Beiträge von Don_Gaiferos

    Ich denke, bei den meisten Rekonstruktionen muss man sich von dem Gedanken freimachen, dass man das Werk genauso fertigstellen kann wie der Urheber. Man sollte eher die Chance sehen, das Ganze in eine aufführungsreife Form zu bringen, damit es überhaupt gegeben werden kann, ohne dass es allzu offensichtliche Brüche gibt. Bei Offenbachs "Les Contes d'Hoffmann" ist das ja recht gut gelungen, die Oper hat sich gehalten - andere Rekonstruktionen weniger...

    Lieber Nemorino,


    danke für deine ergänzenden Angaben, ein paar CDs mit Siegfried Borries verzeichnet auch jpc, so kann man ihn auf dieser Kompilation als Solist in Busonis Violinkonzert hören:


    Hier weiche ich -was eher selten vorkommt- von Alfreds Einschätzung ab; ich finde die Symphonie großartig, gerade der furiose, energische Kopfsatz ist sehr gelungen, da spüre ich schon fast ein wenig Beethoven in dieser Energie und diesem geschmeidigen, raubtierartigen Ducken, um dann weit nach vorne zu schnellen. Das empfand ich auch nicht als schroff, barsch, oder ruppig, im Gegenteil, hier finde ich Schönheit und zupackende Entschlossenheit in sehr ausgewogener Balance.


    Ich hätte übrigens, selbst im Adagio, keineswegs irgendeine Empfindung der Trauer; Nachdenklichkeit, Innerlichkeit, Wehmut womöglich - aber keineswegs Trauer. Ich habe hier wieder einmal Adam Fischer gelauscht, dessen Einspielung mit dem österreichisch-ungarischen Haydnorchester meistens den ersten Bezugspunkt für mich darstellt.


    Nunja, ganz so drastisch ist es ja jetzt auch nicht. Ich bin sicher auch kein Freund davon, die Opern in einer Weise umzudeuten, dass man das Libretto nur noch als lose Vorlage sieht, die man dann quasi völlig entkernt, wie ein historisches Gebäude, bei dem man nur noch die Fassade stehenlässt, aber alles andere innendrin neu gestaltet. Ich verstehe sicherlich, dass dies eine Herangehensweise ist, die der konsequenten Weiterentwicklung inszenatorischen Schaffens Rechnung tragen will, mein Fall ist es jedoch nicht. Dennoch finde ich es gut und richtig, dass es solcherlei Dinge gibt, selbst wenn sie mir nicht gefallen - solange es nicht NUR solche freien Deutungen gibt, die sich sehr stark von der Textvorlage lösen.


    Nach wie vor finden sich immer wieder auch Inszenierungen, die sich enger an das Libretto halten, und versuchen, möglichst nah am verfassten Text zu bleiben; das liegt mir persönlich mehr.


    Dass der Regisseur selbstverständlich das Libretto sehr genau kennt, steht für mich außer Frage; dass er auch, wie die meisten Regisseure, über eine langjährige Ausbildung und Erfahrung verfügt, ist mit Sicherheit der Fall, und die Inszenierung ist mit Sicherheit sehr bewusst und überlegt gestaltet worden; all die Entscheidungen, vom Libretto abzuweichen, sind nicht aus Ignoranz vorgenommen worden, sondern einem Konzept, einer Zielsetzung folgend. Diese Professionalität möchte ich auch keinem Regisseur absprechen, selbst wenn ich seine Herangehensweise und seine Arbeiten nicht mag.


    In Bayreuth ist es nun so, dass man in den letzten Jahren vermehrt darauf setzt, mit avantgardistischen Inszenierungen zu punkten, die darauf ausgelegt sind, das Libretto möglichst gegen den Strich zu bürsten. Da dies für mich zumeist wenig zufriedenstellend ist, mithin sogar störend, wenn nicht gar sogar verstörend wirkt, ist für mich die Konsequenz, dass ich mich vor allem auf die Radioübertragung konzentriere; die Vorstellungen, die ich im Opernhaus, im Kino oder im Fernsehen anschauen möchte, klopfe ich im Vorfeld darauf ab, ob sie eher "frei nach" oder doch eher eng am Libretto bleiben; da werde ich auch immer noch fündig - von daher ist für mich alles gut, solange diese Vielfalt gewahrt bleibt.


    Dass daher die Oper jetzt allgemein dem Untergang geweiht ist und ermordet wurde, sehe ich nicht. Es sind ganz klar sehr schwierige Zeiten - aber die Oper hat da schon ganz anderes überlebt, und sie wird sich auch in Zukunft weiterentwickeln.


    Ich hoffe, ich bin nicht zu weit abgewichen, schließlich geht es ja hier nicht um Grundsatzdiskussionen über RT oder nicht RT - aber immerhin, dieser Holländer war für mich auch schon rein musikalisch sehr interessant und bewahrenswert, auch ohne die Inszenierung.

    Ich möchte kurz einwerfen, dass ich dieses Zwiegespräch zwischen Holger und Bachianer sehr spannend finde, mich dafür bedanke, auch, dass trotz der ein- oder anderen Schärfe keine unschöne verbale Streitigkeit aufgekommen ist, wie so manches Mal hier im Forum, sondern dass immer wieder höchst kenntnisreich und interessant diskutiert worden ist. Chapeau, meine Herren! CPE Bach hat in Bachianer einen grandiosen Fürsprecher, danke auch für den CD-Hinweis, dem ich gerne nachgehen werde.


    Aber genug des Zwischenrufes, mir steht es auch gar nicht zu, hier in irgendeiner Form zu werten, aber dennoch wollte ich zumindest Rückmeldung geben, dass ihr in Eurem Dialog nicht alleine seid, sondern ich sehr interessiert mitlese.

    Eine sehr häufig auf Schallplatte oder im Fernsehen zu erlebende Stimme in den 60er und 70er Jahren - die wunderbare Ingeborg Hallstein, die nicht nur "ein bisschen Talent", sondern für die Operette ein sehr großes Talent hatte. Viel Spaß beim Lauschen! Die Operette soll leben, vivat!



    "Ein bisschen Talent muss man haben" aus der Operette "Adrienne" von Walter-Wilhelm Goetze

    Ich habe jetzt auch den Radiomitschnitt gehört, so dass ich über die Inszenierung nichts sagen kann. Aufgrund der Berichterstattung gehe ich auch davon aus, dass ich es bei der musikalischen Seite belassen werde, da es mir nicht gefällt, wenn man das Libretto nur als Steinbruch nutzt, aus dem man lediglich einige Stichworte und Ideen entnimmt, um darüber eine ganz andere Geschichte zu stülpen, wie es hier der Fall zu sein scheint.


    Also, zur Musik:

    Zur musikalischen Seite: Die Textverständlichkeit gerade der Damen hat m. E. noch Potential nach oben.

    Da muss ich Joseph beipflichten, wobei ich das aber bei John Lundgren sogar noch störender fand als bei den Damen. Gerade einige Umlaute und eigenwillige Diphtongierungen bei manchen Vokalen fand ich eher unschön. Ungeachtet dessen fand ich seine Leistung aber schon sehr ansprechend, vor allem wenn er denn tatsächlich krankheitsbedingt indisponiert war (ein paar Mal hat man beim Ansatz schon gehört, wie die Stimme wegzurutschen drohte, bzw. dass er in der Höhe nicht ganz frei war). Allerdings hat er ein tolles Timbre, riesiges Material, verfügt über ein überzeugende Phrasierung. Schwierigkeiten im piano wurden durch Forcieren überspielt, dürfte aber der oben erwähnten Indisposition geschuldet sein.


    Georg Zeppenfeld war ein hervorragender Daland, technisch souverän, interpretatorisch ebenso, eine rundum tolle Darbietung ohne Abstriche.


    Eric Cutler als Erik: superb! Sehr schöne Stimme mit großer Strahlkraft, der jedoch facettenreich zu singen weiß und seiner Rolle große Eindringlichkeit verlieh.


    Asmik Grigorian sang ebenfalls eine Senta, die aufhorchen ließ, die Darstellung hat mir insgesamt sehr gut gefallen, bei der Textverständlichkeit sehe ich, ähnlich wie Joseph, noch Raum zu weiterer Verbesserung, wobei es natürlich in den hohen Lagen, in denen sie da zu singen hat, gerade zum Schluss hin, äußerst schwierig ist, den Text zu transportieren. Dennoch, eine prachtvolle Stimme und eine berührende Rollengestaltung.


    Das Dirigat hat mich auch sehr überzeugt; ich würde es zwar auch nicht als sensationell bezeichnen, aber ohne Zweifel als sehr gelungen, die Wahl der Tempi, die Akzente im Orchester, die Beleuchtung verschiedener Klangfarben, alles das fand ich durchaus gelungen und schön, ein sehr guter Einstand von Oksana Lyniv, da darf man auf weitere Dirigate von ihr gespannt sein.


    Den Chor ohne direkte Bühnenpräsenz über Lautsprecher einzubinden, ist natürlich sehr heikel und schwierig, dafür habe ich Verständnis, das trübt das positive Gesamtbild nicht. Insgesamt für mich eine aus unterschiedlichen Gründen sehr hörenswerte Aufnahme, trotz teilweiser Abstriche.

    Leider sind die Links von Don_Gaiferos etwas um ihren Inhalt beraubt, so dass eine Bewertung hier erst einmal ausfällt.

    Lieber astewes,


    danke für den (betrüblichen) Hinweis, wobei zumindest die wunderschöne Einspielung mit Markus Schirmer (der übrigens auch hier im Forum registriert ist) noch erhältlich ist - zu einem absolut spottbilligen Tiefstpreis zu 2,99 - von meiner Seite aus, eine dringende Kaufempfehlung!



    Die LINKS wurden von mir vor ertwa einer Stunde im Rahmen der andauernden Threadrestaurierung wieder hergestellt

    was ich aber NICHT beeinflussen kann, ist, wenn Aufnahmen gestrichen wurden.

    MOD OO! Alfred

    Da schließe ich mich gerne an und gelange somit auch zu dieser frühen Symphonie Haydns; interessant finde ich hier, dass nichts "Höfisches", Festliches oder Pompöses für mich zu bemerken ist, sondern eher die -im positiven Sinne- Unbedarftheit, der Überschwang, die Munterkeit eines jugendlichen Geistes.


    Der 3. Satz -Alfred findet ihn etwas lahm, das habe ich so nicht wahrgenommen- bildet einen etwas ernsteren, zurückhaltenden Gemütszug ab, aber selbst hier findet sich eine sehr lebenbejahende, aufstrebende Komponente, immer wieder pulsiert es in den tiefen Streichern, bewegt sich die Melodie sachte, aber unbeirrbar aufwärts.


    Manches mag einem insgesamt noch eher glatt-gefällig erscheinen, weniger charakteristisch und originell als die späteren Kompositionen (was ja auch nur in der Natur der Sache liegt), jedenfalls ist hier schon vieles an Schönem zu bestaunen, ein hohes Maß an Charme und Liebreiz.


    Statt der sonstigen Aufnahme unter Fischer -die ich später auch noch zu Rate ziehen werde-, habe ich heute eine Einspielung unter Christopher Hogwood ausgewählt, nachzuhören auch hier:


    Ich kann die Einschätzung, die in den Vorbeiträgen zitiert worden ist, dass es sich nämlich bei dieser Symphonie um ein Werk des Übergangs handelt, welches die Pforte zu einer neuen Dimension aufstößt (sinngemäß), gut nachvollziehen. Bei mir ist wieder die Einspielung unter Leitung von Adam Fischer erklungen (Brilliant Classics).


    Der erste Satz nimmt die Zuhörerschaft mit seinem tiefernsten, abgrundtraurigen Charakter direkt gefangen, und man spürt tatsächlich, dass hier nichts Dekoratives, höfisch-Elegantes oder gewollt Sentimentales erklingt, sondern eine sehr anrührende, sehr empfindsame und tief empfundene Musik. Hier habe ich zumindest sehr deutlich den Eindruck gehabt, dass sich eine bisher ungehörte Komponente in der Symphonik Haydns Bahn bricht, die umso klarer und schärfer zutage tritt, als dass die restlichen Sätze tatsächlich weitaus schlichter und weniger gefühlstief sind als der erste Satz mit seinen Untiefen (wobei ich nicht sagen möchte, dass sie "abfallen" oder dergleichen).


    Jedenfalls wird man ziemlich jäh aus dieser wehmütigen, stillen Trauer gerissen, und der zweite Satz bildet einen sehr lebhaften Kontrast mit seinem federnden, elastischen Auftrumpfen. In der Tat bleibt er allerdings etwas blass angesichts des Empfindungsreichtums und der erschütternden Ausdrucksmacht des Adagios; noch mehr ist das bei dem tatsächlich recht einfach gestrickten, schablonenhaften Menuett der Fall.


    Der letzte Satz vertreibt dann die letzten Wolken und löst alles in Wohlgefallen auf - allerdings nur zeitweilig, weil einem nach dem Verklingen der Symphonie wieder dieser erste Satz unweigerlich ins Gedächtnis kommt, fast wie eine sepia-farbene, mysteriöse Daguerreotypie mit einem berückenden Antlitz, die man auf dem Speicher seines Hauses in einem Winkel versteckt gefunden hat, und die man fortan an einem goldenen Medaillon um den Hals trägt, das man immer wieder öffnet, um dieses faszinierende Konterfei einer längst erloschenen Person, die einen in den Bann schlägt, immer wieder neugierig zu bestaunen...

    Lieber Joseph,


    danke für den Hinweis auf den Download - das ist für mich durchaus interessant! Auch Alfreds Einwände kann ich durchaus nachvollziehen, wobei man jedoch nicht abschätzen kann, inwiefern die youtube Beispiele tatsächlich die Klangqualität der Kaufversion abbilden. Da ich aber ohnehin schon weitaus Ärgeres gehört habe, was die Klangqualität betrifft, und zur Not sogar Enrico und Nellie Melba mit Genuss lauschen kann, schreckt mich das jetzt nicht ernsthaft ab, zumal ich den Artikel im Grammophone Magazin recht interessant fand. Auch die sonstigen englischsprachigen Rezensionen, die ich gelesen habe, sind mehr als positiv und sprechen von einem hervorragenden Transfer der LPs.

    Ich habe auf die Schnelle nicht gesehen, ob es jemand schon erwähnt hat; es gibt noch eine Gesamtaufnahme, die auf LP-Transfers aus den 1960er Jahren basiert und durchaus sehr gut sein soll; ich kann aber dazu nichts sagen, noch nichts davon gehört. Ist sehr teuer; bei Ebay findet es sich aber billiger.


    Es spielt das Wiener Kammerorchester unter Ernst Märzendorfer.

    Lieber Nemorino,


    wie schön, dass Du an diese beiden herausragenden Künstler erinnerst; in der Tat haben beide auf ihrem jeweiligen Gebiet Großartiges geleistet und wunderschöne Aufnahmen für die Nachwelt hinterlassen können.


    Hier findet man ein Beispiel der künstlerischen Zusammenarbeit, die Du angesprochen hast:



    Hier wird im Übrigen wieder deutlich, dass es auch von Max Reger wunderschöne Musik gibt, die so gar nicht sperrig oder schwer zugängig ist (wie manch andere Komposition von ihm):


    Auch diesen exquisit gesungenen und gespielten Mozart findet man noch:



    Sehr interessant auch die "Da-Capo" Sendung mit Irmgard Seefried, die man hier sehen kann:


    Ich möchte mich begnügen,, fesrtzuhalten, daß diese kurze Sinfonie ( je nach Interpretation zwischen 16 und 17 Minuten) sehr effektvoll und eingängig ist.

    Alfreds Einschätzung kann ich mich nur anschließen, ich würde sogar noch viel weiter gehen! Insbesondere der erste Satz ist eine einzige Köstlichkeit, zumindest so wie Adam Fischer ihn 2001 mit dem österreichisch-ungarischen Haydn Orchester aufgenommen hat. Da ist ein solcher Jubel, eine solche mitreißende tänzerische Freude in der Musik, ohne dass sie gleichzeitig auch ihren feierlichen Charakter einbüßt, dass es einen nur schwerlich auf dem Sitz hält.


    Die Bläser strahlen hell auf, die Pauken setzen scharfe, knackige Akzente, die Streicher absolvieren ihre munteren Läufe mit Bravour, und man kann über diese tänzerische, überschäumende Musik nur staunen.


    Auch die anderen Sätze fallen nicht ab, und warten mit zahlreichen schönen Einfällen auf. Insgesamt eine wundervolle Symphonie, die genauso hörenswert ist wie die populäre Vorgängerin mit dem Hornsignal.

    Ich habe heute auch diese Symphonie wieder erschallen lassen, und auch die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie lässt hier keine Wünsche offen, weder interpretatorisch noch klanglich, die Hörner schmettern, und auch der Rest des Orchesters unter Leitung von Adam Fischer zeichnet sich durch hohe Spielfreude und Dynamik aus, wobei niemals Eleganz und Ausgewogenheit verloren gehen. Dass die Aufnahmen im Haydnsaal in Schloss Esterhazy in Eisenstadt realisiert wurden, wo Haydn jahrelang als Kapellmeister tätig war, ist dabei nur ein weiteres Sahnehäubchen.



    Derzeit ist diese Box nochmals preislich reduziert; im Moment bekommt man 30 Cds für 29,99Euro, und ich kann diese Sammlung nur sehr empfehlen.


    Ich lausche gerade dem 1. Klavierkonzert, und kann auch nur staunen, dass diese Musik so wenig präsent ist; sie scheint mir auch durchaus eigenständig zu sein, anmutig, nachdenklich, geschmeidig fließend, rhythmisch straff, lieblich, aufbrausend...viele Stimmungen und Schattierungen werden hier zum Klingen gebracht. Das Orchester begleitet teilweise mit pizzicati die einprägsamen, ariosen Melodien des Klaviers. Vieles kommt einem natürlich schon vertraut vor, und dennoch auch wieder neu. Eine echte Bereicherung und Entdeckung - über eine Nxos-Serie o.ä. würde ich mich auch freuen, um diesen Komponisten wieder mehr ins Blickfeld zu rücken.


    (Originalbeitrag vom 5. August 2016)

    Am ehesten noch sind die bulgarischen Sänger mit ihrer großen Tradition präsent - bei den Pianisten ist das dagegen kaum der Fall.

    Lieber Holger,


    das deckt sich mit meiner Wahrnehmung. Die großen Sängerinnen und Sänger kennt man nach wie vor, man findet auch ohne Weiteres Aufnahmen, auch auf CD, und Sonya Yoncheva ist nicht nur den Klassikliebhabern in Bulgarien durchaus ein Begriff.


    Auch in der sehr reichen Volksmusik Bulgariens spielt der Gesang eine große Rolle; vielleicht, dass man sich deswegen auch in der Wahrnehmung eher auf die Sänger als auf Komponisten, Dirigenten, Instrumentalisten konzentriert.


    Und dass die breite Masse auch eher "Chalga" und ähnliche Pop-Musikstile hört, ist natürlich auch nicht von der Hand zu weisen.


    Ansonsten bleibt zumindest der Trost, dass viele Schallplatten mit Youri Boukoff auf youtube zu hören sind, hier ein Beispiel:


    Auch dieses wunderschöne Panis Angelicus ist erst vor wenigen Stunden hochgeladen worden; ein sehr berührendes Denkmal für den Sänger Ruggiero Orofino. Ruhe er in Frieden, und mögen uns und alle Musikfreunde seine Aufnahmen noch lange begleiten:


    In diese hochinteressante Thematik möchte ich auch gerne einsteigen. Daher habe ich, da ich eh am Computer war, einmal nach interessanten Aufnahmen Ausschau gehalten.


    Bei op. 33 Nr. 1 stieß ich auf diese interpretatorisch sehr interessante Einspielung des Tesla-Quartets (ein junges, aufstrebendes Quartett, das 2008 an der Juilliard School gegründet wurde), das für mich keinerlei Wünsche offenlässt. Kleine Wackler dieser Live-Aufnahme schmälern für mich den superben Gesamteindruck dieses hochkarätigen Ensembles in keiner Weise, im Gegenteil, die Frische, Natürlichkeit und Dynamik dieser Live-Aufnahme sind überbordend. Auch Ton- und Bildtechnik sind vorzüglich.


    Hier wird mit großem, vollem und rundem Ton musiziert, die Schönheit, große Emphase, aber auch die Verspieltheit und tänzerische Elegance, die Verschmitztheit und die Beherztheit der großartigen Komposition werden vortrefflich eingefangen.


    In jedem Fall finde ich hier nichts Sprödes oder Akademisches, sondern eine sehr sinnliche, noble und empfindungsreiche Musik, die sehr hörenswert ist; in dieser Einspielung allemal.


    Lieber Moderato,


    bitte entschuldige das Versäumnis, die Angaben liefere ich sehr gerne nach; es handelt sich bei der Brilliant Classics - Box um die berühmte Einspielung mit dem österreichisch-ungarischen Haydn Orchester unter Adam Fischer.


    Die LP - Einspielung, fällt mir gerade auf, war tatsächlich nicht dieselbe wie die CD; hier dirigierte Antal Dorati die Philharmonia Hungarica.

    Sollte es denn möglich sein - eine der schönsten, witzigsten, originellsten Symphonien Haydns, und der zugehörige Thread liegt seit Jahren brach und erschöpft sich nach nur 9 Beiträgen?


    Hier gilt es, Einhalt zu gebieten! Diese Symphonie erklingt bei mir derzeit in dieser Aufnahme:



    Derzeit sogar auf Vinyl, obwohl mir die oben gezeigte Aufnahme auf CD ebenfalls vorliegt.

    Der erste Satz wird hier wunderbar dramatisch, energisch, beinahe schroff gespielt; allerdings werden auch die lyrischen, sanglichen Momente prachtvoll und behutsam entfaltet.


    Das Beiheft weist zurecht darauf hin, dass diese Symphonie eigentlich "sehr ernst und anspruchsvoll" ist, trotz des heiteren, vergnüglichen Einfalls, die Musiker nach und nach verschwinden zu lassen (den Hintergrund zu dieser Idee kann man weiter oben nachlesen).


    Jedenfalls scheint mir diese Symphonie unbedingt hörenswert zu sein, sie ist nicht nur Ausdruck einer albernen Laune, einer Spielerei, sondern kennt auch aufbrausende, dramatische Momente, enthält nachdenkliche sowie verträumte Elemente, ist mitunter beseelt von tänzerischer Grazie und leichter Anmut, gibt sich heiter und aufgeräumt, bevor wieder sehnsuchtszarte Schleier aufziehen, die im nächsten Moment wieder von kraftvollen Ideen abgelöst werden, bis am Schluss nur noch zwei Violinen zu hören sind, die leise den Abgesang ertönen lassen...


    Jedenfalls würde es mich sehr interessieren, ob sich die anderen Tamino-Freunde bereits von der Abschieds-Symphonie verabschiedet haben, oder sie dieses Werk immer noch gerne auflegen/ einlegen/ streamen oder auf andere Weise erklingen lassen.

    Ich möchte auch noch auf diese wunderschöne Live-Videoaufnahme vom Delfter Festival verweisen, die ein Hörgenuss ersten Ranges ist, und auch beim Betrachten der Musiker, der Zuhörer und des ganzen Rahmens sehr viel Freude bereitet.


    Es spielen: Liza Ferschtman, Alina Ibragimova, Amihai Grosz, Jakob Koranyi, Gijs Kramers


    Laut Themenverzeichnis und flüchtiger Recherche habe ich im Taminoforum noch keinen Thread für Norbert Orth gefunden - das muss geändert werden!


    Der Tenor wurde 1939 in Dortmund geboren; seinen ursprünglichen Plan, Industriekaufmann zu werden, gab er zugunsten der Opernkarriere auf. 1966 gab er sein Debut in "Cosi fan tutte", und in Mozartrollen war er auch häufig zu erleben. Beim Werbepartner tue ich mir etwas schwer, Aufnahmen zu finden; stellvertretend möchte ich zumindest diese DVD einstellen:



    Einen weiteren Bereich, den er meisterhaft beherrschte, war die Operette, davon mag dieses Video Zeugnis ablegen:



    Hier zeigt sich seine mühelos strahlende Stimme voller Schmelz, die Eleganz seiner Phrasierung, die Klarheit seiner Diktion, seine temperamentvolle Gestaltung.


    Aber nicht nur lyrischen Glanz konnte er aufscheinen lassen, auch im jugendlich-heldischen Fach reüssierte er als u.a. als Lohengrin und Tannhäuser.


    Hier ein Beispiel aus den Meistersingern:



    Die Stimme klingt sonor und tragfähig, verfügt auch noch über den Schmelz und die sichere Tongebung, wenngleich auch -naturgemäß- die Eleganz und Leichtigkeit hier weniger zum Tragen kommt. Dennoch singt er prachtvoll, ohne zu Forcieren, textverständlich, mit gelungener Phrasierung. Für mich ein sehr einnehmendes Klangbeispiel seines Könnens.


    Leider habe ich ihn nicht selbst auf der Bühne erlebt und besitze auch (noch) nicht viele Tonträger mit ihm, von daher freue ich mich auf die Berichte und Empfehlung der anderen Musikfreunde.

    Auf seinem youtube-Kanal macht "Klaus-Richard St" immer wieder seltene und exquisite Aufnahmen zugänglich. Und in dieses bunte Feuerwerk passt auch der herrlich singende Tenor Norbert Orth, der hier aus Fred Raymonds selten zu hörender Operette "geliebte Manuela" die Arie "Lass die Frau, die Du liebst, nie allein". Das ist mit solchem Temperament, Verve und Grandezza gesungen, dass es eine wahre Freude ist: