Beiträge von wok

    Hallo Willi,


    Deine Besprechung der SCHUBERT- B-Dur Sonate D 960 habe ich mit größtem Interesse gelesen, für mich wieder spannender als ein Krimi! Großartig, wie Du auf jedes kleinste Detail seines Spiels eingehst. Dein Urteil über AESCHBACHER's Interpretation der ersten 3 Sätze ist ja voller Bewunderung und nahezu optimal, für mich nicht überraschend. Gerade deshalb kann ich nicht verstehen, daß sein Name auch in diesem Forum so wenig in Erscheinung tritt, und kämpfe so dafür, daß das meisterhafte Spiel dieses großen Pianisten - gerade was SCHUBERT anbetrifft (Moments Musicaux und Wandererfantasie-Einspielung für mich unübertrefflich!) - nicht völlig in Vergessenheit gerät.


    Was das Finale anbetrifft, so ist die Wahl des Tempos im zweiten Abschnitt gewiß auch Geschmack- und Ansichtssache. AESCHBACHER hat sich gerade mit SCHUBERT sehr beschäftigt und sich sicher dabei etwas gedacht. Zum Beispiel fand Ingo Harden gerade für die Gestaltung des Finalsatzes durch AESCHBACHER besonders würdiigende Worte, d. h. für die verblüffenden Tempowechsel und sein subtiles Spiel ohne jegliche Einbüße an interpretatorischer Eigenprägung.


    Ich bin schon sehr gespannt auf Deine Besprechung der Interpretation dieser Sonate durch FRIEDRICH WÜHRER, die ja von Dir glaube ich später auch noch vorgesehen ist. Auch in diesem Fall bin ich ganz sicher, daß Du von dessen Spiel ähnlich beeindruckt sein dürftest.


    Nochmals großen Dank für Deine so tolle, spannende Besprechung dieser Aufnahme!!


    Viele Grüße

    wok



    1. Juni 2019, Fortsetzung:


    Pianisten:


    Karl Engel,    Schweizer Pianist * 1. 6. 1923 - + 2. 9. 2006 --- 96. Geburtstag

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    Hallo Willi,


    Ja, an den Geburtstag von KARL ENGEL erinnere ich mich immer gerne. Danke, daß Du ihn nicht in Vergessenheit geraten läßt.


    Neben seinen Lehrern ALFRED CORTOT und PAUL BAUMGARTNER, sowie EDWIN FISCHER und ADRIAN AESCHBACHER zählte er zu den renommierten schweizer Pianisten. Zwei große Preise waren wichtig für den Beginn seiner Karriere: 1951 gewann er in Bozen beim "Busoni Wettbewerb", und schon 1 Jahr später in Brüssel beim "Concours Reine Elisabeth de Belgique". Bei den Festspielen in Prades war er Partner von MENUHIN und CASALS, der von seinem Spiel begeistert war. Mit ihm spielte er später auch häufiger in Trio-Form. Schon 1958 spielte er alle 18 Klaviersonaten von MOZART ein. 1961 die 32 Sonaten von BEETHOVEN. Er begleitete die Sänger DIETRICH FISCHER-DIESKAU, HERMANN PREY. PETER SCHREIER und die Sängerinnen EDITH MATHIS und AGNES GIEBEL. Er spielte als Solist unter so berühmten Dirigenten wie ANSERMET, CLUYTENS, KEMPE, KUBELIK, MARKEVITCH, ROSBAUD, SAWALLISCH und mit allen großen Orchestern. Auch als Pädagoge an der Musikhochschule in Hannover war er sehr geschätzt, und er gab Meisterkurse beim Pablo Casals Festival in Zermatt, und in Kanada und Portugal.


    KARL ENGEL war eine außergewönliche musikalische Begabung. Er spielte mit Vorliebe MOZART und BEETHOVEN, aber auch SCHUBERT und SCHUMANN; sowie die Werke zeitgenössischer, vor allem schweizer Komponisten. Sein Spiel galt als äußerst werkgetreu und stets klar und transparent, wie auch subtil und, feinfühlig. Der bekannte Musikkritiker Gottfried Kraus stellte seinen Anschlag und die Farbigkeit seines Spiels als Liedbegleiter sogar über jene von GERALD MOORE.


    Er spielte auch KammermusiK-Duos mit ULF HOELSCHER und PAUL TORTELIER


    Für mich sehr wertvoll ist seine Aufnahme von SCHUMANN's Klavierstücken op. 76, op. 111, op. 126 und op. 133 erschienen 1972 bei Valois.

    Ein kleiner Ausschnitt:

    /www.youtube.com/watch?v=Ajhl2ancyMM


    Viele Grüße

    wok






    Für mich ist OTTO KLEMPERER's Aufnahme von 1961 mit dem PHILHARMONIA ORCHESTRA LONDON unter all den zahlreichen z. T. gewiß hochinteressanten Aufnahmen von BEETHOVEN's 3. Sinfonie mit seiner dem Werk so angemessenen unerbittlichen Strenge, seiner Wucht und seiner Heroik, bar jeder Romantizismen, dazu seiner Klarheit, ja Kompromißlosigkeiet, nach wie vor die beeindruckendste Einspielung dieses Werkes.


    /www.youtube.com/watch?v=P2_4NsjOlzg


    Gruß

    wok

    29. Mai 2019, Fortsetzung:


    Pianist:


    Grigori Ginsburg,    russischer Pianist, * 29. 5. 1904 - + 5. 12. 1961 ---   115. Geburtstag

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    29. Mai 2019, Fortsetzung:


    Pianist:


    Grigori Ginsburg, russischer Pianist, * 29. 5. 1904 - + 5.12. 1961 --- 115. Geburtstag

    Hallo Willi,


    Ich freue mich, daß Du an den 115. Geburtstag des großartigen russischen Pianisten GRIGORI GINSBURG erinnert hast Mit dem berühmten Geiger LEONID KOGAN spielte er häufig Violinsonaten, und seine Einspielung der BEETHOVEN-Sonaten Nr. 1 in D-dur op 12,1 und Nr. 3 in Es-durop. 12 Nr. 3 zählt für mich zu der eindrucksvollsten Aufnahme dieser beiden Werke. Ich kann diese damals bei Melodia Auslese erschienene Aufnahme nur jedem Liebhaber die BEETHOVEN-Violinsonaten wärmstens empfehlen.


    http://www.discogs.com/de/Beet…-Op12-Nr3/release/7132900

    Violinsonaten D-dur Op.12 Nr.1, Es-dur Op.12 Nr.3 (Vinyl, LP) Plattencover


    Viele Grüße

    wok

    Die Analyse der frühen und späteren FISCHER-DIESKAU-Aufnahmen von Helmut Hofmann ist bewundernswert und zeugt von höchster Fachkenntnis und Kompetenz. Ihm gebührt dafür größte Hochachtung.


    Ich bin aber kein berufsmäßiger Rezensent, sondern einfach ein großer Liebhaber klassischer Musik, und dies nicht nur auf Gesang, sondern auch auf Orchestermusik und Kammermusik bezogen. Ich würde mir deshalb niemals ein Urteil darüber anmaßen, welche der vielen Einspielungen der "Winterreise" nun die "beste" ist. Ich kann nur sagen, daß ich schon in früher Jugend DIETRICH FISCHER-DIESKAU mit diesem wunderbarem Zyklus im Rundfunk hörte, und von seinem Gesang sogleich fasziniert war, und er von da an bis heute neben dem Tenor JOSEF TRAXEL zu meinen absoluten Lieblingssängern zählt. Es fiel mir natürlich auf, daß der im Laufe der Jahre, vor allem zuletzt mit BRENDEL, schnellere Tempi wählte und sein Vortrag etwas schlanker, artikulierender und deklamierender wurde, was ihm ja einige namhafte Kritiker dann auch vorwarfen, d. h. überspitzt gesagt, daß er mit nachlassender Stimmpracht immer mehr Gesang durch Deklamation ersetze. Soweit würde ich allerdings auf keinen Fall gehen. Was die Tempi anbetrifft, so stehen m. E. einigen Lieder eher ruhige, getragene Tempi, anderen dagegen ein mehr drängender, weniger verhaltener Vortrag. Ganz abgesehen davon, ist es sicher auch Ansichtssache und Geschmacksache, welcher Interpretation man den Vorzug gibt. Mir war es immer wichtig, den Sänger noch so mit der Winterreise zu hören, wie er dies in jungen Jahren ganz intuitiv für richtig hielt, bevor er dann später verständlicherweise als großer Perfektionist im Zuge seiner künstlierischen Auseinandersetzung mit den einzelnen Werken, immer mehr danach trachtete, seine bisherige Sicht- und Gesangsweise noch zu erweitern und verfeinern, was ihm dann ja sicher auch in späteren Aufnahmen in mancherlei Hinsicht gelungen ist. Das Wort "ohne jegliche BELASTUNG späterer Reflexionen" in meinem ersten Beitrag klingt da etwas zu stark und mag mißverständlich sein. An Stelle von "Belastung" wäre "frei von späteren Reflexionen" die bessere Beschreibung, wobei solche Reflexionen natürlich auch zu positiven Ergebnissen führen können und in vielen Fällen sicher auch führten, nur ist dann eben der Vortrag nicht mehr so natürlich wie in seinen ersten Aufnahmen. Und es war für mich immer wichtig, den ganz authentischen Fischer-Dieskau mit diesem Werk zu vernehmen, wobei mir seine früheren Aufnahmen einfach mehr unter die Haut gehen als die letzte geschliffene Aufnahme mit BRENDEL


    Ich habe mich übrigens in meinem ersten Beitrag in erster Linie auf Aufnahmen mit GERALD MOORE bezogen, wobei jene von 1962/63 meinem Ideal wohl am nächsten kommt. Die spätere Aufnahme von 1971 gilt zwar sängerisch und pianistisch allgemein als noch perfekter, auch deutlich schneller im Tempo und drängender und impulsiver als die von 1962/63, ich ziehe gerade für diesen Zyklus aber trotzdem den etwas ruhigeren Duktus der früheren Aufnahme vor. Seine ganz frühen Aufnahmen mit KLAUS BILLING und HERMANN REUTTER bezeichnete FISCHER-DIESKAU ja später als Jugendsünde - und tatsächlich sind die Tempi hier schon extrem langsam und getragen - aber andererseits kommt die zu diesem Zeitpunkt noch dunklere, männlichere, kraftvollere Stimme mit mehr Resonanz und Tiefe m. E. durchaus dem Charakter einiger Lieder durchaus zugute.


    Phänomenal erscheint auch heute noch die Tatsache, daß DIETRICH FISCHER-DIESKAU 1948 schon mit 23 Jahren - und nach schlimmen Kriegserfahrungen - im Rundfunk ohne vorherigen Gesangsunterricht die Winterreise auf einem gesanglichen Niveau realisierte, wie dies kaum ein schon arrivierter Sängerkollege damals vermochte.


    Gruß

    wok

    .


      

    Hallo Willi,


    Vielen Dank dafür, daß Du Dir soviel Zeit für eine Antwort auf meinen Beitrag zu PAUL KUENTZ genommen hast.


    Ich dachte zunächst, daß Du in diesem Jahr nicht an den Geburtstag gedacht hast, weil ich noch im alten beendeten Thread suchte. Aber dann fand ich Deinen Glückwunsch im neuen Thread am 04.05.2019, sogar mit schönem Foto! Du hast also ja doch in diesem Jahr gratuliert. Ich verstehe deshalb Deine Ausführungen nicht ganz. Sei dem wie es sei. Jedenfalls hast Du diesen in Deutschland so vernachlässigten Dirigenten fortan weiter im Blick. Und dies wollte ich gerne bewirken.


    Viele Grüße

    wok

      • Paul Kuentz, * 4. Mai 1930 Mülhausen, Frankreich, Dirigent und immer noch aktiv!

      • Phantastisch und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.


        2017-05-19&20_Mozart_Requ_Haydn_Adieux_Mad_St-Gmain-des-P.jpg


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        Hallo Willi,


        Leider hast Du den Geburtstag des von mir sehr verehrte Dirigenten PAUL KUENTZ am 04. Mai vergessen. In meinem Thread vom 15.07.2014 hatte ich ausführlich auf diesen in Deutschland leider zu wenig beachteten französischen Dirigenten hingewiesen. Immerhin hatte er eine langjährige enge Zusammenarbeit u. a. mit Künstlerpersönlichkeiten wieROSTROPWITCH, ZABALETA, SCHERBAUM, MAURICE ANDRÉ, MARIE CLAIRE-ALAIN, RAMPAL, LARDÉ, HUGUETTE DREYFUS, SGRIZZI, YEPES, LAGOYA, SZERYING, GRUMIAUX, BARBARA SCHLICK etc.


        Zufällig stieß ich heute im Internet darauf, daß PAU KUENTZ heute abend mit seinem Orchester und Chor in der MADELEINE-Kirche in Paris mit 89 Jahren ein Konzert gibt, also genau in jener Kirche, in der ich ihn am 05.07.2014 mit einem Konzert hörte und persönlich kennenlernte, nachdem ich schon in den 50er Jahren durch Rundfunksendungen auf ihn aufmerksam geworden war und mir auch Schallplatten mit ihm zugelegt hatte, insbesonere mit Musik von De Lalande und Zeitgenossen. Der Mann scheint mit seinen 89 Jahren noch topfit zu sein und noch voller Tatendrang. Bewundernswert! Schon gestern abend hatte er in der EGLISE ST.GERMAIN -L'AUXERROIS ein Konzert gegeben!


        http://www.youtube.com/watch?v=4f-oHqs-mfE


        /www.google.com/search?q=paul+kuentz+Konzert+in+Madeleine+25.+Mai+2019&rlz=1C1PRFC_enES723ES723&tbm=isch&source=iu&ictx=1&fir=3v9nqtoQpLLG9M%253A%252CK5znueBKJR8IcM%252C_&vet=1&usg=AI4_-kQsU1m9B-ahGG2x_gM0dKntfO0xzQ&sa=X&ved=2ahUKEwiR1_-DubbiAhUGTxUIHV5SBYQQ9QEwAHoECAkQBA#imgrc=3v9nqtoQpLLG9M:&vet=1


        Gruß

        wok

        • Hallo Willi,
        • Ich hatte diesen obigen Beitrag noch in dem alten, inzwischen geschlossenen Thread - wie ich erst jetzt feststellte - geschrieben. Nun entdeckte ich, daß Du sehr wohl an den Geburtstag von PAUL KUENTZ gedacht hast. Chapeau! Ich nehme deshalb alles zurück, gebe meinen alten Beitrag nun aber nochmals in diesem neuen Thread durch, da der eine oder andere Hinweis vielleicht auch noch von Intresse ist.
      • Gruß
      • wok

    Paul Kuentz, * 4. Mai 1930 Mülhausen, Frankreich, Dirigent und immer noch aktiv!
    Phantastisch und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.


    2017-05-19&20_Mozart_Requ_Haydn_Adieux_Mad_St-Gmain-des-P.jpg


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    Hallo Willi,


    Leider hast Du den Geburtstag des von mir sehr verehrte Dirigenten PAUL KUENTZ am 04. Mai vergessen. In meinem Thread vom 15.07.2014 hatte ich ausführlich auf diesen in Deutschland leider zu wenig beachteten französischen Dirigenten hingewiesen. Immerhin hatte er eine langjährige enge Zusammenarbeit u. a. mit Künstlerpersönlichkeiten wie ROSTROPWITCH, ZABALETA, SCHERBAUM, MAURICE ANDRÉ, MARIE CLAIRE-ALAIN, RAMPAL, LARDÉ, HUGUETTE DREYFUS, SGRIZZI, YEPES, LAGOYA, SZERYING, GRUMIAUX, BARBARA SCHLICK etc.


    Zufällig stieß ich heute im Internet darauf, daß PAU KUENTZ heute abend mit seinem Orchester und Chor in der MADELEINE-Kirche in Paris mit 89 Jahren ein Konzert gibt, also genau in jener Kirche, in der ich ihn am 05.07.2014 mit einem Konzert hörte und persönlich kennenlernte, nachdem ich schon in den 50er Jahren durch Rundfunksendungen auf ihn aufmerksam geworden war und mir auch Schallplatten mit ihm zugelegt hatte, insbesonere mit Musik von De Lalande und Zeitgenossen. Der Mann scheint mit seinen 89 Jahren noch topfit zu sein und noch voller Tatendrang. Bewundernswert! Schon gestern abend hatte er in der EGLISE ST.GERMAIN -L'AUXERROIS ein Konzert gegeben!


    http://www.youtube.com/watch?v=4f-oHqs-mfE


    /www.google.com/search?q=paul+kuentz+Konzert+in+Madeleine+25.+Mai+2019&rlz=1C1PRFC_enES723ES723&tbm=isch&source=iu&ictx=1&fir=3v9nqtoQpLLG9M%253A%252CK5znueBKJR8IcM%252C_&vet=1&usg=AI4_-kQsU1m9B-ahGG2x_gM0dKntfO0xzQ&sa=X&ved=2ahUKEwiR1_-DubbiAhUGTxUIHV5SBYQQ9QEwAHoECAkQBA#imgrc=3v9nqtoQpLLG9M:&vet=1


    Gruß

    wok

    Hallo Nemorino,


    Deinen Ausführungen über GERARD SOUZAY kann ich nur in jeder Hinsicht beipflichten. Gerade die Weichheit seiner Stimme und seine außerordentliche Sensitivität nehmen für sich gefangen. Auch ich präferiere die Philips-Aufnahme von 1961, doch wie bei Fischer-Dieskau hat eigentlich jede Aufnahme, mag sie auch in Details differieren, ihr hohes Qualitätsniveau. Ja, und auch DALTON BADLWIN ist ein großartiger Begleiter, und die beiden harmonieren in beeindruckender Weise.


    Gruß

    wok










    Lieber Bertarido, meine Beschäftigung mit Sägern hat es mit sich gebracht, auch den frühen Aufnahmen stärkere Beachtung zu schenken. Dokumenten also, die das Talent noch ahnen lassen, die einen singenden Künstler auf dem Weg zur Meisterschaft sehen, die erfahrbar machen, welchem Ideal er folgt, was er zu überwinden sucht - wohin also die Reise geht. Im Falle von Fischer-Dieskau bestehen für solche Betrachtungen glänzende Bedigungen, weill er von Anfang an Aufnahmen gemacht hat, die erhalten sind. Bei der ersten "Winterreise" war er 23! Da waren also Leute um ihn, die seine große Begabung erkannten und die ihn förderten. Und diese Begabung war einmalig. Am Anfang wirkt er auf mich viel natürlicher und weniger kalkuliert. Die Einspielungen - bleiben wir bei der "Winterreise" - werden mit den Jahren immer ausgeklügelter. Nach meinem Eindruck auch etwas selbstverliebter. An Stelle von Sturm und Drang treten ganz genau berechnete Wirkungen. Nichts bleibt mehr dem Zufall überlassen. Fischer-Dieskau hat sich ja auch forschend mit Schubert beschäftigt und darüber geschrieben. Alle Erkenntnise bringt er interpretatorisch ein. Ich weiß es nicht, aber womöglich hat er seine jeweils letzte "Winterreise" für seine beste gehalten. Ziemlich früh setzen nach meiner Beobachtung gewisse stimmliche Probleme ein, die durch noch mehr Ausdruck bewältigt werden wollten. Es ließe sich noch mehr zusammentragen. Vielleicht genügt Dir das für eine Antwort.

    Hallo Rheingold,


    Ich finde, daß Du mit Deiner Ansicht über die verschiedenen Aufnahmen der "Winterreise" durch FISCHER-DIESKAU dessen Entwicklung sehr gut beobachtet und beschrieben hast. Das heißt ja nicht, daß man die späteren Einspielungen ignoriert oder despektierlich beurteilt. Doch lernt man in den frühen Aufnahmen tatsächlich den noch ganz natürlichen FISCHER-DIESKAU mit authentischer Stimmgebung, Diktion und prachtvollem Organ, ohne jegliche "Belastung" späterer Reflexionen und verständlichem ständigem Drang nach immer noch weiterer Perfektionierung. Ich glaube, daß FISCHER-DIESKAU dank seiner außergewöhnlichen Musikalität schon sehr früh auch bei der "Winterreise" intuitiv den richtigen Ton dieses so einzigartigen, zum Teil erschütternden Liederzyklus getroffen hat, ohne den Drang, allzu viel Ausdruck in die einzelnen Stimmungen hineinlegen zu wollen. Natürlich haben auch spätere Aufnahmen ihre Stärken, doch muß man einfach den frühen FISCHER-DIESKAU gehört haben, und wenn man diesen das erste Mal gehört hat, dann kann man sich eigentlich nicht vorstellen, daß man die Winterreise noch besser zum Klingen bringen könnte - und dies ist ja doch ein wichtiges Kriterium - auch pianistisch ist GERALD MOORE ein großartiger, kongenialer Begleiter, sosehr auch seine späteren Klavierbegleiter durchaus ihre Meriten haben und stellenweise neue, ungewohnte Akzente setzen, wie z. B. JÖRG DEMUS.


    Viele Grüße aus Málaga!

    wok

    Hallo Nemorino,


    Ich beziehe mich vor allem auf die früheren Aufnahmen von 1955, wie auch 1962/63, der Unterschied ist nicht so groß, und beide sind für mich exemplarisch für dieses Werk. Natürlich hat auch die Aufnahme mit der wunderschönen Stimme von GERARD SOUZAY mit DALTON BALDWIN ihren Reiz, wenngleich die größere Ausdruckspalette und Ausdruckstiefe der Stimme von FISCHER-DIESKAU bei mir noch mehr unter die Haut geht. Interessant übrigens auch als Kontrast die historische Einspielung der "Winterreise" (und Lieder von ROBERT SCHUMANN) durch einen Tenor, an den man eigentlich nicht gleich als Liedsänger denkt, nämlich die Aufnahme vom 20. Juni 1927 durch RICHARAD TAUBER mit MISCHA SPOLIANSKY als Klavierbegleiter. Sosehr ich für diesen Zyklus einen Bariton vorziehe, so ist doch bewundernswert, wie differenziert und nuanciert, mit welcher Phrasierungskunst, und mit welch unglaublichem Atem er seinen Liedgesang gestaltet. Übrigens hatte gerade FISCHER-DIESKAU hohen Respekt vor der großen Musikalität und der Leichtigkeit der Tongebung von RICHARD TAUBER.


    Gruß

    wok

    Ich erlebte diese großartige Sängerin am 22. November 1987 in der Stadthalle Bayreuth in einem Liederabend zusammen mit dem kongenialen IRWIN GAGE, jenem so einfühlsamen und farbigen Liedbegleiter, der leider am 12. April letzten Jahres im Alter von 78 Jahren starb. Auf dem Programm standen Lieder von SCHUBERT und HUGO WOLF, und ich war von den Darbietungen beider ebenso fasziniert wie die zahlreiche Zuhörerschaft. Das kurze Gespräch nach dem Konzert mit den beiden Künstlern (natürlich mit Autogramm!) offenbarte mir zwei wunderbar natürliche und uneitle Persönlichkeiten. Kurioserweise fand ich mich dann beim Verlassen des Konzertsaals mit BRIGITTE FASSBAENDER im Fahrstuhl nach oben wieder, so daß mir dieses Konzert noch mehr in Erinnerung blieb.


    wok

    Hallo Nemorino,


    Bezüglich der Lücken in Joachim Kaiser's Werk kann ich nur nochmals beipflichten. Pianisten wir HANS RICHTER-HAASER, STEFAN ASKENASE oder TÁMAS VÁSÁRY zu vergessen oder ignorieren, kann man eigentlich nicht nachvollziehen und verzeihen. RICHTER-HAASER setzte die gute Tradition eines WILHELM BACKHAUS fort und galt als großer Pianist der deutschen Schule. Für ihn galt Musik nicht in erster Linie nur als Unterhaltung, sondern es war ihm sehr daran gelegen, sie als Kunst zu behandeln und verantwortungsvoll zu vermitteln. Ich hörte ihn am 11.05.1967 in Bad Pyrmont mit dem Westfälischen Sinfonie-Orchester mit BEETHOVNE's 3. Klavierkonzert und erinnere mich noch heute an seinen souveränen Auftritt. Und STEFAN ASKENASE eiinfach in seinem Buch zu unterschlagen, geht schon gar nicht. Er galt jahrzehntelang als der große Poet des CHOPIN-Spiels, und ich liebte seine introvertierte Art wie er diese Musik spielte. Aber nicht nur Joachim Kaiser hat ASKENASE vergessen, sondern auch in der Nachwelt spielt er ähnlich wie VÁSÁRY nicht mehr die Rolle, die ihm eigentlich gebührt. Deshalb ist es ganz wichtig, daß sich immer wieder Melomanen auch heute noch finden, die diesen großen Künstlern durch immer neue Hinweise auf deren Lebenswerk Gerechtigkeit widerfahren lasen.


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Nemorino,


    Der EUGÉNE YSAYE-Schüler CHRISTIAN FERRAS konnte immerhin schon mit 18 Jahren Welterfolge verzeichnen, sein Spiel wurde von den größten Dirigenten, und auch von seinen Geiger-Kollegen in jungen Jahren gerühmt. Schon auf Grund seiner großartigen Einspielung des BRAHMS-Violinkonzertes unter SCHURICHT - und natürich noch vieler anderer - sollte er für die Nachwelt unvergessen bleiben.


    Daß AESCHBACHER bei Joachim Kaiser keine Erwähnung findet, ist schon fast unverzeihlich. Aber es gibt auch andere große Pianisten, die in seinem Pianisten-Standardwerk durch Abwesenheit glänzen. Auch GILBERT SCHUCHTER wird von Joachim Kaiser ignoriert, der immerhin eine sehr sorgfältige Gesamteinspielung von SCHUBERT's Sonaten vornahm (ich meine, daß es FRIEDRICH WÜHRER war, der als erster ab 1950 die Sonaten auf LP einspielte), ebensowenig findet JAKOB GIMPEL Erwähnung, und MICHAEL PONTI wird gerade einmal mit SKRJABIN am Rande erwähnt. PONTI, der sich mit soviel Verve und großem Können für die vergessenen Romantiker-Konzerte wie RAFF, MOSCHELES, HENSELT etc. einsetzte, und CONRAD HANSEN wird als nicht konkurrenzfähig gegen die Weltelite auch nur kurz erwähnt. Das Wissen Joachim Kaisers über alles, was mit dem Klavier und dessen Interpreten zusammenhängt, war gewiß gewaltig und sein Werk erstaunenswert, doch hatte er auch seine Präferenzen und nicht immer nachvollziehbare Ansichten.


    Viele Grüße

    wok

    Friedrich Wührer hat bei VOX eine Gesamtaufahme der Schubert-Sonaten vorgelegt. Seine Aufnahme von D. 960 rangiert bvei mir ganz oben, vor allem des Schlußsatzes wegen. Die drei LP-Boxen habe ich. Den Hinweis darauf danke ich einem Austausch mit Frank-Georg Bechyna.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Hallo Thomas,


    Vielen Dank für diesen Hinweis. Es wundert mich nicht, daß bei einem so großen Kenner wie Du es bist die Interpretation der D 960 durch FRIEDRICH WÜHRER ganz oben rangiert!

    Die Beiträge von Frank-Georg Bechyna habe ich auch immer mit größtem Interesse gelesen, da er sich mit Klavierinterpretationen so gut auskannte wie kaum ein anderer, und seine Einschätzungen konnte ich in den meisten Fällen auch immer nachvollziehen. Auch er hatte eine sehr hohe Meinung von WÜHRER's SCHUBERT-Spiel!

    Schade, daß er schon lange nicht mehr in diesem Forum tätig ist.


    Viele Grüße

    wok

    ... das können wir ja mit Schubert D 960 anlässlich des aktuellen Threads gleich machen, lieber Wok, die Aufnahme gibt es glaube ich als Download. :)


    Schöne Grüße

    Holger

    Hallo Holger,


    Wie schön, von Dir wieder zu hören!


    Ja, dieser Vorschlag ist sehr gut, aber dann würde ich unbescheidenerweise vorschlagen, auch den großartigen SchUBERT-Interpreten FRIEDICH WÜHRER mit für eine Besprechung seiner Aufnahme der D 960 vorzusehen!

    Wenn es um Klaviermusik von SCHUBERT geht, dürfte m. E. dieser Pianist nicht fehlen. Er verzichtet wohltuend auf deplatzierte Virtuosität wie andererseits auf übertriebenes Romantisieren.


    .youtube.com/watch?v=IsGFKnH-9nA

    youtube.com/watch?v=aHp-wNLhFcU

    youtube.com/watch?v=fURTA-NR4kk


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Nemorino,


    Deinen Beitrag habe ich mit Interesse gelesen.


    Ja, die Aufnahme des BEETHOVEN-Klaviertrios op. 1,1 in der Besetzung JACOB LATEINER, JASCHA HEIFETZ und GREGOR PIATIGORSKY muß man einfach haben. Großartiges Zusammenspiel!


    CONRAD HANSEN war nicht nur Schüler von EDWIN FISCHER, sondern pflegte auch weiter dessen Interpretationssti. Er machte damals ziemlich Furore mit seiner Einspielung von BEETHOVEN's G-Dur Klavierkonzert mit den BERLINER PHILHARMONIKERN unter FURTWÄNGLER; und diese Aufnahme wurde auch in der Fono Forum Ausgabe 12/1970 sehr gelobt. CONRAD HANSEN tat sich vor allem mit einer Reihe von Uraufführungen zeitgenössischer Werke hervor. Sein Interpretationsschwerpunkt für Klassik-Werke lag bei BEETHOVEN und BRAHMS.


    Was die von mir genannten Geiger anbetrifft, so ist es schon richtig, daß insbesondere RICCI und ACCARDO für ihr phänomenales PAGANINI-Spiel auch heute noch allgemein in guter Erinnerung sind, und daß es auch von SZERYNG und FERRAS immer noch zahlreiche Aufnahmen gibt, doch gemessen an deren einstigen Ruhm, besonders was CHRISTIAN FERRAS anbetrifft, ist heute nur noch vergleichsweise wenig präsent.

    Dabei ist seine geniale Aufnahme des BRAHMS D-Dur Violinkonzerts mit den WIENER PHILHARMONIKERN unter CARL SCHURICHT heute noch ein Ohrenschmaus. Und was HENRYK SZERYNG anbetrifft, so kommt sein technisch und musikalisch perfektes so klangvolles Spiel in seiner Aufnahme von KREISLER's virtuosen Violin/Klavier-Pieces mit dem kongenialen Pianisten CHARLES REINER ganz besonders beeindruckend zum Tragen.


    Völlig in Vergessenheit geraten ist leider Geiger REINHOLD BARCHET mit seinem feinen MOZART-Spiel. Seine Aufnahme mit den MOZART-Violinkonzerten KV 216 un 219 mit dem PRO-MUSICA-ORCHESTER STUTTGART unter dem Dirigat von ROLF REINHARD würde es verdienen, wieder gehört und bewundert zu werden. Das gleiche gilt auch für HERMAN KREBBERS' so unglaublich schöne Interpretation des BRUCH Violinkonzerts mit dem EUROPA-ORCHESTER unter HEIN JORDANS, wie auch VICTOR TRETJAKOW's so faszinierende Aufnahme von PAGANINIs Violinkonzert Nr. 1 op. 6 mit dem SINFONIEORCHESTER DER MOSKAUER STAATLICHEN PHILHARMONIE unter NESME JARWI!!


    Über all diese wunderbaren Künstler könnte man noch viel Rühmliches schreiben, doch wer interessiert sich schon heute noch dafür!


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Willi,


    Großen Dank, daß Du auch an den von mir hochverehrten Geiger BRONISLAV GIMPEL denkst!!

    Diese MOZART-Aufnahme unter KLEMPERER kenne ich noch gar nicht!! Für mich ist sein intensives Spiel im BEETHOVEN Violinkonzert und den beiden Violinromanzen unerreicht!


    youtube.com/watch?v=g1SbIvLQLCo


    Gruß

    wok

    Zitat Willi:

    Oder kennst du Lev Oborin (1907 bis 1974) und Vladimir Yampolsky (1905 - 1965) ? Sie sind in einer Box eines mindestens ebenso berühmten Geigers wie Heifetz, der dazu auch noch ein gebürtiger Landsmann Heifetz' war, vertreten


    Hallo Willi,


    Gewiß kenne ich LEV OBORIN und auch VLADIMIR YAMPOLSKY.   LEV OBORIN, den ich ganz besonders schätze, gehörte dem DAVID-OISTRACH-TRIO an, und das Duo OISTRACH und LEV OBORIN bildeten eine ideale Kammermusikpartnerschaft. Zu ihrer Zeit galten sie als einsame Klasse und als gleichwertige Partner. LEV OBORIN war einer der bedeutendsten russischen Pianisten seiner Zeit. Die Interpretation von BEETHOVEN's Violinsonaten mit DAVID OISTRACH war auf höchstem technischen und musikalischem Niveau.


    Meine allererste Wahl für die Aufnahme von SCHUBERT's Klaviertrio op. 99 war auch die Besetzung OBORIN, KNUSCHEWITZSKY und DAVID OISTRACH, mit wunderbar lyrischen Stellen, aber auch mit zügigem Spielfluß und kraftvollen Akzenten.


    LEV OBORIN ist auch in der gleichen Solistenformation mit BEETHOVEN's Tripelkonzert mit dem PHILHARMONIA ORCHESTRA LONDON unter SIR MALCOLM SARGENT zu hören, für mich eine exemplarische Einspielung.


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Nemorino,


    Deine Ausführungen habe ich mit großem Interesse gelesen.


    Ja, auch mich schmerzt es, daß großartige Interpreten wie ADRIAN AESCHBACHER, JACOB LATEINER, CONRAD HANSEN, JAKOB GIMPEL etc. derart in Vergessenheit geraten sind. Auch bei mir findet die Interpretationskunst eines JACOB LATEINER große Bewunderung, und ich besitze und schätze auch seine Aufnahme von BEETHOVEN's Klaviertrio op. 1 Nr. 1 mit den kongenialen JASCHA HEIFETZ und GREGOR PIATIGORSKY.


    Wenn schon der Name JAKOB GIMPEL fällt, dann muß ich auch sofort an seinen Bruder, den wunderbaren Geiger BRONISLAV GIMPEL denken, der leider ähnlich unverständlicherweise ins Oblivion fiel wie andere bewundernswerte Geiger, sei es nun REINHOLD BARCHET (MOZART!!) oder CHRISTIAN FERRAS (BRAHMS!!) , HERMAN KREBBERS (BRUCH!!), SALVATORE ACCARDO, RUGGIERO RICCI, VICTOR TRETJAKOW, (PAGANINI!!), HENRYK SZERYING (KREISLER!!) und viele andere. BRONISLAV GIMPEL war ein absoluter Weltklassegeiger, der ähnlich wie der Pianist ADRIAN AESCHBACHER ein kaum nachvollziehbares Schattendasein fristet. Kaum ein Geiger spelte z. B. das BEETHOVEN-Violinkonzert so hinreißend und zugleich introvertiert wie er. Für meine Einspielung mit den BAMBERGER SYMPHONIKERN unter HEINRICH HOLLREISER lasse ich heute noch jede andere Aufnahme stehen!


    Was ADRIAN AESCHBACHER anbetrifft, so muß man einfach seine Interpretation von SCHUBERT's Moments Musicaux gehört haben! Ich kaufte diese DGG-Aufnahme 1960 zum Preis von 24 DM, und sie enthält eben auch noch die berühmte Wandererfantasie, die in jener Zeit kaum jemand so einzigartig interpretierte - technisch wie auch so wunderbar differenziert - wie er! Übrigens gibt es exakt diese Aufnahme bei Amazon gebraucht in sehr gutem Zustand zu 25 €! Sehr gute Noten bekam AESCHBACHER auch für seine Einspielung von BEETHOVEN's Sturmsonate und SCHUBERT's großer B-Dur Sonate, wie auch SCHUMANN's "Waldszenen".


    Viele Grüße

    wok

    Hallo Willi,


    Mit FRITZ BRUN habe ich mich bisher wenig beschäftigt. Ich wußte auch nicht, daß ADRIAN AESCHBACHER dessen Variationen für Klavier und Streicher aufgenommen hat! Danke für diesen Hinweis.


    Was JACOB LATEINER anbetrifft, so hatten wir über diesen von mir ebenfalls sehr hoch eingeschätzten Pianisten ja schon vor allem 2014 und 2015 einen längeren Meinungsaustausch, und Dein Urteil in Deiner Besprechung vom 02.04.2015 Nr. 50 von dessen Interpretation der Waldsteinsonate war ja nahezu optimal und lautete: "Ich glaube nicht, daß ich die Waldsteinsonate schon mal besser gespielt gehört habe"! Ich schätzte ja auch immer sehr seine Aufnahme von BEETHOVEN's Klaviertrio Op. 1, 1 mt HEIFETZ und PIATIGORSKY.


    Viele Grüße

    wok



    Hallo Nemorino,


    Ich bin wirklich hocherfreut, daß es in diesem Forum noch jemanden gibt, der sich noch an ADRIAN AESCHBACHER erinnert und dessen hohe Spielkunst zu schätzen weiß. Besonders zeichnet ihn die Intensität seines Spiels aus, die er später auch als Lehrer an seine zahlreichen Schüler weiter vermittelte. Vor allem seine BEETHOVEN- und SCHUBERT-Interpretationen setzten damals Maßstäbe, aber auch die Werke SCHUMANNs lagen seinem drängenden, zupackenden Spiel (Toccata! Waldszenen!) In den 50er Jahren war er sehr häufig im Bayerischen Rundfunk zu hören, wenn immer anspruchsvolle Klavierinterpretationen besonders herausgestellt wurden. SCHUBERT's Moments Musicaux habe ich nie mehr so überzeugend gehört. Es müßten deshalb zahlreiche Rundfunk-Tondokumente von ihm existieren. Unverständlich, daß diese nicht für CD-Aufnahmen genutzt werden! AESCHBACHER war einer der ganz wenigen schweizer Pianisten, die international Karriere machten. Seine Konzertreisen führten ihn durch ganz Europa und bis nach Südamerika. Auch in Deutschland wurde seine Konzertauftritte umjubelt, und nicht umsonst holte ihn Furtwängler als Solisten. Neben dem 2. Klavierkonzert von BRAHMS spielte er übrigens mit den BERLINER PHILHARMONIKERN auch das a-moll-Konzert von GRIEG.

    Die SCHUBERT-Klavierquintett-Aufnahme mit dem ausgezeichneten KOECKERT-QUARTETT ist mir bekannt. Den wunderbar bescheidenen Menschen RUDOLF KOECKERT lernte ich 1962 beim WÜRZBURGER MOZARTFEST kennen, als er mit seinem Quartett Werke von MOZART auf der Burg spielte und mit der Haffner-Serenade im Residenzgarten auftrat. Besonders die BEETHOVEN-Interpretationen des KOECKERT-QUARTETTs waren sehr hoch eingeschätzt.


    Gruß

    wok

    Hallo Willi,


    Schön, von Dir zu hören und vielen Dank für Deinen Hinweis! Ich freue mich ganz besonders, daß Du an den Geburtstag des von mir sehr verehrten ADRIAN AESCHBACHER gedacht hast! Auch den Beitrag von nemorino vom 16.10.2018 habe ich sehr begrüßt. Ansonsten ist es nach wie vor kaum zu verstehen, daß dieser großartige Pianist so in Vergessenheit geraten ist. Nemorino hat versucht, dafür eine Erklärung zu finden. Ich kann nur immer wieder empfehlen, insbesondere SCHUBERT's Moments Musicaux und seine Wandererfantasie mt AESCHBACHER anzuhören!


    Viele sonnige Grüße aus Málaga!

    wok


    PS Ich hoffe immer noch, in Zukunft wieder etwas mehr Zeit für Beiträge in unserem Forum zu finden!