Dr. Pingel´s Miniaturen

  • 56. Lechts und Rinks


    Kann man leicht verwechseln, vor allem, wenn man ein kleines Kind ist. Wenn man heute die Fahrradwelt sieht, staunt man, was es da alles gibt. Wir waren schlechter dran: selber strampeln, schwere Räder (die sonst tollen Hollandräder); dann der Stolz der Männer, sich beim Auf- und Absteigen elegant auf den Sattel zu wuchten, aber auch die Qual, selber den Schlauch zu flicken oder der ständige Ärger mit dem Rücklicht, das dauernd defekt war.

    Eine Sache war besser. Man konnte auf dem Männerquerständer einen Kindersitz deponieren, dazu ein Kind, nicht angeschnallt und ohne Helm. Aber das Kind hatte eine tolle Aussicht. Heute sitzen sie hinter mehr oder weniger wuchtigen Mamas und Papas und können den Rausch der Geschwindigkeit nicht ermessen und sehen können sie auch nichts.

    Da war die Kleine von meinen Freunden mit mir besser dran. Bei den vielen Radausflügen mit ihr feuerte sie mich ständig an, schneller zu fahren. Einen Nebeneffekt gab es, der dem Kind ganz früh eingab, was rechts und links ist. Rechts: Bremse, links: Klingel. Das funktionierte auch ohne Fahrrad! Im Zweifelsfall fragte man einfach: Bremse oder Klingel?

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 57. Das Wandern ist des Lehrers Last


    1. In der Oberstufe: Lehrer und Eltern vermuten immer zu viel Luxus. In den 50ern haben wir in Klasse 13 eine Reise nach Frankreich (Bus mit Fahrer und Kochfrau, dazu Zelte) bis hinunter zu Cote d´Azur gemacht, was bei uns große Freude und bei anderen große Skepsis hinterließ. Heute gibt es weite Reisen, bei denen man manchmal meint, dass sie von der Alkoholindustrie gesponsort werden. Dabei gilt: "Früher konnten die Mädchen kochen wie ihre Mütter, heute können sie saufen wie ihre Väter." Es gibt aber auch andere Fahrten. Die Abschlussfahrt meines und meines Kollegen bei den SOWI-Leistungskursen ging nach Berlin. ICE hin und zurück, Besichtigung des Bundestages, Besuch des ehemaligen KZs Oranienburg, ein schönes Jugendhotel. Alle waren 18, wir also von der Aufsichtspflicht befreit. Hinterher stellte sich heraus, dass alle alkoholmäßig sehr diszipliniert waren und dass alle von Berlin mehr gesehen hatten als ihre beiden Lehrer.


    2. Mittelstufe: Sie kannten kein Gesetz.

    In der Mittelstufe fällt das alles weg. 24 Stunden Lärm, also auch nachts, Verweigerung von Aktivitäten, Alkohol, nächtliche Besuche in diversen Zimmern und...

    Die erste Mittelstufenfahrt war auch meine letzte.


    58. Das Wandern ist des Lehrers Lust


    In der Unterstufe (Klasse 6) kann eine Wanderfahrt viel Spaß bereiten, vorausgesetzt, man ist aktiv, was auch für die Lehrer gilt. Fußball und Schwimmen treibt man gemeinsam, auch wenn der Lehrer der schlechteste Schwimmer ist; nur für Fußball galt das nicht, wobei Fußball für das Renommé bei den Jungs unverzichtbar ist.

    Wesselburen (Dithmarschen, Geburtsort von Friedrich Hebbel; im Museum war ich natürlich allein). Ein Pferdehof mit Reitunterricht für alle, bis hin zum Galopp. Auch hier war der Lehrer der schlechteste Reiter. Dazu dann mit Katzen und Hunden schmusende Jungs (!!), Wattwanderung, abendliches Vorlesen im Heu. Anfahrt mit der Bahn.


    Bei einem Aufenthalt in Süddeutschland (Franken) gab es auch eine Busfahrt durch das Maintal. Mittagspause sollte in Amorbach sein. Als der Bus die Höhe erklommen hatte und nach Amorbach noch 5 km zu absolvieren waren, hielt ich den Bus an und machte Freiwilligen ein Angebot: Wandern nach Amorbach nach Wanderkarte (1: 25.000 mit Wanderwegen); dabei ein wenig Einübung in das Lesen von Wanderkarten und Vergleich von Karte und Gebiet. Dazu ging der Weg an einem Bach lang, sodass auch Wasserfreuden zu erwarten waren. Grundsätzlich galten auch hier die Regeln, die die Kinder aber von mir schon kannten: keine Zerstörung etwa von Ameisenhaufen, auch Käfer waren tabu (nur Mücken waren erlaubt). Verboten war auch das Abreißen von Ästen (es lagen genug herum) und Pflanzen und das Pflücken von Blumen.

    In Amorbach gab es viel zu erzählen...

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 59. Löwen und Löwenpädagogik (heißt es jetzt 'Löw*innenpädagogik'?)


    Ein Löwenwitz. Mann 1: "Did you know that lions have 22 time sex in a day?" Mann 2: "Damn, I just joined Rotary!"

    Löwenpädagogik (dass die stimmt, weiß ich aus langen Praxisjahren): Schüler lernen und existieren wie Löwen: 22 Stunden dösen und 2 Stunden in Panik.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 60. Bartoks Blaubart gegen Schönbergs Erwartung: Endstand 2:0


    Vor zwei Jahren gab es in der Essener Philharmonie einen konzertanten Opern-Doppelabend. Zuerst "Herzog Blaubarts Burg" von Bartok, dann Pause, dann Schönberg. Schon vor der Pause war mir klar, dass ich nach dem Blaubart keinen Schönberg hören kann. Draußen standen ein paar Orchestermusiker und rauchten. Ich fragte sie scheinheilig, wer denn für die Reihenfolge im Programm zuständig sei. Sie lachten sehr und meinten: der Intendant. Konzerte werden in Essen zwei Mal gespielt, also ging ich auch am nächsten Tag in die Philharmonie und nur zu Bartok. Diesmal saß ich rechts vorne im Rang, direkt über Blech und Pauke, damit ich auch die 5. Tür mal hautnah erleben konnte. Und die Essener ließen sich nicht lumpen.

    Ansonsten war es wie immer: Orchester grandios, Sopran gut (Deirdre Angenent, eine ganz junge Sängerin), ein Bariton war auch da, ich habe den Namen vergessen.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 61. Der Kölner Dom, gebaut aus Streichhölzern


    Vor vielen Jahren, als in Duisburg die alte Mercatorhalle noch stand, gab es einen kleinen Saal, in dem Filme gezeigt wurden und Kabarettisten ihren Auftritt hatten. Unvergesslich (außer dem Namen des betreffenden Kabarettisten) wird mir diese Szene bleiben.

    Der Kabarettist kündigt an, jetzt von hinter der Bühne den Nachbau des Kölner Doms hereinzubringen, an dem er ein Jahr geklebt hatte und der aus Tausenden von Streichhölzern bestand. Er verschwindet. Plötzlich ein lauter Schrei hinter der Bühne. Er kommt zurück mit einem Riesenhaufen loser Streichhölzer. Wir haben uns abgerollt...

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 62. Bügelspiele - hochaktuell


    Jedes Jahr im Oktober finden in der Sportschule Duisburg-Wedau im dortigen Leistungszentrum (8 Rasenplätze, Hallen, Unterkünfte) Wettbewerbe für einen Pokal für verschiedene Jugendgruppen (Fußball, also U 15, U 19, weiblich und männlich getrennt) statt, der Länderpokal. Diese Länder sind nicht die Bundesländer, sondern die ehemaligen "Gaue", also Westfalen, Niederrhein, Rheinland, Baden, Württemberg usw. Als eine zusätzliche Mannschaft nimmt dann eine Nationalmannschaft der U-Mannschaften teil. Oft ist es sehr spannend, interessant, wenn man die künftigen Nationalspieler erahnt. Aber oft geschieht auch - nichts.

    Beim Spiel Niederrhein-Westfalen (Mädchen U 17) vor einigen Jahren fragte ich die Trainerin aus Westfalen in der Halbzeitpause: "Ich muss sagen, Technik und Athletik der Mädchen sind sehr gut. Aber in der ganzen ersten Halbzeit gab es nicht nur kein Tor, sondern nicht mal eine einzige Torchance!" Sie meinte sinngemäß, dass der moderne Fußball eben nichts für Zuschauer wäre.

    Aus diesem Schluss hatte sich mir vor langen Jahren diese Konsequenz ergeben: Ich bügle vor dem Fernseher und habe meinen Blick auf das Hemd gerichtet. Wenn der Reporter die Stimme hebt, hebe ich den Kopf. Heute mache ich das genauso, nur nicht mit Bügeln, sondern mit Sortieren von Papieren. Bei der laufenden EM waren die meisten Spiele Bügelspiele, von den 4 deutschen waren es drei. D.h, dass in 80 Minuten außer einem Geschiebe im Mittelfeld nichts passiert. Der Grund ist übrigens nicht der, dass die Spieler so schlecht sind, sondern dass sie so gut und athletisch sind, ein klassischer Fall für Kontraproduktivität (Scheitern an der Perfektion). Dadurch ergeben sich unglaubliche Methoden der Abwehr (etwa wie Hummels dem englischen Stürmer direkt vor dem Einschuss noch den Ball abgejagt hat) und die Fähigkeit, 90 oder 120 Minuten viele Sprints hinzulegen.

    Vergleicht man nun die Eintrittspreise mit den Show-Effekten auf dem Platz, so wird klar, dass das Preis-Leistungsverhältnis miserabel ist. Wenn man dann die Kosten für Transport und Verpflegung hinzurechnet.....


    Wenn man bedenkt, wie viele Zuschauer auch durch ganz Deutschland reisen (Düsseldorf: "Wir sind die Fans von Fortuna, wir reisen viel und verlieren jedes Spiel"), so muss es sich bei Fußball um die zentrale Religion unserer Gesellschaft handeln.

    Als Alternative gibt es die von mir schon öfter geschilderte Alternative. Was sind die drei großen B des Fußballs? Bezirksliga, Bier und Bratwurst! So mache ich es und habe als Gast meist einen kleinen Jungen (10) mit, der dort selbst spielt und der eine eigene Bratwurst beansprucht, die er bekommt, aber nicht das Bier, das er auch nicht beansprucht.

    Alles in allem: es wundert nicht, dass englische Fans ein Fußballwochenende in Deutschland buchen (3 Spiele aller Klassen).

    Nachwort

    Jeder, der mal für eine längere Zeit seinen Fernseher abgeschafft hat (ich gehöre dazu), stellt erstaunt nach ein paar Wochen fest, dass sein Interesse am Profi-Fußball komplett erlischt. Die Folgerung: das Fernsehen bezahlt Unsummen an die Vereine, aber umgekehrt wäre es gerechter.


    Nachwort 2: Überall beklagen sich Medien und Sportsfreunde über die Leute, Fernsehmoderatoren und Moderatorinnnen, ehemalige Stars, die Fußball kommentieren oder moderieren und als Fachleute verkauft werden. Als weiteren Müll zählt dann wohl auch die Werbung.

    Da hilft nur die Wohlfühltaste ("mute").

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 63. Ich bremse auch bei ROT!


    Diese "Ich bremse-Schilder" gab es früher auch schon. Da waren die Objekte Tiere oder Männer, wobei manchmal mitschwang, dass da kein Unterschied sei. Aber die neue Straßenkultur heute ist anders. Der unbekannte Blinker, Verstopfen der Kreuzung bei Grün, Missachtung der Radfahrer, Parken in 2. Reihe, riskantes Linksabbiegen, Missachtung des Zebrastreifens, Aufreißen der Tür, wenn ein Radfahrer kommt ("Dooring"), Drängeln, vor allem aber "ROT IST DAS NEUE GELB!"

    Daher prangt jetzt bei mir am Heck ein selbstgemachtes Schild: ICH BREMSE AUCH BEI ROT.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 64. Familienkonstellation


    In der Zeitung gibt es ein Interview mit einer Familientherapeutin. Sie sagt sinngemäß zwei wichtige Dinge. 1. Wenn ein Ehemann und eine Ehefrau gefragt werden, wen sie aus der Familie (mit 3 Kindern) retten würden (nur eine Person), sagt der Mann regelmäßig: "Meine Frau", die Frau sagt: "Ein Kind", gemeint ist meist das jüngste (man ist ja schon froh, wenn sie nicht sagt "den Hund":pfeif:).

    2. Auch wenn beide arbeiten, ist die Frau die Managerin der Familie.

    Im Traum am Abend nach der Lektüre erscheint ein kleines, hier schon zitiertes Mädchen (7); ich frage es: "Wer ist die wichtigste Person in eurer Familie?" Sie sagt sofort: "Mama!" Am nächsten Tag treffe ich sie real und frage, wer die wichtigste Person in ihrer Familie ist. "Ich!"

    Da wird mein Unterbewusstes noch einiges lernen müssen!

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 65. Pufferküsser


    Ich habe noch nie jemanden gesehen, der Puffer küsst. Es ist der Spitzname von Eisenbahnfreaks. Besser bekannt ist die englische Bezeichnung "Trainspotter". Es gibt drei Sorten: 1. den ästhetischen Tr., der am Bild der Eisenbahn interessiert ist und alles auch fotografiert, also Loks, Züge, Wagen, Gleise usw. Seine Lieblingsloks sind i.d.R. die 101 (Dampflok) und die 103 (E-Lok). Er sieht sich auch gerne Führerstandsmitfahrten als Film an (reelle Fahrten auf der Lok sind verboten; ich habe vor 2 Jahrzehnten dennoch zwei mitgemacht, einen nachts auf einer Güterlok). 2.den Techniker, der alles über Eisenbahnen weiß, also Maße, Signale, Fahrpläne usw. Das ist der eigentliche Pufferküsser. 3. der Modellbahner, der eine eigene Anlage hat (beliebt HO Märklin) und alles selbst macht. Horst Seehofer ist so einer. Es gibt auch jede Menge Kombinationen.

    Typ 1 (zu dem ich gehöre): Er ist der Fotograf, wobei es bestimmte Regeln zu beachten gilt. Öffentlich zugängliche Dinge (Züge, Gleise, Bahnhöfe, Bahnsteige) darf man ohne weiteres fotografieren. Nicht fotografieren darf man Lokführer oder Bahnreisende, die man anhand eines Bildes erkennen könnte (Recht am eigenen Bild). Natürlich auch nicht nichtöffentliche Teile, die nur für Bahnmitarbeiter zugänglich sind. Alles habe ich bisher beachtet. Ein Interview mit einem Lokführer hat mir einen neuen wichtigen Verhaltenstipp gegeben.

    Der Lokführer empfiehlt, für das Foto oder den Film das Ende des Bahnsteiges aufzusuchen. Besonders empfiehlt er, eine gelbe Warnweste zu tragen. Der Grund: ein Lokführer kann bei seinem Tempo nicht sehen, ob er einen Fotografen oder - einen Selbstmörder vor sich hat.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • Olympia hat mit Sport nichts zu tun


    Was sehen wir? Fairness, Respektierung des Gegners statt ihn als Feind zu betrachten, Freudentränen, mannschaftlicher Zusammenhalt, wenige Tattoos, Ritterlichkeit, Freude, auch wenn man nicht gewonnen hat, anstandslose Befolgung der Schiedsrichterentscheidungen, Bezug auf das Heimatland...

    Wer will denn sowas sehen, wenn wir doch den Profifußball haben: Der Gegner als Feind, brutale Fouls, Schiedsrichter als Hassobjekt, Schinden von Freistößen, abstoßende Ganzkörpertattoos, Arroganz, dicke Autos, Hohn und Spott (Spieler, Trainer, Fans, besser Hooligans genannt), marodierende Fans, fehlerhafte Video-Entscheidungen... schwindelerregende Gagen und Ablösesummen...

    Jetzt versteht man auch, warum die Bundesligavereine so gut wie keine Spieler für die Olympiade abgestellt haben; das ist Kindergarten...

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 67. Verhandeln


    Vater zur Fünfjährigen: "Ich zähle bis 3, dann gehst du mit hoch!"

    Mädchen (5): "Ich geh bei 5!"

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 68. Richard "Banksy" Wagner


    (Zwei Randnotizen aus der Biographie Wagners von Hans Gal)


    1. Als er (Wagner) in Bayreuth den Ring zur Aufführung brachte, war ihm der Maschinist so wichtig wie der Dirigent und er scheute weder Mühe noch Kosten, das Beste zu bekommen, was an Ausstattung zu haben war, nicht immer mit dem gewünschten Erfolg. Ein Teil des aus London bestellten Drachens für Siegfried, der stückweise befördert wurde, ging aus Versehen nach Beirut statt nach Bayreuth...


    2. (Er wünscht sich 10 000 Taler)

    "Könnte ich je über eine solche Summe verfügen, so würde ich Folgendes veranstalten: hier, wo ich nun gerade bin und wo manches gar nicht übel ist, würde ich auf einer schönen Wiese bei der Stadt von Brett und Balken ein rohes Theater nach meinen Plänen herstellen und lediglich bloß mit der Ausstattung an Dekorationen und Maschinen versehen lassen, die zur Aufführung des Siegfried nötig sind. Dann würde ich mir die geeignetsten Sänger, die irgendwie vorhanden wären, auswählen und auf sechs Wochen nach Zürich einladen; den Chor würde ich mir größtenteils hier aus Freiwilligen zu bilden suchen (hier sind herrliche Stimmen und kräftige, gesunde Menschen). So würde ich mir auch das Orchester zusammenladen. Von Neujahr gingen die Ausschreibungen und Einladungen an alle Freunde des musikalischen Dramas durch alle Zeitungen Deutschlands mit der Aufforderung zum Besuch des beabsichtigten dramatischen Musikfestes... Ist alles in gehöriger Ordnung, so lasse ich drei Aufführungen stattfinden: nach der dritten wird das Theater eingerissen und meine Partitur verbrannt..."

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 69. Free Hugs


    Im Fernsehen lief eine erschütternde Reportage über NineEleven, und zwar aus der "Froschperspektive". Es handelte sich um private Aufnahmen von vielen Augenzeugen, die das Geschehen auf ihren Handys dokumentierten. Hier bekam man einmal mit, wie der Einsturz der Gebäude auf die Passanten gewirkt hatte. Aber auch unmittelbare Hilfe und Fürsorge war zu sehen. Auf einem Eimer stand ein hochgewachsener Mann mit einem Pappschild "Free Hugs" (kostenlose Umarmungen).

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 70. "Wer will alles Eis?" "Ich will alles Eis!"

    Ich sitze im italienischen Eissalon, umgeben von Buch (Falladas kleine Geschichten), Zigarre, Kaffee und Eisbecher. Eine 5köpfige Familie erscheint, Mutter und vier Töchter (wie die Orgelpfeifen), alle mit Rädern oder Skatern. Natürlich ist sofort der Bär los, aber es handelt sich durchweg um charmante Kinder. In kürzester Zeit sind die Kinder alle mit diversen Eisen bestückt. Da erscheint der Vater mit dem Rad. Die Kinder bestürmen ihn und er muss von jedem Eis probieren. Dann fährt er wieder los, nicht ohne mich anzugrinsen. Ich grinse zurück.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 71. Huste, Violetta, huste!


    Im allgemeinen Teil gibt es ein paar Besprechungen der Traviata aus Verona. Ich habe diese Oper öfter gesehen, allerdings nicht in letzter Zeit. Vor vielen Jahren wurde sie in Gelsenkirchen gezeigt, mit einer sehr jungen und sehr guten Hauptdarstellerin. Im dritten Akt (sie stirbt ja an der Schwindsucht) hatte ihr der Regisseur aufgetragen, ihren Zustand durch häufiges Husten anzuzeigen, was sie auch tat. Sie blieb aber nicht die einzige. Mit zunehmender Dauer pflanzte sich der Husten in den Zuschauerreihen fort, was die Musiker sehr irritierte. Schließlich endete es in einem befreienden Gelächter im ganzen Haus. Die Zuschauer stellten den Husten ein, Violetta auch; der ihr zukommende Tod war dann bronchialmäßig in Ordnung.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 72. Lionel Messi wird spät eingewechselt


    Alle behaupten ja, dass Messi zu Paris S.G. gegangen ist. Das stimmt nicht, denn dort spielt ein Doppelgänger von ihm. Der echte Messi singt jetzt bei "Vox Luminis", hier das Lied "Ah, Robin" von William Cornish. Er ist der Kleine mit dem hellen Anorak.



    Der Leiter von Vox Luminis, Lionel Meunier, spielt in seiner Freizeit bei Borussia Dortmund. Er ist doppelt so groß wie Messi, hier singt er nicht.

    Am 7.11. 2021 (17.00) singt Vox Luminis ein Programm mit englischer Musik im Konzerthaus Dortmund. Das Photo in der Vorschau zeigt ein größeres Ensemble, Lionel Meunier ist zu sehen. Ob Messi dabei ist, lässt sich aus dem Photo nicht herauslesen.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 73. Tempolimit


    Mein neuer Aufkleber für das Autoheck zeigt einen roten Verbotskreis mit der Zahl 130 darin; der Text darunter lautet:

    Für Ungeimpfte.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 74. Flugverbot


    Die im Thema "Musiktheater im Revier" zitierte Sängerin der Dido in Purcells Oper ("When I am laid in earth") ist niemand anderes als die Mutter von - Greta Thunberg. Diese hat ihre Mutter dazu gebracht, nicht mehr zu fliegen, was die Karriere der Mutter damit auf Europa beschränkt.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 75. Tunnel über der Spree


    Eine literarische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, der Fontane und Storm angehörten.

    Brücke unter der Ruhr: misslungene Gründung einer Gesellschaft durch Dr. Pingel.

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  • Dieses Thema ist reine Unterhaltung und zur Diskussion nicht geeignet. Da mir dikeses Thema Spaß macht, wird es weitergeführt.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

  • 76. Es gibt kein Gutes, außer man tut es. Das kann aber falsch sein.


    Diese Aufforderung von Erich Kästner kann man gut, aber auch schlecht machen, z.B. beim Spenden. Als zwei meiner Patenkinder studierten, habe ich ihnen regelmäßig eine kleinere Summe spendiert mit dem Verwendungszweck "No books". D.H., es war verboten, dieses Geld für Bücher fürs Studium auszugeben, wohl aber für Genüsse in der Freizeit. Im Berufsleben mit Einkommen habe ich verschiedene Organisationen "bespendet", darunter auch eine bestimmte Organisation, die Kinder betreute. Diese war rührig und schickte auch kleine Präsente ("gimmicks"). Als mir klar wurde, dass ich dieses unbrauchbare Zeug mit bezahle, habe ich nachgesehen, wie diese Organisation das Geld verwaltet. Und siehe da: 30% für Verwaltung. Also Kündigung.

    Wo kann man nachsehen? Es gibt eine Liste, die alle Organisation in Deutschland aufzählt, die Spenden sammeln. Es ist das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Dort kann man nachsehen, was die betreffende Organisation mit unseren Spenden macht. Positiv beurteilte Organisationen bekommen das "Spendensiegel".

    Spenden hat allerdings folgenden Nachteil: es gibt eine oder mehrere Organisationen, die Adressen von Spendern sammeln und dann an Spender- Organisationen weiterverkaufen. Man bekommt also jeden Tag ein oder zwei Spendenaufrufe per Post, meist mit Zahlkarte oder Beilagen. Da gibt es solch skurrile wie die Post, die gestern ankam. Es gibt eine Organisation, die die Nachkommen von weiblichen Affen betreut, die bei Tierversuchen ums Leben gekommen sind. Der Direktor sagt dort, dass sie eine Station mit 32 Affen betreiben, dass sie 700.000 Euro Schulden hätten und dass man für einen Affen nur (!) 58 € pro Tag oder 400 € pro Woche brauchte. Das wäre doch was für einen Hartz-IV-Bezieher. Obwohl natürlich ein Affenkostüm und das Training ("wie verhalte ich mich als Affe") erstmal größere Investitionen erfordern.

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)