LACHNER, Franz: CATHARINA CORNARO, KÖNIGIN VON ZYPERN

  • Franz Lachner ( 1803 – 1890 )

    Catharina Cornaro, Königin von Zypern


    Große tragische Oper mit Ballett in vier Akten

    Libretto: Alois Joseph Büssel nach Henri de Saint Georges

    Originalsprache:Deutsch


    Uraufführung: München 1841


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Jakob von Lusignan, König von Zypern, Tenor

    Andrea Cornaro, Adliger von Venedig, Bariton

    Catharina Cornaro, seine Nichte, Sopran

    Marco Venero, Adliger von Venedig,Tenor

    Onofrio, Mitglied des Rates der Zehn, Bass

    Spiridio, Bandit, Bass

    Angelo, Bandit, Bass

    Edelleute, Offiziere, Soldaten, Diener, Pagen, Gondolieri, Volk


    Ort und Zeit der Handlung: Venedig und Cypern, 1475 - 1477


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    Im Palast des Andrea Cornaro in Venedig

    Catharina, Frauen, Pagen und Diener preisen den heutigen Freudentag, an dem Catharina ihren Verlobten Marco heiraten soll.

    Marco kommt und nach der freudigen Begrüßung erzählt er, dass er um Mitternacht überfallen wurde und ihn ein Fremder, den er nur kurz gesehen, aber nicht erkannt hat, vor den Meuchelmördern gerettet habe.

    Andrea tritt auf. Auch er freut sich auf die Hochzeit seiner Nichte. Dann schickt er die beiden, alles zu ordnen, denn bald werden die Gäste eintreffen. In einer Arie erinnert er sich an sein Jugendglück.

    Ein Diener meldet einen Fremden, der Andrea sprechen will. Onofrio tritt ein. Er bringt die Botschaft, dass die Republik befehle, das Band zwischen Catharina und Marco zu lösen und sie dem König von Zypern zur Frau zu geben. Dieser befindet sich in Venedig und hat um Hilfe gebeten. Außerdem habe er sich in Catharina verliebt. Die Republik hofft, durch ein Bündnis mit dem König Einfluss auf Zypern zu gewinnen. Andrea ist verzweifelt und will sein Versprechen nicht lösen, doch Onofrio lässt ihm nur eine Wahl: entweder die Verlobung zu lösen oder den Tod. Beide gehen ab.

    Die Gäste und schließlich der Notar mit Gefolge treffen ein. Marco unterschreibt sofort den Heiratsvertrag. Als aber Catharina die Feder nimmt, kommt Andrea und gebietet unter dem Zwang von Onofrio Einhalt. Alle sind entsetzt. Catharina beteuert, dass nur der Tod sie trennen könne. Marco wirft Andrea Verrat vor. Die Gäste erkennen, wer hinter dem Verrat steckt, sind aber dem Staat gegenüber machtlos. Andrea drückt seine Verzweiflung aus. Nur Onofrio freut sich, dass der Plan gelungen ist. Schließlich äußert Marco seine Rachegedanken und Andrea verweist ihn des Hauses. Catharina stürzt verzweifelt in die Arme ihrer Hofdamen.


    ZWEITER AKT

    In Catharinas Betzimmer.

    Draußen hört man die Gondolieri singen

    Catharina beklagt in einer Arie ihr Schicksal. Da findet sie in der Bibel ein Schreiben, in dem Marco ankündigt, dass er sich um Mitternacht von einer Gondel in ihr Zimmer schwingen werde und freut sich auf sein Kommen.

    Andrea tritt ein. Er klärt sie auf, dass er dem Staat gehorchen müsse, der verlangt, dass sie den König von Zypern heiratet. Auf diese Würde möchte sie jedoch gerne verzichten. Da verkündet er ihr, dass sie nur durch Verzicht auf Marco dessen Leben retten könne. Catharina ist verzweifelt.

    Nachdem er gegangen ist, hört man draußen die Stimme Marcos. Aber Banditen sind eingedrungen und verstecken sich hinter einem Vorhang. Sie machen Catharina drohend klar, dass sie Marco töten werden, wenn sie ihm nicht erklärt, dass sie ihn nicht mehr liebe.

    Marco schwingt sich ins Zimmer und will Catharina umarmen und mit ihr fliehen. In diesem Augenblick zeigt sich einer der Banditen kurz hinter dem Vorhang. In einem langen Duett überwindet sie sich nun, ihm zu sagen, dass sie ihn nicht mehr liebe. Marco ist verbittert, schwört Rache an Lusignan und stürzt davon. Catharina bricht zusammen. Die Banditen kommen hinter dem Vorhang hervor und schwingen ihre Schwerter.


    DRITTER AKT

    1. Bild: Ein Gemach im Hause Cornaros

    Catharina ist als Braut geschmückt. Der Chor der Damen bemerkt ihre Wehmut.

    Andrea kommt hinzu. Er bedankt sich bei ihr, dass die Klugheit gesiegt hat. Sie will sich in ihr Schicksal fügen, ist aber ihn erster Linie auf das Wohl Marcos bedacht. Andrea versichert ihr, dass der Staat dafür stehe, dass Marco nichts geschieht.

    Ein Page des Königs kündigt dessen Ankunft an und Andrea mahnt Catharina, ihn würdevoll zu empfangen.

    Der König kommt mit Gefolge und fällt ihr zu Füßen. Sie bleibt zunächst kalt und er bittet um ihre Entscheidung. In einer Arie tut er seine Liebe kund. Andrea mahnt sie noch einmal, dem König Liebe und Treue zu geloben und so bezwingt sie sich schließlich und reicht ihm die Hand. Der Chor jubelt und der König freut sich über sein Glück. Dann tritt Onofrio mit dem Rat der Zehn ein, um die Brautleute abzuholen. Ein Page bringt die Krone, die der König Catharina aufsetzt, und alle entfernen sich.


    2. Bild: Der Marcusplatz in Venedig

    Marco kommt. Er hat geschworen, den König zu töten. Nach ihm treten die Banditen Spiridio und Angelo, die er gedungen hat, auf. In einem Terzett feilschen sie um das Vorgehen und die Bezahlung. Marco selbst will den tödlichen Stoß führen, und anschließend sollen die Banditen ihn erstechen, um ihn dem Gericht zu entziehen. Als man von ferne Festmusik hört, ziehen sie sich zurück.

    Nun folgt ein großer Festzug mit Würdenträgern Venedigs und Zyperns. Nachdem alle in die Kirche eingezogen sind, singt das Volk zu dem Gesang, den man aus der Kirche hört, einen Jubelchor und die Gondolieri führen Tänze auf.

    Als das Königspaar aus der Kirche kommt, drängt sich Marco mit einem Dolch in der Hand durch die Menge. Im letzten Moment erkennt er, dass der König derjenige ist, der ihn vor den Meuchelmördern gerettet hat. Er wirft den Dolch weg und verschwindet in der Menge. Catharina sinkt ohnmächtig in die Arme des Königs, der ebenfalls den Mann erkannt hat, den er rettete. Das Volk ist entsetzt und auch die beiden Banditen können unerkannt verschwinden.


    VIERTER AKT

    1.Bild: Das Kabinett des Königs in Zypern, zwei Jahre später

    Der König ist krank und vorzeitig gealtert. Er liegt auf einem Ruhebett und schläft. Catharina schickt den anwesenden Arzt fort. Sie will selbst beim König wachen. In einer Arie erinnert sie sich der Vorgänge vor zwei Jahren. Sie hat dem König treue Freundschaft gehalten, aber der Schmerz in ihr ist geblieben. Der König erwacht und eröffnet ihr nun, das er den Grund ihres Schmerzes erfahren habe. Auch er leide darunter, dass sie mit ihm zwangsverheiratet wurde, obwohl sie ihm ein treuer Engel gewesen sei. Sie möge ihm verzeihen.

    Ein Offizier meldet einen Malteserritter aus Rhodos, der um Gehör bitte. Der König fühlt sich nicht in der Lage dazu und bittet Catharina, den Ritter zu empfangen. Sie geleitet den König in sein Schlafgemach und bittet dann den Offizier, den Ritter vorzulassen.

    Es ist Marco. Catharina erschrickt. Doch Marco hat inzwischen erfahren, dass Catharina zur Ehe mit dem König gezwungen wurde und bittet um Verzeihung. In beiden erwacht zwar die alte Liebe. Doch Catharina erinnert Marco an ihre Pflicht und Marco erklärt, dass auch er jetzt durch sein Gelübde gebunden sei. Er komme nur, um dem König eine Dankespflicht für seine Rettung zu erfüllen. Dann klärt er sie auf, dass des Königs Leben bedroht sei.

    In diesem Augenblick tritt Onofrio mit dem Ausruf „Zu spät“ ein. Wir erfahren von ihm, dass man dem König langsam wirkendes Gift verabreicht habe, um Zypern an Venedig zu binden und den Thron für Onofrio selbst freizumachen. Als Catharina droht, die Tat zu enthüllen, bedroht er sie seinerseits damit, er werde öffentlich machen, dass sie einen Liebhaber habe. Von diesem sei der König vergiftet worden. Wer wolle sie nun retten?

    Der König, der schon während der Szene eingetreten ist, ruft: „Ich“. In einem Quartett verfluchen der König, Catharina und Marco den Frevler, während Onofrio immer noch meint, er könne das Reich nach dem Tod des Königs für sich beanspruchen.

    Onofrio bekennt nun, dass die Flotte Venedigs schon zur Eroberung bereitstehe und nur auf ein Zeichen von ihm warte. Marco will sich mit gezücktem Schwert auf Onofrio werfen. Doch der König gebietet Einhalt, er ruft Wachen herbei und lässt Onofrio festnehmen, während dieser immer noch an den Sieg Venedigs glaubt. Marco stellt sich auf die Seite des Königs, während man von draußen Kriegslärm hört.


    2. Bild: Im Hafen von Nikosia

    Die königlichen Truppen haben gesiegt. Das Volk jubelt dem König und Marco zu.

    Doch des Königs letzte Stunde hat geschlagen. Sterbend übergibt er das Regiment an die Königin und das Volk wirft sich vor ihr nieder. Mit einem Hymnus auf den toten König endet die Oper.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

    Einmal editiert, zuletzt von Gerhard Wischniewski ()

  • Anmerkungen:

    Die einzelnen Teile der Handlung sind mit der Oper „La Reine de Chypre“ von Halévy vergleichbar, deren Text von Henri de Saint Georges durch Joseph Büssel übersetzt wurde. In dem deutschen Libretto teilt Büssel die Oper in vier Akte ein. Von denen drei in Venedig spielen. Einige Namen sind geändert: So wird aus dem französischen Ritter Gérard de Coucy der venezianische Adlige Marco Venero und aus dem Senator Mocénigo der Senator Onofrio. Der Überfall auf Marco findet bereits im ersten Akt vor der geplanten Hochzeit mit Catharina statt, ohne dass man erfährt, wer der Anstifter ist. Der König Zyperns befindet sich in Venedig und auch die Hochzeit sowie das versuchte Attentat Marcos finden dort statt. Die Hochzeitsfeier im dritten Akt hat Lachner um einen Triumphmarsch und ein Ballett der Gondolieri ergänzt.

    Der vierte Akt jedoch entspricht fast vollständig dem fünften Akt von Halévy.

    Die Oper war lange vergessen. Erst 2012 wurde sie in München konzertant wiederaufgeführt. Hiervon gibt es eine Aufzeichnung auf CD

    in die man bei jpc auch hineinhören kann.

    Auf youtube habe ich lediglich die Ouvertüre gefunden.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)