Beiträge von Don_Gaiferos

    Ich höre auch, nach wie vor, gerne Schallplatten, und in diesem Zusammenhang freue ich mich schon auf Vinylias youtube-Magazin, ich hoffe, dass Du entsprechend den Link hier einstellst, wenn es so weit ist!


    Ich denke, es ist auch wenig zielführend zu vergleichen, was nun besser ist, beide Medien haben ihre Vorzüge und Nachteile, aber ich kann beides genießen, ohne wenn und aber.


    Zumindest kann ich für mich sagen, dass Schallplatten -selbst wenn sie einer CD klanglich unterlegen sein sollten- immer noch so gut, klangreich und transparent klingen können, dass ich sie immer noch sehr gerne höre.


    Von dem Repertoire, dass anders gar nicht verfügbar ist, wurde ja schon gesprochen. Ich stelle auch bei mir fest, dass ich die Schallplatten weniger und weniger digitalisiere, sondern sie einfach auflege und höre und mich daran freue...

    Das ist natürlich völlig richtig; ich bezog mich auch mehr auf die nachfolgenden Sätze, dass es das Ganze wohl sehr entfernt klingt und dass es da auch Störgeräusche gibt, neben den fehlenden Teilen. Daher ist die Bitrate wohl nur der Versuch, das schlechte Original in möglichst hochauflösender Qualität abzubilden, was natürlich an den Mängeln der ursprünglichen Aufnahme nicht das Mindeste ändern kann.

    Eine Rezension besagt bezüglich der Klanqualität:


    320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 273 MByte (MP3)
    “The bad news is that the sound is a bit distant, there is some static at the top of Act II before Senta’s aria and a good portion of the Act II Senta/Erik duet is missing” (OD note).


    https://wagnerdisco.net/audio/…1966-05-07-cluytens-wien/


    Also wird man wohl in der Tat Abstriche machen müssen, auch hinsichtlich der Vollständigkeit.

    Danke für den Hinweis auf diesen interessanten Sänger, mit dem ich mich auch vermehrt beschäftigen möchte. Laut Wikipedia heißt er übrigens Andreas Schagerl im originalen Wortlaut, warum er das "l" am Ende weggelassen hat, können vielleicht unsere österreichischen Freunde erklärten? Viele Grüße

    Nun, dass man hier Daniel Barenboim zum Zuge kommen lässt, halte ich schon auch künstlerisch für einen Gewinn. Er hat die Symphonien oft dirigiert und eingespielt, wobei die Aufnahme mit der Staatskapelle Berlin für mich eine echte Referenz darstellt.



    Auch die Klavierkonzerte hat er alle aufgeführt, bisweilen sogar vom Flügel aus dirigiert, und das in sehr beeindruckender Weise; eben erst ist seine vierte (!) Gesamteinspielung aller Beethoven-Klaviersonaten erschienen.


    Auch wenn man dort seinen früheren Zyklen bzw. die Gesamteinspielungen anderer bevorzugen kann, zeigt es doch zumindest, dass er sich, ungeachtet seines Alters, nach wie vor höchst aktiv mit Beethovens Schaffen auseinandersetzt, und das schon seit Jahrzehnten, daher finde ich schon, dass es auch künstlerisch ein großer Zugewinn ist, dass er mitwirkt, und dies nicht aufgrund seiner Popularität oder seines Alters ein Nachteil ist,

    Ich halte das Projekt für sehr interessant, nur sollte man es vielleicht nicht zu sehr verkomplizieren; ich würde ganz pragmatisch vorschlagen, einfach zwei youtube Videos zu posten, ein historisches und ein neues, und dann dieses zu kommentieren. Jeder hat da natürlich sein subjektives Empfinden, seinen eigenen Kriterienkatalog, aber sofern man versucht, zu begründen, was einem gefällt oder auch nicht, könnte es durchaus gelingen, über ein einfaches "mag ich" oder "mag ich nicht"-Geschmacksurteil hinauszukommen und eine fruchtbare Diskussion anzustoßen.


    Natürlich kann es dabei nur um ausgewählte Momente einer Rolle gehen, und keineswegs um eine abschließende Bewertung darüber, ob der Sänger auch die ganze Rolle perfekt ausfüllen konnte, ob er sie nur sporadisch oder seine ganze Karriere hindurch gesungen hat, nur auf Schallplatte oder auch live, und mit welchem Erfolg - wenn man alles das zugrunde legen wollte, wäre dies ein Fass ohne Boden.


    Um allerdings pars pro toto einige Charakteristika aufzuzeigen, was die Technik eines Sängers, eine gewisse Gesangstradition, einen zeitlichen Kontext angeht, könnten exemplarische Videobeispiele m. E. schon geeignet sein.

    Lieber Alfred,


    es ist ja noch eine Weile hin, aber ich möchte hiermit nochmals meinen Wunsch vorbringen, auch beim nächsten Jahreswechsel eine Neujahrsansprache von Dir zu hören! Mittlerweile bist Du ja ein echter Video-Profi, so dass Dir das Einstellen keine Mühe machen dürfte, außerdem könntest Du ja neben der persönlichen Tamino-Forum-Jahres-Bilanz auch einige Aufnahmen nennen, die Dich 2020 besonders interessiert (oder auch enttäuscht) haben, könntest den Trailer zur gelben Rose nochmals zeigen bzw. über den Fortgang des Projektes informieren, ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern...


    Also ich fände es sehr schön!

    Für Robert von Bahr (BIS) war es anscheinend ein Herzensanliegen jeden Skizzenfetzen Sibelius aufzunehmen.

    So ähnlich ist das auch bei Jacques Offenbach: ohne Jean-Christophe Keck würden wir Vieles über Les Contes d'Hoffmann nicht wissen, hätten wir nicht die Wiederaufführung und CD-Einspielung bzw Radioübertragung von den Rheinnixen, Fantasio, Trafalgar, Oyayaye, usw. erlebt. Erstaunlich, dass es manchmal tatsächlich nur an einer handvoll Enthusiasten liegt, ob ein Komponist gespielt und auf Tonträger aufgenommen wird oder nicht. Wobei auch Jean-Christophe Keck gerne sehr viel mehr machen würde, aber auch da fehlt oft das Geld, um Orchester, Solisten, Einspielungen zu bezahlen. In seiner Not bringt er sogar seltene Stücke im Eigenverlag auf CD raus, die dann mit einer Orchester-Software eingespielt sind; tatsächlich nur ein Notbehelf.

    Wobei für Seltenes und Entlegenes immer mehr youtube zu einer Schatzkammer wird. Zwar ist dort die Klangqualität selbst bei den besten Aufnahmen gewissen Beschränkungen unterworfen, und man weiß nie, wie lange diese Aufnahmen im Netz bleiben (wobei es mit den heutigen Möglichkeiten kein Problem ist, auch youtube-Videos oder zumindest die Tonspur zu archivieren).


    Honeggers Streichquartette findet man dort ohne Probleme, ich verlinke mal eines - das übrigens sehr schön und für mein Ohr gar nicht sperrig ist:


    Ich habe da auch mal reingehört - hui, also das fand ich manches schon am Kitsch sehr nahe vorbeigeschrammt. Er singt sicher sehr gut, obgleich ich finde, dass er so ein eigenwillig, schnelles, sehr eng geführtes Vibrato bisweilen an den Tag legt, dass fast ein bisschen "meckernd" klingt - aber auch ich will schließlich nicht meckern, er singt das insgesamt schon edel und exquisit, allerdings mit den Mantovani-Streicherorgien im Hintergrund, das fand ich dann irgendwie etwas viel Sahne mit Doppelrahmstufe; weniger ist da manchmal doch mehr.

    Verstehe ich das richtig, dass Aufnahmen bei Vocal Classics NUR über die Homepage zu beziehen sind? Also bei Amazon und JPC findet man CDs des Labels nämlich gar nicht.

    Lieber Gregor,


    meines Wissens nach ist dem so, wobei ich bisher noch nie Probleme bei Vocal Classics (bzw. dem Hamburger Archiv für Gesang) hatte, die CDs wurden immer schnell und zuverlässig geliefert.


    Ansonsten freue ich mich sehr über Deinen Fund, das ist sicherlich eine sehr hörenswerte Aufnahme, selbst wenn sie nicht identisch ist mit Deinem Opernbesuch.

    Otello50 hat ja schon viele Stationen in seinem Eröffnungsbeitrag genannt; hier nochmals aus Frederic Kalts Feder einige Stationen seiner Karriere (meine Übersetzung):


    (...)Karlsruhe war mein erster Vertrag. Er lief über zwei Jahre. Ich sang den Zigeunerbaron, Ariadne auf Naxos, und Turandot. Ich habe auch noch in einer anderen Operette gesungen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an den Titel erinnern. Drei Tenöre sind krank geworden, deshalb habe ich die Rolle in zehn Tagen einstudieren müssen, und habe infolgedessen diese traumatische Erfahrung vergessen 😂. Ich habe an der Scala gesungen; Manon Lescaut. Zurich, Otello and Turandot. Berlin; Ariadne auf Naxos und Otello. Wien; Turandot Tosca, and Trovatore. (...)Bregenz Seefestspiele; Francesca da Rimini (davon gibt es eine Aufnahme), Antwerpen; Turandot (Ich glaube, auch davon gibt es eine Aufnahme), Madame Butterfly, (ebenfalls aufgenommen). (...) Ich begann meine Karriere als freischaffender Opernsänger 1987 nachdem ich The Metropolitan Opera National Counsel auditions gewonnen habe. Danach begann ich meine Karriere in Eugene, Oregon mit Tosca. Danach an der New York City Opera; Faust. Shreveport; Carmen, Minneapolis Opera; Carmen, Puerto Rico; Carmen, Helsinki; Carmen, Carnegie Hall; Verdi Requiem, Tel Aviv; Verdi Requiem(...)"

    Frederic war so nett, mir wieder zu antworten; er hat mich auch ermutigt, ihm weitere Fragen zu stellen, wenn ich möchte, da er sich trotz allen Bedauerns und aller Trauer sehr freut und geehrt fühlt, dass wir an ihm und seinem Gesang soviel Interesse zeigen. Wenn Ihr also Fragen an ihn habt, werde ich sie herzlich gerne weiterleiten.


    Ich hatte ihn gefragt, ob er deutsche Wurzeln hat (was angesichts seines Nachnamens ja nahe liegt), und ob er positive Erinnerungen an Deutschland und Europa hat.


    Er sagte mir, dass seine Großeltern aus Deutschland kamen, seine Großmutter aus Kaiserslautern und sein Großvater aus Stuttgart. Weitere familiäre Wurzeln gibt es in Wales.


    An Europa und Deutschland hat er viele sehr positive Erinnerungen, sein erstes festes Engagement war in Karlsruhe für zwei Jahre. Er lebte zu der Zeit in Linkenheim. Er schrieb auch, dass ihm vor allem das Reisen und die Begegnung mit den Menschen fehlt, das hat ihm viel bedeutet.


    Völlig von den Socken war ich ja, als er mit erzählt hat, dass er hier in meiner Nähe auch schon gesungen hat - nämlich in Saarbrücken in Turandot! Er meint, dass es da evtl. einen Mitschnitt seitens des Theaters geben könnte, auf jeden Fall aber Fotos, da werde ich auf jeden Fall mal nachforschen.


    So viel für heute,

    Liebe Forums- und Musikfreunde,


    nach langem Hin- und Her hatte ich mich entschieden, Frederic Kalt zu schreiben; ich dachte, dass er vielleicht ja auch froh wäre, zu sehen, dass es noch Jahre später Menschen gibt, die seinen Gesang schätzen, und dass er ganz und gar nicht vergessen ist, zumal er ja schlimmstenfalls meine Nachricht auch ignorieren könnte.


    Jedenfalls hat er mir überaus freundlich und warmherzig mit einer langen Mail geantwortet. Er bat mich, Euch alle herzlich zu grüßen und Euch über ihn upzudaten, was ich hiermit sehr gerne tue. Es geht ihm so weit wieder recht gut; er ist mittlerweile 64 Jahre alt und lebt in Alaska. Er ist geschieden, lebt aber in einer neuen Beziehung. Er hat sechs Kinder und freut sich im Oktober auf den achtzehnten Enkel.


    Er hat eine wahre Odyssee an Erkrankungen hinter sich, mehrfache Chemotherapien wegen Krebs, drei Herzinfarkte (MS hat er allerdings nicht, sagt er, weil das wohl auch irgendwo berichtet wurde). Die ganzen Behandlungen und Bestrahlungen haben ihn zwar gesundheitlich sehr mitgenommen, jedoch ist er mittlerweile wieder besser dran und stabiler. Er hat jahrelang kämpfen müssen, allerdings geht es ihm jetzt wieder ganz gut.


    Er hat mir geschrieben, dass er tatsächlich das Singen und den Gesang schmerzlich vermisst und er auch heute noch gerne wieder auf der Bühne stehen würde, obwohl das aus gesundheitlichen Gründen unmöglich ist. Jedenfalls hat er sich wohl über meine Zeilen gefreut und den Wunsch geäußert, weiterhin in Kontakt zu bleiben (was ich als eine Ehre ansehe und auch sehr gerne tun werde, zumal er wirklich ein sehr freundlicher Mensch ist).


    Soviel für den Moment,



    liebe Grüße

    Boris

    Eine der schönsten Tenorstimmen, die ich kenne, gehört Peter Seiffert. Nicht nur, dass der pure Goldklang voller Schmelz ist, auch technisch ist das phantastisch, was er macht, auch das Gespür bei seiner Phrasierung, die nie effektheischend oder oberflächlich ist, die Diktion...ach, das ist alles rundum toll! Wer nur den Wagner-Sänger kennt, sollte auch einmal die Operetten mit Peter Seiffert hören; ein Fest:


    Ich gehöre auch zu denjenigen, die Rudolf Schock sehr mögen. Keine Frage: er hat viele Aufnahmen gemacht, die sehr angreifbar sind, er hat auch Vieles gesungen, das man vielleicht aus heutiger Sicht als nicht mehr als zeitgemäß ansieht.

    Dass er in späteren Lebensjahren noch gesungen hat, und damit in keiner Weise an seine früheren Leistungen heranreichen konnte: völlig richtig. Allerdings - solange es noch Leute gab -und nicht wenige, sondern Tausende!, die das noch hören wollten - warum hätte der Mann denn nicht singen sollen? Ich sehe auch keinen Grund, warum nicht auch noch ältere Sänger in den Grenzen ihrer verbliebenen Möglichkeiten noch singen sollen.

    Natürlich sollte man nicht zu Repertoire greifen, das man nicht mehr achtbar bewältigen kann; wenn es jedoch um Schnulzen und Operetten im Blauen Bock geht; nun ja, warum nicht; wem es gefällt; meines war und wäre es jetzt auch nicht; aber offensichtlich hatte er auch dafür ein Publikum, und sogar ein recht zahlreiches.

    Ansonsten gibt es ja für den anspruchsvolleren Musikfreund schon tolle Aufnahmen, die Rudolf Schocks können zeigen; im Übrigen möchte ich Stimmenliebhaber vollkommen zustimmen, dass sein "mezza di voce" etwas ganz anderes ist als eine körperlose "Fistelstimme", sondern eine eigene Gesangstechnik, die er nicht erst als alternder Sänger eingesetzt hat, um nicht vorhandenen Spitzentöne zu kaschieren, sondern vorher schon kultiviert hat.

    Wie gesagt, er hat viele Aufnahmen gemacht hat, bei denen er sich angreifbar macht; bisweilen presst und stemmt er, klingt es kehlig, etc., weil die Stimme und die Technik nicht auf der Höhe sind, und er das nicht mit seiner Inbrunst, seinem Temperament und seinem Timbre wettmachen kann - das kann ich nicht von der Hand weisen.

    Aber! Wenn er diese Stimme aufblühen lässt, dann entfaltet sich ein einzigartiges, goldenes Leuchten auf samtenem Fundament, ein seltener Schmelz, ein Temperament, das ihn schon abhebt von so vielen anderen.

    Für mich hat er einen reichen Fundus an hervorragenden Aufnahmen hinterlassen, m.E. auch nach 1960 noch.

    Viele seiner starken Aufnahmen wurden schon genannt: ich mag ihn auch sehr in Tiefland, im Freischütz, als Paganini, in vielen Operetten.

    Ich möchte gerne eine kleine Rarität hier einstellen, die mich sehr in Herz und Gemüt ergreift:


    Rudolf Schock und Anna Moffo, "you are love":



    So, Zeit mal wieder in diesem Feuerwerk eine weitere Rakete zu zünden; diese seltene Operette von Fred Raymond verschönt mir die Nachtstunden:



    Das ist hemmungslos verträumt und charmant, auch jazzig-schmissig, eine schwungvolle, grandiose Musik, dargeboten von Anneliese Rothenberger, Kurt Wehofschitz und anderen, durchweg sehr guten Künstlern. Das amüsiert, das vergnügt, das hebt die Laune!

    Hier findet sich Bruno Walters Einspielung der Jupiter-Symphonie, die nicht nur majestätisch auftrumpft, sondern auch überaus feinsinnig und leuchtend schön gespielt wird:



    Hier auch nochmals ein Link zur bereits zuvor erwähnten 77-CD Kollektion:


    Lieber Rüdiger,


    Ich habe - neugierig geworden - mal hineingehört und stelle fest, dass diese Produktion nur ganz wenig zu tun hat mit Schubert und seinem Dichter Müller.

    Ich denke, das ist auch das Hauptproblem, und auch der Grund, warum Helmut daran Anstoß nimmt. An für sich ist das ja interessant, die Aussagen der Obdachlosen zu sammeln und mit Musik zu kombinieren, zumal hier auch wirklich hochkarätige Sprecher gewonnen werden konnten. Ich habe jedoch meine Zweifel, inwiefern jetzt ausgerechnet Schuberts Liedzyklus zur Untermalung geeignet ist; da hätte ich eher an entsprechende Blues oder Jazz-Musik gedacht. Zudem hätte ich es besser gefunden, wenn dafür eine eigene Musik komponiert hätte, anstatt das Ganze jetzt Schubert aufzupropfen und diesen Kunstlied-Zyklus als Vehikel zu nutzen, zumal ich denke, dass Schubert und Müller nicht einfach auf die Situation der heutigen Obdachlosen übertragbar ist.

    Kunst sublimiert. Das ist einerseits immer wieder sehr faszinierend, andererseits steckt auch eine Portion Verlogenheit drin. Der Bürger macht es sich auf dem teuren Ledersofa am CD-Player bei einem Glas guten Weines sehr gemütlich und lauscht betroffen, wie der gemeine Obdachlose seinem Schicksal noch ein bisschen Kunst abringen kann, um danach unter der Brücke zu liegen, während sich der Konsument in sein weiches Bett begibt.

    Das finde ich nicht unbedingt verlogen; man kann ja nicht davon ausgehen, dass der Zuhörer in derselben Situation sein muss wie diejenigen, die durch das Wort oder die Musik dargestellt werden, nur damit es authentisch oder weniger verlogen ist. Und wenn sich tatsächlich so etwas wie Betroffenheit oder gar Nachdenklichkeit einstellt, dann hat doch die Kunst ein ganz wichtiges Ziel erreicht und etwas bewirkt. Dafür muss der Zuhörer nicht neben seinem Bett auf dem kalten Fussboden schlafen; aber vielleicht spendet er etwas, kauft beim nächsten Mal eine Obdachlosen-Zeitung oder geht zumindest nicht mehr unfreundlich und achtlos an heimatlosen Menschen vorbei.


    liebe Grüße


    Diese sehr schöne CD dürfte Tamino-Kollegen und Gitarrenfreund m-mueller sehr gefallen; Norbert Kraft spielt sehr frisch und lebendig die größten Klassiker des spanischen Repertoires, zum Naxos-Preis in quellklarer Klangqualität; da macht man nichts falsch. Sehr zu empfehlen zum Ausklang dieses Sommers; ach was, was rede ich da - so eine tolle CD kann man auch das ganze Jahr hören!

    Lieber Alfred,


    MacDowell ist mir durch diese CD aus dem Hause Naxos bekannt; das Label hat erfreulich viel von ihm aufgelegt:



    Die Klavierkonzerte werden hier sehr gut interpretiert, sie sind ebenso spannungsreich wie verträumt, und das Orchester sowie der Klavierpart werden von der Tontechnik brillant und nuancenreich eingefangen. Zudem findet sich hier noch die Weltersteinspielung des "Hexentanzes".

    Insgesamt eine echte Entdeckung; sehr schöne Musik, die ich als sehr hörenswert empfinde und dank Deines Threads wieder aufgelegt habe.

    Ich habe mir auch einmal die Beispiele angehört, die hier dankenswerterweise verlinkt worden sind; eine wirklich tolle Stimme, die nicht nur metallisch-strahlkräftig ist, sondern auch ein für mich sehr einnehmendes, schönes, kristallin-diamantes Timbre mit einem Hauch Goldstaub hat. Gerade diese "squillo"-Tenöre klingen ja manchmal unangenehm kalt und schneidend, das finde ich hier nicht, im Gegenteil.

    Ich habe auch einmal nachgeforscht, warum er so einfach verschwunden ist; dazu hat unter einem Youtube-Video seine Schwiegertochter vor vier Jahren kommentiert.

    Er hat wohl unter einer Stimmbandlähmung gelitten, die dann auch operiert wurde; danach konnte er nicht mehr ganz an seine früheren Leistungen anknüpfen. Später dann ist er an Krebs erkrankt, hat diese Krankheit aber, Gott sei Dank, besiegt; danach hat er dann dem Gesang den Rücken gekehrt - und ist Krankenpfleger geworden.

    Auf Facebook findet man auch das Profil des "Fred Kalt" aus Utah, das ihn fröhlich, wenn natürlich auch gealtert zeigt. Sein Profil berichtet von seiner Ausbildung als Krankenpfleger, erwähnt jedoch nicht im Mindesten den Gesang.

    Vielleicht sollte ich ihn mal anschreiben? Womöglich würde er sich freuen.

    Jedenfalls schön, dass es ihm gut zu gehen scheint, und seine Stimme ist eine sehr schöne Entdeckung für mich.

    Lieber Alfred,


    vielen Dank, dass Du den Pianisten hier vorstellst; es sind doch immerhin einige Platten mit ihm gemacht worden; umso unverständlicher, dass davon nichts auf CD erschienen ist. Bei discogs findet sich immerhin dieses:


    https://www.discogs.com/de/art…2-Alexander-Jenner?page=1


    Es wäre auch interessant zu erfahren, ob es vielleicht Radioaufzeichnungen mit ihm gibt; es wäre sehr schade, wenn man da nicht mehr fände. Die youtube-Aufnahme gefällt mir trotz des Rauschens sehr.


    Interssant auch hier:


    http://www.soundfountain.org/rem/remjenner.html#TOP



    liebe Grüße

    Ich kann nur dazu raten, nach Aufnahmen zu greifen, in denen van Dam seine hoch individuelle Gesangskunst entfalten kann.

    Da bin ich ganz deiner Meinung, lieber Rüdiger, und pflichte auch Stimmenliebhaber und Joseph bei, die ihn ebenfalls mit großen Vorbehalten bei Wagner sehen. Wie kostbar und exquisit singt er hingegen Lieder wie dieses hier von Henri Duparc:



    Hier zeigt er all seine Stärken, ein samtenes Timbre, eine nuancenreiche Durchdringung des Textes, differenzierte Phrasierung und feinste Dosierung der Lautstärke. Das ist sehr anrührend, wunderschön, fließend gesungen, äußerst sensibel auch vom Pianisten Maciel Pikulski begleitet. Hier ist seine Stimme viril und kernig, aber auch weich und lyrisch, das ist wirklich grandios, edel und kostbar; eine sehr beeindruckende, glanzvolle Live - Aufnahme.


    Auch auf CD findet sich Vieles, was den Liedsänger José van Dam eindrucksvoll dokumentiert:


    Ich mag José van Dam zwar auch gerne, wie zB bei Massenet, den Don Quichotte, den Mme Cortese erwähnt hat, allerdings hat er mir auch als Holländer unter Karajan überhaupt nicht gefallen, da klang er für mich strapaziert und spröde, da fehlte ihm die Durchschlagskraft und auch die Dramatik für mein Ohr.

    Lieber Herbert,


    nochmals ganz herzlichen Dank für die Links bzw. die mp3-Dateien! Das sind natürlich absolute Preziosen, und das strahlende Timbre kommt in den ausgewählten Arien ganz wunderbar zum Tragen. Und vielleicht noch als Tip für Nemorino: mit einem Rechtsklick deiner Maus auf Herberts Links öffnet sich ein Menü, in dem du auf "Speichern unter als" klickst (jetzt mit der linken Taste), dann hast du in wenigen Minuten die Dateien auf dem Computer und kannst sie dir ganz einfach auf CD brennen und über die Anlage hören; so habe ich mir aus den Dateien eine wunderschöne Recital-CD gebrannt, die ich mit großem Genuss höre.

    Ansonsten blutet einem natürlich das Herz als Opernfreund, lieber Herbert, wenn du sagst, dass da keiner so Recht weiß, was man damit machen soll; also ich würde für die Aufnahmen auch ohne Probleme Geld bezahlen (bei House of Opera ist das natürlich so eine Sache; wenn du es da nicht hingegeben hast, wirst du ja ungerechterweise auch keine Tantiemen dafür bekommen, nehme ich an.)

    Deswegen, wenn es da einen anderen Weg gäbe, die Aufnahmen zu beziehen, so dass du etwas davon hast, z.B. als kostenpflichtigen Download, wäre ich dabei (das würde auch das Brennen auf CD und den Versand derselben ersparen).

    Jedenfalls freue ich mich auch sehr über Deine Geschichten aus der Welt der Oper und des Gesanges.

    Wo hättest du denn gerne mal im Ausland gesungen? Gibt es da Häuser, die dich ganz besonders gereizt hätten?

    Wie siehst du übrigens die musikalische Entwicklung in Bayreuth? (jetzt mal abgesehen von den Inszenierungen) also rein von der vokalen Seite - wurde früher anders/ besser gesungen? was meinst Du?


    Danke und liebe Grüße


    Boris


    P.S. Ich habe mich auch für die forenübliche "du"-Anrede entschieden; bitte nicht als mangelnden Respekt verstehen, ganz im Gegenteil; wenn gewünscht, kehre ich natürlich jederzeit zu "Sie", "Majestät" oder "Durchlaucht" zurück... ^^