Solisten, die Besten, die es damals in Deutschland für Geistliche Musik gab.


    • Abgesehen von diesen persönlichen Präferenzen wären noch weitere sehr gute Aufnahmen mit KARL RICHTER zu nennen, wie


    • HÄNDEL's Oratorium "Samson" und "Der Messias"

    • BACH's Triosonate Nr. 2 BWV 526 mit KARL RICHTER an der Orgel

    • BACH's "Musikalisches Opfer" mit KARL RICHTER und HEDWIG BILGRAM, Cembalo

    • BACH''s Konzert für 2 Cembali, Streicher und Continuo Nr. 1 BWV 1060, wieder mit RICHTER und BILGRAM.

    • BACH'S Ouvertüre Nr. 2 h-mol BWV 1067 mit AURÈLE NICOLET

    • BACH's Weihnachtsoratorium mit FRANZ CRASS und GUNDULA JANOWITZ

    • BACH's Messe in h-moll

    wok


    Mit dem Namen GÜNTHER RAMIN verbinde ich für lange Zeit mustergültige Aufnahmen der beiden BACH-Passionen (Matthäus-Passion 1941) und Johannes-Passion 1954), dazu zahlreiche weitere Aufnahmen von BACH-Werken, insbesondere Kantaten, Messen und Motetten.. RAMIN war von 1940 bis zu seinem frühen Tod 1956 infolge eines Hirnschlags (er starb plötzlich bei den Aufnahmearbeiten der Matthäus-Passion) THOMASKANTOR zu LEIPZIG. Unter ihm gelangte der altehrwürdige THOMANERCHOR nach dem Krieg schnell wieder zu hohem Ansehen im In- und Ausland. Der Entwicklungsgang der Chorpflege wird lebendig in den Aufnahmen, die uns die Interpretationen von GÜNTHER RAMIN aufbewahrt haben. Bedeutung erhält seine Aufnahme der Johannes-Passion auch heute noch wegen der durch ihn vertretenen Leipziger BACH-Tradition, die er Thomas-Organist seit 1918, und als Thomas-Kantor seit 1940 vertrat.


    GÜNTHER RAMIN hatte die THOMASSCHULE in LEIPZIG besucht und studierte dort ab 1914 am KONSERVATORIUM Orgel bei KARL STRAUBE, und Klavier bei TEICHMÜLLER, sowie Komposition bei KREHL. Ab 1920 war er am LEIPZIGER KONSERVATORIUM Lehrer für Orgelspiel, und ab 1932 Professor für Orgelspiel an der BERLINER MUSIKHOCHSCHULE. Von 1929 - 32 leitete er Leipziger Sinfoniekonzerte, sowie von 1935 - 43 den PHILHARMONISCHEN CHOR BERLIN, ab 1940 den THOMANERSCHOR als Nachfolger von KARL STRAUBE, sowie 1933 - 34 und 1945 - 51 den GEWANDHAUSCHOR, und von 1935 - 43 den BERLINER PHILHARMONISCHEN CHOR. 1939 hatte KARL STRAUBE sein Amt als Thomaskantor aus Protest gegen dias Naziregime niedergelegt. 1940 akzeptierte RAMIN, dessen Nachfolger zu werden, was zu einem Zerwürfnis mit STRAUBE führte.


    Als hervorragender Cembalist und Kammermusiker gründet GÜNTHER RAMIN 1932 mit P. GRÜMMER und R. WOLF eine TRIO FÜR ALTE MUSIK Er war der Schöpfer eines neuen BACH-Verständnisses, das für BACH's Werke eine etwas dramatischere Aufführungspraxis vorsah Dieses neue Verständnis gab er auch an seinen wichtigsten Schüler, KARL RICHTER, weiter. Er war aber auch ein bedeutender Interpret der Orgelmusik von BACH und REGER.


    Nach Gründung der DDR war seine Hauptsorge, den internationalen Ruf des THOMANERCHORS, der sich fast ausschließlich dem Werk BACH's gewidmet hatte, zu wahren. Er unternahm mit dem Chor zahlreiche Tourneen, in die Sowjetunion 1953 und nach Südamerika 1955. 1950, 53 und 55 leitete er die BACH-FESTE IN LEIPZIG.


    GÜNTHER RAMIN komponierte vor allem Orgelmusik, Kammermusik und Lieder. Auch gab er eine Sammlung von Orgelliteratur neu heraus, und veröffentlichte Essays über das Orgelspiel und über BACH.


    Eine meiner liebsten und wertvollsten Aufnahmen von RAMIN als Dirigent, sind die bei der Archiv-Produktion der DGG am 05.11.1951 aufgenommenen Motetten für fünfstimmigen Chor, BWV 227 "Jesu, meine Freude", wohl 1723 entstanden, und die Motette für zwei Chöre zu je vier Stimmen, BWV 226 "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf", 1729 komponiert, beide anläßlich einer Trauerfeier. Damals wurden die Motetten bei der Aufführung noch von einzelnen Instrumenten verstärkt. Die rein a-capella Ausführung setzte sich erst in der Nachfolge BACHs durch und wird bis heute auch meist so praktiziert. Diese beiden Motetten habe ich nie mehr so beeindruckend gesungen gehört wie diese unter GÜNTHER RAMIN. Daß es sich hier noch um eine Mono-Aufnahme handelt, mindert nicht den tollen Höreindruck. Der THOMANERCHOR singt hier noch in Bestform, und GÜNTHER RAMIN hat diesen in jeder SEKUNDE voll unter Kontrolle.


    wok


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    Elisabeth Speiser,     Schweizer Sopranistin, * 15. Oktober 1940 --- 79. Geburtstag

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    Von ELISABETH SPEISER werden unterschiedliche Geburtsdaten angegeben. Als Geburtstag wurde in anderen Quellen auch der 16.10.1940, und auch der 01. 10.1940 genannt. Gehen wir einmal davon aus, daß der 15.10.1940 richtig ist und übermitteln ELISABETH SPEISER unsere ganz herzlichen Glückwünsche zum 79. Geburtstag, in der Hoffnung, daß sie weiter bei guter Gesundheit ist.

    ELISABETH SPEISER sang ähnlich wie AGNES GIEBEL überwiegend in Messen und Kantaten, auch Lieder, doch obwohl sie über eine wunderbar hell timbrierte, natürliche Sopranstimme verfügt und ihre Diktion vorbildlich ist, konnte sie wohl nicht ganz die gleiche Berühmtheit erlangen wie diese. Ihre Ausbildung erhielt sie bei SYLVIA GÄHWILLER in Zürich. Mit 25 Jahren debütierte sie in einem Konzert in Zürich mit Liedern von OTHMAR SCHOECK. Mit diesem Konzert gelang ihr der Durchbruch als Konzert- und Oratoriensängerin, und sie machte auch außerhalb der Schweiz in Europa auf sich aufmerksam. Sie fand Zugang zu wichtigen Musikzentren, sang bei den FESTSPIELEN von LUZERN, MÜNCHEN, MONTREUX und ATHEN, wie auch beim ENGLISH BACH-FESTIVAL Sie zeigte nicht nur besonderes Interesse für die Musik BACHs, sondern wirkte auch in Konzerten zeitgenössischer Werke, und auch bei einigen Uraufführungen mit, so z. B. bei der von FRANK MARTIN's Requiem, 1973 beim FESTIVAL DE LAUSANNE, wo sie das Sopransolo sang. Sie war auch erfolgreich mit einer Gastspielreise in den USA, wo sie in NEW YORK, WASHINGTON, BOSTON und RIO DE JANEIRO auftrat. Als Opernsängerin ist sie nur selten in Erscheinung getreten. Erstmals stand sie 1971 in Bern auf der Bühne in der Rolle der "Pamina". Mit dieser Rolle hatte sie durchaus sehr guten Erfolg, und in dieser sang sie auch an den OPERNHÄUSERN in FRANKFURT, sowie bei den LUDWIGSBURGER FESTSPIELEN 1972, schließlich auch an der BERLINER STAATSOPER und 1973 bei den FESTSPIELEN von GLYNEBOURNE.  Dort sang sie 1982 sie auch die "Eurydice" im "Orpheus". Dennoch blieb der Schwerpunkt ihres Wirkens der Konzertsaal.


    Sie machte aber auch einige interessante Liedaufnahmen mit IRWIN GAGE und JOHN BUTTRICK. Mit beiden nahm sie Lieder von SCHUMANN ("Liederkreis"), SCHUBERT (Ganymed!), BRAHMS, HUGO WOLF, zu dem sie eine besondere Affinität verspürte, ANTON WEBERN, CLAUDE DEBUSSY, SCHÖNBERG, SCHREKER und BERG auf. Die meisten dieser Aufnahmen entstanden 1975 live in Zürich. Sie nahm auch Messen von HAYDN und HUMMEL auf, Kantaten und Oratorien von TELEMANN, BACH und CARISSIMI auf, die "Theresienmesse" von HAYDN, "Orpheus" von GLUCK als Partnerin von JANET BAKER.

    Sie sang oft unter HELMUTH RILLING und RUDOLF EWERHART.


    Meine Lieblingsaufnahme mit ELISABETH SPEISER ist ihre Aufnahme von J. HAYDN's Messe in F-Dur ("Missa Brevis"), des "Salve Regina" in Es-Dur, und des Offertoriums "Non nobis Domine" in Dur, beides für Chor, Streicher und Orgel mit dem Ensemble "DIE KAMMERMUSIKER" und dem SINGKREIS ZÜRICH unter der Leitung von WILLI GOHL, auch hinsichtlich der Orchester- und Chorleistung eine fabelhafte Einspielung.


    wok


    J.Haydn - Missa brevis alla capella [Vinyl LP]

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    Emil Gilels,   russischer Pianist, * 19. 10. 1916 - + 14. 10. 1985 --- 34. Todestag

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    Für mich ist es kaum zu glauben, daß sich der Todestag von EMIL GILELS nun schon zum 34. mal jährt, noch zu präsent ist die Erinnerung an seine fulminanten Auftritte. Und das Sympathische an diesem Titan des Klaviers war, daß er sich selbst so unwichtig nahm, daß er sich von dem frenetischen Beifall, der nach jedem Konzert über ihn hereinbrach, und den überschwänglichen Lobeshymnen, die jedes Mal in der Presse über ihn ergingen - immerhin war da auch von einem "göttlichen GILELS" die Rede - und selbst die seriöse Süddeutsche Zeitung schrieb nach einem Konzert: "Den Klavierabend von EMIL GILELS kann man nur als den Auftritt eines pianistischen Wunders bezeichnen... GILELS besitzt eine pianistische Kraft, die an Hexerei grenzt..." - nicht dazu verleiten ließ, Starallüren anzunehmen. Als ARTUR RUBINSTEIN den fünfzehnjährigen GILELS 1931 in Odessa spielen hörte, äußerte er: "wenn der nach Amerika kommt, dann kann ich meine Sachen packen und gehen!" Als dann GILELS erstmals nach dem Krieg in der westlichen Welt auftrat, fand man RUBINSTEIN's Prophezeiung bestätigt. Trotzdem sagte GILELS wiederholt über seinen Kollegen, den anderen russischen Klavier-Titan SWJATOSLAW RICHTER, daß dieser besser spiele als er.


    Wie RICHTER, OISTRACH, MILSTEIN stammte EMIL GILELS aus Odessa, der Wiege vieler russischer Virtuosen großen Formats, und wie RICHTER studierte er 1935 - 37 in Moskau bei dem berühmten HEINRICH NEUHAUS, und bereits mit 15 Jahren gewann er den nationalen Wettbewerb der Ukraine, 1933 den russischen ALLUNIONSWETTBEWERB, und schon 1 Jahr später den anspruchsvollsten aller Preise, den CONCOURS REINE ELIZABETH" in Brüssel. Nach dem Krieg durfte er als einer der ganz wenigen russischen Pianisten wieder im Westen konzertieren. Konzertreisen führten ihn nach Skandinavien, in die Schweiz, nach Belgien, 1953 nach London, 1954 nach Paris, dann nach Holland, Belgien und nach Deutschland. Überall erhielt er enthusiastischen Beifall und überschwängliche Kritiken. Seine einzigartige Technik und pianistische Kraft erlaubte es ihm bei seinem ersten Konzert in Hamburg, an einem Abend BEETHOVEN's Es-Dur Konzert und TSCHAIKOWSKYs b-moll Konzert zu spielen. 1955 feierte er einen großen Erfolg in den USA mit diesem TSCHAIKOWSKY Klavierkonzert. Ab 1968 war er den größten Teil des Jahres mit Konzertreisen in der ganzen Welt unterwegs.

    In seiner Pianisten-Karriere wurden ihm höchste Auszeichnungen zuteil. So erheilt er bereits 1946 in Rußland den STALIN-PREIS. 1966 wurde ihm der "LENIN-ORDEN" verliehen. In Frankreich erhielt er den Orden "COMMANDEUR MÉRITE CULTUREL ET ARTISTIQUE", und 1 Jahr später in Belgien den "Leopoldsorden".

    Neben seiner Pianisten-Tätigkeit unterrichtete er ab 1947 am MOSKAUER KONSERVATORIUM. Ab 1955 war er auch Präsident des MOSKAUER TSCHAIKOWSKY-WETTBEWERBS".


    Das Repertoire von EMIL GILELS war sehr weit gefächert und reichte von Musik des 18. Jahrhunderts (SCARLATTI) bis hin zu zeitgenössischen Werken. Zum Beispiel widmete ihm PROKOFJEW seine Klaviersonate Nr. 8, die von ihm 1944 uraufgeführt wurde.

    Sein anfangs sehr virtuos angelegtes Spiel wurde im Laufe der Jahre noch nuancierter, so daß ihm romantische Werke von GRIEG, SCHUMANN oder BRAHMS dann vergleichsweise sogar poetisch gerieten. Grundsätzlich wollte er trotz aller überbordenden Technik und Virtuosität niemals bewußt glänzen, sondern er hielt sich sogar sehr genau an die Notenvorgabe. Und trotz all seiner virtuosen Möglichkeiten war sein Spiel wohl expressiver als das von RICHTER. Sein grundsätzlich schlanker und dennoch maskuliner Klavierton und sein Anschlag konnten außerordentlich differenziert sein und reichten von einem Pianissimo abgestuft zu einem explodierenden Forte. In den Übergängen war er auch zu höchst kantablem Spiel in der Lage. Immer wieder bewundernswert seine gestochenen Laufpassagen der rechten Hand!


    Alle diese wundervollen Attribute kommen ganz besonders in seinen Aufnahmen von BEETHOVEN's Klavierkonzerten Nr. 4 und Nr. 5 zum Ausdruck, und zwar nach meinem Geschmack am besten in seiner Aufnahme von 1957 in London mit dem PHILHARMONIA ORCHESTRA unter Leitung von LEOPOLD LUDWIG, zumal auch die LONDONER PHILHARMONIKER meiner Meinung nach etwas "wärmer" klingen als das CLEVELAND ORCHESTRA unter SZELL und die LENINGRADER unter SANDELING bei den anderen beiden Aufnahmen. So sind diese beiden BEETHOVEN-Konzerte in dieser Besetzung auch meine Referenzaufnahmen.



    wok

    Ich bin zwar kein ausgesprochener Bewunderer der Stimme von TERESA STICH-RANDALL - keinne auch nur einen kleineren Teil ihrer Aufnahmen - doch einige dieser Aufnahmen finde ich durchaus von respektabler Leistung. Dazu gehört gewiß auch die schon erwähnte MOZART-Motette "Exsultate, Jubilate" KV 165, stimmtechnisch absolut perfekt, auch KARL RISTENPART mit seinem Orchester begleitet sehr gut, doch präferiere ich dennoch dieses gelungene Frühwerk MOZARTs mit den mehr legato angelegten Stimmen von ELLY AMELING mit dem ENGLISH CHAMBER ORCHESTRA unter RAYMOND LEPPARD, wie auch mit der ausgezeichneten JUDITH RASKIN mit MITGLIEDERN DES CLEVELAND ORCHESTRAs unter GEORGE SZELL. Auch finde ich ihre gesangliche Leistung in BEETHVOEN's Neunter, für die sie mehrfach als Solistin auserkoren wurde, absolut überzeugend, zumal in der Einspielung von 1957 durch KARL BÖHM mit den WIENER SYMPHONIKERN und den weiteren Solisten HILDEGARD RÖSSEL-MAJDAN, ANTON DERMOTA und PAUL SCHÖFFLER. Auch in der früheren Aufnahme von 1954 griff BÖHM mit dem SYMPHONIE-ORCHESTER DES HESSISCHEN RUNDFUNKS auf TERESA STICH-RANDALL zurück, neben GERTRUDE PITZINGER, KARL FRIEDRICH und GOTTLOB FRICK, und schließlich wollte offenbar auch GÜNTER WAND bei seiner Einspielung der Neunten mit dem KÖLNER GÜRZENICH ORCHESTER nicht auf sie verzichten.


    Im allgemeinen bewunderte man die instrumentale Sicherheit der Tongebung ihres Gesangs, die ja auch hier nicht bestritten wird, aber z. T. eher als nachteilig empfunden wird, die tonliche Reinheit des Gesangs und die Ausgewogenheit ihres Vortrags. Die meiste Anerkennung fand sie wohl als MOZART-Sängerin, und tatsächlich wurde auch die Rosenkavalier-Aufnahme unter KARAJAN mit SCHWARZKOPF, WEBER, GEDDA und eben auch STICH-RANDALL von der Gesangsexpertin HERTA PIPER-ZIETHEN im Musik-Report 1971 hoch gelobt und als "lyrisches Stimmfest mit der besten aller Besetzungen" bezeichnet. Ich selbst möchte mir da kein Urteil erlauben, da ich von dieser Oper nicht zu viele Vergleichsmöglichkeiten habe. Sehr gut fand ich einen Ausschnitt der Aufnahme dieser Oper durch ROBERT HEGER mit den WIENER PHILHARMONIKERN mit LOTTE LEHMANN, allerdings als "Marschallin".


    So unterschiedlich können Meinungen über Stimme und Gesang eben sein. Während die einen sich an ihrem instrumentalen, fast vibratolosen Singen stören, bezeichnete TOSCANINI 1947 TERESA STICH-RANDALL als "the find of the century" als er sie in VIRGIL THOMSON's "The mother of us all" hörte und er engagierte sie sofort für die Partie der "Priesterin" in "Aida" und für "Nannetta" in "Falstaff". Auf seinen Rat hin schlug sie damals sogar ein Angebot der MET aus. Sie ging dann nach Europa und gewann prompt 1951 den Wettbewerb von Lausanne. Sie sang in Florenz,, Basel, Salzburg, Wien. In den 50erJahren sang sie in Wien abgesehen von MOZART-Partien die Marzelline, Gilda Micaela, Antonia, Mimi, Liù, Sophie und Ariadne. Sie sang 19 Partien in 355 Aufführungen, davon allein 57 mal die Figaro-Gräfin. 1962 erhielt sie als erste Amerikanerin den "Kammersängerin"-Titel. 1961 sang sic dann doch an der MET mit GEORGE LONON, GIORGIO TOZZI und CESARE SIEPI.


    An TERESA STICH-RANALL's Stimme scheiden sich wohl die Geister. In ihrer Glanzzeit rühmten viele die überirdische Schönheit und Reinheit ihrer Stimme - trotz Vibrato-Abstinenz, das sie nur gezielt bei affektiven Steigerungen einsetzte - und ihre Kolleginnen waren immer wieder sprachlos über ihre Atemreserven. .

    Als unbestritten wertvoll gelten einige Aufnahmen von MOZART-Opern, vor allem "Cosi fan tutte" ihre "Priestrin" in "Aida", "Falstaff", und viele rühmen eben doch ihre "Sophie" im Rosenkavalier unter KARAJAN.


    wok



    ANDRÉ NAVARRA war Sohn eines Kontrabassisten italienischer Abstammung und studierte bereits mit 9 Jahren am KONSERVATORIUM von TOULOUSE. Mit 11 Jahren gab er bereits sein erstes Konzert und errang mit 13 Jahren einen 1. Preis Er ging dann nach Paris und studierte dort bei JULES LOEB und CHARLES TOURNEMIRE. Er gewann dort mit 15 Jahren abermals einen 1. Preis. In der Folge mußte er sich den Lebensunterhalt als Caféhausspieler und auch in Stummfilmen verdienen. Er wurde 1928 als Nachfolger von PIERRE FOURNIER Mitglied des KRETTLY-QUARTETTS, dem er bis 1935 angehörte. In dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit Kammermusik. 1931 debütierte er als Solist mit den CONCERTS COLONNE mit LALOs Cellokonzert. 1937 gewann der den WIENER WETTBEWERB, was eine internationale Karriere generierte, und er sich zu einem der größten französischen Cellisten entwickelte. Zunächst mußte er aber die Kriegszeit überstehen, in der er als Solocellist der PARISER OPÉRA -COMIQUE engagiert war.1 Jahr lang mußte er auch Militärdienst leisten. Aber 1945 konnte er dann richtig durchstarten. Er war bereits so bekannt, daß ANDRÉ JOLIVET für ihn sein erstes Cellokonzert komponierte, ein schwieriges Stück, sowohl zum Spielen als auch für die Zuhörer. 1964 nahm NAVARRA dieses Konzert mit dem ORCHESTRE LAMOUREUX unter Leitung des Komponisten auf. Schon mit 38 Jahren wurde er nach FOURNIER's Abgang am PARISER KONSERVATORIUM zum Professor ernannt und unterrichtete dort bis 1979. Schon ab 1953 hatte er bis 1979 auch an der ACADEMIA MUSICAL CHIGIANA in SIENA unterrichtet, wie auch an der WIENER HOCHSCHULE FÜR MUSIK. Auch an der NORDWESDEUTSCHEN MUSIKAKADEMIE DETMOLD wurde er schon 1958 zum Professor ernannt, eine Stellung, die er bis 1986 einnahm. Bis zu seinem Tod 1988 gab er in SIENA Meisterkurse. Viele französische Komponisten, mit denen er befreundet war, widmeten ihm Werke, und er realisierte verschiedene Uraufführungen, so auch das Cello-Konzert von HENRI TOMASI 1970.


    ANDRÉ NAVARRA hatte ein ganz eigene Bogentechnik entwickelt, die er sich von dem Geiger CARL FLESCH abgeschaut hatte, wodurch sein Ton sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe immer etwas belegt, z. T. auch etwas rauh klingt, was der Interpretaton mancher Werke durchaus zugute kommt, wie z. B. LALOs d-moll Cellokonzert, das er mit dem COLONNE-ORCHESTER unter JEAN FOURNET 1948 aufnahm. Das Spiel von NAVARRA ist stets voller Energie, vorwärtsdrängend und sehr maskulin. Auch seine Kammermusik-Einspielungen sind immer noch hörenswert, so z. B. die Cello-Sonaten von SAINT-SAENS mit der Pianistin ANNIE D'ARCO. Sehr gut aufgenommen wurde auch seine Einspielung von ELGAR's Cello-Konzert unter BARBIROLLI.


    Schüler von NAVARRA waren z. B. HEINRICH SCHIFF und ALEXANDER BAILLIE.


    Für mich ist ANDRÉ NAVARRA die erste Wahl für HAYDN's Cellokonzert Nr. 2 in einer exzellenten Aufnahme mit der CAMERATA ACADEMICA DES SALZBURGER MOZARTEUMS unter BERNHARD PAUMGARTNER. Das Spiel NAVARRAS ist direkt, sonor, männlich und alles andere als wie man sich früher einmal Musik des "Papa HAYDN" vorstellte..BERNHARD PAUMGARTNER und sein Orchester passen sich diesem Spiel an, und so ensteht ein wunderbar geschlossenes Ganzes.


    wok


    (das Foto mit dem Haydn-Konzert ist aber Emmanuel Feuermann - nicht André Navarra!

    Josef Krips,    österreichischer Dirigent, * 8. 4. 1902 - + 13. 10. 1974 --- 45. Todestag

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    JOSEF KRIPS kommt meines Erachtens immer etwas zu kurz, wenn heute von großen Dirigenten die Rede ist. Schließlich zählte er neben KARAJAN, KRAUSS und BÖHM mit zu den bedeutendsten Dirigenten Österreichs des letzten Jahrhunderts.

    Dabei war er nicht nur ein begnadeter MOZART-Interpret, sondern beim Anhören seiner Einspielungen einiger HAYDN Sinfonien bekommt man sofort den Eindruck, daß das jeweilige Werk so und nicht anders gespielt werden muß. Er war ein Musiker des Herzens und der Gefühle, dabei aber durchaus kraftvoll, klar, natürlich und wohltuend unprätentiös, und stets kam ihm bei der Interpretation von MOZART und HAYDN sein klassizistisch kontrolliertes Temperament zugute. Expression und Form verschmelzen bei Ihm zu einer wunderbaren selbstverständlichen Einheit. Dabei fand er bei aller Akribie, die ihn stets auszeichnete, stets die angemessene musikalische Gewichtung, ob er nun in seinen Einspielungen die WIENER PHILHARMONIKER oder die LONDONER SYMPHONIKER leitete.

    Bei den Proben erwies er sich stets als sehr genau und gewissenhaft und zeigte dabei große Geduld und Ausdauer. Dies traf auch zu für seine Zusammenarbeit mit Sängerinnen und Sängern und Solisten im allgemeinen. ELISABETH SCHWARZKOPF erzählte von unendlich langen Klavierproben, die einem Konzert vorausgingen.


    JOSEF KRIPS ist vor allem der Aufbau des berühmten WIENER MOZART-ENSEMBLES zu verdanken. Schon in den 1930er Jahren hatte er als Erster Kapellmeister an der WIENER STAATSOPER entscheidenden Anteil an der Organisation des Musiklebens in Wien und Salzburg. Nach Entlassung durch die Nationalsozialisten setzte er diese Arbeit konsequent nach dem Krieg fort. 1946 dirigierte er zur Wiedereröffnung der Festspiele den "Don Giovanni".


    JOSEF KRIPS hatte noch bei FELIX VON WEINGARTNER studiert, war zunächst von 1918 - 21 als Violinist im ORCHESTER DER VOLKSOPER in Wien tätig; und wurde dann dort Assistent WEINGARTNERs und Chorleiter. Dann ging er nach Dortmund und Aussig, wurde 1926 Generalmusikdirektor in Karlsruhe, mußte diese Stellung aber aus politischen Gründen aufgeben. Er ging dann als Erster Kapellmeister an die STAATSOPER WIEN, mußte dann aber bei Ausbruch des Krieges nach Belgrad fliehen leitete dort die BELGRADER PHILHARMONIKER und die dortige OPER. Bald stand er aber auch dort im Fadenkreuz der Nationalsozialisten. Er erhielt Auftrittsverbot und mußte im Kriegseinsatz als Büroangestellter sein Brot verdienen. Nach dem Zusammenbruch kehrte er nach Wien zurück und leitete am 1.Mai 1945 "Figaros Hochzeit" in der WIENER VOLKSOPER. Schon wenig später dirigierte er das erste Konzert der WIENER PHILHARMONIKER und kehrte dann auch zu diesen zurück. Zahlreiche Gastspielreisen begannen, und er dirigierte in Warschau; Moskau, London und in den USA, später auch in Israel und schließlich in Bayreuth. Ab 1950 konzertierte er regelmäßig in London wo er von 1950 - 54 das LONDON SYMPHONY ORCHESTRA leitete. Er ging dann nach Buffalo, wo er von 1954 - 63 das SYMPHONIE-ORCHESTER VON BUFFALO leitete. Parallel leitete er von 1954 - 60 das CINCINNATI MAY FESTIVAL. 1962 hatte er in BAYREUTH mit den "Meistersingern" einen sehr großen Erfolg. In der Folge wurde er zum Künstlerischen Leiter des SYMPHONIE-ORCHESTERS VON SAN FRANCISCO ernannt (1963 - 70). Ab 1968 dirigierte er wieder regelmäßig an der WIENER OPER. 1970 - 73 war er als Nachfolger von WOLFGANG SAWALLISCH als Leiter der WIENER SYMPHONIKER tätig.

    Vor allem aber MOZART-Dirigent wurde JOSEF KRIPS auch international hoch geschätzt.


    Eine absolute Referenzstellung der Einspielungen durch JOSEF KRIPS nehmen für mich seine Aufnahmen der HAYDN-Sinfonie Nr. 92 ("Oxforder") mit den LONDONER SYMPHONIKERN, und Nr. 94 (mit dem Paukenshlag) und Nr. 99 mit den WIENER PHILHARMONIKERN ein. Das ist purer HAYDN, so wie man sich ihn vorstellt!


    wok


    Symphonie Nr. 92 In G-dur („Oxford-Symphonie


    Haydn*, Londoner Symphonie Orchester* · Josef Krips ‎– Symphonie Nr. 92 In G-dur („Oxford-Symphonie")

    Label:
    Decca ‎– LW 5293

    Danke, Carlo, für die Aufklärung. "nur" gesammelt!! Da gehört gewiß eine riesige Portion an Musikliebe und Interesse an Interpreten dazu! Und natürlich viel Zeit! Kompliment! Ich habe auch einmal jahrelang alle diese Unterlagen - u. a. auch aus Rundfunkzeitungen (Hörzu) - auch mit Fotos - etc. gesammelt und wollte eigentlich einmal vor vielen Jahren ein Interpretenlexikon herausgeben, da ich mich immer ärgerte, wenn ich keine Informationen in Lexika über nicht so bekannte und natürlich jüngere Interpreten, die mich immer sehr interessierten, fand. Doch dann mußte ich dieses Vorhaben nach einigen Jahren aufgeben, da mein Beruf, der ncihts mit Musik zu tun hatte, und der mich voll in Anspruch nahm, mir nur noch wenig Zeit für mein großes Hobby "Musik" und "Interpreten" ließ. Ich übersetzte lediglich einmal eine Zeitlang für Philips die englischen Plattencover-Texte. Aber auch dafür blieb mir dann keine Zeit mehr.


    Viele Grüße aus dem heute wieder heißen Málaga, wo ich seit 2001 wohne. !


    wok


    PS Auch daß Adenauer HAYDN liebte, vermutlich "Die Schöpfung", ist auch so eine außergewöhnliche Insider-Information! Fehlt nur noch seine Lieblngsbesetzung!! :)

    Lieber Nemorino,


    BACH's Weihnachtsoratorium mit TRAXEL besitze ich natürlich auch, und es gehörte zu einer meiner ersten Schallplatten-Anschaffungen überhaupt, und es hat für mich den gleich hohen Stellenwert wie die Messias-Aufnahme von Händel, ungeachtet der früheren Aufführungspraxis. Gleich alle vier Gesangssolisten dieser Aufnahme zählen zu meinen Lieblingssängern! AGNES GIEBEL, MARGA HÖFFGEN ( beide natürlich für den Bereich "Geistliche Musik"), FISCHER-DIESKAU auf fast allen Gebieten, so wie TRAXEL. Also eine Besetzung wie ich mir diese für dieses Werke nicht besser wünschen könnte, und so finde ich auch das Ergebnis, auch was die Leistung des GEWANDHAUSORCHESTERS unter KURT THOMAS anbetrifft, als großartig, und gerade der imposante Beginn dieses Werkes leitet für mich immer das eigentliche Weihnachtsfest ein!


    Die bei Colosseum erschienenen LOEWE-Balladen mit TRAXEL und ERICH APPEL am Klavier sind mir natürlich bestens bekannt und galten lange als mein Geheimtipp, zumal diese LP dann schon bald nicht mehr lieferbar war, und diese deshalb auch wenigen TRAXEL-Freunden bekannt sein dürfte.. Auch diese Balladen liebe ich in dieser Einspielung, auch wenn diese in der Regel von einem Bariton gesungen werden. HERMANN PREY war so ein Spezialist für LOEWE.

    Einige dieser Balladen singt TRAXEL großartig, z. B. "Fridericus Rex" hervorragend artikulierend, "Süßes Begräbnis" und "Das Erkennen" wunderbar verinnerlicht, oder z. B. "Der Nöck" mit unendlichem Atem bei der Koloratur.

    Und ERICH APPEL begleitet hier auch kongenial. Die Beiden kannten sich gut von TRAXEL's Nürnberger Zeit. Professor APPEL, auch ein gesuchter Klavierpädagoge - auch einstiger Lehrer einer Bekannten von mir - wohnt jetzt noch in Nürnberg. Ich lernte ihn 1961 in einem Sinfoniekonzert mit dem FRÄNKISCHEN LANDESORCHESTER in Nürnberg mit dem SCHUMANN-Klavierkonzert kennen. TRAXEL und APPEL harmonieren wunderbar auf der COLOSSEUM-Einspielung. Übrigens war es ERICH APPEL, der nach der Restaurierung von BEETHOVEN's letztem Klavier, nach ELLY NEY als einer der ganz wenigen auf diesem spielen durfte, und zwar mit einer Einspielung von dessen Bagatellen op. 33; und dessen 1. Klavierkonzerts op. 15, zusammen mit den NÜRNBERGER SYMPHONIKERN unter Leitung von ROBERT SEILER, ebenfalls auf Colosseium.


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Nemorino,


    Welch ein Zufall! Die Geschichte von dem Adenauer-Versteck im Kloster Maria Laach wurde gerade heute in einem Film über Adenauer im TV erwähnt, und so mußte ich gleich an Dich denken! ! Das war mir bis dato noch nicht bekannt.

    Solche Persönlichkeiten wie Adenauer, mit klaren Vorstellungen und Durchsetzungsvermögen, könnte man auch heute wieder in der deutschen Politik brauchen. Und in der Musik gibt es zwar auch zahlreiche große Talente und Könner ihres Fachs, doch vermiißt man auch auf diesem Gebiet oft unverwechselbare Persönlichkeiten mit Ausstrahlung und überzeugenden Interpretationsaussagen, und so greift man deshalb beim Anhören wichtiger Musikwerke dann doch oft wieder auf ältere Aufnahmen des vorigen Jahrhunderts zurück, zumindest geht es mir oft so.


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Carlo,


    Ich frage mich, wo Du nur diese ganzen Detail-Informationen her hast, vor allem mit so präzisen Aufnahmedaten! Darf ich fragen, ob Du nur über JOSEF TRAXEL so gut informiert bist oder über alle Sänger und Musiker im allgemeinen? Vermutlich haben wir es hier mit einem "hochrangiigen" Musiker oder Musikexperten zu tun!!


    Gruß

    wok

    Nur ein kleiner Hinweis zu diesem wunderbaren Lied:

    Wer Josef Traxel als Liedsänger hören möchte, ist mit der im Bild eingestellten CD gut beraten; da sind neben Schubert, Brahms und Strauss auch sechs Beethoven-Lieder drauf:

    Mailied / Zärtliche Liebe / Resignation / Adelaide / Andenken /Abendlied unter dem gestirnten Himmel.


    traxel-cd35jcs.jpg

    Hallo lieber hart,


    Vielen Dank für diese Hinweis! Das ist sehr aufmerksam. Ich persönlich besitze diese CD vom Hamburger Archiv für Gesangskunst bereits, aber sicher ist nicht jedem geläufig, daß JOSEF TRAXEL auch Lieder gesungen und aufgenommen hat. Ich wollte mit dem "Abendlied unter dem gestirnten Himmel" nur daran erinnern und ein Beispiel geben, zumal ich dieses BEETHOVEN-Lied und dessen Interpretation einfach großartig finde.


    Gruß

    wok

    Als Schubert-Verehrer finde ich, ist dieser von Wiliam B. A. inizierte Thread, der einem einzelnen Werk, der B-Dur Klavier-Sonate D. 960, gewidmet ist, in seiner hohen Qualität der Besprechungen eine Perle des Forums.


    Franz Schubert, Klaviersonate Nr. 21 B-dur D.960, CD (DVD)-Rezensionen und Vergleiche (2017)


    .

    Dem kann ich mir nur voll und ganz anschließen! Das sind Besprechungen auf höchstem Niveau, und diese Interpretationsvergleiche sind auch noch spannend wie eine Krimi! Es bleibt das Geheimnis von William B. A., wie man eine so aufwändige Arbeit noch zeitlich bewältigen kann neben den zahlreichen täglichen Erinnerungsbeiträgen über Verstorbene, und Geburtstags-Glückwünsche an lebende Musiker!


    wok

    Lieber Carlo,


    Das ist ja großartig und unglaublich, was Du das alles über JOSEF TRAXEL weißt! So viele Infos über ihn habe ich bisher noch nie auf so kleinem Raum und in so kurzer Zeit erfahren! Als ganz großer TRAXEL-Verehrer danke ich Dir vielmals für diesen Beitrag, der mich dem Menschen JOSEF TRAXEL nun NOCH näher bringt!! Wer so viel Schlimmes in seinen jungen Jahren erleben mußte wie JOSEF TRAXEL, und trotzdem die Musik zu seinem Lebensinhalt auserkor, bei dem muß sich all das Erlebte wohl auch unbewußt in seiner Stimme und seinem Vortrag niederschlagen. Und tatsächlich höre ich in all seinem Gesang immer eine gewisse Melancholie, Tiefe und Menschlichkeit heraus, die berührt und für sich einnimmt, ein gewinnendes Attribut, das ich bei so manchem sogenannten STAR-Tenor eben mitunter vermisse!.


    Vor allem: schön zu wissen, daß es in unserem Forum mit Dir einen weiteren großen TRAXEL-Verehrer und vor allem -Kenner gibt!


    Viele Grüße

    wok

    Lieber Nemorino,


    Danke für Deine Mail. Ja, eine solche Ausstellung, zumal wenn sie das letzte Mal gezeigt wird, sollte man auch nicht verpassen.

    Adele Stolte,    deutsche Sopranistin, * 12. 10. 1932 --- 87. Geburtstag

    Stolte-Adele-03.jpg

    ADELE STOLTE - am gleichen Tag wie LUCIANO PAVAROTTI geboren! - leider hat sie nie annähernd dessen Berühmtheit erlangt!

    Ich freue mich sehr darüber, daß es sie noch gibt und hoffe sehr, daß sie sich noch bei guter Gesundheit befindet. Ich übermittle ihr an diesem denkwürdigen Tag meine allerherzlichsten Glückwünsche.


    Seit meiner frühen Jugend fand sie, und vor allem ihr Gesang, mein besonderes Interesse. Mit ihrem so natürlichen, frischen, unmaniriertem, glockenreinen - manche bezeichnen diesen auch als engelhaften - Gesang verbreitet sie auch stets ein aufhellende Stimmung. Nicht umsonst machte auch KURT MASUR über sie den schon berühmt gewordenen Ausspruch: Wenn sie erschien, ging die Sonne auf", und diesen Ausspruch wählte ich ja auch als Titel für meinen Thread vom 19.06.2012 über ADELE STOLTE in diesem Forum.


    ADELE STOLTE stand wohl nur selten auf der Bühne, sie war umso mehr eine bedeutende, hochqualifizierte Oratorien- und Konzertsängerin mit dem Schwerpunkt auf Barockmusik. Besonderes Ansehen genoß sie als BACH- und HÄNDEL-Interpretin, und in ihren Koloratur-Arien bestach sie auch mit ihrer so hellen, verinnerlichten Stimme.


    Neben GERTRAUD PRENZLOW, GÜNTER NEUMANN und SIEGRIED VOGEL gehörte sie auch zum Solisten-Quartett der ersten deutschen Live-Fernsehübertragung von BEETHOVEN's 9. Sinfonie mit der STAATSKAPELLE DRESDEN unter KURT MASUR 1970 aus der DEUTSCHEN STAATSOPER BERLIN, eine Einspielung, in der ihr so frischer, eindringlicher Sopran alles überstrahlte. Sie sang also nicht nur Barockmusik, sondern 1966 nahm sie z. B. auch mit dem GEWANDHAUSORCHESTER unter VACLAV NEUMANN GRIEG's "Peer Gynt" Suite auf.


    Die meisten ihrer Einspielungen erschienen auf ETERNA" und DGG. Auf "ETERNA" erschien auch eine Aufnahme von BACH's Matthäuspassion mit dem GEWANDHAUSORCHESTER unter ERHARD MAUERSBERGER, dem THOMANERCHOR und dem DRESDNER KREUZCHOR, sowie den weiteren Gesangssolisten BURMEISTER, SCHREIER, ROTZSCH und ADAM.


    Leider schränkte die deutsche Teilung die Bewegungsfreiheit von ADELE STOLTE zeitweise erheblich ein, so daß sie in der BRD erst ziemlich spät die längst verdiente Aufmerksamkeit fand.


    Wenigstens zeichnete 2007 MATTHIAS PLATZEK die Sängerin mit dem "VERDIENSTKREUZ AM BANDE" des Verdienstordens der BRD aus. Ihr künstlerisches Lebenswerk verdient aber auch unsere größte Hochachtung und unser weiteres Interesse an ihrer sängerischen Hinterlassenschaft.




    wok


    Lieber Carlo,


    Wer hätte das gedacht, daß es in diesem Forum noch jemanden gibt, dem ADELE STOLTE nicht nur ein Begriff ist, sondern der auch so viele Aufnahmen von ihr besitzt! Ich freue mich darüber, denn ich interessiere mich für diese Sängerin schon seit Beginn der 60er Jahre. Die meisten der von Dir genannten Aufnahmen besitze auch ich, und wohl noch einige mehr. Sie hat ja auch eine ganze Reihe von Liedern aufgenommen, vor allem mit WALTER OLBERTZ und auch ihrem EHEMANN WOLFRAM IWER. Besonders interessant ist ja auch Ihre Mitwirkung in BEETHOVEN'is Neunter mit der STAATSKAPELLE DRESDEN unter KURT MASUR in der denkwürdigen ersten deutschen Live-Fernsehübertragung der 9. Sinfonie 1970 aus der DEUTSCHEN STAATSOPER BERLIN. Leider gibt es da ja nicht allzu viel zu singen, doch wie sie sang, geschah in beeindruckender Bravour.


    Gerade heute feiert sie ihren 87. Geburtstag. Möge sie unsere Beiträge über sie lesen und sich an unserem anhaltenden Interesse an ihrem Wirken erfreuen.


    Viele grüße

    wok

    An anderer Stelle des Forums ist wok wieder auf Adele Stolte zu sprechen gekommen. :) Das hat mich auch sehr gefreut, zumal ich erst dieser Tage wieder die oben abgebildete CD mit den Händel-Kantaten gehört hatte. Die Stolte singt mit großer Sicherheit und Genauigkeit. Bei ihr kommen zuerst die Noten, danach die Ausdeutung. Ihre Stimme hat Sitz. Sie mogelt sich nicht über heikle Stellen hinweg. Eine gründliche Ausbildung und ihr Begabung bewahrten sie von Risiken jeglicher Art. Nie sang sie über ihre Verhältnisse.


    Inzwischen ist die moderne Aufführungspraxis über Sängerinnen wie sie hinweggegangen. das Studium ihrer Stimme führt einem aber vor, wie vortrefflich und verantwoirtungsvoll gegüber dem Werk einst gesungen wurde.

    Hallo lieber Rheingold,


    Ich freue mich meinerseits über die Wertschätzung von ADELE STOLTE auch durch Dich, und besser als Du hätte ich tatsächlich nicht die wesentlichen wertvollen Attribute ihres Gesangs beschreiben können. Es ist schon ein ungewöhnlicher Zufall, daß wir uns nach längerer Zeit gerade jetzt wieder über diese Sängerin unterhalten, wo sie doch heute ihren 87. Geburtstag feiert! Hoffentlich liest sie unsere Beiträge, damit sie sich überzeugen kann, daß sie noch lange nicht vergessen ist.


    Viele Grüße, und noch ein erholsames Wochenende!


    wok

    Lieber Helmut Hofmann,


    Das freut mich aber, von einem so großen Kenner des Gesangs nochmals die Qualität der Aufnahme von BEETHOVEN's "Mignon" bestätigt zu bekommen. Ich finde im übrigen das Niveau all Deiner Beiträge - gerade auch dieses Threads - für exzeptionell, sowohl was die Diktion als auch den Inhalt anbetrifft. Ich wünschte mir nur mehr Zeit, um all Deine Beiträge lesen zu können, denn diese sind ein Kunstwerk für sich, und nicht zuletzt eine Fundgrube für alles, was den Gesang und dessen Interpreten betrifft! Einfach alles großartig! Chapeau!!


    Übrigens vermisse ich eigentlich in diesem Thread über Liedgesang auch noch einen Sänger, der mir von jeher sehr am Herzen liegt, nämlich JOSEF TRAXEL. Er ist zwar überwiegend als Opern- und Oratorien-Sänger aufgetreten und dafür bekannt, doch daß er auch ein ausgezeichneter Lied-Sänger war, bekunden einige seiner Aufnahmen vor allem mit SCHUBERT- und BEETHOVEN-Liedern, überwiegend mit seinem Begleiter HUBERT GIESEN, die z. T. auch noch in Archiven schliummern. Leider hat TRAXEL wohl selbst nicht, oder zu spät erkannt, welches Potential da in ihm noch vorhanden gewesen wäre. Jedenfalls finde ich z. B. seine Wiedergabe von BEETHOVEN's "Abendlied" großartig. Sein Gesang geht unter die Haut, und bei keinem anderen Sänger fühle ich so sehr - auch nicht bei FRITZ WUNDERLICH - daß diese Töne von einem Menschen aus echtem Fleisch und Blut produziert wurden.



    Viele Grüße

    wok




    .

    Hier ist "Mignons Lied" zu hören. Es singt Adele Stolte, begleitet von Walter Olbertz:


    Lieber Helmut Hofmann,


    Leider stieß ich erst jetzt auf diesen Beitrag. Großen Dank für diesen Hinweis! Wirklich eine wunderbare Aufnahme! So schlicht und doch eindringlich gesungen von einer leider sträflich vernachlässigten Sängerin. ADELE STOLTE mit ihrem so glockenreinen Sopran. Morgen hat sie Geburtstag und wird 87 Jahre alt!


    Viele Grüße

    wok

    DAME JOAN SUTHERLAND bleibt für mich schon deshalb unvergessen, weil ich sie etwa vor 40 Jahren im SYDNEY OPERA HOUSE zusammen mit ihrem Ehemann RICHARD BONYNGE in "Rigoletto" erlebte! Eine grandiose Aufführung in diesem einzigartigen Opernhaus direkt am Meer. Für mich lebt deshalb diese Sängerin mit jener begnadeten Stimme noch sehr präsent weiter fort. An der Beurteilung von SUTHERLAND's Stimme und ihrer Darstellungskunst - sie war ja nicht die Schönste und Zierlichste - haben sich immer etwas die Geister geschieden, doch gibt es für mich gerade als "Lucia" in DONIZETTIs Oper "Lucia di Lammermoor" kaum eine bessere Interpretin - sieht man einmal von der CALLAS ab, deren Stimme ja aber auch nicht nach jedermanns Geschmack ist. Eine Einspielung in einer so hochkarätigen Besetzung mit PAVAROTTI, MILNES und GHIAUROV wird es wohl auch kaum nochmals geben. JOAN SUTHERLAND's "Lucia" zeigt sich hier von einer unvergleichlichen technischen Mühelosigkeit, aber auch Schönheit der Stimme. Von der ihr oft vorgeworfenen manieristischen Neigung ist hier nichts zu verspüren, und wenn, dann paßt diese in diesem Fall eher zu der Rolle.


    Von dieser Oper gibt es ja noch eine zweite Aufnahme mit ihr unter SIR JOHN PRITCHARD und RENATO CIONI, MERRILL und SIEPI als Partner - eine ebenfalls hochklassige Einspielung - unter PRITCHARD's Leitung vielleicht etwas weniger akzentuierend als unter BONYNGE, und auch hier ist ihre Stimme von seltener Weichheit, stellenweise fast schon Zerbrechlichkeit und Trancenhaftigkeit. Mit dieser Oper feierte DAME JOAN SUTHERLAND ja 1964 ihr glanzvolles Debüt an der MET. Auch hier bewunderte man ihre so perfekte Stimmtechnik und ihre virtuosen Koloraturen.

    Hervorragend auch ihre Aufnahme von MASSENET's Oper "Esclarmonde" mit HUGUETTE TOURANGEAU und GIACOMO ARAGALL und dem NATIONAL PHAILHARMONIC ORCHESTRA wieder unter RICHARD BONYNGE.


    RICHARD BONYNGE, den sie 1954 heiratete, wurde zu ihrem ständigen künstlerischen Berater. Als Spezialist für das Belcanto-Repertoire trainierte er geradezu Stil und Technik ihrer Stimme in den 50er Jahren. Er hatte großen Anteil an der so erfolgreichen Karriere der SUTHERLAND.


    DAME JOAN SUTHERLAND nahm 1990 in Sydney endgültig Abschied von der Bühne mit einer Aufführung von "Les Huguenots" von MEYERBEER. Damit ging eine 32 Jahre währende äußerst erfolgreiche Karriere als Opernsängerin zu Ende. Sie gab aber noch einige Jahre lang Konzerte.


    wok


    Für mich war GÜNTER WAND mit dem SINFONIE-ORCHESTER DES NORDDEUTSCHEN RUNDFUNKS mein bevorzugter Dirigent für die BRAHMS-Sinfonien. Ich besitze die Gesamtaufnahme der 4 Sinfonien erschienen bei EMI/deutsche harmonia mundi. Für BRAHMS' Vierte ziehe ich allerdings die gefühlsbetontere Aufnahme durch SIR JOHN BARBIROLLI, mit auch etwas langsameren Tempi im 2. und 4. Satz, vor, und zwar mit seinem von ihm besonders geliebten HALLÉ ORCHESTRA.


    wok

    Kurt Redel,     deutscher Dirigent und Flötist, * 8. 10. 1918 - + 12. 2. 2013 --- 101. Geburtstag

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    KURT REDEL hat sich nicht nur als großartiger Flötist - sein berühmtester Schüler war KARLHEINZ ZÖLLER -

    sondern auch als ein sehr sorgfältiger und stilvoller Orchesterleiter einen Namen gemacht, der uns vor allem als Leiter des MÜNCHENER KAMMERORCHESTERS PRO ARTE mit seinen zahlreichen niveauvollen Schallplattenaufnahmen immer in sehr guter Erinnerung bleiben wird.


    Er hatte in Breslau Flöte, Geige, Klavier, Komposition und Dirigieren studiert, entschied sich dann aber, nachdem er gegen große Konkurrenz einen 2. Preis gewonnen hatte, auf Anraten seines Lehrers ERNST TSCHIRNER für die Laufbahn eines Flötisten. In der LANDESKAPELLE MEININGEN hatte seine Karriere als Soloflötist begonnen. ELLY NEY war von seinem Spiel so angetan, daß sie ihm eine Stelle als Dozent und Flötist am MOZARTEUMSORCHESTER SALZBURG vermittelte. Mit der Cembalistin IRMGARD LECHNER und deren Ehemann KONRAD LECHNER, sowie dem bekannten Oboisten HELMUT WINSCHERMANN gründete er das COLLEGIUM PRO ARTE, das sich verstärkt für die Pflege Alter Musik einsetzte. CLEMENS KRAUSS stellte ihn 1940 ohne Probespiel in sein Orchester als Soloflötist ein. Als Mitglied der BAYERISCHEN STAATSOPER spielte REDEL auch unter RICHARD STRAUSS. Nach dem Krieg übernahm er an der neugegründeten MUSIK-AKADEMIE in DETMOLD die Flöten-Professur. Gleichzeitig unterrichtete er bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt/Kranichstein. Beim Interpretationswettbewerb in Genf errang er zusammen mit LARDÉ den 2. Preis hinter NICOLET.


    1953 engagierte ihn EUGEN JOCHUM als Soloflötisten für das SYMPHONIEORCHESTER DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS, und er spielte unter Komponisten wie STRAWINSKY und BOULEZ. In München konnte er dann auch seinen langgehegten Traum realisieren, ein eigenes Kammerorchester zu gründen, und so entstand das berühmte KAMMERORCHESTER PRO ARTE, das sich aus erlesenen Musikern aus bekannten Münchner Orchestern zusammensetzte, aber auch qualifizierte Laienmusiker aufnahm. Mit diesem Orchester unternahm er zahlreiche Konzertreisen im In- und Ausland, spielte bei Festspielen in Bordeaux, Aix-en-Provence, Montreux, Luzern, Prades, Athen u. a. - Auf Konzertreisen in den Libanon, nach Ägypten, Marokko, in die Türkei, nach Südamerika und Asien erhielt REDEL und sein PRO ARTE ORCHESTER hervorragende Kritiken. Schwerpunkt ihrer Konzerte und über 150 Plattenaufnahmen bildete die Barockmusik mit Werken von VIVALDI, J. S. BACH, TELEMANN, und HÄNDEL, aber auch klassische Werke von HAYDN und MOZART, sowie Raritäten, wie Musik von STÖLZEL, GRAUPNER, PISENDEL, FRIEDRICH II. Er leitete auch andere große Orchester und begleitete berühmte Solisten wie MENUHIN, SZERYNG, ARGERICH, NORMAN, PREY. Viele zeitgenössische Komponisten widmeten KURT REDEL Werke, wie z. B. GÜNTER BIALAS, HANS WERNER HENZE, LUIGI NONO, der er oft uraufführte.

    1968 gründete er die Osterfestspiele von LOURDES, die er 20 Jahre lang leitete, und er schuf gleichzeitig "Les Nuits Musicales" in Chateauneuf-du-Pape mit Konzerten bei Kerzenlicht.


    In den 80er Jahren endete die so erfolgreiche Ära des PRO ARTE ORCHESTERS. Er widmete sich verstärkt dem Dirigenten-Nachwuchs, dem er weltweit in Kursen seine Erfahrungen weitergab. 2005 erschien sein Buch "Taktschlagen oder Dirigieren". KURT REDEL erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den GRAND PRIX DU DISQUE, den PRIX ORPHÉE, den GRAND PRIX EDISON und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Bekannt wurde er auch durch zahlreiche Instrumentierungen, vor allem von BACH's "Kunst der Fuge" für Orchester, für deren Aufführung - mit KARL RICHTER am Cembalo - er mit dem "GRAND PRIX DU DISQUE" ausgezeichnet wurde, und auch mit der Bearbeitung von TELEMANN's Passionsmusiken und deren Aufführung macht er sich einen Namen.


    Alle Konzerte und Tonaufzeichnungen von KURT REDEL attestieren ein hohes Stilgefühl und größte Sorgfalt, wie auch natürliche Frische in der Ausführung. Besonders liebgewonnen habe ich seine charmante und mitreißende Einspielung von LEOPOLD MOZART's "Kindersinfonie" und "Eine musikalische Schlittenfahrt", sowie W.A. MOZART's Märsche KV 335, 3 Deutsche Tänze KV 605, 5 Kontertänze KV 609, und Kontertanz KV 610 mit seinem PRO-ARTE-ORCHESTER bei Erato. Mir wird KURT REDEL immer als ein herausragender Flötist und stilvoller Orchesterleiter von hohem künstlerischen Rang im Gedächtnis bleiben.


    wok



    .

    Francois Adrien Boeildieu,     französischer (Opern)komponist, * 10. 12. 1775 - + 8. 10. 1834 ---   185. Todestag

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    FRANCOIS-ADRIEN BOIELDIEU verstand sich als Gegenpart zu der damals aufgekommenen italienischen Dominanz auf dem Gebiet der OPER, die besonders durch ROSSINI vorherrschte. BOIELDIEU war Lehrer von ADOLPHE ADAM, und er unternahm alles, um seinen Einfluß als bedeutender Schöpfer von Bühnenwerken - er komponierte immerhin ca. 40 Opern - Geltung zu verschaffen. Aber am Ende hatte er nur mit einer einzigen Oper wirklichen Erfolg, nämlich mit "La dame blanche".


    BOIELDIEU, in Rouen geboren, erhielt frühen Musikunterricht von URBAIN CORNONNIER, dem Leiter eines Kinderhores an der Kathedrale, und danach von CHARLES BROCHE, dem Organisten der Kathedrale von Rouen. Schon frühzeitig zeigte er großes Interesse für Theater und Oper. Bereits mit 18 Jahren komponierte er sein erstes Werk im Genre einer komischen Oper, wie diese damals beliebt war, unter dem Titel "La fille coupable. 2 Jahre später folgte bereits seine Oper "Rosalie et Myrza". 1796 wurde er Schüler des berühmten LUIGI CHERUBINI und wurde zu weiteren Opernkompositionen angeregt. Vor allem mit der Oper "Le calife de Bagdad", die 1800 entstand, machte er sich damals einen Namen. Von dieser Oper wird heute immer noch die durchaus wohlklingende Ouvertüre gespielt. 1798 hatte er die Stelle eines Klavierlehrers am Pariser Konservatorium erhalten, doch unglückliche Eheverhältnisse veranlaßten ihn, 1804 einem Ruf an den Hof von Petersburg als Leiter der Französischen Oper zu folgen. Mit seinen Opernkompositionen in dieser Zeit hatte er wenig Erfolg. 1811 kehrte er nach Paris zurück, war aber formal bis 1815 noch mit dem Hof des Zaren in St. Petersburg verbunden, der ihn 1815 zum Hofkomponisten ernannte. Nach Paris zurückgekehrt, schrieb er weiter mehrere Opern. 1817 wurde er Nachfolger von MÉHUL als Professor für Komposition an der ACADÉMIE DES BEAUX-ARTS. Durch die Revolution von 1830 verlor er seine öffentlichen Ämter und erkrankte bald schwer an Tuberkulose. Er komponierte dann nur noch wenig und zog in sein Landhaus in Villeneuve-St.-Georges, wo er 1834 starb.


    Zu seinem Meisterwerk "La dame blanche" wurde er durch die großen Erfolge ROSSINIs angestachelt, einer sehr romantschen Oper zu einem Libretto von EUGÈNE SCRIBE. Die Oper zeigt Ähnlichkeiten zu CARL MARIA VON WEBER's Kompositionsstil, der diese Oper auch bewunderte, und diese Oper soll auch RICHARD WAGNER an der Arbeit seines "Fliegenden Holländer" inspiriert haben, seinem "Brautchorr" im "Lohengrin" wurden l sogar erstaunliche Ähnlichkeiten mit BOIELDIEUs nächster Oper "La belle nuit" nachgesagt. "La dame blanche" wurde am 10.12.1825 an der OPÉRA COMIQUE in Paris uraufgeführt, und das Werk wurde zu einem der größten Erfolge der französischen Operngeschichte. Man bewunderte sowohl die Originalität und den Reichtum der Erfindung, als auch die neuartige Instrumentation.


    BOIELDIEU schrieb auch noch etliche Kammermusikwerke, vor allem Sonaten für Klavier, und Violine und Klavier, sowie Klaviertrios und ein Klavierkonzert (1795), sowie ein Harfenkonzert und viele Lieder.


    Ich höre nach wie vor gerne seine Ouvertüre zu "Der Kalif von Bagdad", und zwar vorzugsweise in der exemplarischen Aufnahme durch RICHARD BONYNGE und dem NEW PHILHARMONIA ORCHESTRA. Und aus seiner Oper "Die weiße Dame" immer wieder gerne die Kavatine des George Brown: " Komm, o holde Dame", für deren Beliebtheit wohl auch die großartige Wiedergabe durch JOSEF TRAXEL in einer Einspielung durch HANS LÖWLEIN keinen geringen Anteil hat.


    wok


    Josef Traxel,     deutscher Tenor, * 29. Juni 1916 - + 8. 10. 1975 --- 44. Todestag

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    An JOSEF TRAXEL's Todestag mußte ich wieder sehr an diesen wunderbaren Sänger denken, nicht zuletzt auch an seine Aufnahme von HAYDN's "Die Schöpfung" unter KARL FORSTER, die meiner Meinung nach bis heute beste Einspielung dieses wunderbaren Werkes - auch dank der anderen großartigen Solisten.

    Vielen Dank, lieber Willi, auch für dieses seltene Foto, das ich bisher noch nicht kannte, und wie ich ihn auch in persönlicher Erinnerung habe.!


    wok

    Charles Dutoit,    Schweizer Dirigent (wohnt in Kanada), * 7. 10. 1936 --- 83. Geburtstag

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    • CHARLES DUTOIT studierte zunächst Violine, Viola, Klavier und Schlagzeug, erfuhr also eine sehr umfassende musikalische Ausbildung. Durch ANSERMET wurde er zum Dirigieren angeregt und brachte sich die fundamentalen Kenntnisse selbst bei, indem er ANSERMET bei dessen Proben beobachtete. Schließlich studierte er am KONSERVATORIUM in LAUSANNE und anschließend an den Akademien in Genf und Siena, sowie am KONSERVATORIUM in VENEDIG. Kursbesuche am BERKSHIRE CENTER in TANGLEWOOD folgten. Nach Rückkehr in Lausanne spielte er im dortigen KAMMERORCHESTER Viola. 1963 gab er beim BERNER SYMPHONIEORCHESTER sein Dirigentendebüt. Nach Aufführung von STRAWINSKYs "Le Sacre du printemps" 1964 wurde er neben PAUL KLECKI deren Ständiger Dirigent. 1965 - 67 dirigierte er auf KARAJAN's Einladung an der WIENER OPER Ballette : "Der Dreispitz" von DE FALLA und "Schwanensee" von TSCHAIKOWSKY. 1967 wurde er Chefdirigent des BERNER SYMPHONIEORCHESTERs. Schon zu diesem Zeitpunkt luden ihn die BERLIER PHILHARMONIKER und die SCALA ein, mehrere Konzerte zu dirigieren. Ab 1969 war er neben KEMPE Chefdirigent des TONHALLE ORCHESTERS ZÜRICH, und daneben hatte er einen Ständigen Gastvertrag mit dem RADIOORCHESTER BEROMÜNSTER. Inzwischen hatte er sich international einen Namen gemacht und Konzertreisen führten ihn nach Südamerika, Australien, Japan, Israel und Ägypten. Er bekleidete einen Posten als Künstlerischer Direktor beim NATIONALORHESTER in Mexiko , ging dann 1975 als Dirigent des GÖTEBORGER SYMPHONIEORCHESTERs nach Schweden und wurde 1977 Ständiger Dirigent und Musikdirektor des ORCHESTRE SYMPHONIQUE DE MONTRÉAL, deren Programm er beträchtlich erweiterte. Er gab bis zu 100 Konzerte pro Jahr und setzte sich besonders für die Werke kanadischer Komponisten und für Neue Musik generell ein, und dies sowohl als Dirigent als auch in Seminaren. Er dirigierte 25 HAYDN- Sinfonien und viele Werke von MOZART und BEETHOVEN, ebenso viel französische Musik, wobei BERLIOZ, RAVEL und DEBUSSY Schwerpunkte bildeten. 1983 ernannte ihn das MINNESOTA ORCHESTRA in Minneapolis zum Ständigen Gastdirigenten, eine Funktion, die er bis 1986 ausübte. .1990/91 war er in gleicher Position beim PHILADELPHIA ORCHESTRA tätig. 1993 wurde er zusätzlich zu seiner Tätigkeit in Montreal Chefdirigent des Pariser ORCHESTRE NATIONAL DE FRANCE. 1994 unternahm er mit dieem Orchester eine große Europa-Tournee. 1996 wurde DUTOIT Chefdirigent beim NHK SYMPHONY ORCHESTRA TOKYO.
    • Die große Karriere machte CHARLES DUTOIT auf dem amerikanischen Kontinent. So war er jedes Jahr Künstlerischer Leiter der Sommersaison des Orchesters von PHILADELPHIA.
    • 2003 begann DUTOIT damit, am TEATRO COLÓN in Buenos Aires WAGNER-Opern zu dirigieren ("Der Fliegende Holländer" und "Der Ring des Nibelungen". Ab 2005 leitete er wieder das PHILADELPHIA ORCHESTERA und im September 2009 wurde er Principal Conductor die Leitung des ROYAL PHILHARMONIC ORCHESTRA in London.
    • Ab 2017 sah er sich Vorwürfen sexueller Belästigung von Sängerinnen und Musikerinnen ausgesetzt, die er aber bestritt. Trotzdem kündigten verschiedene Orchester ihre Zusammenarbeit mit DUTOIT auf.
    • 2018 erhielt er bei den SANKT PETERSBURGER PHILHARMONIKERN letztes Jahr ein Engagement als Erster Gastdirigent; das er seit Mail dieses Jahres wahrnahm.
    • 1987 wurde DUTOIT in Kanada zum "Künstler des Jahres" gewählt und mit den Ehrendoktorwürde der Universitäten von Montreal und Laval gewürdigt. DUTOIT machte an die 100 Platteneinspielungen und wurde mit über 40 internationalen Preisen ausgezeichnet. 1991 wurde er Ehrenbürger von Philadelphia

    1969 - 1973 war CHARLES DUTOIT in 2. Ehe mit MARTHA ARGERICH verheiratet.

    • Geschätzt und gesucht war DUTOIT auch als Orchesterbegleiiter von berühmten Solisten. Nicht so viele Dirigenten reißen sich um solche mehr sekundierende Aufgaben. Er verstand es aber auch, in dieser "Nebenrolle" dem jeweiligen Orchester seinen persönlichen Stempel aufzudrücken, und vielen dieser Aufnahmen Gewicht zu verleihen. Ich denke dabei besonders an PAGANINI-Konzerte, die dem Orchester oft nur eine Nebenrolle und Begleitfunktion angedeihen lassen. Und selbst hier gelang es CHARLES DUTOIT hervorragend, im offensichtlichen Einvernehmen mit dem Solisten einfühlsam zu agieren, und aus der Aufnahme ein wunderbar geschlossenes Ganzes werden zu lassen


      Deshalb zählt auch PAGANINIs 2. Violinkonzert mit dem genialen Solisten SALVATORE ACCARDO mit dem LONDON PHILHARMONIC ORCHESTRA unter der Stabführung von CHARLES DUTOIT zu meiner Referenzaufnahme. Oft sind es gerade solche für einen Dirigenten relativ undankbare Werke, von deren Interpretation man erkennen kann, welche Akzente ein Dirigent zu setzen vermag.



    • wok

    Biancamaria Furgeri,     italienische Komponistin, Organistin und Musikpädagogin,* 6. 10. 1935 --- 83. Geburtstag

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    Hallo Willi,


    Eine Frage: Ich verstand Dich kürzlich so, daß Du nur Musiker bei den Erinnerungen aufnimmst, die in der Wikipedia-Liste aufgeführt sind. Ich finde aber z. B. Biancamaria Furgeri nicht in der Wikipedia-Liste, weder unter Komponisten noch Organisten. Andererseits finde ich z. B. JOHANN JOSEPH ABERT auch nicht in der Liste, an den Du aber trotzdem auch erinnerst. Dies sind nur Beispiele. Verstehe ich da etwas falsch oder gibt es eine spezielle Wikipedia-Liste, die ich nicht kenne?


    Danke für Aufklärung.


    Viele Grüße

    wok